Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Twins 6 > Twins 6 - Nichts geht über Familie - Teil 13- 15

Twins 6 - Nichts geht über Familie - Teil 13- 15

13

Doch nach ein paar Minuten waren sie ein eingespieltes Team und fertig. Alice hatte bereits alles weggeräumt, was nicht mehr gebraucht wurde. Das Essen musste ja nicht unnötig in der Wärme stehen. Auf dem Rückweg brachte sie immer mal etwas Bastelzeug mit und breitete es aus, während Fabios Augen immer größer wurden.

Noel hatte das Interesse am Tisch verloren, der war jetzt leer und so strich er ein bisschen durch die Lodge, während Krismasi einfach sitzen blieb, auch als Fabio sie losgelassen hatte.

„Willst du mitbasteln?“, fragte Marius und streichelte sie. „Glaubt ihr, dass die Zwei sich irgendwann mal so gut verstehen, dass sie Junge bekommen?“ Er hätte ja auch gerne so eine Katze für sich. Vielleicht ließ sein Vater sich ja dazu überreden, wenn er älter war.

Fabio zuckte die Schultern. Angedacht war es schon, aber wenn es nicht funktionierte, dann war das auch nicht schlimm. „Das wird die Zeit zeigen. Vielleicht stimmt die Chemie, vielleicht nicht. Das kann ich heute noch nicht sagen“, redete sich Fabio also ein bisschen raus. Für ihn war klar, dass das Wohl der Tiere an erster Stelle stand und wenn Kris und Noel nicht miteinander konnten, würde er sie lieber trennen, als sie zu gefährden. „Aber wir haben ja noch viel Zeit.“ Dabei lächelte er Marius an.

„Hm.“ Marius sah Fabio überlegend an und nickte dann. Der Freund seines Vaters hatte es nicht für unmöglich erklärt, das reichte ihm. „Ja, wir sollten wirklich dafür sorgen, dass sie sich gut verstehen.“ Marius setzte sich wieder an den Tisch und nahm sich das erste Blatt Papier, um es in Streifen zu schneiden.

Fabio blickte über den Tisch und entdeckte die Wasserfarben. „Sollen wir ein paar der Blätter einfärben? Dann können wir bunte Girlanden machen“, schlug er vor. In der warmen, trocknen Luft trocknete die Farbe sicher schnell. Von Kris ein wenig behindert, weil sie leise knurrte, wenn er sie zwischen sich und dem Tisch einengte, hangelte er nach dem, was er brauchte und sah fragend in die Runde.

„Ja, gute Idee.“ Marius war gleich Feuer und Flamme. Er sprang sogar auf und reichte Fabio alles, was er benötigte. „Ich wäre für rot, grün, blau und gelb“, schlug er vor. Die Girlanden sollten doch schön werden.

„Du rot, ich grün, Mom gelb und Nath blau“, legte Fabio fest, damit jeder etwas zu tun hatte und so waren die Utensilien schnell verteilt. Ab und an wurde Kris daran gehindert, in die Farbe zu patschen, doch nach einer viertel Stunde lagen die bunten Blätter zum trocknen auf dem Tresen in der Küche.

„Wir haben keine Fenster hier und auch keinen Baum, an den wir Bilder hängen könnten. Was machen wir jetzt?“

„Ach, da finden wir schon was, wo wir sie dranhängen können.“ Alice sah das nicht so eng. Die Hauptsache war doch, dass sie etwas gemeinsam unternahmen. „Zur Not schicken wir deinen Vater los, um uns einen Baum zu besorgen. So ganz ohne Licht ist das doch irgendwie komisch.“

„Und wo willst du den her holen lassen?“, fragte Fabio jetzt doch etwas irritiert. Denn im Umkreis der Lodge standen nur wenige Bäume und keiner davon war es wert, einfach abgehakt zu werden – sie waren beliebte Fotomotive und wichtige Anlaufpunkte für viele Tiere.

„Ich habe doch noch den alten Besen im Lager. Du sorgst dann einfach dafür, dass es wie ein Baum aussieht“, schlug Alice vor.

Fabio tippte sich gegen die Stirn und lachte. „Viel Spaß dabei, Paps.“ Er beneidete seinen Vater nicht um die Aufgabe. Wenn seine Mutter sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war sie nur schwer davon abzubringen.

„Wieso ich? Ich war beim Basteln außen vor gelassen worden – ganz klare Ansage!“, erklärte José und schenkte sich von dem kalten Tee ein, den Marius und Alice vorhin gebrüht hatten.

„Dad, ich bin behindert und deine Gäste wirst du ja wohl nicht mit dieser Aufgabe betrauen wollen. Es bleibt dir also gaaaar nichts anderes übrig.“

„Nein, kommt nicht in Frage“, wiegelte José gleich ab, aber er wurde unsicher. So ganz Unrecht hatte Fabio gar nicht. „Ich will doch keinem was wegnehmen, was ihm Spaß macht“, und sah Nathaniel an.

Der winkte aber gleich ab. „Kein Werkzeug für mich oder du hast hier zwei Verletzte. Ich bin dazu nicht geeignet.“

„Och Menno“, maulte José und wirkte dabei wie Fabio, als er die beiden Katzen hatte bändigen müssen. Marius kicherte. Hier ging es ganz anders zu als daheim oder bei seiner Oma. Dort war immer alles perfekt und so steif, keiner maulte oder schacherte. „Soll ich helfen?“, bot er an, denn er hatte irgendwie Lust dazu, aus einem Besen einen Baum zu machen – er wusste allerdings noch nicht wie.

„Das würdest du tun?“ José riss die Augen auf und strahlte. „Komm her zu mir neuer Lieblingssohn“, lachte er und zog Marius kurz in seine Arme, dabei streckte er Fabio die Zunge raus. Er hatte schon eine Idee, wie sie das hinbekommen konnten, aber das verriet er noch nicht. Es sollte ja schließlich eine Überraschung werden.

„Klar, gerne.“ Natürlich war Marius gleich Feuer und Flamme und wirkte ganz stolz. Er schoss also hoch und war bei José. Zusammen verließen sie die Lodge Richtung Lager. Die drei Zurückgebliebenen sahen ihnen nach und blickten sich dann an. „Er passt sich gut ein“, musste Alice feststellen und wirkte zufrieden.

„Da bin ich auch sehr froh drum. Er mag euch und ich hoffe, dadurch wird er auch Fabio bald nicht mehr als Eindringling ansehen.“ Nathaniel sah seinem Sohn hinterher und lächelte. „Ich glaube, euch zu besuchen war die beste Idee, die ich haben konnte.“

„Ich glaube, das wird noch“, sagte Alice. Hier draußen war Marius auf sich gestellt. Nathaniel hatte der Mutter zwar Bescheid gegeben, damit die nicht die internationale Polizei damit beauftragte, ihren Jungen zu suchen, den der Vater entführt hatte, doch sie konnte ihn hier draußen nicht erreichen. Auch das hatte Nathaniel vorsorglich berichtet, denn seiner Ex traute er allmählich nicht mehr über den Weg.

„Mal sehen.“ Fabio zuckte die Schultern und streichelte Kris, die immer noch tapfer ausgehalten hatte.

„Nicht so negativ, Schatz.“ Nathaniel knuffte Fabio vorsichtig gegen den Arm und küsste ihn. „Du weißt, dass ich mich nicht geschlagen gebe, bis ich mein Ziel erreicht habe. Ich werde Marius nicht zwingen, dich zu mögen, aber ich werde ihm keine andere Wahl lassen.“

„Ist das nicht irgendwie das selbe?“, wollte Fabio wissen und der Graf lachte. „Nein, nur so was ähnliches.“

Fabio knuffte ihn und Alice lachte. „Ja, Schatz. Ich würde auch sagen, dass ihr auf einem guten Weg seid und die Katzen und das ganze drum herum, was ihn ablenkt, hilft auch, ihn an dich zu gewöhnen.“

Fabio knurrte. „An mich gewöhnen? Was bin ich denn? Schlecht schmeckender Kaffee?“

„Ach, Schatz.“ Nathaniel nahm Fabios Gesicht zwischen seine Hände und küsste ihn. „Du weißt, dass das nicht so gemeint ist. Du bist einfach wundervoll.“ Noch einmal nippte er an den verlockenden Lippen, dann strich er mit dem Daumen drüber. „Aber jetzt sollten wir endlich anfangen zu basteln, sonst wird Marius böse mit uns.“

„Ich fürchte auch. Nicht das ich gleich negativ auffalle.“ Fabio nickte und griff sich ein Blatt Papier. Während die anderen beiden Girlanden bastelten, wollte er auf Butterbrotpapier Bilder von den Katzen malen, die sie im Bad ans Fenster kleben konnten. Vielleicht mit einer Weihnachtsmütze. Schön machten sich die Bilder auch, wenn man sie um die großen Windlichter klebte. Sie dämmten das Licht.

Sie waren so vertieft in ihre Aufgaben, dass sie gar nicht mitbekamen, dass Marius und José zurückkamen. „Wow, das ist ja cool“, rief Nathaniels Sohn und erschreckte Fabio, weil er direkt neben ihm stand. „Du kannst ja toll zeichnen, genauso wie Thilo. Das sind Noel und Kris und die sind so niedlich mit den Mützchen.“

Fabio griff sich kurz ans Herz und versuchte sich wieder zu beruhigen, doch er lächelte und wirkte sehr stolz, dass Marius ihn offen lobte. „Na ja, ich male ein bisschen für den Hausgebrauch“, erklärte er und verschwieg, dass er neben seinem Wirtschaftsstudium auch an einer Grafikschule Kurse nahm, um sich und seine Techniken zu verbessern. Nicht nur, weil Thilo ihn angefeuert hatte, seine malerische Handschrift auszubauen, sondern auch, weil die Art des künstlerischen Sehens auch auf seine Fotos Einfluss nahm. „Freut mich aber, wenn es dir gefällt. Magst du eines ausmalen?“

„Ich darf eins ausmalen?“ Marius sah von Fabio zu den Bildern und wieder zurück. Dabei strahlten seine Augen und er nickte heftig. „Darf ich das haben?“ Er zeigte auf ein Bild, auf dem Noel und Kris gemeinsam mit einer Weihnachtskugel spielten.

„Ja, sicher. Wir wollten doch zusammen basteln... apropos. Wo ist denn der Baum?“ Fabio sah sich um und schob dabei das gewünschte Bild und seine Copic-Marker zu Marius. Er würde ihm zwar erklären müssen, wie man die Stifte am effektivsten anwendete, doch er ging davon aus, dass der Junge das schnell begriff. Er war pfiffig. Aber die teuren Stifte machten nun einmal die besten Effekte, streifenlose Flächen, besonders wichtig bei den Windlichtern.

„Ist in Arbeit. José und ich müssen noch einiges besorgen, damit er gut wird“, murmelte Marius abgelenkt, denn er hatte einen der Stifte in der Hand und besah sie sich. Er hatte sie schon einmal bei Thilo gesehen, aber nicht mit ihnen malen dürfen. Er wusste, dass man damit sehr gut malen konnte. „Wie muss ich das machen?“, fragte er und setzte sich neben Fabio.

Der griff sich ein Blatt Papier, malte schnell ein paar Figuren darauf und griff sich dann einen der Stifte. Schnell war erklärt warum der Stift zwei Seiten hatte und was er mit welcher Seite machen konnte. Fabio griff sich noch zwei Abstufungen der Farbe, die er eben benutzt hatte und zeigte, wie Marius damit euch Farbverläufe darstellen konnte, wenn er das wollte.

Marius sah ihm aufmerksam zu und griff sich das Probeblatt. Erst war er noch sehr unsicher, aber nach ein paar Minuten hatte er den Bogen raus und das ausmalen klappte schon recht gut. „Kannst du mir noch etwas zur Probe malen?“, fragte er Fabio, denn die Bilder sollten schön werden.

„Sicher.“ Fabio griff sich noch ein Blatt und malte mit schnellen Strichen einen Diego drauf, während er Kris noch immer hütete. Ihre neugierige Schnauze war fast ständig im Weg, denn der Geruch der Stifte interessierte sie. „Maus!“, knurrte Fabio und Kris knurrte zurück. Doch dann war die Skizze fertig.

Marius machte sich sofort daran Diego auszumalen und zeigte das Ergebnis dann stolz seinem Vater, der ihm lächelnd einen erhobenen Daumen zeigte. Kichernd stupste Marius Fabio an und zeigte auf Nathaniel, der mit den bunten Schnipseln kämpfte und ohne es zu merken, mehrere an sich kleben hatte.

