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Chaos-WG - Teil 9 - 11

Kapitel 9
Benajas Zimmer (28.04., Freitag, 2.30 Uhr)

Senkrecht saß Ben im Bett und glaubte zuerst, sich verhört zu haben. Doch als es keine zwei Sekunden später und erheblich lauter als bei dem ersten Geräusch, von dem er aufgewacht war, schon wieder zu hören war, war er sich sicher. Der Schwarzhaarige zitterte am ganzen Körper, als er sich von der Bettdecke – die sich in der Nacht um ihn gewickelt hatte – befreite. Ein leiser Schrei entkam seinen Lippen, als es erneut donnerte und blitzte und schon war er an der Tür. Warum musste das ausgerechnet heute sein? Wenn ich jetzt zuhause wäre, wäre es kein Problem. Warum hab ich nur nicht daran gedacht?

Jetzt stand er zitternd auf dem Flur und wusste nicht, was er tun oder wohin er gehen sollte. Im Haus gab es sicherlich keinen Ort, an dem er sich sicher fühlen konnte und etwas zu trinken half ihm überhaupt nicht. Er wäre ja jetzt gerne zu Kris gekrabbelt – obwohl er ihn erst einen halben Tag kannte, vertraute er ihm – aber den Platz hatte Martin ja schon verdienterweise beschlagnahmt. Als es erneut donnerte, war ihm alles egal und so tapste er mit schnellen Schritten zur nächsten Tür – klopfte aber noch höflicherweise an – bevor er sie öffnete, ohne auf eine Reaktion zu warten.

“Cole, bist du wach?“, wisperte er leise und unterdrückte den nächsten leisen Schrei so gut es ging.

Wenn er nicht wach war, würde er ihn nicht wecken. Dann würde er sich seine Nacht eben anderweitig um die Ohren hauen, denn den Fernseher konnte er ja auch nicht benutzen. Dort schliefen Daniel und Steve. Er trat nervös von einem Bein auf das andere und als er ein zustimmendes Brummen hörte, atmete er erleichtert die Luft aus, von der er noch nicht einmal gewusst hatte, dass er sie angehalten hatte.

“Was denn los? Es ist mitten in der Nacht“, hörte er den anderen nuscheln und beobachtete, wie dieser sich langsam aufsetzte.

Cole rieb sich verpennt übers Gesicht und musterte den Schwarzhaarigen genauer. Was zum Teufel wollte der mitten in der Nacht von ihm? Ein weiterer Donnerschlag krachte hallend durch den Platzregen.

Ben zuckte wimmernd zusammen, gab der Tür einen Stoß, der sie ins Schloss fallen ließ und flüchtete zu Cole unter die Decke. So viele Hinweise hätte Cole dann auch nicht gebraucht, um das Offensichtliche zu erkennen, dass Ben vom Gewitter Panik bekam.

“Ich hasse es, wenn es nachts gewittert. Das erinnert mich immer an die Sache vor zehn Jahren. Ich saß mit im Auto und wir hatten dasselbe Wetter. Kann ich heute Nacht hier bleiben?“, erklärte Ben hastig. Es schien ihm völlig egal zu sein, was der Blonde über ihn erfuhr, so lange er dafür Asyl bekam.

Ohne auf eine Zustimmung zu warten, schmiegte sich Ben an den Größeren, so dass Cole sich fragte, ob er vielleicht doch noch wach gewesen war, als er ihn vorhin ins Bett gebracht hatte. Immerhin entschuldigte er sich jedoch kurz darauf.

„Kein Problem.“ Cole schloss glücklich, auch wenn es gemein war, sich über das Unglück anderer zu freuen, die Arme um seinen Schwarm. Er konnte einfach nicht anders. Keine zwei Sekunden später verrieten die tiefen Atemzüge, dass der Kleine eingeschlafen war. Hatte er also doch noch einen Ort gefunden, an dem er sich sicher fühlte.

Lange Zeit lag der Blondschopf wach und wachte seinerseits über den Schlaf des Anderen. Im Stillen war er dankbar dafür, dass er ihm so nah sein durfte. Und es machte ihn wahnsinnig glücklich, dass er zu ihm gekommen war.
Nicht zu Kris. Zu ihm.
Irgendwann schlief er schließlich wieder ein und zog unbewusst den Jüngeren näher an sich, damit er nicht einfach verschwinden konnte.

***

Verschlafen blinzelte Ben und kuschelte sich näher an den warmen Körper neben sich. Es war sowieso zu früh, um aufzustehen. Nur um dann erschrocken zurückzuzucken. Warm? Wer war warm?

Ruckartig hob er seinen Kopf und riss seine Augen auf. Er erkannte Cole neben sich und hätte noch mehr erschrocken sein sollen, doch stattdessen beruhigte er sich, als er das friedlich schlafende Gesicht des Älteren betrachtete. Entspannter ließ er sich zurücksinken und lehnte sich wieder an. Coles Lächeln war mehr als sympathisch, es war etwas, was er sich stundenlang hätte ansehen können. Dieses unschuldige, offene, kleine Lächeln, von dem er nie gedacht hatte, dass der Blonde es zustande brächte.
Wenn es doch ihm gegolten hätte…

Das Gewitter in der Nacht. Nach und nach erinnerte er sich. Er hatte nicht gewusst, an wen er sich wenden sollte und war zu Cole gegangen. Es war das Richtige gewesen und Ben wusste absolut nicht, woher er diese Sicherheit nahm.

Deshalb versuchte er, seine erwachenden und immer verwirrender werdenden Gedanken zu ordnen. Er kam nicht mit sich und seinen Gedanken zu Recht. Was zum Teil auch daran lag, dass er immer wieder abschweifte und einfach die Nähe des Anderen genoss und die Ruhe. Das war ein einmaliges Erlebnis. Leise seufzte er auf und tief in seinem Herzen wünschte er sich, dass es für immer so bleiben könnte.

Irgendwann spürte er, wie Cole aufwachte. Unentschlossen tat er, was bei Cole am besten zu funktionieren schien – sich schlafend zu stellen.

Cole blinzelte in die Sonne und sah sich um. Irgendetwas war völlig anders. Er lächelte liebevoll und strich dem Schwarzhaarigen, den er als Quelle für das unerklärliche Glücksgefühl in seinem Bauch ausfindig gemacht hatte, eine vorwitzige Strähne aus dem Gesicht.

Er musste sich wirklich zusammenreißen, um das Lächeln zu unterdrücken, als er die sanften Finger auf seiner Stirn spürte, die eine Haarsträhne zur Seite schoben. Nur widerwillig ließ er sich von dem warmen Körper schieben.
Behutsam, um ihn nicht zu wecken, hatte Cole ihn von sich geschoben, bevor er vorsichtig über den Körper des Schwarzschopfes kletterte. Noch immer war er darauf erpicht, ihn schlafen zu lassen und Frühstück machen zu gehen, um ihn damit zu wecken.

Doch als er sich genau über dem Kubaner befand – also jeweils ein Bein und eine Hand links und rechts seines Körpers hatte - und erneut auf das friedliche Gesicht herabblickte, konnte Cole nicht mehr anders. Er beugte sich herunter und berührte mit seinen Lippen die des Jüngeren.

Nur einen Moment. Er wird es nie erfahren.

Die Lippen des Kleineren waren weich und seidig. Die sanfte Wärme an seinen zu spüren, ließ ihn den Atem anhalten. Es fühlte sich viel zu gut an, als dass er sich lösen konnte.

Schließlich kämpfte er sich davon weg und öffnete die geschlossenen Augen. Und starrte ihn einen grünen Blick. Coles Herz zuckte schmerzhaft zusammen und verkrampfte sich zu einem Ball. Jetzt hatte er alles zerstört mit seiner verdammten Ungezähmtheit. Ben hatte so viel Vertrauen bewiesen, als er bei dem Gewitter zu ihm gekommen war und er nutzte es schamlos aus. Still kämpfte Cole mit dem Druck in seinem Bauch, der ihm die Tränen in die Augen treiben wollte.

Eine zarte Hand lag plötzlich in seinem Nacken, ohne dass er sich erklären konnte, wie sie dorthin gekommen war. Ben hob den Kopf. Cole konnte gar nicht mehr nachvollziehen, was gerade geschah, als der Kleinere ihn sanft zu sich herunterzog und ihn von sich aus küsste. Beide hielten den Atem an, als ihre Lippen sich berührten und sie ein elektrisierendes Kribbeln zwischen ihnen spürten.

Vorsichtig und sanft vertieften sie die Berührung, gestatteten sich allmählich mehr und liebkosten einander zart.

Atemlos trennten sie sich schließlich und Cole blickte in die grünen Augen, an deren glatter Oberfläche sein Blick nicht länger abglitt. Grün versank in Blau.
„Ben…“, flüsterte Cole rau und kitzelte Bens Herz mit dem liebevollen Tonfall.

„Warum hast du das gemacht?“, fragte Ben. Natürlich wusste er es, aber der Blonde wusste schließlich nicht, dass das so war.

Cole legte sich wieder neben Ben ins Bett, traute sich nicht mehr, ihn zu berühren. Er stützte den Kopf in die Hand.
„Ich schätze, ich komme nicht mehr darum herum, dir eine ganze Menge zu erklären…“, begann er. „Ich bin mir zwar sicher, dass du es nicht verstehst, aber eigentlich musst du es ja zumindest wissen.
Ich hatte dein Tagebuch nie veröffentlichen wollen, nachdem Daniel es mir zu lesen gegeben hatte. Aber als die Einträge von Kevin zu erzählen begannen… ich war traurig und verletzt, wütend, verzweifelt. Die ganze Zeit hatte ich mir eingeredet, dass aus unserer Freundschaft nie mehr werden konnte, als du wolltest und dass du sowieso nie etwas mit einem Mann anfangen würdest. Und dann das! Ich weiß, es ist wahnsinnig primitiv, aber ich war so eifersüchtig, dass ich begonnen hab, dich dafür zu hassen, dass du ihn mir vorgezogen hast. Und das, obwohl deine Einträge eindeutig zeigten, dass er dich unglücklich machte. Es hat mich fertig gemacht, dass du mir in unserer langen Freundschaft nie soweit vertraut hast, dass du es mir erzählen konntest. Und darum wollte ich dir genauso wehtun. Ich wollte, dass du erfährst, wie sehr du mich verletzt hast, dass du meinen Schmerz durch das spürst, was ich dir angetan hab.
Ich weiß, dass solches Verhalten absolut unverzeihlich ist, aber immerhin weißt du bereits, dass es mir wahnsinnig leid tut und ich mir wünsche, jede einzelne Sekunde rückgängig machen zu können.“ Cole endete und schwang die Beine über die Bettkante. Er wollte die Verachtung in Bens Blick nicht erst sehen.

Ben spürte, wie Cole zusammenzuckte, als er ihm die Hand auf den Rücken legte. „Bitte bleib…“ Er kam auf die Knie und legte von hinten die Arme um den Größeren. „Es tut mir Leid…“, flüsterte er in Coles Nacken, auch Neugier schwang darin mit. „Ich möchte wissen, wie es ist, mit dir zusammen zu sein.“

Ben erkannte sich selbst kaum wieder, er glitt einfach von einer Handlung in die nächste. Sie fühlten sich alle so richtig an.

„Dann versuch’ es mit mir!“, flüsterte Cole aus tiefstem Herzen und drehte sich um. Seine Hände griffen nach Bens schlankem Körper, zogen ihn an sich. Zärtlich küsste er den Kleineren.

***

Steve kratzte sich einen Krümel Schlafsand aus den Augen und schlurfte zu Coles Tür.

„Cole, hast du Ben…“ Steve wurde immer leiser und brach schließlich ab, weil seine Augen auf Untertassengröße wuchsen. Der Gesuchte und der Angesprochene saßen zusammen auf dem Bett, Ben in T-Shirt und Shorts, Cole nur in Shorts, und küssten sich eng umschlungen.

„…gesehen?“, würgte Steve schließlich hervor. Also war das, was er nicht hatte wahrhaben wollen, tatsächlich eingetreten. Cole war auch noch zum anderen Ufer gewechselt. Daniel würde ihn schon wieder auslachen, aber er war der Einzige von ihnen gewesen, der das nicht hatte glauben können. Na, dann konnten Daniel und er ja auch beim nächsten Mal wieder im selben Bett schlafen, was sie aus Rücksicht auf Coles Gemütverfassung lieber gelassen hatten. Es hätte Cole sicher deprimiert, wenn sich sogar seine besten Freunde als frischverliebtes Pärchen entpuppten und er der einzig unglücklich Verliebte hier war.

„In Zukunft klopfe ich wieder an…“, murmelte er verschreckt, als Cole sich löste und ihn missbilligend ansah. Schnell schloss er die Tür hinter sich und schüttelte ungläubig den Kopf. Er hatte Ben gesucht, weil sie zusammen Frühstück machen wollten und die anderen längst in der Küche waren. Dass Cole noch zu schlafen schien war nicht ungewöhnlich gewesen. Der schlief auch gut und gerne bis um drei.

„Schläft Cole noch?“ Daniel balancierte ein Tablett auf die Terrasse. „Oder hast du Ben gefunden?“

„Cole saß auf dem Bett und war mit einem Buch beschäftigt und Ben war im Bad“, log Steve.

Kris belauschte die beiden aus purer Neugier. Schließlich wandte er sich ab und ging in die Küche, um den Kühlschrank zu inspizieren.

“Schatz, machst du mal eine Kanne Kakao? Allerdings wirst du dich durch die Schränke suchen müssen“, bat er seinen Freund, nahm eine angefangene Milchpackung und eine verschlossene aus dem Kühlschrank.
“Woher wusstest du, dass ich es bin? Im Moment sind hier noch vier andere Leute im Haus“, meinte eine Stimme an seinem Ohr und zwei Arme schlangen sich um ihn.
Kris lächelte leicht und erwiderte: “Wir kennen uns jetzt seit vier Jahren und seit zwei wohnen wir zusammen. So langsam muss ich ja wohl wissen, wie du gehst.“

Das schien auch sein Freund einzusehen, denn er hauchte ihm nur kurz einen Kuss in den Nacken und machte sich daran einen Topf und das Kakaopulver zu suchen. Der Platinblonde lächelte leicht und bat die Neuankömmlinge Kaffee zu machen und das Geschirr hinaus zu tragen. Darauf nahm er das Tablett und trug es zur offenen Balkontür.

