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Britta + Fich: Katzenaugen VI

07

„Uah!“ Ian sprang auf und lief los in die Küche. Er wollte Randy doch Bestechungsbonbons geben. „Setzt dich schon mal zu Randy, bin sofort wieder da“, rief er und flitzte an Simon vorbei. In der Küche griff er nur schnell in die Schale mit den Bonbons und war auch schon wieder zurück. Er ließ sich neben Randy fallen und schob ihm die Bonbons zu. „Zeig mal her, Süßer, was hast du denn abgestaubt?“

Randy hockte noch immer auf der Bettkante, hatte mit einer Hand die Kante umklammert, mit der anderen den Infusionsständer. Ihm war das jetzt wirklich zu schnell gegangen. Dieser Kater war verdammt schnell! Nun saß Ian rechts, Simon links und zeigte stolz seinen Teller rum. Das sah immer noch aus wie gebratene Regenwürmer und Simon erklärte, dass das Marias spezielle Spezial-Regenwürmer aus der Friteuse wären und Ian ahnte, dass Maria die feste Hackfleischmasse in dünne Würstchen gepresst und gleich in die Friteuse geworfen hatte. Aber das würde er Randy doch nicht sagen, wo er schon wieder diesen gesunden grünen Ton im Gesicht hatte.

„Hatten wir nicht geklärt, dass ich kein Maulwurf bin?“, wollte Randy von dem kleinen Kater wissen, der schon auf dem ersten Wurm herum kaute, nachdem er ihn in Mayo ertränkt hatte.

„Die helfen, dass man wieder gesund wird“, nuschelte Simon und grinste breit. Er wollte noch nicht verraten, dass das keine Regenwürmer waren, aber es fiel ihm unheimlich schwer. Als sein Vater dann auch noch breit grinste, konnte er nicht mehr und prustete los. „Hab ich dich“, kicherte er und schob sich noch einen Wurm in den Mund.

„Was meinst du, du kleine Plüschkugel“, murmelte Randy, der irgendwie das Gefühl hatte, gerade wieder verladen zu werden. Skeptisch beobachtete er die Würmer, betrachtete sie sich intensiver. Sie waren extrem stark gewürzt, das konnte er riechen und je intensiver er hinsah, umso größer wurde die Ähnlichkeit mit ganz dünnen Würstchen. Er beugte sich tiefer, schnupperte intensiver und war dann doch mutig.

Er nahm einen der Würmer hoch und biss ab. Ian ließ ihn dabei nicht aus den Augen und lächelte, als der Vampir überrascht guckte. „Lecker nicht?“, lachte er und machte es wie Simon und zog eins der Würstchen durch die Mayo und schob es dann in seinen Mund.

„Ihr hinterlistigen Katzen habt mich ganz schön gelinkt. Ich bin mir nicht sicher, ob man so mit jemandem umgeht, der eigentlich noch Ruhe braucht, um gesund zu werden“, überlegte Randy, doch die Würmer waren extrem lecker. Schön scharf. Er versuchte die rote Soße, die Simon auch mit gebracht hatte – lecker. Daran konnte man sich gewöhnen und das Gefühl, dazu zu gehören, wärmte seinen Magen. Er hatte das Gefühl lange nicht mehr gehabt. Es würde schwer werden, wieder zu gehen.

„Jetzt seid ihr quitt. Nicht wahr, Simon?“, sagte Ian und sah seinen Sohn an. „Ja, denke schon", sagte der und nahm sich noch ein Würstchen. Der kleine Kater grinste Randy an und futterte weiter. Der Würmerberg wurde kleiner, seit er mit zwei anderen teilen musste. Da musste man zusehen, dass man nicht zu kurz kam. Doch Randy hielt sich zurück, er hatte keinen Hunger und kleine Katzen waren noch im Wachstum, sicherlich brauchten sie dann auch mehr Energie. Er selbst zog sich am Infusionsständer hoch und war zufrieden, dass seine Beine ihn schon wieder trugen. Es ging aufwärts mit ihm und so verschwand er im Bad.

„Klasse gemacht“, flüsterte Ian Simon zu und zog ihn auf seinen Schoß. Er musste nachher einmal Maria drücken. Sie war wirklich ein Segen für seine Familie. Gemeinsam vernichteten sie die Würmer und Simon brachte den Teller wieder in die Küche. Ian ließ sich nach hinten sinken und streckte sich ausgiebig. Er merkte gar nicht, wie er sich wandelte und sich wohlig streckend über das Bett rollte.

