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04

 

Chaotizitaet: Zwölf Tage im Dezember

 

4. Dezember

V.

Lachend wirbelte Andrew Katharina über die Tanzfläche. Es tat gut, das Au-pair-Mädchen seines Bruders und seiner Schwägerin einmal so gänzlich unbeschwert zu sehen. Er war überrascht gewesen, als Katharina bei ihm angerufen und ihn gefragt hatte, ob er für diesen Abend schon etwas vorhatte. Für gewöhnlich hatte sie freitags den Abend frei oder auch mal den Sonntag, aber unter der Woche war so etwas eher selten. Als er sie darauf ansprach, erklärte sie ihm, dass Lady Talmock gemeint habe, sie sehe etwas blass und abgespannt aus, und da sie selbst an dem Abend zu Hause zu bleiben gedenke, solle sich Katharina einen schönen Abend machen. Ein Angebot, das das Au-pair-Mädchen natürlich nicht abgelehnt hatte.

Andrew hatte gelächelt. Es sah seiner Schwägerin ähnlich, sich so um das Wohl des Au-pair-Mädchens zu kümmern. Andererseits wusste Alexandra Fitzstephen, Lady Talmock, genau, wie viel Stress es bedeutete, sich um vier Kinder im Alter zwischen zwei und acht Jahren zu kümmern und nebenbei noch mit einem fremden Land und einer fremden Sprache – egal wie gut man diese bereits zuvor in der Schule gelernt hatte – zurecht zu kommen.

Natürlich hatte ein so spontaner freier Abend aber auch bedeutet, dass Katharinas Bekannte aus dem Sprachkurs, mit denen sie sonst ihre Freizeit verbrachte, keine Zeit hatten und so hatte sie sich an ihn gewandt. Denn trotzdem sie bereits seit August in England war, war der Bekanntenkreis der jungen Frau verständlicherweise immer noch recht begrenzt. Andrew aber kannte sie von verschiedenen Ausflügen mit den Kindern recht gut und so hatte sich zwischen ihnen eine Art geschwisterliche Beziehung entwickelt. Dazu mochte auch beigetragen haben, dass Katharina sich bei Andrew keine Gedanken über doppeldeutige Bemerkungen oder Flirtereien machen musste.

Da Andrew an diesem Abend noch nichts vorgehabt hatte, war er sofort bereit gewesen, den Abend mit ihr zu verbringen und er hatte auch nichts dagegen gehabt, als sie ihm anvertraute, dass sie gerne einmal wieder tanzen gehen wollte. Und so hatte sie der Weg in einen der angesagtesten Salsa-Clubs der Stadt geführt. Der Laden genoss seinen Ruf nicht umsonst, die Musik war gut und obgleich recht laut, nicht so laut, dass man dauerhafte Hörschäden befürchten musste. Die Preise für Getränke waren zwar eher von der gehobenen Kategorie, waren aber noch zu verschmerzen. Besonders wenn man sich nicht an Cocktails oder Champagner betrinken wollte. Kurz, Andrew und Katharina genossen den Abend.

 

Gerade ging wieder ein Lied zu Ende und Andrew zog Katharina von der Tanzfläche. Er wollte ihnen was zu Trinken organisieren, denn es ging nicht an, dass sie sich beim Tanzen so verausgabten, dass er am nächsten Tag Ärger mit seiner Schwägerin bekam, weil deren Au-pair-Mädchen vollkommen dehydriert heimgekommen war. Auf dem Weg zur Bar kam es ihm mit einem Mal so vor, als würde er beobachtet. Doch als er sich umblickte, konnte er in der Menge zunächst niemanden ausmachen, der ihm bekannt vorkam, denn auch wenn es ein normaler Wochentag war, gab es in London stets genug Leute, denen die Laune nach Feiern stand, um den Laden gut zu füllen. Erst als er mit zwei großen Gläsern Wasser sich wieder seinen Weg zu Katharina bahnte, erblickte er in der Menge ein vertrautes Gesicht: Garrett Crady!

„Na, wenn das kein Zufall ist!“, murmelte er und reichte Katharina ein Glas.

„Was? Was meinst du?“, erkundigte sich die junge Frau.

„Ach, nichts weiter. Ich habe nur gerade in der Menge ein bekanntes Gesicht entdeckt“, erwiderte Andrew.

„Einen Promi?“ Die Art wie Katharina das sagte, ließ Andrew sich beinahe an seinem Wasser verschlucken. Hastig schluckte er runter und lachte dann laut heraus.

„Schatz, du klingst als hofftest du heimlich hier Prinz Harry oder so zu sehen. Oder schlimmer noch, einen Hollywood-Schauspieler, nur um dann deine Handykamera zu zücken und das Bild an die hiesigen Klatschportale zu schicken.“

Katharina sah für einen Moment empört drein. „Ich würde nie Fotos an die Presse schicken.“

„Aber auf Prinz Harry hoffst du dennoch, gib es zu“, erwiderte Andrew gutmütig stichelnd.

„Klar, aber hey, ein Mädchen darf doch träumen. Bei uns zu Hause gibt es nun mal keine Königsfamilie. Und was die heimische Politprominenz betrifft, so ist da wahrlich nichts zum anschwärmen dabei“, verteidigte sich Katharina.

