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Britta + Fich: Katzenaugen VI

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Randy blieb in der Tür stehen, als Bill auf ihn zugetrottet kam und sich auf die Fußmatte setzte. Er sah jetzt auch nicht besser aus, als die anderen, aber zumindest er wusste, wie er sich zu benehmen hatte. Gewissenhaft strich er sich alle Pfoten an der Matte ab und schüttelte sie kräftig. Erst als sie so sauber waren, wie es ging, lief er ins Haus und ließ sich auf den Fliesen der Eingangshalle nieder. Randy schloss die Tür und folgte ihm. „Willst du auch ins Bad?“, wollte er von der dritten Katze wissen. Das Jammern war weniger geworden, doch die Dusche lief noch immer. Dabei strich er Bill über den Kopf. Auch sein Fell war unglaublich weich. Beneidenswert.

Bill nickte und schnurrte laut. Er streckte sich einmal ausgiebig und strich dann an Randys Beinen lang. Der schien seine Sache gut gemacht zu haben. Da hatte er sich eine schnurrende Belohnung verdient und ließ sich kraulen. Er konnte auch noch warten, bis das Bad wieder frei war. "Ja, du bist der Sohn deines Vaters", murmelte Randy leise und ging in die Hocke. Er strich verträumt durch das weiche Fell, auch wenn ein wenig Dreck auf den Boden rieselte. Wozu hatte er denn einen Besen? Er ließ seine Hände das Vibrieren nachspüren und hob den Kopf, als das Rauschen des Wassers verstummte.

Bill legte sich auf den Rücken vor Randy und tatzte vorsichtig, weil die streichelnden Finger innegehalten hatten. Er war schließlich der Held, der die Dreckskatzen ins Bad gescheucht hatte und da wollte er auch die alleinige Aufmerksamkeit.

„Wirklich, du BIST der Sohn deines Vaters.“ Lächelnd ließ sich Randy auf den Fliesen nieder, ignorierte die kalten Steine und belohnte Bill so wie er es verdient hatte. Schließlich hatte er nicht nur die Dreckskatzen gescheucht, er hatte auch den Garten wieder in Form gebracht. Vielleicht hatte er seinem Vater und seinem Bruder sogar das weiße Fell gerettet.

Er war so vertieft, dass er gar nicht mitbekam, wie sich die Badezimmertür öffnete und zwei wieder saubere Katzen raus kamen. Ian und Simon besahen sich das Bild und Ian stupste Simon an. Sie schlichen sich zu Randy und schoben ihre Köpfe unter dessen Armen durch. Sie wollten auch gekrault werden.

Randy zuckte, als er sich erschrak und musste erst einmal sehen, was da eigentlich den Kontakt zu ihm suchte. „Hey“, murmelte er leise und lachte. Was ging denn jetzt ab? „Habt ihr euch das verdient? Erst den Garten ruinieren und dann auch noch den ganzen Dreck durchs Haus schleppen wollen. Hätte ich euch nicht gebremst, müsstet ihr jetzt die Treppen putzen.“ Doch er ließ sich nicht lumpen und strich auch den beiden durch das Fell. Was Bill wiederum gar nicht zu schätzen wusste. Er knurrte und warf sich auf die beiden sauberen Katzen, schmierte Erde und Sand in das noch feuchte Fell. Herrlich! Jetzt waren sie auch wieder dreckig und der Boden sah aus!

Randy hatte gar keine Chance den Katzen zu entkommen, denn Simon rettete sich zu ihm, denn er hatte keine Lust noch einmal zu duschen. Darum versuchte er an Randy hochzuklettern, was aber nicht richtig klappte, darum hockte er auf dem Schoß des Vampirs und versuchte seinen Vater und seinen Bruder abzuwehren.

„Jungs!“, rief Randy und versuchte sich zu wehren, doch es ging nicht. Er saß am Boden und das Gewicht der Katze auf seinem Schoß drückte ihn nach unten und so konnte er sich aus dem Pulk auch nicht befreien. „Jungs!“, rief er noch einmal, doch niemand schien ihn wahr zu nehmen. Bill und Ian rollten sich über den Boden und kamen Randy und Simon immer wieder gefährlich nahe, während Simon immer weiter versuchte, den beiden dreckigen Katzen auszuweichen. Er hatte für heute nämlich für seinen Geschmack schon ausreichend Wasserkontakt gehabt.

