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Starkoch im Pas de deux - Teil 11 bis 13

11

>>Bist du wach?<<, tippte Ronny in sein Handy. Er hatte die halbe Nacht nicht geschlafen und musste mit jemandem reden. Er wusste, dass Jan gestern Abend mit seinem Babe noch auf die Piste wollte, weil beide heute frei hatten und so rechnete er damit, dass Jan um acht Uhr morgens noch nicht zu gebrauchen war. Aber vielleicht meldete er sich ja noch, wenn er wach war. Ronny drehte sich auf die andere Seite und raffte sein Kissen an sich. Er war gestern nach der Vorstellung nicht wie üblich mit der Crew noch einen Absacker genießen gegangen, sondern gleich heim gefahren, um zu schlafen und heute morgen frisch zu sein. Doch er hatte kaum Schlaf gefunden. Er war aufgeregt wie schon lange nicht mehr und er erschreckte sich etwas, als sein Handy piepste.

>>Ich ruf an<< stand dort und wie aufs Stichwort klingelte sein Telefon. „Hallo Süßer, wie geht es dir?“, hörte er Jan aus dem kleinen Apparat. Er war noch nicht ganz wach, aber wenn Ronny so eine SMS schickte, dann war es dringend.

„Hey Prinzessin, bist ja schon wach oder habe ich dich geweckt?“, wollte Ronny wissen und drehte sich auf den Rücken. Es war beruhigend, eine vertraute Stimme zu hören. „Hat Mario dir gestern was erzählt?“, wollte er erst einmal wissen, wie viel Jan schon wusste und wie viel er ahnte und was Ronny auffüllen musste, um ihn auf Stand zu bringen.

„So Halbe, Halbe“, gähnte Jan, dann ging es ihm besser. Mario schlief noch, darum stand er vorsichtig auf, damit er ihn nicht störte. „Mein Schatz war sehr ausführlich. Ich bin also im Bilde, bis er Satoshi bei dir abgeladen hat.“ Er musste nicht erwähnen, dass er seinen Schatz für seinen selbstlosen Einsatz gerne und ausgiebig belohnt hatte. Das wusste Ronny auch so.

„Dann fing der Spaß ja erst an“, grinste Ronny schief und schloss die Augen wieder. Er fröstelte und zog die Decke höher. Noch ein paar Minuten, dann würde auch er sich aus seinem weichen, warmen Nest zur Dusche schleppen. Man wusste ja nicht, wann sein Freund hier auftauchte. Dümmlich grinsend erzählte Ronny weiter, von dem was Satoshi erzählt hatte und von den Schmetterlingen im Bauch, die plötzlich alle wieder da gewesen waren, wie beim ersten Mal. Er ließ freilich auch Hitomi nicht aus, denn der hatte ja die ganze Verwirrung angestiftet.

„Wow, was für eine Geschichte.“ Jan musste einfach grinsen. Sein einsames Tigerchen hatte sich einfangen lassen. Er hatte es zwar gehofft, aber dass es wirklich geklappt hatte, war einfach unglaublich. „Und Satoshi geht es genauso wie dir? Wann seht ihr euch wieder?“

„Sobald er wach ist, will er vorbeikommen und Frühstück machen. Danach muss er ins Restaurant und ich dann irgendwann zur Vorstellung“, sagte Ronny hastig und Jan erkannte an der Stimme und wie gepresst er sprach, dass Ronny sich ein albernes Kichern schwer verkneifen musste. „Er ist so toll und witzig und niedlich und... Ach, er ist einfach so... na so eben.“

Lachend ließ Jan sich in der Küche auf einen Stuhl fallen. Er hatte nebenbei Kaffee gekocht, wenn er schon mal auf war. „Dass ich das noch mal erlebe, dass du dich Hals über Kopf verliebst und dann auch noch in so einen niedlichen Kerl.“ Er musste Ronny ein wenig necken. Schließlich hatte er das bei ihm auch gemacht. Geschlagene vier Jahre lang, nur dass Jan immer wieder zu hören bekommen hatte, dass Proll Mario ja sowieso nicht ganz dicht wäre. Doch das war mittlerweile vergeben und vergessen. Jan hatte seinen Proll und war sehr glücklich. Blieb nur zu hoffen, dass Ronny in vier Jahren immer noch mal albern kicherte, wenn Satoshis Name fiel. Doch das hieß ja noch lange nicht, dass man nicht ein bisschen was abstreiten konnte, um das Image zu wahren. „Von wegen Hals über Kopf. Mein Kopf ist über dem Hals – wie sich das gehört.“

„Du bist blöd“, lachte Jan. Je mehr Ronny etwas abstritt, desto wichtiger war es ihm, wollte es aber nicht einfach so zugeben. „Es hat dich also richtig erwischt. Bist du glücklich?“ Das war für Jan wichtig, denn Ronny hatte ein wenig Glück verdient und vor allen Dingen eins, das länger hielt. „Wie weit seid ihr denn schon?“

„Jana!“, sagte Ronny empört und schoss hoch. „Manche mögen am ersten Tag ihren Spaß haben. Aber wir sind schon alt. Wir sind nicht mehr so... außerdem wollten wir es langsam angehen, um uns kennen zu lernen. Du hast deinen Proll ja schon von klein auf studiert. Da war das was anderes.“ Ronny nuschelte leise vor sich hin und erhob sich langsam. Er konnte nicht mehr ruhig liegen.

„Schon gut, schon gut, Süßer, ich will keine Einzelheiten hören“, lachte Jan. Es stimmte schon, dass Jan Mario seit frühester Jugend kannte, aber trotzdem entdeckte er immer noch etwas Neues an seinem Schatz. „Halt ihn fest, ich mag ihn. Er ist nett, steht mit beiden Beinen im Leben und hat einen Faible für Tänzer mit einer großen Klappe.“

„Dann frage ich mich, was er von mir will? Ich bin doch so zurückhaltend und kleinlaut“, sagte Ronny ernst und machte Geräusche, als müsste er wirklich noch darüber nachdenken. „Außerdem sollst du meinen Freund gar nicht mögen“, stichelte er lachend und war eigentlich mit dem, was er im Augenblick hatte, sehr zufrieden. Eigentlich fand er es gut, dass seine Freunde Satoshi schon kannten, zumindest ein Teil von ihnen. So konnte er sich die steife Vorstellung sparen.

„Ja klar, Ronny.“ Jan schüttelte den Kopf und hörte die Türglocke bei seinem Freund anschlagen. „Ich glaube, dein Schatz ist da und du bist noch nackt. Aber vielleicht ist das ja so geplant und das mit dem Zeit lassen ist heute Morgen vorbei“, stichelte er ein wenig. Das musste einfach sein. Irgendwie musste er sich ja auch mal für die letzten Jahre rächen.

„Prinzessin, darüber reden wir noch mal“, knurrte Ronny und sah auf die Uhr. Sein Liebling war früh dran und so verabschiedete sich Ronny von Jan, drückte auf den Summer, öffnete die Wohnungstür einen Spalt und huschte ins Bad, um sich wenigstens einen Morgenmantel überzuwerfen. Eigentlich hatte er Satoshi züchtig bekleidet empfangen wollen, vor allen Dingen, schon geduscht. Aber jetzt musste ein Schluck Mundwasser für die ersten Minuten reichen.



Satoshi eilte die wenigen Stufen hoch und trug einen Korb mit allem, was er für das Frühstück brauchte. „Hallo“, rief er von der Tür aus und schloss sie hinter sich. Von Ronny war nichts zu sehen, darum brachte er die Lebensmittel in die Küche. Er war schon lange wach und darum war er heute Morgen als erstes ins Restaurant gefahren, um das Frühstück vorzubereiten. Dass er Ronny um sechs Uhr früh aus dem Bett schmiss, wollte er ihm nicht zumuten.

„Bin da, bin da!“, rief Ronny, als er die Badtür aufriss und den Mantel eilig zuband. „Ich war schon lange wach, hab nur telefoniert und die Zeit vergessen!“, erklärte er gleich seine fragwürdige Aufmachung. Nicht dass Satoshi noch das falsche dachte. Der Koch stand schon hinter der Theke und Ronny lehnte sich darüber, damit er endlich geküsst wurde. Er hatte es vermisst, sehr vermisst!

„Guten Morgen, mein Schatz.“ Satoshi sah Ronny an und war hin und weg. So ein wenig verstrubbelt und nur in diesem dünnen Bademantel sah der Tänzer einfach zum anbeißen aus. Darum kam er um die Theke rum, um Ronny zu küssen. Er wollte ihn an sich spüren und ihn festhalten. Darauf hatte er sich gefreut, seit er wach war.

„Na und ob das ein guter Morgen ist, davon kannst du aber ausgehen.“ Ronny schlang seine Arme locker um Satoshis Hals und nippte immer wieder an dessen Lippen. „Und ich habe dich schrecklich vermisst, kaum geschlafen, aber jetzt wird es langsam wieder besser.“ Dabei schielte er kurz auf den gut gefüllten Korb, den Satoshi schon teilweise auf der Arbeitsplatte entleert hatte.

„Ich habe dich auch vermisst und wie befohlen von dir geträumt.“ Sehr anregende und erotische Träume, aber das sagte er lieber nicht, denn er schämte sich ein wenig dafür. „Ich konnte auch schon früh nicht mehr schlafen und habe darum schon mal das Frühstück vorbereitet.“ Satoshi zog Ronny dicht zu sich und nicht ganz zufällig legten sich seine Hände auf den knackigen Hintern, so dass er spüren konnte, dass Ronny unter dem Bademantel vollkommen nackt war.

Ronny lag ein blöder Spruch auf den Lippen, um Satoshi zu ärgern, doch er ließ es, weil er wusste, dass sie sich in einer Minute in den eben ausgekühlten Laken wiederfinden würden und er hatte Sorge, dass er damit mehr kaputt machte, als er sich vorstellen konnte. So blieb ihm nur, sich an Satoshi zu schmiegen, dessen Duft tief einzuatmen und sich ein wenig selbst zu geißeln.

„Du bist herrlich.“ Satoshi fuhr mit der Nase Ronnys Hals entlang und zwickte ihn kurz ins Ohrläppchen, bevor er es küsste. Es war so verlockend, Ronny aus diesem Mantel zu schälen und sich weiter über den ganzen Körper zu küssen, aber der Koch beherrschte sich. Wie schwer es ihm fiel, merkte man an der kratzigen Stimme, mit der er Ronny bat, sich fertig zu machen, während er kochte.

„Ja, sicher!“, sagte Ronny hastig und machte, dass er aus der Küche kam. Er hatte die Erotik knistern hören und das Signal nicht verstanden. Erst Satoshi hatte ihn darauf gebracht, dass sie einmal mehr kurz davon gestanden hatten, gegen ihr beschlossenes Prinzip zu verstoßen. Er duschte sich eilig und machte sich fertig, zog sich etwas Legeres an und schob die engen Klamotten zurück in die unterste Schublade des Schrankes. Der Duft von Kaffee lockte ihn zurück in die Küche.

Satoshi war schwer beschäftigt, als er in die Küche kam. Auf dem Herd köchelte eine Misosuppe, die es traditionell in Japan zum Frühstück gab. Im Backofen buken die selbst gemachten Brötchen zu Ende, die er im Restaurant vorbereitet hatte. Es gab frischen Lachs, süßes Gebäck, frisches Obst und noch viele andere kleine Köstlichkeiten. Satoshi wollte Ronny verwöhnen, darum hatte er Liebesperlen vorbereitet, nur ohne Alkohol. Sie schwammen in Saft. Das war auch lecker.