Fabio konnte einfach nicht widerstehen und so deutete er Marius an, ihm seine Kamera zu reichen, denn Kris hinderte ihn daran, sich zu bewegen. Natürlich war Marius gleich dabei, holte – ohne darüber nachzudenken für wen – die Kamera und Fabio lichtete ab, was er gerade sah, zoomte Details von bunten Streifen an Unterarmen und Fingern und als er auch noch einen am Kinn entdeckte, hielt er drauf, verkniff sich aber das Lachen.

Es war so ungewöhnlich, seinen Liebling so zu sehen und Fabio freute sich, auch diese Seite an Nathaniel kennen zu lernen. Hier war er nicht der perfekte Geschäftsmann, sondern einfach nur ein Vater, der sich nicht darum scherte, etwas nicht perfekt zu machen. „Kennst du ihn so?“, fragte er Marius flüsternd.

Und der nickte. Ja, er kannte seinen Vater so – aber in den letzten Jahren waren diese Augenblicke immer seltener geworden. Ihn wieder so zu erleben freute ihn sehr. Er fragte nicht, warum das so war, er war zufrieden damit, dass es so war.

Um ihn in seiner Konzentration nicht zu stören, ließen Marius und Fabio Nathaniel weiter werkeln, knipsten nur ab und an, wenn er fluchte – das tat er nämlich auch heute noch nie ohne Grund.

Nur bei ganz schwierigen Gegnern und diese kleine Girlande gehörte eindeutig dazu. Sie gab sich so harmlos und unschuldig, aber Nathaniel wusste es besser. Sie schlang sich um seine Finger, klebte sie zusammen und machte innerhalb Sekunden die Arbeit von Stunden zunichte, weil sie sich an den verkehrten Stellen zusammenklebte. Das war der hinterhältigste Feind, den er jemals gehabt hatte.

Und deswegen schoss er ohne Vorwarnung hoch, sah auf alle am Tisch und presste zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: „Ich bin mal eben vor der Tür!“, und deutete dabei auf die Terrasse. Alle nickten und sahen ihm nach, wie Nathaniel langsam die Treppe runter ging, ein Stück über den Weg in den warmen Sand hinein und dann noch ein Stück – dann schrie er sich den Frust von der Seele, schüttelte die Finger, riss das klebende Papier runter und dann kam er zurück, setzte sich und begann von neuem, den toten Feind neben sich auf dem Tisch aufgebahrt.

Marius hatte Mitleid mit ihm und kam zu ihm rüber und zeigte ihm, wie er den Feind besiegen konnte.

„So einfach geht das?“, fragte Nathaniel mit großen Augen und versuchte es gleich. Er bekam den Ring ohne Probleme an den vorherigen und nichts klebte an ihm fest. „Danke, Schatz, du hast gerade Weihnachten gerettet“, lachte er und küsste Marius auf die Stirn.

Der Kleine grinste stolz und wurde doch glatt rot. „Man tut, was man kann“, nuschelte er leise und drückte sich an seinen Vater. Es war ihm ein bisschen peinlich, aber der Stolz war ihm trotzdem anzusehen.

„Siehst du, Schatz, wieder was dazu gelernt. Kopf an die Füße kleben, einen durchstrecken und wieder Kopf an die Füße kleben – ganz einfach.“ Fabio nickte grinsend und malte weiter.

„Ja, wenn man es weiß.“ Nathaniel lachte und zog Marius zu sich auf den Schoß. Er fand es schön, dass sein Sohn immer noch seine Nähe suchte. „Das machst du toll, mit den Bildern“, lobte er ihn. „Kann ich das Erdmännchen haben? Das lass ich mir rahmen und hänge es in mein Büro.“

„Echt?“, fragte Marius und war jetzt ganz aufgeregt. Er sah auf das Bild. Er war eigentlich ziemlich zufrieden damit, doch er wollte noch das Urteil eines Profis, ehe er es seinem Vater gab, damit er es fremden Leuten zeigen konnte. Also sah er schüchtern Fabio an. Der schien Ahnung zu haben, doch er war immer noch derjenige, der eventuell zwischen ihn und seinen Vater trat. Seine Mutter hatte ihm das klar gemacht, auch wenn Marius zugeben musste, dass er selbst das noch nicht wirklich bemerkt hatte.

Bisher hatte Fabio nichts versucht, um ihn und seinen Vater auseinander zu bringen und irgendwie machte Marius das sehr nachdenklich. Der Geliebte seines Vaters war ganz anders, als seine Mutter ihn beschrieben hatte. Eigentlich war er sehr nett und dessen Eltern auch. Es hatte ihm unwahrscheinlich Spaß gemacht, sich mit José zu überlegen, wie sie einen Weihnachtsbaum hinbekamen, besonders weil seine Vorschläge nicht einfach als kindisch abgetan wurden. „Moment“, sagte er darum und ging mit dem Bild zu Fabio. „Kann ich daran noch etwas verbessern?“, fragte er schüchtern und lächelte unsicher.

Wenn Fabio verblüfft war, so konnte er das gut verbergen. Er schob Kris, die immer noch auf ihm herum turnte, etwas beiseite, damit er nach Stiften greifen konnte. Doch er griff nicht nach Marius’ Bild, sondern nach einem Blatt. „Wir können noch ein bisschen Gras drum herum malen, dann sieht er natürlicher aus und sitzt nicht so alleine auf dem Blatt. Oder lieber einen Baum?“ Fabio fing an, beides auf einem Blatt vorzuzeichnen, damit sich Marius entscheiden konnte.

Marius kam näher und sah ihm aufmerksam zu. „Geht auch beides?“ Ihm gefiel was Fabio gezeichnet hatte und es sah so leicht aus, das faszinierte ihn besonders. „Würdest du es vorzeichnen und ich male es aus?“ Marius war extrem unsicher und schob vorsichtig das Bild etwas näher an Fabio.

„Den Baum kann ich dir vormalen, das ist kein Problem“, erklärte Fabio. Er wusste, dass Alice und Nathaniel sie beide beobachteten und das Basteln in den Hintergrund getreten war, doch das hielt ihn nicht davon ab, weiter zu machen. Er hatte ja selber auch Spaß daran. Er hatte lange nicht mehr gezeichnet, ihm hatte die Zeit gefehlt. „Wenn ich das Gras vormale, dann wird es nicht so leicht, sondern klobig, das würde nicht gut aussehen. Übe ein bisschen auf dem Blatt und wenn du locker genug bist, steige einfach auf dein Bild um, hm?“ Er sah Marius an und lächelte. Kris nutzte die kleine Unaufmerksamkeit, um endlich auf den Tisch zu kommen.

„Kris, nicht, mein Bild!“, rief Marius panisch und fing den kleinen Serval ein. Sie war nämlich genau auf sein Bild zugelaufen und er hatte Angst, dass es dann kaputt ging. Kris gefiel das natürlich gar nicht, schon wieder ausgebremst zu werden und protestierte lautstark, aber Marius ließ sich davon nicht beeindrucken und streichelte sie. „Süße, der Tisch ist nicht für kleine Katzen.“

Also setzte er sie auf den Boden, was Krismasi ebenfalls ziemlich servalverachtend fand und fauchend unter dem Tisch sitzen blieb.

„Na komm.“ Fabio griff sich das gerettete Bild und zeichnete den Baum vor, während Marius neben ihm saß und übte, Gras zu malen. Er hatte den Trick schnell raus, dass er den Grashalm von unten nach oben malen musste, um die Enden mit viel Schwung spitz auslaufen zu lassen.

Es machte ihm sichtlich Spaß und er nahm es sehr ernst, was die eingeklemmte Zungenspitze zeigte. Nathaniel musste darüber schmunzeln, denn er hatte diese Angewohnheit ebenfalls als Kind gehabt und er deutete Fabio an, dass er ihm davon ein Bild machen sollte.

Natürlich ließ sich Fabio nicht zweimal bitten und schoss ein paar Bilder, übrigens auch noch eins von der zeternden Krismasi, die gelangweilt auf die Terrasse verschwand. Sie hatte Diego entdeckt, doch am Tisch wurde weiter gebastelt. Wenn etwas passierte, würden sie schon einen von beiden schreien hören.

Marius gab sich viel Mühe mit seinem Bild und als er meinte, dass es fertig war, zeigte er es Fabio. Er merkte dabei gar nicht, dass er sich dabei ein wenig an den Geliebten seines Vaters lehnte, als er sich dessen Urteil abholte. Nathaniel und Alice bemerkten es aber sehr wohl und lächelten sich an. Der erste Schritt war definitiv gemacht und das war Fabio allein durch sein Talent geglückt. Er konnte etwas, was Marius bewunderte und so hatten sie eine Basis geschaffen, die es auszubauen galt.

„Das sieht klasse aus! Das Gras kannst du dann auch um die Pfoten von den Servalen malen, wenn du magst“, schlug er vor und meinte das ernst. Der Kleine hatte sich viel Mühe gegeben und das Gras sah toll aus. Er hatte die Farben gemischt und es war ihm gut gelungen.

Marius nickte stolz und brachte das Bild zu seinem Vater, der ihn auch noch einmal lobte, genauso wie Alice, die sich das Bild ebenfalls ansah. „Ich weiß schon, wo es hängen soll, damit ich es immer sehen kann, wenn ich im Büro bin.“ Nathaniel legte es zur Seite, damit es keinen Schaden nahm und sie machten weiter. Jetzt, wo Nathaniel wusste, wie er die Girlanden machen musste, kam er gut voran und bald hatten sie viele Meter geschafft, die ausreichten, um das Haus zu schmücken.

Die Bastelei war also offiziell beendet worden und der Tisch leer geräumt, damit konnte die Schmückerei losgehen. „José!“, rief Alice, denn da war ja immer noch der ausstehende Weihnachtsbaum. Dann konnten sie den gleich mit schmücken.

Derweil holte Nathaniel die Windlichter von der Terrasse, damit sie mit den Bildern umspannt werden konnten, als er José aus dem Lager kommen sah.

„Komme ja schon“, rief José und kam zu ihnen. „Wow, ihr habt ja tolle Sachen gebastelt.“ Er nahm eins von den Windlichtern auf und besah es sich genau. „Auf den Baum müsst ihr noch bis morgen warten. Er ist noch nicht ganz fertig, darum brauche ich auch noch einmal meinen fleißigen Helfer, damit er auch schön wird.“ Er zwinkerte Marius zu, der auch gleich zu ihm kam.

„Na, so haben wir uns das gedacht“, rief Fabio den beiden noch hinterher, freute sich aber, dass Marius keine Berührungsängste hatte und sich gleich mit José verbündete. „Da bleibt nur noch ihr beide zum Schmücken.“ Fabio selbst war ja dank seiner temporären Behinderung außen vor. Er schleppte sich also auf die Terrasse, wo Noel schon auf ihn wartete und ihn gleich belagerte. Es war Zeit für Streicheleinheiten. „Dicker, du bist sandig“, knurrte Fabio, als die ersten Körner unter seinem Shirt landeten.

Das störte Noel aber überhaupt nicht und er drängte sich schnurrend fester an Fabio, damit dieser ihn streicheln konnte. Er fühlte sich wohl hier, denn hier konnte er laufen so viel wie er wollte und es gab überall etwas zu entdecken. Da war er auch großzügiger gegenüber Kris, die schon wieder angewackelt kam.

Sie sah frustriert aus und ein bisschen lädiert, so dass Fabio gleich in Sorge war. Doch beim näheren Hinschauen war sie nur ziemlich strubblig, weil sie sich im Sand gewälzt hatte. Und so hüpfte sie ebenfalls auf seinen Schoß und Fabio stöhnte leise. Überall rieselte der Sand und jedes Mal, wenn er eine der Katzen streichelte, fiel noch mehr aus dem Fell. Er hatte schon die halbe Namib auf der Hose. Was auch nicht besser wurde, als Kris sich schüttelte. Jetzt hatte er den Sand selber überall, sogar in den Haaren. „Och Menno, muss das sein?“, schimpfte er, aber niemand störte sich daran. Noel machte Kris ein wenig Platz, damit sie nicht direkt nebeneinander hockten und ignorierte sie sonst. Es war noch nicht das Ergebnis, auf das alle hofften, doch sie hatten Waffenstillstand, das war ein Schritt. Komischerweise waren Marius und Fabio an der gleichen Stelle. Sie waren einander näher gekommen, man duldete den jeweils anderen und suchte die Nähe, wenn es Vorteile brachte.