Dem konnte Andrew nur lachend zustimmen. In sofern verstand er Katharinas Wunsch nach ein wenig Royals-Erspähen durchaus. Dennoch würde er ihr klar machen, dass sein Bekannter, obgleich wirklich bekannt, nicht als Promi zu behandeln war. „Zurück zum Thema, das bekannte Gesicht, das ich meinte, dürftest du tatsächlich aus der Klatschpresse kennen. Da ich ihn aber am Samstag persönlich kennen gelernt habe und da es unhöflich wäre, ihn nicht zu begrüßen, muss ich dich bitten, ihn ganz normal zu behandeln. Denn letztlich ist er ein ganz normaler, hart arbeitender Mensch, der nur leider das Pech hatte in das Visier der Presse zu geraten.“

„Uh, das klingt ja reichlich geheimnisvoll“, erwiderte Katharina grinsend. „Aber gut, ich verspreche ihn nicht promi-mäßig anzusabbern und durch die so entstehenden Pfützen eine Gefahr für die übrigen Gäste heraufzubeschwören.“

Andrew schüttelte nur den Kopf. Manchmal wusste er echt nicht, woher das Mädchen diese unsinnigen Ideen nahm.

„Jetzt sag schon, wer ist es?“

„Garrett Crady.“

Einen Moment lang herrschte Schweigen. Dann breitete sich ein mehr als breites Grinsen auf Katharinas Gesicht aus. „Ha, ich wusste es! Hab ich dich also doch in dem Foto von der Wohltätigkeitsveranstaltung von Samstag Abend wieder erkannt. Mr. Mysteriös!“

Andrew verzog gepeinigt das Gesicht. Auch er hatte am nächsten Tag die Neugier nicht bezähmen können und sich am Kiosk das allwissendste Klatschblatt des ganzen Blätterwaldes gekauft. Tatsächlich hatte man Garrett und ihn eines Fotos für würdig befunden, aber erstaunlicherweise hatte sich die Presse ausnahmsweise damit zufrieden gegeben, zu postulieren, dass es sich bei Mr. Cradys Begleitung wohl um einen alten Schulfreund handelte. Eine mögliche und überaus wahrscheinliche Erklärung, weshalb die Presse diese These in den Raum gestellt hatte, war, dass der zuständige Journalist weiblich war und selbst ein wenig für den gut aussehenden Mr. Crady schwärmte und somit nicht geneigt war, ihn als an die Männerwelt verloren zu haben darzustellen. Wie dem auch sei, die Tatsache, dass man über Andrew nichts hatte herausfinden können – was, wie Andrew glaubt, vermutlich seinem lieben Bruder geschuldet war, dem es zuzutrauen war, dass er dafür gesorgt hatte, dass die Presse nicht nahe genug an sie heran kam, um etwas Wesentliches zu erfahren –, die Reporterin ihn aber als durchaus ebenfalls gut aussehend eingestuft hatte, hatte dazu geführt, dass er als Mr. Mysteriös bezeichnet worden war. Ein überaus lächerlicher Titel, wie Andrew fand, der in diesem Fall nichts für Alliterationen übrig hatte. „Ja, ja, ist ja gut. Dann hast du mich eben erkannt. Aber das war Samstag und wie du dich sicher erinnerst, hat die Presse beschlossen, dass ich ein alter Bekannter von Crady bin. Und wie das mit alten Bekannten ist, ignoriert man sie nicht, wenn man ihnen in der Öffentlichkeit zufällig begegnet. Ebenso wenig, wie man zulässt, dass sie von einem Promi jagenden Au-pair-Mädchen angeschmachtet werden...“

Empört streckte Katharina ihm ganz erwachsen die Zunge raus. „Was meinst du, ob Mr. Crady auch mit mir tanzt?“ Offenbar hatte sie trotz Andrews Ermahnung diese Frage nicht unterdrücken können.  

Andrew verdrehte die Augen und bat inniglich um Geduld.

„Hey, ich mein das nur ganz allgemein, unter alten Bekannten und ihren Begleitern.“

„Klar, und du willst mir weiß machen, dass du morgen keinem deiner Klassenkameraden davon erzählst?“

„Aber nur, weil du es bist“, erwiderte die junge Frau nach kurzem Zögern. „Dabei solltest du mich eigentlich besser kennen, Andrew. Schließlich habe ich auch niemandem erzählt, dass ich Mr. Mysteriös kenne. Aber hey, wie wäre es, wenn ich morgen allen erzählte, dass ich mit Mr. Mysteriös tanzen war?“

„Untersteh dich!“ Drohend hob Andrew den Zeigefinger, erkannte dann aber den Schalk in Katharinas Augen. „Na komm, wollen wir mal sehen, ob du dein Keine-Pfützen-Versprechen einhalten kannst.“

 

Zum Glück saß Garrett noch immer am selben Tisch wie zuvor, als Andrew, dicht gefolgt von Katharina, sich den Weg zu ihm bahnte.

„Hi! Na, das nenn ich eine Überraschung“, begrüßte Andrew Garrett.

