Du befindest Dich hier: Geschichten > Weihnachten 2012 > 10

10

Chaotizitaet: Zwölf Tage im Dezember

 

10. Dezember

IX.

Mit festen Schritten strebte Andrew auf die Eingangstür von Crady Pharmaceuticals zu. Der Firmenhauptsitz lag überraschend zentral in London, aber vielleicht rührte das auch mehr daher, dass die Firma schon seit Ewigkeiten zu bestehen schien. Angefangen hatte wohl alles mit einer Apotheke im achtzehnten Jahrhundert, wie ein Artikel in einer einschlägigen Online-Enzyklopädie Andrew zu offenbaren vermocht hatte, und obgleich das alte Gebäude längst nicht mehr bestand, hatte die Familie es geschafft, den ursprünglichen Ort zu bewahren. Angrenzende Grundstücke waren mit dem Wachstum der Firma hinzugekauft worden und das Gebäude entsprechend erweitert oder abgerissen und neu aufgebaut worden. Das Foyer war, wie nicht anders zu erwarten, modern und entsprach den heutigen Sicherheitsstandards für Firmen dieser Art.

Andrew näherte sich dem Empfangstresen und überdachte noch einmal seinen Plan. Alles hing letztlich von Mrs. Kennicot, Garretts überaus tüchtigen und korrekten Sekretärin, der er an jenem schicksalsträchtigen Samstag begegnet war, ab. Denn wenn er Garrett überraschen wollte – und das wollte er, konnte er ja schlecht diesem seinen Besuch ankündigen, auch wenn er so hätte sicherstellen können, dass er es überhaupt in die Chefetage schaffte. So aber nannte er der Empfangsdame auf deren Frage hin Mrs. Kennicots Namen. Zu sagen, dass diese überrascht war, zu hören, dass am Empfang ein Besucher für sie sei, wäre untertrieben gewesen. Viel mehr sagte die Dame rund heraus, dass sie keinen Besuch erwarte und damit sei die Sache ja wohl erledigt.

Die Rezeptionistin war schon im Begriff aufzulegen, als Andrew ihr entschlossen den Hörer aus der Hand nahm. „Mrs. Kennicot?“ Er hoffte inständig, dass die Dame am anderen Ende noch dran war.

„Soll ich Ihnen persönlich sagen, dass ich keine Zeit für derartige Scherze habe? Also gut...“

An dieser Stelle musste Andrew einfach die pikierte Stimme unterbrechen. Das war zwar nicht höflich, aber was sollte er machen? Insgeheim fragte er sich, wie es PCP gelungen war, bis zu Mrs. Kennicot vorzudringen. Hatten sie vielleicht den Lieferanteneingang genommen? Und wenn ja, wieso war ihm diese Idee nicht auch gekommen? „Mrs. Kennicot? Hier ist Andrew Fitzstephen. Oder auch A.F. vom Fragebogen neulich Samstag. Sie erinnern sich?“

Zögerliche Stille vom anderen Ende. Dann: „Was wollen Sie?“

„Nichts Ungesetzliches oder Unmoralisches.“ Andrew warf einen Blick auf die Rezeptionisting, die auffällig beschäftigt tat und doch neugierig lauschte. „Allerdings glaube ich nicht, dass es so gut wäre, den Flurfunk mit weiteren Details zu füttern.“

Die Art, wie die junge Dame hinter dem Tresen zusammenzuckte, zeigte Andrew deutlich, dass sie das Gespräch genau verfolgt hatte.

Wieder herrschte ein Moment der zögerlichen Stille. Schließlich aber schien Mrs. Kennicot zu einer Entscheidung gekommen zu sein. „Lassen Sie sich einen Besucherausweis geben und kommen Sie hoch. Zimmer 1121.“

„Danke. Und bis gleich.“ Mit einem Lächeln gab Andrew den Hörer zurück und bat um den Besucherausweis. Die Rezeptionistin sah ihn für eine Sekunde mit offenem Mund an – offenbar hatte sie noch nie erlebt, wie jemand die strenge Sekretärin vom Chef von etwas überzeugte, das sie zunächst rundheraus abgelehnt hatte –, dann aber beeilte sie sich, den gewünschten Ausweis hervorzuholen.

Andrew dankte ihr, klemmte den Ausweis ans Revers und ging zu den Aufzügen.

 

Der üblichen Bürogebäudelogik folgend, wählte Andrew den Knopf neben dem die 11 prangte und verließ sich darauf, dass im betreffenden Stock dann Schilder den Weg zu den entsprechend nummerierten Büros weisen würden. Wobei er ebenfalls davon ausging, dass es in der Chefetage nicht allzu viele Büros gab, falls er sich dennoch verirrte.

Er sollte Recht behalten. Tatsächlich waren die Zimmer nummeriert und ebenfalls glücklicherweise nicht sonderlich zahlreich, denn Mrs. Kennicots Büro war kein wirkliches Zimmer sondern mehr eine Art Foyer und die Nummer daher nur zu sehen, wenn man den Flur verließ, aber Andrew fand den Weg trotzdem.

