Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Raphaels Schatten > Raphaels Schatten - Teil 17 bis 20

Raphaels Schatten - Teil 17 bis 20

17

Immer wieder strichen Markus’ Finger durch das kurze, blonde Haar und als ihre Lippen langsam brannten von der ungewohnten Beanspruchung, lagen sie still und genossen einfach nur die Nähe des anderen. Markus konnte es noch gar nicht fassen, dass er Daniel küssen durfte. Zwar war immer noch nicht klar, was nun aus ihnen werden würde, aber das konnte er verstehen. Sein Freund hatte heute viel zu verdauen bekommen und das Grundweg keine leichte Kost.

„Schläfst du heute hier? Bei dir oben ist doch alles verwüstet“, fragte Markus und sah Daniel lächelnd an.

„Werd ich wohl müssen, hm? Wenn oben so ein Chaos ist?“ Daniel grinste, weil Markus so subtil fragte, kein bisschen zu durchschauen oder so. Doch ihm ging es nicht anders. Der Gedanke, nach oben zu gehen und in das einsame Bett zu steigen, mal davon abgesehen, dass er das erst mal reinigen wollte nach Steffan, war nicht verlockend. Das hier war doch viel schöner, die Nähe, die Berührungen.

„Gut.“ Markus strahlte und küsste Daniel auf die Nasenspitze. Erst als er die Frage gestellt hatte, war ihm siedend heiß eingefallen, dass Daniel das vielleicht falsch verstehen konnte, aber zum Glück war das ja nicht passiert. „Und um auf deine Frage von vorhin zurück zukommen, du musst nicht in einem Stuhl im Wohnzimmer schlafen. Ich habe ein bequemes, großes Bett.“

„Oh guck mal an“, grinste Daniel und stemmte sich auf die Ellenbogen, um besser auf Markus hinabsehen zu können. „Du hast sogar ein Bett. Wird das auch nicht benutzt? Erzähl mir nicht, du hast dir sogar den Luxus eines ganzen Schlafzimmers geleistet.“ Er konnte es nicht lassen, Markus zu ärgern, denn er hatte nicht sehr oft die Chance dazu.

„Aber natürlich habe ich ein komplettes Schlafzimmer und ich benutze es regelmäßig“, empörte sich Markus gespielt und machte ein beleidigtes Gesicht. Das konnte er aber nicht lange aufrechterhalten, denn er musste kichern. „Wenn ich nicht bei dir oder im Arbeitszimmer einschlafe.“

„Also, so gut wie nie, das ärmste hat’s echt nicht leicht.“ Ja, da konnte Daniel schon Mitleid bekommen. „Ich sollte vielleicht dafür sorgen, dass du es wieder regelmäßiger aufsuchst, damit es ein glückliches Zimmer wird.“ Wie blöd war er denn? Doch das Albern machte Spaß, er brauchte das ab und zu als Ausgleich und für einen verrückten Tag wie heute sowieso.

„Tja, da gibt es nur eins, was mich unter Garantie dorthin lockt. Da muss schon eine ganz bestimmte Deckenfüllung vorhanden sein.“ Grinsend schlug Markus mit der Hand auf Daniels gut verpackten Hintern und lachte. „Gut, wenn du hier bleibst, dann lass mich mal aufstehen und das Bett neu beziehen.“

„Ich bezieh das Bett doch auch nicht neu, wenn du mal mit oben schläfst“, murmelte Daniel, denn er hatte keine Lust, sich jetzt zu erheben. Er lag gerade so bequem und wollte das eigentlich nicht aufgeben.

„Okay, ist ja kaum benutzt“, gab Markus sich geschlagen und wenn er ehrlich war, hatte er auch gar keine Lust, jetzt aufzustehen. Er beobachtete Daniel, der immer noch, auf seine Ellenbogen gestützt, über ihm schwebte. Vorsichtig strich er mit einem Finger über die geschwollenen Lippen. „Ich hab dich ganz schön strapaziert.“

„Das machst du öfter, du bist mein Trainer, schon vergessen?“, lachte Daniel und schnappte sich den frechen Finger, der ihn da einfach so anfasste, mit den Lippen. Dabei sah er Markus unschuldig an. Er wusste nicht warum, aber er war aufgeregt, dabei hatten sie schon so oft das Bett geteilt, er sich an Markus gekuschelt und dabei waren sie oft leicht bekleidet bis nackt gewesen. Aber heute fühlte sich alles etwas anders an.

„Ja, aber nie deine Lippen. Alles andere werde ich weiter strapazieren.“ Lachend zog Markus Daniel mit seinem Finger näher und versuchte seinen Finger frei zu bekommen, damit er seinen Freund küssen konnte. Er musste schließlich einen kleinen Trick anwenden, damit es klappte und er entschuldigte sich auch gleich mit einem sanften Kuss.

Daniel grummelte noch ein bisschen, denn es war nicht ganz fair gewesen in die Seite gekniffen worden zu sein. Doch er war großmütig und verzieh schnell, denn Markus verstand es, ihn trunken zu machen, allein mit seinen Lippen und seiner vorwitzigen Zunge.

Nur aus dem Augenwinkel bemerkten sie, dass der Film im Fernsehen seinen Abspann präsentierte. Für sie war die Zeit stehen geblieben.

„Gucken wir ihn uns ein andermal an. Er läuft ja nicht weg.“ Markus sah durch das Wohnzimmer und entschied sich dafür, dass alles ruhig bis morgen stehen bleiben konnte und machte nur den Fernseher aus. „Komm, siedeln wir um. So bequem diese Couch auch ist, das Bett ist bequemer.“ Vorsichtig setzte er sich auf und weil Daniel gerade so schön verpackt war, hob er ihn sich auf die Schulter und nahm ihn so mit ins Schlafzimmer.

„Hey, hey!“ Das unfreiwillige Paket strampelte und zappelte, doch Daniel konnte nicht viel ausrichten. Auch wenn Markus kleiner war als er selbst, so hatte er doch einiges mehr an Kraft. Es brachte nichts, sich gegen ihn zu wehren. Und noch ehe er einen weiteren Versuch starten konnte, fand er sich auf einer großen Matratze wieder, um einiges breiter als seine eigene. „Wozu braucht ein Workaholic denn solch ein großes Bett?“

„Ich habe nun mal gerne viel Platz“, lachte Markus und wickelte Daniel aus seiner Decke. Die brauchte er hier nicht mehr. Er ließ sich neben seinen Freund fallen und guckte ihn an. Er musste einfach lächeln, weil einer seiner Träume gerade wahr wurde. Daniel lag in seinem Bett. „Und, was sagst du zu meinem komplett eingerichteten Schlafzimmer?“

„Dass du es öfter benutzen solltest, wenn du es schon einmal hast.“ Daniel sah sich um und musste zugeben, dass Markus mit viel Liebe gearbeitet hatte. Eine Wand hatte er komplett vorgezogen. Er hatte bestimmt zwei Meter abgetrennt und mit einer unscheinbaren Tür versehen. Dahinter lagerte er sicherlich alles, was man nicht sehen sollte wie Klamotten und anderen Kram. Dadurch wirkte das Zimmer an sich sehr aufgeräumt. Zwei große Palmen, das große Bett, ein Poster von... „Hey, das bin ja ich!“, lachte Daniel und wandte sich weiter um. Es war ein Schnappschuss nach der Show, er trug noch das Kostüm aber weder die Flügel noch die Perücke. Man hatte ihn von hinten getroffen und weil das Kostüm rückenfrei war, sah man die tätowierten Flügel sehr deutlich. Der implantierte Diamant kurz über dem Steißbein schien nachbearbeitet zu sein, denn er funkelte geradezu.

„Das Bild von dir mag ich sehr. Das Tattoo müsste nicht sein, aber der Stein ist klasse. Ich mag es, darüber zu streichen. Du hast bestimmt immer gedacht, dass es Zufall war, aber meist war es das nicht.“ Wenn Markus schon einmal dabei war, Daniel alles zu erzählen, dann durfte er das auch ruhig wissen.

„Echt? Ich dachte immer, das gehört zur Massage, aber so haben sich die vielen Euros wenigstens rentiert, hm?“ Der Diamant war nicht billig gewesen. Er war perfekt geschliffen und lupenrein, dazu reinweiß. Erst hatte er einen Rubin haben wollen, doch er fand einen klassischen Diamanten doch schöner. Diamonds waren eben nicht nur the Girls best friend.

„Und? Willst du?“, fragte er und wusste nicht warum.

„Was für eine Frage. Würdest du es ablehnen, dich massieren zu lassen? Da könnte man doch das Angenehme mit dem Angenehmen verbinden.“ Bei Massagen sagte Daniel nie nein, denn er brauchte sie einfach, denn durch die schweren Flügel war er ständig verspannt. Übermütig küsste Markus seinen Freund und lief ins Bad. Dort hatte er alles, was er brauchte.

„Wie es scheint kennst du meine Antwort schon“, lachte Daniel leise und sah sich noch etwas in dem Zimmer um. Wie das Wohnzimmer auch sah es aus wie aus einem Katalog, spartanisch aber edel. Er holte einmal tief Luft und rollte sich auf dem Bett ein bisschen hin und her, grub – ohne zu wissen warum – seine Nase tief ins Kissen. Markus war alles, was er brauchte, sein Kopf wurde leer, ganz leer.

So fand Markus ihn und hielt inne. Daniel sah so zufrieden aus. So hatte er ihn schon lange nicht mehr gesehen, die letzte Zeit. Leise kam er näher und setzte sich neben den Sänger. „Du musst dich schon ausziehen, wenn du massiert werden willst“, neckte er Daniel gutmütig und strich ihm durch die Haare. Er selber hatte nur noch seine Shorts an. So war es einfach bequemer.

„Alles muss man hier selber machen“, lachte Daniel und schälte sich umständlich aus seinen Klamotten. Dabei wand er sich auf dem Bett wie ein Aal, weil er zu faul war, sich zu erheben. Die Klamotten flogen rechts und links vom Bett, da wo es Daniel gerade passte. Schließlich musste auch der Raum ein bisschen wohnlich gestaltet werden. Bei der Unterhose stockte er kurz, doch Markus kannte ihn nackt, das war kein Geheimnis. Also flog die auch noch von der Bettkante.

Markus hatte ihn dabei beobachtet und sich dazu beglückwünscht, dass er noch eine Shorts anhatte. Zwar verbarg sie nicht ganz, dass er von Daniel ziemlich angetan war, aber doch wenigstens ein wenig. Nachher, wenn er auf Daniel saß und ihn massierte, ging das wohl nicht mehr. Allerdings wusste sein Freund jetzt, wie es um ihn stand und erschreckte sich nicht darüber.

Eher beäugte der ihn neugierig, denn Daniel lag quer auf dem Bett, hatte sich auf den Bauch gedrehte und blickte Markus nun genau in den Schritt. Das war nicht einmal Absicht gewesen, aber nun konnte er es nicht ignorieren. Nachdenklich sah er zu Markus auf. „War das immer so, wenn ich nackt herum gelegen habe? Tut mir leid, ich sollte mir das klemmen, oder?“ Er wirkte reumütig und ein schlechtes Gewissen kam in ihm hoch.

„Nein, das sollst du nicht. Das ist etwas, was ich immer an dir bewundert habe. Du bist so unbefangen und natürlich.“ Markus legte sich neben Daniel und strich ganz leicht über den Stein. „Bisher hatte ich mich ziemlich gut unter Kontrolle, denn du solltest ja nichts merken. Nur geht das heute nicht, nicht nach dem, was wir gerade gemacht haben. Du machst mich unwahrscheinlich an und das lässt sich nun mal nicht mehr verbergen. Ich liebe dich eben.“ Verlegen zuckte Markus mit den Schultern und grinste schief. Schnell beugte er sich vor und küsste Daniel, um seine Verlegenheit zu überspielen. So spürt er das Grinsen an seinen Lippen.

Es war schwer für Daniel, mit der Situation umzugehen. Sicher, er mochte Markus – mehr als sein eigenes Leben – doch liebte er ihn so bedingungslos wie Markus es tat? Er konnte es noch nicht sagen. Es sollte sich entwickeln. So erwiderte er nur den Kuss und ließ sich langsam auf den Rücken drehen.

