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Waschbär-Probleme - Teil 12 - 14

12

Markus stieg mit ihr zusammen aus und Linda zeigte ihm das Hotel, in dem sie ein Zimmer gemietet hatten. „Ganz nett“, murmelte Markus. Das Hotel war nicht groß und sah von außen gepflegt aus. Erst als er Robert vor dem Eingang stehen sah, verschloss sich sein Gesicht wieder. „Er ist da“, sagte er nur und beobachtete Robert aus den Augenwinkeln. Er sah schlecht aus, so als wenn er nicht genug geschlafen hätte, die letzte Zeit. Wie auch, wenn er aus heiterem Himmel hier auftauchte. Markus fragte sich noch immer, wie das hatte passieren können.

„Ja, damit ihr redet. Dann geht es ihm hoffentlich besser, dir hoffentlich auch und dann habe ich einen tollen Urlaub. Purer Eigennutz, mein Schatz“, erklärte sie und nickte Robert zu, der sich dezent im Hintergrund hielt. Er ließ die beiden das Check In machen, Markus bezahlte seine Übernachtung, dann kamen sie langsam zu ihm. Linda entschlossener als Markus selbst, der sich überall mal umguckte.

„Hallo, ich bin Linda“, stellte sie sich vor, denn das war vorhin ganz untergegangen.

„Robert“, erwiderte dieser, ließ dabei aber nicht Markus aus den Augen, der sich gerade das Teppichmuster eingehend ansah. „Hallo Markus“, sagte er darum leise, auch wenn er nicht damit rechnete, dass er eine Antwort bekam.

„Auch Hallo“, entgegnete der aber überraschend und versuchte weiter, die Regelmäßigkeit des Musters zu verstehen.

„So, das erste Beschnüffeln ist unblutig verlaufen. Wollt ihr euch in der Eingangshalle hier schlagen oder oben das Zimmer zum Anschreien verwenden. Eure Wahl.“ Linda ließ sich nicht beirren.

„Zimmer“, sagten Markus und Robert gleichzeitig und Linda nickte zufrieden.

„Geht doch.“ Sie gab Markus den Schlüssel und schob ihn vor sich her. Robert würde ihnen schon folgen, da war sie sich sicher. Der Aufzug brachte sie in die zweite Etage und das Zimmer war schnell gefunden. Markus schloss es auf und ließ seine Tasche neben der Tür fallen. Linda schob Robert hinterher und schloss dann die Tür von außen.

„Hey!“ Markus wandte sich zur Tür, doch er vermied es, wie ein Irrer dagegen zu klopfen. Was würde das denn für einen Eindruck machen. Jetzt war er also mit dem bekloppten Waschbär alleine – na danke auch, Linda! Also ging er weiter ins Zimmer, das sich als Suite herausstellte. Das Schlafzimmer war separat. „Okay, du hast den Weg auf dich genommen. Sicher willst du reden, wie mein genervtes Handy mir mitteilte. Also rede und dann geh!“

„Markus, bitte. Könntest du dich bitte zu mir umdrehen? Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe, aber du musst mir glauben, dass es mir wirklich leid tut.“ Robert sah auf Markus’ Rücken und kam ein paar Schritte näher. „Ich konnte es einfach nicht ertragen, dass Jette sich dir so aufgedrängt hat.“

Zumindest hatte Robert damit erreicht, dass sich Markus zu ihm umwandte, nämlich, um ihn irritiert und fragend anzusehen. „Du konntest es nicht ertragen, dass sie sich mir aufdrängt. Und da denkst du, wird es besser, wenn du dich mir aufdrängst? Bist du eigentlich völlig gestört?“, hatte er wütend gefragt, noch ehe er es netter hätte formulieren können. Robert zuckte vor soviel Wut zurück und wusste im ersten Moment gar nicht, was er sagen sollte.

„Markus... aber...“, stammelte er leise, wurde jedoch gleich von einer sich öffnenden Tür unterbrochen.

„Markus, ich warne dich. Hör dir an, was Robert zu sagen hat oder es setzt was“, zischte Linda und sah Markus wütend an. Dann war die Tür auch schon wieder zu. Verdutzt wandte Markus sich um, doch er war nicht schnell genug. Er starrte nur gegen die geschlossene Tür und Linda war schon wieder weg. Er knurrte leise und sah Robert wütend an.

„Na los, du hast es gehört, ich soll dir zuhören. Also rede!“ Frustriert warf er sich in einen der Sessel und starrte an die Wand.

„Ganz schön resolut, die junge Dame“, murmelte Robert und grinste schief. Die Aktion hatte nicht gerade dazu beigetragen, dass seine Verwirrung nachließ, aber immerhin war Markus jetzt bereit, ihm zuzuhören. Er ließ sich in den Sessel neben Markus fallen. „Ich weiß nicht, ob ich gestört bin und ich kann verstehen, wenn du das denkst, aber wenn du mir vorher gesagt hättest, dass du eine Freundin hast, mit der du zusammenwohnst, dann hätte ich das nicht gemacht. Und aus genau diesem Grund wirst du auch nicht wissen wollen, warum ich es gemacht habe.“ Robert sah zu Markus rüber und grinste traurig.

„Hä?“, war die alles erschlagende Erwiderung von Markus, denn im Augenblick bekam er die Worte vom Waschbär nicht auf die Reihe. „Was hat denn Linda damit zu tun, dass du mir die Zunge in den Hals schiebst?“ Irgendwie stand er nicht nur auf der langen Leitung, er hatte wohl auch noch einen Knoten drinnen.

„Ganz einfach, ich respektiere Beziehungen und wenn du mir gesagt hättest, dass du eine Freundin hast, hätte ich dich weder geküsst, noch mir Hoffnungen gemacht.“ Robert ließ den Kopf in den Nacken fallen und rieb sich über die Augen. Er hatte die letzten Nächte kaum geschlafen. „Warum hast du gesagt, dass du Single bist, wenn das nicht stimmt?“

Ein weiteres, ebenso intelligentes: „Hä“, kam Markus über die Lippen und er sah den Waschbär fragend an. Was hatte der denn genommen, um wach zu bleiben? Davon sollte er in Zukunft echt die Finger lassen, das schlug aufs Hirn. Doch dann schien es ihm zu dämmern. „Woher weißt du, wo du mich suchen musst? Hast du Mario ausfindig gemacht?“

Ein wenig enttäuscht war Robert schon, dass Markus nicht auf seine Frage antworten wollte, aber eigentlich wollte er es auch gar nicht hören. „Ja, habe ich. Ich war gestern Nachmittag bei ihm, weil ich dich nicht erreichen konnte. Dieser Felix war auch da und hat mir dann erzählt, dass du mit deiner ersten großen Liebe, mit der du seit über einem Jahr zusammenlebst, in den Urlaub gefahren bist. Es tat ganz schön weh, das kannst du mir glauben.“ Robert rutschte in sich zusammen und traute sich nicht, Markus anzusehen. Doch der fing an zu lachen, rutschte in seinem Sessel tiefer, so dass er kaum noch saß und lachte aus vollem Halse.

„Boah, die sind so scheiße!“, keuchte Markus immer wieder, beruhigte sich aber, als er den völlig verstörten Waschbär sah. „Gelogen haben sie nicht, sie haben dir nur etwas verschwiegen, die Arschlöcher. Linda ist meine erste große Liebe, das stimmt. Und wir wohnen zusammen, auch das stimmt, aber wir sind kein Paar mehr. Wir sind mehr als das, wir sind beste Freunde.“

Robert blinzelte nur und wirkte gerade etwas überfordert. Es brauchte eine Weile, bis zu ihm durchgedrungen war, was er gehört hatte. „Ihr seid nicht zusammen?“, fragte er noch einmal nach, weil er sich nicht sicher war, es richtig verstanden zu haben. „Aber warum machen die so was?“, wollte er wissen. Sie wussten doch, dass er sich in Markus verliebt hatte.

„Ich schätze, weil sie meine Freunde sind und weil sie gesehen haben, was du mit mir gemacht hast. Ich glaube, sie wollten Gerechtigkeit. Du solltest dich so fühlen, wie ich mich tags zuvor gefühlt habe.“ Plötzlich war Markus nicht mehr auf Krawall gebürstet und es fiel ihm gar nicht so schwer, sich mit Robert zu unterhalten.

„Gerechtigkeit?“ Robert holte tief Luft und setzte sich so, dass er Markus ansehen konnte. „Es tut mir wirklich leid, wenn ich dich mit meinem Kuss überrumpelt und dich verletzt habe. Mir sind wohl sämtliche Sicherungen durchgeknallt, als ich gesehen habe, was Jette gemacht hat.“

„Sicherungen durchgeknallt trifft es genau, würde ich mal sagen, denn ich habe jetzt den Ärger. Hast du auch nur eine Sekunde nachgedacht?“ Das erste Mal sah Markus Robert wirklich an. Er wusste nicht, was er zu sehen hoffte oder was er erwartete, doch der Waschbär sah schlecht aus, übermüdet und ausgelaugt. Irgendwie bekam er Mitleid. „Und jetzt?“

„Wenn ich nachgedacht hätte, wäre es wohl zum gleichen Ergebnis gekommen.“ Robert lachte freudlos auf. „Ich habe Wolfram gesagt, dass du unschuldig bist. Ich habe eine Verwarnung bekommen und du darfst mich nicht mehr trainieren. Ich habe wohl jede Menge kaputt gemacht.“

„Ja“, sagte Markus und es klang härter als eigentlich beabsichtigt. „Wolfram hat mich heim geschickt, ich soll mir über einiges klar werden. Du musst da ja einen Eindruck erweckt haben, da hat er mich gleich mit abgestempelt. Man!“

Er knurrte leise, doch er war an dem Punkt, an den Linda ihn schon einmal getrieben hatte: was störte ihn mehr? Seine Suspendierung oder der Annäherungsversuch?

