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Britta + Fich: Katzenaugen VI

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Fünf Wochen waren ins Land gegangen. Randy hatte sich gut eingelebt und abgesehen von einer mittelschweren Enttäuschung bei Simon, dass Randy nicht – wie Molly – mit einer feierlichen Zeremonie im Central Park ausgesetzt wurde, lief das Leben in geordneten Bahnen. Ian und Randy gingen gemeinsam ins Büro. Das Team hatte den Neuen gut integriert. Anfangs hatte man Vorbehalte, weil er augenscheinlich der Lebensgefährte des Chefs war, doch als Randy zeigte, dass er nicht nur hier war, weil er Ian befriedigen konnte, sondern auch, weil er wusste wie man Lasten und Momente in Bauwerken beherrschte, gab es keine Probleme mehr.

„Komm, Schatz, lass uns Feierabend machen.“ Ian beugte sich von hinten über Randy und küsste ihn in den Nacken. Seine anfänglichen Berührungsängste hatte der Kater mittlerweile abgelegt und jetzt war es so, dass es ihm schwer fiel, seine Finger von seinem Liebling zu lassen. „Die Jungs warten auf uns. Bill hat mir eine SMS geschickt, dass Simon rumnörgelt, weil er Hunger hat, aber nicht ohne uns anfangen will.“ Simon und Bill hatten keine Probleme mit der Wahl ihres Vaters, es war sogar so, dass sie Randy mochten und ihn einfach in die Familie aufgenommen hatten. Simon hatte jemanden gefunden, mit dem er herrlich raufen konnte und Bill hatte endlich einen Verbündeten gegen seinen Vater. Und Randy stand manchmal ganz gern zwischen den beiden und unterstützte den Jungen, weil er sich dann hingebungsvoll bei Ian für den schändlichen Verrat entschuldigen konnte.

„Dann sollten wir los, nicht dass er… wow!“ Randy blickte auf. Er hatte seit dem Mittag ununterbrochen vor seinem PC gesessen und nicht einmal aufgesehen, weil er mit einer Berechnung zu kämpfen hatte. So war ihm völlig entgangen, dass es wohl irgendwann angefangen haben musste zu schneien. Der Blick aus dem Fenster war atemberaubend. So sollte es vier Tage vor Weihnachten aussehen – genauso. Für eine Sekunde hatte er alles vergessen - selbst Ian. Er starrte einfach aus dem Fenster des Hochhauses hinab auf die weiße Stadt.

Er war aufgestanden und stand vor dem Fenster, darum speicherte Ian alles und schaltete den PC aus. Er nahm Randys Tasche und legte einen Arm um ihn. „Ich freue mich schon darauf, mit den Jungs durch den Schnee zu tollen“, murmelte er leise und lachte. Jetzt würde er nicht mehr nur mit Bill und Simon tollen, sondern auch mit Randy.

„Das richtige Wetter für Schneeleoparden, hm?“ Randy nahm seine Jacke und zog sie sich über. Die ersten Wochen hatte er Beklemmungen gehabt, das Parkhaus zu betreten. Doch mittlerweile hatte auch sein Unterbewusstsein begriffen, dass ihm dort nichts mehr passieren konnte. So beeilte er sich zusammen mit Ian den Wagen zu besteigen und sich in den Verkehr zu stürzen. Einen Nachteil hatte das herrliche Winterwetter, sie schlidderten von einem Stau in den nächsten. So hielten sie sich mit sehnsuchtsvollen Blicken auf Ians Handy über Wasser. Denn weil Simon sich langweilte und es noch nichts zu essen gab, hatte er sich gewandelt und rollte und tobte durch den Schnee. Bill hatte ein paar Szenen gefilmt und den beiden Staubesuchern geschickt.

„Der hat's gut“, murmelte Randy leise.

„Ja, das hat er.“ Ian lachte, riskierte aber nur immer kurze Blicke. „Schnee ist das ideale Wetter für uns. Unser Fell ist warm und dicht, so dass wir nicht so schnell nass werden. Du wirst dich dick einpacken müssen, wenn du mit uns draußen bleiben willst.“ Ian strich Randy über das Bein und wechselte die Spur, weil er hoffte, dass sie dort schneller vorankamen.

„Ach, das wird schon. Und anschließend kann ich immer noch in die Wanne gehen und mich von einem erhitzten Schneeleoparden wieder aufwärmen lassen“, überlegte Randy. Die Wanne in Ians Schlafzimmer hatte es ihm wirklich angetan – das Bad war kein Bad, es war eine Wohlfühloase. Die Wanne war groß und ergonomisch geformt, sie hielt die Temperatur und außerdem hatte Ian noch einen Fernseher im Bad integriert. Dort konnte man es stundenlang aushalten. Und wenn man keine Lust auf Entertainment hatte, konnte man durch das verglaste Dach bei Kerzenschein die Sterne beobachten. Randy liebte das.