„Was sieht mein trübes Auge denn da?“, lachte Ronny als er näher kam und das Glas mit den bunten Kugeln auf der Theke stehen sah. Doch dann kam er um die Theke herum, denn sich ständig über den Tresen beugen zu müssen, um seinen Liebling zu küssen, war anstrengend und außerdem wollte er Satoshi nicht ablenken. Seine Finger formten gerade kleine runde Dinge aus Teig, die in Fett geworfen wurden. Sehr interessant.

„Komm ruhig rüber. Ich mag es.“ Satoshi lächelte und deutete mit dem Kopf auf die Liebesperlen. „Bedien dich. Ich habe sie für dich gemacht.“ Er fischte die ersten braunen Teigkugeln aus dem Fett und ließ sie abtropfen. Sie schmeckten lecker mit Obst oder Marmelade. Wenn er sie fertig hatte, konnten sie anfangen.

„Meine Güte, du verwöhnst mich ja völlig“, sagte Ronny und schmiegte sich vorsichtig von hinten an seinen Freund, versuchte ihn aber nicht bei seinem Tun zu behindern. Er musste sich ein bisschen auf die Zehen stellen, um Satoshi in den Nacken zu küssen, doch mit einer klassischen Ballettausbildung war das für ihn ein leichtes.

„Natürlich verwöhn ich dich.“ Satoshi lachte leise und genoss den Schauer, den der Kuss in ihm auslöste. Ihnen ging es wohl beiden gleich. Sie wollten einander und testeten aus, wie weit sie gehen konnten, ohne dass sie gleich ausgehungert übereinander her fielen. Er fischte die letzten Kugeln aus dem heißen Fett und drehte sich zu Ronny um, nachdem er den Herd ausgemacht hatte.

Sein Freund lächelte ihn an und küsste Satoshi kurz, ehe er auf die Theke hüpfte und sich so setzte, dass er seinen Liebling zwischen seine Beine ziehen konnte. Dabei angelte er nach einer Teigkugel, die schon ausgekühlt war und klemmte sie sich zwischen die Lippen, sah Satoshi dabei auffordernd an. Er wusste, dass er mit dem Feuer spielte, doch er konnte nicht widerstehen.

Und wie erhofft, sprang Satoshi auch gleich darauf an. Er schnappte sich die Hälfte der Kugel und küsste Ronny hungrig. Er konnte sich einfach nicht helfen. Egal, was sie machten, es lief im Moment ständig darauf hinaus, dass er Ronny auf die Theke legen und vernaschen wollte.

Und so wie sich die Hände auf seinem Hintern anfühlten, ging es Ronny ähnlich. „Feuer!“, nuschelte der Tänzer, um zu signalisieren, dass sie schon wieder kurz davor waren – doch er konnte sich nicht lösen. Warum auch? Von solch einem Mann löste man sich nicht einfach! Nur einen Kuss noch, einen – dann konnten sie wegen ihm gern frühstücken. Aber diesen einen...

Immer wieder trafen sich ihre Lippen und ihre Zungen tanzten umeinander. Langsam drückte Satoshi Ronny nach hinten und seine Hände wollten gerade das Shirt hoch schieben, als er sich losriss. „Ronny, lass uns aufhören. Ich…“, er atmete schwer und alles in ihm schrie nach diesem Mann, der wie hingegossen vor ihm auf dem Tresen lag.

„Ja, sollten wir wirklich. Wir sind ja unmöglich.“ Ronny grinste schief und strich sich das Shirt wieder gerade. Was hier mit ihnen passierte, war wirklich unglaublich. Und damit er nicht gleich wieder auf die Idee kam, Satoshi zu greifen und unanständige Dinge mit ihm zu machen, nahm er seinen Liebesperlen-Drink und nippte daran, während er vom Tresen rutschte. Hastig begann er, die vorbereiteten Speisen zum Tisch zu tragen – wenn schon fulminantes Mahl, dann an einer Tafel.

Satoshi half ihm dabei und immer wenn sie sich begegneten tauschten sie kleine Küsse. Sie wussten, dass sie albern waren, aber es war einfach toll, sich kindisch zu benehmen. Schließlich standen alle Köstlichkeiten auf dem Tisch und sie setzten sich. „Lass es dir schmecken, Schatz. Möchtest du auch ein wenig Suppe?“

„Ja, gern.“ Ronny griff sich eine der bereitgestellten Schalen und hielt sie Satoshi hin, damit er sie befüllen konnte. Derweil griff er sich ein Brötchen. Er bröselte gern Brötchen in Suppen, das war nun einmal seine Art. Hoffentlich nahm ihm der Koch das nicht übel. Dankend nahm Ronny die Schale, nutzte die Chance, Satoshis Finger mit seinen zu berühren und sah seinen Schatz fragend an, während er die Bröckchen blind in die klare Suppe fallen ließ.

„Mach ruhig. Du kannst essen, was du willst und wie du es willst. Ich schreibe dir nichts vor. Es soll dir schmecken. Das ist alles, was ich will.“ Satoshi lächelte und strich Ronny sanft über die Wange. „Hau rein, bevor alles kalt wird“, lachte er und fing selber an zu essen. Er musste sich eindeutig ablenken.

Und Ronny auch. So fingen sie an zu essen und zu reden, fütterten sich immer wieder mal mit kleinen Happen, die sie liebevoll anrichteten und einen oder zwei Küsse tauschten sie auch. So erfuhr Ronny noch einiges über die Zwillinge und Satoshi das eine oder andere über Mario und Jan.

Sie wussten noch so wenig voneinander und es war aufregend, sich kennen zu lernen. Sie landeten schließlich auf dem Sofa, wo Ronny seinen Kopf auf Satoshis Schoß legte und sie sich weiter unterhielten. Dabei spielte der Koch mit den langen Strähnen und wickelte sie um seine Finger. Er fühlte sich wohl und dass er bald gehen musste, schob er weit von sich.

„Macht dein Bruder eigentlich öfter solche Sachen, wenn du aus Versehen die falsche Visitenkarte weiter gibst?“, wollte Ronny wissen, weil er gerade einmal mehr darüber nachdenken musste, dass er instinktiv gespürt hatte, dass es sich bei dem Mann nicht um Satoshi handeln konnte. Es hatte einfach etwas gefehlt. Etwas, das jetzt da war.

„Als Kinder haben wir uns oft einen Spaß daraus gemacht unsere Freunde, Familie oder die Lehrer zu foppen, aber das ist schon seit vielen Jahren vorbei.“ Satoshi musste grinsen, als er an die vielen Streiche dachte, die sie gemacht hatten. „Dass ich meine Karte einem Mann gegeben habe, der mich fasziniert, ist schon mindestens drei Jahre her und da habe ich mal die richtige erwischt. Nein, bisher warst du der erste und wenn es nach mir geht auch der letzte, der bei ihm gelandet ist.“

„Ah, verstehe“, stichelte Ronny und hob seine Hand an Satoshis Wange, als er ihn angrinste. „Der nächste Mann, der dich fasziniert, bekommt die richtige Karte. Guter Plan, man kann sich eine Menge Scherereien damit von Hals halten.“ Allein der Gedanke, dass das passieren könnte, schmeckte ihm nicht, doch er nutzte nun einmal gern die Chance, Steilvorlagen ins Tor zu packen.

„Spinner“, lachte Satoshi und zog leicht an der Strähne, die er zwischen den Fingern hatte. „Nein, ich werde keinem Mann mehr meine Karte geben, denn ich habe dich und habe vor, dich lange zu behalten.“ Das war ihm vollkommen ernst. Er wollte Ronny für sich und wenn möglich, für den Rest seines Lebens.

Ronny, der eben noch frech hatte kichern wollen, verstummte und sah Satoshi forschend an. Das war harter Tobak für ihn und eigentlich immer spätestens der Augenblick, wo er aufstand, ging und nie wieder kam. Aber heute hatte er den Drang nicht. Heute wollte er hier liegen, seine Hände in die Haare seines Freundes schieben und ihn zu einem dankbaren Kuss zu sich ziehen.

„Ich liebe dich“, murmelte Satoshi leise in dem Kuss. Er wollte einfach, dass Ronny wusste, dass es ihm ernst war und er nicht nur ein schnelles Abenteuer suchte. Er vertiefte ihren Kuss und streckte sich neben Ronny auf der Couch aus. So konnte er ihn besser an sich spüren.

„Das ist schön“, nuschelte Ronny und schloss die Augen. Er wollte einfach nur noch genießen. Die Nähe. Die Ruhe. Die Liebe und die Zärtlichkeiten. „Ich würde gern meine Finger unter dein Shirt schieben. Aber ich halte das für keine gute Idee“, flüsterte er und legte seinen Kopf so, dass er auf Satoshis Brust lag. Er konnte den steten Herzschlag spüren.

„Die Idee ist wunderbar, aber nicht jetzt.“ Satoshi streichelte Ronny über den Rücken und seufzte. Es war so verdammt schwer, aber sie wollten beide den perfekten Augenblick für ihr erstes Mal. Allein das war schon ungewöhnlich für sie und darum hielten sie beide daran fest.

„Ich weiß“, seufzte Ronny und öffnete die Augen. Er lag auf Satoshis Brust und sah ihn undeutbar an. „Wir sollten hier vielleicht nicht so nah liegen. So schön wie es ist, aber mir schwirrt schon der Kopf. Ich kann mich gar nicht mehr konzentrieren und habe nur noch wild sprudelnde Ideen, was ich mir dir alles anstellen könnte.“

„Nicht vergessen, das holen wir alles nach.“ Satoshi wollte gerne noch so liegen bleiben, aber Ronny hatte Recht. „Ich sollte wohl langsam gehen, damit wir beide uns wieder beruhigen können. Aber heute nach der Arbeit kommst du im Restaurant vorbei. Vielleicht hilft es, wenn wir uns nur noch da treffen, wo wir nicht allein sind.“

„Guter Plan“, sagte Ronny mit einem schiefen Grinsen und setzte sich auf. Er hatte den Drang, sich rittlings auf seinen Liebsten zu setzen, doch er ließ es wohl wissend, wie das endete. Vielleicht sollten sie sich wirklich an öffentlichen Plätzen treffen, es musste ja nicht immer das Murakawa sein. Es gab eine Menge schöner Orte. Noch einmal streiften seine Lippen Satoshis, dann erhob er sich.

„Wir sollten das wohl machen, aber das kann ich nicht. Ich will dich küssen und dich halten können, ohne dass jemand uns dabei zusieht.“ Satoshi stand auf und legte die Arme um ihn. „Es wird nicht einfach, aber ich will dich nicht teilen. Zumindest nicht die ganze Zeit. Wir können uns gerne mit Freunden treffen oder etwas zusammen unternehmen, aber dazwischen brauche ich dich einfach für mich alleine.“

Ronny drehte sich zu Satoshi um und lächelte. Diese Worte hatten es ihm heiß die Arme entlang laufen lassen, sein Magen flatterte und in seinem Kopf drehte sich alles. „Ich möchte dich auch nicht teilen, nur für mich genießen – aber wir sehen beide, ab und an brauchen wir Aufsicht.“ Ein letzter Kuss, dann mussten sie auch langsam los, denn Satoshi wurde im Restaurant erwartet und Ronny hatte ja auch noch etwas zu tun.

