Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Terra 3.0 > Zyklus VII - Hangzhou Provinz - Teil 19-21

Zyklus VII - Hangzhou Provinz - Teil 19-21

19

„Katze, ich warne dich!“ Akuma hatte sich auf seiner Couch sein Lager eingerichtet. Er hatte Palm und Laptop um sich geschart, ein paar Hologramme im Raum geöffnet und auf dem großen Bildschirm liefen die Daten von Tarek ein. Akuma hatte die Beine umständlich untergeschlagen – zumindest das nicht kaputte Bein. Panja aalte sich neben ihm auf der Couch, hatte sich elegant um die Technik herum gewunden und rutschte so auf dem Rücken liegend Zentimeter für Zentimeter auf Akuma zu.

Sie ließ sich gar nicht beirren und sah Akuma einfach nur an. So lange er sie nicht wegscheuchte, ging sie davon aus, dass sie näher kommen durfte. So fand Bahadur sie vor, als er die Wohnung betrat. Er hatte Essen aus dem Palast mitgebracht und hatte dafür den Leibkoch seines Vaters belagert, damit er ihnen zwei wunderbare Fleischstücke zubereitete. Natürlich war dabei auch was Leckeres für Panja abgefallen. „Hallo“, rief er in den Raum und stellte das Essen ab. „Ich hoffe, du hast Hunger.“

Panja schnurrte gleich begeistert, als die Wolke leckeren Duftes sie erreichte. „Na, husch – geh essen“, lachte Akuma und sah sie auffordernd an. Und schon hockte sie in der Zwickmühle. Sicherlich wollte sie so schnell wie möglich Futter fassen, aber so wie Akuma guckte, wollte er sie los werden und das konnte sie nicht zulassen.

„Hallo“, sagte der General ziemlich zeitverzögert zu Bahadur, der schon in der kleinen Küchenzeile stand und die Teller bestückte. „Tarek hat Daten geschickt. Du willst morgen testen? Ich werde dabei sein!“

„Überzeug mich davon.“ Bahadur drehte sich grinsend zu Akuma um und pfiff leise, damit Panja zu ihm kam.  So hatten sie hoffentlich selber Ruhe beim Essen. Er brachte die Teller zum Couchtisch und ließ sich auf Panjas Platz nieder. „Lass es dir schmecken. Kubal hat sich Mühe gegeben.“ 

Doch Akuma schenkte dem Teller keine Beachtung. „Hör zu, Prinz“, sagte er stattdessen und seine Augen fixierten seinen Stellvertreter. „Ich werde dich nicht überzeugen, ich werde dich begleiten. Ich möchte darüber nicht diskutieren müssen. Ich bin heute hier geblieben, weil du das wolltest. Morgen werde ich wieder dabei sein.“

„Akuma. Das war ein Scherz. Ich habe dich schon eingeplant. In der Bahn kannst du sitzen, also kein Grund dich nicht mitzunehmen, wo du dich heute ausgeruht hast.“ Bahadur sank gerade das Herz in die Hose. Das war ein denkbar schlechter Einstieg für das Gespräch, das sie nachher führen mussten. 

„Dein Glück“, knurrte Akuma, angesäuert darüber, dass er dem Mann wieder auf den Leim gegangen war. „Allerdings machst du genauso schlechte Scherze wie Tarek. Also, wenn ihr beiden mal aus dem Militärdienst ausscheiden solltet, versucht euch nicht als Komiker-Duo. Ihr würdet verhungern!“ Er warf Bahadur noch einen Blick zu, war aber schon wieder entspannter. Er hatte, was er wollte, und so konnte er endlich etwas essen. Er war den ganzen Tag noch nicht dazu gekommen, Bahadur war nicht da gewesen, um Akuma daran zu erinnern. Und so verfiel er in alte Marotten.

„Okay, werde ich nicht tun.“ Bahadur hatte ein perfekt gebratenes Steak vor sich und er konnte es nicht genießen. „Akuma“, fing er an, sprach aber nicht weiter, weil er keinen guten Einstieg fand. Vielleicht sollte er warten, bis der General zu Ende gegessen hatte. Es wäre wirklich schade, wenn sie beide ihr Essen stehen ließen.

„Was?“, wollte Akuma wissen, denn er merkte sehr wohl, dass der Colonel etwas neben dem Gleis war. Allerdings ging er davon aus, dass der Mann reden würde, sofern er das wollte. Es ging Akuma schließlich nichts an, was er mit sich herum trug. Es war ihm klar, dass das wohl nicht im Sinne der Gruppendynamik förderlich war, aber er war nun einmal ein Einzelgänger. So wie er es schätzte, dass man ihn in Ruhe ließ und nicht bedrängte, akzeptierte er auch die Freiräume anderer.

Bahadur seufzte und schob seinen Teller weg. „Wir müssen reden, aber iss erst auf. Wäre schade drum.“ Es war erbärmlich, aber Bahadur wollte es noch etwas rausschieben. Er wusste noch immer nicht, was er sagen sollte und das machte ihm zu schaffen. Er hatte einfach keine logische Erklärung für das, was passiert war.