„Aber immer wieder gerne.“ Ian beugte sich kurz zu Randy rüber, weil er wieder anhalten musste. Er küsste seinen Schatz sanft und lehnte sich kurz bei ihm an. „Weißt du eigentlich, wie glücklich ich bin? Du machst mich glücklich, weil du mich und meine Jungs liebst. Wir sind wieder eine richtige Familie.“

„Ihr macht es mir sehr leicht, euch zu lieben“, sagte Randy und lächelte. Er strich Ian durch die Haare und hatte rote Schatten unter den Wangen. Er war es nicht gewohnt Komplimente zu bekommen, noch weniger, dass er so in den Mittelpunkt gerückt wurde. Doch er gewöhnte sich allmählich daran. „Die Jungs sind herzallerliebst und an dich kann man sich früher oder später auch gewöhnen“, lachte er und versuchte auf seinem Sitz auszuweichen, auch wenn das vergeblich war.

„Du“, knurrte Ian und pikste Randy in die Seite. Er lachte, konnte sich aber nicht lange mit seinem Schatz beschäftigen, denn der Stau löste sich langsam auf und er musste weiterfahren. „Na warte, du wirst schon noch merken, ob es gut ist, einen Schneeleoparden zu ärgern, wenn man mit ihm durch den Schnee tobt.“

„Oh“, machte Randy, als ihm die Lücke in seinem Plan auffiel. „Ich werde mich hinter den Kindern verstecken – sie werden mich hoffentlich beschützen.“ Randy war sich sicher, dass die beiden das tun würden, aber nicht in erster Linie um Randy zu schützen, sondern um sich auf ihren Vater werfen zu können und ihn durch den Schnee zu rollen. Randy musste sich unbedingt die Kamera greifen, er wollte Bilder davon machen.

„Das wird wahrscheinlich sogar klappen.“ Ian lachte und hupte einmal, weil das Auto vor ihm einfach nicht in den Quark kam. Sie waren eigentlich gar nicht mehr weit von Zuhause entfernt, normalerweise waren es noch fünf Minuten, aber jetzt wurden fünfzehn daraus, bis sie endlich durch das Tor fahren konnten. Eigentlich kam ihnen Simon meistens entgegen, in der Hand meistens schon das Besteck als dezenten Hinweis. Doch heute blieb die Tür geschlossen und so stiegen Ian und Randy aus, betraten das Haus und grüßten Maria, die gerade dabei war, die Kinder zum Essen zu rufen. Doch Randy hielt sie ab. Er wollte die Jungs toben sehen und so durchmaß er schnellen Schrittes den Flur und öffnete die Tür zum Garten. Und da waren sie, schoben mit den Pfoten Schnee zusammen, rollten sich durch die Haufen oder zupften an den Ästen der Bäume, damit der Schnee auf sie fiel. Schnell zückte Randy sein Telefon und machte ein paar Schnappschüsse.

Es gelang ihm auch ein sensationeller Schnappschuss, als ein dritter Schneeleopard in den Baum sprang und eine Schneelawine über den beiden Jungkatzen auslöste. Man konnte fast meinen, dass Ian grinste, als er sich schnell ins Haus flüchtete, seine Kinder hinter sich wissend. Die wilde Hatz, endete wie schon so oft im Badezimmer, wo schon Kleidung auf die Katzen wartete. So ging es dieses Mal ohne Besen und ohne abzuschließen.

Randy war derweil in die Küche vorgegangen und ging dort Maria ein wenig zur Hand. Er lernte von ihr, weil ihn das interessierte und er schon immer kochen können wollte. Es hatte bis heute zum Überleben gereicht, aber für einen anderen zu kochen hatte er mit seinen rudimentären Künsten nie gewagt. Maria ließ es zu und unterstützte Randy, sie gab ihr Wissen gern weiter und Randy nahm es dankend an. Während sich also die Katzen wieder vorzeigbar machten, kümmerte er sich um den Nachtisch – Grießbrei und Kirschen.

„Randy“, rief Simon laut, als er in die Küche kam und warf sich ihm in die Arme. Nachdem er sich damit abgefunden hatte, dass der Vampir nicht ausgesetzt wurde, hing er an ihm, denn keiner konnte so toll Geschichten vorlesen wie Randy. Während die beiden knuddelten, halfen Bill und Ian Maria das Essen auf den Tisch zu bringen.

„Na los.“ Randy kam mit Simon auf dem Arm zum Tisch und ließ den Jungen auf seinen Stuhl krabbeln, ehe auch er sich setzte. „Das sieht lecker aus und riecht, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft“, murmelte Randy und verschaffte sich einen Überblick. Seit der Vampir im Haus war, gab es mehr Gemüse. Nicht dass die Katzen ihren Konsum wirklich erhöht hätten, aber Randy mochte es gern. „Nudeln und Lachs.“ Seine Augen leuchteten, als er den Spinat zu sich zog. „Lasst es euch schmecken.“

In Windeseile waren die Teller gefüllt und Simon kaute mit vollen Backen. „Du, Randy, wie ist Schottland so? Haben die da auch Schnee?“, fragte er plötzlich und Ian versteckte sein Grinsen, indem er auf seinen Teller guckte. Er hatte sich kurz mit seinen Söhnen abgesprochen, weil er doch noch eine Überraschung für seinen Lieblingsvampir hatte.

