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Britta + Fich: Katzenaugen VI

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Es war schon dunkel, als sie wieder im Castle ankamen, aber alle waren fröhlich und gut gelaunt, als sie bepackt mit Kisten und Tüten wieder in ihrer Wohnung ankamen. Sie hatten einen tollen Nachmittag verbracht. Die Kinder hatten eine Eis bekommen und die Erwachsenen etwas Warmes zum Trinken. „So jetzt Öfen anheizen und dann wird gekocht“, erklärte Ian unternehmungslustig. „Ich hole das Holz und ihr bereitet alles andere vor.“

Die Jungs hatten sich für Fleisch entschieden – wie überraschend. Doch Randy war das ganz lieb, so wussten sie wenigstens, dass es auch gegessen wurde, was sie kochten. Für sich selber hatte er Kartoffeln besorgt und für den Rest frisches Brot. Sie hatten sich mit allem eingedeckt, was man lagern konnte, einen Kühlschrank hatte die Wohnung nämlich nicht. Doch Sachen die gekühlt werden mussten, konnten sie auf den äußeren Fensterbrettern lagern. Gesichert in Dosen, denn er traute weder den Krähen noch den Ratten. Und zusätzlich wurden die Dosen noch festgebunden – das sollte reichen.

Als das erledigt war und die Jungs nichts mit sich anzufangen wussten, wurden sie vor die Tür zum Spielen geschickt, was in etwa so aussah, dass sie die langen Korridore entlang liefen und sich alles anguckten. Das war spannender als beim Kochen zu helfen oder Ian und Randy beim Knutschen zuzugucken.

Die Kartoffeln wären beinahe angebrannt, weil Ian sich erst an den Ofen gewöhnen musste, aber die Lammkeule war perfekt gelungen und roch köstlich. Wie auch Zuhause brüllte Ian durch das ganze Schloss nach seinen Jungs, bis ihm einfiel, dass sie ihn bei dem riesigen Gebäude wahrscheinlich gar nicht hören konnten. „Schatz, willst du Sir Granger fragen, ob er mit uns essen möchte, ich suche die Zwerge?“, fragte er Randy und zog ihn auch schon mit sich aus der Wohnung.

„Sicher“ sie liefen den Gang entlang, dann trennten sie sich. Ian hörte die Kinder aus dem Turm, während Sir Granger im Flügel neben der Brücke wohnte, die über Nacht eingeholt wurde und das Castle so sicherte. Randy trat ein, als er geklopft und eine einladende Antwort bekommen hatte und schloss die Tür wieder hinter sich. Der alte Mann saß über einem seiner Hobbys. Er war Silberschmied in seiner Freizeit und verkaufte einen Teil seiner Stücke Touristen, die das Schloss besuchten. Meistens lagen die Stücke nicht einmal eine Woche in der Auslage, denn die alten schottischen Motive, die Sir Granger schon seit Jahrhunderten fertigte, fanden reißenden Absatz. „Guten Abend. Wir haben gekocht. Möchte sie mit uns essen?“

„Sehr gerne Mr. McLachlan.“ Der Verwalter legte das Stück Silber beiseite, an dem er gerade arbeitete. „Haben sie sich wieder gut eingelebt?“, fragte er und erhob sich. Er freute sich, eingeladen worden zu sein, denn er war neugierig, wie es Randy die letzten Jahre ergangen war und wie er zu den drei Katzen gekommen war. „Ich steuere auch etwas bei“, lachte er und holte aus dem Schrank eine Flasche mit altem schottischem Whiskey, den sie nach dem Essen genießen konnten.

„Da lacht das Schottenherz“, entgegnete Randy und lachte. „Es wird ihnen nicht entgangen sein, die drei sind Katzen. Ich habe ihnen gesagt, es wäre okay, wenn die Kinder als Katzen draußen im Schnee toben oder spricht da etwas gegen?“ Er war nicht mehr der Herr des Hauses, also wollte er höflich sein und fragen. Er wartete, bis der Mann die Tür hinter sich geschlossen hatte, ehe sie losgingen.

