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Katzenaugen 5 - x-mas

Katzenaugen 5 - Weihnachtsspecial



01

„Du hast leicht reden“, knurrte Caleb. Mit seiner Tasche stand er neben Tians Sportwagen, der nervös auf dem Lenkrad trommelte. Bis zum Schluss hatte der Leopard es hinauszögern wollen, doch nun ließ es sich leider nicht mehr vermeiden – er musste mit seinem Chef ins Haupthaus nach Tokio. Ein paar ihrer besten Kunden hatten zu weihnachtlichen Feierlichkeiten in die Rote Orchidee geladen und man erwartete, dass Tian Fa Porter und sein Stellvertreter daran Teil nahmen.

Caleb wusste ganz genau, dass viele ihn nur dabei haben wollten, weil er Aset Khonsus Gatte war und sich ein paar Vorteile davon versprachen, den Leoparden zu kennen.

„Caleb, steig jetzt bitte ein“, sagte Tian noch einmal gedehnt und betont ruhig, ein Zeichen dafür, dass er gereizt war. Seit zwei Stunden wollten sie Richtung Flughafen aufbrechen, doch Caleb fand immer wieder einen Grund, warum er noch immer vor dem Haus des Khonsu-Anwesens stand und auf die beiden Leoparden-Teenager blickte, die so unschuldig guckten, dass jeder Richter sie ohne Anhörung verknackt hätte. Wer so guckte, hatte was ausgefressen – das wusste Caleb ganz genau.

„Los, husch – ich werde mit den Plagen schon fertig“, erklärte Buster, der sich extra aus Asets Fuhrpark eine Familienkutsche gesucht hatte, weil er seine Geschwister mit zu sich nehmen wollte. Er schaffte das schon. Da war er sich sicher. Es war ja auch nur für eine Woche, da konnte er seine Geschwister schon beschäftigen. „Paps, nun los, euer Flieger wartet“, lachte er und schob Caleb zur offenen Autotür. Das wurde nie etwas, wenn er das jetzt nicht in die Hand nahm. „Weihnachten bist du doch wieder hier.“ Mit leichter Gewalt drückte er den Leoparden in den Sitz und schmiss die Tür zu. Tian zögerte auch nicht lange und gab Gas. Caleb brachte es nämlich fertig und stieg wieder aus.

„Asets Privatjet fliegt, wann ich will!“, brüllte Caleb noch aus dem geöffneten Fenster, wurde von Tian aber in den Sitz gezogen, als sie die Auffahrt zur Straße entlang brausten.

„So, die wären wir los.“ Rina rieb sich die Hände und warf sich das lockige, rote Haar über die Schulter zurück. Von ihrer Trollfrisur, die sie als kleines Mädchen getragen hatte, war sie abgekommen – eben weil ein gewisser Zwillingsbruder sie nur noch Troll rief. Es hatte sich nicht gebessert, seit sie die Haare rückenlang trug, aber Rina gefiel sich besser und den Jungs in ihrer Klasse auch.

„Party“, rief Ranu und hüpfte um Buster herum. Bis gerade hatte er noch daran gezweifelt, ob sein Vater sie wirklich in Busters Obhut ließ. Er hatte schon jede Menge Ideen, wie sie sich die nächste Woche die Zeit vertreiben konnten. Zeit hatten sie nämlich genug, denn an ihrer Schule gab es Weihnachtsferien, ganz im Gegensatz zu den Schulen einiger seiner Freunde.

Es hatte Vorteile, wenn man eine teure Privatschule besuchte, in der man auch auf die Reisegewohnheiten der Eltern Rücksicht nahm. Die Woche vor Weihnachten war seit einigen Jahren frei, dafür hatte man an den anderen Ferien im Jahr etwas gespart. Schließlich sollten die Kinder für das viele Geld auch optimal unterrichtet werden. Die Eltern zahlten schließlich nicht für Ferien.

„Hast du dir so gedacht, mein Freund“, holte Buster seinen kleinen Bruder gleich von seinem hohen Ross. „Ihr packt jetzt ein paar Klamotten und das wichtigste zum Überleben und in zehn Minuten fahren wir zu mir. Ich habe nämlich noch ein bisschen was zu erledigen“, sagte er und meinte damit vor allem den Kühlschrank bestücken, weil sein Liebling endlich von seiner ersten Europa-Tournee wiederkam. Die Demons waren berühmt geworden und das nicht zuletzt dank ihres Sängers.

„Ich habe meine Sachen schon gepackt“, erklärte Rina triumphierend und sah ihre Brüder an. „Meine Koffer stehen in der Halle, du musst sie nur noch holen und verstauen.“ Sie warf ihre Haare nach hinten und ging ins Haus, um sich noch etwas zu trinken zu holen. Sollte Ranu Buster erklären, dass das mit den zehn Minuten nichts wurde, weil er noch nicht einmal mit dem Packen angefangen hatte.

„Koffer?“, fragte Buster und glaubte seinen Ohren nicht. Doch die Ohren einer Katze waren sehr gut und somit musste er wohl glauben, was die kleine Zwecke gesagt hatte. Vor allem, als sie noch einmal süffisant über die Schulter lächelte, ehe sie in der Küche verschwand.

„Ich hab dir gesagt, wir sollten sie für die Woche im Zoo abgeben. Aber du wolltest ja nicht“, hielt nun Ranu ihm vor. Für ihn war sein Bruder immer noch der Größte, aber in seinen Augen viel zu nachsichtig mit der Plage von Troll.

„Ranu, mach hinne“, seufzte Buster, der gerade leise Zweifel bekam, ob die Idee, seine Geschwister zu hüten, eine gute gewesen war. Er scheuchte seinen Bruder ins Haus und sah entgeistert auf die zwei Riesenkoffer seiner Schwester. Wenn er die im Kofferraum hatte, war der voll. Was wollte die mit dem ganzen Zeug? Alles, was er selbst für eine Woche brauchte, passte in eine kleine Tasche und dann bestand die Hälfte noch aus seiner geliebten Elektronik.

„Trolle, ich sag’s ja“, sagte Ranu und stieg kopfschüttelnd die Treppe nach oben. Dort griff er sich eine Tasche und warf wahllos ein paar Klamotten hinein, sortierte auch im Bad das eine oder andere in seine Tasche und stopfte zum Schluss noch heimlich Maunti hinein, einen Plüschelch in kanadischer Uniform, den Buster ihm aus Toronto mitgebracht hatte, als er für ein paar Monate dort zum Arbeiten verweilte.

Er hing an dem Geschenk und hoffte, Rina bekam nicht mit, dass er ihn eingepackt hatte. Ständig suchte sie förmlich nach etwas, mit dem sie ihn ärgern konnte. Aber die nächste Woche wurde bestimmt cool, da hatte er Buster, der auf seiner Seite war. Was sie heute Abend machten, wusste er auch schon. Da wollte er mit Buster auf einer seiner Konsolen zocken. Das hatten sie schon lange nicht mehr gemacht.

Rina konnten sie gut im Bad einsperren, ein paar Duftkerzen, eine Badewanne und ein bisschen Troll-Tralala-Quatsch, und sie war ruhig gestellt für Stunden. Typisch Mädchen! Ständig blockierte sie das Badezimmer. Ranu hatte langsam die Nase voll, es sich mit ihr teilen zu müssen. Es wurde Zeit, dass Aset sein Versprechen hielt und sie räumlich etwas trennte. Zwar hatte jeder ein eigenes Zimmer, aber kein eigenes Bad. Er wich meistens in Calebs aus, wenn es dringend war.

Derweil seufzte Buster, als er Rinas Koffer in den großen Maybach stopfte.

Wo blieben die Kids denn?

Die zehn Minuten waren doch schon lange vorbei. Darum drückte er auf die Hupe und setzte sich schon einmal in den Wagen. Wie erwartet kam Ranu sofort die Treppe heruntergeflitzt und setzte sich auf den Beifahrersitz. „Fahr los, noch haben wir die Chance auf eine schöne Woche“, lachte er.

„Ich weiß nicht, was daran schön sein soll, wenn der stärkste Leopard, den diese Erde je hervorgebracht hat, uns bis ans Ende der Welt jagt, weil seine kleine Prinzessin verloren gegangen ist. Ich glaube, es gibt schönere Tode“, lachte Buster und hupte noch einmal. Wäre doch gelacht, wenn die junge Dame nicht endlich mal auftauchen würde.

„Ach komm, Aset wird uns schon retten. Er wird nicht zulassen, dass seinem Prinzen etwas passiert.“ Ranu war sich eigentlich sicher, das zu überleben, aber da immer noch eine kleine Wahrscheinlichkeit bestand, dass der Vampir einknickte, gab er sich damit zufrieden zu warten. Zum Glück hatte Rina sie wohl gehört und schlenderte langsam auf den Wagen zu. „Ich hab Hunger“, maulte sie leise, als sie sich auf der Rückbank niederließ.

„Kommst du nicht eben aus der Küche?“, maulte Ranu und schüttelte den Kopf, machte einen auf erwachsen, weil er vorn sitzen durfte. „Was hast du da gemacht?“

„Auf die U-Bahn gewartet, du Blitzbirne“, knurrte Rina, weil sie sich veralbert fühlte. Mit 'Ich habe Hunger’ wollte sie eigentlich ausdrücken: 'Lasst uns zum Drive In fahren’. Sie hatte keine Lust auf Hausmannskost, egal wie gut sie war.

Buster verdrehte die Augen. Das fing ja schon gut an, mit den beiden, wenn die sich jetzt schon zofften. „Los, anschnallen, ich will los“, kommandierte er und ließ den Wagen an. „Ich setz euch Zuhause ab und fahre dann einkaufen. Braucht ihr auch noch was?“, fragte er, obwohl er sich sicher war, dass er es bereute.

Doch die Antwort, die er bekam, war keine Liste, sie war ein Blick aus fragenden Gesichtern. „Du setzt uns ab, schließt uns ein und gehst einkaufen? Ich weiß ja nicht, was Caleb dazu sagt, dass du uns alleine lässt. Was, wenn es brennt? Wir werden sterben“, erklärte Rina mit diesem kleines-verlorenes-Mädchen-Blick und es war einer der seltenen Augenblicke in ihrem Leben, in dem Ranu ihr beipflichtete und sich gegen Buster stellte. „Papa Caleb lässt uns nie allein“, sagte er und Caleb wusste auch ganz genau warum!

Buster merkte, dass er es nicht mehr so wirklich gewohnt war, seine kleinen Geschwister um sich zu haben und das rächte sich jetzt. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass er jetzt an die Stelle seiner Väter getreten war und die zwei Zwecken grundsätzlich nicht das gleiche wollten wie er, außer sie hatten einen Vorteil davon. „Dann kommt halt mit“, seufzte er ergeben und die beiden gaben sich über die Lehne von Ranus Sitz hinweg high Five. Doch dann brach wieder die Geschwisterrivalität aus und sie knurrten sich an, hatten aber schon das erste Mal ihren Willen bekommen.

„Wir müssen dann Eis kaufen und die Schokolade nicht vergessen“, sagte Ranu und kramte im Handschuhfach nach Schreibmaterial, damit das auch ja nicht vergessen wurde. Der Stift huschte über das Papier und nach und nach füllte sich die Seite. Das da nichts Gesundes draufstand, war Buster klar. Aber zumindest konnte er bei diesen Dingen sicher sein, dass die Kurzen es auch aßen. Eigentlich fand er das gar nicht so schlimm, wenn sie einmal eine Woche lang Ungesundes in sich hinein stopften.

Blieb nur zu hoffen, die Kurzen hielten auch die Klappe, denn wenn Caleb das erfuhr, dann hatte Buster ein ziemliches Problem und dann nutzte es ihm auch nichts, dass er als Katze so klein und süß und getüpfelt war, denn dann zog ihm ein ausgewachsener Leopard sein Tupfenfell über die Ohren. Immer wieder einmal schielte er auf das Blatt, dann fuhr er schon in die Tiefgarage, denn von Asets Anwesen aus war der Weg zu ihm nicht weit.

Er scheuchte die jungen Katzen nach oben, um ihre Sachen abzuladen und so waren sie nicht viel später wieder im Wagen. Diesmal hatte Rina sich durchgesetzt und saß neben Buster, was Ranu natürlich nicht ohne ein paar gezischte Flüche hinnahm. Buster musste grinsen. Die zwei waren aber auch wie Feuer und Wasser.

„Du kannst mich mal am Arm anfassen!“, knurrte Rina, weil sie den eigentlichen Wortlaut des Spruches bei Strafe nicht sagen durfte. Es hatte schon Hausarrest gegeben, weil sie Ranu einmal angeboten hatte, ihr am Allerwertesten zu schlabbern. Und weil Ranu sich dann darüber lustig gemacht hatte, war er auch zu Hausarrest verknackt worden, was Rina dann wieder sehr gut gefunden hatte. Aber so war das immer, einer gönnte dem anderen nicht die Butter auf dem Brot.

Sie zergelten sich, wo sie nur konnten, aber wenn es drauf ankam, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Aber so war das wohl immer.

Zwei Stunden später war Buster fix und fertig und wusste jetzt, wie sich ein Dompteur fühlen musste. Er konnte wirklich nur von Glück sagen, dass es keine Verletzten gegeben hatte. Das Problem mit der Eiscreme, bei der jeder eine andere Geschmacksrichtung wollte, war ja noch verhältnismäßig leicht zu lösen gewesen, man hatte einfach zwei Sorten gekauft.

Aber als es daran ging festzulegen, was am Abend gekocht werden sollte, gingen die Wege komplett auseinander. Die figurbewusste Rina plädierte für eine Pizza mit Champignons, während Ranu von seiner Schnitzelorgie nicht abgehen wollte. Also wurde ein Kompromiss gefunden. Rina bekam ihre Pizza und die Jungs gönnten sich Schnitzel satt. Das passte Buster sogar ganz gut, denn dann konnten sie mehr machen und sie hatten auch noch welche für Rick, wenn der nach Hause kam. Der mochte die nämlich auch sehr gerne.

So schleppten sie die Beute in die Küche und kaum dass die Tüten abgestellt waren, war die Großzügigkeit der Geschwister auch schon wieder verflogen. Mit dem Hinweis, sie wären jetzt mal fernsehen, ließen sie Buster allein in der Küche zurück, der den beiden hinterher guckte, wie vor den Kopf geschlagen.

Solch verwöhnte Plagen!

Das war ihm vorher gar nicht aufgefallen. Da durfte sich Caleb aber auch etwas anhören!