„Nathaniel, da hast du aber noch mal Glück, dass du das Bett mit deinem Jungen teilst und nicht zu der Wanderdüne da drüben unter das Laken kriechen musst“, lachte Alice und nun war sie es, die die teure Kamera griff und Bilder von Fabio in seiner misslich-sandigen Lage machte.

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, lachte Nathaniel, denn Marius brachte es durchaus fertig, genauso sandig wie die Katzen zu werden. Aber das war nicht weiter schlimm, sollte er so viel toben und sich dreckig machen, wie er wollte. Schließlich bekamen sie den Jungen einfacher unter die Dusche als die Katzen. Und so wie Fabio guckte, hatte er ähnliche Gedanken. „Von euch will ich heute nicht einen im Bett haben, wenn ihr so sandig seid“, knurrte er, doch das störte weder Kris noch Noel. Die lagen nur da und ließen sich streicheln. Sollte Fabio doch meckern. Sie würden schon sehen, ob er mit seinem Gips schnell genug war, sie beide aus dem Bett zu werfen.

Nathaniel kam zu ihm und reichte ihm ein Glas Eistee. „Komm, gib mir mal die kleine Dame. Ich werde versuchen, sie zu entsanden und dann kannst du sie wiederhaben. Das gleiche machen wir mit Noel und in ein paar Stunden noch mal das gleiche.“

„Du darfst auch gern einen von beiden behalten“, erklärte Fabio, denn die beiden wurden mit der Zeit schwer. Der Magen tat weh, das Atmen wurde anstrengender, doch er liebte beide und würde sie nie vertreiben. Doch er reichte als erstes Noel weiter, der das gar nicht so klasse fand und sich extra schwer machte. Dabei sah er Fabio herausfordernd an. Gerade als wollte er sagen: Na los, heb mich doch hoch.

„Komm her, du Räuber.“ Nathaniel nahm Fabio Noel ab und ging ein wenig zur Seite, damit Fabio nicht den ganzen Sand abbekam, den er vorsichtig aus dem Fell klopfte. Aber vorher wurde Noel ausgiebig beschmust und gekrault, damit er nicht glaubte, dass etwas Schlimmes geschah.

Fabio nutzte die Chance, dass nur noch Kris ihn belagerte und so erhob er sich umständlich, ließ die junge Dame von seinem Bauch auf den Stuhl rutschen und zog sich Shirt und Hose vom Leib, um sich selbst auch zu entsanden. Dabei sah er Kris an, die ihn mit schief gelegtem Kopf beobachtete. „Du bist die nächste!“, erklärte er ihr also und grinste, als er sah, wie langsam die Krallen in den Stoff des Kissens geschlagen wurden. Da wollte wohl jemand nicht.

„Vielleicht sollte ich ihr an dir zeigen, dass entsanden durchaus angenehm sein kann“, lachte Nathaniel und ließ Noel laufen. Mehr Sand bekam er nicht aus dem dicken Fell, ohne ihm weh zu tun. Nun hatte er Zeit, zu Fabio zu gehen und ihm über den Rücken zu streicheln. Da war zwar nicht viel Sand, aber das störte gerade gar nicht.

„Wenn du meinst, dass das hilft, dann mach ruhig weiter“, schnurrte Fabio und lehnte sich gegen seinen Freund. Er vermisste die Nähe und deswegen war er auch bereit hinzunehmen, dass Marius wieder etwas von ihm abrückte, wenn er Fabio mit seinem Vater so sah, wie er es eigentlich nicht sehen wollte. Er nahm sich die Freiheit, denn er liebte seinen Grafen. Nur Verzichten brachten sie alle nicht weiter, am besten man konfrontierte Marius häufiger damit. Doch im Augenblick war Fabio der Junge relativ egal, er wollte nur ein bisschen Nähe und wissen, dass er auch mit seinem Klumpfuß noch begehrt wurde.

Da brauchte er sich keine Gedanken zu machen. Nathaniel begehrte ihn und das zeigte er seinem Geliebten auch. Er zog ihn an sich und küsste sich über die Schulter und den Hals zu den Lippen, um ihn richtig zu küssen. Um an seinem Alibi zu arbeiten strich er dabei über Fabios Brust und Bauch. Schließlich wollte er ihn vom Sand befreien.



14

„Und wer hängt jetzt meine Girlanden auf?“, fragte Alice, doch sie störte nicht weiter und machte sich an die Windlichter. Sie gönnte ihrem Jungen sein Glück, denn er hatte viele Jahre immer nur wie ein Kolibri an Blüten genippt und war niemals sesshaft geworden. Sie fand, er hatte jetzt mit Nathaniel an seiner Seite den richtigen Weg eingeschlagen.

Die beiden ergänzten sich fabelhaft. Fabio war etwas ruhiger geworden und Nathaniel lebhafter. Sie wünschte ihnen von ganzem Herzen, dass sie noch lange so glücklich waren. Marius war dabei ein wichtiger Bestandteil und wenn er endlich Fabio akzeptierte, dann stand ihrem Glück eigentlich nichts mehr im Wege. Sie sah wieder zu den beiden Männern und lächelte. Sie hatten sich in ihrem Kuss verloren und das ließ sie lächeln.

Und so standen sie noch eine ganze Weile, bis Fabio sich zufrieden wieder löste und sich noch etwas gegen seinen Geliebten lehnte, die glasig verträumten Augen geschlossen. So entging ihm auch noch für ein paar Sekunden das bedrohliche Knurren und als er doch wagte zu Boden zu blicken, zerrte Noel gerade Fabios Hemd durch den Sand, an dessen anderem Ende Krismasi hing. Da schloss er die Augen wieder. Nur Bekloppte! Aber solange sie sich nicht gegenseitig an das Fell gingen, sollten sie doch rangeln, auch wenn das bedeutete, dass Noel wieder völlig versandete. Vielleicht tat es ihnen ganz gut und sie merkten, dass der andere gar nicht so furchtbar war.

Derweil kam Marius kurz vorbei geflitzt, er wirkte dabei ganz geschäftig und schlängelte sich an den beiden Männern auf der Terrasse vorbei in die Küche. Dort lenkte er Alice mit der Aufgabe ab, das Grillfleisch für den Abend herzurichten, der Grill würde gleich angefeuert. Dann verschwand er zur Hälfte in einem Schrank, steckte etwas unter sein Hemd und war wieder weg.

„Der kleine Schleicher“, lachte Nathaniel und beobachtete seinen Sohn, wie er wieder in den Schuppen schlüpfte und die Tür fest hinter sich verschloss. „Das macht er schon ganz gut. Er scheint einiges von mir geerbt zu haben.“

„Ja, Heimlichkeiten haben“, sagte Fabio und war ziemlich zufrieden darüber, dass Marius sie nicht missbilligend angesehen oder ihr Beisammensein gar argwöhnisch kritisiert hatte. Er schien viel zu abgelenkt, was Fabio freilich ausnutzte und sich weiter gegen seinen Liebling drängte. Dass er fast nackt war, störte ihn relativ wenig. Es war heiß und da war jedes Kleidungsstück zu viel, das man am Leib trug.

„Na so viel Heimlichkeiten habe ich auch wieder nicht und es ist ja nicht so, dass ich etwas absichtlich vor dir verborgen habe.“

„Wer weiß, wer weiß“, sagte Fabio und grinste, stahl sich bei der Gelegenheit aber noch einen Kuss. Er fand, dass er heute ein bisschen zu kurz gekommen war.

„Morgen wollen wir mit den Jeeps raus“, erklärte Alice, als Fabio und Nathaniel zu ihr in die Küche kamen. Schließlich hatte Nathaniel versprochen ihr zu helfen, wenn Girlanden weiter oben aufzuhängen waren.

„Kommst du auch mit, Schatz?“ Nathaniel wusste nicht, ob das Geruckel der Fahrt dem verletzten Bein gut tat, aber er fände es schön, wenn sie alle zusammen etwas unternahmen. Er half Alice bei den Vorbereitungen für das Abendessen und hängte dann die Girlanden im Haus auf und verteilte die Windlichter. „Wahnsinn, auf einmal wirkt alles wirklich weihnachtlich.“

Fabio stand an einer der Säulen, denn vom vielen Sitzen tat ihm bereits der Hintern weh und er hatte schon nach so wenigen Tagen das Gefühl, seine Muskeln würden verkümmern. Also bewegte er sich etwas unelegant durch die Küche und naschte von allem, was er so finden konnte, bis ihm ein Kochlöffel Einhalt gebot.

„Willst du morgen nun mit oder nicht?“, wollte auch Alice wissen, denn davon hing es ab, welchen Wagen sie nahmen. Wenn Fabio hier bleiben wollte, reichte ein normaler Jeep. Wenn ihr Liebling mit wollte, brauchten sie mehr Platz und sie mussten den Landrover fertig machen, mit dem sie sonst Ausfahrten mit Gästen machten.

„Ja klar, ich will auch“, erklärte Fabio und hangelte sich unter dem Kochlöffel entlang zu einem sauren Gürkchen.

„Das ist fein.“ Nathaniel klaute sich das Gürkchen aus Fabios Hand und lachte frech. So gefiel ihm das. Sie machten den Ausflug alle zusammen. „Wie lange dauert das Essen noch? Sollen wir José und Marius holen?“

„Nicht nötig!“, tönte es von der anderen Seite des Wohnraumes, wo die Schlafzimmer lagen. Marius kam durch den Raum geflitzt und war auf der anderen Seite gleich wieder draußen bei José, der gerade unweit der Terrasse den großen gemauerten Grill angefeuert hatte. Marius konnte sich an die Menge von Fleisch gewöhnen, seine Mutter dürfte das weniger freuen.

„Nicht zu fassen, er würde wahrscheinlich noch nicht einmal bemerken, wenn ich weg wäre.“ Nathaniel fand das ziemlich faszinierend, wie gut sein Sohn sich mit José verstand. Die beiden steckten ständig die Köpfe zusammen, flüsterten und kicherten. Es schien, als hätte Marius den Großvater gefunden, den er niemals gehabt hatte, denn Severinas Mutter hatte sich vor vielen Jahren scheiden lassen und seit dem auch nie wieder geheiratet. Nathaniel wurde immer klarer, was seinem Jungen fehlte, ein männliches Vorbild. Er selbst sah seinen Kleinen auch viel zu selten und die Freunde von Marius’ Mutter blieben auch nie lange genug, um dem Jungen einen Weg zu weisen.

„Sollen wir es darauf ankommen lassen?“ Fabio wackelte frech mit den Augenbrauchen, doch Alice bremste ihren Liebling.

„Bring deinem Vater lieber das Grillgut und vergiss meine Zucchini nicht!“

„Immer auf die Kleinen“, murrte Fabio, tat aber, was seine Mutter ihm aufgetragen hatte. Er gab das Fleisch an seinen Vater weiter und blieb dann am Grill stehen. Es war doch sehr umständlich für ihn, hin und her zu laufen. Das gab ihm auch die Gelegenheit, sich mit seinem Vater und Marius zu unterhalten.

„Er hat ihn noch nicht gebissen“, sagte Alice, die neben Nathaniel an der Theke lehnte und die drei am Grill beobachtete. Während sich José um das Fleisch kümmerte, schienen die anderen beiden den morgigen Tag abzusprechen. Es schien Marius nicht so leicht zu fallen wie mit José, doch er gab sich Mühe und Fabio ließ ihn auch nicht auflaufen, sondern antwortete und gab Ideen.

Dann brüllte er irgendwann zu seiner Mutter: „Wir brauchen für morgen Schnitzelsandwichs, um Löwen anzulocken!“

„Aber natürlich, das ist ein guter Plan.“ Alice lachte, denn sie kannte auch die Geschichte, wie Fabio und Nathaniel sich näher gekommen waren und dass Schnitzelsandwichs dabei eine Rolle gespielt hatten. „Wie der Vater so der Sohn“, kicherte sie leise. „Mal sehen, ob Marius sich auch damit ködern lässt.“

„Alice, der Unterton in deiner Stimme gefällt mir nicht“, sagte Nathaniel gespielt tadelnd, doch auch er ahnte, an was sie dachte. „Ich bin nicht geködert worden. Die Sandwichs hatten wir für die Löwen mit, um welche anzulocken – das war ein ganz anderes Thema!“

„Ja, ja, leugne du nur. Du bist in die Falle gegangen.“ Alice knuffte Nathaniel gegen den Arm und grinste breit.

