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Raphaels Schatten - Teil 21 bis 22

21

Daniel lächelte und versuchte allmählich wieder zu Atem zu kommen. Die Augen geschlossen, spürte er den letzten Wellen durch seinen Körper nach. Es war wie ein Rausch gewesen und so strich er seinem Schatz träge durch die verschwitzten Haare, der seinen Kopf auf Daniels Schulter hatte sinken lassen. „Wow“, murmelte er leise und drückte ein wenig den Rücken durch, doch mit Markus’ Gewicht auf sich war das nicht so leicht. Erst jetzt bemerkte er, dass er seine Beine fest um Markus geschlungen hatte, doch er löste sie nicht, denn so wie es war, war es gerade perfekt.

„Das ist genau das richtige Wort dafür“, murmelte Markus und nippte an Daniels feuchter Haut. Das gerade Erlebte hatte jede seiner Vorstellungen gesprengt, die er von ihrem ersten Mal hatte. Zufrieden strichen seine Finger über Daniels Seiten und er atmete tief durch. Er wollte jetzt nur noch so liegen bleiben und genießen, dass sie noch verbunden waren.

„Du weißt doch, dass ich immer die richtigen Worte finde“, grinste Daniel schief und versuchte, langsam wieder zu Atem zu kommen, in seinem Kopf drehte sich noch alles. Es rächte sich, dass er so viele Jahre abstinent gelebt hatte, er war völlig fertig. Aber er hatte sich lange nicht so ausgeglichen gefühlt. Träge strichen seine Hände über Markus’ feuchten Rücken, so tief wie er reichen konnte. Dabei spannte er sich leicht an und kicherte, weil Markus harsch die Luft einzog.

„Du bist so eine freche Kröte“, knurrte Markus gutmütig und zwickte Daniel kurz ins Ohr. „Denk dran, ich bin dein Trainer und kann dir Extra-Runden aufbrummen.“ Das würde er zwar nie machen, aber drohen konnte man ja mal. Er stützte sich ein wenig mehr auf seine Arme, damit Daniel besser Luft bekam.

„Kröte“, empörte sich sein Freund. „Kann ich nicht wenigstens ein Frosch sein? Bei denen hat man noch Hoffnungen, dass irgendwann nach hunderttausend Küssen mal ein Prinz draus wird. Aber aus einer Kröte, was wird aus einer Kröte? Höchstens Krötenaugensuppe und das mag ich nicht.“ Daniel ließ seine Hände – entgegen seiner blödelnden Worte – sanft über Markus’ Haut streichen. Er hatte seinen Freund schon so oft angefasst und doch fühlte sich heute alles anders an. Intensiver, wärmer, schöner irgendwie.

„Du bist doch schon mein Prinz. Aber mindestens hunderttausend Mal küssen werde ich dich trotzdem.“ Markus lachte leise und fing schon mal an, sein Versprechen einzulösen. Er zog nur die Decke über sie, damit sie nicht froren und widmete sich dann ausgiebig den geliebten Lippen, die ihn schon so viele Jahre lockten und die er jetzt endlich küssen durfte.

„Das will ich doch hoffen“, nuschelte Daniel und löste langsam Arme und Beine, ließ Markus so allmählich aus sich gleiten. Das Gefühl war merkwürdig, ähnlich einem Verlust, doch es musste wohl sein und es war nun Weißgott nicht so, dass sie das hier nicht wiederholen konnten. „Und wehe nicht.“ Er sah Markus kurz in die Augen, dann fanden sich ihre Lippen wieder, das war unglaublich.

Markus ließ sich neben Daniel gleiten und entsorgte das Kondom. In ein Tuch gewickelt ließ er es einfach neben das Bett fallen und zog seinen Freund dann an sich. Er war träge aber nicht müde. Das war sehr angenehm. Es war einfach schön, zusammen zu liegen und zu wissen, dass sie das ab jetzt so oft haben konnten, wie sie wollten.

„So mag ich Sonntage“, murmelte Daniel und ließ sich dichter ziehen. Er fröstelte ein wenig, denn das Fenster im Schlafzimmer war angekippt. „Wegen mir dürfte jeden Tag Sonntag sein.“ Er hatte keine gesteigerte Lust morgen Steffan zu begegnen, nicht nach ihrem unschönen Auseinandergehen. Stress war da doch vorprogrammiert.

Er hob den Kopf, als es an der Tür klingelte und sah Markus fragend an. Wer konnte das denn sein? „Erwartest du jemanden?“

„Nee, eigentlich nicht.“ Markus wollte nicht aufstehen, aber als es noch einmal schellte, seufzte er. Das war vielleicht Jessie, die Daniel erreichen wollte und es jetzt bei ihm versuchte. Und so wie er die junge Dame kannte, hörte sie nicht auf zu schellen. „Ich sollte vielleicht zur Tür gehen und nachfragen, wer getötet werden möchte“, lachte er und krabbelte aus dem Bett.

„Mach das mal, hoffentlich können deine Freunde vom F.B.I. verhindern, dass du anschließend in den Knast musst.“ Daniel richtete sich auf und sah Markus etwas missmutig nach. Er lauschte und grinste, als nur ein abweisendes: „Was gibt’s“, in den Hörer geknurrt wurde. Markus war wirklich nicht angetan von der Störung, auch nicht, wenn es Jessie war.

Doch es war nicht Jessie, es sei denn, sie hatte ihre Stimme tiefer werden lassen.

>>Ich suche meinen Engel. Sag ihm bitte, dass ich warte. Er soll sich beeilen.<<

„Bitte?“ Markus war im ersten Moment völlig perplex, aber es dauerte nicht lange, bis er wusste, wer dort unten vor der Tür stand und klingelte. Luzifer! Markus ballte die Hände zu Fäusten und atmete tief ein, damit er nicht die Beherrschung verlor. Langsam zählte er bis zehn und erst dann drückte er den Knopf der Gegensprechanlage. „Verschwinde du Arschloch. Daniel will mit dir nichts zu tun haben.“

Seine Stimme klirrte wie Eis.

>>Er hat doch gepackt, aber das Haus noch nicht verlassen. Ich schlussfolgere, er wartet darauf, dass er abgeholt wird.<< Luzifer ließ sich nicht schocken. Er war davon ausgegangen, dass der Visagist nicht sonderlich erbaut sein dürfte, ihn hier zu treffen. Schließlich buhlten sie um den gleichen Mann.

Markus’ Ausbruch allerdings hatte Daniel neugierig gemacht. Wer konnte das sein, den sein Freund so harsch anfuhr? Hastig hüpfte er aus dem Bett und griff sich Shirt und Hose. Er war neugierig geworden und lief während des Anziehens in den Flur. „Was?“, flüsterte er fast tonlos.

„Luzifer“, flüsterte Markus genauso leise zurück und bedeutete Daniel sich neben ihn zu stellen. „Er will nicht abgeholt werden und schon gar nicht von dir. Lass ihn in Ruhe, er will nichts mit dir zutun haben.“ Die Art und Weise, wie Luzifer von Daniel redete, machte ihn immer wütender. Es klang gerade so, als wäre er Teil seines Lebens und allein diese Vorstellung machte Markus fast wahnsinnig. Was bildete der Kerl sich ein – schlimmer noch: was stellte er in seinem krankhaften Glauben, Raphael gehöre ihm, alles an?

Daniel indes wurde blass. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Hastig lief er zum Balkon, der vor auf die Straße zeigte. Er wollte mit eigenen Augen sehen, wer das war.