„Dann machen wir das so.“ Mit diesem Kompromiss war Satoshi einverstanden. Er ließ es sein, Ronny noch einmal zu küssen und hob sich das für die Verabschiedung an der Tür auf. Den Kuss genoss er dafür aber ganz besonders, denn er legte all seine Liebe und seine Leidenschaft mit hinein, so dass Ronny wusste, wie es in ihm aussah.

„Wir sehen uns morgen“, flüsterte Ronny und hielt den Picknickkorb, den Satoshi mitgebracht hatte, während der sich die Schuhe anzog. Er hatte vor den nächsten zwei Stunden Angst, die er allein verbringen musste. Er ahnte, wo seine Gedanken sein würden und dass Jan ihn nicht ablenken konnte. Vielleicht sollte er um den Block joggen, doch er brauchte seine Kraft für die Vorstellung.

„Ich werde auf dich warten.“ Satoshi nahm seinen Korb und küsste Ronny noch einmal, dann lief er die Stufen runter und winkte noch einmal von der Haustür aus, dann war er weg und fuhr ins Restaurant. Zu seinem Glück gab es dort meistes genug zu tun, damit die Zeit schneller verging.

Ronny blieb allein zurück und saß in der Küche an der Theke. Er blickte auf all die Stellen, an denen Satoshi gestanden hatte und holte sich die Augenblicke zurück. Es war zum Verzweifeln. Jetzt kannte er den Mann einen Tag und kam sich ohne ihn völlig nutzlos vor. Das ging so nicht weiter. Entschlossen griff er sich seine Tasche und schloss die Wohnung hinter sich ab. Dann machte er sich eben ein paar Stunden länger warm, das konnte seinen Muskeln nur gut tun.

Aufwärmen war wichtig und manchmal kam das schon zu kurz und außerdem hatte es den Vorteil, dass er dabei abschalten konnte. Er nutzte die Zeit des Aufwärmens dafür, seinen Geist zu leeren und Kraft für die Vorstellung zu tanken.

Und genau das würde er jetzt tun. Entschlossen schwang sich Ronny hinter das Steuer und gab Gas. Den Weg zum Theater kannte er schon im Schlaf und als er eine halbe Stunde später auf seinem angestammten Parkplatz stand, hatte es wieder angefangen zu schneien. „Mistwetter“, fluchte er leise und zog sich die Kapuze seiner Jacke über den Kopf, ehe er mit der Tasche in der Hand aus dem Wagen stieg und zum Eingang flitzte.

Zum Glück hatte er eine Karte für die Tür, denn es war noch niemand da. Schließlich war er ja zwei Stunden zu früh. Das kam ihm aber ganz gelegen, denn er mochte es, Ruhe beim Training zu haben. So sehr er sein Ensemble mochte, manchmal war es ihm einfach zu laut und zu hektisch.

Und ein paar Neuen fehlte es noch an der nötigen Ernsthaftigkeit. Ronny schüttelte sich kurz, als er die Tür wieder hinter sich schwer ins Schloss fallen ließ und er sah sich im dämmrigen Licht des Flures um. Ausgetretener Flor schluckte die Schritte und die Wände waren mit rotem Samt bespannt. Das Theater hatte schon bessere Zeiten gesehen, doch es hatte seinen Charme. Langsam ging Ronny zu den Umkleideräumen. Das Licht ließ er aus. Er mochte es so dämmrig lieber.

Langsam, er hatte ja Zeit, zog Ronny sich um und dachte dabei an den heutigen Vormittag. Das war doch zum verrückt werden. Entschlossen stand er auf und machte sich auf den Weg in den Übungsraum. Er mochte es, sich in den Spiegeln beobachten und seine Bewegungen kontrollieren zu können. Tief atmete er ein und begann mit seinen Übungen.

Erst lief er ein bisschen im Kreis, um die Muskeln zu lockern. Er trabte locker und besah sich immer wieder im Spiegel, kontrollierte selbst beim Laufen seine Haltung. Langsam begann er mit Dehnungsübungen an der Stange vor dem Spiegel und prüfte die Körperspannung.

Und ganz wie erwartet, leerte sich sein Kopf bei den gleich bleibenden Bewegungsabläufen, die er mittlerweile im Schlaf konnte. Er fühlte sich leicht und voller Kraft, wie jedes Mal, wenn er hier war und sich aufwärmte, aber doch war es anders, denn immer wieder huschte Satoshis Gesicht durch seinen Geist.

Den Kopf schüttelnd machte sich Ronny daran, die Figuren zu tanzen, die er nachher für die Vorstellung brauchte. Er probte die Sprünge und die Drehungen, die Schrittfolgen und Figuren. Unaufmerksam sprang er zu kurz und kam nun mit dem Rest der Übung nicht mehr hin, weil er zu zeitig die Wand erreichte. Fluchend ging Ronny zu Boden und legte sich auf den Rücken, die Fäuste geballt schlug er auf den Boden. Er wurde noch wahnsinnig.

Egal was er machte, immer wieder huschte ihm Satoshi durch den Kopf. Dass mit dem Kopf leeren klappte heute nicht so richtig. War nur zu hoffen, dass das jetzt nicht zur Gewohnheit wurde. Er rollte sich wieder auf den Bauch und stand auf. Liegen bleiben war auf jeden Fall keine Option.

„Wenn du mich liebst, dann lässt du mich meinen Job machen, sonst breche ich mir nachher das Genick“, knurrte er leise und begann die Figur noch einmal zu tanzen. Er hatte das Gefühl, sich jetzt verkrampfter zu bewegen und ein kontrollierender Blick in den Spiegel zeigte, dass er richtig lag. Er hatte seine Leichtigkeit noch nicht wieder gefunden.

Gut, dann eben alles noch einmal auf Anfang. Ronny brach die Übungen der Tanzschrittfolgen ab und begann wieder mit seinen Aufwärmübungen. Es wäre doch gelacht, wenn er das nicht schaffte. Er war schließlich Profi. Noch einmal stellte er sich Satoshi vor, küsste ihn in Gedanken und schob ihn dann aus dem Raum, allerdings nicht einfach nur so. Er versprach ihm, dass er gleich wieder zurück durfte, wenn er mit dem Training und der Vorstellung fertig war.

Blieb zu hoffen, dass es dem Koch vor der Tür nicht langweilig wurde und er nicht entweder wieder rein kam oder einfach ging, weil er sich abgeschoben fühlte. „Ronny!“, rief er sich selbst zur Räson. Das war doch langsam lächerlich. Tief holte er Luft, dann begann er noch einmal ganz von vorn und endlich hatte er sich gefunden. Die Schritte passten, das Tempo und die Figuren ebenfalls. Als er durch war, sank er zufrieden auf dem Boden zusammen und grinste gen Decke. „Kannst wieder rein kommen“, lachte er leise.

„Wieso wieder? Ich war doch noch gar nicht drin?“, hörte er es verwundert von der Tür und Ronny drehte sich erschrocken um. Gerade betrat Roland, einer seiner Mittänzer den Raum und sah ihn fragend an. „Hallo Ronny“, grüßte er und ließ sich neben ihm auf den Boden fallen. „Bist du mit deinen Übungen schon durch? Seit wann bist du denn schon hier?“

„Roland, ach du bist es.“ Ronny sank wieder zu Boden und rollte sich auf den Bauch, um Roland besser ansehen zu können. „Ich glaube, ich bin seit 3 Stunden hier. Daheim fiel mir die Decke auf den Kopf“, erklärte er und erhob sich langsam, um sich sein Handtuch zu holen. Er fühlte sich schon um einiges besser. „Bist du alleine da. Ist Stella gar nicht dabei? Die junge Dame geht dir doch eigentlich nicht von der Pelle“, stichelte er, denn Roland war der Mädchenschwarm der Truppe und jede der vier Tänzerinnen riss sich um die Figuren, die mit ihm zu tanzen waren. Ronnys Geschmack war der Hüne nicht, aber er war nett und sehr witzig.

„Scht…“, machte Roland und verdrehte die Augen. „Nich so laut. Ich habe mich an der Umkleide der Frauen vorbei geschlichen, weil ich noch ein paar Minuten meine Ruhe haben wollte.“ Er grinste Ronny an und zwinkerte. „Aber wen hast du denn nun gemeint, wenn du nicht wusstest, dass ich es bin?“

„Du wolltest meine imaginären Freunde letzte Woche nicht kennen lernen. Jetzt werde ich dir auch nicht sagen, welcher von ihnen die Erlaubnis hatte, den Saal zu betreten, so!“ Ronny streckte ihm die Zunge raus und versuchte die Sache mit einem blöden Scherz zu überspielen. Er konnte ja schlecht erklären, dass er seinen Liebsten aus seinem Kopf rausgekickt hatte, weil er selbst zu unprofessionell war, um zu tanzen, ohne sich ablenken zu lassen. Nein, nein – da mussten die imaginären Freunde herhalten.

„Ach so.“ Roland gab sich mit der Antwort zufrieden. Wenn Ronny ihm nicht erzählen wollte, wen er gemeint hatte, ging ihn das wohl nichts an. Er zog seinen Trainingsanzug aus und begann mit seinen Aufwärmübungen. „Kommst du heute Abend mit einen Trinken?“, fragte er dabei und sah Ronny über den Spiegel an.

„Nein, heute nicht“, sagte Ronny gleich. „Ich will nach Hause.“ Ronny sah Roland lächelnd an. Es kam nicht oft vor, dass er nicht mitging, aber wenn, dann wusste seine Crew, dass es keinen Zweck hatte, ihn zu überreden.

„Schade.“ Roland meine das wirklich so. Er war gerne mit Ronny unterwegs. Mit dem konnte er reden und Spaß haben, ohne dass er ihn anhimmelte und ihm auf die Pelle rückte. „Irgendwas besonderes, dass du nicht mitkommst?“

„Nein, ich hab nur einfach keine Lust, noch durch die Häuser zu ziehen.“ Ronny ließ sich nach hinten sinken und musste unwillkürlich wieder an Satoshi denken. Irgendwie kam es ihm nicht richtig vor, etwas trinken zu gehen, während sein Schatz arbeiten musste. Dass er Herzchen in den Augen hatte und dümmlich grinste, merkte er noch nicht einmal. Das passierte einfach ohne sein zutun.

„So, so“, murmelte Roland und grinste. „Wie heißt er?“ Er kicherte, denn Ronny hatte er so auch noch nicht gesehen. Konnte es sein, dass es ihn auch endlich einmal erwischt hatte?

„Was soll das denn heißen?“, herrschte Ronny und wurde doch glatt rot. „Satoshi, er ist Koch und ich... warum grinst du eigentlich so komisch? Kannst du das mal lassen?“ Ronny fühlte sich verschaukelt und streckte Roland die Zunge raus, als er wieder anfing ein paar Übungen zu machen, damit die Muskeln nicht auskühlten.

Lachend kam Roland zu Ronny gelaufen und hob ihn einfach hoch. „Ronny ist verliebt! Ronny ist verliebt!“, lachte er leise und drehte sich mit ihm im Kreis. Die Reaktion seines Freundes hatte doch alles gesagt. „Los, erzähl schon“, grinste er, denn jetzt war seine Neugierde geweckt.

