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Klein aber lecker - Teil 8 - 10

08

Gerrit duschte und ließ sich dabei reichlich Zeit, aber irgendwann musste er sich anziehen und jetzt saß er neben seinem Spind und starrte sein Handy an, oder besser die Nachricht, die es zeigte: >>Wir sollten reden. Bitte melde dich<<, stand da und Gerrit hatte schon mehrmals eine Antwort getippt, aber immer wieder gelöscht. >>Wann und wo?<<, tippte er wieder und drückte auf senden, bevor er es wieder löschen konnte. Vielleicht hatte Jan ja doch Recht und ein bisschen feige war Gerrit schon. Doch das würde er niemals zugeben – nicht vor Jan! Der guckte dann immer so selbstsicher, das wollte Gerrit ihm nicht gönnen. Als es piepste blickte Gerrit auf sein Handy. Er wollte es nicht zugeben, doch er war aufgeregt. Er las eine Adresse, die ihm ziemlich bekannt vorkam, sie jedoch nicht gleich zuordnen konnte. Also programmierte er sie in sein Navi, damit er sie nicht vergaß. Bis sieben hatte er noch anderthalb Stunden.

Jetzt saß er hier und wusste nicht, was er so lange machen sollte. Er hasste es, wenn er warten musste. „Erst einmal brauch ich was zu essen.“ Das Training hatte ihn hungrig gemacht und wer wusste schon, ob er heute noch dazu kam. „Na dann auf, suchen wir uns was zu futtern“, murmelte er und griff sich seine Tasche und grinste. Jetzt fuhr er zu Mc Doof. Zwar hatte er mehr Hunger auf Döner, aber das war heute vielleicht nicht das Richtige. Und auf Zwiebeln und Knoblauchsoße verzichten kam bei einem Döner doch gar nicht in Frage!

„Man muss eben Opfer bringen“, murmelte er leise und grinste. Sein Unterbewusstsein schien bereits mit sich selbst abgemacht zu haben, wie der Abend ausgehen sollte. Die Tasche flog in den Kofferraum, dann schwang er sich auf den Fahrersitz. Er guckte noch einmal auf sein Handy, ehe ihm einfiel, dass er noch nicht geantwortet hatte. Er schickte nur ein >>okay<< zurück, dann startete er den Motor.

Er schlug die Zeit mit Essen, einer Zeitschrift und viel Kaffee tot und jetzt war es Zeit, sich auf den Weg zu machen. Er brachte sein Tablett weg und stieg in den Wagen. Sein Navi textete ihn auch gleich voll, dass es die Route berechnet hatte und dass er gleich mal rechts abbiegen sollte. Und wenn er schon mal dabei war, durfte er der neuen Straße vier Kilometer folgen und sich am besten mal links halten.

Gerrit knurrte vor sich hin, das kam ihm alles extrem bekannt vor. Es ärgerte ihn, dass er nicht wusste woher. Im Navi hatte er die Adresse noch nicht gehabt, ihm musste also jemand den Weg so erklärt haben – aber wer? Es war doch zum Verzweifeln. Und schon bog er links ab und hielt sich sklavisch an die Geschwindigkeitsbeschränkung, denn sonst sprang ihm sein Navi gleich an den Hals.

Wenn er etwas hasste, dann war es dieses: „Bitte beachten sie die Geschwindigkeitsbegrenzung!“ Und genau das hörte er gerade wieder, weil er, so abgelenkt wie er gewesen war, etwas zuviel Gas gegeben hatte. „Halt die Klappe, blöde Else“, knurrte er und folgte der Straße. Er war vor gar nicht langer Zeit hier lang gefahren, aber warum?

Dann erklärte ihm das Navi, er müsste noch einmal abbiegen und dann befände sich sein Ziel auf der rechten Seite. Hier wohnte Damian Strater? Gerrit wurde langsamer, sehr zum Wohlwollen des nervenden Navis und er sah sich suchend um. Dann war das Bild wieder da – hier in der Nähe hatte er seine bekloppte Hexen-Schwester eingesammelt! Irgendwo hier musste auch einer von den Realitätsflüchtlingen leben.

Aber damit konnte er sich jetzt nicht befassen. Er sah an der Hausfassade hoch und atmete tief durch. Er war zehn Minuten zu früh, aber das war jetzt nicht zu ändern. Er blieb jetzt nicht im Wagen sitzen, nur damit er pünktlich war. Darum öffnete er die Tür und ging los, bevor er es sich doch noch anders überlegte. Seine Augen überflogen das Klingelschild und ehe er darüber nachdachte, hatte er schon auf die Klingel gedrückt. Es gab kein Zurück. Er zuckte, als der Summer tönte, ohne dass jemand nachgefragt hatte, wer da sei. „Leichtsinnig! Was, wenn ich ein wütender Axtmörder wäre?“ Doch dann stieß Gerrit die Tür auf und lief los.

Er trottete die Treppe hoch und sah sich dabei um, denn schließlich wusste er nicht, wo er hin musste. Er stockte fast unmerklich, als er Damian aus einer der Türen sehen sah. „Hallo“, sagte er unverbindlich und ging langsam auf die Wohnungstür zu.

„Hallo, schön, dass du da bist“, sagte Damian. Er hatte sich siebenmal umgezogen, dann aber beschlossen, sich Jans Hinweise zu Herzen zu nehmen. Er hatte das strenge Hemd gegen ein Shirt getauscht, anstelle der Brille die Kontaktlinsen gewählt und sich die Haare nicht so streng frisiert wie sonst. Vielleicht machte ihn das ein bisschen weniger steif und glatt. „Komm rein und Arwen, du kommst bitte auch wieder rein“, knurrte er, denn die große Katze strich schon um den Neuen herum, als würde sie abchecken, ob der überhaupt rein durfte.

„Äh, killt die mich gleich?“, fragte Gerrit und ließ das große Tier nicht aus den Augen. Sie wirkte nicht gerade freundlich, so wie sie ihn fixierte. Eigentlich mochte er Katzen, aber diese hier war ihm unheimlich.

„Das kann ich dir leider nicht sagen, denn sie sucht sich aus, wen sie mag und wen nicht“, musste Damian gestehen und er hoffte, dass die Dame des Hauses jetzt keinen Fehler machte. Doch ehe sie noch auf dumme Ideen kommen konnte, hatte er sie auf den Arm genommen, auch wenn Arwen das mit Unmutslauten kommentierte. „Komm rein, am besten ins Wohnzimmer“, sagte Damian und wies hinter der Tür den Flur entlang und dann links. Auf dem Tisch stand Tee.

„Danke.“ Gerrit streifte sich die Schuhe ab und hängte seine Jacke an die Garderobe. Er war nervös, als er sich auf die Couch setzte und sich dabei verstohlen umsah. Sah aus, wie viele andere Wohnzimmer auch. Ungewöhnlich waren vielleicht die vielen Regale mit Büchern. Doch als Damian ebenfalls ins Zimmer kam, widmete er sich wieder ganz seinem Gastgeber.

„Ich bin ein bisschen nervös“, erklärte der, und so war es auch. Damian wusste nicht, wie er anfangen sollte und so versuchte er es als erstes mit einer Entschuldigung. „Tut mir leid, was gestern passiert ist – nein, Mist. Was passiert ist, tut mir nicht leid, aber dass ich dir nicht gesagt habe wie ich heiße, war unglücklich.“ Nervös strich sich Damian durch die verstrubbelten Haare.

Gerrit hatte ihn dabei nicht aus den Augen gelassen und lächelte leicht. „Gut, dann wäre das schon mal geklärt. Mir tut es nämlich auch nicht leid.“ Er war nicht weniger nervös als Damian und da war die Frage, ob er seinen Dozenten einfach duzen sollte, noch sein kleinstes Problem.

Auch Damian grinste und griff sich Arwen, die schon wieder den Fremden ansteuerte. „Mach jetzt keinen Mist, Süße!“, warnte er sie leise, doch Arwen knurrte nur drohend. Der da war noch nicht beschnuppert!

„Und wenn wir schon dabei sind, die Karten auf den Tisch zu legen“, sagte Damian und setzte alles auf eine Karte. Gerrit sollte Bescheid wissen. „Hättest du Sonntag Ancoron nicht nur auf die nackte Haut gestarrt, wäre dir sein Gesicht vielleicht gestern bekannt vor gekommen.“ Er streichelte Arwen intensiv, die das gar nicht schätzte.

„Häh?“ Gerrit wirkte gerade nicht sehr intelligent, wie er Damian ansah, aber er stand voll auf dem Schlauch. „Sonntag war ich im Kino und vorher musste ich meiner blöden Schwester was auf die...“ Er stutzte und seine Augen weiteten sich. „Ach du Scheiße, der leckere Realitätsflüchtling“, stammelte er und konnte es nicht fassen. Wo war er denn jetzt wieder hineingeraten?

„Japp.“ Damian nickte. „Der Typ mit der Elfenscheiße“, sagte er und grinste. „Ich wollte nur, dass du das auch weißt. Wenn wir eine Basis schaffen wollen, dann mit allem, was dazu gehört und mein Job gehört eben genauso zu mir, wie mein Hobby.“ Es hatte keinen Sinn, wenn Gerrit sich zwar für ihn entschied, dann aber feststellte, dass er einer von den Bekloppten war, die ihr Leben in seinen Augen nicht in den griff bekamen. Für Damian hätte der Mann schon Potential auf mehr, die Frage war nur, was Gerrit wollte – ob er überhaupt noch wollte. Damian passte kurz nicht auf, da war ihm Arwen entschlüpft.

Mit einem Satz war sie bei Gerrit und der fuhr ganz automatisch mit den Fingern durch das Fell. „Oh Mann, wenn man glaubt, es geht nicht mehr verrückter, bekommt man noch was oben drauf gesetzt.“ Man sah ihm deutlich an, dass er ziemlich durch den Wind war. „Ein Rollenspieler, ich fass es nicht.“ Er wischte sich mit einer Hand über das Gesicht und holte tief Luft. „Okay, das war heftig. Du weißt ja sicher, was ich von dem ganzen Gedöns halte?“

„Eben deswegen habe ich dir das auch gesagt. Das gestern war zwar ganz schön, aber ich möchte eigentlich nicht, dass das eine Eintagsfliege bleibt. Die Frage ist eben, kannst du mich so akzeptieren, wie ich bin?“ Und diese Frage meinte Damian sehr ernst. „Du musst mir das nicht hier und jetzt sagen. Wenn du darüber nachdenken willst, tu das bitte.“ Er wollte das: „Du spinnst wohl, so ein Bekloppter kommt mir nicht ins Haus“, wohl einfach noch nicht hören. Er lenkte sich also damit ab, dass er Arwen argwöhnisch beobachtete, die um und über Gerrit strich, schnüffelte, tatzte, weiter ging. Sie benutzte keine Krallen und das war schon mal ein gutes Zeichen.

„Hey“, sagte Gerrit weich, der erst jetzt richtig mitbekam, dass er die Katze streichelte. „Na Schönheit.“ Er stupste ihr gegen die Nase und lächelte, als sie den Kopf schüttelte und nieste. „Du bist ein Elf, ein Rollenspieler, jemand, mit dem ich nichts anfangen kann“, sagte er, ohne Damian dabei anzusehen. „Dann bist du mein Dozent, vor dem ich, zugegebener Maßen, ein wenig Schiss habe und dann bist du auch noch der Kerl, der mir, wie lange keiner, unter die Haut gegangen ist. Ehrlich gesagt“, Gerrit sah auf und grinste schief, „das überfordert mich gerade etwas. Ich will dich küssen und gleichzeitig will ich weglaufen.“

„Dann wird das schwierig“, sagte Damian, verzog aber keine Mine. Er war so angespannt, dass die Finger kalt und klamm wurden. Er griff sich also Tee und schenkte Damian auch welchen ein. Dann krampfte er die Finger um die heiße Tasse fest und versteckte sich dahinter. „Ich habe ja auch gesagt, nimm dir so viel Zeit wie du willst – aber küssen wäre schon nicht übel.“ Den Rest nuschelte er nur noch, sie waren wohl beide gerade dabei, das Hirn tiefer rutschen zu lassen. Förderlich war das nicht, für ihre weitere Zukunft.

„Da haben wir ja schon mal eine Gemeinsamkeit.“ Gerrit zog Damian, der immer noch neben ihm stand, am Ärmel zu sich auf die Couch. „Du hast eine hinreißende Katze. Das wäre auch ein Pluspunkt. Du läufst Zuhause wohl nicht ständig als dieser Ankodings herum, das wäre dann Nummer drei und mit meinem Dozenten hast du gerade auch nicht viel Ähnlichkeit, Nummer vier. Das ergibt eigentlich eine menge Pluspunkte.“

Damian sah auf Gerrit und nach einer langen Minute des Schweigens fragte er: „Was stört dich an Ancoron. Sonntag hatte ich das Gefühl, dass du mir mit deinem Blick Löcher in die Haut brennst und ich glaube, auch ab und an ein genuscheltes >>lecker<< vernommen zu haben. So schlimm kann er ja auch wieder nicht gewesen sein.“ Doch dann lachte er leise und holte tief Luft. „Deine Schwester war übrigens bisher die einzige, von der sich Arwen hat streicheln lassen.“ Damian rutschte ein bisschen näher, der roch schon wieder so gut! Das war kein Fair play!