„Kommt hier her – sofort!“, rief er also und fing an, die Einkäufe wegzuräumen.

Er musste noch dreimal rufen und drohen, bis die zwei Leoparden maulend in die Küche geschlichen kamen. Buster sah sie ernst an und wirkte mit dem Kochlöffel in der Hand ein wenig bedrohlich. „Also, ihr zwei, hier läuft es etwas anders. Wenn ihr essen wollt, dann helft ihr mit. Ich bin nicht euer Butler, also nehmt euch die Zutaten und legt los. Und kommt mir ja nicht damit, dass wir was in der Hotelküche bestellen können.“

„Wenn Caleb das wüsste“, maulte Rina leise. „Seine kleinen Lieblinge am heißen Herd und mit spitzen, scharfen Messern. Erstgeborener hin oder her, er wird dich einen Kopf kürzer machen, weil du nicht mehr so schön niedlich bist.“ Missmutig suchte sie sich auf dem Bildschirm an der Wand über der Arbeitsfläche durch Rezepte und hatte endlich eines für Pizzateig gefunden.

Derweil guckte Ranu zwischen Schnitzel und Paniermehl hin und her. Wie sollte das denn funktionieren?

„Seine kleinen Lieblinge sind nicht mehr so klein und wer mit scharfen Krallen umgehen kann, der wird sich schon nicht schneiden.“ Buster sah das recht locker und Narben würden auch nicht bleiben, denn Aset stärkte schon seit einigen Jahren ihre Selbstheilung. Außerdem war er auch noch da, um Schlimmeres zu verhindern.

„Schnitzel klopfen, würzen, durch Ei ziehen und dann in Paniermehl wenden“, erklärte er seinem Bruder, der aber wohl nicht viel damit anfangen konnte. Gut daran zu sehen, dass er den Finger krümmte, als wollte er an eine Tür klopfen und dasselbe dann mit dem Schnitzel tat. Was das für einen Sinn hatte, konnte er sich beim besten Willen nicht erklären, aber wenn Buster das sagte, würde das schon stimmen.

„Kinderschinder“, knurrte derweil Rina, der Mehl, Hefe und ein paar Gewürze vor die Nase gestellt worden waren. Aset hätte schon längst nachgegeben. Wo waren die Väter, wenn man sie brauchte?

Buster verdrehte hinter vorgehaltener Hand die Augen und verpasste seinem Bruder erst einmal eine Kopfnuss. „Blödi“, knurrte er und nahm Ranu das arme Schnitzel weg. Er legte es auf ein Brettchen und zeigte seinem Bruder, was er mit klopfen meinte. Dann übergab er das Werkzeug und machte sich daran, das Ei und das Paniermehl vorzubereiten.

Da stand Ranu nun, latent gepisst, weil er für seine Unwissenheit gerügt wurde. Aber Buster hatte doch gesagt, er sollte klopfen. Davon, dass wehrlose Schnitzel bestialisch verprügelt werden sollten, hatte keiner was gesagt. Da stand er also, hatte den Klopfer in der Hand und sah Buster an. „Es hat mir doch gar nichts getan!“

„Wenn du essen willst, klopf“, lachte Buster und stupste Ranu mit der Schulter an. „Komm, wir machen das zusammen. Das ist nicht schwer und wird superlecker schmecken.“ Er wollte, dass sein Bruder Spaß daran hatte, etwas zuzubereiten. Er selber hatte sich da auch nach und nach herangetastet.

„Na prima, der stellt sich doof an und kriegt Hilfe und ich werde mit der Waage und dem blöden klebrigen Teig allein gelassen!“ Mit ihren Teigfingern suchte Rina im Schrank nach etwas. Natürlich war sie zu klein und musste auf die Arbeitsplatte kriechen, mit den Knien rein ins Mehl. Irgendwo musste doch der Oregano sein.

„Mäuschen, sag doch was“, lachte Buster und übersah die Schweinerei in der Rina kniete. Sie wollten sich eine schöne Woche machen und da sollte er besser nicht kleinlich sein. Das konnte man alles wieder sauber machen. Er fischte den Oregano aus dem Schrank und behielt dabei Ranu im Auge, der anfing, die Schnitzel zu klopfen. Allerdings eher zögerlich und immer darauf bedacht, beiseite zu springen, sollte das Geschlagene sich wehren wollen und zum Angriff übergehen. Alibimäßig klopfte er noch ein bisschen darauf herum, dann nahm er sich das Paniermehl und die Eier und konnte von Buster gerade noch daran gehindert werden, beides in eine Schüssel zu werfen, um eine Panade herzustellen.

„Klopf du, ich mach den Rest“, legte Buster fest. Er verteilte die Zutaten auf zwei Teller und zeigte seinem Bruder, wie das ging. Dazwischen half er Rina bei ihrer Pizza, die ihr wirklich gut gelungen war. Die Kleine hatte Talent beim Kochen. Während die Pizza im Backofen buk, briet er die Schnitzel und leckte sich schon vor Vorfreude über die Lippen.

„Hast du eigentlich schon Weihnachtsgeschenke für uns gekauft?“, fragte Ranu, der neben seinem Bruder stand. Er hatte eine Schürze verpasst bekommen, damit er nicht vom heißen Fett eingesaut wurde, wenn es spritzte. Dabei lehnte er sich an Buster und schnupperte über der Pfanne. Das sah gut aus! Genauso wie das Eis in dem Eisschrank mit der Glasfront. Außerdem hatte Buster noch ein paar andere Sorten. Das versprach Spaß für die Nacht.

„Nö, ich hüte euch, da gibt’s keine Geschenke mehr“, sagte Buster ernst, wenn es auch nicht stimmte. Natürlich hatte er Geschenke, aber das musste er ja nicht gleich zugeben. Seine Geschwister waren sowieso ziemlich verwöhnt. Caleb hatte zwar immer versucht gegen zu steuern, aber Aset hatte es doch geschafft, die strengen Vorgaben zu unterlaufen.

„Was haben WIR denn bitteschön davon?“, fragte Rina, die auf der wieder sauberen Arbeitsplatte saß und mit den Beinen baumelte, dabei zufällig Ranu traf, der sie daraufhin in den Arm kniff. „Das ist vielleicht ein Geschenk für Caleb und Aset, weil die mal Ruhe vor uns haben – aber für uns?“ Sie war noch nicht ganz überzeugt und trat wieder nach Ranu, der Mistmade.

Der kannte aber seine Schwester und blieb außer Reichweite. „So ungern ich das ja sage, aber der Troll hat recht. Was haben wir davon?“ Er sah Buster mit großen Augen an und hoffte, dass sein Bruder gleich sagte, dass es doch Geschenke gab. Es war ihm dabei eigentlich egal, was er geschenkt bekam, es sollte nur von Buster sein.

„Was ihr davon habt?“, fragte Buster gespielt überrascht und sah seine Geschwister an. „Liegt das denn nicht auf der Hand? Ihr müsst nicht eine Woche lang im Tierheim leben, habt ein Dach über dem Kopf, bekommt etwas zu essen und wenn ihr lieb seid, dürft ihr abends im Bett noch ein Buch lesen. Viele Kinder haben es nicht so gut wie ihr. Wenn deren Eltern beruflich verreisen, müssen sie in Heime.“

„So weit kommt das noch“, meinte Rina schnippisch und rümpfte die Nase. Als wenn ihre Väter so etwas zulassen würden. „Was anderen Kindern passiert, ist mir egal, aber eins weiß ich, uns passiert so was nicht. Unsere Väter lieben uns und würden nie zulassen, dass wir in fremde Hände kommen.“ Während sie redete, rieb sie sich an einer Schrankecke. Ihr juckte der Rücken und das war nervig.

Ranu machte vorsichtshalber gleich noch einen Schritt von ihr weg. „Ich wusste doch, dass die sich in der Schule bei den blöden Jaguaren Flöhe geholt hat. Ich habe ja gesagt, legt der ein Flohhalsband an, aber nein. Jetzt steckt die uns noch alle an mit ihrem Ungeziefer“, knurrte Ranu. Die Diskussion über Weihnachtsgeschenke war erst einmal gestorben. Sie mussten Buster mal zu anderer Zeit erwischen.

„Du bist so blöd“, knurrte Rina und verdrehte genießend die Augen, als sie eine besonders juckende Stelle bearbeitete. Das tat so gut. „Sina hat ganz bestimmt keine Flöhe, genauso wenig wie ihr Bruder. Du bist ja nur sauer, weil sie nichts von dir will und dich hat abblitzen lassen.“

„Stimmt doch gar nicht. Von der räudigen Straßenkatze will ich doch nichts. Die kann ja nicht mal richtig cool sein, macht ständig einen auf Katze von Welt. Dabei ist sie dumm wie Bohnenstroh. Das sieht man daran, dass das Stroh, was nicht in den Kopf gepasst hat, jetzt als Frisur aus ihrer Rübe wächst. Die ist doch...“ Ranu redete sich in Rage und so war Buster ziemlich klar, dass Rina da ins Schwarze getroffen hatte.

„Pf“, machte Rina. Sie glaubte Ranu kein Wort und das sah man ihr auch an. Ihr konnte er doch nichts erzählen. Wenn er Sina so abstoßend fand, warum war er dann ständig in ihrer Nähe zu treffen? „Ist die Pizza fertig?“, wechselte sie das Thema, denn sie wollte nicht, dass ihr Bruder weiter ihre Freundin beleidigte.

„Ein bisschen Geduld musst du schon noch haben, Mäuschen“, sagte Buster und wuschelte seiner Schwester durch die Haare. „Du willst doch, dass sie schön knusprig wird, oder?“ Die Schnitzel waren schon fertig und die Pommes im zweiten Ofen waren auch fast gut.

„Klar soll die knusprig werden und nicht so labberig und blass wie mein Brudervieh!“

Ranu blitzte sie wütend an, sagte aber nichts, denn langsam wurde ihm das zu blöd. „Komm, lass sie alleine auf ihr Essen aufpassen, wir zocken eine Runde.“ Er öffnete den Backofen und angelte einen Pommes heraus. „Unser Futter ist fertig“, stellte er fest und holte das Backblech auch gleich heraus. Denn eines hatte er gelernt: er konnte ignorieren wie kein zweiter und Rina war diejenige, die das zu spüren bekam, wenn sie zu weit ging. Er behandelte sie dann einfach wie Luft, das machte den wenigsten Ärger. Er verteilte also Pommes auf zwei Tellern und packte die Schnitzel dazu, ertränkte alles in Salsa und wirkte dabei sehr glücklich. „Lass uns Formel 1 zocken! Ich hab geübt!“ Und schon verschwand er mit beiden Tellern Richtung Wohnzimmer.

Buster wuschelte Rina durch die Haare und lächelte. „Komm mit. Deine Pizza verbrennt schon nicht“, bot er an, auch wenn er wusste, dass Ranu sich darüber ärgern würde. Aber er wollte nicht, dass die kleine Leopardin sich zurückgesetzt fühlte. Sie war seine Schwester und er liebte sie genauso wie Ranu.

Wie erwartet knurrte der Leopard. „Der Troll kann ruhig in der Küche bleiben. Kann ja mit ihrer Busenfreundin Sina telefonieren und Flöhe austauschen.“ Vorbei war’s mit dem Ignorieren – sich streiten machte doch viel mehr Spaß!

„Los, rutsch rüber.“ Buster ließ sich von dem losen Mundwerk nicht beeindrucken. Er zeigte Ranu deutlich, dass er damit nicht weiter kam, als er Rina mit sich auf die Couch zog und ihr seinen Teller hin hielt, damit sie auch ein paar Pommes knabbern konnte.

Die junge Dame sah sich um. „Dafür, dass nächste Woche Weihnachten ist, ist hier aber wenig Deko.“ Und das war noch beschönigend ausgedrückt, denn Buster hatte noch gar nicht geschmückt.

„Öhm.“ Buster kratzte sich am Kopf und grinste schief. „Ja also…“, murmelte er. „Wäre das nichts für dich? Du hast da bestimmt ein besseres Händchen als ich.“ Buster hatte es nicht so mit Deko. Wegen ihm musste das nicht sein, aber wahrscheinlich sollte er es doch etwas weihnachtlicher machen für seine Geschwister.

Derweil hatte Ranu seinen Teller auf den Couchtisch gestellt und kugelte über die große Couch, bekam vor Lachen kaum noch Luft und als Buster ihn fragend ansah, erklärte er unter Lachtränen: „Hast du dir mal ihr rosa-Prinzessinen-Zimmer angeguckt? Ich bezweifle stark, dass sie das richtige Händchen dafür hat, Räume zu dekorieren.“

Rina trat wütend nach ihm, erwischte ihn aber nicht.

„Ach was, Rina macht das schon.“ Buster war sich da zwar auch nicht mehr sicher, aber jetzt konnte er keinen Rückzieher mehr machen. Gab es eben dieses Jahr rosa Weihnachten. Er würde es überleben. Blieb nur zu hoffen, dass Rick auch für ein paar Tage damit leben konnte. Nach Weihnachten konnte ja alles wieder in den Kisten verschwinden. Buster sah auf die Uhr. Rick müsste in der Luft sein, irgendwo über dem Atlantik, auf dem Weg nach Hause zu ihm. Irgendwie hatte Buster es versäumt ihm zu sagen, dass die Kids ein paar Tage da waren. Aber die Wohnung war eigentlich groß genug, um sich aus dem Weg gehen zu können, wenn man das wollte.

Luan und Peter hatten es gleich richtig gemacht. Nach dem Ende der Demon-Tournee hatten sie eine Woche Karibik angeschlossen. Das hätte ihm auch gefallen. Eine Woche mit Rick alleine. Schließlich hatten sie sich seit einer ganzen Weile nicht gesehen. Buster hatte ihn vermisst und ihre Telefongespräche hatten es auch nicht besser gemacht. Er musste lächeln und Ranu stieß ihn an.

„Spielen wir jetzt?“, drängte er und hatte schon alles vorbereitet. Ganz nebenbei hatte er noch seinen Teller leer geputzt. Der Junge hatte einen gesunden Appetit. Auch Rina hatte sich mittlerweile ihre Pizza geholt und kaute zufrieden. Sie hatte keine Lust, den Jungs beim Zocken zuzugucken und so verzog sie sich in eines der Gästezimmer, um sich einen Film rein zu ziehen, ließ die Tür aber offen, damit sie hörte, wenn etwas tolles ohne sie passieren sollte. Zum Beispiel die Verteilung von Eis.