„Sieht so Krankenpflege aus?“, kam es plötzlich von der Tür.

Dort stand Dexter und sah fassungslos auf die Szene, die sich ihm bot. Der Vampir, der eigentlich im Bett liegen und sich erholen sollte, saß auf dem kalten Fußboden und wurde von drei sich balgenden Katzen belagert. „Los, husch ab ins Körbchen, sonst muss ich ein paar Impfungen spontan vorziehen“, knurrte der Schakal und sah die drei Katzen finster an. Die sprangen auch gleich auf und verschanzten sich hinter Randy, damit Dexter nicht an sie rankam. Ian stupste sogar gegen den Besen, damit Randy ihnen den Arzt vom Hals hielt.

„Was geht denn jetzt ab? Das war eindeutig zu schnell“, knurrte Randy, als er wieder zu sich kam und den Arzt vor sich erkannte. „Ich würde dich bitten, dich zu erheben“, sagte Dexter und kam näher. Das Drängen von Ian, der Randy ermuntern wollte, auch gegen den Arzt den Besen einzusetzen wurde intensiver. „Ich warne dich, gegen mich die Waffe zu erheben, Randy“ Dexter ließ sich nicht aus der Fassung bringen und noch ehe der Vampir hätte schalten können, hatte Dexter den Besen und fasste die drei Katzen ins Auge.

Die gingen grollend rückwärts, ließen dabei Dexter nicht aus den Augen. Aber der kannte Ian und seine Söhne schon lange genug, um zu wissen, was er machen musste. Er scheuchte die Leoparden vor sich her ins Badezimmer und machte es wie Randy und schloss sie ein. „Duschen und dann macht ihr den Flur sauber“, rief er durch die Tür.

„Und jetzt zu uns beiden Hübschen!“ Er half Randy auf die Beine und sah anklagend auf den Infusionsständer, der im Flur stand. „Es war ein Notfall, ich musste Bill helfen, die beiden Dreckskatzen ins Bad zu bugsieren“, verteidigte sich Randy, grinste aber. Er griff sich reumütig seinen Infusionsständer und rollte ihn zurück in sein Zimmer. Mit einem letzten Blick auf den Dreck im Flur schloss Dexter die Badezimmertür wieder auf und folgte Randy, der schon wieder ins Bett krabbelte.

„So so, du musstest Bill helfen. Und warum waren alle Katzen dreckig, als ich reingekommen bin?“, wollte Dexter grinsend wissen. Er wusste ganz genau, wie es dazu gekommen war, denn er kannte seinen Freund schon sehr lange. „Ich weiß nicht, ob es gut ist, dich bei diesen Chaoten zu lassen.“

Reumütig sah Randy auf die Decke, die er gerade an sich hoch gezogen hatte und seufzte. „Ich werde sowieso nicht mehr lange hier bleiben. Das geht eben nicht. Aber dreckig waren alle, weil alle mit den Büschen gespielt haben“, erklärte er, denn er erkannte an Dexters Kichern, dass dessen Frage nur rhetorisch gewesen war. „Ich musste zwei ins Bad scheuchen, damit sie nicht das Haus dreckig latschen. Hier muss eben jeder mit anpacken.“

Dexter lachte laut und schlug sich auf die Schenkel. „Ich fass es nicht, dich haben sie auch schon angesteckt.“ Der Arzt ließ sich in den Sessel fallen und wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht. „Aber das Gute ist, dir scheint es eindeutig besser zu gehen.“

„Zumindest war es mir gelungen, zwei Katzen mit einem Besen in das Bad zu fegen – ich bin also schon wieder ganz gut zu Fuß. Das Blut hat Wunder gewirkt. Danke.“ Randy grinste ebenfalls und wurde wieder mutiger. Er setzte sich bequemer, sah kurz auf seine Tasse auf dem Nachttisch doch die war leer. „Simon hatte sich gelangweilt und Sträucher ausgegraben. Ian wollte ihn zur Rechenschaft ziehen, doch alles, was er gezogen hat, waren anschließend ebenfalls Sträucher und so musste Bill für Ordnung sorgen. Wir hatten den Plan …“

Dexter hob die Hand und kicherte erneut. „In das Bad gekehrt. Das hätte ich wirklich gerne gesehen.“ Er schüttelte den Kopf. „Wie fühlst du dich? Kommt deine Selbstheilung in Schwung? Dann können wir nämlich mit den Infusionen aufhören.“

