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Katzenaugen 5 - x-mas

05

Es dauerte keine dreiviertel Stunde und sie waren wieder in der Tiefgarage. Buster und Ranu waren schon da, wie der Wagen zeigte und Rina verzog ein wenig missmutig das Gesicht. Sie hatte gehofft, noch ein wenig mit Rick alleine zu sein. Rick dagegen freute sich, dass sein Schatz schon da war und lächelte. Gut gelaunt nahm er ihre Tüten und ging zum Fahrstuhl, wo Rina schon wartete.

„Bin ja gespannt, ob sie schon alles geliefert haben“, sagte Rina und drückte auf den Knopf, gleich war ihre traute Zweisamkeit mit Rick vorbei. Sie überlegte, ob sie ihn anspringen und küssen sollte, doch sie ließ es dann doch lieber bleiben. Sie hing an ihrem makellosen Pelz. Als sich die Türen öffneten, war die Frage geklärt, ob geliefert worden war, denn ein junger Leopard kugelte sich zusammen mit einer Weihnachtskugel in Rot über das Parkett. Rina guckte ziemlich sparsam und stürzte gleich los, um die Kugel zu retten. Dabei schimpfte sie wie ein Rohrspatz.

„Home sweet home“, murmelte Rick leise und wurde im nächsten Moment von hinten angesprungen. „Hallo Schatz“, lachte er und zog den kleinen Kater in seine Arme, damit er ihn streicheln konnte. Er mochte es, mit der Nase durch das weiche Fell zu streichen und das wusste Buster ganz genau. Er schnurrte ausgelassen und rieb sich an seinem Liebling, wandelte sich aber nicht.

„Ranu, verdammt noch mal!“ Rina war gerade dabei, den nervenaufreibenden Leopard zu bändigen, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Baumschmuck auf Bruchsicherheit zu prüfen. Bisher war es Spitzenqualität, denn es hatte noch keine Scherben gegeben. Immer wieder versuchte er an Rina vorbei an die Kisten zu kommen.

Rick sah kurz auf und fixierte den kleinen Leoparden. „Ranu lass das. Such dir was anderes zum spielen“, rief er, hatte aber nicht viel Hoffnung, dass er junge Kater auf ihn hörte. Zum Glück hatten sie reichlich gekauft. Wenn etwas kaputt ging, musste er eben wieder sauber machen. Er beschäftigte sich lieber mit dem Kater in seinen Armen und leckte ihm über das Schnäuzchen.

Buster schnurrte noch lauter und ließ sich den Bauch kraulen. Das mochte er besonders gern. Allerdings passte es ihm gar nicht, dass er alleine Fell hatte. Zumindest das Ambigua wollte er von Rick haben, um seinen gestreiften Schwanz anknabbern zu können. Auch das tat er ziemlich gern und so tatzte er seinen Liebling so lange auffordernd, bis der ihn endlich verstand.

Ranu kugelte sich währenddessen immer noch mit einer erbeuteten Kugel über das Parkett und wirkte dabei sehr zufrieden.

„Kleiner Genießer“, schnurrte Rick und lief los, denn vor Rina wandelte er sich bestimmt nicht noch einmal. Nicht dass die ihm wieder auf seine edelsten Teile starrte. Darum trug er Buster ins Schlafzimmer und setzte ihn auf dem Bett ab, damit er sich selber ausziehen und wandeln konnte. Leise grollend kroch er zu Buster und wickelte sich um ihn. So zu schmusen war einfach herrlich.

„Vergesst nicht das Essen! Ich stell's in den Backofen“, brüllte Rina noch hinterher, ehe die Tür zu war und hatte gerade das Gefühl, Caleb sehr gut verstehen zu können. Dabei sah sie auf den sich immer noch kugelnden Ranu. Wie albern konnte ein Leopard eigentlich sein? Und so was war mit ihr verwandt, das war doch peinlich. „Mach’s kaputt und ich rasier dir den Arsch!“, drohte sie und Ranu wusste, dass seine Schwester ihre Drohung mit Begeisterung wahr machte.

Gezwungenermaßen brachte er die Kugel zurück und lief lieber in die Küche. Wenn er schon nicht spielen durfte, dann wollte er essen. Da Buster beschäftigt war, setzte er sich nackt an den Tisch. Das durfte er eigentlich nicht und darum nutzte er es jetzt aus. Doch er hatte nicht mit seiner Schwester gerechnet, die sich bei Busters Abwesenheit zur Herrin aufgeschwungen hatte und ihm frech die Schalen wieder wegnahm. „Zieh dir was an, so einen Mickerling wie dich will doch keiner nackt sehen!“, knurrte sie und sah Ranu aus geschlitzten Augen an. Er sollte es wagen und die Hand nach den Schalen ausstrecken, dann hatten sie ein Tänzchen!

Wenn Rina so guckte, wusste Ranu, dass er besser nachgab, sonst fehlte ihm hinterher immer etwas Fell. Natürlich kam Rina auch nicht ungeschoren davon, aber der junge Leopard hatte immer etwas Hemmungen, seine Schwester zu verletzen. Darum murrte und maulte er zwar, aber er suchte seine Sachen, um sich wieder anzuziehen.

Allerdings sehr nachlässig. Und so hockte er eine Minute später in Shorts und offenem Hemd am Tisch, schloss unter Rinas angeekeltem Blick noch ein paar Knöpfe, doch zu mehr war er nicht bereit. Er war daheim und wollte es bequem haben. Wenn seine blöde Schwester im Korsett schlief, war das deren Sache, er brauchte Luft auf der Haut und Beinfreiheit. „Reich mal das Batura her, das schmeckt heiß am besten“, kommandierte er und forderte gleich noch Lassy.

„Mach es dir selber. Ich bin nicht dein Dienstmädchen.“ Rina sah ihren Bruder wütend an und setzte sich an das andere Ende des Tisches, möglichst weit von Ranu entfernt. So hatte sie immer noch die Chance, ihr Essen in Sicherheit zu bringen, falls nötig. Wo waren eigentlich die Erwachsenen, wenn man sie brauchte?

Ständig wurde man in Notsituationen allein gelassen. „Und eines sage ich dir, machst du auch nur eine Kugel kaputt oder reißt was vom Baum, sorge ich dafür, dass du dazu nie wieder in der Lage sein wirst. Es wird nicht auffallen, wenn ich dich mit einer Tonne Beton an den Füßen im Hudson versenke.“ Ihr Trottelbruder sollte es nicht wagen, ihr Kunstwerk zu ruinieren.

„Ja, ja.“ Ranu war ein wenig genervt und verdrehte die Augen. Immer musste Rina ihn rumkommandieren. Wenn er wieder Zuhause war, musste er darauf drängen, dass er nicht mehr so nahe mit seiner Schwester zusammenleben musste. Das Anwesen war groß genug, dass das klappte. „Dann schmück deinen Baum auch gefälligst selbst“, brummte er. So konnte er wenigstens nichts kaputt machen.

„Und halt du dich dann von ihm fern!“ Rina ließ sich davon nicht beeindrucken und lud sich den Teller voll. Wenn Buster und Rick es vorzogen, sich im Schlafzimmer zu vergnügen, konnte es gut sein, dass ihre Schalen in ein paar Minuten auch leer waren, denn die jungen Leoparden konnten mehr futtern als man ihnen ansah. Sie würde Ranu im Auge behalten, denn sie kannte die Plage viel zu gut.

„Pff.“ Ranu antwortete darauf gar nicht Der Tag mit Buster war zu schön gewesen, um ihn sich jetzt mit seiner Schwester zu verderben. Was konnte er denn dafür, dass sie bei Rick nicht zum Zug gekommen war. Musste sie ihren Frust immer an ihm auslassen?

Sie aßen schweigend und kamen überein, aus Busters und Ricks Schalen nur mal zu kosten – etwa die Hälfte – und die dann zurück in den Ofen zu schieben, ehe sie zurück ins Wohnzimmer tigerten. Rina schleppte ihre Kisten zum Baum, der schon an seiner endgültigen Stelle stand, das hatte Buster bereits erledigt. Ranu wandelte sich lieber wieder und suchte sich was zum Spielen.

Er stromerte in den Wintergarten. Dort war es zwar nicht ganz so warm, aber er hatte ja ein Fell und dort lag auch jede Menge Spielzeug rum. Buster hatte so ein Glück, dass er dieses Appartement geschenkt bekommen hatte. Ab und zu wünschte er sich auch schon volljährig zu sein und auch von Zuhause ausziehen zu können.

Eigentlich war er gern bei Caleb und Aset, doch Rina tat immer so, als wäre sie besser als er. In der Schule, bei ihren Freunden. Das ganze Leben war ein Wettkampf und auf den hatte Ranu langsam keine Lust mehr. Frustriert schubste er mit einer Pfote eine Fellmaus Richtung Kübelpflanze, von der man nur noch wusste, dass es eine Maus war, wenn man sie von früher kannte. Heute hatte das zerkaute Ding damit nicht mehr viel Ähnlichkeit.

Ranu drehte sich auf den Rücken und spielte mit dem ramponierten Fellknäuel. Nur einmal wollte er etwas können, was Rina noch nicht konnte. Er warf die Maus in die Luft und erschreckte sich, als ein kleiner Tiger sich auf ihn stürzte. Rick hatte Ranu gesehen und wollte ein wenig mit ihm raufen. Schließlich hatte er ihm das versprochen. Und er hatte einen Moment abgepasst, in dem er noch eine Chance hatte, denn wenn der Brocken sich auf den kleinen Tiger warf, dann sah es nicht gut für Rick aus. So hatte er spielerisch seine Zähne an Ranus Kehle, der hoch schoss und nach Rick schlug, aber nicht so, dass er ihn hätte verletzen können. Einmal hatte er seine Kraft überschätzt und Rick außer Gefecht gesetzt. Da war Buster sehr böse mit ihm gewesen – das wollte er nicht noch einmal.

Geschickt wich Rick den Pfoten aus und fauchte frech. Nur weil er klein war, war er nicht wehrlos und er schaffte es immer wieder, Ranu zu überraschen und zu zwicken. Er mochte diese Herausforderungen und trainierte dabei gleichzeitig Ranus Reflexe. Wenn er einmal keine Chance mehr gegen den Leoparden hatte, dann war sein Training abgeschlossen. Aber das dürfte noch eine Weile dauern, denn gerade konnte er Ranu am Schwanz packen und wieder weg springen, ehe der fauchende Leopard ihn erwischte.

Wütend über sich selbst fegte Ranu dem kleinen Tiger hinterher, doch der war zwischen den Bäumen und Kübelpflanzen geschickter und wendiger, so dass Ranu in seiner blinden Wut stolperte und gegen einen Kübel knallte. Dann blieb er liegen und fauchte resigniert.

Sofort kam Rick zu ihm und leckte ihm über die Nase. Erst dann wandelte er sich in seine Zwischenform und strich dem Leoparden über den Kopf. „Ranu, es war ein ungleicher Kampf, bei dem ich einen Vorteil hatte. Ich bin kleiner und auf diesem Gelände klar im Vorteil.“

Der Leopard funkelte ihn an und wandelte sich, ehe er sich lachend auf ihn warf. „Wart's nur ab, ich werde dich schon noch schlagen. Ich werde mal der kämpferischste Kampfleopard der Welt!“ Lachend rollten sich die beiden Nackten über den Boden und stießen dabei irgendwann gegen Buster, der mit verschränkten Armen wissen wollte, wer sich an seinem Chicken Korma gütlich getan hätte.

„Rina!“, erklärte Ranu frech.

„Ah ja und du hast da gar nichts mit zu tun?“, fragte Rick zweifelnd. „Ich nehme mal an, dass mein Essen auch nicht vollständig ist, oder?“ Er sah zu Buster und als der nickte, griff Rick sich Ranu und fing an, ihn zu kitzeln. „Lass uns noch etwas liefern lassen, Schatz, ich habe nämlich ziemlichen Hunger“, rief er dabei Buster zu. „Sonst muss ich kleine Leoparden essen.“

„Ich hol schon mal den Rasierer und heize den Herd durch“, sagte Buster trocken und sah Ranu warnend an. Bei seinem Essen war sich jede Katze selbst die nächste und dass die Plagen ihm sein Futter geklaut hatten bedeutete Rache. „Knebel ihn schon mal, damit er nicht so schreit, wenn ich ihn würze und in den Ofen schiebe.“ Dann wandte er sich um und ging in die Küche, während Ranu ziemlich irritiert guckte. „Meint der das ernst?“

„Selbst ich darf sein Essen nicht anrühren.“ Rick sah Ranu mitleidig an. „Es war wirklich nett, dich kennen gelernt zu haben. Du wirst mir echt fehlen.“ Er klopfte Ranu auf die Schulter und stand auf. „Schatz, soll ich dir mit den Spießen helfen? Dann können wir ihn besser wenden.“

„Ich nehme den, auf dem wir vor zwei Monaten das Spanferkel gemacht haben, als Luan und Peter hier waren. War doch ’ne ideale Größe!“, rief Buster noch über die Schulter zurück und grinste dreckig in sich hinein. Schön, dass Rick ohne Instruktion so gut mitspielte. Und Ranu hockte im Wintergarten auf den Knien und wusste nicht, was er sagen sollte. „Aber Rina war das doch!“, brüllte er, „bratet die, die ist fetter!“

„Gute Idee, braten wir beide, dann werden wir wenigstens satt. Deinen Vätern erklären wir schon, dass wir gar keine andere Wahl hatten.“ Rick folgte Buster in die Küche und küsste ihn schnell. Dann nahm er sich einen der Spanferkelspieße und ging wieder zu Ranu. Er hielt den Spieß prüfend hin und nickte. „Es passt“, rief er über die Schulter.

„Rick, was soll denn das. Das kann doch nicht euer Ernst sein.“ Er rutschte auf Knien weiter nach hinten. Er konnte einem richtig leid tun. Er bekam Angst und so nackt war er noch schutzloser als sonst.

„Wer ist fett?“, keifte dazu auch noch Rina, die hinter Rick getreten war und Ranu wurde immer kleiner. Das Leben war so ungerecht.

