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Terra 3.0 - Zyklus I - Neo New York - Teil 27 - 28

27

„Bring mal deinem Seepferdchen bei, dass Bill mit ihm spielen soll“, sagte Leander und sah den Prinzen offen an. Er brauchte jetzt irgendetwas, um Erdogan abzulenken, denn er konnte sich nur zu gut vorstellen, was in dessen Kopf jetzt vorging. Er war zwar ein guter Pokerspieler, doch vor seinem getreuen Soldaten konnte der Prinz nichts verbergen. Leander war der einzige, der ihn lesen konnte, wie ein offenes Buch.

„Möchtest du das nicht machen? Ich verspreche dir auch eine Beerdigung mit allen Ehren“, grinste Erdogan schief und weil Ewan ihn fragend ansah, erklärte der Prinz ihm, wer Meodin war. „Möchtest du ihn kennen lernen?“, fragte er den Mole. „Er langweilt sich und mittlerweile ist er sicher genug auf den Beinen, sodass ich ihm die Kuppel zeigen wollte.“

Der Mole zuckte die Schultern und nickte. Warum nicht. Er war gespannt auf den, der ebenfalls aus einem Labor stammte. Das verband irgendwie, er konnte selber nicht sagen, warum. Während Daniel sich absetzte, weil er in seinem Büro noch etwas erledigen wollte und Leander etwas zurück fiel, schritt Ewan neben dem Prinzen zurück zum Haus. „Danke, dass wir keine Dinger sind“, sagte er, sah den Prinzen dabei aber nicht an. Der Kerl lockte ein paar Charakterzüge an dem Mole hervor, die er eigentlich zu vergraben gesucht hatte. Wurde er auf seine alten Tage noch freundlich? Wenn Adrian das wüsste, er würde ihn necken und piesacken!

„Niemand der lebt, kann ein Ding sein. Ihr seid Lebewesen dieser Erde, genauso wie wir Menschen.“ Erdogan meinte das vollkommen ehrlich und es war Meodins Verdienst. Ohne ihn hätte der Prinz vielleicht anders darüber gedacht. „Kannst du schwimmen?“, grinste er plötzlich und hob eine Braue.

„Nein“, sagte der Mole und blieb am Treppenabsatz stehen. Erdogan war schon weiter gelaufen und sah sich nun von ein paar Stufen weiter oben nach ihm um und grinste. Ewan hatte irgendwie das Gefühl, dass dieses Grinsen nichts Gutes zu bedeuten hatte, doch er war mutig und tapfer und so folgte er – wenn auch zögerlich – dem Prinzen nach oben.

„Schade, Meodin schwimmt sehr gerne.“ Erdogan öffnete die Tür zu seinem Quartier und Michael kam gleich aus seinem Raum. „Prinz“, grüßte er seinen Herrn und stutzte kurz, als er Ewan sah, aber das dauerte nicht lange und er begrüßte auch den Mole. „Meodin ist im Pool.“

Noch ein letzter Blick auf den merkwürdig aussehenden Fremden, doch dann hastete Michael in die Küche. Er hatte ein Abendmahl bereitet, denn Meodin hatte auch langsam Hunger.

„Komm“, munterte Erdogan seinen Gast auf. Noch im Laufen streifte er die Schuhe und Socken von den Füßen, legte mit seiner Jacke und seinem Hemd eine Spur in den nächsten Raum und blieb in der Tür stehen, nahm das Bild nur in sich auf. Meodin lag im Pool. Er tobte nicht wie üblich herum, um seine Muskeln zu stärken, sondern lag entspannt auf dem Rücken, den Kopf am Beckenrand aufgelegt. Das Licht der untergehenden Sonne ließ die blasse Haut fast gläsern schimmern und die langen Wimpern zauberten kleine Schatten auf die hohen Wangenknochen.

„Hallo Meo“, rief Erdogan leise, damit sein Freund sich nicht erschreckte. Das hatten sie schon einmal durch und das Seepferdchen hatte sich sehr ausdauernd dafür gerächt, dass Erdogan ihn so unsanft aus seiner Ruhe gerissen hatte.

Langsam öffnete Meodin die Augen und drehte den Kopf ein wenig. Er war zu faul, um sich groß zu bewegen. Doch als er den schwarzen Schatten hinter dem Prinzen entdeckte, schoss er hoch. „Pass auf, da ist einer!“, rief er und stand im Pool. Das Wasser reichte ihm hier nur bis zum Bauch und so war er – flinker als Erdogan erwartet hätte – aus dem Wasser und neben ihm. Dabei funkelte er den Fremden an und seine Rückenflosse stellte sich warnend auf. Er erkannte den Fremden – Erdogan hatte sie auf dem Bildschirm gesehen und war wütend geworden.

„Alles in Ordnung, Meodin. Das ist Ewan, ein Freund. Ich wollte ihn dir vorstellen.“ Erdogan legte einen Arm um sein Seepferdchen und zog ihn zu sich, damit er sich nicht doch noch auf den Mole stürzte. Irgendwie war er stolz auf Meodin, dass er sich so mutig vor ihn stellte. Dabei hätte er bei einem Kampf gegen Ewan keine Chance gehabt.