Randy kam mit seinem rollenden Infusionsständer gerade aus dem Bad zurück, als er wie angewurzelt in der Tür stehen blieb. Sein Blick fiel auf Ian, der auf dem Bett lag – völlig verträumt, aber auch völlig verändert. Er wirkte größer. Das Hemd hatte er abgestreift und so kam die Maserung, die sonst sein Fell zeichnete, auch im Ambigua deutlich zur Geltung. Sie war schwach, nicht so dunkel wie ein Tattoo und zog sich über Schultern, Rücken und Oberarme. Das Gesicht war markanter geworden, die langen Fänge spitzten hinter den sinnlichen Lippen vor und aus dem Hosenbund wand sich ein langer unglaublich weicher Katzenschwanz.

Ian hatte ihn noch gar nicht bemerkt, weil er sich sonst wohl nicht weiter auf dem Bett geräkelt hätte, wie er es jetzt gerade tat. Er fühlte sich wohl und er schnurrte laut und dunkel. Er rollte sich über den Rücken und stoppte mitten in der Bewegung, als er den Vampir in der Tür stehen sah. „Randy“, murmelte er rau und drehte sich auf die Seite.

„Wow“, murmelte Randy und kam einen Schritt näher, klammerte sich aber an seinem Infusionsständer fest. „Was ist passiert?“ Ian war jetzt irgendwie gar nicht mehr Ian und irgendwie doch noch. Er wirkte noch um einiges männlicher und anziehender und Randy leckte sich über die trocknen Lippen. Seine Augen fixierten den langen buschigen Schwanz, der sanft wiegte, doch dann blieb er an den unglaublichen Katzenaugen hängen.

„Das ist mein Ambigua. Eine Zwischenform, halb Katze, halb Mensch.“ Ian kniete sich hin und sah Randy an. „Komm ruhig näher, wenn du möchtest.“ Seine Stimme war rauer, es hörte sich an, als wenn immer ein leichtes Knurren darin mitschwang. „Ich mag das Ambigua, ich bin größer und stärker und ich habe einen Schwanz.“ Ian grinste und wackelte genau mit diesem.

„Und das Teil ist echt… cool“, murmelte Randy und machte noch einen Schritt. Er konnte sich schon wieder ganz gut auf den Beinen halten. Er hätte sich also nicht setzen müssen, doch er wollte es. Er wollte diesem Mann noch näher sein. Direkt vor Ian ließ er sich auf das Bett sinken und strich vorsichtig über das Muster auf den festen Oberamen. Die Haut war heiß, vibrierte unter seinen Fingern. Doch dann konnte er nicht anders. Er griff vorsichtig zu und ließ den buschigen Schwanz durch seine Hand streichen. Und er war noch weicher als er aussah. Randys Augen leuchteten vor Faszination.

Ian schloss die Augen und schnurrte laut. Die Finger in seinem Fell fühlten sich gut an. Wie jede Katze mochte er es gestreichelt und beschmust zu werden und es war anders als sonst, denn außer seinen Kindern hatte ihn in den letzten Jahren niemand berührt. Er bewegte seinen Schwanz und strich damit über Randys Brust. Er wusste, wie sich das weiche Fell auf nackter Haut anfühlte und seine geschlitzten Augen blitzten zufrieden, als er sah, wie ein Schauer nach dem anderen durch Randys Körper lief. Der Vampir hatte Glück, dass er schon saß, denn die Knie wurden ihm weich und Randy ahnte irgendwie, dass das nicht daran lag, dass er noch nicht wieder ganz auf dem Posten war. Der Kater verdrehte ihm den Kopf, von Minute zu Minute mehr. Das war kaum noch zu ertragen das war Himmel und Hölle.

„Du bist unglaublich“, flüsterte er und seine Blicke strichen liebkosend über die Muskeln der Schultern.

„Möchtest du mehr?“, raunte Ian und kam näher zu Randy. Er wollte berührt werden, wollte Finger spüren, die durch sein Fell strichen und ihn kraulten. In der Bewegung wandelte er sich in seine Katzenform, so dass sich ein großer Katzenkopf auf Randys Schulter legte und sich schnurrend daran rieb. Für eine Sekunde saß der Vampir stocksteif. Da war es wieder ein muskelbepacktes, pelziges Kraftpaket. Es war Instinkt sich zu verspannen, doch das Schnurren entspannte ihn. Er konnte es nicht nur hören, er konnte es spüren. Das Vibrieren in seinem eigenen Leib. Seine Finger strichen in das weiche Fell und er griff fest zu, krallte sich fest, ohne Ian weh zu tun. Das Tier war unglaublich, schneeweiß und so animalisch. Er spürte die großen Pranken langsam näher kommen und grub seine Nase in das Fell.