„Stimmt wahrscheinlich“, grummelte der Graf, aber er war bestimmt nicht böse darüber. Mit Fabio hatte er sein Glück gefunden. „Aber ich drücke die Daumen, dass er Marius auch damit kriegt.“

„Fleischfresser scheint der Kleine ja schon zu sein. Wir wären also auf dem richtigen Weg.“ Alice schob das Brot aus dem Gefrierschrank zum fertig backen in den Ofen und legte ein paar vorgekochte Kartoffeln dazu.

Um den Grill wurde es hektisch, denn das erste der kleineren Steaks war fertig und durfte verkostete werden, klar dass sich die Jungs darum rauften, wer das kleine und wer das große Stück bekam.

Nathaniel bedeckte sich die Augen und seufzte gespielt gequält. „Ich liebe sie beide trotzdem.“ Er mischte sich da nicht ein, als sein Freund und sein Sohn sich gegenseitig beklauten und kauten wie die Weltmeister. Das war schon irgendwie peinlich, wie sie dabei auch immer wieder auf den Grill schielten, ob nicht wieder etwas fertig war.

„Jungs? Gegessen wird am Tisch, sonst lasse ich den Serval los!“, erklärte Alice und deutete auf Noel, der auf dem Rücken im Sessel lag und ab und an zuckte, als würde er schlecht träumen. „Also, entweder nehmt ihr die Finger von unserem Essen oder ihr werdet Servalfutter. Kris hatte noch kein Abendessen.“

„Aber wir müssen doch prüfen, ob das Fleisch gut ist“, nuschelte Fabio mit vollem Mund und Marius nickte kauend.

Aber Alice ließ sich da auf keine Diskussion ein. Sie zeigte auf Kris, lockte die kleine Katze zu sich und nahm sie hoch. „Sieh sie dir an, du darfst sie gleich haben, wenn sie nicht gehorchen“, flüsterte sie ihr ins Ohr.

Und als hätte Krismasi ganz genau verstanden, spitzte sie die großen Ohren und sah sich die beiden genau an.

„Mama, das ist unfair!“, erklärte Fabio, als er mit seiner Krücke zurückgehumpelt kam, denn seine Waffe schlief seelenruhig. Er konnte sich also gegen Kris noch nicht einmal mit Noel verteidigen. Und war das etwa der Überrest seines Shirts, was da unter dem Stuhl lag?

„Marius, du auch – gleiches Recht für alle!“, forderte Nathaniel.

„Och Menno“, brummte Marius und Nathaniel musste sich das Grinsen verkneifen. Diesen Ausspruch hatte sein Sohn sich eindeutig bei Fabio abgeguckt. Er fing Marius auf seinem Weg ab und umarmte ihn fest. „Du wirst schon nicht hungrig bleiben, wenn ich sehe, was José alles auf dem Grill hat. Da kommt bestimmt eine ganze Gazelle zusammen.“

„Na und? Das heißt noch lange nicht, dass ich satt werde. Ich bin noch im Wachstum, ich brauche viel Essen!“ Marius sah ja gar nicht ein, dass er kampflos hinnahm, von der Futterquelle entfernt worden zu sein.

„Ich verspreche dir, wir werden alle so lange darben, bis du satt bist“, lachte Alice und sah nach dem Brot, prüfte die Kartoffeln und kramte die Reste der Salate vom Mittag hervor.

„Vergiss es, Mom. Ich bin auch klein und brauche Essen. Ich werde nicht darben“, erklärte Fabio und zwinkerte Marius zu, dann hatte er schon einen Löffel in den Nudelsalat geschlagen und stöhnte genießend, als er ihn ableckte.

So angespornt ließ Marius sich nicht zweimal bitten. Sein Löffel landete ebenfalls im Salat und er versuchte unauffällig die Schüssel näher zu sich und Fabio zu ziehen.

„Wie es aussieht, macht Hunger Feinde zu Freunden. Lassen wir sie darben?“, fragte Nathaniel Alice kichernd und startete ein Experiment. Er nahm ihnen die Salatschüssel weg und wartete auf die Reaktion.

Erst guckten beide auf den Tisch, dann auf die Schüssel, dann an Nathaniel hoch in sein zufriedenes Gesicht. Sie schienen abzuschätzen was jetzt das Beste war, aber Aufgeben kam für beide nicht in Frage. Und noch ehe Marius sich beschweren konnte, hatte ihm Fabio etwas ins Ohr geflüstert.

Nathaniel ahnte nichts Gutes, als sein Junge erst grinste und dann heftig nickte. Hunger schweißte wohl wirklich zusammen. Und so konnte Nathaniel gar nicht so schnell gucken, wie Marius die Theke entlang zur nächsten Schüssel lief. Um ihm zuvor zu kommen, hastete Nathaniel hinterher und hatte vergessen, dass er jetzt die Nudelsalatschüssel allein mit Fabio gelassen hatte.

„Hab sie!“, rief Fabio und brachte die Schüssel hastig an sich. Und schon machte Marius auf dem Absatz kehrt und flitzte an seinem Vater vorbei wieder zu Fabio und legte mit ihm zusammen einen Arm um die Schüssel, damit man sie ihnen nicht wieder so leicht abnehmen konnte.

Nathaniel blies empört die Wangen auf, als ihm frech entgegen gegrinst und die Zunge rausgestreckt wurde. Die beiden hatten ihn ausgetrickst und er war drauf reingefallen.

Und Alice musste auch noch in der Wunde herum stochern. „Mensch, Nathaniel, du sollest doch aufpassen! Muss man hier alles selber machen?“, sagte sie mit in die Seiten gestemmten Händen und José, der am Grill alles beobachtet hatte, lachte laut. Fabio und Marius aber ließen es sich schmecken.

„Dein Sohn verdirbt meinen! Marius war so ein lieber Junge, der nie frech war, seinen Vater geachtet und ihm nie das Essen weggefuttert hat“, erklärte Nathaniel vorwurfsvoll an Alice gerichtet und beugte sich über die beiden Schüssel-Kidnapper und holte sich ebenfalls einen Löffel Salat. Es ging ja nicht an, dass er hier als einziger leer ausging.

„Ich und Marius verdorben?“, fragte Fabio und versuchte den dritten Löffel in der Schüssel abzuwehren. „Er folgt nur seinen Instinkten, um nicht zu verhungern. Wenn er hier doch nicht genügend bekommt!“ Die beiden Diebe nickten sich zu und löffelten weiter. Der Salat war gut durchgezogen und jetzt noch leckerer als zum Mittag. Den würden sie nicht teilen.

Aber Nathaniel gab so schnell nicht auf und griff zu unfairen Mitteln und küsste Fabio. Wie erwartet ließ er kurz den Löffel sinken und Nathaniel wollte sich gerade etwas klauen, als ein anderer Löffel ihm in die Parade fuhr und ihn abwehrte.

„Lass das, das ist unser Salat“, knurrte Marius und schob seinen Vater weg. „Geküsst wird erst wieder nach dem Essen.“

Na immerhin hatten sie die Erlaubnis bekommen und wurden nicht gleich abgekanzelt. So sah Fabio grinsend auf seinen Mitstreiter und leckte seinen Schatz noch einmal über die Lippen. „Du hast es gehört, Liebling.“

„Weg mit den Beilagen – hier kommt das Hauptgericht!“ José brachte den ersten Teller mit Steaks und stellte ihn auf den großen Tisch. Alice hatte bereits alles hergerichtet und brav saßen auf zwei Stühlen auch Noel und Kris. Das auf den Tisch springen Ärger und Verbannung bedeutete, hatten beide schon begriffen.

Als Marius zum Tisch flitzte, griff sich Nathaniel die Schüssel und trug sie ebenfalls zum Tisch. Fabio hatte mit sich selber genug zu tun.

Darum legte Nathaniel einen Arm um ihn und half ihm. „Liebe dich“, murmelte er dabei leise und lächelte sehr zufrieden. Alles verlief besser, als er es gehofft hatte. Wenn Marius weiterhin so offen auf Fabio zuging, dann wurde alles gut. Er geleitete Fabio zum Tisch und Marius klopfte neben sich auf den Stuhl.

„Komm hier hin, Fabio.“

„Ja, gerne.“ Fabio lächelte und ließ sich fallen, bekam gleich den Teller mit dem Fleisch und Marius erwartete, dass die Schüssel zu ihnen gestellt wurde. Nathaniel wollte sich auf Fabios andere Seite setzen, doch Noel war schneller. Und weil Kris Ärger lieber aus dem Weg ging, huschte sie eben auf den freien Platz neben Marius. Da stand der Graf nun.

„Alle schlecht erzogen“, brummte Nathaniel und grinste. Er griff sich Kris und setzte sich mit ihr auf dem Schoß neben Marius. „Um mich auszutricksen, musst du früher aufstehen“, lachte er leise und strich ihr durch das Fell. Alice griff unter dem Tisch Josés Hand und drückte sie. Die drei so friedlich nebeneinander zu sehen, machte sie einfach glücklich. José nickte nur. Er hatte nichts anderes erwartet. Wenn Kinder anfangen mussten selber zu denken und nicht – so wie er verstanden hatte – ständig von der Mutter gebetsmühlenartig Informationen eingegeben bekamen, wurden sie nachdenklicher. Marius wie einen Erwachsenen zu behandeln und nicht zu schonen, wie ein kleines Kind, war der richtige Weg.

„Wer Hunger hat, muss es sagen. Ich habe da hinten noch genügend Fleisch, was auf den Grill soll.“ Gebraten wurde heute alles, was aufgetaut worden war, der Rest wurde morgen mit auf Safari genommen.

Es verwunderte keinen, dass Marius und Fabio gleich den Arm hoben, obwohl sie sich gerade den Teller mit Fleisch voll gepackt hatten und schon kauten.

„Erst mal aufessen, dann fragen wir noch mal“, lachte Alice und schüttelte den Kopf. Dass Marius so begeistert von dem Antilopenfleisch war, freute sie unwahrscheinlich, weil sie es nicht erwartet hatte. Sie hatten oft Gäste, die zwar immer so taten, als würden sie sich auf das Land einlassen wollen, doch über Straußenfleisch ging der Experimentiergeist selten hinaus. Was wirklich schade war, denn das Wildfleisch war unglaublich zart, brauchte keine Gewürze und der Eigengeschmack war weder aufdringlich noch unangenehm.

Alice wusste von ihrem Sohn, dass er in Deutschland nur bei einem Importeur ab und an das Fleisch aus seiner Heimat erstehen konnte und so gab es nicht so oft das Fleisch, was er gern mochte. Es war einer der Gründe, warum Fabio ab und an schon daran dachte zurück zu kommen.

Darum genoss er es immer, wenn er bei seinen Eltern war und ließ nun Marius daran teilhaben. Er erklärte ihm, welches Fleisch sie hatten und ließ ihn erst einmal ein kleines Stück probieren von den Sorten, die er noch nicht kannte, bevor er mehr bekam. Es war fast so, als wenn sie alle anderen am Tisch vollkommen vergessen hatten.

Doch der Rest ließ sie machen. Sie waren auf dem richtigen Weg.

„Morgen machen wir die Tour, die Fabio mit dir schon mal gemacht hat, mal sehen, was wir alles sehen. Übermorgen wollten wir mit dem Heli rüber ins Sossusvlei. Ein Guide aus der Lodge wird uns führen“, erklärte José, was er alles organisiert hatte. „Und sollten wir morgen keine Katzen sehen, buche ich uns in Twee Rivieren ein. Das ist im Kgalagadi Transfrontier Park, wir sind drüber hinweg geflogen.“

Bei dem Programm bekam selbst Nathaniel leuchtende Augen. „Du hast dich ja richtig ins Zeug gelegt. Dass wir da keine Katzen zu sehen bekommen, kann ich mir echt nicht vorstellen. Macht so weiter und ihr habt Marius sehr oft zu Besuch.“ Dass er und Fabio natürlich auch mitkamen brauchte er nicht zu erwähnen, denn das war selbstverständlich.