„Lecker war er ja auch. Also mit dem Mann, Ancoron, habe ich kein Problem. Den wollte ich flachlegen. Womit ich nichts anfangen kann ist das ganze Drumherum. Mag sein, dass ich das Falsch sehe, aber bisher hatte ich nur meine Schwester als Studienobjekt. Völliger Realitätsverlust, penetrantes Ignorieren, dass nicht jeder fasziniert von Elfen und dem ganzen Kram ist. Sie hat mich ständig genervt. Gerrit, guck hier. Das ist doch niedlich. Gerrit, sieh mal, ich bin eine Hexe. Gerrit, ich stell die Figuren, die nicht mehr in mein Zimmer passen, zu dir und ins Badezimmer und wehe du machst sie kaputt, dann verhex ich dich.“ Er verdrehte die Augen und kam Damian ein wenig entgegen, so dass sie sich berührten. „Ich konnte ihr einfach nicht entfliehen. Sie hat mich wahnsinnig gemacht.“

Damian lachte leise, entschuldigte sich dann aber dafür. Er kannte Sabrina ja auch gut genug. „Filme wie den Herrn der Ringe guckst du auch nicht?“, wollte er wissen, denn es interessierte Damian brennend, ob Gerrit jetzt nur einen Kitsch-Flash durch seine Schwester hatte, oder ob er grundsätzlich mit diesen Welten nichts anfangen konnte. „Aber vorher will ich noch mal wissen, wie das mit dem flachlegen des Elfen gedacht war“, hatte er allerdings hinterher geschoben, noch ehe er es hätte verhindern können.

Gerrit sah Damian mit hochgezogener Braue an. „So ganz klassisch halt. Ich denke doch mal, dass du weißt, wie das geht.“ Er grinste dabei, damit Damian merkte, dass er das nicht ernst meinte. „Apropos Elf. Ich will da mal was nachprüfen.“ Er griff sich Damian und zog ihn zu sich, so dass er ihm von hinten in das Shirt sehen konnte. „Tatsache“, murmelte er und strich leicht über die Narbe zwischen den Schulterblättern, die ihm schon am Sonntag aufgefallen war. „Wenn du gestern ohne Shirt rumgelaufen wärst, hätte ich dich erkannt.“

„Ach, die ist dir aufgefallen?“, fragte Damian und war jetzt doch etwas überrascht. „Auseinandersetzung mit einem Zauberer. Lange Geschichte.“ Doch er blieb so, wie er war, schließlich war das Gerrits Entscheidung gewesen, Damian so dich an sich heran zu ziehen. Wer war Damian denn, wenn er sich dagegen stäubte?

„Allerdings habe ich keinen Schimmer, wie klassisch flachlegen geht.“ Dabei sah er Gerrit herausfordernd an. „Und meiner Frage nach Elfen in Filmen bist du auch ausgewichen. Ich glaube, es hapert auch an unserer Kommunikation.“

Gerrit ließ das Shirt los und sah Damian empört an. „Mein lieber Damian, ich bin deiner Frage nicht ausgewichen. Wenn du gleich so viele Fragen auf einmal stellst, kann ich sie nur nacheinander beantworten. Die Fragen, die für mich die höchste Priorität haben, kommen zuerst dran“, erklärte er wichtig und sortierte dabei Damian und Arwen neu, so dass er beide bequem an sich halten konnte, ohne dass die Katze sich bedrängt fühlte. „So, dann werden wir deinen Fragenkatalog mal abarbeiten. Ja, die Narbe ist mir aufgefallen, denn sie war ja nicht in deinem Gesicht.“ Er grinste frech und streichelte Arwen, die es sich auf seinem Schoß bequem gemacht hatte. „Mit klassisch flachlegen meinte ich hemmungslosen, wilden Sex, bei dem beide auf ihre Kosten kommen und ich habe die 'Herr der Ringe' Filme gesehen.“

„Gut, du hast die Filme gesehen - aber lass uns die Sache mit dem hemmungslosen, wilden Sex mal weiter ausdiskutieren. Glaubst du, du kannst so was auch mit einem Mathematiker oder einem Elfen?“ Damian spürte, dass die Berührungsangst bei Gerrit kleiner wurde, deswegen erlaubte er sich auch einen kleinen Seitenhieb. Ihm war auch klar, dass sie noch nicht über den Berg waren, aber sie ahnten wohl beide, dass sie erst über alles reden konnten, wenn die Hormon-Level wieder gesunken waren.

„Hm, das ist eine schwierige Frage.“ Gerrit machte ein nachdenkliches Gesicht, aber das nur kurz, dann grinste er. Er zog Damian etwas näher und kraulte ihn, wie den Abend zuvor, im Nacken. „Der Elf ist überhaupt kein Problem, den wollte ich sofort, als ich ihn das erste Mal gesehen habe. Bei dem Mathematiker entspannt sich die Lage auch gerade, weil ich ja jetzt weiß, dass er niemand ist, vor dem ich Schiss haben muss. Es könnte also durchaus im Bereich des möglichen sein. Nur weiß ich nicht, ob der Mathematiker dann nicht großen Ärger bekommt, wenn wir das wirklich tun, denn immerhin ist er mein Dozent und benotet meine Arbeiten.“

„Falsch, das macht einer unserer Hi-Wis“, erklärte Damian und schnurrte leise. Die Finger in seinem Haar waren unglaublich angenehm. Er hatte bisher noch niemanden gehabt, der so was mit ihm gemacht hatte, doch er konnte sich daran gewöhnen. „Um die Korrektur der Arbeiten kümmern sich bei uns die Aushilfen, wir schauen nur noch mal drüber und unterschreiben wird Hanno, also Professor Sieper. Ich bin da völlig außenvor, ich mache eigentlich nur meine Doktorarbeit und springe ein, wenn Hanno nicht kann“, erklärte Damian wahrheitsgemäß, denn er wollte nicht, dass Gerrit vielleicht noch einen Rückzieher machte, weil er glaubte, dass sie beide Ärger bekamen. Und selbst wenn – das war Gerrits letztes Mathe-Semester. Wenn er das überlebt hatte, stand ihnen sowieso nichts mehr im Wege.

Damian rutschte näher und zuckte, als Arwen ihn anfauchte. Sie fühlte sich verdrängt – nicht akzeptabel.

„Das ist gut.“ Gerrit war wirklich erleichtert, das zu hören. Das machte ihm die Entscheidung auf jeden Fall leichter. Er streichelte Arwen und seufzte. „Deine Süße hat ein ziemlich einnehmendes Wesen, kann das sein?“, fragte er und lachte leise, weil sie immer noch nicht zufrieden war mit der Situation und leise knurrte. „Arwen, wenn ich wirklich öfter hier her komme, wirst du leider akzeptieren müssen, dass du nicht die einzige sein wirst, die von mir gestreichelt und beschmust wird. Das musst du dir mit deinem Herrschen teilen.“

Damian grinste, aber so, dass Gerrit das nicht sehen konnte. Das klang doch schon mal ziemlich gut. Gerrit spielte mit dem Gedanken, öfter hier aufzutauchen und auch noch damit, ihn zu beschmusen. War nur die Frage, wie er sein Hobby und Gerrit in sein Leben taktete und die Berührungspunkte so klein wie nur möglich hielt. Heute hatte er sich ausgeklinkt. Sabrina leitete die Gruppe, die die Charaktere noch weiter ausbauen und die Welt entwerfen wollte. Doch das durfte kein Dauerzustand werden.

„Schön, dass du dich in mein Leben integrieren willst“, sagte er und meinte das wirklich ehrlich. Seine Hände strichen nachdenklich über Gerrits Knie.

„Ich habe doch gar keine andere Chance. Ich kann diese drei Männer nicht mehr einfach trennen und zwei von ihnen machen mich echt hammermäßig an. Ich will wissen, ob es funktionieren kann.“ Gerrit wusste, dass es ein Risiko war und sie beide ziemlich verletzt dabei werden konnten, aber es gar nicht zu versuchen war feige und das war er noch nie gewesen. „Ich war heute im Seminar nicht wütend darüber, dass ich offensichtlich mit meinem Dozenten heftigst rumgeknutscht hatte. Ich fühlte mich verarscht und vorgeführt. Das war so ein Gefühl, als wenn man mir den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Du bist mir ziemlich unter die Haut gegangen und ich habe gedacht, dass du dir auf meine Kosten einen Scherz erlaubt hast.“

Damian sah auf und musterte Gerrit offen. „Das hätte ich niemals gewagt, das kannst du aber nicht wissen. Ich hatte auch vor, dich nach dem Seminar beiseite zu nehmen und dir alles zu erklären, aber gestern war ich dazu einfach nicht in der Lage. Ich war irgendwie abgelenkt und dann auch egoistisch. Ich wollte nicht, dass du gehst, wenn du weißt, wer ich bin. Dabei hatte ich nicht einmal vor gehabt, mich zu verkleiden. Ich war eigentlich sowieso auf der Suche nach dir.“ Damian seufzte. Er hatte gerade das Gefühl, sich grundlegend verheddert zu haben.

Gerrit lachte leise und zog Damian am Nacken etwas näher, so dass er ihn küssen konnte. „Du hast mich gesucht? Kann es sein, dass da jemand auf Beute aus war?“, neckte er Damian grinsend und küsste ihn noch einmal.

„Nicht auf irgendwelche Beute. Beute, die diese Unterhose trägt“, sagte Damian grinsend und zeigte die SMS, die Sabrina ihm geschickt hatte. „Sie weiß, dass ich durchaus Interesse an dir habe und hat mich immer mit Daten versorgt. Aber lass sie das ja nicht wissen. Sie bringt mich um im nächsten Spiel. Das wäre schade, ich bin doch der Sohn des Lichts.“

„Und du hast sie noch nicht einmal zu sehen bekommen.“ Gerrit nahm sich das Handy und besah sich das Bild genau. „Diese kleine Made. Verschachert ihren eigenen Bruder an fremde Männer. Na warte, du wirst leiden, aber nie erfahren warum.“ Gerrit gab das Handy wieder zurück und grinste fies.

„Gerrit, lass das. Sie hat es ja nur gut gemeint. Vielleicht war das die Art Animation, die ich gebraucht habe, nachdem ich gemerkt habe, was für ein Blindgänger du in Mathe bist“, sagte er und beschloss, Sabrina lieber vorzuwarnen, dass er die Katze aus dem Sack gelassen hatte. Die Hand in seinem Nacken hatte aufgehört zu kraulen, was Damian gar nicht schätzte und eigentlich war es ihm ja egal, welche Unterhose Gerrit trug, ihm wäre es sowieso lieber, er hätte nichts an. Dabei wurde er rot.

„Was soll das denn heißen? Ich bin kein Mathe Blindgänger. Ich bin eigentlich ganz gut darin, nur eben nicht in diesem Matrizenscheiß. Das ist Verleumdung, das ist dir ja wohl klar und muss gesühnt werden.“ Gerrit war nicht böse, aber etwas in seiner Ehre gekränkt. Er zog Damian wieder näher und wisperte an dessen Lippen. „Wie gedenkst du, das wieder gut zu machen?“

„Ich würde es zurücknehmen, wenn du deine große Klappe vom Anfang der Woche einlösen würdest“, flüsterte Damian und seine Stimme bebte. Seine Lippen rieben beim Sprechen über die von Gerrit und die Erinnerungen an gestern Abend kamen zurück. Du wärst nicht nur Matratzen- sondern auch Matrizenmeister“, half er Gerrit noch auf die Sprünge.

„Das hast du gehört?“ Jetzt war es an Gerrit, rot zu werden und er lachte. „Dann mal her mit einer Berechnung.“ Es machte Spaß, ein wenig rumzublödeln und auch Damian zu ärgern. „Oder hattest du da eine andere Reihenfolge im Sinn?“

Für eine Sekunde war Damian perplex, doch dann hatte er sich gefangen und grinste, griff unter den Couchtisch, wo von den letzten Tagen noch eines der Bücher lag und schlug es auf. „Nummer sieben – mit Falkschema“, murmelte er leise und rieb noch einmal über Gerrits Lippen. „Davon hängt ab, wie der Abend weiter geht.“

„Was passiert denn, wenn ich sie nicht lösen kann?“, fragte Gerrit, sah sich aber schon mal die Aufgabe an. Das müsste er hinkriegen. Er hatte zwar seinen Spickzettel nicht dabei, aber weil er das auch ohne können wollte, hatte er geübt, damit er endlich ein Gefühl dafür bekam.

