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Britta + Fich: katzenaugen VI

15

„Wann landen wir endlich?“, maulte Simon und sah aus dem Fenster. Er hatte die Nase voll vom still sitzen.

„Noch eine halbe Stunde, mein Süßer“, versuchte Ian seinen kleinen Sohn zu besänftigen. Er konnte ihn ja verstehen, denn sie waren jetzt schon seit Stunden unterwegs. „Wir landen bald in Inverness und fahren dann mit dem Wagen zum Loch Duich und dort auf einer kleinen Insel liegt das Schloss Eilean Donan Castle“, erklärte er Simon und holte den Reiseführer raus, um es Simon zu zeigen.

Dem waren all diese unaussprechlichen Namen allerdings ziemlich egal. Er fand still sitzen doof und im Bord Entertainment lief auch nichts, was ihm gefiel und auf seinem Laptop kannte er schon alle Filme und Spiele und sowieso und überhaupt hatte er neben Randy sitzen wollen und nicht neben seinem Vater und er hatte am Fenster sitzen wollen, da wo Bill jetzt saß und nach unten gucken.

„Mann!“, knurrte er also.

„Ach Mäuschen.“ Ian strich Simon liebevoll durch die Haare und bat Bill doch mit Simon zu tauschen. So konnte er aus dem Fenster sehen und saß auch neben Randy. Es machte Ian nichts aus, dass sein Jüngster so an seinem Geliebten hing, denn ihm wurde dadurch nichts weggenommen. Bill wollte aber nicht tauschen, darum zog er seinen Bruder auf den Schoß und so konnten sie gemeinsam aus dem Fenster sehen.

„Auch eine Lösung“, lachte Randy leise und lehnte sich nach hinten, wo Ian nun alleine saß. „ich würde dich ja auch gern auf den Schoß nehmen, Schatz, aber du bist mir zu schwer“, konnte er sich nicht verkneifen und strich Simon durch die Haare, der nun ganz aufgeregt aus dem Fenster guckte und Bill Löcher in den Bauch fragte. Er zeigte sich nicht erbaut darüber, dass Bill ihm nicht sagen konnte, wie die Städte unter ihm hießen, aber zumindest hatten sie wieder festen Boden unter sich. Wenn sie abstürzen würden, würde er nicht von Haien gefressen – Simon war darüber sehr erleichtert.

Ian lachte und zupfte leicht an einer von Randys Haarsträhnen. Die Landschaft unter ihnen war weiß, so dass sie wohl wirklich in ihrem Urlaub durch den Schnee tollen konnten. Er war schon gespannt auf das Schloss und die Wohnung, die Randy dort hatte. Viel hatte sein Schatz ja noch nicht erzählt, aber das war nicht schlimm, er ließ sich gerne überraschen. Und Randy war ganz froh, dass die Wohnung alles in allem drei Zimmer hatte. Sie waren alle nicht groß, doch jeder der Jungs konnte sein eigenes Zimmer haben und Ian und er konnten im Wohnzimmer schlafen. Oder sie teilten sich noch anders auf, aber dass er getrennt von Ian schlief, kam nicht in die Tüte.

„Oh wie lange denn noch“, stöhnte Simon, als er merkte, dass die Landschaft unter ihm auch nicht so spannend war wie erwartet. Also krabbelte er zu Randy, um den auszufragen. „Horch mal Maus, wir sind gleich da“, versicherte er, als gerade die Durchsage kam, dass man sich anschnallen möge, es würde mit dem Landeanflug begonnen. Also krabbelte Simon – wenn auch noch nicht komplett überzeugt – zu seinem Vater und ließ sich auf seinem Sitz angurten.

Der Mietwagen stand schon für sie bereit, als sie mit ihrem Gepäck aus dem Flughafen kamen. Ian hatte einen großen Geländewagen gemietet, damit für alles Platz war und sie bei Schnee auch durch unwegsames Gelände fahren konnten. „Los rein! Je eher wir losfahren, umso schneller sind wir da“, scheuchte er seine Familie in das Auto und setzte sich hinter das Steuer.

„Denk dran, Schatz, die fahren hier auf der anderen Straßenseite. Lass dich also nicht von den ganzen Geisterfahrern irritieren“, erklärte Randy Ian, der sich gerade mit der falschen Seite des Wagens anzufreunden versuchte. Randy schnallte gerade Simon in seinem Kindersitz fest und verteilte für jeden, der brav war, noch einen Keks. Er fand dass er selber auch brav gewesen war, also bekam er auch einen und ehe Ian anfangen konnte, zu reden, hatte er auch einen Keks zwischen den Lippen. Dann konnte es losgehen.

Es dauerte nicht lange, bis Ian sich daran gewöhnt hatte, auf der falschen Seite zu fahren und er die Fahrt ebenfalls genießen konnte. Seine linke Hand lag, wenn er sie nicht brauchte, auf Randys Bein und streichelte darüber. Ihm gefiel die raue Landschaft und er war sich sicher, dass sie nicht das letzte Mal hier sein würden. Die Straßen waren überraschend gut geräumt und so kamen sie gut voran. Simon nörgelte kaum noch, denn es gab einiges zu sehen. Bill sorgte auch dafür, dass er bespaßt war. Immer wieder sagte er, guck mal da oder schau mal dort drüben. Häuser, Bäume, Felsen. Ab und an erklärte das Navi, dass es wüsste, wo es lang ging und man ihm jetzt vielleicht folgen sollte und abbiegen.

„Da auf dem Schild stand es schon drauf, nicht mehr weit“, erklärte Bill ungefragt. Simon nickte heftig. So viel Schnee und er war noch nicht einmal rein gesprungen. Es wurde langsam Zeit.