„Ja, in den Highlands gibt es Schnee. Ich habe als Kind bitterkalte Winter dort verbracht. Monatelang eingeschneit. Es war schön, aber nicht leicht“, sagte Randy und zog sich den Salat heran. Maria machte ein Dressing, dem er einfach nicht wiederstehen konnte und er durfte immer die Schüssel auslecken, in der es angerührt worden war. „Aber jetzt schneit es hier ja auch und wir werden weiße Weihnachten haben. Wollen wir morgen nicht Schlittschuh laufen gehen?“ Er stoppte die Gabel vor seinem Gesicht, als die drei Katzen ihn so merkwürdig wissend ansahen.

„Nö, keine Lust und auch gar keine Zeit“, sagte Ian und grinste breit. „Unser Flieger geht morgen früh um elf, da wird das nicht mehr hinhauen.“ Ian aß seelenruhig weiter, auch wenn seine Söhne leise kicherten. „Ach übrigens, du solltest gleich besser packen, wenn du dieses Weihnachten in Schottland nicht auch frieren willst.“

Randy ließ die Gabel sinken und legte den Kopf schief. Er musste sortieren, was gerade gesagt worden war und wollte sich nur noch einmal vergewissern, dass er keinen Schnee im Ohr hatte. „In Schottland? Der Flieger geht um elf?“, wollte er noch einmal wissen und strich sich den langen Pony aus den Augen. Sein Liebling hatte ihm einiges zu erklären, wie er fand. „Mach aus den Brocken eine für mich schlüssige Information, Schatz!“

„Naja.“ Ian lachte und küsste Randy schnell. „Seit die Kiddies wissen, wo du geboren wurdest“, dabei fasste er Simon ins Auge, der wie so oft der Rädelsführer gewesen war, „liegen sie mir in den Ohren, dass sie dort unbedingt einmal hin wollten. Also habe ich mir überlegt, dass wir dort Weihnachten feiern können.“

„Was?“, fragte Randy und reihte die Fakten, die hinzugekommen waren in das Bild ein. „Und wo wollt ihr da hin? Und warum weiß ich davon nichts?“ Er fasste einen nach dem anderen einmal fest ins Auge, doch die grinsten ihn nur an, pfiffen sich eins, hatten wichtige Arbeiten mit den Nudeln auf ihrem Teller zu erledigen, die nicht warten konnten.

„Wenn du etwas gewusst hättest, wäre es keine Überraschung gewesen.“ Ian versuchte so niedlich zu gucken wie Simon, was aber nur bedingt gelang. „Überleg doch mal, wo wir wohl mit dir Weihnachten feiern möchten. Was wäre da geeigneter, als deine Wohnung im Schloss deiner Vorfahren.“

„Weiß der neue Besitzer davon?“, fragte Randy und sein so schon blasses Gesicht verlor noch etwas mehr Farbe. Er hatte schon lange vorgehabt, seine Heimat einmal wieder zu bereisen, doch er hatte es immer vor sich her geschoben. Jetzt so plötzlich in seine Vergangenheit geschubst zu werden, überfuhr ihn ein wenig, doch er war auch froh darüber, dass ihm jemand diese Entscheidung abgenommen hatte. „Nicht dass sie die Hunde loslassen, weil Katzen auf dem Burghof randalieren.“

„Natürlich“ erklärte Simon im Brustton der Überzeugung und brachte alle zum Schmunzeln. „Ich war dabei, als er die e-Mail geschrieben hat“, erklärte er wichtig, so als wenn das Ganze ganz alleine seine Idee gewesen wäre.

„Ach, na dann ist ja alles im grünen Bereich“, lachte Randy und sah Ian dankbar an. „Und du?“, wandte er sich an Bill. „Was war dein Beitrag an dem Komplott? Von deiner Antwort hängt dein Strafmaß ab, vergiss das nicht.“ Er grinste, wollte aber trotzdem wissen, wie der Älteste mit drinnen hing. Die drei waren schon eine eingeschworene Bande.

„Na, erstens habe ich dich ganz selbstlos durch sämtliche Klamottenläden geschleift, damit du auch genug warme Kleidung hast.“ Bill lachte, weil kurz Randys Gesicht entgleiste, denn die Shoppingtour lag schon mindestens drei Wochen zurück. „Und dann habe ich mich um das Rahmenprogramm gekümmert. Alles Kindertauglich und auch Kinderfreundlich.“

„Verräter“, knurrte Randy gutmütig. „Erinnere dich an diesen Verrat, wenn du mal wieder jemanden brauchst, der die Dreckskatzen ins Bad fegt.“ Er griff sich sein Glas und trank einen Schluck, doch dann grinste er und bedankte sich bei den dreien. Er wollte schon hoch schießen, weil er ja noch packen musste, doch da protestierte Simon. „Nachtisch!“, erinnerte er an das Problem, warum er noch nicht aufstehen und mit Randy zusammen packen konnte.