„Ja, ich spüre wie mein Körper anfängt sich selbst zu regenerieren. Schade nur um die Konserven, die wir unter der Decke warm gehalten haben. Die werden jetzt bestimmt verdorben sein“, entgegnete Randy und rollte ein wenig den Kopf und die Schultern. Er hatte den Schlauch auch nicht mehr an die Kanüle angeschlossen, sondern den Infussionsständer beiseite geschoben. Er fühlte sich wieder fit, auch wenn er noch nicht wieder seine alten Kräfte hatte. Doch das würde mit der Zeit kommen, da war er sich sicher. „Ich bin so fit, dass ich mit drei Katzen fertig werde.“

Dexter hob eine Augenbraue. „Das habe ich ja gerade gesehen. Du in einem Knäuel dreckiger Katzen.“ Er lachte wieder. „Um die Blutkonserven mach dir keine Gedanken. Dir geht es wieder besser, das allein zählt und darum kann ich dich von der Nadel befreien.“

„Hey, Doc. Ich war gerade dabei zu gewinnen. Du warst einfach eine paar Minuten zu früh da gewesen. Dann wäre ich der strahlende Held gewesen“, war sich Randy ganz sicher, reichte aber brav seinen Handrücken, um die Kanüle aus seiner Hand ziehen zu lassen. Er war ganz froh darüber, denn an dem Ding hängen zu bleiben, bedeutete jedes Mal Schmerzen und davon brauchte er in nächster Zeit eigentlich erst mal keine mehr – er hatte reichlich gehabt.

„Ja, sicher.“ Dexter sah das zwar anders, aber er widersprach Randy nicht. „Du solltest es aber trotzdem langsam angehen lassen. Noch ein paar Tage Schonung, dann kannst du es wieder gegen die drei Bekloppten hier aufnehmen.“

„Nenn sie nicht so, sie sind doch eigentlich ganz nett, jeder auf seine Weise“, entgegnete Randy und beobachtete, wie die Wunde auf seinem Handrücken nachblutete. So gut war seine Selbstheilung noch nicht wieder im Gange, denn das Loch schloss sich noch nicht. Also klebte Dexter ein Pflaster drüber. Das würde schon wieder werden.

Randy hob den Kopf, als er Stimmen im Flur hörte. Wie es schien waren die drei Dreckskatzen wieder sauber. Erwartungsvoll blickte er zur Tür.

Wie er gehofft hatte, kam Ian ins Zimmer, mit Simon auf dem Arm. Ian hatte nur ein Handtuch um die Hüften gebunden und grinste breit. „Alle Katzen wieder sauber“, berichtete er und grüßte Dexter. „Wir gehen uns eben was anziehen und dann bin ich dafür, dass wir den Grill anschmeißen und ein paar leckere Steaks grillen. Bleibst du auch, Dexter?“

„Ich habe ein bisschen Zeit mitgebracht. Meine Familie ist ausgeflogen und außerdem muss ich mir ansehen, wie ihr den Garten umgestaltet habt.“ Dexter kam die Einladung sehr gelegen, denn daheim warteten nur ein leeres Haus und die Liste mit den Lieferservices auf ihn. Das musste auch nicht sein. Seine Frau war mit den Kindern bei den Großeltern. Die Kinder blieben übers Wochenende und Gina wollte sich mit einer alten Freundin treffen. Sie würde auch nicht vor morgen wieder da sein. Grinsend stellte Dexter fest, wie schade es Randy zu finden schien, dass der Kater sich jetzt doch umziehen ging und nicht weiterhin nur im Handtuch durch das Haus sprang.

Er sagte aber nichts, denn in solche Dinge mischte er sich grundsätzlich nur ein, wenn es wirklich erforderlich war. Das sah er im Moment noch nicht.

Ian scheuchte seine Söhne in ihre Zimmer, damit sie sich was Warmes anzogen und suchte dann auch etwas für Randy zusammen. Schließlich konnte der schlecht im Pyjama im Garten rumlaufen. Mit den Kleidern über dem Arm kam er wieder runter zu Randy und legte alles auf das Bett. „Sind vielleicht ein wenig groß, aber außer uns sieht dich keiner darin.“

„Äh – danke“, sagte Randy und blickte auf die Kleider. „Was hast du vor? Soll ich wieder auf den Fliesen sitzen und euch ins Bad scheuchen?“ Doch er erhob sich und zog sich die Kleider über. Dabei zog er intensiv den Duft von Ian ein und er ließ sich für ein paar Augenblicke berauschen. Besonders froh war er über die dicken Socken, die er sich gleich über die kalten Füße zog. Dann schlüpfte er in die bereit stehenden Schuhe.