Aber erst einmal passierte nichts in der Richtung. Die Jungs spielten einige Runden. Zwischendurch sprang Ranu auf und lief zu seiner Tasche, die noch im Eingangsbereich stand und wühlte sie durch. Er hatte doch sein neues Spiel eingepackt, da war er sich sicher. Der gesamte Inhalt seiner Tasche flog in hohem Bogen durch die Gegend. Es war wirklich erstaunlich, was alles in diese Tasche passte. Es schepperte ein wenig, als seine Inliner auf dem Marmorboden aufschlugen, aber das störte ihn nicht, denn er hatte endlich gefunden, was er gesucht hatte.

„Da ist es, da ist es!“ Hastig wechselte er das Spiel und während er Buster großzügig eine Trainingsrunde gestattete, schlich sich der junge Kater in die Küche zum Heiligtum.

Der Eistempel mit all seinen Verlockungen.

Da standen sie, alle in Reihe und warteten nur darauf, von ihm vernascht zu werden. Schnell war eine Sorte gegriffen und schon saß er auf dem Boden und schlug den großen Löffel in das Pfirsich-Joghurt-Eis.

Seine Augen schlossen sich im Genuss, als er die kalte Köstlichkeit auf seiner Zunge spüren konnte. Eis war einfach das Größte. Kein Nachtisch, auch wenn er noch so lecker war, konnte da mithalten. Immer wieder tauchte er den Löffel in das Eis, um ihn dann genüsslich abzulecken. Allerdings war er wohl nicht leise genug gewesen, denn plötzlich stand Rina in der Tür und blitzte ihn an.

„Verfressenes Mistvieh“, knurrte sie und kramte in der Schublade nun ebenfalls nach einem Löffel. So weit kam es noch, dass der Blödmann sich den Wanst voll schlug und hinterher wieder mit Magentropfen behandelt werden musste, während sie völlig leer ausging. Also schob sie den Brocken von der Tür weg, sie wollte auch was haben!

So saß sie ein paar Augenblicke später neben ihrem Bruder und löffelte köstliches Schokoladeneis. Früher hatte man sie damit nicht begeistern können, aber seit ein paar Jahren war sie auch auf den Geschmack gekommen. Nicht so exzessiv wie ihre Brüder, denn sie hörte auf, bevor ihr schlecht wurde.

„Rina?“ Buster fand sich allein im Wohnzimmer wieder und die Leopardenzwillinge waren verschwunden. Das war meistens kein gutes Zeichen. Doch er hörte weder Schreie noch Flüche, vielleicht waren sie sich noch nicht über den Weg gelaufen.

„Ranu?“, rief Buster und erhob sich eilig. Denn wenn die beiden so still waren, dann steckten sie die Köpfe zusammen und heckten etwas aus. Besser man hatte ein Auge darauf. So hastete er durch den Flur, hüpfte geschickte über das Chaos, das Ranu im Flur vor dem Fahrstuhl angerichtet hatte und entdeckte die Eis verschmierten Plagen in der Küche – in einer Lache aus... früher bekannt als Eis. Den Farben nach zu urteilen, hatten sie sich fast durch den kompletten Vorrat probiert. So ging das ja gar nicht.

„Ey, das ist fies, einfach ohne mich anzufangen“, schimpfte Buster und stemmte die Arme in die Seiten. So weit kam es noch, dass seine Geschwister ihm in seiner eigenen Wohnung kein Eis übrig ließen. Darum holte er sich einen Löffel und hockte sich dazu. Die Sauerei konnten sie auch später noch entsorgen. Ausnahmsweise bestand nicht die Angst, dass Caleb plötzlich auftauchte und wieder einmal wissend die Augen verdrehte, wenn Buster behauptete, er würde auch alleine ganz gut zu Recht kommen.

„Boah! Du hast ja Eierlikör mit Schoko!“ Natürlich langte Rina quer über ihren Bruder mit dem großen Löffel in Busters Eisbox und angelte sich davon auch noch was. Dass ihr Bruder knurrte, störte sie nicht im Geringsten. Das gehörte einfach dazu und sie knurrte zurück. Ranu knurrte auch, rein prophylaktisch, falls jemand auf die Idee kam, bei ihm klauen zu wollen und so war es eigentlich wie immer, wenn die drei Geschwister Eis aßen, nur dass diesmal Aset fehlte, der sonst gerne mit machte und Caleb, der hinterher die Tropfen für den Magen verteilte. Das mussten sie heute wohl selber übernehmen oder elendigst zugrunde gehen.

„C’leb 'laubt uns nie --- viel Eis zu ess’n“, erklärte Ranu und hatte dabei noch den Löffel im Mund, deswegen war es etwas unverständlich. Bei Buster war er eben doch am liebsten. Darum war er auch jedes Mal traurig, wenn sein Bruder für Wochen oder Monate im Ausland war, um dort zu arbeiten.

„Wehe ihr petzt, denn dann ist das Schlaraffenland hier für euch gestorben“, lachte Buster und klaute sich ein wenig von Ranus Bananeneis. Vorbeugen war besser, als hinterher Caleb Rede und Antwort zu stehen.

„Bin doch nicht blöd und schlage die Tür zum Paradies zu!“, tönte Ranu und weil er bestohlen wurde, bestahl er einfach seine Schwester. Deren Schüssel war noch am vollsten von allen. Sie aß ja auch viel zu langsam! Das schmolz doch alles, war schade drum.

Bald darauf saßen alle drei auf dem Küchenboden und hielten sich jammernd die Bäuche. Sogar Rina hatte heute über die Stränge geschlagen. „Kinder, ich hole die Magentropfen, dann geht ihr duschen und ab ins Bett“, seufzte Buster und erhob sich schwerfällig. Wie gut, dass er ein Fläschchen der Tropfen hier in der Küche hatte. Denn kein Ort hätte sich besser für die Aufbewahrung geeignet als der Ort allen Übels und aller Wonnen.

Schnell waren die Tropfen verteilt und die kleinen Leoparden in die Bäder ihrer Zimmer gestopft. Einen letzten Blick warf Buster auf die Sauerei vor dem Kühlschrank, doch darum konnte er sich auch morgen noch kümmern. Ihm war schlecht und er wollte sich hinlegen. Mehr nicht. Also verschwand auch er in seinem Bad.



02

Die Dusche tat gut und er fühlte sich etwas besser. Buster sagte seinen Geschwistern gute Nacht und ließ sich dann einfach in sein Bett fallen. Alles, was er wollte, war schlafen und das tat er auch. Es dauerte keine zwei Minuten und er schlief tief und fest. Darum bekam er auch nicht mit, dass Ranu zwar leidend, aber nicht müde war und sich darum noch einen Horrorfilm ansah, der im Fernsehen lief. Trotzdem, oder besser gerade darum, weil er dafür noch viel zu jung war.

Er kauerte unter seiner Decke, guckte immer nur mit einem halben Auge und bereit, die Decke ganz über den Kopf zu ziehen, wenn es zu gruselig wurde. Irgendwann hatte er von all den wahnsinnigen Axtmördern die Nase gestrichen voll und machte den Fernseher aus, doch es wurde dadurch nicht besser. Er lag nun in seinem Bett, lauschte auf jedes Geräusch und zuckte zusammen, sobald sich etwas regte.

Als etwas in Rinas Zimmer polterte, hielt er es nicht mehr aus und flitzte durch die dunkle Wohnung hoch zu Buster. Sein Herz schlug laut und ängstlich, aber er musste einfach zu Buster. Sein Bruder war der einzige, der ihn beschützen konnte. Darum krabbelte er zu Buster unter die Decke und klammerte sich an ihn.

„Rick“, nuschelte Buster zufrieden, denn sein Unterbewusstsein hatte auf seinen Schatz gewartet. Jetzt war er da und sicher im Bett, jetzt konnte sich Buster seinem komatösen Tiefschlaf hingeben.

Seine Arme schlossen sich um den vermeintlichen Rick und es wurde wieder ruhig in dem großen Schlafzimmer.

Nur war sein Schatz noch gar nicht Zuhause, sondern immer noch in der Luft, wenn auch schon im Landeanflug auf New York. Er wusste, dass es albern war, aber er guckte aus dem Fenster, weil er hoffte, einen kurzen Blick auf Busters Penthouse zu erhaschen. Er hatte seinen Liebling vermisst und freute sich darauf, ihn endlich wieder zu sehen.

Die letzten beiden Tage hatten sie sich nicht einmal richtig gesprochen, weil er von einem Termin zum anderen gehetzt war und als er endlich Zeit gefunden hatte, war es bei Buster drei Uhr in der Nacht gewesen. Bestimmt nicht die Zeit, zu der er einen arbeitenden Kater aus dem Bett holen sollte, auch wenn er wusste, dass sein Liebling sicherlich nicht sauer gewesen wäre. Doch es musste ja wenigstens einer von ihnen beiden vernünftig bleiben.

Rick lachte leise und schnallte sich ab, als es endlich gestattet wurde. Sein Wagen stand am Flughafen, jetzt trennten ihn nicht mehr Hunderte Kilometer, sondern nur noch wenige. Er würde sich zu seinem Schatz schleichen, sich an ihn kuscheln und morgen früh mit ihm aufwachen.

Sie hatten sich in den letzten Jahren zusammengerauft und es war nicht immer leicht gewesen. Beide waren sie starke Persönlichkeiten und darum waren Spannungen vorprogrammiert gewesen. Ihre Liebe hatte sie aber zusammengehalten und war mit den Jahren noch gewachsen. Mittlerweile konnte er sich ein Leben ohne Buster nicht mehr vorstellen und er selbst war umgänglicher geworden. Sein Kontakt zu Aset beschränkte sich noch immer auf das nötigste, denn er hatte ihm noch nicht vergessen, was der Vampir getan hatte. Doch er rechnete ihm an, wie gut es den Zwillingen bei Aset ging. Vielleicht sogar etwas zu gut, wie er fand. Doch sie waren Kinder und hatten es verdient, verwöhnt zu werden.

Lachend schwang sich Rick hinter das Steuer. Die beiden Leoparden waren auch zwei Granaten. Die hatten ihren Vampir-Vater fest im Griff. Aset so zu sehen, machte es Rick leichter, mit ihm umzugehen. Ein Blick auf die Uhr – es war zwei Uhr durch. Zum Glück war morgen Samstag und Buster musste nicht arbeiten. Sie würden sich einen leidenschaftlichen Tag zuhause machen. Darauf freute sich Rick schon.

Die Straßen waren recht leer und so parkte er seinen Wagen neben Busters und stieg in den Aufzug. Jetzt dauerte es nicht mehr lange und er konnte seinen Schatz in die Arme schließen.

Die Aufzugstüren öffneten sich und Rick schnupperte. Es roch anders als sonst. Da war ein fremder, aber doch vertrauter Geruch. Er machte zwei Schritte und wusste, wen er da gerochen hatte, als er über ein paar Rollerskates stolperte.

Ranu war da!

Sein leise gemurmelter Fluch ging in ein Knurren über, als er sich in seine Tierform wandelte, um nicht lang im Korridor aufzuschlagen. Das fing ja schon gut an. Leise vor sich hinbrummend, lief er in die Küche, weil er etwas essen wollte. Im Dunkeln konnte er nur leider nicht die Eislache sehen, in die er trat und dann ging alles ganz schnell. Er rutschte aus, schlidderte, noch bevor er etwas dagegen unternehmen konnte, durch die Küche, knallte mit dem Kopf gegen einen Schrank und taumelte betäubt zurück, kam wieder ins Rutschen und landete schließlich auf dem Hintern, versuchte verzweifelt wieder auf die Beine zu kommen und plumpste dann komplett ins Eis, so dass er über und über damit bedeckt war.

Da lag der kleine Tiger nun und war bedient. Er musste sich nicht erheben um zu wissen, dass er aussah wie ein Sahnedrops und klebte wie ein Fliegenfänger. Erst war Rick versucht gewesen, das Zeug aus dem Fell zu lecken, doch das lag hier schon eine Weile und das letzte, was er noch gebrauchen konnte, war ein verdorbener Magen wegen verdorbenem Eis. Es reichte seine verdorbene Laune.

Missmutig stand er nun in der Pfütze. Eines war klar – wenn er jetzt so ins Bad ging und die Spuren in den Teppich im Flur trat, dann hatte er morgen nur noch fünfzig Prozent seines Fells, wenn Buster das sah. Das war keine Option. Also hopste der kleine Tiger sich ergebend in die Spüle. Klein genug war er ja dafür.

Seine Laune wurde auch nicht besser, als er den Wasserhahn öffnete und erst einmal einen Schwall kaltes Wasser abbekam. Er konnte sich gerade noch daran hindern, aus der Spüle zu springen, aber seine Laune konnte nicht mehr tiefer sinken. Missmutig hockte er in der Spüle und wenn jetzt jemand in die Küche gekommen wäre und gelacht hätte, hätte es Tote gegeben. Rick ließ das Wasser laufen, bis sein Fell wieder sauber war und schüttelte sich dann trocken. Das ging zwar nicht, ohne dass die Küche etwas abbekam, aber das war ihm jetzt egal. Damit er nicht wieder in die Pfütze tappte, lief er auf den Schränken bis zur Tür und sprang in den Flur. Erst dort wandelte er sich wieder und strubbelte sich durch die nassen Haare.

Doch als er sich zu Busters Zimmer schlich, war alles vergessen. Er grinste, war ziemlich zufrieden, weil er schon nackt war, und huschte agil die Treppe nach oben. Wie er die Tür öffnete, ohne dass sie quietschte, wusste er schon und so dauerte es keine Sekunde, dass er zu seinem Liebling ins Bett gekrochen war und sich von hinten an ihn schmiegte.

Woher hätte er auch wissen sollen, dass er sich an Ranu schmiegte, der von Axtmördern träumte und kreischend hoch schoss. „Verschone mich, nimm meine Schwester!“ Und er stand senkrecht im Bett, die Decke schützend um sich geschlungen.

Rick plumpste vor Schreck wieder aus dem Bett und stand keine Sekunde später in seiner Zwischenform ebenfalls auf dem Bett und knurrte bedrohlich. Bereit jeden Eindringling, der seinem Liebling etwas tun wollte, zu zerfetzen. Ranu kreischte wieder und versteckte sich hinter Buster, der auch hochgeschossen war, um seinen Bruder zu beschützen.

Das Herz schlug ihm bis zum Hals, weil er aus den tiefsten Träumen gerissen worden war und nun sortierte er, was er sah.

Er sah Ranu – wo kam der denn bitte her?

Und der dahinter, mit dem breiten Kreuz und den Streifen?

