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20

Britta + Fich: Katzenaugen VI

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Ian kam auf ihn zugelaufen und blieb einen Schritt vor Randy stehen. Er musste erschreckend aussehen. Blutüberströmt und verletzt. „Randy“, flüsterte er leise und dann hielt ihn nichts mehr. Er überbrückte die letzte Distanz und zog den Vampir an sich. „Bist du verletzt?“, fragte er und tastete den zitternden Körper ab. „Mach so was nie wieder. Hörst du? Nie wieder.“

„Ian“, murmelte Randy und seine Finger tasteten vorsichtig über den großen Körper, gerade so, als würde Randy im wahrsten Sinne des Wortes begreifen müssen, was passierte. „Ian, ich… ich…“ setzte er immer wieder an, doch er brachte keinen Satz hervor. Sein Kopf war leer. Völlig leer. Er versuchte alles auf die Reihe zu bekommen, was in den letzten Minuten gesagt worden und passiert war. „Ian“, versuchte er es erneut, „es tut mir so leid. Bist du verletzt. Hat er dich erwischt?“ Er blickte auf und dem Kater genau in die grün funkelnden Augen. Sein Herz hämmerte, sein Puls raste.

„Du hast mich erwischt, Randy. Mitten ins Herz.“ Ian beugte sich vor und küsste Randy sanft. „Totaler Blattschuss ohne Chance auf Rettung.“ Randy wirkte so zerbrechlich und verwirrt, wie er da mit großen Augen zu ihm aufsah und sich entschuldigte. Und zusätzlich war er noch völlig verwirrt. Er konnte die Stelle im Film nicht mehr finden, an der er den Faden verloren hatte.

„Ian“, flüsterte er noch einmal und presste sich fester gegen den herrlichen Leib. „Du mich auch, und das weißt du ganz genau. Ich liebe dich so unsagbar, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe in deiner Nähe. Es tut mir leid.“ Man konnte ihn kaum verstehen und weil er sich für seinen eigenen Egoismus maßlos schämte und darüber jetzt in dieser Sekunde nicht nachdenken wollte, küsste er Ian seinerseits. Und es war noch besser als das letzte Mal – viel besser. Unbeschreiblich besser.

Es tat Dexter unwahrscheinlich leid, dass er diesen Moment unterbrechen musste, aber sie sollten hier weg. Darum räusperte er sich. „Jungs, tut mir leid, wenn ich mich einmische, aber wir sollten langsam hier weg. Ian, merk dir, was du gerade tun und sagen wolltest, das musst du später nachholen. Zieh dir was an, sonst wirst du von deiner neuen Liebe die nächsten Tage nichts haben, weil du flach liegst.“ Dexter gab Ian die Kleider und schmunzelte darüber, dass die Lippen der beiden sich partout nicht trennen wollten.

Doch dann war es Randy, der reumütig einen Rückzieher machte. „Dexter hat Recht. Wir sollten verschwinden.“ Er war selbst überrascht, wie leicht ihm das Wort ‚wir‘ über die Lippen kam. Es bedeutete nicht Ian und Randy sondern sie beide, zusammen, gemeinsam. Plötzlich fühlte sich der Vampir wie in einem Rausch als die Erkenntnis ihn traf wie ein Hammerschlag. Man sah wie er einen Schritt zurück taumelte. Um es zu überspielen, griff er hastig Ians Kleider und reichte sie ihm.

Keiner fragte, ob Randy sie begleiten würde – es stand nicht zur Diskussion. Sie gehörten zusammen. Ian hatte sich entschieden.

„Anziehen“, knurrte Dexter, als Ian schon wieder nach Randy greifen wollte. „Vampirverbot, bis du wieder voll bekleidet bist“, hängte er noch an, als er ein wenig konfus angesehen wurde. Der Schakal hatte sichtlich Spaß, denn so hatte er Ian schon ewig nicht mehr erlebt. „Was... wie?“, murmelte Ian und sah auf die Kleider in seiner Hand. „Ach so... ja klar.“ Erst jetzt merkte Ian wie kalt es war und zog sich schnell an.

„Wenn du ihn lieb bittest, dann zieht er sie vielleicht wieder für dich aus“, konnte sich Dexter nicht verkneifen, als er beobachtete, wie Randy wehmütig zusah, wie der stattliche Leib mit schnödem, störendem Stoff verhüllt wurde. Der Vampir knurrte leise, grinste aber. Er konnte es immer noch nicht begreifen. Ian war wieder bei ihm – und er hatte so süße Worte gesagt, Worte, die Randy noch in seiner Erinnerung herrlich heiß den Rücken runter strichen und am Bauch wieder hoch.

Ian verdrehte die Augen. Da hatte Dexter wieder etwas, womit er ihn aufziehen konnte, aber das war ihm egal. Er schloss seine Jacke und zog Randy wieder an sich und orientierte sich kurz. „Der Wagen müsste irgendwo da hinten sein. Lasst uns einen Weg suchen, dann ist es einfacher.“ Aber bevor er loslief, küsste er seinen Schatz. Schließlich war das Vampirverbot ja vorbei und Randy hinderte ihn nicht daran. Ganz im Gegenteil. Er genoss den Kuss, kostete ihn aus und allmählich wurde ihm bewusst, dass das hier wirklich passierte, dass Ian ihn gesucht hatte. „Tut mir leid, dass ich dir schon wieder Umstände gemacht habe“, sagte er leise und löste sich ein wenig, um Ian ansehen zu können. Er konnte sich an dem Mann einfach nicht satt sehen. Schon verrückt.

