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Katzenaugen 5 - x-mas

12



„Ich will aber mit Mama abholen!“, sagte Rina, als sie sah, dass der Gärtnerjunge sich bereit machte, um Cathleen und Ryan vom Flughafen zu holen, denn es ging auf sechs Uhr zu. Er sprang oft für Dylan ein, wenn der verhindert war. So wie heute.

„Ich auch!“, krähte Ranu und hatte schon die Jacke in der Hand, während Jasper Hilfe suchend zu Caleb sah. Nicht dass er die jungen Leoparden nicht gern mitnehmen würde. Doch dann wurde es rück zu im Wagen etwas eng.

„Es wird hier geblieben!“, kommandierte der Leopard.

Es nutzte auch nichts, dass Rina und Ranu maulten, Caleb blieb hart. Er war ein wenig aufgeregt, denn er hatte seine Schwester und seinen Schwager schon seit ein paar Monaten nicht mehr gesehen und er freute sich darauf, dass sie wieder etwas Zeit miteinander verbringen konnten. Er war vorhin noch einmal durch die Gästezimmer gegangen, ob auch wirklich alles so war, wie es sein sollte und hatte zufrieden festgestellt, dass er alles so lassen konnte, wie es war.

„Aber Caleb! Das Auto ist groß und wir sind schmal. Also ich, der fette Ranu kann sich ja mal dünne machen und außerdem muss der auch gar nicht mit, aber ich will Mama als erstes sehen.“ Rina ließ nicht locker und Jasper wusste nicht, ob es ratsam war, jetzt einfach zu verschwinden. Er wusste, dass die junge Dame nachtragend war – sehr sogar.

„Lass sie doch, Schatz. Wenn sie nachher keinen Platz haben, sind sie selber schuld.“ Aset sah Caleb bittend an. Er konnte einfach nicht mit ansehen, wie seine Kinder jammerten. Er küsste seinen Mann, um ihn milder zu stimmen und flüsterte ihm ins Ohr, dass man die gewonnene Zeit doch noch gut nutzen konnte.

„Du erkaufst dir allen ernstes Sex mit dem Wohl deiner Kinder?“, fragte Caleb pikiert und sah seinen Gatten aus schmalen Augen an.

Aset hatte schon das Gefühl, gerade bis zum Knie in einem Fettnapf verschwunden zu sein, da wandte sich der Leopard zu den Kindern um.

„Zischt ab, aber kein Gemaule, wenn einer mit der Bahn heim kommen muss. Und jetzt zu dir!“ Er griff sich seinen Vampir und schleifte ihn – für ihn völlig untypisch! – die Treppe hoch. Heute standen die Kinder einmal nicht an erster Stelle. Sie hatten bewiesen, dass sie ihnen nicht gleich vor die Hunde gingen.

„Komm, wir machen uns Punsch, wenn alle sich verziehen“, lachte Rick und zog Buster in die Küche. Wenn Calebs Schwester und Familie ankamen, freuten sie sich bestimmt über etwas Warmes und es gehörte einfach zu Weihnachten dazu. Rick hatte Cathleen noch nicht oft getroffen, aber er mochte sie. Etwas, was nicht viele Frauen schafften. Aber ihr fehlten diese typisch femininen Züge, die aufdringlich machten oder unangenehm albern. Sie und Rina mussten sich gegen die Jungs durchsetzen können und dass Cathleen das letzte Mal den Rülps-Wettbewerb gewonnen hatte, musste man ihr neidlos zugestehen.

„Ja, mit reichlich Rum, mir ist heute so“, lachte Buster und trollte sich mit seinem Liebling in die Küche. Assai und Tian waren wohl auch in ihrem Zimmer versumpft.

Sie waren also die einzigen, die mitbekamen, dass Jasper mit den Gästen durch das Tor fuhr. „Aset, Caleb!“ brüllte Buster durch das Haus. „Der Besuch ist da. Hört auf mit was auch immer und kommt runter.“ Er war zwar nicht sicher, ob er gehört wurde, aber zumindest hatte er es versucht. Mussten er und Rick eben Calebs Schwester begrüßen.