„Dann bringe ich dich am besten sofort zu einem guten Nachhilfelehrer. Als dein Dozent kann ich ja nicht zulassen, dass du versagst und von der Uni fliegst“, spielte Damian mit, auch wenn das gerade nicht so lief wie geplant. Also erhöhte er die Schwierigkeitsstufe. „Als erstes hätte ich gern, dass du aus beiden transponierte Matrizen machst und sie dann multiplizierst. Mal sehen, was dann passiert.“

„Ey, davon steht nix in der Aufgabe und nachträglich schwerer machen gilt nicht.“ Gerrit sah Damian empört an und war sich nicht zu fein, zu unfairen Mitteln zu greifen. Er fing wieder an zu kraulen, denn er hatte mitbekommen, dass es Damian gefiel. „Ich bekomme gerade den Verdacht, dass du mich loswerden willst.“

„Du hast mich absichtlich falsch verstanden und dafür gesorgt, dass der Sex ins Hintertreffen gerät. Jetzt ist es an mir, dir zu zeigen, dass ich das gar nicht schätze“, erklärte Damian nur, lehnte sich aber zufrieden zurück und schloss die Augen. Arwen hatte sich verzogen, das war selten ein gutes Zeichen. Sicherlich wartete sie in der Küche schon auf Futter.

„So, so, du schätzt das gar nicht, wenn man dir Sex vorenthält. Gut zu wissen“, flüsterte Gerrit dunkel an Damians Ohr und zog ihn wieder zu sich. „Und jetzt? Wenn ich dir so etwas nicht vorenthalten darf, brauche ich eine bequeme Unterlage, um deinen Wünschen nachzukommen. Denn es soll ja Spaß machen und nicht in Akrobatik ausarten.“ Damit fiel nämlich die Couch schon mal aus. Vielleicht später, aber nicht jetzt.

„Tja!“, sagte Damian gedehnt und wurde leicht rot. Gerade fiel ihm schlagartig ein, dass Gerrit in seinem Schlafzimmer vielleicht nicht ganz glücklich wurde. Ähnlich wie den Spieleraum, hatte er auch sein Schlafzimmer hergerichtet. Es sah nun aus, als würde das große Bett in einem riesigen Baumstumpf stehen, von der Decke hingen Äste, an den Wänden standen Bäume. Es war ein Elfen-Nest. „Gästezimmer?“, schlug er also vor.

„Gästezimmer?“ Was sollte das denn? Wollte Damian ihn nicht in seinem Schlafzimmer haben? Gerrit sah ihn fragend an und man merkte, dass er gerade nicht wusste, was los war.

„Komm mal mit“, sagte Damian und holte tief Luft. Er griff sich Gerrit an der Hand und erhob sich. Dann nickte er sich selber noch mal zu. „Hier wohnt auch Ancoron und er hat sich in der oberen Etage ausgetobt, da wo auch das Schlafzimmer liegt. Das war der Deal, er hält sich unten zurück und darf oben machen, was er will.“ Damian sah Gerrit an und grinste schief. Sein Freund dürfte ihn für ziemlich gestört halten. Elfenscheiße eben!

„Ah ja“, sagte Gerrit nur neutral. Er wollte sich überraschen lassen. Schließlich hatte er zugestimmt, es zu versuchen. Anscheinend war der Elf mehr, als nur eine Rolle in einem Spiel. Er verstand das nicht, aber das hieß ja nicht, dass das so bleiben musste. „Dann zeig mir mal, was Ancoron mit deinem Schlafzimmer gemacht hat, wenn du es mir nicht zeigen wolltest.“

„Wir haben abgestimmt, es gefällt mir auch“, sagte Damian und lachte leise, als er Gerrit mit sich nach oben zog. „Wir betreten jetzt das... Na ja, guck dich eben um“, sagte er und merkte das erste Mal, dass er sich für das, was er liebte, plötzlich schämte. Ihm gefiel das Gefühl nicht und es wäre ihm lieber gewesen, er hätte ein zweites Schlafzimmer. Doch so war es eben nicht. Also zog er Gerrit neben sich her, als sie die Empore erreicht hatten. Den Spielraum und die anderen Zimmer ließ er außenvor und schob Gerrit ins Schlafzimmer.

Der wusste nicht, wie ihm geschah, dass er plötzlich in einem Wald stand. Was er erwartet hatte, konnte er nicht sagen, aber so etwas auf jeden Fall nicht. Langsam drehte er sich um sich selbst, damit er alles sehen konnte. Seine Augen wurden immer größer, als er all die kleinen Details sah. „Das hast du gemacht?“, fragte er und ging zu einem der Bäume an den Wänden und strich darüber. Das fühlte sich so echt an. Er drehte sich zu Damian, der etwas verloren mitten im Raum stand. „Das ist das coolste Schlafzimmer, das ich bisher gesehen habe. Absolut einzigartig.“

„Sicher?“, fragte Damian etwas unsicher und legte die Arme um sich. Er sah sich ebenfalls um, denn er liebte sein Schlafzimmer auch. „Hast du mehr etwas im Stil deiner Schwester erwartet? Elfen sind nicht die kleinen süßen Klimbim liebenden Wesen, wir sind Krieger des Waldes“, erklärte er und grinste. Gerrit hatte eben seine Schwachstelle entdeckt: Rüdiger.

Rüdiger war ein Plüschelch, augenscheinlich eher weiblich, denn er trug einen rosafarbenen Fusselpelzmantel.

Er hielt das Plüschie in den Händen und strich ihm durch das weiche Fell und hielt es dann hoch. „Ja sicher, Krieger“, grinste er, meinte das aber nicht böse.

„Wenn dein Schlafzimmer nur ein wenig so wie das Zimmer meiner Schwester gewesen wäre, wäre ich schon weg. Das Zimmer hier ist fantastisch. Ich steh auf ungewöhnliche Räume.“

„Freut mich zu hören, vergessen wir also das Gästezimmer und verirren uns ein wenig im Wald“, grinste der Elf und wurde schon wieder etwas mutiger. Er machte lieber die Tür zu. Das letzte, was er jetzt noch gebrauchen konnte, war Arwen, die sich im Bett zusammenrollte. „Außerdem ist Rüdiger ein Kriegselch – Elfen reiten auf Elchen, bestimmt, irgendwo.“ Damian war nachdenklich immer leiser geworden und lehnte nun an der Tür. Sie war – wenn man nicht wusste, wo man den Drücker suchen musste – vom Rest der Wand nicht zu unterscheiden. Ein Druck auf den Lichtknopf und gedämmtes Lichte fiel durch die Blätter an der Decke.

„Ah ja, dann sollte ich ihn wohl besser nicht ärgern. Ich sollte Felix fragen, ob Inga auch ein Kriegselch ist.“ Gerrit grinste und kam zu Damian. Er nahm dessen Hand und zog ihn in seine Arme. „Solange wir uns nicht so sehr verirren, dass wir das Bett nicht mehr finden, soll es mir Recht sein. Das hier ist deine Welt, also führe mich.“

„Wie du wünschst, Fremder“, sagte Damian leise und legte nun endlich seine Arme um Gerrits Hals. Er wollte ihn wieder an sich spüren, so wie gestern – nein, besser als gestern. Ohne den störenden Stoff. Er wollte die Muskeln beben spüren, die Hitze zu ihm herüber wandern lassen und in der Glut seine Leidenschaft vergehen, bis er aus ihr hervorstieg wie Phönix aus der Asche. Nur langsam, einen winzigen Schritt nach dem anderen, schob er Damian rückwärts zum Bett. „Schließ die Augen und tauche in meine Welt“, flüsterte er und küsste das schöne Gesicht.

Gerrit hatte die Augen geschlossen, wie Damian es ihm gesagt hatte, spürte den federleichten Berührungen auf seinem Gesicht nach. Normalerweise gab er die Führung nicht so einfach ab, aber bei Damian konnte er das, wie er selber erstaunt feststellte. Er drehte seinen Kopf ein wenig, um die weichen Lippen mit seinen einzufangen, weil er endlich richtig geküsst werden wollte.

Damian verstand und tat seinem Freund den Gefallen, schließlich war Gerrit der Gast und Gäste sollten sich immer wohl fühlen. Nur kurz löste sich der Elf und zog sich hastig das Shirt über den Kopf. Das, was er gestern nicht tun konnte, ohne merkwürdige Blicke auf sich zu ziehen, konnte ihm jetzt keiner verbieten. Rasch schob er die eigenen Finger unter Gerrits Pullover und drängte ihn weiter zum Bett. Harscher wurden die Küsse und leidenschaftlicher. Damian hatte allmählich das Gefühl, dass seine Beine zittrig wurden.

Darum wurde er auch etwas schneller, aber bevor er Gerrit auf das Bett schubste, schälte er ihn aus dem Pullover und sah wohlwollend auf ihn hinunter. Man sah deutlich, dass ein Schwimmer auf seinem Bett lag und ihn aus glänzenden Augen ansah.

„Auch ziemlich lecker“, sagte Damian und leckte sich zufrieden über die geschwollenen Lippen. Auf allen Vieren kam er über Gerrit und ließ ihn sich selbst etwas weiter auf das Bett ziehen, so dass sie genügend Platz in der Mitte der großen Spielwiese hatten. Kaum lag Gerrit wieder still, strichen Damians Hände über dessen Brust, folgten den Strängen und spielten mit den kleinen Brustwarzen.

„Bedien dich. Mach das, was Elfen gerne tun, wenn sie jemanden im Bett haben und scharf auf ihn sind.“ Gerrit zog Damian zu einem Kuss zu sich runter, ließ aber gleich wieder los, denn er wollte, dass die fremden Hände ihn erforschten und wieder dazu brachten, dass Schauer durch seinen Körper liefen und sein Herzschlag sich beschleunigte.

„Wie ihr wünscht“, flüsterte Damian und genoss es, freie Hand zu haben. So strichen seine Lippen über den Hals tiefer, liebkosten das Schlüsselbein, ehe sich Damian zufrieden über den Brustmuskel knabberte. Immer wieder reizte er die Haut intensiv, um abzulenken, was seine frechen Finger taten. Sie kümmerten sich nämlich um die Hose und öffneten sie geschickt. Das konnte er blind, dabei hatte er das noch gar nicht so oft geübt. Aber Gerrit reizte ihn und er sollte sehen, dass Elfenscheiß und Matrizenrechnung nicht alles war, das Damian beherrschte. Das ganze war eben doch immer mehr als die Summe seiner Teile.

Aber diese Feinheiten waren komplett aus Gerrits Gedanken gefegt. Er bestand nur noch aus Fühlen und wand sich lustvoll unter Damians Liebkosungen. Immer wieder stöhnte er leise und spornte seinen Freund so dazu an, ja nicht aufzuhören.

Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn die Melange aus Gerrits Duft und seinem Parfum machte Damian völlig willenlos. Er konnte nicht anders, als diesen Körper zu berühren, ihn zu küssten, zu spüren, zu treiben – seine Zunge spielte mit dem Nabel, während seine Finger sich langsam in die offene Hose schoben, ehe er gezielt zugriff und erlöste, was dort eingezwängt gewesen war.

„Ah!“ Gerrit bäumte sich lustvoll auf. Das war so geil. Ohne es zu wissen, hatte Damian genau das Richtige getan. „Zieh sie aus“, bat er zwischen keuchenden Atemzügen.

„Dein Wunsch sein mein Handeln“, murmelte Damian und küsste hauchzart die Penisspitze in seinen Händen, ehe er gänzlich von Gerrit abließ und ihm die Hose über die langen Beine zog. Die Unterhose verschwand ebenfalls, so gefiel es Damian schon besser und er kehrte keine Sekunde zu früh zurück, denn Gerrit rutschte unruhig auf dem Bett herum, suchend nach den wissenden Händen.

Aber Gerrit ließ ihn nicht gleich dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten, sondern zog Damian auf sich, damit er ihn küssen konnte. Er wollte nicht die ganze Zeit untätig sein. Er wollte, dass auch sein Freund sich in höchster Lust wand und dazu musste Damian auch erstmal seine restliche Kleidung loswerden.

Der Elf ließ es geschehen, denn er ahnte, dass er auf seine Kosten kommen würde, wenn er Gerrit nur machen ließ. Seine geschickten Finger hatten gestern schon dafür gesorgt, dass es Damian extrem schwer gefallen war, sich zurückzuhalten. Seine Finger strichen immer wieder fahrig durch Gerrits Haar und so zog er ihn immer wieder zu sich nach unten. Er wollte ihn küssen, während Gerrits geschickten Finger begannen, den Elfen seiner Kleider zu berauben.

Fasziniert stellte Gerrit dabei fest, wie gelenkig Damian war.
Endlich lag der Elf nackt vor ihm und Gerrit konnte sich kaum an ihm satt sehen. „Perfekt“, murmelte er leise und beugte sich runter, um diesen Körper endlich auch mit allen Sinnen erkunden zu können. Er war sich sicher, dass sie beide auf ihre Kosten kommen würden und dieser Wald für die nächsten Stunden mit lustvollen Lauten erfüllt war.



09

Gerrit rollte die Schultern, als er nach dem Training endlich unter der Dusche stand. Er hatte sich zufriedenstellend verausgabt und seit sie sich in der Uni gesehen hatten, bohrte Jan nun schon fragende Löcher in seinen Bauch. Gerrit grinste und streckte sich, als er seinen Freund ansah.

„Jetzt rede endlich, ehe ich dir wichtige Körperteile abreiße!“ Jan knurrte. Sie hatten sich in die hinteren Duschen verzogen und die Halle war ziemlich leer. Es bestand also nicht die Gefahr, dass sie jemand belauschte.

