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Katzenaugen 5 - x-mas

09



Rina und Ranu guckten nicht schlecht, als ihr Bruder ohne Diskussion einfach abrauschte. „Da lässt der uns einfach alleine!“, knurrte Rina und schüttelte den Kopf.

„Hierher, sofort!“, sagte Rick gefährlich leise und wer ihn kannte, wusste, dass er sehr wütend war und man besser tat, was er sagte. „Dein Bruder lässt dich nicht einfach alleine oder bin ich etwa Luft? Er hat nur die Schnauze voll von eurem Egoismus und er hat völlig Recht damit“, fertigte er Rina auch gleich ab. Die zwei sollten ihm jetzt nicht komisch kommen, dann tanzte hier aber jetzt der Bär.

„Was soll das denn jetzt?“ Rina konnte gar nicht so schnell nach Luft schnappen, wie sie das gern getan hätte. Jetzt war sie wohl noch schuld an Busters Laune oder was? „Sag doch auch mal was, Ranu“, forderte sie ihren Bruder auf, doch der wirkte geknickt. Buster war immer noch sein Idol und dass der ihnen einfach den Rücken zuwandte, traf ihn. Aber nicht weil er verletzt war, sondern weil er sich fragte warum. Das kannte er von Buster nicht.

„Was das soll? Du fragst allen Ernstes, was das soll?“, fragte Rick mit zusammen gekniffenen Augen und nur mühsam beherrscht. „Ihr seid der Egoismus in Person. Dass Buster sich das bisher gefallen gelassen hat, kann ich nicht verstehen. Ich hätte euch schon längst übers Knie gelegt und ihr hättet es mehr als einmal verdient. Buster ist euer Bruder und nicht euer Butler. Er muss nicht nach eurer Pfeife tanzen, wie ihr vielleicht zu glauben scheint. Habt ihr schon einmal etwas von Rücksicht gehört? Buster wollte eigentlich mit mir eine Woche wegfahren, weil wir uns lange nicht gesehen haben, aber er hat wegen euch darauf verzichtet. Und wie dankt ihr ihm das? Ihr zickt rum und macht ihm das Leben schwer, wo ihr nur könnt. Irgendwann ist einfach mal genug und da Buster nicht schon wieder diskutieren wollte, ist er lieber gegangen. Herzlichen Glückwunsch, das habt ihr sauber hingekriegt.“

Wie die begossenen Pudel standen die Leoparden da und der Stursinn war aus ihren Gesichtern gewichen. Das so kompakt präsentiert zu bekommen, was sie eigentlich für Charaktere waren, schmeckte ihnen gar nicht, aber sie konnten Rick auch nicht widerlegen. Er hatte Recht, doch das würde keiner von beiden zugeben.

„Kinder, es ist Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe. Bisher habe ich bei euch von weihnachtlicher Stimmung noch nicht viel erlebt. Schmücken und Geschenke fordern ist nicht der Geist von Weihnacht. Denkt da mal drüber nach“, erklärte Rick und holte tief Luft.

Er wusste, dass er hart war, aber sie hatten es mit Vernunft versucht und nichts erreicht. War nur zu hoffen, dass die Schocktherapie wirkte und sie noch ein paar schöne Tage hatten, bis die Väter der Zwillinge wieder zurückkamen. Die zwei standen immer noch mit gesenkten Köpfen vor ihm und er wollte, dass sie über seine Worte nachdachten. „Los, zieht die Schlittschuhe aus und kommt dann wieder hierher. Dabei könnt ihr euch überlegen, wie ihr Buster zeigen könnt, dass euch was an ihm liegt, denn ich denke, dass glaubt er gerade ganz und gar nicht.“

Mit hängenden Ohren schlurften die beiden von dannen und Rick hoffte, dass er das richtige getan hatte. Wenn er jetzt einen Keil zwischen die Geschwister getrieben hatte, würde Buster ihm das nicht verzeihen. Blieb zu hoffen, dass die beiden Leoparden genug Charakter besaßen, um zu begreifen, was eigentlich in den letzten Tagen passiert war.

Es dauerte ein paar Minuten, dann waren die beiden Teenager wieder da. Sie setzten sich zu Rick, der sich noch einen Kaffee besorgt hatte.

Rick sah sie an, sagte aber nichts, denn er hatte schon genug gesagt, jetzt waren die Zwillinge dran, denn die hatten bisher noch nichts verlauten lassen. Rina und Ranu rutschen unbehaglich auf der Bank herum und Rick seufzte lautlos. Er holte zwei Becher Fruchtpunsch und stellte sie vor den Kiddies ab. Die sahen sich immer wieder an und stießen sich gegenseitig an, damit der andere etwas sagte.

„Das… wir… Buster…“, stammelte Ranu schließlich und sah Rick zerknirscht an.

„Das war eine miese Tour von uns, da hast du Recht. Ist uns leider nicht so aufgefallen“, gestand Ranu und hielt sich an seinem heißen Becher fest. „Ich will nicht, dass er böse auf mich ist und der Troll sicher auch nicht.“ Er sah Rina an, die sich noch nicht einmal über die Titulierung mokierte. Und das wollte schon etwas heißen.

„Ja, das war es ganz sicher. Buster liebt euch und darum trifft es ihn besonders hart, wenn ihr ihn so respektlos behandelt.“ Rick hatte sich wieder beruhigt und da die zwei wohl gemerkt hatten, dass sie sich daneben benommen hatten wollte er die Chance nutzen, ihnen noch ein wenig mehr zum nachdenken zu geben. „Respekt scheint genau euer Problem zu sein. Es fängt ja schon damit an, wie ihr euch gegenseitig behandelt. Rina ist kein Troll und Ranu ist kein Trottelbruder. Wisst ihr eigentlich, was ihr für ein Glück habt? Ihr habt euch, ihr seid einzigartig, ihr habt Väter und eine Mutter, die euch über alles lieben und ihr habt Buster, der das genauso tut. Ich hatte das alles auch einmal und ich würde alles dafür geben, wenn ich meine Familie hätte behalten können. Jetzt ist Buster meine Familie und ich lasse nicht zu, dass ihn jemand so behandelt, wie ihr es gerade tut. Ihr nehmt alles für selbstverständlich und fordert immer mehr. Das ist eurer nicht würdig und ihr beschämt eure Väter mit eurem Verhalten.“

Die beiden wurden immer kleiner und Ranu schluckte hart. Rina ging es nicht anders. Alle frechen Kommentare, um die Situation flapsig zu entspannen, waren ihr vergangen. Das Schlimme an der Sache war ja, dass Rick Recht hatte, auch wenn sie das nicht zugeben wollte.

„Aber ich liebe Buster doch und auch Mama und die Papas“, nuschelte Ranu und reflektierte sein Verhalten der letzten Wochen. Er wollte sehen, ob es stimmte, was Rick sagte und er musste nicht lange darüber nachdenken, nur ein paar Stunden zurückgehen, um zu begreifen, wie wahr Ricks Worte waren.

„Das weiß ich doch, genauso wie Buster.“ Rick strich beiden durch die Haare und lächelte leicht. „Ihr seid tolle Kinder, wenn ihr nur wollt. Lasst uns Buster zeigen, dass ihr keine kleinen Monster seid. Ihr könnt alles von ihm haben, wenn ihr euch nicht aufführt wie Tyrannen und ständig nur fordert, ohne an ihn zu denken. Das gleiche gilt für eure Väter.“ Rick hoffte, dass er etwas erreicht hatte und wollte es nun gut sein lassen. „Na los, fahren wir nach Hause und unterwegs kaufen wir die Zutaten für Busters Lieblingseis und ihr macht es, während ich Buster von euch ablenke, damit es eine Überraschung wird.“

„Au ja!“, rief Ranu plötzlich und erschreckte Rina, die schon in Gedanken war. Doch sie war von der Idee ebenfalls angetan. Buster schwor auf Eis aus Mangostanen mit Pfirsichstückchen. Wenn sie sich beeilten gab’s im 24-h-Feinkostladen noch genügend Obst, damit sie nicht Schiffbruch erlitten.

Schnell wurden die Becher geleert und das Fahrgeld vom Tisch gegriffen. Die Kinder beschwerten sich nicht einmal darüber.

Sie waren noch nicht oft mit der U-Bahn gefahren, weil sie meistens vom Chauffeur oder ihren Vätern überall hingebracht wurden. Dass Rick bei ihnen war, beruhigte sie, denn so ganz alleine hätten sie doch etwas Schiss gehabt.

Schon wieder besserer Laune gingen sie zur U-Bahn Haltestelle und Rina fragte, ob sie sich wieder bei Rick einhaken durfte.

„Sicher, Süße.“ Er hielt ihr den Arm hin und war stolz auf sie, dass sie anscheinend versuchte, mit Ricks Kritik umzugehen.

Zumindest schmollte sie nicht wie erwartet und Geschäftsleopard Ranu hatte schon sein Handy gezückt, das dank neuester Technologie auch unter der Erde funktionierte und telefonierte sich durch die Feinkostläden, bis er sich bei Samuel drei Kilo Mangostanen zurücklegen ließ. Stolz berichtete er, wo sie hin mussten, um die Leckerchen zu holen.

„Dann los.“ Sie fuhren mit der Bahn die Früchte holen und zum Glück bekamen sie bei Samuel auch alles andere, was sie brauchten, so dass sie danach nach Hause fahren konnten. Kurz vor dem Hotel wurden die Zwillinge wieder unsicher und sie sahen sich an. War Buster immer noch wütend auf sie? „Er wird euch nicht den Kopf abreißen, wenn ihr euch entschuldigt und es ernst meint“, baute Rick sie wieder auf und schob die zwei etwas, damit sie nicht flüchteten, denn man sah deutlich, wie die Blicke suchend zu den Fluchtmöglichkeiten abschweiften.

„Hoffen wir es“, sagte Rina leise und straffte sich, als sie den Fahrstuhl betrat. Jetzt hatten sie nur zwei Optionen: Kopf behalten oder einen Kopf kürzer gemacht werden. Ranu ging es nicht besser. Fuhr der Fahrstuhl schon immer so rasend schnell oder nur heute, weil sie ihrem Schicksal nicht entkommen konnten?

„Reue zeigen hilft immer“, flüsterte Rick noch schnell, bevor die Türen aufgingen. Von Buster war nichts zu sehen, aber er war da, denn seine Jacke hing an der Garderobe. „Schatz, wir sind wieder da“, rief der Tiger laut und stellte ihre Tüten in der Küche ab. Dass sein Schatz nicht gleich kam, war kein gutes Zeichen, dann war er wohl noch sauer.

„Sollen wir ihn suchen oder lieber in Ruhe lassen?“, flüsterte Ranu und sah sich suchend um. Er fühlte sich schlecht und so hing er ein bisschen bedauernswert in seinen Klamotten. Er streifte die Schuhe von den Füßen und ging in die Küche. Am besten fingen sie schon einmal an. Dann konnten sie Buster bestechen, wenn er wieder auftauchte.

„Sucht ihn und dann wird sich das schon ergeben.“ Rick klopfte Ranu und Rina aufmunternd auf die Schulter und die Zwillinge schlurften los. Sie liefen durch die Wohnung und fanden Buster schließlich im Schlafzimmer. Er lag auf dem Bett und las ein Buch.

„Hallo“, murmelte Ranu leise von der Tür aus und traute sich, genauso wie Rina, nicht in den Raum.

