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Starkoch im Pas de deux - Teil 9 bis 10

09

Mario beeilte sich und das Navi wies ihm den kürzesten Weg und sie lagen noch gut in der Zeit. Wenn die Angaben stimmten, waren sie in sieben Minuten da und dann war es gerade zehn Uhr. Satoshi wurde immer nervöser und antwortete auf Marios Versuche eines Gespräches höflich aber einsilbig, also überließ er ihn lieber seinen Gedanken.

Dann standen sie vor dem Haus, in dem Jan gewohnt hatte und Mario stellte den Motor aus. „Soll ich mitkommen?“

„Nein danke, das muss ich alleine machen. Wie sieht das denn aus, wenn ich Verstärkung brauche, um mit Ronny zu reden.“ Satoshi grinste schief und straffte sich. „Drück mir die Daumen, dass ist im Moment das einzige, was du tun kannst. Grüß Jan von mir und gib mir mal eine Nummer, unter der ich euch erreichen kann, damit ich euch zu mir einladen kann, um mich zu bedanken.“

„Ach Tiger, das machst du schon. Lass einfach nicht locker. Die Diva wird erst mal schmollen und motzen. Aber wenn du dran bleibst, wird das schon“, sagte Mario und wühlte im Handschuhfach nach einem Stück Papier und einem Stift, auf das er schnell die Festnetznummer schmierte und seinen Namen dazu. Dann reichte er den Zettel Satoshi. „Das wird schon.“ Mario lächelte.

„Dein Wort in Gottes Ohr.“ Satoshi steckte den Zettel ein und holte noch einmal Luft, dann stieg er aus. Ohne noch einmal zurückzusehen, lief er zur Haustür und klingelte. Erst jetzt sah er zurück und winkte Mario, der wohl noch abwarten wollte, ob er rein gelassen wurde.

>>Ja?<<, war die etwas gehetzte Frage an der Gegensprechanlage. Ronny hatte mit einem Besucher um diese Zeit augenscheinlich nicht gerechnet. >>Wer ist da?<<

„Hallo Ronny. Satoshi hier. Darf ich raufkommen?“ Der Koch trat nervös von einem Fuß auf den anderen und sah zu Mario rüber, der ihm den erhobenen Daumen zeigte. War nur zu hoffen, dass er damit nicht falsch lag.

>>Du bist zeitig. Komm hoch und nimm dir einen Kaffee, ich verschwinde wieder in der Dusche<<, dann war Ronny weg, der Summer öffnete die Tür und Satoshi beeilte sich, sie aufzudrücken. Ein letztes Winken zu Mario, der den Wagen startete, dann schloss sich die Tür hinter Satoshi.

Zügig lief Satoshi die Stufen hoch und als eine Tür offen stand, musste er wohl richtig sein. Kurze Kontrolle mit dem Klingelschild, dann war er sich sicher, dass er richtig war und trat ein. Im Hintergrund hörte er eine Dusche rauschen, darum ging er - nachdem er abgelegt hatte - zögernd ein paar Schritte. Er kam sich wie ein Eindringling vor, darum machte er das, was Ronny gesagt hatte und nahm sich in der Küche eine Tasse Kaffee.

„Komme gleich!“, kam es dumpf aus dem Bad und Ronny duschte mit Hochtouren. Hatte er sich etwa in der Zeit vertan? Er war sich ziemlich sicher, dass sie zu elf verabredet gewesen waren und jetzt war Satoshi schon da. Haare waschen musste jetzt ausfallen, dafür war keine Zeit. Während er sich abtrocknete, putzte sich Ronny die Zähne, stieg in seine Klamotten – die er wohlweislich mit ins Bad genommen hatte und holte noch einmal tief Luft. Heute musste es ohne Make up gehen – keine Zeit für Eitelkeiten.

Er lief in die Küche und sah Satoshi an – und heute war es anders. Völlig anders!

Satoshi stellte seine Tasse weg. Wow! Ronny sah einfach toll aus. Sein Herz fing an zu klopfen und seine Augen leuchteten. „Hallo“, grüßte er erst einmal, denn er wusste nicht, wie er anfangen sollte. „Möchtest du auch einen Kaffee?“

„Öh“, war die erste, alles erschöpfende Antwort. Was war denn heute mit ihm los? Er stand in der Tür und starrte auf Satoshi. Heute hatte er sich die Haare wieder so gerichtet, wie Ronny es aus dem Restaurant kannte. Eigentlich hatte er den Termin heute nur noch einmal zum testen gemacht, doch jetzt fühlte er sich kribbelig und hibbelig, er kam nicht vor und nicht zurück, stand einfach nur da und starrte Satoshi an.

„Tut mir leid, dass ich so früh da bin, aber ich musste unbedingt mit dir reden“, murmelte Satoshi, während er Kaffee eingoss und holte tief Luft, als er sich wieder zu Ronny drehte. Augen zu und durch. „Also, der Satoshi der letzten Woche war nicht der richtige. Sondern eher der total falsche. Das war nämlich mein Zwillingsbruder Hitomi.“

Ronny hatte gerade das Gefühl, einen Eimer Eiswasser über den Kopf gegossen bekommen zu haben. Sein leichtes Grinsen verzog sich rasch und er sah Satoshi forschend an. Was sollte das denn jetzt? Zwillingsbruder?

„Sollte der mich für dich loswerden? War er deswegen so unterkühlt. Danke auch, du hättest mir deine Karte nicht geben müssen, verdammt.“ Ronny war schockiert und seine Gedanken drehten sich im Kreis.

„Nein, nein“, wehrte Satoshi schockiert ab. Das hatte er ganz bestimmt mit seiner Ehrlichkeit nicht bezwecken wollen. „Das letzte, was ich will, ist dich loswerden. Ich wusste gar nicht, dass er sich mit dir getroffen hat, denn ich war die ganze Woche in London.“ Satoshi merkte, dass er es mit seiner Erklärung nicht besser machte. „Ich werde dir alles erklären, wenn du mich lässt, und ich hoffe, dass du mich hinterher nicht rausschmeißt, weil du so einen verpeilten Blödmann nicht mehr wieder sehen möchtest.“ Bittend sah er Ronny an und hielt ihm den Kaffee hin.

„Fang an“, sagte der allerdings nur emotionslos und blieb wo er war. Selbst den Kaffee ließ er Kaffee sein. Er kam sich so dämlich vor, merkte nicht einmal, dass er eine Woche lang den falschen Mond angebellt hatte. Ein Teil seiner Wut war auf seinem Gesicht zu sehen, denn die Augen verschmälerten sich und die Kieferknochen zeigten, wie fest er die Zähne zusammenbiss.

Er musste sich wirklich Mühe geben, das merkte Satoshi sofort. Ronny war wütend und genau das hatte er nicht erreichen wollen. „Als ich dich bei mir im Restaurant gesehen habe, war ich hin und weg. Ich fand dich noch toller, als auf der Bühne. Ich wollte dich unbedingt wieder sehen, darum habe ich dir auch meine Karte gegeben. Dachte ich zumindest. In meiner Aufregung habe ich dir aber aus Versehen die meines Bruders gegeben und da ich deine Nummer nicht hatte, konnte ich dir auch nicht sagen, dass ich eine Woche nicht da bin.“

Hastig holte Satoshi Luft, denn er wollte, dass Ronny sich erst anhörte, was er zu sagen hatte. „Na ja, du hast dann wohl bei Hitomi angerufen und der muss ziemlich schnell mitgekriegt haben, was los ist. Er wollte mir wohl nur helfen, dass er sich für mich ausgegeben hat. Das letzte, was er machen würde, wäre dich vorführen zu wollen. Ich habe noch nicht mit ihm geredet, aber ich gehe davon aus, dass er nur meinen Platz einnehmen wollte, bis ich wieder da bin.“ Unsicher sah er Ronny an, der sich immer noch nicht bewegt hatte.