„Mr. Fitzstephen“, sagte Mrs. Kennicot als Begrüßung.

„Mrs. Kennicot“, erwiderte Andrew mit einem Lächeln. „Ich danke Ihnen, dass Sie über Ihren Schatten gesprungen sind.“ Er hatte die ganze Fahrt mit dem Fahrstuhl über überlegt, wie er am besten die Sekretärin über die Entwicklung seit jenem Samstag und seinen Plan für heute informieren sollte.

Die Sekretärin beäugte ihn tatsächlich überaus misstrauisch.

„Mrs. Kennicot, hat Garrett Ihnen erzählt, dass wir einander letzten Dienstag Abend zufällig begegnet sind?“

Die Dame nickte, doch ihre gespitzten Lippen sagten eindeutig, dass sie dem Adjektiv ‚zufällig’ nicht wirklich Glauben schenkte.

„Es war wirklich zufällig. Ich war mit dem Au-pair-Mädchen meines Bruders tanzen, weil diese es sich gewünscht hatte. Wie dem auch sei, an diesem Abend haben Garrett und ich unsere Mobilfunknummern ausgetauscht, denn Garrett wollte mich an all den Qualen, die er bei der Hochzeit seines Freundes Prakash erleiden musste, teilhaben lassen, während ich mit bereits erwähntem Au-pair-Mädchen und meinen Nichten und Neffen im Winter Wonderland war.“ Er hielt Mrs. Kennicot sein Smartphone entgegen. „Wenn Sie möchten, können Sie gerne das Verzeichnis mit den eingegangenen Nachrichten durchsehen, denn Garrett hat mir tatsächlich mehrfach von der Hochzeit geschrieben. Und jetzt, vergangenen Samstag, hat Garrett mich angerufen, um mich zu fragen, ob ich mit ihm zu Carols by Candlelight gehe.“

„Warum erzählen Sie mir das alles?“ Forschend sah Mrs. Kennicot Andrew an.

„Weil ich mich gerne bei Garrett für die Einladungen revanchieren würde. Das kann ich aber nur mit Ihrer Hilfe.“

Der forschende Blick wich nicht aus den Augen der Sekretärin, eher intensivierte er sich noch.

„Sehen Sie, offenbar verbringt Garrett gerne Zeit mit mir, sonst hätte er mich nicht wegen Sonntag gefragt. Und so wie ich es sehe, ist das nur verständlich... Er scheint nicht sehr viele enge Freunde zu haben, die Gesellschaft und die Presse haben ihn im letzten Jahr alles andere als in Ruhe gelassen und dann wäre da ich, der die Gesellschaft zwar kennt, sich aber nicht im Geringsten darum schert und na ja... einfach ich selbst bin. Was ihm offenbar gefällt und auch gut tut.“

Die Sekretärin nickte langsam. Es stimmte, was Andrew Fitzstephen ihr da erzählte. Selten hatte sie ihren Chef so gelöst, fast schon heiter, nach einer samstäglichen Gesellschaftsveranstaltung mit Presse gesehen, wie nach dem letzten Wohltätigkeitsdinner. Und es bedurfte keiner großen kombinatorischen Fähigkeiten, zu schlussfolgern, dass ein Gutteil dieser Stimmung auf seinen Begleiter zurückzuführen war. Überhaupt hatte Garrett Cardy in den vergangenen anderthalb Wochen, die er Andrew kannte, so viel gelächelt wie schon lange nicht mehr.

„Das einzige, was mich stört“, fuhr Andrew nun fort, „ist, dass alle Treffen oder Gespräche irgendwie von Garrett ausgehen. So sollte keine Freundschaft funktionieren.“ Er sagte bewusst Freundschaft, denn er glaubte kaum, dass die ältliche Mrs. Kennicot die richtige Person war, der er seine aufkeimenden Gefühle anderer Natur für Garrett als erster anvertrauen wollte. „Deswegen habe ich mir überlegt, ihn diese Woche an einem Nachmittag zum Schlittschuhlaufen am Somerset House zu entführen. Dafür brauche ich aber Ihre Hilfe, denn nur Sie können mir verraten, an welchem Nachmittag ich Garrett damit überraschen könnte.“

Als Andrew das Schlittschuhlaufen erwähnte, verklärte sich der Blick der strengen Sekretärin für einen Moment, als nostalgische Erinnerungen aus ihrer Jungend in ihr aufkeimten. Und als sie wieder in die Gegenwart zurückkehrte, fand sie, dass ihr Chef eindeutig ebenfalls eine solche Erinnerung brauchte. Denn soweit sie sich erinnern konnte, hatte sie ihn nie davon sprechen hören, dass er mal Schlittschuhlaufen war. „Also gut“, sagte sie schließlich mit einem verschwörerischen Grinsen und rief den Kalender auf. „Mittwoch“, verkündete sie dann. „Da hat er nachmittags nur einen Termin, aber das ist ein interner Termin, den ich problemlos verschieben kann.“

„Danke, Mrs. Kennicot, Sie sind ein echtes Juwel!“ Andrew freute sich dermaßen darüber, dass sein Plan geklappt und er Mrs. Kennicot als Verbündete hatte gewinnen können, dass er ihr am liebsten die Hand oder die Wange geküsst oder sie einfach umarmt hätte. Doch er war sich sicher, dass er damit so ziemlich alle Pluspunkte, die er bis dahin bei der Dame gesammelt hatte, verwirkt hätte und so beließ er es bei etwas übertriebenen Worten.