Der sah heiß aus!

Lecker.

„Rick?“, fragte Buster ziemlich irritiert. Er rieb sich über die Augen und dann ging die Tür noch einmal auf.

Rina hatte den Schrei gehört und war hergelaufen, um zu sehen, was los war. Und sehenswert war das hier allemal. Ihre Augen klebten nur noch an Rick, vor allem an seinem Bauch und etwas tiefer.

Sie merkte noch nicht einmal, wie sie leise schnurrte und sich über die Lippen leckte. Sie hatte doch immer gewusst, dass der Tiger an Buster verschwendet war. Leise schlich sie näher und Rick bemerkte, worauf sie starrte. Schnell drehte er sich um, denn vor der Leopardin war es ihm unangenehm, nackt herumzustehen. Vor allen Dingen Caleb dürfte davon nicht begeistert sein. Er machte es dadurch aber nicht besser, denn seine Rückseite fand Rina auch ziemlich nett.

„Was ist hier los?“, fragte Rick knurrig und sah Buster an. Die Lust auf Sex war ihm erst einmal vergangen.

„Hm?“, machte Buster und bemerkte jetzt auch die heiß laufende junge Dame. „Rina, raus!“ Er zeigte mit der Hand auf die Tür und sie sah ihn verstört an.

„Wieso?“, wollte sie wissen und setzte sich auf das Bett, Rick dabei aus dem Augenwinkel weiter beobachtend.

„Weil du meinen Mann nicht so anzugaffen hast, schon gar nicht in den Regionen. Mach dich ins Bett und jetzt zu dir, junger Mann!“ Er zerrte die Decke von Ranu, der immer noch wimmerte, man möge ihn verschonen und seine Schwester zerhacken.

Rick hätte es eigentlich wissen müssen. Wann war eine Begegnung mit den Zwillingen schon einmal nicht turbulent verlaufen. Das beruhigte ihn wieder und er wandelte sich zurück. Allerdings wollte er in seiner menschlichen Form Rina nicht die Chance geben, ihn anzustarren und schlüpfte schnell unter die Decke. Er besah sich Buster und Ranu, der jammernd an Buster hing und seufzte. „Los, Rina, wieder ins Bett, die Show ist vorbei“, erklärte er der Leopardin und machte ein strenges Gesicht. Vor ihm hatte sie ein wenig Respekt. Vielleicht half es ja.

Doch er erreichte das Gegenteil. Sie grinste ihn an, tat als würde sie mit einer Kralle nach ihm schlagen wollen und machte lasziv: „Rrrrr“.

„Rina!“, knurrte jetzt auch Buster. „Noch so ein Ding und Caleb erfährt, dass du Männer anmachst. Was glaubst du, was dann passiert, wenn Papas kleine Prinzessin nicht mehr Papas kleine Prinzessin ist. Dann gehst du für dein Taschengeld arbeiten.“ Er wusste, dass er dick auftrug, aber irgendwie musste er seine kleine Schwester von seinem Liebsten fern halten und nebenbei noch den wimmernden Ranu in dessen Bett stopfen, um endlich Rick begrüßen zu können.

Rina blitzte ihn wütend an, aber die Drohung wirkte. Beleidigt erhob sie sich und stapfte aus dem Raum, allerdings nicht ohne sich an der Tür noch einmal nach Rick umzusehen und ihn anzulächeln. Der schüttelte den Kopf und besah sich Buster, der noch immer mit Ranu kämpfte. Er war müde, darum zog er Buster mit seinem Anhängsel zu sich. „Lass ihn hier bleiben, sonst ist er in einer halben Stunde doch wieder hier“, murmelte er seufzend. Sex fiel jetzt sowieso aus, da kam es darauf auch nicht mehr an.

„Er kann auch bei Rina schlafen! Wofür sind es denn Geschwister?“, knurrte Buster leise, denn im Gegensatz zu seinem Liebling hatte er den Sex nach sieben Wochen Trockenzeit noch nicht abgeschrieben. Doch so wie Ranu an ihm klammerte und wimmerte und schwor, dass er nie, nie, nie wieder Gruselfilme gucken würde, wenn er diese Nacht überleben würde, ergab sich Buster.

I love my family – really!

„Pack dich da hin und darüber reden wir morgen noch mal”, grollte er und stopfte Ranu samt Decke in die eine Ecke des Bettes und kroch zu seinem Liebling – endlich!

Der zog ihn auch gleich in seine Arme und küsste ihn. Das hatte Rick so sehr vermisst. Er hatte Buster nichts davon erzählt, aber oft war er fast so weit gewesen, einfach alles hinzuschmeißen und zu Buster zu fliegen. „Hallo Liebling“, begrüßte er ihn endlich und drückte ihn fest an sich.

„Ich habe dich so vermisst und in dem ganzen Stress völlig vergessen, dir zu sagen, dass ich die Kurzen für eine Woche da habe, weil meine Väter auf verschiedenen Kontinenten weilen“, entschuldigte sich Buster und kroch auf seinen Schatz, um ihn leidenschaftlich zu küssen. Allerdings konnte er den leise wimmenden Ranu nicht ganz vergessen.

„Jetzt weiß ich es. Ich habe es schon geahnt, als ich über die Fahrstuhlbarrikade gestolpert bin und auch, als ich in der Eispfütze ausgerutscht bin.“ Rick lachte leise, denn im Nachhinein gesehen war es schon recht lustig. Was brachte es auch, sich jetzt noch darüber aufzuregen. Das war etwas, was er von Buster gelernt hatte und er war ihm dankbar dafür, denn es machte sein Leben weniger verbissen und düster. Er hatte gelernt, dass nur Gelassenheit ihn retten konnte.

„Die Eispfütze, Mist“, nuschelte Buster gegen Ricks Lippen. Die hatte er völlig vergessen. „Hast du dir sehr wehgetan? Ich mach’s wieder gut“, raunte er dunkel, doch jeder Hauch von aufkommender Erotik verschwand mit seiner Decke, die Ranu gerade auch noch über sich zerrte. Ergeben ließ Buster sich auf Rick sinken und grinste ihn entschuldigend an. „Ich nehme den Fernseher aus seinem Zimmer, versprochen!“

„Mein Schädel hat ziemlich gebrummt“, erklärte Rick zufrieden, denn Buster nahm solche Versprechen sehr ernst. Dazu, dass Ranu seinen Fernseher weggenommen bekommen sollte, sagte er nichts, denn dass das passierte, glaubte er erst, wenn Buster ihn aus dem Zimmer schleppte. Er ließ sich lieber von Buster küssen und streichelte ihm dabei über den Rücken, wenn mehr schon nicht drin war.

Doch auch die schönste Zweisamkeit fand ein jähes Ende, wenn der kleine Bruder Schutz und Trost suchte, um endlich wieder einschlafen zu können. So robbte er unter seinem Berg aus Decken ungeniert auf die zwei nackten Männer zu. Das war immer noch besser, als von einem irren Axtmörder überfallen zu werden. „Wir sollten schlafen und morgen ein paar Regeln aufstellen“, seufzte Buster ergeben, rutschte neben seinen Liebling und spürte, wie sich Ranu an seinen Rücken kuschelte.

Was für eine Nacht.

„Ja, besonders für Rina.“ Rick sah da noch einiges auf sich zukommen, so wie die ihn angesehen hatte. Er mopste Ranu eine der Decken und warf sie über Buster und sich. „Ich liebe dich“, murmelte er leise und schloss seinen Liebling in seine Arme. Sie sollten wirklich schlafen und morgen noch einmal von vorne anfangen.

Am besten ungestört und mit viel Lust und Leidenschaft, während die Kinder in einem der Bäder hermetisch weggesperrt wurden.

„Ich dich auch“, nuschelte Buster, knabberte sich noch ein wenig über Ricks Schulter, dann schlief er wieder ein. Ein paar Stunden hatten sie noch.

Rick war noch ein wenig wach und lauschte in die Wohnung. In Rinas Zimmer war alles ruhig und auch hier schliefen alle wieder. So konnte er beruhigt die Augen zumachen und endlich wieder mit Busters geliebtem und vertrautem Geruch in der Nase ruhig schlafen.



03

„Er ist so heiß, guck dir doch das Sixpack an“, murmelte Rina, die neben ihrem Bruder auf dem Bett saß. Sie guckte nach Buster und Rick, wobei sie Buster lieber nicht gesehen hätte, denn der verdeckte zu viel von dem adretten Sänger. Was legte der seine blöde Pfoten auf dessen Bauch? Das störte doch das leckere Bild.

„Willst du etwa was von dem?“, fragte Ranu skeptisch. Das würde Buster aber bestimmt nicht gefallen.

„Weiß nicht“, murmelte Rina, denn so war es. Sie hatte so ein seltsames Kribbeln im Bauch, als sie Rick heute Nacht gesehen hatte und konnte sich das nicht erklären. Sie hatte Rick schon von Anfang an toll gefunden, seit er angefangen hatte, ihr etwas vorzusingen. Sie war durcheinander, was sie aber nicht daran hinderte, sich Rick genau anzusehen.

„Starr da nicht so hin, du bist ja pervers!“, knurrte Ranu, weil die Decke von den beiden Männern gerutscht war. Und während man von Buster nur den Hintern sah, präsentierte sich Rick in seiner ganzen Größe. „Das gehört sich nicht. Das sag ich alles Papa Caleb, das gibt Ärger, mach dich drauf gefasst.“ Auch Ranu war etwas angebrannt, denn wenn Rick da war, verbrachte Buster bestimmt viel mehr Zeit mit dem als mit seinem kleinen Bruder.

„Elende Petze“, zischte Rina und blitzte ihren Bruder wütend an. Das war ihr jetzt zu doof. Was fiel dem Zwerg eigentlich ein, ihr Vorschriften zu machen? Darum ging sie aus dem Raum in ihr Zimmer und knallte die Tür. Das weckte Rick und er öffnete ein Auge. Er war sich nicht ganz sicher, ob er die letzte Nacht nur geträumt hatte, aber als er Buster auf sich spürte, musste er lächeln. Er war wirklich wieder Zuhause.

„Moin!“, begrüßte ihn aber an seiner Stelle Ranu, der schon eine Weile neben ihnen hockte und auf Busters großen Fernseher ohne Ton Comics guckte. Er hatte Busters Festplatten durchforstet und war an einer japanischen Serie über Auftragsmörder hängen geblieben – cool! Vergessen war sein Versprechen, nie wieder so etwas Blutiges zu gucken. „Zieh mal die Decke höher, Rina hat eben schon gesabbert.“

Erschrocken griff Rick nach der Decke und sah sich hektisch um. Erst als er Rina nicht entdecken konnte, atmete er wieder auf. Musste Ranu ihn so erschrecken? „Morgen“, murmelte er gähnend und küsste Buster auf die Schläfe. Den Tag heute wollte er sich nicht verderben lassen.

„Hm?“ Verschlafen regte sich Buster, er hatte Stimmen vernommen und öffnete langsam die Augen. „Guten Morgen, mein Liebling“, nuschelte er und schob sich sanft auf seinen Schatz, um ihn ein bisschen zu verwöhnen. Seine Beine öffneten sich und er rieb sich sanft an Rick, doch er bekam kein Feedback. Fragend sah er ihn an.

„Ranu“, formten Ricks Lippen lautlos, damit Buster wusste, dass sie nicht alleine waren. Es fiel ihm wirklich schwer, sich seinen Schatz nicht einfach zu greifen und ihm zu zeigen, wie sehr er ihn vermisst hatte. Aber zumindest konnte er ihn küssen und ihm zeigen, worauf er sich freuen konnte, wenn er Ranu schnell aus dem Zimmer bekam.

„Hä?“, machte Buster, der nicht gleich verstand, doch ihm war schlagartig bewusst, was die Lippenbewegungen seines Lieblings bedeuten sollten, als der Kopf seines Bruders neben ihm auftauchte und er ihm freudestrahlend einen besonders schönen, guten Morgen wünschte.

Erschrocken zuckte Buster, hätte Rick fast noch in die Seite getreten und zog die Decke über sich. „Ranu!“, keuchte er. „Mach dich in dein Zimmer.“

„Warum?“, fragte Ranu mit unschuldigem Augenaufschlag. Er sah ja nicht ein, dass er jetzt gehen sollte. Buster gehörte diese Woche ihm und da ging er nicht von ab. „Mein Film ist noch nicht zu ende. Schlaft noch, dann fällt euch nicht auf, dass ich hier bin.“

„Ranu“, sagte Buster langsam und lauernd. „Entweder guckst du den Film im Wohnzimmer weiter oder wir haben gleich ein Tänzchen. Ich habe Rick sieben Wochen nicht gesehen, ich hätte gern ein paar Minuten mit ihm alleine. Wascht euch, macht die Küche sauber. Räumt euer Zeug in eure Zimmer und dann werden wir zusammen ein paar Regeln für die Woche formulieren.“ Buster liebte seine Geschwister wirklich, aber im Augenblick lechzte er nach Befriedigung.

Ranu war ein wenig geschockt, das sah man ihm an, denn so redete Buster nur mit ihnen, wenn er wirklich sauer war. Das hielt ihn aber nicht davon ab, seinem Unmut Luft zu machen. „Boah, das hab ich gern, kaum ist dein Kerl da, da sind wir Luft und werden angemault. Na vielen Dank auch“, schimpfte er und schmiss wütend die Fernbedienung auf das Bett. Er war unsagbar enttäuscht und das zeigte sich darin, dass sich seine Augen mit Tränen füllten. Diese Blöße, jetzt vor Rick zu heulen, wollte er sich aber nicht geben, darum sprang er auf und lief aus dem Zimmer.

„Scheiße“, murmelte Buster und ließ den Kopf sinken. Ihm war klar, dass das nicht so leicht wieder zu kitten war. Aber konnte er nicht einmal am Morgen ein paar Minuten nur für sich haben? Die Kids hatten ihre Zimmer, jeden Luxus, den sie wollten und wo lungerten sie herum? Ja, er war auch gern mit ihnen zusammen – aber er konnte sich nicht zerreißen und Rick wollte er endlich gebührend begrüßen. Das war schon seit Stunden überfällig. Aber nun nagte sein Gewissen an ihm. Fester und fester.