„Und er konnte es wohl auch nicht lassen, mich zu ärgern. Das macht er viel zu gern. Er nutzt jede Chance, die er kriegt.“

„Ich bin sehr glücklich darüber, zu seiner Erheiterung beigetragen zu haben und er hat dir wirklich einen Bärendienst erwiesen. Genaugenommen wollte ich mich heute nur noch mal mit dir – ihm – wem auch immer, treffen, um ihn abzuschießen. Es harmoniert nicht!“ Stur verschränkte Ronny die Arme vor der Brust und ignorierte, dass er bei Satoshi – bei dem, der vor ihm stand – genau das fühlte, wie beim ersten Mal.

Satoshi wurde blass, als er das hörte und kam zu Ronny rüber. „Bitte nicht, Ronny“, bat er. „Niemand hat sich über dich lustig gemacht. Bitte gib mir noch eine Chance. Ich weiß, dass unser Start nicht schlechter hätte sein können. Wir machen es so, wie du es willst, aber bitte schick mich nicht weg, ohne dir gezeigt zu haben, wer ich bin.“

„Was willst du mir zeigen? Erklärst du mir auch gleich an der Tür, dass du für deinen Besuch weder kochst noch Drinks mischst? Und dass ich dich nicht anfassen soll? Gelinde gesagt war der Samstag die Hölle. Dein Bruder hat ja alles getan, um nett zu sein und er hat mich unterhalten, keine Frage. Aber das war nicht das, was ich erwartet habe.“ Er wollte Hitomi jetzt nicht runter reißen, aber sauer war er auf ihn, weil er kein Wort gesagt und sich für einen anderen ausgegeben hatte. „Ich fühl mich trotzdem verarscht“, knurrte er, aber nicht mehr so wütend wie eben noch. Satoshi tat ihm leid und gehen sollte der Kerl auch nicht. Aber Strafe musste sein.

„Das hat er gesagt?“ Satoshi schwankte zwischen Empörung und Erleichterung. „Wenn er gekocht hätte, wäre er sofort aufgeflogen. Das kann er nämlich überhaupt nicht und dass er Körperkontakt vermieden hat, ist auch gut so, denn er weiß, dass ich ihn sonst tranchiert hätte.“ Satoshi sah Ronny lächelnd an. „Ich koche sehr gerne für dich und mixe dir auch Drinks und ich habe auch nichts dagegen, wenn ich dich berühren darf, oder du mich berührst.“

„Ich bin nicht käuflich“, erklärte Ronny schnippisch, grinste aber schon wieder. Er war mit sich übereingekommen, dass sich an seiner Begeisterung für den echten Satoshi nichts geändert hatte. Er musste ihn nur ansehen und sein Magen flatterte wie verrückt. Das konnte nicht ganz falsch sein. Er hatte den Drang, den Mann zu greifen und zu küssen, doch er ließ es vorerst. Die Situation war irgendwie nicht danach. Dafür wollte er jetzt endlich seinen Kaffee.

„Das habe ich auch nie geglaubt.“ Satoshi atmete tief durch und entspannte sich ein wenig. Erst jetzt merkte er, wie angespannt er gewesen war. Er konnte nur hoffen, dass er Ronny überzeugt hatte. Ganz schlau wurde er aus dessen Reaktion nicht, aber zumindest stand er noch hier und nicht in der Kälte. „Was hat mein Bruder denn so über mich erzählt?“, fragte er neugierig.

„Du meinst, über sich?“, grinste Ronny und holte tief Luft. Er ließ sich auf einen der Barhocker sinken und griff sich den lauwarmen Kaffee. „Eigentlich ziemlich viel, aber mehr so das übliche. Werdegang und so was.“ Der falsche Satoshi war sehr vage geblieben, war vielen persönlichen Fragen ausgewichen. „Es war schwer, etwas über dich heraus zu finden und das Kribbeln hat gefehlt und deswegen wollte ich ihm – dir – heute sagen, dass wir uns vielleicht nicht mehr sehen sollten. Das hatte keinen Sinn.“

„Ich hoffe doch, dass das Kribbeln wieder da ist und du dich weiter mit mir treffen möchtest. Ich habe es auf jeden Fall.“ Satoshi lächelte leicht und setzte sich neben Ronny. „Ich hoffe für ihn, dass er bei der Wahrheit geblieben ist. Also, wenn du etwas wissen möchtest, frag ruhig.“

„Ich bin erst mal auf die Show gespannt, wenn er hier aufschlägt. Ich weiß noch nicht, ob ich wütend sein soll oder ihm einfach vergeben. Er ist schließlich schuld daran, dass ich dachte, mich in dir völlig getäuscht zu haben.“ Er sah Satoshi an und spürte wie sein Puls schneller wurde. Der Koch war ihm ganz nah und Ronny wusste nicht so richtig, was er jetzt machen sollte. Also erhob er sich und goss seinen lauwarmen Kaffee weg. Er brauchte einen frischen. „Du auch?“, fragte er und deutete mit dem Kopf auf Satoshis Tasse.

„Ja, bitte.“ Satoshi gab Ronny seine Tasse und dabei berührten sich ihre Finger. Es war unwahrscheinlich, ein regelrechtes Feuerwerk, das durch seinen Körper rauschte und er musste schlucken. So heftig hatte er schon ewig nicht mehr auf eine einfache Berührung reagiert. „Wow“, murmelte er leise, ohne es zu merken.

„Ja“, nuschelte auch Ronny, ihn hatte der Blitz nämlich ebenfalls durchzuckt und zur Salzsäule erstarren lassen. Die Tassen landeten verloren neben der Maschine, er konnte sie noch nicht einmal unter den Ausguss der Maschine fädeln, so zitterten ihm die Finger. Das war doch unglaublich – was passierte hier mit ihm? Ronny sah Satoshi fragend an.

„Komm her“, murmelt Satoshi und zog Ronny sanft zu sich, damit er ihn umarmen konnte. Er wollte dieses unglaubliche Gefühl noch einmal haben und er wollte endlich wissen, wie es sich anfühlte, ihm so nah zu sein.

Wie an unsichtbaren Schnüren ließ Ronny sich von Satoshi in seine Nähe locken und sank dem etwas größeren Mann in die ausgebreiteten Arme. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich dichter und atmete tief durch. Wie ein Nebel hüllte Satoshi ihn ein, das war unglaublich. Sein Kopf wurde langsam leer und leicht.

„Das ist einfach unglaublich“, murmelte Satoshi leise und seine Hände fingen ganz von alleine an, sanft über Ronnys Rücken zu streicheln. Wie sehr hatte er sich das gewünscht, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten und beinah hätte er das vermasselt. Er musste sich abgewöhnen, die Telefonnummer seines Bruders mit den eigenen Visitenkarten in der gleichen Tasche herum zu tragen. Das peinliche Vorkommnis war ihm nicht das erste Mal passiert. Es wurde Zeit, dass er die Nummer endlich im Handy speicherte und die Karte daheim ließ!