Aber die spitzen Krallen zogen sich nicht durch seine Haut, sondern er wurde von weichen Pfoten gegen die Brust gestupst und dann mit sanfter Gewalt dazu gebracht, sich hinzulegen. Ziemlich zufrieden hockte die große Katze auf Randy und schnurrte ihm ins Ohr, als Ian es sich auf ihm bequem machte. Das war herrlich! Begeistert, dass die Finger noch immer in seinem Fell vergraben waren, schnurrte der Leopard laut und schloss die Augen. Er schnupperte über Randys Oberkörper und streifte dabei immer wieder die warme Haut mit den langen Schnurrhaaren. Ian konnte nicht bestreiten, dass er sich wohl fühlte. Er stupste Randy mit der Nase an und leckte ihm frech über das Kinn.

Es dauerte noch zwei schwere Herzschläge, bis der Vampir begriff, was passierte. Wieder kam die Panik in ihm hoch. Der schwere Körper hinderte ihn daran sich zu bewegen. An Flucht war gar nicht zu denken. Doch kaum spürte er die weichen Berührungen auf seiner Haut, begriff Randy, dass dies keiner von Julios Leuten war – das war Ian, der unglaublich leckere Kerl, ein bisschen naiv, viel zu fürsorglich, aber unglaublich lecker. Seine Finger gruben sich immer weiter durch das weiche Fell, er grub die Finger mal fester mal weniger fest in die langen, weichen Haare und ließ sie durch seine Finger gleiten. „Du bist schön“, murmelte er leise und schloss wieder die Augen.

Ian fühlte sich rundum wohl. Mit geschlossenen Augen lag er auf Randy und genoss die streichelnden Finger in seinem Fell. Allerdings wollte er sie überall spüren, das ging aber nicht so, wie er gerade lag. Darum ließ er sich von Randy rutschen und legte sich auf den Rücken. Er maunzte auffordernd und räkelte sich ein wenig, damit der Vampir wusste, was von ihm erwartet wurde.

Randy hob eine Braue und lachte leise. „Na, dir geht es ja gut. Und eben hast du mir noch erzählt, du würdest jetzt arbeiten. Also wenn so arbeiten aussieht, dann möchte ich das auch machen.“ Doch er ließ sich nicht lange bitten. Der Vampir drehte sich auf die Seite, stopfte sich das Kissen unter den Kopf, um bequemer auf Ian sehen zu können und grub seine andere Hand in das unglaublich weiche Bauchfell. Sacht strich Randy darüber. Das Fell war ein Traum.

Ian schnurrte begeistert und drückte sich den streichelnden Fingern entgegen. War nur zu hoffen, dass Randy auch verstand, was der Leopard wollte, aber um sicher zu gehen wandelte er sich kurz in seine Zwischenform. „Das ist herrlich. Arbeiten kann ich auch später noch.“ Genießend hob er sich den Fingern entgegen, die nun über den Flaum an seinem Bauch strichen. „Sei nur nicht zu schüchtern, ich mag es angefasst zu werden und ich gehe nicht so schnell kaputt.“ 

„Ihr habt drei Erscheinungsformen“, murmelte Randy fasziniert und wieder lagen seine Augen auf den blassen Tätowierungen auf den Oberarmen. Er war fasziniert vom Muster, das dem im hellen Fell aufs Haar glich. Wieder eine Facette mehr, die er an Katzen noch nicht gekannt hatte und dass sie so verschmust sein konnten, war für Randy auch neu. Es war, als wäre Ian all das, was die Pumas nicht gewesen waren – zwei Wesen wie Tag und Nacht, Licht und Schatten. Aber seine Finger strichen nicht weiter über den Bauch, neugierig zeichnete er das Muster nach, was ihn so faszinierte. Seine Augen aber fixierten die sinnlichen Lippen. Sie waren ihm wieder so nah – so erdrückend nah. Sich zu beherrschen war schwer.