Er konnte die Haustür sehen und wich schnell wieder in den Schatten zurück, als er sehen konnte, dass wirklich Luzifer an der Tür stand. Markus indessen versuchte Luzifer zu verscheuchen. Er kochte vor Wut und war kurz davor, runter zu rennen und diesem Spinner eine reinzuhauen. Vielleicht brachte ihn das wieder zur Vernunft.

Doch Daniel hielt ihn zurück. Er stand wieder neben der Tür und sah Markus an, dann flüsterte er: „Stell die Klingel aus und komm mit in die Küche.“ Er ging vor, weil er nicht wollte, dass Luzifer Markus so lange provozierte, bis etwas passierte. Dringender war doch die Frage, woher der Mistkerl wusste, dass Daniel noch im Haus war.

Markus bellte noch ein: „Verschwinde, du Arschloch“, dann machte er, was Daniel vorgeschlagen hatte und folgte seinem Freund in die Küche. „Ich glaub es ja nicht. Klingelt der doch glatt hier und will dich mitnehmen“, regte er sich auf und lief in der Küche auf und ab und überlegte, was sie jetzt machen sollten.

„Sag mir lieber, woher der Arsch weiß, dass ich hier bin. Er hat mich die Tasche packen sehen. Sitzt der etwa seit heute morgen vor der Tür?“ Daniel war fassungslos. Er hatte zwar geahnt, dass der Kerl mehr wusste, als ihnen lieb war, aber das hier offenbarte mehr. Nervös zerrte er am Saum seines Shirts und sah Markus forschend an. Dann hörte er Luzifer auf der Straße rufen. Das durfte doch jetzt nicht wahr sein. Doch als Markus reagieren wollte, hielt Daniel ihn fest. „Nicht die Trolle füttern, das will er doch nur.“

Er legte seinem Freund die Hand auf den Arm und Markus blieb seufzend stehen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was Daniel gesagt hatte und er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Ich bin so blöd. Warum habe ich nicht daran gedacht? Er ist ein Stalker, da wird er nichts dem Zufall überlassen.“ Ohne weiter auf Daniel zu achten, lief er in sein Arbeitszimmer und holte ein kleines Gerät. Damit fuhr er einmal an seinem Freund entlang, aber da tat sich nichts. Unzufrieden, wiederholte er die Prozedur an Daniels Wäsche. „Wusste ich’s doch“, triumphierte er, als das Gerät piepste. „Das Arschloch hat dich verwanzt.“

„Wie bitte?“ Daniel glaubte seinen Ohren nicht. „Verwanzt?“ Er sprang auf und lief ebenfalls ins Schlafzimmer. Er hatte das eben für einen schlechten Scherz gehalten, doch als er ankam, hatte Markus das kleine Ding in der Hand. Unscheinbar und erschreckend winzig. „Nicht!“, rief er, als Markus es zertreten wollte. „Vielleicht brauchen wir den noch. Such weiter, den legen wir erst mal da hin.“ Daniel packte das kleine Ding auf den Nachttisch. Luzifer sollte sich sicher fühlen. Wenn das Ding nicht mehr sendete, wusste er doch, dass er aufgeflogen war und wurde wieder aktiv. Man sollte keine schlafenden Hunde wecken.

„Er muss ihn in deine Sachen gemogelt haben, als er in deiner Wohnung war.“ Markus nahm sich jedes Teil von Daniels Kleidung vor und fand in einem Schuh noch eine Wanze. „Das war’s, mehr konnte ich nicht finden. Kann sein, dass oben in deiner Wohnung noch welche sind, aber danach können wir nicht suchen, das kriegt er mit.“

„Ich glaube das einfach nicht“, sagte Daniel und starrte auf die beiden Sender. „Was verspricht er sich denn davon, wenn er immer weiß, wo ich bin?“ Er schüttelte den Kopf und sah Markus schief grinsend an. „Fehlte nur noch, dass du mir auch welche verpasst hast“, lachte er und schloss die Tür vom Kleiderschrank.

„Öh…ja…also…“, stammelte Markus und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Um ganz ehrlich zu sein, habe ich das“, murmelte er schief grinsend und tippte vorsichtig an das Piercing, dass Daniel oben in seinem linken Ohr trug. „Na ja, ich wollte auf alles vorbereitet sein, falls mal irgendwas mit deinen verrückten Fans passiert.“

Daniel verging das Grinsen und er folgte Markus’ Hand zu seinem Ohr. Wortlos griff er sich das kleine Gerät zum Aufspüren und hielt es sich ans Ohr und wirklich, es piepste. „Das glaube ich jetzt nicht“, sagte er und wusste nicht, wie er das werten sollte. „Gibt es noch mehr Geheimnisse, die ich nach und nach erfragen muss?“ Er war sauer und wusste nicht genau warum. Er sollte doch froh sein, dass Markus sich so um ihn sorgte, doch langsam liefen die Parallelen zwischen Luzifer und seinem Freund zu auffällig.

„Tut mir leid. Ich hätte es dir sagen sollen, aber ich habe gar nicht mehr dran gedacht. Ich habe dir das wirklich nicht wissendlich verschwiegen, das musst du mir glauben.“ Markus spürte, dass Daniel sauer war und fühlte sich elend. „Es gibt auch noch ein paar andere in Dingen, die du oft bei dir hast.“ Markus wollte ehrlich sein, denn dass Daniel ihm misstraute wollte er auf keinen Fall.

„Und das wäre genau wo?“, fragte er schnippisch und verschränkte die Arme vor der Brust. Dabei sah er Markus forschend an. Das durfte doch nicht wahr sein, der Mann, dem er am meisten vertraute, führte sich auf wie Luzifer. Das schmerzte. Warum tat Markus das? Daniel zitterte, denn der kühle Abendwind strich durch sein dünnes Shirt und durch das Fenster sah er unter der Laterne auf der anderen Straßenseite Luzifer stehen, der sie interessiert zu beobachten schien. Wütend schlug Daniel auf den Lichtschalter und tauchte das Zimmer in Dunkelheit.

Markus ließ den Kopf hängen. Das lief gerade nicht so, wie es sollte. „Daniel ich…“, fing er an und hob entschuldigend die Hände, aber er traute sich nicht, seinen Freund zu berühren. „Ich wollte dich damit nicht kontrollieren. Ich habe sie wirklich nur bei dir deponiert, um dich besser beschützen zu können. In deiner Sporttasche, deinen Lieblingsstiefeln, deinen Turnschuhen und in zwei Jacken.“ Es fiel ihm nicht leicht, das zuzugeben, aber er musste ehrlich sein, damit Daniel ihm wieder vertrauen konnte.

„Aha“, war erst einmal die undeutbare Antwort und Daniel holte tief Luft. Immer wieder glitt sein Blick zur Laterne und Luzifer sah weiter zu ihnen hinauf, gerade so, als könnte er ihn auch im Dunkel des Raumes sehen. „Du benimmst dich wie der da“, sagte Daniel leise und zog die Schultern höher. Er fühlte sich traurig und es tat weh. „Ich will nicht, dass du so bist wie er.“ Seine Stimme klang erstickt.

„Schatz.“ Markus kam zu Daniel und legte die Arme um ihn. „Ich bin nicht wie er. Ich bin auch nie so gewesen. Ich weiß, dass es von außen so aussieht, aber du musst mir glauben, ich habe das alles nur gemacht, um dich besser beschützen zu können. Ich kann dir das nur nicht beweisen.“ Er wusste, dass es viel verlangt war, dass sein Freund ihm vertraute. „Ich geb zu, dass es ein klein wenig paranoid ist, aber ich bin wirklich ein ganz harmloser Irrer“, versuchte er zu scherzen.