Tatsächlich verdrehte die Sekretärin nur kopfschüttelnd die Augen. „Doch nun, Sie Charmeur, muss ich Sie dringend bitten zu gehen.“ Augenzwinkernd fügte sie hinzu: „Mr. Crady kommt nämlich gleich aus seiner derzeitigen Besprechung und wir wollen ihm doch nicht die Überraschung verderben, indem er Sie heute schon hier sieht.“

  


Britta + Fich: Katzenaugen VI

06

 

Der Blutbeutel war noch halb voll, darum musste er sich darum nicht kümmern. „Möchtest du etwas lesen oder Fernsehen?“, fragte er. „Ich muss noch ein wenig arbeiten, tut mir leid.“

„Lass dich von mir nicht abhalten. Ich versuche etwas Kraft zu tanken und werde versuchen zu schlafen. Ich muss schnell wieder auf die Beine kommen.“ Randy lag auf dem Rücken, das war mit der Kanüle im Arm immer noch die bequemste Haltung und so musste er den Kopf drehen um Ian ansehen zu können. „Mach dich nützlich. Wirst gar nicht merken, dass hier noch jemand ist.“

„Du musst nicht gehen.“ Ian konnte ja verstehen, dass Randy nicht gerne länger als nötig bei ihm im Haus bleiben wollte, aber der Kater fühlte sich nicht wohl dabei. „Randy, ich würde da gerne etwas wissen, aber du musst mir nichts erzählen, wenn du nicht willst“, fing er vorsichtig an und setzte sich auf den Sessel neben dem Bett. „Was ist dir passiert? Offensichtlich haben dich Katzen verletzt und dir übel mitgespielt.“

Erst wollte Randy es mit einer flapsigen Bemerkung abtun, doch er hatte dem Kater sein Leben zu verdanken. Der hatte das Recht zu wissen, weswegen er vielleicht in Gefahr sein könnte. „Das ist schnell erzählt“, entgegnete der Vampir also und blickte Ian offen an. „Die Schwester des Clanoberhauptes einer Truppe von halbstarken Pumas hat sich in den Kopf gesetzt, ein kleines Vampi im Bett haben zu wollen. Die Dame verstand kein Nein, heulte sich bei ihrem Bruder aus. Der konnte seine einzige, kleine Schwester wohl nicht weinen sehen. Sie haben mich verfolgt, mich gejagt. Job weg, Wohnung weg und zum Schluss haben sie mich in einer unvorsichtigen Minute doch erwischt, als ich gerade was Leckeres zum Abendessen gesucht habe. Und dann haben sie versucht mich zu überreden – das Ergebnis hast du gesehen und wenn ich nicht bald verschwinde, habe ich Sorge, dass sie mich hier finden, die falschen Schlüsse ziehen und deine Familie schneller ein Problem hat, als dir lieb sein dürfte.“

Ian sog scharf die Luft ein und sah Randy entsetzt an. „Das alles, nur weil du nicht mit einer Frau ins Bett wolltest?“ Das war doch vollkommen absurd, was aber nicht hieß, dass er Randy nicht glaubte. „Wo willst du denn hin ohne Wohnung und ohne Job? Du bleibst hier bei uns. Ich lass dich doch nicht bei der Kälte da draußen leben. Das kommt gar nicht in Frage.“ Er hob die Hand, als Randy etwas sagen wollte. „Du bleibst hier.“

„Dein Freund hat Recht, Ian“, musste der Vampir freudlos zugeben, „Glucke mit Helfersyndrom. Wie wäre es, wenn du jetzt mal den Kopf anschaltest und dir überlegst, was deinen Kindern alles passieren kann, wenn raus kommt, dass du mich beherbergst. Mit diesen Pumas ist nicht zu spaßen. Das sind völlig Bekloppte und ich wage zu bezweifeln, dass sie Skrupel haben, nur weil Simon und Bill noch Kinder sind. Also lass diese Heldenscheiße, Ian, zeig etwas Egoismus, scheiß auf weihnachtliche Nächstenliebe und lass mich gehen. Du wirst mich sowieso nicht aufhalten können, wenn ich das nicht will.“ Randy umklammerte seine Tasse fester und holte tief Luft. Er konnte nicht Unschuldige mit hinein ziehen – das ging nicht. Egal wie verlockend es war, unterzukriechen und zu Atem zu kommen. Es ging nicht. Nicht hier.