„Du machst keine Umstände. Ich bin nur froh, dass dir nichts passiert ist.“ Ian strich Randy über die Wange und stemmte sich in den Boden, weil von hinten geschoben wurde. „Wir gehen ja“, rief er über die Schulter und legte einen Arm um seinen Vampir.

„Ich hab's nicht mehr ausgehalten. Deswegen habe ich mich heute abgesetzt, als du im Büro warst. Ich weiß, das war egoistisch und feige, aber ich…“ Weiter kam Randy nicht. Ian legte ihm lächelnd einen Finger an die Lippen und der Vampir schwieg. Er verschränkte die Finger seiner Hand mit der von Ians und kuschelte sich dichter in den Arm, der ihn hielt. Dexter lief hinter ihnen und war einfach nur froh, dass alles am Ende doch noch ganz gut ausgegangen war, dass Ian schnell genug geschaltet und Randy schnell zu finden gewesen war.

„Ich weiß, dass ich ziemlich dämlich gewesen bin und ich dich wohl ziemlich gequält habe mit meinem Verhalten.“ Jetzt im Nachhinein war Ian klar, was er angestellt hatte, weil er ziemlich blind gewesen war. Aber jetzt war das vorbei. Er hatte sich entschieden. „Lass uns nach Hause gehen. Du bist ja halb erfroren.“

„Nach Hause“, murmelte Randy leise und es klang gut. Er hatte lange kein Zuhause mehr gehabt und er fand, dass Ians Haus mit dem großen Garten und den landschaftsgestaltenden Katzen ein sehr schönes Zuhause war. Was nicht zuletzt am Eigentümer lag. Er grinste dümmlich und holte tief Luft. „Ich hoffe nur, dass Mc Manner dir nicht irgendwann noch einmal auflauert“, sprach er die Sorge aus, die noch in ihm schwelte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er jetzt Ruhe haben sollte. Nicht nach dem Zusammentreffen heute. Instinktiv griff er Ians Hand fester.

„Warten wir es ab. Ich kann mich ganz gut wehren und für die Kinder werde ich Bodyguards einstellen. Das hatte ich schon länger überlegt, jetzt wo sie größer werden und Maria nicht immer mit ihnen unterwegs sein kann.“ Ian nahm die Bedrohung zwar durchaus ernst, aber er ließ sein Leben davon nicht bestimmen. „Wir werden eine Lösung finden.“

„Das sagst du so einfach“, entgegnete Randy und er musste zugeben, wenn Ian es sagte, klang es auch einfach. Der Vampir war fast versucht, es wirklich zu glauben, so wie er eigentlich alles glauben würde, was Ian ihm sagte. Zum Beispiel, dass er ihn total erwischt hätte, Blattschuss und rettungslos. Wieder huschte es heiß über Randys Körper und er kicherte.

„Hier lang, der Wagen steht da drüben in der Seitenstraße“, sagte Dexter und bog an einer Kreuzung ab.

„Schatz, warten wir es ab. Ich mach mich nicht verrückt, nur weil etwas passieren könnte. Wenn es soweit kommen sollte, werde ich etwas unternehmen.“ Ian war mit dieser Einstellung bisher ziemlich gut gefahren. Er zeigte Randy den Wagen, als sie um eine Ecke bogen und warf Dexter den Schlüssel zu. „Du fährst.“

„Was?“, schoss der Schakal zurück. Doch er grinste. „Das ist dein Wagen, du wirst fahren, Ian. Wenn ich ihn kaputt mache, gibt das nur Ärger mit der Versicherung. Ich werde mich so lange um Randy kümmern und ihn untersuchen. Kann gut sein, dass er mehr Schaden genommen hat als man oberflächlich sehen konnte“, entgegnete der Schakal und warf den Schlüssel zurück. Er hatte gerade sichtlich seine Freude.

„Dex“, knurrte Ian, der ganz genau wusste, dass er gerade verarscht wurde. Er wollte eigentlich nichts anderes, als mit Randy hinten zu sitzen und mit ihm schmusen. „Das mit dem Untersuchen mach ich und meine Versicherung lass meine Sorge sein.“

„Dir kann man nicht mal Büsche anvertrauen, Freundchen. Da werde ich dir wohl einen meiner Patienten überlassen.“ Dexter wollte sich noch nicht geschlagen geben, doch Randy versicherte, dass er auf die Untersuchung aus freien Stücken verzichten würde. Auch er würde sich jetzt gern einfach halten lassen wollen, sich in Ians Arme kuscheln und endlich begreifen, was heute alles passiert war. „Bitte“, fügte er noch mit großen Kulleraugen an. Bei Simon zog das immer, so bekam der Kleine jeden weich.

„Uah, weiche von mir“, lachte Dexter und hielt Randy seine überkreuzten Zeigefinger entgegen. „Ich fahre ja schon.“ Er schnappte sich den Schlüssel und öffnete den Wagen, damit sie einsteigen konnten. Ian zog Randy auf den Rücksitz und legte gleich die Arme um ihn. „Endlich“, murmelte er leise und fing gleich die weichen Lippen zu einem Kuss ein.