„Keiner, Rina“, beruhigte Rick die junge Leopardin und beachtete sie dann nicht weiter. Er hockte sich zu Ranu und verwuschelte ihm die Haare. „Natürlich ist das nicht unser Ernst. Leoparden schmecken nicht“, so unsicher gefiel ihm Ranu gar nicht. Er sollte lachen und frech sein und nicht so ängstlich gucken.

„Ihr seid so doof“, knurrte Ranu und wollte sauer sein, doch wie er da so nackt hockte und die Arme verschränkte, hatte es doch eher etwas Niedliches. Man wollte ihn greifen und knuddeln. Außer Rina, die deutete auf den Boden vor Ranu. „Ein kleiner dicker, hässlicher Wurm. Hau mit der Pfanne drauf, Rick.“ Dann rannte sie lachend weg, ehe Ranu begriff, dass sie seinen Zipfel meinte.

„Blöde Ziege“, rief er ihr hinterher, als es bei ihm Klick gemacht hatte und wollte aufspringen, aber Rick hinderte ihn daran. „Nicht, das will sie doch nur. Ignorier sie.“ Vielleicht war es wirklich gut, wenn die zwei Geschwister ab und zu Abstand hatten. Er musste das mal mit Buster durchsprechen, ob sie da nicht was organisieren konnten.

„Is' kein mickriger Wurm“, knurrte Ranu und guckte an sich hinunter. Er war normal entwickelt für sein Alter, das sagte jeder, sogar der Kinderarzt. „Selber flach wie ein Brett aber große Töne stopfen. Ich muss mir wenigstens nicht das bisschen, was ich habe, mit einem Push up da hin quetschen, wo es gebraucht wird.“ Aber seine Rache kam schon noch, Rina sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

„Rick, wo bleibt der Leopard am Spieß?“, brüllte es aus der Küche.

Lachend stand Rick auf. „Ich hab mich umentschieden. Essen wir die Reste und bestellen noch etwas Neues für uns vom Inder. Ich habe gerade keinen Appetit mehr auf Leopard.“ Er half Ranu hoch und legte ihm den Arm um die Schulter. „Komm, wir beruhigen Buster schon wieder.“

„Und dann trete ich dem blöden Troll in den Hintern“, knurrte Ranu leise, weil die schon wieder in der Tür stand und mit angeekeltem Gesicht auf den Wurm zeigte.

„Keinen Leopard zum Abendessen?“ Buster wirkte enttäuscht, als er in den Flur kam, um zu sehen, wo eigentlich alle abgeblieben waren. Ranu hatte sich schon eines der großen Hemden, die er Caleb stibitzt hatte, gegriffen und übergestreift, um dem Wurm seine Privatsphäre zu gönnen.

„Wir warten, bis mehr an ihm dran ist. Dafür muss ich ihn noch ein paar Jahre trainieren.“ Rick legte den Arm um Buster und küsste ihn versöhnlich. Ranu hatte für heute schon genug Tiefschläge erlitten. „Aber ich glaube, ein anständiges Curry ist ein guter Ersatz bis dahin.“

„Curry-Pizza wäre auch nicht zu verachten“, nuschelte Ranu, doch er hielt lieber die Klappe, er hatte heute schon genügend angestellt. Rina verschwand wieder zu ihrem Baum, wo sie mittlerweile Rock Christmas in die Anlage geworfen hatte und laut und falsch mit sang. Im Gegensatz zu Rick konnte sie nicht einen Ton halten. Ranu versuchte es gar nicht erst, weil er im Stimmbruch war.

Buster brummte noch ein wenig, aber das war nur Show. Er hatte das Essen schon bestellt, was ihn aber nicht daran hinderte, sich noch ein paar Zärtlichkeiten von Rick zu erschleichen. Er musste immerhin noch eine paar Wochen nachholen. So ließ er sich küssen und wedelte mit einer Hand in Ranus Richtung. „Los, Kurzer, mach dich nützlich und verteil das restliche Essen auf Teller, wenn ich dich schon nicht essen darf.“

Knurrend machte sich Ranu an die Arbeit, machte dabei aber wenig Krach, damit Rina nicht merkte, dass noch einmal Futter verteilt wurde. Dann blieb vielleicht mehr für ihn übrig. Allerdings wurde er strafend angeguckt, als er nur drei Teller hin stellen wollte und räumte meuternd noch einen vierten Teller auf den Tisch. „Die platzt doch eh aus ihren Klamotten“, murrte er leise und machte sich daran, endlich Lassy zu machen, er hatte Appetit.

Seufzend sahen Rick und Buster sich an. Wurde das eigentlich irgendwann mal besser? Im Moment konnte es auf jeden Fall nicht schlimmer werden. Es musste doch etwas geben, was die Geschwister gerne zusammen machten und sich einmal nicht stritten. Das Problem konnten sie jetzt aber nicht lösen, denn die Mikrowelle plingte.

„Holst du bitte deine Schwester?“, fragte Rick, weil er sehen wollte, ob es gleich wieder knallte oder nicht und fügte an: „Geh hin!“, als er sah wie Ranu Luft holte, um zu brüllen.

„Wenn’s sein muss!“, muffelte der junge Leopard und stapfte los.

„Ja, muss es“, sagte Rick überflüssigerweise und sah Buster noch einmal an. „Sie sollen sich ja nicht täglich herzen, aber sie sollten merken, dass es ohne den anderen nicht geht.“ Vielleicht wäre es wirklich das Beste, wenn sie räumlich getrennt würden. Sie mussten mal mit Aset reden.

„Was hältst du davon, wenn wir Aset und Caleb erst einmal dazu bringen, sie im Haus ein wenig zu trennen, damit sie sich nicht mehr so nah auf der Pelle hocken und dann können sie abwechselnd Zeit hier verbringen, wo sie dich und wenn sie wollen auch mich ganz für sich haben?“ Rick hatte sich ein wenig Gedanken gemacht, aber er konnte das ja nicht alleine bestimmen.

„Sprechen wir das mit Aset durch, so kann es jedenfalls nicht... ah!“ Buster brach ab, die Zwillinge mussten nicht hören, über was sich die beiden Männer unterhielten. „Noch Hunger, Mäuschen?“, fragte er Rina, die natürlich nickte. Und selbst wenn sie keinen gehabt hätte, schon um Ranu zu ärgern hätte sie welchen gehabt.

„Es gibt gleich noch Nachschub, lasst es euch schmecken und dann kümmern wir uns alle um den Baum, oder?“, fragte Buster in die Runde.

„Aber nur wenn mein Trot…“, fing Rina an, wurde aber von Buster gestoppt.

„Wir alle“, sagte er streng und Rick pflichtete ihm nickend bei. „Es wird unser Baum, darum schmücken wir ihn auch gemeinsam.“ Buster wollte erst gar keine Diskussion darüber aufkommen lassen und rief Ranu zur Räson, als der seinem Troll die Zunge rausstreckte.

„Kinder, wenn ihr nicht bald ein bisschen mehr Familie verinnerlicht, dann wird kein Baum geschmückt und ihr geht ins Bett. Ich mache das eine ganze Weile mit, aber irgendwann möchte ich von euch auch ein Entgegenkommen. Ihr habt es in der Hand. Also, entweder etwas weniger Streit oder eine verdammt harte Woche.“ Buster sah beide abwartend an.

„Aber…“, begehrten beide gleichzeitig auf und es war schon irgendwie witzig, dass sie sich stritten wie die Besenbinder, aber zusammenhielten, wenn sie sich davon einen Vorteil versprachen. Das war zumindest eine Basis, auf der man aufbauen konnte. Allerdings hatten weder Buster noch Rick vor, sie so zur Einigkeit zu bringen.

Denn die beiden gegen sich zu haben war auch nicht das Gelbe vom Ei.

„Ich möchte die Woche gern mit euch beiden verbringen und nicht jeden Tag getrennt. Ich habe auch Rick lange nicht gesehen und die ganze Woche nichts von ihm zu haben, nur weil wir euch beide trennen müssen, ist für mich keine Option. Es liegt also völlig in eurer Hand.“ Buster ließ sich nicht beirren. Er richtete gern sein Leben nach den Kids aus, aber nicht komplett. Sie mussten sich integrieren wie auch er es tat.

Ranu und Rina sahen ihn an, weil sie rausbekommen wollten, ob ihr Bruder es ernst meinte. Denn nur dann kam es für sie in Frage, sich zu arrangieren. Sie liebten Buster und ihn gegen sich zu haben, wollten sie ganz bestimmt nicht. Sie schienen zu sehen, was sie für eine Entscheidung brauchten und blickten sich wieder an. Sie nickten synchron, auch wenn man sah, dass sie nicht begeistert waren.

Mal davon abgesehen, stand nicht nur die Frage im Raum, ob Buster es ernst meinte. Er hatte auch immer noch sehr großen Einfluss auf Aset. Es sich mit dem zu verscherzen wäre nicht ratsam. Auch wenn die kleinen Samtpfoten ihren Vater um die Finger wickeln konnten, wenn Buster auf den Tisch schlug, dann spurte auch Aset. Das sollte man auch als kleiner, verwöhnter Leopard nicht unterschätzen.

„Geht doch“, sagte Buster zufrieden und griff sich seinen Teller. Rick hatte das Essen verteilt, das noch da war, und eben klingelte der Lift aus der Küche, der die frische Bestellung nach oben schickte. Sehr schön.

Manchmal klappte doch alles so, wie es sollte. Er holte das Essen aus dem Lift und verteilte es auf dem Tisch, damit jeder sich etwas nehmen konnte. Rick setzte sich neben Buster und sah ihn anerkennend an. Wie sein Schatz das Problem erst einmal gelöst hatte, imponierte ihm. „Sollen wir beide es übernehmen, den oberen Teil des Baums zu schmücken?“, fragte er Buster. Dann mussten die Kleinen nicht auf den Leitern herumturnen.

Buster sah als erstes in das Gesicht seiner Geschwister, ob die vielleicht hastig nickten. Dann hatten die was Tödliches vor. Doch die guckten noch etwas bedröppelt in ihre Schalen, guckten sich ab und zu gegenseitig an, fauchten und guckten wieder bedröppelt. Die waren erst einmal außer Gefecht und so stand der frei schwebenden Aktion nichts im Wege. „Klar, warum nicht“, sagte er erst einmal, sie würden wohl spontan entscheiden.

Erst einmal mussten sie gucken, was Rina bisher schon erledigt hatte. Rick freute sich sogar ein wenig darauf, den Baum zu schmücken. Es gab ihm das Gefühl, wieder eine Familie zu haben und das war schön. Seit er Buster kannte, hatte sich sein Leben sehr verändert und meist im positiven Sinne.



Sie aßen schweigend, denn den Kindern war im Moment eh nicht nach reden.

Sie brüteten darüber, wie man mit möglichst wenig Aufwand den jeweils anderen so gut ignorieren konnte, dass es nicht zum Eklat kam. Ranu war ziemlich angebrannt, dass er sich mit Rina arrangieren musste, die ihn sowieso immer wie zweite Wahl behandelte. Das war nicht fair. Doch der jungen Dame ging es auch nicht besser. Nett zu jemandem zu sein, der einen immer Troll nannte, war auch nicht ganz leicht.

So tief in Gedanken, bekamen sie gar nicht mit, dass Buster und Rick den Tisch abgeräumt hatten und schon ins Wohnzimmer gegangen waren, um zu begutachten, was gemacht werden musste. Rina hatte bisher erst einmal alles, was sie gekauft hatten, sortiert und so hingelegt, dass man sie gut am Baum verteilen konnte.

„Erst einmal die Lichterkette“, überlegte Rick und sah sich danach um. Erst wenn das erledigt war, konnte der Spaß losgehen.

„Wir kommen ja sowieso nicht drum herum“, sagte Buster und verschwand in einer Nische, wo er eine große Treppenleiter zwischengelagert hatte. Die war auch dann sehr nützlich, wenn man an die obersten Fächer im Schrank wollte, wo Sachen lagerten, die nicht so oft gebraucht wurden.

„Ich krauche hoch und du reichst mir alles zu“, schlug Buster vor, er stieg auf die Leiter. Viel Hoffnung hatte er nicht, dass es gut ging, aber sie würden sehen.

„Okay.“ Rick holte die Lichterkette und wartete, bis Buster oben auf der Leiter stand. Er reichte ihm den Anfang der Kette. „Wenn es nicht funktioniert, dann sag es, Schatz. Ich übernehme das dann“, bot er an, denn es war recht anstrengend, die ganze Zeit mit ausgestreckten Armen zu arbeiten. Sie kamen nämlich nicht so nah, wie sie wollten, an die Spitze heran.

Und so hangelte Buster auf der Leiter, knipste hier und da eine Kerze an, bis er die Nase voll hatte. Schwups wandelte er sich und sprang frustriert in den Baum. Er prüfte wie gut die Äste trugen und fing nun an, den Feind von innen heraus zu verkabeln. Die Nadeln pieksten an den Pfoten und er wäre zweimal fast abgestürzt. Zum Glück hatte er sich an der Lichterkette festhalten können. Und warum machte der Mistkerl, der sein Freund war, gerade lieber Bilder, als ihn zu retten?

Er hätte Rick wohl besser nicht erklären sollen, dass es wichtig war, alles, was man gegen jemanden verwenden konnte, zu fotografieren und an seine Freunde zu schicken. Aber bevor Buster komplett abstürzen konnte, legte Rick die Kamera weg und fing ihn auf. „Armer Schatz“, murmelte er leise und küsste die malträtierten Pfoten. „Soll ich erst einmal weitermachen?“

Doch Buster schüttelte den Kopf und zerrte wieder die Lichterkette hinter sich her. Dieses elektronische Mistding hatte sein Ego misshandelt, das mussten sie untereinander ausmachen – Kater gegen Lichterkette! Sie würden schon sehen, wer den Sieg davon trug. Und so hüpfte er wieder in den Baum, um die nächsten Kerzen festzumachen.

„Komische Technik“, maulte Rina, die von der Tür aus zuguckte. Das war doch krumm und schief! Wie sah das denn aus?

