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Die Chaos-WG - Sidestory - Teil 4

Kapitel 4
Küche (24. 12. ein Tag bis Weihnachten 13.03Uhr)

Ben gähnte und hatte nicht einmal die Muse dazu, die Hand davor zu heben. “Tschuldigung“, nuschelte er und ließ seinen Kopf auf den Tisch fallen. Er war noch immer Müde und noch nicht einmal seine heiße Schokolade half da. Und dabei war er doch erst vor einer halben Stunde aus dem Bett gekommen. Wie übrigens alle. Also frühstückten sie eben jetzt, wen störte es schon groß? Dankend nahm der Kubaner die Tasse entgegen die Rah ihm reichte und trank gleich mal einen Schluck, verbrannte sich dabei die Zunge.

Cole, der sonst immer als erstes wach war, hatte heute nichts geweckt. Noch nicht einmal die Sonne, die durch das Fenster genau in sein Gesicht geschienen hatte. Na ja, er war hier im Urlaub, musste dementsprechend nicht arbeiten und konnte ausschlafen. Da nutze er das doch auch aus. Der Blonde hielt sich an seinem, Kaffee fest und trank ihn mit kleinen Augen.

Der Deutsche schien gar nicht ansprechbar. Der lag mit seinem Kopf auf seinem Arm, den er auf dem Tisch gebettet hatte und hatte die Augen geschlossen. Wenn er mehr als sieben Stunden schlaf bekam, war er sofort wieder müde und dann war mit ihm nichts anzufangen. Dann würde er eben später einfach zuhause bleiben, während die Anderen einkaufen gingen.

Der Modedesigner schien als einziger von ihnen allen wach zu sein. Er hatte gleich nachdem er aufgestanden war, den Tisch gedeckt und für alle ihr Lieblingsgetränk aufgesetzt. Nun setzte er sich gut gelaunt an den Tisch und trank einen Schluck seiner inzwischen lauwarmen Schokolade und griff sich ein Brötchen. Er braucht immer was zwischen den Zähnen. Nur gut, dass man das seiner Figur nicht ansah. Er horchte auf, als er die Tür hörte.

Der Schwarzhaarige war froh, als sie endlich vor dem Haus standen. Es war ganz schön schwer gewesen, ein Taxi zu finden, das sie so weit aus Calgary raus brachte. Aber für einen Mitwagen hatte das Geld nicht gereicht. Aber wenn er das richtig sah, dann hatte zumindest einer der Bewohner des Hauses, ein Auto. Denn anders konnte er sich den dunkelblauen Land Rover in der Auffahrt nicht erklären. Dann würden sie Weihnachten nicht alleine verbringen, wie schade. Aber da konnte man wohl nichts machen. “Tut mir wirklich leid, dass wir erst so spät los konnten. Aber du weißt ja dir Arbeit.“ Entschuldigen blickte er seinen Freund an.

Dieser lächelte nur leicht und hauchte dem Älteren einen Kuss auf den Mund. “Schon okay Honey, so schlimm ist das nicht. Wenigstens konnten wir noch vor Weihnachten weg. Immerhin hatte ich dir weiße Weihnachten in einer Berghütte versprochen. Gehen wir erst einmal rein, machen uns was zu essen und stellen und dann den anderen Mitbewohnern vor. Wenn sie nicht gerade am essen sind.“ Der Deutsche zückte den Schlüssel aus seiner Jackentasche und schloss die Tür auf. Noch bevor er etwas sagen konnte, hatte sein Freund schon “Hallo? Jemand zuhause“, gerufen. Alls er jemanden lachen hörte, zog er überrascht eine Augenbraue hoch.

Ben hatte die Haustür gar nicht gehört, dafür war er noch immer zu müde. Er trank gerade einen Schluck Schokolade, als er eine Stimme hörte und sich prompt verschluckte. Er brauchte ein paar Sekunden bis er wieder richtig atmen konnte und lachte dann los. Er lachte sogar so viel, dass er sich nicht mehr auf seinem Stuhl halten konnte und hinunter fiel. Nun saß der Schwarzhaarige auf dem Boden und weinte inzwischen Tränen so sehr lacht er. Das durfte doch einfach nicht wahr sein.

Cole, der gerade an seinem Brötchen mit Marmelade kaute, hob überrascht eine Augenbraue und beugte sich dann zur Seite, um seinen Freund anzusehen, der auf dem Boden saß. “Alles okay?“ Dann machte es klick wo er die Stimme hinpacken musste, die ihm so bekannt vorkam. Sicherheitshalber stand er auf, lugte um die Ecke aus der Küche und musste gleich mal breit grinsen. Noch immer breit grinsend ließ er sich wieder auf seinen Stuhl fallen. In aller Seelenruhe aß er weiter, überging die verwirrten Blicke Rah’s und Kevins einfach.