„Ja, unglaublich“, murmelte Ronny leise und lächelte dümmlich vor sich hin. Sein Kopf war leer – alles vergessen. Nur Satoshis Gegenwart füllte ihn langsam aus.

Ganz vorsichtig, weil er nicht wusste, ob er einen Fehler machte, beugte Satoshi sich vor und küsste Ronny auf die Wange. Mehr traute er sich nicht. Er konnte Ronny noch nicht einschätzen und vielleicht wollte er zwar Berührungen, aber nur in einem bestimmten Maß.

Doch da kannte er Ronny noch nicht gut genug. Jetzt fühlte er sich wieder auf sicherem Terrain. Hier kannte er sich aus und hier wusste er ganz genau, was er wollte. Seine Finger griffen in Satoshis Haar und seine Lippen suchten die des Kochs.

Endlich!

Ronny seufzte zufrieden und war sich sicher, dass es mit dem falschen Satoshi nicht dieses Feuerwerk hinter seinen Augen gegeben hätte, eine Salve von Hitze schoss durch seine Adern bei solch einer sanften Berührung. Wie sollte das erst werden, wenn sie sich liebten?

Satoshi konnte Ronny da nur zustimmen. Zwar berührten sich ihre Lippen, aber es war ein unschuldiger Kuss, ganz ohne Leidenschaft und doch spürte er ihn bis in die letzte Haarspitze. Er musste Ronny einfach für sich gewinnen, denn er wollte ihn nie wieder loslassen. Trotzdem löste er ihre Lippen und leckte sich darüber. „Du bist einfach unglaublich“, murmelte er grinsend und küsste Ronny gleich noch mal.

„Ich weiß“, grinste Ronny frech, gab das Kompliment aber ungemildert zurück. „Der unglaubliche Ronny, so nennt man mich.“ Lachend wendete er sich endlich der Kaffeemaschine zu, um zu beenden, was er vor Minuten schon versprochen hatte. Zurrend wurde der Kaffee gemahlen und dann aufgebrüht. Ronny lehnte mit der Hüfte an der Arbeitsplatte und sah über die Theke zu Satoshi.

„Da hab ich mir ja was eingefangen“, lachte Satoshi leise und zwinkerte Ronny zu. Eins war ihm klar, mit dem kleinen Tänzer wurde es bestimmt nicht langweilig. Er zuckte ein wenig zusammen, als es an der Tür klingelte und sah automatisch auf die Uhr. Es war kurz vor elf, also konnte das nur Hitomi sein.

„Willst du ihm öffnen, oder dich im Schlafzimmer verstecken?“, fragte Ronny, der schon um die Theke kam, um zur Tür zu gehen. Er wollte den falschen Satoshi nicht warten lassen. Auch wenn der ihn auf den Arm genommen hatte, war das doch nicht fair. Er sah noch einmal zu Satoshi, als er auf den Knopf für den Türsummer drückte.

„Öffnen“, entschied Satoshi. Sie waren keine Kinder mehr, die Spielchen spielten. Er war sich sicher, dass Hitomi es gut gemeint hatte, trotzdem hatte er einen Schock verdient. Er stellte sich neben Ronny und legte einen Arm um ihn. Jetzt, wo er den Tänzer einmal in den Armen gehalten hatte, wollte er das nicht mehr missen.

„Showtime“, lachte Ronny und öffnete die Tür, als er die Schritte auf der Treppe hören konnte. Er zog die Tür weiter auf und lächelte Hitomi an. Er war nicht mehr wütend oder sauer wie noch vor einer Stunde. Er hatte schlussendlich bekommen, was er wollte, und alles andere war vergessen. „Hallo Satoshi“, betonte er den Namen so unmöglich, dass Hitomi gleich Bescheid wissen musste, ohne seinen Bruder in Ronnys Arm zu sehen.

„Ups“, machte der auch gleich und sah Ronny grinsend an. „Was hat mich verraten?“, fragte er und blieb vor Ronny stehen. „Ich“, sagte Satoshi und öffnete die Tür ein wenig weiter, damit Hitomi ihn sehen konnte. Der riss auch gleich die Augen auf und brummte. „Spielverderber.“

„Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“, fragte Ronny und sah Hitomi emotionslos an. „Du spiegelst mir in einer Phase, die ziemlich heikel ist, etwas vor, was so nicht stimmt. Eigentlich hatte ich heute vor, dir – ihm – klar zu machen, dass das mit uns nichts werden kann. Wäre er hier nicht zufällig aufgetaucht...“ Ronny brach ab und ließ Hitomi ein, das musste ja nicht jeder hören. Aber wütend war er doch.

Auch wenn Hitomi dort mit gesenktem Kopf stand, er sollte wissen, dass er Mist gebaut hatte. „Also, dass war das letzte, was ich wollte.“ Hitomi schielte zu Ronny und seinem Bruder. Beide guckten nicht sehr freundlich. „Eigentlich hatte ich vor, heute zu beichten, weil Satoshi ja heute wiederkommt. Ich hatte wirklich keine bösen Absichten. Ich wusste, dass du meinem Bruder wichtig bist und er mal wieder meine Karte rausgegeben hatte. Ich wollte eigentlich nur ein Platzhalter sein, bis er wieder da ist. Und auch den Mann beschnuppern, den mein Bruder will.“

„Zum Schnuppern bin ich ja nicht gekommen, so dicht kam ich nicht ran“, knurrte Ronny leise, machte seinem zweiten Gast aber einen Kaffee. „Setzt euch“, sagte er zu den Zwillingen und blieb bewusst auf der anderen Seite der Theke stehen – ihnen gegenüber.

„Ja glaubst du, ich bin lebensmüde?“, rief Hitomi und setzte sich auf den Hocker und grinste schon wieder. Sein Bruder lächelte schon wieder und bei Ronny schaffte er das bestimmt auch noch. „Meine Mutter hängt an mir und ich an ihr. Einen Sohn tot und einen im Gefängnis, weil er den Bruder aus Eifersucht gemeuchelt hat, wollte ich ihr nicht zumuten.“

„Das hättest du dir überlegen können, bevor du dich für ihn ausgegeben hast und mich an meinen Instinkten hast zweifeln lassen.“ Ronny begann das geplante Frühstück auf der Theke zu verteilen. Brötchen hatte er schon geholt, Wurst und Käse aufgeschnitten. Die Eier wollte er noch braten. „Ich dachte schon, es hätte an meinem Rausch gelegen, dass ich auf Satoshi abgefahren bin, als dann am Sonntag gar nichts mehr da war.“

„So schlimm?“ Hitomi ließ den Kopf hängen und seufzte theatralisch. „Das trifft mich jetzt aber hart, dass ich gegen meinen kleinen Bruder verloren habe.“ Er konnte es aber auch nicht lassen. „Ehrlich, Ronny, ich mag dich und ich habe gemerkt, dass du irritiert warst, aber ich konnte doch nicht mitten drin wieder aufhören, denn dann wären wir beide heute nicht hier.“

„Wovon du ausgehen kannst“, sagte Ronny offen und briet gerade den Speck, der zischend zusammen schrumpelte und dampfte. „Und ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn du mir das heute nur gesagt hättest und Satoshi nicht hier aufgetaucht wäre.“ Ronny wollte ehrlich sein. Die beiden durften ruhig wissen, dass er für solche Spiele nicht zu haben war. „Wenn ihr noch mal irgendwann die Plätze tauscht, werd ich sauer.“

„Nein, Ronny, auch wenn ich dich mag. Jungs sind nicht meine Liga und wenn du mit meinem Bruder zusammen bist, ist für mich die Grenze erreicht. Also du musst keine Angst mehr vor solchen Spielchen haben, solange du mit Satoshi zusammen bist.“

Ronny drehte seiner zischenden Pfanne den Rücken zu und sah die beiden Männer grinsend an. „Das erklärt zumindest, warum du mich weder küssen noch anfassen wolltest. Ich dachte schon das läge daran, dass ich so ein abstoßender und verwachsener Gnom bin.“ Man sah die gespielte Erleichterung auf seinem Gesicht, als er lachend Eier in die Pfanne warf.