„Aber natürlich ist das okay. Kinder sollen toben. Es ist schön, wenn wieder Leben ins Schloss einzieht.“ Der alte Mann lachte und ging mit Randy durch die Gänge zu seiner Wohnung. „Ich wusste gar nicht, dass Katzen gerne durch den Schnee tollen. Ich kenne sie im Winter eher vor dem warmen Kamin liegend.“

„Es sind spezielle Schneekatzen“, lachte Randy und hielt sich die Augen zu, als er die Jungs auf sich zu flitzen sah – wie aufs Stichwort in ihrem weißen Fell. Hinter ihnen lief Ian mit den Kleidern in der Hand. „Achtung – Schneeleoparden im Anflug“, rief er seinem Gast noch zu, ehe der mit Bill auf seiner Brust zu Boden ging. Das erübrigte zumindest das Vorstellen und viele Worte.

Man hörte ein ersticktes „uff“, als der Verwalter mit Bill auf seiner Brust auf den Boden krachte. Der junge Leopard hatte die Augen fest zugekniffen und wollte gerade hochspringen, um sich panisch hinter seinem Vater zu verstecken, denn es war ihm ziemlich peinlich, was passiert war. Aber zwei starke Arme hinderten ihn daran und Finger die durch sein Fell kraulten und er hörte ersticktes Lachen unter sich, dass immer lauter wurde. „Mr. McLachlan, das sind keine speziellen Schneekatzen, sondern gemeingefährliche Terrorkatzen, die ich wohl nachher auf dem Schlosshof müde jagen muss, damit sie nicht wieder wehrlose, alte Vampire überfallen.“ Dabei zwinkerte er Randy zu, damit er nicht glaubte, dass er böse war. Er fand es herrlich, denn endlich war wieder Leben in der Bude.

„Und ich werde dabei helfen“, knurrte Randy, strich Bill aber durch das Fell. Er hatte sich einfach versprungen. Die Vampire bewegten sich zu schnell und im Flug hatte Bill nicht mehr die Richtung korrigieren können. Simon saß nun neben den beiden am Boden und beschnüffelte den Mann eindringlich. „Wie wäre es, wenn du, kleine Terrorkatze, Sir Granger erst mal wieder aufstehen lassen würdest?“, fragte Randy und zog Bill zu sich. Doch ehe Sir Granger sich erheben konnte, hatte ihm Simon schon die Pfote auf die Brust gestellt. Was sollte das denn? Er war doch mit Beschnüffeln noch gar nicht fertig! Und Randy ließ den Kopf hängen. So blieb der Verwalter liegen und ließ sich beschnüffeln, bis Ian seinen Sohn peinlich berührt von ihm pflückte. Er hielt dem älteren Mann eine Hand hin und half ihm auf. „Sorry“, murmelte er dabei. „Na wenigstens ist der Whiskey heil geblieben.“ Den hatte Ian nämlich gleich entdeckt und seine Augen leuchteten. Alter, guter Whiskey war eine seiner Schwächen.

Randy kniete sich zu den Jungs runter und griff sie beide liebevoll im Nacken. „Und ihr Rabauken lauft vor und zieht euch an. Nehmt eure Klamotten mit.“ Er drückte sie ihnen in die Pfoten, sollten die Jungs sehen, wie sie klar kamen – sie waren ja schon groß. Reumütig nahmen beide ihre Klamotten ins Maul und huschten davon. „Haben sie am besten ihre Büsche im Auge, einer der beiden liebt es sie auszugraben und zu verschleppen. Ich frage mich, von wem er das haben könnte.“ Sie folgten den Katzen langsamer.

„Was soll das denn heißen?“, fragte Ian auch gleich und machte ein unschuldiges Gesicht, so dass die beiden Vampire grinsen mussten. „Okay, ich habe verstanden“, lachte Sir Granger und betrat mit seinen Gastgebern zusammen die Wohnung. „Hmm, das riecht lecker“, sagte er anerkennend und besah sich die zwei Terrorkatzen in Menschenform.

„Und jetzt noch mal förmlich, ohne beschnüffeln und ohne umwerfen“, sagte Randy und stellte die drei einander vor. Der Vollständigkeit halber wurde auch Ians Name noch mit eingeworfen, denn die beiden waren sich auch noch nicht vorgestellt worden und als der förmliche Krempel erledigt war, ging es gemütlicher zu. Die Jungs verteilten Besteck, das Geschirr nahm Randy lieber selber, denn es war alt und er hing daran. Es war eines der wenigen Dinge, die er von seinen Eltern noch hatte. Ian kam mit dem großen Schmorbraten und Sir Granger kümmerte sich um die Beilagen. Dann saßen sie endlich alle.