Die erste, die aus dem Wagen sprang, war Rina, die auf ihre Mutter einredete. Ob die Kurze auch mal atmete? Doch Ranu war nicht besser, er schilderte gerade haarklein die aktuellen Ereignisse bezüglich seiner Flugversuche und Ryan ließ sich lachend von seinem Sohn aus dem Wagen ziehen. Gerade musste er versprechen Ranu zu zeigen, wie man richtig flog, als er Buster und Rick in der Tür stehen sah.

„Hallo!“, rief er und winkte. Er mochte Buster wie seinen eigenen Sohn, denn er war Ranu der beste große Bruder, den man nur haben konnte, denn er verwöhnte nicht nur, er zeigte auch Grenzen.

Buster winkte zurück und umarmte Ryan als er bei ihm war.

„Schön dich wieder zu sehen und dich auch Rick“, begrüßte der Vater der Zwillinge sie. „Die Kinder haben erzählt, dass sie die letzte Woche bei dir waren und dass es ihnen gut gefallen hat.“ Er legte einen Arm um seine Frau und ging mit ihr zusammen ins Haus. „Sind Aset und Caleb noch nicht wieder da?“

„Sie sind physisch anwesend, aber... ich glaube...“ fing Buster an zu stammeln und wusste nicht, wie er galant umschreiben sollte, was die wohl noch machten.

„Was aber?“, hörte er dann allerdings Caleb hinter sich und atmete tief durch. Schnell waren sie, das musste man den beiden lassen. Lächelnd kam der Leopard auf seine Schwester zu und zog sie an sich, drückte sie fest, denn er hatte sie vermisst. „Du wirst von mal zu mal schöner!“, flüsterte er und küsste sie sanft auf die Wange, während Ranu krähte, dass Rina ja dann mal nicht nach Mama kommen würde, die würde nie schöner. Nur fetter.

Die erste Reaktion darauf waren eine Kopfnuss von Aset und eine von Ryan, so dass Ranu sich jammernd den Kopf hielt. „Wenn du erst einmal den Kopf einschalten würdest, bevor du redest, wäre das nicht passiert“, lachte Aset und wuschelte seinem Sohn durch die Haare. Cathleen beobachtete die Szene lächelnd und lehnte sich an Caleb. „Schön, dass wir uns endlich mal wieder sehen. Das machen wir viel zu selten. Ich überlege, ob wir nicht hierher ziehen sollten. Ich mag es nicht mehr, wenn so viele tausend Kilometer mich von euch und den Kindern trennen.“

„Ihr habt immer noch die Chance, hier her zu ziehen. Ich bin mir sicher, dass Ryan auch hier einen guten Job finden kann, bei den Connections, die er hat.“ Caleb zwinkerte seiner Schwester zu und führte sie ins Haus, gefolgt von dem kleinen Mob, der sich vor der Tür zur großen Begrüßung eingefunden hatte. Eben kamen Assai und Tian durch die Vorhalle und Buster deutete mit vorwurfsvollem Blick auf die Uhr: ihr seid zu spät!

Tian streckte ihm die Zunge raus und die große Begrüßungsorgie ging wieder von vorne los. So langsam füllte sich das Haus und endlich hatte Buster richtig das Gefühl, dass Weihnachten war. Im Salon war leise Weihnachtsmusik zu hören und Karl hatte den Punsch dorthin gebracht. Es duftete köstlich und der ganze Tross ging schnuppernd der Duftspur nach.

„Setzt euch“, sagte Caleb und beobachtete, wie Rina und Ranu ihren Eltern nicht von der Seite wichen. Auch für die beiden wäre es nicht schlecht, wenn Cathleen und Ryan wirklich umziehen und endlich in Amerika leben würden. Die Wege wären kürzer und Rina kam in das Alter, wo eben nur eine Frau helfen konnte.