Die Geschäftigkeit in der Küche hielt an, sie kochten Eier, pressten frischen Orangensaft und Martin bestand sogar auf Frühstücksspeck, der schließlich auch noch gebraten wurde.

“So, das war das Letzte. Cole, bringst du bitte noch die letzten Eier mit?“, meinte Daniel zu dem Blonden der vor wenigen Minuten zu ihnen dazu gestoßen war, nahm sich zwei Eier und das Salz und brachte es hinaus zum Frühstückstisch, stellte alles dorthin wo noch Platz war. Er war wieder einmal stolz auf das Frühstück. Es sah doch klasse aus.

„Wo ist Ben denn nun?“, fragte Martin, der ja der einzig Ahnungslose hier war.
„Kommt sicher gleich.“ Kris antwortete betont beiläufig, so dass Martin irritiert die Augenbrauen zusammenzog. Keine Minute später erschien Ben als Letzter an der Treppe.

„Ihr seid schon fertig?“ fragte er erstaunt, die kleine Störung in Coles Zimmer hatte er gar nicht so richtig mitbekommen. “Jungs, das sieht lecker aus. Kann man euch auch einstellen?“

Ben genoss die Frühstücksatmosphäre und lehnte sich erst einmal zurück, um sich die Sonne aufs Gesicht scheinen zu lassen. Benajas Kopf war herrlich frei, zum ersten Mal dachte er wirklich nicht mehr an Kevin. Sie frühstückten sowieso stundenlang, so dass er nicht befürchten musste, nichts mehr abzubekommen. Als er die Augen nach einer Viertelstunde wieder öffnete, bemerkte der Kubaner, wie Cole ihn betrachtete. Das Gefallen am Gegenstand der Betrachtung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Es tat ihm gut, zur Abwechselung einmal angestarrt zu werden und dadurch bestätigt zu bekommen, dass er durchaus eine Wirkung auf den Älteren zu haben schien. Kevin hatte ihm nie solch eine Bestätigung gezeigt.

Auch Cole schlürfte in Gedanken versunken seinen Kaffee. Die letzten Stunden waren unglaublich gewesen. Er konnte die Schmetterlinge in seinem Bauch, die vor Freude nur noch taumelten, einfach nicht abstellen. Gleichzeitig fürchtete er, dass er durch irgendetwas Unbedachtes wieder alles zerstören könnte. Er wusste doch so wenig über ihn. Er konnte so viel falsch machen, so viel Falsches sagen. Doch er wollte nicht mit Daniel oder sonst jemandem darüber reden. Das gehörte nur ihm. Und Ben natürlich.

„Hey, du kannst jetzt wieder aufhören, mich anzustarren, du Lustmolch!“, protestierte der grinsend und wedelte mit einer Hand vor dem Gesicht des Blonden herum. Mit derselben Bewegung, mit der er die Hand wieder herunter nahm, strich er Cole über den Arm. Cole lächelte bloß über diesen Vorwurf. Drei andere Augenpaare glotzten erstaunt und überlegten, wie Gehirnwäsche genau funktionierte. Beinahe wie ein Pärchen…, fasste Daniel still zusammen. Nur Steve wusste bescheid und hatte es den anderen vorenthalten.

“Wie habt ihr auf der Couch geschlafen?“, fragte Ben zur Ablenkung und blickte fragend Daniel und Steve an.
“Ich nehme das nächste Mal auch gerne wieder die Couch, ist kein Problem“, versicherte er.
“Wir haben gut geschlafen und du wirst ganz sicherlich nicht mehr auf der Couch schlafen, dass das klar ist“, erwiderte Daniel.

Ben beachtete die leicht irritierten Gesichter nicht, sondern bestrich sich eines der Brötchen mit Butter und Honig. Cole saß neben ihm und goss ihm Kakao ein.

“Ähm, Ben? Dein Honig macht sich selbstständig“, vermeldete Daniel in dem Moment, in dem auch Ben es, leise Flüche murrend, bemerkt hatte. Er legte das Brötchen auf den Teller zurück und begann langsam, sich den Honig vom Handgelenk und Unterarm zu lecken.

Die anderen verfolgten es atemlos.

“Ob der Kleine weiß, wie er gerade aussieht?“, fragte sein Freund Kris leise, worauf der nur verneinend den Kopf schütteln konnte.
Vor allem Coles Herz pochte schmerzhaft und er beobachtete gebannt, wie Bens geschickte Zunge zwischen seine Finger fuhr. Ben schien sich ganz auf seine Hand zu konzentrieren, doch gerade durch diese unschuldige Beiläufigkeit sah es noch viel erotischer aus. Aber auch Martin war empört, weil sein Freund den Jungen mit seinen Blicken förmlich auszog. Genauso gut hätte sich Ben eine Flüssigkeit von der Hand lecken können, die bestimmt nicht auf dem Frühstückstisch stand. Aber Honig, den man so gut für Liebespiele verwenden konnte, war auch keineswegs weniger wirkungsvoll.

Daniel hieb plötzlich mit der Faust auf den Tisch, so dass alle Köpfe, auch Bens, erschrocken in seine Richtung fuhren.

„Verdammt, du weißt ganz genau, wie gemein du gerade bist!? Du weißt doch, dass Cole in dich verliebt ist.“ Daniels Augen weiteten sich erstaunt. Scheiße! Was hatte er getan?!
“Scheiße, das hätte ich nicht sagen sollen. Hab dir doch versprochen, es Cole nicht zu sagen. Und Cole hab ich doch versprochen, es für mich zu behalten. Tut mir leid!!“ Aber der 17-Jährige benahm sich auch nicht gerade nett gegenüber seinem besten Freund. Es wusste dieser doch, was der Blonde für ihn empfand und was für eine Folter so ein Anblick für ihn sein musste.

Cole starrte Daniel einen Moment lang überrascht an. Was hatte er gerade gesagt? Ben hatte es gewusst? Gern hätte er den Gedanken weiter verfolgt, doch Ben lenkte ihn ab, indem er ihn fragte, ob er das tatsächlich so gemein finden würde. Gleichzeitig leckte er sich über eine Fingerspitze, an der noch immer Honig glänzte.

“Ich? Ich find das gar nicht gemein. Aber du hast da was übersehen“, damit hielt er Bens Hand am Handgelenk fest, führte sie zu seinem Mund und lecke mit seiner Zunge erst einmal über den Finger, bevor er ihn mit seinem Lippen umschloss und ihn mit halb verengten Augen säuberte.

“Du solltest besser aufpassen“, meinte er leise, als er den Finger wieder entließ und sich mit seiner Zunge über die Lippen fuhr, die letzten Spuren des Honig entfernte.

„Und diesen wagemutigen Flirtmodus abstellen, sonst könntest du ganz schnell aufgefressen werden. Ich übernehm das auch für dich, wenn du mir sagst, wo der Knopf dazu ist“
Ben errötete noch mehr, als er es bei diesen Zärtlichkeiten sowieso schon getan hatte. Dieses Kribbeln, das sein Denken für diese Momente beherrschte, war so intensiv, dass er Cole die Hand hatte wegziehen wollen.

“Sicher kann man das“, erwiderte Ben auf die Feststellung seines Freundes und lächelte ihn lieb an. “Aber ich weiß nicht wo. Find musst du ihn schon ganz alleine.“ Wagemutig. Das schien er heute wirklich zu sein, sonst würde er den Größeren sicher nicht dazu herausfordern, herauszufinden, was man gegen solchen Übermut tun konnte.

Er spürte eine Hand in seinem Nacken und keine Sekunde später ein paar weiche, nachgiebige Lippen auf seinen. Wie von selbst schlossen sich seine Augen und sanft erwiderte er den Kuss. Hach, das hatte ihm jetzt gefehlt.

“Ich werd jetzt ganz brav sein“, meinte Ben leise aber zufrieden, als die beiden sich wieder getrennt hatten und aß das Brötchen fertig.

Sämtliche Anwesenden grinsten bescheuert.

„Seit wann verarscht ihr uns eigentlich schon?“, fragte Kris schließlich. „Seit Cole dich ins Bett gebracht hat?“ Der Kunstblonde wandte sich nun an Ben und zog eine Augenbraue hoch. Ben steckte ihm die Zunge raus und sah ihn schweigend böse an.

„Erzählt es! Ihr wisst, dass ich mich gerne in Dinge einmische, die mich nichts angehen, damit ich mehr Trophäenfotos sammeln kann.“
Martin stieß ihn die Seite. „Du bist taktlos.“

Ben verschloss sich vor ihren Augen und wandte das Gesicht ab, so dass Cole ihn schließlich besorgt auf seinen Schoß zog. Beruhigend streichelte er seinen Rücken, während der Schwarzhaarige sich fest an ihn schmiegte.

„Ben? Tut mir leid, falls ich ernsthaft zu neugierig war. Ich freue mich bloß für euch beide.“ Kris war ernsthaft erstaunt, was seine Neugier angerichtet hatte, sonst hatte er das noch nie so erlebt.

Cole beugte sich ein bisschen nach unten und wisperte in das Ohr des Jüngeren: “Soll ich es ihnen erzählen?“ Als Ben nickte, fuhr er ihm mit der anderen Hand durch die Haare und sah dann Kris an.

“Zu allererst eine elementare Frage: Hat einer von euch das mit dem Gewitter letzte Nacht mitbekommen?“

“Ja, ich“, meldete sich Martin zu Wort und blickte seinen Freund an. “War echt schlimm letzte Nacht. Dachte schon, das hört gar nicht mehr auf. Ich war nur froh, dass ich mich bei dir einkuscheln konnte. Warum fragst du?“

“Ben hat es gestern auch gehört und da er mit Gewittern in der Nacht eine schlimme Erfahrung verbindet, stand er letzte Nacht ganz aufgelöst in meinem Zimmer und hat dann auch bei mir geschlafen. Alleine wäre er bestimmt nicht mehr ins Bett, vor den Fernseher konnte er nicht und dir vertraut er zwar, Kris, aber…“ Natürlich gab es eine logische Erklärung dafür, dass Ben nicht zu Kris gegangen war. Weil Martin den Platz besetzte. Aber es gefiel Cole viel besser, Kris in Unwissenheit zu halten. Er verzieh ihm die Blicke in Richtung Ben nicht.

“Wir haben auch friedlich ohne Unterbrechung geschlafen. Na ja, als ich dann am Morgen wach war, wollte ich ihn noch schlafen lassen und hab mich vorsichtig aus dem Bett befreit. Aber Ben hat so süß ausgesehen, als er so dalag und da konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen und hab ihn geküsst. Ich wusste ja nicht, dass er schon wach war und wohl keine Lust hatte aufzustehen. Aber überraschenderweise hab ich keine Ohrfeige zurückbekommen…“, Cole ließ das Ende offen, weil es sich jeder denken konnte und wusste, dass er in diesem Augenblick mehr als dämlich grinste, aber er konnte einfach nichts dagegen machen.

***

Den Tag verbrachten sie in vollkommener Ruhe. Mal vergnügten sie sich im Pool, dann fand man sich geschlossen in der Küche, genauso wie sie zusammen den Fernseher belagerten und sich Komödien ansahen. Steve und Daniel hatten schließlich am späten Nachmittag wieder nach Hause gemusst, da ihre Eltern noch immer darauf bestanden, dass sie in den Ferien für die bevorstehenden Prüfungen lernten. Eigentlich wollten sie ja gar nicht gehen, aber nachdem Daniels Mutter schon auf seinem Handy angerufen hatte, konnten sie nicht anders.

Martin hatte seinen Freund schließlich so lange bearbeitet, bis dieser sich geschlagen gegeben hatte und die beiden mit seinem Cabrio weggefahren waren, um Martins Mutter im Krankenhaus zu besuchen. Kris hatte in weiser Voraussicht gemeint, dass sie wohl nicht zum Abendessen Zuhause sein würden, denn er kannte seinen Freund und wusste, wie lange der bei seiner Mutter sitzen würde, nur um sich ganz sicher zu sein, dass es ihr auch einigermaßen gut ging.

Den neu gewonnenen Freiraum hatten Ben und Cole ausgenutzt und ihre Kussausdauer getestet, auch wenn er sich im Moment nicht an Zungenküsse heran traute. Er war dermaßen unsicher seit der Sache mit Kevin und was wäre, wenn Cole überhaupt keine Zungenküsse mochte? Dabei hätte der sich unter keinen Umständen so verhalten wie Bens Exfreund, der stets handgreiflich wurde, wenn ihm etwas nicht gefiel.

Danach hatten sie sich schließlich banaleren Dingen wie Essen bevorraten zugewandt. Gemeinsam hatten sie eine neue Einkaufsliste erstellt, denn so wie es aussah, würde Martin eine Weile bleiben und wenn Daniel und Steve ihre Drohung wahr machten und morgen schon wieder auf der Matte stehen würden, bräuchten sie was zum Essen im Kühlschrank.

Schließlich verabschiedete sich auch der Blonde und fuhr mit seinem Motorrad zum Einkaufszentrum, war sich aber sicher, dass es um diese Uhrzeit etwas länger dauern würde.

Ben hatte nichts dagegen. Sonst hatte er sich doch auch immer alleine beschäftigt und so sah er sich einfach eine Krimiserie im Fernseher an, denn es war das einzig Gescheite, was gerade kam. Nach einer Weile holte er Chips und Cola aus der Küche und kuschelte sich in eine Decke, machte so das Fernsehen doppelt soviel Spaß. Benaja merkte noch nicht einmal, dass er während des Films einschlief, der Fernseher munter weiter lief und wirklich der Bruder der Mörder gewesen war.