Buster sah auf, das Gesicht unlesbar verschlossen. Er sah die Zwillinge an und wusste nicht, ob er noch wütend sein sollte oder nicht. Ihm war klar, dass Rick den beiden den Kopf gewaschen hatte, denn so wie sie da standen, sahen sie ziemlich zusammengestaucht aus. Doch er war eigentlich froh, dass sie wieder da waren und den Kopf nicht mehr ganz so weit oben trugen.

„Hallo“, entgegnete er also und erhob sich, legte das Buch dabei beiseite.

Noch immer unsicher schlichen beide Leoparden ins Schlafzimmer und blieben vor Buster stehen. „Es tut uns leid, Buster“, murmelte Rina und Ranu nickte dazu.

„Wir haben ziemlichen Mist gebaut“, ergänzte er leise und schielte durch seinen Pony zu Buster, der immer noch nichts sagte.

„Woher die plötzliche Erkenntnis?“, fragte er. Eigentlich war er zufrieden, dass die beiden sich zu benehmen wussten, doch er wollte trotzdem wissen, ob Rick die beiden an der Substanz erreicht hatte oder nur oberflächlich ein bisschen Weihnachts-Nächstenliebe-Zuckerguss drauf geschüttet hatte.

„Rick war ziemlich wütend. Er hat uns klar gemacht, dass wir respektlos dir und allen anderen gegenüber waren“, murmelte Ranu leise. Es war nicht leicht, das zuzugeben und er wollte auch nicht der einzige sein, der was sagte, darum stieß er Rina mit dem Ellenbogen an, damit sie auch was sagte. „Rick hat uns klar gemacht, wie gut wir es haben und dass wir sehr egoistisch sind“, sagte sie leise und fühlte sich elend dabei.

„Hat er es euch klar gemacht oder habt ihr es eingesehen“, fragte Buster. Die beiden sollten ruhig noch ein bisschen schmoren. Es tat ihnen bestimmt nicht weh, wenn sie merkten, wie das war, wenn man gegen eine Wand lief. Eigentlich war er gar nicht mehr böse auf sie, doch diese Show hier würde er sich um nichts auf der Welt entgehen lassen.

„Beides“, kam es wie aus der Pistole geschossen, von beiden. „Wir haben riesen Mist gebaut und alles für selbstverständlich genommen. Es tut uns wirklich leid. Kannst du uns verzeihen?“ Die Zwillinge hatten noch immer nicht verlernt, extrem niedlich zu gucken und genau das machten sie jetzt.

Buster wusste ganz genau, dass die beiden es ausnutzten und er ihnen eigentlich nicht so schnell hatte vergeben wollen, doch er breitete stumm und ergeben grinsend die Arme aus. Er konnte ihnen nicht lange böse sein, egal was die Plagen anstellten – er war eben doch wie Aset.

Seine Geschwister schmissen sich in seine Arme und durch den Schwung landeten alle drei auf dem Bett. Den Zwillingen fiel ein Stein vom Herzen und sie drückten Buster fest. Rick sah sich alles von der Tür aus an und war ein wenig stolz auf die Kids. War nur zu hoffen, dass seine Kopfwäsche anhielt und nicht morgen schon wieder vergessen war.

Allerdings lief hier gerade verkehrte Welt. Eigentlich sollten die beiden Leoparden in der Küche für ihren Bruder schuften und Rick wollte mit seinem Liebling auf dem Bett herum tollen. Natürlich nur um ihn heroisch von der Eismach-Aktion abzulenken und das völlig uneigennützig!

Er räusperte sich kurz und gab Ranu ein kurzes Zeichen, dass sie verschwinden sollten.

„Oh…äh…ja“, murmelte Ranu und drückte Buster noch einmal. „Komm, Rina, lassen wir Buster und Rick alleine.“

Überrascht, dass die Kurzen freiwillig das Feld räumten, setzte Buster sich auf und sah Rick forschend an. „Was hast du mit ihnen gemacht? Sie fressen dir aus der Hand“, fragte er und beguckte sich seinen Schatz. Dafür, dass der Tiger auf der Bühne immer den Coolen gab und seine Fans in flammenden E-Mails von ihrem Macho schwärmten, hatte er ziemlich häusliche Qualitäten.

„Wenn man Angst haben muss, gefressen zu werden, dann klappt das schon.“ Rick ließ sich neben Buster fallen und grinste. Er drehte sich zu seinem Freund und strich ihm durch die Haare. „Sagen wir mal so, ich habe ihnen ziemlich schonungslos klar gemacht, dass sie egoistische, kleine Arschlöcher sind und dass ich ihnen den Hintern versohle, wenn sie dich und alle anderen weiter so respektlos behandeln.“

„Hört, hört.“ Buster hob eine Hand und strich Rick damit durch die Haare. Sie verdeckten für seinen Geschmack Ricks funkelnde Augen viel zu sehr. „Ich glaube nicht, dass ich das übers Herz gebracht hätte.“ Seine zweite Hand griff nach Rick und Buster zog seinen Liebling langsam zu sich. „Danke, dass du ein bisschen Weihnachten in meine bescheidene Hütte gezaubert hast.“ Und so belohnte er seinen Mini-Tiger mit einem zarten Kuss.

„Für dich würde ich noch ganz andere Dinge tun, wenn es sein muss.“ Rick fing Busters Lippen immer wieder ein und dehnte ihren Kuss ein wenig aus. „Du bist meine Familie und die beschütze ich mit allem, was ich habe.“ Wahrscheinlich wusste Buster das bereits, aber er hatte ihm das noch nie so deutlich gesagt und Rick fand, dass es Zeit dafür war.

„Und du gehörst zu meiner. Du bist mir nicht weniger wichtig als meine Geschwister oder meine Väter“, sagte Buster und lächelte. Es lag wohl an der Zeit vor Weihnachten, dass sie beide so rührselig wurden, doch es war schön. Vor dem Fenster fingen die weißen Flocken wieder an zu tanzen und verbreiteten Ruhe in der hektischen Stadt.

„Das ist schön.“ Rick hatte eigentlich vorgehabt, die Zeit, wo die Kleinen beschäftigt waren, für wilden Sex zu nutzen, aber gerade war ihm nicht mehr danach. Die Stimmung passte einfach nicht dazu. Er wollte Buster halten und ein wenig schmusen. Darum legte er die Arme um ihn und küsste sich schnurrend über dessen Hals. Schön wäre es auch, sich mal wieder als Katzen gegenseitig zu belecken.

Buster hatte wohl die gleiche Idee, denn sein Körper verwandelte sich langsam. Erst in die Zwischenform, die Rick so gern mochte, doch dann schrumpfte Buster und rollte sich schlussendlich als kleiner Kater über seinen Liebling. Er blieb auf dem Rücken liegen, ruhte dabei auf Ricks Bauch und legte den Kopf so weit in den Nacken, dass er Rick ansehen konnte. „Mau“, erklärte er und leckte Rick auffordernd über das Kinn. Dass er dabei noch zur Hälfte in seinem Pullover steckte und der Rest seiner Kleider über Rick verstreut lagen, überging Buster mal großzügig.

„Schlauer Spot“, lachte Rick und küsste Buster auf die Nase. Er gebrauchte diesen Namen nicht oft, weil es diesen Spot ja gar nicht gab, aber manchmal machte er es doch. Er befreite seinen Schatz aus den Klamotten und zog sich selber aus. Er wandelte sich aber nicht gleich in seine Tierform, sondern in sein Ambigua und fuhr mit seiner großen, rauen Zunge durch das weiche Fell.

Genießend lag Buster schon wieder auf dem Rücken und ließ sich durch das weiche Bauchfell lecken. Er war eben doch zu sehr Katze, um solche Zärtlichkeiten nicht zu genießen. Laut schnurrend ruderte er mit den Pfoten träge in der Luft und die Lider glitten über die grünen Augen. Platt lag er da und war viel zu zufrieden, als dass er sich auch nur einen Zentimeter bewegen wollte. „Maaa-u!“

Genau das hatte Rick erreichen wollen. Er liebte es, wenn Buster sich ihm ganz hingab. Das hatten sie in der letzten Zeit viel zu selten gemacht. Buster hatte viel Arbeit und Rick war mit den Vorbereitungen und den Proben für die Tour beschäftigt gewesen. „Ich liebe dich“, knurrte er kehlig und schabte mit den Zähnen über die weiche Haut am Bauch.

Das war zu gut. Der kleine, getüpfelte Kater zerfloss fast vor Genuss und aalte sich schnurrend. Er drehte sich von rechts nach links, damit die raue Zunge ihn überall erreichen konnte. Buster vergaß alles um sich herum, sogar die beiden Kurzen, die noch irgendwo in seiner Wohnung herum turnten.

Aber dass sie stören kamen, war nicht zu befürchten, denn sie hatten einiges zu tun. Für Buster Eis zu machen, hörte sich einfach an, aber es war mehr Arbeit, als sie gedacht hatten. Wahrscheinlich hätte Buster sie nicht wieder erkannt, denn sie stritten nicht, sondern halfen sich gegenseitig. Sie räumten sogar das gebrauchte Geschirr in die Spülmaschine und machten sauber. Etwas, was sie sonst wie selbstverständlich und ohne schlechtes Gewissen dem Personal überlassen hatten. Es war schon fast schade, dass Buster das nicht mitbekam.

Er hätte Grund gehabt, auf seine Kurzen stolz zu sein. Und während die Eismaschine lief und Busters Überraschung vorbereitete, wussten die beiden nichts mit sich anzufangen. Doch anstatt sich zu streiten, griff sich jeder ein Telefon und suchte Kontakt zur Außenwelt, und dieses Mal war es nicht Rina, die mit ihrer besten Freundin telefonierte, sondern ihr Bruder. Wenn sich da mal nichts anbahnte.

Nachdem Ranu seine anfängliche Sprachblockade überwunden hatte, hatten sie sich wunderbar unterhalten und Ranu wollte sich gerne noch einmal mit ihr treffen. Wenn möglich alleine, damit niemand stören kam. Sie hatte ihm ja schon länger gefallen, aber das hätte er nie zugegeben. Besonders nicht vor Rina, die ihn nur damit aufgezogen hätte.

Schließlich war Sina ziemlich begehrt und ein paar von den Vampir-Jungs aus einem Nebenzweig aus Asets Clan hatten ein Auge auf die hübsche Katze geworfen. Gut, Ranu war auch nicht gerade hässlich, er kam sehr nach seinem Vater und die schwarzen Haare, die ihm fransig ins Gesicht hingen, gaben ihm etwas Freches. Er war jetzt schon so groß wie Buster und nicht gerade hager, aber leider sehr verschüchtert.

War nur zu hoffen, dass sich das noch änderte und sein Selbstbewusstsein zunahm. Ein Anfang war auf jeden Fall schon einmal, dass Sina ziemlich deutlich gezeigt hatte, dass sie an ihm interessiert war. Nichts stärkte das Ego mehr als ein beliebtes und nettes Mädchen an der Seite.

Derweil wollte sich Rina mit ihrer neuen Bekanntschaft verabreden. Er war nett und ziemlich clever. Sie mochte es, wenn sie von einem Jungen noch etwas lernen konnte. Nicht dass Rina nicht auch auf Muskeln und ein hübsches Gesicht abfahren würde, doch wenn das Leckerchen noch was in der Birne hatte, war das perfekt. Und Bill war der erste, der sie nicht auf ein Date ins Kino eingeladen hatte, sondern ins Naturkundemuseum.