„Erzählt, wie ist es euch ergangen?“, wollte Tian wissen, denn er hatte nicht den engen Kontakt wie Caleb und war so eben nicht auf dem neusten Stand.

„Gut ist es uns ergangen. Hongkong ist schön, aber wir müssen ehrlich sagen, dass sie uns auf die Dauer zu hektisch und zu eng ist. Die Stadt kommt nie zur Ruhe.“ Cathleen nickte zu den Worten ihres Mannes zustimmend. Genau das war ihr Problem. Sie konnte in Hongkong einfach nicht abschalten. „New York ist ein verschlafenes Nest dagegen.“ Ryan lachte und man merkte ihm an, dass er das nicht ganz ernst meinte.

„Vielleicht ließe sich ja ein Handel mit deinem Chef machen?“, sagte Tian und sah seinen Liebling an. Ryan war nicht nur in Assais Clan gewechselt, er arbeitete auch für eine der Reedereien, die er mit Aset führte. „Ich glaube, wenn wir ein gutes Wort für dich einlegen, ließe sich da was drehen – wenn ihr es wirklich wollt.“ Auch wenn keiner der drei Leoparden es je laut sagen würde, sie wären froh, wenn Cathleen und Ryan herzögen. Doch sie wollten nicht drängen und da fühlte sich Tian als Katalysator.

Cathleen und Ryan sahen sich kurz an und nickten beide gleichzeitig. „Wenn du beim Boss meines Mannes ein gutes Wort einlegen könntest, wäre das wirklich toll.“ Cathleen lächelte und griff die Hand ihres Mannes. Sie hatten zwar darüber gesprochen, aber bisher war es mehr ein vages Wunschdenken gewesen, das hier nun Form angenommen hatte. Jetzt, wo sie ihre Kinder bei sich hatte, wollte sie nicht mehr von ihnen getrennt sein und ihrem Mann schien es genauso zu gehen.

„Ich kann ja mal versuchen, ihn zu überreden“, sagte Tian mit wichtigem Gesicht und Assai hob eine Braue.

„Na da bin ich ja mal gespannt“, sagte er und machte ein Gesicht, als würde er sich nicht überreden lassen wollen. Doch eigentlich wusste jeder, dass Assai schon deswegen ja sagen würde, weil er dann noch eine Katze mehr im Haus hatte. Dafür tat der Vampir doch alles.

„Mama kommt hier her!“ Rina war gleich ganz aus dem Häuschen und klammerte sich fester an Cathleen. Die anfängliche Sorge, als sie die Jungen abgegeben hatte, war grundlos gewesen. Die Kinder hatten sich von ihren Eltern nicht entfernt. Sie hatten sie mit jedem Jahr mehr in ihr Leben integriert.

„Ich kümmere mich um eine Bleibe für euch. Wenn wir nicht sofort etwas Passendes finden, dürft ihr gerne bei uns wohnen.“ Aset setzte einfach mal Calebs Einverständnis voraus und damit lag er wohl ganz richtig, so wie sein Katerchen strahlte. Und wenn Caleb glücklich war, war er es auch.

„Dann kannst du Mama ja gleich deinen neuen Freund vorstellen!“, stichelte Ranu und bedachte nicht, dass Rina ganz Asets Tochter war und ihn erst aus engen Augen ansah, ehe sie lapidar erklärte, dass ein Leopard, der mit einer jungen Jaguar-Dame liiert war, vielleicht die verfressenen Backen nicht so weit aufreißen sollte. Dann lächelte sie süß und schmiegte sich wieder an Cathleen.