Cole hatte sich wirklich beeilt und trotzdem hatte er fast zwei Stunden für den Einkauf gebraucht. “Ich bin wieder da, Kleiner, und ich hab dir auch was mitgebracht.“ Als er keine Antwort bekam, marschierte er mit den Tüten ins Wohnzimmer und blieb überrascht neben der Couch stehen.
Sein Ben schlief zusammengerollt tief und fest auf der Couch. Der Fernseher lief immer noch.

Er sah so entspannt und friedlich aus, wenn er schlief, stellte Cole für sich fest und trug die Tüten so leise wie möglich in die Küche. Dann hob er seinen Freund auf seine Arme, drückte ihn sanft an sich und beobachtete erfreut, wie Ben sich sofort an ihm fest hielt. Er öffnete kurz die Augen, murmelte etwas davon, dass er vor dem Fernseher viel zu schnell einschlief, und schlief wieder ein. Cole trug ihn nach oben und weil Ben praktischerweise nicht protestieren konnte, in sein Zimmer. Dort zog sie beide bis auf die Shorts aus und breitete die gelben Bettdecke aus. Zufrieden kuschelte er sich an und auch Ben schlang sofort die Arme um die angenehme Wärmequelle neben sich. Vor allem Cole freute sich darauf, morgen neben seinem Freund aufwachen zu können.

Der ereignisreiche Tag ließ ihn nicht sofort einschlafen, so dass er wach lag, seinen Schatz am Kopf kraulte und den ruhigen Atemzügen lauschte, bis auch er eingeschlafen war. Auch Cole bekam nicht mehr mit, wie Kris und Martin zurückkamen.


Kapitel 10
Terrasse (29.04. Samstag, 11:25 Uhr)

Ben und Cole waren schon seit einer halben Stunde wach, hatten sich um das Frühstück gekümmert und sich mit Zärtlichkeiten gegenseitig davon abgehalten. Zufrieden standen sie vor dem Holztisch auf der Terrasse und begutachteten ihr Werk. Cole nahm seinen Freund in den Arm, legte sein Kinn auf seiner Schulter und hauchte ihm einen Kuss auf den Hals.

“Weißt du, dass du in diesen weißen Klamotten wie ein Engel aussiehst? Mein Engel.“

“Ich finde, dass du selbst in weißen Sachen nicht besonders engelhaft aussiehst“, erklärte Ben, obwohl Cole mehr Ähnlichkeit mit einem Märchenprinz als irgendwann sonst hatte.

„Sie streichen ganz wunderbar deinen dämonischen Charakter heraus“, stichelte Ben grinsend zurück, drehte sich in der Umarmung und hauchte dem Älteren einen Kuss auf die Lippen.

“Ich geh die anderen holen“, nuschelte Cole, raubte dem Kleineren noch einen Kuss und machte sich auf den Weg in den ersten Stock. Erzogen wie er zumindest erscheinen wollte, klopfte er erst an die Tür und öffnete sie dann, musste allerdings eine Minute warten, bis er die Aufmerksamkeit der beiden Bewohner hatte, da diese sich gerade gegenseitig die Mandeln untersuchten.

“Das Frühstück ist fertig und wartet nur noch auf euch“, war alles, was Cole sagte, bevor er leicht grinsend wieder nach unten ging. Auf der Terrasse stand noch immer sein Schatz, wo er ihn zurückgelassen hatte und betrachtete das Frühstück. Cole setzte sich einfach auf einen der Stühle, zog ihn auf seinen Schoss und angelte sich eine der Weintrauben aus der Schale. Weil Ben gerade so praktisch saß, begann er den Jüngeren damit zu füttern, der sich das, wenn auch belustigt grinsend, gefallen ließ. Wenig später grinsten auch Kris und Martin als sie auf die Terrasse traten und sich setzten.

Cole genoss es, seinen Freund so nah bei sich zu haben und malte verträumt kleine Kreise auf den Bauch. Sanft drückte er ihm einen Kuss in den Nacken und lächelte selig vor sich hin. Verwirrt blickte er Ben an, als er aufstand und im Haus verschwand.

Ben war auf der Suche nach Saft, als er am Wohnzimmertisch vorbeikam, auf dem das silberne Etui lag, das Cole im Velvet bei sich gehabt hatte. Er erinnerte sich daran, dass Cole gesagt hatte, dass er rauchte, wenn er glücklich war. Ob er…? Cole war entspannt, das konnte Ben nicht leugnen. Sie fühlten sich beide sehr wohl. Aber er war so glücklich, dass er sich nicht bedrängt fühlen würde, wenn Ben ihn mit den Zigaretten dazu brachte, es zu bestätigen? Vielleicht war er zu voreilig.

Zögernd griff der Kubaner nach dem Etui. Es schmiegte sich weich in seine Handfläche. Mit der Saftpackung und seiner Beute kehrte er nach draußen zurück, legte das Etui beiläufig auf den Tisch und goss sich Saft ein.

Nachdem Ben den Saft beiseite gestellt hatte, bemerkte auch sein Freund das glänzende Metall.

„Schön, dass du nichts dagegen hast“, meinte Cole und hauchte dem Kleineren einen Kuss aufs Ohr. Dass er sich daran erinnerte und es ihm nichts ausmachte, bescherte ihm ein ganz warmes Gefühl im Bauch.

„Ich muss nachher mal mit dir reden“, flüsterte Ben.
„Wir räumen auf und dann reden wir“, versicherte Cole ihm, obwohl er fürchtete, dass es kein gutes Gespräch werden würde.

Während Kris und sein Freund das Essen vernichteten, genoss Cole das Rauchwerk und konnte es einfach nicht unterlassen, seinem Geliebten den Nacken zu kraulen. So konnte man wirklich die Schule, die Prüfungen und das damit verbundene Lernen vergessen. Nach einer Ewigkeit, wie es ihm schien, waren die Beiden endlich satt und so gab der Blonde seinem Mitschüler einen sanften Kuss, schob ihn von seinem Schoß und begann alles abzuräumen.

“Na los, haut schon ab ihr Beiden, wir kümmern uns um den Tisch. Schließlich habt ihr ihn ja schon gedeckt und jetzt sind wir dran“, erklärte Martin und nickte bestimmt.
Cole blickte von Martin zu Kris, nickte unmerklich und zog den Jüngeren an seiner Hand hinter sich her ins Haus, hoch in sein Zimmer. Er schloss die Tür hinter sich und blieb an sie gelehnt stehen. Er sah seinem Freund an, dass er nervös war. “Du wolltest reden?“, fragte er sanft nach.

Benaja atmete tief durch, als sie jetzt alleine waren und auf einmal kam ihm die Idee gar nicht mehr so gut vor.
“Ich kann nicht“, brachte er leise hervor.

Der Blonde stieß sich bei den Worten von der Tür in seinem Rücken ab, trat zu seinem Schatz und legte ihm eine Hand auf die Wange.

“Was kannst du nicht? Eine Beziehung mit mir eingehen?“, fragte er behutsam mit einem liebevollen Blick, während er den Schmerz seiner eigenen Worte so gut es ging verdrängte.

Der Kubaner hob den Blick und versank in den blauen Augen des Größeren.
“Nein... oder doch“, brachte er heraus und war genauso verwirrt wie sein Freund. „Das meine ich nicht.“
Der Schwarzhaarige nahm all seinen Mut zusammen
„Ich meine, ich… ich hab seit zehn Jahren keine Eltern, kaum enge Freunde und auch noch nie eine echte Beziehung. Kevin war ja wohl nicht das, was ein Freund sein sollte. Was ist, wenn ich gar nicht lieben kann?“

Er trat ein paar Schritte zurück, sodass die warme Hand von seiner Wange rutschte. Eigentlich wollte er den Blick von Cole auf keinen Fall sehen, doch er brauchte eine Antwort auf seine Frage.

Dieser hatte die Luft angehalten, als sein Gegenüber erst verneinte und dann bejahte. Er trat vorsichtig hinter den Kleineren, schlang die Arme um ihn und ließ sie locker auf seinem Bauch liegen. “Und deswegen hast du jetzt Angst?“
Als der Kellner nickte, schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Langsam hob er eine Hand, legte sie auf Bens Wange und drehte so sein Gesicht zu sich. Unbewusst schmiegte der Kleine sich in die Umarmung.

„Das glaube ich nicht. Wenn du keine echte Zuneigung zu jemandem mehr empfinden würdest, würdest du dich mir gegenüber anders verhalten. Du würdest es nicht mögen, wenn ich dich berühre, du würdest nicht warten, wenn ich dich darum bitte und ganz sicher würdest du mir keine Weintrauben in den Mund stecken. Das sind nur ganz kleine Beispiele. Du würdest mich abweisen, denn du würdest gar nicht merken, dass dir irgendetwas fehlt.
Es ist einfach schwer, sich zu öffnen und jemandem ganz zu vertrauen und ich dränge dich zu nichts“, versicherte Cole dem Kleineren. Er spürte seine Verwirrung, seine Angst, ihn womöglich zu enttäuschen. Dabei war der Fakt, dass sie zusammen waren, schon mehr als Cole je erhofft hatte.

Nach jedem Satz hatte Cole hauchzarte Küsse auf dem Gesicht des Jüngeren verteilt, bis er bei seinen Lippen ankam und sie liebevoll küsste.
Der Logik in der Antwort des Blonden konnte sich auch Ben nicht verschließen. Außerdem hörte es sich so ähnlich an wie das, was Daniel am Telefon zu ihm gesagt hatte. Vielleicht brauchte er wirklich nur Zeit.

Cole platzierte seine Hand wieder auf den Bauch bei seiner Anderen und legte seinen Kopf auf die Schulter des Kleineren.

“Ich liebe dich…“, murmelte er leise, drehte seinen Kopf noch ein Stück und begann den schlanken Hals des Schwarzhaarigen mit sanften Küssen zu verwöhnen.
Benaja schloss bei dem Geständnis seine Augen und genoss es, die Nähe des Anderen zu spürte.

“Ich weiß“, war alles, was er darauf antworten konnte. Er war einfach noch nicht so weit, als dass er diese Worte von Herzen hätte erwidern können. Leise seufzte er auf, als er die flüchtigen Küsse auf seinem Hals registrierte. Leicht beugte er seinen Kopf zur Seite, bot so dem Blonden mehr Platz um seinen Hals zu verwöhnen.

Glücklich begann Cole mit seinen Fingern kleine Kreise auf das weiße Hemd seines Liebsten zu malen. Ben schien wirklich ein bisschen Zeit zu brauchen, das war auch ihm verständlich. Zufrieden bemerkte er das leise Seufzen.

Er genoss die sanften Berührungen der Finger auf seinem Bauch und die Haut begann zu kribbeln, obwohl sie nicht direkt berührt wurde. Kurz hielt Cole in seiner Tätigkeit inne und flüsterte an die weiche Haut:

“Bitte sag mir, wenn ich zu weit gehe… ich möchte dich auf keinen Fall irgendwie verletzen.“ Und das meinte er todernst.
Ben nickte, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass Cole ihm tatsächlich jemals unabsichtlich wehtun könnte.

Fragend ließ er seine Hand unter das Hemd des Jüngeren gleiten und ließ sie erst einmal auf dem Bauch liegen, doch als Ben sich nicht versteifte oder sich von ihm löste, begann er sanft den flachen Bauch zu streicheln und küsste sich an seinem Hals hinauf, um dann vorsichtig an dem Ohrläppchen des rechten Ohres zu knabbern.
Ben seufzte leise. Sanft löste Ben sich von dem Anderen, drehte sich um und schlang seine Arme um den Nacken. Leicht beugte er sich nach vorne und legte seine Lippen auf die des Anderen.

Vorsichtig öffnete Cole seinen Mund und berührte zögerlich die Unterlippe des Kleineren mit seiner Zunge, bat so um Einlass.

Ben zögerte noch einen Augenblick, bevor er schließlich die Lippen öffnete und schüchtern seine Zunge der anderen entgegen schob. Ihre Zungespitzen trafen sich kribbelnd und Ben wurde wärmer. Das war ihr erster richtiger Kuss und so sanft war er noch nie geküsst worden. Bis jetzt hatten sie sich immer nur schüchtern geküsst, keiner von beiden war weiter gegangen. Cole seufzte genießend in den Kuss.

Behutsam strich er mit seiner Zunge über die Zähne des Jüngeren, erkundete tief seinen Mund und umspielte sein Pendant sanft. Cole hätte den Kuss gerne noch länger genossen, doch mussten die beiden auch irgendwann einmal wieder Luft holen. Sanft trennten sich ihre Lippen.

Bedauernd bemerkte Ben, dass der Größere sich von ihm löste, doch auch bei ihm war der Sauerstoff knapp geworden. Er schenkte ihm ein seltenes, ehrliches Lächeln, das selbst seine Augen erreichte. Schüchtern ließ er seine freie Hand den Rücken des Blonden hinab gleiten und wagte sich sogar mit dieser unter das T-Shirt. Er war neugierig, wie sich die Haut seines Freundes unter seinen Fingern anfühlte.

“Du küsst einfach wundervoll“, flüsterte er dem Schwarzhaarigen ins Ohr und knabberte dann an der weichen Haut unterhalb.
Benaja lief ein Schauer über den Rücken. Erneut zog Cole den Jüngeren in einen Kuss, überwand die fremden Lippen mit seiner Zunge und ließ seine Hand von der Wange in den Nacken gleiten, um sacht durch die schwarzen Haare zu fahren. Langsam ließ er die Hand auf dem Rücken des anderen wieder nach vorne wandern und strich sanft über dessen Bauch, so als wolle er sich jeden Muskel einprägen. Vorsichtig ließ Cole seine Hand immer höher gleiten, bis er sie schließlich wieder zu sich zog und anfing, nach und nach die Knöpfe des Hemdes zu öffnen.

