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Terra 3.0


Original [reale Welt/ Zukunft] [NC-16] 
[yaoi] [lime]

Danksagung:
Unseren unermüdlichen Beta-Feen Maike und Conni, die ausdauernd ausbaden, was wir verzapfen

Hinweis:
Dem einen oder anderen mögen Parallelen zum RPG mit Blackbolt auffallen - "Die verbotene Stadt".
Dies kommt nicht von ungefähr, denn ich hatte diesen komplexen Plot bereits im Kopf, als das erste RPG entstand.
Britta hat sich bereit erklärt, mit mir zusammen in die Zukunft zu reisen und die Geschichte um Prinz Erdogan und seine Freunde niederzuschreiben.

Teile:
Zyklus 1 - Neo New York (Teil 1) - abgeschlossen
Zyklus 2 - Neo New York (Teil 2) - abgeschlossen
Zyklus 3 - Atlantis Nord 035 - abgeschlossen
Zyklus 4 - San Francisco GX - abgeschlossen
Zyklus 5 - Cango Caves - abgeschlossen
Zyklus 6 - Neo New York (Teil 3) - abgeschlossen
Zyklus 7 - Hangzhou Provinz - abgeschlossen
Zyklus 8 - Eve 01 - ongoing


Inhalt:

Terra 3.0 - Prolog

Der Blick vom Fenster aus war trostlos wie eh und je. Sehen konnte man nur bis zum Glas der Kuppel, die die Überreste von Neo New York überspannte. Wer hätte je gedacht, was der Mensch in seiner bescheidenen Existenz sich selbst antun konnte. Doch so war er eben – feige und besessen vom Gedanken, alles besitzen und beherrschen zu müssen. Doch es hat leider auch Dinge gegeben, die konnte er nicht beherrschen – die Auswirkungen sah man noch heute, nach fast tausend Jahren.

Wäre der Mensch nicht so gierig nach billiger Energie gewesen, die globale Erwärmung hätte gestoppt werden können. Und wäre er nicht so fanatisch religiös gewesen, der finale Atomschlag hätte vermieden werden können. Doch Menschen waren nur Menschen, sie machten Fehler und lernten nicht daraus. Vielleicht eine Generation, vielleicht noch die nächste, doch dann wurden die gleichen Fehler wieder gemacht. Gut, die Religionen waren extremer geworden, die Waffen tödlicher – doch eigentlich wiederholte sich immer wieder dieselbe Geschichte, bis endlich der Teufelskreis durchbrochen wurde.

Das hatten sie, wenn auch nicht freiwillig. Wenn man um sein Überleben kämpfte, traten Zwistigkeiten in den Hintergrund. Es war nicht einfach gewesen, nach der Katastrophe, alle Menschen unter der Kuppel zu ernähren, aber zum Glück hatten ihre Vorfahren in diesem Fall gut vorgesorgt und nach ein paar schwierigen Jahren hatten sie genug Nahrungsmittel, um zu überleben und sich ein paar Reserven anzulegen. Viel hatten sie auch ihrem damaligen Anführer zu verdanken, der alles in die richtigen Bahnen gelenkt hatte. Zum Dank hatten sie ihn zum Fürsten gewählt und seit dem lenkten seine Nachfahren die Geschicke der Kuppel und das war wohl auch zum Teil ein Grund, warum sie relativ sorgenfrei leben konnten. Sie wussten nicht, wie viele von den ursprünglichen Kuppeln noch existierten, denn zu vielen hatten sie den Kontakt verloren und es war erschreckend, dass noch immer auf einmal eine nicht mehr antwortete. Es waren einmal mehr als dreihundert gewesen, überall auf der Welt – doch jedes Jahr fielen welche aus, bis nur noch achtzig übrig waren.

Die hoch gelobte Globalisierung, die Errungenschaft des 21. Jahrhundert hatte aus heutiger Sicht mehr Ärger als Nutzen gebracht und sie war ein Grund dafür, dass die Erde heute war wie sie war: harte, trockene Klumpen auf denen kein Leben mehr möglich war. Seuchen hatten das meiste Leben dahingerafft, die gedankenlose Verschwendung des Trinkwassers hatte nach dem Versiegen der Quellen ganze Völker von der Landkarte getilgt und die radioaktive Strahlung der Bomben sorgte dafür, dass außerhalb der Kuppeln Leben unmöglich war.