„Wenn ich was tun kann, um es wieder gut zu machen, dann sag es.“ Robert konnte es nicht gut ertragen, dass Markus wegen ihm Schwierigkeiten hatte. „Warum musste diese dämliche Kuh auch so eine bescheuerte Aktion starten?“, knurrte er und ballte die Fäuste. „Sonst wäre überhaupt nichts passiert. Ich hätte weitergemacht wie bisher und mich einfach nur darüber gefreut, dich zu sehen und Zeit mit dir zu verbringen, weil du ja die Richtlinien aufgestellt hast.“

„Hätte dir das gereicht?“, fragte Markus und beobachtete Robert dabei eindringlich. Er wusste nicht, warum er das fragte, doch er wollte das jetzt wissen.

„Auf Dauer wahrscheinlich nicht“, gab Robert zu. Jetzt war er schon einmal hier und Markus hörte ihm zu, da konnte er auch zugeben, dass er sich verliebt hatte. Mehr kaputt machen konnte er eh nicht. „Es ist mir jetzt schon nicht leicht gefallen. Ich habe das echt nicht gewollt. Es ist einfach so passiert.“

Markus nickte. Er wusste nicht, was er hatte hören wollen, doch jetzt wusste er nichts zu entgegnen. Er starrte eine ganze Weile vor sich hin, ehe er anfing zu sprechen. „Wolfram meinte, es hätte so ausgesehen, als hätte ich den Kuss genossen, wäre gerade dabei gewesen, mich an dich zu schmiegen, als er uns erwischt hat. Ich weiß es nicht.“

„Das hat Wolfram gesagt?“ Robert sah Markus an, weil er neugierig war. Er wollte wissen, ob er irgendetwas aus dessen Gesicht lesen konnte. „Also, ich kann ihm nur zustimmen. Für mich hat es sich schon danach angefühlt, als wenn es dir nicht unangenehm war. Ich will nicht behaupten, dass du es genossen hast, dafür war es auch zu schnell wieder vorbei, aber ich habe deine Hand auf meiner Schulter gespürt und sie wollte mich nicht wegdrängen.“

„Du bist echt keine Hilfe, Waschbär“, knurrte Markus und suchte mit den Augen. Seine Tasche stand im Flur und da war noch etwas zum Trinken verborgen, also erhob er sich und holte sich die Flasche Wasser. Irgendwie wurde ihm langsam der Mund trocken.

„Soll ich dich anlügen, nur weil du es nicht hören willst?“ Robert war enttäuscht. „Sag mir, was du willst, Markus. Soll ich gehen und aus deinem Leben verschwinden? Ich werde dann das Studio wechseln.“

„Ja, verdammt – lüg mich an!“ Markus stand plötzlich mit dem Rücken an der Wand und sah Robert an. Warum musste er immer entscheiden? Jeder wollte etwas von ihm entschieden haben, er hatte die Nase so gestrichen voll. „Wenn ich wüsste, was ich will, säßen wir jetzt nicht hier und würden uns gegenseitig... Ach scheiße!“ Er wandte sich ab.

„Markus.“ Robert sprang auf und war mit drei schnellen Schritten bei Markus. Er konnte es einfach nicht ertragen, ihn so durcheinander zu sehen. Ohne weiter nachzudenken, legte er von hinten die Arme um Markus und zog ihn an sich. „Ist es für dich wirklich so schlimm, wenn du es genossen hast?“

„Es ist schlimm für mich, dass du mein erster Job warst und mir gleich so was passiert, was meinen Chef dazu bringt, mir nicht mehr über den Weg zu trauen“, sagte Markus, löste sich aber nicht. Er spürte allmählich, dass seine Gegenwehr schwand. Wollte er das? Er hatte keinen blassen Schimmer.

„Man kann sich gegen Gefühle nicht wehren und man kann nicht bestimmen, wann und in wen man sich verliebt, Markus.“ Vorsichtig streifte Robert mit seinen Lippen über Markus’ Nacken und lehnte dann seine Stirn an dessen Hinterkopf. „Ich habe es versucht, das kannst du mir glauben, weil ich dich eben nicht in diese Zwickmühle bringen wollte.“

„Ich muss dir was sagen, Waschbär“, murmelte Markus, „du warst mit deinem Anti-Zwickmühlen-Versuch ziemlich erfolglos.“ Er schloss die Augen und stellte die Flasche auf den kleinen Tisch zwischen den Sesseln. Er hatte Angst, sie könnte seinen klammen Fingern entgleiten.

Warum löste er sich nicht?

Warum trat er den Waschbär nicht vor die Tür und ging dann mit Linda shoppen?

Warum stand er hier, ließ sich halten und spürte, dass er genau das gewollt hatte?

„Ich bin auch nur ein Mann mit jeder Menge Hormonen und verliebt in dich. Ich kann da wirklich nichts für.“ Man konnte ein leichtes Schmunzeln in den Worten hören und Robert strich sanft mit der Nase durch die dunklen Haare. „Kann ich dir irgendwie helfen?“ Robert zog Markus ein wenig näher. War das jetzt ein gutes Zeichen, dass er nicht weggestoßen wurde, oder nicht? Robert ließ es einfach drauf ankommen.

„Keine Ahnung“, musste Markus gestehen. Er hatte die Augen geschlossen und versuchte zu genießen.

Konnte er das?

Die Nähe?

Die Berührungen?

Es fühlte sich gut an, unbestritten. Anders als bei Chris, anders auch als bei Claudia. Er spürte Hitze in sich aufsteigen. Was war das? Reagierte er auf den Waschbär?

Robert hielt ihn einfach nur fest und weil er keine Gegenwehr spürte, traute er sich etwas mehr. Sanft strichen seine Finger über den Stoff des Shirts und er hauchte Küsse in den Nacken. Mehr, als dass sich Markus von ihm los machte und ihn aus dem Zimmer schmiss, konnte ihm hoffentlich nicht passieren.

„Hat das denn überhaupt Sinn?“, fragte Markus irgendwann. Sein Kopf war leer und so sah er über die Schulter zurück. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an dich schmiege, wenn du mich küsst. Ich glaube, Wolfram hat zu viel interpretiert.“ Sein Blick traf Roberts. Er konnte kurz Enttäuschung sehen, aber dann war der Eindruck wieder verschwunden.

„Wenn wir es nicht probieren, werden wir es nie wissen.“ Robert drehte Markus in seinen Armen und lächelte. „Ich werde dich jetzt küssen und sehen, was passiert.“

„Und dann?“, versuchte Markus noch Distanz zwischen sie zu bringen, doch Robert war schneller. Seine Lippen legten sich weich auf Markus’ und hinderten ihn daran, noch mehr sinnlose Sachen zu sagen, die besser ungesagt blieben. Erst spürte Markus den Drang, sich zu lösen und dem Waschbär das Fell über den Bürzel zu ziehen, doch plötzlich konnte er das nicht mehr. Sein Kopf war herrlich leer – unglaublich leer.

Robert konnte spüren, wie der Wiederstand nachließ und lächelte. Er zog Markus fester an sich und intensivierte den Kuss. Nun, eine Frage war auf jeden Fall geklärt: Markus schmiegte sich an ihn und so wie er den Kuss erwiderte, schien es ihm gut zu gefallen. Doch er ließ sich nur für einen kurzen Augenblick dominieren, dann versuchte Markus die Oberhand zu gewinnen. Er war es nicht gewohnt, derjenige zu sein, der verwöhnt wurde, der empfing und passiv war. So ließ er sich gegen die Wand in seinem Rücken sinken, um Robert mehr Kraft entgegen bringen zu können. Seine Hände legten sich um dessen Kopf und hinderten ihn daran, sich einfach wieder zu lösen.

Robert ließ ihm kurz die Oberhand, aber dann versuchte er, Markus zurückzudrängen. Nicht dass es ihm nicht gefiel, aber so schnell wollte er nicht nachgeben. Darum fochten sie einen kleinen Kampf und ihr Kuss wurde immer hitziger. Er drängte Markus mit seinem Körper gegen die Wand, um ihm so nah wie möglich zu sein und er war zufrieden, als er dessen Hände auf seinem Rücken spürte, wie die Finger sich in das Hemd schlugen. Er keuchte überrascht, als Markus’ Bein zwischen seine rutschte und der Übeltäter grinste zufrieden.

Sie waren beide ziemlich außer Atem, als Robert sich los machte und breit grinsend in Markus’ gerötetes Gesicht sah. „Noch Unklarheiten?“, fragte er frech und küsste Markus gleich noch einmal, wenn auch nicht ganz so leidenschaftlich. Als sie sich wieder lösten, hatte Markus immer noch seine Hände in Roberts Hemd gekrallt.

„Ja, eine. Darf man Waschbären überhaupt als Haustiere halten oder müssen die ausgewildert werden und im Garten leben? Ich würde dir auch eine Mülltonne ganz für dich alleine zur Verfügung stellen, so ist das ja nicht. Artenschutz geht vor.“

„Natürlich sind Waschbären tolle Haustiere. Weich, kuschelig, sehr verschmust und auch sehr personenbezogen. Er ist seinem Partner treu und der bekommt von ihm sehr viel Zuwendung.“ Robert sagte es mit einem Grinsen, aber seine Augen blickten ernst. Das war ihm sehr wichtig, denn ohne Treue gab es für ihn keine Partnerschaft. Und so wie es schien, wollte sich Markus ebenfalls auf ihn einlassen. Da war es das Beste, sie klärten das von Anfang an, denn ein Spielchen von Markus würde Robert nicht durchstehen, dazu ging der Mann, der mehr als ein Dutzend Jahre jünger war, schon viel zu tief.