„Ach, ihr seid so schnell groß geworden“, seufzte Kathleen und war ein wenig traurig darüber, dass sie so viel in den letzten Jahren verpasst hatte, aber sie schüttelte das schnell ab, denn es war nicht mehr zu ändern. Viel lieber wollte sie mehr wissen. „Ihr habt schon Freunde?“, fragte sie neugierig. „Erzählt doch mal was.“

„Da gibt’s noch gar nichts zu sagen“, wehrte Rina etwas nervös ab. Sie würde den Teufel tun und das vor all den neugierigen Kerlen ausplaudern! Die verstanden das doch sowieso nicht. Und Ranu ging es nicht besser, denn er beeilte sich, sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren, liiert zu sein. Buster grinste, Rick lachte und der Rest schien ihm auch nicht wirklich zu glauben.

„So, so“, schmunzelte Aset und wuschelte Ranu durch die Haare. Irgendwann kam sein Sohn sowieso zu ihm, um sich Ratschläge zu holen und dann bekam er alle Informationen. So war das bisher immer abgelaufen. Dann konnte er auch Calebs Neugier befriedigen. „So, dann muss ich also nicht damit rechnen, dass sich unsere Telefonrechnung erhöht?“, konnte er es aber nicht lassen, die jungen Leoparden zu ärgern.

„Äh... also.“ Nun schoben sie sich unter dem Kichern der Erwachsenen gegenseitig den Schwarzen Peter zu und erheiterten ungewollt ihr Publikum. Caleb wirkte dabei sehr zufrieden. Endlich hatte er wieder all seine Lieben um sich und wenn seine Schwester auch noch hier her kam, dann war das Leben perfekt.

„Wie wollen wir den Abend gestalten?“, fragte er, weil die beiden Kurzen sich gerade sehr beschämt abwendeten und Caleb fand, dass sie für heute genug gequält worden waren.

„Ich werde früh ins Bett gehen. Die Reise hierher war doch etwas stressig und schließlich will ich morgen früh fit sein, zur Bescherung“, erklärte Cathleen und lächelte in die Runde. „Dann könnt ihr euch einen ungestörten Herrenabend machen. „Kommen Luan und Peter auch noch?“

„Eigentlich hatten sie es versprochen. Tian hat ihnen den Jet geschickt. Sie sollten morgen früh da sein“, sagte Buster nachdenklich, denn es war unüblich, dass er von seinem Freund noch nichts gehört hatte. „Wir werden sehen. Aber du musst dich nicht absetzen, nur weil du kein Mann bist“, lachte er und wollte Cathleen deutlich machen, dass sie nicht störte. Ganz im Gegenteil. Außerdem war sie ja Kummer gewohnt und wusste, wie die Männer tickten.

„Das weiß ich, Buster, aber ich bin wirklich müde.“ Sie sah zu Rina rüber und die lächelte nickend. Sie würde mit ihrer Mutter gehen, dann konnten sie sich mal wieder ungestört unterhalten. Dazu hatten sie bisher viel zu wenig Gelegenheit, aber wenn sie hier her zogen, wurde das bestimmt anders. Sie erhob sich und küsste ihren Mann. „Bis Morgen“, verabschiedete sie sich in die Runde.

Rina huschte mit ihr die Treppe nach oben und der Rest sah ihnen nach. Doch auch wenn der Abend noch nicht alt war, löste sich die Herren-Runde auch ziemlich schnell auf. Einem Teil steckte die Reise noch in den Knochen und die anderen wollten so früh wie nur möglich die Bescherung erleben. Buster und Rick blieben ebenfalls, der Bequemlichkeit halber. Und so herrschte Stille im Haus, noch ehe die alte Standuhr im Salon zehn schlug.



13



Schon lange vor Sonnenaufgang trappelten nackte Füße leise die Treppe runter und man hörte leises Geflüster. Wie jedes Jahr waren die Kinder die ersten, die wach waren und sich zum Baum schlichen. Alle drei wohl bemerkt, denn zur Bescherung war der Bengale wieder Kind und konnte es kaum erwarten zu sehen, was alles hübsch verpackt unter dem Baum lag.