„Och, ein bisschen Leben im Haus hat uns noch nicht geschadet, aber wenn die Katze in eurem Haus nicht bald was zu essen bekommt, ist seine Geduld am Ende.“ José deutete auf Noel, der immer wieder Fabio gegen den Arm stupste, doch er probierte sich mit Marius zusammen durch die Tierwelt und die Soßen.

„Ach Schatz!“ Alice hatte Mitleid mit dem Kater und stellte ihm unter dem Tisch seinen Napf hin, während sie für Kris eine Flasche Milch warm machte. Das mochte sie immer noch am liebsten, auch wenn sie schon feste Nahrung fraß.

Allerdings war das gebratene Fleisch nicht das richtige und sie Schnitt noch etwas von dem rohen Fleisch klein. „Gib die Flasche ruhig mir. Sie muss sich ja an mich gewöhnen, wenn wir sie mit nach Essen nehmen, werde ich ihr wohl öfter das Fläschchen geben.“ Nathaniel war sich sicher, dass es ähnlich laufen würde wie bei Noel und diesmal wusste er, was er zu tun hatte.

„Klar, kein Problem.“ Alice kam mit beidem zurück und stellte es vor Nathaniel ab, während Marius und Fabio endlich aus ihrer Welt des Fleisches zurück schienen, denn sie sahen sich etwas irritiert um, gerade so, als würde sie es wundern, dass die Welt auch ohne sie weiter gegangen war.

„Du bist ein schlechtes Muttertier, mein Schatz“, sagte Alice zu ihrem Sohn. „Als erstes müssen deine Schützlinge Futter bekommen, ehe du dir den Bauch voll schlägst.“

Fabio zog den Kopf ein und sah schuldbewusst erst zu Noel und dann zu Kris. „Oh“, murmelte er leise, als er merkte, was alles an ihm vorbeigegangen war.

„Schon okay, Schatz, ich bin ja auch noch da.“ Nathaniel lächelte und fütterte weiter Kris, die gierig an ihrer Flasche saugte.

„Danke“, murmelte Fabio reumütig und strich Noel zu seinen Füßen über den Rücken. Doch der fraß lieber weiter, als sich beschmusen zu lassen. Um wieder etwas Leben in die betretene Stimmung zu bringen, wurden Marius und Fabio über die Pläne der nächsten Tage aufgeklärt und schienen damit einverstanden. Das waren alles Ausfahrten, an denen auch Fabio teilnehmen konnte. Marius machte sich Sorgen wegen der Katzen und so erklärte José, dass er auch das geklärt hatte. Ins Sossusvlei durften sie mit und in Twee Rivieren würde sich eine Angestellte um die beiden kümmern. In den Park durften sie nämlich nicht mit.

„Prima.“ Marius war zufrieden und wie selbstverständlich fragte er Fabio nach ihren Zielen aus, weil er davon ausging, dass er schon da gewesen war.

„Fabio hat bestimmt Fotos, die er dir zeigen kann“, warf Nathaniel ein und Marius war gleich Feuer und Flamme.

Fabio kratzte sich am Kopf, doch dann nickte er. „Auf dem Laptop müssten noch welche sein, glaube ich. Aber nicht viele.“ Seine Bücher standen bei seinen Eltern und auf den Speicherkarten der Kameras waren nur die aktuellen Bilder. Fotos von früheren Besuchen hatte er alle daheim auf CDs. Aber die Schönsten hatte er immer auf Platte, da war sicherlich noch etwas dabei. „Können wir ja dann gucken, erst sollten wir den Sonnenuntergang genießen“, sagte er, denn die Sonne war schon tief gesunken. Er mochte es, zuzusehen wie sie lange Schatten in den warmen Sand malte. Hinterher konnten sie sich immer noch einen Happen nehmen und José musste sowieso noch einmal an den Grill.

„Los, auf die Terrasse mit euch, ich kümmere mich um die Sundowner“, bot Nathaniel an, denn Alice sollte nicht alles allein machen müssen. Sie hatte bisher sowieso schon die meiste Arbeit gehabt. Kris war mit ihrem Fläschchen auch fertig und wurde wieder unruhig, darum ließ Nathaniel sie laufen.

„Hier rüber“, rief Fabio Marius zu, der wieder auf die Hauptterrasse laufen wollte. „Vor den Schlafzimmern sieht man die Sonne besser, wenn sie untergeht“, erklärte Fabio, denn das hatte seine Mutter viele Tage ausprobiert, noch ehe der erste Pfahl für die Lodge gesetzt worden war. Jetzt saßen sie hier, ein Windlicht brannte und die Sessel waren schnell in Position geschoben. Hinter ihnen waren die Planen aufgerollt und die Betten der Gästezimmer lagen frei.

Nathaniel mixte die Drinks. Abends bevorzugten die Erwachsenen einen Gin Tonic und Marius bekam ein wenig Cola, die er nur sehr selten bekam. So waren alle zufrieden, als er mit den Gläsern kam. Er setzte sich zwischen Marius und Fabio, damit er beide bei sich hatte und seufzte zufrieden, als er seinen Arm um seinen Freund legte.

Noel suchte sich seinen Platz und Kris lag schon bei Marius und verdaute zufrieden. So ließen sie den Abend ausklingen. Die Stille war entspannend und als die Dunkelheit hernieder brach, kam auch langsam die Müdigkeit, denn der Tag war lang gewesen.

Nach und nach verschwand jeder in seinem Bett und Noel war der letzte, der unter die Decke kroch.

Nur Diego hatte jetzt freie Bahn und inspizierte die Neuen, während sie schliefen.



15

„Komm her, Kris“, lockte Marius das kleine Servalmädchen zu sich und er musste grinsen, als Noel sie vorsichtig in seine Richtung stupste. Das Verhältnis der beiden Tiere hatte sich in den letzten Tagen grundlegend geändert. Erst hatten sie sich nur stillschweigend auf einen Waffenstillstand geeinigt, aber daraus war eine langsame Annäherung entstanden, bis Noel sich schließlich irgendwann zu ihr gelegt und angefangen hatte, sie zu putzen. Er hatte wohl eingesehen, dass er sie eh nicht los wurde, also musste er sich mit ihr arrangieren und musste feststellen, dass es gar nicht so schlimm war, denn nun hatte er immer jemanden zum spielen.

„Wird ja“, lachte Fabio leise. Er saß unweit des ganzen auf einer Decke im Sand. Er war der Meinung, dass er ruhig etwas Sonne tanken konnte. Doch dann schloss er die Augen wieder. Er würde schon früh genug merken, wenn Noel in einer Staubwolke auf ihn zu gerannt kam und sich auf ihn warf. So lange wollte er die Ruhe genießen.

Die Chancen dafür standen gar nicht schlecht, denn seit sich das Verhältnis zwischen Marius und Fabio sichtlich entspannt hatte, tobte der Kater in jeder freien Minute mit dem Jungen, der im Gegensatz zu den Erwachsenen niemals müde wurde mit ihm zu toben. Es hatte sich sogar eingebürgert, dass sich alle drei zusammenkuschelten, wenn sie müde wurden und ein gemeinsames Nickerchen hielten und danach ging die Toberei gleich wieder los.

Es dürfte für alle eine Umstellung werden, wenn sich die Wege wieder trennen mussten. Fabio hätte nichts dagegen, wenn Marius blieb, denn auch ihr Verhältnis war mittlerweile entspannter. Marius kam wie selbstverständlich auf Fabio zu, er stellte Fragen, erbat Hilfe, ohne jedes Mal vorher um ihn herumzustreichen und zu überlegen, was er sagen sollte. Selbst wenn Fabio mit Nathaniel Zärtlichkeiten tauschte, schien sich Marius daran nicht mehr zu stören, denn er ließ es geschehen, kommentierte es nicht und drängte sich auch nicht dazwischen, um die beiden zu trennen.

Marius lachte, weil Noel sich auf ihn geworfen hatte und er nun auf ihm thronte, weil er dabei umgefallen war. Natürlich dauerte es nicht lange und Kris sprang dazu und versuchte Furcht erregend zu wirken, was ihr aber nicht wirklich gelang. Immer noch lachend kraulte Marius die beiden Katzen und sah sie an. Ihm kam dabei ein Gedanke, der ihn erst ungläubig den Kopf schief legen ließ. „Ihr seid wie Fabio und ich“, murmelte er leise und sah zu dem Freund seines Vaters rüber.

Es war nicht das erste Mal, dass er ein paar Parallelen zog, doch heute wurde es ihm einmal mehr wirklich bewusst. In den letzten Tagen hatten sie sehr viel unternommen, waren in Namibia und Südafrika weit herum gekommen und je mehr Zeit sie mit einander verbracht hatten, um so mehr Gemeinsamkeiten hatte Marius an Fabio gefunden. Er hatte ihn mittlerweile akzeptiert und mit Krismasi und Noel war es ähnlich. Die Kleine hatte eingesehen, dass es nur mit Noel ging, nicht ohne und dass der Kater eigentlich ja auch ganz nützlich war.

Er kam an viele Dinge heran, die sie nicht erreichen konnte und das war sehr praktisch. Auch Fabio konnte und wusste sehr viele Dinge, die Marius nutzen konnte und an denen er Spaß hatte. Jetzt wusste er gar nicht mehr, warum er ihn zuerst so abgelehnt hatte.

Dass er hinter dem Geld seines Vaters her war, hatte sich Marius sehr schnell aus dem Kopf geschlagen, nachdem er gesehen hatte, was Fabio und seine Familie alles besaßen. Wenn der Geliebte seines Vaters eines nicht brauchte, war das dessen Geld. Auch sein Gefühl, Fabio würde Marius verdrängen wollen, hatte sich nicht bestätigt. Dazu hatte Fabio Nathaniel viel zu oft zu seinem Jungen geschickt oder sich selbst mit Marius verbündet. Er könnte also nicht sagen, dass er nur noch die zweite Geige bei seinem Vater spielen würde.

„Ich glaube, ich war ganz schön ungerecht“, nuschelte er Kris ins Fell und blickte immer wieder zu Fabio, der allein in der Sonne lag. José und Nathaniel waren zu einer kleinen Wanderung in die Dünen aufgebrochen, denn auch wenn heute der heilige Abend war, hieß das noch lange nicht, dass man herum sitzen musste. Nathaniel konnte das noch zu Genüge, wenn er wieder in seinem Büro war. Fabio wusste er gut versorgt.

Zwar hatten sowohl sein Sohn als auch sein Geliebter verlangt, dass die Wanderung ja nicht zu lange ausgedehnt wurde, weil es die Bescherung dann nur unnötig verzögerte, doch das hatten José und Nathaniel nur lachend abgetan.

Marius kraulte die Katzen und überlegte, was er jetzt machen sollte. Fabio hatte sich so viel Mühe gegeben und irgendwie wollte er ihm etwas davon zurückgeben, nur was? „Hast du eine Idee? Du kennst ihn doch schon länger“, fragte er Noel, aber der sah ihn nur undeutbar an. „Muss ich wohl selber überlegen“, seufzte Marius und lehnte sich bei Noel an. Hier musste man aber auch alles selber machen.

„Will jemand Eis?“, rief Alice. Sie hatte jetzt Appetit auf eine Kugel Eis mit Früchten und war sich sicher, dass sie noch mehr damit beglücken konnte. Zwar moserte Fabio schon seit Tagen, sie würde ihn mästen und er würde nicht mehr in seine Hosen passen, doch das hielt ihn nicht davon ab: „Hier“, zu brüllen und hoch zu schießen, so gut das mit seinem Gips eben ging. Nathaniel, der ihm dann immer in die Speckröllchen kniff, war nicht da, und so wollte sich Fabio ruhigen Gewissens Eis gönnen, die einzige Freude im Augenblick.

„Ich auch“, rief Marius. „Bleib liegen, Fabio, ich bring dir was“, rief er noch, weil der sich gerade bemühte aufzustehen. Das musste ja nicht sein. Er flitzte zu Alice in die Küche und kam dabei an den Schlafzimmern vorbei. „Das ist es“, juchzte er plötzlich und grinste breit. Jetzt wusste er, was er machen konnte, um sich bei Fabio zu entschuldigen und ihm auch gleichzeitig ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

„Oh, okay. Danke.“ Fabio ließ sich wieder sinken und zog sich den Hut tiefer ins Gesicht. Doch er freute sich darüber, dass es langsam lief wie in einer Familie und Fabio war wirklich erleichtert. Vor allem, weil Marius bereits schacherte, ob er nicht noch ein paar Tage länger bleiben konnte. Doch das mussten sie mit seiner Mutter klären, wenn sie wieder in Kimberley waren und Telefonempfang hatten.