Jetzt hatte sie nur das Problem, wie sie das Buster oder Caleb klar machen sollte, dass sie ein Date hatte. Mit der ganzen Bagage ins Museum gehen, kam gar nicht in Frage, aber alleine durfte sie bestimmt auch nicht. Ihr Kopf spielte schon einige Möglichkeiten durch, während sie die Nummer wählte.

Es dauerte auch gar nicht lange, da meldete sich Bill. „Bill Brown hier“, sagte er und als Rina sich zu erkennen gab, war er gleich erfreuter als eben noch über die Störung. „Ich bin auch auf dem Weg nach Hause. Hat es noch Ärger gegeben. Hab gesehen, wie der Typ auf euch eingeredet hat. Wer war das. Dein Bruder oder so was?“ Er würde nicht zugeben, dass er sich Sorgen gemacht hatte, er war nur neugierig.

„Hy“, begrüßte sie Bill und wurde ein wenig rot. Ihr Bekannter hatte sich Sorgen um sie gemacht, das tat ihr gut. „Du meinst Rick?“, fragte sie. „Nein, das ist nicht mein Bruder. Das sind die anderen beiden, die noch mit waren. Rick ist der Lover von Buster, meinem großen Bruder“, erklärte sie und war auf die Antwort gespannt, denn wenn Bill sich daran stoßen würde, kam er für sie nicht in Frage.

„Lover“, wiederholte Bill und kurz herrschte Stille. Er schien das für sich ausloten zu müssen, doch dann grinste er. „Mein alter Herr hat seinen zweiten Frühling mit seinem Sekretär entdeckt. Mir ist also nichts Menschliches fremd.“ Er selbst spielte lieber mit Mädchen, vor allem wenn sie so hübsch waren wie seine neueste Bekanntschaft. „Hast du eigentlich mal drüber nachgedacht mit mir ins Museum zu gehen?“, fragte Bill, denn das interessierte ihn viel mehr als alles andere.

Rina hatte die Luft angehalten und nach Bills Antwort war sie beruhigt. „Ja, ich habe darüber nachgedacht und ich würde gerne mit dir ins Museum gehen. Ich weiß nur noch nicht, ob es klappt.“ Rina hatte immer noch das Problem, dass sie Buster von diesem Date erzählen musste. „Meine Väter sind nicht da und wir sind bis Weihnachten bei Buster und der ist schlimmer als eine Glucke. Lass es uns erst einmal im Kopf behalten und ich gebe Bescheid, wenn ich was erreicht habe.“

„Bring sie doch mit. Ich habe nichts zu verbergen und wenn deine Familie mich mag, stehen die Chancen nicht schlecht, dass du mich auch irgendwann magst“, sagte Bill offen. Er setzte alles auf eine Karte, denn es war nicht seine Art, hinter dem Berg zu halten. Rina gefiel ihm und das durfte sie ruhig wissen. Er hielt nichts davon, einen auf unnahbar zu machen. Das ging meistens schief.

„Hm.“ Rina wiegte den Kopf hin und her. Das wäre auf jeden Fall die einfachste Lösung, aber nicht die, die sie bevorzugte. „Gut, ich behalte das im Kopf, aber ich würde sie lieber nicht mitnehmen. Du kennst meine Familie nicht. Alles Chaoten. Die blamieren mich, wo sie nur können.“ Sie kicherte und fühlte sich definitiv besser als noch vor einer Stunde.

„Wenn du gerade versuchst, mir in der ewigen Liste der durch die Familie peinlich Berührten den Rang abzulaufen, muss ich dich leider auf die Plätze verweisen. Mein kleiner Bruder ist sechs und mit ihm in die Stadt zu gehen wird zum Spießrutenlauf. Er fragt Mädchen, ob sie nicht mit mir ausgehen wollen, ich wäre so verzweifelt und keiner wollte mich. Ich sag es dir. Wenn die kleine Kröte irgendwann mal... Ach was rede ich, ich liebe ihn ja doch.“ Bill lachte. Es war herrlich mit Rina. Sie war die erste, der er so was erzählen konnte, ohne sich blöd zu fühlen.

Rina lachte und hatte ein gutes Gefühl mit Bill. Zwar wusste er nicht, wer ihre Familie war, aber sie konnte sich vorstellen, dass es ihm nichts ausmachte, dass sie Aset Khonsus Tochter war. „Gut, da bist du wohl auf Platz eins. So etwas haben meine Brüder noch nicht gebracht. Ich werde fragen, ob sie mit wollen. Wenigstens Rick ist ziemlich cool, vielleicht hält er Buster im Zaum.“

„Mach das mal, ich würde nämlich ungern auf unser Date verzichten“, sagte Bill und wirkte sehr zufrieden. Rina hatte nicht gleich abgelehnt, sie hatte trotz seiner Geschichten über seine Familie noch nicht aufgelegt. Wenn er sich jetzt nicht ganz bescheuert aufführte, dann dürfte einem schönen Tag nichts im Wege stehen.

„Okay, ich ruf dich an, wenn ich einen Termin habe. Wäre es schlimm, wenn es erst nach Weihnachten etwas wird? Oder bist du dann in den Ferien?“ Rina wurde ganz hibbelig, denn Bill war der erste, der ihr richtig gut gefiel und der auch ganz gut in ihre Chaotenfamilie passen würde. Sie wollte noch etwas sagen, da hörte sie die Eismaschine brummen. Sie hielt die Sprechmuschel zu und rief Ranu zu, dass er sich darum kümmern sollte, sie käme gleich.

„Also, wirklich da bin ich nicht. Mein alter Herr und Randy haben sich überlegt, dass Silvester in Shanghai cool wäre und da man die Kinder nicht alleine zuhause lassen kann, dürfen sie mit. Es geht am achtundzwanzigsten los. Kannst ja Zeichen geben, ob sich bis dahin etwas ergeben hat“, schlug Bill vor. Es sollte ja nicht heißen, dass er schnell aufgab. „Zur Not dann eben im neuen Jahr.“

„Hm, schade“, murmelte Rina. „Aber besser im neuen Jahr, als gar nicht. Ich weiß auch nicht, ob Caleb und Aset nicht auf die Idee kommen, nach Weihnachten nach Südafrika auf ihre Insel zu fliegen. Die zwei sind ziemlich unberechenbar und da ist alles drin. Aber ich rufe dich an, wenn ich Näheres weiß.“ Bill gab nicht auf, das war ein gutes Zeichen.

„Okay, Kleines, verbleiben wir so. Du hast meine Nummer und ich werde auf eine Nachricht warten“, sagte er und holte tief Luft. „Bis dann, ne?“ Nach einem letzten Gruß legte Bill auf und in dem Moment stromerte ein leise mosernder Ranu in die Küche, der Sina gerade erklärte, dass er sie mal auf den Tisch legen müsse, um sich um Busters Eis zu kümmern.

„Leg auf Tro…Ranu“, rief Rina ihm zu und nahm ihm das Telefon aus der Hand. „Sina, er meldet sich gleich noch mal, wir müssen jetzt Schadensbegrenzung betreiben. Ciao.“ Sie griff sich ihren brummelnden Bruder und zog ihn in die Küche. „Maul nicht. Willst du dich in nächster Zeit mit Sina treffen, oder nicht? Wenn ja, leg dich ins Zeug und zaubere Buster den tollsten Eisbecher, den er sich vorstellen kann.“ Sie hatten da schon einiges vorbereitet, damit es schnell ging und das Eis nicht noch schmolz.

Ein paar Fruchtspalten waren zurückbehalten worden, um den Becher zu garnieren, doch so weit waren sie noch nicht. Als erstes wurde gekostet. Das machte jeder gute Koch so, zumindest behauptete das Tian immer, wenn er den Finger in Calebs Töpfe tunkte. Die Zwillinge nickten sich zu, nicht zu süß – das war gut.

Schnell waren vier Bällchen geformt und adrett in einem Glas drapiert, dazu kamen die Früchte, das Krokant und weiße Schoko-Soße.

Während Rina sich um die Verzierung kümmerte, machte Ranu noch drei kleinere Becher. Rick hatte sich auf jeden Fall auch ein Leckerchen verdient und damit sie nicht die einzigen waren, die nur schuften, aber nicht genießen durften, bekamen sie auch noch was. „Perfekt“, murmelte Rina, als sie fertig war und grinste. Das sollte Buster eigentlich milde stimmen.

„Und jetzt?“, fragte Ranu und stellte die Becher vorsorglich erst einmal in die Kühlschränke mit den Glastüren, damit ihnen die kleinen Kunstwerke nicht gleich weg schmolzen. „Was, wenn sie sich gerade vergnügen, da können wir doch nicht rein platzen.“ Mal davon abgesehen, dass Ranu nicht scharf darauf war, das zu sehen – im Gegensatz zu Rina – dürfte ihre Wir-stimmen-Buster-milde-Aktion ziemlich in die Binsen gehen, wenn sie ihn noch vor der Überraschung wieder verärgerten.

„Moment.“ Rina lief ein paar Stufen hoch und schnupperte. „Kein Sex. Es riecht nicht danach“, grinste sie und kam wieder zu Ranu. „Wir machen Krach und rufen rechtzeitig, dass wir kommen, dann haben sie genug Zeit, sich zu bedecken, wenn es nötig ist.“ So machten sie das sonst auch, warum sollte das heute nicht klappen.

„Okay. Ich mach Krach und du trägst die Gläser“, schlug er vor, denn Rina hatte eine ruhige Hand. Balancieren konnte sie ziemlich gut, auch mit vollen Tabletts. Sie machten es also genau wie besprochen, räumten die Eisbecher auf ein Tablett und Ranu trampelte auf der Treppe besonders laut. „Buster!“, rief er schon von der halben Treppe. „Buster, wir haben was!“

Trotzdem klopften sie noch an die Tür und warteten, bis sie von drinnen die Erlaubnis hatten, rein zu kommen. Es sollte ja keiner sagen, dass sie nicht lernfähig waren. Schließlich kannten sie es von ihren Vätern, dass eine geschlossene Schlafzimmertür nicht einfach geöffnet wurde. Er linste vorsichtig hinein und war froh, dass die beiden Männer bedeckt waren „Hallo, wir haben was für dich“, grinste er und ließ Rina mit dem Eis vorgehen.

Buster, noch etwas träge, weil er sich eben erst gewandelt hatte, blickte auf und schnupperte. Das roch verdammt gut! Und als er die Eisbecher sah, musste er grinsen. Zwei schlechte Gewissen auf Beinen. „Das sieht gut aus!“, lachte er und wirkte ganz aufgeregt. „Habt ihr das ganz alleine gemacht?“ Er hatte Recht gehabt, die beiden konnten, wenn sie nur wollten.

„Ja, haben wir“, erklärten sie stolz und Rick nickte.

„Das haben sie.“ Er freute sich darüber, dass die Kiddies es hinbekommen hatten. Er nahm seinen Becher entgegen und probierte einen Löffel voll. Das war wirklich gut. „Setzt euch zu uns“, bot er an und klopfte neben sich auf die Matratze.

Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen – wo ließ sich ein Kriegsbeil besser begraben als mit einem leckeren Eisbecher im Bett?

„Was wollen wir eigentlich noch unternehmen, bis unsere Väter wiederkommen?“, fragte Buster und ließ sich das Eis schmecken, was er nach jedem Bissen mindestens einmal lobte. Es war den beiden hervorragend gelungen.