„Randy, ich bin dir dankbar, dass du meine Familie und mich schützen willst, aber das ist doch verrückt. Ich werde nicht vor einer Horde Jugendlicher kapitulieren.“ Das kam gar nicht in Frage. „Du bleibst hier und ich kümmere mich um unsere Sicherheit. Ich habe mich noch nie roher Gewalt gebeugt.“

„Weißt du, ob sie nicht gerade deinem Jungen in der Schule auflauern?“, schoss Randy zurück und schüttelte den Kopf. Wie konnte jemand nur so extrem stur sein? Und eigentlich fühlte es sich gut an, dass jemand so um ihn kämpfte, um ihn zu beschützen. Das hatte lange niemand mehr getan und dass es ein Mann wie Ian tat, war schön. Doch er musste sich den Mann aus dem Kopf schlagen – er hatte Kinder und eine Vorliebe für Frauen. Der würde für Randy nie das empfinden können, was Randy schon so lange suchte. „Ich kann nicht verantworten, dass euch was passiert, Ian, versteh das doch! Wenn ich mich in Gefahr bringe, ist das eigene Blödheit. Wenn ich euch mit rein ziehe, ist das unverzeihlich.“

„Was soll das denn bitte mit Blödheit zu tun haben, wenn du nicht als Sextoy für eine rollige Pumadame herhalten willst? Da hätte ich auch nicht mitgemacht.“ Ian schnaubte aufgebracht und seine Augen blitzten zornig. „Kommt gar nicht in Frage, dass du gehst. Du bleibst hier. Du wirst nicht mitten im New Yorker Winter da draußen leben. Meine Kinder werden in Sicherheit sein, dafür sorge ich.“

Randy blickte Ian an, doch er konnte nichts mehr sagen. Er stellte die Tasse ab, ließ sich nach hinten fallen und zog die Decke über den Kopf. „Ian, du bist unglaublich“, nuschelte er unter der Decke. Zum Glück sah der Kater dort sein Grinsen nicht. Ja, er freute sich, auch wenn das schlechte Gewissen an ihm nagte. „Danke, dass du so ein sturer Kater bist.“ Kurz lugte er unter der Decke vor, doch dann zog er sie wieder drüber. Er musste nachdenken. Über alles.

„Stur ist mein zweiter Vorname.“ Ian wirkte sehr zufrieden und wuschelte Randy durch die Haare. „Du weißt doch, dass die Chinesen sagen, wenn man einem das Leben rettet, ist man den Rest des Lebens für ihn verantwortlich. Du erholst dich erst einmal richtig und dann sehen wir weiter, damit wir dir wieder ein Leben aufbauen können.“

„Nein, Samariter ist dein zweiter Vorname. Aber stur könnte dein dritter sein.“ Randy schob die Decke zurück und grinste schief. E konnte diesem Kerl nichts abschlagen, und je besser seine Sinne wurden, um so mehr stieg ihm dieser Kerl in den Kopf. Und diese Augen und… Randy schüttelte den Kopf. Er musste wieder klar werden. Was war denn mit ihm los? „Was meinst du damit, wir werden mir ein Leben aufbauen?“, fragte er verwirrt.

„Na, du brauchst einen Job und eine Wohnung irgendwann mal. Nicht jetzt sofort, denn du erholst dich erst. Du kannst so lange bleiben, wie du möchtest.“ Ian grinste sehr zufrieden und er war irgendwie ganz kribbelig. Randy blieb bei ihnen und das freute ihn sehr. Er wollte nicht, dass der Mann wieder einfach aus seinem Leben verschwand.

„Ian, du bist verrückt“, sagte Randy und lachte leise. Gern hätte er die Arme hinter dem Kopf verschränkt, doch die Kanüle in seinem Arm verhinderte das. Das machte ihm klar, was er noch klarstellen musste. Er nickte auf die Konserve, die stetig in seinen Arm lief. „Das geht nicht ewig so. Ich werde… jagen müssen.“ Dabei versuchte er Ian nicht anzusehen, denn der Kerl war verdammt lecker und würde Randys Jagtrieb anstacheln.

Man sah Ian an, dass der daran noch gar nicht gedacht hatte, aber er fing sich schnell wieder. „Okay, du kennst dich da besser aus. Ich weiß leider sehr wenig über Vampire. Bisher bin ich ihnen so gut es ging aus dem Weg gegangen. Wie viel Blut brauchst du und wie oft?“

„Das kommt drauf an wie intensiv ich mich bewege und wie viel Energie ich verbrauche. Aber alle drei Tage ein paar Schlucke“, sagte Randy. Er hatte gelernt seinen Blutbedarf zu minimieren, doch ganz konnte sein Körper nicht darauf verzichten. „Allerdings haben sich ja hier die richtigen getroffen. So viel wie du über Vampire weißt, weiß ich über Katzen.“ Randy strich sich die zu langen Haare aus dem Gesicht, doch sie fielen immer wieder zurück. Er musste sie schneiden.