Er wollte raus und toben. Durch den Schnee tollen, mit seinem Vater und Bruder raufen und natürlich auch mit Randy, der sich zwar nicht wandeln konnte, aber gerne mitmachte, wenn sie Zuhause durch den Garten tobten.

„Da vorne“, rief Ian nach hinten und hielt an. Vor ihnen lag der Loch Duich und auf einer kleinen Insel, in der Nähe des Ufers lag ihr Ziel, das mit einer Brücke mit dem Festland verbunden war. Eilean Donan Castle.

„Wow“, murmelte der Leopard und lächelte zu Randy rüber. „Das ist einfach wunderschön.“

„Ja, meine Familie hat sich da eine ganz nette Ecke ausgesucht. Früher habe ich mir immer eingeredet, ich hätte ein eigenes Monster. Es hieß Duich-Dragon, doch er war schon immer sehr schüchtern und hat sich nie gezeigt. Aber wenn er schlechte Laune hatte, kräuselten sich die Wellen auf dem See und wenn’s ihm gut ging, dann stiegen Regenbögen auf“, murmelte Randy leise und sein Herz zog sich zusammen. Er liebte diesen Flecken und ihn nicht halten zu können, zog an ihm. Doch er lächelte. Er war wieder zu Hause. „Willkommen in meinem bescheidenen Reich“, lachte er also leise und riet Ian zu fahren, denn auf dem Rücksitz wand sich schon jemand aus seinen Klamotten um auszusteigen.

„Simon! Du bleibst im Wagen!“, rief Ian auch gleich und fuhr wieder los, um allen Eventualitäten vorzugreifen. „Vielleicht hat dein Monster ja ein Einsehen und zeigt sich dir endlich einmal.“ Ian war fasziniert von dieser alten Burg, die schon seit so vielen Jahrhunderten den Elementen trotzte. Er freute sich schon darauf, sie zu erkunden, wenn der Besitzer das erlaubte. Sie fuhren auf die Brücke und an der Zufahrt zum Castle stand ein älterer Herr, der sich verbeugte. Ian hielt und Randy stieg aus. „Sir Granger“, begrüßte er den Mann und der schloss Randy in die Arme. „Sir McLachlan, sie waren lange nicht hier.“

„Ja, viel zu lange!“ Randy atmete tief durch und sah sich um. „Die Zimmer sind gerichtet und der Kamin angeheizt.“ Mister Granger deutete an, dass der Hof befahren werden konnte. „Der Parkplatz ist geräumt.“

Randy bedankte sich und lud den Verwalter ein, sie in der Wohnung zu besuchen, um sich ein wenig zu unterhalten.

Ian fuhr durch das Tor und hielt auf dem Parkplatz und kaum, dass er stand, war Simon auch schon aus dem Auto. Zum Glück in Menschengestalt. Er wusste, dass er sich vor Fremden nicht einfach wandeln durfte. Er lief zu Randy und lachte ausgelassen, als er sich in dessen Arme warf. „Ich will in den Schnee“, rief er laut und drückte den Vampir an sich.

„Na dann ab in den Schnee“, lachte Randy und ließ sich mit dem Jungen fallen, Simon dabei fest gegen seine Brust gedrückt, landete er auf dem Rücken und lachte, als Simon begann ihn mit Schnee vollzustopfen. Ian und Bill griffen sich derweil die Taschen. „Und wo hin?“, wollte Bill wissen. „Warte, ich geh vor.“ Randy erhob sich und huschte mit Simon an den beiden vorbei. „Hier entlang“, lotste er die Leoparden hinter sich her, griff sich aber noch die restlichen Gepäckstücke.

Er war aufgeregt, dass sah man ihm an und Ian freute sich ihn so zu sehen. Randy wirkte gelöst und glücklich. Seit er mit Ian zusammen war, hatte der Vampir sich sehr verändert. Er hatte alles Ängstliche und Zurückhaltende abgelegt und das war für den Leoparden einfach wunderbar, denn sein Schatz verdiente es, unbeschwert und frei von Ängsten und Sorgen zu sein. Allerdings hatte er ihm noch gar nicht erzählt, was für letzten Tratsch er aus dem Central Park hatte. Mc Manner musste wohl mit dem Eigentümer des Reviers zusammengestoßen sein. Jedenfalls hatte man den Puma intensiv zusammenflicken müssen – das hatte ihm Dexter erzählt, der oft in der Notaufnahme des Wertier-Hospitals aushalf, wenn zu wenig Personal am Start war.

„Angucken können wir alles nachher!“, sagte Randy ganz aufgeregt, weil Bill und Simon an jeder Rüstung und jedem Balken und jedem lebensgroßen Bild stehen blieben und ehrfürchtig „wow“ oder „cool“ murmelten. „Erst mal die Zimmer und dort die Taschen abwerfen!“ Er flitzte vor, kam wieder ein paar Schritte zurück, flitzte wieder vor. Es war wie früher, als er noch klein gewesen war.

Also übernahm es Ian, seine Jungs vor sich her und lachend durch die langen Gänge zu scheuchen. Er war schon auf Randys Wohnung gespannt und wenn sie in dem Stil der restlichen Burg eingerichtet war, dann würde es ihm sicherlich sehr gefallen.

„Da sind wir!“ Randy zog den großen Schlüssel aus seiner Hosentasche und rammte den alten Schlüssel ungeduldig in das Schloss. Das Schloss knarrte leise, als er den Schlüssel drehte und dann war die Tür offen. Randy hielt sich nicht lange auf, sondern lief gleich los. Es war alles, wie er es verlassen hatte, nur das Feuer im Kamin prasselte und der Strauß weiße Lilien – seine Lieblingsblumen – verströmten angenehme Atmosphäre. Wie es damals Mode war, gab es keine Flure, sie standen also direkt im Wohnzimmer, blickten von der Tür auf die großen Fenster und die Sitzecken, die in diesen Nischen eingerichtet worden war, weil Randy es liebte dort zu sitzen und nach draußen zu schauen – auf den See.