„Nein, das bist du ganz bestimmt nicht“, rief Satoshi auch gleich und sein Bruder verdrehte die Augen. Typisch Verliebter. Aber er freute sich mit ihm, denn es war schon viel zu lange her, dass er glücklich gewesen war und Ronny war bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Zufrieden grinsend lächelte Ronny Satoshi an und ihre Blicke trafen sich. Es war magische Anziehung, dass beide sich über die Theke beugten, um einen kurzen Kuss zu tauschen, der dann doch etwas länger dauerte, bis Hitomi sich räusperte, weil die Eier so komisch qualmten. Er verstand vielleicht nicht viel vom Kochen, aber er war sich sicher, dass wohlerzogene Eier das nicht tun sollten.

Darum sprintete er zum Herd und schob die Pfanne aus der Gefahrenzone. „Kein Frühstück“, murmelte er leise, aber durchaus zufrieden. Wenn er jetzt ging, dann merkten die Zwei das sowieso nicht, darum nahm er sich ein Brötchen und ließ die beiden allein. Ihn brauchten sie jetzt ganz bestimmt nicht.

Er stellte den Herd aus, ehe noch etwas passierte und belegte sich sein Brötchen. Ab und an sah er noch einmal zu den beiden, die sich über die Theke hinweg küssten. Hitomi grinste und machte, dass er verschwand. Leise zog er die Tür ins Schloss und lehnte sich kurz von außen dagegen. Das war noch mal gut gegangen!


10

Er hatte mit seiner Prognose Recht behalten. Ronny und Satoshi bemerkten erst nach ein paar Minuten, dass sie alleine waren und grinsten sich an. „Komm rüber, das ist unbequem“, bat Satoshi und zog Ronny auch gleich sanft zu sich. Er lächelte dabei, musste aber herzhaft gähnen. So langsam konnte er nicht mehr verleugnen, dass ihm Schlaf fehlte.

„Wann bist du aus dem Bett gekrochen?“, fragte Ronny und drängte Satoshi mit dem Rücken gegen die Theke, um sich gegen ihn zu lehnen. Auch der Koch war nicht der größte, doch er hatte für Ronny genau die richtige Größe. Er war vielleicht einen halben Kopf größer – das war ideal.

„Gar nicht. Ich bin heute Nacht von London zurück geflogen. Mario hat mich im Flughafen umgerannt und hat mich nach einem kurzen Stopp bei mir Zuhause hierher gebracht.“ Satoshi hielt Ronny fest und vergrub seine Nase in den weichen Haaren. „Ich konnte doch nicht schlafen, wenn du dich mit meinem Bruder treffen willst.“

„Wie es aussieht, hat er sich verkrümelt“, sagte Ronny. Doch er sah sich nicht um. Er schlang seine Arme um Satoshi und schloss genießend die Augen. „Die Gefahr ist gebannt, dass ich mit ihm durchbrenne. Vielleicht täten dir ein paar Stunden Schlaf nicht schlecht.“ Sicher, Ronny hätte jetzt gern mit Satoshi alles nachgeholt, was ihm die Woche entgangen war, aber Satoshi sah müde aus.

„Ich will aber nicht. Nicht wenn ich die Zeit mit dir verbringen kann.“ Satoshi quengelte wie ein kleines Kind, das wusste er, aber er wollte Ronny jetzt einfach nicht alleine lassen. „Musst du heute arbeiten? Wenn ja, dann schlaf ich, wenn du weg bist.“

„Ich habe Abendvorstellung, bin also am frühen Nachmittag weg, weil ich mich warm machen muss und einiges vorbereiten“, gestand Ronny und ärgerte sich gerade darüber, dass es so war. „Allerdings würde ich dich vorher noch bei dir absetzen. Du bist sicher nicht mit dem Auto da, oder?“ Schließlich hatte Satoshi ja selber gesagt, dass Mario ihn abgefangen und her gebracht hatte.

„Hm“, brummte Satoshi zustimmend. So lange konnte er bestimmt noch wach bleiben. „Das wäre nett, wenn du mich nach Hause bringen könntest. Wir können auch schon eher rüber fahren, wenn du magst, da ist es dann vielleicht nicht schlimm, wenn ich beim küssen einschlafe.“

„Ach?“ Ronny sah auf und grinste Satoshi frech an. „Das ist also nicht schlimm. Na ich bedanke mich jetzt schon.“ Doch dann lehnte er sich wieder an und nuschelte, dass er ruhig sagen sollte, wenn er müde war, dann würden sie sich in den Wagen schwingen. Jetzt wo alles gut war, konnten sie sich die Zeit nehmen, die sie brauchten. Komisch. Bei dem falschen Satoshi hatte es ihn wahnsinnig gemacht, dass der ihm körperlich ausgewichen war. Jetzt war es Ronny egal, dass das eine oder andere noch länger auf sich warten lassen würde. Er wartete gern darauf.

„Mach ich“, murmelte Satoshi und genoss es kurz, Ronny einfach nur bei sich zu haben. Nachdem der sich die ganze Woche über nicht gemeldet hatte, hatte er nicht mehr daran geglaubt. Aber jetzt, wo er wusste, wie wunderbar es war, den Tänzer zu küssen, suchte er doch wieder dessen Lippen. Es war schon verrückt, er knutschte wie ein Teenager. Das war ihm auch schon ewig nicht mehr passiert und so standen sie einmal mehr in der Küche und tauschten sanfte Küsse aus.

„Lass uns endlich essen“, schlug Ronny vor, denn auch wenn das hier um einiges schöner war, so murmelte sein Magen gerade, dass er einen Boykott ausrufen würde, wenn er nicht bald etwas zu tun bekam. Ein letzter sanfter Kuss und Ronny löste sich von Satoshi.

Der ließ ihn ungern gehen, aber Satoshi sah ein, dass es so besser war. Er setzte sich auf seinen Platz und konnte gar nicht anders, als breit zu grinsen. „Du glaubst gar nicht, was ich für einen Schiss hatte, dass du mich nicht mehr sehen willst.“ Er beugte sich vor und küsste Ronny auf die Wange, dann erst nahm er sich ein Brötchen. Er hatte ziemlichen Hunger, aber das merkte er erst jetzt.