Das war zwar nicht das, was sie ursprünglich vorgehabt hatten, aber was sollte Markus machen? Endlich hatte er das, was er sich seit Jahren wünschte. Daniel nackt in seinem Bett und er durfte ihn berühren. Er versuchte sich ja zurückzuhalten, aber seine Finger streichelten über den geliebten Körper. „Wow“, murmelte Markus schwer atmend. Er hatte den Kuss gelöst, weil es langsam gefährlich wurde. Noch hatte er seine Lust im Zaum, aber er wusste nicht, wie lange das noch gut ging, wenn sie weiter so machten. „Leg dich wieder auf den Bauch, dann massiere ich dich.“

Man sah deutlich, wie hin und her gerissen Daniel war. Er fixierte Markus und war versucht ihn zu necken, doch dann nickte er. Er wollte seinen Freund schließlich nicht quälen. „Sorry“, murmelte er, als er sein Gesicht tief in die Decke drückte. Er wusste selbst nicht, was er wollte. Er wusste nur, dass er jetzt bestimmt nicht hatte aufhören wollen, doch ob er bereit war, Markus das zu geben, was dessen Körper brauchte, vermochte er nicht zu sagen.

„Schon okay, Süßer.“ Markus küsste Daniel in den Nacken und wollte sich gerade auf Daniel setzen, als ihm der Stein wieder ins Auge fiel. Schließlich hatte er die Erlaubnis ihn zu berühren. Darum setzte er sich so, dass er den Stein gut sehen und berühren konnte. Ganz zart strich er darüber und seufzte leise, ohne es zu merken. Aber die Finger waren ihm nicht genug, darum beugte er sich vor und küsste ihn.

Daniel holte tief Luft. Er konnte nicht beschreiben wie sich das auf seiner Haut anfühlte. Wie tausende kleiner Füße, wie Stiche und Liebkosungen gleichzeitig. Es stieg ihm bis in den Kopf und er konnte nicht verhindern, dass sich sein Rücken bog wie der einer Katze.

„Du machst mich verrückt und ich weiß nicht warum“, murmelte er in die Decke und presste die Augen zusammen.

Nun war es an Markus, sich zu entschuldigen. Was er gemacht hatte, war einfach fies und gerade jetzt, wo Daniel so durcheinander war, sollte er das nicht ausnutzen. „Jetzt wirst du massiert, versprochen“, wisperte er seinem Freund ins Ohr und setzte sich in Position. Er ließ das angewärmte Öl auf die helle Haut tropfen und begann die Muskeln zu lockern. Daniel wand sich auch diesen Bewegungen entgegen, doch es war nicht wie sonst. Seine Muskeln entspannten sich zwar unter den wissenden Händen, doch die Zufriedenheit, die sich eigentlich immer einstellte, blieb aus. Markus sollte das von vorher wieder machen, doch das sagte Daniel lieber nicht. Er wusste, dass sein Freund schon lichterloh brannte. Er konnte es spüren. Und so lange er nicht Markus geben konnte, was der begehrte, so lange sollte sich Daniel zurückhalten.

Markus ließ sich Zeit und ging nach einer Weile dazu über Daniel nur noch zu streicheln. Er fuhr die Linien der Flügel nach, bis hinunter zum Stein und wieder hoch. „Fertig“, sagte er schließlich und küsste Daniel wieder in den Nacken. Er legte sich aber nicht gleich wieder hin, sondern ging ins Wohnzimmer und holte ihre Weingläser. Es war noch zu früh, um zu schlafen, da konnten sie es sich im Bett bequem machen und noch etwas trinken.

Als er wieder kam lag Daniel auf dem Rücken. Ein Bein angewinkelt, das andere lag auf dem Laken. Ein Arm klemmte stützend unter dem Kopf, damit der Sänger sah, was um ihn herum passierte, die andere Hand lag lässig auf seinem Bauch. Er wirkte wie hingegossen und so stutzte er, als Markus in der Tür stehen blieb und nicht näher kam. „Was?“, wollte er wissen und richtete sich ein wenig auf.

„Nichts, ich genieße nur einfach deinen Anblick.“ Jetzt kam Markus näher und stellte die Gläser ab. „Du hast keine Ahnung, wie anziehend du bist. Du bist Erotik pur für mich, besonders, wenn du so wie gerade auf meinem Bett liegst. Raphael ist zwar umschwärmt und die Fans schwärmen von seinem Aussehen, aber er ist kalt und künstlich. Du dagegen bist warm und sehr natürlich. Das ist um vieles erotischer als dieser Erzengel.“

Daniel lief rot an, er hätte nicht mit solch einem Geständnis gerechnet und so tat er Markus den Gefallen und ließ sich wieder fallen, arrangierte sich noch einmal nur für ihn. „Hör auf dich zurück zu halten. Fass mich an, wenn du das möchtest. Küss mich, wenn du das möchtest und hör nicht wieder mittendrinnen auf“, flüsterte er dunkel und schloss die Augen. Er spürte die Flammen des Feuers, mit dem er spielte, auf seiner Haut brennen – er wollte dieses Feuer, brauchte es. Wie Phönix wollte er aus Raphaels Asche auferstehen.

Markus sah ihn sprachlos an und sein Herz klopfte wie wild. Er setzte an, etwas zu sagen, aber er schloss den Mund wieder, ohne dass ein Ton herauskam. Daniel war so verlockend und er wollte sich auch nicht mehr zurückhalten. Eilig zog er seine Shorts aus und streckte sich neben seinem Freund aus. Seine Finger zitterten, als er Daniel vorsichtig berührte.

„Sag einfach Stopp, wenn du aufhören willst“, murmelte er belegt. Daniel sollte wissen, dass er ihn nie zu etwas zwingen würde. Aber dann tat er endlich das, worum sein Freund ihn gebeten hatte und küsste Daniel.

Der schlang seine Arme hastig um seinen Freund und zog Markus dichter. Er war der einzige, der ihm das Gefühl von Geborgenheit geben konnte. So war es schon immer gewesen. Egal wie eklig Steffan war, ein Blick von Markus machte es erträglich und langsam schien Daniel zu begreifen warum.

„Mein Engel ohne Flügel“, flüsterte er gegen die ihn liebkosenden Lippen.

Markus lief ein Schauer den Rücken runter und er zog Daniel fest an sich. „Ich werde dich nie alleine lassen und dich beschützen.“ Er ließ kurz von den weichen Lippen ab und sah auf Daniel runter. Er war einfach nur glücklich. Langsam beugte er sich wieder vor und eroberte seinen Freund erneut. Er wollte nur noch fühlen und genießen und Daniel all das geben, was er sich wünschte.

Seine Lippen und Finger strichen wie Seide über Daniel und machten ihn ganz verrückt. Er wollte mehr, viel mehr. „Fass mich fester an“, forderte er, ohne zu wissen warum. Doch es reichte ihm nicht mehr, wie Markus ihn berührte. Er konnte spüren, dass noch Luft zwischen ihnen war – die musste wg. Die hatte da nichts verloren. Dichter und dichter drängte er sich an Markus, Haut auf Haut in glühender Hitze.

Nur zu gerne erfüllte Markus Daniel den Wunsch, ließ sich dahin leiten, wo sein Freund ihn spüren wollte und als er sich sicher war, dass der Sänger sich wohl fühlte und förmlich nach Berührungen gierte, begann er seine Erkundungstour. Mit Lippen und Fingern ersetzte er seine Wunschträume durch die Wirklichkeit und die war viel großartiger, als er geglaubt hatte.



18

Es war ungewöhnlich, dass Daniel von allein wach wurde und nicht ein nervender Wecker oder ein Handy ihn aus dem Schlaf riss. Er lag auf dem Bauch, das Kissen fest umklammert und blinzelte, weil es ungewohnt hell war. Nur allmählich wurde ihm klar, dass der Raum, der ihn umgab, nicht sein Schlafzimmer war. Er blinzelte und regte sich vorsichtig. Wo war er? Ach ja – schlagartig fiel es ihm ein und er grinste. Er war bei Markus, in dessen Schlafzimmer und sie hatten gestern noch eine Menge unanständiger Sachen gemacht. Er klebte wie ein Fliegenfänger.

Apropos Markus. Daniel hob den Kopf ein wenig und grinste. Sein Freund lag neben ihm und schlief, oder tat zumindest so, aber das konnte Daniel nicht wissen, denn sonst hätte er sich nicht so erschreckt, als er urplötzlich gepackt und auf Markus gezogen wurde.

„Guten Morgen, Sweetheart“, lachte Markus und küsste ihn. Heute Morgen, beim Aufwachen, hatte er kurz befürchtet, dass alles nur ein Traum gewesen war, aber Daniel war wirklich hier, bei ihm. Er hatte neben ihm gelegen und sein gleichmäßiger Atem war Markus gegen den Hals geschlagen. Noch nicht einmal richtig wach und schon wieder von den ersten Schauern gestreichelt.

„Guten Morgen, Süßer“, murmelte Daniel und ließ sich zufrieden streicheln, auch wenn er gerade das Gefühl hatte, bäuchlings an Markus festzukleben. „Ihh!“, lachte er und strich Markus durch die Haare.

Der lachte und drückte Daniel noch fester an sich. Er war einfach glücklich und sehr albern. Wie es nun mal so war, wenn man verliebt war. „Geht es dir gut?“, fragte er und küsste seinen Freund. Heute hatten sie frei und das wollte er auch ausnutzen. Sie mussten sich nicht beeilen und das traf sich gut mit seiner Planung für den Anfang des Tages. Alles langsam angehen lassen und ihre Zweisamkeit genießen.

„Glaub schon, aber ich befürchte, ich bin dir auf den Leim gegangen und klebe jetzt an dir.“ Probeweise versuchte sich Daniel ein bisschen zu lösen, stellte aber schnell fest, dass er sich dazu von Markus hätte entfernen müssen und verwarf diese blödsinnige Idee wieder. Dann klebte er eben fest. Es gab schlimmere Männer als Markus. Überlegend neigte er den Kopf, hob eine Braue, als er freche Finger auf seinem Hintern spürte und legte den Kopf schief. „Und du nutzt das auch noch schamlos aus!“

„Sicher.“ Markus wackelte mit den Augenbrauen und grinste breit. „Ich klebe doch genauso an dir fest. Da kann ich nichts machen. Ich kann meine Hände zwar hin und her bewegen, aber ich kann sie nicht lösen.“ Zum Beweis ließ er seine Hände auf Wanderschaft gehen und spielte kurz mit dem Stein. Das hatte Daniel gestern ziemlich in den Wahnsinn getrieben.

„An was für einen hinterhältigen Kerl bin ich da nur geraten“, knurrte Daniel und sein Kopf sank zufrieden auf Markus’ Schulter. „Erst spielt er den Engel und dann entpuppt er sich als waschechter Teufel.“ Er nuschelte nur noch, weil seine Lippen über die nachtfeuchte Haut seines Freundes glitten. Es war aufregend und dass niemand sie störte, war noch viel schöner.

Markus genoss die Liebkosungen mit geschlossenen Augen. Was Daniel da machte, war einfach herrlich. „Ich werde immer dein Engel sein, wenn du das möchtest, aber das schließt nicht aus, dass ich auch etwas Spaß möchte“, seufzte er leise und drückte seinen Freund an sich. Er wollte Daniel so nah wie möglich an sich spüren.

Daniel verspannte sich leicht, denn er hatte den Hinweis durchaus verstanden. Doch er fühlte sich für Sex mit einem Mann einfach noch nicht bereit. Er hatte genug darüber gehört, um zu wissen, dass er seine Angst nicht einfach beiseite schieben konnte und so sah er Markus an, lächelte und rutschte langsam von ihm, was dank des Klebens nicht ganz so leicht ging.

Markus drehte sich zu ihm und sah ihn kurz forschend an, bis ihm einfiel, warum Daniel von ihm gerutscht war. Er zog seinen Freund zu einem Kuss zu sich. „Vergiss, was ich gesagt habe. Du sagst, wie weit du gehen möchtest. Ich werde mich danach richten.“ Er würde Daniel nie drängen, auch wenn alles in ihm nach dem Sänger schrie.

„Das ist kein Zustand. Du hast genug gelitten“, sagte Daniel leise und er fühlte sich feige. Vorsichtig schmiegte er sich an Markus und atmete tief durch. Der Duft, der ihn umfing, beruhigte Daniel. So schloss er wieder die Augen und zog die Decke zu sich. Er hatte den Morgen ziemlich versaut, das war ihm klar. Er hatte noch viel zu lernen, wenn er eines Tages mit Markus an seiner Seite gleichwertig sein wollte.