Hinter sich hörte er schon wieder: „Wow“, und „cool.“ Die drei Katzen hatten das Gepäck einfach fallen lassen und waren dabei sich umzusehen. „Wunderschön“, flüsterte Ian in Randys Ohr und umarmte ihn von hinten. Er konnte verstehen, warum sein Schatz an diesem Ort hing. Er selber fühlte sich hier auch gleich wohl und wie es schien, die Kinder auch.

„Ja, wunderschön“, flüsterte Randy und drehte sich so, dass er Ian kurz küssen konnte. Doch dann nahm er ihn bei der Hand und führte die drei herum. „Das ist ein Schlafzimmer“, sagte er, als er die erste Tür öffnete. Ein klassisches Zimmer, wie man es aus alten Ritterfilmen kannte. Nur dass sein Beidhänder nicht mehr über dem Bett hing. Den hatte er versetzen müssen. Doch dann straffte sich Randy wieder und ging in den Raum. Sie blickten auf das große Doppelbett – ein altes Bett. Noch original. Mit Pfosten und Himmel, damit einem nachts nichts auf den Kopf fiel. Früher, als hier noch keine richtigen Scheiben drinnen gewesen waren, waren oft Fledermäuse seine Schlafkammeraden gewesen. Vor dem Bett standen noch eine große Truhe, auf der man auch sitzen konnte und große schwere Holzstühle an den Seiten.

„Hier schlafen Randy und ich“, stellte Ian gleich klar, weil er sah, wie seine Söhne schon leise tuschelnd die Bettseiten verteilten. „Richtige Entscheidung?“, fragte er Randy flüsternd. Nicht dass er gerade, das schönere der Schlafzimmer an seine Söhne abgegeben hatte. Die drängten auch gleich, dass sie dann ihr Schlafzimmer sehen wollten.

„Es war immer mein Schlafzimmer, das Gästezimmer liegt eine Tür weiter, sieht aber genauso aus“, erklärte Randy den meuternden Jungleoparden, die aber gleich gucken gehen mussten, ob auch stimmte, was der Vampir behauptete. Erst als sie die Tür geöffnet hatten und ein „okay, ist gebongt“, von den beiden kam, grinste Randy. „Danke“, flüsterte er und küsste Ian noch einmal. Dann nahm er ihn aber wieder bei der Hand. „Küche und Bad sind nicht sehr groß, aber traditionell. Ich liebe sie.“ Er lief durch das Wohnzimmer, das zum größten Teil aus einem großen Tisch mit schweren Holzstühlen bestand, dem Kamin und einer aus Holz und Polstern zusammengezimmerten Couch. Sie war nicht so alt wie der Rest, sollte aber zum Interieur passen. Randy hatte sie selbst gebaut.

„Das ist ja krass“, entfuhr es Ian, als sie in die Küche kamen. Der Raum war einfach überwältigend. Dominiert wurde er von einem riesigen Kamin, der früher wohl zum Kochen benutzt wurde. Es war alles da, sogar das schwere eiserne Gestell, an dem man den Topf über das Feuer hängen konnte. Das war heute zwar nicht mehr nötig, aber der große gusseiserne Ofen, war nicht weniger sensationell. „Ich kann es kaum erwarten darauf etwas zu kochen.“

„Dann sollten wir noch einkaufen fahren, so lange es hell ist. Es ist ein Stück“, sagte Randy. Auch er verspürte plötzlich wieder Lust sich hier auszubreiten. Bisher war es immer ein Rückzugsort gewesen, um sich vor der Welt zu verstecken, doch jetzt wollte er den Ort mit Leben füllen. „Aber vorher noch das Bad!“ Er griff sich Ian und schleifte ihn durch die Küche, denn dort musste man lang, um ins Bad und zur Toilette zu kommen. Sie hatte zwar keinen Abort mehr, der in den Burggraben entleer wurde, doch sonst war es immer noch der kleine, zugige Raum mit dem atemraubenden Ausblick auf den See. Im Bad hielten sie – direkt vor einer gemauerten Wanne. Viel war in dem Zimmer nicht zu finden. Ein Waschbecken, ein Abfluss im Boden und die große Wanne, über der ein Rohr endete, das aus einem daneben stehenden Ofen kam. „Heißes Wasser gibt’s nur, wenn wir heizen.“

An Ians leuchtenden Augen sah man wohl, was ihm gerade durch den Kopf geisterte und wo er gerne einen Teil des Abends mit seinem Liebling verbringen würde. „Gehen wir einkaufen.“ Ian sah sich noch einmal um und zog Randy zu sich um ihn zu küssen. „Weißt du eigentlich, was für ein Kleinod du dein eigen nennen kannst? Diese Wohnung ist herrlich und sie passt hundertprozentig zu dir. Danke, dass wir dich hierher begleiten durften.“

„Danke, dass ihr mich begleitet habt“, entgegnete Randy, denn so war es. Ihm war klar dass er allein nicht in der Lage war, hier Leben erblühen zu lassen. Aber zusammen mit Ian und den Kindern würde das ein Kinderspiel werden. Und so wie es gerade quietschte probierten die Jungs wohl das breite Bett aus. Neugierig zog Randy Ian hinter sich her, der sich das immer noch ergeben gefallen ließ, und lachte als er die beiden weißen Katzen über das breite Bett rollen sah. „Jungs, wir müssen noch in die Stadt, was zu Essen besorgen – anziehen. Dann gibt’s auch ein Eis!“

Er zog Ian wieder ins Wohnzimmer, wo allerdings Ian wieder die Regie übernahm und Randy zu einer der Nischen zog. Mit ihm zusammen machte er es sich gemütlich, so dass sie auf den See sehen konnten. „Wie sieht das aus, Schatz. Können wir hier als Katzen durch den Schnee tollen, oder sollten wir dazu besser etwas weg fahren?“ Nicht dass sie noch für Aufregung und einer Schlagzeile in der Ortszeitung sorgten, dass Schneeleoparden durch die Gegend streiften.