„Wie wäre es mit dem Naturkundemuseum?“, fragte Rina unschuldig und weil das für sie ziemlich ungewöhnlich war, wenn sie nicht etwas im Schilde führte, wurde Buster hellhörig. Aus irgendeinem Grund wollte sie da hin und er war neugierig, warum.

„Ein Museum? Ich weiß nicht. Das ist doch bestimmt langweilig“, sagte er darum und rümpfte die Nase. „Wollen wir nicht lieber shoppen und ich kaufe euch noch etwas Schönes?“ Das war eigentlich immer das k.o.-Kriterium für alle anderen Vorschläge, die auf der Liste standen. „Wir könnten noch mal zu Bloomingdales gehen.“

Ranu, der ahnte, was Rina vorhatte, lehnte sich nur zurück und wartete darauf zu erfahren, wer von beiden gewann. Ob sie shoppen gingen oder Rina sich verriet.

„Ja, das wäre toll, aber dazu brauchen wir doch nicht zwei Tage.“ Rina spielte das Spiel auch schon etwas länger, darum machte sie es Buster nicht leicht. „Ich finde, so ein Besuch im Museum hat etwas Entspannendes und die Weihnachtszeit ist doch immer ziemlich stressig. Außerdem haben wir keine Extrageschenke verdient, so wie wir uns aufgeführt haben.“

„Moment!“, sagte Buster, der gerade ein paar artuntypische Schlüsselwörter vernommen hatte. „Shoppen ist stressig, das Museum entspannend und ihr habt keine Extra-Geschenke verdient?“, fragte er und Ranu grinste breit. „Okay, kleine Lady. Raus mit der Sprache: haben die gerade eine Erotik-Ausstellung oder gibt es noch einen Grund, warum es dich, anstatt zu neuen Klamotten zu alten, ausgestopften Viechern zieht.“

Rina fühlte sich ertappt. Da hatte sie wohl etwas zu dick aufgetragen. „Billhatmichdorthineingeladen“, nuschelte sie schnell und beschäftigte sich mit ihrem Eis. Das war irgendwie peinlich, besonders weil Ranu breit grinste. „Er meinte, ich solle euch ruhig mitbringen und wenn wir das nicht vor Weihnachten machen, dann wird das erst was im nächsten Jahr“, erklärte sie trotzdem, denn schließlich hing es von Buster ab, ob sie sich mit Bill treffen konnte.

„Ich glaub's nicht!“ Buster drückte Rick sein Eis in die Hand, damit er theatralisch nach hinten kippen konnte. Dann rollte er lachend über das Bett. „Das ist der erste Junge, für den du sogar deine nervenden Plage-Brüder ertragen würdest, nur um ihn zu sehen.“ Eigentlich war das ja süß, aber auch so un-rina-haft, dass es komisch war. Er strich der jungen Dame durch die Haare und nickte. „Gehen wir ins spannende Museum und beschnüffeln Bill. Wir werden uns auch von unserer besten Seite zeigen“, versprach er mit raubtierhaftem Grinsen.

„Bloß nicht“, rutschte es ihr raus und sie funkelte Buster an. „Ihr werdet es bereuen, denn dann sag ich ihm, dass er seinen kleinen Bruder mitbringen und auf euch hetzen soll. Der ist nach seiner Aussage an Peinlichkeit und Nervigkeit nicht zu übertreffen. Gegen ihn seid ihr Amateure.“ So weit kam das noch, dass ihre Familie ihr das versaute.

„Schon aus Prinzip sollten wir es darauf ankommen lassen oder Buster? Was denkst du?“, wollte Ranu wissen, der zufrieden sein Eis löffelte.

Doch Buster wuschelte ihm nur durch die Haare und schüttelte den Kopf. „Geben wir dem Jungen doch erst einmal eine Chance. Wenn er Rina am Bein hat, können wir immer noch die Masken fallen lassen“, stichelte der Bengale und zog die schmollende Rina an sich. Das hatte sie nun davon. Doch dann grinste sie.

„Also, morgen Museum? Dann rufe ich ihn an!“

„Mach das, Maus. Wir müssen deinen Schwarm doch beschnuppern, wenn du ihn öfter treffen möchtest.“ Buster lachte und lehnte sich zufrieden an Rick. Rina war schon aufgesprungen und wollte Bill anrufen. Zufrieden löffelte er sein Eis und war eigentlich ganz zufrieden. Nach den ganzen Katastrophen die letzten Tage wurde es nun hoffentlich besser.

„Hier wird niemand beschnuppert, ist das klar? Er ist ein Mensch, also passt bloß auf!“ Das fehlte noch, dass ein Kater nach dem anderen an dem Unwissenden herum schnüffelte. „Aber ich rufe lieber gleich an und sage Bescheid!“ Und schon war sie samt Eisbecher unterwegs – das konnte also länger dauern, was Ranu aber nicht davon abhielt, ihr hinterher zu brüllen, sie solle nur Bescheid sagen und dann gleich wieder auflegen.

Die drei Jungs sahen ihr hinterher und lachten alle gleichzeitig. Allein die Vorstellung, wie sie vor Bill standen und schnupperten, war einfach witzig. Aber Rina hatte da etwas angesprochen, was hoffentlich kein Problem wurde. Bill war ein Mensch und hoffentlich ging alles gut und er bekam nicht raus, was Rina wirklich war.

„Schauen wir mal. Vielleicht gehört er ja irgendwann zur Familie, denn so hat sie sich noch nie für einen Kerl ins Zeug gelegt“, sagte Buster und beeilte sich mit seinem Eis, ehe das Meisterwerk noch gänzlich schmolz. Nicht auszudenken, wenn die ganze Mühe der Kids in einem unansehnlichen – aber sicher leckeren – Shake verwandelt wurde.

Weil Rina telefonierte, bis Buster sie ins Bett scheuchte, vergnügten sich die Jungs mit Videospielen, bis es auch für sie Zeit war, sich schlafen zu legen. Buster und Rick gönnten sich noch ein Glas Wein, als die Kinder in ihren Zimmern waren.

Sie waren geschafft, denn der ganze Tag war ein einziges auf und ab gewesen. War zu hoffen, dass die nächsten Tage ruhiger wurden.



10



„Morgen kommt Caleb wieder. Aset wollte vielleicht heute Abend schon kommen“, sagte Buster, als er sich am Frühstückstisch zurück lehnte. Der Montag und der Dienstag waren gut überstanden worden und Bill hatte sich auch noch nicht beschämt abgewendet. Eigentlich war er ein netter Kerl und Buster, der von allen das meiste Vampirblut in sich hatte, wusste etwas, was Rina nicht wusste. Von wegen Mensch! Aber das sollte die Kleine alleine herausfinden.

„Aset kommt heute schon?“ Rina strahlte, denn Aset brachte seiner Prinzessin immer etwas mit, wenn er von einer Reise zurückkam. Das war eine Tradition, die nach ihrer Meinung immer so weitergehen konnte. „Sagst du ihm, dass er hierher kommen soll??“, fragte sie neugierig. Sie wollte ihrem Vater zeigen, wie sie Busters Wohnung dekoriert hatte.

„Sicher, Maus. Wenn wir nicht im Anwesen sind, wird er sowieso als erstes suchen kommen. Dann kannst du ihn auch damit überraschen“, schlug Buster vor. Aset hier her zu lotsen, um ihm das zu zeigen, fand er zu plump. Er wusste, wie sein Vater gestrickt war. „Wollen wir heute noch mal eine Fressorgie auf dem Weihnachtsmarkt machen, ehe morgen Caleb wieder da ist und uns auf die Waage stellt, ehe er Grünfutter verteilt?“

Ranu nickte heftig, weil er den Mund voll hatte und Rina sah Buster strafend an. „Ich nehme nicht zu, egal was und wie viel ich esse“, erklärte sie und somit war klar, dass sie mit der Planung einverstanden war. Rick nickte auch, so war es beschlossene Sache. Sie kamen aber nicht mehr dazu, alles weitere zu besprechen, denn Busters Handy klingelte.

„Hallo Daddy“, meldete er sich gut gelaunt, als er sah, dass Caleb anrief. „Wir leben noch alle und keinem fehlt ein Körperteil oder ist sonst irgendwie verletzt“, zog er den Leoparden auf.

„Und du erwartest, dass ich das ungesehen glaube?“, lachte Caleb. Was sollte er auch machen? Er war nun einmal latent gluckenhaft, aber nur wenn es um seine Kinder ging. Ansonsten hatte er von Aset in Sachen Gnadenlosigkeit ziemlich gelernt. „Ich wollte eigentlich nur wissen, ob ihr die Weihnachtsdeko gefunden habt. Die Kisten auf dem Speicher waren ja nicht das Problem. Aber die Kugeln im Keller habt ihr gefunden, oder?“, fragte er.

„Kugeln?“ Buster wirkte etwas ratlos, weil er keinen Schimmer hatte, was Caleb meinte. Er sah in die Runde, ob jemand ihm helfen konnte, aber alle sahen ihn nur fragend an. Was meinte sein Vater nur und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Caleb ging davon aus, dass sie das Anwesen für Weihnachten schmückten. „Äh nein, haben wir nicht, gut, dass du angerufen hast“, sagte er schnell, weil er sich keine Blöße geben wollte. „Wir holen sie gleich hoch.“

„Buster!“, sagte Caleb und wirkte schon wieder etwas in Panik. „Du willst mir doch nicht allen Ernstes erzählen, dass du die Bäume im Haus alle ohne Kugeln hingestellt hast. Oder hast du etwa neue gekauft, weil du keine gefunden hast? Du bist mir ja einer!“

„Äh… nein, ich habe keine neuen gekauft. Ich hab sie wirklich vergessen, weil ja so viel anderes Zeug da ist. Allerdings hatte ich immer das Gefühl, das etwas fehlt. Ich bin nur nicht draufgekommen, was?“ Buster log das Blaue vom Himmel runter und hoffte, dass er nicht aufflog. Ihr Ausflug fiel wohl aus, weil sie nach dem Frühstück sofort zum Anwesen mussten. Caleb erwartete ein geschmücktes Haus. Das war auch dem Rest klar, der schon die Augen verdrehte und sich wohl fragte, warum dies das Personal nicht erledigen konnte. Doch keiner sprach es aus.

„Gut, dann hängt die Kugeln noch an den Baum. Schön, dass ihr von selber ans Schmücken gedacht habt. Dann habe ich morgen nicht so viel zum vorbereiten.“ Caleb wirkte sehr erleichtert.

„Sicher machen wir das, Dad. Die Bäume werden perfekt sein. Rina hat da ein tolles Händchen für.“ Mist, warum hatte er da überhaupt nicht dran gedacht? Er hatte doch die Bäume gesehen. Er wedelte mit der Hand, damit die drei den Tisch abräumten. Sie mussten los, wenn sie noch fertig werden wollten.

Verstehend sprangen alle drei auf. Ranu räumte den Tisch leer, Rina verstaute alles im Spüler und Rick suchte schnell ein paar Klamotten für die nächsten Tage und als Buster auflegte, nachdem er noch ein paar kleine Hinweise bekommen hatte, stand der Rest schon am Fahrstuhl.

„Das hab ich voll vergessen“, seufzte Buster und schlüpfte in die Schuhe.