„Und ich wollte dich eigentlich nicht mehr sehen, weil ich das Gefühl hatte, dass wir keine gemeinsame Basis haben.“ Nein, Ronny wollte sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn Mario und Satoshi nicht ineinander gelaufen wären. Doch jetzt waren die Karten neu gemischt und er hatte ein Royal Flash gezogen. Das konnte keiner mehr toppen – außer jemand, der vier Asse hatte. Satoshi lachte über seine dümmlichen Gedanken. Was man auch für merkwürdige Gedanken hatte.

„Ich habe mir überlegt, dass ich erst schlafen werde, wenn du weg musst. Sonst habe ich nachher das Problem, dass ich nachts nicht schlafen kann.“ Satoshi sah mit schief gelegtem Kopf zu Ronny und grinste. „Allerdings, wenn du nach der Arbeit bei mir vorbeikommen möchtest und mich beschäftigst, dann hätte ich da auch nix gegen.“

„Du schläfst dich aus. Das letzte, was ich gebrauchen kann, ist ein Koch, der sich in seiner Küche in die Finger schneidet, weil er nicht ausgeschlafen ist. Vollständig bist du mir lieber, glaube mir. Also werden wir uns morgen wieder treffen, wenn du Zeit hast und ausgeschlafen bist.“ Auch Ronny juckte es in den Fingern, Satoshi ständig zu sehen, vielleicht sogar die Chance zu nutzen, dass er spät abends sowieso schon im Bett lag. Doch Satoshis Bruder hatte Recht gehabt, sie sollten es langsam angehen und sich kennen lernen.

„Dass ich Zeit haben werde, davon kannst du ausgehen.“ Satoshi war nicht böse, dass Ronny auf seinen Vorschlag nicht eingegangen war. Sie hatten jede Menge Zeit und irgendwann waren sie so heiß aufeinander, dass es sich von alleine ergeben würde. Er biss von seinem Brötchen ab und besah sich seinen neuen Freund. Denn dass der Tänzer das war, das war für ihn klar. „Wir können aber trotzdem nachher zu mir fahren, wenn du magst.“

„Klar, gerne. Die Wohnung deines Bruders kenn ich ja jetzt schon. Mal sehen, ob sich deine unterscheidet oder ob die Zwillinge da auch ziemlich gleich liegen. Wo wohnst du denn?“ Ronny zog das Ei zu sich. Hitomi hatte es gerade noch gerettet. Es war braun aber nicht schwarz. Weil Satoshi prüfend in die Pfanne guckte, spießte Ronny einen Happen auf die Gabel und hielt es seinem Freund hin.

„Krosses Ei“, murmelte Satoshi, als er aufgekaut hatte. „Schmeckt gar nicht übel. Aber wohl nichts fürs Restaurant. Obwohl…“ Satoshi fing an, sich zu überlegen, wie und bei welchem Gericht man das vielleicht verwenden konnte. Das merkte er selber schon gar nicht mehr und die Menschen, die ihn kannten, wussten Bescheid, wenn er auf einmal völlig weggetreten war.

Bei Ronny war das etwas anders und so sah er seinen Freund forschend an. Der glasige Blick, der starr an die Wand ging – war das Schlafmangel? „Satoshi?“, fragte er und tippte ihn vorsichtig an. Er wollte nicht gleich – wie er es immer bei Jan tat – mit dem erstbesten zustechen, was er hatte. Daran sollte sich Satoshi langsam gewöhnen.

„Hm?“ Satoshi guckte fragend und erst als er dessen forschenden Blick sah, wusste er, was los war. „Entschuldige. Ich habe die Angewohnheit, manchmal ein wenig geistesabwesend zu sein. Meist tüftel ich dann an neuen Rezepten und das Ei hat mich inspiriert.“ Er sah Ronny zerknirscht an und wusste, dass es mit ihm manchmal nicht einfach war. „Also nichts Schlimmes. Anstupsen ist also erlaubt.“

Ronny konnte sich ein latentes Grinsen dann doch nicht verkneifen. „Das Ei hat dich inspiriert?“, fragte er vorsichtshalber, nicht dass er da noch was falsch verstanden hatte, ehe er kichernd auf seiner Theke lag. Es musste schon ein großer Künstler sein, wenn angebranntes Rührei ihn für Gerichte in einem Sterne-Lokal inspirieren konnte. „Du bist süß“, musste er zugeben.

„Lass dich überraschen, was ich daraus kreiere. Und wenn es dir schmeckt, kommt es auf die Karte und kriegt deinen Namen.“ Satoshi verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte ein wenig, aber dann musste er auch kichern, denn als süß hatte ihn, außer seiner Mutter, noch niemand bezeichnet. Allerdings löste das, wenn Ronny das sagte, kein Augenrollen aus, sondern ein Kribbeln.

„Und wie heißt das dann? Ronnys Eier?“, konnte sich der Tänzer nicht verkneifen und so zog er Satoshi schnell zu sich, nahm ihm die Brille ab und küsste ihn, damit der weder widersprechen noch schmollen konnte. Aber es gab nun einmal Steilvorlagen, die musste er einfach zu einem Tor verwandeln. Es lag in der Natur der Sache.

Satoshi brummte ein bisschen, aber letztendlich war es ihm wichtiger, Ronny zu küssen, als ihm zu antworten. Zumindest wusste er jetzt, dass sein Schatz schlagfertig war. Etwas, das er nicht unterschätzen sollte. Er grinste Ronny nach dem Kuss an. „Warum nicht. Wenn wir dem Gericht einen japanischen Namen geben, dann wird niemand lachen.“

„Lass uns endlich essen, ehe du wieder eine Offenbarung in meiner Küche hast.“ Ronny griff sich endlich auch ein Brötchen und beschmierte es mit Butter, damit er einen Berg Ei darauf geben konnte und mit einem Schuss Ketchup sah es aus wie ein kleiner, tödlicher Verkehrsunfall. Allerdings hatte Ronny jetzt ein Problem. Normalerweise war er allein und er konnte mit den Fingern essen und herum sauen, wie er wollte. Wenn Satoshi ihn allerdings so sah, dann ging der wohl und fuhr mit dem Bus heim.

Der guckte nämlich schon und machte es dann einfach Ronny nach und biss herzhaft in sein Brötchen. Ronny hatte kurz so unsicher ausgesehen, darum wollte er es ihm erleichtern. „Hm“, seufzte er und schloss die Augen. Ei mit Ketchup war immer wieder etwas Tolles. Das toppte doch jede Sterneküche.

„Hab ich ein Glück, dass du weißt, wie man seine Hände benutzt und sich einsaut“, sagte Ronny erleichtert, drückte noch etwas Remoladensoße auf die Verunfallung und fing genüsslich an zu kauen, leckte hier, zuzelte dort, balancierte Ei auf der Zunge, das dabei war zu flüchten. So machte Frühstück erst richtig Spaß.

„Das habe ich schon früh gelernt“, lachte Satoshi und leckte sich den Ketchup von den Lippen. „Ich bin hier geboren und ich liebe Pommes rot-weiß, Currywurst und all diese Dinge, die man hier gerne isst.“ Satoshi hatte sein Ei verputzt und linste nun in die Pfanne, ob da noch mehr war. Er teilte den Rest gerecht und macht sich noch ein Brötchen.