Doch das würde er Meodin nicht sagen, der sollte sich ruhig mutig fühlen, das machte ihn unternehmungslustiger. Vorsichtig strich er seinem Seepferdchen an der Flossenwurzel entlang und Meodin beruhigte sich langsam wieder. Das hatte Erdogan schon raus und grinste leise. Ewan kam näher, betrachtete den nackten Mann von oben bis unten und fragte sich, ob man mit so wenig Fell wirklich überleben konnte. Aber dafür trugen Menschen ja – aber halt, Meodin war kein Mensch. Er war wie er, er war geschaffen, nicht natürlich. Und dann fiel ihm auch auf, dass dessen Haut anders war als die des Prinzen. Er sah die feinen Schuppen.

Immer mehr Unterschiede fielen ihm auf. Die dunklen Augen, die Flosse auf dem Rücken und die Schwimmhäute zwischen den Fingern. Erdogan beobachtete amüsiert, wie die beiden sich musterten und einzuschätzen versuchten. „Hallo“, sagte Meodin schließlich, als er sich an das erinnerte, was ihm Michael beigebracht hatte. Wenn Erdogan sagte, dass Ewan ein Freund war, dann war das so, denn sein Freund hatte ihn noch nie belogen.

Ewan erwiderte den Gruß, betrachtete das Seepferdchen aber weiter ungeniert. Der kam ihm unbewusst sogar noch entgegen, als er sich um sich selbst drehte und an sich hinab blickte, ob er erkannte, warum der Maulwurf ihn so anstarrte. Doch er fand nichts. Und weil es langweilig wurde, verschwand er wieder in seinem Pool, wo er nun die Arme auf den Rand legte und sein Kinn darauf bettete.

„Mir ist langweilig, ich will raus!“, erklärte er, was ihm schon den ganzen Tag durch den Kopf ging. Er wurde hier drinnen noch wahnsinnig, da draußen war so viel Gegend, die wollte er erkunden, er konnte doch jetzt laufen!

„Ja und warum liegst du dann im Wasser? Nass nehm ich dich bestimmt nicht mit“, lachte Erdogan und wedelte mit den Händen. „Hopp, raus aus dem Becken und anziehen. Hier wird nicht getrödelt.“

Ewan, der das Seepferdchen gerade neugierig beobachtete, konnte sich das Grinsen nicht verkneifen und wandte sich deswegen ab. Was sollte Meodin von ihm denken? Denn das Seepferdchen schoss hoch und funkelte Erdogan an. „Du nimmst mich wirklich mit?“, fragte er misstrauisch, denn normalerweise hörte er immer nur: „Das ist zu gefährlich“, oder „Nächste Woche, wenn du besser in Form bist“. Meodin hatte es schon nicht mehr hören können und deswegen fragte er sich gerade, ob Erdogan grausam war und ihn veralberte, ohne dass es wirklich ernst gemeint war.

„Ja, ich nehme dich mit. Du bist soweit.“ Erdogan zwinkerte Meodin zu und hielt ihm die Hand hin, um ihm aus dem Becken zu helfen. Er wusste, wie sich sein Freund fühlen musste. Ihm selber hatten ja schon die wenigen Tage gereicht, in denen er nicht aus dem Zimmer gedurft hatte.

Und auch wenn er es niemals laut zugeben würde, Meodin hatte sich tapferer geschlagen als er selbst. Der war seiner Aufsicht nicht ausgebüchst sondern brav geblieben, wo er hin gehörte, während Michael mit dem verletzten Prinzen weniger Freude gehabt hatte.

Hastig ließ Meodin sich aus dem Wasser ziehen, wäre mit den nassen Füßen fast noch gestrauchelt. Doch sein Gleichgewicht versagte nicht und er kam schnell zum stehen. Erdogan wirkte zufrieden, denn Meodin hatte sich wirklich prächtig entwickelt.

„Er war noch nie in der Kuppel“, erklärte der Prinz Ewan, damit der auch wusste, warum es so etwas Besonderes war. „Er ist erst etwas über zwei Wochen alt und dafür, dass er alles erst lernen musste, ist er schon sehr weit.“

Ewan blickte Meodin hinterher, der fröhlich singend und die Hüften schwingend im Schlafzimmer verschwand, wo er einen Teil von Erdogans Klamotten mit benutzte. Alles in allem saßen die Kleider nicht so eng wie beim Prinzen, doch Meodin konnte damit leben. Meistens war er sowieso ohne unterwegs. Das würde sich aber ab heute ändern. „Zwei Wochen?“, sagte der Mole leise. Er war überrascht, denn auch er wusste, was es hieß, alles lernen zu müssen.

„Ja, er wurde in einem Tank gezüchtet. Man hat menschliche DNA mit denen von Seepferdchen vermischt. Vor ungefähr zwei Wochen habe ich ihn da raus geholt und hierher gebracht.“ Man hörte deutlich, dass Erdogan stolz auf Meodin war. „Er hat wirklich hart trainiert und hat sich eine Belohnung verdient.“

„Kann mir jemand sagen, warum man so was macht?“ Ewan sah den Prinzen offen an. Er war selbst nicht natürlich, er wusste also nur zu gut, was er fragte. Moles waren zum Graben gezüchtet worden. Man hatte sie gebraucht, um die Wege zu den anderen Kuppeln zu schaffen. Doch wozu Seepferdchen, wenn sie doch ohne das Serum sowieso nicht raus konnten. Was nutzten diese Schwimmer?