„Das hätten wir einfacher haben können“, lachte der Vampir leise, doch es war keinerlei Vorwurf in der Stimme. Er war zufrieden, so wie es war und gesehen zu haben, wie Ian für ihn gekämpft hatte, machte Randy ganz hibbelig. Das hatte wirklich noch nie jemand für ihn getan – nicht einmal in der guten alten Zeit, als Kämpfe noch an der Tagesordnung waren. Doch daran wollte er nicht denken, sich nicht erinnern, er wollte fühlen, was Ian ihm bereit war zu geben und das war alles, was Randy brauchte.

Dexter sah noch einmal in den Rückspiegel und grinste zufrieden. Er hätte vor ein paar Stunden noch nicht geglaubt, dass es jetzt so enden würde. Doch er war zufrieden. Er schickte seiner Frau eine kurze Nachricht mit der Entwarnung, dann fuhr er los.

Ian und Randy hinten auf dem Rücksitz waren vollkommen in ihrer eigenen Welt versunken. Sie erforschten den jeweils anderen und außer leisen, genießenden Seufzern war nichts zu hören. Dexter guckte nicht oft in den Rückspiegel, weil ihn das zu sehr ablenken würde, aber er war schon neugierig, das musste er zugeben.

Er konnte sich nicht erinnern, Ian jemals so erlebt zu haben wie heute. Als er sich mit den Pumas angelegt hatte, war er kaum wiederzuerkennen gewesen. Die Kraft, die Entschlossenheit. Durch und durch ein Schneeleopard. Sie waren nicht die größten Katzen, doch sie rissen Beute, die um einiges größer war als sie selbst. Sie wussten also genau, wie man effektiv tötete, und Ian wäre dazu bereit gewesen. Dexter musste irgendwann in einer ruhigen Stunde mit seinem Freund darüber reden. Doch nicht heute, nicht morgen. Ian war glücklich und das hatte er sich auch verdient.

„Da wären wir“, erklärte Dexter, als er den Wagen vor der Tür geparkt hatte.

„Oh... äh... ja klar“, stammelte Ian, der sich nur schwer von Randy lösen konnte. Er holte tief Luft. „Wow“, flüsterte er Randy ins Ohr und grinste ziemlich dämlich, so glücklich war er. „Nimm den Wagen ruhig mit zu dir, dann musst du nicht laufen. Wir werden ihn heute bestimmt nicht mehr brauchen.“

„Das glaube ich ungesehen“, lachte Dexter, „ich stell ihn dir morgen früh vor die Tür und werf den Schlüssel an die übliche Stelle und ihr macht, dass ihr rein kommt. Randy ist vielleicht dein Freund, aber mein Patient. Und wenn du ihn irgendwie kaputt machst, dann bekommst du Ärger mit seinem behandelnden Arzt.“ Dexter winkte noch mal zum Abschied, er wollte gar keine Antwort, er machte lieber, dass er vom Hof kam.

„Er ist ein toller Freund“, sagte Randy leise, lehnte sich aber wieder an Ian. Das Haus lag sehr still. „Sind die Kinder nicht da?“, fragte er deswegen alarmiert.

„Nein, sie sind bei Dexter und er ist wirklich der beste Freund, den man sich wünschen kann.“ Ian zog Randy zum Haus. Jetzt wo die Aufregung vorbei war, war ihm kalt und er wollte sich nur noch mit Randy auf die große Couchlandschaft kuscheln und genießen, dass er wieder da war und vor allen Dingen gesund. „Kakao?“, fragte er und schloss die Tür auf.

„Unbedingt. Und ich könnte die dicken Socken vertragen, die du mir gegeben hattest“, erklärte Randy, denn auch er fing an zu klappern. Es hatte sich im Laufe des Tages ordentlich abgekühlt und so schwer wie die Wolken hingen, würde es ihn nicht wundern, wenn es heute Nacht schneien würde. Jetzt fand er die Vorstellung romantisch. Vor ein paar Stunden noch hätte das für ihn eine lausig kalte Nacht im Freien bedeutet. Er schob seine Hand in Ians und dann in dessen Jackentasche, während der Kater mit der anderen den Schlüssel ins Schloss schob.

„Okay, du kuschelst dich schon mal auf die Couch. Ich bringe dir Socken und dann geh ich duschen.“ An Ian klebte noch das ganze Blut, das wollte er gerne loswerden. Randy wurde noch einmal schnell geküsst, dann war Ian auch schon unterwegs und holte die Socken, damit Randy warme Füße bekam.

Nur für eine Sekunde hatte er fragen wollen, ob er nicht mit duschen kommen durfte, doch er ließ es bleiben. Sie hatten Zeit dafür und wenn Ian für alles bereit war, dann würden sie ihren Weg schon finden. Der Anfang war doch schon mal ziemlich gut gewesen.

Da sie heute allein waren, mussten sie die Couch nicht ausziehen. Es reichte die Ecke, die Dexter vor ein paar Tagen okkupiert hatte. Da mussten sie sich eng zusammen kuscheln. Randy strahlte allein bei dem Gedanken daran. Schnell waren Decken und Kissen gerichtet und er war aus den Straßenklamotten gekrochen. Nur in Pullover und dicken Socken huschte er unter die Decken und lauschte.