Sie hielt aber lieber die Klappe, als es aus dem Baum wütend fauchte. Wenn Buster etwas jetzt nicht verkraften konnte, dann war es Kritik an seiner Arbeitsweise. Rick half ihm so gut es ging und half da aus, wo Buster mit seinen Pfoten nicht richtig hinkam. Je tiefer sie kamen, umso leichter wurde es und Rick konnte richtig mithelfen. Trotzdem dauerte es ziemlich lange, bis der ganze Baum mit Lichtern versehen war und sie es ausprobieren konnten. „Prima“, murmelte Rick, der mit Buster auf dem Arm den Baum abschritt und kraulte seinen fleißigen Schatz zur Belohnung.

„Geht so“, erklärte Rina, während Ranu nur dabei saß und alles beobachtete. Drei waren für den Job ganz entschieden zu viele! Lieber bastelte er Haken an die Kugeln, damit sie besser befestigt werden konnten. Denn er wollte nicht in einem Kugelhagel erschlagen werden, wenn er aus Versehen mal gegen den Baum schlidderte.

Rick und Buster ignorierten Rinas Gemaule und waren mit ihrer Arbeit ziemlich zufrieden. „Jetzt noch die Spitze drauf und dann arbeiten wir uns runter. Rina, du sagst, wo was hin soll und die zwei Jungs reichen mir an, was ich brauche.“ Rick wollte die zwei Leoparden mit einbeziehen und vielleicht so ihre Laune wieder aufbessern.

„Gut.“ Rina war damit zufrieden, und so lange Buster auch nur als Zuträger fungierte, war Ranu ebenfalls besänftigt. Buster hatte sich mittlerweile wieder gewandelt und war in seine Kleider gestiegen und Rina lief schon um den Baum und vermaß ihn mit den Augen. Dann kommandierte sie: „Als erstes die Kristallflocken! Da – da- da- da- und da. Dann hier drüben weiter. Da- da –da.“

„Ihr habt es gehört.“ Rick stieg auf die Leiter und ließ sich die Flocken hoch geben. Vorsichtig befestigte er sie an den Zweigen, die Rina ihm nannte. Sie sahen wirklich gut aus und er konnte sich vorstellen, wie sie funkelten, wenn der Baum beleuchtet war.

„So, alle Flocken am Baum – was jetzt?“, wollte Ranu wissen, der es übernommen hatte, den Schmuck aus den Kisten zu fingern und Buster zu geben. Zweimal hatte er sie geworfen und Buster gefangen, aber nur bis Rina sie beim Spielen erwischt hatte und seit dem wurde wieder gereicht. Es folgten die roten, großen Kugeln, dann die mittleren und zum Schluss die kleinen als Lückenfüller. Großzügig ließ sie eine übrig, mit der Ranu dann spielen durfte.

„Die Schleifen“, rief Rick von oben, denn die hatten sie ganz vergessen. Die waren in den Tüten gewesen, die er mit hoch gebracht hatte. „Kann sie mal einer holen, sie müssten im Flur sein.“ Dort hatte er sie abgestellt, als Buster ihn angesprungen hatte.

„Ranu, komm mit“, kommandierte sie und wie zu erwarten war, knurrte der als Antwort, dass die ihn mal... doch weiter kam er nicht. Buster fauchte leise und so trottete er hinterher. Es dauerte länger als erwartet, bis Rina wiederkam und zufrieden die Tüte schwenkte, hinter ihr trottete ein Leopard mit roter Schleife und schoss mit der Pfote die Kugel vor sich her. Buster hob eine Braue und konnte nicht anders, als die Kamera zu greifen und Bilder zu machen. Sowohl Caleb als auch Cathleen dürften sich darüber ziemlich freuen.

„Komm her“, lockte er Ranu zu sich und kraulte ihn hinter den Ohren. Das nutzte nicht sehr viel, denn Ranu fühlte sich ziemlich unwohl, er zupfte an der Schleife und versuchte immer wieder sie mit der Pfote abzustreifen „Du siehst toll aus“, lachte Buster leise und damit Ranu sich nicht alleine so blöd vorkam, musste Rick halt auch dran glauben. Buster wühlte eine kleine Schleife aus der Tüte und band sie seinem Schatz um, der schon in seiner Katzenform neben ihm hockte.

Geteiltes Leid war eben halbes Leid und so flitzten die beiden Katzen ein bisschen hinter der Kugel her und Ranu vergaß fast, dass er geputzt worden war und Rina einmal mehr ihren Willen bekommen hatte.

Die stand derweil mit Buster neben dem Baum, immer darauf bedacht, die beiden Kater zu scheuchen, sollten sie dem Kunstwerk zu nahe kommen. „Hör auf, nur die Bettvorleger zu knipsen. Mach auch Bilder vom Baum so wie er mal war. Wenn die zwei damit fertig sind, wird er nie wieder so schön aussehen“, knurrte sie und suchte noch die schwebenden Figuren.

„Ach Süße. Jetzt sieh doch nicht alles so verbissen. Das Leben ist nicht perfekt, also warum sollte es bei uns anders sein?“ Buster drückte sie an sich und küsste sie auf die Stirn. Ein wenig Perfektionismus war ja nicht verkehrt, er war genauso, aber man konnte alles übertreiben. Ab und zu musste man einfach Abstriche machen.

„War klar, dass du zu denen hältst. Ich gebe mir hier Mühe, und? Für nichts!“ Sie muffelte weiter und verteilte die fliegenden Figuren so gut es ging, während Ranu und Rick wilde Sau spielten. Sicher waren dann auch die Schleifen kaputt und Weihnachten war für die Schwanzwurzel! Das war so typisch Jungs!

„Rina, jetzt ist aber gut. Der Baum sieht toll aus, weil wir uns alle Mühe damit gegeben haben. Rick und Ranu sind weit genug von ihm entfernt und können ihm also nichts anhaben. Gestehe anderen bitte genug Intelligenz zu, dass sie wissen, wo die Grenzen sind.“ So langsam wurde Buster wirklich ärgerlich. Kein Wunder, dass es zwischen den Geschwistern immer wieder krachte, wenn sie Ranu so abwertend behandelte.

Man sah deutlich, dass Rina für diese Steilvorlage noch etwas auf der Zunge lag, doch das war nicht mehr ihr Niveau. War doch klar, dass die mit dem verkrüppelten Chromosomen alle zusammen hielten! Eine Krähe hackte doch der anderen kein Auge aus. Dass Rina nichts mehr sagte, war kein gutes Zeichen – das tat sie nur, wenn sie richtig angepisst war. Stumm räumte sie die Kartons zusammen und schob alles zurück in die Tüten. Dann räumte sich das Zeug besser in den Speicher.

Buster ließ sich auf die Couch fallen und seufzte leise. So langsam wusste er echt nicht mehr, was er machen sollte. Egal, was er sagte, es war verkehrt und einer der Zwillinge bekam es in den falschen Hals. Wie machte Caleb das nur, dass er nicht vollkommen durchdrehte? „Rina, sag mir, warum du jetzt so wütend bist“, bat er, auch wenn er nicht damit rechnete, eine Antwort zu bekommen.

Die junge Dame hatte gerade die Tüten gegriffen und wollte sie wegbringen und dann mit Sina telefonieren, doch sie blieb stehen und wandte sich um – gerade rechtzeitig, um einen Leoparden über das Parkett schliddern zu sehen – direkt unter dem Baum durch. Dabei machte er sich flach wie ein Teppich und schlug die Pfoten vor die Augen.

„Da“, sie deutete auf Ranu, der liegen blieb und schwer atmete, weil er noch einmal davon gekommen war. „Keinerlei Respekt. Ich wollte den Baum sehen, mich freuen. Aber die Hälfte von uns interessiert es doch gar nicht, wo meine Interessen liegen. Aber das ist okay. Ich telefoniere mit Sina. Die wartet sicher schon.“ Sie lächelte.

Buster hatte auch die Luft angehalten und atmete nun erleichtert aus. „Komm, Süße, wir machen uns einen Kakao. Mit Sina kannst du bestimmt auch noch später telefonieren.“ Buster kam zu Rina und legte ihr einen Arm um die Schulter. „Wir interessieren uns dafür, wo deine Interessen liegen, auch wenn wir das nicht unbedingt ständig zeigen. Zumindest kann ich das von Rick und mir behaupten. Wir interessieren uns für euch beide. Glaubst du, ich hätte euch diese Woche gegen Calebs Protest zu mir genommen, wenn ihr mir gleichgütig wärt?“

„Nein, glaube ich nicht“, nuschelte Rina und lehnte sich an ihren großen Bruder. „Aber Ranu. Der tut alles, um mich zu ärgern, da ärgere ich zurück und ja, ehe du fragst: Ich fange auch öfter mal an, aber dann, weil noch eine Rechnung offen war. Ich bin eine Lady und jedes Mal, wenn ich es versuche, kommt der Mistkater und stellt mich bloß. Egal ob in der Schule oder zu Hause. Das ist frustrierend.“ Aber sie grinste, als die Ranu jammern hörte, der Mini-Tiger schien ihm die Leviten zu lesen. Sehr gut.

„Hm.“ Buster ließ sich Rinas Worte durch den Kopf gehen. So langsam kam er wohl zum Kern des Problems vor. Ranu hatte ihm ungefähr das gleiche erzählt.

Er machte Milch warm und rührte Zucker und Kakao hinein. „Rina, was würdest du sagen, wenn dein Bruder sich genauso fühlt wie du. Er genauso das Gefühl hat, dass du dich in keinster Weise für ihn und seine Gefühle interessierst.“

„Tu ich ja auch nicht, weil er es nicht tut. Der ist manchmal so peinlich!“ Rina hatte die Tüten im Flur stehen lassen – ein großer Fehler, denn Ranu versuchte seinem Häscher zu entkommen und kugelte über die Tüten. Dabei verschwand er fiepsend unter dem Berg und Rina schlug die Hände vor das Gesicht. „Und so ist er auch in der Schule. Ich werde immer aufgezogen, was ich für einen Bruder habe“, sagte sie leise. Es war ja nicht so, als würde sie Ranu nicht mögen, aber Kinder waren eben oberflächlich und sie wollte dazu gehören. Sich entscheiden zu müssen war nicht leicht.

Buster musste einfach grinsen, als er Ranu mit hängenden Ohren davon trotten sah. „Rina, das ist genau der Punkt, warum es nicht funktioniert. Ranu würde sich garantiert weniger peinlich benehmen, wenn er das Gefühl hätte, dass du ihn magst und ihn so akzeptierst, wie er ist. Und umgekehrt wäre es nicht anders. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ihr euch ärgert, das ist bei Geschwistern normal. Ihr habt mich geärgert und ich euch auch, aber etwas war anders dabei. Wir haben uns gegenseitig respektiert und das vermisse ich bei euch. Ihr schlagt nur um euch und merkt meistens gar nicht, wie ihr den anderen damit verletzt.“

Rina sah Buster an, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Sie sparte sich auszusprechen, was sie dachte und schluckte die Meckerei darüber herunter, dass sie alleine die Standpauke bekam und Ranu toben durfte. Dass der mal anders als peinlich war, konnte sie sich fast nicht vorstellen. Sie machte nur: „hm“, als Zeichen, dass sie verstanden hatte und erhob sich. „Danke für den Kakao, ich muss mal ins Bad“, erklärte sie.

Man sah ihr an, dass sie nicht zufrieden war, darum hielt Buster sie kurz auf. „Mäuschen, Ranu bekommt das gleiche zu hören. Außerdem musste ich ja bei jemandem anfangen und meist bist du ja die Vernünftigere. “ Er strich ihr lächelnd durch die Haare und küsste sie auf die Wange. „Ich hab dich lieb“, sagte er dabei, dann ließ er sie gehen. Ob er es schaffte, die zwei wieder näher zueinander zu bringen?

„Ich dich auch.“ Sie grinste und dampfte ab, während Rick, wieder menschlich und in einer netten Jeans steckend, den wild fauchenden Leoparden auf dem Arm hatte. „Hier kommt gleich der nächste“, lachte Rick und setzte sich zu Buster. „Ich bin dafür, dass wir ihn doch rasieren und grillen. Dann bleibt wenigstens der Baum heil.“

„Das wird er auch so, nicht wahr, Ranu?“ Buster kraulte Ranu zwischen den Ohren und küsste Rick, wenn er schon mal in seiner Nähe war. Wahrscheinlich hatte sein Schatz nicht mehr daran gedacht, dass er immer noch die Schleife um den Hals trug. Das sah irgendwie lecker aus und Buster schnurrte leise. „Los, Kurzer, zieh dir was an, dann gibt es Kakao“, lachte er und gab Ranu einen Klaps.

Der kleine Leopard machte, dass er weg kam. So weit kam es noch, dass er gegrillt wurde. „Ich mache drei Kreuze, wenn sie in ihren Betten liegen“, lachte Buster und zog sich auf die Theke und dabei Rick zwischen seine Beine. „Mich wundert es nur, dass Caleb noch nicht angerufen hat, um zu sehen, ob sie noch leben. Glaubst du, er meldet sich noch oder hat er das Apartment verwanzt?“

„Beides.“ Rick war sich da vollkommen sicher. Caleb überließ nichts dem Zufall, wenn es um seine Kinder ging. „Er wird noch anrufen, da bin ich mir sicher.“ Rick ließ sich von Buster einfangen und lehnte sich bei ihm an, weil er hoffte, dass er ein wenig beschmust wurde. „Der Baum ist wirklich schön geworden und es hat Spaß gemacht“, murmelte er leise.

Buster strich ihm gedankenverloren durch die Haare und nickte dabei. „Ja, er ist schön geworden. Ich hatte gehofft, er bringt die Zwillinge etwas dichter zusammen. Doch wie es aussieht, habe ich erneut einen Keil zwischen beide getrieben und ich weiß nicht, was ich noch machen kann.“ Er seufzte leise und merkte nicht, dass vor der Tür Ranu im Flur stand und die Ohren hängen ließ. Wie es aussah, machten sie Buster nur Sorgen.