„Blödmann“, schmollte Daniel, doch er war froh, dass Markus nicht einfach stehen geblieben war, sondern ihn jetzt im Arm hielt. In solchen Augenblicken hätte er Markus alles geglaubt, selbst wenn er mit einem blutigen Messer in der Hand über der Leiche kniend seine Unschuld beteuert hätte. „Irres Wiesel“, murmelte er und schloss die Augen. Er stand zum Fenster gedreht und starrte Luzifer an, doch dann wandte er sich im Ekel ab. Lieber schmiegte er sich an Markus.

Markus war seinem Blick gefolgt und er hatte erwartet, dass Luzifer noch da war, denn das passte zu dem Stalker. „Komm, hier kann er uns am wenigsten sehen.“ Er küsste Daniel kurz und zog ihn dann mit sich. Er sollte seinem Freund wohl noch einiges erklären und sie sollten planen, wie es weiterging.

„Allein die Vorstellung, dass der Kerl da unten steht, macht mich kirre. Was habe ich denn bitte angestellt, um mit so was bestraft zu werden.“ Das war nicht fair und so war es nicht verwunderlich, dass Daniel sich nur widerwillig ziehen ließ. Er kam sich vor, als würde er flüchten und sich verstecken und der Kerl bekam die Oberhand über sein Leben. Das sollte so nicht laufen. Doch er wusste von anderen Fällen, dass es keinen Sinn machte, die Polizei einzuschalten. Zwar beteuerte man von Beamtenseite her immer, man solle sich an die Polizei wenden, doch dann passierte – nichts. Gar nichts. Man könne nichts machen, man müsste das beobachten. Die Typen wurden doch erst aktiv, wenn man tot war. Es lebe der Rechtsstaat.

„Du bist halt unwiderstehlich.“ Markus zog Daniel zum Bett und setzte sich mit ihm zusammen darauf. „War nicht ernst gemeint. Niemand hat es verdient, dass so ein Irrer wie Luzifer es auf ihn abgesehen hat. Darum wäre es für uns wirklich das Beste, so bald wie möglich zu verschwinden und alle Brücken hinter uns abzubrechen. Ich will nicht, dass du ständig in der Angst leben musst, dass Luzifer etwas plant.“

„Ja, ich weiß. Aber ich will vorher meine Bude räumen. Achim soll nicht die Chance haben, meine Sachen noch an trauernde Fans zu verhökern, wenn ich weg bin. Außerdem muss ich mich absichern, wenn mir wirklich etwas passieren sollte.“ Daniel sah Markus an und lehnte sich dann wieder gegen ihn. Es war, als könnte der Mann einen Kokon um ihn spinnen, der alles Schädliche aussperrte. „Du solltest Vollmachten für all meine Verträge und anderen Scheiß bekommen, du sollst meine Kohle sicher verschieben und...“ Daniel überlegte laut.

Markus sah Daniel im ersten Moment nur völlig perplex an, aber dann lächelte er glücklich und drückte seinen Liebsten fest an sich. Deutlicher hätte Daniel ihm nicht zeigen können, wie sehr er ihm vertraute, trotz all der Dinge, die er getan hatte. „Ein Freund von mir ist Rechtsanwalt und Notar, der könnte das mit dem Geld und den Verträgen schnell und Problemlos für uns regeln. Er kennt sich damit aus und wir hätten eine Sorge weniger, um die wir uns kümmern müssen.“ Sie hatten auch so noch genug zu tun, wenn sie auf alles vorbereitet sein wollten. „Für deine und meine Sachen, die wir behalten wollen, mieten wir uns einen Lagerraum und bringen dort alles unter. Wenn wir dazu unsere neuen Namen nutzen, kann das auch niemand zu uns zurückverfolgen.“

„Guter Plan“, nickte Daniel. „Aber das müssen wir gut durchdenken. Nicht dass uns Luzifer auf alles kommt. Am besten bleibe ich in meiner Wohnung und hopse vor der Kamera herum, während du dann die Kisten mit unserem Zeug wegbringst.“ Daniel war plötzlich Feuer und Flamme, denn sie hatten einen – wenn auch steinigen und langen - Weg, sich abzusetzen, gefunden. „Ich will irgendwann die Bombe noch platzen lassen. Auch wenn es mir um Holger und Ingo leid tut. Aber mit Steffan als Leader soll ARK keinen Fuß mehr auf den Boden kriegen und keinen roten Heller in den Rachen geworfen bekommen.“

Dass Daniel wieder in seine Wohnung wollte, gefiel Markus nicht, aber er sah ein, dass es wohl notwendig war. „Schatz, wenn wir das alles hier hinter uns haben, verspreche ich dir, dass es keine Kameras, Mikrofone und Wanzen mehr geben wird, aber solange wie Luzifer noch eine Gefahr ist, möchte ich alles noch so lassen, wie es ist, damit ich wenigstens auf dich aufpassen kann, wenn du alleine bist.“ Er hoffte, dass Daniel das verstand und nichts dagegen hatte. Markus fühlte sich so einfach besser.

„Schon okay. Ich habe es bisher überlebt und so schädlich ist es nicht, wenn du immer weißt, wo ich bin. Mir wäre zwar wohler, wenn ich auch wüsste, wo der Spinner ist, aber der ist zu ausgeschlafen, um sich eine Wanze unterschieben zu lassen. Ich werde einfach niemandem die Tür öffnen. Das Schloss ist neu und du hast deinen eignen Schlüssel. Alle anderen haben in der Bude nichts mehr verloren.“ Mit Jessie und seinen Eltern musste er noch reden. Am besten schrieb er ihnen alles nieder. Wer wusste schon, ob nicht auch sein Telefon verwanzt war. Langsam wurde er wirklich paranoid.

„Gut.“ Da das geklärt war, konnten sie sich auf die Planung ihres Abgangs konzentrieren. Da kam es ihnen zugute, dass Markus sich schon länger mit der ganzen Materie beschäftigt hatte. „Schatz, ich habe da ein paar Ideen, über die wir reden sollten“, fing er an und machte es sich mit Daniel zusammen im Bett bequem. So konnten sie besser reden und planen. „Da wir nicht wissen, was alles noch passiert, sollten wir auf so viele Möglichkeiten vorbeireitet sein, wie es geht. Aber vor allem, wäre es nicht verkehrt, wenn wir Vorkehrungen treffen, was unsere Wertgegenstände betrifft.“ Markus sah Daniel an und küsste ihn sanft. „Ich weiß, dass jetzt nicht gerade ein romantischer Augenblick ist und du was Schöneres verdient hast, aber trotzdem…“ Er holte tief Luft und wirkte auf einmal sehr nervös. „Willst du mich heiraten Daniel?“

Die Worte kamen wie ein Hammerschlag und als Daniel endlich begriffen hatte, was Markus eben gefragt hatte, sah er ihn etwas verstört an. Wie kam Markus denn jetzt bitte darauf? Einmal davon abgesehen, dass sie erst seit wenigen Tagen ein Paar waren, fehlte ihnen für eine Hochzeit im Augenblick die Zeit. So was ging nicht von heute auf morgen, das wusste auch Daniel, doch dann erinnerte er sich daran, dass das nicht die Frage gewesen war. Markus wollte nur wissen ob, nicht wann. Und so konnte Daniel nur nicken. Wenn er sich sein Leben ohne einen einzigen Menschen nicht vorstellen konnte, so war das Markus.

Der strahlte glücklich und zog seinen Schatz in eine liebevolle Umarmung. „Ich liebe dich“, rief er glücklich und küsste Daniel. Sie waren jetzt also verlobt und das war ein unbeschreiblich herrlicher Gedanke. Jetzt, wo Daniel ja gesagt hatte, konnte er sich daran machen, alles vorzubereiten. Wozu war er ein Spitzen-Hacker, wenn er es nicht schaffte, ihnen in den nächsten Tagen einen Termin beim Standesamt zu besorgen.