Ian beeilte sich unter der Dusche, zog sich einen bequemen Jogginganzug und ebenfalls dicke Socken an und fühlte sich gleich viel besser. Leise vor sich hin summend bereitete er in der Küche den Kakao und brachte die zwei dampfenden Tassen ins Wohnzimmer. Seine Augen leuchteten, als er sah, was Randy vorbereitet hatte.

„Ich hab‘s schon ein bisschen angewärmt“, lachte Randy und lupfte ein bisschen die Decke. „Komm schnell her, ehe es kalt wird und du morgen Ärger mit meinem behandelnden Arzt bekommst, weil ich mich in deiner Obhut erkältet habe.“ Er lachte ausgelassen und streckte Ian die Hände entgegen, um ihm die Tassen abzunehmen, damit auch er sich einkuscheln konnte. Zum Glück hatte die Couch ein Beistelltischchen, auf die Randy die heißen Tassen erst einmal abstellte. Die klammen, kalten Finger schmerzten bei dem heißen Porzellan.

„Lieber nicht, das ist keine gute Idee. Bei seinen Patienten kennt Dexter keinen Spaß.“ Ian kroch zu Randy und raffte ihn auch gleich an sich. „Das hat mir von Anfang an gefallen. Ich wollte dich immer nah bei mir haben, weil ich mich dann nicht mehr alleine gefühlt habe. Es war schön.“

„Es war viel zu schön“, sagte Randy mit roten Schatten unter den Augen. Doch er ließ sich näher ziehen und drängte sich selbst ebenfalls dichter an Ian. Er roch unglaublich. Das dezente Duschgel konnte den Geruch des Katers nicht ganz verdecken und so strich Randy verträumt mit seiner Nase über Ians Schulter, den Hals. „Allein deine Nähe hat mich fast um den Verstand gebracht“, flüsterte er dabei heiser und schloss die Augen.

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht quälen.“ Dass Ian es nicht bewusst gemacht hatte, machte es für ihn nicht besser. Darum entschuldigte er sich auf die Art, von der er wusste, dass Randy es gefiel. Er zog den Vampir in einen süßen Kuss. „Ich liebe dich“, flüsterte er dabei.

„Du machst mich glücklich“, flüsterte Randy gegen Ians Lippen und so gern er die Kinder hatte, im Augenblick war er nicht böse darüber, dass sie allein waren. Dass sie sich Zeit nehmen konnten für all das, was sie beide bereit waren einander zu geben. Seine Hände strichen über die warme Haut, verirrten sich immer wieder in dem feuchten, hellen Haar und seine Lippen liebkosten das andere Paar mit all seiner Liebe und Zuneigung.

So genossen sie ihre Zweisamkeit und Ian verlor nach und nach seine anfängliche Scheu, Randy zu berühren. Trotzdem war er nervös, weil er nicht wusste, was Randy von ihm erwartete. Er war nicht nur aus der Übung, sondern hatte von dem, was auf ihn zukam, keine Ahnung.

Doch Randy war bisher mehr als zufrieden. Er strich über Ians Haut und schob ihm vorsichtig ein Bein zwischen seine, um zu sehen wie der Kater reagierte. Er wollte ihn nicht drängen, nur ein wenig in die richtige Richtung schubsen und ihm gestatten, sich etwas zu trauen, auch wenn er vielleicht nicht sicher war. „Du kannst nichts kaputt machen, Süßer. Mach mit mir das, von dem du möchtest, dass es jemand mit dir macht. Dann kann es nicht das Falsche sein.“ Und schon strichen seine Lippen weiter über die Lippen, die Wangen, die Schläfen.

„Alles?“, fragte Ian und seine Wangen schattierten sich etwas. Ihm schwirrte nämlich so vieles durch den Kopf, seit Randy ihn mehr und mehr erkundete. Es schickte kleine elektrische Blitze durch seinen Körper und das war sehr angenehm.

Der Vampir zog sich an Ians Körper etwas höher und küsste ihn aufs Ohr. „Wirklich alles“, flüsterte er und rieb mit seiner Nase langsam durch Ians Haar. Vorsichtig legten sich seine Hände auf dessen Schultern und drückten den Kater so flach auf die Couch. Sie hatten Platz, den konnten sie nutzen. Und da es Randy allmählich warm wurde, kroch er etwas unter seiner Decke hervor. So hatte er mehr Freiraum, um den Kater zu genießen. Er streichelte ihn mit seinem Körper, mit seinen Blicken, mit seinen Worten.

Nun wurde Ian richtig rot, denn ein Gedanke, hatte sich in seinem Kopf festgesetzt und weil Randy ihm ja die Erlaubnis gegeben hatte, probierte er es einfach aus. Vorsichtig, immer bereit sich zurückzuziehen, falls es seinem Freund nicht gefallen sollte, legte er seine Hände auf Randys Hintern. Er traute sich nicht fest zuzupacken, aber seine Finger streichelten über die straffen Rundungen.

„Du hast unglaubliche Hände“, flüsterte Randy und wand sich wie eine Katze vor lauter Behagen „als wären sie nur für mich gemacht worden – sie passen so haargenau auf meinen Körper, das ist der Wahnsinn.“ Sein heißer Atem strich über Ians Schläfe, seine Wange. „Fass mich fester an. Und lass mich nie wieder los, Süßer, nie wieder.“ Gedankenverloren strich er mit seinen Lippen über Ians Gesicht, den Hals, die Schultern und ließ seine Hände ebenfalls wandern.