„Lass dir schon mal was einfallen, wie du das wieder gut machen kannst“, brummte Ranu, denn Deko war so gar nicht sein Ding. Aber heute würde er sich anstrengen, damit sie schnell fertig wurden. Vielleicht kamen sie dann doch noch auf den Weihnachtsmarkt.

„Ihr hättet auch mal dran denken können, nicht immer nur ich.“ Buster sah nicht ein, dass er den Schwarzen Peter alleine zugeschoben bekommen sollte. „Wir nehmen den Maybach, ein Auto reicht. Rick, du holst die Kisten vom Speicher. Ranu kann dir helfen. Ich suche mit Rina das Zeug aus dem Keller. Wir haben keine Zeit, ein Konzept auszuarbeiten, improvisieren!“ Das war die Parole für heute, denn ihnen lief die Zeit weg.

„Du hütest uns, du musst denken. Unsere Aufgabe ist es, dich in den Wahnsinn zu treiben.“ Das war doch ganz einfach. Jeder hatte seine Rolle. Früher hatte Buster doch genau so wie sie jetzt, diese Rolle gespielt. Das konnte er doch nicht schon vergessen haben. Rina grinste Buster an und machte, dass sie aus dem Fahrstuhl kam. Bei Buster wusste man nie und es war eine gute Idee, denn sonst hätte er den Troll an den Haaren gepackt. So eine freche Kröte!

„Ich werde mal Caleb berichten, dass die junge Dame sich mit Jungs trifft. Ich bin gespannt, was er dazu sagt und wer dich bei deinem nächsten Date alles begleiten wird.“ Buster ließ sich nicht schon wieder aus der Reserve locken.

Rina sah sich nur frech lachend nach ihrem Bruder um. Sie wusste, dass Buster das nicht machte und wenn schon. Dass sie sich erst mal nicht alleine mit Bill treffen durfte, war ihr schon klar. Aber da der Museumsbesuch ihren neuen Bekannten nicht abgeschreckt hatte, war sie beruhigt. „Na los, mal nicht so lahm, ein Haus will geschmückt werden“, rief sie und setzte sich ins Auto.

„Pass bloß auf“, knurrte Buster und wartete, bis alles verstaut war. Dann gab er Gas. Die paar Meter bis zum Anwesen waren schnell geschafft und während Buster den Wagen parkte, waren die anderen drei schon auf dem Weg ins Haus, um alles zusammenzutragen. Das Personal guckte nicht schlecht, als plötzlich Hektik im bis eben noch ruhigen Haus herrschte. Aber so war das eben, wenn die Kinder da waren.

Sie machten es wie immer und gingen ihnen einfach aus dem Weg, nur Karl kam zu Buster und begrüßte ihn. Schnell wurde der Butler auf den neuesten Stand gebracht und der Ältere lächelte. „Master Buster, wenn sie Hilfe brauchen, dann sagen sie es. Das Personal kann die weniger wichtigen Räume dekorieren, dann haben sie etwas weniger Stress“, bot er an.

„Sie ahnen gar nicht, welche Last sie damit von mir nehmen würden. Ich bin zwar Weihnachten immer hier, aber ich habe noch nie ein reges Auge auf die Dekoration geworfen. Sie wissen sicherlich eher als ich, wo was hin gehört und was Caleb bevorzugt. Wenn sie uns da helfen könnten.“ Noch im laufen zog er sich die Jacke aus, die Karl ihm abnahm. „Ich hoffe, wir schaffen das alles an einem Tag. Ich habe das völlig vergessen!“ Buster bekam die Panik, als ihm klar wurde, wie viel sie vor sich hatten.

„Das machen wir doch gerne. Nur keine Sorge, morgen wird alles so sein, wie Master Caleb das erwartet.“ Karl nickte Buster zu und ging dann sofort los, um das Personal zu instruieren. Buster verschaffte sich erst einmal einen Überblick. Caleb hatte sich nicht versprochen, wie der Bengale gehofft hatte, als er von Bäumen geredet hatte. Einer stand in der Halle, einer im Wohnzimmer und einer draußen im Garten. Einer hätte doch wirklich auch gereicht.

Nach und nach füllte sich die Vorhalle mit Kisten. Schmuck in allen Formen und Farben und Buster schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Rina, du sortierst bitte nach Formen und Farben, was zusammen an einem Baum gut aussehen könnte. Nimm dir am besten Maggi und Sue zur Hilfe.“ Er strich um die vierzig Kisten und Kistchen und holte immer wieder tief Luft. „Rick, kannst du mit Jasper und Henry die Lichterkette am Baum im Garten anbringen? Ranu, Karl und meine Wenigkeit versuchen das an dem in der Halle. Dann sehen wir weiter.“

Rick nickte und griff sich die Lichterkette für draußen und bat seine Helfer, Leitern zu holen. Zum Glück gab es in diesem Haushalt nicht nur eine. Sonst hätten sie ein echtes Problem gehabt. An den Gartenbaum kam wenigstens nicht ganz so viel Schmuck, da war der Tiger froh. Zu dritt brauchten sie da hoffentlich nicht lange.

Schnell hatten sie es raus, dass zwei die Kette hielten und Rick immer mit der Leiter rückte und sich nur auf das Befestigen konzentrierte. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten lief alles reibungslos und ohne Verletzungen.

Ähnlich war es in der Vorhalle, wo man sich einer anderen Technik bediente. Auf den ebenen Fliesen benutzten sie ein fahrbares Podest, das Buster schob. Ranu musste nur drauf stehen und die Kette anbringen und Karl sorgte dafür, dass keine Knoten entstanden. Rina machte dabei ein paar Bilder.

Ihre Brüder bei der Arbeit zu beobachten passierte auch nicht so oft. Außerdem konnte man nie wissen, für welche Gelegenheit man die Bilder mal brauchen konnte. Sie war schon ganz hibbelig, wann sie endlich anfangen konnte. Sie hatte, wie bei Buster, für den Baum im Wohnzimmer die klassischen Farben ausgesucht, aber für den in der Halle wollte sie anderes. In einigen Kisten, hatte, sie Strohsterne und Holzfiguren gefunden, die sie und Ranu als kleine Kinder angemalt hatten. Dazu gab es auch noch selbst gebastelte Girlanden. Die hatten sie schon seit Jahren nicht mehr benutzt und sie fand, es war mal wieder Zeit dafür. Caleb würde das bestimmt gefallen.

„So, Stecker rein!“ Ranu hatte die letzte Lampe angeklemmt und war nun gespannt auf sein Werk. Karl beeilte sich, den Stecker in die Verlängerungsschnur zu stopfen und schon erstrahlte der Baum. Alle Lampen funktionierten – so musste das sein.

„Jetzt ich! Los, helfen!“ Rina hatte schon die Arme voll und drückte dem verdutzten Buster die Figuren in die Finger. „Gleichmäßig von oben nach unten verteilen“, schlug sie vor, weil er so perplex guckte. Schließlich hatten sie noch viel vor und nicht ewig Zeit.

„Gut, Chef“, murrte Buster, war aber ganz froh, dass man ihm sagte, was er machen sollte. Er hatte kein Händchen für so was und Ranu wohl auch nicht, denn er sah genauso ratlos aus, mit den Strohsternen.

„Genauso wie Buster“, seufzte Rina entnervt. Wie sollte das denn funktionieren, wenn sie immer die Deko-Nieten bekam?

Mit Rick wäre ihr das bestimmt nicht passiert. Der hatte doch wenigstens Stil und Geschmack – obwohl, wenn er sich mit Buster einließ und seit Jahren nicht schlau wurde? Sie seufzte.

„Ob wir die beiden alleine lassen können?“, fragte sie Sue, die schon mit ein paar von den Kugeln ins Wohnzimmer ging. Sie wandte sich um und sah etwas gequält aus, wagte es aber nicht, offen zuzugeben, dass die beiden Jungs ziemlich hoffnungslos wirkten. So lächelte sie und zuckte die Schultern.

„Zumindest haben sie keine Glaskugeln, die sie kaputt machen können.“ Rina drehte sich lieber wieder weg, damit sie das Elend nicht sehen musste. Sie musste da nachher noch einmal mit Sue langgehen und korrigieren, was nötig war. „Schaffen wir das mit der Lichterkette?“, fragte sie doch etwas besorgt. Der Baum im Wohnzimmer war mindestens noch einen Meter höher, als Busters.

„Habe ich gerade das Wort Lichterkette gehört?“, lachte Rick. Er hatte Jasper und Henry im Schlepptau, denn sie waren mit ihrer Arbeit fertig. Mittlerweile hatten sie den Dreh raus und konnten drinnen helfen. Kurz griff er sich seinen Liebling, der konzentriert auf seiner Zunge kaute, weil er sich anstrengte. Ehe die arme Zunge noch völlig zerbissen wurde, liebkoste Rick sie für eine kurze Weile. Er brauchte sie schließlich noch.

Lange Zeit zum Genießen hatte er aber nicht, denn Rina drängte schon wieder. „Wenn sie mal in einer der Firmen deines Vaters arbeitet, sind die Angestellten echt zu bedauern“, lachte Rick leise, ließ sich aber nicht hetzen. „Süße, wenn ich zufrieden bin, arbeite ich besser und schneller und Buster macht mich sehr zufrieden.“

„Du grinst wie ein Wiesel auf Drogen. Dass man noch zufriedener sein kann, kann ich mir nicht vorstellen. Jetzt komm!“ Rina knurrte leise. War sie denn nur von Dilettanten umgeben? Jeder ließ sich ablenken, so wie Ranu, der gerade lieber einer Fliege durch die Vorhalle nachlief, als die Strohsterne zu verteilen. Das durfte doch alles nicht wahr sein!

Rick fing noch einmal Busters Lippen ein, dann ließ er sich von Rina mitziehen. Sie wollten ja fertig werden. Dann konnten sie es sich vielleicht am Abend noch etwas gemütlich machen. Aber erst einmal ließ er sich von Rina auf die Leiter scheuchen, damit die Lichterkette angebracht werden konnte. Darin waren er und seine beiden Helfer geübt. Das sollte keine Probleme geben.

Und so dauerte es gar nicht so lange, bis die Kette fest war. Der Test zeigte, dass alle Lämpchen brannten und nun konnte Rina endlich loslegen. Ehe Rick auf die Idee kam, ein bisschen Buster von der Arbeit abzuhalten, spannte sie ihn gleich mit ein, wenn er schon mal auf der Leiter stand. Sie warf, er fing – und so kamen die Kugeln an den Baum.

Innerhalb kürzester Zeit füllte sich der Baum und als sie tiefer kamen, mussten auch Buster und Ranu mithelfen. Rina sah ja gar nicht ein, dass die zwei sich ausruhen konnten.



„Na, das ist ja mal ein seltener Anblick, alle bei der Arbeit“, kam es plötzlich von der Tür und die drei Geschwister sahen sich erschrocken um. „Daddy“, riefen Ranu und Rina gleichzeitig und stürmten auf Aset zu, der in der Tür stand und die Arme ausgebreitet hatte, um die zwei Leoparden aufzufangen. „Und noch schöner wird das Bild werden, wenn du für deinen geliebten Gatten das Haus schmückst“, konnte sich Buster nicht verkneifen, grinste aber seinen Vater offen an. Der brauchte gar nicht glauben, dass er sich entspannend in die Wanne zurückziehen konnte und dann vielleicht noch mit einem guten tropfen Wein ins Arbeitszimmer verschwinden. So nicht, es wurde jede Hand gebraucht. Doch auch er kam näher, um seinen Vater zu begrüßen.