„Spinner“, lachte Daniel leise und ließ sich in einen sanften Kuss ziehen, anders als die vorherigen, mit weniger Gier und Lust, sondern voller Zuversicht. „Ich liebe dich auch, Wiesel“, murmelte er leise und lächelte. Er gehörte jetzt Markus und das war ein unglaublich warmes Gefühl. Zusammen konnten sie alles schaffen, da war er sich sicher – egal wo, egal wann. Es brauchte nur sie zwei.

„Dein Spinner“, korrigierte Markus seinen Schatz grinsend. „Richte dich darauf ein, morgen oder übermorgen mit mir zum Standesamt zu gehen. Du glaubst gar nicht, wie glücklich du mich machst.“ Am liebsten wäre er gleich aufgesprungen, um alles vorzubereiten, aber das musste noch warten. „So kann ich verhindern, dass Achim an deine Sachen und dein Geld kommt, wenn du vielleicht erst einmal ohne mich abtauchen musst.“

„Ich hoffe doch, dass dein Antrag noch andere Gründe hatte als Rechtliches und Steuerliches“, grinste Daniel und gab sich pikiert, fiel seinem Verlobten dann aber doch wieder lachend gegen die Brust. Markus gelang es immer wieder, ihn all die Fegerfeuer, die um sie loderten, vergessen zu lassen. Und in wenigen Tagen konnte sie nichts mehr trennen. Das konnte es eigentlich schon jetzt nicht, da war er sich sicher, doch dann waren sie auch vor dem Gesetz eins. „Schade, dass Jessie und meine Familie nicht dabei sind. Aber das holen wir nach, wenn die Wogen sich geglättet haben. Egal wo.“

„Du kannst davon ausgehen, dass ich meinen Antrag zwar jetzt wegen all dieser rechtlichen Dinge gemacht habe, aber ich dich heiraten möchte, weil du die Liebe meines Lebens bist.“ Markus sah Daniel liebevoll an und streichelte ihm über die Wange. „Wenn wir unser neues Leben beginnen, sind wir nicht mehr Daniel und Markus und müssen noch einmal heiraten, wenn wir es mit unserer neuen Identität sein möchten. Daran werden sie auf jeden Fall teilnehmen und mit uns feiern.“

„Oh“, machte Daniel und lachte leise. Zweimal heiraten war doch auch nicht schlecht. „Hoffen wir, dass es bald so weit sein wird. Aber vorher sollen Achim und Steffan bluten. Ihre Karriere soll platzen wie eine Seifenblase und sie sollen in der Branche keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Ich weiß noch nicht genau wie, aber die sollen mich nicht vergessen.“ Daniels Stimme klang hart und so lehnte er sich wieder an Markus und sah ihn verliebt an, er wollte jetzt nicht an diese Idioten denken, wenn es Schöneres gab.

„Die beiden lass mal meine Sorge sein. Die Presse wartet nur auf Skandale und das Material dazu wird sie anonym zugeschickt bekommen. Alles hieb und stichfest mit Beweisen, so dass Achim und Steffan nichts erreichen werden, wenn sie gerichtlich dagegen vorgehen wollen.“ Alles, was Markus dazu brauchte, hatte er auf seinem Computer und das war schnell zusammengestellt und auf CDs gebrannt. Das hätte er auch gemacht, wenn Daniel das nicht ausdrücklich gewünscht hätte, aber so war es ihm sogar noch ein größeres Vergnügen. Wie sein Schatz schon einmal gesagt hatte, sich Markus zum Feind zu machen war keine gute Idee.

„Ich will sie leiden sehen“, knurrte Daniel, doch dann waren die beiden auch schon wieder aus seinem Kopf. Er küsste Markus und machte sich bewusst, dass sie jetzt verlobt waren und in ein paar Tagen offiziell ein Paar. „Und dann wird es Raphael nicht mehr geben. Ich konnte ihn zwar nicht leiden, aber schade ist es schon. Er hatte tolle Klamotten.“ Er grinste schief und holte tief Luft.

Markus lachte und stupste Daniel gegen die Nase. „Ja, besonders das letzte Kostüm, das Jessie gemacht hat. Ich hätte bald angefangen zu sabbern, als ich dich darin gesehen habe. Du sahst so heiß aus darin und dann hast du dich auch noch genau so hingestellt, dass ich unweigerlich auf deinen Schritt gesehen habe, als du dich ausgezogen hast. Das war die reinste Folter.“ Markus machte ein leidendes Gesicht und drückte Daniel an sich. „Jessie macht bestimmt auch für Daniel Foster schicke Sachen, die auch Alltagstauglich sind.“

„Werden wir sehen, aber das mit dem Kostüm tut mir leid, ich hatte doch keine Ahnung“, nuschelte Daniel und bekam schlagartig ein schlechtes Gewissen. Das letzte, was er gewollt hatte, war Markus zu quälen. „Ich sollte ein paar der Klamotten gleich mitnehmen, hm? Den Rest können wir nachholen, wenn alles vorbei ist.“ Jessie zurücklassen zu müssen schmerzte, doch es ging nicht anders und er hoffte, dass sie verstand, wenn er es ihr erklärte.

„Ich habe nicht nur gelitten, sondern es auch genossen.“ Markus küsste Daniel sanft und lächelte. „Du warst bei mir und ich wusste immer, dass du mich liebst, wenn auch anders als jetzt. Ich war glücklich.“ Sein Freund sollte sich keine Gedanken mehr darüber machen, was er Markus eventuell angetan hatte. „Jetzt sind wir verlobt und werden bald heiraten.“ Markus wollte Daniel noch einmal küssen, aber kurz bevor ihre Lippen sich berührten, hielt er an und grinste. Ihm war gerade etwas eingefallen. „Warte mal eben kurz, bin gleich wieder da“, lachte er und sprang aus dem Bett. Er flitzte ins Arbeitszimmer und kam keine dreißig Sekunden später wieder zu Daniel ins Bett gekrabbelt. „Hier, für dich“, lachte er und drückte seinem Schatz ein kleines Kästchen in die Hand.

„Was ist das?“, fragte Daniel überflüssigerweise. Er hätte das Kästchen öffnen und es herausfinden können. Doch er drehte es in seinen Händen und sah Markus fragend an. Doch der schüttelte nur den Kopf, er würde nichts verraten. Da musste Daniel schon selbst gucken. Also machte er das Kästchen auf und sah hinein. Zwei Ringe steckten in rotem Samt, schlicht und aus Silber.

„Das sind doch die aus dem Katalog, oder?“, fragte er, denn das Design hatte sich ihm eingeprägt. Es waren fremdländische Zeichen gewesen die ihrem Träger angeblich Glück und Sicherheit bringen sollten.

„Ja, das sind sie. Ich habe sie gekauft, weil ich Partnerschaftsringe für uns haben wollte, falls du mich irgendwann einmal erhörst und habe sie dann völlig vergessen. Peinlich nicht?“, grinste Markus und nahm einen Ring aus der Schachtel. „Das sind zwar keine Eheringe, aber ich denke, mit ihnen müsste es auch gehen.“

„Wegen mir bräuchten wir auch gar keine Ringe. Es sind ja nur Statussymbole. Das wichtige an einer Partnerschaft sind doch die Herzen.“ Neugierig sah Daniel auf die Ringe und sie sahen in natura noch besser aus als im Katalog. Die Gravuren waren schwarz gefärbt und umlaufend. Einer war etwas enger, einer etwas weiter. Wie passend, weil Daniel sehr feingliedrige Finger hatte. „Ich freu mich drauf, wenn du ihn mir an den Finger steckst. Aber brauchen wir nicht auch zwei Trauzeugen?“ Das fiel ihm gerade wie Schuppen von den Augen. Nicht dass es noch daran scheiterte.