„Scht.“ Markus küsste Daniel auf die Schläfe und lächelte. „Ich habe nicht gelitten. Du warst bei mir und ich wusste, dass du mich liebst. Wir brauchen nichts überstürzen. Solange ich dich küssen darf, wenn mir danach ist, bin ich glücklich.“ Er stupste Daniels Nase mit seiner an und grinste. „Und wenn ich mit dir ab und zu solchen Schweinskram wie heute Nacht machen darf.“

„Schweinskram ist Weißgott das richtige Wort dafür“, nuschelte Daniel in sein Kissen, konnte aber schon wieder erleichtert grinsen. „Ich fühle mich wie ein Ferkel“, musste er gestehen und drehte sich wieder auf den Rücken, um Markus ansehen zu können. Dabei schob er seine Hand auf dessen Wange und strich zart darüber. „Und danke für deine Geduld mit mir, ich hoffe, ich lasse dich nicht zu lange warten.“ Und das meinte Daniel völlig ernst.

„Es dauert eben so lange, wie es dauert. Du wirst wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist.“ So, jetzt war alles gesagt und Markus wollte nicht, dass Daniel ständig das Gefühl hatte, ihn leiden zu lassen. Darum schnappte er sich seinen Freund und verwickelte ihn in einen wilden Kuss, den er sichtlich genoss. „Was sollen wir heute machen? Deine Wohnung aufräumen? Ein wenig trainieren? Du darfst es dir aussuchen.“

„Lass uns oben Ordnung schaffen. Dann fühle ich mich besser. Hoffentlich kommt Steffan nicht doch wieder zurück und dann zeigst du mir, wo die Kameras sind, damit ich weiß, wann ich winken muss, wann ich lächeln muss und wo ich mir definitiv keinen mehr runter holen werde.“ Daniel lachte leise und sah Markus herausfordernd an. Er war mit dem Thema Kameras noch nicht ganz durch, doch er war bereit zu verzeihen.

„Ich werde die Kameras und Mikrofone abbauen, wenn du möchtest.“ Räumten sie eben nachher Daniels Wohnung auf. Dass sein Freund sich dort oben nicht wohl fühlte, so verdreckt wie sie war, konnte er verstehen. „Ich habe da so eine Idee, damit ich sie nicht mehr brauche.“ Markus lachte und sprang aus dem Bett. Er lief schnell in den Flur und war nach wenigen Sekunden wieder zurück. „Für dich“, sagte er nur und gab Daniel den Zweitschlüssel für seine Wohnung in die Hand.

„Für mich? Danke“, sagte Daniel und steckte den Finger durch den Schlüsselring, ließ ihn leicht baumeln und schloss dann die Hand darum. „Lass die Kameras, wo sie sind. Die beiden Irren wollen mich loswerden, mir ist es lieber, jemand hat ein Auge auf mich, solange die noch frei herum laufen dürfen und wissen, wo ich wohne.“ Und das meinte Daniel bierernst. Er traute Achim langsam eine Menge zu und Steffan in seinem Narzissmus sowieso. „Nicht zu vergessen Luzifer, der weiß auch mehr über mich als mir lieb ist. Wenn wir oben sind, zeig ich dir mal was.“

„Du bestimmst, was mit den Kameras passiert.“ Daniels Gedankengänge waren nicht verkehrt und es war wohl besser, Achim und Steffan im Auge zu behalten. Er beugte sich zu einem Kuss vor, als ihm aufging, was Daniel gesagt hatte. „Was willst du mir zeigen?“, fragte er. Wenn es mit Luzifer zu tun hatte, war er sich sicher, dass es ihm nicht gefallen würde. „Hat er sich wieder gemeldet?“

„Gemeldet ist gut“, sagte Daniel und zog Markus wieder zu sich und die Decke über sie. Es wurde frisch, denn die nachtwarme Haut kühlte langsam aus. „Er war so frei, von unseren ersten Liebeleien ein Fotobuch drucken zu lassen. Der kranke Spinner hat Steffan aus Fotos raus retuschiert und sich reingesetzt und Geschichten dazu geschrieben, wie wir uns kennen und lieben gelernt haben. Ich kann dir flüstern!“ Daniel schauerte es immer noch, wenn er nur daran dachte. Wie krank musste jemand im Kopf sein, um derartiges abzuziehen.

„Bitte?“ Markus riss die Augen auf. „Er hat was? Der Typ hat doch ’ne Vollmeise. Ein richtiges Album? Mit Fotos von euch beiden.? Wann hast du das denn bekommen?“ Markus legte sich so hin, dass sie sich gut unterhalten und trotzdem kuscheln konnten. „Ich mein, dass er Steffan aus den Bildern entfernt hat, ist nicht weiter schlimm. Ich fand die Bilder mit ihm sowieso immer überflüssig. Wer will den Kerl schon sehen.“

„Einige der Fans bestimmt, sonst würden sie ja nicht immer wieder nach ihm fragen“, überlegte Daniel und seufzte. Es war jedes Mal der blanke Ekel, den Kerl küssen zu müssen. Mal davon abgesehen, dass das Markus um einiges besser konnte als der Typ. Sollte er mit Achim selig werden, seinen Segen hatten sie.

„Kannst dir das Album ja oben angucken. Es kam gestern mit der Post, schätze ich, denn Steffan hatte mir den Umschlag vor die Tür gelegt, weil ich mich im Schlafzimmer verbarrikadiert hatte.“

„Er ist doch nur interessant, weil er angeblich dein Liebhaber ist. Die Kids wollen so sein wie er, damit sie auch eine Chance bei dir haben. Sie können ja nicht wissen, dass du überhaupt nicht auf so selbstverliebte Arschlöcher stehst.“ Markus strich Daniel durch die Haare und lächelte.

„Aber ich bin mir sicher, sie werden es erfahren – irgendwann“, nuschelte Daniel und griff sich Markus’ Hand, um sie an seine Lippen zu führen und zu küssen. Im ersten Reflex hatte Daniel wirklich den Drang, Steffan vor versammelter Mannschaft auflaufen zu lassen, am liebsten live im TV. Doch konnte er das seinen Fans antun? War das fair gewesen, sie mit Lügen zu umgarnen und dann die Fäden wegzuziehen, auf denen sie balancierten?

„Das werden sie, wenn du dazu bereit bist.“ Markus verfolgte Daniels Lippen mit den Augen und schloss sie, um den sanften Küssen besser nachfühlen zu können. Kribbelnde Schübe flossen durch jeden Winkel in seinem Körper und es war einfach unglaublich, dass diese zarten Berührungen ihn innerhalb von Sekunden entflammen konnten. „Ich liebe dich“, murmelte er leise und zog Daniel auf sich, weil sie sich so am nächsten waren.

„Ich glaube, ich empfinde ähnlich“, gab Daniel zu, auch wenn er sich sicher war, dass seine Gefühle noch nicht so groß waren wie die von Markus. Sie hatten schließlich viele Jahre zum Reifen gehabt. Doch er war sich sicher, dass er nur einen Mann auf der Welt so intensiv mochte wie Markus. Seine Lippen suchten die seines Freundes und noch einmal tauschten sie einen innigen Kuss.

Markus strahlte in den Kuss und zog Daniel an sich. Er war einfach nur glücklich und das zeigte er seinem Freund auch. Diese Worte waren mehr, als er jemals gedacht hatte zu hören und im Moment hätte er die ganze Welt umarmen können. Jetzt hatten sie eine Chance, zusammen glücklich zu werden.

Sie blieben noch ein wenig liegen, schmusten, frühstückten und standen dann auf. Sie konnten ja nicht den ganzen Tag vertrödeln. Sie wollten noch hoch in Daniels Wohnung und diese aufräumen.

„Ich sollte vielleicht das Schloss austauschen, denn ich bin mir sicher, dass Steffan, die miese Ratte, meinen Schlüssel hat mitgehen lassen. Ich will nicht, dass der eines Tages unangemeldet in meiner Bude steht“, sagte Daniel, als er vor Markus die Treppe nach oben ging, den Schlüssel schon in der Hand. Den für Markus’ Wohnung hatte er schon an seinen Schlüsselbund gemacht und sicher verwahrt, nicht das der noch weg kam.

„Verkehrt wäre es auf jeden Fall nicht.“ Markus konnte Daniel da nur zustimmen. Steffan war so etwas durchaus zuzutrauen und Achim auch. Besonders, wenn sich abzeichnete, dass Daniel die Band verlassen wollte. Dann brauchte sein Freund einen ruhigen Ort, zu dem die beiden keinen Zutritt hatten. Da sollten sie sich besser gleich Montag drum kümmern.

Daniel schob den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Vorsichtig steckte er den Kopf durch die Tür und ließ den ersten Eindruck auf sich wirken. Die Küche war ein Sauhaufen, das Wohnzimmer stand dem in nichts nach. Und wie er Steffan kannte, stand das Bad unter Wasser. Schließlich machten nur Weicheier beim Duschen die Kabinentür zu. „Oh man“, murmelte Daniel leise und ließ Markus ebenfalls eintreten, „verschaffen wir uns erst mal einen Überblick.“

„Ach du Scheiße“, murmelte Markus. Sie hatten das Chaos zwar schon auf den Monitoren gesehen, aber in echt wirkte es noch schlimmer, weil sie jetzt auch riechen konnten, was für ein Schwein Steffan sein konnte. „Ich mach die Fenster auf“, bot er darum an und ging auch gleich ins Wohnzimmer.

„Willkommen in meiner Welt“, knurrte Daniel und machte sich in der Küche daran, erst einmal alles in den Spüler zu schichten, um ein bisschen mehr Platz zu haben. Und weil er nicht wusste, was Steffan sich noch für Überraschungen hatte einfallen lassen, sortierte er alle offenen Lebensmittel aus dem Kühlschrank. Sicher, für einen Außenstehenden mochte das paranoid wirken, doch bei Leuten wie Achim und Steffan war vorbeugen besser als Drogen im Essen.

„Der Arsch kann echt was erleben“, knurrte Markus und nahm im Wohnzimmer gleich einen Teil des gebrauchten Geschirrs vom Wohnzimmertisch mit. Dabei streifte sein Blick die Couch und er beschloss spontan, dass die dringend eine Reinigung brauchte. Die ganze Sitzfläche war voller Krümel und er sah auch den einen oder anderen Fleck. Also holte er sich Staubsauger und Reinigungsmittel, stahl sich bei Daniel noch einen Kuss und ließ ihn dann weiter mit dem Geschirr klappern.

Eine Weile klapperte es noch, dann war es schlagartig ruhig – für Markus Geschmack etwas zu ruhig und so ging er alarmiert zu Daniel in die Küche und weil er ihn dort nicht fand, weiter zum Schlafzimmer, wo sein Freund in der Tür stand und den Rahmen umklammerte.

„Was ist?“, fragte er besorgt, weil sein Freund weiß wie eine Wand war. Hatte Steffan hier noch eine unangenehme Überraschung hinterlassen, die sie noch nicht gesehen hatten? Er versuchte an Daniel vorbei zu sehen, aber auf den ersten Blick konnte er nicht erkennen, warum der Sänger so geschockt war.

Wie gelähmt trat Daniel tiefer in den Raum und auf das Bett zu. Dort lag eine Gummipuppe mit einem von Daniels Kostümen bekleidet. Sogar eine der Perücken trug sie und sein Make-up. Mit Rosenblättern war eine Botschaft geschrieben: Ich warte auf dich, mein Herz! Und das Fotobuch war nett arrangiert.

„Er war hier“, flüsterte Daniel tonlos und sank auf die Knie.

„Daniel“, rief Markus und kniete sofort neben seinem Freund. Jetzt konnte er auch sehen, was auf dem Bett arrangiert war und knirschte mit den Zähnen. Sie hatten seit gestern Abend nicht mehr auf die Monitore gesehen, das mussten sie unbedingt nachher nachholen. „Komm, wir gehen wieder runter und rufen einen Schlüsseldienst an.“ Das konnte jetzt nicht mehr bis morgen warten.

„Ruf du an, ich räum hier weiter auf. Was soll der denn denken, wenn er aus Versehen in die Wohnung guckt und es sieht so aus!“ Daniel schoss hoch – klare Übersprungshandlung weil er mit der Situation völlig überfordert war. Wie war der Kerl hier herein gekommen? Hatte er einen Schlüssel? Brauchte er überhaupt einen Schlüssel und was wäre passiert, wenn er hier gewesen wäre? Das durfte er sich nicht ausmalen. Das war die Hölle!

Zitternd lief er in die Küche.