„Currywurst liebe ich ja auch, aber ich muss zusehen, dass ich Maß halte bei meinem Job. Ich kann ja schlecht mit einem Schmerbauch auf der Bühne stehen und in der Schule wäre es auch hinderlich.“ So war das eben, für seinen Job musste er ab und zu auch Verzicht üben. Doch er hatte sich dafür entschieden und es nie bereut.

„Man muss es ja nicht jeden Tag essen. So ab und zu, wenn man Hunger darauf hat.“ Satoshi war satt und nippte an seinem Kaffee. Dabei beobachtete er Ronny, der genüsslich weiteraß. „Weißt du eigentlich, dass es ziemlich heiß aussieht, wie du dir die Finger ableckst?“, murmelte er leise und kam ein wenig näher, damit er einen Spritzer Ketchup von Ronnys Wange küssen konnte.

„Und natürlich denkst du dabei nur an meine Finger, über die meine Zunge tanzt und an nichts anderes“, stichelte Ronny. Er konnte nicht anders. Es war einfach zu verlockend, Satoshi zu reizen und zu wissen, dass er immer wieder anbiss und neue Fährten legte, um Ronny wieder zu sich zu locken. Auch wenn die Finger sauber waren, konnte er es sich nicht verkneifen, noch einmal über seinen Mittelfinger zu lecken und ihn dann ganz zwischen seinen Lippen verschwinden zu lassen. Sein Herz schlug schneller und ihm wurde heiß.

„Biest“, murmelte Satoshi und ließ den Finger nicht aus den Augen. Ronny wusste auf alle Fälle wie er einen Mann, der sowieso schon scharf auf ihn war, in den Wahnsinn trieb. Allein die Vorstellung, wie die Zunge über den Finger huschte, ließ seine Augen noch dunkler werden und er griff sich Ronny im Nacken. Er musste ihn jetzt küssen und als er merkte, wie der Tänzer gegen seine Lippen lächelte, spürte Satoshi die klebrigen Fäden des Netzes, in das er gegangen war. Doch was soll’s? Einer Spinne, die so küssen konnte und einem so hinter den Ohren kraulte, die Lust auf mehr machte und das Blut in den Adern kochen ließ, ging man nicht nur ins Netz – der folgte man überall hin.

Ronny hatte ihn eingewickelt. Ganz und gar und Satoshi genoss das Gefühl, das sich bei diesen Gedanken in ihm ausbreitete. Er hatte sich verliebt! Mit Haut und Haaren. Rettungslos. Es gäbe noch viele Synonyme dafür, aber das änderte nichts daran, dass er diesen Tänzer für sich wollte.

„Vielleicht sollte ich Jan auf Knien danken“, nuschelte Ronny gegen seine Lippen und sah Satoshi wieder an. Seine Augen waren glasig und blind tastete seine Hand zur Kaffeetasse. Sein Hals fühlte sich trocken an. „Oder lieber diesem Ole, dass er dich engagiert hat oder dem Regenwurm, dass er Jan eingeladen hat oder deinen Angestellten, dass sie dir die Karte geschenkt haben. Es gibt wohl eine Menge Leute, denen ich danken sollte.“ Ronny holte tief Luft und lächelte verliebt. Ja – es war passiert.

„Machen wir eine große Party und laden alle ein, die mitgeholfen haben, dass wir uns endlich kennen lernten.“ Immer wieder nippte Satoshi an Ronnys Lippen und seufzte leise. „Aber eigentlich ist es egal, wer dafür verantwortlich ist. Ich bin hier bei dir und das ist alles, was zählt.“

„Ja, das stimmt wohl.“ Das Schicksal hatte gewollt, dass sich ihre Wege doch noch einmal kreuzten – sie sollten das weder hinterfragen noch dem entgegen wirken, sondern es einfach genießen. „Hast du noch Hunger? Sonst räume ich ab, führ dich schnell noch durch mein kleines Reich und dann fahren wir zu dir. Du siehst wirklich müde aus.“ Ronny machte sich etwas Sorgen, weil er glaubte, Satoshi würde sich quälen.

„Nein, ich bin satt.“ Ronny hatte Recht. Jetzt, wo die ganze Aufregung sich gelegt hatte, fiel es Satoshi immer schwerer, seine Augen offen zu halten, auch wenn er versuchte, es zu ignorieren. Er half Ronny abzuräumen und nahm ihn dann an die Hand. „Dann zeig mir mal dein Reich. Ich bin schon wirklich gespannt.“

„Na dann los.“ Ronny griff fester zu und führte Satoshi als erstes noch etwas in der Küche herum, denn da war nicht nur die Kochecke mit der Theke, die er meistens zum Essen benutzte. Er hatte durchaus auch einen großen Tisch für den Fall, dass doch mal eine kleine Feierlichkeit auszurichten war. Dann ging es in den kleinen Flur. Er war fensterlos und mit der Garderobe relativ eng. Der nächste Weg führte in das kleine aber geräumige Bad. Eine Wanne, eine separate Dusche, dazu Waschbecken und WC – klassisch eben.

Satoshi sah sich um und nickte. „Hübsch“, meinte er. Die Wanne war ihm ein wenig klein, aber da war er wohl verwöhnt. Da sollten sie wohl besser bei ihm gemeinsam baden, da konnten sie sich dann austoben. Ronny zog ihn weiter zum Wohnzimmer und als erstes fiel Satoshi das bequeme Sofa auf, das direkt dazu einlud, sich dort hinein zu setzen.

Und als hätte Ronny seine Gedanken gelesen schob er Satoshi auf die Couch und setzte sich daneben. „Bequem, hm?“, grinste er. Auch wenn das gute Stück an ein oder zwei Ecken schon leicht abgegriffen war, liebe Ronny seine Couch innig. Die Schrankwand, die über Eck stand, war mehr wegen ihrem Stauraum angeschafft worden als wegen ihrer Schönheit. Sie war klassisch schlicht, hatte viele Türen in hellem Holz und ein paar Fächer mit Stellfläche.

„Wunderbar“, lachte Satoshi und legte die Arme um Ronny. Er ließ sich zur Seite fallen und zog seinen Schatz mit und auf sich. „Ganz herrlich“, murmelte er und sah Ronny verliebt an. Dessen Gewicht auf sich zu spüren, fühlte sich herrlich an. „Daran könnt ich mich gewöhnen.“

„Meinst du mich oder meine Couch“, lachte Ronny, als er sich auf Satoshi etwas bequemer sortierte. Er stemmte seine Ellenbogen rechts und links von dessen Kopf in das Polster und sah ihn forschend an. „Von deiner Antwort hängt ab, wer dich als nächstes küssen wird“, gab Ronny noch eine kleine Entscheidungshilfe, weil Satoshi überlegend die Augen rollte.

„Dich natürlich. Couchküsse sind immer so fusselig“, lachte Satoshi. Vorsichtig schob er eine von Ronnys langen Strähnen hinter dessen Ohr und war fasziniert, wie weich das Haar war. Er mochte lange Haare bei Männern, wenn sie es tragen konnten und er mochte es, damit zu spielen und sie durch seine Finger gleiten zu lassen.

„Du hast Glück, das war die richtige Antwort“, flüsterte Ronny und ließ seinen Kopf langsam tiefer sinken – so lange, bis er Satoshis Lippen mit den seinen berühren konnte. Er hatte seit Monaten niemanden geküsst und es nicht vermisst. Doch seit Satoshi hier war, war alles anders, besser. Seine Finger strichen durch das Haar des Kochs und er zupfte an ein paar der mit Spray fixierten Strähnen.