„Nein, man braucht keine Trauzeugen mehr. Wir beide genügen vollkommen.“ Markus strich einmal über den Ring in Daniels Hand und lächelte. „Mein Herz wird immer dir gehören und das tut es schon seit Jahren. Eheringe sind nicht wichtig, aber ich mag es, auch nach außen zu zeigen, dass wir zusammen gehören.“

„Dann mach schnell einen Termin“, flachste Daniel. Es reizte ihn, den Ring überzustreifen, aber er wollte das erst tun, wenn er auf dem Standesamt ja gesagt hatte. Also legte er ihn zurück in die Kiste, genauso wie Markus, der sie wieder verschloss und auf den Nachttisch stellte. „Am liebsten gleich morgen“, nuschelte er und ahnte, was kommen würde, wenn er mit dem Ring am richtigen Finger bei Steffan und Achim aufschlug. Daniel schämte sich, dass er gerade das Symbol ihrer Liebe benutzte, um seinen Manager zur Raserei zu bringen und so erzählte er Markus, was ihm eben durch den Kopf gegangen war.

Markus nickte und war keineswegs beleidigt. „Egal, wie du es machen willst, ich bin bei dir und stehe zu dir.“ Er zog Daniel zu sich und deckte sie zu. Sie blieben den Rest des Abends im Bett. Dort konnte Luzifer sie nicht sehen und sie konnten den Rest ihres freien Tages genießen. Nachher, wenn Daniel schlief, würde er sich um das Standesamt kümmern. Es wäre doch gelacht, wenn er es nicht schaffte, Daniels Wunsch zu erfüllen.


22

„Ich hab so was von keinen Bock auf den Scheiß“, knurrte Daniel. Er war zusammen mit seinem Mann auf dem Weg zum angedrohten Shooting. Die letzten drei Tage hatten sie wie die Diebe heimlich Sachen ins Lager gepackt, während Luzifer abgelenkt worden war. Gleich am Montag hatte Markus seinen Liebsten vor den Standesbeamten geschleift und seit dem trug Daniel den Ring, er legte ihn auch als Raphael nicht ab.

Alles in allem waren sie ziemlich erfolgreich gewesen. Ein Großteil seiner wichtigen Sachen war verstaut, unwichtiges entsorgt. Daniel machte Tabula rasa – es gab kein Zurück mehr.

Wenn es auf einmal schnell gehen musste, dann war alles vorbereitet. Sie hatten auch Markus’ ganzes Equipment aus seiner Wohnung ins Lager geschafft, denn das sollte am aller wenigsten den Behörden oder Achim in die Hände fallen. Dafür trug Markus jetzt immer seinen Laptop mit sich und konnte so alles durch einen Knopfdruck in Gang bringen, egal wo sie waren. Er hatte auch noch ein paar Dinge getan, von denen Daniel nichts wusste.

So hatte er noch Sonntagabend, als Daniel schon schlief, seine Kollegen beim F.B.I. angerufen. Er hatte mit ihnen einen Plan ausgetüftelt, für den Fall, dass sie schnell und unauffindbar verschwinden mussten. Ein Codewort reichte, auch per SMS und die Maschinerie lief.

Wenn Markus an Sonntag zurück dachte, dann hatte er immer noch das Bild vor Augen, wie Daniel regelmäßig in die Küche getigert war, meistens mit dem Vorwand Durst oder Hunger, doch sein erster Weg hatte nie zum Kühlschrank, sondern zum Fenster geführt. Doch Markus hatte nichts gesagt. Er hätte es ja sowieso nicht besser machen können.

Überraschenderweise hatte Achim am Montag den Kontakt zu Markus gesucht, weil er seinen Schützling nicht erreicht hatte. Er hatte den Termin für das Shooting vorgegeben und verlangt, dass Daniel dann in Topform war, vor allem figürlich. Um sich darauf vorzubereiten hatte er ihnen die nächsten Tage frei gegeben. Er hatte ihnen in die Hände gespielt, ohne es zu wissen, aber heute war nun der Tag der Tage – Daniel nackt vor der Kamera und das mit Steffan.

Allein der Gedanke, dass Steffan Daniel anfasste, ließ ihm die Galle hochkommen. „Wenn der Arsch dich auch nur ansatzweise berührt, wo seine Finger nichts zu suchen haben, hacke ich sie ihm ab“, knurrte Markus und atmete tief durch. Heute würde es so oder so Streit geben, davon ging er aus. Es musste nur jemand ihre Ringe bemerken und sie darauf ansprechen. Sie hatten sich vorgenommen die Wahrheit zu sagen und nicht zu verheimlichen, dass sie verheiratet waren.

„Darum würde ich aber auch bitten.“ Daniel hatte ebenso wie sein Mann nicht verstanden, warum man unbedingt Aktbilder von sich veröffentlichen musste, um mehr Erfolg zu haben. Er war ja immer noch dem Irrglauben erlegen, dass ein Sänger in erster Linie mit seiner Stimme und seinen Liedern überzeugen können musste, doch er war wohl der Zeit ein bisschen hinterher. Im Zeitalter der Visualisierung zählte nur noch das Auge, das Ohr kam erst an zweiter Stelle, zumindest bei der breiten Masse, die, die Achim erreichen wollte und deren Geld er begehrte.

Aber bald konnten sie das alles hinter sich lassen und Daniel konnte endlich so leben, wie er es verdient hatte. Ohne Zwänge und ohne Druck und Markus war sich sicher, dass sein Schatz dann auch den Mut fand, sich eine neue Band zu suchen oder zu gründen, wo er dann endlich das singen konnte, was ihm gefiel. Jetzt mussten sie nur noch ein wenig durchhalten.

Er drückte Daniels Hand, als sie das Hotel betraten, in dem das Shooting stattfinden sollte. Achim hatte sich nicht lumpen lassen und eine Suite in einem Luxushotel gebucht. Natürlich standen sein und auch Steffans Sportwagen protzig vor dem Hotel und Daniel holte noch einmal tief Luft. Die Tiefgarage hätte es doch bestimmt auch getan, aber dann hätte keiner die Schleudern gesehen. „Idioten“, murmelte er leise und strich sich die schwarzen Haare aus dem Gesicht. Dem Portier musste er sich nicht vorstellen, er wurde erkannt und sofort in den Aufzug für die oberste Etage gelotst. „Mein Visagist wird mir nicht von der Seite weichen“, knurrte er kalt, als man versuchte, Markus freundlich beiseite zu delegieren.

Sofort entschuldigte sich das Personal und ließ Markus nun unbehelligt mit in den Aufzug steigen. „Eiskalter Engel“, flüsterte Markus leise und küsste Daniel hungrig. Sie würden die nächsten Stunden wahrscheinlich nicht dazu kommen und er brauchte dies genauso wie sein Mann, um die nächsten Stunden durchzustehen.

Der Lift kam viel zu schnell oben an und so mussten sie sich überstürzt wieder trennen. Die Türen öffneten sich und wie erwartet stand Achim vor der Tür. Daniels Augen suchten Steffan, denn auf dessen Nase war er gespannt. Sie hatten sich seit dem Zusammenstoß nicht mehr gesehen, doch er musste kein Genie sein, um zu wissen, dass Steffans Rache noch kommen würde. „Hallo“, grüßte er unverbindlich und schob sich an Achim vorbei.