Markus sah ihm hinterher. Daniel so zu sehen, gab ihm einen Stich. Es wurde wirklich Zeit, dass sie hier weg kamen. Lange hielt sein Freund das alles nicht mehr aus. Markus suchte einen Schlüsselnotdienst aus dem Branchenbuch und rief dort an. Man versprach ihm, in einer halben Stunde da zu sein und er ging zu Daniel in die Küche und umarmte ihn von hinten, wie er es immer tat, wenn er Daniel beruhigen wollte.

Der stützte sich auf die Anrichte vor sich und ließ den Kopf hängen. „Ich kann langsam nicht mehr, Markus. Das wird mir zu viel“, gestand er, aber noch wollte er sich den beiden nicht geschlagen geben. Er hatte Markus an seiner Seite, ihm konnte nichts passieren. Er musste nur den Schock verdauen, zumindest redete sich Daniel das ein. Sein Puls hämmerte und sein Körper war angespannt. Es war zum aus der Haut fahren.

„Schatz, warum gehst du nicht runter zu mir und ich räum, den Mist weg, den der Kerl hiergelassen hat. Wenn das Schloss ausgetauscht ist, komm ich auch runter und wir besprechen, was wir machen werden.“ Markus wollte das nicht hier besprechen. Luzifer war ein Stalker, da ging er davon aus, dass er etwas installiert hatte, um immer auf dem Laufenden zu sein. Sie mussten erst einmal die Aufnahmen sichten und dann entscheiden, was sie machten.

Er konnte spüren, dass Daniel schwer mit sich ringen musste, denn seine Wohnung so zurückzulassen schmerzte ihn. Doch es war vielleicht das beste, dass erst einmal ein Plan her kam. Ohne weiter darüber nachzudenken zog er Markus noch einmal zu einem innigen Kuss zu sich und schlurfte dann langsam nach unten. Er hatte nicht schlecht Lust alles hinzuschmeißen, doch den Triumph wollte er keinem gönnen, nicht Steffan, nicht Achim und diesem blöden Luzifer am allerwenigsten. Er bekam ihn nicht klein, der nicht!

Markus wartete bis sich die Tür hinter Daniel geschlossen hatte und legte dann los. Er wusste, wie wichtig seinem Freund sein Zuhause war. Als erstes entfernte er die Puppe und stopfte sie mit den Rosenblüten zusammen in einen großen Müllsack. Dorthinein verschwand auch noch alles, was er von Steffans Müll finden konnte. Er hatte die Wohnung gerade wieder vorzeigbar gemacht, als es schellte und anzeigte, dass der Schlüsseldienst da war.

„Herr“, der Mann sah auf das Klingelschild: „Braner?“, fragte er und reichte Markus die Hand. Der schüttelte nur den Kopf und erklärte, dass der Eigentümer eine Etage weiter unten warten würde.

„Tut mir leid, dann muss er sich nach oben bequemen. Entweder zeigt er mir den Ausweis mit der Adresse oder ich gehe wieder.“ Er hatte schon zu oft von Testern gehört, die seine Branche auf dem Kieker hatten. Er wollte keinen Ärger.

„Oh, kein Problem. Moment.“ Markus holte sein Handy aus der Tasche und rief Daniel an. Er erklärte ihm, warum er rauf kommen sollte und lächelte den Monteur entschuldigend an. „Tut mir leid, da habe ich gar nicht dran gedacht.“ Unten hörte er seine Wohnungstür zufallen und Schritte, die die Treppe rauf kamen. „Herr Braner ist gleich da.“

„Danke“, erklärte der Mann und packte schon einmal sein Werkzeug und verschiedene neue Schlösser aus, damit er sich mit dem Kunden besprechen konnte.

Daniel grüßte höflich. Er beglückwünschte sich einmal mehr dafür, dass er seine wichtigsten Dokumente immer bei sich trug, wirklich immer. Wenn die Luzifer in die Hände gefallen wären, nicht auszudenken, was der hätte damit anstellen können.

Nach einem kurzen Abgleich von Ausweis und Kunde machte sich der Mann daran, das alte Schloss auszubauen. Wer sonntags ein neues Schloss brauchte, hatte Ärger, da fragte er lieber nicht nach. Darum hielt er sich auch nicht lange auf, nachdem Daniel entschieden hatte, welches Schloss eingebaut werden sollte. Nach einer halben Stunde war alles erledigt und der Monteur verabschiedete sich.

Markus probierte das neue Schloss aus und war zufrieden. Es war auf jeden Fall sicherer als das alte.

19

„Komm, wir gehen wieder runter, hier oben bin ich soweit fertig.“ Markus hielt Daniel seine Hand entgegen.

„Danke“, flüsterte Daniel, er brauchte jetzt ein bisschen Nähe und deshalb ließ er sich gegen seinen Freund sinken, ehe der die Tür aufmachen konnte. So drückte Daniel ihn dagegen und küsste ihn kurz. „Ohne dich wäre ich schon in der Klapse. Das wissen die beiden sicher auch. Ich fürchte, deinen Job bei uns wirst du nicht mehr lange haben“, gestand er seine Gedanken, die ihm gekommen waren, als er allein in Markus’ Wohnung gewesen war. Er hatte in der Küche am Tresen gesessen und vor sich hin gestarrt, der Realität dabei ins Auge gesehen.

„Ja, das glaube ich auch.“ Markus führte Daniel in die Küche und setzte Wasser für Tee auf. „Um den Job an sich ist es nicht schade, nur gefällt mir nicht, dass du dann mit den beiden alleine bist. Wir sollten uns überlegen, ob du nicht, wenn es soweit ist, auch aussteigst. Scheiß auf die Strafe, die du dann bezahlen musst. Dann wärst du endlich frei und wir könnten neu anfangen.“

Daniel ließ sich auf einen der Hocker sinken und hielt die leere Tasse umklammert, die Markus schon vor ihn auf den Tisch gestellt hatte. Nachdenklich holte er tief Luft. Sicher, nichts würde er lieber tun, als Steffan und Achim hinter sich zu lassen. Zu wissen, um wie viel Geld die beiden die Band prellten, war unerträglich. Aber sie hatten immer noch einen Trumpf: sie ließen ihn singen. „Wenn ich merke, dass sie mich absägen, bin ich weg. So lange möchte ich noch singen, wenn sie mich lassen.“

„Hm.“ Das war nicht die Antwort, die Markus hören wollte, aber Daniel musste entscheiden, was er machte. Markus würde ihn dann dabei unterstützen. „Machen wir das doch so. Ich verhalte mich unauffällig und hoffe, dass sie keinen Grund finden, mich so schnell rauszuschmeißen und wenn es soweit ist, sehen wir weiter. Ich habe auf jeden Fall schon Vorkehrungen getroffen, wenn es soweit ist.“

„Was für Vorkehrungen?“, fragte Daniel, weil er nicht verstand, was sein Freund damit meinte. Er sah Markus forschend an und ahnte, dass es sicherlich etwas mit der ganzen Technik zwei Türen weiter zu tun hatte. „Mach nichts, was dir Ärger bringt, das ist es nicht wert.“ Eindringlich sah Daniel seinen Schatz an, der hatte solch ein verräterisches Glitzern in den Augen, einem Wolf nicht unähnlich.

„Du bist mir jeden Ärger wert.“ Markus beugte sich kurz zu Daniel und küsste ihn. „Du weißt, dass ich schon länger darauf dränge, dass du die Band verlassen sollst. Ich bin auch der Meinung, dass Achim und Steffan das Geld nicht behalten sollen, was sie euch gestohlen haben. Na ja, mit meinen Kenntnissen war es nicht schwer, da einiges zu arrangieren.“ Markus grinste schief und kratzte sich am Hinterkopf. „Ich habe neue Ausweise für uns besorgt, für alle Fälle.“

Dass er komplett falsche Lebensläufe in Auftrag gegeben hatte, die bis zu Einträgen in Grundschulregistern und Geburtenregistern gingen, sagte er lieber nicht. Aber wenn er sich absicherte, dann richtig.

„Und wie heiß ich dann?“, wollte Daniel wissen und strich sich durch die Haare. „Und was passiert mit dem Geld?“ Der Gedanke, dass die linken Bazillen leer ausgingen, gefiel ihm.

„Am liebsten wäre mir ja, wenn du weiter deinen Namen behalten könntest, aber ich habe hoffentlich einen Kompromiss gefunden. Daniel habe ich gelassen, denn für mich wirst du nie einen anderen Vornamen haben, ich mag ihn einfach. Für dich habe ich Daniel Foster ausgesucht. Ich heiße dann Mark Harper. Frag mich nicht, wie ich darauf gekommen bin. Die Namen waren einfach da.“ Es gab bestimmt schlimmere Namen. „Bei dem Geld richte ich mich ganz nach dir. Mir schwebte so vor, dass wir das Geld zwischen euch dreien aufteilen, aber das entscheidest du.“

„Ja, aufteilen wäre nicht übel. Die anderen beiden sollen auch endlich was davon haben.“ Michael und Uriel machten sowieso manchmal den Eindruck von Statisten, die nur da waren, weil einer die Instrumente spielen musste. Sie schienen austauschbar. Für Daniel waren sie das nicht und das wollte er ihnen auch irgendwie zeigen. Die Summen wären nicht schlecht.

Über den Namen sagte er nichts. Es gab schlimmere und so lange er blieb, der er war, war es doch egal, wie man ihn rief. Nur ein zweites Mal verbiegen wollte er sich nicht mehr.

„Gut, ich hatte mir das fast schon gedacht, dass du deine beiden Bandkollegen nicht leer ausgehen lässt. Ich werde das arrangieren, dass sie ihren Anteil bekommen, ohne dass Achim es sich zurückholen kann.“ Markus goss Wasser in ihre Tassen und setzte sich neben Daniel. „Ich glaube, ich sollte dir ein wenig mehr von dem erzählen, was ich vorbereitet und geplant habe.“

„Könnte helfen, wenn ich dich unterstützen soll und ablenken würde es mich auch.“ Daniel schlang die Finger um die heiße Tasse. Vielleicht gelang es Markus ja, es ihm so schmackhaft zu machen, dass er auf das Singen verzichten wollte. Vielleicht bot sich ja eine verlockende Alternative? Weit weg, doch dann ging ihm wieder auf, dass er das eigentlich nicht wollte – weit weg. Hier war seine Heimat, seine Wurzeln, sein kleines Reich. Alle Brücken abzubrechen und zu gehen – so mutig war er nicht. Eigentlich war er ziemlich feige. Jede Veränderung brachte ihn aus der Bahn.

Markus nickte und stand auf. „Bin gleich wieder da.“ Die Unterlagen hatte er im Arbeitszimmer und von da holte er sie und legte sie dann auf den Tisch. „Das sind die Unterlagen für dein neues Ich. Geburtsurkunde, Schulzeugnisse, Führerschein, Pass und was man sonst noch so alles braucht. Dazu ein Lebenslauf, damit du dich damit vertraut machen kannst.“ Markus schob die Mappe zu Daniel hin und lächelte. „Schau es dir einfach mal an.“

Irritiert darüber, wie akribisch sein Freund gearbeitet hatte, zog Daniel die Papiere zu sich, schob seine Tasse aber weit weg, damit nichts drauf kam. „Ein amerikanischer Pass“, sagte Daniel und hob eine Braue, „ich bin ein waschechter New Yorker.“ Er sah Markus an und griff sich den Lebenslauf, vielleicht sollte er erst einmal gucken, wo er leben sollte. Es war komisch, sein Passbild neben einem fremden Namen zu sehen. Doch dann lächelte er. Sein Geburtsdatum war gleich geblieben – endlich hatte er es wieder und wurde nicht mehr am Namenstag des Erzengels gefeiert.

„Und ich lebe in Essen, das ist gut. Nette Gegend.“

„Ja, dachte ich mir auch so. Ist zwar nicht Berlin, aber nicht übel dort.“ Markus war froh, dass Daniel die Sache bisher so ruhig aufnahm. „Mit den amerikanischen Pässen haben wir immer die Möglichkeit für eine Weile hier weg zu gehen, falls es nötig ist. Du könntest an jeder Uni dort studieren.“

Daniel nahm die Ausweise an sich und beguckte sie sich genauer. „Sie sehen ziemlich echt aus.“

Markus lachte. „Das müssen sie auch, sie sind es.“ Er zwinkerte und ein gewisser Stolz stand auf seinen Zügen. „Es sind zwar hoch gesicherte Druckereien mit Sicherheitspersonal an jeder Tür, aber die Netze sind eine mittlere Katastrophe. Man muss nur die richtigen Daten auf die Auftragslisten bringen und: Tada!“ Er deutete auf die Ausweise, die Daniel in der Hand hielt und grinste. Mit Fälschungen wollte er sich nicht zufrieden geben, denn die Sicherheitskontrollen waren härter geworden.

