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Terra 3.0 - Zyklus II - Neo New York - Teil 5 - 8

05

Er konnte sich nicht bremsen und so rannte er die drei Treppen nach oben. Er konnte kaum still stehen, als der Sicherheitsscan lief und als er die Wohnung betrat, lag Michael auf der Couch und las. Er wirkte sehr ausgeglichen, was so viel hieß wie Meodin hatte ihn nicht durch die Gegend gescheucht. Konnte er auch nicht, denn er lag auf dem Bett im Schlafzimmer, er war geduscht, aber nackt, hatte die Augen geschlossen und eine Hand lag auf seiner Brust. So lag er seit Stunden und dachte nach.

„Meodin?“ Erdogan stand in der Tür und sah seinen Freund an. Er hatte Meodin schon öfter nackt gesehen, aber heute war es irgendwie anders. „Heute gar nicht schwimmen?“ Erdogan hatte schon beim Pool nachgesehen und sein Seepferdchen nicht gefunden.

„Hm?“ Träge hob Meodin den Kopf und stützte sich auf einen Ellenbogen auf, als er sich ein wenig aufrichtete. „Mir war nicht danach“, gestand er und sah den Prinzen forschend an. „Was war das vorhin?“, wollte er wissen. Er hatte darüber gegrübelt, ergründet was mit ihm passiert war, wo die Sauerei in seiner Hose hergekommen war, doch er hatte Michael nicht danach fragen wollen.

Erdogan kam näher und setzte sich zu Meodin auf das Bett. „Das war Sex, oder zumindest eine Vorstufe davon.“ Der Prinz musste ein wenig schmunzeln, denn es war irgendwie schon merkwürdig einem erwachsenen Mann zu erklären, was Sex war. Allerdings sah Meodin nur erwachsen aus, war aber im Grunde noch ein Kind. Ein verdammt gut aussehendes, aber das änderte nichts an der Tatsache.

Er musste alles von grundauf lernen. So wie er das Atmen und Essen hatte lernen müssen, das Laufen und das Gleichgewicht. Zwar funktionierten die Instinkte, sonst hätte sich Meodin vorhin nicht so gehen lassen. Doch es verbal zu benennen, war er noch nicht in der Lage. „Sind das Entspannungsübungen?“, fragte das Seepferdchen, denn er hatte sich hinterher wirklich sehr zufrieden gefühlt. „Und was passiert noch, wenn das nur die Vorstufe war?“ Er konnte sich nicht vorstellen, dass das noch entspannender sein könnte.

„Na ja, nicht direkt, aber es stimmt schon, es entspannt ziemlich.“ Erdogan grinste und legte sich so neben Meodin, dass er ihn ansehen konnte. „Eigentlich dient Sex zur Fortpflanzung, aber man macht es auch einfach nur so, weil es Spaß macht. Weil es entspannt zum Beispiel und man sich danach gut fühlt. Richtiger Sex ist sogar noch besser.“

Jetzt wurde Meodin doch hellhörig. Fortpflanzung. Er war schließlich dafür vorgesehen, Embryonen reifen zu lassen. Also wollte Erdogan das doch? Meodin war verwirrt und so richtete er sich etwas weiter auf. Doch fragte er nicht danach sondern legte den Kopf schief. „Was ist richtiger Sex?“, wollte er stattdessen wissen. Er hatte das innere Gefühl, dass dieses Wissen ihm Spaß bereiten konnte. Wenn das nur halb so gut war wie vorhin im Aquarium, dann wollte er wissen, wie das ging.

„Du möchtest, dass ich es dir zeige?“ Erdogan hatte eigentlich damit gerechnet, aber trotzdem erstaunte es ihn etwas, wie schnell Meodin an die Sache ranging. Er beugte sich vor und küsste sein Seepferdchen kurz. „Jetzt sofort?“

„Wenn du gerade Zeit hast?“, sagte Meodin und Erdogan war klar, dass sein Seepferdchen wirklich keinen Schimmer hatte. Er ahnte nicht, was gleich passieren würde und so drückte er auf einen Knopf neben dem Bett. Die Tür schloss und verriegelte sich. Er wollte jetzt keine Störungen haben. Selbst Leander sollte sich für die nächste Zeit zurück halten.

Und eines musste man Meodin lassen – küssen hatte er ziemlich schnell gelernt. Er ließ sich nicht mehr so leicht dominieren.

„Ja, das habe ich.“ Erdogan stand auf und fing an sich auszuziehen, wohl wissend, dass Meodin ihn dabei nicht aus den Augen ließ. Es war aufregend, das musste er zugeben, wie sein Freund jedes Stückchen Haut betrachtete, das freigelegt wurde. Als er nackt war, blieb Erdogan kurz stehen, bevor er sich wieder auf das Bett legte.

Meodin strich mit einer Hand über die gerötete Stelle am Bauch des Prinzen. Die Wunde vom Angriff des Moles war fast verheilt, doch die frische Haut war sehr empfindlich und so zuckte die feste Bauchdecke, als Meodins Finger darüber strichen. Doch dann näherte er seine Lippen wieder Erdogans. Er wollte ein weiteres Gefecht austragen – der Prinz würde ihn nicht besiegen. Nicht wenn Meodin es verhindern konnte.

Das hatte Erdogan auch gar nicht vor. Er ließ Meodin einfach machen und ließ sich eine Weile dominieren. Er ließ sich sogar auf den Rücken drängen, so dass sein Seepferdchen halb auf ihm lag, während sie sich küssten. Er wollte es einfach genießen, Meodin an sich zu spüren, ohne es als Balgerei tarnen zu müssen. Sanft streichelten seine Finger nach einer Weile über den Ansatz der Rückenflosse. Dort war Meodin sehr empfindlich.

Ein Teil ihrer Kommunikation lief über diese Stelle des Körpers. Erdogan konnte ihn so beruhigen oder anstacheln, je nachdem wie er Meodin berührte. Sein Seepferdchen reagierte immer darauf. So wie jetzt, als er sich intensiver über Erdogan schob. Er konnte von der nackten Haut auf seiner nicht genug kriegen. Die fremde Hitze, die wie glühende Lava zu ihm herüber kroch, machte Meodin wild. Den Kopf hatte er schon ausgeschalten, es hatte keinen Sinn, zu ergründen, warum er es tat – er tat und es war gut!

Immer wilder wurde ihr Kuss und längst war Erdogan nicht mehr passiv. Immer wieder drängte seine Zunge Meodins zurück und seine Hände streichelten fester. Meodin machte ihn verrückt, denn der rieb sich an ihm und irgendwann hielt der Prinz es nicht mehr aus. Er konnte nicht mehr einfach nur auf dem Rücken liegen. Mit einer schnellen Drehung brachte er Meodin unter sich und löste den Kuss. Schwer atmend sah er auf seinen Freund runter und lächelte. Die schwarzen Augen blitzten ihn feurig an und Erdogan genoss es, denn er war es, der diese Augen so leuchten ließ.

Langsam hob Meodin einen Arm. Hier nur zu liegen mit den Unmengen ungebremster Energie, die er in sich spürte, das hielt er nicht aus. Er hatte das Gefühl zu explodieren, wenn er sich nicht bald bewegte. Wie vorhin auch öffnete er seine Beine und ließ Erdogan dazwischen gleiten, ehe er seine Hände im Nacken des Prinzen verschränkte, und ihn wieder zu sich zog.

Wieder verschmolzen ihre Lippen zu einem wilden Kuss, aber Erdogan löste ihn nach einer Weile wieder. Er lachte leise, als Meodin unwillig knurrte und ihn wieder näher ziehen wollte. „Nicht ungeduldig werden, Süßer“, raunte er und beugte sich wieder vor, allerdings nicht um seinen Freund zu küssen. Er wollte den Körper unter sich erforschen und darum legten sich seine Lippen um eine von Meodins Brustwarzen.

Irritiert folgte ihm der glasige Blick seines Seepferdchens und Meodin blieb nichts weiter übrig, als zu genießen, was Erdogan ihm angedeihen ließ. Immer neue Stellen lernte er an seinem Körper kennen, von denen er nicht gewusst hatte, dass sie solche Gefühle in ihm auslösen konnten. Er war unfähig sich dagegen zu wehren, als sein Rücken sich bog, um sich Erdogan intensiver entgegen zu bringen. Sein Körper reagierte einfach als hätte Meodin ihn gar nicht mehr unter seiner Gewalt.

Es war beängstigend und berauschend zugleich.

Seine Finger hatten sich seit einer Weile in Erdogans Haaren verkrallt und immer wenn Erdogan eine empfindliche Stelle erwischte, wurde daran gezogen. So wie jetzt, wo der Prinz über den Rand der Bauchtasche leckte und seinem Seepferdchen zusätzlich noch ein tiefes Stöhnen entlockte.

Meodin wusste gar nicht, wo hin mit all diesen Gefühlen, die über ihn brandeten. Sein Atem wurde schneller, sein Leib spannte sich – doch er konnte die Erlösung von vorhin nicht herbeiführen. Erdogan hatte sich ihm entzogen, ihre Körper berührten sich kaum noch und der Prinz entschied, wo er Meodin berührte. Der blasse Leib bog sich auf dem Laken, lechzte nach Zuwendung und Berührung. Die seidigen Schuppen schimmerten feucht vom Schweiß.

Er sah einfach herrlich aus in seiner Erregung, wie Erdogan feststellen musste, als er sich auf seinen Armen aufstützte und Meodin betrachtete. Er musste ihn einfach berühren und so fuhr er mit seinen Fingern die Strecke ab, die seine Lippen noch vor wenigen Augenblicken erforscht hatten. Die Muskeln zuckten unter seinen Fingerspitzen, so sensibilisiert war die Haut mittlerweile. Der Prinz wusste, was sein Freund jetzt brauchte und er wollte ihn auch nicht quälen, darum strich seine Hand tiefer und berührte endlich das heiße, aufgerichtete Fleisch, das er bisher immer außen vor gelassen hatte.

Bei der ungewohnten Berührung bog sich Meodin erneut. Er riss die Augen auf und ein kehliges Stöhnen perlte über die trocknen Lippen. Seine Finger, die den Prinzen entlassen hatten, krallten sich mit spitzen Nägeln in das Laken unter ihm. Dass sich seine Beine weiter öffneten, konnte er noch nicht einmal verhindern. Und selbst wenn er es gekonnt hätte, er hätte es gar nicht gewollt. Es war unglaublich, wie viel diese Region seines Leibes in der Lage war zu empfinden.

Wieder und wieder bog sich der schlanke Leib wie eine Sehne. Nur Schultern und Fersen berührten noch das Laken.

Erdogan beobachtete ihn dabei und konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er wollte, dass Meodin sich vor Lust wand. Seine Finger griffen fester zu und strichen über den heißen Schaft. Alles in ihm schrie danach, diesen Körper endlich in Besitz nehmen zu dürfen, aber soweit war es noch nicht.

So ließ er seine Finger immer wieder über den Schaft tanzen, seine Augen aber streichelten über den bebenden Körper. Er konnte nicht leugnen, dass es ein Hochgenuss war, auf diesem Leib zu spielen wie auf einer Violine. Mit jeder neuen Seite, die er anschlug, entlockte er Meodin neue Laute des Wohlwollens. Er grinste, als er das Reißen von Stoff hörte. Das Laken hatte unter Meodins kräftigen Fingern aufgegeben und war gerissen. Langsam zog das Seepferdchen die Fetzen zu sich nach oben.

Er sah sie kurz an und ließ sie dann einfach fallen. Er wurde zu sehr abgelenkt von dem, was Erdogan machte. Seine Finger schienen überall zu sein und machten ihn schier verrückt. Immer wieder entdeckten sie neue Stellen, die ihm Schauer durch den Körper jagten.

Und als Meodin das Gefühl hatte, es nicht mehr ertragen zu können richtete er sich auf. Die schwarzen Augen funkelten, denn er hatte die Nase voll. Das vorhin war entschieden zufriedenstellender gewesen als das hier. Er hatte das Gefühl, innerlich zerbissen zu werden. Er wollte, dass die Schmerzen aufhörten, und so warf er den überraschten Erdogan auf den Rücken und küsste ihn wieder, knurrte zufrieden als er sich an dem heißen Körper reiben konnte.