Dass seine Eltern nichts dagegen hatten, musste er gar nicht fragen. Sie waren vollkommen vernarrt in Nathaniels Sohn und sahen in ihm den Enkel, den sie sich schon immer gewünscht hatten.

„Da bin ich“, strahlte Marius, als er die Eisbecher sah, die Alice gezaubert hatte und griff sich gleich zwei. „Kommst du mit rüber zu Fabio?“, fragte er, denn sonst musste sie ihr Eis ganz alleine essen.

„Wenn wir ihn ein bisschen in den Schatten locken können, gern. Im Augenblick ist mir die Sonne zu heiß“, musste Alice gestehen. Doch als sie auf die Terrasse traten, hatte sich Fabio schon in einem der Sessel niedergelassen. Das kam ihr sehr entgegen. So sank auch sie in die Polster und seufzte zufrieden.

Heute war Weihnachten. Der Baum stand inzwischen und war herrlich geworden. José und Marius hatten ihn aus frischen Putzlappen, Draht und einem Besenstiel gebastelt und so stand er bunt geschmückt neben der Tür auf der Terrasse. Die beiden Schöpfer waren überschwänglich dafür gelobt worden und man hatte beschlossen, den Baum auch für künftige Weihnachten zu nutzen, was Marius zum Strahlen gebracht hatte. Er hatte gerne erklärt, wie sie den Baum gebastelt hatten und auch ehrlich zugegeben, dass José den größten Teil gemacht hatte.

„Hier“, er hielt Fabio das Eis hin und setzte sich dann neben ihn. Er fing auch gleich an zu löffeln und seufzte zufrieden. Das kühle Eis tat wirklich gut.

„Ist dir warm? Dauert ’ne Weile, bis man sich daran gewöhnt hat, hm?“ Fabio reichte Marius ein kleines Handtuch und knurrte Noel an, der danach schlug und Fäden zog. So überließ er dem Kater das Tuch und reichte Marius ein zweites. Blöd war er ja auch nicht. „Ich kann mich an die Kälte in Deutschland einfach nicht gewöhnen“, redete Fabio weiter, denn so war es wirklich. An das Wetter hatte er sich noch nicht gewöhnt und tankte hier so viel Sonne wie er nur konnte.

„Ich mag es, wenn es kalt ist und Schnee liegt. Die Berge sind dann wunderschön, aber auch gefährlich.“ Marius sah Fabio an. „Vielleicht kannst du dir das ja mal ansehen, wenn du mich mit Papa besuchen darfst“, sagte er schnell und sah auf sein Eis. Selber ein bisschen erschrocken von seiner eigenen Courage.

„Mal für ein paar Tage finde ich Schnee auch ganz toll“, lachte Fabio und wuschelte Marius dankbar durch die Haare. „Ich würde mich freuen, dich besuchen zu kommen. Bei euch darf dann auch ganz viel Schnee liegen, nur bei mir in Essen muss ich den nicht haben. Dann kann keiner mehr Auto fahren, Noel hockt nur noch in der Wohnung, weil er Schnee auch doof findet und man muss sich dick anziehen.“

Marius kicherte, weil er sich das gar nicht vorstellen konnte, dass Noel nicht durch die Gegend tobte. „Ach ja, du hast ja ganz viele Autos. Welches davon hast du am liebsten?“, wollte er neugierig wissen.

„Eindeutig den Aston Martin“, sagte Fabio ohne lange nachzudenken. Doch er fuhr seinen Liebling eher selten. „Allerdings habe ich unter Tage und für die Uni meistens den Porsche und mit Noel an Bord hatte ich ja auch noch den Opel. Aber der ist jetzt Schrott. Ich brauche einen neuen Katzenwagen“, fiel ihm spontan ein und er sah Noel und Kris an.

„Ja, das stimmt, aber einen mit genug Platz für zwei Katzen. Welchen kann man denn da nehmen?“ Marius furchte die Stirn und versuchte sich die zwei Katzen in einem Wagen vorzustellen, aber so spontan fiel ihm da nichts Spezielles ein. „Ein Van vielleicht“, murmelte er, war sich aber nicht sicher.

„Ich werde wohl mit den beiden Probeliegen müssen“, sagte Fabio, denn er hatte auch noch keine Idee, wie er das gestalten sollte. Wenn sich die beiden gut vertrugen, konnten sie ja zusammen im Kofferraum sitzen, so wie bisher Noel, aber wenn es nicht ging, die beiden auf engstem Raum zusammenzupacken, brauchten sie eine andere Lösung. Zur Not musste er einen Wagen umbauen lassen mit zwei getrennten Boxen. Doch das würde sich noch zeigen – nicht jetzt.

Sie löffelten ihr Eis auf und Alice und Fabio begannen ein Gespräch. Das war Marius ganz recht, denn so konnte er seine Idee von vorhin umsetzen, ohne dass die beiden etwas bemerkten. Es sollte ja eine Überraschung werden.

Als erstes lief er in sein Zimmer und suchte seine Sachen zusammen. Das ging relativ schnell, denn er hatte immer nur das, was er brauchte, aus seinem Koffer genommen. Dieser Teil war schnell erledigt. Er schleppte seinen Koffer in Fabios Zimmer und sah sich um. „Oh man, hat der viel Kram“, murmelte er leise, denn überall lag etwas rum.

Es war ihm schon etwas unangenehm, ungefragt Fabios Sachen anzupacken, doch er tröstete sich damit, dass er seinem Vater und dessen Freund sicherlich eine Freude machte. Also griff er sich, was er finden konnte, packte es vorsichtig in die Tasche und schleppte Dinge, die er nicht rein stopfen konnte oder wollte, einzeln nach drüben. Als er endlich fertig war, war er zufrieden mit seinem Werk.

Er war schon auf Fabios Gesicht gespannt, wenn er merkte, dass er ausquartiert worden war. Zufrieden lief er wieder zur Terrasse und lockte die Katzen zu sich, die die Gelegenheit zu toben auch gleich gerne annahmen. Sie tobten durch den Sand, bis Marius auf einmal aufschrie und anfing zu weinen. Im Eifer des Spiels war Marius über Noel gestolpert und hingefallen. Viel passiert war nicht, aber er hatte sich das Knie aufgeschürft.

Sofort machte sich Noel ganz platt. Er dachte, dass er Mist gebaut hatte und Kris versteckte sich, weil sie sich erschrocken hatte. Alice aber war gleich aufgesprungen und kam zu Marius. „Maus“, nahm sie ihn gleich in den Arm und hob ihn hoch. Auch Fabio hatte sich erhoben und humpelte ins Haus, suchte Pflaster und Desinfektionsmittel, während seine Mutter Marius tröstete.

Sie strich dem Jungen über die tränenüberströmten Wangen und drückte ihn an sich. „Was ist denn passiert?“, fragte sie, denn sie hatten nichts mitbekommen.

„Bin über Noel gestolpert. Er kann nichts dafür“, schniefte Marius und ließ sich trösten.

Alice drückte ihn fest an sich und Fabio kam mit dem Sani-Kasten angehumpelt.

„Was ist los?“, wollte er wissen und Alice erklärte, was Marius ihr eben gesagt hatte. Dabei sah sie kurz auf den Kater, der platt im Sand lag und sich nicht rührte, dabei wohl hoffte, dass man ihn so nicht bemerkte. Armer Kerl.

„Noel, komm her!“, forderte Fabio deswegen leise, setzte sich aber neben Marius, um ihn verarzten zu können. Das ging am besten, wenn er auf Fabios gesundem Bein saß.

Er zog Marius zu sich und der ließ es geschehen, kuschelte sich sogar an Fabio und ließ sich halten, während Alice die Wunde säuberte und versorgte. „Nicht böse sein auf Noel, er hat nichts gemacht“, bat er noch einmal und legte die Arme um den Geliebten seines Vaters.

„Keine Sorge, Maus, dem Rabauken passiert schon nichts, hm?“ Erst sah Fabio Marius an, dann Noel, der neben ihm im Sand lag und die Augen zukniff. Das hatte er schon als kleiner Kater getan, wenn er keinen Ausweg mehr gesehen hatte. Meistens hatte ihm das Strafe erspart und so versuchte er es wieder. „Raufbold“, lachte Fabio leise und strich Noel durchs Fell, während er Marius weiter an sich drückte. „Aber ehe du heiratest, wird das Knie wieder ganz das alte sein, hm?“

Ihm antwortete ein leises Kichern, dass immer mal wieder von einem Schniefen durchsetzt war. Marius hob den Kopf und sah Fabio an. „Ich denke auch, denn ich weiß gar nicht, ob ich heiraten will. Mädchen sind doch so furchtbar albern und kichern ständig.“ Im Moment hatte Marius noch kein Auge für die weiblichen Reize, aber das würde sich in ein paar Jahren bestimmt ändern.

„Jungs doch auch“, lachte Fabio und kitzelte Marius ein bisschen, bis er wieder kicherte. „Siehst du?“

Als Noel das hörte, hob er wieder ein bisschen den Kopf, er war noch nicht geschimpft worden und das machte ihn mutiger.

„So, das Knie ist wie neu.“ Alice packte den Notfallkoffer wieder zusammen und war zufrieden mit ihrem Werk. Sie sah auf Noel, der die Ohren spitzte und sah sich weiter suchend um. „Hier fehlt doch jemand?“

Sie sahen sich alle um, aber Kris war nicht zu sehen. „Noel, such Kris und bring sie her“, bat Marius und lockte den Kater zu sich, um ihn kurz zu streicheln. Dann gab er ihm einen Klaps und der Kater spurtete los. „Er findet sie schon.“

„Davon geh ich aus. Vielleicht hofft er ja, dass sie dann den Anschiss kriegt.“ Fabio grinste Marius an und wuschelte ihm noch einmal durch die Haare, als ein beherztes: „Huch“, sie sich umsehen ließ. José wäre von Noel fast als nächster von den Füßen gefegt worden, doch es war noch einmal glimpflich abgegangen.

„Hallo zusammen, guckt mal, wer mir entgegen gelaufen kam“, sagte eine zweite Stimme und Nathaniel kam hinter José hervor. Er hatte Kris auf dem Arm und wurde von Noel umkreist, der die kleine Ausreißerin ja suchen und zurückbringen sollte. Die Aufgabe nahm er ernst und dirigierte Nathaniel zu Fabio. Er stupste ihm immer wieder lenkend in die Beine und so kam Nathaniel näher. Er zog die Brauen zusammen, als er Marius’ Knie sah, der sich aber beeilte, ihm zu erklären, was eigentlich passiert war. Noel belagerte ihn immer noch, denn er hatte noch nicht seine Aufgabe erfüllt.

Erst als Marius ihm Kris abnahm gab er Ruhe und setzte sich neben Fabio, um sich seine Belohnung abzuholen. Er wurde auch gleich gestreichelt und gelobt, weil er alles richtig gemacht hatte.

„Tut es noch weh?“, fragte Nathaniel seinen Sohn und hockte sich vor ihn. Es war ungewöhnlich, ihn auf Fabios Schoß zu sehen, aber es freute ihn.

Marius schüttelte den Kopf. „Hab mich nur erschrocken“, erklärte er tapfer und war froh, dass die letzten Tränen schon getrocknet waren. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er vor Fabio geweint hatte, doch es machte ihm nichts aus. Es war okay gewesen, von ihm getröstet zu werden und so sah er Fabio kurz an und lächelte.

Nathaniel freute sich, als er das sah und war sich nun sicher, dass sie es geschafft hatten. „Dann ist ja gut.“ Er strich seinem Sohn durch die Haare und erhob sich. Er war staubig von der Wanderung und wollte duschen. Marius war ja in guten Händen.

Doch so weit kam er gar nicht. Als er in sein Zimmer kam, um sich frische Klamotten zu suchen, hatte er das Gefühl, dass etwas anders war. Es dauerte ein paar Augenblicke, doch dann merkte er es. „Fabio, Marius – kommt mal bitte!“, rief er also, das sollte ihm jemand erklären. Was ging denn hier alles ab, wenn er mal einen halben Tag nicht da war?

„Was denn los?“, rief Fabio und wuchtete sich hoch. Er stützte sich ein wenig auf Marius ab, weil sein Stock noch auf der Decke in der Sonne lag und humpelte zu Nathaniel. Er sah seinen Geliebten fragend.