„Oh“, konnte Daniel nur machen, er war verblüfft.

„Das F.B.I. im Hintergrund zu haben, ist nicht das Schlechteste. Wenn man für sie arbeitet bekommt man jede Menge Informationen, die nützlich sein können.“ Sein Traum war es ja, mit Daniel zusammen in Harvard zu studieren. Die Zeit an der Uni war für ihn mit die schönste seines Lebens gewesen. Sie hatten genug Geld, um das zu finanzieren. Seine Tätigkeit wurde sehr gut bezahlt und er hatte das Geld gewinnbringend angelegt.

„Das will ich mal ungesehen glauben. Meine Güte, wenn man dich sieht, glaubt man nicht, was für ein Genie in dir schlummert.“ Daniel kicherte frech und zog seinen Freund über den Tisch hinweg zu sich, um ihn zu küssen. Es war unglaublich, wie weit Markus gedacht hatte, ohne zu wissen, wie Daniel für ihn fühlte. Und er selbst klammerte sich an jeden Strohhalm, den Achim ihm hinhielt. Wie ein Esel mit der Karotte vor der Nase lief er in die Richtung, die Achim ihm vorgab.

Er konnte das zufriedene Grinsen an seinen Lippen spüren. Markus freute sich über das Kompliment. „Tarnung ist alles“, grinste er zwinkernd nach dem Kuss. „Es ist nie verkehrt, wenn der Gegner einen unterschätzt. Und dass du ARK verlässt, heißt nicht, dass du nicht mehr singen kannst. Was hindert dich daran, eine eigene Band zu gründen oder als Sänger in eine einzusteigen.“

„Meine mangelnde Courage“, gab Daniel offen zu, denn das war es. Ihm wurde zwar langsam bewusst, dass Achim ihn mit seinen Sprüchen und Beleidigungen versucht hatte, klein zu halten, damit er leichter zu lenken war, doch das machte es nicht leichter, sich vorstellen zu müssen, noch einmal bei null zu beginnen. Es ging ihm nicht um die Massen der Fans, auch nicht um die Bekanntheit oder seine Medienwirkung. Er müsste sich komplett neu orientieren, herausfinden, was er wollte und wohin er wirklich passte. Und dann musste er Leute finden, die tickten wie er. Das alles hatte er noch nie gemacht und das bereitete ihm Panik.

„Du bist nicht alleine, Liebling. Ich will dir nicht vormachen, dass es alles leicht werden wird, aber es ist auch nicht unmöglich und es kann unheimlich Spaß machen, neue Leute kennen zu lernen, sich mit ihnen anzufreunden.“ Markus dachte an seine Studienzeit zurück und was er dort alles erlebt hatte. Innerhalb kürzester Zeit hatte er Freunde gefunden, mit denen er immer noch Kontakt hatte.

„Wir werden sehen“, sagte Daniel diplomatisch und griff sich seinen Tee. Mittlerweile hatte er eine angenehme Temperatur und so trank er einen großen Schluck. Er wollte sich ein paar Tage nehmen, um darüber nachzudenken, wie schnell er über seinen eigenen Schatten springen konnte. Auch ihm war klar, dass es so nicht mehr lange gut ging, wenn Steffan seinen Platz einnehmen wollte, doch er wollte noch seine kleine persönliche Rache, ehe er von der Bühne ging. Sang- und klanglos verschwinden kam nicht in Frage.

Markus kannte Daniel gut genug, um zu wissen, wann er aufhören sollte und so ließ er das Thema erst einmal ruhen. Er griff die Hand seines Freundes und zog ihn hoch. Die Küchenstühle waren nicht besonders gut zum Schmusen geeignet, darum zog er Daniel ins Wohnzimmer. Bevor sie gleich ins Arbeitszimmer gingen, wollte er seinen Freund noch etwas ablenken.

Lachend ließ sich Daniel entführen und als er auf Markus’ Schoß gezogen wurde, sah er ihn wissend an. „Wenn man dir den kleinen Finger reicht, dann knabberst du dich hoch bis zum Ellenbogen, hm?“ Er sagte ja nicht, dass er das nicht begrüßte und es mochte, doch das hieß ja noch lange nicht, dass man Markus nicht sagen durfte, dass er enttarnt worden war.

„Rrrr.“ Markus biss Daniel leicht in den Hals und leckte gleich über die rote Stelle. „Du bist halt zum Fressen süß“, flüsterte er seinem Freund ins Ohr und grinste. Er konnte nun mal nicht anders. Jetzt, wo er die Erlaubnis hatte, seinen Schatz zu berühren, wo er wollte, fiel es ihm schwer, es nicht zu tun.

„Ich bin doch nicht süß!“, empörte sich Daniel gespielt. „Ich bin dreiundzwanzig Jahre, da ist man doch nicht mehr süß. Da ist man vieles, aber nicht süß.“ Er mochte das Wort nicht besonders, doch er würde es Markus niemals verbieten, denn im Gegensatz zu den jungen Mädchen im Blog wusste er es bei Markus einzuschätzen. Das war keine Schwärmerei, das war Liebe, innige Verbundenheit und Sehnsucht nach Nähe.

„Eine dreiundzwanzig Jahre alte Süßigkeit“, lachte Markus frech und küsste Daniel. „Aber das ist noch nicht alles, was du bist. Heiß, sexy, verführerisch, unwiderstehlich“, zählte er auf und das meinte er vollkommen ernst. Er hatte nie eine Frau oder einen Mann getroffen, die diese starken Gefühle in ihm hervorgebracht hatten und das lag wohl daran, dass Daniel immer sein Traum gewesen war und so niemand eine wirkliche Chance bekommen hatte.

Daniel wurde rot und ließ den langen Pony in sein Gesicht fallen, als er beschämt den Kopf senkte. „Sag doch nicht solche Sachen. Bei den Fans kann ich das überhören, das sind meistens pubertäre Träume. Aber bei dir weiß ich, dass du das ernst meinst und das macht mich völlig verlegen und handlungsunfähig“, nuschelte er leise und grinste schief. Er konnte damit noch nicht umgehen.

„Dann sag ich es nur noch, wenn ich dich verlegen und handlungsunfähig möchte“, lachte Markus, damit Daniel sich wieder empören konnte und seine Verlegenheit verging. Er streichelte über den Rücken seines Freundes und seine Finger verirrten sich immer mal wieder unter das Shirt und strichen über die warme Haut.

„Handlungsunfähig, so so! Damit du mich wieder in Handlungen der gestrigen Art verwickeln kannst, die damit endeten, dass ich an dir klebte wie die Fliege an einem Fliegenfänger, ich durchschaue dich allmählich“, maulte Daniel gespielt, doch er ließ sich dichter an seinen Freund sinken. Es war erstaunlich, wie wenig es bedurfte, um ihn nach Markus verrückt zu machen. Ein paar Finger, ein paar Lippen und er verlor fast die Kontrolle über sich selbst.

Markus lachte und küsste Daniel. „Ja, so ungefähr habe ich das gedacht. Schade, dass du mir so schnell drauf gekommen bist. Muss ich mir wohl was Neues einfallen lassen, um dich wieder in Handlungen der gestrigen Art zu verwickeln.“ Er kicherte albern und zog Daniel zu einem leidenschaftlichen Kuss zu sich.

Dabei ließ er sich langsam auf die Seite kippen und zog Daniel so bequemer auf sich. Es war Sonntag, sie hatten sich noch etwas Ruhe verdient, ehe die Woche sie wieder in Stress verwickelte und dass es stressig würde, lag auf der Hand. Das ging ja schon mit Steffan los, der mit seiner verbeulten Nase auf Rache sinnen dürfte. Das ging mit Luzifer weiter, für den sie sich etwas einfallen lassen und mit dem sie in jeder Minute rechnen mussten. Nicht zu letzt: Achim und seine Gier nach Geld. Doch heute war Sonntag und sie waren allein – mehr zählte nicht.

Und da sie in Markus’ Wohnung vor Störungen sicher waren, war es nicht verwunderlich, dass Daniel nach einiger Zeit schon wieder wie eine Fliege an Markus klebte. Eine sehr zufriedene und befriedigte Fliege. Lächelnd strich Markus durch das blonde Haar seines Freundes, der seinen Kopf auf seiner Schulter abgelegt hatte. Die Klamotten lagen irgendwo auf dem Boden und sie hatten sich eine Decke herangezogen, die hinter der Couch vor sich hin vegetiert hatte.

„Ich sehe gerade Jessies Gesicht vor mir, die mich seit Wochen gelöchert hat, ob wir was miteinander haben, weil du oft bei mir geschlafen hast“, sagte Daniel, denn das ging ihm durch den Kopf. Wie er ihre Vermutungen abgewehrt hatte und wie sie weiter gebohrt hatte. Ihr jetzt zu sagen, dass da doch was war, lockte sicherlich ihr hab-ich’s-doch-gewußt-Gesicht auf den Plan.

„Oh ja, Jessie.“ Markus lachte. Er mochte die quirlige Designerin und schätzte sie und ihr Talent, Daniel sexy zu verpacken. „Ich hab mir schon gedacht, dass sie mir drauf gekommen ist, dass ich bis über beide Ohren in dich verliebt bin. Sie hat mich oft so wissend angeguckt und ich hatte manchmal Angst, dass sie dir was verrät.“

„Was heißt verraten“, sagte Daniel und stützte sich wieder so auf, dass er Markus unter sich in das schöne Gesicht sehen könnte. „Sie stichelte und drängelte, wollte wissen, warum du bei mir duschst, warum du mir nackt Frühstück ans Bett bringst und warum du bei mir schläfst. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass das alles ohne Sex abläuft.“ Daniel überdachte seine Worte und fügte dann reumütig an: „Ich hätte es früher merken müssen, ich war so blöd.“ Dafür küsste er Markus jetzt noch einmal entschuldigend, er hatte einiges wieder gut zu machen.

„Nein, Liebling. Ich habe sehr darauf geachtet, dass du nichts merkst. Mach dir also keine Gedanken. Jetzt ist doch alles so, wie ich es mir gewünscht habe und ich bin sehr glücklich.“ Das letzte, was Markus wollte, war ein Daniel, der sich Vorwürfe machte. „Jessie ist eine Frau und sie vermutet bei zwei Männern, die sehr gut befreundet sind, gleich eine Liebesgeschichte. Bei uns hatte sie eben Recht.“

„Ja, hatte sie. Und sie wird mir wieder mit weiblicher Intuition kommen und wie unsensibel ich doch bin. Pf.“ Daniel lachte leise und legte seinen Kopf wieder auf Markus’ Schulter. „Es wird noch ekliger werden als bisher, Steffan auf der Bühne küssen zu müssen“, gestand er leise, denn er war mit den Gedanken schon in der nächsten Woche. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er den Mistkerl nie wieder sehen wollen, doch er war mit den beiden noch nicht fertig. Er musste die Show noch eine Weile spielen.

„Ja, und wenn er sich dabei nicht benimmt, wird er wieder einen kleinen Unfall haben“, knurrte Markus. Es hatte ihm schon immer missfallen, dass Daniel das über sich ergehen lassen musste. „Und wenn er dir bei dem Fotoshooting auch nur zu nahe kommt, werde ich ihm seine Nase richtig zu Brei hauen.“

„Kleine Unfälle“, hakte Daniel nach und richtete sich wieder auf. Sicher, es war immer eine kleine Genugtuung gewesen, dass Steffan hier und da ein Pflaster gehabt hatte, nachdem er sich einmal sehr mies benommen hatte, aber Daniel war immer davon ausgegangen, dass Steffan ab und an etwas ungeschickt war. Doch wie es schien, war es nicht an dem gewesen. „Was hast du mit ihm gemacht?“, wollte er wissen – reine Neugier, um sich am Elend der anderen zu weiden.

„Dies und jenes“, wich Markus grinsend aus, bis ein spitzer Finger sich in seine Seite bohrte. Er quietschte und zog Daniels Hand an seine Lippen. „Na ja, wenn man Steffan kennt, weiß man, dass er ein Gewohnheitstier ist. Man muss nur eine Kleinigkeit verändern, oder neu arrangieren und man hat ihn. Zum Beispiel etwas in seinen morgendlichen Weg zum Auto ragen lassen und schon hat der Herr eine Beule zum Fotoshooting.“

„Du bist ja richtig kriminell“, sagte Daniel und machte große Augen, grinste dann aber, weil er sich vorstellte, wie Steffan im Halbschlaf zu seinem Liebchen in den Wagen steigen wollte und gegen einen Ast donnerte. Oder wie er durch den Flur schlurfte an einem sehr frühen Morgen, und eine Tür ging auf. Wenn er nicht so ein Arsch wäre, könnte er einem fast leid tun, aber auf der anderen Seite: wenn er nicht so ein Arsch wäre, wäre das alles ja nicht passiert.