„Hallo auch“, erwiderte Garrett. Dann wanderte sein Blick zu Katharina und wieder zu Andrew zurück. „Ich dachte, du wärst schwul?“, fragte er. Doch offenbar war ihm diese Offenheit sofort peinlich, denn er beeilte sich hinterher zu schieben: „Oder zumindest habe ich am Samstag jemanden getroffen, der Ihnen zum Verwechseln ähnlich sieht und gesagt hat, er sei schwul.“

Andrew lachte. „Schon in Ordnung. Ich bin nach wie vor schwul. Das hier ist Katharina, meine neuste kleine Schwester. Na ja, so was wie eine Adoptivschwester. Und das auch nur auf Zeit. Eigentlich ist sie das Au-pair-Mädchen von meinem Bruder und kümmert sich um dessen Rasselbande.“

Katharina und Garrett schüttelten einander die Hände.

In dem Moment kamen Phil und Charles von der Tanzfläche und die Vorstellungsrunde ging grad noch eins weiter. Dann aber entführte Charles Katharina prompt auf die Tanzfläche, was diese sich sehr gern gefallen ließ, war Tanzen doch der Grund, weshalb sie eigentlich hierher gekommen waren. Andrew hingegen schlüpfte auf einen neben Garrett freiwerdenden Platz.

„Ich hoffe, es stört dich nicht?“, fragte er Garrett und wies auf sich und den Platz.

Garrett schüttelte den Kopf. „Im Gegenteil. Endlich jemand Vernünftiges in diesem Laden.“

Phil, der sich einen Stuhl herangezogen hatte, verzog das Gesicht. „Und was ist mit uns?“

„Genau deswegen ja“, gab Garrett gutmütig zurück. „Du willst mir doch nicht erzählen, dass du nach all den Jahren und verrückten Experimenten tatsächlich vernünftig geworden bist.“

Phil kratzte sich nachdenklich im Nacken. „Okay, ich glaube, das wohl eher nicht.“

Garrett beugte sich zu Andrew hinüber. „Phil ist diesbezüglich ähnlich wie Charles... und beide wie Peter Pan. Sie wollen einfach nicht erwachsen werden. Ich befürchte, wenn Phil nicht den Posten an der Universität von York bekommen hätte, stünde es schlimm um ihn.“

„Das sagst du aber auch nur, weil du genau weißt, dass ich in diesem Fall dann bei dir angekrochen gekommen wäre und dich um einen Job gebeten hätte, den du mir natürlich gegeben hättest.“

„Ja, klar, und keine drei Wochen später wäre ich mit den Einsatzteams der örtlichen Seuchen- und Bombenkommandos, von den Feuerwehrleuten ganz zu schweigen, per Du gewesen.“

„Hey, ich hab in York erst ein einziges Mal dafür gesorgt, dass die Feuerwehr ausrücken musste, und da war noch nicht einmal ich dran Schuld, sondern die Firma, welche die Abzugsfallsteine zu leicht aufgehängt hatte“, verteidigte sich Phil.

„Ich seh schon“, mischte sich Andrew ein, „ich bin wirklich der einzig Vernünftige hier in dem Laden.“ Die Art, wie er es sagte, machte deutlich, dass er in diesem Scherz auch Garrett von den Vernünftigen ausnahm.

„Endlich ein Mann, der klar sieht“, pflichtete Phil ihm auch prompt bei.

„Ja, ja, verschwört euch nur alle gegen mich“, grummelte Garrett gutmütig.

„Apropos Verschwörung... ich erinnere mich da an eine gewisse Vereinbarung in Punkto Tanzen...“ Phil hob die Augenbrauen.

Garrett sah auf die Uhr. „Und darf ich dich daran erinnern, dass ich noch ganze zwölf Minuten Freiheit übrig habe?“

„Tick, tack, tick tack.“

„Ich sag doch, Peter Pan. Er kann sogar schon perfekt das Krokodil nachmachen!”, meinte Garrett zu Andrew gewandt. „Wie sieht es aus, wenn die Uhr zu ticken aufhört, türmst du dann mit mir und rettest mich?“, fragte er scherzend.

„Worum geht es eigentlich?“, wollte Andrew nun wissen.

„Och“, sagte Phil genüsslich, „nur darum, Garrett auf die Tanzfläche zu bewegen. Der Held hier kann nämlich eigentlich sehr gut tanzen, ziert sich nur immer fürchterlich. Er schafft es sogar einen ganzen Abend lang ein Glas Wasser anzustarren, als läge darin der Sinn des Lebens. Also setzen wir ihm bei solchen Gelegenheiten gerne ein Ultimatum... entweder er sucht sich in der Zeit seine Tanzpartnerin selbst, oder wir suchen ihm eine. Wobei es natürlich auch sein kann, dass einer von uns in die Bresche springt und den Part der bezaubernden Dame übernimmt.“

Andrew lachte. „Das sollte heute doch wohl wirklich kein Problem sein. Tanz einfach mit Katharina, wenn sie mit Charles von der Tanzfläche zurückkommt.“

„Oh nein, kleine Schwestern zählen bei so etwas nicht“, widersprach Phil prompt, und nur um Garrett ein wenig leiden zu sehen.