Alle griffen reichlich zu und erst als der größte Hunger gestillt war, kam eine Unterhaltung in Gange. „Also Sir McLachlan, wie ist es Ihnen denn die letzten Jahre ergangen?“, fragt der Verwalter neugierig. Er hatte lange für Randys Familie gearbeitet und fühlte sich ihnen immer noch verpflichtet.

„Es ging so“, begann Randy und wechselte einen Blick mit Ian. Er wollte nicht, dass Sir Granger von den letzten Monaten erfuhr. Er würde sich nur Sorgen machen. So berichtete er von den Jahren davor, die er in verschiedenen Städten und mit Weiterbildungen verbracht hatte und dass er dann durch einen Zusammenstoß im Parkhaus an Ian geraten war. „Und irgendwie war er genau das, was ich seit vielen Jahrzehnten gesucht habe.“ Seine Hand griff nach Ians und Bill räusperte sich.

„Nich knutschen“, knurrte aber Simon und brachte alle am Tisch zum Lachen. „Junger Liebe kann man das verzeihen“, erklärte Sir Granger nachsichtig und er freute sich, dass Randy sein Glück anscheinend gefunden hatte. „Es ist schön, dass sie glücklich sind, sie haben es verdient.“ Er würde es gerne sehen, wenn das Schloss wieder in Randys Hände fallen würde, denn es war nun einmal der Familiensitz. Er hatte auch im Vertrag die Option auf den Rückkauf, doch der Vampir konnte die Summe im Leben nicht aufbringen.

„Danke, Sir Granger“, lächelte Randy. Er musste den Mann nicht nach dessen eigenem Glück fragen. Er war es. Sir Granger war schon immer ein Einzelgänger gewesen und er lebte für seine Kunst. Frauen an seiner Seite hatten sich fast immer wie das fünfte Rad gefühlt. Schon seine Mutter hatte damals versucht den Mann unter die Leute zu bringen – vergebens. Randy hatte das akzeptiert.

„Die knutschen immer und ständig und vergessen dann, dass es Nachtisch geben sollte“, beschwerte sich Simon, das war nämlich sein eigentliches Problem und Randy fragte sich kopfschüttelnd, wo der Kleine das alles hin fraß.

„Eis für die Kinder und Whiskey für die Erwachsenen.“ Sie hatten welches besorgt, weil sie das gut auf der Fensterbank lagern konnten. Ian machte sich auch gleich daran, alles zu holen, was sie brauchten und verteilte das Eis. „Dann müssen wir gleich aber wirklich noch raus in den Schnee, sonst werden die kleinen Katzen zu dick und müssen nach Hause schwimmen.“

„Schwimmen? Im Wasser? Niemals!“ Simon guckte sich ängstlich um. Es war ja schon jedes Mal eine Überwindung unter die Dusche oder in die Wanne gesteckt zu werden. Er konnte zwar schwimmen, aber das hieß ja noch lange nicht, dass er das auch tun musste. Vielleicht würde es Spaß machen, wenn das Wasser nur nicht so elend nass wäre. Also drängte er seinen Vater beiseite, krabbelte auf Randys Schoß und sah ihn flehend an. „Das darfst du nicht zulassen“, erklärte er mit großen Kulleraugen und Randy war wie paralysiert. Wer konnte sich denn solch wässrigen Kinderaugen entziehen?

„Musst du nicht, da pass ich schon auf“, erklärte er schließlich und schloss den kleinen Jungen in die Arme. Er sah Ian entschuldigend an, aber der lächelte nur liebevoll. „So soll es sein“, formten seine Lippen lautlos und er prostete Sir Granger zu. „Ich würde mich freuen, wenn sie Weihnachten mit uns zusammen feiern würden.“

„Gern“, sagte Sir Granger überraschend schnell und Randy lächelte. Er zog das Eis heran, damit Simon, der dann doch lieber bei ihm blieb, damit sein Vater ihn nicht ins Wasser warf, es essen konnte, ehe es schmolz oder Bill sich dafür erwärmte. „Aber vor dem Schlafen geht’s trotzdem noch eine Runde durch den Schnee, oder?“, fragte er Simon, der nickte hastig. Da freute er sich doch schon den ganzen Tag drauf. Auch Bill war von der Idee sehr angetan.