„Hey, hey, hey, ich glaube nicht, dass du dich wirklich mit einem Krieger-Elfen anlegen willst. Die haben ganz fiese Tricks drauf und scharfe Schwerter.“ Gerrit lachte, weil Jan bei seiner Antwort nur neugieriger wurde und das auch durch sein finsteres Gesicht zeigte.

„Seit wann weist du denn, was Elfen haben und Elfen wollen!“, knurrte Jan. Gerrits gute Laune ließ ihn schon vermuten, dass er mit Strater auf einen Nenner gekommen war und gekommen vielleicht sogar das Stichwort war. Aber das wollte er sich nicht denken, das wollte er von einem der Protagonisten hören. Zumindest schien ja Gerrit schon über die Elfenvergangenheit des Dozenten Bescheid zu wissen.

„Oh, seit gestern weiß ich doch einiges mehr von der Elfenwelt. Elfen sind neugierig, gelenkig - sehr gelenkig sogar.“ Gerrit wirkte ein wenig abgelenkt und leckte sich über die Lippen. „Leidenschaftlich und ausdauernd.“ Er ließ sich gegen die Fliesen sinken und grinste Jan an. „Ganz anders, als ich gedacht hatte.“

„Ja was nun – einmal oder was Dauerhaftes“, wollte Jan wissen. Dass die beiden schlussendlich im Bett landen würden, war ja schon klar gewesen, als Gerrit so ungehalten reagiert hatte, weil er sich getroffen fühlte. Damian Strater war ihm unter die Haut gegangen. Aber konnte Gerrit mit dem leben, was Damian war? Das war doch das Wesentliche.

„Die Frage ist ja wohl eher, ob der Strater den Blindgänger überhaupt behalten will. Vielleicht war der ja ne Niete?“ Mario war hinzugetreten.

Gerrit schoss zu ihm rum und funkelte Mario an. „Hohlfeld, du Arsch“, knurrte er und fühlte sich in seiner Ehre getroffen. Damian hatte nicht im Mindesten unzufrieden gewirkt, als er sich spät abends an ihn gekuschelt hatte und eingeschlafen war. „Wenn du wissen willst, was gestern gelaufen ist, dann halt Mario im Zaum!“

Jan sah seinen Schatz an und stellte die Dusche ab. Er sah noch mal zu Gerrit, dann wieder zu Mario, doch dann fand er, dass er für heute schon genug gebettelt hatte. Er wusste, dass Gerrit wieder bessere Laune hatte, mehr war für ihn nicht wichtig. „Schatz, er gehört dir“, sagte er nur und wickelte sich sein Handtuch um die Hüfte, während Mario diabolisch grinste.

„Der Blindgänger? Na toll – immer ich!“

„Vergiss es, Mario, ich habe heute echt keine Zeit für Spielchen. Ich habe gleich noch ne Verabredung, von der ich noch nicht weiß, wie ich sie überleben soll.“ Gerrit funkelte seinen Freund an, um ihn von allen blöden Gedanken, die in Scharen in Marios Kopf rumgeisterten, abzuhalten.

„Ach“, machte Mario nur und wusch sich das Chlor vom Körper, sonst flog er nachher von der Couch. Da kannte Jan gar nichts. Seine Liebe zu Mario war zwar grenzenlos, aber seine Nase war empfindlich. „Sag bloß, du fängst jetzt auch an mit Elfenscheiße?“ Er sah Gerrit forschend an und als der einen Augenblick zu lange schwieg, musste Mario lachen. Wer hätte das gedacht? „Gerrit, unsere Elfe!“

„Ich werde bestimmt keine Elfe“, widersprach Gerrit heftig. „Ich habe Damian nur versprochen, dass ich mir das angucke. Schließlich ist das Rollenspiel ein großer Teil in seinem Leben und wenn das mit uns klappen soll, sollte ich es kennen.“

Mario hob eine Braue und grinste. Jetzt wusste er was, was sein Jan nicht wusste und er würde das heute Abend gewinnbringend an den Mann bringen. Er nickte. „Jo, cooler Plan. Lass dich bekehren von der dunklen Seite der Macht“, lachte er und machte röchelnde Darth-Vader-Geräusche, ehe auch er sich sauber fühlte und das Wasser ausstellte.

„Du bist so blöd.“ Gerrit verdrehte die Augen und klapste Mario gegen den Hinterkopf. „Sieh lieber zu, dass du viel Trösterschokolade da hast, falls ich das nicht durchhalte und fliehe.“ Es machte ihm ein wenig Sorge, weil ja seine Schwester mit dabei war und wenn sie ihn nervte, dann konnte es passieren, dass sie sich heftig stritten oder er zog sich wütend zurück. Er hatte Damian auch schon darauf vorbereitet, schließlich hatte der ja schon live miterlebt, wie es zugehen konnte, wenn die Geschwister auf einander trafen.

„Heute wird’s schwierig mit Trösterschokolade. Wir sind bei Ole und Felix. Dann musst du schon da hin kommen.“ Mario schlug Gerrit auf die Schulter und grinste. „Aber Liebe versetzt ja bekanntlich Berge, wird schon werden – Elfchen!“

„Grüß die Beide mal. Kommen sie wieder zum nächsten Wettkampf?“ Schließlich war Felix ihr Maskottchen und da er fast nirgends mehr ohne Ole hinging, wurde er einfach integriert und durfte tolle Bilder schießen. „Drück mir also die Daumen, dass ich heute keine Schokolade brauche.“

„Ich kann dir ja welche per Kurier zukommen lassen, wenn dir die Nerds wieder deine Reserven wegfressen.“ Gemeinsam kamen sie aus der Dusche und wollten sich umziehen. „Aber ich glaube schon, dass die Beiden wieder zum nächsten Wettkampf kommen. Ole hat seine Leidenschaft für sich schnell bewegende Fotoobjekte entdeckt und experimentiert ziemlich viel rum und da Felix faul ist und sich nicht so gern schnell bewegt, außer zum Essen, sind wir eben die geeigneteren Zielobjekte.“

„Was? Felix? Wart ihr nicht bei Elfen?“ Jan wirkte irritiert und Mario küsste ihn beruhigend.

„Hängt alles irgendwie zusammen, Schatz, ich erkläre es dir später. Wir sollten aber gleich noch auf dem Weg Schokolade kaufe, für alle Fälle.“

Gerrit schüttelte lachend den Kopf und zog sich an. Noch ein wenig Parfüm, dann war es perfekt. Schließlich stand sein Elfchen tierisch auf das Zeug. Das hatte er in einer schwachen Sekunde zugegeben und Gerrit davor gewarnt, es jemals ausnutzen zu wollen.

„Was?“, fragte Jan, als er Gerrit hinterher sah. Der warf noch einen Gruß und verschwand pfeifend. „Felix ist keine Elfe und Schokolade hat der selber genug. Ich glaube nicht, dass wir noch mehr mitbringen müssen.“ Jan wirkte pickert, denn er spürte, dass sein Liebling ihn verkohlte. Der musste jetzt alles wieder richten, sein erworbenes Wissen unter Wert verkaufen und Gerrit war schon bei seinem Wagen angekommen.

Er brauchte nicht lange bis nach Hause und als er seinen Wagen vor dem Haus auf seinem Parkplatz abstellte, konnte er auch Damians Wagen sehen. Sein Freund war also schon da und gleich musste er lächeln und seine Gedanken gingen zu der letzten Nacht. Er hatte lange nicht so viel Leidenschaft erlebt. Noch jetzt fing sein Körper überall an zu kribbeln, wenn er nur daran dachte.

Es war schon verrückt, auf welchen merkwürdigen Pfaden er zu seinem Glück gefunden hatte und damit das auch so blieb, wollte er zumindest versuchen zu verstehen, was Rollenspieler so den lieben langen Tag trieben. Er hatte zugesagt, sich dazu zu setzen, zuzuhören und leise zu gehen, wenn es ihm doch zu merkwürdig wurde. Sie mussten einfach einen gemeinsamen Weg finden – es ging nicht anders, denn Damian einfach wieder aufgeben konnte Gerrit nicht. Nicht im Kopf und sein Körper war von der Idee noch weniger begeistert.

„Willst du anfrieren?“, knurrte seine Mutter, die ihn hatte kommen hören und die Tür öffnete. Doch sie lächelte.

„Hättest du wohl gerne“, knurrte er zurück und umarmte sie. „Ich bring meine nassen Sachen in den Keller. Hast du was zu essen für mich?“ Seine Mutter hatte ihm schon früh klar gemacht, dass er für sein Schwimmzeug selber verantwortlich war und sie es nicht schätzte, wenn der Chlorgeruch durch das ganze Haus zog.

„Tut mir leid, Schatz, die Freunde deiner Schwester haben eben die letzten Vorräte weggeschleppt“, sagte Birgit ernst und wuschelte ihrem Jungen durch die noch feuchten Haare. Sie liebte es, wenn er futterneidisch knurrte und ein paar so genannten Nerds den Tod wünschte. Er wandte sich um, da lief er in etwas Kleines rein – das Gefühl kam ihm bekannt vor und so griff er beherzt zu, ehe der andere noch zu Boden ging.

„Hoppala“, lachte er weich und lächelte Damian an. „Du und deine Kumpanen habt euch schon wieder an meinem Futter vergriffen, wie ich gerade gehört habe. Das werden wir jetzt im Keller klären“, sagte er ernst und zog seinen Freund mit sich die Treppe runter. Kaum, dass sie unten angekommen waren, ließ Gerrit seine Tasche fallen und Damian landete an der Wand und wurde leidenschaftlich geküsst.

Auch wenn das seiner Figur vielleicht abträglich war, so nahm sich Damian gerade vor, Gerrit öfter das Futter wegzufressen, wenn er dann jedes Mal derart leidenschaftlich wurde.

„Eine Portion Gulasch steht noch in der Mikrowelle“, flüsterte Damian, das hieß aber noch lange nicht, dass er Gerrit jetzt einfach so her gab. Er legte seine Arme fest um ihn und drückte sich gegen seinen Freund. Er wusste nur zu gut, wie gut Gerrit war – in jeder Hinsicht.

„Das ist euer Glück, denn sonst hätte es passieren können, dass ich deine kleine Rollenspielgruppe auf ein Mitglied reduziert hätte.“ Gerrit knabberte an Damians Hals und küsste sich dann wieder zu den verlockenden Lippen. „Ich weiß ja nicht, ob ihr das wisst, aber jedes mal, wenn ihr hier wart und euch aus dem oberen Kühlschrank bedient habt, was meine Schwester euch sicher großzügig erlaubt hat, dann war das mein Futter und meine Getränke, die ihr euch gegriffen habt.“

Damian hielt inne und blickte Gerrit an. Das hatte er wirklich nicht gewusst und blickte reumütig. „Tut mir leid, aber ich glaube, ich kenne einen Weg, dafür Buße und Abbitte zu leisten.“ Er grinste, doch ehe er wieder Gerrits Lippen erobern konnte, hörte er es hinter sich räuspern.

„Ja, so habe ich mir das gedacht. Seit du den Schwachmaten am Bein hast, bleibt das Rollenspiel auf der Strecke.“ Sabrina war sichtlich nicht begeistert, wie sie da mit verschränkten Armen in der Tür zum Heizungskeller stand.

„Verpiss dich, dämliche Ziege“, knurrte Gerrit, der es gar nicht schätzte, jetzt unterbrochen zu werden. Schon gar nicht von seiner Schwester, bei der er wusste, dass sie ihm sein Glück nicht gönnte. Eigentlich hatte er sich heute nicht mit seiner Schwester streiten wollen, aber so einen Spruch konnte er nicht unkommentiert lassen.

„Schatz“, sagte Damian leise und strich seinem Freund noch einmal durch die Haare, auch wenn Sabrina das mit Knurren kommentierte. „Sabrina, ich bin gleich oben – fünf Minuten“, sagte er und sah sie an.

„Wird das jetzt jedes Mal so laufen, dass du den Spagat versuchst zwischen uns und dem da?“

„Pass auf, was du sagst, du...“

„Schatz, bitte.“ Damian löste sich, lehnte sich aber weiter gegen Gerrit. „Ja, ich werde den Spagat versuchen, denn mir ist beides sehr wichtig.“ Er wollte sich nicht in die Situation treiben lassen, sich für eine Seite entscheiden zu müssen.

„Du wirst schon noch sehen, was du davon hast, denn der da wird ständig“, sie zeigte geringschätzig auf ihren Bruder, „versuchen, dich von uns fern zu halten. Da fängt er doch jetzt schon mit an, als er dich in den Keller gezerrt hat. Du hast doch mitbekommen, was er von der ganzen Elfenscheiße hält, wie er das nennt.“

„Sabrina, du wirst gerade ziemlich ungerecht“, sagte Damian und piekste Gerrit in den Bauch, damit der auf diese Anschuldigungen nicht einging, auch wenn sie ziemlich gemein waren. „Wir werden einen Weg finden, aber das wird ein paar Versuche brauchen. Wenn du nicht bereit bist, mir das zu gönnen, dann lass mich doch aus der Gruppe entfernen“, sagte er und sah sie undeutbar an. Er wusste, dass er hoch pokerte, doch er ließ sich von niemandem vor die Wahl stellen. Gerrit hatte das begriffen, noch ehe er es versucht hatte und Sabrina sollte das auch schnell begreifen, ehe unnötig Porzellan zerschlagen wurde.