Sanft erwiderte Benaja den erneuten Kuss und forderte sein Gegenstück zu einem Duell heraus, in dem es keinen Sieger geben konnte. Mutiger geworden ließ auch er seine Hand nach vorne gleiten, die sich ihren Weg nach Norden bahnte. Zögerlich berührte er mit seinen Fingerspitzen eine er beiden Brustwarzen, doch er zog seine Hand gleich wieder zurück. Er wusste doch nicht, ob Cole es mochte, wenn man ihn dort berührte. Mit Kevin hatte er kaum gute Erfahrungen gemacht, auf die er sich hätte verlassen können und so war er noch unsicherer als vor seinem allerersten Mal.

Er ist so scheu wie ein Rehkitz.
Langsam nahm Cole seine Hand aus den kurzen Haaren, ließ sie unter sein eigenes Shirt gleiten und legte sie auf die von Ben. Stück für Stück schob er so dessen Hand wieder hoch, bis er sie wieder an seiner rechten Brustwarze spürte.

Verwirrt blickte Ben Cole in die Augen, als er plötzlich eine andere Hand auf seiner spürte. Cole mochte also, was er tat? Das war beruhigend.
Cole lächelte ihn aufmunternd an.

„Keine Angst.... Du musst nichts tun, was du nicht willst. Lehn dich einfach zurück…“ Von ihm aus musste er wirklich nichts tun. Der Blonde wusste selbst, wie schwierig es war, wenn man gleich beim ersten Mal um etwas gebeten wurde. Eigentlich erwartete er nicht, dass Ben die Zärtlichkeiten an ihm erwiderte. Er wollte ihm einfach etwas Gutes tun und dieses Keuchen hören. Es war herrlich, die samtige Haut berühren und verwöhnen zu können. Sanft nahm er seine Hand weg und ließ sie über Hals und Nacken des Kleinern wieder in seine Haare wandern. Leise stöhnte er auf, als Ben seine Brustwarze zwischen zwei Fingern rieb.

Ben durchflutete Erleichterung und langsam entspannte er sich wirklich unter den Händen des Größeren. Er hörte auf, ihn mit Kevin zu vergleichen und er hörte auf, über alles nachzudenken. Fühlen, Hören und Sehen war so viel angenehmer. Zärtlich fuhren seine Fingerspitzen über die Erhebung und schließlich rieb er sie neugierig zwischen zwei Fingern, was Cole mit einem überraschten Stöhnen quittierte.

Er war so sehr in seiner Tätigkeit versunken, dass er gar nicht bemerkte, wie der Blauäugige sein Hemd ganz öffnete. Als er das störende Kleidungsstück beseitigt hatte, berührte Cole mit seiner Hand wieder die samtene Haut des Jüngeren und ließ sie langsam nach oben wandern, bis er mit seinen Fingerkuppen einen der Nippel ertastete. Behutsam strich er mit seinem Daumen darüber und registrierte erfreut, wie er hart wurde. Erst da bemerkte der Jüngere, dass Cole ihm das Hemd ausgezogen hatte. Keuchend schmiegte er sich in seine Hände.
Sanft wie eine Feder ließ Cole die Hand, die er noch in den Haaren des Schwarzhaarigen vergraben hatte, über seinen Rücken wandern und kam schließlich auf dem knackigen Po an. Automatisch ließ Ben seine Hand zu der anderen Brustwarze des Blonden gleiten, um sie wie die Erste zu verwöhnen.

Vorsichtig zog Cole ihn näher an sich. Ben erregte ihn, doch er wollte den noch Unerfahrenen nicht bedrängen, indem er ihn zu schnell damit konfrontierte.

Ben stöhnte verhalten, als Cole ein Knie tastend zwischen seine Beine schob und seinen Schritt rieb. Auch an ihm war nichts spurlos vorbeigegangen und der sanfte Druck auf seiner Erregung erregte ihn noch mehr. Seine Lenden prickelten. Ben zog ihn in einen fordernden Kuss, um sein Stöhnen zu ersticken.

Cole ließ ihn nur zu gern gewähren und schob ihn langsam in Richtung Bett, rieb weiter an seinem Schritt und spürte das erregte Zittern des kleineren Körpers. Ben hatte den Ortswechsel noch gar nicht mitbekommen, er war zu sehr damit beschäftigt, sich auf die Lippe zu beißen, weil Cole sich jetzt mit seiner Hüfte an ihm rieb und ihn immer wieder spüren ließ, wie wenig kalt ihn das ließ.

Sachte drückte Cole ihn schließlich aufs Bett, war sofort wieder über ihm und hauchte ihm einen beruhigenden Kuss auf die leicht geschwollenen Lippen. Ben bedachte ihn mit einem lustverhangenen Blick, der ihn noch mehr anspornte. Sanft bearbeitete er dessen Hals mit seinen Zähnen und strich schließlich besänftigen mit der Zunge darüber. Ben öffnete die Beine, ließ Cole sich dazwischenlegen und spürte stöhnend, wie sich ihre Erregungen wieder berührten.

Kevin war nie so sanft gewesen und hatte nicht besonders viel vom Vorspiel gehalten. Bei ihm hatte es immer schnell gehen müssen.

Cole richtete sich auf, wanderte sanft mit den Händen über Bens Oberkörper, neckte die harten Brustwarzen und verschwand schließlich sachte tastend unter dem Bund der weißen Hose, die Ben heute wieder anhatte. Der hatte die Augen zu Schlitzen verengt und atmete schnell. Ein dünner Schweißfilm ließ seine Haut schimmern.

Ben stöhnte erregt, als Cole schließlich Hand an seine Härte legte. Der Blonde lächelte zufrieden und öffnete die störende Hose, zog sie ihm samt Shorts aus.
Ben stöhnte frustriert, als die Finger sich zurückzogen. Cole strich sachte mit den Fingernägeln den Oberschenkel nach oben und der frustrierte Laut klang wieder verdächtig nach Wohlgefallen.

Ben drückte den Rücken durch und drängte sich der viel zu langsamen Hand entgegen, zog scharf die Luft ein, als sie plötzlich seine pulsierende Erregung umschloss und sie zu streicheln begann.

Behände beugte Cole sich über seinen Freund, nahm seine Lippen wieder in Besitz und saugte sanft an der Unterlippe, bis dieser sie schließlich öffnete und ihn mit seiner Zunge willkommen hieß. Aber sie konnten sich kaum noch darauf konzentrieren, zu sehr war Cole in das Spiel vertieft, dem Jüngeren zu zeigen, welche Gefühle er mit seinen Berührungen hervorrufen konnte. Ben legte den Kopf in den Nacken und stöhnte unbeherrscht, als Cole an seiner Brustwarze saugte und sie mit der Zunge reizte.

Cole spürte die mittlerweile schmerzhafte Enge seiner Hose kaum.

“Es ist unfair, dass du noch so viel anhast“, brachte Ben schwer atmend über die Lippen und versank in den sturmblauen Augen.

Der Blonde trank jedes Stöhnen und Seufzen des Kleineren und richtete sich auf Bens Bitte hin auf. Langsam zog er sich das Shirt aus und sah zu, wie Ben es gebannt beobachtete.
Er hätte Stunden dabei zusehen können, wie Cole sich auszog, wenn ihn seine Ungeduld nicht davon abgehalten hatte. Unbewusst leckte er sich über die Lippen.
Cole begnügte sich damit, den Verschluss seiner Hose zu öffnen und kehrte zu Ben zurück, küsste sich zielstrebig seinen Körper nach unten.

Sanft hauchte er einen Kuss auf die Spitze, bevor er seine Zunge die gesamte Länge hinauf gleiten ließ und die Vorhaut dann mit seiner Zungenspitze zurückschob. Langsam ließ er die Härte seines Freundes Stück für Stück in seinen Mund gleiten, während er unablässig dem Kleineren ins Gesicht sah. Erfreut bemerkte er, wie Ben seine Augen schloss und seinen Kopf in den Nacken legte, als er leicht zu saugen begann.

Benaja stützte sich auf seine Unterarme und beobachtete seinen Freund, konnte nicht verhindern, dass Cole ihm immer wieder ein raues Stöhnen entlockte. Seine Arme begannen zu zittern und als sie ihn nicht mehr weiter tragen wollten, gab er schließlich nach und ließ sich wieder in das Kissen zurück sinken.

“Bitte, Cole... ich will dich…“, bat Benaja seinen Geliebten außer Atem.
Bei diesen Worten keuchte Cole überrascht und schob sich an Ben wieder hoch, um ihm ins Gesicht zu sehen.
“Wirklich? Du bist zu nichts verpflichtet.“ Behutsam legte er eine Hand auf die Wange des Schwarzhaarigen und sah ihn zärtlich, aber intensiv an.

Benaja nickte und beobachtete, wie Cole aufstand, sich seiner restlichen Kleidung entledigte und etwas aus einer Schublade im Nachtschränkchen holte. Als er sich wieder neben ihn setzte hielt Ben den Atem an.
Er genoss den Anblick von Coles nacktem Körper, doch er war auch ziemlich nervös.
Cole erwärmte das Gel zwischen den Fingern und strich es ihm um den Anus, während Ben keuchend die Augen schloss. Behutsam wagte Cole einen Vorstoß, weil er sich selbst kaum noch unter Kontrolle hatte und drang mit einem Finger in die heiße Enge ein. Ein Lusttropfen glitt an Bens Erregung herab, während er hitzig aufstöhnte und sich ein wenig verkrampfte. Cole lenkte ihn davon ab, indem er kurz an seinem Glied saugte und spürte, wie die Muskeln wieder nachgaben. Ben wand sich unter ihm, als er ihn behutsam weitete und biss sich auf die geballte Hand, als Cole seine Prostata gefunden hatte.

„Cole, bitte… ich...“ Ben zitterte erregt, doch Cole richtete sich auf und küsste die malträtierte Hand.

„Du tust dir nur weh. Ich will dich hören…“, flüsterte er lasziv. „Lass’ mich deine wunderschöne Stimme hören…“ Cole berührte erneut den magischen Punkt und Ben bäumte sich laut stöhnend auf.

Als Ben schließlich auch noch einen dritten Finger in sich spürte, hielt er es nicht mehr aus und meinte heiser: “Bitte... hör auf... mich zu quälen.“ Langsam öffnete er wieder seine Augen und beobachtete, wie Cole sich auf seine Versen setzte, mit einem Kondom und Gleitgel versorgte und zwischen seinen Beinen in Position ging. Im nächsten Augenblick stöhnte er auf, als dieser vorsichtig in ihn eindrang.
Cole beobachtete das Gesicht seines Freundes, um bei der kleinsten Regung von Schmerz sofort aufzuhören, obwohl es ihm immer schwerer fiel, in Anwesenheit dieses herrlichen Körpers, klar zu denken. Der Blonde warf den Kopf zurück und stöhnte ungezähmt, als der Kubaner seine Beine um seine Hüften schlang und ihn tief in sich zog. Er war versucht, sofort in die verführerisch heiße Enge zu stoßen, doch er ließ es, damit sich der Schwarzhaarige richtig an ihn gewöhnen konnte.

“Mehr...“, flüsterte Ben benebelt. Zu mehr war er nicht fähig. Es war das erste Mal, dass es sich so intensiv für ihn anfühlte.
Cole konnte sich kaum noch zurückhalten. Er wusste nicht, wie oft er davon geträumt hatte und von den Nachwirkungen solcher feuchten Träume aufgewacht war, er wusste nicht mehr, wie oft er sich genau damit aus dem langweiligen Unterricht wegphantasiert hatte. Er kam der Bitte nach ohne nachzudenken, erfüllte sich das, was er so lange hatte tun wollen, doch nach den ersten beiden Stößen wurde ihm bewusst, dass er für den Jüngeren zu ruppig vorging. Er stieß langsamer und vorsichtiger zu, verlegte sich auf einen sanften, nachdrücklichen Rhythmus, bei dem sich ihr Stöhnen im Raum vermischte. Wieder streifte er Bens Lustpunkt. Als Benaja ihm bei jedem Stoß entgegen kam, steigerte er seine Bewegungen, glitt in einen etwas schnelleren Rhythmus und behielt ihn bei. Er war so aufgewühlt und benebelt von dem erregenden Körper unter sich, dass er nicht lange aushalten würde, und Ben erging es kein bisschen anders.

Schließlich richtete der Ältere sich auf, veränderte dadurch den Winkel und stieß jetzt immer gegen diesen Punkt, der den Anderen immer lauter werden ließ. Sanft nahm er die vernachlässigte Erregung seines Freundes in die Hand und massierte sie im Rhythmus seiner Stöße.
Getroffen stöhnte Ben auf, das war eindeutig zu viel für seinen überreizten Körper und er kam in Coles erlösende Hand.
Als dieser sah, wie Bens Bauch bebte, die Flüssigkeit auf seiner Hand spürte und die Muskeln um sein Glied sich zusammenzogen, warf er den Kopf in den Nacken und kam den Namen seinen Liebsten schreiend in ihm. Erschöpft sackte er auf ihm zusammen und tief atmend versuchte er wieder Luft in seine Lungen zu bekommen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass auch Ben, während er gekommen war, seinen Namen gestöhnt hatte.

Ben war recht dankbar für das angenehme Gewicht seines Freundes auf sich, denn sonst hätte er sich gerade verwirrend leicht gefühlt, während er das Nachbeben des Orgasmus genoss. Doch die warme Schwere war beruhigend, besonders als sie so ein schönes: „Danke, du bist wundervoll“, flüsterte. Er fuhr mit den Händen durch die langen blonden Haare.

„Du auch, mi querido.“

Einige Minuten blieben sie liegen, ohne sich zu bewegen, streichelten einander träge.

„Irgendwie… muss ich duschen gehen. Ich fühl’ mich gerade so klebrig.“
„Nein, bist du nicht“, murmelte Cole und vergrub den Kopf in Bens Halsbeuge. „Na ja… vielleicht hast du doch Recht. Aber ich will noch nicht aufstehen. Du bist einfach zu bequem.“

“Glaubst du, die Anderen haben alles gehört?“, fragte er leise und konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Wer wohl rot werden würde, wenn sie auf die beiden Anderen treffen würden?
Langsam stemmte sich Cole hoch und stellte mit Bedauern fest, dass er dadurch ihre Verbindung unterbrach. Sein Magen knurrte und Ben lachte darüber.