Da sie alle extrem gute Augen hatten, war keinem wirklich aufgefallen, dass es schon lange dunkel war. Strom gab es in der Wohnung nur an zwei Stellen in Form von Steckdosen, falls mal jemand ein Handy oder ein wichtiges Gerät anschließen musste. Alles andere wurde über Kerzen abgegolten. Und so entzündete Sir Granger die, die auf dem Tisch standen.

Sie blieben aber nicht mehr lange sitzen, denn die Kinder hibbelten rum und die Erwachsenen hatten ein Einsehen. Ian wandelte sich als erster und gab somit das Startsignal für den abendlichen Spaß. Er öffnete die Wohnungstür und die drei Katzen rannten durch das Haus, raus in den Schnee. Das war herrlich.

„Kommen sie“ Randy reichte Sir Granger eine von Ians Jacken. Dann musste der Mann nicht extra in seine Wohnung im anderen Flügel, wenn er mit auf den Hof wollte. Sie folgten langsamer und betraten den Hof, als die Katzen schon einen herrlichen Berg Schnee zusammengeschoben hatten, um sich durchzugraben, sich gegenseitig runter zu schubsen oder raufend durch den Schnee zu rollen.

Sir Granger schmunzelte, als Ian, er nahm zumindest an, dass es Ian war, denn er war die größte Katze, vom Berg gekugelt wurde und gleich von acht Pfoten mit Schnee zugeschaufelt wurde. „Sie sind nett“, sagte er zu Randy und formte einen Schneeball. Nur daneben stehen machte keinen Spaß. Darum flog der Schneeball auch gleich und traf Simon punktgenau am Kopf.

„Ja, das sind sie – aber eben auch richtige Katzen“, lachte Randy und entfernte sich, weil er ahnte, was jetzt kam. Ian war uninteressant, sollte sich doch Bill darum kümmern, dass ihr Vater die gerechte Strafe bekam. Er musste sich um den hinterhältigen Vampir kümmern. Ein Satz und der Vampir landete im Schnee. Simon war mit sich und dem Ergebnis sehr zufrieden, hätte aber nicht damit gerechnet, dass der alte Vampir ihn mühelos zurück in den weichen Haufen Schnee werfen konnte. Simon sank ein und fauchte aufgebracht. Was sollte das denn?

Und schon war eine richtige Rauferei im Gange, denn Bill eilte seinem Bruder zur Hilfe und nun wurde Sir Granger mit Schnee zugeschaufelt und zwei Katzen sprangen auf ihn. Endlich mal ein Gegner, der nicht so leicht zu bezwingen war. Voller Elan versuchten sie den Vampir unten zu halten und Ian kam zu Randy. Allerdings nicht um zu schmusen, sondern um sich vor ihm zu schütteln und den Schnee auf ihm zu verteilen. „Du kleines Mistvieh“, fluchte Randy lachend, als er sich eine paar Eiskristalle aus dem Gesicht wischte. Er hatte eine ordentliche Ladung abbekommen. Und wie sich das gehörte, setzte sich der Mistkater auch gleich wieder ab. Doch Randy ließ sich nicht lumpen. Er war wieder bei voller Kraft, er konnte Ian folgen und so warf er sich mit einem Sprung auf den Kater und hatte dabei so viel Schwung, dass er sich mit Ian noch dreimal überschlug, ehe er auf dem Schneeleoparden liegen blieb.

Ian schüttelte ein wenig benommen den Kopf und versuchte zu ergründen, was gerade passiert war, denn es war einfach zu schnell gegangen. Erst dann realisierte er, wie sie lagen und er wandelte sich in seine Zwischenform. Er leckte Randy über die Lippen und schnurrte laut. „Schöne Idee“, lachte er und küsste seinen Liebling ausgehungert. Nur zu gern erwiderte Randy den Kuss, doch nach einer Weile löste er sich. „Erkälte dich nicht, Schatz, wandle dich lieber wieder oder zieh dir was an. Ich habe nichts davon, wenn du eine Woche lange herum liegst und schniefst. Ich kann dich nicht an Dexter abschieben und muss dich selber pflegen“, grinste er frech, küsste Ian aber noch einmal. Egal wie oft er es auch versuchte, er konnte diesem Mann einfach nicht widerstehen – und weil er das wusste, versuchte er es gar nicht erst.