„So wie es aussieht, ist das Castle über die Feiertage für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Abgesehen von Sir Granger ist keiner in den Mauern und er weiß, was ich bin, denn er ist das gleiche und somit wird er keine Probleme mit euch haben. Ihr seid mit mir hier, ihr steht unter meinem Schutz. Also tobt euch ruhig aus.“ Randy vertraute dem alten Mann und war sich sicher, dass es da keine Problem geben dürfte – außer die Jungs randalierten verspielt in der Rüstungssammlung, aber er ging davon aus, dass das nicht passieren würde.

„Das wird die Jungs freuen.“ Ian hatte zwar vor, einmal in die Highlands zu fahren und dort ungesehen von neugierigen Blicken durch unberührten Schnee zu toben, aber es auch hier spontan tun zu können, war schön. Er wollte sich gerade wieder den verlockenden Lippen seines Lieblings widmen, als ein lautes Räuspern ihn innehalten ließ. „Das hab ich gerne, uns antreiben und selber trödeln.“

„Wir trödeln nicht, wir besprechen wichtige Sachen. Zum Beispiel die, dass ihr hier auf dem Hof als Katzen toben könnt, so viel ihr wollt, so lange keine Büsche oder andere wehrlose Sachen verschleppt werden“, schoss Randy gleich zurück, fasste dabei aber Simon fest ins Auge, der sich sehr unbeteiligt im Zimmer umsah. Randy lachte und zog Ian auf die Füße. „Lauft schon mal zum Wagen vor, wir kommen nach“, sagte er und sah Ian an, als die Jungs aus der Tür waren. „Da ist noch was, was wir klären sollten“, murmelte Randy etwas verlegen. Bisher hatte er es vermieden von Ian zu trinken. Dexter hatte ihn in seine Patientenliste aufgenommen und ihm ein Krankheitsbild verpasst, was einer Anämie gleich kam, weswegen keiner Fragen stellte, wenn er den Vampir regelmäßig eine Bluttransfusion verordnete. Hier draußen war das nicht ganz so leicht. „Ich werde von dir trinken müssen oder…“

Ian legte ihm einen Finger auf die Lippen und lächelte. „Schatz, erinnerst du dich, dass ich dir das schon einmal angeboten habe? Ich habe das damals ehrlich gemeint und ich meine das auch jetzt so. Du kannst immer von mir trinken, wenn du Blut brauchst und auch so, wenn dir danach ist. Ich liebe dich und es würde mich wirklich stolz machen, wenn ich das für dich tun darf.“ Er hatte das Thema die letzten Wochen nur nicht angesprochen, weil Randy ihm das letzte Mal ziemlich verlegen geworden war und Ian ihn nicht drängen wollte.

„Aber du weißt, was passieren kann, Schatz. Ich weiß nicht, wie verstört die Kinder sein werden, wenn sie das hören“, versuchte er zu scherzen, drückte sich aber noch einmal dankend gegen seinen Geliebten. Er lächelte und küsste ihn kurz. „Und ehe sie unten meutern, weil wir sie in die Kälte geschickt haben, lass uns gehen. Es wird bald dunkel. Da sollten wir wieder da sein.“ Die Gegend war einsam und er war nachts lieber im Haus.

„Ich glaube nicht, dass wir sie noch verstören können“, lachte Ian und nahm Randys Hand und lief mit ihm seinen Söhnen hinterher.

 


 

Laila: Ein Märchen zu Weihnachten

 

Teil3:

 

“Er heißt auch noch Jack. Ach ich werde nicht mehr. Was kommt als nächstes? Verliebt sich Jack in Roy, so wie es in Wirklichkeit auch ist?”

Donny konnte einfach nicht mehr an sich halten. Diese Geschichte war der Hammer und sie passte zu seinen Vätern.

“Wenn du wissen willst, wie es weiter geht, solltest du still sein”, knurrte Jack.

Auch er wollte wissen, was nun passiert, auch wenn er kein gutes Gefühl dabei hatte. Kannte er seinen Mann doch gut genug.

 

Freundlich rückte Roy ein Stück zur Seite, damit der Fremde Platz hatte.

Neugierig musterte er ihn. Dieser Mann war echt heiß.

Als Jack ihm genau in die Augen sah, zuckte er jedoch zusammen. In den grünen Welten blitze es kurz auf, aber dann wandte sich Jack wieder an die alte Frau.

“Ich weiß, ich verlange sehr viel von Ihnen, aber ist es möglich die Nacht hier zu bleiben? Gerne schlafe ich auch im Stall. Ich werde Sie dann morgen vor Sonnenaufgang verlassen.”

Jacks Miene war ernst, ehrlich.

Für einen Moment starrte ihn Rosa nur an, dann nickte die alte Frau.

“Aber natürlich. Mein Enkel übernachtet auch bei mir. Ich denke, sie beide können sich arrangieren. Möchten Sie einen Tee?”

Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte sie sich um und ging in die kleine Küche. Dort setzte sie Wasser auf.