„Ey? Hallo?“ Ronny zappelte, bis er wieder Boden unter den Füßen hatte und sah Roland forschend an. „Was willst du denn jetzt hören?“, fragte er und musterte seinen Kollegen frech. „Schmutzige Details? Ganz schön neugierig für einen Hetero.“ Außerdem, was sollte er groß erzählen? Sie hatten sich gesehen und es hatte gefunkt und nun geißelten sie sich mit Enthaltsamkeit.

„Ach Quatsch, mit deinen schmutzigen Details kann ich doch nichts anfangen. Obwohl…“ Roland grinste und stieß Ronny leicht gegen die Schulter. „Nein, mich interessiert eher, wer es geschafft hat, was bisher unmöglich schien. Welcher Typ Mann hat dein Herz erobert.“

„Er ist halt Koch und Halbjapaner“, gab er preis. Und wenn Roland wissen wollte, wie der aussah, dann musste er sich eben in das Restaurant bewegen. Er wäre auch gar nicht mehr dazu gekommen, weiter zu erklären, denn die Tür ging auf und kichernd traten Stella und Angie ein. Sie waren Zwillinge und unterschieden sich nur durch die Frisur, zu der die blonden Haare gefasst waren. Stella trug die Haare kurz und fransig, Angie war die mit der Löwenmähne, die sie für die Aufführungen immer in einem festen Dutt bändigte.

„Hallo Jungs“, riefen sie, wobei ihre Blicke eindeutig Ronny ignorierten und an Roland kleben blieben. Sie kicherten immer noch, als sie durch den Raum gingen und Stella sich gleich bei Roland einhakte. „Übst du gleich mit mir noch einmal die Hebungen?“, fragte sie und klimperte mit den Wimpern.

„Habe ich das an irgendeinem Tag mal nicht getan?“, fragte Roland und versuchte nicht allzu genervt zu reagieren. Er kam ja doch nicht drum herum, denn sie war nun einmal seine Partnerin. Das war leider nicht mit aussuchen gewesen. Vielleicht wäre ihm Angie lieber gewesen, sie war zurückhaltender und hatte etwas mehr Professionalität. Aber Stellas Ausstrahlung zog Blicke an wie ein Magnet. Ronny hielt sich aus der ganzen Show heraus und machte in seiner Ecke noch ein paar Übungen.

Es war so wie immer und das half ihm, seine Ruhe und seine Mitte wieder zu finden. Satoshi trollte sich wieder brav nach einem Kuss und Ronny konnte sich auf seinen Auftritt konzentrieren. Er freute sich auf die Vorstellung und das Gefühl, wenn der Applaus ihnen zeigte, dass sie es gut gemacht hatten.

Und auch heute war es nicht anders. Egal welche Querelen es im Privaten gab oder wer mit dem falschen Fuß aufgestanden war oder wer sein Liebchen nicht aus dem Kopf bekam – auf der Bühne funktionierten sie wie ein Uhrwerk, ein Zahnrad griff in das andere. Mit wenigen Worten und vielen ausdrucksstarken Gesten wurde eine Geschichte erzählt.

Lachend und vollgepumpt mit Adrenalin gingen sie von der Bühne und fielen sich wie jeden Abend in die Arme. Allerdings machte Ronny sich schnell frei und stürzte in die Dusche.

„Was hat der denn?“, fragte Angie verwundert und sah Ronny hinterher.

„Hunger“, erklärte Roland grinsend und bot den beiden Damen seine Arme an, um sie zu ihrer Umkleide zu begleiten.

Da war Ronny schon nass und mit Duschgel eingeschmiert. Er verbot sich die sinnlose Vorstellung, seine Hände wären Satoshis. Das würde jetzt nur unschöne Szenen geben, eine Menge Fragen und Verzögerungen, in seinem eng gestrickten Zeitplan. Während er in seine Kleider kroch, hielt er den Kopf mit den nassen Haaren unter den an der Wand installierten Fön und als die Haare halbwegs trocken waren und nicht mehr tropften, machte er, dass er alles in seine Tasche gestopft bekam – ein gebrüllter Gruß, dann war er weg.


12

Zum Glück waren die Straßen um diese Zeit ziemlich frei, er mochte es nämlich gar nicht, wenn ihn um diese Zeit etwas aufhielt, denn er hatte Hunger und wollte sich nur noch etwas zu essen machen und sich dann auf seine Couch hauen. Satt und zufrieden wollte er dann noch etwas von Satoshi träumen und dann todmüde ins Bett fallen.

Und das passierte nur ziemlich zeitnah, wenn die blöde Ziege vor ihm rechts ran fuhr und ihren Begleiter fahren ließ, denn sie wagte kaum das Gaspedal zu betätigen. „Lady!“, knurrte Ronny ungehalten, „die Kiste unter deinem knöchernen Arsch hat 150 PS, nutze sie bitte sinnvoll!“ Immer wieder gab er Gas und setzte an und als der Gegenverkehr es endlich zuließ, gab er seinen Pferdchen die Sporen, denn er hatte die Nase voll, einen großmotorigen Audi so gequält schleichen sehen zu müssen. Das war doch keine artgerechte Haltung!

Er konnte sich gerade noch davon abhalten zu hupen, als er an ihr vorbeirauchte. Warum bekamen solche Transusen einen Führerschein? Die Prüfungsbedingungen sollten wirklich verschärft werden. Immer noch brummig über dieses Weib fuhr Ronny so schnell es ging und wehe, jemand wagte es, sich ihm noch einmal auf dem Weg in sein kleines Reich in den Weg zu stellen.

Es schien so, dass ihn irgendjemand, der etwas zu sagen hatte, gehört hatte, denn den Rest seines Weges behinderte ihn niemand mehr und so konnte er schon nach ein paar Minuten die Schuhe von den Füßen streifen.

„Hunger“, murmelte er leise und ging gleich in die Küche, um nachzusehen, was er da hatte.

Er kramte das übliche aus dem Eisschrank und verfrachtete das Fertiggericht, das Ähnlichkeit mit einem Hühnerfrikassee haben sollte, in die Mikrowelle. Nebenbei rührte er sich einen löslichen Eistee zusammen und kramte nach dem vorgekochten Reis, der später ebenfalls nur noch in die Mikrowelle geworfen werden musste. „Jetzt noch Nachtisch“, murmelte Ronny und fand in seinem Schrank noch einen Tassenpudding, der, mit etwas kochendem Wasser übergossen, wahre Hochgenüsse versprach. Es wurde wirklich Zeit, dass er morgen nach seinen Kursen, wenn er Zeit hatte, einkaufen ging.

Der Pudding war schnell gerührt und konnte ein wenig abkühlen, danach machte er sich dran, die Soße für sein Frikassee aufzupeppen. Wozu gab es Fertigsoßen, die er nur noch mit Wasser anrühren und zwischendurch zu dem sich erwärmenden Fleisch geben konnte? So bekam das Ganze ein wenig mehr Geschmack und vor allen Dingen mehr Soße. Während er also eine Geschnetzeltes-Würzmischung unter das Fleisch schummelte, landete der Reis für ein paar Sekunden in der Mikrowelle und endlich war der Genuss fertig. Kurz kicherte er, als er auf das Arsenal an Verpackungen guckte. „Wenn Satoshi das sehen würde“, lachte er leise und war sich durchaus bewusst, dass er so was nicht auf den Tisch bringen sollte, wenn sein Lieblingskoch im Hause war. Wenn er keinen Herzkasper bekam, dann doch zumindest Herpes und schlechte Träume.

Es war ja nicht so, dass er nicht kochen konnte, aber so ging es einfach schneller und für eine Person kochen, machte nicht wirklich Spaß. Vorsichtig balancierte er seinen heißen Teller ins Wohnzimmer, damit er beim Essen fernsehen konnte. Er mochte es, nach einem langen Tag so zu entspannen.

Er zog einen Klapptisch hinter der Couch hervor, drapierte seine Leckerchen darauf und zog sich die Decke über die Füße. Dann hatte er die Gabel in der einen, die Fernbedienung in der anderen Hand – jetzt konnte das erholsame Abhängen losgehen. Sicher, mit Satoshi wäre das um einiges schöner, doch er hatte sich immer einen Mann an seiner Seite gewünscht, der selber genug zu tun hatte, um nicht zu klammern. Jetzt, wo er genau solch einen Mann zum Freund hatte, war er auch nicht zufrieden. Aber das Restaurant ging nun einmal vor. Ronny seufzte.

Aber zumindest wollte Satoshi ja versuchen, seine Dienste denen von Ronny anzupassen, soweit das möglich war. Das war doch schon mal ein Anfang. So konnten sie sich zwar nicht jeden Tag sehen, aber dafür dann an den restlichen Tagen etwas länger. Es brauchte halt ein wenig, bis sich das eingespielt hatte.

Ronny wollte es nicht zugeben, aber ein kleines bisschen Frust machte sich schon breit. „Man, bist du blöd“, lachte er leise über sich selber und schob sich wieder eine Gabel voll in den Mund. Geschmacksverstärker waren ein Segen. Und weil er Hunger hatte, aß er ziemlich hastig, auch wenn er das in spätestens zehn Minuten bereuen würde – so wie jedes Mal.

Er hatte sich gerade eine Sendung über Magier eingeschalten und wollte sehen, wie man jemanden zersägte, ohne ihn zu töten, als es an der Tür klingelte. Mürrisch machte sich Ronny aus der Decke frei und ging zur Tür. Wer war das denn?

Normalerweise wagte es niemand um diese Zeit, ohne vorherige Ankündigung, bei ihm aufzutauchen. Er hörte die Haustür aufgehen und riss die Augen auf, als er einen dunklen Wuschelkopf erkennen konnte, als das Flurlicht eingeschaltet wurde.

„Hallo Süßer. Ich hoffe, du bist nicht böse, dass ich noch vorbeigekommen bin“, lachte Satoshi, als er vor Ronny stand und drückte ihn an sich. Er hatte sich ganz spontan entschlossen noch her zu fahren, nachdem er das Restaurant verlassen hatte. Nicht freiwillig, wie er mal betonen wollte. Seine Belegschaft hatte ihn einfach vor die Tür gesetzt, weil er seit dem Morgen ununterbrochen gearbeitet hatte, ohne sich eine Pause zu gönnen.

„Wahnsinniger“, lächelte Ronny und griff seinen Liebling zärtlich im Nacken, zog ihn so erst zu sich und dann weiter in die Wohnung, um die Tür hinter Satoshi zuzuschlagen. „Als könnte ich je auf dich böse sein“, wisperte er und küsste seinen Freund ausgehungert. Es war zu schön, um wahr zu sein. Das Pflaster, was er spürte, als Satoshis Hand sich auf seine Wange legte, ignorierte er lieber. Sicher war das der Grund, warum man den Chef vor die Tür gesetzt hatte – Selbstverstümmelung kostete jedes Restaurant Sterne.

„Ja wahnsinnig verrückt nach dir“, murmelte Satoshi zwischen ihren Küssen und schälte sich dabei umständlich aus seiner Jacke. Er ließ sie einfach fallen und legte seine Arme wieder um Ronny. Er bereute es nicht, doch noch hergekommen zu sein, denn so wie es aussah, hatten sie sich gegenseitig vermisst.

„Du weißt, wie man Komplimente macht, Schatz“, lachte Ronny und lehnte sich zufrieden seufzend an seinen Freund. Er konnte gar nicht in Worte fassen, wie er sich darüber freute, dass Satoshi hier war. Vor allem, weil Ronny eben noch diese albernen Gedanken gehabt hatte. Gerade so, als hätte sein Liebling sie gelesen. „Kaffee?“, fragte er, denn den mochte sein Schatz eigentlich immer und das kühle Wetter verlangte nach etwas wärmendem.