Erdogan war nicht böse darum, denn er selber stand lichterloh in Flammen und so stöhnte er dunkel auf, als ihre Geschlechter sich heiß berührten. Er hatte eigentlich etwas anderes vorgehabt, aber Meodin war zu ungeduldig, was er verstehen konnte, denn ihm ging es nicht anders. Darum legte er seine Hände auf Meodins Hintern und drückte ihn fest an sich.

Der Kuss wurde schnell wilder und so merkte Meodin kaum noch, was Erdogan eigentlich mit ihm tat. Er war zufrieden damit, dass er nicht mehr passiv genießen musste und nutzte seine neu gewonnene Freiheit aus. Er kam auf die Knie über Erdogan, küsste ihn weiter ausgehungert und ließ sich dann wieder auf ihn nieder. Seine Finger gruben sich in das lange, schwarze Haar und er konnte spüren, dass Erdogan glühte. So intensivierte er den Kontakt ihrer Leiber noch, auch wenn das kaum noch möglich war.

Eigentlich war es gar nicht Erdogans Art passiv zu sein, aber er blieb erst einmal liegen. Er wollte, dass Meodin ihn berührte. Er sehnte sich danach, die schlanken Finger auf seiner Haut zu spüren und Meodin tat ihm den Gefallen. Noch unsicher und zögernd fuhren die Finger über Erdogans Brust und bescherten ihm eine angenehme Gänsehaut. So schön das auch war, es war nicht das, was Erdogan wollte. Meodin wollte wissen, was Sex ist und so wurde das nichts. Darum drehte er sein Seepferdchen wieder mit einer schnellen Bewegung und löste sich etwas von ihm. Mit einer Hand griff er wieder Meodins Geschlecht, um alle Proteste zu ersticken, mit der anderen wühlte er in einer Schublade neben dem Bett nach dem Gleitgel, das er dort deponiert hatte.

Man wusste ja nie und wie sich zeigte, war es nicht verkehrt gewesen, doch für alle Eventualitäten vorzusorgen.

Meodin hingegen kam vom Regen in die Traufe. Er schwitzte, er zitterte. Tränen der Anstrengung liefen ihm aus den Augenwinkeln und verschwanden in den blonden Haaren. Warum tat Erdogan das? Warum konnte es nicht sein wie vorhin? Der Schmerz in seinem Inneren, die Zerrissenheit, war um einiges geringer gewesen. Doch die wissenden Hände lenkten ihn weiter ab und trieben ihn vor sich her, ob Meodin das nun wollte oder nicht – er musste folgen.

Erdogan merkte, dass Meodin so weit war, alles mit sich machen zu lassen, nur um endlich erlöst zu werden und darum nahm er etwas von dem Gel und stich mit einem Finger über Meodins Eingang. Gleichzeitig küsste er seinen Freund, um ihn abzulenken, als er seinen Finger vorsichtig in ihn schob.

Er konnte spüren wie sich der Körper um ihn verspannte, denn Meodin begriff nicht, was das sollte. Aber Erdogan wusste, wie er ihn von allem ablenken konnte und so ließ das Seepferdchen es geschehen. Mehr noch, er zog die Beine an und machte es Erdogan leichter.

Denn der Prinz hatte den einen Punkt gefunden, der Meodin stöhnen und sich aufbäumen ließ. Nach zwei Wiederholungen entschied Erdogan, dass es soweit war. Meodin lechzte nach Erlösung, genauso wie er selber. Er bereitete sich vor und schob sich langsam und vorsichtig in den heißen Leib, lenkte Meodin dabei mit einem Kuss ab.

Langsam ließ er sich auf sein Seepferdchen sinken und der umfing ihn mit den Armen. Fest drückte er Erdogan an sich und konnte nicht einordnen, was mit ihm passierte. So folgte er dem Prinzen einfach in die pure Lust, ließ sich küssen und schlang auch noch seine Beine besitzergreifend um den trainierten Leib, der ihm immer wieder Schauer durch den Körper trieb.

Das war herrlich, aber Erdogan schwebte etwas anderes vor, um seinem Seepferdchen noch mehr Lust zu bereiten. Darum löste er sich kurz, wenn auch unter gegrolltem Protest und drehte Meodin auf den Bauch. Bevor sein Seepferdchen böse werden konnte, versenkte er sich wieder tief in Meodin und ließ ihn vor Lust aufstöhnen. Ganz von alleine zog er dabei die Beine an, so dass Erdogan noch tiefer in ihn eindringen konnte.

Das war gut!

Meodin warf den Kopf hin und her, biss immer wieder in das sowieso schon geschundene Laken und bog den Rücken. Die Flosse zuckte und Meodin stöhnte ungehalten. So hatte er auch genügend Kraft sich Erdogan entgegen zu bringen und ihn so tiefer zu zwingen. Schnell hatte er raus, wie er den Prinzen ebenfalls um den Verstand bringen konnte und spannte die Muskeln im Becken an.

Das hier war so viel besser, als das, was sie im Aquarium getan hatten. Erdogan warf den Kopf in den Nacken und stöhnte auf, als Meodin ihn so reizte. In ihm staute sich die Lust und er wusste, dass er sie nicht mehr lange zurückhalten konnte. Darum griff er um seinen Freund herum und umschloss dessen Geschlecht, um ihn noch zusätzlich zu stimulieren.

Seine Brust presste sich fest auf Meodins Rücken und das Seepferdchen sah nur noch Sterne. Sein Kopf war wie Watte und er ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Er griff um sich, um Erdogan zu einem Kuss zu sich zu ziehen und stöhnte ungehalten. In seinem Kopf drehte sich alles und er spürte dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis er sich so fühlte wie vorhin – so frei, so zufrieden, so... mit einem tiefen Grollen ergab sich Meodin in seinen Höhepunkt.

Sein Körper spannte sich an und umschloss Erdogan fest, so dass auch der Prinz sich gehen ließ und seinem Seepferdchen folgte. Er war so von seinem Höhepunkt gefangen, dass er gar nicht merkte, wie die Rückenflosse sich aufrichtete und die spitzen Stacheln sich in sein Fleisch bohrten. Er küsste Meodin, bis sie sich beide wieder etwas beruhigt hatten und bemerkte jetzt das Brennen, das sich von seinem Bauch aus rasend schnell ausbreitete und ihn sich vor Schmerzen krümmen ließ.

Meodin, immer noch in seinem Taumel der Lust gefangen, lag neben ihn und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Nur aus dem Augenwinkel sah er, dass mit Erdogan irgendetwas nicht stimmte. Keuchend richtete er sich auf. „Erdogan?“, fragte er und betrachtete das verzerrte Gesicht. Was war mit seinem Freund? Musste das so sein? „Erdogan“, fragte er also noch einmal und rüttelte an der Schulter. Der Prinz machte ihm Angst.

Er wurde von Krämpfen geschüttelt und die Schmerzen wurden immer stärker. „Hol Daniel und Michael, schnell“, keuchte der Prinz angestrengt, denn er kämpfte dagegen an, nicht ohnmächtig zu werden. Seine Hände pressten sich auf den Bauch und Erdogan merkte noch nicht einmal, dass er sich die Lippen blutig biss. Sein Körper glühte, aber gleichzeitig war ihm kalt und immer häufiger krampfte er sich zusammen, ohne etwas dagegen machen zu können.

„Äh – ja!“ Wie vom Teufel getrieben sprang Meodin aus dem Bett. Mit Schwung rannte er gegen die Tür, die Erdogan verriegelt hatte und hielt sich den Kopf. Doch kaum sah er wieder klar, kam er zurück, betätigte die Verriegelung und brüllte nach Michael. „Daniel! Hol Daniel!“, rief er immer wieder und zitterte. Irgendwas stimmte mit Erdogan nicht und er hatte das ungute Gefühl, daran schuld zu sein.

„Was?“ Michael schoss von der Couch hoch und sah Meodin erschrocken an. Automatisch griff er sich sein Telefon und wählte Daniel an. „Was ist passiert?“, fragte er und rannte zum Schlafzimmer. Erschrocken blieb er in der Tür stehen, als er Erdogan sah und lief zu ihm rüber. Der Prinz war kaum noch bei Bewusstsein und er atmete angestrengt. „Scheiße“, fluchte er leise. „Daniel komm sofort her. Erdogan stirbt“, rief er panisch, als der Prinz sich wieder zusammen krampfte und dabei die Augen so weit verdrehte, dass er nur noch weiß sah.

Meodin drückte sich in eine Ecke und rutschte langsam an der Wand herunter. Was war passiert? Er verstand es nicht und so zog er die Arme fester um sich selbst, spürte noch nicht einmal, dass die Platzwunde an seiner Schläfe zu bluten begonnen hatte.

„Erdogan!“ Michael rüttelte immer wieder an der Schulter des Prinzen. Er versuchte die Spuren der eben erfolgten Leidenschaft zu übersehen und fixierte sich ganz auf Erdogan. „Komm schon!“

Ohne auf Meodin zu achten, hastete er zu Tür als es läutete, denn für den Chip des Arztes war der Raum nicht freigegeben – ein Fehler, den sie beheben mussten, wenn das hier vorbei war.


06

„Schlafzimmer“, sagte er nur und war schon wieder auf dem Weg zurück. Daniel folgte ihm und lief sofort zum Bett, als er den Prinzen sah. „Shit“, fluchte er unterdrückt. Das sah nach einer Vergiftung aus, aber wie war das passiert? Er untersuchte Erdogan und entdeckte schnell die Einstichstellen, denn sie hatten sich rot verfärbt und waren angeschwollen. „Was ist hier passiert?“, fragte er Michael, denn er brauchte mehr Informationen, um Erdogan helfen zu können.

Der sah sich nach dem verstörten Meodin um, doch aus dem war im Augenblick nichts heraus zu bekommen. Das brauchten sie gar nicht erst zu versuchen. „So wie es aussieht, hatten sie Sex. Vielleicht ist er da mit den Stacheln von Meodins Flosse unschön in Kontakt gekommen.“ Zumindest versuchte Michael sich das zusammenzureimen, denn dass es Absicht gewesen sein könnte, wagte er nicht einmal zu denken.

„Giftstacheln“, murmelte Daniel leise und sah zu Meodin. Er stand auf und ging zu ihm. Er zog Meodin hoch und berührte eine der langen Stacheln. Seine Fingerspitzen färbten sich rot und er nickte. Das passte zusammen und Daniel traf eine Entscheidung. Er griff in seine Tasche und zog ein Medikament auf. Zum Glück musste nicht mehr wie früher erst die Art des Giftes ermittelt werden, um ein wirksames Gegenmittel zu finden. Es gab ein universelles Gegengift und das spritzte er Erdogan.

„Hab mal ein Auge auf den Prinzen, sag mir wenn sich irgendetwas ändert“, forderte Daniel und Michael gehorchte. Er holte eine Decke und breitete sie über den Prinzen, während sich Daniel nun um Meodin kümmerte. Er konnte ihn schieben und ziehen wie eine Puppe. Das war nicht Meodin! Was auch immer passiert war, es hatte Meodin mindestens so hart getroffen wie Erdogan. „Das wird wieder“, murmelte er leise und fragte sich gerade, woher die Wunde an Meodins Kopf kam. Doch das war egal, als erstes musste sie versorgt werden.

Das war schnell erledigt. Die Wunde war nicht sehr groß und musste nicht einmal genäht werden. Meodin bekam ein Pflaster und dann widmete Daniel sich wieder Erdogan. Das Mittel schien zu wirken, denn der Prinz atmete leichter und er krampfte nicht mehr so oft. „Michael, kümmere dich um Meodin“, sagte er leise und deutete mit dem Kopf auf den Mann der immer noch genau dort stand, wo er ihn verlassen hatte.

Michael nickte hastig und kam mit einem Morgenmantel, den er dem zitternden Körper um die Schultern warf. Dann führte er ihn vor die Tür. Meodin wehrte sich noch immer nicht, auch nicht als er unter die Dusche gestellt wurde. Mechanisch wusch er sich hastig, ließ sich wieder einwickeln und abstellen. Er bewegte sich nicht, stand an die Wand gelehnt und starrte. Langsam machte sich Michael wirklich Sorgen.