„Katharina ist meine kleine Schwester, nicht aber Garretts, von daher vollkommen legitim“, erwiderte Andrew. „Komm schon, Garrett, dem zeigen wir es.“ Und noch ehe Garrett etwas Gegenteiliges sagen konnte, hatte Andrew ihn hinter sich her auf die Tanzfläche gezerrt, wo Katharina noch immer mit Charles tanzte.

Gekonnt tippte Andrew Charles auf die Schulter. „Zeit zum Wechsel“, sagte er. Doch so einfach, wie Andrew sich das vorgestellt hatte, machte Garrett es ihm dann doch nicht. Stattdessen stand er eher wie angewurzelt vor Katharina, was angesichts der ins Blut gehenden Rhythmen der Musik wirklich ein Kunststück war. Aber Garrett war eben ein Sturkopf wie er im Buche stand.

Als offensichtlich wurde, dass Garrett, nur um auf seinem Punkt zu beharren, stocksteif stehen bleiben würde, wurde es Andrew zu bunt und er flüsterte Katharina ins Ohr: „Lust auf einen flotten Dreier? Muss ja schließlich nicht immer Paartanz sein.“

Katharina blinzelte ihn fragend an, war aber, als sie den Schalk in Andrews Augen sah, sofort dafür zu haben.

„Na dann, Hände auf Mr. Crady’s Schultern und nicht wundern, wenn ich mich gleich an dich dränge. Ich muss nämlich an seine Hüften gelangen.“

Dergestalt gefangen genommen, konnte der verdutzte Garrett kaum anders als sich dem Drängen der Körper zu ergeben und brav Schritt vor und zurück zu tätigen, wobei er Andrew über Katharinas Schulter hinweg böse Blicke zuwarf.

„Ach, nun komm schon, entspann dich. Niemand macht dich hier an, wir tanzen nur mit dir. Und verhindern so, dass dich deine Freunde dazu verdonnern mit Nofretetes Mumie zu tanzen!“

Kurz blitzte so etwas wie Panik in Garretts Augen auf, als er sich vorstellte, wie seine Freunde allen Ernstes sich in Klopapier hüllten, um die ägyptische Königin zu mimen. Dann aber schüttelte er resignierend den Kopf und ergab sich der Musik. Denn es war ja nicht so, als könnte er nicht tanzen. Oder als würde er Musik nicht mögen. Er hasste es nur, dabei angestarrt zu werden. Allerdings führte daran jetzt kein Weg mehr vorbei, denn ein Dreier auf dem Parkett wurde unweigerlich angestarrt.

Bald schon ließ Andrew Garretts Hüften los und legte seine Hände stattdessen auf Katharinas Oberarme, damit Garrett wiederum seine Hände auf Katharinas Hüften legen konnte und nach ein paar weiteren Takten hatten sie alle einen gemeinsamen Rhythmus gefunden, der es ihnen auch erlaubte, die Formation zu öffnen und Drehungen und Paraden einzugliedern.

Als das Lied schließlich zu Ende ging, waren sie reichlich außer Atem und von dem Tisch, an dem inzwischen alle drei Mitglieder von PCP saßen, dröhnte ihnen fröhliches Johlen und Beifall entgegen.

„So, und nun tanzt ihr zwei noch eine Runde allein weiter, während ich uns noch was zu Trinken organisiere“, meinte Andrew, der seine Mission als erfolgreich beendet sah und zugleich tatsächlich wieder Durst bekommen hatte. Was er dabei allerdings für sich behielt, war, dass er dringend etwas Abstand von Garrett brauchte. Die wenigen Minuten, da er seine Hände auf dessen Hüften hatte liegen gehabt, hatten vollkommen ausgereicht, um seinen ganzen Körper zum Prickeln zu bringen. Kein gutes Zeichen, wenn man vorhatte, nur ein guter Freund zu sein. Und Andrew hatte wirklich vor, Garrett nur ein guter Freund zu sein. Nun ja, zumindest solange er keinerlei Signale von dem anderen bekam, dass seine Aufmerksamkeiten auch in anderer Hinsicht erwünscht wären. Denn nichts war frustrierender und am Ende schmerzlicher als sich als Schwuler in einen ausgemachten Hetero zu verlieben. Also besser es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Auch wenn Garrett es einem alles andere als leicht machte – besonders wenn er lachte. Gerade das mit dem Lachen hatte Andrew bereits am Samstag feststellen müssen und selbst jetzt, wo dieser mit Katharina tanzte, faszinierte ihn der heitere Gesichtsausdruck. Und überhaupt, hatte man wirklich darauf Einfluss und konnte der Kopf über das Herz siegen?

Andrew seufzte und trank sein Wasser in großen Schlucken, in der Hoffnung, dass es ihn auf mehr als nur eine Weise abkühlen würde.

Und dann war Garrett plötzlich wieder neben ihm, dankte ihm für das Getränk und Andrew musste an sich halten vor Frust nicht laut raus zu schreien.

„Wie sieht es aus, hast du am Freitag Nachmittag schon was vor? Da ist nämlich Prakashs Hochzeit und, na ja, ich dachte, vielleicht würdest du wieder meine Begleitung mimen.“ Gelöst und mit sich selbst völlig im Reinen schaute Garrett Andrew fragend an.