„Ja, das habe ich wirklich.“ Satoshi haschte nach Ronnys Lippen, die sich immer wieder ein wenig entfernten und schließlich wurde er ungeduldig und legte seinem Schatz eine Hand in den Nacken, damit er nicht mehr weg konnte. „Ich habe dich gefunden.“

„Du machst mich ja ganz verlegen“, nuschelte Ronny und war aus dem Konzept gebracht. So konnte Satoshi seine Lippen erobern und Ronny seufzte tonlos. Er konnte mit Gefühlen nicht umgehen, mit seinen eigenen nicht und auch nicht mit denen von anderen. Wenn's ernst wurde, das eine bestimmte Wort fiel, war Ronny meistens schon auf der Flucht, dass man nur noch eine Staubwolke sah. Dieses Mal war es anders, dieses Mal musste es anders sein. Er wollte Satoshi nicht gehen lassen und das hieß viel Lernstoff für Ronny und Nachhilfe bei Jan. Aber jetzt wollte er erst einmal genießen, dass Satoshi hier war und ihm dieses herrliche Kribbeln bescherte, das er gerade spürte.

Satoshi küsste Ronny ausgiebig, denn bald mussten sie sich trennen. Immer wieder fielen ihm die Augen zu und dass das passierte, obwohl Ronny so herrlich auf ihm lag, zeigte, dass er wohl wirklich ins Bett sollte.

„Komm“, sagte Ronny, als er sich aufsetzte. Er strich dem Koch noch einmal über das Gesicht, über den Hals, die Brust und ließ die Hand auf dem flachen Bauch liegen. „Ich schaffe dich heim. Das Schlafzimmer heben wir uns für später auf. Wie arbeitest du morgen?“, fragte er, als er sich langsam erhob, denn er wollte wissen, wann sie sich wiedersehen konnten.

Satoshi hielt die Hand auf seinem Bauch fest und streichelte darüber. „Morgen werde ich wohl ziemlich lange im Restaurant sein. Ich war eine ganze Woche nicht da, da muss ich nach dem Rechten sehen. Wahrscheinlich werde ich so gegen Mittag dort aufschlagen und dann wohl bis zum späten Abend. Ich muss ja schließlich dein neues Lieblingsgericht kreieren.“

„Dann wird es schwierig werden, hm?“, sagte Ronny nachdenklich. Er hatte zwar immer laut getönt, dass er - wenn er sich einen Freund suchen sollte – sich nur einen suchen würde, der ebenfalls beschäftigt war und wenig zu Hause, doch jetzt rächte sich sein Spruch, denn er hätte Satoshi gern wieder gesehen und das nicht nur für eine Stunde vor dem Schlafen gehen.

Das gefiel Satoshi nicht sehr. „Sag mir, wie lange und wann du arbeiten musst, dann werde ich versuchen, mich dir anzupassen. Ich habe keine festen Arbeitszeiten und das Restaurant läuft auch ohne mich.“ Satoshi setzte sich auf und küsste Ronny. Er wollte ihn unbedingt wieder sehen. So oft es nur ging.

„Morgen arbeite ich so wie heute. Die Vorstellung endet um zehn und wenn ich nicht trödle, bin ich gegen halb elf zu Hause“, sagte Ronny hastig und wirkte gerade wie eine Katze am Sahnetopf – sehr zufrieden. Wie es schien, hatte Satoshi den gleichen unbändigen Drang, ihn wiederzusehen. Das ließ hoffen und morgen war Satoshi bestimmt ausgeschlafener als jetzt.

„Das ist doch perfekt. Wenn es dir Recht ist, komme ich morgen früh zu dir. Wir verbringen den Tag zusammen und nach dem Mittag fahre ich ins Restaurant und du kommst nach der Arbeit dort vorbei und du bekommst noch einen kleinen Imbiss und ein paar Liebesperlen.“ Ja, so konnten sie das machen. Dann hatte er immer noch genug Zeit, sich einen Überblick im Restaurant zu verschaffen und auszuarbeiten, was an Papierkram liegen geblieben war.

„Wenn es mir recht ist?“, lachte Ronny und erhob sich, lehnte sich aber noch einmal über die Couch, um sich abzustützen, als er Satoshi einen letzten Kuss stahl, einen letzten für die nächsten Minuten. „Ich wäre tief beleidigt, wenn du nicht alles versuchen würdest, mich wiederzusehen“, knurrte er in Raubtiermanier und grinste, damit Satoshi nicht das Gefühl hatte, dass das gerade ernst gemeint war.

„Natürlich, was dachtest du denn? Ich würde dich gerne ständig bei mir haben, aber das funktioniert leider nicht. Dazu haben wir beide zu viel Spaß an unseren Jobs. Das heißt aber nicht, dass wir die Zeit, die übrig bleibt, nicht zusammen verbringen können. Schließlich geht es um Qualität und nicht Quantität.“ Satoshi war sich sicher, dass sie einen Weg fanden, sich so oft wie möglich zu sehen. Das brauchte seine Zeit, bis das eingespielt war, aber das klappte schon.

„Ich bin mir sicher, dass wir da einen Weg finden.“ Mit einem Bein kniete Ronny auf der Couch und seine Stirn lag an der seines Freundes. „Aber jetzt komm. Die Augenringe werden immer größer und deine Gäste werden sich erschrecken, wenn du so verbraucht aussiehst.“ Ein wirklich letzter Kuss, dann erhob er sich und reichte Satoshi die Hand.

Der ließ sich ziehen, auch wenn er es schade fand, dass sie sich gleich trennen mussten. Aber er sah ein, dass es bestimmt nicht schmeichelhaft für Ronny war, wenn er wirklich beim küssen einschlief. Jetzt, wo sie beide wussten, dass sie sich wieder sehen wollten, hatten sie alle Zeit der Welt. Sie ließen ihre Hände verbunden, als sie in den Korridor gingen, um sich anzuziehen.

Schnell waren die Schuhe übergestreift und die Jacken angezogen. Die Kragen wurden hochgezogen, als sie zusammen in den Hausflur traten. Es war frisch, weil wieder jemand die Haustür offen gelassen hatte und Ronny knurrte leise. Gemeinsam gingen sie die Treppe nach unten und etwas lauter als nötig knallte Ronny die Tür zu. „Sorry, musste jetzt sein. Ich hab die Nase voll, dass Leute nicht die Tür zu machen können bei der Kälte. Das kostet mich nämlich einiges mehr an Heizkosten, weil ich hier unten wohne“, murmelte er und nahm wieder Satoshis Hand.

Nicht einmal auf dem kurzen Weg zum Wagen wollten die beiden sich trennen. Satoshi machte es sich in dem Wagen bequem und hätte gerne seine Hand während der Fahrt auf Ronnys Bein gelegt, aber er wusste nicht, ob der das mochte oder ob es ihn ablenkte und einen Unfall riskieren wollte er auf keinen Fall. „Schöner Wagen“, sagte er anerkennend, als sein Freund sich neben ihn setzte.