„Beeil dich, alle warten auf dich“, blaffte Achim zur Begrüßung und Markus hätte ihm schon gleich eine reinhauen können.

Aber er tat es nicht, sondern ging Daniel hinterher. „Du hast gesagt, wir sollen um neun hier sein. Jetzt ist es viertel vor, also was soll der Stress“, knurrte er Achim an und ignorierte ihn dann. Gerade kam Steffan um die Ecke, der war jetzt viel gefährlicher.

„Na, du Schläger?“, knurrte Steffan. Er stand nur in einen Bademantel gehüllt in der Tür zu einem der Zimmer und funkelte Raphael hasserfüllt an. Er hatte drei Tage lang nicht richtig atmen können, weil ihm die Nase angeschwollen war. Zum Glück war aber nichts gebrochen und es war auch nichts zurückgeblieben.

„Benimm du dich wie ein Gast, dann wirst du auch wie einer behandelt. Mietnomaden haben es nicht anders verdient“, erklärte Daniel mit einer Kaltschnäuzigkeit, die man von ihm nicht kannte. In ihm war in den letzten Tagen eine Wandlung vorgegangen, von der Steffan jetzt als erster etwas mitbekam. Er kuschte nicht mehr vor Achim und seinem Liebchen, weil sie nichts mehr gegen ihn in der Hand hatten.

„Du kleine Pissnelke…“, regte Steffan sich auf und wollte nach Daniel greifen, aber Markus hielt seinen Arm fest.

„Fass ihn an und du bist tot“, zischte er den Bassisten an und schubste ihn gegen die Wand.

Steffan konnte gar nicht so schnell gucken, wie er die Wand schmerzlich in seinem Rücken wiederfand. Das hatte er doch jetzt geträumt oder? Er war so perplex, dass er nicht einmal etwas sagen konnte und so verschwand Daniel mit Markus in einem Zimmer, an dessen Tür ein Zettel mit seinem Namen klebte. Er ging davon aus, dass der Fotograf ihm sagen würde, welche Einstellungen er ablichten wollte.

Steffan sah ihnen nach und blickte zu Achim, der neben ihn trat. „Das ist nicht gut“, murmelte er leise und sah Achim an. „Der Kerl entgleitet uns. Mach was.“

„Wir müssen Markus loswerden. Das hängt alles mit ihm zusammen. Er hetzt Daniel gegen uns auf. Er muss weg, heute noch.“ Achim war nicht weniger beunruhigt als sein Freund. Er überlegte fieberhaft und ihm fiel nur eine Lösung ein. „Provoziere ihn, wo du nur kannst, bis er ausrastet und dann werde ich ihn rausschmeißen und ihn vom Set entfernen lassen.“ Den Rest konnte dann gern Luzifer übernehmen, wenn gar nichts mehr half. Doch erst einmal wollte sich Achim damit begnügen, seinem Goldesel das Rückgrat zu nehmen, damit er in sich zusammen fiel.

„So scharf wie der auf Raphael ist, wird es reichen, wenn du ihn ein bisschen betatscht. Dann wird er sicherlich die Aufnahmen stören und ich kann ihn kicken. Also zeig mal, was deine geschickten Finger alles können.“ Achim grinste dreckig und verschwand wieder, er musste mit dem Fotografen noch die geplanten Posen durchgehen, die ihm wichtig waren und er wollte sehen, was der Profi noch für Vorschläge hatte.

Steffan blieb allein zurück, kein bisschen zufriedener, nur angeekelt. „Mal wieder darf ich die Drecksarbeit erledigen“, knurrte er und schmiss die Tür seines Zimmers hinter sich zu. Achim musste sich anstrengen, das wieder gut zu machen.

Markus, der von dem Gespräch nichts ahnte, hatte Daniel in den Arm genommen und küsste ihn. Er musste ihn schminken und darum nutzte er diese letzte Gelegenheit. „Ich werde in deiner Nähe sein und wenn du mir ein Zeichen gibst, werde ich Steffan aus dem Bett zerren.“

„Na ich hoffe doch mal, dass ich mit dem gar nicht erst ins Bett muss!“ Daniel hatte vom Ablauf des Tages noch immer keinen Schimmer. Er hatte eigentlich erwartet, dass er ein paar Posen einnahm und ein paar Fotos geschossen wurden. Aber das Ambiente hier ließ auf mehr fürchten. „Ich hätte ihm schon wieder eine reinhauen können, dabei bin ich doch gar nicht so gewalttätig“, nuschelte Daniel, denn er schämte sich dafür, dass Steffan es mit seiner bloßen Anwesenheit schaffte, ihn aus der Fassung zu bringen.

„Das wäre mir natürlich auch lieber, aber wenn die Fotografen euch beide da haben, glaube ich nicht, dass sie sich mit Einzelfotos zufrieden geben.“ Markus legte Daniel den Kopf auf die Schulter und streifte dessen Hals mit den Lippen. „Ich kann dich verstehen, denn mir ging auch schon wieder die Hutschnur hoch. Der Typ ist echt nur noch schwer zu ertragen und wenn er dich noch einmal so angeht, dann werde ich ihm diesmal eine verpassen.“

„Dann kann er behaupten, er ist von Herrn Braner und Herrn Bremer verprügelt worden“, grinste Daniel gehässig und sah wieder auf seinen Ring. Er würde ihn nicht ablegen, egal was passierte. Sollte er Achim wie ein Dorn ins Auge stechen – umso schneller waren die Fronten geklärt. Ein Klopfen an der Tür verhinderte einen weiteren Kuss und weil höflich geklopft wurde, ging Daniel davon aus, dass es weder Achim noch Steffan waren.

Markus öffnete die Tür und sah einen der Fotografen an. „Ich wollte nur fragen, ob alles da ist, was sie brauchen und wie lange sie noch ungefähr brauchen werden“, sagte der junge Mann höflich und lächelte. Er wusste, dass Daniel noch nie Aktfotos gemacht hatte und darauf nahmen sie Rücksicht.

„Ungefähr eine viertel Stunde, dann hab ich ihn komplett geschminkt und es kann losgehen“, antwortete Markus genauso höflich und lächelte zurück. Der Mann machte nur seinen Job und konnte nichts dafür, dass Achim ein Arschloch war.

„Wenn möglich würde ich gern auch ein paar Bilder mit den Flügeln machen“, erklärte der Fotograf und deutete auf ein Paar, dass wohl Achim aus dem Studio mitgebracht hatte.

„Das sieht doch blöd aus mit den Riemen und Schnallen, wenn ich da nichts weiter an habe“, sagte Daniel und verzog das Gesicht. Er kam ebenfalls zur Tür und musterte den Mann, mit dem er gleich arbeiten sollte.

„Das macht nichts. Die Bilder werden dann am PC retuschiert. Ist ein Klacks. Ich bin übrigens Jason und freue mich, mit dir zu arbeiten.“ Jason lächelte unverbindlich und reichte Daniel die Hand, der sie undeutbar griff und schüttelte. „Ebenso“, lächelte er, wenn auch etwas unterkühlt.

Das nahm ihm keiner übel, denn Raphael hatte nun einmal das Image, sehr kühl zu sein. Jason war schon zufrieden, dass sein Wunsch nicht einfach abgelehnt wurde. „Okay, dann komm raus, wenn du soweit bist. Wir haben schon alles vorbereitet.“ Er drehte sich um und ging wieder zum Set.

Markus schloss die Tür und seufzte. „Wir kommen wohl nicht drum rum“, murmelte er und zog Daniel an sich.