„Was soll das heißen? Du wirst uns, deine Freunde, im Stich lassen, für einen wie den?“ Sabrina war fassungslos, das sah man ihr an. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht, dass Damian sie verlassen wollte. Das Rollenspiel war sein Leben.

„Sag mal, Bina, bist du einfach nur blöd oder was?“, mischte Gerrit sich ein und legte seinen Arm um Damian. „Bist du so egoistisch, dass du deinem angeblich besten Freund noch nicht einmal etwas Glück gönnst, wenn es nichts mit dir zu tun hat? Ich nehm ihn dir doch nicht weg. Er möchte uns beide, verstehst du das eigentlich nicht?“

Man sah Sabrina deutlich an, dass sie zurückschnappen wollte. Ihre Wangenmuskeln zitterten, so intensiv biss sie die Zähne zusammen. Das musste sie sich von dem Schwachmaten doch echt nicht gefallen lassen.

Damian versuchte zu schlichten. „Ich möchte gern die Zeit mit euch beiden verbringen, bei Dingen, die Spaß machen. Dabei wird Gerrit ebenso zurückstecken müssen wir du, aber wir werden schon dafür sorgen, dass sich keiner vernachlässigt fühlt.“ Er hatte ja geahnt, dass es nicht leicht würde, aber dass es gleich so harsch begann, war für ihn ein Schlag ins Gesicht.

„Das wird sich noch zeigen“, zischte sie schnippisch und drehte sich auf dem Absatz um.

Gerrit und Damian sahen ihr hinterher und Gerrit seufzte. „Tut mir leid, dass es bis zum Streit nicht lange gedauert hat. Ich denke, es wird nicht einfach, wenn ich mitmache. Glaubst du, dass es besser ist, wenn ich auf meinem Zimmer bleibe, damit sie sich wieder beruhigt?“

„Ich weiß es nicht, Gerrit. Wirklich nicht. Ich will nicht klein bei geben, nur weil sie sauer ist. Es kann nicht sein, dass du anfängst Rückzieher zu machen, nur damit sie nicht tobt.“ Damian war enttäuscht und er konnte das nicht verbergen. Dass war nicht die Sabrina, die er kannte und wenn das jetzt jedes mal so lief, wusste er nicht, ob er mit ihr noch spielen wollte. Das Rollenspiel war mehr, als einen Plot durchzugehen und Entscheidungen zu treffen. Zumindest für ihr. „Häng dein Zeug auf, ich geh schon mal vor und hoffe, dass sie oben keine Stimmung gegen uns macht.“ Ein letzter Kuss, dann schlich Damian davon. Gerrit war wütend auf seine Schwester und sie würde dafür bezahlen, Damian so zugesetzt zu haben.

Er schmiss sein Zeug in die Waschmaschine und ging dann zu seiner Mutter in die Küche. Er wollte noch das Gulasch essen und der Streit mit Sabrina hing ihm noch in den Knochen.

„Was war denn los?“, fragte seine Mutter. Sie hatte die lauten Stimmen von unten gehört und hatte kombiniert, dass es etwas mit dem Typ zutun haben musste, den ihr Sohn in den Keller gezerrt hatte.

„Ich stärke mich jetzt und dann sorge ich dafür, dass ich ab morgen ein Einzelkind bin“, sagte Gerrit, sah seine Mutter aber schief grinsend an. Sie war nicht der Grund für seine schlechte Laune und sollte deswegen auch nicht als Blitzableiter dienen.

„Ich wäre dir dankbar, wenn du das lassen könntest, Schatz. Meine Schwangerschaften waren echt zu anstrengend, als dass ich eines meiner Kinder hergeben möchte.“ Birgit strich Gerrit über die Hand und lächelte. „Du bist der ältere, also versuche es mit Reden und nicht mit Gewalt. Ich werde das auch versuchen. Was hast du übrigens mit dem hübschen Kerl zutun, der gerade wie ein geprügelter Hund die Treppe hochgeschlichen ist?“ Sie war nicht neugierig, aber sie wollte alles wissen.

„Er ist der Grund für ihren Unmut“, sagte Gerrit, strahlte aber wie ein Honigkuchenpferd. Sogar das Essen wurde uninteressant. „Damian ist mein neuer Freund. Deswegen kam ich gestern auch so extrem spät. Wir mussten da was klären, aber gefunkt hatte es schon eher. Blöd nur, dass er auch gleichzeitig wohl der Spielleiter ihrer Rollenspielgruppe ist und eben hat sie ihm eine Szene gemacht, dass sie sich vernachlässigt fühlt.“ Gerrit knurrte leise. „Sie hat versucht, ihn dazu zu zwingen, sich zu entscheiden und dabei ja keinen Fehler zu machen.“ Und dafür würde sie bezahlen.

„Oh je. Kind, kann bei dir nicht mal was ohne Katastrophen laufen?“, fragte sie mitleidig und strich ihm durch die Haare. Sie wusste selber, wie Sabrina drauf war, wenn sie sich zurückgesetzt fühlte und dass die Geschwister ein ziemlich gespanntes Verhältnis zueinander hatten. „Ich weiß, das ist viel verlangt, aber versuch ihr zu zeigen, dass sie nichts verliert.“

„Ich denke doch gar nicht dran. Vielleicht, wenn sie es ebenfalls versucht hätte. Aber nicht nach der Show. Da sehe ich doch aus wie der Feigling, der zurücksteckt und das werde ich nicht, auf keinen Fall!“ Gerrit war sauer, er war es leid, der Größere zu sein, der Ältere, der Vernünftigere – und die Giftspritze durfte machen was sie wollte und kam damit durch. „Sie hat einen Fehler gemacht und wird es bereuen. So einfach.“

„Gerrit!“, sagte seine Mutter streng, seufzte aber. „Achte bitte darauf, dass kein Blut auf den Teppich kommt, das kriege ich nie wieder raus und dann kommen wir in Erklärungsnot, wenn die Polizei durch das Haus schleicht.“ Sie musste wohl darauf vertrauen, dass Sabrina zur Vernunft kam.

„Letztens in der Werbung gab es so ein Mittel. Ich glaube, das bestelle ich dir. Dann musst du dir keine Sorgen machen.“ Gerrit grinste und hatte verstanden. So aß er weiter und unterhielt sich mit seiner Mutter. Sie sprachen offen über alles und so erfuhr sie auch von dem Elfen auf der Messe, dem Mathe-Dozenten und von dem extrem leckeren Happen von der Party. Und all die Jungs gehörten jetzt ihm. „Und ehe meine Schwester Klein-aber-lecker dämlich quatscht, werde ich mich jetzt dazu gesellen.“

„Mach das, Schatz. Ich drück dir die Daumen.“ Birgit räumte den Teller weg und sah zu, wie ihr Sohn die Treppe rauf ging. Sie wusste, dass er es nicht leicht haben würde.

Das merkte er auch sofort, als er an die Tür klopfte und in Sabrinas Zimmer kam. Sie funkelte ihn böse an. „Hallo Leute, ich bin Gerrit, Sabrinas Bruder und ich wollte mir das, was ihr macht, mal angucken. Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen.“

Er blickte in die Runde und ein paar sahen sich komisch an, Martin aber guckte Damian an und grinste.

Er konnte kombinieren und schien zu ahnen, wie die beiden jetzt zu einander standen.

Das begriff Damian schnell und so erhob er das Wort und erklärte die Konstellation offen. Die Spieler waren seine Freunde und er wollte ihr ehrliches Urteil darüber, ob Gerrit sich integrieren durfte oder nicht. Es war schließlich nicht leicht, in eine bestehende Gruppe zu rutschen.

Sabrina saß nur daneben und kochte vor Wut, doch Gerrit versuchte sie zu ignorieren. Ihm war es wichtiger, was die anderen dazu sagten.

Jens und Tessa sahen sich kurz an und nickten dann. „Warum nicht, wir können einen männlichen Mitspieler durchaus noch gebrauchen“, grinste Jens und fing sich einen Knuff von seiner Frau ein.

„Was soll das denn heißen?“, fragte sie lachend, nickte aber noch einmal. „Ja sicher, probieren können wir es.“

„Danke. Ich würde mich erst mal nur im Hintergrund halten und zugucken. Ich habe keinen Plan davon, aber es gehört zu Damians Leben und ich möchte gern wissen, was ihn daran so fasziniert.“ Gerrit wollte ehrlich sein, deswegen verschwieg er auch nicht, dass er ein schwerer Fall war und Elfen bei ihm einen schweren Stand hatten. So nahm er seiner Schwester noch mehr Wind aus den Segeln, was sie gar nicht schätzte.

Wütend sah sie ihn an, doch er stieg nicht darauf ein, sondern setzte sich etwas in den Hintergrund und beäugte, was alles auf dem Tisch lag. Er saß absichtlich nicht neben Damian, er wollte ihn beobachten, nicht ihn ablenken.

„Na dann ist es ja vielleicht ganz gut, dass wir gerade eine neue Welt planen, in denen keine Elfen vorkommen“, lachte Melanie und gab somit auch ihr Einverständnis, dass Gerrit bei ihnen blieb.

„Wir planen eine John Sinclair Welt. Kennst du die Romane“, sagte Martin und besah sich Gerrit genauer. Damian hatte Geschmack, das musste er zugeben.

Gerrit nickte. Er hatte ein paar Bücher davon gelesen und dann grinste er. „Ah, jetzt verstehe ich das auch mit dem Sohn des Lichts.“ Er grinste Damian an. Gestern hatte er sich darüber keine Gedanken gemacht.

Sein Freund streckte ihm die Zunge raus und erklärte dem Rest gleich, dass keiner zu fragen brauchte. Martin schmollte gespielt, Melanie protestierte auch, nur mit Sabrina war einfach nichts anzufangen. Also fragte Damian sie auf den Kopf zu: „Ist es für dich auch okay?“

„Nein, ist es nicht. Ich will ihn nicht hier haben“, sagte sie giftig. Eigentlich hatte sie das nicht sagen wollen, aber sie fühlte sich gerade von ihren Freunden verraten. Sie hatten Gerrit einfach in die Gruppe gelassen. „Aber ihr habt mir ja schon gerade klar gemacht, dass euch das nicht interessiert.“

„Falsch, Sabrina“, sagte Gerrit und erhob sich. „Es ist dein Spiel und du sollst daran Spaß haben. Auch wenn du in deinem blinden Wahn, etwas weggenommen zu bekommen, nicht siehst, was Damian gerade versucht. Dafür, dass du in ein paar Wochen zwanzig Jahre alt wirst, benimmst du dich wirklich sehr reif“, sagte er und ging. Die Tür schloss sich hinter ihm.

Alle sahen ihm hinterher und Damian wollte ihm im ersten Moment hinterher, aber er tat es nicht, denn Martin hielt ihn zurück. „Gut, ich denke, das müssen wir jetzt ausdiskutieren“, sagte er und guckte in die Runde.

Melanie, Tess und Jens wirkten betroffen, denn so kannten sie Sabrina gar nicht. „Was ist denn los?“, fragte Melanie Sabrina, die neben ihr saß. „Warum willst du denn nicht, dass er hier mitmacht?“

„Weil er immer dagegen gewesen war. Was ich mir hier alles habe anhören müssen wegen meiner Leidenschaft für Rollenspiele. Was er über Elfen gesagt hat und was ihr für Nerds seid. Und plötzlich ist das alles cool und er macht mit? Ich glaube dem Kerl doch kein Wort!“ Sie war noch wütender als vorher, dass es der Schwachmat gewagt hatte, sie vor ihren Freunden in solch eine Situation zu bringen.

„Soweit ich das gehört habe, hast du es ihm aber auch nicht gerade leicht gemacht und seine Grenzen nicht akzeptiert. Selbst in seinem Reich stehen deine Sachen. Er hatte doch gar keine Chance, auszuweichen. Das würde mich auch wütend machen.“ Damian sah nicht ein, dass Gerrit hier in ein solches Licht gezogen wurde. Er hatte ihn gefragt und Gerrit hatte ein bisschen erzählt und Sabrina war nicht die Unschuld, für die sich ausgab. Gerrit hatte vorrangig kein Problem mit Elfen, sondern mit allem, für was Sabrina stand, doch das sagte er ihr lieber nicht.