Rick strich ihm durch die Haare und küsste ihn sanft. „Geh zu ihm und rede mit ihm. Ich mache die Küche sauber und Frühstück.“ Es wusste kaum jemand, dass Rick bei jüngeren Geschwistern weich wurde. Wahrscheinlich weil er selber keine mehr hatte. Er wollte keinen Keil zwischen Buster, Ranu und Rina treiben, denn sein Freund sollte all das haben, was er nie hatte haben dürfen. „Wir finden schon noch ein wenig Zeit für uns alleine.“

„Du hast wohl Recht“, murmelte Buster und wusste noch nicht, wie er das wieder in den Griff kriegen sollte. Nur kurz war er versucht, Caleb anzurufen, doch dann schüttelte er den Kopf und erhob sich, zog dabei seinen Morgenmantel zu sich. „Drück die Daumen, Schatz“, murmelte er leise und wusste schon, dass er sich das Wohlwollen seiner Geschwister kaufen musste – Weihnachtshoppen ahoi.

„Du machst das schon“, machte Rick Buster Mut und küsste ihn leidenschaftlich, um ihn wieder ein wenig aufzubauen. Er hatte sich ihr Zusammentreffen nach den vielen Wochen auch anders vorgestellt. Er wartete, bis Buster das Schlafzimmer verlassen hatte, und stand dann auf. Er ging unter die Dusche und machte sich anschließend daran, sein Versprechen einzulösen. Vollständig angezogen natürlich. Man wusste ja nie, wann Rina wieder auftauchte.

Seufzend ging Buster die Treppe nach unten. Die Küche war leer, auch im Wohnzimmer konnte er Ranu nicht finden. Also versuchte er es in dessen Zimmer. Er klopfte und trat vorsichtig ein, immer darauf gefasst, dass etwas geflogen kam. Doch so war es nicht. Der junge Leopard lag auf dem Bett und weinte, damit konnte Buster kaum umgehen. Doch er kam näher und setzte sich neben ihn, strich ihm vorsichtig durch die schwarzen Haare. „Es tut mir leid, Kleiner, das klang schärfer als beabsichtigt“, sagte er unbeholfen.

Aber so schnell ließ Ranu sich nicht besänftigen. Er rollte sich zusammen und drehte Buster dabei den Rücken zu. „Geh weg. Du wolltest doch, dass ich verschwinde. Ich will dich hier jetzt auch nicht haben“, schluchzte er und machte sich noch kleiner. Er fühlte sich schrecklich, so als wenn ihm jemand etwas weggenommen hätte.

Im ersten Augenblick hatte Buster den Drang aufzuspringen, Ranu zu erklären, was er ihn mal konnte und dann zu gehen, um den Tag mit Rick zu verbringen. Doch er unterdrückte es, denn er mochte den Kleinen. Mehr noch, er konnte dessen Frust sehr gut verstehen. „Komm schon, Ranu, du weißt selbst, dass das so nicht gemeint war. Genau wie deine regelmäßigen Verwünschungen gegen deine Schwester. Ich war müde und habe Rick lange nicht gesehen. Ich wäre gern mit ihm allein gewesen, aber das heißt doch nicht, dass ich euch nicht mehr liebe. Wir müssen uns eben zusammenraufen, wenn die Woche schön werden soll.“

Wo war Caleb, wenn man ihn brauchte. Buster fühlte sich elend. Das konnte ja ein Weihnachten werden.

Ranu drehte sich immer noch nicht zu ihm um, aber er blieb wenigstens so liegen, wie er war und schüttelte Busters Hand, die wieder durch seine Haare strich, nicht ab. Er war immer noch traurig und wütend, aber Busters Worte fingen an, das, was zerbrochen war, zu kitten. Er hatte sich die Woche so schön ausgemalt und nun war sein Traum mit ein paar Worten zerstört worden.

„Ranu, nicht traurig sein. Ich habe extra Urlaub genommen, damit wir viel Zeit haben.“ Buster saß etwas hilflos herum und alles in ihm drängte raus aus diesem Zimmer. Er verstand Ranus Enttäuschung, doch er wollte auch nicht ewig betteln. „Ich geh duschen. Komm in die Küche frühstücken, wenn du magst“, und so erhob er sich.

Er kam aber nicht weit, denn Ranus Arm schnellte hervor und hielt ihn fest. Er sagte nichts, aber seine Augen sahen Buster so verloren und traurig an, dass er auch gar nichts sagen musste. Er wollte nur, dass Buster ihm zeigte, dass er nicht mehr böse auf ihn war und darum warf er sich in dessen Arme.

„Ach Ranu“, sagte Buster leise und drückte seinen Bruder fest an sich. Dabei atmete er tief durch. Kinder waren wirklich schwierig und Logik nicht in dem Maße zugänglich, wie Buster das gern gehabt hätte. „Ich liebe euch, vergesst das nie“, sagte er leise und strich mit seiner Nase durch Ranus Haare. „Aber ein paar Regeln werden wir brauchen, für die Woche.“

„Muss das sein?“, schniefte Ranu und sah zu Buster hoch. „Wir lassen dir und Rick auch jeden Morgen eine… nein, sagen wir eine halbe Stunde alleine und den Rest verbringst du mit mir. Rick kann dann Rina haben. Das wäre doch ideal“, murmelte er und grinste schon wieder.

„Das könnte dir so gefallen“, knurrte Buster gutmütig und wuschelte seinem Bruder durch die Haare, froh darüber, dass der schon wieder die große Klappe haben konnte. Allerdings würde er ganz bestimmt nicht Rick mit Rina alleine lassen, nicht nachdem seine kleine Schwester seinen Lieblingstiger so auf die edelsten Teile gestarrt hatte. „Aber wir brauchen ein paar Festlegungen, auch was die Ordnung angeht und die Ernährung und die Horrorfilme im Pay-TV.“

Ranu schoss hoch und sah Buster empört an. „Ich esse kein Gemüse. Ich habe Ferien“, legte er mit Kinderlogik fest. Es reichte, wenn Papa Caleb ihn zweimal pro Woche zwang dieses eklige Zeug zu essen. „Okay, ich räume mein Zeug hier rein, da kann ich machen, was ich will und dafür ist der Rest der Wohnung tabu“, fing er an zu schachern. Das Thema Fernsehen überhörte er, vielleicht vergaß Buster das ja wieder.

„Vergiss es, du kleines Schlitzohr.“ Buster kannte ihn zu gut, er war selbst einmal so gewesen und kannte alle Tricks. „Es wird Gemüse geben und es wird kein Horrorfilm mehr geguckt und wenn doch, gehst du zu Rina ins Bett, nicht meins, das ist tabu für euch beide. Das werde ich Rina auch noch einmal gründlich einschärfen.“ Ranu sollte nicht glauben, dass er der einzige war, der Regeln vorgesetzt bekam.

Ranu brummte leise, aber ließ das Thema erst einmal auf sich beruhen. Er musste sich erst einmal eine Strategie ausdenken, die Vorgaben zu ignorieren und dass Rina genauso ihren Teil abbekam, ließ ihn grinsen. „Frühstück“, rief er darum, als der Geruch von gebratenem Speck und leckeren Pfannkuchen zu ihm durchdrang.

„Dann ab in die Küche, ich geh noch duschen“, sagte Buster und wirkte sehr erleichtert. Fürs erste schien das Schlimmste abgewendet, doch er musste aufpassen, was er sagte. Ob es Caleb und Aset auch so ging, dass der Sex entschieden zu kurz kam? Jetzt verstand er auch, warum die beiden öfter mal gefrustet waren. Lachend verschwand Buster in einem der Bäder und Ranu kam in die Küche, wo Rick schon wieder belagert wurde. Was hatte Rina denn für enge Klamotten rausgekramt?

„Ey, Troll. Frühstück fällt für dich aus. Du bist ja schon so fett geworden, dass die Nähte krachen“, stichelte er auch gleich und setzte sich an den Tisch. Er schaufelte sich Ei, Speck und Pfannkuchen mit Sirup auf seinen Teller und fing an, sich voll zu stopfen. So lange Buster noch nicht da war, konnte er noch ungesund leben.

Allerdings konnte er gar nicht so schnell gucken, wie der Troll sich seinen Teller gegriffen hatte und nun damit neben Rick auf der Anrichte saß. „Der ist so kindisch, hat keinen Sinn für Mode. Guck doch mal, wie der rum rennt“, sagte sie abschätzend und blinzelte Rick an, der sich gerade über die zweite Portion für sich und Buster her machte und sie vor den Plagen in Sicherheit brachte. Denn das hatte er schon gelernt.

Darum brummte er nur nichts sagend und aß weiter. Es gefiel ihm nicht, dass Rina ihm so auf die Pelle rückte, aber egal, was er auch machte, sie kam hinterher und versuchte ihn dazu zu bewegen, mit ihr einkaufen zu gehen. Schließlich sollte sie ja für die Weihnachtsdeko sorgen und das konnte sie nicht alleine. Zumindest behauptete sie das steif und fest.

Als sie gerade wieder nachrücken wollte, stand Buster in der Tür. „Junge Dame, runter mit dem Hintern von der Anrichte und an den Tisch. Jetzt werden ein paar Regeln aufgestellt“, sagte er mit fester Stimme und kam zu Rick. „Und hier gleich Regel Nummer eins. Diesen Mann hier darf nur ich anfassen, angucken und küssen.“ Was er zu Demonstrationszwecken ausführlich tat.

„Ich hab’s dir gesagt, Buster wird nicht begeistert sein“, kommentierte Ranu Rinas wütenden Rückzug und grinste gehässig. Wurde Zeit, dass der Troll auch ein paar Regeln bekam. „Gilt das auch für mich?“, fragte er unschuldig blickend nach. „Ohne ihn anzusehen oder ihn zu berühren kann ich nicht mit ihm kämpfen und küssen will ich ihn ganz bestimmt nicht, ganz im Gegensatz zu einer gewissen Leopardin hier im Raum.“ Er machte würgende Geräusche und linste zu Rina rüber.

Buster, der sich zufrieden in den Armen seines Lieblings drehte, sah Ranu überlegend an. „Soll ich es ihm gestatten?“, fragte er Rick und hatte eigentlich schon beschlossen, das Training immer gut war. Doch die Entscheidung, wer ihn anfasste und wer nicht, sollte Rick bitte selber treffen. Er zog ihn mit an den Tisch und wollte auch endlich frühstücken. Sie hatten einen langen Tag vor sich.

„Training ist genehmigt“, sagte Rick knapp und wuschelte Ranu durch die Haare. Er wollte nicht, dass der Kurze ihn als Konkurrent sah, denn das war er nicht. Er reichte Buster seinen Teller und knurrte leise, als gleich eine Gabel darüber schwebte.

„Ich warne dich“, knurrte Buster seine Schwester an und Rina zog langsam die Hand zurück. Es war einfach so drinnen gewesen, als erstes die Teller der anderen am Tisch leer zu räumen, ehe der eigene an der Reihe war. Was Rick wohl jetzt von ihr dachte? Sie lächelte ihm offen zu und grinste gewinnend.

Aber das hätte sie sich sparen können, denn der Tiger hatte nur Augen für Buster. Bisher war es ihm noch gar nicht aufgefallen, aber die Haare seines Schatzes waren deutlich gewachsen und das gefiel ihm ziemlich gut. Vorsichtig ließ er eine Strähne durch seine Finger gleiten und lächelte.

„War jetzt nicht irgendwas mit Regeln?“, motzte Rina leise, weil Ricks Desinteresse an ihrer Person doch ein bisschen an die Substanz ging, mehr noch, weil ihr blöder Zwillingsbruder so spöttisch grinste. Buster, der sich eben einen Kuss geben lassen wollte, sah sie an und nickte.

„Okay, die Regeln. Du hast es nicht anders gewollt“, sagte er und sie riss die Augen auf, weil sie unter dem Tisch getreten wurde.

Ranu zischte sie an. „Ganz toll, musste das sein?“

Wie blöd konnte man eigentlich sein? Buster auch noch an die Regeln zu erinnern. „Du wirst Gemüse essen und Rick in Ruhe lassen. Es wird also auch nichts damit, nachts mit fadenscheinigen Begründungen in sein Bett zu krauchen und einen auf ängstlich zu machen“, übernahm Ranu es, Rina auf den neuesten Stand zu bringen und er hatte richtig Spaß daran.

„Was mischst du dich da eigentlich ein?“, zischte Rina und schnappte nach Luft. Was waren das denn für bekloppte Regeln?

„Ich misch mich nicht ein, ich sage dir nur, was Buster und ich beschlossen haben. Was ich nicht darf, darfst du auch nicht. Also halt dich aus deren Schlafzimmer raus“, stellte Ranu klar und machte ein wichtiges Gesicht, während Buster Rick anguckte, um zu prüfen, ob der schon die Nase voll hatte und ins Hotel auswandern wollte.

„Das ist ein Scherz, oder?“ Mit dieser Frage riss sie Buster aus seinen Betrachtungen und er wollte gerade antworten, als Rick ihm zuvor kam.

Er wusste zwar nicht, was beschlossen worden war, aber die Regeln gefielen ihm ganz gut. „Nein, ganz und gar nicht. Unser Schlafzimmer ist tabu und es wird gesundes Essen geben. Ansonsten sind wir für Vorschläge offen, was wir in der Woche machen werden – alle gemeinsam.“

Das: ‚Alle gemeinsam’, konnte Rina ein wenig versöhnen, doch der Rest war großer Mist, ganz großer gequirlter Bockmist! Und dazu noch dieser Gemüse-Blödsinn. Es war ja nicht so, dass sie das nicht aß. Wer auf seine Figur achten musste, der kam um Gemüse nicht drum herum. Doch das hieß ja noch lange nicht, dass man sich dessen Genuss vorschreiben ließ, auch nicht von Rick. Oder doch? Sie war hin und her gerissen und sah ihn wieder forschend an und merkte nicht einmal, wie Ranu ihren Teller leer räumte.

Rick lächelte sie an und darum nickte sie. „Gut, aber ich halte das trotzdem für Blödsinn“, brummte sie leise und wollte ein Stück Pfannkuchen aufspießen. Nur das da kein Pfannkuchen mehr war. „Du… du…“, knurrte sie ihren Bruder an. Es kam nicht oft vor, dass ihr die Worte fehlten, aber Ranu hatte es geschafft. Der machte sich auch lieber aus dem Staub, so wie Rina guckte.

„Bin satt, geh mir Hände waschen“, erklärte er seine Flucht und Rina setzte ihm – immer noch mit der Gabel bewaffnet – hinterher.

„Sie sind lebhaft“, sagte Buster und rutschte etwas dichter an Rick heran. Wenn sie schon ein paar Augenblicke allein hatten, wollte er die nutzen. Langsam wusste er, wie Caleb und Aset es anstellten, um nicht gänzlich auf einander verzichten zu müssen.