„Steht sogar in meiner Akte: ‚Vorsicht! Kriminell und erfindungsreich. Nicht unterschätzen’!“ Markus grinste mit Daniel mit. Das stand zwar nicht in seiner Akte, aber einer seiner damaligen Verhörer hatte das zu ihm gesagt. Er war es auch gewesen, der ihm das Angebot gemacht hatte, für das F.B.I. zu arbeiten. „Es hat sogar richtig Spaß gemacht, sich immer was Neues einfallen zu lassen, damit der Arsch nicht misstrauisch wird.“

„Dich zum Feind zu haben, ist echt kein Pappenstiel“, grinste Daniel und legte seinen Kopf wieder auf Markus’ Schulter. Langsam ging ihm auf, wie intensiv sein Freund über ihn gewacht und was er alles im Hintergrund arrangiert hatte, damit Daniel nicht noch mehr leiden musste. Ohne ihn wäre er wirklich schon nicht mehr hier, sondern kaputt gespielt, da war er sich sicher.

„Angenommen wir würden weggehen“, sagte er irgendwann leise, „wo würden wir hin gehen? Hast du dir das schon mal ausgemalt? Wie würde es sein?“

Überrascht von der Wendung drehte Markus sich ein wenig, damit er Daniel ansehen konnte. „Ich habe einen Wunsch, oder besser einen Traum, seit ich dich vor ein paar Jahren, so unvermittelt wieder gesehen habe. Wenn du ihn hören möchtest, dann erzähl ich ihn dir. Aber bitte fühle dich nicht dazu genötigt, ihn wahr werden zu lassen, wenn es dir nicht behagt.“ Markus sah Daniel in die Augen und war mit dem kurzen Nicken zufrieden. „Da wir beide ja mit unserer neuen Identität Amerikaner sind, läge es nahe, dort hin zu gehen. Ich stelle mir oft vor, mit dir zusammen nach Harvard zu gehen. Wir suchen uns ein kleines Haus, oder eine Wohnung und genießen das Studentenleben. Geld haben wir genug, denn ich würde weiter als Systemtester arbeiten.“

„Harvard?“, fragte Daniel und hob eine Braue. Das kam vielleicht für eine Intelligenzbestie wie Markus in Frage aber doch nicht für Daniel. „Wenn die dort noch eine andere als diese Elite-Uni haben, dann kommen wir bestimmt ins Geschäft, aber sonst wird das schwierig. Es sei denn, deine Fähigkeiten am PC könnten mich auf die Liste setzen.“ Er lachte albern und schüttelte den Kopf. Er auf einer Uni, an diese Möglichkeit hatte Daniel noch nicht einmal gedacht. Was sollte er studieren? Was würde ihn interessieren?

„Die nehmen dich mit Kusshand, auch ohne, dass ich meine Fähigkeiten nutze. Du solltest dir mal dein Zeugnis ansehen.“ Markus grinste schelmisch und lachte dann laut. Er hatte nicht widerstehen können und er hatte noch nicht einmal viel mogeln müssen. Daniel hatte ein gutes Abitur gemacht. „Aber eigentlich ist es egal, wo wir hin gehen und was wir machen, solange wir zusammen sind.“

„So, so.“ Daniel sah seinen Schatz wieder an. „Ein popliger Sänger war wohl nichts für dich, da musste es schon in kleines Genie sein, hm?“ Er schmollte gespielt und wandte sich leicht ab, zog die Decke beschämt über sich. „Ich hätte es wissen müssen, dass das hier zu schön war.“

„Nicht doch.“ Markus schmiegte sich an Daniels Rücken. „Du bist mein Leben und ich liebe dich, so wie du bist.“ Kleine Küsse landeten im Nacken seines Freundes und er zog ihn fest an sich. „Ich werde dir überall hin folgen. Dort wo du bist, werde ich auch sein.“

Daniel grinste von Markus ungesehen und schloss die Augen. Er wusste ganz genau, dass Markus nichts anderes gesagt hätte, er hatte es genau gewusst und das machte ihn sicherer. „Ich weiß, Schatz.“ Er bot Markus wieder seine Lippen und ließ sich küssen. Er hatte das unglaubliche Gefühl, gerade erst aus einem langen, lähmenden Schlaf erwacht zu sein und endlich sein Umfeld bewusst wahrzunehmen.

„Du bist so eine freche Rübe.“ Markus lachte erleichtert. Er hatte zwar gehofft, dass es nur ein Scherz gewesen war, war aber eben nicht sicher gewesen. „Zur Strafe musst du jetzt aufstehen und mit mir ins Arbeitszimmer kommen. Wir haben nämlich noch jede Menge vorzubereiten, wenn wir Achim und Steffan in die Suppe spucken wollen.“

„Sklaventreiber, und das am Sonntag“, maulte Daniel wie erwartet und so musste sich Markus noch mit ein oder zwei Küssen entschuldigen, ehe sich Daniel langsam erhob. Die Decke ging zu Boden und er sammelte sie auf, warf sie auf einen der Couchschenkel und griff sich seine Klamotten. „Erst mal Bad“, überlegte er, als er an sich runter guckte. Er sah nicht besser aus als Markus.

„Du ins Bad, ich fahre die Technik hoch, dann tauschen wir. Sonst wird das nämlich nix mehr, wenn ich dich mit mir zusammen unter dem warmen Wasser habe.“ Markus grinste entschuldigend, denn er war schon wieder scharf auf Daniel. Was musste der auch so nackt und verlockend vor ihm stehen. Und als hätte der nichts besseres zu tun, als seinen Schatz zu reizen, drehte der ihm den Rücken zu und bückte sich noch einmal tief nach Markus’ Klamotten, wissend, was er damit anrichtete, denn er warf sie seinem Schatz zu und machte, dass er aus dem Wohnzimmer kam, ehe er noch gegriffen und gekitzelt wurde.

Lachend machte er die Badtür hinter sich zu. Es war verrückt und es war herrlich!


20

Markus wischte sich mit der Hand über das Gesicht und seufzte. Er war wirklich versucht gewesen, sich Daniel einfach zu greifen und in sein Schlafzimmer zu schleppen. Grinsend ging er in das Arbeitszimmer und fuhr die Rechner hoch. Weil es etwas kühl war, zog er sich sein Shirt an und wartete, dass alles bereit war. Als der Monitor bereit war, blinkte ein Signal, dass Thom mit ihm sprechen wollte. „Hallo mein Freund, was gibt’s?“, fragte er und grinste in die Kamera.

„Ich werde dir noch ein paar mehr Knoten in den Schwanz machen, damit du endlich deine Wieselpfoten aus meinem Netzwerk lässt“, knurrte Thom gutmütig und begrüßte seinen Gegenspieler erst einmal. „Grüße vom Chef, wir sind so weit fertig. Wenn du irgendwann heute oder morgen… bei euch ist Sonntag, arbeitet ihr am Sonntag? Haben Hacker Sonntage? Egal, sobald du so weit bist, versuch mal wieder dein Glück.“ Thom hatte auch aufgerüstet, was Markus aber nicht wusste. Er hatte ein paar Fallen eingebaut, von denen er hoffte, dass das Wiesel wenigstens eine auslöste. Sein Ego hatte einen Sieg nötig.

„Wenn du willst, dass ich dein Netzwerk in Ruhe lasse, solltest du dir was einfallen lassen, was mich aufhält“, lachte Markus und zwinkerte. Er war sich sicher, dass Thom was geplant hatte, wenn er ihn schon einlud zu testen. Es war ein unablässiger Kampf zwischen ihnen, den Markus bisher immer gewonnen hatte. Aber es wurde immer schwerer und irgendwann hatte Thom alle Schlupflöcher wohl geschlossen. Es war fast schade.

„Schatz, du kannst!“, tönte Daniel über den Flur und lugte ins Wohnzimmer, doch das war leer. Also huschte er weiter ins Arbeitszimmer, wo er seinen Liebling am Bildtelefon erwischte.

„Schatz?“, fragte Thom etwas irritiert und versuchte hinter Markus zu sehen.

Derweil kam Daniel interessiert näher. „Will ich wissen, warum du mit einem fremden Mann ohne Hose telefonierst oder werde ich dann die Tür leise hinter mir zumachen und mich verkriechen?“, wollte er amüsiert wissen. Es war selten, dass man Markus brüskieren konnte, er nutzte also jede Chance.

„Ohne Hose?“, griff Thom gleich das Thema auf.

„Äh…öhm“, stammelte Markus irritiert und brachte Daniel und Thom zum Lachen. Er war doch wahrhaftig rot geworden und das hatten sie beide noch nicht gesehen und Markus brummte leise. Er zog Daniel zu sich und zeigte auf den Bildschirm. „Das ist Thom und er will mir meinen Schwanz verknoten. Das darfst du nicht zulassen, Liebling.“

„Du bist also Thom?“, fragte Daniel aber lieber interessiert und sah sich den jungen Mann an. Er war so wie Markus ihn beschrieben hatte und hübsch war er auch, doch wie es schien keine Konkurrenz, auch wenn er seinem Liebling an den Schwanz wollte. „Hab schon viel von dir gehört, nur noch nicht, dass du ihm an die wichtigsten Körperteile willst.“

„Dafür habe ich von dir noch gar nichts gehört und außerdem hat er es sich verdient. Jedes Wiesel, dass in mein Reich eindringt, wird verknotet.“

„Da hast du es gehört, Schatz. Halt dich von seinem Reich fern und deinem Schwanz passiert nichts.“ Daniel lachte.

„Ey, so sollte das aber nicht laufen“, brummte Markus. Da verbündete sich sein Freund doch mit Thom. „Wenn ich nicht in sein Reich gehe, verdiene ich kein Geld und Thom wird übermütig und denkt, er wäre besser als ich.“ Markus sah Daniel mit großen Augen an und streckte Thom die Zunge raus, der nur abwinkte. „Klar, bin ich besser als du. Ich hab dich bisher nur gewinnen lassen.“

„Da kannst du mal sehen, wie nett Thom ist“, lachte Daniel. Er hätte nicht gedacht, dass er den Mann, mit dem er Markus immer hatte verkuppeln wollen, mal sehen würde. Doch jetzt war er eigentlich mehr als nur froh, dass es nie geglückt war. Markus an ihn verloren zu haben, hätte ihn geschmerzt. „Spiel du noch ein bisschen mit Thom, ich hol mir ’ne Cola. Soll ich dir was mitbringen?“

„Ja, Cola wäre nicht schlecht und vielleicht was zu knabbern.“ Markus zog Daniel zu einem Kuss zu sich und grinste. „’Ne Hose wäre auch nicht übel, dann sind meine edelsten Teile vor Thom sicher.“ Er klapste seinem Freund auf den Hintern und wandte sich dann wieder dem Bildschirm zu. „Und nun zu dir, Wieselschänder“, knurrte er. „Womit willst du mir denn das Leben schwer machen?“

„Schänder, alles, was ich wollte, war ein Knoten, mehr nicht“, lachte Thom und nutzte die Gunst der Stunde, um noch etwas zu quatschen. Das machten sie nicht oft, aber ab und an gönnten sie sich ein paar Minuten. Denn beide wussten: Erst wenn man den anderen besser kannte, konnte man ihn einschätzen. „Wusste gar nicht, dass du in festen Händen bist. Hübscher Kerl“, musste er zugeben und lenkte so davon ab, was er für das Wiesel plante. Er würde nichts verraten, gar nichts!

„Kannst du auch nicht wissen. Bin ich erst seit gestern.“ Markus hatte nichts dagegen, etwas zu reden und es tat gut, jemanden an seinem Glück teilhaben zu lassen. „Du kennst ihn schon, nur nicht so. Er ist Raphael, der Sänger von ARK.“ Thom wusste, dass er auch für die Band arbeitete und er hatte ihm ab und zu was erzählt.

„Das?“, fragte Thom etwas irritiert und erinnerte sich an die Bilder, die er von der Band gesehen hatte. „Wer hätte gedacht, was Klamotten und Schminke alles ausmachen können, hm? Allerdings gönn ich dir dein Glück und ich spekuliere darauf, dass er dir so den Kopf verdreht, dass du Fehler machst.“ Thom kicherte wie eine Hexe aus dem Märchen und grinste dann frech.