„Hallo, mein Junge.“ Aset drückte Buster an sich und sah ihn dann fragend an. „Ich soll das Haus schmücken?“ Seinem Gesicht war anzusehen, dass er nicht sehr begeistert davon war, besonders, als er sich umsah. „Da ist ja noch gar nichts. Reichlich spät, erst jetzt anzufangen. Ihr wisst schon, dass Caleb es recht üppig zu Weihnachten mag?“

„Ja das weiß ich auch und dass es spät ist, ebenfalls. Also quatsch nicht, greif dir ein paar Kartons und verteile den Inhalt dekorativ irgendwo“, knurrte Buster gutmütig. „Außerdem hätte uns ein gewisser Jemand auch mal sagen können, dass ein anderer gewisser Jemand, der mit dem ersten gewissen Jemand täglich das Bett teilt, erwartet, dass wir schmücken! Worüber redet ihr im Bett, über Sex oder was?“ Buster grinste dreckig und sah sich zu Rick um, der die Augen verdrehte.

„Im Bett über Sex reden? Das ist doch pure Zeitverschwendung, wenn man Sex haben kann.“ Aset nahm Buster den Spruch nicht übel, verpasste ihm aber eine leichte Kopfnuss. „Frecher Kerl“, brummte er leise und nickte Rick grüßend zu. „Gut, ich steige kurz unter die Dusche und zieh mir was Bequemes an, dann helfe ich euch. Schließlich will ich ein schönes Weihnachten und mit einem unzufriedenen Caleb klappt das nicht.“

„Zumal Cathy kommt, da will er immer besonders gründlich sein und zeigen, dass er neben Job und Kindern den Haushalt auch noch im Griff hat“, erklärte Buster seinem Liebling, der gerade etwas irritiert herum stand. Er kannte die Familie zwar jetzt schon eine Weile, aber dass hier, anstatt vor dem Vampir, jeder vor dem Hauskater kuschte, daran hatte er sich immer noch nicht gewöhnt.

Das würde wohl auch noch eine Weile dauern. „Dann wollen wir Caleb mal nicht enttäuschen. Rina und ich schmücken den Baum fertig und ihr fangt schon mal mit der restlichen Deko an.“ Noch immer fühlte Rick sich in Asets Nähe nicht sehr wohl und suchte Abstand zu ihm.

Und weil das dem Vampir durchaus bewusst war, zog er sich erst einmal kommentarlos zurück. Eine Dusche und ein leckerer Happen, dann sah die Welt schon wieder besser aus. Vielleicht sollte er Assai anrufen. Vielleicht hatte der Vampir Langeweile und nichts vor. Dann konnte er sich hier sehr nützlich machen.

Je mehr er darüber nachdachte, umso besser gefiel Aset die Idee. Schließlich hatte sein Kater Caleb mitgenommen und sie mit diesem Problem allein gelassen. Da war es nur fair, wenn Assai helfen kam. Der Anruf war schnell erledigt und nachdem Assai zugesagt hatte zu kommen, ging er endlich duschen. Buster kam ihn sonst noch suchen, wenn es zu lange dauerte.

„Hier, das ist auch noch Hinstell-Krimskrams!“ Rina drückte Buster noch eine Kiste in die eh schon vollen Arme und schob ihn dann aus dem Weg. „Und nimm Ranu mit, ich will nicht, dass er aus Versehen eine von den teuren Kugeln runter holt. Es reicht weiß Gott, dass einer von den Swarowski-Sternen das Zeitliche gesegnet hat.“ Sie war darüber immer noch verstimmt, dass Ranu in seiner animalischen Form aus Versehen einem flüchtenden Schnitzel hinterher gejagt war und dann die Kurve nicht gekriegt hatte. Sie hatte es ja vorher gesagt, aber hatte sie einer für voll genommen? Natürlich nicht!

Alles Banausen!

„Das war ein Versehen“, brüllte Ranu auch gleich vom anderen Ende des Wohnzimmers, wo er die normale Deko wegräumte, damit sie Platz bekamen.

„Ja, ja“, seufzte Rina und machte sich wieder an die Arbeit. Rick wartete darauf, dass sie ihm sagte, wo er die Kugel hinhängen sollte, die sie ihm gereicht hatte.

So verging die nächste halbe Stunde. Rina und Rick – mit der Unterstützung der beiden Angestellten – schmückten den Baum zu Ende und waren anschließend sehr stolz auf ihr Werk. Der Baum war schön geworden. Buster und Ranu hatten Weihnachts-Schnicki auf Regalen, Tischen und Fensterbänken verteilt. Und als sie eben beschlossen, die Kisten nicht nach oben zu schleppen, sondern alles in den Lastenaufzug des Personals zu schieben, tauchte Assai auf.

„Fein, ihr seid fertig, dann kann ich ja wieder gehen“, lachte der Vampir und grinste, als drei Stimmen gleich protestierten. Er hatte mit nichts anderem gerechnet.

„Es ist eigentlich eine Schande, dass wir uns von drei kleinen Katzen rumkommandieren lassen“, seufzte Aset hinter ihm, der auch gerade das Wohnzimmer betreten hatte.

Er sah schon den Berg Kisten mit seinem Namen drauf und wie sich das gehörte, hatte er auch die Weihnachtsplüschtiere bekommen, die im Wintergarten und auf anderen Sitzgelegenheiten verteilt werden durften. Kleine Engelchen mit schwarzen Knopfaugen über dem breiten Grinsen, fragwürdige Elche im Weihnachtsmann-Dekor. Warum eigentlich immer er?

„Wir haben es so gewollt. Sie sollten sich prächtig entwickeln und das haben sie getan. Jetzt müssen wir mit dem leben, was aus ihnen geworden ist“, lachte Assai und begrüßte die Rabauken.

„Gut, dann ist ja schon klar, wer mit mir diese peinliche Arbeit erledigen wird.“ Aset griff sich die ersten Kisten, um sie in den Wintergarten zu bringen. Je eher sie damit fertig wurden, umso besser. Wenn es nach ihm ging, brauchten sie das alles nicht, aber Caleb stand da total drauf und hatte mit den Jahren, völlig unbemerkt, diese Massen an Deko zusammen gesammelt.

„Kinderschinder“, maulte Ranu gerade, der damit beschäftigt war, zwanzig Meter Flauschgirlande in Weihnachtsfarben um das Treppengeländer zu wickeln.“

„Wir können gern tauschen!“, schoss Buster zurück, der das gleiche Zeug an den Wänden im Flur verteilte. Doch weil er Ranu auch nicht leiden sehen konnte, schlich er sich mit einem Stück Girlande an ihn und kitzelte ihn. Spaß musste sein – so lange die Sklaventreiberin sie nicht erwischte.

Zum Glück hatten sie in Rick einen Verbündeten, der Rina gerade im richtigen Moment ablenkte und in eine Ecke des Wohnzimmers lotste, wo sie ihre Brüder nicht sehen konnte. So konnten sie ein paar Augenblicke entspannen und sich gegenseitig durch die Vorhalle jagen. Danach war es nicht mehr ganz so schlimm, sich wieder an die Arbeit zu machen.

Langsam wuchs das Gesamtkunstwerk zu einem ganzen und die leeren Kartons, die Karl zusammen mit Jasper wieder in Dachboden und Keller verstaute, nahmen langsam überhand.

„Wir sind gut vorangekommen. Ich bin dafür, ich ordere für alle Helfer Futter.“ Da schloss Buster auch die Angestellten mit ein, denn weil alle wuselten und räumten und schmückten, hatte keiner Zeit gehabt zu kochen. „Es darf abgestimmt werden und dann gönnen wir uns eine Stunde. Ich glaube, bis heute Abend sind wir fertig!“

Aus den vielen Wünschen, die geäußert wurden, suchten sie Indisch, Chinesisch und Italienisch aus. Da war für jeden etwas dabei und Buster klemmte sich hinter das Telefon, um alles zu bestellen. „Essen kommt in einer halben Stunde“, rief er in den Raum und machte sich auch gleich wieder an die Arbeit. Die Girlande hing immer noch nicht komplett.

Und sie wollten bis zum Essen so viel geschafft haben wie nur möglich. Assai hatte einmal unauffällig bei seinem Lieblingskater angerufen, um zu checken, ob die beiden nicht schon auf dem Rückweg waren und Caleb unvermittelt in ihr kleines Lügengerüst schlidderte. Doch da gab es Entwarnung, sie saßen gerade mit ein paar Japanern zusammen.

„Essen!“, brüllte Ranu durch das Haus und riss die Tür auf, wo gerade ein Lieferservice aufschlug. Buster erledigte das Finanzielle und Ranu schleppte die Beute weg, während schon der zweite Wagen vor fuhr.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Der dritte Wagen kam, als der zweite entladen war und alle versammelten sich in der Küche, wo ein improvisiertes Büffet aufgebaut worden war. Alle griffen ausgehungert zu, denn dekorieren war harte Arbeit. Damit hatte keiner gerechnet und alle waren kaputt. Da kam eine kleine Pause gerade recht.

„Was ist denn jetzt noch offen?“, wollte Assai wissen, damit er abschätzen konnte, wie lange sie noch brauchten.

„Um das Schlafzimmer kümmert sich Aset, da geh ich nicht rein“, sagte Buster und überlegte. „Sonst noch die Kinderzimmer und Gästezimmer. Alles andere dürften wir schon fertig haben.“ Die Küche war der einzige Raum, der nur dezent dekoriert wurde. Sogar das Bad war schon verweihnachtlicht worden.

„Unsere Zimmer machen wir selber“, warfen Rina und Ranu gleich ein. Das fehlte noch, dass die Erwachsenen in ihren Zimmern werkelten und vielleicht noch Dinge fanden, die sie besser nicht finden sollten. Das musste nun wirklich nicht sein.

„Gut.“ Assai war damit einverstanden. „Alle Gästezimmer oder nur die, die auch benutzt werden?“ So konnten sie die Arbeit auf vier Räume begrenzen, das war eine ziemliche Arbeitsverkürzung.

„Erst mal nur die vier, die gebraucht werden. Wenn uns irgendwann später noch der Kleister packt, können wir uns ja immer noch daran austoben. Aber jetzt erst mal nur das, was wirklich nötig ist“, schlug Buster vor und packte sich reichlich Curry auf seinen Teller, raffte sich zwei Batura und verschwand an der Theke. Er hatte Hunger wie ein Löwe, auch wenn er nur ein kleiner Bengalkater war.

Er hatte ja schließlich auch geschuftet für zwei. Er sah sich beim Essen in der Küche um. Alle Helfer hatten sich etwas genommen und saßen nun, sich unterhaltend, zusammen. Es hatte sich ziemlich viel in diesem Haushalt verändert, seit die Katzen hier wohnten. Früher war es undenkbar gewesen, dass Aset sich angeregt mit einem der Hausmädchen unterhielt. Zumindest in seinem eigenen Haus, hatte das Vampiroberhaupt seinen Schrecken verloren.

Rick kam und setzte sich zu seinem Schatz, was Buster mit zufriedenem Nicken registrierte. „Wenn wir endlich durch sind, will ich nur noch eine Dusche, ein Bett und einen liebevollen Mini-Tiger zum ankuscheln. Ich bin so platt!“ Und wehe Caleb hatten morgen an der Deko etwas zu nörgeln, dann durfte der Herr Leopard aber alleine weiter machen.