Schließlich hielt Kevin es nicht mehr aus und erhob sich ebenfalls, trat auf den Flur und musste ebenfalls lachen. Was war doch einfach kein Zufall mehr. “Rah, haben wir noch platz für zwei Gedecke? Sonst müssen Kris und Martin verhungern.“ Leise lachend kehrte er in die Küche zurück und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. Er versteckte das überbreite Grinsen hinter seiner Kaffeetasse. “Also, raus damit. Wer hat gequatscht?“ Irgendeiner von ihnen musste ja was gesagt haben, so viele Zufälle gab es ja gar nicht.

Rah schüttelte nur leicht den Kopf als Benaja auf den Boden fiel, machte aber sonst keine Anstalten aufzustehen und selber zu schauen, was denn so witzig war. “Sicher haben wir noch Platz. Allerdings muss dann irgendwer bei seinem Freund auf den Schoß. Irgendwie fehlt uns der sechste Stuhl. Mal später in der Abstellkammer schauen.“ Damit stand der Kubaner einfach auf und suchte sich noch zweimal Teller und Besteck zusammen. Aus Erfahrung wusste er, das Kris eine Schokolade trank und Martin einen Kaffee. Also bereitete er jeweils eine Tasse zu. “Also, ich hab dicht gehalten. Von mir haben die beiden das ganz sicher nicht.“

Martin konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. “Das war es doch, was du wolltest. Weihnachten mit deinen Freunden feiern“, meinte er leise zu seinem Freund und küsste ihn sanft. Danach zog er sich erst einmal seine Schuhe und seine Jacke aus. Hier drinnen brauchte er es ja nicht, schließlich war es warm genug. Er wusste noch genau wie enttäuscht sein Freund gewesen war, als er vor zwei Wochen erfahren hatte, das Cole und Ben schon etwas geplant hätten, Steve und Dan von ihren Eltern verpflichtet worden waren und das Kevin und Rah auch nicht mitfeiern würden. Deswegen hatte er sich ja auch die Sache mit Kanada und dem Ferienhaus überlegt. Wer hätte denn schon ahnen können, dass die beiden anderen Paare dieselbe Idee hatten.

Kris brauchte noch einen Augenblick um das eben erlebte sacken zu lassen und so erwiderte er den Kuss nur halbwegs. Als es auch bei ihm endlich klingelte, breitete sich ein seliges Lächeln in seinem Gesicht aus. Weihnachten mit seinen Freunden. Das hatte er sich für dieses Jahr gewünscht und nun sollte sein Wunsch doch noch in Erfüllung gehen. Er befreite sich von seinen Schuhen und seiner Jacke und betrat dann die Küche. Dort musste er auch erst einmal lachen, als er Benaja auf dem Boden sah.

Der 18-Jährige Kubaner musste noch mehr lachen, als er Kris wirklich in der Küche stehen sah. Noch gute zehn Minuten saß er so da auf Boden und hielt sich den Bauch, der ihm langsam wehtat. Schließlich Konnte er das Lachen doch noch irgendwann unterdrücken und rappelte sich wieder auf. “Hallo Kris, hallo Martin“, begrüßte er die beiden und setzte sich dann einfach auf Coles Schoß, zog seine Tasse zu sich. Irgendwo mussten Martin und Kris ja auch sitzen können.

Cole fand die Idee seines Schatzes klasse, und legte gleich mal einen Arm um dessen Taille. Der Blonde nickte den anderen beiden nur zu und widmete sich dann wieder seinem Essen. Er hatte keine Lust vor dem vollen Tisch zu verhungern. Langsam wurde er wacher und konnte sich auch auf das Wesendliche konzentrieren. “Dann können wir ja noch besprechen was es die Feiertage über zu Essen geben soll und einen Einkaufszettel schreiben.“

“Dann werd ich einkaufen fahren. Ich scheine der Fitteste von und zu sein. Und ich will ja nicht, das ihr dann im Stehen einschlaft“, meinte Rahmiris und stand auf, verschwand im Wohnzimmer und kehrte mit Papier und Stift zurück. “Erst mal die wichtigste Frage. Wie lange bleibt ihr alle? Dann können wir es nämlich so machen, das über die Feiertage jedes Paar einmal kocht.“

Kris zog seinen Freund, der keine Anstallten machte sich hinzusetzten zu einem der Stühle, drückte ihn darauf nieder und nahm dann selber auf dem letzten freien Stuhl platz. “Also. Wir sind bis Silvester hier. Wir fliegen erst am ersten wieder zurück“, erläuterte der Barkeeper und griff dann nach der Tasse, trank einen Schluck Schokolade. “Danke Rah. Das hab ich jetzt gebraucht. Ist doch ganz schön kalt da draußen.“