Dieser Mann hatte etwas an sich, dass sie nicht beschreiben konnte, aber er machte ihr keine Angst.

Jack sah sich in dem kleinen Haus ein wenig um. Belustig nahm er dabei Roys Blicke zur Kenntnis. Der Junge war hübsch, aber  erhatte jetzt keine Zeit für diese Art von Spaß.

Er hatte einen Auftrag zu erfüllen.

“Woher kommen Sie, Jack?”, wollte Roy wissen.

Er hatte die Arme auf den Tisch gestützt und sah den anderen Mann neugierig an.

Dieser grinste nur.

“Nenn mich einfach nur Jack. Ich komme aus Augsburg, im Süden.”

Ganz war das nicht mal gelogen. Mittlerweile fragte er sich eh was er hier sollte. Hier gab es nichts zu holen. Aber er hatte einen Auftrag.

Vielleicht konnte er sich hinterher mit dem Jungen vergnügen.

“Das ist aber ganz schön weit. Ich war noch nie so weit weg. Erzählst du mir von der Stadt und deiner Reise”, bat Roy.

Er konnte sich kaum von den grünen Augen trennen. Sie waren so unglaublich schön. Das Licht der Kerzen brach sich in ihnen und ließen sein Herz höher schlagen.

Das war genau der Typ Mann, der ihm gefiel.

Gerne kam Jack der Aufforderung nach und erzählte von Augsburg und anderen Dingen. Die Wahrheit war es aber nur am Rande.

Dankend nahm er dabei den Tee entgegen, den ihm Rosa reichte.

Die alte Frau setzte sich zu ihnen und hörte einfach nur zu.

Es war schon spät, als Rosa herzhaft gähnte und damit den Fremden als auch ihren Enkel zu Bett schickte.

Während sie es sich in ihrem Schlafzimmer gemütlich machte, legte Roy Decken auf den Boden vor dem Kamin.

Dort würde er dann mit Jack schlafen.

Zum Glück war es in dem kleinen Haus recht warm, sodass er nicht zu den Fellen greifen musste. Diese mochte er einfach nicht.

Als sich Roy das Hemd über den Kopf zog, spürte er die Blicke in seinem Rücken.

Zwar brannten nur noch eine Hand voll Kerzen, aber diese reichten um den Raum in schummeriges Licht zu tauchen.

Wieder schluckte Roy hart, als er sich umwand.

Scheu sah er Jack in die Augen. Dort las er etwas, was er zuvor noch nie gesehen hatte.

Der andere Mann stand direkt vor ihm. Das Hemd klaffte auseinander und bot Roy einen perfekten Blick auf eine glatte Brust.

“Dir scheint zu gefallen was du siehst”, sagte Jack spöttisch.

Er hatte die Unsicherheit des jungen Mannes gespürt und er war bereit diese weiter anzustacheln, aber nicht heute Nacht.

Beschämt senkt Roy den Kopf.

“Es tut mir Leid. Wir sollten lieber schlafen gehen.”

Hastig schob er das Hemd und die Schuhe von sich und kroch unter die Decke.

Ein tiefes Lachen ertönte, wobei sich Roys Nackenhaare aufstellten.

Oh Gott, das klang so sexy.

Die Wangen leicht gerötet drehte er sich von Jack weg und schloss die Augen. Das war alles so peinlich.

Der Ältere konnte nur grinsen. Der Junge gefiel ihm.

Ohne Hast zog er sich Schuhe und Hemd aus und legte sich dazu.

Er schloss die Augen und lauschte.

Schlafen würde er in dieser Nacht nicht. Sobald es ruhig im Haus war, würde er verschwinden. Damit er endlich seinen Zauber sprechen konnte.

Wenn das getan war, würde er zu Roy zurückkommen.

Es war still in dem kleinen Haus. Ab und an hörte er Rosa husten, mehr aber nicht. Der Atem des jungen Mannes neben ihm ging ruhig. Aber er schlief nicht.

Langsam wandte Jack den Kopf und öffnete die Augen. Er blicke genau in zwei blaue Seen die ihn musterten.

Der Hexenmeister legte sich auf die Seite und grinste offen.

“Ich scheine dir ja wirklich zu gefallen. Sieh mich ruhig an.”

Seine Stimme war dunkel und es schwang etwas in ihr mit, was Roy nicht deuten konnte.

“Ich, ähm… tut mir leid. Ich wollte dich nicht anstarren. Das gehört sich nicht.”

Wieder lachte Jack und schüttelte die schwarze Mähne.

“Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich dich eines Besseren belehren. Du bist wirklich süß, Kleiner. Aber du solltest schlafen”, antwortete Jack.

Auch wenn es ihm schwer fiel so schnippte er mit den Fingern und ließ Roy in einen tiefen Schlaf fallen.

Danach lehnte er sich zurück und seufzte.

Als der Mond einen bestimmten Punkt am Himmel erreicht hatte, erhob er sich. Nun konnte sein Werk beginnen.

Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Rosa schlief, huschte er in die Küche und suchte sich einen großen Topf, einen langen Rührlöffel und ein Glas.

Dann schlich er nach draußen und entzündete mithilfe seiner Kräfte ein großes Feuer.

Nur das es kein normales Feuer war, es brannte wie im Wald wieder blau.

Mit einem Fingerschnippen brachte er den Topf dazu über dem Feuer zu schweben.

Aus der Tasche zog er ein paar Kräuter, die er in den Topf gab. Aus dem kleinen Brunnen holte er sich noch etwas Wasser.

Als sich Wasser und Kräuter vermischten gab es einen kleinen Knall und der Rauch, der aus dem Kessel stieg, verfärbte sich Rot.

Zufrieden grinste Jack.