„Ja, gerne.“ Satoshi behielt einen Arm um Ronny und ließ sich von ihm in die Küche führen. Er sah sich um und sein Blick blieb auf den Verpackungen von Ronnys Abendessen hängen. Er war ziemlich geschockt, aber versuchte sich nichts anmerken zu lassen, denn schließlich hatte er gesagt, dass sein Freund essen konnte, was ihm schmeckte. Allerdings, dass so etwas schmeckte, konnte er sich nicht vorstellen. Damit Ronny aber nicht mitbekam, was ihm gerade durch den Kopf ging, legte er von hinten die Arme um seinen Freund, der den Kaffee für sie zubereitete.

Weil Ronny seine Kaffeemaschine blind bedienen konnte, tat er das und wandte seinen Kopf wieder zu Satoshi, um ihn erneut zu küssen. Es war merkwürdig, wie selbstverständlich sich ihre Lippen fanden, wenn sie bei einander waren. Die Maschine surrte leise, als sie die Bohnen zerkleinerte und zerbrach die Stille in der Küche. Von ferne war der Fernseher zu hören.

Satoshi seufzte leise in den Kuss und streichelte Ronny über den Bauch. So sollte es sein. „Hab dich vermisst“, murmelte er leise nach dem Kuss und hielt seinen verletzten Finger hoch. „Irgendwann hatte meine Crew dann genug“, lachte er leise und stupste Ronny auf die Nase.

„Ich habe dich auch vermisst und war ziemlich angepisst, dass ich dich heute nicht sehen sollte“, gestand Ronny und fing vorsichtig Satoshis Finger ein. Das Pflaster war nicht groß, er ging also davon aus, dass sein Liebling nicht literweise Blut verloren hatte, was vielleicht noch gebraucht wurde. Er küsste das Pflaster und lachte leise. „Zwiebeln geschnitten und an Schweinskram gedacht?“

„So kann man es sagen“, lachte Satoshi und wurde ein wenig verlegen. Es war nämlich ganz genau so gewesen. „Du bist mir einfach nicht aus dem Kopf gegangen und ich wollte dich berühren und schmecken. So ist das nun mal, wenn man verliebt ist.“

„Das musst du mir nicht sagen, Schatz“, sagte Ronny leise und berichtete von seinem Tag. Vor allem von den Stunden vor seinem Auftritt, als er einfach nicht die nötige Lockerheit in seine Bewegungen hatte legen können. „Ich glaube, wir haben uns verdient, gesucht und gefunden“, lachte er übermütig und schwang sich neben der Kaffeemaschine auf die Arbeitsplatte. Dabei zog er Satoshi dicht zu sich. Vergessen waren Essen und Kuschelcouch.

„Ja, das glaube ich auch.“ Satoshi ließ sich zwischen Ronnys Beine ziehen und küsste ihn auf die Nasenspitze. „Wir waren beide sehr unausgeglichen und abgelenkt. Dagegen müssen wir was tun, denn sonst brichst du dir den Hals und ich verliere ein paar Finger“, murmelte er und strich mit den Lippen über Ronny Hals. „Was könnten wir tun, um das Risiko zu minimieren?“

Ronny grinste und sein Herz schlug schneller. Es war an Satoshis belegter Stimme zu hören, dass sie beide die gleichen schmutzigen Gedanken hatten. „Mir würden spontan etwa hundert Dinge einfallen, keines davon jugendfrei oder für Zuschauer unter achtzehn Jahren geeignet, dafür erfüllend, befriedigend und unter Garantie dafür geeignet, Unmengen gestauter Energie abzubauen. Interesse“, raunte er Satoshi ins Ohr und leckte sacht darüber.

„Unbedingt.“ Satoshi erschauderte bei den leisen Worten und zog Ronny zu sich. Wie von alleine legten seine Hände sich auf den Hintern seines Freundes. „Zuschauer sind keine da, alle Anwesenden sind über achtzehn, also was hält uns auf? Wir haben einfach die Pflicht, all diese vielen Dinge auszuprobieren, denn wir haben eine Verantwortung vielen Menschen gegenüber.“

„Du bist so ein selbstloser Schatz“, murmelte Ronny. Der duftende Kaffee neben ihm war vergessen, genauso wie alles andere, was um ihn herum passierte. Seine Gedanken kreisten nur noch darum, wie er Satoshi schnell und effektiv in sein Schlafzimmer bekam, ohne sich lange trennen zu müssen und ohne viel Zeit zu verlieren. So glitt er langsam vom Tisch und küsste Satoshi wieder, während er sich langsam aus der Küche bewegte und seinen Liebling mit sich zog. Seine Finger zitterten vor Aufregung und das Herz schlug ihm bis zum Hals – das erste Mal in seinem Leben war er vor dem Sex aufgeregt.

Er musste sich nicht sonderlich anstrengen, denn Satoshi folgte ihm ohne Zögern. Ihm war klar, wo sie gleich landen würden und er konnte es kaum erwarten. Er wollte Ronny, ganz und gar. Das war eigentlich recht untypisch für ihn, denn normalerweise ließ er sich Zeit, aber das ging einfach nicht. Ronny ging ihm unter die Haut und er wollte ihn jetzt sofort.

„Ich will dich so sehr“, flüsterte Ronny heiser und geleitete seinen Liebsten blind durch den dunklen Flur, bis er die Tür zum Schlafzimmer im Rücken spürte. Mit einem Ellenbogen drückte er die Klinke tiefer, bis die Tür nachgab und er Satoshi mit Schwung mit sich aufs Bett ziehen konnte. Als er die weiche Matratze in seinem Rücken hatte, wurde Ronny hastiger. Er konnte nicht mehr warten. Seine Finger begannen damit, Satoshis Kleider zu lösen, während seine Lippen fahrig nach nackter, heißer Haut suchten.

„Dann nimm mich“, seufzte Satoshi und bog sich den tastenden Fingern entgegen. Ihm ging das alles nicht schnell genug, darum machte er mit seinem Pullover kurzen Prozess und zog ihn sich über den Kopf. Gleich danach küsste er Ronny wieder hungrig und zerrte an dessen Klamotten. Er wollte endlich Ronny an sich spüren, ohne jede Störung.

Und so nutzte der drahtige Tänzer den Schwung, den Satoshis Bemühungen innehatten und brachte so seinen Liebling unter sich. Hastig hatte er sich seines Oberteils entledigt und die Hose aufgezogen. Doch er saß rittlings auf Satoshis Schoß und das Gefühl war viel zu gut, als dass er sich einfach erhob, um die Beinkleider abzustreifen. Genießend schloss er die Augen und ließ sein Becken kreisen, die Hände auf Satoshis Brust gelegt und das Gesicht gen Decke gerichtet. Sein Atem ging schneller.

Fasziniert beobachtete Satoshi ihn dabei. Ronny war einfach herrlich. Erotik pur. So wie er sich auf ihm bewegte, ließ er den Puls des Koches hochschnellen und er stöhnte leise. Er wollte diesen Mann, wie noch nie einen zuvor und zwar jetzt. Aber er konnte Ronny auch nicht in seinem Genuss stören.

Plötzlich löste sich Ronny und sein Blick senkte sich langsam auf Satoshi. Das lange Haar fiel ihm weit ins Gesicht und er senkte sich tiefer, um die Spitzen der Strähnen über Satoshis Brust streichen zu lassen. Dabei tanzten seine Fingerspitzen die Arme seines Geliebten auf und ab. Hauchzart wie ein sanfter Wind und doch ließen sie den Körper erbeben.

Satoshi stöhnte leise und blieb ruhig liegen. Ronny sollte weitermachen, denn es war einfach unglaublich, was er mit ihm machte. „Ich liebe dich“, raunte er leise und zog ganz leicht an einer der langen Strähnen, damit er Ronny küssen konnte. Zwar brannte sein Körper schon lichterloh, aber er wollte nicht einfach schnellen Sex. Ihr erstes Mal sollte etwas besonderes sein.

„Ich weiß“, wisperte Ronny und lächelte, streckte sich langsam auf Satoshi aus und genoss es, wie die geschickten Hände seines Freundes ihn liebkosten. Es gelang ihnen gleichzeitig sanft und fordernd zu sein, ein Gefühl, das Ronny schier verrückt machte. Er wollte diesen Mann besitzen – etwas, was er vorher an sich noch nie beobachtet hatte, doch mit Satoshi war sowieso alles anders. „Ich weiß“, flüsterte er noch einmal gegen die Lippen seines Freundes und küsste ihn hungrig. So konnte er spüren, dass Satoshi lächelte.

Ronny war einfach perfekt für ihn. Dominant, aber dabei verspielt und zärtlich. Eine Mischung, die man nur sehr selten fand. „Liebe mich“, bat er leise und seine Hände schoben sich unter Ronnys Hose.

„Nichts würde ich auf dieser Welt lieber tun als das, mein Herz“, flüsterte Ronny und musste tief Luft holen, um wieder klar denken zu können. Jetzt kam ihm seine akrobatische Ausbildung zugute, denn mit geschickten Bewegungen gelang es ihm, seine Hose und seine Unterhose loszuwerden, ohne Satoshi lang allein lassen zu müssen. Auch sein Liebling war mittlerweile nackt und so küsste sich Ronny über jeden Zentimeter glühender Haut, liebkoste ihn und sorgte dafür, dass Satoshi diese Nacht nicht so schnell vergaß.


13

„Nur eine Kleinigkeit, Schatz. Ich esse morgens nicht viel. Das kommt erst später bei mir, dass ich Hunger kriege.“ Satoshi kam zu Ronny und legte von hinten die Arme um ihn. Es war für ihn definitiv noch zu früh für Frühstück. Eigentlich reichte ihm eine Tasse Kaffee, aber weil Ronny Brötchen aufgebacken hatte, wollte er doch etwas essen.

„So üppig fällt das Frühstück bei mir auch nicht aus“, erklärte Ronny und suchte im Kühlschrank nach Aufschnitt, dabei zog er seinen Liebling im Schlepptau mit sich. Sich zu trennen, wenn es nicht wirklich nötig war, war keine Option. „Ich habe gleich einen Kurs kleiner Tanzmäuse, die bei mir Ballettstunden nehmen. Danach ein paar jung gebliebene Mittsechziger. Montags habe ich keine Jugendkurse und so bin ich um drei wieder zu Hause. Dann muss ich endlich einkaufen. Ich war gestern völlig abgebrannt.“

„So früh schon? Das ist doch klasse. So wie es aussieht, wird der Montag unser Tag werden, denn ich habe heute frei. Wir haben nämlich Ruhetag.“ Satoshi küsste Ronny auf die Wange und nahm seine Tasse Kaffee entgegen. „Wenn du magst, können wir zusammen einkaufen gehen. Ich könnte auch noch so einiges gebrauchen.“

„Klar, warum nicht. Ich bin gegen zwei fertig. Dann dusche ich noch und bin wieder vorzeigbar. Willst du zur Tanzschule kommen oder wollen wir uns in der Stadt treffen?“ Mit einem Lächeln wandte er sich seinem Schatz zu und küsste ihn kurz, ehe er sich neben Satoshi auf den Barhocker schwang.