„So, so, personenbezogen und verschmust“, sagte Markus nachdenklich. Seine Hände wanderten um Robert herum und suchten den Waschbärbauch, viel war davon ja nicht mehr da. Schade eigentlich, doch er hatte zumindest sein Ziel erreicht. Und um einiges fitter war Robert jetzt auch, das konnte er doch bestimmt für sich nutzen.

„Ja, sonst wird er sehr traurig und geht ein.“ Robert sah Markus verliebt an und sein Daumen strich über die geschwollenen Lippen. „Wenn ich liebe, dann nur ganz und gar. Ich möchte, dass du weißt, worauf du dich einlässt. Ich bin nicht der Typ, der sich versteckt.“

„Ich stehe auch zu dem, was ich bin, ich weiß nur nicht, ob ich mit all meinen Ecken und Macken das bin, was du suchst“, gestand Markus und fing kurz einen der Finger vorsichtig mit den Zähnen ein. Er schämte sich dafür, Robert vorhin so abgefertigt zu haben, doch er war sauer gewesen. Seine Wut war verflogen und allmählich hatte er wohl die Richtung, in die er wollte. Sie führte zum Waschbär, komischerweise. „Ich hoffe nur, dass ich nächste Woche noch Ohren und einen Job habe, wenn ich bei Wolfram war.“

Robert hatte da nicht so große Bedenken wie Markus, darum lächelte er.

„Das werden wir einfach ausprobieren müssen. Ob ich mit deinen Ecken und Kanten zu Recht komme und ob du noch einen Job hast. Allerdings sehe ich bei beidem keine großen Hindernisse. Ich glaube nicht, dass Wolfram dich feuert, wenn du ehrlich zu ihm bist. Du wirst mit keinem deiner Kunden etwas anfangen, da du ja jetzt einen Waschbär hast, der deine ganze Aufmerksamkeit fordert und ich werde ab sofort von Peggy trainiert, auch wenn mir das nicht gefällt.“

„Ich merke gerade, Waschbären sind nicht nur pelzig und verschmust, sie sind auch noch verschlagen. Klüngeln hinter meinem Rücken mit meinem Chef.“ Markus wunderte sich selbst, wie leicht ihm plötzlich Witze über seinen Job über die Lippen gingen und er wusste einfach nicht warum. Doch es war egal, es ging schon irgendwie weiter. Schon komisch, was ein Kuss alles verändern konnte. Noch immer lagen seine Hände auf Roberts Hüfte und dem Bauch. Schmunzelnd sah Robert auf die Hand auf seinem Bauch.

„Der hat es dir irgendwie angetan, oder? Ständig werde ich hineingepiekst und jetzt auch noch gestreichelt. Soll ich ihn behalten?“, fragte er grinsend und legte seine Hände auf Markus’ Hintern, denn der hatte es ihm ziemlich angetan.

„Ich bin unschlüssig“, gab Markus zu. Er fand es schon witzig, reinzupieksen, doch ohne sah Robert wirklich besser aus. Die vierzehn Jahre, die sie trennten, waren eigentlich gar kein Problem, auch wenn sich Markus so was nie hatte vorstellen können. „Wenn du ihn nicht los wirst, sind wir beide unseren Job los. Ist es das wert?“ Dabei sah er betont langsam über seine Schulter auf die Hände auf seinem Hintern und sah dann wieder Robert an, die Brauen weit nach oben gezogen.

„Also, ich bin gar nicht unschlüssig. Den“, Robert griff ein wenig fester zu und grinste, „sollst du unbedingt behalten. Der lockt mich schon seit Wochen.“ Jetzt, wo er endlich zugreifen durfte, konnte er feststellen, dass er nicht nur perfekt aussah, sondern sich auch perfekt anfühlte und das schönste war, dass er es jetzt, so oft wie er wollte, ausnutzen konnte.

„Hey!“, knurrte Markus gutmütig. Er erkannte sich selbst nicht wieder. „Wie macht der brave Waschbär“, wollte er wissen und spannte die Muskeln an. „Wenn du dich nicht benehmen kannst, kommst du doch in den Garten. Wir haben hinter dem Haus ein hübsches Eckchen mit einem großen Baum. Da kannst du hin.“

„So macht der brave Waschbär“, lachte Robert und küsste Markus. „Aber jeder Waschbärenhalter sollte wissen, dass er seinem Waschbären ungehinderten Zugang zu den Körperteilen gewähren sollte, die dieser besonders gerne mag. Denn sonst wird der Waschbär ganz traurig.“ So langsam fand Robert Gefallen daran, als Waschbär bezeichnet zu werden.

„Das stand nicht in den Haltervorschriften. Ich werde noch einmal mit meinem Händler reden müssen, ob ich den anspruchsvollen Waschbär nicht lieber gegen etwas weniger pflegeintensives eintausche. Vielleicht für den Anfang einen Stein oder eine Amöbe, etwas, womit ich zu Recht komme“, überlegte Markus laut, ließ sich aber wieder gegen die Wand sinken, achtete jedoch darauf, dass er dem Waschbär nicht die vorwitzigen Pfötchen quetschte.

„Ne, ne, das geht gar nicht. Ich habe doch gesagt, die Waschbären sind sehr personenbezogen und wenn sie einmal auf eine Person geprägt sind, dann kann man sie nicht mehr zurückgeben. Das hättest du vorher gründlicher durchlesen müssen.“ Robert grinste frech und lehnte sich an Markus. Er wollte sich gerade vorbeugen, um Markus zu küssen, als ihm etwas einfiel. „Steht Linda immer noch vor der Tür? Wir sollten sie vielleicht erlösen und ins Zimmer lassen.“

„Ich weiß nicht“, sagte Markus, grinste aber selber. „Sie hat mich hier mit einem wilden Waschbär eingesperrt. Sie hat in Kauf genommen, dass er mich beißt und ich Tollwut bekomme. Ich weiß nicht, ob da eine halbe Stunde auf dem Flur stehen ausreicht, um das zu sühnen. Gerade sie, als Kinderkrankenschwester, sollte doch wissen, wie gefährlich Tollwut und Tetanus sein kann!“ Doch auch er hatte ein schlechtes Gewissen, dass Linda zu den Mitteln hatte greifen müssen, um Sturschädel Markus zu seinem Glück, im wahrsten Sinne des Wortes, zu zwingen.


13

„Erlösen wir sie.“ Robert lachte und küsste Markus noch einmal, bevor er sich löste und zur Tür ging. „Komm rein, wir leben beide noch“, sagte er lächelnd, als er die Tür öffnete und Linda ihn neugierig ansah.

Sie sagte erst einmal nichts, sondern betrat das Zimmer wieder. Schnell huschte ihr Blick über die Einrichtung – alles noch heil, dann über Markus - schien noch alles dran, dann über Robert – auch nichts kaputt. Dann erst atmete sie auf. „Und? War das so schwer?“, fragte sie Robert, der dämlich grinsend an der Wand lehnte. Sie musste nach dem Ergebnis nicht fragen, sie konnte es sehen.

„Eigentlich nicht, aber in unserem speziellen Fall wohl schon. Wir mussten da erst einmal ein paar Probleme und Missverständnisse klären, aber danach war es dann nicht mehr schwer.“ Robert stieß sich von der Wand ab und ging zu Markus rüber. Er zog ihn so an sich, dass er mit dem Rücken an Robert lehnte und der ihm über die Schulter gucken konnte.

„Okay, wäre das auch geklärt. Jetzt kann ich endlich Urlaub machen!“ Linda ließ sich zufrieden auf das Bett fallen und streckte sich aus. „Und ich will keine Hetztiraden mehr gegen den bekloppten Wachbär hören und dein Handy kannst du auch wieder anmachen, Schatz, denn ich glaube nicht, dass der dämliche Bert dich noch nerven wird“, erklärte sie lapidar und Markus knurrte leise.

Er fühlte sich gerade vorgeführt.

„Der dämliche Bert. So, so“, murmelte Robert und zwickte Markus leicht mit den Zähnen in den Hals. „Über deine Namensgebung für mich müssen wir noch einmal reden, aber das machen wir später.“ Seine Arme schlossen sich fester um Markus. „Was haltet ihr davon, wenn wir etwas essen gehen und dabei besprechen, wie wir die nächsten Tage gestalten?“

„Ich will jetzt für die entgangenen Annehmlichkeiten in den letzten Stunden ein gutes Essen, Schatz, lass dir was einfallen.“ Linda zerrte aus der Jackentasche den Reiseführer und warf ihn Markus zu. „Dann sollten wir die Wohnsituation klären und dann will ich Sightseeing und Shopping!“

Markus knurrte, grinste aber. Eigentlich war es ihm egal, wie der Tag weiter ging, er hatte doch schon ziemlich gut angefangen.

„Darf ich da behilflich sein? Ich wüsste da nämlich ein nettes Restaurant. „Ich lade euch ein.“ Robert sah beide an. Er hatte sich im Radisson Blu Plaza Hotel eingebucht und das hatte, so wie er gehört hatte, ein gutes Restaurant. Dort konnten sie sich ungestört unterhalten.

„Du?“, fragte Markus und drehte sich in Roberts Armen. „Das erklärt mir allerdings einiges!“ Wieder piekste er den Waschbär in den Bauch. „Wer alle Lieferservice im Umkreis von zwanzig Kilometern kennt, der sucht auch fern der Heimat als erstes die guten Futterquellen. Das hätte ich wissen müssen.“

Linda grinste. Das konnte mit den beiden ja noch was werden. Doch sie freute sich, denn so wie jetzt, gefiel ihr Markus doch gleich viel besser.