„Du machst mich eben hungrig“, rechtfertigte er sich schmollend, während er sich und Ben notdürftig von den Gelresten und dem Kondom mit einem Taschentuch säuberte. Cole beugte sich über das Ohr des Kleineren und flüsterte: „Du hättest dich nie von mir nehmen lassen, wenn du nichts für mich empfinden würdest. Also komm, mein Engel. Ich schlage vor, dass wir getrennt duschen gehen.“ Schnell zog er sich seine Boxershorts an, bevor er eine Etage höher huschte, sich dort im Bad einschloss und das warme Wasser auf seinem Körper genoss.

Benaja lag noch einen Augenblick auf dem Bett, bevor er hinüber in sein Zimmer huschte. Frische Sachen deponierte er auf dem kleinen Tischchen neben der Dusche, bevor er unter das warme Wasser stieg.

Er genoss das warme Wasser auf seiner Haut, das sich fast so gut anfühlte wie Coles Hände und mit einem leichten Lächeln dachte er an das eben Erlebte zurück. Es war so wunderschön. Vor sich hingrinsend seifte er sich ein. Noch immer mit seinen Gedanken wo anders verließ er das Bad und betrat, ohne zu fragen, Coles Zimmer. Dort setzte er sich aufs Bett, um auf den Älteren zu warten.

Mit einem Handtuch um die Hüften kehrte Cole nur wenig später zurück und lächelte, als er Ben auf dem Bett vorfand. Es tat so gut, zu sehen, dass sie nun endlich zusammen waren und dass auch Ben seine Gegenwart mochte. Auf Dauer hätte er es nicht ertragen, wenn dieses Gefühl völlig einseitig gewesen wäre, wie Daniel geäußert hatte.

„Woran denkst du?“, fragte er leise und neugierig.
„An dich“, meinte Benaja einfach. „Und an die Liebe.“
Cole errötete. Nur Ben schien so etwas so ehrlich sagen zu können, ohne dass es sich gleich bescheuert anhörte.

„Du solltest dir mal was anziehen. So eine Aussicht kann einen ja wahnsinnig machen“, neckte Ben und zupfte an dem doch recht lose sitzenden Handtuch.
Cole kicherte, küsste seinen Schatz leidenschaftlich und wandte sich dem Schrank zu. Da er nicht besonders viel Auswahl bereit hielt, hatte er sich schnell entschieden.

Ben war aufgestanden und lehnte im Flur an der Wand. Im Moment war er so glücklich, er hätte die ganze Welt umarmen können. Da es aber technisch nicht machbar war und sowieso dämlich ausgesehen hätte, ließ er es.

Als der Blonde auf den Flur trat und seinen Schatz mit geschlossenen Augen an der Wand gelehnt sah, wurde ihm warm ums Herz. “Danke, dass du auf mich gewartet hast. Ich will jetzt zu gerne wissen, wie die beiden anderen darauf reagieren.“

Unten angekommen ignorierten sie Martin und Kris, die breit grinsend auf der Couch saßen, hingebungsvoll und steuerten die Küche an. Mit Zitrone, Eis und Cola bewaffnet trauten sie sich schließlich doch wieder ins Wohnzimmer. Auch wenn sie auf dem gleichen Sessel landeten, um sich notfalls gegenseitig vor einem Grinsen beschützen zu können.

“So lässt es sich echt leben. Da könnte man die bevorstehenden Prüfungen glatt vergessen“, seufzte Ben leise und genoss das gekühlte Getränk.

Da Cole nicht die ganze Welt vor Freude umarmen konnte, nahm er schließlich mit seinem Freund vorlieb, der sich an ihn lehnte.

“Stimmt ja, die stehen ja auch noch an. Eigentlich hab ich überhaupt keine Lust mehr. Aber J.J. würde mich rösten und vierteilen, wenn ich die Prüfungen vermassle. Zumal man einen guten Abschluss braucht, um bei der Polizei aufgenommen zu werden.“

Auf die Frage seines Freundes hin, ob er wirklich seinen Kindheitstraum verwirklichen wolle, lächelte Cole nur leicht und küsste ihn sanft auf die Haare.

“Sicher. Das ist nach wie vor mein größter Traum. Davon wirst du mich auch nicht abbringen können, mein Schöner. Was willst du denn machen, wenn du mit der Schule fertig bist? Schon eine Idee?“, fragte Cole sanft und naschte weiterhin an seiner Cola.

Benaja ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Eigentlich hatte er nämlich überhaupt keinen Plan, obwohl er ja sonst alles möglichst lange und möglichst genau im Voraus wissen wollte. Nur eins stand fest: er wollte nicht weiterhin zur Schule gehen. Davon hatte er genug.

“Ich weiß es noch nicht“, gestand der Kubaner. “Ich denke mal, dass ich meinen Chef im “70s Up“ fragen werde, ob er mich fest anstellt. Ansonsten werd ich wohl mal beim Berufsberater vorbeigehen müssen.“

Ben hatte im letzten Jahr wahrlich andere Dinge im Kopf gehabt. Er hatte lange gebraucht, um über die Sache mit Kevin hinweg zu kommen und seine Klasse hatte es ihm noch einmal so schwer gemacht. Er hatte nur daran gedacht, möglichst schnell von dieser Klasse weg zu kommen, was nach der Schule laufen sollte, darüber hatte er sich keine Gedanken gemacht.

“Ich warte jetzt erstmal, bis ich meinen Abschluss habe und dann wird sich das alles schon von allein ergeben. Ist auch nicht so wichtig“, erklärte Ben das Thema für beendet und löste sich von seinem Freund. “Ich geh wieder hoch, lernen“, meinte er leise und küsste seinen Freund noch kurz, bevor er sich mit einem Nicken von den Beiden anderen verabschiedete und das Wohnzimmer verließ.

Cole hatte das Gefühl, dass sein Freund vor ihm und dem unbeliebten Thema flüchtete und auch Kris und Martin zogen synchron überrascht die Augenbrauen nach oben.
Ben schien zu glauben, dass seine eigenen Probleme überhaupt nicht von Interesse für die Anderen waren, dabei hatte er doch gefragt, weil es ihn wirklich interessierte. Aber unter seiner geduldigen Fuchtel würde er das schon noch lernen. Martin und sein blonder Freund hatten leise angefangen zu tuscheln und unwillig, weil man ihn ausschloss, hängte Cole sich ins Gespräch. Aber eigentlich konnte er nicht so viel beitragen, denn es war noch zu früh, um genug von Ben zu wissen, so dass er entscheidende Auskünfte hätte geben können.

Kris bemerkte gerade, dass in seiner Bar, dem Inners, oft so viel los war, dass er mit seinem bestehenden Personal einfach nicht mehr auskam. Eine feste Aushilfe wäre eine sehr praktische Lösung gewesen, die er als Besitzer des Bar auch problemlos bezahlen konnte. Voller Tatendrang, weil sich das Helfer-Gen mal wieder durchschlug, rief er seine rechte Hand in der Bar an, nachdem der doofe Roy weder an sein Telefon noch ans Handy gegangen war. Aber warum hätte er auch gleich in der Bar anrufen sollen? Es war schwer, sich daran zu erinnern, dass die Zeit außerhalb der Luxusvilla nicht stehen geblieben war und dass heute Samstag und damit Hochbetrieb und nicht für alle Urlaubstag war.
Roy begrüßte ihn mit einem endlosen Redeschwall, der nicht nur sämtliche, mehr oder weniger anwendbaren Entschuldigungen, sondern auch eine genaue Zustandsbeschreibung der Bar und hundert Versicherungen, dass alles in Ordnung war, enthielt.

Kris brachte er damit zum Grinsen, weil er noch nicht ein einziges Wort, mal vom Hallo abgesehen, gesagt hatte.

“Deswegen hab ich doch gar nicht angerufen. Nun krieg dich mal wieder ein! Ich hab einen geeigneten Kandidaten als Aushilfe gefunden, nur das Problem ist, dass er noch keine 18 ist.“

Das Problem waren die Jugendschutzbestimmungen des Arbeitsrechts, wonach man unter 18 weder kellnern noch abends arbeiten durfte. Das darauf folgende Gespräch war ein neuer Monolog, denn Roy fing an zu diskutieren, worauf Kris nur immer ’ja’ und ab und an ein ’nein’ fallen ließ.

Der blickte zur Seite und verdrehte demonstrativ die Augen, was Martin zum Schmunzeln brachte.

“Roy... können wir es nicht einfach so machen, dass wir es morgen Abend mal versuchen? Und wenn es nicht funktioniert, dann lass ich den Gedanken gleich wieder fallen.“ Kris nickte auf die Antwort, die er bekam und meinte gleich im nächsten Augenblick: ’ja doch’, weil der Schwarzhaarige es ja nicht sehen konnte.

“Na dann, sehen wir uns morgen Abend. Bis dann.“ Damit schaltete Kris sein Handy aus und setzte sich wieder neben Martin, weil er im Gespräch aufgestanden und durch das ganze Wohnzimmer getigert war.

Cole warf ihm einen dankbaren Blick zu, obwohl er es ihm eigentlich nicht verzieh, dass er Ben so hinterher gestiert hatte. Aber wenn er ihm helfen konnte, dass er aus dieser hässlichen Ausbeuterkneipe herauskam, wo man genauso minderjährige Kellner beschäftigte, obwohl es verboten war…

Jetzt musste er sich wenigstens nicht mehr so hilflos fühlen wie damals, als er die Narben an den Handgelenken seines Freundes gesehen hatte. Dabei lag das gerade mal zwei Tage zurück und er dachte von damals. Lächerlich.

Schließlich stand auch Cole auf, um sich zum Lernen zurückzuziehen, obwohl er sowieso mit den Gedanken bloß bei Ben hing. So ging er auf den Balkon und schaute durch das Balkonfenster zu Ben ins Zimmer.

Der krabbelte gerade unter der Bettdecke vor, wo er sich vor der ganzen Welt versteckt hatte und der Gedanke an Cole - der ihm das Leben insgesamt vielleicht etwas erträglicher machen und die bizarre Beziehung zu Kevin vergessen lassen konnte - wieder hervorgelockt hatte.

Synchron mit seinem Schatz schlug Cole ein Lehrbuch auf.


Kapitel 11
WG Küche (30.04. Sonntag, 10:55 Uhr)

Ben streckte sich und ließ seinen Blick lächelnd über die anderen Anwesenden gleiten. Er kam sich hier schon vor wie in einer Großfamilie. Cole alberte mit den Älteren herum und machte zusammen mit ihnen nebenher den Abwasch. Sie hatten mal wieder groß gefrühstückt und nun waren sie dabei, die Küche aufzuräumen, bevor sie zum Mittag erneut verwüstet wurde. Man hatte doch gestern beschlossen zum Mittag zu grillen und da brauchten sie schon eine saubere Küche, wenn Ben Milwaukeebrot machen sollte.

Der Kubaner sortierte das abgetrocknete Besteck zurück in die entsprechende Schublade. Das musste wirklich ein Verrückter sein, der sie kostenlos in seinem Haus wohnen ließ und trotzdem jeden Morgen noch Brötchen hinterließ. Heute Morgen hatten sie sogar einen Umschlag mit Geld gefunden und das nicht zu knapp.
Die Haustür fiel ins Schloss. Das mussten Daniel und Steve sein, Cole hatte ihm seinen Hausschlüssel gegeben, weil sie sowieso ständig hier waren und damit sie Ben nicht immer aus der Dusche scheuchten. Obwohl es ja so ein leckerer Anblick war. Da Ben sich allmählich besser mit Coles Freunden verstand, ging er ihnen entgegen, das Wischtuch und ein Glas noch immer in der Hand.

Bens Bewegung brach mitten drin ab. Das Glas glitt ihm aus den zitternden Händen und zerschellte auf den Fliesen. Die Worte: „Hallo Kleiner“, hallten endlos in seinem Kopf.

Cole warf alarmiert den Lappen in das trübe Abwaschwasser und folgte Ben in den Flur, gerade rechtzeitig, um ihn aufzufangen. Ben war zitternd zusammengebrochen, die Augen fest zusammengekniffen und die Hände vors Gesicht gepresst. Doch als er den Kleineren vorsichtig an sich ziehen wollte, zuckte dieser zurück. Es versetzte Cole einen heftigen Stich, plötzlich wieder von seinem Freund abgewiesen zu werden und das, nachdem sie sich inzwischen so nahe gekommen waren. Zwischen den Händen kamen leise gemurmelte Worte hervor. Cole konnte ihn kaum verstehen, aber einige klangen nach dem Namen seines Exfreundes, den aber, außer dem Dunkelhaarigen, niemand hier gesehen hatte.

Behutsam versuchte Cole also, ihn davon zu überzeugen, dass er sich getäuscht hatte. Es war schließlich ziemlich unwahrscheinlich, dass der nach so langer Zeit ausgerechnet bei dieser unbekannten Adresse auftauchte. Doch war er sich dessen nicht so sicher. Einstweilen schien es jedenfalls zu helfen, denn das Bündel in seinen Armen zitterte immer weniger.

„Ich bringe dich nach oben“, meinte er beruhigend.

Martin hielt ihn sachte am Arm fest.
„Wäre es nicht besser, du würdest dich hinsetzen und dich erstmal beruhigen? Du zitterst richtig. Am Ende fallt ihr beide die Treppe runter…“

Cole war das gar nicht aufgefallen, doch dann nickte er zustimmend. Wenn der Vorschlag von Martin kam, konnte sich Kris auch nicht an seinen Ben ranmachen wollen, indem er mal wieder den Retter spielte.
Als ihm seine Knie kurz vor dem Sessel beinahe einknickten, musste er zugeben, dass der Einwand berechtigt gewesen war.

„Du hast die Haustür doch aber auch gehört?“, versicherte er sich schließlich, als Ben außer Hörweite war. Martin nickte mit ahnungsschwerem Gesichtsausdruck.