Ian schloss die Augen und seine Finger griffen fester zu. „Nie wieder, Babe. Ich lasse dich nie wieder los. Wir gehören zusammen, das weiß ich jetzt.“ Mutig geworden, weil es Randy offensichtlich gefiel, was er tat, ließ er seine Hände wandern. Langsam, jederzeit bereit, sich wieder zurückzuziehen, schob er seine Hände unter Randys Pullover. Und um Ian zu zeigen, wie zufrieden er mit der Entwicklung war, suchte er sich wieder dessen Lippen und küsste den Kater harsch und leidenschaftlich. Ian durfte ruhig spüren, welche Energie er in Randy freisetzte. Vorsichtig ließ er sein Bein zwischen Ians sich bewegen. Nicht viel, aber doch so, dass der Kater merken musste, dass es kein Zufall war.

Ian riss die Augen auf und stöhnte leise. Das war etwas völlig Neues für ihn, dass er auf einen Mann so reagierte, aber es war einfach grandios. Seine Hände griffen fester zu. Er wollte auf gar keinen Fall, dass Randy sich wieder entfernte. Ohne es wirklich zu merken, hob er sich dem Vampir entgegen und versuchte so den Druck zu erhöhen.

Randy lächelte zufrieden und ließ seine Lippen wandern. Nicht im Traum hätte er erwartet, Ian jemals so genießen zu dürfen und so nahm er sich die Zeit, die sie beide brauchten. „Liebe dich“, hauchte er, ehe er die weichen Lippen wieder verschloss und den Druck auf Ians Schoß intensivierte.



 

Laila: Ein Märchen zu Weihnachten

Teil 1

Überall brannte Licht in den Fenstern des großen Hauses. Jedes davon war weihnachtlich geschmückt.

In den beiden oberen Fenstern klebten schöne Fensterbilder, während in den großen Fenstern LED Lichterketten hingen.

Es schneite bereits seit Stunden, sodass überall die weiße Pracht lag. Die perfekte Atmosphäre für ein schönes Weihnachtsfest.

Seufzend sah sich Roy in dem großen Wohnzimmer um. Ein breites Grinsen stahl sich auf seine schönen Züge, als er seinen Geliebten sah, der Jamie, seinen kleinen Sohn, im Arm hatte.

Wie viel sich doch in den letzten Monaten und Jahren geändert hatte.

Als er 18 war hatte er Jack das erste Mal getroffen. Einen Mann der fast 20 Jahre älter war als er selber, so schön und doch so gefährlich.

Ein Mann der für Geld tötete. Ein Profi in jeder Art und Weise.

Aber Jack hatte nicht mit den Gefühlen gerechnet, die so ein junger Mann wie Roy in ihm wecken konnte. Schließlich war er JB, der gefürchtetste Auftragskiller im ganzen Land. Aber ein junger blonder Mann hatte alles verändert.

Nach einer einzigen Nacht hatte er Roy alleine gelassen, mit dem Wunsch, Roy solle ihm nicht folgen.

Für diesen Jungen war kein Leben mit Waffen und Blut bestimmt. Aber Roy hatte nicht auf ihn gehört. Seine Liebe und Sehnsucht für Jack war zu groß gewesen.

Acht Jahre hatte er nach Jack, seiner großen Liebe gesucht. Hatte dabei gelernt zu kämpfen und zu töten. Heute war auch er ein Profi und ein wandlungsfähiger Künstler. Es war eine Kunst nie erkannt zu werden.

Es hatte lange gedauert, aber sie waren wieder zusammen. Ein unterschiedliches Paar, nicht nur ihres Alters wegen.

Aber sie waren glücklich. Sie waren endlich vereint.

Ihr erstes gemeinsames Weihnachten war nur ein kleines Fest gewesen, aber wunderschön. Sie hatten die Kirchen besucht und dann ihre Geschenke getauscht.

Der Rest des Weihnachtsfestes war Leidenschaft für einander gewesen.

Ein paar Monate später hatten sie plötzlich zwei Kinder.

Wenn Roy heute daran dachte, konnte er nur den Kopf schütteln. Einfach zu viel war passiert.

Erst hatte Jamie ihr Leben verändert und dann Donny.

Jamie war 4 Jahre alt und Jacks leibliches Kind. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein Beamter vor ihrer Tür stand, hatte er nichts von dem Jungen gewusst.

Jamie war ein Unfall, ein Ausrutscher mit einer Frau, die nun bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Ohne zu zögern hatten sie den Jungen bei sich aufgenommen

Roy liebte Kinder und er hatte den Kleinen sehr schnell in sein Herz geschlossen. Sie als schwules Paar würden nie Kinder haben, da war Jamie ein Segen.

Von diesem Moment an hatte sich ihr Leben komplett verändert. Ein Leben als Auftragskiller war nicht mehr möglich, aber etwas anderes kannten beide nicht.

Geldsorgen gehörten dennoch nicht zu ihrem Leben dazu. Ihr bisheriger Job hatte ihnen genug eingebracht, so dass sie problemlos davon leben konnten.