„Nein, ich fürchte nicht. Aber los, bringen wir den Scheiß hinter uns. Je eher wie fertig sind, um so eher sind wir wieder zuhause.“ Daniel stahl sich noch einen Kuss und ließ sich dann von Markus fertig schminken. Anschließend ging es daran, die Kleider vom Leib zu streifen. Vor Markus hatte er damit kein Problem, aber als er mit dem Morgenmantel bekleidet an der Tür stand, schlug ihm das Herz bis zum Hals.

Markus strich ihm noch einmal über den Rücken und dann gingen sie los. Von Achim und Steffan war nichts zu sehen, das änderte sich aber, als sie das Set betraten. „Was dauert denn so lange?“, empfing Achim sie und Markus ballte die Fäuste.

„Du willst perfekte Fotos, also…“, brummte er leise.

„Und dazu willst du beitragen?“ Achim lachte und schüttelte den Kopf. „Raphael, beweg deinen Hintern mal etwas schneller, wir haben die Suite auch nicht ewig. Geh da rüber in den Flur, die ersten Fotos werden im Halbdunkel des Raumes gemacht.“ Amüsiert beobachtete er, wie Daniel sich den Mantel zuhielt. Gleich musste er den Stoff sowieso loswerden und hoffentlich begriff die Singdrossel, dass er sich besser nicht gegen sie auflehnte, sonst wurden solche Aufträge häufiger. Wäre doch gelacht, wenn sie den nicht wieder ruhig kriegen würden.

Wenn der Pinselschwinger erst einmal aus dem Weg war, dann wurde es noch leichter. Er gab Steffan unauffällig ein Zeichen und der verstand auch gleich.

„Nun mal nicht so schüchtern, Liebling. Ich kenne dich doch sonst nicht so prüde. Normalerweise kannst du es doch gar nicht erwarten, dass man dir die Kleider vom Leib reißt.“ Er lachte gehässig und trat einen schnellen Schritt vor. Er wollte den Bademantel greifen, als ihm etwas ins Auge fiel. „Was ist das denn für ein Ring? Mach das hässliche Ding ab. Er verschandelt die ganzen Fotos.“

Daniel schlitzte die Augen, allein für diese Bemerkung hätte Steffan einen Schlag in die Leistengegend verdient, doch er wollte sich nicht reizen lassen. Bald war er den Vogel los, das entschädigte für vieles. Er hob also die Hand und sah auf den Ring, dann sah er Steffan offen an. „Habt ihr die Einladung nicht bekommen?“, fragte er mit überzeugender Überraschung in der Stimme. „Ich habe am Montag geheiratet.“

„Bitte?“, entfuhr es Steffan und auch Achim hielt mitten in der Bewegung inne. Steffan hatte sich aber schnell wieder im Griff und lächelte geringschätzig. „Ja klar, du hast geheiratet. Wer will dich denn schon heiraten? Das kannst du einem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange zu macht.“ Er drehte den Zeigefinger vor seiner Stirn und lachte laut. Das Lachen blieb ihm allerdings im Halse stecken, als eine Faust auf ihn zugerast kam und ihn am Kinn traf.

„Steffan, du bist echt das Letzte“, sagte Markus gefährlich leise und hielte seine Hand mit dem Ring hoch. Er hatte einfach nur reagiert und nicht weiter über die Konsequenzen nachgedacht und jetzt war es zu spät, sich noch zurück zu nehmen. „Wenn du noch einmal so über meinen Mann redest, wirst du die nächste Zeit nur noch Suppe schlürfen."

„Und du holst dir deine Suppe demnächst in der Armenspeisung.“ Achim hatte schnell geschalten und auch wenn es wieder einmal Steffan getroffen hatte, war erreicht, was erreicht werden sollte. „Nimm dein Zeug und verschwinde von hier. Ich habe mir das jetzt eine Zeit lang angesehen, wie du mit Gabriel umgehst. Wenn du was gegen ihn hast, ist das dein Bier. Aber die Bilder zu gefährden, weil du ihn grün und blau schlägst, ist für mich und die Band nicht akzeptabel. Raphael, in die Tür vom Flur und runter mit den Klamotten, und Markus, verpiss dich, ehe ich mich vergesse!“ Sein Blick machte klar, dass mit ihm nicht zu scherzen war. „Und noch was. Solltest du Sperenzchen machen, Markus, wird dich der Wachschutz entfernen. Kein Problem. Und du, Raphael, denkst jetzt besser nicht daran, deinem Göttergatten zu folgen, denn die Konventionalstrafe, die einem geschmissenen Shooting folgen wird, dürfte dich ruinieren.“

Daniel stand wie angewurzelt, er wusste nicht, was er sagen sollte. Das war ein Alptraum!

Sie hatten zwar über kurz oder lang damit gerechnet, dass die beiden nur auf so eine Gelegenheit warteten, um Markus los zu werden, aber das war jetzt doch etwas überraschend. Er sah zu Markus, weil er wissen wollte, wie weit er gehen sollte, aber der schüttelte nur den Kopf.

Es war zwar schon vieles vorbereitet, aber eben noch nicht alles und vielleicht bekamen sie so noch ein paar Tage, um alles zu erledigen. Es tat Markus zwar in der Seele weh, aber er beherrschte sich. „Für den Moment, hast du gewonnen, aber eins sag ich dir, wenn ihr hier ein krummes Ding abziehen wollt, dann gnade dir Gott.“

Es fiel Daniel nicht leicht, einfach alles hinzuwerfen, doch er konnte nicht. Zum einen wusste er ganz genau, wie die Summe aussehen würde. So viele Nullen hatte er noch nie auf einem Scheck gesehen, zum anderen würden sie etwas beschwören, was sie noch nicht abschätzen konnten.

„Komm, Junge, droh vor der Tür. Wir haben die Suite nicht gemietet, um hier sinnlos zu diskutieren. Da hat der Maurer das Loch gelassen und jetzt zisch ab.“ Achim deutete auf die Tür und wies Daniel mit der Hand an, sich endlich mit dem Fotografen zu arrangieren, während einer der Angestellten sich um Steffan kümmerte.

Daniel kaute auf seinen Lippen. Es zerriss ihm das Herz. Er wollte mitgehen, doch er wusste, dass er die Summe nicht zahlen konnte. Warum hatte er auch seine Klappe so weit aufgerissen? Er hatte sich zu sicher gefühlt.

Markus würdigte die Worte keiner Antwort mehr, aber er ging nicht gleich, sondern zog Daniel noch einmal an sich. „Ich warte unten vor dem Hotel auf dich. Liebe dich“, flüsterte er seinem Schatz ins Ohr und strich ihm vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht. Erst dann holte er seine Sachen und verließ die Suite. Das hatte Achim nicht umsonst gemacht, dafür würde er schon sorgen. Dazu brauchte er nur seinen Laptop und ein ruhiges Plätzchen. Und dann würde der Kerl sich wundern. Sollte er. Ehe Achim merkte, was passierte, waren sie schon weg.

„Fangen wir an“, versuchte Jason die Atmosphäre wieder etwas zu entspannen. Er war sich ziemlich sicher, dass der Vorfall sich negativ auf die Bilder auswirken würde. So wie Raphael aussah, war mit dem heute nicht mehr zu spaßen. Das schöne Gesicht war verschlossen, er sah aus wie der eiskalte Engel und als er den Mantel fallen ließ, sah er Jason herausfordernd an.

Derweil saß Steffan in seiner Gradrobe, er hatte den Angestellten rausgeschmissen, denn er wollte sich nicht vor anderen die Blöße geben, wenn er fluchte und seinen Frust ausließ. >>Der Fahrstuhl gehört dir, hol dir die Ratte, wenn wir fertig sind. Der Kettenhund wird vor dem Hotel lauern.<< Wäre doch gelacht, wenn man die beiden nicht wieder ein bisschen aufmischen konnte. Dazu schickte er noch die Codierung für den Fahrstuhl, dann erhob er sich und kümmerte sich um sein Gesicht.