Er führte Meodin wieder ins Schlafzimmer, denn er wollte wissen, wie es Erdogan ging. Er war für ihn verantwortlich und er hatte versagt. Er kam näher zum Bett, wo Daniel gerade die Einstiche mit Salbe behandelte. Erdogan atmete ruhiger, aber seine Augen waren immer noch geschlossen und man konnte sehen, dass er Schmerzen hatte. „Erdogan?“, fragte er leise und die Augen öffneten sich etwas. Es kostete Erdogan unheimlich Kraft die Augenlider zu heben. Er fühlte sich mehr tot als lebendig und sein Körper schmerzte höllisch. „Meodin“, krächzte er leise und versuchte sich umzusehen.

„Er ist hier“, sagte Michael, weil Meodin sich nicht zuckte. Erst als der Assistent versuchte, ihn dichter zum Prinzen zu schieben, kam Leben in den Körper und er drängte zurück. Er weigerte sich, Erdogan noch einmal nahe zu kommen. Nicht dass er noch mehr Schaden anrichtete als schon geschehen war. So ging er Schritt für Schritt rückwärts, bis er die Wand im Rücken spüren konnte.

Erdogan hatte ihn dabei beobachtet und es tat ihm weh, Meodin so zu sehen. „Meodin, komm bitte her“, sagte er leise und stockend und versuchte, seinen Arm nach ihm auszustrecken, was ihm aber nur zum Teil gelang. Meodin sollte sich nicht schuldig fühlen, denn es war nicht seine Schuld, dass er ihn verletzt hatte.

„Nein!“ Panisch schüttelte Meodin den Kopf. „Wir haben gesehen wohin das führt, wenn ich bei dir bin.“ Er war nicht davon zu überzeugen, dass er sich Erdogan gefahrlos nähern konnte, denn er verstand noch immer nicht, was passiert war. Die Angst, dass jede seiner Berührungen Erdogan wieder schaden konnte, wuchs. Warum das vorher nicht passiert war, wusste Meodin nicht. Doch jetzt war es passiert und es sollte nie wieder geschehen. Er schluckte hart.

„Meodin solange er sich nicht wieder an deinen Stacheln verletzt, passiert nichts.“ Daniel sah Meodin lächelnd an. „Der Prinz wird wieder.“ Er wusste nicht ob seine Worte halfen, denn Meodin stand immer noch an die Wand gelehnt und starrte auf Erdogan.

„Was soll das heißen?“, fragte das Seepferdchen misstrauisch. Er konnte sich darauf keinen Reim machen.

„Deine Stacheln“, sagte Michael und kam näher. „Bisher wussten wir nicht, dass sie Gift enthalten.“

Meodin sah an sich hinab und ließ den Mantel fallen, um seine Flosse zu betrachten. Das war es also gewesen, was Erdogan verletzt hatte. Er richtete sie auf, zog sie wieder ein. Dann sah er Erdogan an. „Tut mir leid“, gestand er leise, auch wenn er wusste, dass es das nicht besser machte.

„Muss es nicht. Du hast es doch auch nicht gewusst. Ist eben passiert.“ Erdogan lächelte leicht. So langsam ließen die Schmerzen nach und er streckte wieder die Hand nach Meodin aus. Er wollte ihn bei sich haben. So hatte ihr erstes Mal nicht enden sollen.

„Wenn ich dir also den Rücken nicht zudrehe, dann passiert dir nichts?“, fragte Meodin nach und als Daniel nickte, kam er langsam näher und setzte sich schüchtern auf die Kante des Bettes. Aber so dass er Erdogan nie den Rücken zu drehte. Zu groß war die Angst, dass etwas wie eben noch einmal passierte.

Erdogan griff seine Hand und drückte sie leicht. Er wollte mit Meodin reden, aber nicht vor den anderen beiden. Darum sah er Daniel an und der verstand auch. Er stand auf und zog Michael mit aus dem Raum.

„Meo“, sagte Erdogan, als sie allein waren und streichelte über die Finger in seiner Hand. „Mir geht es wieder gut und du bist nicht schuld an dem, was passiert ist. Das nächste Mal wissen wir, was wir nicht machen sollten.“

„Schön, dass du es weißt. Ich weiß es nicht“, gestand er leise und holte tief Luft. Meodin war noch immer unsicher. Unter anderen Umständen hätte er sich jetzt neben Erdogan ausgestreckt und einen Kuss verlangt, doch im Augenblick hielt er es für unpassend. Zwar fiel die Anspannung langsam von ihm ab, doch die vorherige Lebendigkeit kehrte noch nicht wieder zurück. Er drückte nur Erdogans Hand, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine war.

„Jetzt mach nicht so eine Trauermiene, Süßer. Es war ein Unfall.“ Erdogan lächelte und zog Meodin näher zu sich, auch wenn der sich etwas sträubte. Er klopfte neben sich auf das Bett. „Komm leg dich zu mir.“

„Aber halt dich von meinem Rücken fern. So was wie heute darf nicht noch einmal passieren!“ Meodin rutschte langsam dichter und vermied mit seiner Rückenflosse jede Bewegung. Das war nicht leicht, sie ständig anzulegen, denn es ging auf die Muskelstränge im Rücken. Doch wenn er sich nicht unter Kontrolle hatte, passierte schlimmes. Da war ein bisschen Muskelkater doch nichts im Vergleich dazu.

Erdogan strich Meodin über die Wange und legte ihm dann die Hand in den Nacken, um ihn zu einem Kuss zu sich zu ziehen. „Ich werde ganz bestimmt nicht ab jetzt darauf verzichten, dich zu küssen und zu berühren. Es gibt bestimmt etwas, um das Risiko, mich erneut zu vergiften, zu minimieren.“

„Was“, wollte das Seepferdchen noch protestieren, doch die Diskussion wurde vom Prinzen noch im Keim erstickt. Er wusste nur zu gut, wie stur Meodin war und da war es manchmal einfach besser ihn abzulenken. Außerdem machte Meodin nicht gerade den Eindruck, als würde er sich zu dieser Art der Ablenkung zwingen lassen müssen, denn er erwiderte den Kuss mit Hingabe. Er schien es zu mögen zu küssen.

Sie küssten sich eine Weile und irgendwann hatte Erdogan Meodin so weit abgelenkt, dass er näher an den Prinzen rückte. Völlig in ihren Kuss versunken, spielte Meodin mit einer von Erdogans Strähnen und der kraulte sein Seepferdchen im Nacken. Eigentlich würde er ihn lieber wieder am Flossenansatz kraulen, aber das war wohl keine gute Idee, wenn er nicht wieder alleine im Bett liegen wollte.

Blieb nur zu hoffen, dass Meodin in ein paar Tagen wieder etwas nachlässiger wurde und Erdogan sein Lieblingskörperteil an seinem Seepferdchen wieder ungestraft anfassen durfte. Das Pflaster auf Meodins Schläfe hatte er zwar bemerkt, doch er fragte lieber nicht nach, wie Meodin sich verletzt hatte. Der war gerade so schön abgelenkt und ließ die Berührungen genießend zu.

Allerdings störte ein Klopfen sie aus ihrer Versunkenheit und Daniel steckte den Kopf durch die Tür. „Ich wollte dich noch einmal untersuchen“, entschuldigte der Arzt sich für die Störung. Aber er konnte nicht einfach gehen, ohne noch einmal nach dem Prinzen zu sehen. „Komm rein“, sagte Erdogan und bedauerte es, dass Meodin wieder etwas von ihm abrückte.

Er rutschte so weit auf seine Seite des breiten Bettes, damit er auch wirklich nicht störte. Neugierig beobachtete er wie Daniel die Einstiche untersuchte. Sie waren noch immer deutlich zu sehen, doch der Kreislauf des Prinzen war wieder stabil und seine Vitalfunktionen waren okay. „Zwei Tage Ruhe – und keine weiteren derartigen Aktionen!“, erklärte der Arzt streng und sah den Prinzen eindringlich an, als würde er auf etwas warten.

„Ich kann nicht zwei Tage im Bett bleiben“, protestierte der Prinz auch sofort und Michael verdrehte hinter der Tür ungesehen die Augen. Na toll, war ja klar, wer den Prinzen wieder an der Flucht hindern sollte.

„Morgen kommen die Moles, da kann ich nicht einfach weg bleiben“, argumentierte Erdogan weiter. „Sag mir lieber, was wir machen können, dass so etwas nicht noch einmal passiert, wenn mich die Stacheln doch noch mal erwischen.“

„Ihr tauscht die Positionen – und weil du dich nicht an meine Anweisungen halten wirst, werde ich dich eben zwei Tage ans Bett binden. Dann wird sich das mit dem Stellungswechsel schon ergeben“, sagte Daniel ungerührt und verzog keine Miene, während Michael hastig im Flur verschwand, weil das Gesicht des Prinzen göttlich war. Wenn der sah, wie sein Assistent lachte, dann war er der nächste, der angebunden wurde.

„Das...“ Erdogan war völlig überfahren, denn mit vielem hatte er gerechnet, aber nicht mit so einer frechen Antwort. Er fing an zu glucksen und schließlich lachte er laut. „Okay, auf den Stellungswechsel bin ich auch schon gekommen, aber ich dachte an etwas anderes. Eine Immunisierung oder so was, damit mich das Gift nicht wieder außer Gefecht setzen kann.“ Erdogan wischte sch die Lachtränen aus den Augen und grinste. Das hatte jetzt gut getan.

Derweil saß Meodin immer noch neben seinem Kissen und beobachtete die Situation.

„Um dich speziell gegen sein Gift zu immunisieren, müssten wir ein Antidot direkt aus seinem Gift erzeugen, was wir dir dann therapeutisch injizieren. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, ich würde also von Spielereien der vorherigen Art für eine Weile mal absehen“, schlug Daniel vor und war zufrieden, dass er den Prinzen kurzfristig schockiert hatte.

„Ich bin dafür, dass wir das so machen, wenn Meodin damit einverstanden ist.“ Erdogan wollte das nicht einfach über seinen Kopf hinweg entscheiden, denn es betraf Meodin ja auch. Darum sah er rüber zu ihm. „Gibst du uns dein Gift, damit wir mich dagegen immun machen können?“

Meodin nickte nur und sah wieder etwas verbogen hinter sich auf die Stacheln. Er war immer noch schockiert darüber, was er damit alles anrichten konnte. Daniel hingegen war es völlig neu, dass Seepferdchen überhaupt in der Lage waren Gifte zu entwickeln, doch das sprach er nicht aus.

„Was macht dein Kopf, tut es weh?“, fragte der Arzt stattdessen, denn die Wunde an der Schläfe war ja dank des Pflasters nicht zu übersehen. Doch Meodin hob nur die Hand an die Stelle und schüttelte den Kopf. „Schon okay.“

„Gut, da es euch beiden gut zu gehen scheint, gehe ich wieder. Meodin, wir sehen uns morgen und wir zapfen dich an.“ Daniel stand auf und griff sich seine Tasche. Er wurde hier nicht mehr gebraucht. „Und du Erdogan bleibst im Bett, sonst kette ich dich wirklich daran fest. Wenn du das den ganzen Tag aushältst, darfst du abends die Neuen begrüßen. Aber nur dann! Verstanden?“ Erdogan nickte, froh, dass Daniel nicht mehr auf zwei Tagen bestand.

„Und zur Sicherheit lass ich noch eine Kamera da“, erklärte er und stellte das winzige Gerät auf den Tisch. „Wenn ich da rein gucke und du bist nicht im Bett und liegst da brav und ruhig herum, dann wird deine Strafe grausam werden. Ich bin nicht so lasch wie Doktor Denester.“ Dann war die Tür zu und vor der Tür kicherten Michael und Daniel darüber, dass es ihnen wohl gelungen war, den Prinzen dazu zu bringen sich zu schonen. Allerdings war er das letzte Mal ja nur ausgerückt, um bei Meodin sein zu können. Das musste er jetzt nicht, denn der war bei ihm. Und Leander konnte sich um den Rest auch kümmern.

„Das ist doch...“ Erdogan sah auf die geschlossene Tür und dann auf die Kamera. Ein Geräusch riss ihn aus seinen Betrachtungen und er drehte sich zu Meodin, von dem das Kichern kam. „Ey“, brummte er und zog sein Seepferdchen wieder zu sich. Er wollte Meodin gerade küssen, als ihm etwas siedendheiß einfiel. „Michael, kannst du mal Thom holen?“, rief er durch die Tür und machte nun das, was er vorgehabt hatte.