Für Jamie hatten sie dieses Haus außerhalb der Stadt gekauft, da das Loft in der Stadt einfach zu klein war. Hier fanden nun auch Roys zwei Katzen ein richtiges zu Hause.

Kurze Zeit später waren sie buchstäblich über Donny gestolpert.

 

Es war nur ein kleiner Routine Auftrag gewesen und nicht sehr gefährlich. In dieser Zeit kümmerten sich zwei Freunde um Jamie.

Auf einem alten Industriegelände sollte ein Drogendeal stattfinden.

Die Zielperson war der Verkäufer. Nur ihn sollten sie ausschalten. Alle anderen sollten am Leben bleiben. Fragen gab es in diesem Job nicht.

Als sie ihre Aufgabe erfüllt hatten und verschwinden wollten, stolperten sie in einer Seitengasse über Donny.

Der braunhaarige Junge, war gerade mal 15 Jahre alt und ein Straßenkind. Jeder Tag war ein Kampf ums überleben, da er keine Eltern mehr hatte. Niemand kümmerte sich um ihn. Nicht einmal der Staat.

Da ihnen die Gangster auf den Versen waren, hatten sie Donny einfach mitgenommen. Eigentlich hatten sie vorgehabt, den Jungen weiter weg abzusetzen, aber Roy konnte nicht. Der Kleine hatte etwas an sich was ihn tief berührte.

Ohne weiter darüber nachzudenken, hatten sie ihn mit nach Hause genommen.

Sie gaben ihm Halt, Essen, ein Dach über dem Kopf und eine Familie.

Nie hatte Donny gedacht, jemals wieder in einem richtigen Bett schlafen zu dürfen, eine Familie und einen Bruder zu haben. Das einzige, was er kannte, war die Straße und die Freier, die jede Nacht kamen.

Sie waren eine ungewöhnliche Familie, aber glücklich.

Roy grinste als er daran dachte, wie sich in einem Jahr alles verändert hatte.

Als er das Tablett mit den Getränken auf den Tisch stellte, grinste er immer noch.

Sein Blick wanderte zu Jack. Dieser hob den Kopf und sah ihm genau in die Augen. In ihnen lag Glück und eine tiefe Liebe.

 

“Komm zu uns, mein Schöner”, sagte Jack.

Augenblicklich gehorchte der Jüngere. Er ging auf seinen Mann und Jamie zu und ließ sich neben ihnen nieder.

Der kleine spielte gerade mit seiner neuen Eisenbahn, die der Weihnachtsmann gebracht hatte.

Fröhlich quiekend robbte er über den Boden und schob das Weihnachtspapier zur Seite.

Grinsend schüttelte Jack den Kopf. Konnte dem Jungen aber nicht böse sein. Obwohl er kein Fan von Unordnung war.

“Bist du glücklich?”, fragte Roy leise.

Schwarze Augen bohrten sich in seine, als Jack nickte.

Er streckte die Hand aus und strich hauchzart über Roys Wange und Kinn. Die Augen geschlossen, genoss er die sanfte Berührung. Wie sehr er diesen Mann doch begehrte, liebte, brauchte.

“Ja. Ich habe alles was ich mir je gewünscht habe. Danke für dieses Leben, mein schöner Engel. Ich habe so viele Sünden begangen und dennoch bist du und die Jungs hier und ich darf endlich glücklich sein.”

Die Worte waren leise und passten nicht zu diesem sonst so kalten und beherrschten Mann.

Jack gab sich nur in Gegenwart seines Geliebten offen und zugänglich. Es war seine Art des Schutzes und ein Weg mit seiner Vergangenheit klar zu kommen.

Weiche Lippen berührten seine und Jack gab sich ganz diesem Kuss hin. Er liebte seinen Engel über alles.

Fahrig strich Roy mit den Händen über die Arme seines Geliebten. Wanderten an dessen Seiten nach unten, während ihre Zungen einen wilden Tanz aufführten.

Hart drückte er Roy nach hinten gegen das Sofa. Eine Hand hatte sich unter das enge Hemd geschoben und koste dort die weiche Haut. Es war berauschend und fühlte sich immer wieder neu und erregend an.

Die Kinder waren in diesem Moment völlig vergessen.

Donny hockte in einem der gemütlichen Sessel und besah sich seine neuen Sachen. Seine neuen Väter hatten sich nicht lumpen lassen. Die Geschenke waren unglaublich. Nie hätte er gedacht, dass sich jemand so um ihn kümmern könnte und dass es Menschen gab, denen er wichtig war. Dabei störte es ihn auch nicht, dass die beiden schwul waren. Schließlich stand er ja auch auf Männer. Auch wenn das Anhand seiner Vergangenheit auf der Straße verrückt war.

“Nachher, wenn die Kinder im Bett sind, gehörst du mir”, hauchte Jack atemlos.

Seine Finger lagen auf dem flachen Bauch und massierten ihn sanft.

“Bekomme ich dann mein Weihnachtsgeschenk von dir?”, fragte Roy.

Die Worte waren dunkel und voller Lust. Nichts liebte er mehr, als diesen Mann zu locken und zu reizen.

Liebevoll nannte er Jack immer wieder: alter Lüstling, denn das war dieser Mann auch, aber es passte zu ihm und Roy genoss es in vollen Zügen.

Als sich ihre Blicke trafen, lag in den schwarzen Augen nichts weiter als Begierde.