„Du hast nichts falsch gemacht, Schatz.“ Rick nahm Busters Gesicht in seine Hände und küsste ihn. „Sie haben beide noch nicht verstanden, dass sie sich gegenseitig brauchen. Erst dann wird es besser.“ Rick hatte sich auch so seine Gedanken gemacht, aber er war auch nicht sicher, ob er das richtige Rezept gefunden hatte. „Sie sind keine Konkurrenten, denn sie werden beide gleich von ihrer Familie geliebt. Sie müssen sich nicht gegenseitig schlecht machen, um Beachtung zu finden. Wir müssen versuchen, sie in diese Richtung zu bringen. Das Leben kann viel schöner und stressfreier sein, wenn man nicht ständig jemanden bekriegen muss.“

„Wir werden sehen“, sagte Buster und strich Rick weiter durch die Haare und grinste schief, als er Ranu in der Tür stehen sah. Die Schleife immer noch um den Hals, die Weihnachtsbaumkugel in der Hand und sah seinen Bruder reumütig an.

Er hatte darüber noch nie nachgedacht, dass es nicht Rina war, der er Ärger machte, sondern seiner Familie, die glaubte, etwas falsch gemacht zu haben.

„Komm her, Süßer.“ Buster löste einen Arm, den er um Rick gelegt hatte und winkte Ranu zu sich, der langsam näher kam und sich schließlich von den beiden Erwachsenen umarmen ließ. „Ich sage dir jetzt das gleiche, wie deiner Schwester. Ich habe dich lieb und das wird sich auch nicht ändern. Ärgert euch so viel, wie ihr wollt, aber respektiert euch dabei. Die Grenze ist da, wo ihr den anderen beleidigt und verletzt. Denkt nach, bevor ihr redet, mehr möchte ich gar nicht.“

„Aber sie ist doch ein Troll!“, sagte Ranu, der nicht einsah, dass er seinen Spitznamen für Rina aufgeben sollte. Der war doch treffend. „Außerdem soll sie auch aufhören, sich immer über mich lustig zu machen. Sie ist nämlich ziemlich fies.“ Doch er nuschelte nur noch ganz leise und bekam seinen Kakao in die Hand gedrückt. Sich mit seiner Schwester vertragen zu müssen, war eigentlich keine Option, aber für Buster würde er es versuchen.

„Nenn sie weiter Troll, sie wird auch nicht aufhören, dich Trottelbruder zu nennen, aber es wäre schon mal ein Anfang, das nur Zuhause zu machen und nicht vor euren Freunden.“ Buster wuschelte seinem Bruder durch die Haare und lachte. „So und nun ist Schluss mit Trübsal blasen. Was haltet ihr davon, wenn wir eine Runde an der Playstation zocken? Vielleicht hat Rina ja auch Lust.“

„Ach, die lahme Gurke. Die spielt doch nur Sims, die kann doch gar nicht richtig Zocken. Voll öde!“, war Ranu überzeugt. Doch was er nicht wusste war, dass Rina ziemlich gut darin war und dass sie deswegen oft von den Jungs eingeladen wurde. Sie war ein würdiger Gegner, diese schmerzliche Erfahrung stand Ranu auch noch bevor. Doch noch sollte er frohlocken und sich brüsten, dann war die Niederlage schmerzlicher. „Ich hol sie!“, bot er an und lief los.

„Mach das, wir bauen auf.“ Rick wartete, bis Ranu aus der Küche verschwunden war, dann zog er Buster wieder zu sich und küsste ihn. „Wir beide gegen die Kleinen, oder gemischte Teams?“, fragte er und zog Buster mit sich ins Wohnzimmer. Buster war mindestens so gut wie Ranu und in den letzten zwei Jahren war er selber viel besser geworden, aber an die Brüder kam er nicht heran.

„Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Barmherzigkeit, wir werden barmherzig sein, mein Liebling. Du mit Ranu, ich mit Rina. Und wenn Rina nicht will, dann mach ich euch beide alleine platt. Ich bin der Plätter und nicht der Retter.“ Buster sprang von der Anrichte und lachte, als er ins Wohnzimmer lief. Auch er fiel über den Berg Tüten, konnte sich aber mit einer Rolle abfangen. Doch das Zeug blieb, wo es war, es galt einen Sieg heim zu fahren.

Rick besah sich die Rolle mit einer gehobenen Braue. Na das konnte ja heiter werden, wenn Buster so drauf war. Dann wollte er nämlich unbedingt gewinnen und kannte keine Freunde. „Okay, machen wir das so. Ich hoffe doch, das Rina mitmacht. Dann machen wir etwas zusammen.“ Rick ließ Buster die Technik aufbauen, denn der machte das gerne selber. „Unsere Teams sind vollzählig“, meinte er, als Ranu mit Rina im Schlepptau ins Wohnzimmer kam.

„Ich spiele mit Rina und dann machen wir euch nass“, sagte Buster trocken und hatte als erstes ein Rennspiel eingelegt. Da konnten sie sich warm spielen. Die Teams packten sich in verschiedene Lager, was so viel hieß wie: Rina und Buster hatten einen Sessel, Ranu und Rick den anderen. Überall lagen offene Chipstüten, damit man nur schnell mal zulangen musste und dann konnte es losgehen.

„Drei Runden zum üben, dann wird gezählt“, erklärte Buster im Spielfieber.

Die drei übrigen Mitspieler sahen sich an und grinsten. Buster war einfach unglaublich, wenn es um Spiele ging. Da kannte er wirklich niemanden mehr und wollte nur noch gewinnen. „Alles klar“, erklärten alle drei und Buster startete das Spiel. Rick brauchte ein wenig, um sich an die Bedienung zu gewöhnen, aber nach ein paar Sekunden hatte er es raus und tauchte genauso wie alle anderen in das Spiel ein.

Rina simulierte erst einmal ein bisschen. Sie hatte vor, ihren Bruder zu ärgern und deswegen sollte sich Ranu, der sich schon nach der ersten Runde über die Transuse lustig machte, in Sicherheit wiegen. Sie wusste ein bisschen mehr als er und das ließ sie frech lachen, als ihr Wagen wieder gegen die Wand donnerte.

„Du bist echt zu blöd. Buster hat mit dir schon so gut wie verloren.“ Ranu war sich sicher – der Sieg war sein.

Er war auch der einzige, der nicht aufhorchte, als Rina sich nicht wie gewohnt darüber aufregte, sondern nur leicht lächelte. Rick schwante Übles, aber er sagte nichts. Den Sieg konnte er wohl abschreiben, aber das war ihm egal. So ehrgeizig war er nicht und Buster tröstete ihn gerne, wenn er deprimiert war. Bei Ranu sah das schon anders aus. Da sollte wohl jemand eine Lektion bekommen. Hochmut kam eben vor dem Fall.

Zum Glück hatten sie noch ein paar Liter Eis im Schrank. Damit konnten sie dann die ersten Wunden kühlen.

„So, ab jetzt geht es um den Sieg und um die Loser des Tages, die in Shorts durch den Flur gekitzelt werden, kalt abgeduscht und dann noch irgendwas, was ich mir ausdenke, wenn es so weit ist“, lachte Buster und das Rennen begann. Er guckte nicht schlecht, als seine kleine Schwester ihn links überholte und sich sofort an die Spitze setzte. Was war denn hier los?

„Wusste ich’s doch“, murmelte Rick und konzentrierte sich. Wenn schon verlieren, dann knapp. Er lieferte sich mit Rina ein spannendes Rennen, auch wenn er deutlich verlor. Eigentlich war es nicht schlimm, besonders, weil Buster ebenfalls nur zweiter wurde und es überhaupt nicht fassen konnte.

„Rina!“, verlangte er empört zu wissen und warf die Konsole in den Sessel. „Wie kannst du es wagen, heimlich zu trainieren und kein Wort zu sagen?“, wollte er von seiner lachenden Schwester wissen. Doch die rollte sich nur über den Boden, weil Ranu vor Wut fast Qualm aus den Ohren kam.

Rick konnte die ganze Aufregung überhaupt nicht verstehen und sprang lachend auf. Er schnappte sich die lachende Rina und warf sie immer wieder in die Höhe, bis sie vor Vergnügen quietschte und sich an ihm festhielt, weil sie keine Luft mehr bekam. „Jungs, jetzt aber ehrlich. Hättet ihr verraten, dass ihr gut seid, wenn alle euch für eine Lusche halten? Ich auf jeden Fall nicht. Das habt ihr zwei echt verdient.“ Rick wusste, dass er gleich angeknurrt wurde, aber das war egal, dafür hatte er einfach zu viel Spaß.

„Als letzter in der Nahrungskette würde ich nicht solch eine große Klappe haben. Du bist doch derjenige, der gleich kalt geduscht und dann durchgekitzelt wird“, knurrte Ranu. Er war in seiner Zocker-Ehre gekränkt. Da hatte er geglaubt, es gäbe etwas, was er besser könnte als der Troll und jetzt stellte sich das als Bluff heraus! Er war lediglich dritter geworden – das war so erbärmlich!

„Das war mir von vornherein klar, als das Rennen richtig losging. Ihr wart so im Fieber, dass ihr gar nicht darauf geachtet habt, wie Rina auf die Kampfansage reagiert hat. Für den Spaß hier, ertrage ich das gerne.“ Rick schnappte sich Ranu und wuschelte ihm die Haare durch. „Es ist ein Spiel.“

„Das ist nicht nur ein Spiel!“, knurrte Ranu. Sein Ego lag am Boden, es keuchte nur noch, zitterte, machte die letzten Zuckungen! Das ärmste. „Dafür will ich jetzt Eis“, verlangte er und konnte von Glück reden, dass sie heute noch welches gekauft hatten. Die Bestände waren seit gestern schon ganz schön geschrumpft.



06



„Alle, die Trost brauchen, folgen mir in die Küche“, brummte Buster und stiefelte mit Ranu los. Rick und Rina sahen sich an und liefen hinterher. Sie brauchten zwar keinen Trost, aber ein wenig Eis konnten sie schon vertragen. „Erinnere mich daran, dass ich mich nie auf einen Handel mit dir einlasse“, lachte Rick und konnte es immer noch nicht fassen, wie cool sie das durchgezogen hatte.

„Ich bin eben die Beste und ganz Asets Tochter“, grinste sie dreckig. Sie hatte sich die kühle Fassade ihres Vampir-Vaters zum Vorbild genommen. Zwar mochte sie auch ihren leiblichen Vater sehr gern, doch der war ein viel zu netter Vampir. Sie freute sich schon, wenn er und ihre Mutter Weihnachten kamen. Im Augenblick lebten sie in Hongkong und sie und Ranu hatten sie dort schon besucht.

„Gib mir Double Chocolate mit Schokosoße und Schokostückchen!“, knurrte Ranu. Sein Ego brauchte Treibstoff!

„Okay, setzt euch, der Verlierer wird euch euer Eis kredenzen“, bot Rick an. Er hatte Buster und Ranu schon genug geärgert. Jetzt brauchten sie ein wenig Zuspruch. Er nahm die Bestellungen entgegen und machte für alle drei große Eisbecher mit allem Drum und Dran. Busters Eis- und Vorratsschrank konnten jeder Eisdiele Konkurrenz machen.

Er hatte allein sieben verschiedene Arten Schokostreuseln von Null Prozent Kakaoanteil bis 90 Prozent. Krokant in allen Formen und Farben, dazu zwölf verschiedenen Soßen und Sprühsahne in mindestens drei Geschmacksrichtungen. Dazu eingelegtes Obst, für das Rina schwärmte und für Ranu Waffeln. Dazu mindestens fünf Sorten Eis, keine unter drei Liter. Es steckte ein kleines Vermögen in Busters Leidenschaft und ein Berg an Kalorien, die Rick ihm schon deswegen gern fütterte, weil Buster die dann wieder abtrainieren musste, vorzugsweise, mit dem Mini-Mau.

Darum machte er auch jedem noch einen zweiten Becher, als der verlangt wurde. „Wo sind denn die Choco-Tropfen?“, maulte Ranu, als er sich seinen Becher besah. Die mochte er besonders gerne und er wusste auch, dass welche gekauft worden waren. Bevor er Rick erklärte, wo die lagen, stand er lieber selber auf und öffnete den Schrank. Da lagen sie. Ganz oben, war ja klar. Knurrend reckte er sich auf die Zehenspitzen und versuchte sie zu erhaschen, aber egal, was er machte, es fehlten immer ein paar Zentimeter.

„Verdammte Scheiße, das darf doch nicht wahr sein“, schimpfte er wütend und es war ihm gerade so was von egal, dass er nicht fluchen sollte. Er griff noch einmal nach oben und endlich kam er an die Schokotropfen. Das war auch ihr Glück. Zufrieden, riss er die Packung auf und spürte auf einmal alle Blicke auf sich. „Was?“, fragte er, weil alle ihn mit großen Augen ansahen.

Buster deutete nur stumm auf Ranus Füße, die Füße, die ein paar Zentimeter über dem Boden schwebten, weil auf Ranus Rücken kleine, schwarze Flügel wie verrückt flatterten. Sie waren noch nicht groß, hatten vielleicht die Fläche von zwei Männerhänden, doch für ein bisschen Auftrieb reichte es wohl.

„Das glaub ich jetzt nicht“, sagte Rina entgeistert.

„Wah.“ Jetzt, wo Ranu merkte, dass er schwebte, kamen seine Flügel aus dem Takt und er fiel die paar Zentimeter runter. Er tat sich nicht weh, aber trotzdem landete er auf dem Hosenboden. „Wah“, rief er schon wieder, als er sich verdrehte wie ein Wurm, um zu sehen, was auf seinem Rücken war. „Was ist das?“, rief er aufgebracht und versuchte seine Flügel mit den Händen zu berühren.

„Zu Rosen geschnittene Radieschen!“, muffelte Rina. Das durfte doch nicht wahr sein. Ihr Trottelbruder erweckte noch vor ihr seine Vampir-Gene. Das war doch ein Alptraum! Sie war doch immer die, die die Nase vorn hatte, und jetzt?