„Ey, ich brauchte eine Unterkunft und das Hotel hat nun mal ein gutes Restaurant. Da kann ich nix für“, verteidigte sich Robert, tat aber nichts gegen den pieksenden Finger. „Los, deine Freundin hat Hunger.“

„Ja, ja“, machte Markus nur und löste sich von Robert. Er wollte noch mal fix im Bad verschwinden, ehe sie das Zimmer für länger verließen. Linda derweil richtete sich schon mal häuslich ein, besetzte gleich beide Betten und betrachtete dann Robert, der sie beobachtete. „Du nimmst ihn doch eh mit zu dir, oder? Da kann ich mich hier auch ausbreiten.“

Robert sah sie mit schief gelegtem Kopf an. „Also ich gehe davon aus, dass Markus und ich zusammen die Nacht verbringen, aber ob hier oder bei mir, ist noch nicht raus. Das wollte ich mit euch ja gleich besprechen. Ich müsste nämlich relativ schnell wieder zurück nach Deutschland.“

„Ah – verstehe. Nur mal eben ausgebüchst, hä?“ Sie grinste, räumte aber weiter. So lange Robert noch in Oslo war, hatte sie das Zimmer jedenfalls für sich. „Mal sehen, wie sich Markus das gedacht hat.“ Ob ihr Freund bei ihr blieb oder mit Robert zurückfuhr, war ihm überlassen. Sie hatte die Reise sowieso für sich allein geplant gehabt, sie würde es ihm also nicht übel nehmen, wenn ihr Schatz seinem niegelnagelneuen Waschbär zurück folgte. Sie könnte ihn verstehen.

„Mehr oder weniger. Ich habe so lange Studioverbot, bis ich wieder zu was zu gebrauchen bin, hat meine Chefin gesagt. Aber wenn sie erfährt, dass ich getrödelt habe, dann wird sie mir einiges abreißen, was Markus vielleicht ganz gern an mir behalten würde.“ Robert grinste schief. Er hatte da einen Vorschlag, den er Linda unterbreiten wollte.

„Na da bin ich ja mal gespannt, was das sein soll“, lachte Linda und fragte lieber nicht, welche Körperteile gemeint sein könnten, sie war auf die Antwort gar nicht scharf. „Aber schön zu wissen, dass du auch zu nichts zu gebrauchen warst. Schatzi war nämlich auch völlig für die Tonne und ehe seine Freunde ihn noch mehr verunsichern konnten, habe ich ihn weggeschleppt. Scheint ja gewirkt zu haben... Markus, bist du auf dem Klo eingeschlafen oder was?“, brüllte sie, denn sie wollte los.

„Bin soweit“, tönte es aus dem Badezimmer und Markus öffnete die Tür.

„Fein, dann können wir los.“ Robert griff die Hand seines Freundes und bot Linda seinen Arm an. „Wenn ich bitten darf, junge Lady“, sagte er mit einer Verbeugung.

„Warum nicht, wann habe ich schon mal die Chance, auf einen galanten Herren an meiner Seite“, entgegnete sie und streckte Markus, hinter Roberts Rücken, die Zunge raus.

„Pf“, machte der aber nur und griff Roberts Hand fester. Noch vor einer Stunde hätte er daran wohl eher nicht gedacht, doch endlich spürte er wieder Ruhe in sich einkehren – es war wohl die richtige Entscheidung gewesen.

So verließen sie das Zimmer und zogen fragende Blicke im Foyer auf sich, doch das war den Dreien egal.

Robert führte sie zum Wagen und fuhr los. Den Weg zu seinem Hotel hatte er sich gemerkt und es war auch gar nicht zu übersehen, denn es war das höchste Hotel in Nordeuropa. „Dort oben werden wir essen“, sagte er und zeigte auf das Hotel, als sie in Sichtweite waren. „Das Restaurant ist in der 34. Etage.“

„Wie cool!“ Linda saß hinten, nicht ganz freiwillig, aber sie hatte schnell eingesehen, dass Robert vielleicht lieber seinen frischen Liebling bei sich vorn haben wollte und so hatte sie die Rückbank für sich, konnte an drei Seiten rausgucken und schon einmal ein paar schnelle Schnappschüsse machen – hoch lebe der Bildstabilisator!

„Du verstehst es zu leben, Waschbär“, musste Markus zugeben. Er aktivierte gerade wieder sein Handy.

„Man tut, was man kann.“ Robert strich Markus kurz über das Bein. „Das Hotel hat mir von der Beschreibung her gut gefallen, darum habe ich mich dort eingebucht. Allerdings habe ich von meinem Zimmer und dem Rest noch gar nichts gesehen, weil ich nur meinen Wagen abgeholt habe und dann zum Hafen gefahren bin.“

Markus fühlte sich jetzt doch wieder etwas ertappt. Er hatte es Robert wirklich nicht leicht gemacht. „Tut mir wirklich leid“, erklärte er also reumütig und meinte das auch, wie er es sagte. „Oh, noch ein paar Nachrichten vom Waschbär“, nuschelte er, als er wieder auf sein Handy guckte. Er öffnete sie lieber nicht. Das Thema war durch, sie fingen jetzt bei Null an.

„Schon okay, Schatz.“ Robert lächelte kurz zu Markus rüber und bog dann auf die Auffahrt zum Hotel. Er parkte vor dem Eingang und übergab den Schlüssel einem Pagen. „Wollen wir erst einmal mein Zimmer ansehen oder gleich essen gehen?“

„Markus soll sich erst mal angucken, wo er nächtigen wird“, schlug Linda vor und ihr Freund sah sie irritiert an.

„Was?“, fragte er und sie grinste. „Komm, glaubst du allen ernstes, ich ertrage euch beide im Bett nebenan? Nicht nachdem du mich heute Morgen schon aus dem Bett getreten hast!“

Markus ließ den Kopf hängen. Linda war auch nicht besser als seine Freunde, das brauchte sie gar nicht glauben!

„So, so, ich sollte also auf Einzelbetten bestehen“, lachte Robert, zwinkerte Markus aber zu, damit er wusste, dass es nur ein Scherz war. Sie holten sich den Schlüssel an der Rezeption und fuhren mit dem Aufzug in die 20. Etage.

Linda hatte sich auf dem Weg zu den Liften gedreht wie ein Kreisel, so beeindruckt war sie von der Eingangshalle. Sie war noch ganz aufgedreht, als Robert seine Zimmertür öffnete. „Wow, das ist ja Wahnsinn“, quietschte sie, als sie die Suite sah und wuselte auch gleich sofort los.

Markus stand in der Tür und sah sich ebenfalls erst einmal um. Er kannte Roberts Haus und das hier sollte ihn eigentlich nicht überraschen. Einmal mehr fragte er sich, ob sie eigentlich auf Augenhöhe waren. War das eine Beziehung, die ihn glücklich machen konnte, nicht nur Robert, sondern alles, was zu ihm gehörte? Die 14 Jahre Altersunterschied, die 350 Quadratmeter Wohnfläche, der Millionenwagen in der Garage, die Selbstverständlichkeit, mit der Robert in solchen Häusern verkehrte.

Robert zog ihn in die Suite und sah sich ebenfalls um. „Hübsch. Schöner, als ich gedacht habe“, stellte er fest. Eigentlich schade, dass er es nicht lange nutzen konnte. Linda war gerade unterwegs, darum führte er Markus zur Sitzgruppe und setzte sich mit ihm hin. „Sag mal, Schatz, wie lange wolltest du in Oslo bleiben?“, fragte er.

„Ich wollte Montag wieder arbeiten gehen – also dachte ich so an einer Woche. Aber irgendwie hat sich der Grund gerade erledigt“, grinste er schief und sah sich weiter um. „Wolfram hat ja gesagt, ich soll mir ne Woche Auszeit nehmen, vorher will er mich nicht sehen.“ Auch wenn er sich so nicht direkt ausgedrückt hatte.

„Na ja, bei mir ist es ähnlich. Ich habe Studioverbot, bis ich wieder für etwas zu gebrauchen bin, aber Jenni hätte mich gerne so schnell wie möglich wieder zurück. Ich würde ja gerne noch ein paar Tage mir dir hier bleiben, aber das geht leider nicht.“ Robert legte den Arm um Markus und küsste ihn kurz. Er wollte Markus nicht so direkt fragen, ob er mit ihm zurück nach Essen kam.

„Wann geht es denn zurück? Denn ich habe meine Überfahrt schon bezahlt. Jetzt noch einen Flug.“ Markus war sich unschlüssig. Er wusste, was Kurzentschlossene für reguläre Flüge zahlten und das sprengte seine Urlaubskasse und riss ein Loch ins Girokonto. Das ging beim besten Willen nicht. Er musste das wohl durchziehen, auch wenn es ihm seltsam schwer fallen würde, den Waschbär gehen zu lassen.

„Ich habe mir da was überlegt.“ Robert wackelte mit den Augenbrauen und beugte sich etwas näher, damit er nicht so laut reden musste. „Ich schwatze Linda ihre Überfahrt auf der Fähre ab und fahre mit dir zurück, wenn du mit möchtest. Als Entschädigung dafür, bekommt sie diese Suite, so lange, wie sie hier bleiben möchte und ich bezahle ihr einen Flug oder eine Fährfahrt zurück.“

Markus grinste. „Ich muss dir ja eine ganze Stange Geld wert sein“, murmelte er leise und wusste nicht so richtig, was er sagen sollte. Außer: „Danke“, fiel ihm nicht viel ein und so war es alles, was er entgegnen konnte. Doch er schenkte seinem Waschbär noch einen Kuss, den hatte er sich verdient, bestimmt.