“Oh das wirst du. Ich werde dich nachher zum Schreien bringen.”

Damit stahl er sich noch einen langen Kuss.

Der Hunger nach Roy kannte keine Grenzen.

Die Finger glitten durch die schönen blonden Haare und dann über Roys Gesicht. Auch wenn sie fast 20 Jahre trennten, so sah man es ihnen nicht an.

“Ich freue mich schon drauf. Ich habe auch eine Kleinigkeit für dich, was nicht für die Augen der Kinder bestimmt ist”, flüsterte der Jüngere.

Jack hob fragend eine Augenbraue. Noch ein Geschenk? Sie hatten doch die Geschenke bereits getauscht. Aber er kannte seinen Liebsten und auch dessen Hang zu Überraschungen.

Sich über die Lippen leckend, grinste Roy verführerisch. Wusste er doch genau welche Wirkung diese Geste hatte.

Leise knurrend rutschte Jack noch etwas näher. Er kniete direkt über seinem Freund und drückte ihn mit dem Rücken gegen das Sofa.

“Hör auf damit. Du machst mich noch verrückt. Ich falle sonst über dich her”, seufzte der Ältere.

Ein glockenhelles Lachen ertönte, als Roy spielerisch die Hände über Jacks Rücken gleiten ließ.

Oh, wie er dieses Spiel doch liebte!

Aufreizend klimperte er mit den Wimpern.

“Dann tue das doch. Ich hätte nichts dagegen.”

Lasziv leckte er sich über die Lippen. Es war nicht zu übersehen, dass er nichts lieber wollte als Sex mit seinem Freund.

Jack wollte gerade antworten, als ihn ein lautes Räuspern zurückholte. Er blinzelte ein paar Mal und hob dann den Kopf.

Auf dem Sofa saß Donny und grinste frech.

“Könnt ihr das nicht später machen, ihr Süchtigen? Obwohl ich persönlich ja nichts dagegen hätte wenn ihr es hier treibt”, meinte der Junge.

Sein Grinsen wurde noch breiter, als er Jacks finsteren Blick sah.

Es wäre nicht das erste Mal wenn er seine Väter beim Sex erwischte.

Schon zweimal hatte er die beiden gesehen.

Aber Jamie musste das nicht. Dafür war er noch zu jung.

“Du kleine Nervensäge. Aber wir sollten vielleicht etwas essen”, brummte Roy.

Auch wenn er es ungern tat, so schob er Jack von sich, aber nicht ohne sich einen langen Kuss zu stehlen.

Donny zog den Kopf ein, half Roy dann aber mit dem Essen.

Jack deckte den Tisch und schaltete den Fernseher an.

“Ich will ein Märchen gucken”, meldete sich Jamie zu Wort.

Die Eisenbahn unter dem Arm geklemmt stand er vor dem Tisch und zeigte auf den Fernseher.

In den letzten Wochen hatten sie fast nur Märchen gesehen und Jack hatte davon die Nase voll. Als dann auch noch Roy auf: “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” bestanden hatte, fühlte er sich wirklich verloren.

Zähne knirschend hatte er es hingenommen und mit seinem Liebsten zusammen das Märchen geschaut. Was sein Freund daran fand, wusste er immer noch nicht.

Aber er hatte später eine Entschädigung von seinem Geliebten bekommen.

“Nicht schon wieder”, murrte nun auch Donny.

Er saß bereits am Tisch und schob sich ein Stück Gurke in den Mund.

“Doch, ich will Märchen gucken”, krähte Jamie.

Er zog die Lippen zu einem Schmollmund zusammen. Flehend sah er seinen Vater an, bis dieser ergeben nickte.

Eine Wahl hatte er ja nicht.

Begeistert klatschte Jamie in die Hände und suchte sich einen Film aus.

Kurz darauf lief : “Die Schneekönigen” als Trickfilm.

Diesen Film mochte auch Roy nicht, aber für den kleinen konnte er sich so etwas schon einmal antun.

Ohne auf den Fernseher zu achten, stocherte Donny in seinem Essen herum. Immer wieder wanderte sein Blick zu seinem Handy, welches auf dem Tisch lag.

“Er wird sich schon melden. Warte es ab, Kleiner”, sagte Roy und grinste aufmunternd.

Er wusste, dass Donny einen Freund hatte. Sie kannten sich noch nicht lange. Bis jetzt hatten sie sich nur geküsst, mehr nicht. Aber Donny mochte Jason und wollte mehr von ihm.

Ertappt zog er den Kopf ein. Auch wenn er seine Väter liebte und Roy ihm immer zuhörte, wollte er ungern über Jason reden. Seine Väter kannten ihn nur flüchtig.

“Du hast sicher Recht”, gab er kleinlaut zurück.

Jack zog nur einen Braue nach oben, sagte aber nichts. Wenn Donny reden wollte, dann tat er das sicher auch.

Schweigend aßen sie weiter. Nur Jamie plapperte immer mal wieder dazwischen.

“Trinken wir noch einen Glühwein? Ich hätte mal Lust auf was anderes”, wollte Roy nach dem Essen wissen.

Donny lümmelte neben ihm, immer noch das Handy in der Hand.

Jamie verfolgte den Film und bekam sonst nichts mit.

Jack hingegen grinste vor sich hin.