„Da habe ich keine Einwände, du musst nur die Lokalität bestimmen.“ Damit gab Rick sein Einverständnis dazu, hier zu übernachten. Buster würde das nie einfach so bestimmen, weil er wusste, dass sein Schatz sich in Asets Nähe nicht wohl fühlte. Er strich Buster über die Wange und küsste ihn schnell zwischen zwei Bissen.

„Eine Nacht sturmfrei – keine Kurzen, die vielleicht Horrorfilme gucken und zu uns ins Bett kriechen. Aset wird sich seiner Lieblinge annehmen“, schwärmte Buster, laut genug, damit seine Geschwister ihn hören und sich beschweren konnten. Somit war auch die Örtlichkeit geklärt. Buster wollte nicht hier nächtigen. Dafür kamen sie morgen sehr zeitig, um zusammen zu frühstücken und auf die beiden Kater aus Übersee zu warten. Cathleen und Ryan müssten auch irgendwann kommen. Sie wussten noch nicht, wie sie aus Hongkong weg kamen.

„Es muss wirklich bald Weihnachten sein“, lachte Rick und war mit Busters Vorschlag einverstanden. Sie machten eine ausgedehnte Pause und gesättigt und erholt machten sie sich wieder an die Arbeit. Aset verschwand im Schlafzimmer, um es ganz speziell zu dekorieren. Da gab es ein paar Dinge, die mussten seine Kinder nicht unbedingt wissen oder sehen.

Rina und Ranu schleppten Kisten in ihre Zimmer, die konnten sie auch morgen früh noch schnell schmücken, das musste jetzt nicht sein.

Sie werkelten noch zwei Stunden, dann waren sie endlich fertig. „Jetzt kann Caleb kommen“, knurrte Buster als er sich nach hinten fallen ließ, sich noch im Fallen wandelte und dann lag der kleine, pelzige Kerl auf dem Rücken, mitten im Wohnzimmer. Er war platt.

Er ließ sich auch gerne von Rick aufheben, der ihn bequem auf seinen Armen bettete und kraulte. „Du hast es geschafft“, lobte er seinen Freund und küsste ihn auf die Stirn. „Caleb wird es gefallen, was wir gemacht haben.“ Es war doch recht spät geworden, aber es hatte sich gelohnt. Das Haus glänzte weihnachtlich und brachte somit auch alle in die richtige Weihnachtstimmung.

„Mau“, war alles, was Buster noch sagen konnte oder wollte. Dass seine Klamotten mitten im Wohnzimmer lagen, damit konnte er leben. Die Kurzen verschwanden nach einer schlaffen Knuddelei auch im Bett. Sie hatten noch nicht einmal Aset nach Mitbringseln gefragt. Sie waren wohl zu sehr unter Strom gewesen. Doch Buster war sich sicher, sie würden das morgen nachholen.

„Mau“, machte er noch mal und wies mit der Pfote Richtung Tür.

„Alles klar, Boss“, Rick sammelte Busters Klamotten ein und verabschiedete sich von Aset und Assai. Ihm machte es nichts aus, seinen Freund nach Haus zu fahren. Er mochte es sogar, wenn der Kater beim Autofahren auf seinem Schoss lag und döste. Dann konnte er ihn zwischendurch immer mal wieder kraulen und zum schnurren bringen.

Es war eigentlich schade, dass der Weg zum Penthouse nur so kurz war. Doch das hielt ihn nicht davon ab, Buster ein bisschen zu verwöhnen. Er trug das Katerchen nach oben, packte ihn ins Bett und huschte zu ihm – ebenfalls als Kater. Das hatten sie schon lange nicht mehr gemacht und so schliefen sie zusammengerollt und in die Decken gekuschelt ein.



11



Schon bevor am nächsten Morgen der Wecker klingelte, war Rick wach und streckte sich einmal vorsichtig in alle Richtungen, ohne Buster zu wecken. So hatte er Zeit, seinen Freund zu betrachten. Den eleganten Kopf mit den jetzt verborgenen, strahlend grünen Augen und dem geschmeidigen Körper, der normalerweise nur so strotzte vor Leben, aber jetzt Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlte.

Die weichen Pfoten, die ihre besten Waffen verbargen und der weiche Schwanz, der jetzt nur leicht zuckte, als würde der Kater träumen. Ruckartig drehte sich Buster auf den Rücken, schnurrte leise und präsentierte so das weiche, helle Bauchfell. Rick lachte leise. So war Buster eben. Wenn man ihn ließ, schlief er den ganzen Tag.

Vorsichtig strich er mit der Nase über den so präsentierten Bauch und küsste sich von dort höher, über die Kehle zum Schnäuzchen. „Guten Morgen, Liebling“, flüsterte er leise. Buster sollte nicht so abrupt aus seinen Träumen gerissen werden. Er selber mochte das auch nicht und mit der Zeit hatten sie so ihre Methoden entwickelt, dem anderen das Aufwachen angenehm zu machen.

„Rrrr“, schnurrte Buster zufrieden und streckte sich, streckte sich immer weiter und so wandelte sich der Körper in die Zwischenform, die Rick immer noch am meisten liebte. Der weiche Schwanz strich über seinen Arm und Busters Hände suchten träge nach seinem Liebsten. Sie hatten nicht oft die Gelegenheit gemeinsam zur gleichen Zeit das Bett zu verlassen, denn wenn Buster ins Büro fuhr kam Rick manchmal erst von Konzerten zurück. Sie hatten sich nicht so oft, wie sie das gern hätten, aber das war Buster klar gewesen, als er sich für einen Musiker entschieden hatte. Eigentlich war er stolz darauf, dass die Band so erfolgreich war.

Zufrieden strich Rick mit den Händen und den Augen über den geliebten Körper. Die Haare unter seinen Fingern waren wunderbar weich, ganz anders als seine eigenen, die wesentlich härter waren. „Du bist schön“, murmelte Rick ehrlich und küsste Buster sanft. Jetzt war irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt für Leidenschaft, sondern für schmusen und genießen. Die Leidenschaft konnte noch ein paar Minuten warten, glaubte er zumindest. Doch als das Handy neben dem Bett schellte, schoss Buster erschrocken hoch und hielt sich das Herz. Damit hatte er nicht gerechnet.

Es klingelte noch mal und noch mal, ehe er es griff. Vom Klingeln her war es das Khonsu-Anwesen, das konnte also jeder sein.

„Ja“, keuchte er, weil sein Puls immer noch hastig ging und ließ sich langsam wieder in Ricks Arme fallen.

„Was heißt hier Hallo? Ich denke ihr seid zum Frühstück hier! Caleb und Tian sind gelandet!“

Dann wurde wieder aufgelegt und Buster sah sein Handy an.

„Wer war das?“, schnurrte Rick und Buster sah ihn irritiert an.

„Ich glaube, Rina!“

„Des Teufels General.“ Rick verdrehte die Augen, aber er sprang nicht sofort aus dem Bett. Er hatte sich ebenfalls erschrocken und musste erst einmal seinen Puls beruhigen. „Komm her.“ Er wandelte sich ebenfalls in seine Zwischenform, damit sie noch ein paar Minuten schmusten. Wenn sie ein paar Minuten nach Caleb und Tian auf dem Anwesen ankamen, war das nicht so schlimm.

„Ich hoffe, dass sie es nie vermag wie Aset oder Assai zu teleportieren. Dann wäre man vor der kleinen Zwecke ja gar nirgends mehr sicher“, knurrte Buster und kuschelte sich noch etwas dichter. Auf den Schock brauchte er noch einen Kuss und vielleicht noch einen kleinen und dann noch einen für den Weg und einen für das alleine-duschen-müssen und dann noch einen... egal wofür, er brauchte sie einfach und kicherte albern dabei.

Rick fiel darin ein und letztendlich rollten sie kichernd und küssend über das Bett, bis sie mit einem Plumps auf dem Boden landeten. „Ich liebe dich“, lachte Rick und zog Buster auf sich. Seit sie zusammen waren, war sein Leben einfach schön und er war seinem Freund sehr dankbar dafür, dass er ihm das gezeigt hatte.

Sicher, die dunklen Gedanken an seine Familie waren noch nicht verschwunden, doch Buster wollte auch nicht, dass Rick sie vergaß. Regelmäßig gingen sie in die Kirche und zündeten Kerzen an. Darauf bestand Buster auch.

„Los, komm hoch. Ehe sie uns einsammeln kommt und wir nackt über den Platz getrieben werden.“ Buster erhob sich und zog seinen Mini-Tiger mit sich. Denn eines war klar: wenn Rina noch einmal anrufen musste, dann brannte die Luft – egal für wen. Sie war ganz Asets Tochter.

Rick ließ sich, wenn auch murrend, ziehen. „Heute Abend will ich dich aber ohne Störungen für mich alleine haben“, legte er fest und trottete hinter Buster her zur Dusche. Sie brauchten nicht lange, bis sie runter in die Garage fuhren. Buster war ein wenig nervös, weil er nicht wusste, ob Caleb zufrieden war, so wie die letzte Woche mit den Kurzen abgelaufen war.

Er war sich ebenfalls nicht sicher darüber, in was er Caleb einweihen sollte und in was nicht. Sollte er offen zugeben, dass es nicht immer eitel Sonnenschein gewesen war? Dann bestand die Sorge, dass Caleb die beiden gar nicht mehr alleine ließ. Doch zu lügen, dass alles super gelaufen wäre, wollte er auch nicht. Er würde sehen, wie sich das alles ergab und vielleicht vergaß er auch zu fragen, wenn er Ranus Flügel sah. Das hatte sich der Kurze nämlich für das Frühstück aufgehoben, wenn alle da waren.

Sie waren wohl früh genug, denn Tians Auto war noch nicht da. Rina begrüßte sie ein wenig brummig, so dass Buster sie an sich drückte. „Süße, heute ist Weihnachten. Sei doch nicht so streng. Wir haben alles geschafft und bald ist Paps wieder da.“ Sie bekam einen Kuss auf die Stirn, der sie ein wenig milder stimmte.

„Ich weiß, Buster und ich freu mich, dass er endlich wieder Zuhause ist.“

„Und das sollte unsere Prinzessin genießen und nicht mit einem Nervenzusammenbruch in einem hässlichen Krankenhemdchen auf der Intensivstation verbringen. Also tritt etwas kürzer und vertraue darauf, dass wir das schaukeln.“ Buster wuschelte ihr durch die Haare und begrüßte Ranu, der in der Vorhalle heimlich mit den Flügeln übte. Aset war im Garten, so dass er es noch nicht merken konnte. Caleb sollte dabei sein – unbedingt!

Lange brauchte er auch nicht mehr damit warten, denn sie hörten das unverkennbare Geräusch von Tians Wagen, der die Auffahrt hochfuhr. Alle stürmten nach draußen, um mit Aset und Assai zusammen die beiden Kater zu begrüßen. Ein kurzer, fragender Blick fiel auf den jungen Leoparden in der Vorhalle, der pfeifend und ohne Hemd sehr unbeteiligt tat. Doch dann war Ranu auch schon wieder vergessen, denn das große Hallo an der Tür begann. Natürlich war Rina die erste bei ihrem Vater und Ranu ließ sich nicht lumpen, schlängelte sich durch den Auflauf an der Tür und hing seinem Dad ebenfalls am Hals. Der Vampir hatte das Nachsehen.