„Das ist ein nicht besonders schönes Kapitel in unserem Leben.“ Erdogan überlegte, ob er Ewan einweihen sollte, entschied dich dann dafür ehrlich zu sein. Geheimnisse sollte es zwischen Verbündeten nicht geben. „Wir sterben langsam aus. Nur wenige unserer Frauen können Kinder bekommen und die Wissenschaftler versuchen eine Möglichkeit zu finden, das zu ändern. Sie haben Seepferdchen DNA genommen, weil dort die Männchen eine Bauchtasche haben, in denen sie die Eier ausbrüten.“

Ewan zog die Brauen tiefer. „Das erklärt den merkwürdigen Strich auf seinem Bauch“, sagte der Mole und holte tief Luft. Ihm ging einiges durch den Kopf, doch er vermied seinen Kommentar, dass die Menschen nicht anders wären als die Gottgleichen auch. Sie manipulierten die Natur schlicht zu ihrem Vorteil. „Und warum ist er bei dir? Soll er dir Kinder austragen?“ Für den Mole machte das nämlich ohne Weibchen keinen Sinn.

„Nein, er ist hier bei mir, weil wir befreundet sind. Wenn er wirklich Kinder austragen kann, dann soll er entscheiden, ob er das machen will. Dazu müsste er von Bill untersucht werden, aber Meodin mag ihn nicht.“ Allerdings sein Vater hatte verlangt, dass sein Freund untersucht wurde und diesem Befehl konnte Erdogan sich nicht widersetzen. Hoffentlich war das Seepferdchen etwas handzahmer, wenn er endlich nach draußen durfte, wenn er dorthin gehen konnte, wo er wollte und Erdogan hatte auch schon einen Plan, wo er mit Meodin hin gehen wollte.

Die Kuppel über dem Geheimlabor.

Sie war intakt, das wussten sie, doch sie war komplett von Wasser umspült, es sah aus als stünde man in einem riesigen Aquarium. Das dürfte seinem Seepferdchen sicher gefallen.

„Aha“, machte Ewan leise, denn Meodin kam gerade zurück geflitzt. Er trug eine Hose in Tarnfarben und ein Shirt, rubbelte sich gerade mit einem Handtuch die Haare trocken und hatte eine Scheibe Brot im Mund.

„Fertig?“, fragte der Prinz und ging schon einmal zur Tür. Er musste sich auch erst wieder anziehen. Meodin warf das Handtuch auf einen Stuhl und stand neben ihm. Er wirkte richtig aufgeregt und Ewan musste schmunzeln, als Meodin drängelte.

Ihm ging das alles nicht schnell genug.

Endlich machte Erdogan die Tür auf und sah sich noch einmal fragend nach Michael um, vielleicht wollte der sich auch mal etwas die Beine vertreten, doch der schüttelte nur pfeifend den Kopf und hatte schon ein Handtuch bei sich. Er nutzte wohl die Gunst der Stunde, um Meodins Pool zu entern. Doch dem war das völlig egal. Er hastete die Treppen nach unten, hätte fast die Kurve nicht bekommen und nur das Geländer bremste den Sturz.

Ewan war der erste bei ihm und verhinderte, dass Meodin hinfiel. Er war einfach losgesprungen und bewies wieder einmal, wie stark die Moles waren. Der Prinz war Augenblicke später bei ihnen und schüttelte den Kopf. „Vorsichtig, Meo, wenn du dich verletzt, kommst du nur bis in die Klinik und nicht zu der Überraschung.“

„Quatsch.“ Das Seepferdchen lachte und hüpfte auf seinen langen Beinen schon wieder die nächsten Treppenabsätze hinunter, übermütig wie ein junges Fohlen. Daniel, der gerade gedankenverloren über den Flur schlurchte, ein Buch vor der Nase und somit von der Außenwelt abgeschnitten, konnte von Adrian gerade noch zurückgerissen werden, sonst wäre er in einem Knäuel mit Meodin geendet.

„Tschuldigung“, brüllte Meodin noch, dann war er zur Tür raus. Daniel sah ihm irritiert nach.

„Er darf nach draußen“, erklärte Erdogan lachend und sah die beiden Mediziner an. „Wollt ihr mit? Wir gehen zur Unterwasserkuppel?“, fragte er. Daniel und Adrian waren auch noch nicht dort gewesen und sie fanden das bestimmt auch interessant.

Und weil Bill bei seinem Gatten im Zimmer war und Wachen vor der Tür postiert waren, zerrte Adrian Dylan, der gerade ein Buch las, ohne zu fragen am kurzen Stummelschwanz hinter sich her, bis der junge Mole fast noch gefallen wäre. Dann endlich durfte er sich umdrehen und vorwärts laufen. Sie waren zu einem ziemlich großen Haufen angewachsen.

Vor der Tür mussten sie sich erst einmal suchend umsehen. Es dunkelte schon ein bisschen und nirgends war Meodin zu sehen. Erdogan war sofort in Sorge, dass ihm etwas passiert sein konnte, doch da hörte er sein Seepferdchen jauchzen. Ein intensiverer Blick zeigte, dass Meodin gerade lachend durch das Gras rollte.