„Du bist mir mehr wert, als alles Geld der Welt.“ Robert sah Markus an und wurde ernst. „Du hast ja mittlerweile mitbekommen, dass ich nicht gerade arm bin, aber außer bei meinem Haus und meinem Auto lasse ich das eigentlich nicht raushängen. Geld ist für mich nicht wichtig, es ist für mich ein Mittel zum Zweck. Du musst also nicht befürchten, dass ich ständig mit Geld um mich werfe.“

Markus atmete erleichtert auf und entspannte sich wieder ein wenig. „Ich könnte sowieso nicht mithalten, das hast du ja auch schon gemerkt.“ Es war ihm ein bisschen peinlich, dass er eigentlich in allem hinter Robert zurück stand. Er wusste noch nicht, wie er damit umgehen würde, denn es war ungewohnt und er musste sich damit erst abfinden. Konnte sein Ego das?

„Die Bude ist geil!“ Gerade zischte Linda mit ihrer Kamera vorbei, erwischte kurz die beiden Männer auf einem Bild und war dann schon wieder weiter.

Robert und Markus sahen ihr hinterher und grinsten. „Ich glaube, mein Plan könnte klappen“, lachte Robert. „Wenn möglich würde ich gerne morgen mit der Fähre zurück fahren. Wäre das für dich okay? Dann haben wir noch einen Abend und eine Nacht hier in Oslo.“

„Wir müssen uns 12 Stunden vorher anmelden, damit die Kabine für uns fest gebucht wird. Das sollten wir also nicht aus den Augen verlieren“, entgegnete Markus, sah Linda aber ebenfalls lachend hinterher. Sie wirkte sichtlich zufrieden, hatte den Hunger vergessen und als sie: „Geil, geil, geil!“, kreischte, hatte sie wohl das Kingsize-Bett im Schlafzimmer gefunden.

„Das werde ich gleich über die Rezeption machen lassen, wenn wir Linda überredet haben. Komm, machen wir das gleich und dann können wir den Rest des Tages unbeschwert genießen.“ Robert stand auf und zog Markus mit sich. Im Schlafzimmer lag Linda auf dem Bett und grinste zufrieden. Sie setzten sich zu ihr und Robert setzte seinen Plan gleich um. „Süße, du bist doch ziemlich angetan von dieser Suite. Was würdest du dazu sagen, wenn du sie für deinen Aufenthalt nutzen kannst und mir dafür deinen Fährenplatz überlässt?“

„Du willst kaupeln“, sagte Linda und stemmte sich etwas auf, damit sie Robert besser ansehen konnte und ihre Verhandlungsposition nicht ganz so aussichtslos wurde. „Das Zimmer ist schon ein guter Anfang, aber für meine Kabine und für Markus? Ich gehe nämlich mal davon aus, dass du meine Begleitung auch an dich reißen willst. Also, da muss schon noch ein Eis bei rum kommen!“ Markus schlug sich vor den Kopf und fiel nach hinten um.

Das war Linda!

„Uih eine harte Verhandlung.“ Robert spielte mit und legte die Stirn in Falten. „Du hast das schon richtig erfasst, ich möchte beides. Also, was kann ich dir sonst noch anbieten? Diese Suite, natürlich all inclusive, wie sich das gehört. Rückflug erster Klasse mit einer Airline deiner Wahl“, bot er an. Mal sehen, ob Linda damit schon zufrieden war.

„Ich bekomme auch noch einen Flug. Das klingt spannend. Ich hätte Markus ja auch gegen einen Banana-Split eingetauscht, aber ich nehme freilich auch den Flug. Gar keine Frage. Kannst ihn haben.“ Sie winkte ab und grinste, während Markus sich gerade sehr ungeliebt fühlte und sich ganz klein zusammen rollte, leise vor sich hin murmelte und Linda damit drohte, dass er all ihre Eisvorräte zum Schmelzen in den Mülleimer werfen würde, sobald er wieder daheim war.

„Komm her, Liebling.“ Robert legte sich zu Markus und zog ihn an sich. Er strich ihm durch die Haare und lächelte. „Ich bin froh, dass ich jetzt mit dir zusammen zurückfahren kann. Sie hätte sogar noch mehr verlangen können und sie hätte es bekommen.“

„Was? Das sagst du erst jetzt?“ Linda schoss hoch, lachte aber, als Markus leise knurrte. „Ja, ja. Du hast deinen Waschbär und ich eine Woche dieses Zimmer. So hat doch jeder, was er wollte.“ Sie erhob sich, strich Markus auch noch mal durch die Haare und lächelte. „Und ehe ihr MEIN Bett einsaut, würde ich sagen, gehen wir essen!“ Sie zwinkerte keck und lief lachend in den Flur. Sie kam sich albern vor und es war schön. So hatte sie sich den Urlaub mit Markus vorgestellt, nicht wie heute Morgen.

„Ich glaube, wir wurden gerade des Zimmers verwiesen“, lachte Robert und nutze die Chance, mit Markus allein zu sein, noch für einen Kuss. Allerdings konnten sie ihn nicht lange genießen, weil Linda schon wieder nach ihnen rief.

„Ich glaube, jetzt weiß ich wieder, warum ich lieber einen Waschbär als ein Mädchen zum Spielen haben wollte“, sagte Markus und erhob sich langsam. „Die sind weniger... nein, das stimmt nicht. Ich kenne einen Waschbär, der ebenfalls doch sehr penetrant war“, erinnerte er sich zurück und machte, dass er in den Flur kam. Lachend sprinte Robert Markus hinterher und fing ihn gerade noch ein, als er aus der Suite laufen wollte.

„Hier geblieben.“ Robert kniff Markus in den Hintern und legte dann die Arme um ihn. „War doch gar nicht verkehrt, ein wenig penetrant zu sein, oder?“

„Wir sprechen darüber, wenn ich nächsten Montag noch einen Job habe“, sagte Markus und versuchte streng zu sein, doch allmählich war seine Sorge gewichen. Er hatte das Gefühl, genau begriffen zu haben, was Wolfram ihm hatte sagen wollen. Vielleicht sollte er sich bei ihm blicken lassen, wenn er wieder in Deutschland war.

„Ja, ja, redet, wenn ich satt bin!“ Linda war ganz aufgeregt und war schon beim Fahrstuhl, schließlich ging es noch vierzehn Etagen höher. Markus konnte ja laufen, wenn er wollte, sie jedenfalls wollte das nicht. Markus anscheinend auch nicht, denn er schlenderte mit Robert an der Hand ebenfalls Richtung Aufzug, der auch mit einem leisen Pling die Türen öffnete, als sie dort ankamen. Sie fuhren in den 34. Stock und Linda war schon wieder ganz hin und weg, als sie den Blick auf Oslo aus den Panoramafenstern sehen konnte.

Robert sorgte dafür, dass sie einen Tisch am Fenster bekamen und so ließ er sich vom Kellner geleiten, während Markus Linda einsammelte und unter leichter Gewalt zum Tisch manövrierte. „Du fällst auf, Schatz“, zischte Markus, lachte aber, denn er meinte das nicht so, wie er es sagte. Auch ihm imponierte der Ausblick und so ließ er die Karte erst einmal liegen. Sein Blick fiel auf das Wasser, von dort war er gekommen.

Robert nahm seine Hand und folgte seinem Blick. „Schade, dass wir schon wieder weg müssen, aber ich verspreche dir, dass wir noch einmal hierher kommen und Urlaub machen.“

„Und Linda wird uns die schönsten Ecken raussuchen“, schlug Markus vor und lehnte sich kurz gegen seinen Waschbär.

„Das war klar, dass ich wieder die Recherchearbeiten machen muss. Aber meine Infos gibt es nur gegen Bares“, erklärte Linda und Markus wusste, was das hieß: er musste kochen. Hoffentlich war der Wechselkurs erschwinglich!

„Ich bin anscheinend nicht ihr einziges Opfer, wie ich feststellen muss“, flüsterte Robert Markus grinsend zu, so dass Linda ihn hören konnte. „War sie schon immer so?“

„Ja, aber ich liebe sie trotzdem“, lachte Markus und wich geschickt den Beinen aus, die gerade nach ihm treten wollten.

„Du bist echt fies. Kaum hast du einen neuen Freund, bin ich die Quelle deines Spottes. Das finde ich nicht fair.“ Sie bestellte sich ein Wasser, die beiden Herren jeweils einen Saft und dann entschieden sie sich doch endlich dazu, etwas zu bestellen, sonst kamen sie heute gar nicht mehr dazu.

Sie waren alle drei sehr angetan von der mediterranen Küche, die hier serviert wurde und Linda freute sich schon darauf, das die ganze Woche genießen zu können. Robert brachte ihre Augen noch einmal zum leuchten, als er ihr erzählte, dass zu ihrem All-Inclusive-Paket auch die Benutzung des Wellnessbereichs mit allen Angeboten und der Pool gehörte.

„Waschbärchen, wenn du weiter so spendabel bist, dann wird sie die ganze Woche das Haus nicht verlassen und wir bekommen keine Reisetipps. Du schneidest uns gerade ins Fleisch“, sagte Markus und streckte Linda die Zunge raus.

Doch sie ließen sich die Laune nicht verderben, der Tag war viel zu schön, als dass noch etwas ihn hätte trüben können. Das Essen beendeten sie mit einem Tiramisu nach Art des Hauses und beschlossen, dass sie jetzt sieben Stunden laufen mussten, um die aufgenommene Energie wieder loszuwerden.

„Übermorgen, Schatz, dann darfst du mich wieder um den See scheuchen. Heute ist mir egal, wie viele Kalorien ich gegessen habe. Außerdem magst du meinen Waschbärbauch doch.“ Er zwinkerte seinem Schatz zu. Offiziell durfte Markus ihn ja nicht mehr trainieren, aber es konnte ihm ja keiner verbieten, mit seinem Freund Sport zu treiben.