„Das sind deine Vampir-Flügel, Kleiner“, sagte Buster und strich seinem Bruder über die schwarzen Federn. Das Shirt war kaputt, aber damit konnten sie leben. „Das Blut deines leiblichen Vaters wird stärker, weil Aset euch trinken lässt.“

„Ich hab Flügel?“ Ranu sah Buster fragend an. „Cool!“, jubelte er auf einmal los und sprang auf. Er lief in den Flur, denn da hing ein großer Spiegel. „Ich habe tatsächlich Flügel“, jauchzte er laut, als er sie sehen konnte und wedelte damit. Er konnte das immer noch nicht richtig fassen. „Yippie!“

„Freu dir 'n Loch in den Arsch“, knurrte Rina leise. Es war ein Schock für sie, im Gegensatz zu Ranu. Der stand stolz wie Oskar vor dem Spiegel und guckte sich seine Flügelchen an. Sie waren noch lange nicht so majestätisch wie Asets und trugen auch noch bei weitem nicht so viel, aber sie waren da. „Ich bin so cool. Der einzige Leopard mit Flügeln!“ Und schon flatterte er damit wie wild, doch es ließ bald nach, denn die dafür vorgesehenen Muskelstränge waren noch nicht sehr entwickelt und machten schlapp.

Buster stand bei ihm und war nicht weniger stolz als sein Bruder. Rick war da ein wenig pragmatischer. Er hatte sich als erstes die Videokamera gegriffen und hielt alles fest. Er wollte nämlich nicht, dass ein wütender Leopard und ein Vampir ihn durch New York hetzten, weil sie diesen spannenden Moment nicht mitbekommen hatten und keiner es für sie aufgenommen hatte. Ranu hatte sich inzwischen das Shirt ausgezogen damit er besser gucken konnte und drehte sich hin und her.

„Die sehen so saucool aus!“ Immer wenn er ein bisschen Kraft geschöpft hatte, flatterte er wieder ein bisschen. Rina wurde immer kleiner und stocherte lustlos in ihrem Eis herum. Das war ja nicht zum aushalten mit dem Trottelbruder. Er stellte sich noch richtig in Pose, als er die Kamera bemerkte und flatterte noch einmal, aber er konnte nicht wieder abheben.

„Und wie verschwinden die wieder? Bei Aset kommen und gehen die ja, wie er das will“, sagte Ranu nachdenklich und beguckte sich wieder im Spiegel.

„Öhm….“ Buster sah etwas ratlos aus der Wäsche. „Keine Ahnung. Ich habe ihn mal danach gefragt, als ich jünger war, aber ich habe die Erklärung nicht wirklich behalten. Ich meine, dass er damit angefangen hat, sich zu wünschen dass sie erscheinen, oder dass sie verschwinden. Mittlerweile braucht er das nicht mehr, aber wie er das jetzt macht, weiß ich nicht.“

„Aset anrufen, würde ich sagen“, sagte Rick trocken. Wenn es einer wusste, dann der. „Oder Ryan? Von uns weiß das keiner. Da sind wir dir keine große Hilfe.“

„Aber ich kann doch jetzt nicht tagelang mit den Flügeln herum laufen“, sagte Ranu nachdenklich.

„Warum nicht? Wir setzen dich auf die Baumspitze als Engel. Da bist du endlich mal nützlich“, schlug Rina vor.

„Nein, nicht Aset und auch nicht Caleb. Ich will sie überraschen“, rief Ranu gleich und Rina verdrehte die Augen. Niemand beachtete sie. „Dann rufen wir in Hongkong an. Das wird einschlagen wie eine Bombe, denk ich mal.“ Buster hatte schon wieder seine Finger in den Federn. Die waren so weich und so niedlich klein. Aber das sagte er Ranu lieber nicht, denn das passte nicht zu seinem neuen Leoparden-Vampir Image. Da war man weder niedlich, noch weich, noch flauschig. Er mochte es schon nicht, wenn er als Katze unterwegs war und geflauscht wurde wie eine Hauskatze. Jetzt als böser Vampir-Leopard ging das gleich dreimal nicht.

„Ob ich Ryan und Cathy wecken kann?“, überlegte Ranu und versuchte zu errechnen, wie viele Stunden Zeitverschiebung zwischen ihnen lagen. Das konnte er sich nie merken.

„Ruf an. Egal, wie spät es ist. Er wird dir helfen und sie werden aufgeregt sein.“ Buster hatte schon das Telefon in der Hand und drückte auf die entsprechende Kurzwahltaste. Hibbelig hielt Ranu es sich ans Ohr und lauschte dem gleichmäßigen Tuten. „Geht ran. Geht ran“, murmelte er, lief rastlos hin und her.

Doch Rick, der von allen am gelassensten war, griff sich das Telefon, legte auf und schob Ranu ins Wohnzimmer vor den Laptop mit der Kamera und dem großen Bildschirm. „Wenn, dann wollen sie das auch sehen.“ Er wählte erneut und es hatte den Vorteil, dass Cathleen jetzt sofort dran war. Sie hatte Busters Nummer erkannt und wusste, dass es meist ihre Kinder waren, die sie dann sprechen wollten. „Hallo Kittys“, sagte sie und unterdrückte das Gähnen.

„Mom“, rief Ranu laut und winkte aufgeregt. „Guck mal.“ Er drehte sich auf dem Stuhl und wedelte in die Kamera. „Kannst du mir mal Ryan geben, ich muss ihn was fragen“, sprudelte er los und drehte sich wieder zum Laptop. „Ist er da?“

„Ryan ist im Bad, Schatz. Ich hol ihn gleich mal“, sagte sie ganz aufgeregt und stellte den Laptop neben sich aufs Bett. Der stand dort immer, weil die Kids meistens videofonieren wollten. „Liebling komm mal schnell. Ganz schnell, Ranu muss dir was zeigen!“, körte man sie durch die große zweietagige Wohnung brüllen, ganz undamenhaft, was eigentlich gar nicht ihre Art war.

Doch dann war sie wieder da und setzte sich vor den Bildschirm. „Er kommt gleich“, erklärte sie und sah sich suchend um. „Ist meine Prinzessin gar nicht bei euch?“

„Doch, doch, die lungert auch hier rum. Kannst sie gleich haben, wenn ich fertig bin.“ Ranu wollte jetzt bestimmt nicht mit seiner Schwester den Platz tauschen. „Wo bleibt er denn?“ Ranu hibbelte ungeduldig auf dem Stuhl rum und schließlich konnte er sehen, wie sein Vater zum Bett gehetzt kam.

„Was ist los, Schatz“, fragte Ryan sofort. Wenn seine Frau brüllte, war etwas nicht normal und dringend.

„Kuck mal – kuck mal!“ Ranu war wieder ganz aufgeregt und als er Ryan seinen Rücken zeigte, wackelte er noch einmal ganz wild mit den Flügelchen! Dann sah er wieder in die Kamera. „Ich bin jetzt ein Vampir-Leopard.“ Er strahlte während von links der Einwand kam: „Ein Flauschvampi, uhhhh!“ Rina ging der Rummel auf die Nerven. Sie sollten sie rufen, wenn sie fertig waren. Dann konnte sie mit ihrer Mutter reden.

„Flügel. Du hast Flügel“, rief der Vampir erstaunt und strahlte über das ganze Gesicht. „Das ist ja toll. Ich hatte gehofft, dass du ein paar Vampireigenschaften hast.“ Ryan war ganz aufgeregt und küsste seine Frau vor lauter Freude. „Unsere Kleinen werden wirklich langsam groß“, murmelte er. „Zeig noch mal Ranu.“

„Na klar“ er setzte sich rittlings auf den Stuhl und flatterte wie verrückt. Er platzte fast vor Stolz und Rina schlurfte langsam von dannen. Das war ja nicht mehr zum aushalten. Wie konnte man sich nur wie ein Irrer aufführen? „Ich kam nicht an die Schokotropfen, die ganz oben im Schrank waren und da kamen sie plötzlich und ich konnte ein paar kleine Zentimeter gut machen, um an die Schoko zu kommen. Ich hab das voll nicht gemerkt!“ Ranu plapperte aufgeregt und Rick filmte.

„Manchmal ist es gut, wenn man gierig ist“, lachte Ryan und konnte sich an den Flügeln gar nicht satt sehen. Er freute sich darauf, dass er sie zu Weihnachten dann live zu Gesicht bekam. „Sie werden jetzt stetig immer mehr wachsen und bald kannst du sie dann benutzen. Du solltest sie oft benutzen, damit die Muskeln gestärkt werden.“

„Ja, das mache ich, Ryan“, sagte Ranu und nickte heftig, dabei drehte er sich wieder um. „Caleb und Aset werden vielleicht blöd gucken. Ich werde denen nicht... Ach, jetzt weis sich auch wieder, warum ich angerufen haben!“ Ranu schlug sich vor die Stirn, dass es klatschte. „Wie mache ich, dass sie verschwinden? Ich meine, du, Aset und Assai, ihr könnt sie verschwinden lassen. Geht das einfach so oder muss man da was machen?“

„Versuch's mal mit dem Wunschbrunnen und einem magischen Muffin!“ Rina lehnte in der Tür und biss die Zähne zusammen. Ranu guckte kurz zu ihr und streckte ihr die Zunge raus. Musste die immer dazwischenreden? Er drehte sich wieder zum Laptop und sah seinen Vater ungeduldig an.

„Ranu, denk an die Flügel und stell dir vor, wie sie verschwinden. Am Anfang ist es so am einfachsten. Stell dir in Gedanken vor, was du möchtest. Erscheinen oder verschwinden“, erklärte der seinem Sohn.

„Einfach vorstellen und das reicht?“, fragte Ranu skeptisch und guckte hinter sich. Er sah deutlich die Federn und spürte sie ab und an beim Flattern auf seiner Haut. Er wollte es versuchen und machte die Augen zu. Einfach dran denken – einfach dran denken. Doch das war nicht so leicht, denn Ranu ließ sich immer ablenken. Er zwang sich zwar, doch in seinem Kopf schwirrte alles herum. Zum Beispiel wie er Aset und Caleb überraschte.

„Ja, einfach vorstellen. Später brauchst du das nicht mehr. Irgendwann musst du nicht mehr bewusst daran denken, sie erscheinen einfach, wenn du sie brauchst. Aber das dauert noch ein wenig, bis das so weit ist.“ Ryan beobachtete seinen Sohn und musste lächeln. Er selber hatte auch erst einmal den Dreh raus haben müssen, aber dann hatte es geklappt. „Stell dir die Flügel im Kopf vor und wie sie auf einmal weg sind. Vielleicht geht es so besser.“

„Mach ich!“ Ranu versuchte den Kopf frei zu bekommen denn sein Vater sollte stolz auf ihn sein. Er wollte das jetzt schaffen, wenn Ryan dabei war. Und so stellte er sich immer wieder die Flügel vor und wie sein Rücken ohne aussah. „Sind sie schon weg“, fragte er Buster, der aber verneinen musste. „Noch nicht.“

So versuchte es Ranu weiter.

Ryan und Cathleen beobachteten ihn dabei, sagten aber nichts, weil sie ihn nicht stören wollten. Sie drückten aber fest die Daumen. „Jetzt“, rief Buster plötzlich und Ranu riss die Augen auf. „Sie sind weg?“, fragte er und versuchte auf seinen Rücken zu gucken. „Japp, als wenn sie nie da gewesen wären.“

Ungläubig strich Buster über Ranus nackten Rücken. Nichts erinnerte daran, dass dort eben noch Flügel gewesen waren. Keine Wunden, nicht einmal Rötungen. Unglaublich.

„Wenn ich wieder Kraft habe, lass ich sie noch mal erscheinen“, jubelte Ranu und Rina bat: „Wenn ihr durch seid, schaltet Mom bitte auf meinen Laptop oben.“ Dann ging sie.

„Ja, ja“, Ranu wedelte in ihre Richtung und sah seinen Vater an.

„Merk dir den Gedanken, den du hattest. Wenn du sie erscheinen lassen willst, ist es genauso. Der Anfang ist noch etwas anstrengend, aber je öfter du es probierst, desto einfacher wird es.“ Ryan konnte nicht verleugnen, dass er mehr als nur stolz war. Seine Kinder waren einzigartig, das hatte Ranu bewiesen.

„Ob ich die auch als Katze bekommen kann?“, überlegte Ranu und machte schon wieder den zweiten Schritt vor dem ersten. Er stellte sich das gerade vor, wie er als Leopard durch die Lüfte sauste. „Ich werde ein legendärer Greif sein.“ Er lachte laut und Buster tippte ihm gegen die Stirn, um ihm zu sagen, dass er gerade ziemlich frei drehte. Doch er durfte das. Heute war ein besonderer Tag.

Alle lachten und Cathleen sah ihren Sohn liebevoll an. „Das musst du ausprobieren. Alles ist möglich. Alles, was mit Katzen und Flügeln zutun hat, ist vollkommen neu. Schatz, ich verabschiede mich und rede auf dem anderen Laptop mit Rina. Ich liebe dich und freu mich, dass wir uns in ein paar Tagen sehen.“ Sie hatte mitbekommen, dass ihre Tochter etwas deprimiert war und wollte mit ihr reden.

„Mach das. Hab dich lieb!“, rief er seiner Mom hinterher und merkte, dass auch Ryan etwas in Sorge um sie war. So entließ er auch seinen Vater und grinste. Rina hatte auch ein bisschen Aufmerksamkeit verdient, obwohl sie ja nicht so cool war wie er. Aber gerade deswegen vielleicht.

„Mann, ist das ein Tag!“ Zufrieden lehnte sich Ranu zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Jetzt war er nicht mehr der Trottelbruder, jetzt war er ein Vampir-Leopard, ein richtiger.

„Das kann man wohl sagen.“ Buster schmiss sich auf die Couch und brauchte jetzt erst einmal eine Pause. „Heute ist mehr passiert, als sonst in einer Woche. Wie halten Caleb und Aset das bloß schon so lange aus?“ Er lachte leise und winkte Rick zu sich, der die Kamera ausgeschaltet hatte.