„Ich komme zur Tanzschule, dann können wir mit einem Auto fahren.“ Satoshi überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Nein, wir machen das anders. Ich habe frei und gehe einkaufen. Mach mir 'ne Liste, was du brauchst und ich bringe es mit. Dann kommst du nach der Arbeit zu mir.“

Ronny hatte ein Grinsen auf den Lippen. „Das nenn ich mal Service“, lachte er und griff sich seinen Schatz liebevoll am Schlafittchen, um ihn zu einem kurzen Kuss zu sich zu ziehen. Dabei hangelte er nach dem Notizblock auf der Theke und legte ihn neben sich, um zu notieren, was wirklich besorgt werden musste.

Ganz oben drauf kam Fertigfutter.

„Nur das beste für meinen Liebling“, lachte Satoshi und weitete den Kuss ein wenig aus. „Nach dieser unglaublichen Nacht hast du dir das allemal verdient.“ Er schnurrte leise, als er Ronny eine Hand in den Nacken legte. Er hatte nicht übertrieben, denn ihre Nacht hatte alles übertroffen, was er sich erhofft hatte.

„Ich tat das beste, denn du hast es verdient“, schnurrte Ronny und wirkte wie die Katze an einem Sahnetopf. Eigentlich war spätestens jetzt der Punkt, sich zu trennen und sich nicht wieder zu sehen, aber nicht bei Satoshi. Je intensiver er ihn kennen lernte, umso mehr hatte Ronny das Gefühl, nichts über ihn zu wissen und alles kennen zu wollen. Es war unglaublich. Ob das der Grund war, warum Jan wie ein Irrer Mario in die Arme gelaufen war? Fühlte es sich so an, verliebt zu sein?

„Ich hoffe, dass ich das nun immer verdient habe“, grinste Satoshi und löste sich vorsichtig aus dem Kuss. Ronny musste gleich weg, da sollten sie nicht so viel Zeit vertrödeln, auch wenn er hier so noch stundenlang sitzen und schmusen könnte. Auf jeden Fall war er sich jetzt noch sicherer, dass er Ronny für sich haben wollte.

„Davon kannst du ausgehen“, lachte Ronny leise und schmierte sich nebenbei ein Brötchen. Das konnte er auch ausnahmsweise mal im Auto essen, eigentlich eine Todsünde, für die Jan schon einmal mit dem Bus heim geschickt worden war, weil er das Auto vollgekrümelt hatte. Doch wenn er seiner Prinzessin nichts von der Ausnahme sagte, würde keiner davon erfahren. Denn er küsste lieber Satoshi so lange das nur ging. Essen wurde zweitrangig.

„Dann bin ich zufrieden.“ Immer wieder tauschten sie Küsse, aber irgendwann zeigte die Uhr, dass sie sich trennen mussten, wenn Ronny noch pünktlich zu seinen kleinen Tanzmäusen kommen wollte. So räumten sie den Tisch leer und gingen runter zu den Wagen.

Zum ersten Mal erblickte Ronny den Land Rover und pfiff anerkennend durch die Zähne. „Nicht übel sprach der Dübel und verschwand in der Wand. Man möchte meinen, du wohnst auf dem Dorf“, kicherte er, meinte das aber gar nicht abwertend, eher im Gegenteil. Von der Form her mochte er die großen, schweren Wagen, doch sie waren ihm leider nicht schnell genug. Da mussten Windschnittigere her.

„Na ja, im Industriegebiet wird nicht unbedingt als erstes gestreut und es geht ja nicht, dass ich nicht ins Restaurant komme.“ Satoshi lachte. Er kannte die Reaktion auf sein Auto, aber das war ihm egal. Er mochte seinen Wagen, sonst hätte er ihn sich nicht gekauft und man bekam sehr viel hinein, wenn er morgens zum Großmarkt fuhr.

„Da hast du allerdings auch wieder Recht. Mein kleiner Liebling hat sich dort nicht sonderlich wohl gefühlt. Die Asphaltdecke ging ja noch, aber die großen Krater neben der Fahrbahn? Er hatte Angst, darin zu versinken“, lachte Ronny, zog seinen Schatz zu einem letzten Kuss und konnte sich gerade noch verkneifen, Satoshi quer über die Motorhaube zu drücken.

Satoshi genoss ihn bis zur letzten Sekunde und leckte sich dann über die Lippen. „Ich hoffe mal, dass es deinen Süßen heute nicht davon abhalten wird, dich zu mir zu bringen. Er bekommt auch einen komfortabel gepflasterten Parkplatz vor meiner Garage.“

„Was ein guter, deutscher Luxuswagen ist, den hält nichts davon ab, seinen geliebten Fahrer an sein Ziel zu bringen“, lachte Ronny und auch wenn es ihm schwer fiel, ließ er sein Auto entriegeln und öffnete die Tür. Ein letzter Blick, etwas länger und sehnsüchtig, doch es änderte nichts daran, dass er arbeiten musste und er freute sich ja auch auf die Tanzmäuse. „Bis später, Schatz“. Dann stieg er ein.

Er konnte im Rückspiegel sehen, dass Satoshi ihm hinterher winkte und einen Luftkuss zu ihm schickte. Erst als er Ronny nicht mehr sehen konnte, stieg er selber ein und klopfte sich auf die Jackentasche, ob er auch Ronnys Liste mit hatte. Er hatte sie sich kurz durchgelesen und die ganzen Fertiggerichte gefielen ihm überhaupt nicht. Das ging ja mal gar nicht. Darum wollte er jetzt schnell einkaufen und dann ins Restaurant. Dort hatte er Ruhe und konnte die Gerichte, die auf der Liste standen, kochen, damit er sie Ronny einfrieren konnte.

Das war doch allemal besser als diese fragwürdigen Kompositionen aus Geschmacksverstärkern, Verdickungsmitteln, Farbstoffen und einer Liste von E-Stoffen, von denen Satoshi zwar wusste, was sie bedeuteten, es aber lieber nicht vor Augen geführt bekommen wollte. Und viel teurer war es auch nicht, aus guten Produkten selbst etwas zu schaffen.

Abgesehen von Ronnys Gewürzregal, das mit Pfeffer, Salz, Curry, Majoran und etwas, das aussah wie Mononatriumglutamat ziemlich mager bestückt war. Auch da musste mehr Leben rein.

Es war ja nicht so, dass er Ronnys Essgewohnheiten komplett umkrempeln wollte, aber so ein paar Stupser in die richtige Richtung waren angebracht. Er konnte eben nicht verleugnen, dass er Koch war und gerne kochte. Besonders für seinen Schatz, wenn es dem dann auch noch schmeckte. Darum machte er sich auch gleich voller Vorfreude auf zum Einkaufen. Dass er nicht in den nächstbesten Laden ging, war da schon klar, schließlich war das Beste für Ronny nur gut genug.

Und so klapperte er ein paar seiner Händler ab, hielt hier ein Schwätzchen, dort einen Plausch, etwas was oft zu kurz kam, wenn er in Hektik für das Restaurant einkaufte. So vergingen ein paar Stunden, ehe er die Lebensmittel zusammen hatte, die er brauchte. Einmal mehr lobte er sich für den Einbau einer Kühlbox in seinem Wagen, die über einen zweiten Batteriekreis gespeist wurde, damit sie nicht die Primärbatterie lahm legte, während der Wagen stand.

Schnell huschte er noch ins Restaurant, für ein paar spezielle Gewürze, dann war er auf dem Weg nach Hause, denn er hatte eine Idee.

Er verstaute die Lebensmittel und holte sein Handy raus. >Sehr geehrter Herr Stiller, leider kam der Herr des Hauses nicht umhin festzustellen, wie ungesund Sie leben. Anstatt sie weiterhin mit Fertigdrogen zu versorgen, wird der Herr des Hauses Ihnen zeigen, wie Sie schnell und schmackhaft die Einkaufsliste selbst zubereiten können. Seien Sie pünktlich um 15 Uhr am vereinbarten Treffpunkt, es soll Ihr Schaden nicht sein<, tippte er schnell und grinste. Mal schauen, wie sein Schatz darauf reagierte.

Er legte das Handy neben sich auf die Anrichte in seiner großen Küche und verstaute die eingekauften Lebensmittel im Kühlschrank, solange wie sie noch nicht gebraucht wurden. Denn Frische war nun einmal das A und O von guten Speisen. Eilig machte er sich noch etwas nützlich, bezog ein zweites Set Bettwäsche, für den Fall, dass sein Schatz über Nacht bleiben wollte und kam zurück, als es leise piepste.

>Ich bekenne mich schuldig und schäme mich angemessen, mich so schamlos und lüstern dem Glutamat ausgeliefert zu haben. Großer Meister, bekehre mich und strafe mich angemessen für meine Sucht.<

>Ich werde streng, aber gerecht sein<, schickte er zurück und lachte leise. Weil sie nachher aber ganz bestimmt nicht alle Gerichte schafften, machte er sich daran, schon einige zu kochen, die etwas aufwendiger waren. Für ihn war das keine große Sache und sein Schatz hatte wirklich etwas für die nächsten Tage. Er wollte ja noch etwas von seinem Liebling haben und nicht nur mit ihm kochen.

Schließlich lockte er ihn auch mit schmutzigen Hintergedanken hier her und die wollte er ausleben können. Das konnte er aber nur, wenn sein Gewissen rein war. Also machte er sich an die Arbeit, denn sein Liebling rechnete mit seinem Fertigfutter für die Woche. Er setzte das gekaufte Hähnchen auf, um Frikassee zu kochen, schnitt die Zwiebeln, dieses Mal ohne sich Finger dabei zu amputieren und schnitt Fleisch für Geschnetzeltes.

Ganz nebenbei kochte er noch eine leckere Bolognesesoße. Da musste Ronny nur noch Nudeln kochen. Er war so richtig in seinem Element und wirbelte zwischen den einzelnen Kochinseln hin und her. Er hatte nur noch vier Stunden Zeit, um so viel wie möglich vorzubereiten.

Zur Ablenkung schaltete er den Bildschirm in der Küche ein und ließ sich ein wenig berieseln. Da er noch nicht genau wusste, was er mit seinem Schatz eigentlich kochen sollte, wusch er sich die Hände, überließ die köchelnden Köstlichkeiten kurz sich selbst und war einmal mehr froh, dass er mit einem simplen Touchpad auch von der Küche aus ins Internet kam, um sich Anregungen und Rezeptideen zu suchen.

Er suchte sich durch die Rezepte und blieb bei einem hängen. Seeteufel mit Sauce American. Das hörte sich gut an. Das hatte er schon gekocht und es hatte ihm geschmeckt. Er machte es etwas anders, als hier in dem Rezept, aber er wollte ja nur eine Anregung. Er angelte nach seinem Handy und rief seinen Fischhändler an. Wenn der keinen Seeteufel hatte, dann musste er was anderes suchen, aber er hatte Glück. Murat hatte heute einen dieser Fische rein bekommen und so bestellte Satoshi ihn gleich und auch den Hummerfond, den der Fischhändler selber machte. Pünktlich um 15:30 würde alles geliefert.

Und wenn sein Liebling pünktlich kam und sich in der Wohnung umgesehen hatte, kam der Fisch gerade recht zu seiner kleinen Scharade. Satoshi lachte jetzt schon, doch dann war er wieder ernst und sah auf die Uhr. Er hatte gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen war. Das passierte ihm immer, wenn er Rezepte las. Aber instinktiv hatte er die Gerichte vom Herd genommen und konnte nun weiter machen.