„Ben liegt im Bett und fragt nach dir, Cole“, vermeldete Kris, der eben zurückkam, weil er es übernommen hatte, den völlig verstörten Ben ins Bett zu bringen. „Ich hab die Haustür übrigens auch gehört“, bestätigte er, weil er sich sicher war, dass Cole auch bei ihm nachhaken würde. Der war schon auf dem Weg zu seinem Liebsten.

Verwirrt und ziemlich verdattert von dem Geschehen, das sie beobachtet hatten, klopften Daniel und Steve nun endlich an die Terrassentür. Sie hatten den Schlüssel in der chaotischen Hektik natürlich zu Hause liegen lassen.
Das Grillen fiel aus, weil es zu regnen begonnen hatte.

Cole verbrachte den ganzen Tag mit Ben im Bett, Hunger hatte er sowieso keinen und er wollte Ben, der sich an ihm festgekrallt hatte, nicht alleine lassen.
Obwohl der schon vor Stunden erschöpft eingeschlafen war, strich er ihm immer noch beruhigend durch die Haare. Der Blonde starrte dumpf vor sich, sich den Kopf zu zermartern hatte er vor Stunden aufgegeben.

Der Regen rauschte noch immer monoton, als Ben erwachte, Cole beobachtete es mit Freuden, denn der Dunkelhaarige sah nicht mehr so bleich und abgespannt aus wie vorhin. Zärtlich küsste er seinen Schützling und bemerkte glücklich, dass Ben ihn erwiderte.

„Hast du Lust, wegzugehen?“, fragte er ihn flüsternd. „Kris wollte uns alle in eine Bar einladen… eine, wo auch viele Homosexuelle hinkommen, allerdings… Daniel und Steve wollten auch mitkommen.“
Ben rieb sich das verschlafene Gesicht, nickte dann und huschte, von Cole angetrieben, unter die Dusche.

Wenig später hielten sie ihr Frisörritual ab, Ben sah es gar nicht ein, sich Coles Technik erklären zu lassen, wenn es doch so viel angenehmer war, sich von ihm auf dem Kopf herumwühlen zu lassen.
Völlig miteinander beschäftigt warteten sie darauf, dass Kris mit dem roten Cabrio vorfuhr. Aber da die beiden nicht weniger verliebt waren, warteten sie eine ganze Weile.

Staunend hielt Ben sich wenig später an Coles herrlich warmer Hand fest. Sie standen vor der mysteriösen gelben Tür in der Nähe seiner Wohnung. Immer hatte er sich gescheut, sich mal auf die andere Seite zu trauen, so dass er jetzt das Gefühl hatte, ein anderes Leben oder eine andere Welt zu betreten.



An den Wänden verteilt befanden sich bequem aussehende Sessel, die ab und an zu zweit standen. In der Mitte tummelten sich eine Menge runde Tische, um die drei und auch vier Stühle gruppiert standen. Sie waren alle bunt zusammen gewürfelt, was gleich eine Menge Charme verbreitete und wohl auch die Menschen anzulocken schien. Zusammen mit den in sanften Rottönen gestrichenen Wänden, den alten Messinglampen und dem zuhörenden Barkeeper – was sich ziemlich schnell rumgesprochen hatte – waren das die Hauptgründe, warum die Männer ins Inners pilgerten.

So auch an diesem Sonntag, denn die Sessel, genauso wie alle Tische, waren belegt und trotzdem lauerte eine ganze Meute von Männern jeder Altersschicht auf dem freien Platz vor der Bar. Überall waren weiß gekleidete Matrosen zu sehen, Männer in schicken Anzügen – die sie wohl kaum trugen weil sie von der Arbeit kamen – und jede menge Menschen in legerer Kleidung. Ben griff fester nach Coles Hand und zog ihn schließlich hinter sich her zur Bar.

“Sag mal, Kris, ist hier immer so viel los?“, wollte Benaja wissen und blieb unschlüssig vor der Bar stehen.

Allerdings wurde er gar nicht beachtet, den der Mann, der schon hinter der Bar stand, bekundete nur wie froh er sei, dass Kris endlich da sei und dass sie gleich reden könnten, wenn Roy die Getränke zu Tisch zehn gebracht hätte.

Ben, der gesehen hatte, dass in die Tischplatten Zahlen geritzt waren – wohl zur besseren übersicht wegen dem Bedienen und den Rechnungen - war so frei und verschwand mit dem voll beladenen Tablett in der Menge. Es schien ja wichtig zu sei, was Kris mit dem anderen zu bereden hatte. Außerdem hatte er darin Übung und so konnte er nicht viel falsch machen. Ben stellte die neuen Getränke vor die Männer auf den Tisch, nahm sich dann die leeren Gläser und drehte sich um, war schon im Begriff wieder zur Bar zurück zu kehren, als er eine Hand auf seinem Po spürte. Wer sich so etwas im “70s Up“ getraut hatte, war zum letzen Mal dort gewesen, denn die Security war da sehr hart.

Sofort wirbelte der 17-Jährige herum und funkelte den Übeltäter aus dunklen Augen an.

“Der Arsch gehört schon jemandem. Wenn du das noch einmal machen solltest, findest du dich im Krankenhaus wieder. Haben wir uns verstanden?“, zischte Benaja gefährlich und als der Angesprochene zitternd nickte, machte sich Ben endlich auf den Weg zurück. Er konnte durchaus furchteinflößend sein, wenn er wollte. Immerhin hatte er irgendwie im Waisenhaus überleben müssen und das hatte er sicherlich nicht durch beten und dem Glauben an das Gute geschafft.

Unterwegs notierte er sich gedanklich, dass der Herr, der ihm eben aus einem der Sessel entgegengenickt hatte, noch einmal das selbe wollte und dann war er auch schon wieder an der Bar. Er stellte das Tablett auf den Tresen, suchte sich den richtigen Zettel aus allen heraus und fügte einen Strich hinzu, bevor er zum Barkeeper meinte: “Der Herr aus Sessel sieben möchte noch einen Scotch on the Rocks.“

Cole hatte nur kurz ein Auge auf die Einrichtung in der Bar geworfen und hatte sich lächelnd von seinem Freund ziehen lassen. Als Ben sich gleich in die Arbeit stürzte, konnte der Amerikaner nur schmunzeln. Typisch mein Schöner. Stürzt sich immer gleich in die Arbeit. Bei Roys sprachlosem Gesicht musste Cole leicht lachen.

“So ist unser Ben eben. Er kann nichts stehen lassen. Nicht war, Kris?“, fragend blickte er zu dem anderen Blonden und ließ sich auf einen freien Hocker nieder.

Allerdings drehte er sich gleich wieder und stützte sich mit seinen Unterarmen auf der Theke ab, während er seinen Blick durch den Raum gleiten ließ. Es war wirklich gut besucht und auf den ersten Blick schienen alle nett zu sein. Hier machte es sicherlich Spaß zu arbeiten. Jetzt musste nur noch Roy seinen Segen geben und die Sache wäre perfekt.

Erstaunt hob er eine Augenbraue, als sein Freund wieder kam und Cole deutlich sehen konnte, dass er auf jemanden Sauer war. Allerdings schien das nicht im Mindesten wichtig zu sein, denn Ben trat neben ihn und orderte einen neuen Drink. Sanft legte Cole eine Hand auf die knackige Kehrseite seines Freundes und fragte: “Alles Okay, mein Schöner? Du siehst sauer aus.“ Das Lächeln, das Ben ihm schenkte, als er sich umdrehte, ließ es im Bauch des Amerikaners kribbeln. Die Antwort, dass er jemandem hatte sagen müssen, was passieren würde, wenn er ihn noch einmal antatschen würde, ließ Cole leise knurren.

Cole war schon im Begriff aufzustehen und dem Kerl ganz gepflegt eine reinzuhauen, als Ben plötzlich vor ihn trat und sein Gesicht mit den Händen umfing.
“Ich bin das schon vom “70s Up“ gewöhnt. Da kam das zwar nicht so oft vor – denn sie wurden immer gleich rausgeschmissen - aber ich weiß mich zu wehren. Fang bitte keine Schlägerei an, denn sonst müsste dich Kris rausschmeißen und das will ich nicht.“
Nachdem Cole, ohne nachzudenken, auf die Bitte Bens hin genickt hatte, erwiderte er sanft den Kuss.

“Na los, geh schon wieder arbeiten, damit du Roy beeindrucken kannst.“ Sanft klapste er seinem Freund noch auf den Po und entließ ihn dann aus seinen Armen, die er unbewusst um ihn geschlossen hatte. Er durfte das. Seinen Freund antatschen. Zufrieden grinste er breit vor sich hin, musste sich neckend von Martin anhören, dass er wie ein Idiot aussah.

Ben lächelte leicht bei dem Gefühl das ihn durchströmte, als sein Freund sich Sorgen um ihn macht. Es war einfach unbeschreiblich. Doch dann drangen die Worte bis in sein Hirn vor und mit fragenden Augen blickte der Kubaner von seinem Freund zu den beiden hinter der Theke und sein Blick sagte deutlich aus, dass er eine Antwort wollte.
Die bekam er auch von Kris: nämlich das sie sich alle Sorgen um ihn machten und das sie ihn nicht länger im “70s Up“ sehen wollten, weil das ja eine Ausbeuterkneipe sei. Außerdem würden sie hier im Inners Hilfe brauchen und Kris hätte vorgeschlagen, Ben zu nehmen. Und das jetzt eben noch Roy überzeugt werden müsse, weil der hier auch Kellner war.

Benaja wiegte seinen Kopf hin und her, ließ sich das ganze durch den Kopf gehen. Kris war nett und auch Roy machte einen freundlichen Eindruck. Zudem war es gar nicht weit weg von seiner Wohnung und vielleicht stimmte der Lohn ja auch.
Aber was machte er sich schon über den Lohn Gedanken, wenn noch nicht einmal feststand, das der 17-Jährige hier anfangen konnte.
Deswegen nahm er das kleine Tablett an sich, auf dem der Scotch stand, danke noch schnell Roy und machte sich mit seiner Fracht wieder auf den Weg.
Es wäre doch gelacht, wenn er hier nicht Eindruck schinden konnte.

Leicht lächelnd wünschte er dem älteren Herren ein Prost, als er das Glas auf den kleinen Tisch neben dem Sessel abstellte und nahm dankend das leere Glas entgegen, das ihm gereicht wurde. Ben blickte sich, soweit es ging, um, doch keiner schien noch einen Wunsch zu haben und so ging er zurück zur Bar. Diesmal trat er hinter sie und stellte sich brav bei dem anderen Barkeeper vor. So wie sich das gehörte. Der zeigte ihm nur schnell wo er etwas fand und machte sich wieder an die Bloody Mary, die sich ein Gast eben bestellt hatte.

Ben blickte seinen Freund an und fragte schließlich: “Was willst du?“ Er konnte gar nicht so schnell kucken, wie Cole aufstand, nach seinem Hemd griff und ihn über die Bar zog, ihn verlangend küsste. Natürlich wurde die Aktion von jeder Menge Pfiffe und anzüglichen Bemerkungen begleitet. Man merkte eben sofort, dass nur Männer hier her kamen.

“Dich“, flüsterte Cole gegen seine Lippen und grinste breit.
“Ähm... die Frage bezog sich eigentlich auf den Drink, mi querido. Alles andere können wir zuhause besprechen.“ Er hauchte noch kurz einen Kuss auf die weichen Lippen vor sich und befreite sich wieder von Cole, zog sein Hemd zu Recht.

“Also, noch mal. Was willst du trinken?“ Ben war ja keiner, der nicht aus solchen Situationen etwas lernte. Obwohl er eigentlich nichts dagegen hatte, noch einmal so über die Theke gezogen zu werden. Aber am Ende glaubten die Gäste noch, dass sie das auch durften und das war nun wirklich nicht der Fall. Das durfte nur sein Freund und es war besser, wenn sie aufhörten, sonst gab es doch noch eine Prügelei.

“Ich bekomm einen Kiba, mein Schöner.“

Auf Kris’ Kommentar, von wegen, dass es schön sein müsse, frisch verliebt zu sein, wandte sich Ben an den Barkeeper und erwiderte frech: “Du und Martin seid auch nicht besser und ihr seid schon länger zusammen.“ Damit wandte sich Ben ab und begann den Kiba für Cole zu machen. Ab und an hatte er Erik, wenn es nicht allzu voll im “70s Up“ gewesen war, über die Schulter geschaut und so hatte er sich gemerkt, wie man den einen oder anderen Drink mixte. Zufrieden mit seinem Werk stellte er das Glas vor den 19-Jährigen auf die Theke.

“Das sieht aber lecker aus. Bekomm ich auch einen, Benni?“, fragte in dem Augenblick eine bekannte Stimme und Ben musste gar nicht aufblicken, um zu wissen, wer es war. Es gab nur einen Menschen, der ihn so nannte.

“Was machst du denn hier, Erik?“ Wobei, er konnte es sich schon denken. Hier waren die Getränke sicherlich um einiges billiger.

Ben nickte nur und wollte sich gerade ein Glas nehmen, als zwei Männer an die Bar traten und vier Weizen bestellten. Ben blickte erst zu Roy der gerade beschäftigt war, dann entschuldigend zu Erik und schnappte sich vier der Plastikbiergläser. War wohl sichere, falls es doch mal zu einer Kneipenschlägerei kam. Erstens, weil nicht zerbrechlich und damit musste man keine ernsten Wunden befürchten. Zweitens, weil man sie nicht jedes Mal ersetzten musste und das Geld sparte.

Er legte sie so hin, dass die Öffnung über den Rand kuckte und holte sich vier Flaschen aus dem Kasten. Er öffnete sie schnell, führte die Öffnungen in die Gläser und richtete sie langsam auf, ließ das Bier in die Gläser laufen. Während dem Füllen fragte er einen der beiden Männer: “Wollt ihr gleich bezahlen oder soll ich es aufschreiben?“ Auf die Antwort nickte Ben nur und während der Schaum noch auf das Bier floss, rechnete er, denn eine Preisliste lag gleich in der Nähe, eingeschweißt damit sie auch Feuchtigkeit überstand.