„Kann mir das einer erklären?“, sagte der und deutete auf das Zimmer.

„Also“, setzte Fabio an, weil er auch nicht gleich begriff, was los war und sich etwas veralbert fühlte. „Die Literatur bezeichnet Orte wie diese als Schlafzimmer. Diese weichen Dinger in der Mitte...“ Fabio unterbrach, als Nathaniel die Brauen hob und Marius kicherte. „Was?“, wollte also auch er wissen.

„Okay, du warst das offensichtlich nicht“, lachte Nathaniel leise und sah auf Marius. „Kannst du mir etwas mehr dazu sagen?“, fragte er seinen Sohn und der kicherte immer lauter, bis er schließlich lachte.

„Was meinst du?“, fragte er frech.

Auch Fabio hatte jetzt irgendwie den Verdacht, dass hier was nicht stimmte und dann merkte er ebenfalls, was es war. „Hey, die Unterhose da kenn ich, ich hab... und das Buch da kenn... der Laptop. Wie es scheint, bin ich umgezogen.“ Nun sahen beide Männer auf Marius.

„Ich hatte es satt, dass die Katzen nie zu mir ins Bett gekommen sind, weil Papa sich so breit gemacht hat. Jetzt kannst du dich mit dem rumplagen, ich will die Katzen!“ Marius nickte heftig.

„Hört, hört, da stellt jemand Forderungen.“ Nathaniel sah seinen Sohn mit hochgezogenen Augenbrauen an, aber grinste dabei sehr breit und stolz. „Also wenn die Katzen bei dir schlafen wollen, dann von mir aus. Oder hast du etwas dagegen, Schatz?“

„Ich weiß nicht, ich habe mich an die kleinen Süßen irgendwie gewöhnt. Was hätte ich denn von dem Deal?“, fragte Fabio und sah seinen Geliebten fragend an. „Spontan würde mir nämlich echt nicht einfallen, warum ich Kris und Noel gegen dich eintauschen sollte.“

„Hm, ich küsse besser als sie“, fing Nathaniel an seine Vorzüge aufzuzählen und zeigte Fabio auch gleich, was er meinte. „Dann habe ich Arme, die dich halten und Hände, die dich streicheln können.“ Und wieder folgte eine Demonstration, die aber von Marius unterbrochen wurde, der sich die Ohren zuhielt und die Augen zukniff.

„Irks, macht das allein in eurem Zimmer. Du tauschst, denn ich gebe mein Zimmer nicht mehr her und damit basta. Und beeil dich, du hast gesagt, wenn du wieder da bist, ist Bescherung.“

„Womit das auch geklärt wäre“, sagte Fabio und sah dem Kurzen hinterher, wie er in seinem Zimmer kurz verschwand und nach den Katzen rief. Sicherlich wollte man sich gleich an das neue Arrangement gewöhnen. „Ich habe irgendwie das Gefühl, das ist seine Art zu sagen, dass du mich behalten darfst, hm?“ Zumindest hatte Fabio irgendwie das Gefühl. Er war erleichtert.

„Ja, ich glaube, das kommt hin.“ Nathaniel sah Fabio an und umarmte ihn fest. „Wir haben es geschafft oder besser, du hast es geschafft. Du hast Marius für dich eingenommen und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin.“

„Na, ich erst mal“, sagte Fabio leise und man hörte seine Erleichterung. Er kicherte, als er Alice nach ihnen rufen hörte und Marius zurückbrüllte, dass die knutschen würden, das müsste keiner sehen.

„Na, komm, geh duschen, ich werde mal sehen, was Mama hat.“ Fabio gönnte sich noch einen sanften Kuss und er spürte auch Nathaniels Lächeln an seinen Lippen, als sie sich langsam trennten.

„Was ist denn?“, rief er, als er langsam zu seiner Mutter humpelte.

„Was war denn los? Ihr wart auf einmal alle verschwunden“, wollte sie wissen. Sie hatte doch nur kurz ihren Mann besucht und auf einmal war keiner mehr da. „Ist was mit Marius?“

„Abgesehen von seinem Pflaster und der Tatsache, dass ich bei Nath schlafen muss, weil der Kurze lieber die Katzen im Bett haben will, eigentlich nichts.“ Er grinste dreckig.

„Wie?“, fragte Alice erst verständnislos, aber dann verstand sie und lachte. „Wenn das kein Grund zum feiern ist. Im Kühlschrank ist eine Flasche Champagner. Eigentlich dachte ich, wir trinken sie nach der Bescherung, aber ich finde, jetzt ist genau der richtige Moment, um sie zu köpfen. Ist ja eine kleine Bescherung.“

Fabio grinste schief und nickte dann. Ja, das würde er auch sagen. Das wurde doch ein genialer Sundowner. Eben kam Marius aus seinem neuen Zimmer geflitzt und die beiden Katzen tobten hinterher. Das war ja mal die ganz große Liebe und der Katzenjammer, wenn die sich trennen mussten, war doch schon vorprogrammiert. „Ich bin glücklich“, sagte Fabio leise und lehnte an einem Balken.

„Genau das habe ich mir immer für dich gewünscht. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, dass ich bekommen kann.“ Alice kam zu ihrem Sohn und umarmte ihn. Sie küsste ihn auf die Wange und ging dann zum Kühlschrank, um den Champagner zu holen.

„Ist das Enkelkind in spe nicht auch eines?“, stichelte Fabio leise, denn er kannte seine Mutter viel zu gut. Ein bisschen Sorge hatte er, was passierte, wenn Nathaniels Ex von all dem hier erfuhr, wenn sie merkte, wie gut sich Marius hier amüsierte. Würde sie es unterbinden? Er hoffte, dass sie irgendwann begann, im Sinne des Jungen zu handeln.

„Verkauft hier gerade jemand meinen Jungen?“ Nathaniel hatte nur schnell geduscht und mit einem Handtuch um die Hüfte und eines in den Haaren kam er in die Küche.

„Nur ein wenig. Aber ich glaube, in den Händen meiner Frau geht es ihm gut“, lachte José, der bisher noch gar nichts gesagt hatte. „Aber ich würde mich genauso wie sie über ein Enkelkind freuen. Es ist viel zu ruhig in unserem Haus.“

„Ich habe mein bestes getan, wirklich – aber Fabio wird einfach nicht schwanger, ich glaube, er ist unfrucht... Aua!“ Nathaniel klappte zusammen wie ein Taschenmesser, als er einen Ellenbogen in die Seite bekam und Fabio lief rot an.

„Du weißt ganz genau, was gemeint war“, knurrte er leise und holte tief Luft. So weit kam es noch, er und schwanger und sich die Figur verderben?

„Wie gut, dass du da vorgesorgt hast“, kicherte José und grinste, aber nur so lange, bis sein Sohn auf ihn zugehumpelt kam und drohte, ihn zu erwürgen. Er lief vor ihm weg und nun lachte er. Endlich konnten sie das Weihnachten feiern, dass sie sich alle gewünscht hatten.

„Was hast du eigentlich mit dem Champagner vor?“, wollte Nathaniel wissen und rubbelte sich die Haare trocken. Er beobachtete Alice, wie sie Gläser füllte.

„Ich finde, Marius’ Weihnachtsgeschenk ist es wert, gefeiert zu werden – wir wachsen zusammen“, erklärte sie ehrlich.

„Gute Idee. Ich zieh mir nur schnell was an.“ Nur mit einem Handtuch bekleidet konnte er diesen Moment ja schlecht feiern. Er brauchte auch nicht lange und war pünktlich zurück, als alle Gläser gefüllt waren und verteilt wurden. „Auf das Weihnachten, das Marius uns geschenkt hat.“ Nathaniel hob sein Glas und zog Fabio an sich. Jetzt durfte er das ganz offiziell.

Nur Marius fehlte noch, denn der flitzte gerade mit den Katzen durch den Sand. Eigentlich nur noch mit einer, denn Kris war schon platt und lag mitten im Sand. Alice holte sie schnell in den Schatten.

„So, das kleine Tier ist gerettet, jetzt können wir anstoßen.“ Die Gläser klirrten und Fabio fühlte sich unglaublich erleichtert. Er nahm einen Schluck und lachte, als Marius samt Noel plötzlich neben ihnen stand und wissen wollte, warum es Sekt gäbe.

„Weil du der tollste Junge auf der Welt bist“, lachte Nathaniel und hob Marius auf seinen Arm. „Du hast dein Wort gehalten und versucht, Fabio kennen zu lernen und dann eine Entscheidung getroffen, die mich sehr freut.“ Er küsste Marius auf die Wange und der kuschelte sich rot und verlegen an seinen Vater. So eine große Aktion war das ja jetzt auch wieder nicht gewesen.

José wuschelte ihm ebenfalls durch die Haare, denn er stand gerade so günstig.

„Magst du einen Saft?“, wollte Alice wissen, denn sie merkte gerade, dass der Kurze nichts bekommen hatte. Schnell war noch ein Glas gefüllt und Marius stürzte es herunter und hoffte, sein glühendes Gesicht etwas abkühlen zu können.

„Was gibt’s zum Abendessen?“, lenkte er ab.

„Oryx-Pie.“ Der buk schon im Backofen.

Das Essen für Weihnachten war immer ein Geheimnis und Fabio riss die Augen auf. Das machte seine Mutter nur sehr selten und zu ganz besonderen Anlässen. Dieses Weihnachten schien ihr wohl besonders genug dafür zu sein. „So, damit ist die gemütliche Runde beendet, Mom muss in die Küche, sonst wird das heute nichts mehr.“ Er schob Alice vor sich her, die sich lachend sträubte.

„Ist doch schon fast fertig, damit wir nach der Bescherung essen können.“ Dafür hatte sie schließlich den ganzen Tag in der Küche gestanden.

„Ich werde das Gefühl nicht los, dass das was ziemlich leckeres ist, so wie du dich gerade aufführst“, forschte Nathaniel und setzte Marius wieder ab. Er hatte von Noel einen dezenten Hinweis mit der Pfote bekommen, dass er seinen Spielkameraden gern wieder hätte.

„Wie kommst du nur darauf?“, lachte Fabio und kam wieder zurück zum Esstisch gehumpelt.

„Ach nur so. Du hast so ein gieriges Glitzern in den Augen.“ Nathaniel kam zu Fabio und raubte sich einen Kuss. Jetzt wo er die Erlaubnis hatte, gönnte er sich das öfter. „Da bin ich ja mal gespannt, was wir heute leckeres auf den Tisch bekommen.“

„Gieriges Glitzern, tz.“ Fabio empfand das ja als üble Nachrede, doch dann lachte er leise. Es stimmte schon, Oryx-Pie war eine seiner Leibspeisen, war aber aufwendig und kam deswegen nur selten auf den Tisch. Außerdem musste das Gericht auch lange schmoren, damit das Fleisch schön zerfiel. Das kostete Fabio jetzt eine Menge Geduld und er musste abgelenkt werden, damit er seine Mutter nicht in den Wahnsinn trieb.

„Ich dachte, es gibt Bescherung, wenn Dad wieder da ist!“ Marius stand immer noch neben seinem Vater, strich dabei aber Noel beruhigend durch das Fell, der die Verzögerung gar nicht schätzte.

Die Geschenke lagen schon lange unter dem Weihnachtsbaum und Marius machte die Lichterkette an und durfte sogar unter Josés Aufsicht die Windlichter anzünden. Es war zwar noch hell draußen, aber das gehörte einfach dazu. Natürlich hatte er schon unauffällig geguckt, welche Geschenke für ihn waren und er war schon sehr aufgeregt.

„Was? Jetzt schon?“, lachte José und beobachtete Marius, der sich, wie erwartet, gleich umdrehte und tief Luft holte. „Okay, okay“, wehrte José ab und lachte laut, wuschelte dem Jungen dabei liebevoll durch die Haare. „Bist ja nicht der Einzige, der vor Neugier stirbt.“ Dabei sah er unauffällig zu seinem Sohn, der ebenfalls ungeniert den Berg mit Geschenken beobachtete und zählte.

„Los, setzten.“ Marius dirigierte seinen Vater und Fabio zu der Couch. Er wollte endlich anfangen.

Als alle saßen hockte sich Marius vor den Baum und nahm das erste Paket zur Hand und grinste. Er sah zu Fabio, der sich auch gleich freudig zu ihm vorbeugte. „Alice“, kicherte der Junge aber dann und gab das Päckchen weiter.