Ihre Lippen trafen sich wieder und Erdogan fragte sich, wie er all die Tage ohne diese Küsse hatte auskommen können. Allein die Vorstellung es zu müssen, machte ihn verrückt und Meodin schien es ähnlich zu gehen. Er nutzte jede Chance für einen Kuss ausgehungert. So fand sie Thom auch, als der in der Schlafzimmertür stand und eine Weile einfach zuguckte, bis ihm das zu bunt wurde. Denn er hatte auch noch anderes zu tun. Er räusperte sich also lautstark.

Trotzdem dauerte es noch ein paar Herzschläge, bis sich Meodin von Erdogan löste und Thom ansah. „Oh...hallo“, murmelte Erdogan und musste sich kurz sammeln. „Dein Bruder zwingt mich morgen im Bett zu bleiben, weil ich einen kleinen Unfall hatte und Leander ist nicht da, weil er ja die Moles abholt. Kannst du die Tür auf deinen Chip programmieren und die Wissenschaftler ins Labor lassen?“

Thom hob die Braue und betrachtete sich das Bild der beiden Männer. Geahnt hatte er das ja schon eine Weile und Erdogan war nicht der Typ, der eine Mission sausen ließ wegen einem Abenteuer. Also musste etwas passiert sein und die Male auf seiner Brust und dem Bauch sagten Thom auch was. „Bist du dir sicher? Es war deine Order, dass dort keiner ohne euer Wissen und eure Anwesenheit herum laufen soll. Vor allem nicht nach dem Sicherheitsproblem mit Rodriguez.“

„Ja, das weiß ich und ich bin davon auch immer noch überzeugt, dass das eine gute Entscheidung ist, aber ich habe im Moment keine andere Wahl.“ Erdogan verzog das Gesicht und deutete auf die kleine Kamera. „Morgen muss es anders gehen und dann möchte ich, dass jemand, dem ich zu hundert Prozent vertraue für die Türen verantwortlich ist. Wenn du dich sicherer fühlst, gebe ich dir Soldaten zu deinem Schutz mit.“

„Es geht nicht um meinen Schutz, um den ich mich sorge“, sagte Thom und trat etwas tiefer in den Raum, um sich die Kamera zu betrachten. Er kannte diese Modelle und grinste. Wenn Daniel etwas machte, dann richtig. „Ich habe Sorge, dass jemand, der seine Chance sucht, nur auf etwas wie morgen wartet. Ich bin nicht so geschult wie du. Ich weiß nicht, auf was ich achten muss. Die Soldaten könnten das vielleicht, ich nicht.“ Er hatte Sorge, dass unter seinem Kommando etwas passierte.

„Wenn du deinen Bruder davon überzeugst, dass ich aufstehen darf, dann gehe ich morgen ins Labor, aber ich glaube, das schaffst nicht mal du.“ Erdogan runzelte die Stirn und überlegte. „Ich gebe dir Soldaten mit, die eingreifen können, wenn etwas passiert und du trägst eine Kamera, über die ich sehen kann, was du siehst und wir werden über ein Headset miteinander verbunden sein, genauso wie die Soldaten. Also bin ich da und trage die Verantwortung, falls sich jemand dazu aufgefordert fühlt, uns schaden zu wollen.“

Thom nickte. Es war ihm ganz lieb, denn es hätte ihn Kopf und Job kosten können, wenn in seiner Zeit wieder etwas passierte, was nicht hätte passieren dürfen. „Ich werde dafür sorgen, dass Bill und Jack spielen können“, erklärte der Techniker und grinste schief. Denn Daniel davon zu überzeugen, dass er einen Patienten, den er einmal ans Bett gefesselt hatte, noch einmal entließ, das würde selbst ihm als Bruder nicht gelingen. Daniel war zu sehr Arzt

„Gut, dann sehen wir uns morgen früh, bevor du losgehst und besprechen alles Notwendige.“ Erdogan war froh, dass Thom den Job übernahm, denn sonst hätte Leander nicht mitgehen können. Wie immer hatte er sich genau den falschen Augenblick ausgesucht, um auszufallen. „Alles klar, Chef. Bis morgen.“ Thom nickte und ging wieder zu seiner Arbeit, die er unterbrochen hatte, um hierher zu kommen.

Einer der Wagen war ausgestiegen und der Motor festgefressen. Nun musste der ausgetauscht werden, zum Glück hatten sie noch einen im Lager, aber dann durfte kein zweiter kaputt gehen.

Meodin saß immer noch ungerührt am Kopfende neben Erdogans Kissen und betrachtete die kleine Kamera. Was das war, wusste er schon. Anfangs hatte Erdogan ihn auch über etwas Ähnliches im Auge behalten. Und so wusste er, dass Daniel sehen konnte, was sie machten. Wenn er Erdogan zu nahe kam und vielleicht die Flosse aufstellte, dann gab das unter Umständen Ärger. Langsam verspannte sich der Rücken, denn die Muskeln zitterten.

Erdogan sah, wie er das Gesicht verzog und setze sich auf. „Meo, was ist los?“, fragte er. Eigentlich hatte er erwartet, dass sein Freund weitermachte, wo sie unterbrochen worden waren, aber anscheinend hatte er sich getäuscht und er wollte wissen, was im Kopf seines Freundes vorging.

„Ich muss mal raus. Ich kann die Flosse nicht ewig anlegen. Das tut weh!“, erklärte das Seepferdchen und hüpfte aus dem Bett, immer darauf bedacht, dass er Erdogan nicht den Rücken zudrehte und dann vielleicht wieder etwas passierte. Man konnte an seinem ganzen Verhalten spüren, wie tief ihn der Vorfall verletzt hatte. Eigentlich hatte Erdogan beabsichtigt, dass Meodin sich nach dem Sex nach ihm verzehrte, mehr wollte, doch das war kein Thema mehr.

„Meo, du musst deine Flosse nicht ständig ruhig halten. Was passiert ist, ist passiert, aber es ist kein Drama.“ Erdogan wusste nicht, wie er seinem Freund klar machen sollte, dass er ihn jetzt nicht anders behandeln sollte als vorher. „Wir haben oft miteinander im Wasser getobt und es ist nichts passiert auch nicht, wenn ich dich umarmt oder am Flossenansatz gestreichelt habe. Du bist nicht gefährlich für mich.“

Doch Meodin wandte sich nur um und deutete anklagend auf die Linie von Stichen auf Erdogans Bauch und Brust. „Das spricht eine andere Sprache“, sagte er leise und fühlte sich nicht wirklich besser. Also huschte er vor die Tür und richtete die Flosse endlich auf. Aber der Rücken wurde nicht besser. Er hatte die Muskeln wohl zu stark gereizt. Sie schmerzten. Doch weil er Erdogan rufen hörte, legte er die Flosse wieder an und kam zurück, ein gequältes Lächeln im Gesicht.

Erdogan hatte beschlossen, dass es so nicht weiterging. Er zog Meodin zu sich und küsste ihn kurz. „Komm leg dich auf den Bauch“, bat er und half ein wenig nach, als sein Freund sich sträubte. „Hör auf zu zappeln“, knurrte er und setzte sich auf Meodins Beine. „Entspann dich, ich werde dich jetzt massieren.“

„Bist du denn völlig bescheuert?“, hatte Meodin gefragt, noch ehe er die Worte im Kopf hätte sortieren oder gar zensieren können. Was machte der Wahnsinnige denn da? Meodin verspannte sich völlig, nur um zu vermeiden, dass die Flosse sich aufstellen und Erdogan wieder verletzen konnte. Warum tat der Mistkerl das? Das Seepferdchen wurde wütend. Da versuchte er alles, um den Prinzen vor sich zu schützen und der Kerl spielte leichtfertig mit seinem Leben. „Lass den Mist“, knurrte Meodin aufgebracht, doch er wagte nicht zu zappeln, weil er nicht wusste, wo Erdogan gerade mit seinem Oberkörper war. Er konnte nicht vermeiden dass Panik aufstieg. Wenn Daniel das sah!

„Meodin, ich bin nicht bescheuert und ich passe auf, dass ich deiner Flosse nicht zu nahe komme. Bitte vertrau mir.“ Erdogan wollte Meodin nicht quälen, aber so, wie sein Freund in Panik geriet, sobald er ihm nahe kam, musste er etwas unternehmen. „Ich weiß, was passiert, wenn ich mich noch einmal daran verletze, aber das wird nicht passieren. Du kannst dich entspannen und sogar deine Flosse aufstellen. Ich bin weit genug von deiner Flosse entfernt.“

Meodin war der Verzweiflung nahe. Er konnte langsam nicht mehr. Sicher, er wollte Erdogan vertrauen, das hatte er schon getan, als er noch nicht einmal aus dem Tank heraus gekommen war. Doch im Augenblick hatte das Seepferdchen das ungute Gefühl, dass Erdogan die Situation falsch einschätzte. Allerdings schmerzten die Muskeln dermaßen, dass er sich entspannen musste. Es ging nicht mehr anders. Und so ließ er alle Anspannungen fallen und senkte das Gesicht ins Kissen, lauernd auf die nächste Katastrophe.

Aber erst einmal fühlte er nur Erdogans Hände, die sich seiner verspannten Muskeln annahmen. Geschickt lösten sie Verspannungen und um seinen Freund nicht zu stressen, näherte er sich der Flosse nur, wenn es unbedingt nötig war. Er hoffte, dass er Meodin so zeigen konnte, dass er nicht gefährlich für ihn war, solange er noch keine Immunisierung hatte.

Allmählich entspannte sich Meodin immer mehr. Langsam schien er zu begreifen, dass sich so viel nicht geändert hatte. Nun wussten sie beide, was passieren konnte und mussten vorsichtiger sein. Es tat gut, dass die Muskeln langsam wieder lockerer wurden und er würde jetzt wohl für ein paar Minuten in seinem Becken verschwinden, auch wenn Erdogan hier bleiben musste. Er brauchte das warme Wasser jetzt.

Erdogan sah ihm hinterher, als Meodin das Zimmer verließ und seufzte. Es ärgerte ihn, dass er morgen im Bett bleiben musste, denn eigentlich fühlte er sich wieder fit, auch wenn die Haut um die Einstiche noch etwas schmerzempfindlich war. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und schloss die Augen. Was für ein Tag. Aber er wollte nicht einen Minute davon missen.

Meodin ging es da etwas anders. Er lag im Wasser und starrte an die Decke. Die Rückenflosse wogte leicht in den winzigen Wellen die sich bei jeder Bewegung bildeten. Auf den Schreck hätte er verzichten können, ebenso auf die Erkenntnis, dass er gefährlich war. Doch dann grinste er und schloss die Augen leicht. Er erinnerte sich an das, was außerdem noch passiert war. Das war schon um einiges besser gewesen. Dieser Sex war interessant und sie sollten es wohl noch einmal probieren, aber mit einem anderen Ende. Denn die versprochene Entspannung hatte sich nicht eingestellt.

Erdogan lauschte in die Wohnung, ob er Meodin hören konnte, aber leider schien sein Seepferdchen heute nicht zu toben und so dämmerte er langsam weg und schlief ein. Sein Körper war wohl doch noch nicht so weit wieder hergestellt, wie der Prinz dachte und holte sich jetzt die Erholung, die er brauchte um sich zu regenerieren.

Das Abendessen lief ohne ihn und als sich Meodin zu ihm ins Bett legte, reagierte Erdogan noch nicht einmal.


07

„Passt bloß auf euch auf.“ Erdogan hockte vor dem Monitor. Es war noch ziemlich zeitig, doch Ewan und Leander hatten viel vor. Sie mussten also zeitig aufbrechen. Es schmeckte ihm gar nicht, die beiden allein gehen zu lassen, doch das war die einzige Möglichkeit. Während die beiden unterwegs waren, hielt Dylan den Kontakt zu seinem Bruder in der Kuppel. So wusste er auch, was bei den anderen Moles los war. Es schien noch ruhig und friedlich, was bedeutete, dass José und seine Männer sie nicht aufgespürt hatten. Das war gut!

„Machen wir. Du auch“, konnte Leander sich nicht verkneifen. Erdogan hatte ihm erzählt, warum er nicht zu ihm gekommen war, um sich zu verabschieden, wenn er auch den eigentlichen Grund für seine Verletzung nicht erwähnt hatte. Leander konnte sich aber denken, wobei es passiert war und konnte es nicht lassen, seinen Freund damit aufzuziehen. „Sieh zu, dass du noch lebst, wenn ich wiederkomme.“ Damit trennte Leander die Verbindung und gab Ewan ein Zeichen, dass sie aufbrechen konnten.