„Gefallen dir die Tattoos?“ Ian wandelte sich wieder in seine menschliche Form, so dass Randy die Musterzeichnungen besser sehen konnte. "Bei den männlichen Katzen bilden sich die Zeichnungen in der Pubertät unter der Haut. Sie werden dann nach gestochen, damit sie sichtbarer sind. Für die Jungs ist das ein großer Moment, denn dann gelten sie als Mann.“ Ian drehte sich ein wenig, damit Randy sehen konnte, wo die Muster an ihm zu sehen waren. „Mir gefallen sie auch und ich freue mich auf den Tag, wenn meine Jungs sie bekommen.“

Randy nickte nur und korrigierte seinen Blick immer wieder auf Ians Gesicht. War in den Blutkonserven ein Medikament gewesen, das den Vampir halluzinieren ließ oder lag dieser verdammt gut gebaute und von der Natur reichlich bedachte Kerl wirklich gerade ganz unbedarft neben ihm? Hatten sie nicht vor ein paar Minuten noch darüber gesprochen, dass Ian speziell eine gewisse Wirkung auf den Vampir hatte? Hatte Ian das vergessen oder wollte der Kater das gerade austesten? Randy schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen – leicht war das nicht, ganz und gar nicht.

„Sie sind schön. Bei den Pumas habe ich aber keine gesehen – haben alle Katzen so was?“, lenkte er also ab und versuchte seinen Atem zu beruhigen. Er verfluchte seine stetig gesundenden Sinne.

„Eigentlich schon. Aber die Muster sind bei jeder Rasse verschieden. Einige haben es an den Armen und den Oberkörpern, andere auf den Beinen und dem Unterkörper. Manche haben sie auch im Gesicht. Das du bei den Pumas nichts gesehen hast, kann daran liegen, dass sie keine Flecken im Fell haben, die sich ausbilden können.“ Ian drehte sich wieder so, dass er Randy ansehen konnte und dabei fiel ihm wieder ein, was der Vampir vorhin gesagt hatte. „Du siehst viel besser aus als ich, wenn hier einer schön ist, dann du.“

„I-Ian“, stammelte Randy und wirkte irritiert. „Sag doch so was nicht, du machst mich verlegen.“ Er kratzte sich über den Arm und setzte sich etwas auf. Er musste die sich aufladende Atmosphäre entladen, irgendwie. Aber ohne Ian vor den Kopf zu stoßen. Doch er blickte immer wieder neben sich, auf die faszinierenden Augen, die Muster und dann tiefer. Dabei färbten sich seine Schatten und er hatte schlagartig siebzehn Ideen, wie man die nächsten Minuten gestalten konnte und beide auf ihre Kosten kamen. So wandte er sich seufzend wieder ab. Er blickte auf die Kanüle in seinem Arm.

„Es stimmt aber.“ Ian strich ganz vorsichtig mit einem Finger über Randys Wange und lächelte. „Ich weiß nicht viel über Vampire, aber eins davon ist, dass sie alle sehr gut aussehen. Auf dich trifft das auf jeden Fall zu.“ Ian mochte zwar ein wenig unbedarft sein, aber, dass der Vampir sich unwohl fühlte, fiel sogar ihm auf. „Ich sollte hier nicht so nackt rumliegen, oder?“

Schief grinsend holte Randy tief Luft, blickte dann aber wieder auf Ian. „Ich bin ehrlich gesagt hin und her gerissen. Meinem Hormonhaushalt und meiner Heilung wäre es zuträglich, wenn du nicht so verlockend und einladend hier herum liegen würdest. Meine Libido frohlockt allerdings gerade, dass man sich das ruhig noch eine Weile angucken könnte. So was Leckeres sieht man ja auch nicht so oft. Siehst du das Engelchen und das Teufelchen auf meiner Schulter und wie sie streiten?“

„Ja, ich sehe sie. Niedliche kleine Kerlchen.“ Ian lachte und zog sich die Decke bis über die Hüften. Er wollte Randy nicht quälen, aber sich jetzt wieder anzuziehen, hatte er keine Lust. „Du solltest über Katzen vielleicht noch wissen, dass wir nicht schamhaft sind. Dadurch, dass wir uns oft wandeln, sind wir auch oft nackt. Da jedes Mal schamhaft rot zu werden, wenn noch jemand im Raum ist, auf die Dauer blöd.“

„Du willst mir also sagen, dass ich jeder Zeit mit Nackten in diesem Haus rechnen muss. Das macht es nicht einfacher“, entgegnete Randy und meinte das, wie er es sagte. Er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte, immer damit rechnen zu müssen, dass Ian wieder nackt irgendwo herum lag, lief oder sonst etwas tat, ohne etwas am Leib zu tragen.