Fabio knurrte und blitzte Marius an. Auf solche Scherze in einer derart ernsten Situation konnte er gut verzichten. Schmollend verschränkte er die Arme und lehnte sich zurück. Marius kicherte, weil sich Fabio ein bisschen benahm wie er selber.

„Für mich?“, fragte Alice und nahm das Paket entgegen. Es war von Nathaniel und sie sah ihn strafend an. „Wir brauchen doch nichts“, sagte sie lächelnd, bedankte sich aber, als sie die Schleife aufband.

Nathaniel grinste nur, denn genau mit dieser Reaktion hatte er gerechnet. Deswegen hatte er sich etwas einfallen lassen, woran sie Freude haben würde.

„Du bist ja verrückt“, rief Alice auch gleich und strahlte, als sie den Gutschein in der Hand hielt. Nathaniel hatte ihr einen zweiwöchigen Aufenthalt in seinem Haus auf Mauritius geschenkt, mit allem drum und dran. Tauchschule, Wellnessbehandlung, Ausflügen und noch einigem mehr. Sie wurde zu Hause abgeholt und auch wieder dort abgeliefert. Die Zeit bestimmte sie selbst.

„Da ist es schön“, sagte Fabio und grinste. „Und zwei Wochen ohne Dad sind sicherlich auch voll cool.“ Dabei grinste er seinen Vater frech an, der nur eine Braue hob und schnaubte.

„Der Nächste!“, krähte Marius und griff wieder zu. „Für... “ Er machte es spannend, grinste Fabio an, sah dann seinen Vater an und drückte es doch Fabio in die Hand, der sich gerade wieder zurücklehnen wollte. „Für dich!“

„Na endlich.“ Fabio sah sich das Geschenk von allen Seiten an und guckte dann auf den kleinen Zettel. Das Geschenk war von Marius und er war wirklich gespannt, was drin war. Er fetzte das Papier weg und Marius biss sich auf die Lippe. Er hatte ja kein Geschenk für den Freund seines Vaters gehabt, darum hatte er mit Alice’ Hilfe ein kleines Kästchen aus Papier gebastelt, das er angemalt hatte. Darin lagen ein paar schöne Steine und andere Dinge, die er um die Lodge herum gefunden hatte. Hoffentlich gefiel Fabio das Geschenk.

Doch seine Sorge war unbegründet, denn er lächelte und sagte leise: „Danke, das ist echt schön“. Mit einem Finger schob er die Steine etwas beiseite, kleine vom Wind und Sand geschmirgelte Knochen kamen zum Vorschein, ein winziger Schädel, ein weißes Skelett eines Käfers. Fabio staunte, was Marius alles gefunden hatte. „Wenn morgen das Licht gut steht, kann ich gleich das Makro an den schönen Dingen ausprobieren“, freute er sich und stupste Noel, der seine neugierige Pfote in die Kiste packen wollte.

„Ich helf dir dabei“, sagte Marius gleich und griff sich Noel, damit er nicht noch etwas kaputt machte. „Komm, wir suchen gemeinsam ein Geschenk aus. Du tippst drauf und ich geb es weiter“, flüsterte er dem Kater ins Ohr und Noel machte wirklich, was er sagte. „Papa“, rief er auch gleich und gab das Geschenk weiter.

Es war nur ein kleines Geschenk, hatte eher die Form eines Umschlages und Nathaniel sah es sich kurz an. Er erkannte die Handschrift und sah seinen Schatz fragend an. „Mach halt auf“, sagte Fabio und griff sich Kris, die gelangweilt neben dem Stuhl auf dem Rücken lag und mit dem Gips raufte.

Nathaniel öffnete den bunten Umschlag und zog ein Bild heraus. Es war im Stil eines Comics gehalten und zeigte auf mehreren bunten Bildern Fabio und seinen Unfall, den Überfall der Mutter und die Entführung, weg von seinem Geliebten – und der Fabio im letzten Bild erklärte traurig: „Dein Geschenk liegt noch in Essen“.

Nathaniel musste laut lachen und griff sich Fabios Gesicht. „Danke Schatz, das ist einfach süß.“ Er küsste seinen Liebling und gab den Comic an Marius weiter, der neugierig näher gekommen war.

„Das ist wirklich toll.“

„Na ja“, Fabio kratzte sich verlegen am Kopf, „ich hatte nicht damit gerechnet, dass du Weihnachten hier sein würdest und wollte dir dein Geschenk dann eben geben, wenn wir uns wieder sehen. Es liegt daheim im Schrank.“ Er ließ sich küssen, während Marius sich den Comic betrachtete.

So übernahm es Noel, weitere Dinge unter dem Baum vorzuzerren, doch er weigerte sich, die dann auch zu verteilen.

Darum stemmte er sich mit den Vorderpfoten auf Marius Rücken und schnurrte ihm ins Ohr. Der verstand auch gleich die Aufforderung und griff sich das Paket. Es war groß und er las sofort die Karte. „Für mich“, rief er laut und lachte. Das Papier war kein Problem. „Cool! Eine Wii mit ganz viel Zubehör.“ Strahlend fiel er seinem Vater in die Arme, denn das Geschenk war von Nathaniel.

„Man scheint den Geschmack getroffen zu haben“, lachte Fabio, während sich Alice gerade fragte, wie Nathaniel den großen Karton unbemerkt hatte transportieren können. So groß war der Koffer doch gar nicht gewesen. Da konnte ja nur der Karton drinnen gewesen sein – für Klamotten war dann aber sicherlich nicht mehr viel Platz gewesen. Zum Glück hatte Nathaniel bei seinen Schwiegereltern in spe schon einiges deponiert gehabt.

Dass Marius das Geschenk nicht gleich ausprobieren konnte, störte ihn nicht. Er deponierte es neben sich und zog das nächste heraus. Dieses mal für José.

„Für mich? Mal sehen, wer mir was schenkt?“

Fabios Vater brauchte gar nicht nachzusehen, denn Marius klärte ihn gleich auf. „Ist von Papa.“

Es war nicht sehr groß, darum war José richtig neugierig, was darinnen war. Er öffnete das Kästchen und seine Augen weiteten sich. „Ein Trapiche-Smaragd. Der fehlte noch in meiner Sammlung.“ Er sah Nathaniel an und lächelte. „Und dann so ein tolles Exemplar. Groß und ohne Einschlüsse. Ein tolles Geschenk, danke.“

„Wo hast du den denn her?“, wollte Fabio wissen. Er ließ sich das Kästchen von seinem Vater reichen, um ebenfalls einen Blick auf den Stein zu werfen. Er nahm ihn zwischen die Finger und hielt ihn gegen die Sonne – ein Meisterwerk der Natur und der Schleiferei. „Wirklich schön.“ Fabio wollte gar nicht wissen, was diese Kostbarkeit gekostet hatte. Er kannte die Preise für Edelsteine selbst nur zu gut. Und so packte er den Stein wieder ein, damit ihm nichts passierte.

„Ich hab da so meine Quellen.“ Nathaniel zog Fabio an sich und sah zu, wie Marius sein Geschenk für Alice und José weitergab. Wie auch für Fabio hatte er nichts gehabt und einen Engel aus Alufolie, Federn und Stoff für den Weihnachtsbaum gebastelt, den man auf die Spitze stecken konnte.

„Oh wie süß!“ Alice war ganz entzückt und José griff sich den Engel gleich, um ihn auf die Spitze des Baumes zu setzen.

„Als wäre er dafür gemacht worden. Der ist wirklich hübsch“, sagte er anerkennend und nickte. Das Englein passte wirklich gut. „Danke.“

Auch Fabio besah sich den Engel und musste zugeben, dass der Kleine Talent hatte. Man sollte seine Begabung fördern. Auch er äußerte sich lobend und Marius war stolz.

Er fühlte sich bei Alice und José wohl und darum wollte er ihnen eine Freude machen. Hier hatte er Spaß. Man hörte ihm zu und nahm ihn ernst, das war etwas, was er, außer bei seinem Vater, nicht kannte. Verlegen, aber sehr zufrieden, suchte er das nächste Paket. Es war wieder für ihn von Fabio.

Er guckte Fabio an und dann aber war er neugierig und fledderte das Papier weg. Er hielt ein Buch in der Hand, Tiere der Wüste. „Toll, danke!“ Marius fing gleich an zu blättern und fand sofort ein paar Tiere, die er schon gesehen hatte. Schön war, dass das Buch mehrsprachig war. Die Haupttexte waren englisch, eine Zusammenfassung auf Deutsch und Afrikaans gab es ebenfalls. Es würde Marius helfen mit Freude englisch zu lernen. Und so blätterte er und blätterte, während Noel sich langweilte und anfing, am Wii-Karton zu knabbern.

Aber keiner störte sich daran, denn alle waren damit beschäftigt, ihre Geschenke zu betrachten. Nathaniel sah auf Marius und lehnte sich an Fabio. „An solche Weihnachten kann ich mich gewöhnen.“ Es war chaotisch, aber auch sehr gemütlich. „Das Leben ist schön mit euch.“

„Ja, so sind wir“, grinste Fabio, „und ihr seid immer willkommen. Das weißt du.“ Fabio griff sich Kris, denn sie war ja das Geschenk seiner Mutter für ihn. „Du müsstest eigentlich auch ein Schleifchen haben, Süße, aber ich glaube, das würdest du nur zerfleddern. Ich kenn dich doch.“ Er wuschelte ihr durchs Fell und Kris fauchte aufgebracht. Das mochte sie gar nicht.

„Leider habe ich ja auch nichts mehr für dich, weil du das Objektiv ja schon bekommen hast. Ich könnte dir jetzt nur noch mein Herz schenken, aber das geht auch nicht, weil du es ja schon lange hast.“ Nathaniel küsste Fabio und strich ihm über die Wange. Er wusste, dass er seinen Geliebten damit verlegen machte, aber er war gerade in sehr romantischer Stimmung.

„Danke, Schatz“, murmelte Fabio und schenkte seinem Liebling einen sanften Kuss. So merkte er gar nicht, wie die Runde sich langsam auflöste, denn der Pie war fertig. Die Geschenke wurden auf dem Tisch aufgestapelt. Der war groß genug, dass sie trotzdem noch bequem daran essen konnten.

Auch dass José und Marius den Tisch deckten, entging Fabio gänzlich. Erst als Alice ihn antippte, sah er auf.

„Was?“ Doch als Fabio die Lage gepeilt hatte, war er der erste am Tisch und das trotz seines Gipsbeines. Alice konnte über so viel Verfressenheit nur den Kopf schütteln. Doch als alle den ersten Happen gekostet hatten, verstanden sie Fabios Gier. Nach dem Essen ließen sie den Tag mit dem Erzählen von Geschichten aus Fabios Kindheit ausklingen, was alle amüsierte, bis Marius am Tisch eingeschlafen war.

Nathaniel brachte seinen Kurzen in sein Bett, wo die beiden Katzen sich schon aalten. Als er zurückkam, war Fabio auch schon verschwunden.

Lächelnd kam Nathaniel in ihr Zimmer, nachdem er noch kurz im Bad gewesen war und sah auf Fabio, der es sich schon im Bett bequem gemacht hatte. „Hallo Schatz“, sagte er leise und genoss den Anblick, der sich ihm bot.

Die Sonne war bereits untergegangen und auf der Terrasse flackerte noch einsam ein Windlicht und von der Wüste wehte der letzte warme Wind herein. Vorsichtig streckte Fabio die Hand nach seinem Geliebten aus. „Dein Weihnachtsgeschenk wartet, pack's aus“, sagte er leise, denn durch die hochgerollten Planen gab es keine Privatsphäre. Die Stille der Wüste verstärkte jedes noch so leise gesprochene Wort.

Nathaniel lachte leise und ließ sich neben Fabio auf das Bett sinken. „Ja, das schönste Geschenk, das Marius mir machen konnte. Ich bin unheimlich stolz auf ihn.“ Sanft strich er seinem Geliebten über die Wange und beugte sich dann zu einem Kuss vor.

„Er ist ein toller Junge“, nuschelte Fabio leise und sank glücklich in Nathaniels Arme. Er ließ sich küssen und schloss die Augen. Allmählich war er mit seinem Leben wieder versöhnt. So endete der Tag ganz nach Fabios Geschmack mit ein paar Zärtlichkeiten und Küssen, bis er eingeschlafen war.



ENDE

Danke fürs Lesen ...