Und wie jedes Jahr wurden die Gesichter lang und länger, weil ihr wissender Leoparden-Papa alles, was unter den Baum gelegt worden war, wieder weggeschleppt hatte und dafür eine Kamera mit Bewegungsmelder installierte. In seinem Versteck – sein Bett, in dem Aset noch friedlich schlummerte – grinste er frech vor sich hin. Die Kinder lernten aber auch nicht daraus. Jedes Jahr hofften sie aufs Neue auf das Gute im Leoparden und zogen mit hängenden Ohren von Baum zu Baum, nur um jedes Mal das gleiche Bild zu finden: Nichts.

„Och Menno“, brummte Ranu, der wie jedes Jahr gehofft hatte, früh genug zu sein. „Paps“, jammerte Rina in die Kamera und hoffte, dass ihr Vater sich erweichen ließ, die Geschenke rauszurücken. Aber aus Erfahrung wusste sie, dass das erst etwas wurde, wenn alle im Haus wach waren und es gab die Regel, dass niemand geweckt werden durfte.

Es war zum Verzweifeln, denn einmal mehr bewahrheitete sich das Sprichwort, dass die Neugier noch einmal der Katze Tod wäre. Und hier stand gleich das Leben von drei kleinen Katzen auf dem Spiel. Buster, ebenfalls etwas angebrannt, sah in die Kamera und wiegte nachdenklich den Kopf. Es durfte vielleicht keiner geweckt werden, aber wenn zufällig jemand wach wurde, weil eine kleine Katze in der Vorhalle erbärmlich jammerte, konnte er doch nichts dafür!

Gesagt – getan. Und eine Minute später lag der kleine, pelzige Bengale auf dem Marmor und maunzte jämmerlich, beklagte sein Leid und rollte sich zusammen. Erbärmlich.

Rina und Ranu hatten schnell verstanden und gesellten sich jammernd zu ihm. Von dem Krach, den sie machten, wurde Aset wach und drehte sich gähnend zu Caleb. „Morgen Schatz“, begrüßte er seinen Mann und küsste ihn auf die Schulter. Dabei warf er einen Blick auf den Bildschirm und grinste. „Sie werden immer erfinderischer.“

„Und ich bin froh darüber, dass sie keinen Schimmer haben, dass die Gästezimmer alle schallisoliert sind“, freute sich Caleb wie ein kleines Kind und beobachtete mit Begeisterung weiter seine Sprösslinge. Eines konnte man ihnen ja nicht nachsagen: dass sie schnell aufgaben. Zufrieden zog er seinen Mann dicht an sich zu einem kurzen Kuss, seine Augen aber klebten an den erbärmlich wimmernden Katzen.

Sie hatten sich zusammengerollt und gaben auch ein Bild des Jammers ab. Wenn sie auch niemand hören konnte, so klopfte der Anblick doch Aset weich. „Willst du sie noch lange zappeln lassen?“, fragte er darum und fing Calebs Lippen immer wieder zu sanften Küssen ein.

„Du bist so ein Weichspül-Vampir, das ist kaum zu glauben“, stichelte Caleb, beobachtete aber mit Interesse, dass Cathleen im Morgenmantel in die Vorhalle kam. Die Instinkte einer Mutter spürten eben, wann ihre Kinder sie brauchten. Und wenn es nur dafür war, sie etwas zu streicheln und dafür zu sorgen, dass endlich Geschenke rausgerückt wurden. Und auch Buster klagte sein Leid, besonders laut und jämmerlich.

Darum nahm Cathleen ihn auf den Arm und beschmuste ihn. Sie liebte Buster wie einen eigenen Sohn und betüddelte ihn genauso gerne wie ihre eigenen Kinder. „Nicht so jammern, ihr Süßen, ihr bekommt doch eure Geschenke“, lachte sie; weil sie oben die Schlafzimmertür hörte.