„Die stehen halt viel besser im Training und sie sind schneller beim Sex, deswegen haben wir weniger Zeit Blödsinn zu machen“, lachte Ranu frech. Heute war er unverwundbar, nichts konnte ihn mehr stoppen. Selbst der Gedanke an sein geschmolzenes Eis, was eigentlich immer einem Staatstrauerakt gleich kam, wenn es in die Spüle gegossen werden musste. Heute war alles anders – heute war er schon ein großer Junge, einer mit Flügeln, die heulten doch nicht wegen geschmolzenem Eis! Die nahmen sich neues! Mit Schokotropfen!

Und genau das machte er jetzt auch. Die beiden Erwachsenen sahen ihm nur fassungslos hinterher. Sollte Ranu nicht eigentlich kaputt sein? „Ist der unkaputtbar?“, fragte Buster leise und lehnte sich an seinen Schatz, der das wohl genauso sah.

„Scheint so. Ich denke nicht, dass wir heute früh ins Bett kommen, so aufgedreht wie er ist“, pflichtete Rick ihm bei und gähnte.

„Er ist groß, er kann sich alleine bespaßen“, sagte Buster und sah ja gar nicht ein, dass er die Kinder bis ins Bett betreute. Er hatte Ranus Wort, dass er keinen Horrorfilm guckte und dann konnte der gut in seinem Bett schlafen. Außerdem hatte der heute sowieso anderes im Kopf. „Ich hingegen kann mich nicht alleine bespaßen, ich wäre dir also sehr verbunden, wenn du das nachher übernehmen könntest.“ Dabei grinste er dreckig.

Zum Glück war Rina nun auch versorgt und konnte mit Cathy reden. Das half ihr oft, wenn die Brüder zu blöd wurden.

„Worauf warten wir noch?“ Rick schloss sich Busters Einschätzung an. Ranu brauchte sie nicht mehr. „Flatter-Mau wir ziehen uns zurück. Stell nichts an. Wenn du Magentropfen brauchst, du weißt, wo sie sind und wie man sie dosiert. Schlaf gut.“ Rick stand auf und sah zu Ranu in die Küche. Der winkte nur kurz und sie waren entlassen.

So ging der Tag im Katzenapartment relativ früh zu Ende. Rina telefonierte noch eine Stunde mit ihrer Mutter, Ranu trainierte sein Ego an der Playstation, trainierte nebenbei die Flügel ein bisschen und Buster ließ sich von seinem Liebling bespaßen, so waren am Ende des Tages alle ziemlich zufrieden.



07

Bei Ranu hielt dieser Zustand auch am nächsten Tag noch an, was wiederum Rina ganz schön die Laune verdarb. Nicht genug, dass sie noch keine Flügel hatte, konnte ihr Bruder gar nicht aufhören, mit ihnen anzugeben. Er sollte ja schließlich mit ihnen üben und sie trainieren. So lief er Zuhause nur noch oben ohne rum, damit er üben konnte. Aber das Schlimmste war, dass Ranu sich einfach nicht ärgern ließ. Alles prallte an seinem gestärkten Ego ab und Rina wurde immer frustrierter.

„Maus“, sagte Buster, als sie knurrend mit einem Toast und einem Ei wieder verschwinden wollte. Die anderen drei saßen noch am Frühstückstisch. Mittlerweile war es fast Zeit fürs Mittagessen, doch das hielt die Jungs nicht vom Faulenzen ab. „Wollen wir Eislaufen gehen?“ Irgendwie war es im Augenblick nicht Rinas Tag und ehe sie vor lauter Frust noch etwas tat, dass die Situation eskalieren ließ, wollte er lieber etwas unternehmen, bei dem Ranu eine Jacke tragen musste.

„Eislaufen?“, fragte Rina beim Umdrehen und sah Buster unentschlossen an. „Mit dem da?“ Sie deutete auf Ranu, der schon wieder mit den Flügelchen wedelte und dabei seinen Toast aß. An sich mochte sie es, über das Eis zu gleiten. Sie machte das ab und zu mit Freundinnen und jetzt im Winter, wo die Eisbahn vor dem Rockefeller-Center wieder geöffnet war, machte das immer richtig Spaß.

„Klar, mit dem da. Denn Eislaufen kann er nicht und seine Flügel werden ihn auch nicht retten können“, sagte Buster offen, auch wenn Ranu ihn anknurrte. Der hatte Rina heute Morgen schon genug geärgert, jetzt war die junge Dame wieder mal dran.

„Hm.“ Rina wiegte den Kopf hin und her und guckte schon nicht mehr ganz so griesgrämig. Die Aussicht, dass Ranu sich blamierte und auch vor niemandem angeben konnte, hellte ihre Stimmung auf. „Gibt es heißen Punsch, Krapfen und Hot Dogs?“, versuchte sie zu schachern. Wenn Buster schon auf ihrer Seite war, dann sollte sie das ausnutzen.

„Exakt in der Reihenfolge“, lachte Buster und wirkte ziemlich zufrieden, während er Ranu den Mund zu hielt, der doch glatt schon wieder seine Lästerzunge wetzen wollte. „Du hältst jetzt die Klappe und gehst duschen“, er klärte er Ranu und schob ihn ein Stück, während Rick sich erhob, um abzuräumen.



Wie erwartet war es nicht leicht gewesen, Caleb, der gestern freilich noch angerufen hatte, als Buster gerade weggedöst war, nicht zu verraten, was passiert war.

„Gut.“ Rina strahlte und lief in ihr Zimmer. Sie musste sich auch noch duschen und stylen und dann musste sie entscheiden, was sie anziehen wollte. Nicht auszudenken, wenn sie dort Freundinnen traf und nicht das richtige Outfit anhatte. Das konnte ihren ganzen Ruf ruinieren. „Du weißt, dass ich auch nicht Eislaufen kann?“, fragte Rick und sah nicht besonders glücklich aus.

„Liebling, das habe ich gehofft“, wisperte Buster, als die Kids verschwunden waren. „Du wirst dich an mich schmiegen müssen, mich umklammern und leise flehen, dass ich dich nicht fallen lasse. Es wird traumhaft werden.“ Der Bengale lachte frech und küsste Rick, ehe der etwas Freches erwidern konnte.

„Hätte ich mir auch denken können“, seufzte Rick, aber er musste lächeln. Die Vorstellung, all das zu tun, gefiel ihm eigentlich ziemlich gut. Vielleicht lernte er das Eislaufen ja auch noch und dann konnten sie im Winter öfter mal mit Rina zur Eisbahn gehen.

„Wenn mein Liebling sich das wirklich hätte denken können, hätte er das Thema gar nicht erst angesprochen“, kicherte Buster frech, krallte sich seinen Schatz aber noch einmal und küsste ihn entschuldigend. Er ärgerte Rick öfter mal, denn es machte Spaß, ihn auf Knien um Vergebung anzubetteln. Irgendwann später, wenn das Strafmass voll war.

Aber nicht hier und jetzt. Sie machten sich fertig und alle hatten sich warm angezogen. Sogar Rina, wenn auch erst nachdem Rick und Buster gedroht hatten, sie Zuhause zu lassen. „Erfrieren ist ein unschöner Tod“, rief Buster hinter ihr her, als sie maulend in ihrem Zimmer verschwand.

Sie wollte ihre dicke Daunenjacke nicht anziehen. Da sah sie doch aus wie ein Michelin-Männchen.

Also kramte sie alle Strickjacken zusammen, die sie finden konnte und hatte so sieben Schichten übereinander. Sie sah jetzt nicht schmaler aus als mit der Jacke, aber sie fühlte sich nicht wie ein Marshmallow, das allein zählte. Schnell war noch eine Mütze über die Ohren gezogen und ein dicker Schal um den Hals geschlungen, dann stand sie abflugbereit am Fahrstuhl. Als einzige, denn der Rest kramte noch in den Schränken.

Draußen war es kalt, darum sahen alle etwas fülliger aus als sonst. Rick hatte zwar wieder seine geliebten Ledersachen an, aber diese waren ganz speziell. Die Hose war gefüttert, so dass ihm nicht so schnell kalt wurde und die Jacke hatte innen Fell. So konnte er es auch bei Minusgraden aushalten. Eine Mütze, ein Schal und Handschuhe komplettierten sein Outfit und er war bereit, in die Kälte zu gehen.

„Hast du nicht Sorge, dass die kaputt geht, wenn du fällst? Und du wirst fallen“, sagte Rina und zog an der Jacke. Dabei nutzte sie wieder die Chance und hakte sich bei Rick ein, während sie zu den Wagen gingen. Rina steuerte die Sportwagen an, doch Buster rief sie zurück.

„Nichts da. Wir nehmen die Familienkutsche mit den Kindersitzen. Es wird schwer genug werden, einen Parkplatz zu finden. Da will ich nicht nach zweien suchen!“

„Kindersitze?“, muffelte Ranu auch gleich und einmal war Rina ganz seiner Meinung.

„Wir sind keine Babys mehr.“ Aber da bissen sie auf Granit. Wenn es um ihre Sicherheit ging, dann war Buster genau wie Caleb. Egal wie sehr sie maulten, sie wurden in die Sitze verfrachtet.

„Mini-Caleb“, knurrte Ranu, hatte das Kindersitzkissen unter dem Hintern und schnallte sich an. Rina ging es nicht besser. Sie waren zwar schon den Schalensitzen entwachsen, das hieß aber nicht, dass sie auch schon groß genug wären. Gestern war eine Ausnahme gewesen, die mit Sicherheit nicht noch einmal passierte. Darauf hatte ihn nämlich Caleb gestern Nacht hingewiesen.

Vor dem Rockefeller-Center war einiges los, aber sie bekamen noch einen Parkplatz in der Nähe, so dass sie nicht weit laufen mussten.

Rina strahlte, als sie die vielen Menschen sah, die sich hier tummelten. Das war ihre Bühne. Scheinbar niemanden beachtend, stolzierte sie zu den Bänken, wo sie ihre Schlittschuhe anziehen konnte. Aber das täuschte, sie hatte alles im Blick und checkte ab, ob jemand da war, dem sie ihre Beachtung schenken konnte.

Doch im Moment gab es noch keine potentiellen Opfer, also konnte sie erst einmal ein paar Runden laufen, zum warm werden und sich dabei einen besseren Überblick verschaffen. Im Gegensatz zu Ranu und Rick, die boykottierend auf einer Bank saßen und Buster hundert Vorschläge machten, wie sie die Zeit auch verbringen konnten, ohne Schmerzen und Blessuren.

„Buster, bitte“, verlegte Rick sich aufs Betteln, weil sein Freund keines seiner Argumente hatte gelten lassen. Er war ja kein Feigling und auf allen Vieren fand er Eisrutschen auch ganz lustig, aber nicht als Mensch. Da hatte man doch einen viel zu hohen Schwerpunkt und kam unweigerlich ins Straucheln.

Das konnte man gar nicht verhindern! Die da drüben, die weder fielen noch strauchelten, waren doch alles Mutanten mit völlig verschobenen Schwerpunkten, da war er sich sicher. Das Rina eine von denen war, übersah er gerade sehr großzügig, in der Not war sich jeder kleine Tiger selbst der Nächste.

„Was seid ihr denn für Feiglinge. Also, wer sich so anstellt, der bekommt kein Eis mehr, bis Caleb wieder da ist“, dabei sah Buster Ranu eindringlich an, „oder wird die nächsten Nächte wohl zusammengekuschelt bei Ranu im Kinderzimmer verbringen.“ Die Warnung ging an Rick.

Die beiden Banksitzer sahen sich an und verzogen das Gesicht. Jetzt war guter Rat teuer. Buster zog seine Drohungen durch, dass wussten sie beide. „Du holst die Schlittschuhe“, muffelte Rick und Ranu nickte zustimmend. Wenn schon nachgeben, dann aber zu ihren Bedingungen. Man hatte schließlich einen Ruf zu verlieren.

„Das ging aber schnell“, sagte Buster gespielt enttäuscht. „Ich hatte doch noch viel mehr Erpressungsideen.“ Doch er strich seinem Schatz einmal grinsend durch die Haare und störte sich nicht an ein paar fragenden Blicken. Sollte mal einer was sagen, der würde schneller eine kleine, bissige Bengalkatze am Finger hängen haben, als ihm lieb war.

„Eben darum.“ Rick seufzte, aber er lächelte. Er hatte zugesagt, dass er mit Eislaufen kam, also musste er aufs Eis. „Los, hol uns Schlittschuhe, sonst überlegen wir es uns noch mal“, lachte er frech und zog Buster zu einem Kuss zu sich. Er brauchte ein wenig Vorschuss für die Peinlichkeiten, die gleich passieren würden.

„Du gönnst mir aber auch gar keinen Spaß, hm?“, lachte Buster und setzte sich auf eine der Bänke. Er wollte schon einmal seine Schlittschuhe anziehen und dann seinen Liebsten aufs Eis zerren. „Aber wenn du fällst, fall bitte auf die anderen Läufer. Das macht mir weniger blaue Flecken.“ Frech grinsend beobachtete er Ranu, der mit den Schuhen wiederkam, sie angeekelt wie eine stinkende Kartoffel von sich haltend.

„Hier, viel Spaß mit Fußpilz und Fußschweiß“, muffelte er und gab Rick sein Paar. Das war doch vollkommen unhygienisch in Schuhe zu steigen, die schon tausende vor ihm anhatten, aber Busters strenger Blick ließ ihn lieber die Klappe halten. Rick sah das ähnlich, aber da musste er durch. Er zog sich die Schuhe an und versuchte aufzustehen. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis er nicht mehr wackelte und relativ sicher auf den Kufen stand. Wenn das mit dem Stehen schon so bescheiden klappte, wie sollte das erst auf dem Eis werden?

„Meine Güte, die werden doch desinfiziert“, murmelte Buster leise und beobachtete Rick und Ranu, wie sie sich gegenseitig hielten, um nicht gleich den Abgang zu machen, noch ehe sie das Eis betreten hatten. Vielleicht sollte er eine der vorderen Kurzwahltasten mit der Notrettung belegen, falls sich der erste von beiden etwas tat. Und es war für Ranus Ego nicht gerade förderlich, als Rina an die Bande kam und gut gelaunt verkündete, Sina und die Mädels wären da und sie würde mal rüber schliddern.