„Na super. War ja klar, dass du auf seiner Seite stehst.“ Ihr fiel noch einiges mehr ein, aber das ging ganz tief unter die Gürtellinie und das war selbst ihr zu heftig. Sie ballte die Fäuste und blinzelte. Immer wenn sie wütend wurde, schossen ihr die Tränen in die Augen, aber das wollte sie jetzt nicht haben. „Das ist doch Blödsinn. Was ist? Hat er sich bei dir ausgeheult, über seine bekloppte Schwester?“

Die Übrigen schwiegen und auch Damian wusste nicht, was er sagen sollte. So kamen sie auf keine Basis und die Gruppe fand nicht mehr ins Spiel. Also sah er Martin an. „Ich weiß, du wolltest eigentlich dieses Mal ein Monster spielen, aber kannst du die Rolle des Sohns des Lichts ausfüllen? Ich habe es versucht, beides unter einen Hut zu bekommen. Es funktioniert leider nicht. Aber ich werde Gerrit nicht aus meinem Leben vertreiben, denn ich möchte Zeit mit ihm verbringen. Da man beides nicht kombinieren kann und ich auch keine Lust habe, mich noch tiefer in den Sumpf von Anschuldigungen zu begeben, steige ich hiermit aus. Tut mir leid.“ Er war immer leiser geworden und legte bereits sein Kostüm ab.

Martin nickte, auch wenn es ihm schwer fiel. Er konnte Damian verstehen. Er hätte genauso gehandelt und wäre gegangen. Alle saßen wie versteinert da, auch Sabrina. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Damian seine Drohung wahr machte. Das Rollenspiel war doch sein Leben. „Nein, das kannst du nicht“, rief sie und sah ihn aus großen Augen an. „Du kannst nicht einfach gegen. Du leitest unsere Gruppe.“

„Das ist dein einziges Problem?“, fuhr jetzt Tessa dazwischen, die das bisher schweigend verfolgt hatte. Langsam schien sie zu begreifen, was hier eigentlich abging und es schmeckte ihr gar nicht, dass sie ihren besten Spieler verloren, nur weil Sabrina der Meinung war, ihr würde etwas weggenommen, wenn Gerrit versuchte, sich in Damians Leben zu integrieren. „Spielleiter kann jeder machen, der lesen kann und einen Würfel benutzen. Du hast dich eben dafür entschieden, dass er sein Privatleben vor der Tür lassen soll. Jetzt lebe bitte auch damit, dass ihm sein Privatleben im Augenblick wichtiger ist.“ Schließlich war sie auch mal frisch verliebt gewesen und hatte eine Menge dafür vernachlässigt. Zurückgeblickt war es das aber wert gewesen.

„Aber...“, stammelte Sabrina und sah in die Runde, aber sie sah nicht das, was sie sich erhofft hatte. Keiner ihrer Freunde schien zu verstehen, warum sie Gerrit nicht in der Gruppe haben wollte.

„Sabrina, er ist dein Bruder, nicht dein Feind.“ Melanie legte den Arm um Sabrina und drückte sie an sich. „ Sabrina, wir alle lieben das Rollenspiel, aber wir haben auch ein reales Leben. Damian hat jemanden gefunden, der ihm wichtig ist. Sehr wichtig sogar, wie es scheint, aber er sagt nicht einfach: Leute, ich bin verliebt und will jetzt mein Leben mit meinem Geliebten verbringen, sondern bringt ihn zu uns, weil wir ihm auch wichtig sind und er uns nicht hängen lassen will.“

Sabrina kam sich so demontiert vor. Sie wusste nicht, was sie noch in den Ring werfen konnte, um klar zu machen, was sie störte. Keiner schien ein Problem damit zu haben, wenn Gerrit dazu kam. Aber dass Damian ausstieg, schrieb man allein ihr zu. Verdammt, das war nicht fair. Keiner kannte Gerrit so gut wie sie und sie hatte viele Jahre kämpfen müssen, gegen seine blöden Witzeleien und Spitzen. Dies hier war ihre Zuflucht gewesen und jetzt drang der Mistkerl auch noch hier ein? Was sollte sie denn machen?

Unsicher sah sie Damian dabei zu, wie er in seine normalen Kleider schlüpfte, seine Würfel ablegte und sich gerade verabschieden wollte. „Bring ihn mit rein, aber ich will keine blöden Witze“, knurrte sie und senkte den Kopf. Verloren gegen ihren Schwachmaten – das war demütigend.

„Danke, Sabrina.“ Damian ging aus dem Zimmer und klopfte an Gerrits Tür. „Ich bin‘s“, rief er dabei und augenblicklich wurde die Tür aufgerissen.

„Damian!“ Gerrit zog seinen Freund ins Zimmer und dann in seine Arme. „Tut mir leid“, sagte er leise, denn es schien nicht gut gelaufen zu sein, wenn Damian jetzt hier bei ihm war und sich umgezogen hatte.

„Sie sagt, ich soll dich wieder mitbringen, aber du darfst keine blöden Witze reißen“, sagte Damian, grinste aber schief. Er hatte gewonnen, doch der Sieg schmeckte bitte. Er hatte gehofft, nicht so weit gehen zu müssen und betete inständig dafür, dass die Zeit, die eben geschlagenen Kerben, wieder kitten konnte.

„Wie, keine blöden Witze?“, fragte Gerrit gespielt empört, doch er war erleichtert. „Ich darf also nicht fragen, ob das Upgrade für einen Elf ein Zwölf ist und welche Fähigkeiten der hat?“

Damian senkte den Kopf. „Und für solch eine Banause kämpfe ich wie eine Löwenmutter. Ich muss doch bekloppt sein.“ Doch er grinste, von Gerrit ungesehen.

„Ja, das musst du wohl, wenn du so etwas für mich getan hast.“ Gerrit hob Damians Gesicht an und küsste ihn sanft. „Ich verspreche, dass ich mich benehmen werde.“ Er war selber geschockt, wie Sabrina sich aufgeführt hatte. Er war zwar einiges von ihr gewohnt, aber so hasserfüllt hatte er sie noch nie gesehen. Er hatte beschlossen, mit ihr zu reden, wenn sie allein waren. Er musste wissen, war ihr eigentliches Problem war, denn das letzte, was er wollte, war, dass Damian sich zwischen ihnen beiden aufrieb. Doch so selbstlos, Klein-aber-lecker wieder aufzugeben, war Gerrit nicht, außerdem war er sich sicher, dass Damian ihm das ziemlich übel nehmen würde.

„Na komm, Schatz, versuchen wir dich zu integrieren. Vielleicht sind Geister, Monster und Dämonen eher was für dich. Die kriegen nämlich kein Upgrade.“ Damian griff Gerrits Hand und so verließen sie das Zimmer, um zu den anderen zurück zu kehren.

Es war ziemlich ruhig, als sie in Sabrinas Zimmer zurückkamen und alle sahen sie an, bis auf Sabrina, die den Kopf gesenkt hatte und gar nicht auf sie reagierte. „Okay, machen wir weiter“, sagte Damian. „Wir sollten abstimmen, wer einen guten und wer einen bösen Charakter nimmt, damit wir ein ausgewogenes Verhältnis haben“, sagte Damian und nahm seine Würfel wieder an sich. Sie waren das Heiligtum eines jeden Rollenspielers und deswegen hatte es auch keiner der anderen gewagt, sie anzurühren.

„Wichtig ist immer noch der Sohn des Lichts und sein Gehilfe. Sabrina hat ihre Rolle bereits, sie wird die Vampirprinzessin spielen, die getötet werden muss. Denn so lange sie lebt, wird ihre Macht über die Einwohner der Stadt nicht gebrochen werden können“, fasste Jens zusammen, was sie sich bisher überlegt hatten. „Wir haben also eine Menge fieser Menschen. Aber noch keine Monster. Aber was nicht ist, kann noch werden – wenn Johns Feinde erst einmal Wind davon bekommen, wo er herum schlurcht, werden sie Daria“ – so nannte sich Sabrina – „unterstützen.“

„Ich übernehme auf jeden Fall einen guten Charakter. Jane Collins würde mich reizen“, meldete sich Melanie und atmete tief durch. Sie hatte sich alle verfügbaren Charas angesehen und die Detektivin mit dem Kunstherz und den Hexenkräften hatte sie sofort fasziniert.

„An deiner Stelle würde ich nicht darauf spekulieren, dass du mit John rummachen kannst, solange sein Schatz dabei ist“, stichelte Martin und lachte, als Melanie rot wurde und alles abstritt. Das hatte sie wirklich nicht im Hinterkopf gehabt und Gerrit grinste nur. Wenn es zum Spiel gehörte, dass die beiden was miteinander hatten, musste er das hinnehmen. Er ging davon aus, dass sein Liebling wusste, wo Schluss war und wann es ärger gab. Gerrit teilte nicht gern, weder sein Müsli noch seinen Elfen.

„Quatsch nicht, erklärte lieber, welche Rolle du spielen wirst.“ Melanie knurrte den immer noch lachenden Martin an.

„Ich werde der Bürgermeister sein. Ich glaube, der ist cool und steht unter Darias Bann. Ich werde John eine auf die Fresse hauen dürfen – herrlich!“

Gerrit stutzte, das hörte er weniger gern. Er wollte schon fragen, wie das denn gemeint war, aber er kam nicht mehr dazu, denn Damian lachte. „Na dann versuch das mal. Ich werde das schon zu verhindern wissen.“ Er sah Tess und Jens an.

Bei Jens war klar, dass er einen Bösewicht wollte. „Ich bin Dr. Tod“, sagte er. Zuerst hatte er einen anderen Charakter spielen wollen, sich aber umentschieden.

„Und Tess, wer möchtest du sein?“

„Gefallen würde mir Asmodina. Aber vielleicht sollten wir etwas auf das Gleichgewicht von gut und böse achten. Ich werde also wechselnde Rollen übernehmen, die wir brauchen werden, damit unser Sohn des Lichts nicht stirbt.“ Tessa war eigentlich immer Wandler zwischen den Welten, sie reizte es, viele Charaktere zu spielen, jeden anders anzulehnen und durch ihr Erscheinen, der Handlung eine Wende zu geben.

„Und ich werde wie immer schreiben und die Ergebnisse notieren. Die Charakter-Entwicklungen führt jeder selber.“ Sabrina hatte sich wieder gefangen. Gerrit saß so, dass sie ihn nicht unbedingt ansehen musste, das machte es ihr leichter.

„Gut, dann ist das also klar.“ Damian juckte es in den Fingern, Gerrit zu fragen, welcher Seite er angehören wollte, wenn er mitspielen würde. Doch das wäre dann wohl doch zuviel für Sabrina, die gerade aufschrieb, was sie beschlossen hatten.

Gerrit war gespannt, wie es weiter ging. Bisher fand er das hier ziemlich interessant. Es steckte augenscheinlich eine Menge Arbeit in der Entwicklung eines neuen Spiels. Und keiner hüpfte in rosafarbenen Kostümchen durch die Gegend. Unmerklich beäugte er einige der kitschigen Figuren in Sabrinas Zimmer und musste einmal mehr zugeben, dass dies zwei Welten waren. Doch dann konzentrierte er sich wieder auf das, was passierte, denn es ging los. Damian warf sich noch einmal in seine Klamotten, brachte seine Waffen an sich und das Kreuz, das ein fundamentales Zubehör für John Sinclair war.

Es begann damit, dass John einen Anruf bekam. Sein Chef vom Yard informierte ihn über merkwürdige Vorkommnisse in einer südenglischen Stadt.

Erst lief es etwas schleppend, aber nach kurzer Zeit hatten sich alle in ihre Rollen gefunden und sie spielten. Gerrit war völlig fasziniert und schreckte auf, als Tess sagte, dass sie leider Schluss machen musste, weil sie Frühdienst hatte und wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf brauchte.

„Was, jetzt schon? Ist doch grad so spannend“, murrte Gerrit und wurde rot, als alle ihn irritiert ansahen.

„Schatz, es ist fast zwei Uhr“, lachte Damian und schüttelte den Kopf, als Gerrit gleich auf seine Uhr sah.

„Ach du...“, murmelte er und erhob sich. Er hatte fasziniert zugesehen, zugehört. Immer wieder waren bei Entscheidungen die Würfel gefallen und das Ergebnis akzeptiert worden. Egal ob es um die Stärke des Gegners ging, oder um eine Entscheidung an einem Weg. Er beobachtete, wie jeder seine Würfel nahm und sie gut weg packte, wie einen Schatz. Als der Sohn des Lichtes neben ihm stand und sich gähnend an ihn lehnte, flüsterte er: „Bleib heute Nacht hier, sonst kommst du ja nie ins Bett.“

„Wenn deine Eltern nichts dagegen haben.“ Er ließ sich von Gerrit halten, der den Kopf schüttelte und verabschiedete seine Freunde. Sie verabredeten sich für die nächste Woche und er drückte auch Sabrina an sich. „Schlaf gut“, sagte er und lächelte. Der Abend hatte nicht so furchtbar geendet, wie er angefangen hatte.

„Ja, du auch – wenn ich euch hören sollte, hole ich die Polizei“, sagte sie trocken, grinste aber, ehe sie ebenfalls gähnend im Bad verschwand. Gerrit aber störte sich nicht daran, sondern zerrte seinen Elfen mit in sein Zimmer, auch wenn er gerade nicht wie ein Elf aussah. Viel passierte heute nicht mehr, das wussten sie beide. Aber ein bisschen Nähe tat ihnen sicherlich gut.

Als erstes holte er nach, was er die ganzen Stunden gern gemacht hätte und küsste Damian. „Du bist ein toller Sohn des Lichts. Nächste Woche musst du mich wieder mitnehmen, denn ich will wissen, wie es weitergeht.“ Es passierte wirklich nicht oft, dass er vollkommen die Zeit vergaß. Das passierte ihm nur, wenn er vollkommen fasziniert von etwas war.