Doch davon schien keines der Kinder überzeugt, denn sie drängten sich dichter an Cathleen und maunzten noch etwas kläglicher.

„Guten Morgen“, wünschte Caleb, als er auf dem Treppenabsatz dem Treiben zusah und man konnte nicht sagen, dass er nicht amüsiert wirkte. Sonst wollten seine drei immer große Katzen von Welt sein, aber in Augenblicken wie diesen waren sie Welpen.

Mit einem großen Satz sprang Buster Caleb an und kletterte bis auf dessen Schulter. Maunzend rieb er seinen Kopf an der Wange seines Vaters und legte ihm die Vorderpfoten um den Hals. Er wusste ganz genau, wie er den Leoparden weich klopfen konnte. Cathleen sah ihm grinsend dabei zu und beschmuste Rina und Ranu, die aufmerksam Caleb beobachteten, ob der ihnen zeigte, wo die Geschenke versteckt waren.

„Was denn los, Buster, so hungrig? Hast ja die ganze Nacht nichts bekommen. Na los, machen wir dir eine Dose auf“, lachte Caleb. Nein, so leicht wollte er es ihnen nicht machen. Noch waren nicht alle wach und daran hielt er sich. Es sollte später keiner von ihm sagen können, er wäre seinen Prinzipien untreu geworden. Das sähe Aset ähnlich aber doch nicht ihm.

Er wollte in die Küche gehen, aber er kam nicht richtig vorwärts, weil zwei Leoparden an seinen Beinen hingen und sich festklammerten. „Ich mach dann mal Frühstück“, lachte Cathleen. Kaffeeduft schaffte es fast immer, die Erwachsenen in die Küche zu locken.

Etwas irritiert sah Caleb an sich herab und auf die großen Pfoten, die ihn umschlungen hatten. Noch waren die Krallen drinnen, doch er wusste nur zu gut, wenn er es auf die Spitze trieb, änderte sich das ganz schnell, auch wenn die Kids dann auf ihre Geschenke verzichten mussten. Doch das war es ihnen meistens wert.

Und als ihm dann noch ein Nebelparder in den Rücken fiel und ihn zu Fall brachte, wusste Caleb, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte.

Lachend wehrte er die vier Katzen ab, die versuchten, ihm durch das Gesicht zu schlecken und es auch ziemlich oft schafften. Ihm blieb eigentlich nichts weiter übrig, als sich auch zu wandeln, so konnte er sich besser wehren. Aset und Assai beobachteten sie dabei ziemlich amüsiert und als sich auch noch ein weißer Parder in das Knäuel drängte, wussten sie, dass alle Weihnachtsgäste endlich eingetroffen waren.

„Hallo.“ Peter stand etwas verloren in der Eingangshalle, die Kleider seines Schatzes in der Hand und sah sich suchend um. Aber außer den verrückten Plüschkugeln war nicht viel zu sehen. Doch dann kam Rick die Treppe runter, strich sich Haare aus den müden Augen und gähnte verhalten.

„Na, wenigstens ein halbwegs Normaler“, begrüßte ihn Peter und hoffte, dass der kleine Tiger sich nicht auch noch in den Flauschwust mit einbrachte.

„Morgen“, grüßte Rick und stieg einfach über das Katzenknäuel, fischte sich dabei zielstrebig Buster heraus und kraulte ihn. „Na, hat Caleb die Geschenke wieder versteckt?“, fragte er seinen Freund grinsend und küsste ihn auf die Stirn. Er ging zu Peter rüber und begrüßte seinen Bandkollegen.

Buster fauchte aufgebracht, doch er wagte es nicht, Rick zu beißen oder zu kratzen, schließlich war der nicht die Wurzel seines Unmutes, sondern nur der, der darinnen herum stocherte. Das war ja eigentlich nicht ganz das gleiche.