„Das tut er und zwar gewaltig, aber deine mickrigen Stolpersteine schaffe ich trotzdem.“ Markus zeigte seinem Freund einen Vogel und lächelte Daniel zu, der mit Getränken und Knabberkram ins Zimmer kam. „Du wirst also wieder eine Schlappe erleiden und dir jemanden suchen müssen, der dich tröstet.“

„Ob dein verständnisvoller Freund mich wohl trösten würde, wenn das böse Wiesel mich beißt?“, lachte Thom, doch das war nicht ernst gemeint. Daniel war hübsch aber nicht sein Typ. Er war nur ein guter Verbündeter gegen Markus.

„Ich glaube, ich bin ein besserer Wieselbändiger als ein Thom-Tröster“, erklärte Daniel auch wie zu erwarten und ließ sich auf den zweiten Sessel fallen, rutschte aber zu seinem Schatz heran, damit er nichts verpasste.

Er konnte sehen, wie Thom einen Schmollmund zog. „Lenk ihn ab, denn wenn ich ihn erwische, ist sein Job hier erledigt und er hat mehr Zeit für dich“, versuchte er es erneut bei Daniel, aber Markus nahm ihm gleich den Wind aus den Segeln. „Wenn du mich erwischen solltest, gibt es da noch mehr, die ein Wiesel fangen wollen.“

„Wiesel sind sehr begehrt“, fügte auch Daniel an und erklärte, dass es ihm ganz lieb war, wenn sein Schatz viel um die Ohren hatte, weil es bei ihm selbst nicht anders war und er so nicht auf dumme Ideen käme. Thom musste einsehen, dass er von dieser Seite keine Hilfe erwarten konnte, so verabschiedet er sich langsam. „Wie gesagt. Gib Zeichen, wenn du gescheitert bist“, lachte er und winkte.

„Ich werde dir eine Nachricht da lassen.“ Markus winkte Thom und trennte die Verbindung. „Verrückter Kerl“, lachte er und legte seinen Kopf auf Daniels Schulter. Thom war der erste, der wusste, dass sie zusammen waren und es war ein schönes Gefühl, jemandem zu erzählen, dass er sein Glück gefunden hatte.

„Er ist ein netter Kerl, aber warum nennt er dich Wiesel?“, lachte Daniel, dem die Bezeichnung eigentlich ziemlich gut gefiel. Denn wenn er an das dachte, was Markus schon alles mit Steffan angestellt hatte, ohne dass der Idiot das gemerkt hatte, musste man Markus die Verschlagenheit eines Wiesels schon zugestehen. Mit einer handvoll Chips beobachtete er Markus dabei, wie er die Monitore aus Daniels Wohnung aktivierte.

„Er nennt mich so, weil er mich darunter kennt. Ghost durfte ich ja nicht mehr sein, da musste ich was Neues suchen, was ich meinen Opfern da lassen konnte, um zu zeigen, dass ich es geschafft hatte. Irgendwann hat er mir gedroht, mir einen Knoten in meinen Wieselschwanz zu machen, damit ich hängen bleibe. So hatte meine Überraschung das letzte Mal einen Knoten. Damit kann er mich nicht aufhalten.“ Man hörte ein wenig den Stolz aus Markus’ Stimme, denn er liebte seinen Job und auch die Herausforderungen, die er mit sich brachte. „Siehst du, das ist das Wiesel.“ Er zeigte auf den Bildschirm, wo ein kleines gezeichnetes Tierchen herumwuselte.

„Hast du das gemacht?“, fragte Daniel und rutschte entzückt näher an die 3D-Animation. Das Tierchen war herzallerliebst, auch wenn es eine Kiste TNT unter einer Pfote trug, die es gerade an einen Zaun legte und die Lunte anzündete. Daniel lachte laut, denn das war zu komisch. Sicher, wäre er Thom und müsste Netzwerke sichern, wäre er angepisst, aber als Außenstehender hatte er das Recht, das kleine Tier süß zu finden. Vor allem, als es mit seiner: „Catch me if U can“, Fahne wedelte.

„Ja, ich fand es passend für meinen Job. Es macht einfach Spaß, Thom mit immer neuen Varianten zu ärgern. Was meinst du, würde es ihn freuen, wenn das Wiesel das nächste Mal von einem kleinen, süßen Engelchen begleitet wird? Er mag dich.“ Markus hatte da schon so eine Idee und seine Finger flogen über die Tasten. Mal sehen, ob Daniel der kleine Raphael gefiel.

„Warum nicht, solange du mich nicht als Souvenir da lässt oder mich mit dem TNT in die Luft jagst.“ Daniel musste lachen. Wie albern war Markus denn? Unglaublich, dass man für solche Sachen auch noch Geld bekam. Doch er wusste durchaus, dass mehr dahinter steckte als diese kleinen Filmchen, die nur eine gewisse Bonusleistung waren, wenn der Job getan war. Aber er guckte zu, wie nach und nach ein kleiner Engel das Licht der Welt entdeckte.

Er hatte große, blaue Kulleraugen und ein freches Grinsen, dass er oft hinter seinen langen schwarzen Haaren versteckte. Damit er sich verteidigen konnte, bekam der kleine Raphi ein Schwert, mit dem er durch die Gegend fuchtelte. „So einen süßen, kleinen Kerl überlasse ich doch nicht Thom.“ Markus gefiel die Figur sehr gut, auch wenn er die Kunstfigur, die Daniel spielen musste, nicht mochte.

„Kann er nicht lieber Turnschuhe haben? Die Stiefel machen doch viel zu viel Krach, verraten das Wiesel und es kommt in den Zoo, wo der kleine Engel es dann nur noch besuchen und mit Erdnüssen bewerfen kann. Möchtest du das?“ Daniel hatte gerade ein paar Erdnüsse in der Hand, die er sich in den Mund stopfte, zum werfen waren die eigentlich nämlich viel zu schade.

„Guter Einwand. Das sollten wir vermeiden.“ Es machte Spaß, den kleinen Engel mit Daniel zusammen zu entwerfen. So bekam Raphi Turnschuhe und ein neues sexy Outfit, das wie auf Markus’ Lieblingsbild rückenfrei war und den Stein hervorblitzen ließ. „So kann er mitkommen und Thom eine lange Nase drehen.“

„Au ja, das soll er machen. Eine ganz lange“, lachte Daniel und schmiegte sich dichter. Er war fasziniert von dem, was Markus alles konnte. Für ihn war Technik einfach zum benutzen da und wenn sie einmal nicht so funktionierte, wie sie sollte, war er aufgeschmissen. Lieber guckte er zu, wie der kleine Kerl die Flügel schwang, um abzuheben und das Wiesel ihm dabei ehrfürchtig nach sah und fast noch das TNT hätte fallen lassen.

Sie spielten mit den beiden Figuren und ließen sich einige gemeine Sachen für Thom einfallen, so dass sie ihn ärgern konnten, wenn Markus wieder gewonnen hatte. Es war einfach schöner, hier nicht mehr Nächte- und Tagelang alleine zu hocken. Sie tranken Cola und aßen Chips und erst als sie der Meinung waren, dass sie genug Material hatten, um Thom zu ärgern, hörten sie auf, schließlich wollten sie noch sehen, wer sich gestern in Daniels Wohnung herumgetrieben hatte.



Nach einer kleinen Stärkung mit Tiefkühlpizza machten sie sich also daran, die Bänder zu sichten und entdeckten irgendwann gestern gegen neun einen Schatten im Flur, von da an besahen sie sich die Bänder intensiver. Sie sahen tatsächlich Luzifer, der etwas in der Hand hatte, einen Rucksack auf dem Rücken. Es schien, als wäre er auf alles vorbereitet, sollte jemand in der Wohnung sein, denn das in der Flasche war Chloroform, wie eine Vergrößerung der Sequenz zeigte.

„So eine Ratte“, knurrte Markus wütend. Erst jetzt wurde ihm klar, was für ein Glück sie gehabt hatten, dass Daniel die Nacht bei ihm geblieben war. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Luzifer ihn in die Finger bekommen hätte. Er zog Daniel an sich und sah weiter zu, was in der Nacht passiert war. „Er hat eine Kamera installiert“, rief Markus plötzlich und zeigte auf den Bildschirm.

„Im Schlafzimmer, wie erwartet“, knurrte Daniel angewidert. Eigentlich hatte er auch noch ähnliches im Bad erwartet, doch das schien sich nicht zu bewahrheiten. Der Kerl hatte allerdings 2 von seinen Unterhosen mitgenommen, was Daniel schon extrem pervers fand. „Warum darf so was frei rumlaufen? Das kann ja wohl nicht wahr sein.“ Seine erste Intention war es, hoch zu gehen und die Kamera abzubauen, doch wenn sie nicht sendete, dann ahnte der Kerl was und kam vielleicht wieder. Also, was sollte er tun?

„Du solltest die nächste Zeit so wenig wie möglich alleine oben sein und schon gar nicht nachts.“ Markus hatte nichts dagegen, wenn Daniel hier bei ihm blieb, aber er war sich nicht sicher, ob sein Freund das wollte. Seine Wohnung war sein Rückzugsort und den hatte man ihm jetzt genommen. Vielleicht sollten sie diese Scharade bald beenden, damit sie neu anfangen konnten.

„Ich hätte gern gesehen, ob er einen Dietrich hatte oder einen Schlüssel“, sagte Daniel, der es immer noch nicht fassen konnte, wie krank man sein musste, um einer Gummipuppe Klamotten anzuziehen. Es war erschreckend, was alles frei herum laufen durfte. „Ich glaube auch, dass ich mich öfter hier aufhalten sollte. Hab ich nichts gegen, aber dafür, dass der Mistkerl mir auch noch mein kleines Reich kaputt gemacht hat, braucht er einen Denkzettel.“ Und Daniel würde schon noch etwas einfallen, er zitterte vor Wut und hätte nicht gedacht, dass er so tief hassen konnte.

„Ich versuche mal, ob ich was sehen kann.“ Markus zog Daniel kurz an sich. Er selber war alarmiert und würde seinen Freund so wenig wie möglich aus den Augen lassen. „Ich geh nachher hoch und hole dir alles runter, was du brauchst. Du kannst so lange hier bleiben, wie du möchtest.“ Während er mit Daniel redete, versuchte er raus zu bekommen, wie Luzifer in die Wohnung gekommen war. Leider war es nicht genau zu erkennen, aber es sah eher nach einem Schlüssel aus.

„Wenn nur du auftauchst und ich nicht mehr zu sehen bin, wird er alarmiert sein.“ Daniel hatte auch keine gesteigerte Lust, vor dem perversen Gaffer eine Peepshow hinzulegen, doch wenn sie ihn mit der Nase darauf stießen, dass sie wussten, dass er Daniel beobachtete, dann ließ er sich was Neues einfallen. „Ich werde hoch gehen und ein paar Sachen zusammenpacken.“ Sollte der Spinner vor seinem Monitor hocken und warten anstatt sich neue, kranke Dinge auszudenken.

„Okay, du bist der Boss. Ich komme mit hoch, aber werde außerhalb seiner Kameras bleiben“, bot er an. Markus wollte Daniel nichts vorschreiben, aber er konnte auch nicht aus seiner Haut. Er wollte seinen Freund beschützen, damit er endlich sein Leben so leben konnte, wie er es wollte.

„Ja, wir wissen ja, was die Dinger einsehen können und was nicht. Wenn ich dich oben nicht beachte, mach dir nichts draus. Er soll nicht auf die Idee gebracht werden, dass du mehr bist als mein Visagist. Denn wenn er glaubt, du bist ihm im Weg, habe ich Angst, dass er kurzen Prozess macht.“ Daniel küsste seinen Liebling und erhob sich langsam. „Dich zu verlieren wäre schlimmer als der Tod, also sorge dafür, dass das nie passieren wird.“ Seine Stimme war leise und ernst.

Die Worte gingen Markus durch und durch. Er zog Daniel fest an sich und lehnte seinen Kopf auf dessen Schulter. „Das werde ich nicht zulassen. Ich bleibe bei dir und lasse mich nicht davon abhalten, mit dir zusammen glücklich zu sein.“ Und das möglichst bald, damit Daniel endlich zur Ruhe kam. Lange hielt der den Stress mit seinen drei Peinigern nämlich nicht mehr aus.