„Ach. Wird überbewertet – packen ist wichtiger!“, entgegnete Randy und tat als würde er sich wirklich erheben.

„Nein“, kreischte Simon. Das ging nicht, es gab doch seinen Lieblingsnachtisch. Grießbrei mit heißen Kirschen und Sahne. Darum sprang ein kleiner Schneeleopard gegen Randys Brust, brachte ihn ins Schwanken und ließ ihn wieder in den Stuhl plumpsen. „Nich“, bettelte auch gleich ein nackter, blonder Junge auf seinem Schoß und guckte elendig. Randy wusste im ersten Moment nicht, was er sagen sollte. Er wusste, dass Simon alles liebte was süß war, doch dass er es so sehr liebte!

„Maus“, murmelte Randy und zog den Jungen dicht an sich und umschloss ihn mit seinen Amen. Die Küche war nicht kalt, aber um hier nackt herum zu sitzen, war sie doch zu kühl. Hilfesuchend sah er sich zu Ian und Bill um, die unauffällig auf den Topf mit Grießbrei deutete.

„Du hast recht, Maus, nichts auf der Welt ist wichtiger als Grießbrei mit Kirschen“, lachte er leise und erhob sich, den nackten Simon immer noch auf dem Arm. Doch jetzt saß er auf seiner Hüfte, damit Randy eine Hand frei hatte, um den Nachtisch auszuliefern. Simon beobachtete das mit strengem Blick.

Bei Nachtisch war sich jeder Leopard der nächste. Zumindest sah Simon das so. Mit strengem Blick und leisen Knurrlauten stellte er sicher, dass er auch ja nicht zu kurz kam beim Umfüllen in Schälchen. Ian und Bill amüsierten sich köstlich, wie Randy immer wieder gespielt zusammenzuckte und Simons Anweisungen umsetzte. Heimlich machte Ian ein paar Bilder mit seinem Handy, denn es sah wirklich zu süß aus, wie die zwei da standen.

„Zufrieden?“, wollte Randy wissen als alles in Schalen verteilt worden war. Simon guckte noch mal drüber, zeigte auf die mit dem größten Haufen Leckerchen und erklärte, dass er die haben wolle. Maria ging aber gleich dazwischen, ehe Randy Zusagen machen konnte und erklärte, dass Simon die Schüssel nur bekam, wenn er sich wieder anziehen würde, sonst verteilte sie den Rest unter denen, die Kleidung trugen.

Sofort fing Simon an zu zappeln und Randy musste ihn runterlassen. Der Kleine wusste nämlich ganz genau, dass Maria das vollkommen ernst meinte, denn diesen Supergau hatte er schon erlebt. So wuselte er schnell zu seinem Kleiderhaufen zurück und zog sich an. Dass er dabei in der Eile auf Unterwäsche und Socken verzichtet hatte, fiel hoffentlich nicht auf.

Und die, denen es auffiel, sahen großzügig darüber hinweg. Es ging hier schließlich nicht um etwas so banales wie einen Hausbrand, sondern um Grießbrei mit Kirschen. Randy lachte leise und beobachtete Simon, wie er mit dem größten Löffel, den er hatte finden können, auf seinen Stuhl kletterte. Randy verteilte die Schüsseln, achtete darauf, dass Simon seine Schüssel bekam und blickte dann zu Ian. „Wie lange willst du denn nach Schottland? Und kannst du mir eine Reisetasche leihen? Ich habe keine.“

„Wenn du so lange Urlaub bekommst, würde ich gerne bis Neujahr in Schottland bleiben.“ Ian beugte sich zu Randy rüber und küsste ihn. „Ich habe schon eine Tasche für dich raus gelegt und auch ganz wichtige Sachen eingepackt, wie sexy Unterwäsche“, flüsterte er schmunzelnd und wippte mit den Augenbrauen. Eigentlich war Randys Tasche schon gepackt, der Vampir musste nur noch einmal drüber gucken und fehlendes ergänzen.

„Das kommt etwas kurzfristig, das muss ich erst mit meinem Chef besprechen“, entgegnete Randy und grinste. „Und das ist ein sehr strenger und gewissenhafter Mann. Ich weiß nicht, was er davon hält, wenn er heute erst erfährt, dass ich morgen für fast zwei Wochen nicht zur Verfügung stehen werde.“ Er tat, als müsste er darüber erst noch nachdenken. "Vielleicht nutze ich ja die Wäsche, die du schon eingepackt hast, um mich frei zu kaufen?“

„Das wäre auf jeden Fall etwas, womit du bestimmt Erfolg haben würdest.“ Ian fing noch einmal die weichen Lippen ein und sah aus den Augenwinkeln, dass Bill und Simon sich mit ihren Schüsseln absetzten. Sie wussten mittlerweile, dass diese kleinen Schmusereien sich doch etwas ausdehnen konnten. Da fiel es bestimmt auch nicht auf, wenn man denen noch etwas aus ihren Schüsseln klaute, bevor man sich absetzte.