„Das wird wohl nicht nötig sein. Beim Grillen bleiben wir in der Menschenform“, lachte Ian und beobachtete Randy dabei, wie er sich anzog. „Nur draußen ist es ziemlich kalt und du sollst ja nicht frieren.“ Darum hatte er auch Handschuhe, Schal und Mütze mitgebracht.

„Ihr grillt draußen? Interessant“, sagte Randy. Er kannte das aus dem Sommer, aber dass jemand im Winter draußen grillte, war doch eher ungewöhnlich. Doch er wehrte sich nicht dagegen. Dick eingepackt würde er da schon seinen Spaß dran haben. Er zog die Hose höher und band sie fest, zog den dicken Pullover darüber und kuschelte sich dann in die Wolljacke, die noch dabei lag. Das wärmte ziemlich schnell und Randy bekam Farbe im Gesicht.

„Nur Weicheier grillen nur im Sommer draußen. Gegessen wird zwar drinnen, aber das Fleisch wird immer draußen gegrillt.“ Ian legte Randy den Schal um und zog ihm die Mütze über den Kopf. „Das wird dir gefallen. Kannst du mit Bill den Grill anzünden. Bill weiß, wo alles ist, was ihr braucht. Ich hole das Fleisch und was wir sonst noch so brauchen.“

„Ja, sicher. Dabei guck ich mal was ihr für Schäden in der Vegetation hinterlassen habt“, erklärte Randy und zog sich den Schal dicht um den Hals. „Ich komm mit raus.“ Dexters Arbeit war getan. Um die Konserven und den Infussionsständer konnte er sich auch später noch kümmern und so folgte er Randy, der schon auf dem Weg nach draußen war.

„Wir hinterlassen nie Schäden“, rief Ian ihnen hinterher. Er konnte doch nicht zugeben, dass in seinem Garten in den letzten vier Jahren, die meisten Büsche und Sträucher komplett ausgetauscht worden waren. Er holte das Fleisch aus der Küche und nahm noch Bier und andere Getränke mit, denn das musste beim Grillen eindeutig sein.

Als er wieder in den Garten trat, stand Randy immer noch vor einem der Büsche, die es besonders hart erwischt hatte. Als er Ian erblickte sah er ihn anklagend an. „Ihr hinterlasst nie Schäden, hm?“, sagte er leise, wusste aber dass der Kater ihn hören würde.

Er kam also auch zum Grill, wo Dexter und Bill gerade mit einem Ventilator die Kohlen zum Glühen brachten, weil keiner von beiden ausreichend Puste hatte.

Ian gab ihm eine Flasche Bier und grinste ein wenig schief. „Naja, so ganz ohne Schäden geht es wohl doch nicht, muss ich zugeben. Dafür habe ich Stephano eingestellt. Er ist ein richtiger Pflanzendoktor und kriegt das meistens wieder hin, was wir beschädigen.“ Morgen musste er sich wohl wieder strafende Blicke gefallen lassen.

„Der Kerl kann einem echt leidtun. Jedes Mal wenn ihr euren Rappel hattet, fängt der arme Mann wieder von vorne an. Ich glaube nicht, dass du ihm genug bezahlst, um ihm das blutende Herz zu beruhigen.“ Randy nahm die Flasche dankend an und war froh über die Handschuhe. Die Flasche war wirklich gut gekühlt. Doch er kam wieder zum Grill, dort war es um einiges wärmer und es war schön zu sehen, wie die vier Männer sich fast ohne Worte verstanden, sich ergänzten, den anderen deuteten und Hand in Hand arbeiteten. Selbst Simon hatte seine Aufgabe und sortierte alles, was sie brauchen könnten auf dem Tisch.

„Stephano liebt seinen kleinen Gehilfen. Wenn Simon ihn aus großen Kulleraugen anblinkert, dann ist unser Gärtner wieder versöhnt.“ Ian lachte und zog dem kleinen Herzensbrecher die Mütze weiter über die Ohren. Die Haare waren noch leicht feucht und er sollte sich nicht erkälten.