„Nein, eigentlich nicht. Bill hat viele menschliche Freunde, darum wandeln wir uns im Haus eigentlich nur, wenn wir alleine sind.“ Diese Regel befolgten sie schon seit Jahren und alle im Haus hatten sich daran gewöhnt. „Wenn du also noch eine Weile bei uns bleibst, dann wirst du nicht ständig mit nackten Männern konfrontiert.“ Ian lächelte und strich wieder über Randys Wange. „Aber ich hätte nichts dagegen, regelmäßig von dir gekrault zu werden. Das gefällt mir nämlich ausgesprochen gut.“

„Aber nur, wenn du dein Fell anbehältst“, sagte Randy und versuchte dabei streng zu gucken. Er war ein schlechter Schauspieler und außerdem wusste Ian doch schon, dass er auf Männer stand, dass er im speziellen auch auf Ian stand und dass er ihn anziehend und lecker fand. Doch einen ganz kleinen Rest Würde wollte er sich noch erhalten. Im Moment wusste er sowieso nicht damit umzugehen. Ian stand nicht auf Männer. Er war nur neugierig, wie das werden würde, wenn Randy sein Blut trank. Doch der Vampir war für diesen Schritt bei Ian noch nicht bereit. Und so musste er versuchen der Verlockung zu widerstehen und Ians Charme nicht zu erliegen.

„Ohne Fell ist das doch kein Kraulen.“ Ian lachte leise und rollte sich auf den Rücken. „Es ist schön, wieder berührt zu werden. Nähe zu teilen und sich fallen lassen zu können. Es gehört zu unserer Natur, Körperkontakt zu suchen. Wir können ohne leben, aber...“ Ian brach ab und sah Randy an. In seinen Augen konnte man sehen, wie sehr ihm das die letzten Jahre gefehlt hatte.

„Aber es ist kein Leben“, vollendete Randy leise den Satz. Er war keine Katze, er wusste nicht wie das ist, sich nach Nähe körperlich zu sehnen. Er hatte versucht, sich nicht zu binden, er liebte seine Freiheiten. Aber seit seinem Zusammenstoß mit diesem Kater schien alles anders zu sein. Er wäre sogar bereit seine Einsamkeit für diesen Kerl aufzugeben und Kompromisse einzugehen. Er musste sich den Kopf wirklich heftig angestoßen haben. Randy strich Ian verträumt durch die Haare. „Ich werde versuchen dir Nähe zu geben, sofern ich es kann.“ So konnte er Ian wenigstens etwas zurückgeben für das, was der Kater für ihn getan hatte.

„Das machst du doch schon.“ Ian lehnte sich den Berührungen entgegen und schloss die Augen. „Ich will dich nicht quälen, darum musst du mir sagen, wenn ich zu weit gehe, nur weil ich Nähe will. Ich mag dich und ich bin gerne in deiner Nähe und ich möchte, dass du so lange bei uns bleibst, wie du möchtest.“

Randy lächelte nur unverbindlich und legte sich wieder auf sein Kissen. Ihm wurde schwummerig und er schob es darauf, dass er noch nicht wieder auf dem Damm war. Das war das einfachste. Doch es war Simon, der ihm die Entscheidung abnahm, denn er flitzte in das Zimmer, die Tür stand ja offen. „Essen ist… bist du müde, Papa?“, wollte er wissen und kam näher zum Bett. Randy zuckte kurz zusammen. Hoffentlich verstand Simon das nicht falsch.

„Komm her, Maus“, rief Ian seinen Sohn zu sich und er fing ihn lachend auf, als er auf ihn zusprang, damit er nicht aus Versehen Randy traf. „Nein, ich bin nicht müde, Simon. Randy wollte sehen, wie ich als Katze aussehe und danach haben wir uns unterhalten“, erklärte er seinem Sohn und Simon brummte. Er hatte Hunger. „Los anziehen. Ohne Kleider kein Essen“, verlangte er und krabbelte wieder aus dem Bett und flitzte vor in die Küche. Zeitiges Kommen sicherte gute Plätze und die besten Happen.