Ergeben ließ sich der Deutsche ziehen und bediente sich gleich einmal an den Sachen auf dem Tisch. Er hatte Hunger und das nicht zu knapp. Vor und während einem Flug bekam er nie etwas runter. “Ben hat auch bis dahin frei. Aber ich weiß nicht, ob die beiden so lange hier bleiben“, wusste Martin zu berichten und seine Augen saugte sich an der kleinen Schüssel fest, in der ein paar Plätzchen lagen. “Darf man sich daran bedienen?“ Der Blick der daraufhin folgte, war ein Bettelblick erster Güte.

Kevin, der nun wirklich wach war, ließ sich nicht weiter stören, und griff endlich beim Frühstück zu. Nicht das ihm Kris und Martin noch alles weg futterten. “Wir bleiben auch bis Silvester und fliegen auch am ersten. Dann sitzen wir vielleicht in derselben Maschine.“ Er kannte die beiden zwar noch nicht so lange wie Benaja und Cole das taten, aber er war schon enttäuscht gewesen als es hieß, sie würden Weihnachten nicht zusammen feiern.

“Ich begleite dich, Rah. Damit du nicht alles alleine schleppen musst“, meinte Ben und trank seine Schokolade aus. Soweit er seinen großen Bruder kannte, wollte der am liebsten schon weg sein und Ben hatte keine Lust, seine Schokolade halb getrunken stehen zu lassen. “Aber du wolltest doch unbedingt den Baum schmücken“, protestierte sein Freund und das ließ den Kubaner lächeln. “Ist schon gut mi querido. Dann schmücken wir eben den nächsten gemeinsam.“ Wegen solchen einfachen Gedanken liebte er seinen Freund noch mehr. Sanft küsste er ihn, was nach kurzer Zeit in einen gefühlvollen Zungenkuss überging.

Martin seufzte nur leise auf und tat es den beiden Jüngsten nach, indem er sich zu seinem Freund beugte und ihn sanft küsste. “Wir würden ja gerne mitgehen, aber wir sind schon zu lange gesessen. Wir denken dann ganz fest an dich, wenn wir den Baum Schmücken. Versprochen Benaja.“ Allzu lange konnte er jetzt auch nicht auf dem Stuhl hier sitzen bleiben. Mal schauen, ob er seinen Freund später überreden konnte, einen Spaziergang mit ihm zu machen.

Cole hatte eigentlich noch etwas sagen wollen, aber wenn man auf diese Art den Mund gestopft bekam, schwieg er gerne. Er legte gleich mal eine Hand in Bens Nacken, damit der nicht wieder so schnell abhauen kann. Allerdings musste er den Kuss dann selber wegen Luftmangels unterbrechen. “Versprochen, mein Schöner. Den nächsten Baum schmücken wir dann gemeinsam...“ ...In unserem Haus, führte er den Satz in Gedanken zu Ende, doch behielt er das für sich. So was gehörte nicht an einen Frühstückstisch. Zumindest heute nicht.

Rahmiris kürzte das Ganze dann ab, denn sonst würden sie heute Abend noch da sitzen und nichts zum Essen für die Feiertage haben. Nachdem die Paare sich dann geeinigt hatten was sie kochen wollten, schrieb der Kubaner den Einkaufszettel und kontrollierte es gerade noch mit den Beständen im Kühlschrank und in den Schränken. Danach schnappte er sich seinen kleinen Bruder, machte sich im Flur fertig und verschwand dann mit dem Auto, nachdem der andere Hunt auch fertig war. Das würde jetzt ne Weile dauern, denn heute würden alle noch einkaufen gehen. Aber da er ja schon öfters mit Kevin einkaufen war, hatte er die Ruhe weg.

***

Lautlos seufzte der Modedesigner auf und schnallte sich ab, zog den Zündschlüssel aus dem Schloss. Das war die reinste Hölle gewesen. Er hätte seinem Freund doch glauben sollen als der gemeint hätte, dass Benaja noch schlimmer als er sei. Und dann die ganzen Massen an Menschen. Du hattest nirgendwo treten können, ohne jemanden anzurempeln oder das dir einer auf den Fuß trat. Er stieg aus dem Land Rover und seine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. Inzwischen war es nämlich schon wieder Dunkel draußen. So lange hatten sie gebraucht. Er trat zum Kofferraum, öffnete ihn und nahm sich ein paar der Tüten. Sie würden wohl mehrmals laufen müssen.