Randy schob seine Schüssel gänzlich beiseite, gerade so als würde sie ihn nur stören und das sah Simon als Aufforderung, sie an sich zu nehmen, ehe das Leckerchen darinnen noch schlecht wurde. Und weil Bill fand, was der Kleine durfte, durfte er schon lange, so erleichterte er kurzerhand Ian um seine ganze Schüssel. Es machte weniger Flecken auf dem Tisch, einfach die ganzen Schüsseln zu klauen, als löffelweise Zeug zu entnehmen und vielleicht noch die Hälfte auf den Tisch zu kleckern. Nicht auszudenken – diese Verschwendung.

„Das klingt als würdest du meinen Chef kennen“, grinste Randy und ließ sich weiter küssen. Er liebte es ebenso wie der Kater, intensiven Körperkontakt zu spüren. Das machte ihn lebendig und er war gern am Leben.

„Ich habe von ihm gehört und dass er einem ganz bestimmten Vampir nicht widerstehen kann. Er liebt ihn nämlich über alles.“ Da die Kinder sich mit ihrer Beute abgesetzt hatten, zog Ian Randy auf seinen Schoß und küsste ihn richtig. „Ich freue mich darauf mit dir und den Jungs zu verreisen.“

„Und ich mich auch“, flüsterte Randy. Er lächelte Ian verliebt an und konnte in dem Augenblick gar nicht beschreiben, wie glücklich er war. Immer wenn er glaubte, er hätte den Gipfel seines Glücksberges erreicht, riss Ian die Wolken auf und lockte ihn noch ein Stück höher. Es war unglaublich mit diesem Mann. „Ich glaube, mein Chef wird unserer Reise nicht im Wege stehen.“ Doch dann fixierten seine Augen wieder Ians Lippen und er nippte daran, wieder und wieder und wieder, während Maria sich leise ebenfalls zurückzog.

Sie musste auch noch packen, denn sie wollte die Feiertage bei ihrer Familie verbringen. So packte Ian Randy fester und stand mit ihm zusammen auf. Ihn weiter küssend trug er seinen Schatz hoch in ihr Schlafzimmer und setzte ihn auf dem Bett ab. Er war einfach nur glücklich. Seine Kinder hatten Randy an seiner Seite voll akzeptiert. „Liebe dich“, flüsterte er und streckte sich neben Randy aus.

„Zeig's mir“, flüsterte Randy mit roten Schatten unter den Augen. „Beweise deine Worte.“ Er ließ sich nach hinten sinken und zog Ian mit sich, weil er die Arme nicht von seinem Kater lassen konnte. Er grinste, als er von unten – wie üblich quer durchs Haus gebrüllt – den Hinweis vernahm, sie sollten über den Schmusereien nicht das Packen vergessen, sie hätten morgen früh keine Zeit für solche Nebensächlichkeiten.

„Bill“, murmelte Randy und grinste. Der Junge hielt sie auf Trab – wirklich.

„Wie gut, dass ich schon für dich gepackt habe“, lachte Ian leise. Wenn er etwas vergessen hatte, konnten sie das bestimmt auch in Schottland besorgen. Davon ging er jetzt einfach mal aus, denn der Aufforderung seinen Schatz zu lieben, musste er einfach nachkommen. „Immer und jederzeit“, raunte er leise und beeilte sich seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Die Tür hatten sie sicherheitshalber abgeschlossen - es hatte einmal gereicht, dass Simon sie erwischt hatte. Der Kleine hatte damit zum Glück noch nichts anfangen können und auch nicht weiter danach gefragt, doch sie hatten daraus gelernt und so war Randy um einiges entspannter, als er Ian das Shirt über den Kopf zog und sich selbst ebenfalls aus seinem Pullover wand. „Was habe ich nur für einen weitblickenden Schatz“, murmelte er, als er sich Ian mit allem hingab, was er hatte.

 

 


Laila: Ein Märchen zu Weihnachten

 

Teil 2:

 

“Gut, dann beginnen wir:

 

Also, es war einmal vor sehr langer Zeit, da lebte ein junger, gut aussehender Jüngling in einem kleinen Dorf. Er hatte strohblonde Haare, grünen Augen und ein freundliches Wesen. Jeder im Dorf mochte ihn.

 

Der Junge hieß Roy und war allseits beliebt. Zu seiner Lieblingskleidung gehörte ein langer roter Umhang, den ihm seine Großmutter genäht hatte.

 

Aber auch sonst war er gut gekleidet. Er trug gerne enge Hosen und ein lockeres Hemd. Im Dorf hatte er viele Freunde, aber viel lieber hielt er sich im Wald auf. Dort genoss er die Ruhe und vergaß die Hektik des Dorfes.