„Ach, ich wollte dich als Katze sehen“, fragte Randy noch einmal nach und grinste. „Ich kann mich erinnern, als ich ins Bad ging und du noch ein Mensch warst und als ich wiederkam und sich eine Katze über mein Bett rollte. Mein Beitrag war relativ gering.“ Er strich Ian durch die Haare und erhob sich langsam. Der Beutel an seinem Arm war leer. Er löste den Schlauch. Und sie hatten Dexter noch nicht wegen der Blutkonserven befragt. Doch Randy zog das Oberteil seines Pyjamas zu sich, die Hose trug er ja schon.

„Sicher!“ Ian lachte und stieg in seine Kleider, die auf dem Bett verstreut lagen. „So, und jetzt kriegst du vielleicht noch mehr Regenwürmer, damit du schnell wieder gesund wirst.“ Übermütig rollte der Kater sich über das Bett, bis er neben Randy saß. „Ich hol dir Hausschuhe, die Fliesen in der Küche sind kalt.“ Und dann war er weg. Randy sah ihm verblüfft hinterher.

 


 

WitchXXL: Weihnachtsengel

Warnung: etwas Traurig

Weihnachtsengel

Es ist mal wieder der 24.Dezember und ich steh allein im verschneiten Park und starre den großen Weihnachtsbaum an.
Es ist wie damals, als ich das letzte mal mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester, hier war.
Sie liebte den großen Baum mit seinem ganzen Glitzer und den Engelsfiguren.
Ich höre sie jetzt noch sagen : „Wenn ich groß bin, will ich auch mein Weihnachtsengel finden, denn jeder hat einen.“
Marie war damals sauer, weil sie nicht mit durfte. Denn ich wollte noch schnell bei einem Freund vorbei.
So ging sie mit meinen Eltern schon Heim, um das Weihnachtsessen fertig zu machen.
Doch als ich später von meinem Freund heim kam, war das Haus dunkel und von meiner Familie war nichts zu sehn.
Die Polizei fand mich später weinend vor dem Baum, kuschelnd mit Maries neuem Hasen, dem sie niemals einen Namen geben konnte.

So kam ich ins Heim, denn man fand keine Verwandte.
Es war kein schlechtes Heim, man sorgte gut für uns Kinder, aber ich zog mich zurück.
Ich redete nicht und freundete mich mit den anderen nicht an. Ich war wie ein Roboter der tat was man sagte. Im stillen fragte ich mich immer wieder „Warum musstest du den Hasen holen, warum bist du nicht mit deiner Familie gefahren“ ich fand nie eine Antwort.
Jedes Jahr, wenn sich die Kinder und Betreuer vorm Weihnachtsbaum im Heim versammelten, schlich ich mich raus.
Ich stand stunden lang im Park und bewegte mich nicht. Warum auch, dieser Tag hat mir meine Familie genommen, da kann man nicht glücklich irgendwo sitzen und Geschenke auspacken.
Das ging einige Jahre so, jedesmal bekam ich ärger weil ich einfach gegangen bin und dann eine fette Erkältung bekam, aber sie konnten nichts machen, ich ging immer wieder da hin.

Wie auch in diesem einen Jahr.
Ich war so in Gedanken, das ich ihn erst zu spät bemerkte, nämlich als er mich schon über den haufen gerannt hatte.
Man war das ihm damals peinlich, sein Zug hatte Verspätung und deswegen rannte er durch den Park.
Er lag auf mir und starte mir in die verheulten Augen und fing stotternt an sich zu entschuldigen.

Da ich ihm nicht antwortete nahm er mich an der Hand und schleifte mich zu seinen Eltern, damit ich aus den nassen Klamotten kam.

Ich fing an zu lachen, als er von seiner 3Köpfen kleineren Mutter an den Ohren gepackt wurde und eine Standpauke bekam, weil er mich über den Haufen gerannt hatte.
Sie luden mich zum essen ein und seit vielen Jahren fühlte ich mich mal wieder zu Hause und konnte den Fest genießen.

Heute 10 Jahre nach dem Tod meiner Familie, stehe ich wieder im Park am Baum.
Meine Schwester hatte recht, jeder hat einen Weihnachtsengel, doch nicht jeder findet ihn.
Meiner fand mich letztes Jahr als er mich über den Haufen rannte.
Und ich weiß, er wartet am Parkeingang auf mich um mich in die Arme zu nehmen und mir meine Tränen weg zu küssen, damit ich wieder lachen kann.