“So, das macht dann 7 Dollar 50“, meinte Ben und stellte die Gläser vor die beiden Männer auf die Theke.

Noch immer schmeckte Cole dem Kuss nach, während er dabei zu sah, wie Ben seinen Drink machte. Er hatte sich das einfach nicht verkneifen können und was konnte er dafür, wenn Benaja sich nicht genau ausdrückte? Eben nichts.

Probierend zog er schließlich an dem Strohhalm, als er seinen Kiba vor sich hatte und nickte. Schmeckte wirklich so lecker wie er aussah. Sein Süßer hatte Talent. Als er die Stimme neben sich hörte, blickte er sich neugierig um und atmete erleichtert auf. Der Mann, der Ben zu kennen schien, war schätzungsweise etwas um die 30 und schien verheiratet zu sein, wie der Ring an seinem Finger erzählte. Also keine Gefahr.

Staunend beobachtete Cole, wie sein Freund zur selben Zeit vier Biere in Gläser umfüllte. Besser hätte er es vermutlich nicht gekonnt. Benaja würde hier bestens hineinpassen. Das musste jetzt auch nur noch Roy sehen und solange dauerte es ja auch nicht mehr, bis Ben 18 wurde. Die Jungs neben ihm schienen genauso baff zu sein, denn der Größere musste sich tatsächlich räuspern, bis er ein: ’Wow’, herausbekam. Der andere legte mit den Worten: ’Stimmt so’, neun Dollar auf den Tresen und verschwand dann mit seinem Freund und den vier Bieren. Jetzt konnte sich Benaja endlich an den zweiten Kiba machen.

Cole ließ seinen Blick von Ben zu Roy und Kris gleiten, die beide ziemlich ungläubig dastanden und Ben anstarrten, den das gar nicht zu stören schien. Wenn das mal kein gutes Zeichen war, dann wusste er auch nicht weiter. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund glitt sein Blick plötzlich auf die Wand hinter den beiden und was er sah, ließ ihn stutzen.

“Sag mal, Kris, was soll denn die Galerie da hinter euch bedeuten?“ Als Kris zusammen zuckte, musste Cole sein Lächeln verbergen. Der war mit seinen Gedanken wirklich wo anders gewesen.

“Äh... das sind Bilder von den Pärchen, die wir erfolgreich zusammengebracht haben. Weißt du Cole, wir schenken nicht nur zu trinken aus, wir hören uns auch die Probleme unserer Kunden an, wenn sie reden wollen. Also so was wie Seelenklempner.“
Cole nickte nur und wandte sich wieder seinem Drink zu.

Langsam begann Cole sich zu fragen, wo denn Daniel und Steve blieben. Sie müssten eigentlich schon längst da sein. So lange konnten die beiden ja nicht brauchen, um sich fertig zu machen und her zu kommen. Schließlich waren sie schon früh nach hause gegangen. Er hatte kaum den Gedanken beendet, als er eine Hand auf seinem Rücken spürte.

“Hi Cole, seid ihr schon lange da?“
Cole wandte sich um und grinste Daniel an. “Ne, noch nicht wirklich. Ihr habt aber lange gebraucht.“ Sein bester Freund wollte gerade zu einer Antwort ansetzten, als plötzlich Stimmen laut wurden. Cole drehte sich ganz um und wurde Zeuge, wie eine Schlägerei unter den Gästen ausbrach.

Ben war schon mit den nächsten Drinks beschäftigt und nahm nichts mehr um sich herum war. Das war immer so, wenn er etwas tat, was ihm Spaß machte. Verwirrt blickte er auf, als Roy und Kris, die sich in die hinterste Ecke der Bar zum reden zurückgezogen hatten, an ihm vorbeistürmten. Erst jetzt hörte er die Rufe und die Anfeuerungsrufe der Männer, die sich gleich darauf auch noch in die Schlägerei einmischten, von der im Augenblick nicht ersichtlich war, wie sie begonnen hatte. Oder aus welchem Grund.

Seine hoffentlich zukünftigen Kollegen verschwanden sang und klanglos in der Masse. So würde das nie was werden. Ben blickte sich hilflos um, denn er wäre den Beiden keine Hilfe. Security schien Kris keine zu haben. Dann stand dass wohl ganz zu oberst auf der Prioritätenliste.

Als seine Augen an etwas hängen blieben, weiteten sie sich und er schüttelte seinen Kopf. Nein. Er hatte das einmal gemacht und sich geschworen, das nie wieder zu tun. Erneut wanderte sein Blick zu dem Knäuel aus Menschen und für einen Augenblick konnte er Roy ausmachen, der nach der Polizei verlangte, bevor er wieder verschwand. Benaja schloss seine Augen und atmete tief durch, bevor er hinter der Bar hervortrat und sich einen sicheren Weg durch das ganze Durcheinander suchte. Das würde aber definitiv das letzte Mal sein.

Immerhin war es damals aus Zugzwang gewesen, weil alle in der Karaokebar gesungen hatten. Auch wenn alle meinten, er hätte ein wundervolle Singstimme.

Benaja studierte die Liste und drückte den entsprechenden Knopf, griff mit zitternden Fingern nach dem Mikrophon und kletterte dann über einen Hocker auf die Bar. Als Ben die ersten Worte sang, wurde es nach und nach ruhig in der Bar und sogar die, die sich geprügelt hatten, hielten inne. Ben schlängelte sich vorsichtig an den Gläsern vorbei, die noch immer auf der Bar standen – wusste nicht mal, dass er damit einer schleichenden Katze glich - und als er am anderen Ende angekommen war, stieg er über einen Hocker wieder hinunter. Singend hielt er auf die Mitte der Bar zu, wie von selbst teilten sich die Streitenden, machten ihm Platz.

Ein leichtes Lächeln schlich sich auf Benajas Lippen und er kletterte erneut auf einen der Tisch. Im letzten Moment brachten die Männer, die an diesem saßen, ihre Gläser in Sicherheit. Ben bewegte seinen Körper zum Takt der Musik, ging dann in die Knie und richtete sich langsam wieder auf. Als die letzten Noten verklangen, stützte der Kubaner sich auf der Schulter einer der dort sitzenden Männer und sprang vom Tisch. Danach legte er das Mikrofon wieder auf die Musikbox und trat wieder hinter die Theke, so als sei nichts gewesen. Definitiv das letzte Mal. Auch wenn er den Song mochte

Kris hatte in dem Gewühl eine Menge einstecken müssen. Da würde sich Martin sicher darüber freuen. Überrascht lauschte er, als er die ersten Töne aus den Lautsprechern hörte. Und das, obwohl der Geräuschpegel der Männer um sie herum ziemlich laut war. Seine Kinnlade klappte herunter, als er die ersten Worte hörte. War das Ben? Selbstverständlich wich er mit den anderen, die wie versteinert dastanden, zurück und beobachtete den Kubaner. Noch nie hatte er den Text von “The right kind of Wrong“ so sexy und mich solch einem Akzent gehört.

Das er so gut singen konnte, hatte er ihm gar nicht zugetraut. Aber andererseits, was wusste er über den Jüngeren denn schon groß? Kris blickte sich neugierig um, doch alle Anwesenden schienen den Streit und die Prügelei vollkommen vergessen zu haben. Zu gebannt waren sie von dem Schüler.

Als der 17-Jährige wieder hinter der Theke stand, als wäre nie etwas passiert, war der blonde Barkeeper der erste, der Applaudierte. Nach und nach folgten alle anderen Gäste und so war der Raum kurz darauf erfüllt von Pfiffen, Rufen und Klatschen. Na, wenn Roy sich jetzt nicht überzeugen lassen würde, dann wusste er auch nicht weiter. Besser hätte er die Unruhe auch nicht schlichten können. Und immerhin gehörte ihm schon seid fünf Jahren das ’Inners’ und bisher war er jeden Abend hier gewesen.

“So Leute, nun stellt alle mal eure Lauscher auf Empfang“, begann Kris, als das Klatschen verstummt war. “Wer jetzt noch meint den Gesichtschirurgen von NY Arbeit bringen zu müssen, der kann sich draußen weiter Prügeln. Wenn das hier drinnen noch einmal vorkommen sollte, rufe ich die Polizei. Das hier ist eine Bar zum trinken, flirten und gegebenenfalls zum reden mit einem der Barkeeper oder mit mir, dem Besitzer. Alles andere findet draußen statt. Haben wir uns da unmissverständlich verstanden?“ Als schließlich alle ihr Okay gaben, ging Kris selbst wieder hinter die Theke. Er klopfte dem Jüngeren auf die Schulter und murmelte ein: ’gut gemacht’.

Ben wurde rot, als er en Applaus hörte. Vielleicht konnte er durch seine steigende Temperatur ein Loch in den Boden brennen und sich dort verstecken, denn noch immer blickte jeder zu ihm. Aber das würde ihn trotzdem nicht umstimmen können. Nie wieder Karaoke!

Der Kubaner schenkte sich erst einmal eine Cola ein und nahm einen tiefen Schluck, bevor er es auf die Seite stellte. Er lächelte leicht, als er die Anerkennung in Kris Stimme hörte.

“Heißt das jetzt, ich hab den Job?“, fragte er breit grinsend. Das hatte er sich einfach nicht verkneifen können.

“Klar. Sechs Tage die Woche“, übernahm es Roy zu antworten und klopfte auch gleich mal noch auf Benajas Schulter. „Montags ist für dich Ruhetag, dafür hab ich am Mittwoch frei. Der Chef ist jeden Tag da. Er kann sein Baby gar nicht alleine lassen.“

Benaja konnte es nicht lassen und trat um die Theke, fiel seinem Freund um den Hals.

“Roy hat ja gesagt“, erklärte er strahlend und küsste seinen Freund. Das ihnen an die fünfzig Mann schon wieder dabei zusahen und wohl schon wetten abschlossen, wie der Abend für die Beiden endete, war ihm herzlich egal. Es war ja bloß ein Kuss und die Leute hier das gewohnt. Als er die Arme um sich spürte, seufzte er genießend auf.

“Wir feiern das nachher... nur wir zwei“, versprach der Kubaner und seine Augen machten unmissverständlich klar, wie er sich das vorstellte.

Als er jedoch mit bekannter Stimme die Worte: ’Gut gemacht, Kleiner’, hörte, versteifte er sich augenblicklich.
Tonlos formten seine Lippen ein: ’Kevin’, bevor er sich ängstlich umdrehte. Da stand er also wirklich: sein Ex und lächelte. “Was willst du?“, krächzte er und klammerte sich halt suchend an seinen Freund. Das durfte doch einfach nicht war sein.

Da ließ dieses Arsch ein Jahr lang nichts von sich hören, rief weder an noch besuchte ihn im Krankenhaus und dann war der einfach wieder so da. Grinste dämlich und machte auch noch einen Schritt auf ihn zu, streckte dabei die Hand nach ihm aus. So hatten sie aber nicht gewettet. Der Ältere hatte ihn damals fast umgebracht, ihn links liegen gelassen und nun schien er sich einzubilden, mit offenen Armen empfangen zu werden.

Cole freute sich für seinen Geliebten, dass er die Stelle doch bekommen hatte, obwohl er noch keine 18 war. Aber bei dem Talent und der Leidenschaft, die der Schwarzhaarige mit brachte, wäre es auch nicht fair gewesen, wenn er ihn nicht bekommen hätte. Sein Freund hatte eine Arbeit, der Lohn würde sicherlich auch stimmen und der Arbeitsplatz lag grade in der Nähe seiner Wohnung. Cole nahm sich jetzt schon vor, während seiner Ausbildung und danach als Polizist, nach Dienstschluss hier vorbei zu schauen. Außerdem würde Kris schon pflichtbewusst darauf achten, das Benaja nicht zu viel zugemutet wurde.

Sanft erwiderte er den plötzlichen Überfall auf seine Lippen und schlang seine Arme um den warmen Körper vor sich. Das kann Ben ruhig öfters machen, ging es ihm durch den Kopf. Bei den Worten des Jüngeren, schlich sich ein wissendes Lächeln auf sein Gesicht und auch seine Augen zeigten, dass er damit mehr als nur einverstanden war. Das würde eine kurze Nacht werden. Aber das störte keinen der Beiden, denn sie hatten ja eine ganze Woche Ferien. Da konnte man auch an einem Sonntag mal die Nacht zum Tage machen.

Besorgt jedoch registrierte er, dass der Körper in seinen Armen sich verspannte, als er einen Fremden reden hörte. Dieselbe Reaktion hatte er schon gezeigt, als Kevin auf dem Handy angerufen hatte und als der wohl in dem Haus gestanden hatte, das würde erklären, warum sie eine Tür gehört hatten. Er musste gar nicht mehr auf die Lippen schauen und lesen was dieser sagte, er wusste schon, wen er da vor sich hatte. Der konnte was erleben. Cole gab Kris ein Zeichen und als er neben ihn trat, drückte er ihm Ben in die Arme.

“Ich bin gleich wieder bei dir, mein Schöner“, murmelte er leise und drückte seinem Freund einen Kuss auf die Lippen.

Dann trat er vor den Ex seines Freundes, packte ihn am Kragen und schleuderte ihn gegen die nächste Wand. Mit einem Ächzen sackte dieser an der Wand hinab und rieb sich den Rücken. Den Protest von Kris, dass das schon wieder eine Schlägerei sei, ignorierte er gekonnt.

“So, und nun einmal zum Mitschreiben. Sollte ich dich auch nur noch ein einziges Mal in der Nähe meines Freundes sehen, findest du dich in deinem Sarg wieder. Haben wir uns da verstanden, Kevin?“ Am liebsten würde er ihn langsam und qualvoll umbringen. Allerdings machte das keinen Sinn, wenn man einen Polizisten als Bruder hatte und selbst einer werden wollte. Das machte sich nicht so gut in seinem Lebenslauf, wenn man schon ein Vorstrafenregister hatte und da auch gleich noch Mord drin stand. Wegen dem Arsch wollte er sich seine Zukunft nicht ruinieren.