 

Eines Tages bat ihn seine Mutter, einen Korb mit Essen zu seiner kranken Oma zu bringen. Zuerst wollte Roy murren, da er keine Lust hatte den weiten Weg zu laufen, aber dann willigte er doch ein.”

Donny musste sich ein Lachen verkneifen. Diese Abwandlung des Märchens gefiel ihm jetzt schon. Das konnte noch lustig werden.

Jack hingegen sah nicht gerade glücklich aus. So wie er seinen Liebsten kannte, würde dieses Märchen eine ganz andere Wendung nehmen.

 

 

“Bewaffnet mit einem Korb mit Lebensmitteln und seinen roten Umhang machte sich Roy auf den Weg zu seiner Großmutter. Diese lebte in einem Dorf auf der anderen Seite des Waldes. Leider war dieses Dorf nur zu erreichen, wenn er einmal quer durch den Wald wanderte.

 

Vor sich hin summend spazierte der junge Mann zwischen den riesigen Bäumen umher. Es war Spätsommer und daher noch recht warm, was Roy auch begrüßte.

 

Der Winter würde früh genug kommen.

 

Auf dem Rückweg würde er einfach ein kleines Bad in dem nahe gelegenen See nehmen. Dort konnte er ungestört ein paar Bahnen schwimmen.

 

Aber zuerst musste er zu seiner Großmutter.

 

Der Weg dort hin war weit und bald taten Roy die Füße weh. Aber tapfer wie er war, hielt er durch und ging weiter. Wenn er Glück hatte, bekam er nachher ein leckeres Essen.

 

Immer wieder begegneten ihm ein paar Tiere. Die Eichhörnchen waren fleißig und suchten Nahrung für den Winter. Überall um ihn herum summten die Insekten und sangen die Vögel.

 

Roy lauschte ihnen eine ganze Weile. Hier alleine auf dem Weg fühlte er sich einsam. Ein wenig Gesellschaft wäre schon nicht schlecht.”

 

 

Wieder musste Donny lachen, da er diesen Wink verstanden hatte. Er schlug sich die Hand vor den Mund um nicht laut los zuprusten, aber Jack hatte ihn dennoch gehört.

“Sorry, aber da kann ich nicht anders. Das Märchen ist cool”, lachte Donny.

Hastig nahm er einen Schluck Glühwein und lehnte sich wieder zurück.

“Ich will mehr von diesem Roy”, erklärte er mit einem Blick auf Jack.

Dieser schnaubte nur abfällig. So wie er seinen Liebsten kannte, würde er sich sicher auch noch wieder finden.

“Erzähl weiter, bitte”, meldete sich Jamie zu Wort.

Der Kleine hockte auf der Erde und sah Roy gebannt an. Scheinbar gefiel ihm die Geschichte.

Also tat Roy ihm den Gefallen und erzählte weiter. Es war ja nicht so, dass er keine Ideen mehr hätte.

 

 

“Der junge Roy musste an seine Freundin Dani denken. Die junge Frau war nur ein paar Jahre älter als er, aber schon verheiratet.

 

Die beiden kannten sich seit ihrer Kindheit und hatten schon viel Zeit zusammen verbracht. Genau jetzt hier im Wald hätte er ihre Gesellschaft genossen.

 

Aber Dani war im Dorf und er würde sie frühestens morgen Abend wieder sehen.

Also ergab sich der junge Mann in sein Schicksal und wanderte weiter.

Überrascht hob Roy den Kopf, als er eine leise Stimme hörte. Da waren eindeutig fremde Geräusche, die nicht in die Ruhe des Waldes passten. Aber er verstand nicht was dort gesprochen wurde.

 

Neugierig schlich der junge Mann näher.

 

Zwischen zwei mächtigen Eichen stand ein Mann, ganz in schwarz gekleidet und mit einer Kapuze über dem Kopf.

 

Vor ihm flackerte ein kleines Feuer.

 

Von dessen Körperbau konnte er nur wenig erkennen, aber der Mann war groß und scheinbar auch kräftig.

An seiner rechten Seite hing ein langes Schwert.

 

Von dem Gesicht konnte Roy nichts erkennen, aber die Haltung des Mannes machte ihm Angst.

 

Der Fremde murmelte etwas in einer ihm unbekannten Sprache. Dann warf er etwas in das kleine Feuer, woraufhin die Flammen in die Höhe schlugen.

 

Die Gestalt lachte kalt und hielt die Hände über die Flammen.

 

Hastig biss sich Roy auf die Lippen. Fast hätte er laut geschrieen.

 

Es war nicht das Lachen, das Roy Angst machte, sondern die Flammen. Sie waren nicht gelb oder rot, sondern sie schimmerten blau.

 

Ohne auf etwas zu achten, wandte sich der junge Mann um und rannte so schnell er konnte davon.

 

Immer wieder drehte er den Kopf, als hätte er Angst, dass der Mann ihm folgen würde. So etwas wie eben hatte er noch nie gesehen.

 

Die ganze Szene hatte ihm einen Schrecken eingejagt und ihm Angst gemacht.