„Oh Mann“, seufzte Erdogan, ließ Meodin aber seinen Spaß und Ewan lachte. Es war einfach lustig, was Erdogans Freund da machte. „Er scheint sich ziemlich zu freuen.“

Erdogan nickte, ging aber nach ein paar Minuten zu Meodin und zog ihn hoch. „Komm, wir wollen weiter. Es gibt noch viel mehr zu sehen.“

Erst wirkte Meodin nicht begeistert von der Störung, doch schnell war sein Interesse wieder auf dem Weg. Die kleine Gruppe machte sich auf den Weg zum Tunnel, denn wenn sie die Kuppel über dem Labor erreichen wollten, mussten sie durch das Labor. Doch das ging ziemlich zügig, die Wege hatten seine Leute schon erkundet. Und so liefen sie zwanzig Minuten später durch das enge Treppenhaus nach oben in ein altes, verfallenes Haus. Die Tür hing nur noch in den Angeln und die Magie des verlassenen Ortes wirkte auf die jungen Männer. Die Kuppel lag nur wenige Meter unter dem Wasserspiegel, so strahlte der riesige Vollmond durch das trübe Wasser und hüllte den Platz vor dem Haus in ein merkwürdiges Glimmen.

Meodin lief los.

Ewan und die anderen Moles folgten zögernd und waren angespannt. Sie hatten noch nie so viel Wasser gesehen und sie fühlten sich unwohl. Das war überhaupt nicht ihre Welt. Aber trotzdem waren sie neugierig und sahen sich um, als sie langsam weiter in die Kuppel gingen. „Wahnsinn“, murmelte Dylan und konnte sich gar nicht von dem Anblick lösen.

Als würden sie fliegen zogen Schwärme von Fischen durch die Bucht und über die Kuppel hinweg. Sie war – verglichen mit denen, die die Moles bisher kennen gelernt hatten - sehr klein. Sie hatte vielleicht zweihundert Meter im Durchmesser und so war es für Dylan ein leichtes, einmal an der Glaswand entlang zu schleichen. Jeder ließ ihn machen, hier konnte ihm nichts passieren. Auch Meodin stand an der Wand, die Hände auf das Glas gelegt, starrte er in das Dunkel des Wassers. Er spürte etwas in sich, was er nicht erklären konnte, ein Drängen, ein Treiben, der Wunsch durch das Glas nach draußen zu kommen.

Ein kleiner Fischschwarm kam näher und Meodin lachte, als sie erschrocken flüchteten, weil er sich bewegt hatte. Erdogan ging zu ihm rüber und legte von hinten die Arme um ihn. „Gefällt es dir?“, fragte er leise und legte sein Kinn auf Meodins Schulter. So konnte er bequem die Fische beobachten.

„Es ist wunderschön. Ich möchte hier bleiben, ich möchte dort raus.“ Meodin konnte es nicht erklären, aber in ihm wuchs eine Sehnsucht, die ihm fast physische Schmerzen bereitete. Seine Finger glitten über das kalte Glas, doch er konnte das Wasser nicht spüren, nicht hören. Wehmütig sah er den Fischen hinterher, die am Glas entlang nach oben glitten, schwerelos und ohne Grenzen. Sein Kopf lag weit im Nacken und so konnte er – als er den Kopf leicht drehte – Erdogan direkt in die Augen sehen.

„Wenn wir das Serum haben, werden wir versuchen aufs Meer zu kommen.“ Erdogan konnte gar nicht anders, als Meodin das zu versprechen. Sein Seepferdchen wirkte so sehnsüchtig und traurig. „Wir werden da raus gehen und zusammen schwimmen, aber vorher muss Bill dich untersuchen, damit wir sicher sein können, dass du das Anti-Rad auch verträgst.“

Meodin antwortete nicht, er hatte den Kopf wieder nach vorn gezogen und seine Stirn lehnte an der kühlen Scheibe. Wieder tauchte ein Schwarm Fische an ihnen vorbei und eine Schule von Quallen schwebte langsam an der Kuppel nach oben. „Wenn es hilft, dass ich dann nach draußen kann, soll er das tun“, flüsterte Meodin und weil Erdogan wusste, wie wenig es ihm behagte, wenn Frankenstein in seiner Nähe war, war ihm bewusst, wie intensiv es sein Seepferdchen in den Ozean zog.

Er drückte Meodin fest an sich und ließ ihn dann los, damit sein Freund sich alles in Ruhe ansehen konnte. Er drehte sich nach Ewan um und ging zu ihm rüber. „Früher vor ungefähr tausend Jahren war das hier eine Insel im Meer. Kann man sich kaum vorstellen.“

Ewan sah noch einmal nach draußen und sah sich dann um. „Odin hat erzählt, dass es Zeiten gegeben hat, in denen man nicht unter Kuppeln gelebt hat. Man konnte gehen wohin man wollte und alles war grün. Bis die Menschen durchgedreht sind.“ Dabei sah er Erdogan nicht an, es sollte kein Vorwurf sein. Schließlich lagen mehr als 300 Generationen zwischen ihm und denen, die die Ozonschicht gekillt und die Pole geschmolzen hatten. Das war der Grund gewesen, warum die Menschen unter das Glas hatten ziehen müssen und als hätte das noch nicht gereicht, kam der finale atomare Schlag.