Andrew wünschte, er könnte in diesem Moment ähnlich empfinden wie Garrett. Dann überdachte er noch einmal das eben gehörte. „Ähm, habe ich das richtig verstanden? Du fragst mich, ob ich mit dir zu einer – vermutlich hübsch traditionellen und nicht bloß Motto mäßigen – indischen Hochzeit gehe?“

Garrett nickte. „Als alter Studienfreund kann ich mich schlecht drücken, irgendwer muss ja schließlich Phil und Charles davon abhalten, die Hochzeit mit irgendwelchen schlechten Chemikerscherzen zu ruinieren.“

„Sag bloß nichts Falsches über mein geplantes Feuerwerk“, warf Charles von der Seite ein, doch Andrew ignorierte ihn. Beinahe tausend Gedanken stürzten gleichzeitig auf ihn ein, zumindest kam es ihm so vor. Punkt eins: Er war schwul. Punkt zwei: Er machte nie ein Geheimnis daraus. Punkt drei: Er hatte ehrlich keine Ahnung, wie traditionell eingestellte Hindus zu Homosexualität standen. Selbst wenn er nur als guter Freund Garretts zu der Hochzeit ging, war es irgendwie unvermeidlich, dass wenigstens ein paar der übrigen Gäste von seiner Orientierung erfuhren und das Letzte, was Andrew wollte, war, in einer Umgebung, die er nicht einzuschätzen wusste, möglicherweise Unannehmlichkeiten heraufzubeschwören.

„Freitag?“, kam es da von Katharina und sie zog Andrew Besitz ergreifend an sich. „Freitag ist dieses Goldstück hier leider schon vergeben.“

„Huh?“ Irritiert sah Andrew Katharina an.

„Oder hast du etwa schon vergessen, dass wir da mit den Kindern ins Winter Wonderland in den Hyde Park wollen?“

Vergessen hatte er es nicht, eher war es ihm in diesem Moment unter all den anderen Gedanken entgangen. Insgeheim aber atmete er erleichtert auf, auf diese Weise elegant aus der Sache herauszukommen. „Stimmt. Das hatte ich der Rasselbande versprochen. Und“, wandte er sich wieder an Garrett, „du glaubst ja nicht, was für herzzerreißende Kulleraugen insbesondere Anne und Richard machen können.“

Katharina nickte. „Ich möchte mir das Theater nicht vorstellen, wenn ich Anne offenbaren muss, dass ihr Onkel keine Zeit hat, mit ihr ins Ice Kingdom zu gehen. Und Richard ist seit Tagen kaum dazu zu bewegen, seinen dicken Wintermantel auszuziehen, nur um sicher zu gehen, dass er ihn nicht vergisst und dann am Ende im Ice Kingdom friert.“

„Du siehst also, selbst wenn ich wollte, meine Zeit ist Freitag schon verbucht.“ Andrew warf Garrett einen entschuldigenden Blick zu. „Aber ich bin mir sicher, dass du dort auch alleine hingehen darfst.“ Ein fragender Blick in Prakashs Richtung wurde mit einem Nicken beantwortet. Dann erwiderte der Inder jedoch: „Allerdings muss er sich dann mit den geballten Kuppelversuchen meiner gesamten Verwandtschaft, alter wie angeheirateter, auseinandersetzen.“

„Das müsste er auch, wenn ich ihn begleitete“, erwiderte Andrew gespielt gelassen, obwohl ihm ein winziger Stich, der ganz sicher nicht seinem Herzen gegolten hatte, wissen ließ, dass er von der Aussicht eines Garretts, der von nicht weniger als zwanzig Bollywood-Schönheiten umgarnt wurde, herzlich wenig hielt. Vielleicht sollte er doch versuchen, den Ausflug in den Hyde Park zu verschieben... dann sähe er sich zwar selbst den Kuppelversuchen ausgesetzt, aber dann wären es immerhin nur noch zehn Bollywood-Schönheiten, die Garrett umgarnten, weil er selbst natürlich die andere Hälfte bekäme... Energisch rief Andrew sich zur Vernunft. Er würde natürlich den Ausflug nicht verschieben. Wer war er denn? Er war schließlich nicht der Vater der Kinder, auf den in derlei Dingen kein Verlass war, sondern der stets seine Versprechen haltende Onkel.

Dann erschien auf Garretts Gesicht ein Ausdruck, den man wohl getrost als diabolisch genial bezeichnen konnte. „Na, dann werde ich dich wohl aus der Ferne von all den Begebenheiten informieren müssen“, beschloss er und fügte hinzu: „Schließlich wird kaum einer etwas dabei denken, wenn ich nach der Zeremonie gelegentlich mit meinem Smartphone Informationen abrufe und verschicke. Immerhin bin ich der viel beschäftigte Vorstandsvorsitzende von Crady Pharmaceuticals!“

Man sah es PCP an, dass sie am liebsten hier und jetzt Garrett das Versprechen abgerungen hätten, das Handy am Freitag auszuschalten, unter Androhung, dass sie es andernfalls ihm wegnehmen und im Gartenteich ertränken müssten. Aber ihnen war auch bewusst, dass die Mehrzahl der anwesenden Gäste ähnliche Handys haben und auch benutzen würden, um die Hochzeit vor allem in Bild und Ton festzuhalten. Moderne Zeiten eben.