„Es wird eine Gratwanderung, dich fit zu machen, aber den Waschbärbauch nicht ganz verschwinden zu lassen.“ Er konnte nicht wiederstehen und legte die Hand darauf, schüttelte ein bisschen, so dass der Rest, der noch da war, wackelte. Dann lachte Markus und Linda hetzt im Foyer nun gegen ihn.

„Männer ohne Bauch sind Krüppel!“, erklärte sie und zuckte, als ein älterer Herr hinter ihr sagte: „Siehst Liesbeth, die junge Dame findet's auch!“

Ihre Augen wurden aber noch größer, als Liesbeth den Kopf schüttelte.

„Ludwig, da bin ich aber ganz anderer Meinung. Nichts gegen ein kleines Bäuchlein“, dabei maß sie den Bauch ihres Mannes mit einem kritischen Blick und wanderte dann wesentlich wohlwollender zu Robert, „so wie bei dem jungen Mann. Das ist noch ansprechend, aber nicht, was du da so vor dir her schiebst.“ Sie grinste frech und zwinkerte Robert zu.

„Nee, Liesbeth, das hätte ich nicht von dir gedacht. Nach vierzig Jahren Ehe so schonungslos ehrlich.“ Der bauchige Gatte senkte den Kopf und trottete davon, zwinkerte Linda aber noch einmal zu und Liesbeth beeilte sich zu erklären, dass das ja alles mal Geld gekostet hätte und er sein Feinkostgewölbe gern behalten dürfe. So fände sie ihn ja auch einfacher wieder, wenn er mal hinter Laternen oder Bäumen stehen würde. Linda lachte laut und auch Markus musste sich das Lachen verkneifen.

„So habe ich das noch gar nicht gesehen. Mit Bauch finde ich dich viel besser wieder.“

„Siehste, streng dich also an. Fit mit Bäuchlein heißt dein Ziel.“ Robert grinste breit. Noch vor ein paar Wochen hatte er sich das gar nicht vorstellen können, dass er an Sport Spaß haben konnte, aber Markus hatte es geschafft. „Sollen wir in unser Hotel? Wir müssen eh noch zur Rezeption und dort das Zimmer umbuchen, dann bestell ich uns auch gleich ein Taxi.“

„Taxi? Bleibt der Wagen etwas hier? Kriegt den auch Linda? Das kann doch bald nicht mehr war sein. Du hast mich ja echt teuer abgekauft!“ Markus stupste seine Freundin mit der Schulter an und die grinste zufrieden.

Der Urlaub entpuppte sich als großartiger als erwartet, auch wenn sie heute von Oslo noch nicht viel gesehen hatte. „Das ist der Trost dafür, dass ich allein gelassen werde. Das wirst du mir wohl zustehen!“ Sie grinste, doch auch etwas Wehmut lag darinnen. Sie gingen zusammen wieder nach unten und regelten dort die Formalitäten. Er ließ auch gleichen den Flug buchen, aber flexibel genug, dass Linda es sich selbst aussuchen konnte, wann genau sie fliegen wollte.

„Dann genieß deinen hart erkämpften Luxus.“ Robert drückte Linda zum Abschied an sich. „Du kommst morgen früh zu uns und bringst uns zur Fähre? Wo du doch jetzt den Wagen hast.“ So konnten sie sich noch richtig voneinander verabschieden.

„Ja, mach ich“, versicherte sie und winkten ihnen, als das Taxi vor fuhr und die beiden jungen Männer einstiegen. Sie legte die Arme um sich und lächelte. Sie hatte ein gutes Gefühl bei Robert. Das war kein Strohfeuer wie Chris oder eine Kinderliebe wie damals ihre. Robert ging tiefer, das spürte sie, denn sie kannte Markus gut genug. „Und wenn du ihm weh tust, werd ich dir den Pelz gerben“, flüsterte sie und ging zurück ins Foyer, als der Wagen verschwunden war.


14



Unablässig strichen seine Finger über weiche, warme Haut und Robert lächelte. Es war noch sehr früh am Morgen und die Sonne ging gerade auf. Markus schlief in seinen Armen und er konnte sich gar nicht satt an ihm sehen. Die schwarzen Haare waren vollkommen verstrubbelt und sein Liebling lächelte im Schlaf. Kein Wunder, nach der Nacht, die sie dazu genutzt hatten, sich zu lieben und zu erforschen, was sie sehr lustvoll und erfüllend gemacht hatte.

Anfänglich war der Abend noch etwas träge angelaufen, denn Markus hatte eine SMS von seinem Chef bekommen. Grob gesagt, hatte Wolfram ihm mitgeteilt, dass er nicht die ganze Woche fern bleiben muss, wenn er sich früher im Klaren darüber wäre, wie es weiter gehen sollte und Markus hatte gegrübelt, ob er bei Wolfram anrufen sollte oder vorbeigehen, wenn er wieder da war. Robert hatte ihm geraten, eine Nacht drüber zu schlafen und vielleicht am nächsten Tag zu telefonieren, wenn er das wollte. Damit war Markus einverstanden gewesen und wieder anhänglicher geworden.

Robert grinste. Markus hatte aber auch versteckte Talente, vor allem aber eine erschreckende Ausdauer.

Nicht dass er was dagegen hätte, er profitierte ja davon, aber schließlich wollte er Markus auch zurückgeben, was er bekam und allein schon aus diesem Grund sollte er ebenfalls an seiner Ausdauer arbeiten. Sanft fuhr er mit den Lippen über die Schulter seines Schatzes und küsste sich höher. Er grinste, als er sich daran zurückerinnerte, als sie das erste Mal zusammen geduscht hatte. Markus hatte damals schon seine Ausdauer in Frage gestellt und Robert hatte vollmundig beteuert, es hätte sich noch keiner beschwert. Mit dem Wissen von heute: er wäre damals gnadenlos baden gegangen und keuchend auf dem Rücken liegend verstorben.

Markus regte sich ein wenig und blieb dann wieder still liegen.

„Du bist einfach unglaublich, Liebling“, murmelte er leise und küsste sich weiter. Ganz langsam zog er eine Spur von der Schulter hoch zu den weichen Lippen. Dort zögerte er, denn er wollte Markus nicht wecken, aber sie lockten ihn unwahrscheinlich. Und weil er sowieso der freche Waschbär war, dachte er nicht mehr weiter drüber nach, sondern nippte leicht daran, nur ein bisschen, dann verschwand er wieder und lachte leise, als sich Markus über die Lippen leckte.

„Hm“, machte er leise und streckte sich, die Muskeln waren angespannt.

Und weil er sich bewegte, küsste Robert ihn gleich noch einmal. Schließlich war Markus so gut wie wach. „Guten Morgen, Schatz“, flüsterte er leise und zog Markus näher zu sich. Er hatte schon gar nicht mehr gewusst, wie schön es war, morgens nicht alleine aufzuwachen.

„Hm“, knurrte Markus noch einmal, doch dann schlug er die Augen auf. Er könnte sich daran gewöhnen, nicht vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden, doch sobald der Job wieder los ging, war es vorbei mit dem Luxus. „’N Morgen“, nuschelte er und küsste sich über Roberts Schulter. „Bist ja schon wach.“

„Macht der Gewohnheit. Es gibt da einen sehr netten jungen Mann, der mich schon seit einigen Wochen dazu bringt, morgens früh aufzustehen.“ Robert strich Markus lächelnd eine Strähne aus dem Gesicht und küsste ihn dann sanft. „Schlaf ruhig noch, wenn du müde bist, es ist noch ziemlich früh.“

„Hm“, machte Markus nur und steckte das Gesicht ins Kissen. „Bin gar nicht mehr müde“, nuschelte er und gähnte, doch dann drehte er sich zufrieden auf den Bauch und streckte sich. Seine Hand wanderte von Roberts Hals über die Schulter du dessen Seite bis zum Bauch und der Leiste, dort blieb sie zufrieden liegen. „Alte Männer kommen mit wirklich wenig Schlaf aus.“

Robert lachte leise und biss Markus leicht in die Schulter. Sein Bauch hatte es seinem Schatz wohl wirklich angetan, das hatte er schon letzte Nacht gemerkt, weil er sehr oft dort gestreichelt und gekrault worden war. Er hätte nicht gedacht, dass das mal der beliebteste Körperteil an ihm sein könnte. Oder sollte ihm das für den Rest von ihm zu denken geben? Doch Robert schüttelte den Kopf, Markus schien von allem, was er gesehen und berührt hatte, sehr angetan gewesen zu sein.

„Lass uns vor dem Frühstück noch ein Stück am Strand lang laufen. Nicht joggen, aber ich möchte noch etwas sehen von der Stadt, ehe wir verschwinden“, schlug Markus vor und richtete sich langsam auf. Dabei sah er auf Robert hinab und grinste. Na gut, einen kurzen Kuss noch.

Irgendwie zog der sich dann doch ein wenig in die Länge und beide atmeten schwer, als sie sich wieder voneinander lösten.

„Zusammen duschen und dann los?“, fragte Robert. Er war schon so daran gewöhnt, morgens zu laufen, dass es ihm richtig fehlte, wenn er nicht dazu kam.

„Aber wirklich nur duschen, Waschbär, nicht dass du unter dem Wasser wieder anfängst nach Dingen zu suchen, die du dir ins Schnäuzchen stecken kannst!“ Dann machte Markus, dass er aus dem Bett kam, denn Robert konnte mit Kissen verdammt hart zuschlagen.

Lachend setzte Robert seinem frechen Liebling nach und fing ihn kurz vor der Dusche ab und küsste ihn in den Nacken. „Du weißt, dass so eine Haltung nicht Waschbärgerecht ist, oder?“, fragte er kichernd und zog Markus in die Kabine.