„Ja, das stimmt. Wir haben Aufzeichnungen darüber gefunden. Wenn du möchtest, kann ich sie dir zeigen. Die Welt war wirklich schön, nicht zu vergleichen mit der Öde jetzt. Damals gab es auch Landstriche, wo nichts gewachsen ist, aber das war völlig anders.“ Erdogan hatte sich die Filme oft angesehen und er hatte sich vorgenommen, die Erde wieder zum blühen zu bringen und das Serum war ein Anfang.

„Bei Gelegenheit möchte ich da gern einen Blick drauf werfen“, gab der Mole zu und grinste, als Dylan, der sich immer noch am Glas entlang um die Kuppel schob, an ihnen vorbei geschliddert kam, Adrian im Schlepptau, der dem jungen Mole erklärte, was dort draußen zu sehen war. Adrian hatte viel gelesen und war so ziemlich der einzige Mole, der wusste was eine Spanische Galeere war und warum silberglänzende Heringe im Schwarm schwammen.

Langsam schob sich Meodin näher an die beiden ran, denn er wollte auch zuhören. Das war interessant und so kam er immer näher. „Hallo“, sagte er und Dylan erschreckte sich ziemlich. Er war so in die Erklärungen vertieft gewesen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, dass sie nicht mehr alleine waren.

Etwas verstört hielt der Mole inne und robbte nicht weiter mit Händen und Nase über das Glas sondern sah den Fremden an. Er hatte schon mitbekommen, dass der was Besonderes sein musste, denn immer wieder war von ihm die Rede gewesen. Er kannte dessen Namen schon ohne ihn je gesehen zu haben und sicherlich war auch nur er der Grund, warum sie jetzt hier waren. Doch ihm sollte es gleich sein, er sah nett aus und so sagte auch er: „Hallo“. Adrian war da weniger phlegmatisch, er reichte Meodin die Hand, stellte sich vor und fing gleich an ihn auszufragen, wie er es denn hier draußen finden würde. Doch schnell merkte er, dass das Seepferdchen nicht reden sondern zuhören wollte. Adrian grinste und so setzten sie nun zu dritt ihren Weg an dem endlosen Glasfenster in den Ozean fort.

Erdogan hatte sich mit Ewan auf einen Mauerrest gesetzt und sie unterhielten sich. Das hatten sie sich angewöhnt, wenn sie gemeinsam bei Bill Wache gehalten hatten. Er wollte so viel wie möglich über die Moles erfahren und sie hatten auch schon angefangen, Pläne zu machen für die Zeit, wenn sie das Serum hatten.

Daniel saß schweigend bei ihnen. Er sammelte nur Informationen, so lange er selbst nichts dazu beitragen konnte. Morgen hatte er einen vollen Tag. Leander erklärte seinen Männern gerade, dass Untersuchungen anstanden und er fragte sich, ob sie noch mehr von diesen merkwürdigen Zeichen finden würden. Er wusste nicht, ob er das wollte oder nicht. Auf der einen Seite war es spannend, in eine solche Sache verwickelt zu sein, doch auf der anderen Seite auch gefährlich. Zum Glück wusste seine Frau nichts von dem, was hier vorgefallen war. Sie würde es später erfahren, wenn er wieder bei ihr war.

Sie blieben fast zwei Stunden oben in der Kuppel, aber dann drängte Erdogan allmählich zum Aufbruch. Sie sollten langsam schlafen gehen. Morgen war ein langer Tag. Er rief die drei Entdecker und sie drehten sich murrend zu ihm um, zumindest zwei.

Meodin hatte ihn noch nicht einmal gehört. Seine Augen klebten an den blitzenden Leibern, die wie ein einziger Organismus zuckten und schwammen, als sich plötzlich größere Schatten der Kuppel näherten. Meodin betrachtete sie, doch er suchte vergeblich den langen Schwanz eines Fisches oder die Flossen an der Brust. Sie sahen eher aus wie – er selbst. Sie trieben nur schemenhaft durch das dunkle Wasser und Meodin konnte nicht mit Gewissheit sagen, was er gesehen hatte und als Dylan ihn am Arm zog, schoss er erschrocken herum.

„Da“, rief er aufgeregt und deutete auf das Wasser. Erdogan war so schnell er konnte bei ihm und sah dort hin, wo Meodins Finger hindeutete. „Was ist da?“, fragte er, konnte aber nichts erkennen.

„Da war jemand – etwas“, sagte Meodin aufgebracht und starrte wieder in das Dunkel doch dann senkte er den Kopf, als ihm klar wurde, dass das nicht sein konnte. „Hab mich wohl getäuscht“, gestand er leise und wandte sich ab. Er hatte wohl zu lange nach draußen gestarrt und sein eigenes Spiegelbild hatte ihn zum Narren gehalten. Es gab so viel Merkwürdiges hier draußen. Also ging Meodin langsam Richtung Tür, es war wohl alles etwas viel für ihn gewesen. Er fühlte sich ermattet.