„Dazu müsstest du aber erst mal meine Nummer haben“, konterte Andrew rasch. Denn noch hatten sie keinerlei Kontaktdaten ausgetauscht, die über Namen und Arbeitsplatz hinausgingen. Sicher, damit konnte man einander im absoluten Notfall finden, aber Handynummern... War er dazu schon bereit? Hieße das nicht, der Hoffnung Tür und Tor zu öffnen?

 




Laila: Ein Bild für die Ewigkeit

 

Teil 2

 

 

Nachdem er stundenlang durch Länder und Kontinente gestreift war, verschwand das bisschen Hoffnung, dass er noch hatte.

Er war an so vielen Orten gewesen.

Schließlich fand er sich in England, in der Nähe der Grafschaft, Kent wieder. Dort hatte er vor vielen Jahren ein Landgut gekauft. Es hatte nur für kurze Zeit sein sollen, aber Timothy gefiel es, also hatten sie es behalten.

Das Herrenhaus lag in einem großen Waldstück und war nur über eine Zufahrtsstraße zu erreichen. Es war eine schöne Gegend. Hier hatten beide ihre Ruhe. Der Vampir konnte jagen gehen und Timothy hatte hier schon einige Zaubersprüche ausprobiert.

Er konzentrierte seine Kräfte und suchte nach einem Herzschlag, oder eher nach Timothy.

Da war etwas. Ein Gefühl. Der Hauch eines Erkennens. Aber so wie Falcon das Gefühl hatte, er hätte Timothy gespürt, so war es wieder verschwunden.

Mit einem lauten Knurren schlug Falcon mit der Faust gegen einen Baumstamm. Aber es brachte ihm keine Linderung.

Das Holz knackte unter der rauen Behandlung und zerbrach in zwei Teile.

Ohne sich Gedanken darum zu machen, marschierte er Richtung Herrenhaus. Was genau ihn dort hin trieb, wusste er nicht.

Je näher er dem Haus kam, desto stärker wurde das Gefühl, dass ihn jemand beobachtete. Da war etwas in den Schatten, aber er konnte es nicht greifen.

Er konnte auch nicht sagen, ob es Timothy war.

 

Das Herrenhaus wirkte im ersten Moment verlassen, aber dem war nicht so.
Da sie nur ein oder mal im Jahr nach Kent kamen, wurde das Haus und das gesamte Grundstück von Elias und Valerio, zwei Freunden in Ordnung gehalten.

Elias, der gefallene Engel und Valerio, der Vampir. Sie kannten sich seit Jahrhunderten und waren Freunde.

Seine Schritte wurden immer langsamer. Seine Sinne schweiften umher, fanden aber nur das Gefühl von Nähe. Da war eine Präsenz, aber sie war nicht greifbar.

Auch Elias und Valerio waren nicht hier.

Dennoch umrundete er das Haus. Dahinter lag ein wunderschöner, großer und gepflegter Garten.

Der Garten wurde von zwei verschlungenen Wegen durchzogen, an dessen Seiten die verschiedensten Blumen wuchsen und ihren Duft verströmten.

Neben einer geräumigen Terrasse gab es auch einen Pavillon aus Holz.

Dorthin trugen ihn seine Schritte.

Als er den Pavillon fast erreicht hatte, blieb er plötzlich stehen.

Die fremde Präsenz wurde stärker. Da war jemand, da war sich der Vampir sicher. Aber er wusste nicht, warum er ihn nicht spüren konnte.

Sein untotes Herz, machte einen Satz, als in ihm die Hoffnung auskeimte, es könnte Timothy sein.

Ohne weiter darüber nachzudenken, betrat er ihn.

Was er genau in dem Moment fühlte, als er Timothy verweint auf dem Boden sitzen sah, konnte er nicht mehr sagen.

Sein wunderschöner Mann hockte zusammen gekauert auf der Erde und weinte.

Ruckartig hob er den Kopf und starrte Falcon an.

Dieser blieb stehen, verlor sich einen Moment in dem Anblick.

Abwehrend hob Timothy die Hände, als wollte er Falcon mittels Magie von sich fern halten, aber der Vampir war mit einem Satz bei ihm.

In den schönen, katzengrünen Augen des Magiers spiegelten sich die unterschiedlichsten Gefühle wieder. Angefangen von Wut, Trauer, Überraschung bis hin zu Hoffnung.

„Timothy“, flüsterte Falcon.

Er spürte den Schmerz in sich. Diese unbändige Schwäche.

Er hatte Mühe seine Tränen zurück zu halten. Was hatte er bloß getan? Er hatte Timothy zum weinen gebracht.

„Lass mich in Ruhe. Ich will dich nicht sehen“, schniefte sein Mann.

Demonstrativ senkte er den Kopf und vergrub ihn zwischen seinen Knien.

Er wollte Falcon nicht sehen oder mit ihm reden.