„Habt ihr mich vermisst?“, lachte Caleb und drückte seine Kinder an sich, suchte mit den Augen aber seinen Mann und lächelte.

„Nein“, riefen die Zwillinge lachend, aber man merkte, dass sie es doch getan hatten. Sie ließen sich umarmen und Buster begrüßte derweil Tian, der von seinem Vampir gehalten wurde. Es war schön, dass so langsam alle wieder eintrudelten. „Na, wie war die Woche?“, fragte der Parder. Er hatte bisher noch keine Verletzungen oder sonstige Veränderungen an den Kindern feststellen können, aber das hieß nichts.

Die Erstinspektion zeigte weder fehlende Gliedmaßen noch den Verlust eines kompletten Kindes, aber Tian kannte die Bande schon etwas länger und musterte noch einmal eindringlich. Eine Woche ohne Katastrophen – das wäre die erste, seit die Zwillinge da waren.

„Ich weiß was, ich weiß was!“, rief Ranu gleich – wenn das nicht die perfekte Bühne für seine Performance war – wann dann? Und weil er immer noch kein Hemd trug, zeigte er allen den Rücken und konzentrierte sich.

Natürlich hatte er jetzt alle Augen auf sich und als die kleinen Flügelchen erschienen, rissen alle die Augen auf.

„Du hast Flügel“, rief Caleb und musste die weichen Federn einfach berühren. Sie waren noch so klein und weich, ganz anders als Asets.

Der kam auch gleich näher und zog Ranu in eine Umarmung. „Das ist super. Bald können wir zusammen fliegen.“

Stolz wie Oskar nickte Ranu und strahlte über das ganze Gesicht. Er kuschelte sich dicht an Aset, denn in der Vorhalle wurde es ohne Hemd langsam kühl, auch wenn das Adrenalin, dass seinen Körper durchflutete, das dämpfte. „Ich hab was im Schrank gesucht und kam nicht ran und da waren sie plötzlich einfach da!“, plapperte er los und schnurrte, weil Calebs Finger in den weichen Federn sich toll anfühlten.

Der konnte gar nicht damit aufhören, sie durch die Finger gleiten zu lassen, bis Aset ihn daran hinderte. „Du kannst gleich weiter machen Schatz, lass Ranu sich erst mal was anziehen, er friert“, schmunzelte der Vampir und küsste Caleb. Sie waren noch gar nicht dazu gekommen, sich zu begrüßen, darum holte Aset das jetzt nach. „Schön, dass du wieder da bist. Ich habe dich vermisst.“

„Das hoffe ich doch“, grinste Caleb und Buster seufzte.

„Okay. Die Show ist vorbei – hier gibt’s nichts zu sehen, gehen sie weiter.“ Er scheuchte alle in die Küche und lachte, weil Caleb versuchte, ihn zu treten, Aset aber nicht loslassen wollte. Assai und Tian lachten leise und verschwanden mit in der Küche. Dort war der Tisch schon gedeckt und alle setzten sich.

„Das habe ich vermisst.“ Caleb sah sich mit leuchtenden Augen um. Egal wie gut das Hotel auch war, ein besseres Frühstück als hier, hatte er nicht bekommen.

„Lasst es euch schmecken.“ Buster nahm die Platte mit den Steaks entgegen und gab allen etwas auf den Teller. Die Schüsseln mit den Beilagen kreisten ebenso wie das Rührei. Ranu stürzte sich gleich auf die frischen Muffins und Rina krallte sich die aufgeschnittene Wassermelone. Wenn sie Bill wieder sehen wollte, sollte sie auf ihre Figur achten. Sie konnte sich nicht so gehen lassen.

„Schön geschmückt habt ihr“, lobte Caleb. Er hatte das schon in der Vorhalle bemerkt. Die Küche war – wie bei ihm auch – eher schlicht dekoriert. Den Rest würde er sich noch ansehen.

„Danke.“ Buster deutete grinsend eine Verbeugung an und deutete auf Rina. „Das Lob gebührt unserer Prinzessin, die uns Deko-Banausen angeleitet hat.“ Das war noch nicht einmal gelogen, denn ohne Rina hätten sie wohl kein Lob bekommen. Allen fiel ein Stein vom Herzen, dass Caleb zufrieden war. Weihnachten war gerettet.

„Alles andere hätte mich gewundert“, lachte Caleb und strich seiner Prinzessin über die Haare. „Für derlei Fragen bist du eben doch die erste Wahl.“

Ranu knurrte leise, Buster muffelte vor sich hin und Rina strahlte wie eine kleine Sonne und war gleich sieben Zentimeter größer als vor einer Sekunde.

„Leicht war es nicht“, seufzte sie und machte ein theatralisches Gesicht.

„Das glaub ich dir.“ Caleb lachte über die bösen Blicke, die seine Söhne ihm zuwarfen. Es war wie immer und er fühlte sich gleich wieder Zuhause. „Haben sich Cathy und Ryan schon gemeldet, wann sie kommen?“, fragte er in die Runde, denn er selber hatte von seiner Schwester bisher noch nichts gehört, außer dass sie heute kamen.

„Wenn alles läuft, wie es soll, dann wollten sie gegen vier landen. Karl wird sie abholen“, erklärte Ranu, der mit den beiden noch telefoniert hatte, ehe sie die Handys hatten ausmachen müssen, ehe sie in den Flieger stiegen. „Mom meinte, wir sollen uns keine Umstände machen. Also machen wir uns auch keine Umstände, denn auf das Wort einer Mutter muss immer gehört werden.“ Dabei machte Ranu ein wichtiges Gesicht.

„Ja sicher, das sagt ja der Richtige“, stichelte Rina und Aset hielt sich schon mal die Ohren zu, weil es bestimmt gleich laut wurde, aber zu seiner großen Verwunderung blieb der Streit aus. Ranu streckte Rina nur die Zunge raus und widmete sich wieder seinem Essen. Auch Caleb schien das bemerkt zu haben und beide sahen sie ihren Ältesten fragend an. Wie hatte der geschafft, was sie nicht geschafft hatten?

Doch der deutete mit beiden Zeigefingern auf seinen Schatz. „Sein Verdienst, ich war nicht dabei!“, erklärte er, denn seine Väter durften ruhig wissen, dass Rick sich ziemlich ins Zeug gelegt hatte und dass gerade bog, was Buster mit seinem weichen großer-Buder-Herz nicht durchsetzen konnte.

Auf einmal so im Mittelpunkt zu stehen, war Rick etwas peinlich. Besonders dass Aset ihn so aufmerksam beobachtete. „Es sind tolle Kinder, die nur ein paar Schubser in die richtige Richtung brauchten, damit sich ihre Sichtweise ändert und sie zu schätzen lernen, was sie haben.“ Rick wollte nicht weiter ins Detail gehen, das Thema war für ihn abgeschlossen.

Caleb nickte und wirkte zufrieden, vor allem, weil keiner von den Kindern meuterte, mopperte oder gar dementierte. Er musste beobachten, wie sich das entwickelte oder ob es doch nur ein paar Tage anhielt. Eigentlich kannte er seine beiden Rabauken doch viel zu gut.

„Was gibt's eigentlich zum Mittag?“, wollte Ranu wissen. Er war zwar gerade sehr schön satt und voll gefressen, doch er ahnte, dass das nur wenige Stunden vorhalten würde und wenn es dann etwas gab, was er nicht mochte, dann war es besser, jetzt noch Reserven anzulegen, solange Leckerchen auf dem Tisch standen.

„Wenn ihr mir versprecht, euch zu benehmen, dann gibt es Flügelchen. Karl hat Massen davon gekauft.“ Caleb grinste, denn er wusste, dass seine Kinder, inklusive Buster, alles versprachen, nur damit sie ihr Lieblingsessen bekamen. Da hatte auch Ricks Einfluss nichts dran geändert.

„Wir benehmen uns doch immer!“, empörte sich Rina. „Es hat noch nie Tote oder Verletzte“ – sie überlegte kurz – „es hat noch nie Tote geben!“, erklärte sie mit Nachdruck und sah gar nicht ein, dass an ihrer Art des Genusses irgendetwas fragwürdig oder gar veränderungswürdig wäre. Natürlich wurde sie erst lautstark von Ranu unterstützt, doch als das noch nicht zu wirken schien, machte Buster auch noch mit.

„Ist ja gut, ihr bekommt welche“, lachte Aset, der nichts anderes erwartet hatte. „Willkommen Zuhause“, flüsterte er seinem Gatten zu und küsste Caleb. Das Experiment, die Kinder bei Buster zu lassen, hatte anscheinend besser funktioniert als gedacht und das eröffnete ganz neue Möglichkeiten für die Zukunft.

Jetzt hatte sein Katerchen keine Ausreden mehr, wenn Aset ihn einmal allein entführen wollte, wenn er sich mit ihm absetzen wollte, um Caleb einmal wieder ganz für sich allein zu haben und ihn länger genießen zu können, als für ein paar schnelle Nummern. Nichts gegen Sex, aber das drum herum fehlte ihm, wenn der Kater immer unter Strom stand, weil keiner wusste, was die Kurzen schon wieder ausheckten, um sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.

„Geht doch“, triumphierte Buster und zwinkerte seinen Geschwistern zu. Sie hatten mal wieder gewonnen, darum ließen sie Aset und Caleb ein wenig Zeit alleine. Sie hatten sich ja schließlich auch einige Tage nicht gesehen. Da wollten sie mal großzügig sein, schließlich war Weihnachten. Das fest der Liebe.

„So und was treiben wir, bis Tante Cathy kommt?“, wollte Buster wissen. Kochen kam für ihn nicht mehr in Frage. Das hatte er jetzt eine Woche lang gemacht – keine zehn Pferde bekamen ihn noch an den Herd. Ranu wiegelte auch ab und meinte, er müsste Flugübungen machen und Rina hatte plötzlich auch noch so viel zu tun und sie musste mit Sina telefonieren und ihr erzählen, was Ranu für ein Nervzwerg war.

Plötzlich stand er mit Rick alleine in der Halle und sah seinen entschwindenden Geschwistern hinterher. „So wie es aussieht, haben wir jetzt frei“, lachte Rick und zog Buster zu sich. Es war irgendwie komisch, aber er hatte das Gefühl, dass etwas fehlte und dabei hatten sie die Leoparden nur eine Woche gehabt.

„Du darfst sie sicher gern gelegentlich ausborgen. Ich glaube nicht, dass Aset sich dagegen sträuben würde und seinen Leoparden bekommt er schon auf seine Art ruhig gestellt“, lachte Buster und zog mit Rick zurück zu den anderen. Tian und Assai schlenderten durch das Haus und betrachteten die Deko, während Aset und Caleb noch immer in der Küche saßen. Buster fühlte sich jetzt auch etwas überflüssig und wusste nichts mit sich anzufangen.

„Gelegentlich würde ich das wirklich gerne tun. Trotz all der Streitereien und Aufregungen war es schön, mit ihnen die Woche zu verbringen.“ Rick zog Buster in den Wintergarten, der trotz der Kälte draußen, schön warm war und ließ sich auf eine der Liegen fallen. Buster landete auf seinem Schoß und der Tiger seufzte zufrieden. „Lass uns ein wenig entspannen, so lange wir noch die Gelegenheit haben.“ Später, wenn alle da waren, klappte das nicht mehr, wie er von der letzten Weihnachtsfeier wusste.