Erdogan legte einen Arm um ihn und stützte Meodin ein wenig. „Was hast du gesehen?“, fragte er und führte sein Seepferdchen wieder die Treppe hinunter. „Wir können gerne wieder herkommen, wenn du möchtest.“

„Ich weiß auch nicht mehr, was ich gesehen habe. Ich glaube, das war nur mein Spiegelbild. Es gibt keine wie mich da draußen – nur Fische“, sagte Meodin und es klang gerade so, als müsste er es mit Bestimmtheit sagen, um es selbst zu glauben. Doch dann schwieg er. Er musste nicht erklären, dass er noch einmal hier her kommen wollte – er würde hier her kommen, so oft es nur ging. Er wollte bei Tag hier sein, vielleicht konnte er dann noch mehr sehen. Doch jetzt war er erst einmal müde und so lehnte er sich an Erdogan, während der Prinz die kleine Gruppe zurück zum Hauptquartier fuhr.



28

„Meodin, Dylan wir wollen los“, rief Ewan und wirkte etwas entnervt. Seit sie gestern den Ausflug zur Kuppel gemacht hatten, waren die zwei fast unzertrennlich. Den ganzen Tag schon hockten sie zusammen und erkundeten ihre Umgebung gemeinsam. Sehr zum Leidwesen Michaels, der jetzt nicht nur einen Schützling hatte, sondern zwei. Jetzt sollten die zwei sich ihnen anschließen, denn sie wollten durch neu entdeckte Räume in der Anlage gehen und alles wartete nur noch auf sie.

Leander war anfangs von der Idee nicht so angetan gewesen, doch Erdogan hatte ihm zu bedenken gegeben, dass den beiden draußen allein mit Michael mehr passieren konnte als dort unten mit dem Schutz eines Dutzend Soldaten. Leander hatte es eingesehen und nachgegeben, aber nicht wegen dem Argument, sondern weil er wusste, dass Erdogan sein Seepferdchen lieber im Blick hatte.

„Ja“, maulte Dylan leise. Er hatte gerade angefangen zu graben, denn er hatte eine leckere Made gerochen. Doch er ließ es bleiben, klopfte sich die Erde von den Krallen und machte, dass er Anschluss fand. Meodin war schon in den Wagen gesprungen, denn er wusste, dass er wieder nach oben in die Kuppel konnte, wenn er da mit fuhr.

Die Fahrt dauerte nicht lange und Leander nutzte die Zeit, um Erdogan von der Untersuchung der Soldaten zu erzählen. Sie waren gerade erst fertig geworden und zu seiner Erleichterung hatten sie bei keinem ihrer Männer ein ähnliches Tattoo gefunden. „Sehr gut“, Erdogan war zufrieden. Jetzt wussten sie, dass es in ihren Reihen keine Verräter gab.

Anders verhielt es sich noch mit den Wissenschaftlern. Doch das mussten sie nach und nach klären. Im Augenblick hatten sie dank Odins Aufzeichnungen noch weitere Gänge entdeckt. Sein Tagebuch las sich wie eine Anleitung für das Labor, gerade so als hätte er geahnt, dass ihm etwas passieren würde und er jemandem die Geheimnisse verraten müsse, damit sie nicht vergessen wurden.

Erdogan hatte darüber gegrübelt, auch darüber, dass ausgerechnet jetzt Bill abgezogen werden sollte. Für seine Begriffe roch das alles zu sehr nach Sabotage, um Zufall zu sein. Doch er hatte mit niemandem bisher darüber gesprochen, nicht einmal mit Leander. Denn er war sich noch nicht ganz sicher. Noch gab es zu viele Lücken in seinen Überlegungen und erst wenn er die meisten davon geschlossen hatte, würde er mit seinem Freund darüber reden.

Aber jetzt war er neugierig, was für Räume hier auf ihn warteten, denn er hatte sie selber noch nicht gesehen. Er sah sich nach Meodin um, der schon wieder den Kopf mit Dylan zusammen gesteckt hatte. Es schien, dass sein Seepferdchen dabei war, neue Freunde zu finden.

Erdogan sah das mit gemischten Gefühlen, doch ihm war klar, dass er Meodin glücklich sehen wollte. Er war kein Sklave, kein Haustier, er war ein Individuum, das selbst entscheiden sollte, wie sein Leben sich entwickelte. Und Freunde gehörten da unweigerlich dazu. Mit gehobener Braue beobachtete er Meodin und Dylan, wie sie sich schleichend an Michael heran pirschten, der gerade dabei war, sich alles genau anzusehen. Er war noch nie hier gewesen und fühlte sich etwas unbehaglich. Es war nicht förderlich, dass ein Maulwurf und ein Seepferdchen ihn gleichzeitig erschreckten und dann lachend davon liefen, bis Leanders Männer ihnen den Weg versperrten, weil sie zu weit vor gelaufen waren.

Sie folgten den beiden etwas langsamer und weil Erdogan sich gerade mit Leander unterhielt, wären sie bald noch in Meodin und Dylan hineingelaufen, die mitten im Weg stehen geblieben waren und sich mit großen Augen umsahen. „Was ist los?“, fragte Erdogan und dann sah er, was die beiden jungen Männer so in Erstaunen versetzt hatte. Sie standen im Eingang zu einer riesigen Halle, die vollkommen leer zu sein schien.