„Ach ehrlich?“, fragte Rick grinsend und küsste Buster, damit sein Schatz nicht glaubte, dass ihn das störte. So waren Katzenkinder nun einmal. Er war wieder Zuhause und da konnte ihm so schnell nichts anhaben. Schließlich war es nur eine Woche und danach wollte er Buster überreden, ein paar Tage mit ihm wegzufahren. Allerdings kamen sie sicherlich nicht vor dem zweiten Weihnachtsfeiertag weg, denn die Kids würden ihren Bruder nicht vor der Bescherung verschwinden lassen.

„Außerdem müssen wir dann in die Stadt. Willst du mit? Ich habe Rina gebeten zu dekorieren, aber ich habe nichts da. Wir brauchen Deko.“ Dabei blinkerte er Rick an, damit der seine Verzweiflung sah und nicht nein sagte.

„Rina hat das auch schon versucht“, lachte Rick und zog Buster näher zu sich. „Allerdings hätte ich ihr abgesagt, bei dir tue ich das nicht. Machen wir einen Einkaufsbummel.“ Das war ein großer Liebesbeweis, denn Shopping mochte der Tiger überhaupt nicht. Wenn möglich bestellte er das, was er brauchte, im Internet.

Sauber, schnell, diskret, stressfrei.

Vier Eigenschaften, die er für den heutigen Tag bestimmt nicht wählen durfte. Doch was sollte es? In guten und in schlechten Zeiten, durch dick und dünn. Und je intensiver sie die Kurzen bespaßten, umso müder waren sie am Abend und Rick kam endlich auf seine Kosten.

„Ich liebe dich, Mini-Mau“, flüsterte Buster und raubte sich noch einen Kuss, ignorierte für ein paar Sekunden Ranus Schreie.

„Ich weiß, mein Herz“, murmelte Rick und hielt Buster noch ein wenig, aber dann gab er seinen Schatz frei, denn der wurde unruhig, weil aus einem der Zimmer nur noch lautes Geknurre und Gefauche zu hören war. „Nun geh schon, rette den Kurzen“, lachte er schließlich und schob Buster in Richtung Tür.

„Ich winziger Bengal-Kater soll mich zwischen zwei wütende Leoparden werfen? Wie gemein“, murmelte Buster, machte aber, dass er ins Wohnzimmer kam. Da standen die beiden auf der Couch, die Krallen ins Polster geschlagen und fauchten sich bedrohlich an.

„Runter von der Couch, sonst landet ihr im Zoo!“, kommandierte er und guckte, wo eigentlich die Gabel abgeblieben war.

Als er sie im Polster eines Sessels stecken sah, platzte ihm der Kragen. Er schnappte sich mit jeder Hand ein Leopardenohr und drehte einmal kräftig, so dass beide Katzen aufjaulten. „Streitet euch, so viel ihr wollt, aber wenn ihr anfangt meine Wohnung zu demolieren, dann kriegt ihr Ärger“, schimpfte er. „So, ihr wandelt euch zurück, zieht euch was an und kommt zurück zum Frühstück.“ Er war sauer und das durften seine Geschwister ruhig merken, denn das war ihr Verdienst.

Deswegen war Ranu auch der erste, der gehorchte, sich hastig anzog und Buster hinterher eilte, um zu beteuern, dass das nicht seine Schuld gewesen wäre. Rina hätte die Gabel in das Polster gerammt, als sie auf ihn gezielt und Ranu sich in seiner katzengleichen Agilität aus dem Sessel gerollt hatte.

Rick sah den beiden entgegen und streckte Buster kurz den erhobenen Daumen entgegen. Wenn es sein musste, hatte sein Schatz durchaus Caleb-Qualitäten. Er ließ sich nicht alles gefallen und setzte seinen Geschwistern Grenzen. Darum bekam Buster auch zur Belohnung einen neuen Kaffee, weil der alte kalt geworden war.

„Buster wirklich!“, beteuerte Ranu und zog sich gerade die Hose hoch, um sie zu schließen. „Das war alles Rina. Ich bin dafür, dass wir nur sie in den Zoo schaffen und dann auf den Weihnachtsmarkt gehen. Dekorieren kann ich zur Not auch. Dafür brauchen wir sie nicht!“ Er konnte gerade noch aus der Tür auf einen Stuhl springen, als sie wutschnaubend ebenfalls in die Küche kam.

Bevor sie sich aber gleich wieder auf Ranu stürzen konnte, griff Rick ein. Die zwei Leoparden brauchten erst einmal etwas Abstand. „Rina, sollen wir dann nachher zusammen Deko kaufen?“, fragte er und ihr Kopf zuckte gleich zu ihm rum. Ihr Bruder war vergessen und ein triumphierendes Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen. Rick wusste, dass er es bereuen würde, aber er wollte Buster helfen. Da war es wohl am besten, die Geschwister erst einmal zu trennen.

Buster würde schon einen Weg finden, ihn für sein Opfer zu entschädigen und zu belohnen.

„Ja, sollen wir eine Liste machen oder gucken wir, was es gibt und kaufen spontan?“ Sie war gleich Feuer und Flamme und hatte schon ihre Kreditkarte auf den Tisch gelegt, die sie immer in der Hose hatte. Sie konnte vielleicht ohne Make up aus dem Haus gehen, aber nicht ohne ihre beste Freundin.

„Lass uns gucken, was da ist und spontan was kaufen.“ Rick hatte keine Ahnung, was sie brauchten, er hatte noch nie seine Wohnung an Weihnachten dekoriert. Er hoffte, dass Rina wusste, was dringend notwendig war. „In zwei Stunden gehen wir los. Buster und ich wollen vorher endlich mal ein bisschen für uns alleine sein. Schließlich haben wir uns einige Wochen nicht gesehen.“

„Immer Buster“, nölte Rina leise und griff sich noch etwas von dem Kornkaffee, den mit Koffein bekam sie noch nicht.

Und auch Ranu maulte, aber nur ganz leise. „Gut, dann bin ich so lange zocken“, muffelte er und war weg, ebenso wie Rina, die in ihrem Zimmer verschwunden war.

„Haben wir Runde Eins jetzt gewonnen oder verloren“, fragte Buster, als er sich zu seinem Liebling setzte. Er fühlte sich jedenfalls nicht wie ein Gewinner.

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, wir haben verloren. Die Kurzen haben gekriegt, was sie wollten. Ich konnte aber wenigstens ein bisschen Zeit für uns rausschlagen. Also haben wir nicht ganz verloren.“ Rick grinste schief, aber er sah es sportlich. Wenn er heute Rina überlebte, konnte ihm eigentlich nichts mehr etwas anhaben.

„Nutzen wir unsere Zeit“, murmelte Buster und lehnte sich gegen seinen Freund. Er hatte sich schon viel zu sehr daran gewöhnt, allein zu sein – maximal noch mit Rick, wenn der nicht auf Tournee war. Aber die Aufregung, die seine kleinen Geschwister ins Haus brachten – daran musste sich Buster erst wieder gewöhnen. Aber er würde es Caleb zeigen, er packte das schon, auch wenn sein Vater daran offene Zweifel gelassen hatten.

„Das sollten wir.“ Rick knabberte verspielt an Busters Hals und ließ sich vom Barhocker gleiten. Er wollte seinen Liebsten endlich wieder richtig spüren. Darum hob er ihn hoch und lief mit ihm in Richtung Schlafzimmer. Früher war er immer gerne auf Tournee gegangen, aber mittlerweile störte es ihn mehr, als dass es Spaß machte.

Wenn es sich einrichten ließ, reiste Buster ihnen für eine Woche oder zwei hinterher, doch dann trennten sich ihre Wege wieder, weil Aset seinen Jungen in seiner Firma groß aufbauen wollte.

Schnell war die Tür hinter ihnen zugemacht und einmal mehr war er froh darüber, sein Schlafzimmer schallisoliert zu haben. Er konnte nicht länger warten. Die beiden Kurzen würden sich schon nicht umbringen. Und wenn doch, war es ihm im Moment ziemlich egal. Sie stürzten sich aufeinander und stillten erst einmal ihren größten Hunger, mit schnellem, hartem und sehr befriedigendem Sex. Erst dann wurden sie zärtlicher und genossen es, wieder zusammen zu sein.

„Ich liebe dich“, murmelte Rick erschöpft, als sie zufrieden nebeneinander lagen. Jetzt fühlte er sich erst einmal besser.

„Ich hätte dich gern gestern schon so empfangen“, grinste Buster. Jetzt konnte er über das Chaos lachen, was mitten in der Nacht losgebrochen war. Als es geschah, war es eine mittelschwere Katastrophe gewesen. „Du hast mir gefehlt“, gestand Buster und schmiegte sich fester an seinen Freund. Doch er würde Rick niemals drängen, seine Musik aufzugeben, denn die liebte er viel zu sehr. Sie mussten sich eben arrangieren und so war das Wiedersehen immer besonders schön.

„Du mir auch.“ Rick hielt Buster fest und dachte kurz an die letzte Nacht. „So was passt zu deiner Familie. Dort gibt es ständig Aufregung und Chaos“, lachte er leise und machte noch ein paar Minuten die Augen zu. Er musste gleich mit Rina los und hoffte, dass er sie gebändigt bekam.

„Sollen wir euch nicht doch begleiten? Ich habe ja die stille Hoffnung, wenn sie im Kaufrausch sind, gehen sie sich weder an die Gurgel noch ans Fell.“ Gelinde gesagt behagte es Buster gar nicht, schon wieder den halben Tag auf seinen Liebsten verzichten zu müssen, nur weil die beiden Plagen sich nicht benehmen konnten. Allerdings konnte er das denen auch nicht einfach an den Kopf werfen, denn was dann raus kam, hatte er heute Morgen mit Ranu schon durch. Spontan beschloss er, nie eigene Welpen aufzuziehen.

„Nichts lieber als das, Schatz“, seufzte Rick, aber er schüttelte den Kopf. „Mach du etwas mit Ranu zusammen. Er braucht das im Moment. Sonst glaubt er, dass du ihn doch abschiebst, nur weil ich da bin. Lassen wir ihnen diesen Tag und ab Morgen unternehmen wir etwas zusammen.“

„Du hast wohl Recht, Schatz.“ Buster erhob sich langsam, denn die beiden Kurzen zu lange ohne Aufsicht zu lassen, hatte Caleb schon mehrfach bereut und Buster hatte daraus gelernt. Er hing an seiner Technik und an seinem Inventar. Langsam kroch er vom Bett und wischte sich über den klebrigen Bauch, grinste dabei süffisant. „Aber erst geh ich mal duschen. Ich glaube, ich hab’s nötig.“

„Das könnte man so sagen“, grinste Rick und ließ Buster nicht aus den Augen. Er legte sich so hin, dass er seinen Freund bequem beobachten konnte. Sein Schatz war einfach perfekt. Das hatte sich in seinen Augen in den letzten Jahren nicht geändert. Heute konnte er nicht mehr verstehen, warum er jemals versucht hatte, Buster zu töten.

„Bildest du dir etwa ein, du hättest es nicht nötig?“, rief Buster aus seiner Dusche und drehte sich aufreizend hinter dem Glas. Er war eben doch ein Biest und kein lieber Schmusekater. Ihm hatten diese Spielchen gefehlt und jetzt, wo sein Publikum wieder da war, genoss er seine Show.

Rick lachte nur und beobachtete Buster weiter. Das Glas der Dusche beschlug immer wieder und so entzog sich der begehrte Körper seinen Blicken. Lange hielt der Tiger das aber nicht aus. Er wollte Buster umarmen. Darum stand er auf und kam zu seinem Freund in die Dusche. Er wusste, dass er wieder einmal verloren hatte, aber das war nicht schlimm, wenn die Strafe dafür Buster in seinen Armen war.

„Du bist unverbesserlich, Mini-Mau“, lachte Buster und rieb sich noch einmal zufrieden an seinem Freund. Doch ehe sie auf die dümmsten Ideen kamen und die Kurzen sie nach drei Stunden vielleicht doch suchen kamen, huschte er aus der Dusche und beobachtete nun das Tigerchen unter dem warmen Regen. „Mach dich sauber, sonst nehme ich dich nicht mehr mit ins Bett.“

Lachend schäumte Rick sich ein und bot seinem Schatz noch etwas fürs Auge.

Pünktlich nach zwei Stunden waren sie wieder angezogen und verließen das Schlafzimmer. Rick hatte wieder seine geliebten, schwarzen Lederklamotten an, nur dass er diesmal keinen Mantel trug, sondern eine warme Jacke. Draußen war es ziemlich kalt, darum kannte er auch kein Pardon, als Rina leicht bekleidet aus ihrem Zimmer kam. So nahm er sie nicht mit.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich doch fast glauben, sie will dir den Hof machen“, knurrte Buster und es war ihm noch etwas unbehaglicher als vorher, Rick allein mit seiner kleinen Schwester loszuschicken. Wer sollte denn den Tiger retten, wenn Rina alle Register zog? Man konnte es leider nicht verleugnen: Rina wurde erwachsen oder verzweifelt, wie der murrende Ranu neben ihm es nannte.

„Sie wird sich die Zähne an mir ausbeißen. Ich habe meinen Traummann schon“, flüsterte Rick Buster ins Ohr und küsste ihn beruhigend. Er nickte beiläufig zu Rina, die endlich der Witterung entsprechend gekleidet aus ihrem Zimmer kam. „Wir sehen uns heute Abend, Schatz. Sollen wir was vom Inder mitbringen?“

„Ja, die Fischtüte für mich. Ranu?“, fragte Buster seinen kleinen Bruder.

„Nudeln und Huhn und viel“, orderte der und hakte sich gleich zufrieden bei seinem Bruder unter. Buster ganz für sich alleine zu haben war toll. „Nehmen wir den Sportwagen? Rina kann ja mit der Familienkutsche fahren. Die wollen viel einkaufen, da brauchen sie viel Platz.“ Ranu verteilte gerade den Fuhrpark zu seinen Gunsten.

„Wir nehmen meinen Wagen“, legte Rick fest und hielt Rina mit einem scharfen Blick davon ab, es wie Ranu bei Buster zu machen und sich bei ihm einzuhaken. Mit dem großen Wagen fuhr er bestimmt nicht. Er bevorzugte, wie Buster, kleine, schnelle Wagen. Ihre Einkäufe konnten sie liefern lassen.

Und wie erwartet streckte die junge Dame ihrem dreisten Bruder die Zunge raus auf dem Weg zum Fahrstuhl, der wiederum nur die Backen aufblies und sich fester an Buster klammerte. Blöde Schwester.