„Bleibt bloß weg“, brüllte Ranu ihr hinterher und vergaß kurz, dass er wackelig stand und musste sich wieder an Rick festhalten, der zumindest schon mal sicher stehen und laufen konnte.

„Vorsicht“, lachte der Tiger und stützte Ranu bis zur Bande. Dort blieb er aber erst einmal stehen und atmete tief durch. Vorsichtig setzte er eine Kufe auf das Eis und zog das andere Bein nach. Noch ging alles gut, denn er konnte sich festhalten.

Was er nicht konnte, war gleichzeitig aufgeregt durch die Gegend gucken und sich auf seine glatten Füße konzentrieren und so rutschte er weg, versuchte auszugleichen, wackelte, schlidderte und zum Schluss war es Buster, der ihn retten musste.

„Was denn los? Macht dich Sina nervös?“, fragte er neckend und hielt seinen kleinen Bruder fest, damit ihm nichts passierte. Das letzte, was er wollte, war Caleb im all abendlichen Rapport zu erklären, warum sein kleiner Liebling blaue Flecken hatte.

Ranu knurrte, sagte aber nichts, denn um jetzt großflächig zu dementieren, fehlte ihm das Gleichgewicht. Er hielt sich an Buster fest und als er halbwegs festen Boden unter den Füßen hatte, war Rick dran. Es ging ja nicht, dass er sich alleine hier zum Affen machte. „Los, du Feigling. Trau dich“, stichelte er gleich los und das konnte der Tiger nicht auf sich sitzen lassen. Entschlossen ging er aufs Eis und es kam, wie es kommen musste. Er kam ins Rutschen, konnte sich nicht mehr festhalten, ruderte hektisch mit den Armen und Beinen und landete schließlich auf dem Hintern.

Doch gleich waren zwei junge Damen da, die elegant zu ihm geglitten kamen und ihm ihre Hände anboten. Buster sah das mit latenter Verstimmung, denn er konnte Ranu auch nicht einfach fallen lassen, nur um seinen Liebling zu retten. Zum einen war das Ranu gegenüber nicht fair, der hatte schon genug Sorgen – zum anderen war da immer noch sein Vater, der seine Kinder auf Blessuren protokollierte, wenn er sie in ein paar Tagen wieder in Empfang nahm.

Rick ließ sich aufhelfen und neben Buster an der Bande absetzen. Er bedankte sich, lehnte aber eine weitere Betreuung höflich ab. Die beiden jungen Damen guckten enttäuscht, aber Rick blieb hart. „Vielen Dank, aber ich bin in Begleitung hier und wir wollen zusammen bleiben“, erklärte er und rückte näher an Buster heran.

Man sah die Quarter centweise fallen und dann verschwanden die beiden wieder im Gewühl, während Busters wütende Blicke ihnen folgten. Sie konnten von Glück reden, dass der Bengale gerade die Hände voll hatte mit Ranu, der ruderte und strauchelte und dabei ausgelassen fluchte, weil er keinen Halt auf dem blöden, kalten Zeug fand.

Immer eine Hand an der Bande, versuchte Rick Buster zu helfen und als es gar nicht mehr anders ging, packte er Ranu um die Taille und fixierte ihn so. „Kurzer, hör auf zu zappeln, dann ist es leichter“, erklärte er. Er selber schaffte es mittlerweile zu stehen und das schaffte der Leopard auch, wenn er sich erst einmal beruhigt hatte und sich darauf konzentrierte.

„Du hast leicht reden“, murmelte Ranu. Er hatte schon blaue Knie, weil er mit denen immer in die Bande gerutscht war. Frust machte sich breit und dass er auch noch Rina hörte, die wahrscheinlich Sina bei sich hatte und sie eine Runde nach der anderen drehten, machte es wirklich nicht leichter. Vielleicht übersahen sie ihn, wenn er sich nicht umdrehte.

Rick hatte Rina auch gehört und drehte sich mit Ranu so, dass er den Leoparden mit seinem Körper verdeckte. „Wir werden das jetzt lernen. Ich habe nicht vor, mich noch mehr vor Buster zu blamieren und du willst ja schließlich auch nicht, dass Rina allen erzählt, dass du nicht Eislaufen kannst“, raunte er Ranu zu und machte ein entschlossenes Gesicht.

„Na und? Sie kann nicht Fußball spielen und von Autos hat sie auch keine Ahnung. Man kann eben nicht alles haben im Leben.“ Ranu war noch lange nicht überzeugt. Er war sauer auf seine blöde Schwester, weil die Sina doch absichtlich immer wieder hier vorbei führte. Diese bekloppte Eisfläche war so groß, was trieb sich das Pack hier hinten herum?

„Los. Einer links – einer rechts – und dann schlurfen wir am Rand ein bisschen herum“, bot Buster seine Arme als Stütze an. So kamen sie ja keinen Schritt weiter und Ranu würde nie Spaß daran finden.

Entschlossen schob Rick Ranu zu Buster und hakte sich selber auf der anderen Seite ein. „Erst einmal langsam, bitte“, bat er und versuchte sein Gewicht so zu verlagern, dass er einen relativ sicheren Stand hatte. Das war doch wie verhext. Er konnte skaten und Inliner fahren. Warum klappte das dann hier nicht? Es war doch gar nicht so viel anders.

„Wah, aufpassen!“, machte Ranu immer wieder, wenn andere an ihm vorbei schossen, ohne Rücksicht zu nehmen. Das steigerte seine Laune nicht gerade. Er war versucht, dem nächsten, der an ihm vorbei zischte, ein Bein zu stellen, doch er ließ es lieber bleiben, denn er hatte ja keine Möglichkeit zur Flucht. Das konnte das Überleben ziemlich einschränken.

Buster hatte ganz schön zu kämpfen mit seinen Pflegefällen und kam ab und zu selber ins Straucheln, wenn Ranu wieder zu wild ruderte. Darum hielt Rick nach Rina und Sina Ausschau und winkte die beiden Mädchen zu sich. „Habt ihr Lust, mir das Schlittschuhlaufen beizubringen?“, fragte er und hoffte so, sie von Ranu abzulenken und es Buster leichter zu machen.

Im ersten Augenblick war es Buster nicht so lieb, dass die beiden Damen sich rechts und links bei Rick einhakten, doch für Ranu war es besser so. Buster war auch der einzige, der bemerkte, dass Sina sich immer noch mal nach ihnen umsah, ehe sie sich bei Rick einhakte und mit den beiden im Gewühl verschwand.

Guck an! Buster grinste und griff sich wieder Ranu.

„So, und jetzt noch mal von vorn!“

„Das ist blöd“, brummte Ranu, aber jetzt, wo Buster sich nur noch um ihn kümmerte, ging es etwas besser, denn sein Bruder war hinter ihm und hielt ihn an den Hüften fest. So schob er ihn vor sich her und es sah sogar noch halbwegs elegant aus.

„Cool“, rief Ranu plötzlich und lachte. Wenn man so geschoben wurde und langsam Tempo aufnahm, machte das sogar ein wenig Spaß. Aber natürlich nur ein wenig, nur nicht zu viel Begeisterung aufkommen lassen, dann musste er das noch öfter machen und darauf hatte Ranu eigentlich keine Lust. Doch er war froh, dass Sina weit, weit weg war.

„Schneller, schneller!“, rief er lachend und den anderen riet er: „Platz da – jetzt komm ich!“

Man war das hier wohl schon gewohnt, denn keiner regte sich auf und viele lachten sogar mit ihm. „Hey, Rick, du lahme Ente“, rief er laut, als sie an dem Dreiergespann vorbeikamen. Frech grinsend streckte er dem Tiger die Zunge raus, was der sich wiederum nicht gefallen ließ. „Los, Mädels, hinterher“, forderte Rick lachend und schon wurde er von hinten geschoben, damit sie sich mit Buster und Ranu ein Rennen liefern konnten.

„Hey!“, maulte Ranu fast sofort. „Rick, das ist nicht fair. Du hast zwei KS und ich nur eine. Das geht so nicht. Ich zerre dich vors Schiedsgericht. So wird dein eventueller Sieg ja schon im Vorfeld anfechtbar!“ Das durfte doch nicht wahr sein, die Mädels holten auf.

„Mensch, Buster, leg dich doch mal ins Zeug!“ Ranu zappelte. Er wollte nicht verlieren – nicht gegen Sina, gegen den Troll schon gar nicht!

„Halt still, sonst liegen wir gleich beide“, knurrte Buster, denn Ranus Zappeln machte es nicht gerade einfacher. Er sah sich um und Rick war jetzt mit ihm auf einer Höhe.

„Hallo Schatz“, rief der Tiger gut gelaunt und wuschelte Buster durch die Haare. Das brachte den leider so aus dem Takt, dass er strauchelte und Rick ihn instinktiv auffangen wollte. Das endete darin, dass sie Sekunden später ein großes Knäuel aus fünf Leibern auf dem Eis bildeten.

Ganz unten lag Rick, der vorn über gekippt war, sich aber dank seiner Katzengene hatte drehen und das Gröbste abwenden können. Auf ihm lag Rina, die sich gerade sortieren musste und neben den beiden kugelte sich Ranu mit Sina. Buster war durch seinen Schwung etwas weiter geschliddert und sah sich nun irritiert um.



08



„Leben noch alle?“, fragte Rick und sah sich um. So wie es aussah, waren alle unverletzt. Darum ließ er sich wieder nach hinten fallen und lachte. Warum endete nur alles, was sie anfingen, im Chaos? Er zog sich die Handschuhe aus und strich Rina die Haare aus dem Gesicht. „Alles klar, Süße?“

„Hm, geht so“, nuschelte sie und blieb noch etwas länger als notwendig auf Rick liegen. Dabei beobachtete sie Sina, die auf ihrem blöden Bruder lag und auch keine Anstallten machte, sich zu erheben. Was sollte das denn?

Allerdings wäre es Ranu auch lieber gewesen, die Jaguar-Dame hätte sich erhoben, denn er wurde nervös und immer wenn er nervös wurde, fing er an, Sachen zu stottern, die sein Hirn nicht zensiert hatte. So lange er den Mund hielt, ging es, aber wehe jemand stellte Fragen und erwartete Antworten. Dann wurde es kritisch!

Gequält schloss er die Augen und bereute es sofort.

„Ranu, bist du verletzt?“, fragte Sina auch sofort und wurde rot, denn jetzt bemerkte sie, wo sie lag. Sie war Ranu noch nie so nah gekommen und sie musste sagen, dass er von Nahem noch besser aussah, als von Weitem. Eigentlich sollte sie besser von ihm runter, aber das konnte sie nicht, denn dazu gefiel es ihr viel zu gut.

„G-G... is’... nee …öhm.” Ranu ließ die Augen zu. Es war zum heulen! Was stammelte er denn hier wie ein Vierjähriger? In seinem Kopf war völlig klar, was er alles sagen könnte und was er alles sagen wollte. Doch anscheinend war es viel zu viel, auf der Zunge kam es zum Stau und was dann raus kam, war ein großer, tödlicher Verkehrsunfall. Doch wie zufällig legte er seine Hand auf Sinas Rücken, sie sollte wissen, dass es okay war, so wie es war. Vielleicht konnte er ihr das auch in vier Stunden endlich sagen, wenn er bis dahin nicht festgefroren war.

„Du bist echt süß“, kicherte Sina. So wie Ranu gerade verzweifelt die Augen zukniff stimmte das sogar. „Anscheinend hat dein Sprachzentrum etwas abbekommen“, kicherte sie leise und stupste Ranu gegen die Nase. Sie wusste, dass sie ein bisschen fies war, aber jetzt wollte sie Ranu näher kennen lernen, wo sie endlich mal in seine Nähe gekommen war.

„Möglich“, nuschelte Ranu und seufzte ergeben. Das war so peinlich. Und er musste noch nicht einmal die Augen aufmachen, um zu wissen, dass so ziemlich jeder im Umkreis sie anstarrte. Auch Rina, die von Buster und Rick wieder auf die Beine gezogen wurde.

„Wollt ihr da anfrieren? Meine Güte, Ranu. Stell dich nicht so an!“

Ranu schickte ihr einen wütenden Blick, aber gab ihr nicht die Antwort, die ihm auf der Zunge lag. Was sollte Sina denn von ihm denken?

„Komm, ich helf dir hoch.“ Sina stand auf und hielt Ranu die Hände hin, damit er sicher aufstehen konnte. Jetzt, wo sie wusste, dass Rina und ihr Bruder sie beobachteten, war es ihr ein wenig peinlich, dass sie nicht schon vorher aufgestanden war.

„D-Danke“, murmelte Ranu leise und wusste nicht so recht, wie er sich verhalten sollte. Er versuchte sein Bestes, aufrecht stehen zu bleiben und nicht gleich wieder das Gleichgewicht zu verlieren, denn dann zog er Sina unweigerlich wieder zu Boden, was einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen hätte.

„Ich fahr mal zur Bande, gucken, ob alles noch dran ist“, sagte er und schubste sich Zentimeter für Zentimeter Richtung rettende Umrandung.

„Warte, ich helfe dir.“ Sina setzte sich neben Ranu und legte kurz entschlossen einen Arm um ihn, um ihn zu stützen. Ranu gefiel ihr schon länger, aber mit Rina an ihrer Seite hatte sie sich immer nicht getraut, ihn anzusprechen. Aber jetzt hatte sie endlich ihre Chance und die wollte sie nutzen. „Wenn du möchtest, kann ich dir zeigen, wie man fährt.“

„Lass uns erst mal gucken, ob noch alles dran ist“, sagte Ranu hastig und merkte erst, als der Satz über seine Lippen gehuscht war, was er da eigentlich gesagt hatte und wurde rot. Rissen die Peinlichkeiten denn gar nicht mehr ab?

„Solche Angebote macht man einer Lady nicht beim ersten Date, Ranu!“, tadelte Buster und wuschelte seinem Bruder noch einmal durch die Haare. Doch dann schob er ihn sanft Richtung Bande und überließ es dann Sina, sich weiter um den Verunfallten zu kümmern. Sehr zu Rinas Leidwesen.