Die Bolognese war fertig und musste nur noch etwas abkühlen, damit er sie in Gefrierdosen abfüllen konnte. Die anderen Gerichte konnte er auch ausschalten und so hatte er Zeit, noch einmal sauber zu machen und einige Dinge für ihren Fisch vorzubereiten. Er wetzte die Messer, legte Brettchen und alles, was sie brauchten raus. So verging die Zeit wie im Flug und schließlich musste er sich duschen, damit er nicht so nach Küche roch.

Zumindest für die ersten Minuten, wenn sie später beide so rochen, war das sicherlich egal. Aber Ronny sollte sich gern in seinem Nacken verbeißen, sobald er durch die Tür kam. Lachend duschte sich Satoshi hastig, wusch sich auch die Haare und tauschte heute mal die Brille gegen Linsen. Er mochte es nicht, wenn beim Kochen die Gläser beschlugen. Er war nicht so blind, dass er ohne Brille aufgeschmissen war, doch mit Linsen fühlte er sich doch sicherer.

Und so konnte er direkt vom Bad zur Tür schlendern, als es läutete und auf dem großen Bildschirm die Aufschrift prangte: „Besuch!“ Eine Idee seines Bruders, weil Satoshi die Klingel oft überhörte.

Er schob die Trennwand hinter sich wieder zu, damit die Kälte sich nicht gleich in der ganzen Wohnung verteilte und Ronny sollte nicht gleich sehen, was ihn erwartete. „Hallo Schatz“, strahlte er, als er seinen Freund erblickte und zog ihn schnell ins Haus. Die Haustür war noch nicht ganz zugefallen, da küsste er Ronny schon und seufzte zufrieden.

„So mag ich es, empfangen zu werden“, lachte Ronny und ließ sich noch ein wenig küssen. Es war einfach schön. Nebenbei streifte er die Schuhe von den Füßen, schlüpfte in die Schlappen, in die Satoshi ihn dirigierte und folgte den Lippen seines Lieblings durch die nächste Tür.

Satoshi war selbst dran schuld, dass er plötzlich allein da stand, denn Ronny blickte in die Wohnung, wie in einen Vergnügungspark. Er wusste nicht, wo er zuerst hin gucken sollte. Und, waren das Fische da hinten in der Wand?

„Wow!“

Satoshi blinzelte, als Ronny auf einmal weg war und grinste dann. Er kannte die Wirkung seiner Wohnung auf jemanden, der sie nicht kannte und es freute ihn jedes Mal, wenn er die großen, erstaunten Augen sah. „Sieh dich um“, wisperte er in Ronnys Ohr und küsste ihn auf die Wange. Allerdings war er sich nicht sicher, ob sein Schatz das bemerkte.

Denn er reagierte gar nicht auf die Liebkosungen, sondern drehte sich wie ein Kreisel. Er sah vom Bachlauf zum Aquarium, von der Küche zur Couch und bestaunte immer wieder die Weite des Raumes. Kein Wunder, dass sein Schatz so trainiert war, wenn er ständig in diesem riesigen Raum herum flitzte. „Wie im Film“, murmelte Ronny und blieb auf einer der kleinen Brücken stehen. Das Wasser unter ihm floss wirklich. Das war keine Attrappe.

Er wurde von Satoshi beobachtet, der es sich auf der Kochinsel gemütlich gemacht hatte. Da war er nicht im Weg und Ronny fand ihn schnell, wenn er alles bestaunt hatte. „Ich habe das alles selber geplant, nur nicht selber gebaut“, erklärte er. „Ich hatte ein wenig Hilfe von einem Freund.“

„Lass mich raten, der Künstler von nebenan?“, fragte Ronny, sah seinen Schatz kurz an, doch es reichte nicht, zu ihm zu gehen und ihn zu küssen – jetzt war das riesige Aquarium in sein Blickfeld gerutscht. Er ging an der Front auf und ab, sah nach oben, kniete sich davor. „Unglaublich, die leben ja richtig“, murmelte er immer wieder.

„Richtig geraten. Tristan hat meine Pläne so umgestaltet, dass sie machbar waren. Das hat richtig Spaß gemacht. Er kann fantastisch zeichnen und hat mir aufgemalt, wie es werden kann. Ich kann dir seine Zeichnungen später gern mal zeigen, wenn du magst.“ Satoshi sprang von der Kochinsel und kam zu Ronny rüber. „Das will ich doch hoffen, dass sie leben. Allerdings…“ Satoshi grinste und reichte Ronny einen Käscher, der auf einem Tischchen lag. „Es gibt heute Fisch. Such dir einen aus.“

„Wie bitte?“, fragte Ronny und wandte sich zu seinem Schatz um, wusste nicht, ob der scherzte oder das ernst meinte. Als der allerdings mit dem Käscher da stand und ihn Ronny mit einem weichen Lächeln hinhielt, schluckte der. „Hey, nichts gegen frische Lebensmittel, aber das geht ja wohl mal gerade ein bisschen zu weit, oder? Ich dachte, das wären deine Haustiere.“ Er machte einen Schritt zurück, raus aus der Reichweite des Käschers. Sein Blick fiel auf die Rotfeuerfische – waren die nicht giftig?

Satoshi kam nicht dazu zu antworten, denn es klingelte und er musste zur Tür eilen. Murat war pünktlich wie immer und übergab ihm eine Styroporbox, damit dem wertvollen Fisch auf dem Weg nichts passierte. „Meine Süßen haben Glück. Mein Fischhändler hatte doch noch was für uns. Komm guck dir an, was du heute kochen wirst.“

„Hinterhältiger Kerl“, grinste Ronny und schüttelte den Kopf. Er hatte eben wirklich nicht gewusst, ob er das für bare Münze nehmen sollte oder nicht. Das hatten in seinem Leben noch nicht viele geschafft. Satoshi hatte Anerkennung verdient und so war die Kiste für ein paar Sekunden uninteressant und der Koch wurde geküsst und dabei neben der Box auf die Arbeitsplatte gedrückt.

„Wenn du mich immer so küsst, mach ich so was öfter“, lachte Satoshi leise und fing Ronnys Lippen noch einmal ein. Dass er neben seinem Herd lag, störte ihn überhaupt nicht. Das war auch eine neue Erfahrung für ihn und daran konnte er sich durchaus gewöhnen.

„Stimmt, meine Art, dich zu bestrafen ist sehr fragwürdig“, lachte Ronny und stützte sich rechts und links von Satoshis Kopf auf der Arbeitsplatte auf. Dabei sah er seinem Schatz fest in die Augen. „Ich sollte mir eine andere Strafe für dich ausdenken, wenn du mich öfter so schockieren wirst. Etwas, was dich davon abhalten wird, mich einem Herztod näher zu führen.“ Doch eigentlich wollte er sich darüber keine Gedanken machen, sondern seinen Freund liebkosen, allerdings entsann sich der, warum Ronny, der Glutamat-Junkie, eigentlich hier war.

Darum machte Ronny sich doch los und schielte neugierig auf die Kiste. Dass es Fisch gab, wusste er ja schon und Satoshi wollte ihn nicht länger auf die Folter spannen. Er wusste ja, dass er ein wenig fies war, denn so ein ganzer Seeteufel war schon ein imposanter Anblick, mit seinem großen Maul und den spitzen Zähnen.

„Das soll man essen können?“, fragte Ronny und guckte noch einmal in die Kiste. Der schönste war der Junge ja nicht. Die Zähne taten sicher weh, wenn die einen erwischten und so vermied es Ronny vorerst, in die Kiste zu greifen, sondern sah sich das Tier aus sicherer Entfernung an. Es wurde doch hoffentlich nicht von ihm erwartet, dass er dem Fisch den Kopf abtrennte und die Innereien entfernte! Er bevorzugte sein Essen anonym aus der Kühltheke.

Aber genau das hatte Satoshi vor. Zumindest das Filetieren. Ausgenommen war der Fisch schon. „Japp, den kann man essen. Seeteufel schmeckt sehr gut. Aber bevor wir damit anfangen, den Süßen in eine essbare Form zu bringen, kriegst du noch etwas.“ Er küsste Ronny kurz und holte dann aus seinem Schrank eine seiner Kochjacken, damit Ronny sich nicht seine Kleidung versaute.

Mit einem frechen Grinsen honorierte er die Aktion. „Und ich dachte, wir kochen nackt. Ich leck die Soße lieber von deinem Bauch als von deiner Jacke, aber gut, du bist der Chef. Du weißt es besser“, sagte er provozierend gleichgültig, aber seine Augen blitzten, als er sich die Jacke überzog.

„Das kannst du machen, wenn wir ein leckeres Essen fertig haben. Dann darfst du mit mir machen, was du willst.“ Noch einmal küsste Satoshi Ronny und dann wurde er ernst. „Du machst einen Kochkurs und so etwas nehme ich sehr ernst. Ich werde versuchen, dir so viel beizubringen, wie ich kann. Es wird nicht geschmust und nicht rumgealbert.“ Er knöpfte Ronny die Jacke zu und lächelte. „Gute Mitarbeit wird später belohnt.“

Ronny legte fragend den Kopf schief. Meinte sein Schatz das jetzt etwa ernst? Kurz war er versucht, ihn noch einmal entgegen der eben aufgestellten Regel zu küssen, doch er ließ es bleiben. Satoshi nahm seinen Job ernst und Ronny wollte ihn dabei nicht provozieren. Später vielleicht. „Okay, was soll ich machen?“, fragte er und ging sich die Hände waschen, so viel hatte er von seiner Mutter gelernt.

Satoshi nahm das erfreut zur Kenntnis und tat es Ronny gleich. Dann holte er den Fisch aus der Kiste und legte ihn auf ein großes Brett. „Als erstes kümmern wir uns um den Fisch, denn das ist ein wenig aufwendiger. Der Seeteufel hat eine besondere Haut, die aus mehreren Schichten besteht und die müssen wir alle von den Filets entfernen“, erklärte er und zeigte Ronny, wo er das Messer ansetzen musste, um genau diese zu bekommen.

Aufmerksam sah Ronny dabei zu und band sich schnell die Haare im Nacken zu einem festen Knoten. Nicht dass sie ins Essen hingen. Das war unappetitlich. „Ich?“, fragte er, als Satoshi ihm das Messer hin hielt und so versuchte Ronny es ebenfalls. Doch es war nicht so leicht, denn im Gegensatz zu Satoshi war er Linkshänder und musste nun die ganze Sache von der anderen Seite angehen. Die Haut war glitschig und er hatte immer Sorge, zu viel vom teuren Filet weg zu schneiden. Er fing langsam an zu schwitzen.

Er wollte es gut machen und Satoshi ließ ihn, gab Tipps und griff nur ein, wenn Ronny fast einen Fehler machte. Es machte ihm Spaß, dass sein Schatz sich an seine Vorgaben hielt und er stellte sich gar nicht ungeschickt an. Das erste Mal einen Fisch zu filetieren war nicht einfach, besonders bei so einem großen Brocken. Aber unter Satoshis Anleitung meisterte Ronny die Aufgaben und bald kochte und brutzelte es in Pfannen und Töpfen.

Satoshi hatte ihnen eine Flasche leichten Wein aufgemacht und somit festgelegt, dass Ronny die Nacht hier verbrachte. Ob er nun von sich aus oder von hier zur Tanzschule fuhr, machte nicht den großen Unterschied. Wieder einmal klirrten die Gläser und dann rührte Ronny wieder geschäftig in einem Topf, um die Soße vorzubereiten.