„Macht’s gut und kauft nicht die Stadt leer. Behaltet im Hinterkopf, wie klein meine Wohnung ist.“ Buster lachte und zog Ranu mit sich in den Fahrstuhl, küsste Rick aber noch einmal, ehe sich die Wege trennten.



04

„Wo möchtest du hin?“, fragte Rick Rina und startete den Wagen. Er war sich sicher, dass die Leopardin schon eine Strecke ausgearbeitet hatte.

Sie zögerte auch nicht lange und sagte nur knapp: „Swarovski, Madison Avenue.“

Rick schwante Übles, denn er wusste, dass es dort jede Menge Kristallschmuck gab. Das war kein Laden, in den er freiwillig gehen würde.

„Und anschließend noch zu Bloomingdales, denn bei Swarovski werden wir nicht alles bekommen. Ich habe mir Engel als Thema ausgesucht. Wenn du ebenfalls die Augen nach ausgefallenen Engeln offen halten würdest, wäre das perfekt. Buster würde sich bestimmt freuen“, sagte sie und lehnte sich in ihrem Sitz etwas dichter an ihren Fahrer.

„Hm“, war alles, was Rick sagte und er verzichtete auch darauf, sie zu bitten, sich richtig hinzusetzen. Sie rückte ihm nicht so sehr auf die Pelle, dass es ihn störte oder beim Fahren behinderte. Allerdings war er sich nicht sicher, ob sein Freund sich über Engel in seiner Wohnung freuen würde. „Engel?“, fragte er darum, aber nur pro forma. Buster hatte Rina freie Hand gegeben.

„Hast du eine bessere Idee. Ich schwenke da gern noch um“, bot Rina freimütig an und sah Rick an. Doch der sah stur auf den Straßenverkehr. Es war ein richtiges Mistwetter, es nieselte und die halbe Stadt war unterwegs. Überall Schirme und die beste Laune hatten die Leute, trotz Vorweihnachtszeit und Jingle Bells aus jedem Lautsprecher, auch nicht.

„Wenn es geht, nicht gerade Engel oder zumindest nicht so viele. Sonst ist es mir egal.“ Rick sah kurz zu Rina rüber, dann konzentrierte er sich wieder auf den Verkehr. Sie fand bestimmt etwas anderes, mit dem sie die Wohnung dekorieren konnte.

Etwas enttäuscht über die kühle Art wandte sich Rina ab. „Eine große Hilfe diesbezüglich, was dein Liebling mag, bist du ja nicht gerade. Also, mein Freund sollte schon wissen, was mir gefällt“, redete sie vor sich hin, denn das aufkommende Schweigen im Wagen behagte ihr nicht. Genauso wie Ricks abweisende Art.

„Ich weiß schon, was mein Freund mag, allerdings haben wir noch nie unsere Wohnungen zu Weihnachten dekoriert. Wenn ich an Weihnachten denke, dann hat es für mich die Farben rot und grün. Ich würde einfach mal so behaupten, dass es bei Buster ähnlich ist.“ Rick wollte nicht, dass Rina schmollte, darum lenkte er ein und lächelte kurz.

„Gut, dann machen wir das so. Aber ein paar Kristalle für den Baum brauchen wir trotzdem, damit er funkelt. Und hat Buster überhaupt einen Baum? Ich habe gar keinen gesehen! Wir müssen auch noch einen Baum kaufen. Wir können ja schlecht die Kratzbäume im Wintergarten schmücken, wie sieht das denn aus?“ Rina war gerade außer sich. Ihr ganzer Plan war über den Haufen geworfen. Sie musste von Grund auf neu planen. „Also, trotzdem erst mal zu Swarovski. Wir stimmen den Rest darauf ab.“

„Ja, ein bisschen Glitzer kann nicht schaden. Das gehört doch zu Weihnachten dazu.“ Rick war froh, dass Rina so schnell umgeschwenkt war und hoffte dann, dass sein Schatz keinen allzu großen Schock bekam, wenn er ihre Einkäufe sah. Er bog auf die Madison Avenue und suchte einen Parkplatz, möglichst nah an ihrem Ziel.

Rina wurde schon ganz hibbelig. Sie war erst zweimal hier gewesen. Einmal hatte Aset etwas für die Frau eines Geschäftspartners gesucht und einmal hatte Rina sich einen Anhänger für ihre silberne Kette aussuchen dürfen. Sie hatte sich für einen kleinen Schmetterling mit bunten Steinen entschieden, den sie seit dem immer trug. „Buster wird das schon gefallen“, nuschelte sie und war schon aus dem Wagen, hätte die Tür fast noch einem Mann mittleren Alterns vor die Brust geknallt, wenn der nicht so schnell reagiert hätte.

„Entschuldigung“, murmelte sie leise und lächelte. Sie hatte Manieren und wusste, was sich gehörte, wenn sie das auch oft vergaß. Wenn sie in der Öffentlichkeit war, benahm sie sich. Sie wartete auf Rick, bis er neben ihr war und hakte sich dann bei ihm ein, da konnte er noch so böse knurren. Ihren großen Auftritt ließ sie sich nicht versauen.

Vielleicht hatte sie Glück und ein paar Mädchen aus der Schule waren gerade mit ihren Eltern oder Freunden im Laden, um sich etwas für Weihnachten auszusuchen. Dann sollten die große Augen machen, mit was für einem Schnuckelchen sie unterwegs war. Dass er nur geborgt war, wusste doch keiner und es stand auch nicht dran.

Sie huschten zwischen dem Meer aus Schirmen quer zum Strom und retteten sich in den Laden.

Rick kniff die Augen zusammen, denn er wurde gerade geblendet. Ihm war ja schon klar, dass es in einem Kristallgeschäft glitzern sollte, aber musste man die Kristalle mit Scheinwerfern anstrahlen? Das tat doch in den Augen weh. So abgelenkt zog Rina ihn weiter in den Laden und winkte einer Mitschülerin zu.

Innerlich zählte sie den ersten Strike und sie nutzte Ricks augenblickliche Unzulänglichkeit, sich noch etwas an ihn zu schmiegen und in die Auslade zu sehen. Wie erwartet war das Sortiment den bevorstehenden Festtagen angepasst worden. Schneeflocken und Kristalle glitzerten. Kleine Figuren drehten sich auf verspiegelten Tellern. Rina wusste gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte.

Dabei ließ sie aber nicht aus den Augen, dass sie Rick endlich da hatte, wo sie ihn haben wollte und legte den Arm um ihn. Nur spielte der Tiger nicht mehr mit und schob ihren Arm von seiner Hüfte, wenn auch sehr diskret. Seine kurzzeitige Verwirrtheit war vorbei. „Rina“, knurrte er leise. „Nimm meinetwegen meinen Arm, aber alles andere ist tabu.“

„Spielverderber“, muffelte sie leise, doch für eine Szene war sie zu sehr Lady. „Dann los, lass uns gucken. Was machen wir denn nun mit dem Baum? Holt Buster einen? Holen wir einen?“ Denn sie musste wissen, was es für ein Baum war, wenn der Schmuck passen sollte. Da war sie eigen. „Oder will er etwa gar keinen? Das geht allerdings gar nicht. Vielleicht holen wir lieber einen.“

„Doch, er wird einen wollen und wir besorgen ihn, damit du den passenden Baum aussuchen kannst.“ So langsam bekam Rick eine Ahnung, auf was er sich da eingelassen hatte und wünschte sich, Buster wäre bei ihnen. Rina war so etwas wie ein Einmann-Überfall-Kommando. Er ließ sich von ihr durch den Raum ziehen und sah sich dabei etwas um. Vieles fand er fürchterlich, aber einiges von dem Weihnachtsschmuck war durchaus annehmbar. Schlicht und filigran. Vielleicht sollte er das eine oder andere im Auge behalten und es Rina irgendwie schmackhaft machen, sollte sie nicht von selbst an diese Stücke heran gehen. Schließlich sollte der Baum nicht nur ihr gefallen, sondern auch Buster und Rick.

„Nehmen wir einen großen oder einen kleinen? Davon hängt es ab, wie viel wir brauchen und wo wird er stehen? Ist ja auch wichtig. Ob er mittig steht oder in einer Ecke und so Kram.“ Sie suchte sich schon geschäftig durch die Vitrinen, wie die anderen Kunden auch.

Man sah deutlich, dass Rick etwas überfordert war. Woher sollte er das denn alles wissen? „Groß, mitten im Raum“, legte er schließlich fest. Das Wohnzimmer war groß genug dafür und ein kleiner Baum würde doch darin untergehen. Wenn sie schon schmücken wollten, dann richtig.

„Gut, dann weiß ich Bescheid. Ein großer Baum, mitten im Raum, von allen Seiten sichtbar“, nuschelte Rina vor sich hin und zückte ihren Organizer, um sich ein paar Dinge zu sortieren. Sie tippte mit dem Stift auf dem Display, rechnete vor sich hin, ohne dass Rick begriff, was sie da veranstaltete, dann nickte sie sich zu. „Wenn er etwa drei Meter hoch ist, dann sollten wir vielleicht zwanzig von den großen Flocken holen, fünfzig von den Kleinen und etwas schönes für die Spitze“, offenbarte sie ihren Entschluss.

„Okay.“ Rick schüttelte den Kopf und hielt sich gerade noch davon ab, zu fragen, wie sie auf diese Zahlen gekommen war. Er war sich sicher, dass er das gar nicht wissen wollte. Er sah sich um und winkte eine der Verkäuferinnen zu sich, die diskret am Rande standen und darauf warteten, gerufen zu werden.

„Guten Tag“, wünschte sie und verbeugte sich kurz vor dem jungen Mann. In seinem eher untypischen Kleidungsstil für ihr Haus, hatte sie ihn schon eine Weile im Auge gehabt und lächelte ihn an. „Wie kann ich ihnen helfen?“, fragte sie höflich und beäugte die junge Dame mit ihrem Organizer.

Rick nickte ihr knapp zu. Wenn er in den letzten Jahren durch Buster etwas umgänglicher geworden war, so zeigte er das nicht bei Fremden. „Wir möchten einiges von dem Baumschmuck kaufen“, erklärte er knapp und zeigte auf Rina. „Meine Begleiterin wird ihnen sagen, was wir brauchen.“

„Sicher, gern“, entgegnete die Verkäuferin und ließ sich nicht anmerken, dass sie über die unterkühlte Art etwas verstimmt war. Doch es lag nicht in ihrem Ermessen, darüber zu urteilen. Also widmete sie sich Rina und die beiden zogen los. Rick blieb zurück und stellte sich etwas abseits, damit er niemandem im Wege stand. Er zuckte kurz, als ihn jemand ansprach – ein Mädchen, vielleicht in Rinas Alter. „Bis du etwa Rinas Freund?“, wollte sie wissen.

„Vielleicht“, sagte Rick ausweichend. Wenn er es abstritt, machte er Rina unglaubwürdig, schließlich hatte sie ja absichtlich diesen Eindruck erweckt. Es war ja auch nicht ganz gelogen. Sie waren Freunde, wenn auch nicht so, wie Rina das gerne hätte.

„Wer hätte das gedacht. Sie hat gar nichts von dir erzählt“, murmelte das Mädchen und starrte auf ihre Schuhspitzen. Es schien sie zu wurmen, dass Rina mit ihrem erwachsenen Freund da war und sie selbst mit ihrem Vater. Das war irgendwie nicht das gleiche. „Wo habt ihr euch denn kennen gelernt?“, fragte sie weiter. Vielleicht sollte sie dann dort auch mal hin gehen und so jemanden finden.

„Durch ihren großen Bruder und einen ihrer Lehrer. Wir spielen in der gleichen Band.“ Rick behielt Rina im Auge, die sich angeregt mit der Verkäuferin unterhielt und sich immer wieder etwas zeigen ließ. Die junge Leopardin schien ganz in ihrem Element, ganz im Gegenteil zu Rick, der sich unwohl fühlte. Er begann im Kopf eine kleine Liste zu führen und die würde er Buster dann präsentieren. Sein Liebling dürfte sich etwas einfallen lassen, um ihn wieder zu besänftigen. Er grinste dabei.

„Ach so“, sagte die junge Dame und wandte sich um, als ihr Name gerufen wurde. Rina hatte echt Schwein!

Rick atmete auf, als er wieder alleine war und nickte ab und zu, wenn Rina ihm etwas zeigte. Er musste sagen, sie hatte wirklich Geschmack. Das war eine angenehme Überraschung und langsam gefiel es ihm sogar, mit ihr einkaufen zu gehen. Die Spitze für den Baum suchten sie gemeinsam aus und sie lachten, als beide die gleiche favorisierten. Ihr Baum bekam passend zu den Kristallflocken im Baum auch eine für die Spitze.

„Aber ein paar Englein möchte ich schon noch“, murmelte Rina. Allerdings schwebten ihr dafür ein paar aus Plüsch vor. Sie hatte welche gesehen, die an durchsichtigen Drähten hingen und die dann so aussahen, als würden sie um den Baum herum schweben. Das wäre doch ideal. Wäre doch gelacht. Und sie wusste auch schon, wie sie diese bekam.

„Und die beiden Schneeflocken hier bitte extra einpacken“, sagte sie und kramte ihr Portemonnaie heraus, in dem sie ihr Taschengeld mit sich herum schleppte. Die waren für ihre Väter und die wollte sie ganz alleine bezahlen.

„Okay, ein paar“, lenkte Rick ein. Rina hatte sich verdient, dass er ihr entgegen kam. Wenn man sie erst einmal dazu gebracht hatte, nicht wie eine Klette an ihm zu hängen, war es recht angenehm mit ihr. „Haben wir alles?“, fragte er, denn er wollte wieder aus dem Geschäft.

„Noch lange nicht“, stellte Rina etwas entgeistert klar. Wie dünn sah denn der Baum aus, wenn da nur ein paar Flocken dran hingen? „Wir sind hier in dem Laden fertig, aber ich habe noch ein paar auf meiner Liste“, erklärte sie und zahlte mit ihrer Karte. Sicherlich dürfte spätestens nach der Verbuchung Aset neugierig fragen, wofür das Geld gewesen war. Doch mit Buster blieb es ja in der Familie und für seinen Prinzen zahlte Aset sowieso gern.

„Als nächstes Bloomingdales“, erklärte sie und hoffte, dass sie die Englein dort auch hatten, sonst mussten sie noch eine Runde drehen.