„War von klein auf – also, als ich jünger war“, korrigierte er ob seiner geringen Körpergröße, um zu präzisieren, was er meinte, „ich wollte schon immer so einen haben. Einen großen BMW. Die meisten finden ihn protzig, aber ich liebe ihn. Vor allem, wenn ich zu Auftritten muss, die etwas weiter weg sind. Fast wie ein Privatflugzeug.“ Er zwinkerte Satoshi zu und fuhr los. Doch er hielt sich an die Regeln. Er hatte den großen Wagen nicht, weil er die Pferdchen unter der Haube bis zum letzten triezen wollte, sondern weil er es bequem haben wollte.

„Ich finde es immer schön, wenn man sich einen Traum erfüllen kann, denn dann weiß man zu schätzen, was man hat. So ähnlich war es mit meinem Restaurant, ich hatte schon lange ein Konzept dafür im Kopf und nachdem ich es umgebaut hatte war ich restlos zufrieden, weil es so geworden ist, wie ich es wollte.“ Satoshi kuschelte sich in den bequemen Sitz und drehte sich ein wenig Ronny zu. Er war ihm zu weit weg, darum berührte er ihn nun doch am Bein.

An einer Ampel sah Ronny an sich nach unten und entdeckte die Finger, grinste, sagte aber nichts. Es fühlte sich gut an, deswegen wollte er darauf nicht verzichten. „Dein Restaurant ist auch wirklich schön geworden und wo du schon überall herum gekommen bist. Richtig beneidenswert. Meinen weitesten Auftritt hatte ich bis jetzt in Berlin.“ Na ja, Ronny nahm es sportlich. Er war nicht in der Oberliga. Er war ein Tänzer in einem guten Ensemble und er hatte Spaß. Er verdiente, zusammen mit seiner Schule, genug, um sich seinen Lebenswandel leisten zu können – mehr brauchte er nicht. Weit weg flog er eben in den Urlaub.

„Na ja, für einen guten Koch gehört es mittlerweile dazu, wenn er was werden will.“ Satoshi lachte leise und nickte. „Aber wie ich schon sagte, das hört sich doller an, als es wirklich ist. Viel Arbeit und wenig Freizeit. Aber es hat mir viel gebracht und ich möchte die Zeit nicht missen.“ Satoshi bedauerte es, dass sie gleich schon bei ihm waren. Der Weg heute Morgen war ihm viel weiter vorgekommen, aber das war wohl immer so.

„Das wäre auch noch mal mein großer Traum, so bekannt zu werden, dass man mich in Übersee sehen möchte. Aber ich bin eigentlich auch mit dem zufrieden, was ich habe. Ständig aus dem Koffer leben, den halben Tag damit zu zu bringen herauszufinden, in welcher Zeitzone man lebt, das stelle ich mir auch nicht so berauschend vor. Da mach ich lieber Urlaub dort, da sehe ich mehr von Land und Leuten als beim Arbeiten“, lachte Ronny und ließ sich weiter den Weg weisen. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, Ludger zu programmieren. Satoshi war das attraktivere Navi.

„Ja, da kann ich dir nur zustimmen. Im Urlaub hat man wesentlich mehr davon.“ Satoshi leitete Ronny durch die Stadt und war kurz versucht einen kleinen Umweg zu fahren, damit sie länger zusammen waren, aber das war albern. Sie fuhren in das Industriegebiet und er winkte Tristan zu, der gerade aus dem Haus kam. „Ein Freund von mir“, erklärte er Ronny und zeigte ihm, wo er halten konnte, um ihn raus zu lassen.

Ronny blickte in den Rückspiegel, um sich den Blonden noch einmal genauer anzusehen und machte große Augen, als ihm ein schwarzhaariger junger Mann auf den Hintern klatschte, während beide in einem tiefer gelegten Audi verschwanden. „Nette Nachbarn“, lachte Ronny, betrachtete sich aber nun die Fabrikhalle, vor der sie standen. Er war neugierig, er hätte gern gesehen, wie Satoshi wohnte, doch er wusste so gut wie sein Freund: wenn er jetzt Satoshi begleitete, dann landeten sie im Bett und das wollten sie irgendwie beide noch nicht. „Ich schick dich alleine heim, sonst artet es aus“, gestand er leise, warum er nicht – im Gegensatz zu Satoshi – die Autotür öffnete, sondern sitzen blieb.

Darum fiel die Tür auch erst einmal wieder zu und Satoshi beugte sich zu Ronny rüber. „Ja, das denke ich auch. Wenn ich dich erst einmal in der Nähe meines Bettes habe, dann ist es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei“, murmelte er an Ronnys Lippen und küsste ihn hungrig. Einerseits war er froh, dass sie beide es langsam angehen wollten, andererseits wollte er Ronny und der Drang wurde immer größer, je länger sie sich kannten. Dieser Tänzer lockte ihn, mit jedem Blick und jeder kleinen Geste.

Sie tauschten noch ein oder zwei Küsse und blickten sich tief in die Augen. „Schlaf dich aus, träum von mir und sieh im Lokal nach dem Rechten. Umso entspannter wirst du morgen früh bei mir sein und ich werde versuchen, ein Frühstück zu machen, das nicht so chaotisch ist wie heute“, versprach Ronny und holte tief Luft. Er hatte schon eine Hand am Türgriff, doch er war stark genug, dem Drang zu wiederstehen.

Noch.

„Wann soll ich denn da sein? Und morgen kümmere ich mich um das Frühstück. Okay?“ Er machte das wirklich gerne. Er liebte es, seine Freunde zu bekochen und bei Ronny war es nicht anders. Wieder trafen sich ihre Lippen, aber Satoshi dehnte den Kuss nicht aus, auch wenn es schwer fiel.

„Komm, wann immer du willst. Klingel mich aus dem Schlaf, wenn es sein muss“, sagte Ronny und meinte das völlig ernst. Wie konnte er auch nur eine Minute mit schlafen verschwenden, wenn er sie mit Satoshi verbringen könnte. Das wäre unverzeihlich. „Wenn du wach bist, schwing dich in deinen... du hast doch einen Wagen, oder? Soll ich dich holen?“

„Nein, du musst mich nicht holen. Ich habe ein Auto.“ Satoshi nickte und war mit ihrer Planung durchaus zufrieden. „Gut, ich werde zu dir eilen, wenn ich wach bin. Ich kann es kaum erwarten.“ Er küsste Ronny noch einmal, dann öffnete er entschlossen die Tür. „Ich werde von dir träumen und du denk ab und zu an mich, bis wir uns wieder sehen.“

„Na und ob ich das tun werde“, versicherte Ronny und wartete noch so lange, bis Satoshi hinter seiner Tür verschwunden war. Dann startete er den Wagen und fuhr langsam vom Gelände, verließ das Industriegebiet und schlug den Weg nach Hause ein. In seiner Aufregung hatte er seine Tasche für den Auftritt vergessen. Grinsend stellte er fest, dass Satoshi ihm ziemlich den Kopf verdreht hatte und wie toll er das fand.

Satoshi ging es ähnlich. Er stand grinsend an eine Wand gelehnt und konnte einfach noch nicht fassen, was heute passiert war. Er war heftigst verliebt und hatte einen Freund, das wurde ihm jetzt erst richtig klar. „Ja“, jubelte er und sprang in die Höhe. Noch immer grinsend zog er sich aus und ließ seine Klamotten auf dem Weg zum Bett einfach fallen. Das störte ihn heute gar nicht. „Pass auf dich auf, Liebling“, murmelte er leise, als er unter die Decke krauchte und seine Augen schloss