„Kaffee!“, fragte Cathleen aus der Küche und schwenkte einen großen Pott. Peter war der erste, der nickte. So konnte er die junge Frau gleich begrüßen, wenn er schon mal da war und Rick folgte langsamer, denn er wollte ein bisschen genießen, wie Buster panisch miterleben musste, dass er sich von Caleb entfernte und vielleicht nicht dabei war, wenn der aufgab und das Versteck preisgab!

Buster wand sich in den Armen seines Freundes, machte sich frei und kletterte Rick auf die Schulter. „Na los“, lachte Rick und klappste Buster auf den Hintern. Mit seinem Freund war jetzt eh nichts anzufangen. Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da sprang der Bengale auch schon los und warf sich wieder ins Getümmel.

„Sie sind eben doch alle gleich, die mit den Tupfen und den Flecken“, lachte Peter und revidierte gleich, dass anwesende Damen freilich ausgenommen wären, als Cathleen sich mit einem dezenten Hinweis räusperte. Doch sie konnten sich auch nicht von dem Tumult abwenden und so machten sie 'coffee to go' in der Tür zur Küche und jeder, der neu kam – so wie eben Ryan – bekam eine Tasse schwarzes Lebenselixier gereicht.

Er küsste seine Frau und legte einen Arm um sie. „Caleb hält heute aber lang durch. Letztes Jahr haben sie es schneller geschafft, an die Geschenke zu kommen“, lachte er amüsiert. Die ersten Jahre hatte es ihn etwas irritiert, wie der Weihnachtsmorgen bei seinem Schwager ablief. Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt und fand es immer wieder spannend, was die Kleinen sich einfallen ließen.

„Ich glaube, letztes Jahr hatte er noch Mitleid mit ihnen, weil sie so jung waren, aber jetzt, wo sie schon Flügel kriegen und sich nach dem anderen Geschlecht umsehen, da dürfen sie ruhig länger darben“, lachte Cathleen und hatte nur ein ganz kleines bisschen Mitleid. Sie wusste, dass solche Raufereien immer ein Happy End hatten und so ging sie unbesorgt in die Küche zurück, wo zwei Dienstmädchen schon das Frühstück herrichteten. Eilig ging sie ihnen zur Hand.

Wenn die Katzen genug gerauft hatten, hatten sie immer Hunger. Das kannten alle im Haus schon, darum gab es immer reichlich und heute zu Weihnachten gab es nur Lieblingsgerichte. Sie war gerade dabei nach den Flügelchen zu gucken, als sie die Kinder laut lachen hörte. Anscheinend hatte Caleb aufgegeben und das Geschenkeversteck preisgegeben.

Wissend ging Rick in die Vorhalle und fand, was er geahnt hatte. Der große Leopard lag platt auf dem Boden, alle fünfe von sich gestreckt. Er hechelte und war völlig aus der Puste, doch Aset kam zu ihm und strich ihm liebevoll durch das Fell. Sein Schatz hatte lange durchgehalten.

Er hob Caleb hoch und trug ihn in die Küche. Dort lag ein Bademantel für ihn und eine heiße Tasse Kaffee wartete auf den Leoparden. Aus dem Salon hörte man die Kinder jubeln und jauchzen. Anscheinend fanden die Geschenke ihre Zustimmung.

Sie hatten es aufgegeben, dabei zu sein, wenn die Kinder auspackten, denn die Kurzen kamen sowieso mit jedem einzelnen Teil und präsentierten es ausführlich. Sie mussten also nur hier sitzen und warten.

„Wenn ich die Plage erwische, die mich ins Ohr gebissen hat, der werd ich das Fell gerben“, knurrte Caleb und rieb sich über das rechte Ohr. Es waren noch ganz leicht ein paar Zahnabdrücke zu sehen.