„Jetzt hängt es von uns ab“, sagte Ewan und aktivierte die Kamera an seinem Helm. Auch er trug einen der Anzüge, denn die letzten Portionen des Serums brauchten sie für ein paar Moles, die beim besten Willen nicht in die Anzüge passten. Sie ließen die Schleuse hinter sich und machten sich auf den Weg. Ewan kannte den Weg. Wenn ein Mole einmal einen Tunnel gelaufen war, dann brannte der sich ein. Er kannte jeden Tunnel und so war er besser als jedes Navi.

„Wir werden sie alle in Sicherheit bringen.“ Leander klang zuversichtlicher, als er wirklich war. Sie konnten nur hoffen, nicht auf Moles zu treffen, wenn sie in den Tunneln bei der Kuppel waren. Einen oder zwei konnten sie vielleicht besiegen, aber bei einem Kampf bestand immer die Gefahr, dass die Anzüge Risse bekamen.

Und sie kamen mit dem Gang nicht tief genug unter die Erde, um der Strahlung entkommen zu können.

„Bleib hinter mir. Wenn sie kommen, dann von vorn. Es gibt keine Abzweige bis zu Odins Kuppel. Wenn ich es dir sage, lauf zurück. Ich werde sie so lange aufhalten, wie ich kann.“ Auch Ewan hoffte, dass das nicht nötig sein würde, doch er wollte auf alles vorbereitet sein.

„Keine Heldentaten!“, warnte Erdogan, der den beiden zuhörte, während er Thom zur Einweisung bei sich hatte.

„Ja, ja.“ Leander rollte mit den Augen und Ewan grinste. Er hatte schon mitbekommen, dass Leander es gar nicht mochte, wenn man ihn daran erinnerte vorsichtig zu sein. „Hoffen wir, dass es nicht notwendig sein wird. Wir halten jetzt Funkstille.“ Sie hatten sich vorher schon darauf geeinigt nur im Notfall zu sprechen. Moles hatten gute Ohren.

Und ein paar von ihnen hatten – so wie Diego berichtet hatte - auch wieder Serum bekommen. Es war also davon auszugehen, das zumindest diese auf Streife in den Gängen waren.

Es dauerte fast drei Stunden, bis sie endlich in Odins Kuppel angekommen waren. An der Schleuse standen von innen Wachen und winkten ihnen freudig zu, als sie die beiden Gestalten in den Anzügen erkannten. Leander kannten sie mittlerweile vom Bildschirm.

Erleichtert nahm Leander den Helm ab und nahm einen tiefen Atemzug. Die Luft in dem Anzug wurde mit der Zeit stickig, auch wenn die Filter gut arbeiteten. Das ließ sich leider nicht vermeiden. „Hallo, ich bin Leander“, stellte er sich vor, denn plötzlich war er umringt von Moles, die ihn neugierig musterten.

„Gar kein Fell“, sagte einer, „ziemlich mickrig“, stellte ein anderer fest. „Und die haben uns beim Angriff solche Schwierigkeiten gemacht?“, konnte ein dritter kaum glauben. Ewan knurrte leise, doch Leander nahm die Sprüche nicht krumm, warum auch. Ihm war es lieber, er wusste, was sie dachten, als wenn sie ihn freundlich anlächelten und hinter seinem Rücken dann redeten. Das war keine Basis für eine Zusammenarbeit. Also grinste er. „Dafür seid ihr ziemlich pelzig“, gab er zurück.

Die Moles grinsten und das Eis schien gebrochen. Sie kamen näher und nahmen ihnen die schweren Rucksäcke ab. „Seit vorsichtig damit, da sind die Anzüge drin“, sagte Leander und sah sich um. „Wer ist Diego?“, fragte er und ein junger Mole hob die Hand. „Ich, wieso?“ Leander grinste und ging zu ihm rüber. „Ich habe einen Auftrag von deinem Bruder“, lachte er und zog Diego in seine Arme.

Erst verstand der junge Mole nicht, doch dann drückte er sich fester. Die Umarmung hatte ihm bestimmt sein großer Bruder geschickt. Die schwarzen Augen blickte zu Leander auf, denn Diego war einer der wenigen Moles, die nicht mindestens so groß waren wie Leander, oder gar größer. „Danke“, sagte er und holte tief Luft. Dylan wartete also auf ihn.

„Verliert keine Zeit. Je weiter wir vom Clan weg sind, umso besser.“ Die Moles hatten auch einen Teil von der Ausrüstung eingepackt, die Odin hier benutzt hatte. Sollte ihr Clan die Kuppel treffen, wollten sie nicht Gefahr laufen, dass alles, was die Moles nicht kannten, zerstört wurde, weil es Teufelswerk war.

Sie verteilten die Anzüge und halfen dabei sie anzuziehen und zu ihrem Glück waren nur zwei der Moles zu groß für die Anzüge. Wenn es mehr als drei gewesen wären, hätten sie ein großes Problem gehabt und hätten sie zurücklassen müssen, bis sie das Serum hatten. Diego blieb in Leanders Nähe und tippte ihn schließlich an. „Wie geht es Dylan?“, fragte er.

„Er ist etwas in Sorge wegen seinem kleinen Bruder, doch alles in allem geht es ihm gut und er lauert an der Schleuse unserer Kuppel auf dich.“ Leander lächelte. Der Mole schien entschieden jünger als die anderen. Er sollte eigentlich nicht hier sein müssen. Er sollte bei seinen Eltern sein, doch er wusste von Dylan, warum das nicht so war. Sie mussten wirklich etwas tun, damit der Clan sich nicht selbst vernichtete. „Also husch. Mach die Verschlüsse zu, wir wollen los.“

„Ja.“ Sofort machte sich Diego daran den Anzug anzuziehen. Er wollte nicht daran schuld sein, dass sein Bruder auf ihn warten musste. Leander kontrollierte den Anzug noch einmal und nickte zufrieden. Diego hatte schnell begriffen, wie er funktionierte. „Sei ein wenig vorsichtig mit deinen Krallen. Wir haben die Handschuhe zwar verstärkt, aber wir sollten kein Risiko eingehen.“

Diego nickte heftig, dann reihte er sich in den Trupp ein. Die Anzüge waren grau und würden in den dunklen Stollen wenigstens ein bisschen mit dem Hintergrund verschmelzen. Doch ein wirklicher Schutz waren sie gegen einen wütenden Mopp nicht.

„Connor, Omar und ich gehen ganz hinten. Wir halten euch den Rücken frei. Immer gerade aus. Es gibt keine Abzweigungen. Nicht bummeln“, ermahnte Ewan seine Leute und schleuste sie in kleinen Gruppen nach draußen. Er war der letzte, der Odins Kuppel verließ. Ein letzter Blick zu dessen Grab. Die Moles hatten es gut gepflegt. Es war immer Odins Wunsch gewesen, in seiner Kuppel eines Tages begraben zu werden. Nur dass sie ihm seinen Wunsch so früh hatten erfüllen müssen, das war nicht fair gewesen. „Ich komme wieder“, versprach er seinem Freund leise. Dann war auch er im Tunnel verschwunden.

Sie waren auf dem Weg in eine neue und hoffentlich bessere Zukunft für den ganzen Clan, wie er hoffte. Sie mussten es einfach schaffen, die falschen Götter zu entlarven und sein Volk aus der Sklaverei führen. Er schloss zu Connor und Omar auf und sah auf die Gruppe, die sich schnell durch den Tunnel bewegte.

Diego wich dabei Leander nicht von der Seite und jeder hielt sich an die Funkstille. Es gab auch nichts, was sie unbedingt jetzt hätten besprechen müssen. Sie kamen gut voran, nur Leander wurde irgendwann schwächer und hatte Schwierigkeiten Schritt zu halten. Connor schob ihn vorsichtig ein bisschen und so blieb keiner zurück.

„Endlich“, nuschelte Leander, als er die Schleuse sehen konnte. Gleich konnte er aus dem Anzug und ein bisschen Ruhe tanken. Er war geschafft.

„Erdogan, ich kann die Schleuse sehen“, gab er kurz durch, damit der Prinz wusste, dass sie kamen. Sie hatten es geschafft und er freute sich auf ein Bad. Warum nur kriegten die Wissenschaftler es nicht hin, zu verhindern, dass man in seinem eigenen Schweiß schwamm. Er sollte darüber noch einmal eindringlich mit Thom reden, der schien für diesen Job immer noch der geeignetste Mann.

„Alles klar, dann kommt mal heim“, entgegnete Erdogan und wirkte sichtlich erleichtert. Meodin neben ihm war neugierig auf die ganzen Neuen. Gern wäre er mit Dylan zur Schleuse gelaufen, doch weil er an der Bettruhe des Prinzen nicht unbeteiligt gewesen war, hatte er beschlossen dessen Bettarrest mit Erdogan gemeinsam zu ertragen, damit der nicht so alleine war.

Eigentlich hatte Erdogan die Neuankömmlinge selbst an der Schleuse begrüßen wollen, aber Daniel hatte es nicht erlaubt. Zwar war der Prinz soweit schon wieder fit, aber die Einstichstellen hatten sich nicht so gut wieder zurückgebildet wie der Arzt gehofft hatte und zwei hatten sich entzündet. Der Prinz hatte gemurrt und geknurrt, aber nichts erreicht.

Es war ein Kompromiss gewesen, dass er unter Umständen im Bett blieb, wenn ihm jemand – vorzugsweise Meodin – Gesellschaft leistete. Und weil das passiert war und sein Seepferdchen artig neben ihm hockte und sich beschmusen ließ, erfüllte auch der Prinz seine Versprechen. So konnte er nur vom Bildschirm aus beobachten, wie die Schleuse sich öffnete und die ersten Moles hindurch traten. Unter ihnen waren auch Leander und Diego, der gleich von Dylan an sich gezerrt wurde, kaum dass der Kleine aus seinem gereinigten Anzug gestiegen war.

„Süßer, kannst du eben für mich runtergehen und Leander und Ewan sagen, dass ich sie sehen möchte, wenn sie sich ausgeruht und etwas gegessen haben.“ Erdogan stupste Meodin an und lächelte. Sein Freund würde nicht gehen, auch wenn er es ihm erlauben würde, weil er ja versprochen hatte, bei dem Prinzen zu bleiben, aber wenn er einen Auftrag hatte, dann war das was anderes. „Und wenn du schon mal unten bist, hilf Dylan seinem Bruder alles zu zeigen.“

„Ähm ja.“ Meodin nickte und erhob sich, angelte dabei nach seinem Hemd um es sich überzustreifen. „Aber du musst wirklich im Bett bleiben?“, versicherte sich das Seepferdchen noch einmal, eher er das Zimmer verließ. Schnell stieg er in ein paar Kleider, dann war er auch schon auf dem Weg nach unten. Mit weit ausgreifenden Schritten lief er auf die Fremden zu und hatte Dylan schon gefunden. Doch als erstes richtete er Leander noch die Wünsche des Prinzen aus.

Der Soldat nickte und sah amüsiert zu, wie Meodin zu Dylan lief und diesem um den Hals fiel. Erdogan würde das bestimmt nicht gefallen, doch da musste der Prinz durch. Aber Meodin wäre nicht hier, wenn der Prinz es ihm nicht aufgetragen hätte. „Hallo, ich bin Meodin“, stellte der sich gerade vor und lächelte Diego an, der ihn mit großen Augen betrachtete.

„Er ist nett, du kannst ihm vertrauen“, sagte Dylan und so griff Diego die Hand und schüttelte sie. Dabei betrachtete er Meodin eindringlich. Er hatte sich schon über Leander gewundert, doch der hier sah noch einmal völlig anders aus. Gut, nicht völlig, aber die Schuppen auf den Armen hatte Leander nicht gehabt. „Ich bin Diego“, stellte sich der Kleine also vor und schob sich dann aber wieder hinter seinen großen Bruder. Das war ihm hier alles zu aufregend.

Die Kuppel hier war viel größer und die vielen Fremden waren ihm nicht geheuer. „Komm, wir zeigen dir, wo du schlafen kannst.“ Dylan nahm Diegos Gepäck und führte ihn zu ihrem Haus, in dem sie ein gemeinsames Zimmer hatten. Meodin lief mit. „Erdogan hat gesagt, wir sollen Diego alles zeigen, wenn er möchte“, erzählte er dabei. Alles, schloss bei ihm auch das Aquarium mit ein und darum grinste er.