„Mehr nicht? Das kannst du von mir haben.“ Ian antwortete ganz spontan. Er war alt genug, um den Verlust nicht zu bemerken und schnell wieder ausgleichen zu können. „Na, dann haben wir ja die nächste Zeit Gelegenheit unsere Wissenslücken aufzufüllen.“

Randy entgleisten die Gesichtszüge, einer nach dem anderen. „Ian, du bist, du… du…“ Hastig strich sich der Vampir durch das Gesicht, er musste wieder klar denken denn er hatte gerade Bilder in seinem Hirn, die nicht gut waren. Definitiv nicht gut! „Das solltest du mir nicht anbieten, Ian, wirklich. Ich kann dir nicht erklären warum, aber das ist keine gute Idee.“ Dieser Kerl war unglaublich. Das grenzte ja schon an Selbstaufopferung, was Ian hier abzog. Das musste Randy verhindern, Ian vor sich selbst schützen.

Man sah Ian an, dass er nicht verstand, was er wohl gerade gemacht hatte. „Es ist doch nur ein bisschen Blut“, sagte er und zuckte ein wenig, als Randy ihn ansah. „Ist das so ein Vampirding, dass ihr das Blut von Katzen nicht trinken dürft, oder vertragt ihr unser Blut nicht?“ Der Kater wollte verstehen, warum Randy so aus dem Häuschen war. „Aber das kann es eigentlich nicht sein. Wenn ich mich recht erinnere, können Vampire unser Blut vertragen?“

Stur, aber unglaublich unbedarft. Was für eine Kombination, dachte Randy und holte tief Luft. Doch vielleicht konnte er Ian mit der Wahrheit etwas schocken und ihn davon abbringen, sich als Minibar anzubieten. „Von einem Menschen oder einem anderen Wesen zu trinken, ist nicht nur Nahrung. Es kann auch ein ziemlich… Na ja, … also. Es kann Leidenschaft entfesseln. Unser Speichel enthält Enzyme, die das Opfer stimulieren. Wenn man sich im Dunkeln jemand Fremdes greift und schnell wieder schwindet, ist das das eine. Aber jemand, den man kennt… da…“ Randy ruderte mit den Händen und verhedderte sich fast noch in seinem Schlauch, grinste dann aber frech. „Na? Immer noch Bock, Minibar zu spielen?“

Die Augen, die Randy ansahen, wurden immer größer. „Du meinst... das ich?“ Ian ruderte ein wenig. „Du meinst, das macht mich geil?“, fragte er dann doch rundheraus. Das hatte er nicht gewusst und er wusste nicht, was er davon halten sollte und wo kam das herrliche Kribbeln auf einmal her? Er besah sich Randy, der immer noch grinste und dann gingen die Pferde mit ihm durch. „Dann sind die Kinder für dich tabu. Die sind eindeutig noch zu jung dafür.“

Der eben noch zufrieden grinsende Vampir verschluckte sich an seinem Lachen, hustete gequält und sah Ian fassungslos an. „Ich gebe zu, mit der Reaktion habe ich nicht gerechnet. Aber um dir deine Frage zu beantworten: Ja. Die ersten Male würdest du ziemlich geil werden. Bei manchen hält das lange an und sie reagieren auch nach Monaten noch auf das Enzym. Andere gewöhnen sich schnell daran und bei ihnen passiert dann nicht mehr viel im Hormonhaushalt. Aber das ist von Mensch zu Katze unterschiedlich.“ Randy schloss kurz die Augen und spürte dem Gefühl nach, dass in ihm aufstieg bei dem Gedanken, wie Ian unter ihm abgehen würde. Förderlich war das für seinen Hormonhaushalt nicht – aber anregend.

„Tja, das werden wir wohl rausfinden.“ Ian lachte leise und es freute ihn, dass er Randy hatte schocken können. Dann wurde er aber wieder ernst. „Uns bleibt wohl nur diese Möglichkeit. Du brauchst Blut und du solltest die nächste Zeit erst einmal nicht draußen rumlaufen. Ich will nicht, dass die Pumas dich finden.“

„Nein!“ Randy wedelte mit den Händen. „Nein, nein, nein“, bekräftigte er noch einmal. „Du hast keinen Schimmer, auf was du dich da einlässt. Du wirst Dinge tun wollen, an die du im unverklärten Geisteszustand niemals denken würdest. Ich möchte das nicht. Ich werde etwas finden und ich werde vorsichtig sein. Aber ich werde mich nicht an dir vergreifen, Ian, verlang das nicht von mir! Ich will nicht, dass das hinterher zwischen uns stehen wird.“ Er redete eindringlich auf Ian ein. Der Mann war eindeutig zu unbedarft. Solche Angebote machte man nicht aus Nächstenliebe – nicht solche!