Ben zuckte leicht zusammen, als er Kevin an der Wand sah. Er löste sich aus den Armen des blonden Barkeepers und trat zu Kevin, blickte auf diesen hinunter. Coles Protest beachtete er nicht. Leicht lächelnd reichte er seinem Ex eine Hand und half ihm auf. Im nächsten Augenblick rammte er ihm kalt lächelnd die Faust in den Magen, sodass Kevin wieder zu Boden ging.

“Ich hab’s wohl verdient“, stellte der Brünette mehr fest, als dass er fragte und hielt sich den Bauch.

“Genau, du hast es verdient. Sei du nur froh, dass ich vom Töten nicht viel halte“, bemerkte der Kubaner und half Kevin dann doch auf. “Wir sind zwar immer noch nicht quitt, noch nicht einmal annähernd, aber mir geht’s jetzt besser.“
Darauf grinste sein Exfreund nur.

“Wenn dir wieder mal danach ist, einfach anrufen. Ich steh dann gleich auf der Matte. Einen hübschen Schlag hast du drauf“, ächzte er leise. Ben war dann doch noch so nett und brachte ihn zu einem der Hocker, damit dieser sich setzten konnte.

“Können wir irgendwo reden?“ Das war der Satz, der Ben eine Augenbraue heben ließ.
“Aber nicht alleine. Nur wenn meine Freunde dabei sein dürfen und nicht hier“, legte er fest und strich sich unbewusst über seine Narben. Cole zuliebe hatte er auf die Lederarmbänder verzichtet. Zumindest für heute.

Kevin nickte gleich auf die Forderrungen und legte gleich mal fest, dass sein Freund auch mit müsste. Daraufhin zuckte Ben nur mit den Schultern und nickte. Wenn er sich Beistand holen durfte, dann durfte Kevin das auch. War ja nur fair.

Nachdem Roy versichert hatte, dass er jetzt alleine klar kommen würde – die Gäste glichen allesamt wieder kleinen weißen Schäfchen - hatten die Acht sich auf zwei Autos aufgeteilt und waren zu dem weißen Haus gefahren.
Nun saßen sie alle mit etwas zu trinken auf dem Sofa, bzw. auf dem Schoß ihres Freundes, da es doch zu wenig Platz war.

“Warum hast du zu dem Mittel gegriffen? Ich wäre beinahe daran gestorben, wenn mich einer meiner Nachbarn nicht gefunden hätte“, wollte der Schwarzhaarige das Wichtigste wissen. Immerhin brannte ihm diese Frage schon seid einem Jahr unter den Nägeln.

Cole hatte dem Ganze mit gemischten Gefühlen zugehört, hatte sich aber doch einverstanden gezeigt. Wenn das seinem Freund helfen könnte, dann würde er sich zusammenreißen und zuhören, was dieser Kevin zu sagen hatte. Er schlang besitzergreifend seine Arme um seinen Schatz, als dieser auf seinem Schoß saß.

“Das würde ich allerdings auch gerne mal wissen. Weißt du überhaupt irgendetwas aus Bens Vergangenheit?“ Coles Blicke hätten den Anderen bestimmt schon längst getötet, wenn es gehen würde.

“Ich habe ihn nicht mehr geliebt.“ Bei den Worten musste Cole stark an sich halten, nicht aufzustehen und Kevin eine zu scheuern.
“Und warum hast du dann nicht mit mir geredet? Warum musstest du mich betrügen? Auch noch in unserem Bett!!. Du hast mir die Pulsadern zwar nicht aufgeschnitten, doch es war, als hättest du mir die Klinge in die Hand gelegt. Es hat mir das Herz zerrissen“, wollte sein Schatz wissen, seine Stimme brüchig, bis sie schließlich ihren Dienst quittierte. Cole stimmte mit einem Nicken zu, versuchte seine Bestürztheit und seine Wut unter Kontrolle zu halten. Das hatte selbst er nicht gewusst, denn es hatte nicht im Tagebuch gestanden. Sanft strich er immer wieder über die Hand in seinen, versuchte den Jüngeren so zu beruhigen.

“Sag mir, was weißt du von Bens Vergangenheit?“, forderte der Amerikaner erneut und dieses mal würde er nicht locker lassen.

Überrascht blickte er den Fremden an, der bis jetzt noch kein Wort gesprochen hatte und nun anfing mit reden.

“Benaja Hunt hat einen Bruder, den er vielleicht zweimal in seinem Leben gesehen hat. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall, da war Ben sieben. Danach wurde er ein dreiviertel Jahr von einem Verwandten zum nächsten weitergereicht und kam schließlich in das St. Belindas Weißenhaus. Mit fünfzehn ist er in eine eigene Wohnung gezogen und jobbt seitdem im “70s Up“, um seinen Lebensunterhalt zusammen zu kriegen.“

Völlig überfahren blickte Cole den Fremden an.
“Das... das wusste ich gar nicht“, brachte Kevin irgendwann heraus, doch Cole interessierte es gar nicht mehr.
“Wer sind sie und woher wissen sie das alles über meinen Freund?“, wollte der 19-Jährige misstrauisch wissen. Beruhigend strich er seinem Freund nun über den Rücken, der sich versteift hatte.

“Nun, in Fachkreisen kennt man mich unter dem Namen Rahmiris Michaelis. Und bevor sie jetzt fragen, ja, ich habe die Anzeige aufgegeben und die Anrufe entgegengenommen.“
Kris nickte nur. Er kannte den Namen und jetzt, wurde auch das Gesicht wieder bekannt. Ein großes Licht in der Modewelt. Jungdesigner, der schon mit einigen Preisen ausgezeichnet worden war. Roy hatte es mit Modezeitschriften und so nem Zeug. Aber wie passte dieser Rahmiris in das ganze Bild? War der nur der neue Stecher dieses Kevins? Allerdings klingelte bei dem Namen noch etwas anderes. Hatte nicht der Kerl von der Anzeige für die WG genauso geheißen?

Auf das leise: ’Verzeih mir’, von Kevin, konnte Ben nur neben sich nicken, wusste nicht einmal, ob er das tat, um dem Anderen wirklich zu vergeben oder aber, um zu zeigen, dass er es zumindest gehört hatte. Ihn interessierte viel mehr der Mann, auf dessen Schoß Kevin saß. Irgendwie kam er ihm vage bekannt und vertraut vor. Allerdings fiel ihm auf Anhieb nicht ein, wo er ihn schon einmal gesehen hatte.

“Und unter welchem Namen sind sie sonst noch bekannt, Mister Michaelis?“ Das interessierte den Kubaner wirklich.
Ein leichtes Lächeln schlich sich auf die Lippen des anderen.

“Bitte, nennt mich Rah. Und meine Freunde kennen mich unter dem Namen Hunt. Rahmiris Hunt. Sehr erfreut.“

Bei dieser Offenbarung blieb Benaja der Mund offen stehen. Er bemerkte kaum, wie er die Arme um sich löste und aufstand. Sein Blick war die ganze Zeit auf Rah gerichtet. Nur am Rande nahm er wahr, dass Kevin ebenfalls aufstand und zur Seite trat.

“Rah? Ist das kein Scherz?“, fragte Ben mit zitternder Stimme und streckte eine Hand nach dem Älteren aus. Er hatte Angst, dass das ganze nur eine Produktion seines Hirn war, eben Wunschdenken.
“Nein, das ist kein Scherz, Benaja. Es ist weit davon entfernt, einer zu sein“, erwiderte der andere Kubaner nur darauf und beugte sich nach vorne, schloss seine Augen, als die warme Hand seine Wange berührte.

Mit Tränen in den Augen warf sich Ben schließlich in die Arme des Anderen und kuschelte sich in das Hemd.

“Wer wird denn gleich weinen? Ist ja gut, mein Kleiner“, versuchte Rah ihn zu trösten, doch genau das Gegenteil des Gewünschten trat ein. Ben weinte nur noch mehr und schluchzte leise.

“Wie... wie hast... du mich... gefunden?“
“Ich hab einen blauen Pinguin besucht.“
Der Jüngere musste leise lachen.

Ja, an die erinnerte er sich noch zu genau. Irgendeines der Kinder im Waisenhais hatte mal eine der Schwestern als blauer Pinguin bezeichnet. Was hauptsächlich daran gelegen hatte, das die Schwester des St. Belindas Waisenhauses blaue Kutten trugen. Die Mutter Oberin hatte erfolglos versucht, es den Kindern wieder abzugewöhnen. Es schien sich noch hartnäckig zu halten.

“Kennst du ihn oder hat der Nachname etwa...“, weiter fragte Kris erst gar nicht, sondern lächelte.

“Ich freu mich für dich, Ben, dass du deinen großen Bruder wieder hast.“

Es wurde noch ein langer Abend. Sie stellten sich gegenseitig vor, erklärten, wie sie in das Ganze passten und stellten Rede und Antwort.

So erfuhren die Freunde zum Beispiel, dass die beiden Hunt Brüder 10 Jahre trennte und ihre Eltern Rahmiris damals auf ein Internat in der Schweiz abgeschoben hatten. Zum einen weil es einen ausgezeichneten Ruf hatte was die Ausbildung zum Modedesigner betraf. Aber zum anderen – und das war wohl entscheidender gewesen – hatten ihre katholischen Eltern nicht verkraftet, dass Rahmiris auf Männer stand. Was auch der Grund gewesen war, dass jeglicher Kontakt unterbunden worden war. Briefe waren ungeöffnet zurück gekommen, auf Anrufe hatte keiner reagiert, bis es schließlich irgendwann geheißen hatte, die Nummer sei nicht vergeben und die Briefe mit dem Vermerkt ’Empfänger unbekannt verzogen’ zurück kamen. Da hatte Rah es aufgegeben und sich damit abgefunden. Zumindest für den Moment.

„Bis letztes Jahr. Da hatte ich – durch einen Zufall – eine Cousine von uns getroffen. Sie hat sich mit Alkohol abgeschossen und mir dann verraten, was mit meinem kleinen Bruder passiert ist. In ein Waisenhaus abgeschoben. Egoistische, geldgierige Bande. Deswegen bin ich zurück nach Amerika gezogen. War mit meinem verdienten Geld auch nicht schwer. Es war um einiges schwieriger das Waisenhaus zu finden und die Mutter Oberin davon zu überzeugen, das ich wissen müsse, wo Benaja untergekommen war, weil er mein Bruder ist. Nur viel zu berichten, wussten sie auch nicht. Nur das Ben in NY geblieben war.“

Rah hatte schließlich mit viel Geduld und noch mehr Geld herausgefunden, warum sein kleiner Bruder nicht gleich zu ihm gekommen war. Er war schlicht und einfach aus dem Testament seiner Eltern gestrichen worden, sie hatten ihn verleugnet. Und der Anwalt hatte sich auch nicht wirklich gerade mit der Suche nach weiteren Blutsverwandten überschlagen. Der Kubaner war sauer gewesen. Wirklich sauer. Und der Anwalt ziemlich eingeschüchtert. Nur weitergeholfen hatte es ihm nicht, denn auch der Anwalt hatte nicht gewusst, wo Benaja war.

Zu dem Zeitpunkt war dann auch die Idee mit der Anzeige und der Wohnung entstanden. Die Zeitung in der Benaja und die anderen die Anzeige gefunden hatten, war nicht die einzige gewesen. Es hatten sich auch unzählige Männer beworben, doch nie war der passende Bruder dabei gewesen. Bis vor wenigen Tagen. Rah war beinahe vor Freude im Dreieck gesprungen, als sich sein Bruder am Telefon gemeldet hatte. Denn es gab nur einen Benaja Hunt in New York, denn es war überhaupt keiner gemeldet. Also musste es sein kleiner Bruder sein.
Die Anderen wären nur hier, damit es nicht so auffiel.

“Ich habe einfach genommen, wer sich noch gemeldet hat. Ich wollte doch meinen kleinen Bruder wieder finden. Und so schnell werde ich auch nicht wieder gehen. Ich werde mir hier ein Apartment suchen und Kleider entwerfen kann ich auch hier. Mein Name dürfte hier nicht gerade unbekannt sein. Ich gebe doch meinen kleinen Bruder nicht wieder her, wenn ich ihn endlich gefunden habe“, erklärte der Kubaner mit fester Stimme.

Alle Paare hat es sich zusammen bequem gemacht, so war auch herausgekommen, dass Daniel und Steve ebenfalls seit kürzerem ein Paar waren. Zur Feier des Tages hatten sie irgendwann eine Flasche Sekt aufgemacht und nun neigte sich die achte langsam ihrem Ende. Sie waren langsam etwas angeheitert.

Ben indes war einfach rundum glücklich. Er hatte einen verständnisvollen, lieben Freund, gute Freunde, die sich um ihn Sorgten, einen festen Job hatte er dank Kris auch schon. Er hatte sich mit Kevin darauf geeinigt, dass sie wohl noch einige Gespräche brauchen würden, um auch nur etwas Annäherndes wie eine Freundschaft aufzubauen.
Und er hatte seinen großen Bruder endlich kennen gelernt. Außerdem hatte Rah ihnen angeboten, dass sie weiterhin in dem Haus wohnen konnten.
Und da er ihn nicht so schnell wieder gehen lassen würde, war doch alles gut.
Was brauchte man noch mehr um glücklich zu sein?

Ben fiel da auf Anhieb etwas ein. Sanft legte er eine Hand in Coles Nacken und blickte ihm in die Augen. Auf die Frage hin, was denn los sei, lächelte der Schwarzhaarige nur und zog Coles Kopf zu seinem. Kurz vor dessen weichen Lippen hielt er inne und flüsterte liebevoll: “Ich liebe dich“, bevor er das andere Paar Lippen mit seinen verschloss.
Das geflüsterte: “Ich dich auch“, als sie sich trennten, um Luft zu holen, ließ ihn strahlen.

Blieb nur noch abzuwarten, ob die Zukunft auch so gut verlaufen würde.