Und Dylan grinste, weil er das wusste. „So, hat er das gesagt, hm?“ Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und so beeilten sie sich ein bisschen mit dem einwohnen und einleben. Diego hatte hinterher sicherlich auch noch Zeit. Außerdem war es sowieso das Beste, wenn er erst einmal abgelenkt wurde. Nach einer Rübe zur Stärkung waren die drei auch schon wieder unterwegs. Leander, der endlich unter die Dusche wollte, konnte kaum ausweichen, als die Verrückten nun zu dritt auf ihn zu stürmten.

Kurz vor ihm kam Meodin zum stehen und Leander verdrehte die Augen. So wie das Seepferdchen grinste, wollte es was von ihm. „Wir möchten ins Aquarium. Erdogan hat es erlaubt“, kam es auch gleich und der Soldat seufzte. „Ich gebe Thom bescheid, dass er euch reinlassen soll.“ Froh darüber, dass er nicht selber mitgehen musste, um die Tür zu öffnen.

„Mach das mal.“ Dann waren die drei auch schon wieder weg. Diego sah ihm noch entschuldigend hinterher, wurde von seinem Bruder aber gnadenlos weiter gezerrt. Schließlich gab es viel zu sehen. Als sie wieder auf den Vorplatz des Hauptquartiers kamen, standen die meisten Moles dort immer noch herum, in Gespräche mit ein paar Soldaten vertieft. Doch das interessierte die drei Entdecker nicht. Sie sprangen in einen der Wagen und ließen sich zum Labor bringen. So was hatte Diego sicherlich noch nie gesehen.

Froh, dass niemand mehr etwas von ihm wollte, ging Leander in sein Quartier und dort gleich unter die Dusche. Das warme Wasser würde die Müdigkeit ein wenig vertreiben. Er war ziemlich fertig und nach der Besprechung mit Erdogan wollte er nur noch ins Bett.

Er grinste, als er den Zettel am Spiegel fand: Willkommen zurück, großer Held. Das war definitiv nicht typisch Allan, doch es gefiel ihm. Er ließ die Klamotten ausnahmsweise mal da liegen, wo sie von ihm gefallen waren und ließ sich dann das heiße Wasser auf die Schultern prasseln. Die Rucksäcke waren schwer gewesen, der Weg uneben und das Atmen war die Hölle gewesen. Er hatte immer geglaubt, gut trainiert zu sein, doch Tage wie dieser belehrten ihn eines Besseren.

Halbwegs erfrischt und wesentlich besser riechend, als noch vor einer halben Stunde, machte sich Leander auf den Weg zu Erdogan. Der Prinz wartete bestimmt schon ungeduldig, jetzt wo sein Seepferdchen nicht da war, um ihn abzulenken. Er hörte den Prinz schon durch die Tür nörgeln, dass er seinen Besuch nicht nackt und im Bett empfangen würde und musste grinsen. Erdogan war auf dem Weg der Besserung.

So lange er große Reden schwingen und dem armen Michael widersprechen konnte, so lange ging es dem Prinzen auch nicht so schlecht. Zwischendrinnen hörte man auch Sal protestierend quietschen, was aber nicht daran lag, dass er seinem Herrn Recht geben wollte, sondern weil er gerade hemmungslos gestreichelt wurde. Ih!

„Na?“, fragte er und lehnte in der Tür zum Schlafzimmer. Erdogan hockte immer noch im Bett und die Einstiche auf seiner Brust waren noch immer deutlich zu sehen.

„Sag du dem Ignoranten, dass es sich nicht gehört, wenn der Prinz Besuch im Bett empfängt“, knurrte der Prinz, aber seine Augen zeigten, dass er sich freute seinen Freund zu sehen. Allerdings zogen sich die Augen gleich wieder verärgert zusammen, als Leander den Kopf schüttelte. „Du bleibst im Bett, aber anziehen darfst du dich.“

„Ob ich jetzt hier sitze oder auf der Couch, das ist doch total egal!“, versuchte Erdogan noch zu schachern, doch es hatte keinen Sinn, denn Leander kannte ihn – zu gut. Wenn Erdogan erst mal auf der Couch hockte, dann war es nicht weit bis er wieder herum lief und dann, wenn er schon einmal herum lief, konnte er das Apartment auch verlassen. So nicht!

„Zieh dich an, Ewan kommt sicher gleich, wenn er seine Leute eingewiesen hat. Und Sal, du passt auf, dass er im Bett bleibt. Los!“

Die Ratte fiepste und sprang von Erdogan weg, auf das Kissen und sortierte sein Fell, das die Finger völlig durcheinander gebracht hatten. Murrend griff Erdogan sich seine Kleidung, die Michael ihm reichte und zog sich an. „Hat alles reibungslos geklappt?“, fragte er dabei, denn er war neugierig. „Wie viele Moles haben wir jetzt eigentlich hier?“

„Mit unseren drei Freunden sind es etwa ein Dutzend“, sagte Leander und machte es sich auf einer Couch unweit des Bettes bequem. „Und die haben eine Konstitution, ich kann dir flüstern.“ Leander gab das nicht gern zu, aber er konnte sich gut vorstellen, dass sie keine Chance hatten, wenn der Clan wieder bei Kräften war und immer noch ihre Leichen wollte.

Erdogan verstand, was er damit sagen wollte und sah ihn nachdenklich an. „Ziemlich starke und gefährliche Burschen.“ Einen Nahkampf konnten sie nicht gewinnen. Sie hatten nur eine Chance: mit Distanzwaffen. Seine Gedanken wurden von Ewan unterbrochen, der von Michael in den Raum geführt wurde. Der Mole sah zufrieden aus. Seine Leute waren in Sicherheit.

„Und? Wie geht’s?“, fragte er zur Begrüßung. Wenn der Prinz noch immer im Bett lag, hatte er wohl einiges abbekommen. Es gingen ein paar Gerüchte, wobei das passiert war, doch er hielt sich raus. Das war nicht seine Angelegenheit, er hatte andere Sorgen.

„Mir geht es gut, aber das interessiert hier keinen“, brummte der Prinz ungnädig und warf Leander einen bösen Blick zu, was der aber nur mit einem Grinsen quittierte. Dann schob der Prinz seinen Ärger aber beiseite und wandte sich an Ewan. Sie waren nicht hier, um über seine persönlichen Probleme zu reden. „Sind deine Leute gut versorgt? Braucht jemand einen Arzt oder etwas anderes?“

„Nicht die, die hier sind“, sagte Ewan und die beiden Menschen verstanden, was ihm Kopfzerbrechen machte. „Wie weit ist das Serum? Morgen läuft die Frist aus. Ich muss gehen und sehen, was ich retten kann.“ Ewan wusste immer noch nicht, wie er das anstellen sollte, doch er musste gehen – daran führte kein Weg vorbei.

„Die ersten Dosen sind fertig. Es ging schneller als wir gedacht hatten, jetzt wo wir die Maschinen der Gottgleichen nutzen können. Eigentlich müssen wir nur regelmäßig die Rohstoffe nachfüllen und die Maschine erledigt den Rest vollautomatisch.“ Erdogan war froh Ewan wenigstens in dieser Hinsicht gute Nachrichten vorlegen zu können.

„Das ist gut.“ Der Mole wirkte erleichtert. „Ich muss morgen früh ziemlich zeitig los. Ich muss das Zeug also heute Abend noch zusammenpacken. Soviel wie nur geht.“

„Und dann?“, wollte Leander wissen, denn er war in Sorge um seinen Freund. Er konnte den Mole unmöglich in diesen Hexenkessel gehen lassen. Schon gar nicht allein. Doch Ewan bestand darauf. Er konnte nicht verantworten, dass die Moles in ihrer blinden Raserei Leander oder einen anderen verletzten.

„Gibt es keine Möglichkeit, das Serum weiterzugeben, ohne dass du dich in Gefahr begibst? Wie habt ihr es sonst bekommen? Haben die Götter es persönlich gebracht?“ Erdogan zermarterte sich schon den ganzen Tag den Kopf über eine Lösung. Viel hatte er ja nicht zu tun, darum hatte er Odins Aufzeichnungen von vorne bis hinten durchgelesen.

Ewan legte den Kopf etwas schief und schüttelte ihn dann. „Nein, sie waren nicht immer persönlich da. Es gibt einen Altar, unweit der großen Halle. In unregelmäßigen Abständen haben sie dort das Serum hinterlegt und wir haben es uns geholt. Meistens, wenn wieder etwas Neues gebaut oder erobert werden sollte.“ Der Mole grübelte. Es musste also Gänge zu diesem Altar geben und vor allen Dingen musste der vom Labor aus dorthin führen. Das wäre die Lösung! Als er Erdogan ansah, wusste er, dass der das gleiche dachte.

„Wir müssen diesen Gang nur noch finden.“ Erdogan griff sich noch einmal das kleine Büchlein und blätterte es durch. Er hatte da etwas von einem Schrein gelesen, allerdings hatte er das heute noch nicht zuordnen können, aber jetzt hörte sich das danach an, dass er etwas gefunden hatte, was ihnen weiterhelfen konnte. Odin hatte eine Zeichnung gemacht. Die zeigte er Ewan. „Kann es sein, dass das euer Altar ist?“

Der Mole blinzelte, dann hellte sich sein Gesicht auf. „Odin sei Dank“, flüsterte er und schloss kurz die Augen. Er hatte dafür gesorgt, dass ihnen das Schicksal auch einmal hold sein konnte. Es war weise Voraussicht gewesen. „Ja“, sagte er schließlich erklärend, „das ist der Altar. Vorn die Ablage ist für Opfer. Meist in Form von glänzenden Steinen oder Dingen, die wir aus fremden Kuppeln holen sollten. Die erhöhte Ablage dahinter war für das Serum.“ Dabei deutete Ewan immer auf den jeweiligen Teil des Altars.

„Und weißt du, was noch genialer ist?“, fragte Erdogan und grinste breit. „Odin hat sogar auch noch aufgeschrieben, wo der Eingang zu finden ist.“ Er zeigte auf eine Zahlenreihe. „Etage, Abteilung, Tür“, zählte er auf. „Ich muss mir morgen also nicht mehr so viele Sorgen um dich machen.“

„Wir sollten den Gang testen, ehe Ewan sich mit dem Serum aufmacht. Wenigstens ob er noch begehbar ist und ob er wirklich bis zum Altar führt“, wand Leander ein. Die aufkeimende Euphorie gefiel ihm nicht, die machte meistens unvorsichtig, wenn man sich zu sicher fühlte. „Ich würde sagen, du spielst noch ein bisschen mit deiner Zudecke und ich werde mal gucken gehen.“

Erdogan warf Leander einen bösen Blick zu, denn er hatte wirklich gehofft, dass sein Freund vergessen hatte, dass er nicht raus durfte, oder zumindest ein Auge zudrückte. „Nehmt Thom mit, ich glaube nicht, dass die Tür ungesichert ist.“

„Prinz, du darfst doch bald wieder raus.“ Leander grinste und weil er schon einen Tiefschlag verbucht hatte, verkniff er sich seinen Kommentar lieber, dass Erdogan sich vielleicht das eine oder andere hätte verkneifen sollen, dann wäre er jetzt nicht in der misslichen Lage. Doch er konnte seinen Freund auch verstehen. Der glaubte zwar, das würde keiner merken, doch Leander war nicht entgangen, wie verrückt er nach Meodin war. War doch klar, dass er seine Chance nutzte, wenn sich eine bot. Wer konnte ihm das verübeln?

Ewan hielt sich bei der Plänkelei lieber im Hintergrund, aber er beobachtete genau. Er wusste mittlerweile, dass Leander der einzige außer Meodin war, der sich so etwas mit dem Prinzen erlauben durfte. Ansonsten war Erdogan hart aber gerecht zu seinen Leuten und er verlangte nie mehr, als er selber bereit war zu geben. „Wir werden dir berichten, was wir vorgefunden haben“, bot er an.