„Verschieben wir die Diskussion auf später. Im Moment hast du noch Konservenleckerchen. Und wo wir schon mal dabei sind, da ist auch wieder ein neues fällig.“ Der Beutel am Ständer war leer, darum langte Ian unter die Decke und holte einen neuen. „Der ist nicht mehr so kalt, da wird es angenehmer.“

„Äh – ja.“ Randy war überfordert. Es war erstaunlich, wie schnell der Kerl umschalten konnte. Während der Vampir allmählich anfing heiß zu laufen, ohne etwas dagegen tun zu können, ging Ian wieder zum Tagesgeschäft über. Doch vielleicht war das wirklich besser so, sonst wurde der arme Kater noch früher geil, als diesem lieb war. „Wir können ja nach der nächsten Konserve eine Pause machen, dann reichen sie länger“, schlug er vor, auch wenn es dann nicht mehr so schnell vor kam, dass der schmucke Kerl ihm unter die Decke packte. Und wo kam dieser wenig förderliche Gedanke schon wieder her?

„Geht das denn? Die sind doch jetzt warm. Nicht dass das Zeug verdirbt und du davon krank wirst.“ Ian sah den Beutel in seiner Hand an und wirkte unentschlossen. Da stand aber kein Haltbarkeitsdatum drauf oder sowas ähnliches. Jetzt war sie auf jeden Fall noch gut, darum verband er sie mit der Kanüle. „Da sollten wir erst Dexter fragen.“ 

„Okay“, willigte Randy ein. Er kannte sich mit der Beutelnahrung auch nicht aus. Er hatte sich seine Nahrung in einer Stadt wie New York immer so besorgen können. Er verzog das Gesicht, als das Blut ihn wieder erreichte, doch es war nicht so unangenehm wie bei dem Beutel davor. Das Anwärmen hatte wirklich geholfen.

„Ich glaube, der junge Mann will zu dir“, deutete Randy auf Simon, der schüchtern um die Ecke guckte. Man wusste ja nie, ob man den Fremden nicht wieder auf dem falschen Fuß erwischte. Als er merkte, dass Randy ihn gesehen hatte, zog sich der helle Schopf sofort zurück.

„Komm ruhig rein, Maus“, rief Ian und drehte sich lächelnd zu Simon um, der wieder um die Ecke guckte. Er breitete die Arme aus und fing seinen Sohn auf, der lachend auf ihn zu lief. „Ist der Wintergarten wieder ordentlich?“, fragte er und Simon nickte heftig. „Das ist toll“, lächelte Ian und küsste seinen Sohn auf die Stirn. „So, und jetzt bringen wir das mit dir und unserem Gast ins Lot.“ Er drehte sich mit Simon zum Bett. „Das ist Randy, er wird eine Weile bei uns bleiben und er ist sehr nett. Er hat sich vorhin nur erschrocken.“

„Aha“, machte Simon und betrachtete sich den Neuen noch mal genau. Das Ding an dessen Arm sah schon komisch aus. „Tut mir leid, was passiert ist, Kleiner. Wirklich. Kommt auch nicht wieder vor – versprochen“, erklärte Randy und Simon nickte. „Müssen wir ihn pflegen? So wie Molly? Ich kann mit Stephano Regenwürmer ausgraben!“

Randy wusste nicht, was er sagen sollte – was war das für eine Familie?

Ian musste schwer an sich halten, um nicht laut los zu prusten. Man konnte sein Lachen aber hören, als er Simon antwortete. „Das ist sehr lieb von dir, Mäuschen, aber nicht nötig. Randy ist schon so kräftig, dass er mit uns essen kann. Regenwürmer sind nicht mehr nötig.“

„Er wollte mich allen Ernstes mit Regenwürmern füttern?“, fragte Randy, hoffend dass er sich verhört hatte, doch Ian nickte. „Molly hat das geholfen. Sie war ganz schnell wieder gesund“, erklärte Simon und wirkte verstimmt, weil Randy keine Regenwürmer wollte.

„Maus, Randy ist kein Maulwurf. Die lieben Regenwürmer und werden davon gesund, aber du würdest doch auch keine essen.“ Ian drückte Simon an sich und knuddelte ihn ein bisschen. „Nein“, quietschte Simon und wand sich in den Armen seines Vaters. „Die schmecken nicht. Hab ich probiert.“

„Du hast was?“, fragte Randy, der sich das nicht vorstellen konnte. „Ist das so ein Jungkatzen-Ding, oder was?“ Er sah auf den Jungen, der gerade akribisch seine kulinarischen Regenwurm-Erfahrungen weiter gab und versuchte zu erklären, wie genau Regenwürmer schmeckten - oder besser - nicht schmeckten und wie sie sich auf der Zunge anfühlen. Randy wurde blass und er lehnte sich wieder zurück. „Bin satt für heute“, murmelte er.