Nun würde es nicht mehr lange dauern.

Der Rauch umwaberte ihn und er sprach einige Worte in einer fremden Sprache. Dabei nahm der Rauch verschiedene Formen an und begann sich später zu verdichten.

Das blaue Feuer knackte immer wieder und neuer Rauch drang aus dem Kessel.

Die Form wurde immer dichte und langsam bildete sich eine Silhouette aus dem Rot.

Sie war nur schemenhaft zu erkennen, aber es war die Form eines Menschen.

Jack trat einen Schritt zurück.

Fast war die Arbeit getan, als ein spitzer Schrei ihn herum wirbeln ließ.

Ein paar Meter vor ihm stand Roy und starrte ihn an.

Panisch wanderte sein Blick immer wieder zwischen dem Rauch und Jack hin und her.

“Mist”, fluchte Jack und ging auf den jungen Mann zu.

Er musste ihn zum Schweigen bringen. Wenn er so weiter brüllte, würde bald das ganze Dorf hier stehen und dann wäre die ganze Arbeit für umsonst gewesen.

“Was passiert hier? Was tust du da?”, schrie Roy.

Zitternd zeigte er mit dem Finger auf den Rauch. Dieser hatte nun die Form eines Mannes, eines Ritters um genau zu sein.

“Beruhige dich. Der Krieger ist nicht wegen dir hier”, antwortete Jack.

Wachsam sah er sich um, aber bis jetzt konnte er noch keine wütenden Bauern sehen.

“Was ist das? Wer oder was bist du?”

Genervt verdrehte Jack die Augen. Mit einer Handbewegung brachte er den Jungen zum Schweigen.

Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Krieger. Dieser stand unbewegt neben dem Kessel, als erwartete er Befehle.

Noch bevor Jack ihm diese auftragen konnte, stürzte sich Roy auf ihn.

Der junge Mann warf ihn zu Boden und versuchten Jack unten zu halten.

 

Nun war es Jack der laut lachte.

“Du willst mir doch nicht sagen, dass du mich besiegen kannst oder willst. Das klappt schon in der Realität nicht”, grinste Jack.

Er warf seinem Mann einen undeutbaren Blick zu.

Roy kniff wütend die Augen zusammen. Die Arme vor Brust verschränkt, starrte er seinen Gatten einfach nur an.

“Nun warte es doch mal ab. Mensch Jack, das ist ein Märchen und wenn ich es wollen würde, würdest du nicht wieder aufstehen”, maulte der schwarzhaarige.

Sein Mann zuckte nur die Schultern. In seinen Augen lag jedoch ein Funkeln, was Roy alles sagte.

 

Beide Männer rangelten auf dem Boden miteinander. Wollte doch jeder von ihnen die Oberhand über den anderen erlangen.

“Hör auf damit”, knurrte Jack.

Mit einem gezielten Tritt, brachte er Roy zum Straucheln und dieser sank neben ihm zu Boden.

Keuchend blieb der junge Mann dort liegen.

Wütend starrte Jack ihn an.

“Hör auf dich zu wehren, dann passiert dir auch nichts.”

Aber Roy dachte gar nicht daran. Hastig rappelte er sich auf und wollte sich erneut auf Jack stürzen, aber dieser hob nur eine Hand und schon konnte sich Roy nicht mehr bewegen.

Fluchend versuchte er seine Beine zu bewegen, aber es gelang ihm nicht.

“Bleib jetzt da stehen! Ich habe die Nase voll”, fluchte der Ältere.

“Aber was soll das alles? Wer bist du wirklich und was ist das da?”

Es mochte sein, dass er sich nicht mehr bewegen konnte, aber er würde nicht den Mund halten. Wut und Angst spiegelten sich in seinen Augen, aber er hob trotzig das Kinn.

“Du bist wirklich eine Nervensäge. Ich bin Jack, ein Hexenmeister, und ich bin wegen dem Müller Klein hier. Er hat jemanden etwas gestohlen und ich soll es zurückholen.”

“Aber doch nicht damit. Du machst den Leuten doch Angst. Außerdem ist der alte Müller tot. Seine Frau führt den Betrieb, bis der Sohn alt genug ist”, entgegnete Roy.

Seine Blicke flogen immer zwischen Jack und dem Schattenkrieger hin und her.

Erstaunt öffnete Jack den Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Das hatte er nicht gewusst.

“Seit wann ist er tot? Das macht die Sache natürlich einfacher.”

Mit einem Fingerschnippen befreite er Roy und ließ den schwarzen Ritter verschwinden.

Erleichtert atmete Roy ein.

“Danke. Vor zwei Wochen ist er an einem Fieber oder so gestorben. Du kannst doch morgen mit seiner Frau sprechen.”

Immer wieder sah sich Roy um, aber der Rauch war wirklich verschwunden.

Langsam ging er auf Jack zu.

Dieser wich erst einen Schritt zurück und verschränkte dann die Arme vor der Brust.

So recht wusste er gar nicht, warum er auf den Jungen gehört hatte. Mit seiner Dummheit gefährdete er den ganzen Auftrag.

Sein Job war noch nicht erledigt.

“Gnade dir Gott, wenn du mich belogen hast. Dann wird dich der Ritter besuchen”, knurrte der Hexenmeister.

Innerlich verfluchte er sich für seine Dummheit, aber dieser Roy war wirklich schön und verdammt mutig. Das musste er ihm lassen.

Roys schwarze Haare glänzten im Mondschein, als er näher trat.

“Wenn du mich küsst, werde ich niemanden davon erzählen. Wenn du glaubst, mir Angst machen zu können, irrst du dich”, sagte er leise.