„Freut mich, dass wir dich so begeistern konnten“, sagte Damian und meinte das wirklich ernst. Es bedeutete ihm viel, dass Gerrit nicht einfach aufgestanden und gegangen war, mehr noch, dass er jetzt so begeistert davon erzählte. Gerade so, als wäre Damian gar nicht dabei gewesen. Doch er ließ ihn machen und erfreute sich einfach daran. Er strich seinem Schatz durch die Haare und verschwand mit ihm im Bad, als es frei wurde.

Schnell machten sie sich fertig und schlüpften in Gerrits Bett. Der zog seinen Schatz an sich und seufzte zufrieden. Sie konnten ausschlafen, denn es war ja Wochenende. „Was für ein Abend?“, murmelte er leise und strich mit der Nase durch die dunklen Haare. „Tut mir leid, dass Sabrina sich so daneben benommen hat.“
„War nicht deine Schuld, war meine. Ich wollte alles und habe nicht damit gerechnet, dass nicht alle so reagieren wie du. Aber es hat ein gutes Ende genommen. Lass uns nicht zurückblicken, sondern nach vorn.“ Damian schob sich dichter an Gerrit heran, der ihm – wie sich das gehörte – einen Schlafanzug angeboten hatte, den Damian – ebenfalls wie es sich gehörte – abgelehnt und sich nackt ins Bett gekuschelt hatte. Er mochte das Gefühl von Gerrits glatter Haut an seiner und so strichen seine Finger noch etwas fahrig über die breite Brust, ehe Damian eingeschlafen war.


10

Gerrit wühlte sich durch seine Tasche, auf der Suche nach seinem Handy. Er wollte Damian anrufen, dass er mit dem Training fertig war. Zwar war er noch nicht angezogen, aber das dauerte nicht lange. „Da bist du ja, warum sagst du denn nichts“, rief er triumphierend und hielt das kleine Gerät hoch. Er drückte auf die Schnellwahltaste und winkte Jan und Mario zu, die ebenfalls in die Umkleidekabine kamen.

„Muss Liebe schön sein“, lästerte Mario, weil er sich denken konnte, wen sein Freund anrief.

„Das geht jetzt seit sechs Wochen so“, lachte Jan und er wirkte dabei sichtlich zufrieden. Gerrit war wie ein neuer Mensch. Wenn er darauf gehofft hatte, dass Gerrits Nähe zum Mathe-Dozenten dazu geführt hätte, dass sie weniger Seminare besuchen mussten, so hatte er sich getäuscht. Was trieben die, wenn sie zusammen waren? Doch das war eine rhetorische Frage, er wusste es.

Ah, Gerrit musste seinen Schatz erreicht haben, denn ein Strahlen ging über sein Gesicht. „Hallo Schatz, bist du schon Zuhause?“, fragte er auch gleich und Mario rollte mit den Augen.

„Ingo, du alter Elfenschänder, säusel hier jetzt bloß nicht rum. Du siehst ihn doch gleich.“

>>Hey Babe<<, lachte Damian. Er hatte sich daran gewöhnt, von Gerrit zu hören, sobald er Zeit hatte. Meistens kam er Damian zuvor, weil der sich wieder in irgendwelchen Dingen festgebissen hatte. Meistens hockte er noch im Büro und wurde von seinem Liebling tadelnd nach hause zitiert. Kerstin riss schon ihre Witzchen, wenn das Telefon klingelte. >>Ist das Mario im Hintergrund? Wie viele Elfenschänder laufen denn bei euch herum? Ich bekomm ja angst!<< Damian fuhr nebenbei den PC runter. Es wurde allerhöchste Zeit.

„Ja, Mario“, knurrte Gerrit und sah ihn finster an. „Erklär ich dir nachher, was das mit Ingo auf sich hat. Ich habe keine Lust, das vor dem Blödmann zu erklären.“ Während er telefonierte, fing er schon mal an, sich anzuziehen. „Ich wollte eigentlich nur bescheid sagen, dass ich eben schnell Zuhause vorbeifahre und Sabrina abhole. Sei also bitte vollständig bekleidet, wenn ich zu dir komme. Du kennst doch meine Schwester, dann will sie das immer haben.“

>>Oh, schade<<, sagte Damian, >>dann wisch ich mir besser die Sahne wieder vom Bauch, ehe ich vom Küchentisch steige. Aber da deine Liebe zu deiner Schwester größer ist, als die zu mir... << Damian grinste frech. Das stimmte zwar nicht, aber das hinderte ihn nicht daran, Gerrit zu ärgern. Dabei war er ja froh, dass es sich zwischen den Geschwistern allmählich einpendelte. Sicher, es könnte besser sein, aber sie gingen sich zumindest nicht an die Gurgel.

„Och nö, wie fies. Dann will ich das später haben“, forderte Gerrit lachend. Heute wurde der Spieleabend nicht ganz so lange, hatte er gerade beschlossen. „Ich bin dann so in einer halben Stunde da. Lieb dich.“ Er legte auf, denn wenn er sich jetzt nicht beeilte, konnte er seinen Zeitplan nicht mehr einhalten. Er schrieb noch schnell eine SMS an Sabrina, dass sie in fünfzehn Minuten abmarschbereit sein sollte, denn sonst konnte sie mit dem Bus fahren. Und sie hatte diese Drohung nur ein einziges Mal nicht für voll genommen, seit dem hatte sie immer die Uhr im Auge, vor allem, wenn sie sich bereits erklärt hatte, für die ganze Bande zu kochen. Zwei Töpfe mit der Bahn zu transportieren war ein heilloses Unterfangen. Da kam es ihr irgendwie gelegen, dass der Schwachmat den gleichen Weg hatte.

„Lieb dich“, säuselte Mario und lachte, wich aber gekonnt dem Schuh aus, der nach ihm geworfen wurde.

„Schatz, lass ihn. Er ist eben verliebt, das kann schon mal passieren.“ Aber auch Jan kicherte, denn Gerrit so zu erleben war völlig neu. Nicht einmal bei Jason war er so drauf gewesen.

„Ihr habt Glück, dass ich keine Zeit habe, sonst könntet ihr Lästermäuler was erleben.“ Gerrit sammelte seinen Schuh wieder ein und schmiss ihn in seine Tasche. „Bin weg. Wir sehen uns Montag.“ Noch war er in der Zeit, wenn die Straßen jetzt nicht vollkommen zu waren, dann klappte alles, wie er es geplant hatte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass mal der Tag kommen würde, an dem Gerrit lieber zu einem Rollenspiel fährt, als mich zu beleidigen“, sagte Mario, grinste aber. Das erste Mal hatte er geglaubt, sich verhört zu haben, als Gerrit meinte, das wäre ja so mega cool gewesen, doch als Gerrit auch nach einer halben Stunde noch den gleichen Tenor anschlug, hatte er es geglaubt. Jetzt wurde er regelmäßig informiert, was gerade passierte und seit drei Wochen hatte Gerrit seine ersten kleineren Rollen.

Derweil steckte Gerrit das Handy wieder weg. Er hatte, wie jeden Freitag, Pizza bei seiner Pizzeria um die Ecke ordern und mit zu Damian nehmen wollen, doch wenn Sabrina das raus kriegte, hatte er sieben Liter Gulaschsuppe im Fußraum seines Wagens.

Da diese auch noch lecker war, wäre das besonders schade. Ansonsten liebte er alles, was Damian kochte und backte. Und zu seinem Glück setzte bei ihm nichts an, durch das viele Training. So konnte er sich nach Herzenslust durch die Köstlichkeiten schlemmen, die sein Schatz immer am Wochenende kochte.

Hastig machte sich Gerrit auf den Weg nach hause. Er hatte Glück, denn er kam relativ gut durch, er musste nur zweimal hupen. Daheim angekommen packte er nur seine Schwimmsachen weg, drückte seiner Mutter einen Kuss auf und Sabrina nutzte die Zeit, sich im Wagen anzuschnallen und krampfhaft die Töpfe festzuhalten.

Birgit sah ihrem Jungen hinterher. Sie war zweigespalten. Auf der einen Seite gönnte sie ihm sein Glück, auf der anderen Seite fehlte was, wenn er am Wochenende nicht da war.

Sie hatte ihre Kinder gerne um sich und sie hoffte, wenn die erste wilde Zeit vorbei war, dass sie dann vielleicht öfter mal ihren Sohn und seinen Freund im Haus hatte.

„Geht‘s?“, fragte Gerrit Sabrina, denn er wollte keine Suppe auf seinen Polstern haben. Darum fuhr er jetzt auch vorsichtiger, damit nicht doch noch etwas überschwappte.

„Muss“, entgegnete sie. Sie hatte Klarsichtfolie über den Topf gespannt, ehe sie den Deckel aufgesetzt hatte und dann den Deckel an den Henkeln festgebunden. Das sollte die größte Schweinerei verhindern können. „Musst trotzdem nicht so rasen. Damian wird nicht weg sein.“ Sie konnte es auch nicht lassen. Anfangs hatte sie noch nicht geglaubt, dass das mit den beiden gut gehen konnte, doch Damian hatte eine angenehme Wirkung auf ihren Schwachmaten, er war umgänglicher geworden.

„Ich fahr doch gar nicht schnell.“ Trotzdem nahm er etwas Gas weg, damit seine Schwester es leichter hatte, die Töpfe zu halten. „Er wird nicht weg sein, aber je schneller ich da bin, umso mehr Zeit kann ich mit ihm verbringen.“ Gerrit grinste, denn er wusste, dass Sabrina so was nicht hören wollte.

„Hey, noch ist er unser Sohn des Lichts und so lange wir spielen, gehört er nicht dir. Bilde dir das gar nicht erst ein.“ Sie nutzte jede Gelegenheit, ihrem Bruder ein bisschen in die Parade zu fahren, denn sie würde niemals zugeben, dass sie schon beeindruckt war, wie gut er sich integriert hatte.

„Aber erst wenn alle da sind. Davor gehört er mir ganz allein.“ Gerrit lachte, denn dieses Gespräch führten sie jeden Freitag. Er freute sich auf den Abend, denn diesmal spielte er einen Vampir und es machte ihm einen Heidenspaß, zu versuchen, Damian in die Parade zu fahren.

Er hatte sich auch schon ein paar Dinge überlegt und hoffte, dass der Plot so lief, dass er sie auch umsetzen konnte. Sie wollten schon sehen, ob der Sohn des Lichtes unsterblich war. Er kicherte.

„Ich wäre euch verbunden, wenn ihr euch etwas weniger auffällig gegenseitig die Zunge in den Hals und die Pfoten in die Klamotten stecken würdest“, knurrte Sabrina. Die beiden hatten doch manchmal echt kein Schamgefühl! Und das war alles Gerrits schuld, Damian war vorher nie so gewesen!

„Also ehrlich, Bina. Wir küssen uns doch gar nicht, wenn wir spielen. Mal hier und da ein kleines Küsschen zum Trost oder zur Belohnung, aber sonst sind wir doch grundsolide.“ Gerrit lachte, denn er wusste, dass seine Schwester das nicht meinte, sondern gleich ihre Begrüßung. Schließlich hatten sie sich seit Stunden nicht mehr gesehen.

Professor Sieper war wieder da und so gab Damian nur noch selten Seminare. Heute hatte Gerrit noch nicht einmal die Zeit gehabt, ihn in seinem Büro zu besuchen. Sie hatten sich also seit dem Aufstehen nicht mehr gesehen. Zwölf lange Stunden.

„Oh Mann, ich hoffe nur, dass sich das irgendwann mal wieder gibt. Ist ja nicht zu ertragen mit euch.“ Sabrina gab auf. Gegen die Sturheit des Schwachmaten kam sie ja sowieso nicht an und so hatte sie Arwen wieder für sich.

Es hatte sie schon etwas gewurmt, dass die stolze Katze Gerrit einfach so an sich ran ließ und sogar seine Nähe suchte, wenn er da war. Jetzt war sie nicht mehr die einzige, die sie streicheln durfte. Sie hatte beschlossen, dass das nur daran lag, dass Gerrit ihr Bruder war und nach ihr roch.

„Ich hätte nichts dagegen, wenn das so bleibt. Das ist absolut fantastisch.“ Gerrit konnte es einfach nicht lassen, seine Schwester zu ärgern, aber als ihn ein blitzender Blick traf, ließ er es gut sein. Er wollte sich ja nicht mehr streiten. Außerdem hatte sie die unschöne Angewohnheit, ihn dafür im Spiel über die Klinge springen zu lassen. Daria hatte schon drei Gerrit-Charaktere gekillt, auffallend oft, nachdem er mal wieder den Mund zu weit aufgemacht hatte. So lange er also noch ein Anfänger war und an seinem Rollenspiel-Chara hing, sollte er sich etwas zurückhalten und erst auftrumpfen, wenn der Sohn des Lichts ihn retten konnte.