Sie waren Ratten geworden, Ratten in einem Käfig auf der Suche nach einer Lösung.

Sicher, sie hatten Fortschritte gemacht, was die Technologie anging, aber mit der menschlichen Rasse ging es zu Ende. Ihre Frauen starben aus. Erst wurden immer mehr Frauen unfruchtbar und wenn noch Kinder geboren wurden, dann waren es meistens Jungs. Woher das kam, wussten sie nicht, aber wahrscheinlich lag es an der Strahlung, die sie noch in geringen Spuren mit der Nahrung und dem Wasser aufnahmen. Schon jetzt zeichnete sich ab, dass in wenigen Generationen nur noch Männer unter ihrer Kuppel leben würden. Sie hatten ein Problem und das nicht erst seit heute. Schon seit Jahrhunderten wurden immer weniger Mädchen geboren und die meisten hatten keine intakten Eierstöcke mehr.

Sie forschten und experimentierten. Was im Labor außerhalb der großen Kuppel passierte, wusste so gut wie niemand. Gerüchte gingen, dort würde gekreuzt und geklont, mit mehr oder weniger Erfolg. Man sprach nur hinter vorgehaltener Hand darüber, was der Mensch dort seinesgleichen antat. Die Unmenschlichkeit entschuldigte man damit, dass der Verlust des einzelnen zum Überleben der Art beitragen würde – es war wie ein Persilschein Freischein, den die Wissenschaftler geradezu ausschlachteten.

Zum Glück der Wissenschaftler mussten sie nicht auf das aktuelle genetische Material zurückgreifen, sondern hatten einen fast unerschöpflichen eingefrorenen Vorrat. Ihre Vorfahren hatten im Labor eine regelrechte Genbank angelegt. Dort gab es nicht nur menschliche sondern auch tierische Fortpflanzungszellen. Eingefroren für die Ewigkeit und zur Sicherung ihres Überlebens, denn so sollte der Genpool immer wieder aufgefrischt werden. Nur konnten sie das vorhandene Material nicht so nutzen, wie es gedacht war, denn es war niemand da, der die Babys austragen konnte. Nährflüssigkeiten hatten versagt, Brutkästen hatten versagt. Die Embryonen waren jedes Mal abgestorben. Nicht ein einziges Mal hatten sie Erfolg gehabt und die Zeit lief ihnen durch die Finger wie Wasser.

Die Genetiker arbeiteten auf Hochtouren, doch jeder anfängliche Erfolg scheiterte. Wenn nicht bald der Durchbruch gelang, dann hatte sich das Experiment Mensch auf der Erde erledigt. Es war wohl das Schicksal, dass erst die Erde starb und dann ihr Mörder.

Sie hatten den Widrigkeiten getrotzt, als die Übermacht des Planeten sie unter die Kuppeln gezwungen hatte. Sie hatten die Erdwärme angezapft, Sonnenkraftwerke errichtet, das Trinkwasser gewannen sie aus Süßwasserquellen auf dem Meeresboden. Und nun scheiterten sie an den Folgen ihrer Machtgier – es war ironisch.

Aber noch gaben sie sich nicht geschlagen. So war der Mensch eben. Er kämpfte bis zum bitteren Ende, denn sonst musste er vor sich selber eingestehen, dass er versagt hatte. Dazu waren sie noch nicht bereit. Es gab noch so viel, was sie ausprobieren konnten. Darum forschten sie mittlerweile mehrgleisig. Irgendetwas musste doch endlich den Durchbruch bringen.

Sie hatten nicht Tausende von Jahren auf dieser Erde gelebt um dann sang- und klanglos zu verschwinden. Wenn man stolperte, stand man auf, wischte sich die Nase und ging weiter. Irgendwo da draußen lag die Antwort auf all ihre Probleme, sie mussten nur intensiver suchen.