Randy lachte leise, als er sah wie Simon sich grummelnd dagegen zu wehren versuchte, es aber am Ende doch einsah und die Mütze ließ, wo sie war. „Ich kann’s verstehen“, sagte er leise. Er hatte nie Geschwister gehabt, er hatte auch keine Kinder. Er war mit seinem Leben eigentlich immer ganz zufrieden gewesen, immer auf der Welt unterwegs, nie zu lange an einem Ort. Alle zwanzig bis dreißig Jahre änderte er seine Identität und hatte nie etwas vermisst. Erst die letzten Stunden hatten ihm schmerzlich vor Augen geführt, dass er es nur nie zugelassen hatte, etwas zu vermissen – tief in seinem Inneren war es anders.

„Ganz der Papa.“ Ian blinkerte Randy an und lachte verschmitzt. Er fühlte sich unwahrscheinlich gut und irgendwie hatte der Vampir einen großen Anteil daran. Darum zog er Randy vor sich und legte von hinten die Arme um ihn. „Damit du nicht frierst, schließlich bist du noch nicht ganz wieder auf dem Posten.“

Bill und Dexter sahen sich an, sagten aber nichts. Sie waren ganz damit beschäftigt, die Kohlen zur Weißglut zu treiben. Bill für seinen Teil war darinnen gut seinen Vater zur Weißglut zu treiben, da sollte es mit ein paar kleinen Kohlen doch ein leichtes sein.

„Stimmt allerdings“, nuschelte Randy leise und der Kater machte es ihm nicht leichter, in ein paar Tagen das Haus zu verlassen. Sein Entschluss bröckelte noch mehr, wenn er daran dachte, dass der Kater die Nacht bei ihm verbringen wollte. Hoffentlich hatte der das bis heute Abend wieder vergessen. Sonst war Randy verloren.

Lachend legte Ian Randy das Kinn auf die Schulter und sah Bill und Dexter zu, wie sie den Grill vorbereiteten. Dabei konnte er es natürlich nicht lassen sie zu ärgern und gute Tipps zu geben. Er hatte ja nichts zu befürchten, schließlich hatte er Randy als Schutzschild, falls etwas geflogen kam. Allerdings zog er den Vampir etwas aus der Gefahrenzone als sich Bill und Dexter mit Grillgabel und Zange bewaffnet, knurrend zu ihm umdrehten.

„Jetzt begreife ich, wozu du einen Assistenten brauchst, Ian“, sagte Randy und sah zu, dass er aus der Reichweite der spitzen Gegenstände kam. „Du brauchst keinen Statiker, du brauchst einen lebenden Schutzschild.“ Doch er grinste und ließ sich immer so ziehen wie Ian ihn gerade brauchte. Er ging davon aus, dass der Arzt seinen Eid nicht vergaß und ihn nicht verletzte und Bill vielleicht nicht schnell genug war, als dass er ihn treffen konnte. „Wah!“, machte er, als eine Zange dicht an seinem Ohr vorbei zischte und neben seinem Ohr klappend zuschnappte.

Ian zog ihn in Sicherheit und hatte ein Einsehen. Er schob Randy hinter sich und stellte sich den Angreifern. „Ihr könnt die ersten Steaks haben, die vom Grill kommen“, bot er an, denn damit hatte er wohl den größten Erfolg sein Fell zu retten, denn für leckeres Essen ließ Bill so ziemlich alles stehen.

„Okay“, Bill war zufrieden und ließ sich von Simon den ersten Teller mit dem Fleisch bringen. Das tat der Kleine auch sehr gewissenhaft und leckte sich dabei immer wieder über die Lippen. Sie hatten ein reichhaltiges Sortiment und neben Geflügel und Rind auch zwei Stücken Springbock und Strauß, weil es die Kinder besonders gern mochten. Dexter schwor auf Hamburger, die Maria am frühen Abend bereits vorbereitet hatte und jetzt nur noch auf gelegt werden mussten. Dafür hatte Ians Supergrill eine heiße Platte neben dem Grillgitter. Und auch Gemüse kam nicht zu kurz. Selbst ein paar Kartoffeln rollte Bill an einer anderen Stelle des großen Grills in Folie gewickelt in die Glut. Also, verhungern dürften sie heute nicht, da war sich Randy sicher.