So verlief der Rest der Fahrt schweigend und er nahm ihr einen der Töpfe ab, nachdem sie vor Damians Haus geparkt hatten. Sein Schatz hatte sie wohl schon erspäht, denn der Türsummer ging an, als sie an der Haustür waren. Gerrit sprintete los, damit er vor Sabrina oben war und schon einmal einen Kuss abgreifen konnte. Sabrina ging extra langsam, damit sie sich das nicht antun musste. Stattdessen begrüßte sie Arwen, die gelernt hatte, wenn Gerrit kam, war Sabrina nicht weit und da sich keiner um sie scherte, wollte sie eben von Sabrina beschmust werden. Nun hatte sie auf einer Hand den schweren Topf, den sie balancierte und auf der anderen die Katze. Das grenzte an Akrobatik.

„Hört sofort auf, egal was ihr tut und helft mir. Sonst gibt es keine Suppe“, brüllte sie in den Raum, weil sie keinen Schimmer hatte, wo die beiden sich aufhielten.

Damian kam auch augenblicklich aus der Küche geschossen, gefolgt von einem missmutig dreinblickenden Gerrit, der Kussunterbrechungen gar nicht schätzte.

„Arwen hat Beine, die kann laufen und dann kannst du den Topf mit beiden Händen packen, so schwer ist das nicht, rational zu arbeiten“, knurrte er und griff sich als Ersatz die große Main Coon, doch Arwen wirkte verschnupft. Wer sie vorhin nicht begrüßen wollte, musste jetzt auch nicht schön Wetter machen. Sie ließ es sich zwar gefallen, zeigte aber noch keine Gunstbekundungen.

Selbst als er sie hinter den Ohren kraulte, fing sie nicht an zu schnurren, was sie sonst immer machte, genau wie ihr Herrchen. „Was denn los, Süße“, fragte Gerrit darum und setzte sich mit ihr auf die Couch. Er liebte die Katze, seit er sie das erste Mal hatte kraulen dürfen und er bereute es, dass er sie nicht begrüßt hatte.

„Sie schätzt es nicht, wenn du mich als erstes begrüßt, das habe ich dir schon ein paar mal gesagt, aber du hast ja nichts draus gelernt“, sagte Damian, als er Sabrina den Topf abgenommen und in die Küche getragen hatte. Dann endlich konnte er seine Freundin ebenfalls begrüßen. „Frauen sind bei solchen Sachen sehr nachtragend. Begrüßung verpatzen, Jubiläen vergessen. Sieht nicht gut aus, für eure Beziehung, Schatz“, lachte Damian und stand hinter der Couch, seine Hände auf Gerrits Schultern, um ihn verliebt am Hals zu streicheln.

„Ist das so, Süße?“, fragte Gerrit und küsste Arwen auf das Köpfchen. Dann legte er den Kopf in den Nacken und sah Damian verliebt an. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung vertieft und für ihn war schon lange klar, dass er keinen anderen wollte. Er hatte seinen Deckel gefunden, wie man so schön sagte. Und Damian hatte ihm mehr als einmal gezeigt, dass man ihn, ob seiner Körpergröße, nicht unterschätzen sollte. Außerdem war er Gerrit intellektuell voll gewachsen und er reizte Gerrit auf so vielen Ebenen, dass er immer wieder neue Dinge an seinem Elfen fand, die er liebte, die ihn faszinierten, die ihn schwach werden ließen.

„Komm her, Süße, die haben dich gar nicht verdient“, sagte Sabrina und lockte die Katze zu sich. Arwen beeilte sich, Gerrit die kalte Schulter zu zeigen.

„Da muss ich mich am Wochenende wohl anstrengen“, seufzte Gerrit und zog Damian neben sich.

Der lehnte sich an ihn und ließ sich umarmen. „Was war das denn mit diesem Ingo“, fragte er und Gerrit ließ den Kopf hängen. Er hatte gehofft, dass sein Schatz das vergessen hatte. „Ich hatte Mario mal erzählt, dass du ein Kriegerelf bist und dass die auf Elchen reiten. Inga ist der Elch von Ole und Felix. Also muss der Elch, auf dem du reitest Ingo sein. Und rate mal, wer jetzt einen neuen Spitznamen hat?“ Gerrit grinste schief und lehnte sich an Damian.

Es ratterte zwei Sekunden in Damians Kopf, dann fing er an zu lachen, versuchte es zu verbergen, doch es ging nicht. Er prustete laut und strich seinem Schatz über die Brust. „Braver Ingo“, machte er und fügte flüsternd hinzu: „Ich nenn dich aber nur so, wenn ich dich reite.“ Und lauter: „Deine Freunde haben einen richtigen Elch? Hier?“ Denn das machte Damian doch neugierig. Er mochte Elche sehr gern.

„Da würde es mir sogar gefallen“, flüsterte Gerrit zurück und funkelte kurz Sabrina böse an, die leise kicherte. „Nein, Inga lebt in Schweden, bei Oles Großeltern. Sie ist ein Findelelch und sie haben sie großgezogen. Ole ist Schwede und hat sich unseren Regenwurm geangelt, der völlig elchverrückt ist. Inga und Felix sind dicke Freunde und sie folgt ihm und hört auf ihn, wie ein Hund. Lass dir mal die Bilder von Mario und Jan zeigen.“

Damian machte große Augen. Mittlerweile lag er mit seinem Kopf auf Gerrits Schoß, so konnte er ihn besser ansehen und mit den Fingern durch die weichen noch feuchten Haare streichen. „Wenn sie das nächste Mal hier sind, dürfen sie gern ein paar Bilder mitbringen. Ich mag Elche. Und diese Inga folgt eurem Freund? Kann ich mir gar nicht vorstellen.“

„Ich mach die Suppe warm. Die anderen kommen gleich, dann wollen sie erst mal was essen. Also behaltet die Klamotten an – zu aller Besten.“

„Das werde sie bestimmt gern. Ich habe Inga auch noch nicht live erlebt und wollte es auch erst nicht glauben. Aber Jan und Mario haben Bilder aus Schweden mitgebracht, da lachst du dich schief. Felix wedelt mit einem Arm und Inga mit einem Huf. Er legt sich auf den Boden und Inga macht es nach und im Winter schiebt sie ihn mit ihrem Kopf über einen zugefrorenen See und wenn Ole ihn wiederhaben will, muss er Möhren als Lösegeld bezahlen.“ Gerrit ließ sich streicheln und belohnt Damian immer wieder mit einem Kuss.

„Cool“, musste Damian neidisch zugeben. Einen eigenen Elch, das wäre was. Aber hier wäre das nichts, weder oben in seinem Schlafzimmer noch im winzigen Vorgarten vor dem Mietshaus. „Aber ich glaube, ich bleibe bei Ingo, der reicht mir“, überlegte er und lachte, als er am Bauch dafür gekitzelt wurde, dass er darüber allen ernstes noch nachdenken musste. Dann keuchte er, als Arwen ihm auf den Bauch sprang. So streichelte er seine Lady.

Sabrina sah zu ihnen rüber und seufzte. Die drei gaben wirklich ein schönes Bild ab, wie sie neidvoll zugeben musste. Sie wollte auch jemanden haben, der sie so liebte wie Damian Gerrit. Sie riss sich los und ging in die Küche. Sollten die beiden noch ein wenig Zweisamkeit haben.

Sie klapperte in der Küche ein bisschen herum, damit die beiden wussten, wo sie war und dass sie aktuell nicht gefährdet waren, beobachtet zu werden. Doch das war den beiden sowieso egal. Es kam erst wieder Leben in das Bild, als es klingelte. „Gehe schon!“, brüllte Sabrina, denn sie kannte das hektische Klingeln. Das war Melanie.

„Na ihr?“, rief sie ihren Freunden schon von der Tür aus zu, als sie die Treppe hinauf kamen.

Wie immer kamen Jens, Tess und Melanie zusammen und die beiden Frauen umarmten Sabrina gleichzeitig. „Na, die Beißerchen schon gewetzt?“, lachte Tess und machte den Weg frei für Jens, der die zierliche Blonde ebenfalls an sich zog.

„Und wo ist unser Traumpaar?“ fragte er. Es wäre nicht das erste mal, dass sie in etwas derangierter Kleidung begrüßt wurden.

„Im Wohnzimmer auf der Couch, ich hoffe, sie haben meinen Hinweis verstanden und die Hosen wieder hochgezogen.“ Sabrina redete besonders laut und zuckte, als sich Damian hinter ihr räusperte.

Er hatte sich absichtlich von seinem Liebling noch die Haare verstrubbeln lassen, um seine Freunde nicht zu enttäuschen. „Ich glaube, hier wird über mich gelästert“, stellte er fest und stemmte die Hände in die Seiten, während Arwen in der Küche verschwand und Gerrit langsam in den Flur kam.

„Hy Leute“, begrüßte er die Neuankömmlinge und legte gleich wieder einen Arm um Damian. „Ich hoffe, ihr habt robuste Mägen, Sabrina hat gekocht.“ Das war seine kleine Rache für die kleinen Spitzen, die sie heute wieder verteilt hatte.

Und wie sich das gehörte spielten sie mit. So erklärte Jens, dass er schon gegessen hätte, Melanie wäre auf Diät, um wieder in ihr Lieblingskleid zu passen und Tessa war nicht schnell genug, sich ebenfalls etwas auszudenken und erklärte: „Hab Magentropfen bei.“ Dabei grinste sie schief.

„Ihr seid echt blöd. Dann kriegt ihr eben keine Gulaschsuppe“, knurrte Sabrina. Sie war nicht sauer, so wie sonst, wenn Gerrit sie ärgerte, das wunderte sie selbst. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie wusste, dass alle ihre Suppe gerne aßen, einschließlich ihres Bruders.

„Pizza!“, rief Gerrit, doch er bekam einen Ellenbogen in die Seite gerammt, das Zeichen, dass jetzt wieder gut war. Wenn sie noch weiter stänkerten, kamen sie heute gar nicht mehr zum Spielen und das war irgendwie nicht akzeptabel.

Auch Arwen vor dem leeren Napf machte ihrem Unmut Luft und maunzte beleidigt, so dass Damian sich beeilte und der Rest kam ebenfalls in die große Küche. Jeder hatte seinen Platz am großen Esstisch und schnell waren Teller verteilt.

Jetzt wurden erst einmal die Neuigkeiten seit dem letzten Treffen ausgetauscht und der erste Teller war schon leer, als es schellte und auch Martin endlich ihre Runde komplettierte. „Sorry, ich habe es echt nicht eher geschafft? Ist noch was zu essen da? Ich habe Hunger.“

„Hast Glück, der verfressene Schwimmer wurde mit einer Gabel in Schach gehalten. Nimm dir schnell was – ich kann ihn nicht mehr lange bändigen“, erklärte Sabrina und zog die Füße weg. Sie wusste, wie Gerrit sich gern rächte. Sie streckte ihm nur die Zunge raus und setzte Martin neben Gisela, die vor einer halben Stunde mit dem Bus gekommen war. Endlich waren sie vollzählig und konnten planen – wie es weiter ging.

„Ja, was habt ihr euch als nächsten Plot gedacht? Mit dem jetzigen sind wir ja fast durch“, fragte Jens und sah Damian und Sabrina an. Alle waren ganz heiß auf ein neues Spiel, seit sie sich in die neue Welt hineingefunden hatten.

„Ich weiß nicht“, sagte Sabrina und wechselte mit Damian einen Blick. Der war gerade damit beschäftigt, alle noch einmal mit Getränken zu versorgen.

Er stellte die Gläser auf den Tisch und stellte sich hinter Gerrit. „Ich habe da schon was im Auge, aber dafür muss ich vorher noch etwas anderes erledigen.“ Er griff in seine Hosentasche und holte einen kleinen Beutel raus und gab in Gerrit. „Das ist für dich, Schatz.“

„Ich hab noch Kondome“, entgegnete der und grinste dreckig, als Sabrina die Augen verdrehte und Damian leise knurrte. Also ließ er den Beutel auf seiner Hand tanzen, es klapperte leise und als er ihn öffnete, kullerten Würfel auf seine Hand. Gerrit machte große Augen. „Meine eigenen Würfel? Ich darf jetzt richtig bei euch mitmachen?“ Er sah in die Runde, dann zog er Damian zu sich, zu einem Kuss. Er war ergriffen und konnte das nicht anders zeigen.

„Danke, Schatz“, murmelte er an Damians Lippen und besah sich seine Würfel. Jeder hatte eine andere Farbe, damit man sie gut auseinanderhalten konnte. Seine waren aus schwarzem Stein, mit silbernen Zahlen. Damit hatte Damian genau seinen Geschmack getroffen. Er schloss die Finger um sein Geschenk und zog Damian auf seinen Schoß und sah Sabrina an. Schließlich war sie nicht begeistert davon gewesen, dass ihr Schwachmat-Bruder in die Gruppe kam, aber sie nickte nur lächelnd. „Ihr wisst, was ihr euch mit mir eingetreten habt?“, lachte er und ließ seine Würfel über den Tisch rollen. Wer hätte gedacht, dass ein Rollenspielhasser, wie er, einmal sein Glück bei einem Rollenspieler fand. Er sah Damian verliebt an und küsste ihn. „Egal, wer die Würfel für mein Leben geworfen hat, er hätte es nicht besser machen können.“

Ende