„Das ist das mindeste und Leanders Helmkamera wird auf meinen Monitor geschalten“, schacherte der Prinz und Leander nickte. Das war ja das mindeste und so wären sie sowieso verfahren. Doch er gönnte Erdogan seinen kleinen Sieg, das brauchte das lädierte Ego sicher. Leanders Müdigkeit verflog langsam, vielleicht weil ihm klar war, dass an Schlaf jetzt nicht zu denken war. Sie hatten anderes zu tun.


08

„Okay, wir gehen los und du sagst Thom, wo wir ihn brauchen.“ Leander nahm sich Odins Buch und prägte sich die Tür ein, zu der sie mussten. Sie lag auf einer der untersten Etagen. Er gab es ja nicht gern zu, aber die Gottgleichen hatten wirklich an alles gedacht und das machte sie zu gefährlichen Gegnern.

Nicht in seinen kühnsten Träumen wagte er sich auszumalen, auf was sie noch alles stoßen würden. Was in den fremden Kuppeln auf sie warten würde, wenn sie diese besuchten. Waren es Freunde oder Feinde? Doch im Augenblick war das nicht ihr Problem. Er winkte Erdogan noch einmal im gehen und stritt mit Ewan die Treppe nach unten. „Drück die Daumen, dass wir das Zeug ungesehen dort deponieren können.“

Ewan nickte, denn gegen seinen Clan kämpfen zu müssen und vielleicht noch jemanden töten, hatte ihm schwer im Magen gelegen. „Jetzt muss das Serum nur noch schnell genug fertig werden. So kriegen wir meine Leute wenigstens wieder klar. Vielleicht können wir dann mit ihnen reden.“

„Ihnen glaubhaft zu versichern, dass das Serum von uns ist und nicht von den Hohlbirnen wird nicht leicht werden“, mutmaßte Leander und ließ sich hinter das Steuer sinken. Zügig schlugen sie den Weg zum Labor ein und an der Tür wartete Thom auf sie, der ihnen entgegen gekommen war. Bisher war sein Dienst als Ersatz-Aufpasser gut verlaufen und so hatte er recht gute Laune. „Sind die Moles alle da?“, fragte er als erstes.

„Ja, alle sind heil und gesund angekommen“, antwortete Ewan. Seine Leute waren gut untergebracht hier, das wusste er. Zwar dauerte es bestimmt noch ein paar Tage, bis sie sich eingewöhnt hatten, aber er hatte ja bei sich selbst gesehen, wie schwer es ging und die Menschen gaben sich alle Mühe, es ihnen leicht zu machen.

„Vorhin huschte das Seepferdchen mit seinen Moles durch die Treppenhäuser. Der Kleine war neu, oder?“ Zusammen gingen sie los zum Fahrstuhl, der sie in die tieferen Ebenen brachte.

„Japp, war Dylans kleiner Bruder. Mutiger kleiner Kerl“, erklärte Ewan, der nicht verbergen konnte, dass er auf seine Mitstreiter stolz war, auf jeden einzelnen, der es gewagt hatte, sich gegen den Clan zu stellen.

„Oha, sie vermehren sich. Demnächst sind wir wohl nirgendwo mehr vor neugierigen Entdeckern sicher“, lachte Thom und Ewan fiel darin ein. Er hatte Meodin und Dylan auch schon oft auf ihren Streifzügen getroffen. Es war gar nicht verkehrt, dass Diego mit ihnen unterwegs war. So konnte er noch eine Weile seine Jugend genießen und Spaß haben.

Wenn es nach ihm ging, dann bekam der Kleine von dem, was vor sich ging, so wenig wie nur möglich mit. Es reichte das, was er bisher durchgemacht hatte.

„Trakt F ist da drüben“, erklärte Thom, als sie aus dem Fahrstuhl stiegen und geleitete die beiden zu einem Gang. Die Türen waren wie überall im Labor nummeriert. „712 – 714 – 718“ Leander stutzte. Und Siebenhundertsechzehn?“, fragte er irritiert, denn das war die Tür, die sie suchten. Sicher, es war auch ihm klar, dass die vielleicht nicht so offen war, Aber hier war gar nichts. Nicht einmal eine Geheimtür, glaubte er zumindest.

Er kratzte sich am Kopf und knurrte verärgert. „Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn mal was glatt ginge.“ Er trat ein wenig von der Wand mit den Türen zurück und sah sie sich an. Der Abstand zwischen Tür 714 und 718 war größer als der zwischen den anderen Türen. Eine Geheimtür konnte also durchaus dazwischen liegen. „Ewan kannst du etwas spüren? Einen Luftzug, oder ein Geruch, der uns anzeigt, wo die Tür sein könnte?“

Der Mole schloss die Augen und ging dichter an der Wand entlang, dann nickte er und deutete auf eine Stelle. „Hier spürte ich etwas“, sagte er und hielt die empfindliche Nase noch einmal dagegen. Dann nickte er überzeugt. „Guck mal in dem Buch, ob da steht, ob es eine geheime Öffnungsmethode gibt wie bei dem Fahrstuhlschacht.“ Derweil strichen seine Finger die kaum merklichen Linien in der Wand entlang.

„Hm.“ Leander besah sich die Zeichnung, konnte aber nichts erkennen. „Vielleicht sollten wir Jack holen, der scheint ein Händchen für versteckte Mechanismen zu haben“, brummte er und Thoms Gesicht hellte sich auf. „Das ist es. Lass uns nach unauffälligen Zeichen suchen, wie im Boden des Observatoriums. „Fahrt mit den Fingern über die Wand, bis ihr was spüren könnt.“

Leander nickte und so machten sie sich zu dritt an die Suche. Ewan prüfte den Bereich der Tür, Leander und Thom rechts und links daneben. Eine Weile war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Jeder konzentrierte sich und Leander hatte sogar die Augen dabei geschlossen, öffnete sie, als Thom stutzte. „Ich glaube hier ist was“, murmelte er und ließ die Fingerspitzen immer wieder über ein paar wie zufällig im Putz befindliche Steine gleiten. Doch die restliche Fläche war eben wie ein Spiegel, das konnte kein Zufall sein.

„Probier es.“ Leander war aufgeregt, als Thom seine Finger auf die Erhebungen legte. Er versuchte sie zu drücken, aber nichts passierte. „Das kann doch nicht sein“, murmelte er stirnrunzelnd und probierte es wieder. Er drückte noch mal und noch mal. „Verfluchte Scheiße, mach endlich“, knurrte er und stutzte. Er hatte eine Bewegung gespürt, allerdings hatten die Erhebungen sich nicht wie erwartet eindrücken lassen, sondern sich etwas gedreht. „Hab dich“, triumphierte er und drehte die Erhebungen langsam, bis sie hörbar einrasteten.

„Hm – tada!“, machte Thom übermütig, als die Tür sich ein Stück aus der Wand löste, gerade so weit, dass man mit einer Hand hineingreifen und sie aufziehen konnte. Ewan ließ sich nicht lange bitten und noch ehe Leander ihn hätte hindern können, hatte er die Tür aufgezogen und zum Glück keine Fallen ausgelöst. Man ging wohl davon aus, dass die Tür mit dem Geheimmechanismus ausreichend gesichert war.

So kam er gar nicht dazu Thom ausreichend für seinen Erfolg zu loben, denn er ging Ewan hinterher. Er wollte den Mole nicht alleine durch den Gang laufen lassen, auch wenn sie nicht befürchten mussten, dass er einstürzen konnte. Der Tunnel war gut ausgebaut und beleuchtet.

Blieb nur zu hoffen, dass hier nicht irgendjemand lauerte. Schnell war die Kamera aktiviert und ein kurzer Hinweis an Erdogan durchgegeben, dass er sich von Thom erklären lassen sollte, wie sie die Tür gefunden hatten, dann herrschte Funkstille.

Verlaufen konnten sie sich nicht, denn der Gang führte immer gerade aus. Keine Abzweigungen, keine Türen. Rauer Putz an kilometerlangen Wänden.

Leander strich über die Tunnelwand und fragte sich, was in Ewan wohl vorgehen musste. Jetzt konnte er mit eigenen Augen sehen, wie die falschen Götter sein Volk betrogen hatten. Das war schon etwas anderes, als es erzählt zu bekommen. Sie liefen eine ganze Weile, bis der Tunnel nach einer Biegung endete.

Er weitete sich zu einer kleinen Nische und Ewan sah sich hastig um. Schnell hatte er Löcher in der Wand entdeckt und jetzt war ihm auch klar, warum hier Licht brannte. Das ließ die Bilder auf dem Altar mystisch erscheinen. Die Augen, die wie es schien ausgespart worden waren, glimmten von der anderen Seite. Oft hatte er dort gestanden bei Opferungen. Oft hatte er als kleiner Mole angsterfüllt auf die Bilder gestarrt, die flammenden Augen.

Alles nur Show!

„Ganesha, Hermes, Shiwa“, murmelte er leise und berührte die entsprechenden Löcher in der Wand. Seine andere Hand war zur Faust geballt und am liebsten hätte er die Wand eingerissen, um seinen Leuten zu zeigen, wie sie betrogen wurden.

Doch noch waren die Moles nicht so weit. Er stutzte, als er leises Murmeln hörte. Eine junge Mole, Ewan kannte sie nicht, saß in der Grotte vom Altar und betete leise. Es zerriss ihm fast das Herz, wie sie diejenigen um Hilfe bat, die ihnen all diesen Ärger eigentlich erst bereitet hatten. Ruckartig schoss er herum und deutete Leander an, dass sie wieder gingen, bevor er noch explodierte. Sie wussten, was sie wissen wollten. Die Türen, um auf den Altar greifen zu können hatte er auch gesehen – mehr brauchte er nicht.

Leander sprach Ewan auch nicht weiter darauf an, denn so wie der mit geballten Fäusten durch den Gang lief, war das wohl besser. Er sagte erst etwas zu ihm, als sie den Gang wieder verlassen hatten. „Ewan, wie viele Dosen Serum benötigst du ungefähr fürs erste?“, fragte er und verschloss wieder die Tür. „Dann wissen die Techniker, wann sie dir Bescheid geben sollen.“

„Es sind eine Menge Leute“, sagte Ewan und sah Leander nicht an. Er versuchte immer noch wieder sich zu beruhigen. Zu sehen wie nach und nach die große Show der Gottgleichen verpuffte, und erleben zu müssen wie blind sein Volk diesen falschen Göttern folgte, tat unglaublich weh. „Ich weiß nicht, wie viele von ihnen das Zeug nehmen. Je mehr desto besser“, erklärte er und lehnte sich an die Wand, holte tief Luft.

„Okay, dann hol dir ab, was wir haben, wenn du los willst. Soll ich dich begleiten?“ Leander überließ die Entscheidung Ewan, denn der Mole sollte sich nicht in irgendeiner Weise kontrolliert fühlen und das Gefühl bekommen, dass ihm misstraut wurde. „Wir produzieren weiter und verteilen sie so, wie du meinst, dass sie gebraucht werden.“

„Bleib am besten hier und habe ein Ohr in den Gang. Ich bin mir zwar sicher, dass es keine Abzweigungen gibt, aber ich trau den Typen nicht über den Weg. Nicht dass morgen dort drinnen einer auf mich wartet, weil sie mich heute irgendwie da drinnen bemerkt haben.“ Er traute den Gottgleichen mittlerweile alles zu, selbst Überwachungsmöglichkeiten, die Leander und seine Männer noch nicht erkannt oder entschärft hatten.

„Okay, trage am besten eine Kamera, dann kann ich sehen, was du siehst und eingreifen, wenn es nötig ist.“ Damit war das für Leander geregelt. „Dann solltest du dich jetzt wohl um deine Leute kümmern. Für sie ist es hier bestimmt noch sehr ungewohnt. Sie sind hier willkommen, das kannst du ihnen sagen und wenn sie etwas brauchen, melde dich.“

„Vielleicht mache ich mit ein paar von ihnen eine kleine Führung, damit sie wissen, wo sie etwas her bekommen, wenn sie es brauchen. Allerdings dürften sie sich ziemlich schnell langweilen. Wir werden eine Beschäftigung für sie brauchen.“ Ewan stieß sich von der Wand ab und nickte Thom zu, der – weil er ja die Aufsicht von Erdogan bekommen hatte – neben der Tür gewartet hatte. Dann ging der Mole langsam, Leander würde ihm schon folgen, wenn er wollte. Vielleicht sah er noch einmal im Aquarium nach Dylan und dem Kleinen.