„Okay, Schatz.“ Ian stibitzte sich noch einen Kuss, dann war er auch schon wieder in Katzenform unterwegs zu Sir Granger, der mit den zwei Jungs ganz gut zu tun hatte. Darum stürzte er sich ins Getümmel und brachte Simon zu Fall, der das gar nicht schätzte und sich gleich knurrend auf seinen Vater warf.

Randy stand etwas abseits und nutzte die Gelegenheit, ein paar Bilder zu schießen. Er konnte von diesen edlen Katzen einfach nicht genug bekommen. Doch dann sah er sich auf dem Hof um. Es hatte sich einiges verändert. Ein paar der alten Bäume fehlten, doch es waren auch neue hinzugekommen. Er konnte nur hoffen, dass Simon und Ian hier nicht auch die Büsche ausgruben. Besser er hatte die Jungs immer im Blick!

Die Rauferei ging noch eine ganze Weile lustig weiter und so wie es aussah, schien es allen richtig Spaß zu machen. Sir Granger lachte immer wieder laut und fuhr den Katzen durch das Fell. Aber irgendwann schleppte sich Simon völlig erschöpft zu Randy und wollte hochgehoben und nach oben gebracht werden. Er konnte einfach nicht mehr, aber es war herrlich gewesen. Das wollte er jetzt jeden Abend haben, solange sie hier waren.

„Na komm her, Rabauke“, sagte Randy leise und nahm Simon auf die Arme. Er würde dem kleinen Leoparden heute mal die Badewanne oder die Dusche ersparen und nur das Fell trocken rubbeln, ehe er ihn ins Bett steckte. Er konnte sich morgen wieder an die Regeln halten. Der Tag war lang gewesen und der Kleine schlief schon halb auf seinem Arm. Er hörte die beiden anderen Katzen hinter sich durch den Schnee stapfen. Schnell verabschiedete er sich von Sir Granger, der die Jacke trocknen und morgen vorbei bringen wollte. Dann gingen sie über die knarrenden Holztreppen nach oben. Die Teppiche schluckten die Schritte.

Bill gähnte ebenfalls unablässig und so kümmerte sich Randy um Simons und Ian um Bills Fell. Eine Diskussion über ungerechte Eltern und bevorzugte kleinere Brüder wollte er sich jetzt nicht einlassen. Darum wurden die beiden jungen Katzen ins Bett getragen, warm zugedeckt und die beiden Erwachsenen legten sich noch etwas zu ihnen.

„Du, Randy“, nuschelte Simon, die Augen schon geschlossen. Er steckte bis zum Hals in seinem dicken Frotteeschlafanzug und hatte die Decke bis zu den Ohren gezogen. Die Schlafzimmer waren nicht geheizt, doch sie ließen die Tür zum Wohnzimmer so lange offen, wie die Erwachsenen noch wach waren, dass der Rest Wärme vom Kamin das Zimmer der Kinder ein wenig aufwärmen konnte.

„Was denn los, Maus“, wollte der Vampir leise wissen und zog sich Simons Decke auch etwas fester um sich selbst. Sie war zum Glück groß genug.

„Ich möchte Weihnachten auch so eine tolle Feier wie zu deinem Geburtstag“, nuschelte der Kleine und lächelte breit, als er daran zurück dachte. Es hatte tolles Essen gegeben, und er hatte so lange aufbleiben dürfen, wie er wollte. Keiner hatte ihn ins Bett geschickt. „Das war so toll.“

„Ja, das war es wirklich“, lachte Randy leise und zog Simon fester zu sich. Er schloss die Augen und erinnerte sich drei Wochen zurück. Zwei Tage lang hatte er mit Maria gekocht und als sie am Abend aus dem Vergnügungspark wieder zu Hause gewesen waren, war Dexter mit seiner Familie zum Essen gekommen und sie hatten geschwatzt und gegessen und gelacht und getrunken, bis der Morgen sich schon weit in den Tag gewagt hatte. Nichts war übrig geblieben und den folgenden Tag hatten sie alle ziemlich verschlafen.