Vorsichtig tastete sich Meodin etwas tiefer in den Raum und über ihm öffnete sich die Decke zu einer riesigen Kuppel. Einen solchen Raum hatte er noch nie gesehen – es sah fast aus wie die Glaskuppel gestern, als sie oben gewesen waren, um ins Meer zu sehen. Nur dass diese hier nicht durchsichtig war, sondern aus solidem Fels geschlagen. Selbst die Säulen, die den Anschein erweckten, als würden sie das gigantische Gewölbe stützen, waren aus dem Fels gearbeitet worden. Hier hatte sich jemand sehr viel Mühe gegeben.

„Was ist das?“, fragte Leander und seine Männer gingen vor, um das Gelände zu sichern.

„Schaut mal in Odins Tagebuch, vielleicht sagt er etwas dazu“, schlug Ewan vor, der sich ebenfalls keinen Reim darauf machen konnte. Vielleicht war es eine Halle wie sie auch die Moles nutzten, ein Raum wo alle zusammen kamen, um etwas zu beschließen oder um Initiationsriten zu feiern. Denn nicht umsonst ging eine Reihe steinerner Sitzbänke einmal um eine Art Arena in der Mitte.

Erdogan holte gleich Odins Aufzeichnungen aus seiner Jacke und blätterte sie durch. Er verglich die Aufzeichnungen mit dem Plan der Anlage auf seinem Palm. „Er nennt es Observatorium“, sagte er schließlich und zuckte mit den Schultern. Allerdings, was sollte man hier beobachten so tief unter der Erde?

„Na, dann lasst uns das Teil mal anschauen, vielleicht finden wir ja heraus, wozu es dient.“ Meodin und Dylan waren schon dabei, sie tobten durch die große Halle und hatten jede Menge Spaß dabei. Erdogan sah das nicht gern.

Was, wenn hier Fallen waren?

Was, wenn sie aus Versehen etwas auslösten und sich damit in Gefahr brachten?

Er rief sie also zu sich. Das Gelände war ihm noch zu heiß. Meodin sah ihn mit geschlitzten Augen an, doch Ewan, der gerade seinen Kameraden zu sich rief, war da weniger anfällig. „Du auch!“, knurrte er Meodin also an und das Seepferdchen gehorchte lieber. Er wusste, dass mit diesem Kerl nicht zu spaßen war.

Langsam schritten sie mitten in die Arena um sich den Raum einmal komplett anzusehen. „Observatorium“, murmelte Leander immer wieder. Das machte auch für ihn keinen Sinn. Von hier aus konnte man gar nichts observieren – nicht einmal das Wasser, denn der Raum hatte keine Fenster. Wie die komplette Anlage übrigens auch.

Mürrisch schlurfte Meodin zu den anderen und gab sich gar nicht erst Mühe schnell zu sein. Er war sauer, und das zeigte er auch, indem er einmal kräftig gegen die steinerne Bank trat und mit der Faust gegen die Säule schlug. Zuckte aber erschrocken zusammen, als der Stein unter seiner Hand nachgab und Erdogan und Leander plötzlich in einem riesigen Hologramm der Erdkugel standen.

„Was?“ Leander zuckte herum und versuchte zu begreifen, was passiert war. Meodin hatte sich nicht weniger erschrocken und sah erst auf seine Hand, dann auf diese durchsichtige merkwürdige Kugel. Was auch immer es war, es war die Erklärung dafür, warum dieser Raum so riesig war, denn es füllte den kompletten Kuppelbau aus.

Leander trat beiseite, um sich das Gebilde von außen betrachten zu können und Meodin starrte immer noch nach oben. „Das ist die Erde“, sagte Leander nach einer Weile, in der er das Gebilde hatte auf sich wirken lassen. Ja, genau. Er hatte alte Karten gesehen, einen Globus. Das dort war der sogenannte Kontinent Amerika. Auf dieser Landmasse lag auch irgendwo Neo New York. Doch was bedeuteten die ganzen bunten Punkte?

„Wow.“ Erdogan ging um das Hologramm herum. „Hier ist Neo New York“, sagte er und zeigte auf einen halb grünen und halb blauen Punkt. Jetzt war auch klar, was diese leuchtenden Punkte bedeuteten, aber es waren so viele. Erdogan hatte keine Ahnung gehabt, dass es so viele Kuppeln gegeben hatte. Vorsichtig streckte er eine Hand aus und als er den leuchtenden Punkt erreicht hatte, öffnete sich ein neues Hologramm daneben, auf dem der Name Neo New York stand.

Sein Finger glitt weiter, unweit von Neo New York lag ein schwarzer Punkt. Als er ihn berührte, öffnete sich ein weiteres Fenster: Philadelphia. Noch einen Schritt weiter, ein roter Punkt: Washington. Erdogan war fasziniert.

„Was glaubst du, was das ist?“, fragte Leander, revidierte dann aber seine Frage. WAS es war, konnte er sehen – doch wozu? Warum hatten die Gottgleichen eine solche Karte geschaffen und „Was sind das für Linien?“, fragte er, denn auf die konnte er sich gar keinen Reim machen.

„Tunnel“, sagte Ewan leise, denn die Moles hatten sie gegraben. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie hart die Moles seit Generationen geschuftet hatten. Das Netz hier zu sehen war beeindruckend.