„Wenn es dir recht ist, schließe ich mich deiner Führung an, dann kommen wir überall rein und ich kann Fragen beantworten.“ Leander hatte seine Müdigkeit abgeschüttelt und so konnte er auch gleich die Neuankömmlinge besser kennen lernen. Erdogan war bestimmt auch neugierig.

„Klar, warum nicht. Ich fange mit dem Junior an“, erklärte Ewan, warum er nicht zurück zum Lager ging sondern nach oben ins Aquarium. Sie mussten auch nicht lange suchen. Man sah die drei zwar nicht, weil sie wie die Verrückten durch das hohe Gras zwischen den Gebäuden rollten, doch man hörte sie beherzt quietschen. Einen wie den anderen, da nahm sich keiner von den dreien aus.

„Sie sind wirklich zu beneiden“, schmunzelte Leander und beobachtete die drei tobenden jungen Männer. Zumindest sie hatten keine Sorgen und genossen es einfach nur die Zeit so zu verbringen wie sie Lust hatten. „Für sie brauchen wir kein Beschäftigungsprogramm.“

„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass deren Tage so weiter gehen werden?“, fragte Ewan verständnislos, grinste dann aber, damit Leander wusste, dass er das nicht ganz so hart meinte, wie es gerade klingen mochte. Allerdings war schon ein Funken Wahrheit darinnen. Wer sich ihm anschloss, musste ausgebildet sein. Ihre Mission war noch nicht beendet, nur weil sie jetzt Verbündete hatten. Die hatten eigene Sorgen, ihren Clan mussten sie selber in den Griff bekommen.

„Du machst das schon. Meodin muss auch eine Beschäftigung bekommen und er muss trainieren sich zu verteidigen. Jetzt wo Erdogan gegen die falschen Götter vorgeht, ist es besser, wenn er sich wehren kann. Man weiß ja nie, ob sie ihn nicht angreifen, um den Prinzen zu treffen.“ Leander hatte mit Erdogan schon darüber geredet und sie waren sich da einig. Nur mussten sie das noch Meodin beibringen und Leander hatte beim Würfeln verloren. Es wäre also seine große Ehre. Es war ja nicht so, als hätte Erdogan gehässig gelacht, oder so, aber er hatte schon sehr erleichtert gewirkt. Sicherlich weil er sich ausmalte, wie er Meodin beschwichtigen konnte, wenn der sich über Leander erdreistete.

„Das Seepferdchen hüten?“, fragte Ewan und grinste. Selbst er hatte schon gemerkt, dass mit der Diva nicht gut Kirschen essen war, wenn der nicht wollte. Er war ein lieber Kerl, hatte aber einen sturen Dickkopf. Hoffentlich verwuchs sich das noch.

„Hüten weniger. Eher ihm beibringen, dass er lernen und trainieren muss und nicht mehr den ganzen Tag mit Dylan durch die Gegend toben kann.“ Michael hatte Meodin ja schon viel beigebracht, wie Meodin sich zu verhalten hatte, wenn er mit Erdogan zusammen unter Menschen war. Es war etwas schwierig dem Seepferdchen klarzumachen, welche Stellung der Prinz hatte.

Und so ganz schien das Meodin immer noch nicht verinnerlicht zu haben. Aber sie hatten es ihm schon abgewöhnt, Erdogan zu veralbern, wenn sie nicht alleine waren – ein kleiner Fortschritt. Aber Leander war guter Dinge. Das Seepferdchen war nicht auf den Kopf gefallen und lernte ziemlich schnell. Den bekamen sie schon noch groß, wenn er nur wollte. Der Soldat grinste schief und auch Ewan wandte sich ab, weil er nicht laut loslachen wollte.

„Hey“, rief er rüber zu den dreien, dort wo sich das Gras bewegte. Es kam ein Kopf nach oben – Dylan, dann ein zweiter – Diego. Erst dann guckte auch Meodin über das Gras – was für ein Bild!

„Kommt her“, rief Leander. „Meodin, du solltest vielleicht wieder zu Erdogan, du hast versprochen bei ihm zu bleiben, damit er auch im Bett bleibt und ihr anderen zwei kommt mit. Wir wollen eine Führung für alle Neuankömmlinge machen und Dylan du kannst uns dabei helfen. Schließlich hast du die ganze Anlage erforscht.“

„Äh, ja klar!“ Dylan schoss gleich los, Diego wie erwartet neben ihm her. Nur das Seepferdchen mopperte leise vor sich hin, als er sich auf seine langen Beine erhob und sich das trockene Gras von der Hose klopfte. Es war ja nicht so, als würde er nicht gern wieder zu Erdogan zurückgehen, doch eigentlich wäre er viel lieber hier gewesen. Aber Leander hatte Recht. Er war an Erdogans Zustand schuld, also sollte er ihm Gesellschaft leisten. Immer noch murrend machte er sich auch auf den Weg und Leander wirkte sehr zufrieden, dass alles ohne Widerworte abging.

Hatte der Prinz wieder Grund ihn zu beschwichtigen. Erdogan hatte bestimmt kein Problem damit und für Meodin war es eine gute Übung, dass das schöne Leben langsam zuende ging.

„Dann los“, grinste er zu den beiden jungen Moles und stupste Diego an. „Alles klar bei dir?“, fragte er.

„Öh“, machte der Kleine und nickte. „Ja, ja, alles klar“, versicherte er, auch wenn er noch nicht wusste, was der Mensch damit meinte. Die waren ihm noch etwas unheimlich, doch Dylan hatte ihm versichert, dass sie alle sehr nett waren. Egal ob Wissenschaftler oder Soldat, keiner behandelte sie mit Vorurteilen, auch wenn sie so völlig anders aussahen, auch wenn sie das Labor überfallen hatten.

Zusammen fuhren sie noch zum Hauptquartier, dann trennten sich ihre Wege. Während die Moles und Leander zur den Neuen liefen, huschte Meodin zu seinem Prinzen.

„Hallo.“ Erdogan lächelte, als Meodin ins Schlafzimmer gelaufen kam. Er hatte sich die Zeit mit Lesen von Odins Tagebuch vertrieben und zwischendurch mit den Technikern gesprochen, damit er wusste, ob die Produktion des Serums ohne Probleme lief. In dem Büchlein gab es so viel, was er noch nicht deuten konnte, aber er war sich sicher, dass alles, was dort drin stand, ihnen irgendwie gegen die Gottgleichen helfen konnte. Odin hatte wohl geahnt, dass ihm über kurz oder lang etwas zustoßen würde und darum Hinweise zurückgelassen.

„Bist ja im Bett geblieben“, erklärte Meodin und häutete sich auf dem Weg zum Bett wie eine Schlange. So war er nackt, als er wieder zu Erdogan kroch, der nun allerdings immer noch in Kleidern unter der Bettdecke lag. Dafür erntete er einen pikierten Blick seines Seepferdchens, das zur Strafe die Decke fester um sich raffte. Er schmiegte sich nicht gern an diese Klamotten, das fühlte sich komisch an.

„Ich stehe unter Beobachtung. Vorhin war ich kurz im Bad und sofort hat Daniel angerufen und gefragt, wo ich gewesen wäre.“ Erdogan grinste Meodin an, weil er wusste, was diesen störte. Er beugte sich zu ihm rüber. „Ändere das, was dich stört“, flüsterte er ihm ins Ohr und biss ihn sanft ins Ohrläppchen.

„Ich denk gar nicht dran, nicht so lange der da“ – dabei deutete Meodin auf die Kamera – „zuguckt!“ Wenn er es sich mit einem nicht verscherzen sollte, dann war das der Arzt. Der Kerl hatte ihm schon die eine oder andere Spritze verpasst. Das war nicht so angenehm gewesen! Nein, nein. Er raffte also seine Decke, lockte Sal und spielte ein bisschen mit der kleinen Ratte, die bis eben gedöst hatte.

Erdogan lachte und drehte die Kamera ein wenig. So dass Daniel immer noch erkennen konnte, dass der Prinz im Bett lag, aber nicht alles mitbekam. Er zog sich aus, weil er nicht wieder endlos diskutieren wollte, weil Meodin sich stur stellte. Er wollte lieber noch ein wenig schmusen und küssen.

Allerdings würde er nie zugeben, dass Meodin ihn voll und ganz in der Hand hatte. Wenn man ihn fragte, dann ging er nur dem unvermeidlichen aus dem Weg und er bekam ja, was er wollte. Meodin lupfte die Decke etwas und kroch dicht an Erdogan. Sein Kopf rutschte von dessen Schulter langsam bis auf die Brust, doch er vermied es, die Einstiche zu berühren. Sicher taten sie noch weh. Doch er sah sie sich ganz genau an – das durfte nie wieder passieren.

Erdogan strich seinem Seepferdchen durch die Haare und genoss es einfach ihn wieder bei sich zu haben. Zwar hatte er ihn selber zu Diego geschickt, aber das hieß nicht, dass er ihn nicht vermisst hatte. „Und ist Diego nett? Hattet ihr Spaß?“, wollte er wissen.

„Ja, er ist ganz okay. Noch ein bisschen scheu, aber das wird sich geben“, erzählte Meodin und schloss die Augen. Manchmal war er noch etwas zerschlagen, wenn er viel unterwegs gewesen war oder sich so verausgabt hatte wie eben. Dann suchte er Ruhe. Allerdings war ihm klar, dass er stärker werden musste. Immer deutlicher wurde, dass Erdogan mit seinen Leuten die Kuppel verlassen wollte. Meodin konnte nur mit, wenn er keine Last war. Michael hatte ihm das klar gemacht, als Meodin das Training hatte einstellen wollen.

„Ihr schafft das schon.“ Erdogan zog Meodin zu einem kurzen Kuss zu sich und kraulte ihn dann weiter. „Morgen werde ich sie alle begrüßen.“ Langsam rutschte seine Hand tiefer den Rücken runter und streichelte sein Seepferdchen wieder am Ansatz der Rückenflosse. Seit er Meodin versichert hatte, dass er aufpasste und sich so nicht verletzen konnte, zuckte der auch nicht mehr bei jeder kleinen Berührung zusammen.

Er hielt zwar immer noch die Luft an, entspannte sich aber bald wieder. „Sie sind jetzt mit den Neuen auf dem Gelände unterwegs“, erzählte er träge und ließ sich weiter kraulen. Dann holte er sich noch einen Kuss ab, ehe er Erdogan ansah. „Außerdem sagt Lean, ich müsse mehr trainieren. Das finde ich blöd. Das ist anstrengend. Gibt es keinen leichten Weg, dass ich keine Last bin, wenn es raus geht?“ Denn, dass er allein zurück blieb, kam für Meodin nicht in Frage.

„Nein, leider nicht, Süßer. Ich muss auch regelmäßig trainieren, damit ich fit bleibe. Wenn du magst, können wir das so weit wie möglich zusammen machen.“ Erdogan war überrascht, dass Leander das schon angesprochen hatte. Wahrscheinlich wollte er es schnell hinter sich bringen. „Nach einer Weile macht das Training richtig Spaß.“

Meodin sah zu ihm auf, einen skeptischen Ausdruck im Gesicht. „Erwartest du allen Ernstes, dass ich dir das jetzt glaube?“, fragte er und die Regung seines Gesichtes ließ keinen Schluss darauf zu, ob er das jetzt böse meinte oder Erdogan veralberte, wie so oft, wenn sie allein waren – sonst durfte er das ja nicht.

„Natürlich erwarte ich das“, lachte Erdogan und küsste Meodin auf die Nase. „Warte es erst einmal ab. Irgendwann kannst du es gar nicht erwarten zum Training zu kommen. Und es hat auch noch den Effekt, dass du dich wehren kannst, wenn dich jemand angreift.“

Meodin verzog das Gesicht. Angriffe gefielen ihm gar nicht. Nicht einmal der Gedanken daran, deswegen verdrängte er das auch lieber und legte sich wieder nieder. Bisher hatte er noch nicht viel trainiert. Er war mit Michael etwas laufen gewesen, ansonsten war er oft in der Kuppel unterwegs. Doch er wusste auch, was Leander und Erdogan alles absolvierten und darauf hatte das Seepferdchen wenig bis gar keine Lust. Doch er diskutierte nicht, denn weit hinten in seinem Kopf wusste er, dass es wichtig war. Zurückgelassen zu werden war keine Option. Aber nicht heute.