Und Ians spezielles Geburtstagskind- Bespaßungsprogramm, das nach der offiziellen Feier angefangen hatte, hatte ihn noch ein wenig müder am nächsten Tag gemacht. Aber so wie er zufrieden in den Armen seines Lieblings eingeschlafen war, hatte er jede Sekunde genossen. Ian grinste zu ihm rüber und seinen leuchtenden Augen zeigten, dass er wohl gerade den gleichen Erinnerungen folgte und durchaus bereit war, dies an Weihnachten zu wiederholen.

„Wir lassen uns was Schönes für Weihnachten einfallen. Aber ein großes Essen wird es bestimmt geben. Wir kochen den ganzen Tag und nur Sachen, die wir am liebsten mögen“, nuschelte Randy, doch Simon war schon eingeschlafen. So rutschte der Vampir vorsichtig ab und stieg aus dem Bett. Er deckte den kleinen Leoparden noch einmal zu und küsste ihn auf die Stirn. „Schlaf gut, kleine Maus“, flüsterte er und lehnte sich zu Bill hinüber, küsste ihn ebenfalls.

„Nacht, Randy“, nuschelte Bill und lächelte. „Schön, dass du jetzt zu uns gehörst.“ So klar hatte er noch nie gesagt, dass er mit der Wahl seines Vaters einverstanden war. Aber er hatte selber gesehen, wie glücklich sein Vater war, seit Randy bei ihnen lebte. Auch dass der nicht seine Mutter aus ihrem Leben verdrängen wollte, hatte ihn für den Vampir eingenommen.

„Danke, Maus, das bedeutet mir sehr viel“, sagte Randy und lächelte. Er strich Ian durch die Haare, ehe er sich vom Bett entfernte und in die Küche ging. Er setzte noch einmal Wasser für einen Tee auf. Es lohnte nicht mehr, das Feuer im Wohnzimmer noch einmal zu entfachen, denn auch er war müde und würde gleich ins Bett gehen. Und er freute sich auf die erste Nacht nach so vielen Jahren in seinem alten Bett – zusammen mit dem Mann, den er über alles liebte. Er wand sich um, als er leise Schritte hinter sich hörte und reichte Ian ebenfalls eine Tasse Tee. Auf dem Herd stand immer ein Topf mit Wasser und so lange im Herd Feuer brannte, so lange hatten sie heißes Wasser.

Ian setzte sich auf den Küchentisch und pustete über seinen Tee. Er musste ebenfalls gähnen und grinste schief. „Eigentlich hatte ich ja noch ein wenig Entspannung in der Wanne geplant, aber ich fürchte, dass könnte ziemlich peinlich für mich werden, wenn ich einschlafen würde. Es tut mir wirklich leid, Schatz.“

„Macht nichts, Katerchen, umso länger kann ich mich im warmen Bett im kalten Schlafzimmer an dich kuscheln dich genießen und einmal mehr begreifen, dass du bei mir bist. Ich bin also nicht böse darüber.“ Randy lächelte und hielt sich ebenfalls an seiner Tasse fest. Er war ganz froh, dass Bill vor drei Wochen mit ihm shoppen gewesen war. Der dicke Pullover tat hier in den zugigen Mauern wirklich gut. „Lass uns ins Bett gehen und den langen Tag ausklingen lassen. Morgen sind wir wieder voller Tatendrang.“ Er kam zu Ian und stellte sich zwischen dessen Beine.

 

„Ich werde nicht weggehen, Schatz. Wir lieben dich.“ Ian stellte seine Tasse ab und zog Randy zu sich. „Lass uns rübergehen und du darfst dir aussuchen, ob du dich an Haut, leichtes oder dickes, warmes Fell kuscheln möchtest.“ Ihm war es egal, Hauptsache Randy war neben ihm.

„Es ist schwer, sich zu entscheiden – ich liebe das dicke Winterfell. Aber dann kann ich dich nicht küssen“, murmelte er und trank seine Tasse leer. Der Tee war schon etwas abgekühlt und er vertrug es, sehr heiß zu trinken. So stellte er die leere Tasse neben Ians und strich seinem Liebling durch die Haare, eher der sich erhob und die beiden nach einem kurzen Besuch im Bad im eigenen Schlafzimmer verschwanden. Ian fand eine gute Lösung für Randys Problem und so kuschelte sich der Vampir ein paar Minuten später an Ian in seiner Zwischenform, ehe sie beide einschliefen.