„Memme“, lachte Ian. „Naja, er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Molly zu versorgen und war wohl in Sorge, ob ihr die Regenwürmer auch schmecken. Da muss man dann als verantwortungsvolle Katze selber probieren.“ Ian prustete wieder los, als Randy ihn angewidert ansah. „Geht doch nicht, dass Molly sich den Magen verdorben hätte.“

Man sah Randy deutlich an, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Darauf konnte er einfach nichts erwidern. Er wurde ein bisschen grün um die Nase bei dem Gedanken, Regenwürmer zu essen und schüttelte sich. „Du hast deine Gene an deine Kinder weiter gegeben – eindeutig. Ebenfalls Helfersyndrom. Allerdings finde ich es mehr als verantwortungslos, dass du mir hier Blut einflößt, das du nicht vorher geprüft hast.“ Dabei sah er Ian fest an, auch wenn ihm immer noch flau war. Er hatte eben leider eine sehr lebhafte Fantasie.

„Oh“, machte Ian und krauste die Stirn, so als wenn er wirklich betroffen wäre. „Da sagst du was. Was mach ich denn jetzt?“ Er sah von der Kanüle zu dem Blutbeutel. „Das ist viel zu riskant. Wir müssen das wohl jetzt schon so machen, wie wir das vorhin besprochen haben.“ Ian wollte das Wort Blut nicht unbedingt vor Simon verwenden, hatte aber einen Heidenspaß Randy zu schocken. „Machen wir das gleich.“

„Machen! Wir! Nicht!“, knurrte Randy, der merkte, dass er schon wieder auf den Arm genommen wurde. „Ich habe jetzt schon drei Liter verseuchtes. Jetzt ist es auch egal. Ich bin schon mit krankmachenden Sachen voll gepumpt worden. Wir werden also nicht machen, was wir besprochen haben, auch wenn du echt scharf drauf zu sein scheinst.“ Randy mochte es nicht, so um den heißen Brei zu reden und nicht Ian direkt mit ein paar dreckigen, kleinen Anzüglichkeiten zu locken. Doch er sah ein, dass es in Simons Gegenwart nicht sein musste. Aber aufgeschoben war bekanntlich nicht aufgehoben.

„Ich bin halt neugierig.“ Ian lachte wieder und küsste Simon auf die Stirn. „Riechst du was? Ich glaube, Maria kocht. Guck doch mal, ob du ihr für uns was mopsen kannst?“ Simon liebte es auf Beutezug zu gehen und sie dann mit seinem Vater zu vertilgen.

„Au ja!“ Simon nickte heftig und hüpfte von Ians Schoß. „Würstchen für uns und für Randy einen Regenwurm, einen ganz frischen!“ Und dann war er weg und der Vampir sah dem kleinen Kater hinterher. „Ich werde das Gefühl nicht los, der Kurze ist nachtragend“, knurrte er leise und sah Ian dabei fest an. „Und deine Neugier lerne lieber zu zügeln. Ich weiß nicht, was deine Frau denkt, wenn sie heim kommt und du keuchst unter mir in den Laken. Es gibt Dinge, die kannst du nicht erklären.“

Kurz huschte ein Schatten über Ians Gesicht, aber er fasste sich schnell wieder. Randy konnte nicht wissen, dass er gerade ein für den Kater nicht ganz einfaches Thema angeschnitten hatte. „Das wird nicht passieren, Randy. Meine Frau ist bei Simons Geburt gestorben.“ Er lächelte traurig und atmete tief durch. „Ich bin mit meinen Jungs alleine.“

„Oh, das tut mir leid, dass ich da meine blöden Witze gerissen habe. Entschuldige“, sagte Randy und hatte das Gefühl, Eiswasser über den Kopf gegossen bekommen zu haben. Er versteifte sich und versuchte abzulenken. „Ob ich meinen Regenwurm auch gebraten haben kann?“ Er grinste schief und unbeholfen.

„Schon okay, Randy. Das konntest du nicht wissen.“ Ian hatte sich wieder im Griff und setzte sich auf die Bettkante. „Mach dir keine Vorwürfe.“ Er wuschelte dem Vampir wieder durch die Haare und bemerkte nebenbei, wie weich sie sich anfühlten. „Ich glaube, ich kann dir den Regenwurm ersparen.“

„Und wie? Simon ist ganz fest davon überzeugt, dass ich nur auf die Beine komme, wenn ich Regenwürmer esse, und du wirst deinen Kurzen nicht davon abbringen können.“ Randy ließ die Behandlung geschehen. Sich gegen Ian zu wehren, hatte keinen Sinn. Der Kerl war zu gut, um wahr zu sein. Man wehrte sich nicht gegen Engel – schon gar nicht kurz vor Weihnachten. Er lachte innerlich über seine eigene Blödheit.

Ian streckte sich neben Randy aus und lehnte den Kopf an. So konnten sie sich besser unterhalten. „Mein kleiner Sonnenschein ist käuflich. Wenn du ihm seine Lieblingsbonbons anbietest, wird er von der Regenwurmidee abkommen.“ Der Leopard lachte. Simon war käuflich.