“Ein Kuss? Kleiner, weißt du überhaupt was das bedeutet? Ein Kuss von mir und du weißt nicht mehr wer du bist.”

“Dann nur zu. Küss mich”, hauchte Roy.

Sein Herz raste, als er genau vor Jack stand und ihn ansah.

Der Hexenmeister schluckte schwer. Dieser Junge gefiel ihm. Mit ihm könnte er viel Spaß haben.

Langsam beugte er sich nach vorn und presste seine Lippen auf Roys.

Ihr Kuss war erst nichts weiter als eine sanfte Berührung, wurde jedoch schnell mehr.

Roy verlor sich in diesem Kuss.

Jegliche Angst wich aus seinem Körper. Vor diesem Mann konnte er einfach keine Angst haben.

Ohne Hast, aber mit Leidenschaft, erkundete Jack die fremde Mundhöhle. Der Kleine schmeckte süß und Sehnsucht erfasste ihn.

Genau in diesem Moment traf er eine Entscheidung.

Er würde vorerst hier bei Roy bleiben und dem Kleinen zeigen, was Liebe und Leidenschaft war. Schon jetzt war dieser ein Hengst und es würde ihm Spaß machen, ihn einzureiten.

Niemand im Dorf sollte etwas von dem Ritter erfahren.

Jack besuchte am nächsten Tag die Müllerin und ließ sich das gewünschte Amulett geben.

Roy und Jack verließen das Dorf und Roy damit seine Eltern.

Zusammen mit Jack baute er sich ein neues Leben auf.

 

“Ende der Geschichte”, sagte Roy und sah seine Familie an.

Donny saß immer noch auf dem Sofa und grinste vor sich hin.

Das war typisch ein Märchen für seine Väter.  Es ging immer um Liebe zwischen Männern.

Jack runzelte leicht die Stirn. Ganz so schlecht war es ja doch nicht, musste er gestehen. Auch wenn er noch nicht so ganz den Sinn verstanden hatte.

Jamie hingegen schien es gefallen zu haben. Der kleine Junge hippelte auf dem Boden hin und her und klatschte in die Hände.

“Das war toll. Machen wir das morgen wieder?”, fragte er mit leuchtenden Augen.

Nun konnte Donny nicht mehr an sich halten. Der junge Mann lachte laut los.

“Oh ja, bitte Papa Roy. Wir wollen mehr davon”, lachte er.

Nur selten nannte er Roy Papa und dann nur wenn er ihn ärgern wollte.

Der Angesprochen verzog beleidigt das Gesicht.

“Ihr seid alle böse zu mir. Ich erzähle euch kein Märchen wieder”, murrte er.

Gespielt beleidigt verschränkte er die Arme vor der Brust und rutschte eine Stück von Jack weg.

Dieser seufzte leise und zog seinen Mann zurück in seine Arme.

“Mach dir nichts draus. So schlecht fand ich es gar nicht. Ich weiß doch, wie du solche Sachen magst. Donny ist nur traurig, dass er keine Antwort bekommt. Am besten bringen wir Jamie ins Bett und dann machen wir uns noch einen schönen Abend. Ich warte noch auf mein Weihnachtsgeschenk”, entgegnete Jack.

Sein Blick streifte Donny, der wütend und beschämt zu gleich den Kopf hob.

Er griff nach seinem Handy und steckte es in seine Tasche. Eine Antwort hatte er leider immer noch nicht bekommen, da hatte Jack Recht.

“Woher weißt du das schon wieder?”, wollte er wissen.

Aber Jack lachte nur.

“Du weißt doch wer wir sind.”

Dann hauchte er Roy einen Kuss auf den Scheitel und stand auf.

“Komm Kleiner, es geht ins Bett. Sag schön: Gute Nacht.”

Unwillig erhob sich Jamie, aber er tat es dennoch. Erst umarmte er Donny und dann Roy.

“Gute Nacht”, sagte er und ging mit Jack nach oben.

Donny schnappte sich die Flasche mit dem Wein und goss sich und Roy ein.

“Danke”, sagte dieser.

“Das war eben nicht böse gemeint. Ich mochte das Märchen. Ich wünschte nur, ich hätte auch ein Happy End”, flüsterte Donny.

Seine Hand schloss sich fester um das Weinglas. So schön Weihnachten mit einer echten Familie auch war, ihm fehlte Jason. Er wollte sich gerne an ihn kuscheln.

“Ach Kleiner, mach dich nicht fertig. Gib ihm etwas Zeit. Er wird bei seiner Familie sein. Manchmal muss man etwas auf sein Happy End warten.”

Roy saß nun direkt neben ihm. Er wollte Donny Trost spenden, auch wenn er nicht wirklich wusste, wie.

“Danke. Ihr habt auch acht Jahre gebraucht. Mir würde ja eine Antwort reichen. Einfach nur irgendetwas”, seufzte der Jüngere.

Er nahm einen großen Schluck Wein und lehnte sich wieder zurück, als er klingelte.

Erstaunt hob Roy den Kopf.

“Wer ist das denn?”

Aber Donny zuckte nur die Schultern.

“Keine Ahnung.”

Als es noch ein zweites Mal klingelte, erhob sich der ehemalige Auftragskiller und ging zur Tür. Kurz warf er einen Blick auf die Waffe, die gut versteckt in dem kleinen Regal daneben lag.

Langsam öffnete Roy die Tür. Vor ihm stand ein junger Mann, ungefähr in Donnys Alter.

“Guten Abend. Ich möchte Sie nicht stören, aber ist Donny da?”

Die Hände in den Taschen seines Mantels vergraben, sah er Roy bittend an.

“Guten Abend. Ja, er ist da. Komm ruhig rein.”