„Stimmt, ich sollte dir dein Frühstück in Zukunft im Baldeneysee verstecken, dann kannst du es ertasten und es ist blitzsauber, wenn du es futterst. Du musst dich bei den Cornflakes nur etwas beeilen“, lachte Markus und ließ sich den Rücken einseifen, als er das Wasser angestellt hatte.

„Dir ist aber auch nicht beizukommen.“ Robert verdrehte die Augen und klappste Markus auf den Hintern. Er hatte schon früh gefallen an dessen Schlagfertigkeit gefunden und sie hatte auch nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass er sich in Markus verliebt hatte. Er brachte ihn zum Lachen und schaffte es immer wieder, ihn zu verblüffen.

„Na gut, Waschbärchen. Dein Müsli darfst du dir im Spülbecken in deiner Küche suchen. Ich bin ja nicht so“, erklärte Markus und guckte über seine Schulter. Doch dann beeilten sie sich beim duschen, denn sie wollten wirklich noch eine kleine Runde laufen, ehe sie sich zum Frühstück begaben und Linda ihnen auf die Pelle rücken würde.

Gut gelaunt gingen sie eine viertel Stunde später aus dem Hotel und dann Richtung Wasser. Robert hatte seinen Arm locker um Markus Hüfte gelegt und so schlenderten sie langsam über den Strand. Wind strich durch ihre Haare und Robert atmete tief durch. Er mochte den Meergeruch und eigentlich war es schade, dass sie nicht länger hier bleiben konnten. Aber er hatte schon beschlossen, dass ihr erster Trip, den sie gemeinsam machen würden, hier her zurück führte, in die Stadt, die ihr Schicksal positiv beeinflusst hatte.

Sie standen an einer Brüstung und blickten auf das Wasser und die Schiffe. In wenigen Stunden würden sie ebenfalls eines betreten. „Ich muss noch Wolfram anrufen“, sagte Markus irgendwann in das Schweigen, das zwischen ihnen herrschte.

Robert zog ihn an sich und küsste ihn auf die Schläfe. „Ja, das solltest du, aber nicht jetzt. Mach das, wenn wir auf dem Schiff sind. Ich wollte Jenny dann auch eine SMS schicken, dass ich morgen wieder da bin.“

„Wie spät willst du denn noch in den Sender?“ Markus grinste schief, denn er wusste ja, wie Robert das meinte. Es gab auch bei ihm ein paar Leute – von seinem Chef einmal abgesehen – die er irgendwann noch auf den aktuellen Stand bringen musste und er konnte sich heute schon bildlich vorstellen, wie viele: „Ich hab’s dir ja gesagt“, er dann auf sich verbuchen musste. Vielleicht wartete er, bis Linda wieder da war, dann hatte er Verstärkung. Er konnte den armen Waschbär ja nicht gleich ungebrieft dem Pöbel vorwerfen, der von einem wilden Regenwurm ins Feld geführt wurde.

Schließlich hatte der ihm ja schon einmal ziemlich zugesetzt. Da war es eher fraglich, ob Robert gleich wieder auf Felix treffen wollte. Er sollte seinen Freund wohl besser langsam an seine Freunde heranführen, so dass er sich an dessen Eigenarten gewöhnen konnte. Am besten in homöopathischen Dosen, dann waren sie auch für Außenstehende erträglich. Es war ja nicht jeder so ein Geduldsmensch wie Ole. Doch wer den Regenwurm täglich ertragen konnte und ihn immer noch liebte, den brachte sowieso nichts aus der Ruhe. Das Waschbärchen dürfte da eher dünnhäutig sein.

Markus blickte auf seine Uhr und stieß sich von der Brüstung ab. „Komm, lass uns gehen – sonst lässt und Linda noch suchen.“ Er wusste zwar nicht, wann seine Freundin vorbei kommen wollte, doch lange konnte es nicht mehr dauern. In drei Stunden ging die Fähre.

Robert reichte ihm die Hand und sah noch einmal auf das Wasser, dann gingen sie los, zurück zum Hotel. Jetzt hatten sie sich ihr Frühstück verdient.

Roberts Augen leuchteten auf, als er das große Büffet sah, das im Speisesaal aufgebaut worden war.

„Nimm was immer du willst, tu so, als wäre Sonntag!“, sagte Markus ergeben, grinste aber, denn er würde es sich heute auch gut gehen lassen. Er hatte Urlaub und er war glücklich. Morgen konnte er sich wieder der gesunden Küche widmen. Mal sehen, wer sein nächster Kunde war und wie Peggy mit dem Waschbär zu Recht kam.

Das ließ Robert sich nicht zweimal sagen, aber er hielt sich doch zurück. Zwar landete Speck und Rührei auf seinem Teller, aber dazu gab es Obst und Müsli. Mittlerweile hatte er sich nicht nur daran gewöhnt, sondern aß es wirklich gerne. Dazu kam noch einer seiner geliebten Cappuccinos und er war zufrieden.

So setzte er sich zu Markus, der ein ähnliches Sortiment vor sich hatte und schon zufrieden kaute, aber ertappt grinste, als Robert sich setzte. So gönnten sie sich noch ein paar Minuten, genossen das leckere Frühstück und tauschten ein paar verliebte Blicke. Markus konnte es nicht anders sagen: er war zufrieden, er war glücklich. Er lächelte Robert an.

Robert hatte sich gerade noch einen Cappuccino geholt, als er Linda ins Hotel kommen sah. Er ging ihr entgegen und umarmte sie. „Guten Morgen, Süße. Wie hast du geschlafen?“, fragte er und ging mit ihr zu Markus.

„Ich habe herrlich geschlafen, doch die Frage ist, habt ihr auch geschlafen?“ Sie grinste und umarmte ihren Freund, ehe sie sich zu den beiden jungen Männern setzte. Mit dem Wagen war sie überraschend schnell hier gewesen und hatte so noch etwas mehr Zeit, ihrem Liebling auf den Zahn zu fühlen, doch der knurrte nur und verschwand in seiner Milchtasse.

„So hübsch und so neugierig“, lachte Robert, verriet aber auch nichts von ihrer letzten Nacht. Das ging niemanden etwas an, wie er fand. „Möchtest du auch einen Kaffee oder etwas anders?“, fragte er, um sie abzulenken, auch wenn er nicht glaubte, dass es wirklich was brachte.

„Entschuldige mal, ich lasse meinen besten Freund mit einem verschlagenen Waschbär allein, da werde ich doch noch fragen dürfen, ob meinem Liebling etwas passiert ist“, sagte Linda, lachte aber. Sie hatte schon damit gerechnet, auf dem Trocknen sitzen gelassen zu werden. Sie griff sich Markus Milchtasse, der war das schon gewohnt und protestierte nicht.

„Ich denke, ihm geht es gut. Ist noch alles dran, hab selber nachgesehen.“ Robert versteckte sein Grinsen hinter seiner Tasse, denn wie erwartet ruckte Lindas Kopf zu ihm rum und sie sah ihn mit großen Augen an. Dann guckte sie zu Markus, der nur leise den Waschbär anknurrte, dass es das irgendwie nicht besser gemacht hätte. „Darf der einfach so an dir nachgucken?“, flüsterte Linda, weil sie nicht wusste, wer alles zuhörte und Markus holte tief Luft, sah Robert an, dann Linda und nickte.

„Darf er – und für den blöden Spruch darf er nur das und nichts weiter!“

„Öh?“ Robert fiel bald die Tasse aus der Hand. „Wie jetzt? Das geht aber nicht. Nein, da bin ich nicht mit einverstanden.“ Er hatte seine Tasse abgestellt und griff sich Markus Hand. „Das wäre aber eine viel zu harte Strafe.“

„Wer hat denn hier große Reden geschwungen, hm?“ Markus hatte nicht vor, sich gleich erweichen zu lassen. Dank seinem Waschbär hatte er jetzt eine neugierige Linda an der Hacke. Der Deal war gewesen, auf derartige Fragen nicht zu antworten – Robert hatte sich nicht daran gehalten. So einfach war das. „Und die neugierige Nudel, die mir meine Milch weggesoffen hat, besorgt mir neue!“

Lachend stand Linda auf und holte Markus noch etwas Milch und weil sie schon mal dabei war, für sich selber auch etwas.

„Ich hab doch kaum was verraten. Nur dass ich dich nicht kaputt gemacht habe. Das ist ja auch nicht gelogen.“ Robert rückte etwas näher und strich seinem Schatz unter dem Tisch über das Bein.

„Es gehört ja auch nicht viel dazu, sich auszumalen, wobei du mich nicht kaputt gemacht hast“, knurrte Markus, war aber eigentlich schon wieder versöhnt, gab das aber nur nicht zu, weil er nicht wollte, dass Robert gleich wieder abrückte. Ihm gefiel es, dass der sich so viel Mühe gab und hatte ein schlechtes Gewissen, das schlechte Gewissen seines Waschbären auszunutzen.

„Oder eher du mich“, kicherte Robert leise und küsste Markus auf die Wange. „Sie hat wohl dem Falschen die Frage gestellt.“ Sie hatten sehr schnell gemerkt, dass Markus eher der Aktivere war, aber das machte Robert nichts aus. Er war in seiner Rolle nicht so festgelegt und mochte beides.

„Und das wird sie auch niemals erfahren, nicht wenn du irgendwann noch mal nicht kaputt gemacht werden möchtest“, sagte Markus streng, kicherte dann aber wie ein Schulmädchen und wechselte so abrupt das Thema, als Linda zurück war, dass es sogar der auffiel und sie anfing zu fragen. Doch dieses Mal blieben beide hart.