„Die habt ihr gegraben?“, fragte Erdogan und pfiff durch die Zähne. „Das ist fast nicht zu glauben. Das müssen Tausende von Kilometern sein. Was für eine Leistung.“ Sie gingen immer weiter um die Kugel herum und Erdogan berührte immer mal wieder einen der leuchtenden Punkte. London, Hamburg, Sydney und noch viele Städte mehr, die er aus den alten Aufzeichnungen kannte, leuchteten auf.

„Da ist doch kein Land, oder?“, fragte Leander, als er mitten im Atlantik stand und sich umsah. Die blaue Farbe gab ihm Recht und doch blinkten dort Punkte. Er reckte sich ein wenig, um einen erreichen zu können und berührte ihn. „Atlantis 7 West“, las er irritiert. Auch heute kannte man noch die Legende vom versunkenen Kontinent. Es war Aberglaube, denn es war nie gefunden worden und jetzt las er es hier.

Ganz deutlich.

„Atlantis 4 Süd – Atlantis 9 Süd.“ Das war unglaublich! Sie blinkten blau, gelb oder violett.

„Das ist wirklich unglaublich.“ Erdogan hatte sogar Meodin vergessen, was bei ihm eigentlich sonst nicht vorkam. Sie hatten etwas Fantastisches entdeckt, wenn sie auch noch nicht wussten, was es bedeutete. „Ewan, sind diese Tunnel noch benutzbar?“, fragte der Prinz und in seinem Kopf entstand eine Idee.

Der Mole nickte, dann schüttelte er den Kopf und Adrian antwortete für ihn. „Teils, teils. Ich schätze mal, das bedeuten die Farben von den Strichen. Ein paar sind kleine Tunnel für solche Gefährte wie ihr sie habt. Wagen. Dann gibt es welche für riesige, fahrende Räume. Einen Teil haben wir regelmäßig erneuert und einen Teil haben wir nicht mehr erneuern müssen.“ Adrian suchte, doch das Raster war einfach zu grob. Er wusste auch nicht, ob jetzt die schwarzen die aktiven waren oder die kaputten oder die mit den fahrenden Räumen.

„Das finden wir schon noch alles heraus.“ Erdogan sah Leander an und der wusste, woran der Prinz dachte. Erdogan wollte die Tunnel erkunden und nach Möglichkeit auch die leuchtenden Punkte. „Ich weiß jetzt schon, dass heute der letzte Tag sein wird, an dem wir den Raum hier alleine genießen können“, lachte er. Spätestens ab Morgen würden die Wissenschaftler die Regie hier übernehmen.

An vorderster Front sicherlich Thom, der Techniker, dem die Technologie sicherlich das eine oder andere Schmeckerchen bescheren dürfte. Sollte er versuchen, dem Ding noch ein paar mehr Informationen zu entlocken. Das konnte ihnen allen nur helfen.

„Und wenn ich das hier so sehe, brauchen wir das Serum schneller denn je. Denn auch wenn wird die Gänge benutzen können, wissen wir nicht, was uns in den anderen Orten erwartet.“ Und ob dort überhaupt noch Kuppeln waren. Das war ja noch gar nicht raus.

Ewan nickte zustimmend. Die Unternehmungslust der Menschen war ansteckend. Normalerweise wäre ihm egal gewesen, was in den anderen Kuppeln vor sich ging, aber jetzt war er doch neugierig. Erdogan sah auf, als Meodin an ihm vorbeikam und zeigte auf die blinkenden Punkte im Wasser. „Ich würde gerne wissen, was das zu bedeuten hat. Du auch?“, fragte er sein Seepferdchen.

Der sah ihn fragend an und blickte dann wieder auf die Punkte, die alle den Namen Atlantis zu haben schienen. Meodin nickte, doch sein Interesse an der Weltkugel, mit der er nichts anfangen konnte, weil es für ihn und sein Wissen viel zu abstrakt war, schwand langsam.

Er wollte zurück an die Oberfläche, dort hin, wo er gestern Abend gewesen war. Zu den Fischen, unter das Wasser. Doch er lächelte, weil er Erdogan nicht vor den Kopf schlagen wollte. Der kannte seinen Freund aber schon gut genug, um zu wissen, was er wollte. Sie hatten gestern noch einen Weile zusammen gesessen und Meodin hatte gar nicht aufhören können zu erzählen, was er alles gesehen hatte, bis er schließlich mitten im Satz eingeschlafen war.

„Sollen wir nach oben gehen?“, fragte er darum und die leuchtenden Augen sagten alles. „Dann los.“ Wie der Blitz schoss Meodin los, griff sich Dylan und Erdogan hatte es mit Leander schwer ihnen zu folgen.

Der Prinz setzte sich mit Leander wieder auf den Mauerrest und die anderen beiden klebten schon wieder an der Scheibe. „Was gibt es noch alles, von dem wir nichts wissen?“, fragte Erdogan und sah Leander an. „Wir haben bisher taub und blind in einem Kokon gelebt und zum großen Teil haben wir dadurch all diese Probleme, die wir jetzt haben. Aber das ist jetzt vorbei. Unsere Augen und Ohren sind offen und wir werden diese Welt erkunden, die danach ruft von uns entdeckt zu werden.“



Ende Zyklus I