Aber dieser knurrte nur leise. Traute sich aber nicht Timothy zu berühren, auch wenn alles im ihm danach schrie.

„Bitte Schatz, sieh mich an. Ich brauche dich“, flehte Falcon.

Es war Schwäche, aber er konnte nicht anders. Dieser Mann war sein Leben und er wollte es wieder haben.

„Es tut mir Leid. Ich weiß nicht, wie das alles passieren konnte, aber ich liebe dich und ich will dich wieder haben. Ohne dich bin ich ein Nichts. Bitte.“

Direkt neben Timothy ließ er sich auf den Boden gleiten. Ihre Knie berührten sich ganz leicht.

Der Magier hob den Kopf und blinzelte ihn an. Für einen Moment starrten sie sich einfach nur an.

„Das fällt dir verdammt zeitig ein, Falcon Hunter. Ich kann nicht einfach so tun, als wäre heute Morgen nichts passiert. Ich bin vieles von dir gewöhnt, aber das war einfach zu viel. Dann brauchst du auch nicht wieder ankommen und jammern.“

Die letzten Worte wurden immer leise. Schluchzend schlug er mit der Hand auf den Steinboden.

Es tat so weh.

Der Schmerz war so gewaltig, dass er Timothy mit sich riss.

Der Magier zog die Knie noch weiter an und hatte Mühe zu atmen.

„Ich liebe dich. Ich weiß, dass ich ein verdammter Idiot bin, aber ich gebe dich nicht auf. Bitte Timothy.“

Auch wenn er es besser wusste, berührte er seine Mann am Kinn und wollte ihn so zwingen ihn anzusehen, aber sofort bekam er einen magischen Stromschlag.

Dieser schleuderte ihn quer durch den ganzen Pavillon.

Benommen blieb er auf der anderen Seite liegen.

„Willst du wissen, wie es mir geht, dann nur zu“, schrie der Rotschopf.

Er öffnete den Mentalen Kanal zu Falcon und schickte ihm all seinen Schmerz.

Stöhnend blieb der Vampir liegen.

Die Qual in seinem Kopf konnte er kaum ertragen.

Bilder, Gedanken und Schmerz schossen durch seinen Kopf und raubten ihm die Sinne. Das war mehr als er ertragen konnte.

Er sah und spürte das Unwetter, welches Timothy verursacht hatte. Wie er sich später hier her verkrochen hatte.

Neben ihm stand sein Mann und schniefte.

Fauchend wandte sich Falcon um und schickte Timothy seinerseits seine Gefühle.

Keuchend ging der Magier in die Knie.

Falcons Gefühle waren auch für ihn zu viel. Da war so viel Wut und Angst. Der Schmerz, ihn, Timothy zu verlieren.

Minutenlang wurde der Pavillon von Schmerzenslauten erfüllt.

Timothy sah wie Falcon bei Rovan war. Diesem sein Leid klagte. Dabei das kleine Bild in der Hand. Er spürte die tiefe Verzweiflung als er ihn nicht fand und den Verlust der Mentalenverbindung.

Als sich Falcon wieder etwas unter Kontrolle hatte, griff er nach Timothy und zog ihn an.

Blutige Tränen rannen über seine Wangen.

„Mein geliebter kleiner Magier. Bitte, bitte vergib mir. Ohne dich will ich nicht leben. Wenn du mich töten willst, dann tue es, aber hör auf mich zu quälen.“

Vor dem Tod hatte er wirklich keine Angst. Ohne Timothy konnte er eh nicht sein. Was machte es da aus, von dessen Hand zu sterben?

Aber der Magier schniefte nur.

„Du dummer Idiot. Ich kann und werde dich doch nicht töten. Das kann ich nicht. Ich liebe dich auch viel zu sehr, als das ich nur ohne dich sein könnte. Aber das tat vorhin alle so weh. Ich dachte, du willst mich nicht mehr“, flüsterte er.

Seine Hand suchte Falcons und schlang sich darum.

Die Haut des Vampirs war so kalt.

Weinend kroch er noch näher und ließ sich in die starken Arme ziehen.

Hart presste sich Falcon an ihn. Ihre Beine verknoteten sich. Sie lagen so nah, dass sich ihre Nasen berührten.

„Wie kommst du darauf? Ich will dich immer. Du bist alles in meinem Leben. Lass mich nie wieder alleine. Ich liebe nur dich. Dich allein.“

Der Vampir blinzelte um die Tränen zu vertreiben. Das Blut verschleierte seine Sicht.

„Weil es dir egal war, was ich gesagt habe. Du hast doch zu mir gesagt, wenn es mir nicht passt, soll ich gehen und das habe ich dann auch. Falcon, tue mir das nie wieder an. Ich weiß, du bist schwierig, aber so warst du schon lange nicht mehr“, erklärte Timothy und schniefte laut.

Wie erstarrt lag Falcon neben ihm.

„Wie bitte? Du hast doch zu mir gesagt, dass du mich nicht mehr sehen willst. Dann bist du einfach gegangen. Wie konnte unser Streit so ausarten?“

Überrascht hob Timothy eine Braue. So hatte er ihren Streit nicht in Erinnerung.

„Das ist nicht wahr. Du hast mich weggeschickt.“

Beide Männer maßen sich mit Blicken.