Als Roy fragend eine Augenbraue hob, zuckte dieser nur mit den Schultern.

Gemeinsam räumten sie den Tisch ab und Roy nahm eine Glühweinflasche aus dem Schrank und einen Topf.

Als das Getränk langsam erwärmt wurde, raubte sich Roy einen langen Kuss. Hart presste er sich an seinen Freund und wollte ihn gar nicht wieder los lassen.

Jack war sein Leben und er genoss jede Zärtlichkeit, die er bekam. Viel zu sehr genoss er das Gefühl, der warmen Finger auf seiner Haut.

Als sich ihre Lippen trennten, blinzelte der Jüngere ein bisschen. Sein Herz setzt einen Takt aus, als er Jack ansah. In den dunklen Augen lag nichts weiter als Liebe.

Hauchzart leckte Roy über die Mundwinkel seines Freundes und genoss das Zucken, das durch den großen Körper wanderte.

Hart wurde er an die Spüle in seinen Rücken gedrückt, als Jack noch näher kam.

Egal was früher war, sie gehörten zusammen.

Der Todesengel und sein Schützling.

Fahrig glitten Roys Hände unter das Hemd seines Freundes und kosten die Haut. Zufrieden spürte er das Beben unter seinen Fingern.

Er strich über die Rückenmuskeln, die Wirbelsäule entlang und berührte nur ganz sanft die Schusswunde auf dem linken Schulterblatt.

Jack seufzte wohlig. Wären die Kinder nicht, so hätte er Roy gepackt und ins Schlafzimmer gezerrt oder ihn direkt unter dem Weihnachtsbaum vernascht.

Aber dazu kam es leider nicht, da sich wieder Donny einmischte.

Hastig zog dieser den Topf Glühwein von der Herdplatte. Das Getränk sollte erwärmt werden und nicht kochen.

Den Kopf an Jacks Brust gepresst sah Roy den Jungen an und verzog leicht das Gesicht. War denn ein bisschen Ruhe zu viel verlangt?

Unschuldig sah Donny seine Väter an und zuckte dann die Schultern.

“Ich wollte nicht dass es überkocht. Wäre zu schade um den Alkohol”, erklärte er und suchte drei Gläser aus dem Schrank.

Beide Männer sahen sich einfach nur an, bis Roy lachen musste.

Widerstrebend löste er sich von Jack, aber es war ja nur für einen Moment. Bewaffnet mit drei Gläsern und dem Topf Glühwein ließen sie sich auf dem Sofa nieder.

Donny gesellte sich zu ihnen und nahm dankbar ein Glas an sich. Er trank gerne einen Schluck und so lange es nicht ausartete durfte er das sogar.

Jamie bekam eine Tasse mit Saft gereicht. Der Junge blätterte in seinem neuen Buch und betrachtete neugierig die Zeichnungen.

“Auf ein gemeinsames Weihnachtsfest und ein paar schöne Tage”, prostete Roy.

Er hielt das Glas in der Hand und stieß erst mit Donny, dann mit Jack an. Dieser grinste nur. In seinen Augen stand noch ein anderes Versprechen.

“Papa, erzählst du uns eine Geschichte?”, fragte Jamie.

Das Buch in der einen Hand und sein Stoffschaf in der anderen sah er seinen Papa vom Boden her an.

Ein bittender Ausdruck lag in den unschuldigen Kinderaugen.

Überrascht stellte Jack sein Glas auf den Tisch und zog eine Braue nach oben. Er und Geschichten erzählen?

Nun, er konnte das auch, aber die waren dann eher für Roys Ohren bestimmt und nicht für den Kleinen.

“Ich soll eine Geschichte erzählen? Willst du nicht lieber noch ein Märchen gucken? Dein Papa kann so was nicht”, wehrte Jack ab.

Neben ihm musste sich Donny ein Lachen verkneifen.

Da er endlich seine ersehnte SMS bekommen hatte, ging es ihm gut und er konnte wieder mit seinen Vätern rangeln.

“Ich will aber dass du uns ein Märchen erzählst. Bitte Papa”, murrte Jamie.

Die Arme vor der Brust verschränkt stand er vor dem Sofa und schmollte.

Hilfesuchend sah er seinen Liebsten an, aber der grinste nur frech.

Märchen waren toll, wenn er da an das erotische Märchenbuch dachte, was in ihrem Schlafzimmer stand.

“Na gut, Kleiner. Du bekommst dein Märchen. Was nehmen wir denn für eins?”

Roy tippte sich mit dem Finger an die Lippen, als er überlegte. Er hatte da bereits eine Idee.

“Wie wäre es mit Rotkäppchen?”

Sein Blick wanderte zu Jack, der die Mundwinkel verzogen hatte.

Warum nur er?

“Oh ja, ich will Rotkäppchen hören!”, jubelte Jamie.

“Ich auch”, fiel Donny ein.

Er rückte das Kissen zurecht, kuschelte sich somit bequem in die Polster. Eine Geschichte seiner Väter wollte er sich nicht entgehen lassen. So etwas war einfach immer lustig und alleine wollte er jetzt auch nicht sein.

Zweifelnd sah Jack ihn an. So hatte er sich den Abend nicht vorgestellt.

 

Roy kuschelte sich ebenfalls bequemer an seinen Liebsten und trank noch einen Schluck Glühwein.