Damit trat Roy zur Seite und ließ den Gast eintreten.

“Jason? Du?”

Donny war in den Flur gekommen, da er seinen Namen gehört hatte und starrte nun den anderen fragend an.

Dieser zuckte die Schultern und grinste.

“Ich wollte dir schöne Weihnachten wünschen. Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen.”

Sein Blick wanderte zu Roy. Dieser hatte die Tür geschlossen und konnte nur mit Mühe ein Lachen verbergen.

Das war also Jason.

Er zwinkerte Donny zu, als er an ihnen vorbei in die Küche ging.

Manchmal kommt das Happy End schneller als man denkt.

“Mein Vater. Oder besser, einer davon”, erklärte Donny auf den fragenden Blick hin.

Ein Grinsen stahl sich auf seine Züge. Für seine Väter schämte er sich nicht. Schließlich hatten sie ihm ein Leben, ein zu Hause gegeben.

“Aha. Du hast ja erzählt, dass es zwei gibt. Ich habe ein kleines Geschenk für dich”, flüsterte Jason als er mit Donny ins Wohnzimmer ging.

Schuhe und Mantel hatte er abgelegt.

“Ein Geschenk? Ich habe auch etwas für dich. Möchtest du erst etwas trinken?”

Jason nickte und nahm das Weinglas entgegen, was man ihm reichte.

Er war nervös. Sehr sogar. Es hatte ihn viel Überwindung gekostet, heute hier her zu kommen. Aber er hatte Donny sehen wollen. Dafür hatte er auch den Ärger mit seiner Mutter in Kauf genommen.

Die beiden sahen sich einen Moment einfach nur an. Donny musste bei dem Anblick schwer schlucken. Die Wangen seines Freundes waren wegen der Kälte leicht gerötet. Die blonden Haaren, standen ein bisschen ab und seinen Augen leuchteten.

Sein Herz hämmerte in wildem Stakkato. Er war überglücklich dass Jason hier war.

“Kommst du mit nach oben? Da können wir die Geschenke tauschen.”

Die Worte waren leise und klangen wie die pure Sünde. Es war nicht nur der Wunsch, die Geschenke zu tauschen, nein, er wollte noch viel mehr.

Schüchtern nickte Jason.

Seine Hand stahl sich auf Donnys und streichelte über die weiche Haut.

Unfähig sich zu bewegen, hielt Donny den Atem an. Die Berührung tat unglaublich gut.

Erst ein Poltern aus dem oberen Stockwerk brachte wieder Leben in ihn.

Hastig griff er nach der Weinflasche und bat Jason die beiden Gläser mitzunehmen.

Unter Roys wissenden Blick gingen beide nach oben.

Grinsend nahm er zwei neue Gläser aus dem Schrank und öffnete noch eine Weinflasche. Der Glühwein war leider alle.

Als Jack wenig später wieder bei ihm war, grinste er immer noch.
“Wir haben Besuch. Jason, Donnys Freund, ist hier. Jetzt bekommt der Kleine doch noch sein Weihnachtsgeschenk”, erklärte Roy lachend.

Er hielt Jack das Weinglas hin und beide prosteten sich zu.

Der Ältere schüttelte nur den Kopf.

Ihm war es ganz Recht, dass der Junge auf Männer stand. Kleine Mädchen konnte und wollte er in diesem Haus nicht ertragen.

Außerdem war er glücklich, wenn Donny glücklich war. Schließlich hatte dieser schon genug in seinem Leben ertragen müssen.

“Dann sind wir morgen einer mehr zum Frühstück? Wann bekomme ich denn mein Weihnachtsgeschenk?”

Langsam beugte er sich nach vorn, sodass sich ihre Nasen berührten.

Roy grinste nur und stellte das Glas auf den Tisch. Er schlank die Arme um seinen Mann und zog diesen näher.

“Wie wäre es mit Jetzt?”, hauchte Roy.

Ohne eine Antwort abzuwarten, presste er seine Lippen auf Jacks und holte sich das, was er sich so sehnlichst wünschte.

Wild und leidenschaftlich umzüngelten sich ihre Zungen. Kämpften einen heißen Kampf.

Sie waren schon so lange zusammen und dennoch brannte die Liebe wie am ersten Tag.

Hände fuhren über den Leib des jeweils anderen. Krochen unter die Kleidung.

Kehlig stöhnte Roy auf, als sich eine große Hand auf seinen Schritt legte.

“Willst du mehr?”, raunte Jack.

Sein Gatte konnte nur nicken.

Schnell entledigten sie sich ihre Kleidung. Achtlos landete diese auf dem Boden.

Ihre Kinder würden nicht runter kommen. Jamie schlief und Donny war ebenfalls beschäftigt.

Außerdem hatten sie striktes Verbot einen Raum zu betreten, aus dem sie Stöhnen hörten.

Die nächsten Stunden genossen sie in wilder Leidenschaft. Ein ganz besonderes Geschenk.

Es trennten sie fast 20 Jahre, aber Roy liebte diesen Mann. Den Mann, der sein ganzes Leben verändert hatte. Nur mit ihm war er glücklich.

Befriedigt lag er in Jacks Armen und genoss die Wärme des anderen Körpers. Er spürte die harten Muskeln an seinem Bauch.

Bei diesem Mann sah man kein Alter.

Grinsend stahl er sich einen Kuss und schloss dann die Augen. Wusste er doch, dass Jack ihn ins Bett bringen würde.

 

Glücklich wie noch nie in seinem Leben, genoss Donny die Nähe seines Freundes. Jede einzelne Sekunde wollte er auskosten und nutzen.

Weihnachten war eben ein Fest der Liebe.

 

 

 

~~~~~OWARI~~~~~