„Es ist doch in unseren Köpfen. Lass es uns ansehen“, schlug Falcon vor.

Hier stimmte etwas nicht.

Sein Mann murrte etwas Unverständliches. Aber er wollte nicht schon wieder streiten. Stattdessen öffnete er seinen Geist und schickte Falcon die Erinnerungen an ihren Streit.

Die Bilder waren genau so, wie Timothy sie beschrieben hatte, aber das waren nicht seine Erinnerungen.

„So war das nicht. Ich schwöre es dir. Schau in meinen Kopf.“

Fragend hob Timothy eine Braue, tat aber was sein Mann verlangte.

In Falcons Kopf sah es anders aus. Dessen Rückblick auf ihren Streit war völlig anders. Genau so, wie Falcon ihn beschrieben hatte.

„Wie ist das möglich? Du kannst mich Gedanklich nicht belügen. Wieso haben wir zwei unterschiedliche Erinnerungen daran? Das geht nicht. Baby, hier stimmt was nicht“, meinte der Magier.

Aber Falcon zuckte die Schultern.

„Ich weiß es nicht. Im Grunde ist es mir auch egal. Ich will dich nur wieder haben. Sag, dass du mir vergibst und mich zurück willst“, bat der Vampir.

Sein Mann runzelte die Stirn und verzog dann die Lippen.

„Und was kriege ich dafür?“ fragte er heiser.

Sein Körper kribbelte. Er wollte Falcon wieder haben. Wollte ihn küssen, von ihm berührt werden, mit ihm schlafen. Er wollte eins sein mit dem Vampir, seinem Vampir.

„Du kleines Biest. Ich lege dir die Welt zu Füßen, wenn du mir verzeihst.“

Falcon hob leicht den Kopf, aber Timothy dreht sich zur Seite.

„Die will ich nicht. Küss mich lieber und versprich mir, dass du mir das nicht wieder antust. Sag mir nur das du mich liebst“, bettelte er den Tränen nahe.

Eigentlich wollte er nicht mehr weinen, aber es ging nicht anders.

Mit einem lauten Knurren begrub ihn der Vampir unter sich und küsste ihn.

Ihre Lippen trafen sich und verschmolzen sofort zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss. Dieser wurde schnell wild und stürmisch. Verlangen, Liebe und Sehnsucht lag in ihm.

 

>Ich liebe dich und ich lasse dich nie wieder alleine. Du gehörst mir, Timothy Sturm. Nur mir.<

Die Worte waren in Timothys Kopf und ließen ihn lächeln.

Was er in diesem Moment empfand war unbeschreiblich.

Der Mann gehörte ihm. Er war sein.

Das Grinsen in seinem Kopf wurde größer, als er seine Arme um Falcon schlang, als wollte er ihn nie wieder los lassen und so war es auch.

Keine Sekunde wollte er mehr ohne seinen Mann sein.

Der Vampir war sein Leben und er würde darum kämpfen.

Fahrig strichen seine Finger über Falcons Rücken. Gruben sich in dessen Hemd.

Unwillig löste sich Falcon von ihm und blinzelte leicht.

Der Anblick des jungen Magiers war alles was er wollte und brauchte.

Wer brauchte da schon Geld?

Timothy grinste. Er spürte die Lust seines Mannes. Die tiefe Liebe, die sie verband.

„Hier auf dem kalten Boden oder im Bett?“ fragte er heiser.

Eigentlich war es Timothy egal, er wollte Falcon nur spüren.

Dieser hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

„Ich wäre fürs Bett. Dort ist es weicher und wärmer. Dann werde ich dich vernaschen.“

Das Grinsen des Vampirs ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Worte ernst meinte. Timothy erschauderte unter dem Blick.

Dieser Gedanke gefiel ihm viel zu gut.

Er beamte sich und Falcon in ihr Schlafzimmer des Herrenhauses. An einen anderen Ort wollte er jetzt nicht.

Der Raum war groß und hell. Hier wirkte nichts alt oder antik.

Das Himmelbett war riesig und sie hatten hier schon viele schöne Nächte zusammen verbracht.

Falcon sah sich kurz um und zog dann die Tagesdecke vom Bett.

Timothy stand neben ihm und ließ mit ein wenig magischer Hilfe die Sonne in das Zimmer. Dann wandte er sich an Falcon.

Die schwarzen Augen des Vampirs glühten regelrecht. Sein untotes Herz machte einen Satz, als ihn Timothy unschuldig ansah.

In seinem Gesicht klebte Erde, aber das machte ihn noch schöner.

Sie sahen beide verweint und dreckig aus, aber das zählte im Moment nicht.

Timothy strich sich eine rote Strähne aus der Stirn, seine katzengrünen Augen musterten seinen Mann, der in diesem Moment so schüchtern wirkte.

Alle Überheblichkeit war verschwunden.

Jetzt strahlte der Vampir nichts weiter als Unsicherheit aus.

„Mein wunderschöne Mann“, sagte Timothy.

„Lass mich nie wieder alleine. Ich brauche dich.“
Schon wieder war er den Tränen nahe.

Hart wurde er an Falcons Körper gepresst.