Markus hatte ihn zwar ziemlich hart getroffen, aber sein Kinn war nicht so empfindlich wie seine Nase. Trotzdem fluchte er, als er sich einen Eisbeutel auf die leichte Schwellung hielt, denn es tat weh. „Dich mach ich fertig“, brummte er wütend und betastete sein Kinn. Ein wenig Puder und alles war wieder perfekt. So sehr er sich davor schüttelte, die Bilder mit Raphael machen zu müssen, er würde sie durchziehen, denn sie brachten jede Menge Geld. Aus irgendeinem Grund wollten die Fans alles, was mit Raphael zu tun hatte. Sie waren wie besessen. Und wenn er mit verkauft wurde, dann konnte er den Sprung an die Spitze auf dessen Schultern spielend meistern.



Derweil hatte vor der Tür das Shooting begonnen. Daniel funktionierte nur noch. Er spulte eine Show nach der anderen ab, posierte, so wie Jason es wollte und der achtete darauf, dass die Bilder nicht unter Niveau gingen. Er war kein Pornoking, er handelte mit Ästhetik.

Jason schoss eine Serie nach der anderen und in den Pausen sichtete er das Material. Es war durchweg erstklassig, denn Raphael war ein Profi, der wusste, wie er bestmöglich vor der Kamera wirkte.

Ein wenig angespannt wurde es nur, als Bilder von Raphael und Gabriel gemeinsam gemacht werden sollten. Kurz sah es aus, als wenn der Sänger sich weigern wollte, aber schließlich nickte er kurz und legte sich hin. Er stützte sich auf die Ellenbogen und legte den Kopf verträumt in den Nacken. Es war gut, dass man ihm seine Gedanken nicht auf dem Gesicht ablesen konnte. Schon gar nicht, als Gabriel neben ihm lag, den Kopf verspielt auf Daniels Schoß, weil Jason das so gefordert hatte, die Hände sanft über die Beine gleitend.

„Ein wenig Bewegung, Gabriel“, forderte er und ahnte nicht, dass er Gabriels Ego damit ziemlich trat. Daniel hatte nicht eine Anweisung bekommen und er wurde gleich im ersten Bild kritisiert. Doch er tat wie gefordert, ließ seine Hände verspielt wandern und sein Blick wurde lasziv.

Er ließ sich doch nicht von so einem Würstchen wie Daniel ausstechen. Einzig allein das Wissen, dass Luzifer sich den Sänger nachher schnappte, ließ ihn so ruhig bleiben. Dann würde Daniel schon merken, dass man sich nicht mit ihm und Achim anlegen sollte. Die Bilder würde man ihnen aus der Hand reißen, wenn bekannt wurde, dass man Daniel entführt hatte.

„Könnt ihr die Positionen tauschen? Gabriel an die Wand gelehnt und Raphael auf seinem... Geliebten?“ Jason fiel es nicht leicht, das Wort auszusprechen, denn er hatte den Disput über die Heirat eben mitbekommen. Doch er musste mit den Fakten arbeiten, die ihm der Manager gegeben hatte. Er knipste auch, wie die beiden sich neu arrangierten und während Gabriel dabei wie ein Schneepflug wirkte, wusste sich Raphael selbst dabei perfekt zu bewegen. Der Mann war ein Naturtalent, vielleicht konnte er noch einmal ein Shooting mit ihm buchen – nur mit ihm, ohne Manager und Gespielen, denn die schienen die Atmosphäre ziemlich zu vergiften.

Aber trotz allem harmonierten sie vor der Kamera perfekt, wobei man sagen konnte, dass Raphael Gabriel mitzog und die kleinen Unzulänglichkeiten des Bassisten ausglich. Jason war wirklich begeistert und fotografierte, was die Speicherkarten hergaben und probierte immer wieder etwas Neues aus, bis Achim sich räusperte und andeutete, dass sie langsam Schluss machen sollten.

Jason nickte und hatte verstanden und weil Raphael gerade die Flügel trug, bat er ihn einmal direkt vor das Fenster, er wollte noch ein Bild im Gegenlicht. Daniel tat ihm den Gefallen, ehe er sich von den Flügeln befreien ließ und zufrieden seinen Mantel wieder überzog. Das war geschafft. Alles was er jetzt noch wollte, war sein Mann und ein gutes Essen vor dem Fernseher, alles andere konnte ihm gestohlen bleiben.

Er ging in seine Garderobe und zog sich um, er ließ das Make-up aber drauf, denn das Abschminken hätte ihm jetzt zu lange gedauert. Er huschte jetzt sowieso nur in Markus’ Wagen und dann verschwanden sie von hier. Er hatte gerade den Türknauf in der Hand, als es klopfte.

Jason hatte eilig ein paar der Bilder für Daniel zusammengestellt. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass der Sänger sie sonst nicht zu sehen bekam.

„Hier, du warst sensationell. Wenn dein Mann schon gehen musste, dann kannst du ihm wenigstens zeigen, was wir gemacht haben.“ Jason lächelte Daniel an und gab ihm unauffällig den Stick mit den Bildern. „Wenn du mal wieder Lust hast zu posieren, dann melde dich einfach. Ich werde es bestimmt möglich machen.“

Überrascht sah Daniel ihn an und lächelte. Er nahm auch die Karte entgegen, die Jason ihm gab, denn dort waren seine Telefonnummern verzeichnet. Sehr praktisch. „Danke, wir sehen uns bestimmt wieder. Und wären wir allein gewesen, hätte das noch mehr Spaß gemacht“, flüsterte er und sah an Jasons Gesicht, dass der ähnlich dachte. „Mach’s gut.“ Dann ging er an Jason vorbei, der ihm nachdenklich nachsah.

Ohne einen Gruß war er aus der Suite – nur noch weg hier.

Markus wartete unten auf ihn und das entlockte Daniel wieder ein Lächeln. Er war stolz auf sich, das er das Shooting durchgezogen hatte, so schwer es ihm auch gefallen war. Dafür war zum großen Teil Markus verantwortlich, denn der hatte ihm immer wieder den Rücken gestärkt und das zahlte sich jetzt aus. Daniel betrat die Kabine des Fahrstuhls und war schon in Gedanken bei Markus, als ihm ein etwas merkwürdiger Geruch auffiel.

Er versuchte den Kopf zu drehen, doch das ging nicht, denn etwas drängte sich fest gegen seinen Rücken, hielt den Kopf fest und weicher Stoff legte sich über Mund und Nase. Daniel riss die Augen auf, versuchte sich von dem Angreifer frei zu machen, doch er konnte nicht. Er war zu schwach, verdammt! Das durfte doch jetzt alles nicht wahr sein!

Er drückte sich rückwärts, versuchte den Angreifer gegen die Wand zu drücken, doch er hörte von weitem nur noch Luzifer lachen, ehe der Nebel dichter wurde.

„Raphael, warum hast du nicht auf mich gewartet? Ich wäre dir ein besserer Mann in guten wie in schlechten Zeiten als dieser Idiot. Wo ist er denn jetzt, hm?“

Luzifer erwartete keine Antwort mehr, denn der Körper vor ihm sackte zusammen und er fing ihn geschickt so auf, dass es aussah, als wenn er einen Betrunkenen stützen würde. Ihm kam es jetzt zugute, dass der Lift bis hinunter in die Tiefgarage fuhr, so konnte er Daniel relativ ungesehen zu seinem Wagen bekommen.