Satoshi hatte schließlich kein einfaches Gericht ausgesucht und er war wirklich angenehm überrascht, dass er Ronny eigentlich nur einmal erklären musste, was er zu tun hatte und der setzte es um. Ronny konnte ein fantastischer Koch werden, wenn er nur wollte und Satoshi freute sich darauf, mit ihm zusammen zu kochen. Denn dann war es viel entspannter und er war auch ein wenig schmusen und rumalbern nicht abgeneigt. Kochen sollte Spaß machen und nicht zur Qual werden. Es war kein Beruf, sondern eine Berufung.

Eifrig rührte Ronny in seinen Töpfen und schüttelte die Pfannen und vermied es, seinem Liebling zu erklären, dass er ein Jahr lang intensiv bei seiner Mutter gelernt hatte. Sie war Hauswirtschafterin gewesen und hatte von klein auf dafür gesorgt, dass ihr Junge sich versorgen konnte. Sicher, er konnte keine zehn-Gänge-Menüs für siebzig Leute zaubern. Doch das wollte er auch gar nicht. Er hatte seine Freude damit, Satoshi eine Freude zu machen und deswegen fragte er viel – vor allem aber, weil ihn der Ehrgeiz gepackt hatte, und er es können wollte.

Seine Fragen fielen auf fruchtbaren Boden, denn Satoshi beantwortete sie gerne. Zusammen stellten sie ein leckeres Gericht zusammen, das Ronny schließlich auf zwei Tellern anrichten konnte. Er war mit seinem Werk zufrieden und brachte es zu dem gedeckten Tisch.

Während Ronny die letzten Handgriffe in der Küche getan hatte, war Satoshi dabei gewesen, ein kleines Candlelight-Dinner vor dem beleuchteten Aquarium zu improvisieren. Ein Tisch war schnell herbeigeschafft worden – ebenfalls 2 Stühle. Man musste eben wissen, wo die verborgenen Türen zu den Abstellräumen waren.

„Nicht übel, der Ausblick“, nickte Ronny, als er die Teller auf den Tisch stellte und sich mit einem Ärmel den Schweiß von der Stirn wischte. In der Küche war es, trotz der Lüftung, ziemlich warm geworden.

„Das freut mich.“ Satoshi lächelte und fing an Ronny die Kochjacke auszuziehen. Die passte nicht zu seinem Dinner. „Du warst gut. Sehr gut“, erklärte er und endlich bekam Ronny wieder einen Kuss. Der Kochkurs war beendet und darum bekam Ronny schon einmal etwas von der versprochenen Belohnung.

Der tat gespielt enttäuscht und sah Satoshi an. „Und ich dachte, meine Belohnung wären Liebesperlen“, doch dann lachte er, damit sein Liebling wusste, dass er das nicht ernst meinte, sondern mit einem Kuss sehr zufrieden war. Besondern wenn dieser Kuss ein Herdentier war und mit ein paar seiner Freunde über Ronny her fiel.

„Alles, was du willst, Liebling. Du bekommst, was du möchtest“, wisperte Satoshi zwischen ihren Küssen und seufzte zufrieden. Es war ihm sehr schwer gefallen, seine eigenen Regeln zu befolgen und war froh, dass der Kurs jetzt vorbei war. „Aber erst sollten wir essen. Wäre schade, wenn es kalt wird.“

„Das stimmt allerdings. Wo ich mir doch solch eine Mühe gegeben habe. Sei bloß froh, dass man nicht mehr sieht, was es mal war, sonst würden deine Jungs und Mädels da drinnen uns jetzt schlimme Sachen an ganz ungesunde Stellen wünschen.“ Übermütig lachend ließ sich Ronny auf seinen Stuhl fallen und sah zufrieden auf die Teller. Er hatte sich selbst übertroffen und eine Menge neuer Gewürze kennen gelernt.

Satoshi setzte sich ihm gegenüber und nahm eine von Ronnys Händen in seine. „Das machen sie schon nicht“, lachte er leise und strich mit den Fingern über Ronnys. Und wenn doch, war es ihm egal, denn solange er seinen Schatz bei sich hatte, konnte ihm nichts und niemand etwas anhaben.

Sie aßen ein paar Happen schweigend, sahen sich dabei aber immer wieder in die Augen, lächelten verliebt und Ronnys Magen flatterte wild herum. Er kam noch nicht einmal wirklich dazu, sein Meisterwerk mit der nötigen Sorgfalt zu würdigen. Zwar schmeckte er die Komposition und spürte, wie seine Geschmacksknospen sich öffneten, doch alles wurde von Satoshis Lächeln überstrahlt.

„Wo warst du eigentlich mein ganzes Leben?“, fragte er unvermittelt. Wäre ihm dieser Mann vor zehn Jahren begegnet, er wäre nicht als einsamer Wolf durchs Leben gezogen.

„Jedenfalls nicht da, wo ich hätte sein sollen und auch ganz bestimmt gewollt hätte.“ Satoshi legte sein Besteck weg und zog Ronnys Finger zu einem Kuss zu sich. „Aber jetzt habe ich dich endlich gefunden und werde dich nicht mehr hergeben. Wir gehören zusammen, da bin ich mir sicher.“

„Ja, das tun wir“, sagte Ronny und sein Hals schnürte sich langsam zu. Er spürte die Worte, die Satoshi gern hören wollte, schon auf seiner Zunge, doch sie glitten ihm nicht über die Lippen. Dabei war es genau das, was er fühlte. Satoshi war kein Strohfeuer, das war kein Mann, den man vor die Tür setzte, wenn er sagte, er hätte sich verliebt. Es war ein Mann, den man auf einen Altar hob für diese Zuneigung. Ronny lächelte.

Ronnys Lächeln und seine Worte wärmten Satoshis Herz. Dass sein Freund genauso dachte, machte ihn glücklich. Er wollte Ronny einfach nur halten und sich versichern, dass er das alles hier nicht nur träumte. Aber vorher wollte er das Essen genießen, das sie gekocht hatten. Ronny hatte sich solche Mühe gegeben. Darum nahm er sein Besteck wieder auf und nahm einen Bissen. „Es schmeckt sehr lecker. Ich hätte es nicht besser machen können.“

„Charmeur“, lachte Ronny und zwinkerte ihm keck zu. „Aber du musst mir keine Komplimente mehr machen, den Weg in mein Herz und in mein Bett hast du schon gefunden.“ Mittlerweile aß er nur noch mit der Gabel, weil er Satoshis Hand, die er sich ebnen wieder gegriffen hatte, nicht loslassen wollte. „Aber solch ein Lob aus deinem Mund wird mich dazu anhalten, seltener in die Tiefkühltruhe zu greifen“, versprach er.

„Ich werde dir immer Komplimente machen, gewöhn dich dran, aber wenn ich dir sage, dass dein Essen lecker ist, dann ist das mehr als nur ein Kompliment, denn so etwas sage ich nur, wenn es auch stimmt“, lachte Satoshi und seine Augen bestätigten seine Worte, denn er sah verliebt zu Ronny. „Ich habe dir heute einige Gerichte vorgekocht und eingefroren, damit du sie nur noch aufwärmen musst. Wozu hält man sich einen Koch. Da muss man auch schon Vorteile von haben.“ Frech grinsend legte Satoshi seinen Kopf schief und schickte Ronny einen Luftkuss.

Der wusste im ersten Augenblick nicht was er sagen sollte, seine frechen Sprüche schluckte er hinab und verschluckte sich fast daran. Satoshi war es ein weiteres Mal gelungen, Ronny zu verblüffen. Dieser Mann war unglaublich. „Danke“, sagte er mit immer noch überraschtem Gesicht und merkte, dass er seinen Liebling damit ziemlich zufrieden machte. „Aber ich halte dich nicht einfach nur, ich liebe dich“, sagte er leise und senkte den Blick. Er hätte nicht geglaubt, dass er die Worte je über die Lippen bringen würde, doch es war plötzlich so leicht gewesen.

Darum konnte er nicht sehen, wie im Gesicht seines Freundes eine Sonne auf ging. Diese Worte endlich zu hören, machte ihn unwahrscheinlich glücklich. Da er fast aufgegessen hatte, stand er auf und zog Ronny durch ihre verbundenen Hände zu sich. „Ich liebe dich auch“, murmelte er leise und küsste seinen Liebling. Er wollte ihm jetzt nah sein und nicht durch einen Tisch getrennt.

„Ich weiß“, sagte Ronny und lächelte schüchtern. Er konnte seine momentane Stimmung nicht beschreiben. Er war völlig von der Rolle und hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. So ließ er es zu, dass Satoshi ihn an sich zog und erwiderte den sanften Kuss, der sich aus ihrer Nähe entspann. Liebevoll schob er seine Finger fächerartig durch Satoshis Haare.

Dies war ein wirklich besonderer Moment und er wollte ihn zusammen mit Ronny, ohne jede Störung genießen. Er nahm Ronnys Gesicht in seine Hände und strich ihm sanft mit den Daumen über die Wangen. „Liebe mich“, bat er mit rauer Stimme. Er wollte eins mit seinem Geliebten sein, so wie in der letzten Nacht.

„Nichts lieber als das“, nuschelte Ronny und ließ seinen Blick oberflächlich schweifen, ohne den Kuss zu lösen. Doch wenn er eines in dem riesigen Raum noch nicht gefunden hatte, dann war das das Schlafzimmer. Doch er wollte auch nicht plump fragen, also küsste er Satoshi weiter, in der stillen Hoffnung, dass sein Liebling so heiß wurde, dass er Ronny in seine Lasterhöhle schleppte.

Da musste er auch nicht lange drauf warten. Satoshi hatte nur auf die leisen Worte gewartet und ging los. Wie Ronny gestern, zog er seinen Freund während des Kusses in Richtung seiner Liegestatt und blieb davor stehen, weil er den Kuss noch nicht lösen wollte.

Das erledigte ein relativ überraschter Ronny für ihn, der vor dem japanischen Futon am Boden stehen geblieben war und auf die dicken Stoffmatten guckte. Ungläubig sah er auf den harten Boden, dann auf seinen frech kichernden Schatz, dann wieder auf den Boden und die Matten. Na hoffentlich gab das keinen steifen Rücken, der ihn morgen daran hinderte, seine Kurse zu geben.

Satoshi hatte schon mit so einem Blick gerechnet. Noch wusste sein Schatz ja nicht, was ihn erwartete und er hatte einen diebischen Spaß daran, dass man Ronnys Gedanken praktisch auf seinem Gesicht sehen konnte. „So, husch“, machte er darum und gab Ronny einen Schubs, so dass dieser das Gleichgewicht verlor und auf das Bett plumpste.

Ronny ruderte im Flug, reagierte blitzschnell und versuchte sich abzurollen, wie er es gelernt hatte, doch plötzlich gab der fest geglaubte Boden unter ihm nach, sein Kunststück misslang und er blieb auf dem Rücken liegen, dabei waberte das Bett unter ihm und Ronny brauchte zwei Sekunden, um zu begreifen. Dann lachte er und machte noch mehr Wellen. „Ein Wasserbett“, lachte er laut und griff die Füße seines Lieblings, um ihn zu sich zu ziehen – alles andere hätte ihn bei seinem Schatz auch gewundert.

Satoshi war eben etwas ganz besonderes – ein wahrer Schatz.





ENDE