„Gut.“ Rick bot Rina wieder seinen Arm, damit ihr Abgang auch zu ihrem Auftritt passte. Nicht dass sie unglaubwürdig wurde. „Dann auf nach Bloomingdales, Süße“, lachte er leise und wusste, dass Rinas Freundin, die ihn gerade angesprochen hatte, sie beobachtete.

„Danke“, flüsterte Rina leise und nahm die Geste gern an. Sie hatte Busters Adresse hinterlassen, damit die Ware geliefert werden konnte und sie nicht beim Eigentransport kaputt ging. Das Personal war ebenfalls instruiert und würde die Einkäufe entgegen nehmen und nach oben schicken.

Schon zufriedener als noch vor zwei Stunden ließ sich Rina in den Sportwagen fallen und auf ging es zum wohl bekanntesten Shoppingtempel in New York. Sie brauchte Kugeln und Lametta oder vielleicht lieber Bänder. Sie war noch unentschlossen.

Rick ließ sie überlegen und fädelte sich in den Verkehr ein. Er dachte an Buster und vermisste ihn. Sogar noch schlimmer, als die letzten Wochen, jetzt wo er ihn wieder in seinen Armen gehalten hatte. Kurz entschlossen holte er sein Handy raus und tippte eine kleine Liebesbotschaft. Buster würde sich wundern, denn eigentlich war Rick nicht so rührselig, aber gerade im Moment war ihm danach.

Er grinste zufrieden, als geradezu blitzartig nach seiner eine Nachricht von Buster bei ihm einging, die ihm sagte, dass der auch gern wieder bei seinem Mini-Mau wäre. Im Augenblick schlendere er mit Ranu um den Weihnachtsbaum am Rockefeller-Center und machte ein paar Bilder, während Ranu sich auf die nächste Bauchweh-Attakte hin arbeitete.

Zufrieden, dass es Buster gut ging, grinste Rick vor sich hin und wünschte beiden noch weiterhin viel Spaß. Vielleicht konnten sie sich ja nachher noch treffen, wenn Rina und er ihre Einkaufsrunde schnell beenden konnten. Viel Hoffnung hatte er ja nicht, denn Rina hatte sich eine Liste gemacht und die war ziemlich lang und ziemlich erlesen.

Es würde also sicherlich keinen Sinn machen, wenn er versuchte, sie zu etwas anderem zu bewegen – sie wusste, was sie wollte und sie würden diese Stadt so lange durchgrasen, bis sie hatte, was sie wollte. Rina eben.

Rick parkte und wie eben bei Swarovski griff sich Rina ihre Begleitung am Arm und ließ sich von ihm ins Kaufhaus führen.

Man konnte ja nie wissen, ob sie hier nicht auch ein paar ihrer Freundinnen traf. Sie dirigierte Rick zur Weihnachtsabteilung und ihre Augen leuchteten auf, als sie all die herrlichen Kugeln und den anderen Baumschmuck sah. Hier fand sie auf jeden Fall die Kugeln, die ihr vorschwebten.

„Welche Farbe“, wollte sie noch wissen, war aber schon in den dekorativ geschmückten Weihnachtsbaumwald verschwunden, um sich Anregungen über Form und Farbe zu holen. Da hingen silberne Tannenzapfen und Glocken, Kugeln im klassischen Stil, aber auch welche aus Glas mit kleinen Figuren in ihrem Inneren. Das war alles so herrlich und musste nun abgewogen und passend zusammengestellt werden.

„Nicht zu bunt. Ansonsten hast du freie Hand“, murmelte Rick und sah sich staunend um. So etwas hatte er noch nie gesehen. Er folgte einfach Rina, die durch die vielen Ausstellungsbäume ging und ihm immer wieder etwas zeigte. Sie wollte herausfinden, was Rick gefiel und somit wohl auch Buster.

„Klassische Kugeln so wie hier oder die Glaskugeln mit den Engeln drinnen?“, wollte sie wissen, nach was sie weiter Ausschau halten musste. „Lieber Lametta oder Girlanden“, wollte sie wissen und ahnte schon schlimmes. Sie kannte Ranu zu gut und seinen Spieltrieb. Wenn er als Katze durch die Räume fegte, spielte er mit allem, was er fand und versuchte es zu fressen. Der Baum sollte also katzensicher sein.

„Kein Lametta bitte und ich wäre dafür, klassische Kugeln zu nehmen und als Auflockerung ein paar mit den Engeln dazu.“ Die waren nicht kitschig und so, wie Rina strahlte, hatte er ihr wohl eine Freude gemacht. So langsam machte es fast Spaß, mit ihr zusammen auszusuchen und zu beratschlagen, was zusammen passen würde.

„Dann machen wir es klassisch rot grün und da der Baum grün ist, wird der Schmuck rot. Da. Drei Pakete von den kleinen Kugeln, zwei von den mittleren und einmal die großen. Dazu die Perlenketten und ein Paket mit den Engeln.“ Sie notierte sich alles, damit sie es dann ebenfalls liefern lassen konnte. „Was würde noch dazu passen?“

Rick sah sich um und entdeckte Schleifen in allen Größen und Farben. „Was hältst du davon?“, fragte er und zeigte Rina, was er meinte. Er war unsicher, was solche Sachen betraf und die Leopardin konnte besser beurteilen, was passte.

„Hey, die sind cool!“ Rina war gleich wieder begeistert und flitzte los, um sich die Schleifen näher anzusehen. Eine hielt sie sich an den Hals und lachte. „Weißt ja – Schleifchen putzt ungemein!“ Vielleicht sollte sie für jede Katze zu Weihnachten eine mitnehmen, das sah bestimmt süß aus. Also notierte sie zwei große Schleifen für die Leoparden, vier mittlere für die kleinen Leoparden und die Nebelparder und zwei kleine für Buster und Rick, damit die nicht von den Schleifen erschlagen wurden. Und dann noch eine Kiste für den Baum.

Über so viel Begeisterung musste Rick grinsen. Rina war wirklich unglaublich. Wenn sie so war wie jetzt, musste man sie einfach gern haben. Dann war sie natürlich und nicht so affektiert. Sie war eben noch nicht erwachsen, auch wenn sie gerne so tat. „Sonst noch etwas? Wir haben doch schon jede Menge?“ Rick überlegte und schlug sich dann vor die Stirn. Das Wichtigste hatten sie vergessen. „Wir brauchen noch Lichter. Elektrisch oder richtige Kerzen?“

„Richtige Kerzen wären schon toll“, sagte Rina nachdenklich, „aber zum einen haben wir keinen, der groß genug wäre, an einem drei Meter hohen Baum die oberen Kerzen zu entzünden und außerdem haben wir einen Tollpatsch in der Familie.“ Damit meinte sie Ranu, der sich Blessuren holte, wo es nur ging. „Wenn der sich den Schwanz ansengt ist Weihnachten gelaufen. Lass uns künstliche Kerzen nehmen.“

„Gut, machen wir das so.“ So konnten sie den Baum auch öfter anmachen. Rina tippte wieder auf ihrem Organizer herum und rechnete aus, wie viel Meter Lichterkette sie brauchten. Mit ihrer Liste suchten sie eine Verkäuferin, damit sie alles bestellen und liefern lassen konnten.

Die beiden flüsterten ein bisschen und dann machte Rina ein sehr zufriedenes Gesicht. Sie zahlte mit der Karte, hinterließ die Lieferadresse und dann war sie wieder bei Rick, griff ihn am Arm und zerrte ihn los zu einem Stand, der ihr bisher nicht aufgefallen war. Und hier hatten sie die Plüschenglein am Draht, die sie suchte. Aber sie hatten nicht nur Englein, auch Fledermäuse und fliegende Rentiere und Weihnachtsmänner. „Katzen mit Flügeln!“, rief sie plötzlich, hatte gleich ein Dutzend davon eingepackt.

Rick schüttelte den Kopf, aber er nahm sich eine der Katzen und besah sie sich. Sie waren kitschig, aber passten hervorragend an ihren Baum. Es gab sogar Leoparden und Tiger. Leise lachend ließ er sich von Rina ihre Ausbeute geben, damit sie weitersuchen konnte.

Man kam nicht drum herum, dass sie auch ein paar Herzchen fand und einpackte, die waren rot und passten sicher gut an den Baum. Mit dem Arm voll Beute schlich sie noch einmal zur Verkäuferin und ließ sich alles einpacken. Die konnten sie so mitnehmen.

Als sie endlich alles hatte, womit sie den Baum schmücken wollte, fehlte nur noch ein wesentliches Element: der Baum.

Nur wo bekamen sie den her? Kleine Bäume gab es an jeder Straßenecke, aber sie wollten ja etwas Großes. Nachdenklich sah Rick sich um und hatte dann eine Idee. Ein Kaufhaus wie Bloomingdales war darauf eingerichtet, die ausgefallensten Wünsche ihrer vermögenden Kunden zu befriedigen. Warum sollten sie nicht auch Bäume haben, an denen der hier gekaufte Schmuck befestigt werden konnte.

Sie sahen sich an und guckten im selben Augenblick die Verkäuferin an, die die Blicke spürte und fragend zurück blickte, sich dann aber ihrer guten Etikette erinnerte und lächelnd zu den beiden kam. „Haben sie noch einen Wunsch“, fragte sie und Rina nickte.

„Wir haben zwar jetzt eine Tonne Baumschmuck aber keinen Baum. Wir suchen etwas, was circa drei Meter hoch ist. Wo haben wir da eine Chance?“

Die Verkäuferin lächelte. „Möchten sie einen echten oder einen künstlichen Baum? Wir haben beides im Angebot.“ Wie Rick sich das schon gedacht hatte, war das Kaufhaus auf alles eingerichtet.

„Einen echten“, riefen er und Rina aus einem Mund und ließ die Verkäuferin leise lachen.

„Wenn sie mir dann folgen wollen. Ich zeige ihnen unsere Bäume.“

„Ui“, machte Rina ganz aufgeregt und klammerte sich wieder an Rick. Der trug die Tüte mit den Figuren und so gingen sie zum Lift, der sie in eines der unteren Stockwerke brachte. Dort war es kühler und ein Meer von Tannengrün erblickte ihr Auge. Aber nicht nur Tannen, auch Kiefern und Fichten, alles was man als Weihnachtsbaum haben wollte. Und es roch herrlich.

Auch Rick machte große Augen. Mit so einer Auswahl hatte er gar nicht gerechnet. Es gab viele Bäume, die von der Höhe ideal waren, aber die meisten hatten etwas, was Rina nicht gefiel. Mal waren sie zu krumm, mal waren sie nicht üppig genug, mal waren die Zweige zu ungleichmäßig verteilt. Sie liefen durch die Bäume und plötzlich blieb Rina stehen. „Das ist er“, rief sie und zeigte auf eine perfekt gewachsene Nordmanntanne.

„Die will ich haben!“

Die Verkäuferin lächelte und verabschiedete sich, von jetzt an konnten sich ihre Kollegen der Abteilung darum kümmern.

„Können wir den Ständer gleich mit kaufen? Das sieht perfekt zusammen aus“, sagte Rina und war zufrieden, als der Verkäufer nickend lächelte. Gut, nichts anderes hatte sie erwartet. Noch einmal zückte sie ihre Karte und hinterließ die Adresse. „Wir haben alles!“, strahlte sie Rick an. Sie wollte jetzt sofort nach Hause und anfangen.

„Klasse.“ Rick versuchte nicht zu zeigen, wie erleichtert er war. Er sah auf die Uhr und konnte gar nicht glauben, dass es schon so spät war. Sie hatten einige Stunden gebraucht, um alles zu kaufen. „Dann fahren wir jetzt zum Inder, holen für alle was zu essen und dann bringe ich dich heim.“

„Und du?“, fragte sie etwas skeptisch. Das klang ja gerade so, als würde Rick anschließend türmen wollen. Sie klammerte sich wieder an ihm fest und sah ihn forschend an. „Aber Inder klingt gut, das mögen die Jungs auch!“, stimmte sie zu und ging mit Rick zum Wagen.

„Ich bleibe auch da. Ich wollte Buster und Ranu eine Nachricht schicken, dass wir Essen holen, damit sie auch nach Hause kommen. Wir wollen doch zusammen essen.“ Rick hielt Rina die Tür des Wagens auf und setzte sich auf den Fahrersitz. Er hatte sein Handy schon in der Hand und tippte.

„Gute Idee“, lobte sie und wirkte schon wieder viel zufriedener. Schnell war der Organizer wieder gegriffen und sie wählte sich durch die Speisekarte ihres Lieblingsinders. „Frag sie auch, was sie wollen. Ranu hat das Menü ja auch auf dem Palm“, nuschelte sie und kaute gerade an einer Gummistange, die sie noch in ihrer Handtasche gefunden hatte.

„Ich weiß schon, was sie wollen“, murmelte Rick und steckte das Handy wieder weg. Ranu und Buster kamen nach Hause. Sie brauchten ein wenig zum Restaurant, darum gab er Rina ihre Essenswünsche durch, damit sie schon einmal bestellen konnte und sie das Essen nur noch bezahlen und abholen mussten.

„Ich habe extra Batura bestellt, damit sich meine Brüder nicht wieder voll peinlich darum prügeln“, sagte Rina mit diesem leichten Unterton der Arroganz, lachte dann aber, denn sie war es gewesen, die die unbeobachtete Beute schlussendlich vertilgt hatte. Und weil das ganz bestimmt kein zweites Mal passieren würde, orderte sie lieber mehr. „Die Zutaten für Lassy haben wir da, das bekommen wir selber hin.“ Sie hatten es einmal gekauft und dann in Busters Wagen verschüttet. Der Tag war dann spontan im Eimer gewesen, weil sie ihr Futter an einem Car Wash vertilgen durften, während Buster seinen Liebling wieder auf Vordermann hatte bringen lassen.

Rick hob den Daumen hoch. Rina hatte wirklich an alles gedacht. Sie würde sich später wirklich gut in einer von Asets Firmen machen, wenn sie das wollte. Er startete den Wagen und Rina bekam die Bestätigung für ihre Bestellung. Es würde fertig sein, wenn sie das Restaurant erreichten.

„Es soll ja keiner sagen, ich würde nicht dazu lernen“, lachte Rina und lehnte sich zufrieden in den Sitz zurück. Sie schien Rick beeindruckt zu haben und das ließ sie strahlen. Ach ja, das war doch wenigstens ein Mann. Die Luschen in ihrem Alter waren doch damit nicht zu vergleichen. Sie genoss die Fahrt und für ihren Geschmack war die viel zu schnell vorbei.