Linda gab es dann irgendwann doch auf, sie ausfragen zu wollen und da ihr Hotel recht nahe an der Einkaufsstraße lag, hielten sie sich nicht mehr so lange im Speisesaal auf, sondern packten ihre Sachen, checkten aus und verstauten ihre Taschen im Kofferraum. Sie wollten noch ein wenig durch die Geschäfte bummeln und sich vielleicht noch eine kleine Erinnerung mitnehmen.

Markus entschied sich für ein T-Shirt mit der Silhouette von Oslo, das war schlicht, das konnte er auch im Job tragen. Es gefiel ihm gut. Und seinem Freund zu liebe probierte er es auch nicht in der Kabine an, sondern im Laden – sehr zur Begeisterung der weiblichen Angestellten.

Robert konnte sich gerade noch zurückhalten, die frechen Gören anzuknurren, die seinen Freund anschmachteten, aber sein Gesicht sprach Bände und ließ Linda kichern. „Das solltest du wohl nicht so oft machen.“

„Was?“ Markus hatte wieder nur die Hälfte mitbekommen und drehte sich in seinem neuen Shirt. Das saß gut, war nicht zu weit, nicht zu eng, machte jede Bewegung mit. Das war gut. Er zog es also wieder aus, ohne zu wissen, was er anrichtete und kroch in sein eigenes Hemd zurück.

Er konnte sich gerade noch das Hemd gerade ziehen, da wurde er auch schon an Robert gezogen. „Das Shirt steht dir wirklich gut“, überspielte der seinen kleinen Eifersuchtsanfall. Eigentlich neigte er nicht dazu, aber er war sich Markus wohl noch nicht sicher genug. Sichtlich zufrieden besah sich Linda die Szene und grinste leicht vor sich hin.

Auch der Rest schien zu verstehen, doch man flirtete die beiden Herren trotzdem an der Kasse an, als sie gingen.

Markus war zufrieden und so schlenderten sie noch durch ein paar Läden.

Irgendwann aber sah Linda auf die Uhr, die die Fähren am besten kannte. „Jungs, wir sollten umkehren – die Zeit drängt“, sagte sie leise, auch wenn etwas Wehmut mit schwang. Auch wenn es kein Abschied für immer war, sondern nur für ein paar Tage, fiel es ihr schwerer als gedacht.

Sie waren alle recht still auf dem Weg zum Wagen und der Fahrt zum Hafen. „Wir sehen uns in Essen wieder“, versprach Robert Linda. „Sag mir, wann du ankommst und ich hole dich vom Flughafen ab.“ Sicher würde es ihr gut gefallen, in dem Bugatti mitfahren zu dürfen. Das war dann der letzte Teil ihres versprochenen All Inclusive Pakets.

„Ja, mach ich!“ Sie winkte den beiden hinterher, die jeder seine Tasche in der Hand, die Gangway zum Schiff erklommen. „Viel Glück“, wünschte sie ihnen noch und Markus drehte sich immer wieder nach ihr um, winkte und folgte dann doch Robert.

„Ich bin aufgeregt“, musste Markus zugeben, als sie zusammen zu ihrer Kabine gingen, um die Taschen abzustellen.

„Wegen der Schiffsreise oder weil du mit mir alleine in der Kabine bist.“ Robert konnte sich zwar denken, warum Markus aufgeregt war, aber er wollte ihn etwas aufheitern. Darum wackelte er mit den Augenbrauen und stellte sich vorteilhaft in Pose, so dass sein kleines Bäuchlein zu sehen war.

„Ich bin alleine mit einem wildgewordenen Waschbär auf Zucker und Fett, der einen ganzen Tag lang nur geschlemmt hat und jetzt seine Kalorien abtrainieren will. Ich wehrloses Jüngelchen habe doch nicht den Hauch einer Chance. Und ich kann noch nicht mal weglaufen – überall Wasser!“ Markus klang hysterisch, grinste aber.

„Jetzt, wo du es sagst.“ Robert kam mit glänzenden Augen auf Markus zugeschlichen, der gespielt ängstlich vor ihm an die Kabinenwand zurückwich. „Hab dich“, knurrte Robert und zog Markus an sich, bevor er ihn leidenschaftlich küsste. Danach sah er ihn lächelnd an. „Alles wird gut. Wolfram wird froh sein, dich wieder zu haben.“

„Ich hoffe es. Ich glaube, ich rufe ihn gleich an, dann habe ich es hinter mir und dann werde ich dem Waschbär mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat“, erklärte er und sah seinen Freund an. Er suchte in dessen Augen die Antwort auf seine brennendste Frage.

„Mach das, Schatz.“ Robert küsste Markus noch einmal, dann zog er ihn mit sich zum Bett und setzte sich so, dass Markus sich bei ihm anlehnen konnte. So lange sein Schatz das nicht geklärt hatte, kam er nicht zur Ruhe.

So sog Markus sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer seines Chefs. Seine Finger zitterten plötzlich wieder und die Zuversicht der letzten Stunden war vorbei.

Es klingelte.

„Hallo Wolfram, ja, ich bin. Also“, fing Markus gleich an, doch dann wusste er nicht mehr, was er sagen sollte. Doch Wolfram drängte ihn nicht, fragte nur, wie es ihm ging und Markus antwortete mechanisch. „Jetzt wieder gut. Ich fürchte, du hast früher gewusst als ich, was mit mir los ist und deswegen rufe ich an. Ich zweifle also nicht an meiner Einstellung zur Arbeit und zum Kunden, denn ich weiß jetzt, warum ich so auf Robert reagiert habe. Ich kann dir also versichern, dass das einmalig bleibt. Mein Freund würde mir sonst wohl die Ohren lang ziehen.“

„Das freut mich zu hören, Markus. Ich hätte dich wirklich sehr ungern gehen lassen.“ Man hörte deutlich raus, dass Wolfram sich über die Antwort freute. „Du hast also jetzt einen Freund und der wird nicht gleich wieder so eine Show abziehen, wie das letzte Mal, wenn eine Kundin oder ein Kunde dir etwas zu nahe kommt?“

Markus guckte zu Robert, der ebenfalls dicht am Handy war und alles hören konnte. Er grinste schief. „Ich glaube nicht, dass er noch einmal eine solche Show abziehen wird. Er ist sich meiner jetzt sicher und muss das keinem mehr beweisen und ich glaube auch nicht, dass ich einer Kundin oder einem Kunden noch einmal so viel Freiraum lassen werde wie Jette. Ich habe meine Lektion echt gelernt“, versicherte Markus und so war es wirklich.

„Fein, das wollte ich hören und wenn ihr euch gut benehmt, darfst du deinen Heißsporn vielleicht auch wieder trainieren, wenn ihr das beide möchtet.“ Wolfram lachte und Robert nickte gleich heftig. Wenn es nach ihm ging, konnten sie es gleich so lassen, wie es gewesen war.

„Ich werde das mit ihm diskutieren“, sagte Markus diplomatisch, er wollte ja nicht gleich wieder mit der Tür ins Haus fallen und Robert durfte ruhig mal ein paar Tage mit Peggy trainieren, die war nämlich gerade beim Aerobic und an den Fitness-Geräten sehr gut. „Danke Wolfram“, sagte Markus noch.

„Nicht dafür. Ich habe nichts gemacht, nur Anstöße gegeben. Du hast selber herausgefunden, was du möchtest. Und wie ich das sehe, haben wir beide daraus einen Vorteil gezogen. Wann kann ich wieder mit dir rechnen?“ Man hörte deutlich heraus, dass Wolfram ihn gern so früh wie möglich wieder in seinem Studio hätte.

„Die Fähre legt in zwanzig Minuten ab, wir landen morgen gegen Mittag in Kiel, dann noch bis in den Pott. Ich würde mal eher sagen übermorgen zur gewohnten Zeit im Studio“, sagte Markus, denn er wollte nichts versprechen, was er nicht auch halten konnte.

Doch Robert spürte deutlich, dass sein Schatz viel entspannter wirkte. So gefiel ihm das doch.

Er zog Markus fester an sich und holte sein eigenes Handy raus. Er tippte seine SMS an Jenny und gab ihr die gleichen Daten durch, wie Wolfram sie von Markus bekommen hatte.

„Gut, dann erwarte ich dich Übermorgen mit deinem Freund zum Training“, konnte er Wolfram sagen hören und nickte.

„Ja, wird gemacht. Tschüss!“ Markus legte auf und warf das Handy aufs Bett. Er griff sich Robert, um ihn zu küssen und ihn spüren zu lassen, dass er jetzt um einiges entspannter war. „Lass uns an Deck gehen und der Sonne entgegen sehen. Vielleicht sehen wir Linda ja noch mal“, schlug er vor, lag aber immer noch auf Robert.

Der sah lächelnd zu ihm hoch und schickte seine SMS ab, dann landete sein Handy auf dem Bett und war vergessen Er freute sich für Markus, dass Wolfram so reagiert hatte, wie er gehofft hatte. Darum packte er Markus lachend an den Seiten und schubste ihn von sich. „Los, Schatz, an Deck.“ Er fühlte sich gerade so, als wenn er Bäume ausreißen könnte. Immer noch lachend zog er Markus an der Hand mit sich durch die Korridore an Deck. Sie suchten den Kai ab, aber Linda war nicht mehr zu sehen, darum zog Robert Markus zum Bug der Fähre und lehnte sich mit ihm dagegen. Die Sonne ging gerade unter und auch wenn es etwas abgedroschen klang, war das wirklich romantisch. Er küsste Markus sanft und umarmte ihn fest. Sie gehörten zusammen, da war er sich sicher. „Alles wird gut, Liebling. Jetzt kann unser gemeinsames Leben beginnen.“ Sie mussten jetzt nur noch das Beste daraus machen, aber das würde die Zeit zeigen.





Ende



Danke fürs Lesen ...