„Wir haben das Ende der Hölle vor Augen, es wird nicht mehr lange gehen. Egal was sie tun, lass dich nicht provozieren“, bat Daniel und lächelte Markus sanft an. „Nicht mehr lange, das verspreche ich dir.“ Und das meinte Daniel ernst. Es konnte so nicht ewig weiter gehen, nicht mit diesen Irren an den Hacken. „Komm, ich brauche ein paar Sachen.“

„Egal, wann oder was du machst, ich werde hinter dir stehen und dir den Rücken stärken.“ Markus nahm Daniel an die Hand und gemeinsam gingen sie hoch in Daniels Wohnung. Markus blieb im Korridor und behielt seinen Freund im Auge, der alles, was er für ein paar Tage brauchte, in eine große Tasche packte. Immer wieder bedeutete er seinem Freund durch Handzeichen, was er gerne an ihm sehen würde und grinste, als das auch eingepackt wurde.

Zu guter Letzt griff er noch in seinen Nachtschrank und warf in die Tasche, was er gegriffen hatte. Seit dem Shooting für die Homestory lagen dort die Kondome. Er ging zwar davon aus, dass Markus auf alle Eventualitäten vorbereitet war, doch man konnte ja nie wissen. Und wo sie doch schon mal da waren?

Er griff sich noch seine Lieblingstasse aus dem Spüler und sein Kuschelhandtuch aus dem Bad. Dabei verbot er sich immer wieder mit den Augen nach der Kamera zu suchen.

Er kam zu Markus, der ihn ohne ein Wort in den Arm nahm und lächelte. Dass Daniel die Kondome eingepackt hatte, hatte ihn sehr gefreut. Das zeigte ihm, dass sein Freund sich in die Situation hineinfand und eine gemeinsame Zukunft immer näher rückte. Er zog Daniel ohne etwas zu sagen aus der Wohnung und küsste ihn, als die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte.

„Ich wette, er wird sich jetzt fragen, was ich vorhabe und wohin ich gehe. Ich werde also auf weitere Nervereien warten können“, überlegte Daniel, als er Markus wieder nach unten folgte. Er wollte sich nicht im Hausflur darüber unterhalten, denn von seinen Nachbarn wusste keiner, wer er war und womit er sein Geld verdiente. Er wollte gar nicht wissen, was die dachten, so oft wie hier Leute aus und eingingen.

„Ja, davon können wir wohl ausgehen.“ Markus ließ Daniel in seine Wohnung und schob ihn gleich weiter ins Schlafzimmer. Wie sein Freund vor ein paar Tagen für Steffan, machte er ein paar Fächer für Daniel frei, damit der seine Sachen unterbringen konnte und hoffte, so etwas Normalität in die momentane Situation zu bringen. „Räum einfach frei, wenn der Platz nicht reicht. Fühl dich wie Zuhause.“

„Ja, Wiesel“, kicherte Daniel und kam gerade noch mit einem eleganten Hüftschwung aus Markus’ Reichweite, der ihn greifen und für diese Titulierung bestrafen wollte. Doch Daniel gefiel das, nicht nur weil das kleine Wiesel süß war und eine Menge von TNT verstand, sondern auch, weil es ihm eine Seite an Markus gezeigt hatte, von der er noch nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Er jedenfalls hätte nicht mit dem Gedanken gespielt, sich eine komplett neue Identität zuzulegen.

Aber den Vorteil dieser Sache sah er durchaus ein. Wenn sie Achim wirklich um sein ergaunertes Geld brachten, würde der kochen vor Wut und da war es gut, von der Bildfläche zu verschwinden, so dass Achim sie nicht finden konnte. Das machte das Leben doch um einiges einfacher. Aber erst einmal rannte er lachend aus dem Schlafzimmer, weil Markus sich nicht so leicht austricksen lassen wollte und ihn immer noch bestrafen wollte.

„Wiesel, hab Erbarmen. Ich verspreche, ich pass auf, dass keiner einen Knoten in deinen hübschen Schwanz macht, wirklich. Ich verspreche es hoch und heilig!“ Lachend flitzte er um die große Couchlandschaft und blitzte Markus über die Lehne hinweg frech an. „Lieblingswiesel, nicht böse sein.“

„Boah, wie soll ich denn da noch böse sein, wenn du solche Sachen sagst“, brummte Markus und wartete, bis Daniel günstig stand. Mit einem Schrei stürzte er sich auf den Sänger, so dass sie zusammen auf die Couch fielen. Lachend kam er auf seinem Freund zu liegen und seine Augen blitzten. „Hab ich dich“, grinste er und küsste Daniel.

„Hab nichts anderes von meinem Wiesel erwartet, ein kleines, flinkes Raubtier“, lachte Daniel, weil sich Markus gerade seinen Hals entlang knabberte und leicht zubiss. Schon automatisch legten sich seine Hände auf Markus’ Rücken und es geschah, was immer geschah, wenn Markus ihn küsste: er vergaß alles um sich herum. Es gab keinen Achim und keinen Luzifer, keine Fans, die ihn mit Gabriel sehen wollten und kein Steffan, der ihm das Leben schwer machte, um ihn abzusägen. Es gab nur noch sie beide.

„Dein Wiesel wird dich mit Haut und Haaren fressen, weil du einfach zu lecker bist“, schnurrte Markus und knabberte sich an Daniels Kinnlinie entlang. Daniel drückte ihn fest an sich, also schien ihn nicht zu stören, was er machte.

Der hatte die Augen nämlich geschlossen und brachte sich den liebkosenden Lippen immer wieder entgegen. „Dann mach das!“, wisperte der Sänger und hatte sich ergeben. Er wollte keinen Rückzieher machen, er wollte Markus gehören mit Haut und Haaren, ihn lieben und von ihm geliebt werden. Er wollte nicht irgendwann bereuen, etwas nicht getan zu haben, nur weil er zu feige war. Er begehrte seinen Freund und der sollte sich nicht mehr zurücknehmen. „Lieb mich!“, forderte er rau und küsste Markus gierig.

Markus stöhnte in dem Kuss auf, denn auf einmal seinen größten Wunsch erfüllt zu bekommen, hatte ihn vollkommen unvorbereitet getroffen. Daniel war eben einfach wundervoll. Er blickte lächelnd auf seinen Freund runter und seine Augen strahlten. „Ich danke dir“, murmelte er leise und küsste seinen Freund gleich wieder. Dabei bedeutete er Daniel die Beine um ihn zu legen. Die Couch war zwar bequem, aber für das, was sie vorhatten, nicht geeignet.

„Sorg dafür, dass ich mich auch bei dir bedanken will“, flüsterte ihm sein Schatz ins Ohr und knabberte sich weiter über Markus’ Hals. Ihm war heiß und er spürte Energien, die er loswerden musste, wenn er nicht platzen wollte. Seine schlanken Finger gruben sich in die Haare seines Freundes und wieder suchte er dessen Lippen mit seinen. Er war wie elektrisiert.

Markus trug seinen Schatz ins Schlafzimmer und legte ihn vorsichtig auf dem Bett ab, ohne den Kuss zu lösen. Er war aufgeregt, das konnte er nicht leugnen, aber er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, denn er wollte Daniel nicht beunruhigen. Um sich und auch seinen Freund abzulenken, fing er an, den schon etwas bekannten Körper mit seinen Lippen und seinen Fingern zu erkunden. Dabei löste er störenden Stoff und schob ihn beiseite.

Daniel konnte nur genießend seufzend, so wie Markus seine Lippen über den flachen Bauch wandern ließ. Markus spürte das Zittern der angespannten Muskeln und wieder griffen die suchenden Hände in seine Haare. Daniel dirigierte Markus unbewusst tiefer, dorthin, wo er Markus am innigsten spüren wollte. Sein Kopf hatte ausgesetzt, er handelte nur noch instinktiv.

So hatte Markus leichtes Spiel, seinen Freund seiner Kleider zu berauben und konnte Daniel wieder auf die Weise genießen, wie er ihn am liebsten hatte. Und endlich ließ er sich auch von seinem Freund dahin dirigieren, wo er ihn haben wollte. Langsam küsste er sich den Streifen blonder Haare entlang tiefer und verwöhnte seinen Freund so gut er konnte. Damit brachte er seinen Liebling an den Rand des Wahnsinns. Er zog die Knie an und bog den Rücken durch, doch seine Finger konnten sich nicht aus Markus’ Haaren lösen. Seine Zehen krallten sich haltsuchend in das Laken, doch alles half ihm nicht, sich zu entspannen. Seine Stimme wurde hoch und brüchig und sein Atem floh. Er war Wachs in Markus’ Händen und Sklave seiner Lust.

Das war genau das, was Markus erreichen wollte. Daniel sollte sich in seiner Lust winden. Seine Finger streichelten die heiße Haut und immer wieder verirrten sich seine Finger streichelnd in bisher verbotene Zonen. Markus war angespannt und versuchte auf jede Regung seines Freundes zu achten und war bereit, sofort aufzuhören, wenn Daniel das wollte, auch wenn er selber fast barst vor Lust.

Doch jede Faser von Daniels Leib ließ ihn spüren, dass Daniel nicht mehr zurück konnte. Die heißen Lippen um seine Erregung, die geschickte Zunge, die ihn trieb und trieb. Er konnte kaum noch an sich halten. Er bog den Rücken immer weiter, brachte sich Markus so entgegen – er musste mehr haben, immer mehr, mehr!

„Lieb mich!“, winselte er immer wieder und sein glasiger Blick suchte Markus’.

Die leise Bitte ließ Markus Schauer über den Rücken rieseln und er küsste seinen Freund. Er musste Energie loswerden, um nicht unbeherrscht über Daniel herzufallen. Daniel war so weit und er wollte ihn nicht länger leiden lassen, darum tastete er nach dem Gel und den Kondomen in der Schublade. „Liebe dich“, murmelte er leise, als er alles hatte und präparierte sich und seinen Freund. Sein Herz schlug schnell und hart, als er sich positionierte.

Daniel hielt den Atem an, als er spürte, wie sich Markus in ihn drängte. Er konnte nicht vermeiden; dass sein Körper sich verspannte bei dem merkwürdigen Gefühl, doch Markus küsste ihn immer leidenschaftlicher und lenkte ihn solange ab, bis er sich langsam in seinem Liebsten vergraben hatte. Daniel holte keuchend Luft und verspannte sich wieder, entlockte Markus so ein überraschtes Stöhnen.

„Mein“, brachte er zwischen kurzen Atemzügen hervor und schloss die Augen.

Das war um so vieles besser, als er sich jemals erträumt hatte. Daniel umschloss ihn eng und einfach nur perfekt, so dass er sich zurückhalten musste, um nicht unbeherrscht in ihn zu stoßen. Vorsichtig bewegte er sich und beobachtete Daniel dabei, ob sein Freund Schmerzen hatte Und als er nichts erkennen konnte, wurde er etwas forscher. Er zog sich zurück und nahm seinen Freund wieder in Besitz. Daniel sollte sich vor Lust winden und nach mehr schreien und es dauerte auch gar nicht lange.

Diese Art der Empfindung war für den Sänger völlig neu, vor allem, weil Markus wissend immer wieder einen bestimmten Punkt traf, der Daniel Punkte sehen ließ – kleine, bunte Punkte, die vor seinen Augen tanzten.

„Markus!“, winselte er und seine Lippen nippten immer wieder an der Haut seines Freundes, an der Schulter, am Hals, ab und an fanden auch die Zähne Kontakt und hinterließen rote Male.

Markus merkte das nicht einmal und wenn er sie später entdeckte, würde er sie mit Stolz tragen. Immer wieder nahm er Daniel in Besitz und weil der kaum noch Luft bekam, umfing er ihn mit der Hand und stimulierte ihn so noch zusätzlich. Sein Freund sollte vor ihm kommen, damit Markus es genießen und ihm danach folgen konnte. Er wusste ganz genau, wie er auf seinem Schatz spielen musste, um ihn zum klingen zu bringen. Dunkel und hell, laut und leise – es war Musik in Markus’ Ohren, wie Daniel nach ihm bettelte.

Und so bedurfte es nicht mehr viel, um ihm den letzten Zipfel Verstand zu rauben. Mit einem wohligen Stöhnen ergab sich Daniel der lockenden Erlösung und er kerkerte Markus fest in sich ein, die Augen dabei langsam schließend.

Darauf hatte Markus nur gewartet und hielt sich nicht mehr zurück. Gemeinsam mit seinem Freund erklomm er die höchsten Gipfel der Lust und ließ sich dann mit ihm zusammen fallen. Es war einfach unglaublich. Solch intensive Gefühle hatte er noch nie erlebt. „Liebe dich“, keuchte er atemlos und verteilte kleine Küsse auf dem geliebten Gesicht.