Randy blieb einfach liegen und gönnte es sich für ein paar Augenblicke sich zu belügen, sich vorzustellen, dieser Kater könnte ihm gehören, ihn lieben, ihn beschützen. Er wusste, dass er sich selbst betrog. Aber da er sich selbst sowieso nichts anderes zu Weihnachten schenken konnte, machte er sich ein frühes Weihnachtsgeschenk und drängte sich unmerklich etwas dichter an den großen Körper. „Und wie komm ich an die begehrten Leckerchen?“

„Ich steck dir gleich welche zu“, flüsterte Ian verschwörerisch und beugte sich dazu zu Randy rüber. „In der Küche sind welche, die werde ich holen und unter deine Decke schmuggeln.“ Er kicherte und zwinkerte dem Vampir zu. „Ich kann doch nicht zulassen, dass du vielleicht verseuchte Regenwürmer isst. Wo du doch schon verseuchtes Blut nehmen musstest.“

„Ian“, sagte Randy und öffnete die Augen. „Du bewegst dich auf dünnem Eis und du machst es mir gerade nicht leicht.“ Der Vampir holte tief Luft. „Im Gegensatz zu dir, sind Frauen nicht meine Liga. Meine Sinne sind frisch geschärft und du so dicht neben mir, das ist nicht förderlich für meinen Genesungsprozess.“ Und er hoffte, dass der Kater begriff, was Randy sagen wollte, ohne dass er sich abgelehnt fühlte, denn so war es nicht.

„Nicht deine Liga?“, fragte Ian und es dauerte ein paar Herzschläge, bis er wohl verinnerlicht hatte, was das bedeutete. „Oh, tut mir leid, das wollte ich nicht, also das...“ Der Kater kam ins trudeln und dass er von der Rolle war, merkte man daran, dass er mit den Händen durch die Luft wedelte, was er sonst nicht machte. Er rückte aber nicht von Randy ab, denn das fand er unhöflich. Es störte ihn nicht, weiterhin nahe bei dem Vampir zu sitzen. „Bin speziell ich nicht förderlich für deinen Genesungsprozess, oder die Tatsache, dass ich ein Mann bin?“

„Fishing for compliments würde ich deine Frage nennen“, knurrte Randy gutmütig und seufzte. „Es bist speziell du und es wird nicht gerade weniger peinlich, wenn ich das jetzt noch weiter ausführen muss“, murmelte er leise und schloss wieder die Augen. Ihm entglitt allmählich alles. Hatte er sich mit seinem Geständnis jetzt alles versaut? Doch vielleicht war das gar nicht so schlecht, dann versuchte Ian vielleicht nicht mehr die Blutbank für ihn zu spielen. Denn Randy wüsste nicht, ob er damit umgehen könnte.

„Ist schon ziemlich lange her, dass ich welche bekommen habe“, nuschelte Ian und sah zu Randy rüber. Hatte der sich für ihn verändert? Fühlte er sich bedroht? Das zweite konnte Ian ruhigen Gewissens verneinen. Er fühlte sich nicht unwohl, so nahe neben dem Vampir. „Du bleibst aber trotzdem hier. Es ändert nichts. Ich mag dich und finde es schön, dass du hier wohnst.“

Randy holte hörbar tief Luft und legte den Arm hinter dem Kopf, in dem keine Kanüle steckte. „Wir werden sehen“, ließ er offen, wie es in ein paar Tagen aussehen würde. Im Moment kreiselte ihm der Schädel. Er brauchte Ruhe und wollte sich selbst endlich wieder finden. Er hätte Ian gern gesagt, dass man ihm eigentlich öfter Komplimente machen sollte, einfach dafür, dass es ihn gab, doch er ließ es bleiben, weil er Sorge hatte, sich noch tiefer zu verstricken. Plötzlich fühlte er sich gehemmt.

Ian fühlte sich fehl am Platz, so wie er neben Randy lag. „Schlaf ruhig noch ein wenig, ich wollte ja eigentlich arbeiten, bevor das Gespräch auf Regenwürmer kam.“ Ian erhob sich und setzte sich wieder in den Sessel. Sein Laptop lag noch immer auf dem Tischchen daneben. 

 

„Stimmt, ich wollte dich ja eigentlich nicht davon abhalten. Mach ruhig.“ Randy wusste nicht, ob er erleichtert sein sollte oder traurig. Es war doch zum verzweifeln. Verliebte er sich wirklich gerade in seinen Retter? In einen Kater? In einen allerziehenden Vater vom gegenüberliegenden Ufer? Er war hoffnungslos, dermaßen hoffnungslos und wie er sich gerade selbst bemitleidete war jämmerlich. So schlug er die Decke zurück und setzte sich auf die Kante, umfing den Infusionsständer und wollte sich gerade erheben, als Simon mit seiner Beute um die Ecke kam. Randy verzog das Gesicht. Das sah wirklich aus wie gebratene Regenwürmer!