Der Schwarzhaarige war nicht zu bremsen gewesen. Er hatte beim Einkaufen genauso viel Begeisterung gezeigt, wie beim Plätzchenbacken gestern. Er stieg aus, schnappte sich so viele Taschen wie er tragen konnte und folgte seinem großen Bruder dann ins Haus, stellte die Lebensmittel gleich in die Küche. Er wollte gerade wieder hinaus, als er in der Tür zum Wohnzimmer stehen blieb und seinen Mund nicht mehr zu bekam. Der Baum sah einfach wunderschön aus. Da hatten sich sein Cole und seine Freunde einfach übertroffen. “Wow“, brachte er leise hervor.

Das rief Cole auf den Plan, der eben unter dem Baum hervor gekrabbelt kam. Er hatte noch den Stecker der Lichterkette in die Steckdose gesteckt, die dummerweise von dem Baum verdeckt wurde. Er drehte sich um und müsste lächeln, als er den seligen Ausdruck im Gesicht des Kubaners sah. Er trat hinter ihn, nahm ihn in den Arm und betrachtete gemeinsam mit ihm den Baum. “Unsere nächstes Jahr wird noch schöner. Weil du ihn mit mir zusammen schmücken wirst“, flüsterte der Amerikaner leise und küsste seinen Freund sanft auf dessen Ohr.

Kris beobachtete die beiden Lächelnd und hängte noch das letzte Lametta in den Baum. Er musste sagen, Cole und Benaja hatten gute Arbeit geleistet, als sie den Baum und den Schmuck gekauft hatten. Sie hatten sich nur an Silber gehalten und dementsprechend schön sah die Tanne jetzt auch aus. Die meisten Menschen verwendeten mehrere Farben und dann war das Ganze nur noch überladen und kitschig. Er stibitze sich noch einen Kuss bei Martin und ging dann in die Küche, um das Abendessen zu machen. Sicherlich hatten alle Hunger.

Kevin hatte schon aufgehorcht als er die Tür gehört hatte und hatte alles stehen und liegen gelassen, war in den Flur geeilt. Dort hatte er sich seine Schuhe angezogen und war seinem Freund dann vor dem Haus entgegen gelaufen. Er hatte sich an seinen Hals geschmissen und erst einmal eingefordert, was ihm seiner Meinung nach zustand. Immerhin war der Ältere etwas mehr als sieben Stunden weg gewesen. Kevin hielt er noch nicht einmal wirklich zehn Minuten ohne seinen Freund aus. Deswegen war die Handyrechnung auch immer so hoch, wenn Rahmiris irgendwo in der Weltgeschichte zum Arbeiten war.

Der Deutsche erwiderte den Kuss seines Freundes und lächelte leicht, als dieser in der Küche verschwand, um Küchenengel für die ganze Bande zu spielen. Martin räumte den Schmuck den sie nicht gebraucht oder der keinen Platz gefunden hatte wieder in die Verpackung und stapelte das Ganze unter dem Wohnzimmertisch, da würde es keinen stören. Dann ging er in die Küche, um seinem Freund zu helfen. Als er an das kleine Päckchen in seinem Handgepäck dachte, musste er ein dämliches Grinsen unterdrücken. Sonst würde Kris ihn ausfragen und Martin konnte dem nicht standhalten, das wusste er.

Den Abend ließen sie gemütlich mit Essen und kuscheln vor dem Kamin ausklingen. Irgendwie hatten sie alle einen Platz gefunden und genossen das Feuer. Bei ihnen allen gab es keinen Kamin, noch nicht einmal das Haus das Rahmiris hatte für die Anzeige bauen lassen, besaß einen. Martin und Kris waren die ersten die sich verabschiedeten. Sie waren noch zu geschafft von dem Flug. Sie nahmen das letzte frei Zimmer in Beschlag. Der Deutsche und der Kubaner waren die nächsten, die sich verabschiedeten und so blieben nur Benaja und Cole übrig, die auch bald das Feld räumten.

Als alles Dunkel und still ihm Haus war, sah man unabhängig von einander fünf Personen durch den oberen Stock und die Treppe runter in das Wohnzimmer huschen. Jeder legte etwas unter den Weihnachtsbaum und verschwand dann genauso leise wieder, wie sie gekommen waren. Schließlich machte sich auch noch eine letzte Gestalt auf den Weg und deponierte das Packet. Danach schlich er sich in die Küche und begann schon einmal den Tisch Weihnachtlich zu schmücken. Ihm war danach und dann mussten sie morgen nur die Lebensmittel aufstellen. Erst danach gab es die Bescherung. Als alles stand, löschte er das Licht wieder und huschte hinauf in sein Zimmer, kuschelte sich an seinen Freund. So, nun konnte Weihnachten ja mit Pauken und Trompeten kommen.