 

Es war später Nachmittag als Roy endlich das Haus seiner Großmutter erreichte. Aus der Puste und völlig verschwitzt blieb er stehen.

 

Die Furcht hatte ihn immer weiter getrieben. Keuchend holte er Luft. Seine Lungen schrien nach Sauerstoff.

 

Das kleine Häuschen lag versteckt zwischen zwei großen Fichten. Da es sich am Rand des Waldes befand, waren die Bäume hier dichter.

 

Aber es war wunderschön.

 

Roy kam immer wieder gern hier her. Da er sich hier sehr wohl fühlte. Seine Großmutter war eine tolle Frau und konnte unwahrscheinlich gut backen.

 

Jedes Mal wenn er sie besuchte, gab es ein Stück Kuchen oder eine andere Leckerei.

 

Nachdem Roy einen Blick über die Schulter in den Wald beworfen hatte, ging er langsam zur Tür.

 

Den Korb hatte er immer noch fest umklammert.

 

Kaum hatte er angeklopft, da hörte er auch schon die Stimme seiner Großmutter.

 

“Wer ist da?”, rief die alte Frau.

 

“Ich bin es, Roy. Lass mich bitte rein. Ich bringe die ein paar Sachen zu Essen”, antwortete der Junge.

 

Augenblick hörte er wie der Riegel geöffnet wurde und seine Großmutter strahlte ihn an.

 

Die alte Frau trug ein langes Kleid mit weitem Rock und eine Haube. In Roys Augen war diese Frau wunderschön.

 

Ein Lächeln lag in ihren Zügen, die früher einmal schön gewesen waren.

 

“Komm herein mein Junge. Es ist schön, dass du da bist. Ich freue mich immer über deinen Besuch”, sagte sie und trat zur Seite.

 

Grinsend trat Roy ein und umarmte dann die alte Frau.

 

Im Inneren des kleinen Hauses war es schön warm und es roch nach frischen Kräutern.

Da die Fenster nur wenig Licht einließen, brannten an einigen Stellen Kerzen.

 

Es sah wie immer sehr gemütlich aus.

 

Roy stellte den Korb auf den Tisch und legte seinen Mantel ab.

 

“Hallo Oma. Geht es dir gut? Mama schickt mich. Ich soll dir ein paar Lebensmittel bringen”, erklärte er.

 

“Danke mein Junge. Ja, mir geht es gut. Was bringst du mir denn für schöne Sachen? Komm, ich mache uns einen Tee.”

 

Damit wandte sie sich um und ging zu ihrem kleinen Herd in der Ecke des kleinen Raumes.

 

Das Haus selber bestand auch nur aus zwei kleinen Räumen. Aber es war sehr gemütlich.

 

Dankend nahm Roy den Tee entgegen, den ihm seine Oma reichte.

Der Schreck von eben war noch nicht ganz verflogen. Immer wieder musste er an den Mann denken, dessen Gesicht er nicht gesehen hatte.

 

Aber schon alleine der Gedanke, an den Gesang und das Feuer ließ ihn erschaudern.

 

Die alte Frau lächelte, als sie ihren Enkel beobachtete. Sie mochte den Jungen. Er war nicht so wie ihre anderen Enkelkinder. Er war für sie, brachte ihr Lebensmittel, wenn sie sie brauchte.

 

„Wie geht es deine Eltern? Ist alles in Ordnung?“ fragte sie.

 

Mit einer Tasse Tee setzte sie sich zu ihm. Auf dem Tisch standen bereits eine Schale mit Zucker und ein kleiner Topf mit Honig. Sie mochte diese kleinen süßen Sachen.

 

Grinsend nahm Roy einen Löffel Honig und tropfte die süße Leckerei in seine Tasse. Dann leckte er sich die Lippen und trank einen großen Schluck.

 

So schmeckte der Tee noch besser.

 

„Zu Hause ist alles in Ordnung. Mama war nur etwas erkältet, aber sonst geht es ihnen gut. Kerstin hat einen neuen Freund. Mal sehen ob es dieses Mal etwas Ernstes ist;“ erklärte er.

 

Rosa lachte auf. Ja, genau so kannte sie ihren Enkel.

 

„Dann drücken wir ihr die Daumen. Es wird Zeit, dass sie nun endlich heiratet. Genauso wie bei dir. Du solltest dir endlich ein nettes Mädchen suchen.“

 

Roy verzog bei diesen Worten das Gesicht. An Heirat oder eine feste Beziehung dachte er nicht. Interessierten ihn doch eh keine Mädchen.

 

Nun konnte sich Donny aber nicht mehr zurück halten. Der junge Mann prustete laut los. Das war mal wieder so typisch für Roy.

Lachend hielt er sich den Bauch und musste aufpassen, sich nicht zu verschlucken.

“Sei leise, ich will hören wie es weiter geht”, rief Jamie.

Der kleine Junge zog einen Schmollmund und sah Donny böse an. Aber dieser ließ sich davon nicht stören.