„Das war bestimmt keine Absicht, Schatz. So etwas tun unsere Kleinen doch nicht“, lachte Aset und küsste Caleb auf das Ohr. Er hatte zwar gesehen, wer es gewesen war, aber das würde er seinem Schatz nicht verraten. Viel lieber sah er Rina und Ranu entgegen, die in die Küche gestürmt kamen und ihnen um den Hals fielen. „Danke“, riefen sie aufgeregt und hielten ihre Geschenke hoch, damit jeder sie sehen konnte.

Rina hatte schon seit Monaten ein Auge auf die Platin-Edition ihres Lieblingsschmuckdesigners geworfen und war einem Herztod nahe gewesen, als die eines Tages aus dem Schaufenster verschwunden war. Doch nun wusste sie ganz genau, wohin sie verschwunden war. Sie hatte Kette und Ring schon angelegt und schwenkte die Ohrringe in der Hand. Ranu hingegen hatte die neueste Generation der Spielekonsole fest in der Hand und flatterte aufgebracht mit den Flügelchen, die Peter und Luan ja auch noch nicht gesehen hatten.

„Eine Flatterkatze“, staunte der Wolf und Luan sprang gleich auf, damit er die weichen Federn berühren konnte. Die beiden wurden wirklich erwachsen und irgendwie fand er das ein wenig schade. Die kleinen Leoparden waren so niedlich gewesen und auch wenn sie viel angestellt hatten und einiges zu Bruch gegangen war, hatten sie alle zusammen eine schöne Zeit gehabt. Er seufzte leise und Buster, der gerade mit Rick in die Küche kam, sah ihn fragend an.

„Was ist los?“, wollte er wissen und umarmte seinen besten Freund zur Begrüßung. Dazu waren sie noch gar nicht gekommen.

„Sie werden erwachsen“, erklärte Luan schief lächelnd und in den Gesichtern der anderen konnte er sehen, dass sie ähnliche Gedanken wie er hatten. Sie sahen alle ein wenig melancholisch aus, nur Cathleen und Ryan nicht, die leise kicherten.

„Das ist doch gut so, dann können sie euch helfen, ihre Geschwister zu bändigen, die nächstes Weihnachten bestimmt für Trubel sorgen werden“, ließ die Leopardin die Bombe platzen, die sie sich für solch einen Moment aufgehoben hatte.

Sie lehnte sich an ihren Ehemann, der einen Arm um sie legte und ihr sanft über den Bauch streichelte. Noch war nichts von der Schwangerschaft zu sehen, aber lange würde es nicht mehr dauern.

„Ist das wahr?“ Caleb wusste nicht, was er sagen sollte, doch dann strahlte er und zog seine kichernde Schwester in seine Arme. Denn dieses Mal konnte Cathleen ihre Kinder bei sich behalten, musste sich nicht von ihnen trennen. Es würde die schönste Zeit für sie werden, die sie sich nur vorstellen konnte.

Glückwünsche kamen von allen Seiten und Rina und Ranu, bei denen sie Sorge gehabt hätte, sie kämen sich an den Rand geschoben vor, standen mit stolz geschwellter Brust und gaben an, sie würden große Schwester und großer Bruder werden.

Aset hatte Karl ein Zeichen gegeben, dass er eine Flasche Champagner öffnen sollte. Auf so eine gute Nachricht musste man einfach anstoßen. Rina, Ranu und die werdende Mutter bekamen ihren mit Orangensaft vermischt. „Auf unsere stetig wachsende Familie“, brachte Aset einen Toast aus und alle stießen miteinander an. Was konnte es schöneres zu Weihnachten geben, als all die, die man liebte, um sich zu haben? Der Vampirlord musste bei dem Gedanken lächeln, denn vor noch gar nicht so langer Zeit wäre das undenkbar gewesen. Doch seine Katzen hatten einen anderen aus ihm gemacht und er war froh darüber, denn er hatte gelernt, dass die Liebe wertvoller war als Geld und Macht. Darum zog er Caleb zu sich und küsste ihn sanft. „Danke“, murmelte er in den Kuss und war sich sicher, dass sein Mann es verstehen würde.





Ende