Die guckte ziemlich knurrig auf Sina und Ranu, die gerade zusammen lachten.

„Komm, wir haben auch noch einen Pflegefall“, lenkte Buster sie ab und zeigte auf Rick, der sich an ihm festhielt. Eigentlich war es so auch viel besser aufgeteilt, wenn sie Einzelunterricht bekamen.

„Und mir erzählt sie, sie würde Ranu blöd finden. Das sehe ich ja gerade“, murmelte Rina, die mit der aktuellen Situation ganz bestimmt nicht zufrieden war. Warum hatte ihr dämliches Brudervieh immer Glück und sie ging leer aus? Ihre beste Freundin und ihr Bruder? Das war doch nicht fair. Und sie stand alleine da. Ihr Gesicht wurde immer länger, je mehr sie darüber nachdachte.

„Süße, würdest du vor Sina zugeben, dass du ihren Bruder toll findest, wenn sie dir ständig erzählt, dass ihr Bruder blöd ist?“ Buster konnte sie ja verstehen, aber ein Weltuntergang war es auch nicht. Er selber freute sich, dass sich da etwas anbahnte. Ranu wurde so vielleicht etwas ausgeglichener.

„Phillip? Der will doch gar nichts von mir“, nuschelte sie. Wie kam Buster denn jetzt bitteschön auf Phillip? Sinas Zwillingsbruder ging außerdem auf ein Internat und war eher selten zuhause, sondern in Europa. Sich darüber also Gedanken zu machen, war so gut wie zwecklos.

Lustlos hakte sie sich bei Rick ein, damit sie den Pflegefall in die Mitte nehmen konnten und versuchte nicht nach ihrem blöden Bruder und Sina zu gucken.

Buster sah ihr nach und seufzte lautlos. Sie hatte ihn wohl falsch verstanden, aber Buster beließ es dabei. Jetzt eine Diskussion anzufangen brachte nichts. Sie wollten Spaß haben. Ranu hatte den offensichtlich, denn er ließ sich lachend von Sina von der Bande ziehen. Komischerweise hatte er jetzt viel weniger Probleme.

Ganz im Gegensatz zu Rick, der strauchelte und seinen beiden Helfern alle Aufmerksamkeit abverlangte.

Buster griff beherzt zu, denn Rina schien mit den Gedanken überall nur nicht hier. Allmählich hatte Buster das Gefühl, dass seine Idee vielleicht doch nicht so der Knaller gewesen war. Eigentlich hatte er Rina eine Freude machen wollen, doch sie kuckte noch griesgrämiger als heute Morgen.

„Schatz, irgendwie liegt dein Schwerpunkt komisch“, lachte er, weil Rick immer noch ruderte und sein Gleichgewicht suchte.

„Buster, verarschen kann ich mich alleine“, knurrte Rick und konnte sich gerade noch so fangen, weil er sich einfach an seinem Schatz festkrallte. Er meinte das, was er sagte, nicht wirklich böse, aber dass er es einfach nicht schaffte, auf diesem blöden Eis zurecht zu kommen, nagte an seinem Ego. Normalerweise hatte er mit Sport keine Probleme, also warum klappte das hier nicht?

„Nein, Schatz, das kann ich besser“, stichelte Buster auch noch zusätzlich, denn dann musste er sich heute Abend ausgiebig bei seinem Liebling entschuldigen, da freute er sich jetzt schon drauf. „Aber das mit deinem Schwerpunkt müssen wir wirklich noch mal üben.“ Er griff Rick um die Hüfte, um ihn zu stabilisieren und schob ihn, so wie vorhin Ranu. Vielleicht half das ja.

Es sorgte zumindest dafür, dass Rick sich sicherer fühlte und sich entspannte und seinen Körper besser ausbalancieren konnte. Er legte seine Hände auf Busters und streichelte darüber. So machte es Spaß. Rick drehte seinen Kopf und lächelte seinen Schatz an. „Was machen wir mit Rina?“, fragte er, denn auch ihm war nicht entgangen, dass die junge Leopardin keinen großen Spaß mehr hatte. Sie hatte sich abgesetzt und zog gerade alleine ihre Bahnen. Das gefiel weder Rick noch Buster.

„Ich weiß es nicht, Schatz. Eigentlich hatte ich das hier für sie geplant, aber sie scheint die einzige zu sein, die sich nicht amüsiert“, sagte der Bengale mit einem Blick auf Sina, die gerade Ranu im Arm hatte, damit der nicht wieder stürzte.

Die zwei hatten offensichtlich vergessen, dass sie nicht alleine hier waren. Da musste etwas geschehen. Rick sah sich um und grinste. Manchmal erledigte sich vieles doch von ganz alleine. Rina wurde gerade von ein paar Jungs angesprochen. „Da“, machte er Buster darauf aufmerksam. Wenn die Jungs sich jetzt nicht völlig daneben benahmen, konnte es für Rina doch noch ein schöner Ausflug werden.

Buster wurde langsamer, weil er das im Auge behalten wollte. Schließlich war sie seine kleine Schwester und wenn die Typen auch nur einen Fehler machten, dann würde er sie mit seinen Krallen genüsslich von unten nach oben aufschlitzen und das Innerste zu äußerst kehren. Aber Rina wirkte zufrieden. Sie glitt neben einem der Jungs her und unterhielt sich angeregt. Buster schob – Rick als Schutzschild – hinter den beiden her.

„Buster, was wird das?“, fragte Rick, der sich ein bisschen benutzt fühlte. „Du kannst sie auch beobachten, ohne mein Leben zu riskieren.“ Buster war nämlich so vertieft darin, Rina zu folgen, dass er wohl nicht daran dachte, dass Rick nicht besonders standfest auf dem Eis war und schnelle Richtungswechsel nicht gerade gut für ihn waren.

„Was?“, fragte der Bengale – aus seinen Gedanken gerissen – und wurde langsamer. Doch er ließ die beiden nicht aus den Augen. Ebenso die anderen, mit denen der Kerl da war. Nicht dass die gerade Scheine tauschten und ein temporäres Wettbüro aufmachten, ob der Typ seine kleine, unschuldige Schwester flach legen konnte oder nicht. Er knurrte leise.

Ein wenig ungelenk drehte Rick sich so, dass er Buster ansehen konnte. „Schatz, wir werden aufpassen, dass ihr nichts passiert. Sie ist nicht dumm und weiß, dass sie vorsichtig sein soll. Das hat sie seit klein auf gelernt. Aber gönn ihr ein wenig Spaß, genauso wie uns.“

„Hm.“ Buster wirkte mit der Option nicht sehr glücklich, weil gerade beide kleinen Leoparden mit fremden Leuten auf dem Eis herum schossen. Wenn einer von beiden verloren ging, bekam er umgehend das Fell über die Ohren gezogen. Caleb würde schon dafür sorgen, dass er schneller wieder zuhause war, als Buster lieb wäre, wenn er einen von den Kleinen verschluderte. Er konnte Meetings leiten, Geschäftspartner lang machen, Knebelverträge schließen – doch diese beiden überforderten ihn gerade.

Das gefiel Rick überhaupt nicht, darum nahm er Busters Gesicht zwischen seine Hände und küsste ihn feurig. Danach war sein Schatz ein wenig weggetreten und das nutzte er aus „Buster, du bist ihr Bruder, der auf sie aufpasst und nicht ihr Babysitter. Die Kiddies sind alt genug, um sich ein paar Stunden alleine zu beschäftigen. Wir setzen uns jetzt dort drüben hin und trinken etwas Heißes. Ich habe dich wochenlang nicht gesehen und möchte dich jetzt einfach mal eine Weile für mich haben. Wenn etwas ist, werden deine Geschwister uns schon finden und ansonsten haben wir sie dort gut im Blick.“

Erst wollte Buster Luft holen und Rick erklären, dass das unmöglich war, doch dann musste er seinem Liebling zustimmen. Wenn sie schon nicht, wie Luan, spontan auf Kurzurlaub gefahren waren, dann wollte er wenigstens so mit Rick Zeit verbringen, je mehr desto besser. „Sie haben reichlich von Asets Blut“, sagte er leise und Rick wusste, was Buster damit meinte. So schlidderten sie langsam zur Bande und steuerten die Bänke vor einem Imbiss an.

Rick war ziemlich froh, dass er kein Eis mehr unter den Füßen hatte, aber weil er sich auch auf Beton nicht wirklich sicher mit Schlittschuhen fühlte, holte Buster für sie Getränke. Rick hatte einen Tisch direkt an der Bande ausgesucht, damit sie einen guten Überblick hatten und klopfte neben sich, als Buster mit zwei dampfenden Tassen kam.

„Kaffee, heiß und süß für mich, ohne alles für dich!“, erklärte er seine Beute und stellte die Tassen ab, ehe er sich neben Rick auf die Bank fallen ließ. Dass ein paar sie schon eine Weile beobachteten, ignorierte er. Er war Blicke mittlerweile gewohnt und so lehnte er sich gegen seinen Liebling und starrte auf die Bahn, bis er wusste, wo beide waren. Dann wurde er ruhiger.

„Danke.“ Rick legte einen Arm um Buster und zog ihn so nah es ging zu sich. „Also Eislaufen müssen wir einmal ohne die Kinder probieren. Vielleicht lern ich es dann mal. Ist ja peinlich, dass ich das nicht hinkriege.“ Rick brummte ein wenig, denn es wurmte ihn ungemein.

„Sicher, Schatz, alles was du willst. Auch wenn ich dich so wackelig und anhänglich auf dem Eis viel lieber mag. Dann kannst du mir nämlich nicht davon schliddern“, gab Buster unumwunden zu und bemerkte Ranu, der gerade mit Sina vorbei schlidderte, sehr zufrieden aussah und Buster winkte. „Krieg ich ein Hotdog?“, brüllte er.

„Sina auch?“, brüllte Buster zurück und Ranus Begleiterin nickte heftig mit dem Kopf, so dass Rick mit seiner Antwort wartete, bis Buster das Essen an die zwei weitergegeben hatte.

„Du magst es also, wenn ich hilflos und anhänglich bin?“, raunte er seinem Schatz ins Ohr, als der wieder neben ihm saß und biss ihm leicht ins Ohrläppchen. Er forderte kein Blut, auch wenn er den Geschmack von Busters Blut einfach köstlich fand.

„Natürlich, welcher Kater mag es nicht, wenn die Beute keine Chance hat zu entkommen. Das stachelt die Jagdtriebe an“, lachte er und ahnte, was kam, als Rina aufgebracht auf ihn zu kam und auch ein Hotdog verlangte, weil das verfressene Brudervieh schließlich auch einen bekommen hätte.

So langsam hatte Rick ehrlich die Nase voll, von den Allüren der Leoparden, aber er sagte nichts, weil er damit nur erreichte, dass Buster ein schlechtes Gewissen bekam. Darum beschränkte er sich darauf, Rina böse anzufunkeln, was sie natürlich ignorierte. Wahrscheinlich kamen sie jetzt alle fünf Minuten, weil sie etwas wollten. Das konnte ja heiter werden.

Und so war es dann wirklich. Wenn Ranu nicht da war und etwas wollte, war es Rina. Sie hatten ihre Getränke bei Rick und Buster stehen lassen und so schlidderten sie jede Runde zum Tisch. Nach drei Stunden sitzen war Buster durchgefroren und er blies zum Abzug. Dass es mittlerweile dunkel war, merkte man kaum, denn die Eisbahn war hell erleuchtet.

Da Rina und Ranu auf Busters Zuruf nicht reagierten, pfiff Rick laut und winkte sie zum Tisch. „Wir rücken ab“, teilte er den Kindern mit und hatte noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da holten die Zwillinge Luft und fingen an zu zetern.

„Warum das denn? Es macht gerade Spaß. Ihr seid alte Spielverderber“, schimpfte Ranu und Rina stand ihm in nichts nach.

„Ihr habt mir einen schönen Tag versprochen und jetzt sollen wir schon gehen? Das ist voll fies und ungerecht. Ihr gönnt mir aber auch gar keinen Spaß“, maulte sie und verschränkte wütend die Arme vor der Brust.

„Kinder, wir sind jetzt seit fünf Stunden hier. Irgendwann möchte ich auch mal nach Hause, genauso wie Rick, der hier seine Zeit absitzt, weil er nicht fahren kann und es in der Menge schwer zu üben ist. Er sollte ebenfalls einen schönen Tag haben und so kurz vor Weihnachten kann man von euch ja wohl etwas Entgegenkommen erwarten“, sagte Buster und wandte sich zum Gehen.

„Nein, ich will noch hier bleiben“, rief Rina wütend und stapfte mit dem Fuß auf, auch wenn das auf dem Eis nicht die erwünschte Wirkung hatte.

„Genau, das will ich auch“, pflichtete Ranu seiner Schwester ausnahmsweise bei und machte ein entschlossenes Gesicht.

Buster, im ersten Moment irritiert, blieb stehen und sah sich zu den beiden um. Man sah an seinem Gesicht, dass er damit rang, etwas zu erwidern, doch weil er keine Lust hatte, dass es eskalierte, sah er Rick an. „Kommst du?“, fragte er und legte seinen Geschwistern Geld für die U-Bahn auf den Tisch. Das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war sinnloser Zoff. Davon hatte er die letzten Tage genug gehabt.

Rick sah zwischen den Kiddies und Buster hin und her und schüttelte den Kopf. Er zog Buster zu sich und küsste ihn sanft. Wenn sein Schatz die zwei alleine lassen wollte, dann war er sehr wütend und das war gar nicht gut. „Fahr schon mal vor, Schatz, ich komme mit den Kindern nach“, bot er an und ließ sich nicht anmerken, dass es in ihm brodelte, weil Rina und Ranu ihn dazu zwangen, sich zwischen ihnen und Buster zu entscheiden.

Kurz sah Buster ihn forschend an und zuckte dann die Schultern. „Wie du willst“, erklärte er, griff sich seine Tasche und war verschwunden.