Jack konnte nur den Kopf schütteln. Etwas anderes hatte er von Roy auch nicht erwartet.

“Was denn? Mein Roy mag eben keine Mädchen, sondern steht auf große dunkle Männer. Genauso wie ich auf mein Mann”, meinte Roy grinsend.

Selbst in einem Märchen würde er nicht hetero werden und Jamie kannte sie ja schließlich. Der Junge hatte sich recht schnell daran gewöhnt, zwei Väter zu haben und er wusste, dass Liebe sich nicht auf die Art des Geschlechtes bezog.

“Du weißt aber schon, dass du für Jamie ein Märchen erzählst? Übertreib es nicht. Das will ich für dich auch hoffen, dass ich dein Traummann bin.”

Den Kopf leicht schief gelegt, blinzelte er Roy an.

Auch wenn die Worte schroff klangen, so konnte er das Funkeln in seinen nicht verbergen. Es war egal wie viele Jahre sie trennten, er liebte seinen blonden Engel über alles. Für diesen Mann würde er alles tun.

Sein Gatte verzog leicht das Gesicht bei diesen Worten.

“Du wirst immer mein Traummann bleiben. Ich liebe dich, Jack Birnbaum Neeson.”

Damit hauchte er Jack einen Kuss auf die Lippen und lehnte sich dann wieder zurück.

Oh, sie würden nachher eine schöne Nacht haben.

Donny holte keuchend Luft und kramte dann nach einem Taschentuch. Seine Väter waren besser als jeder Film.

Hastig wischte er sich die Lachtränen aus den Augen.

Wenn jetzt nur noch Jason hier wäre, wäre alles perfekt.

 

 

“Lass mal Oma. Jetzt lieber nicht. Zum heiraten habe ich noch viel Zeit”, sagte Roy und trank hastig einen Schluck Tee.

 

Er hasste dieses Thema. Seine Eltern waren ja auch nicht besser.

 

Immer wieder drängten sie dazu, sich eine Frau zu suchen, aber der junge Mann dachte nicht daran. Was sollte er denn mit einer Frau?

 

Rosa schüttelte nur Kopf. Kannte sie ihren Enkel doch.

 

Die beiden unterhielten sich noch eine Weile und keiner von ihnen merkte, wie schnell die Zeit verging.

 

Erst als er dunkel wurde, erhob sich Rosa. Sie bat Roy, ihr beim Füttern der Tiere zu helfen. Zusammen ging die Arbeit einfach schneller.

 

Als sie wieder zurück ins Haus kamen, machte Rosa ihnen etwas zu essen.

 

Schließlich sollte ihr Enkel ja nicht hungern.

 

Dieser leckte sich nur die Lippen, als er sah, dass es eine Gemüsesuppe mit kleinen Klößchen geben würde. Genau das liebte er doch so sehr.

 

Er konnte es kaum erwarten, bis der Topf endlich vor ihm auf dem Tisch stand. Schnell hatte er den Tisch gedeckt und noch einen Tee für sie beide gekocht.

 

Endlich dampfte die leckere Suppe vor ihm auf dem Teller.

 

“Guten Appetit”, wünschte er.

 

Rosa konnte nur grinsend den Kopf schütteln, aber sie gönnte sich ebenfalls einen Teller Suppe.

 

Die beiden waren gerade fertig mit essen, als es an der Tür klopfte.

 

Verwundert sah Rosa ihren Enkel an und erhob sich dann schwerfällig. Mit einer Geste bedeutete sie Roy sitzen zu bleiben.

 

Vor der Tür blieb sie stehen und rief: “Wer ist da?”

 

Es war nicht selten, dass Landstreicher oder Räuber sich in die Gegend wagten.

 

“Bitte entschuldigen Sie die späte Störung. Ich habe mich wohl verlaufen und weiß nicht, wo ich die Nacht verbringen soll”, rief eine Männerstimme.

 

Der tiefe Bariton der darin mitschwang, dran bis zu Roy. Der junge Mann erschauderte unwillkürlich. Die Stimme klang verdammt sexy.

 

Langsam öffnete Rosa die Tür einen Spaltbreit, immer darauf bedacht, sie jeden Moment wieder zu zuschlagen.

 

Vor ihr stand ein Mann, ca. Anfang 40, mit einem schwarzen Umhang und Lederstiefeln. Schwarze Haare umrahmten ein markantes Gesicht, in dem zwei grüne Augen funkelten.

 

Der Mann verbeugte sich leicht.

 

“Es tut mir wirklich sehr leid Sie zu stören”, sagte er und trat langsam ein.

 

Sein Blick wanderte zu Roy, der hart schluckte.

 

Dieser Mann sah einfach perfekt aus.

 

“Sie sind im Wald von Marget. Bitte setzen Sie sich.”

 

Rosa deutete auf den Tisch. Misstrauen lag in ihren Augen, aber dennoch glaubte sie nicht, dass der Mann böse war.

 

“Danke. Ich heiße Jack. Es ist wirklich zu gütig von ihnen.”