Allerdings machte er mit seinem merkwürdigen Verhalten den General nur neugierig und so kaute er zwar weiter, weil er Hunger hatte, sah den Prinzen aber forschend an. „Man will es nicht glauben, aber ich kann gleichzeitig kauen, schlucken und zuhören – versuch’s mal. Ich bin ein Naturtalent!“ Er griff sich das Wasser, was Bahadur ebenfalls verteilt hatte und lehnte sich weiter in der Couch zurück, den Teller auf seinem Schoß und Bahadur weiter im Blick.

„Na super! Alles das, was ich gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Wahrscheinlich schaffst du es auch noch, mich umzubringen, während du dir eine Gabel mit Fleisch in den Mund schiebst.“ Bahadur grinste gequält und schloss die Augen. „Es wird dir nicht gefallen und ehrlich gesagt habe ich Schiss davor, dass du sehr wütend auf mich wirst.“

Akumas Augen verschmälerten sich. „Noch eine blöde sinnlose Andeutung mit der ich nichts anfangen kann, und ich kill dich wirklich mit dieser Gabel“, knurrte er. Allmählich ging ihm das hier auf die Nerven. Er war zwar in der Lage sich in Geduld zu üben, weil er es über viele Jahre hinweg trainiert hatte, doch das hieß noch lange nicht, dass er wirklich ein geduldiger Mensch war. „Was hast du gemacht und welche Folgen wird es für mich haben?“, wollte er also leicht gereizt wissen und stellte jetzt den Teller beiseite. Er konnte sich nicht vorstellen, was Bahadur hinter seinem Rücken veranlasst haben konnte, doch er wollte auf jeden Tiefschlag vorbereitet sein.

Genau das hatte Bahadur vermeiden wollen. „Für dich hat es keine Folgen, glaube ich zumindest, oder besser ich hoffe es. Bei mir sieht es da schon anders aus.“ Bahadur hob die Hände, weil sich Akumas Augen schon wieder verschmälerten. „Gestern Abend, das war nichts, was mit Teambildung zu tun hatte. Das waren Küsse. Schlicht und ergreifend. Ich habe dich geküsst und es hat mir gefallen.“ Ohne es zu merken, zog er den Kopf zwischen die Schultern, während Akuma zu verstehen versuchte, was Bahadur sagte. 

„Was waren was?“, fragte er also verwirrt und seine Augen waren wieder groß, ließen tief blicken. Er überlegte kurz und legte dann den Kopf schief. „Meinst du diesen bekloppten Zungenkampf, von dem ich bis heute nicht weiß, was das soll? Wenn mir einer so nahe kommt, dann stech ich ihn einfach ab… Küsse?“, fragte er dann allerdings noch einmal nach, als das Wort in seinem Verstand aufgeschlagen war.

„Ja, Küsse. Zungenkampf trifft es manchmal ganz gut, aber auf einer Mission solltest du ihn wohl besser nicht anwenden.“ Bahadur fühlte sich merkwürdig, weil er nicht wusste, was noch kam. „Ich könnte jetzt anführen, dass ich betrunken war, aber das wäre nicht die ganze Wahrheit. Sicher hat der Alkohol auch etwas damit zu tun. Das war gestern so anders als sonst. Wir haben uns gut verstanden, miteinander gescherzt und ich wollte, dass du mich schön findest und da fand ich einen Kuss eine gute Idee.“ Bahadur  war immer leiser geworden, so dass man ihn am Ende nur noch verstehen konnte, wenn man genau hinhörte, was Akuma durchaus tat. Schließlich versuchte er immer noch, wie Naran es verlangte, mit Bahadur zu harmonieren und dazu war es wichtig, den anderen zu kennen und lesen zu können. So dachte er über die Worte des Prinzen nach, doch sie ergaben teilweise keinen Sinn.

„War küssen nicht dieses Zeug, was man macht, wenn man Sex haben will?“, fragte er, weil er sich nur träge an etwas erinnern konnte, was Tarek mal gesagt hatte.

Er hätte ahnen müssen, dass Akuma gleich wieder einen Klopper raus haute. „Nicht zwangsläufig, aber meistens küsst man sich auch, wenn man Sex hat.“ Wie sollte der Prinz Akuma erklären, warum er ihn geküsst hatte. „Als mein Vater mir gesagt hat, dass wir zusammen arbeiten, war ich wütend und eifersüchtig, weil mein Vater sich so um dich sorgte und ich wollte dich nicht mögen. Aber das, was wir wollen, ist nicht immer das, was wir kriegen. Ich fand es auf einmal schön, mit dir zusammen zu wohnen, weil ich angefangen habe, dich zu mögen. Das rechtfertigt natürlich nicht, dass ich dich geküsst habe, ohne dich zu fragen, aber es war in dem Moment in dem ich es getan habe, für mich richtig.“

Akuma nickte und durchdachte die Worte. „Ging es dir hinterher besser?“, wollte er wissen, denn er versuchte es immer noch zu verstehen. Er griff sich wieder seinen Teller, nahm einen Bissen und kaute nachdenklich, doch sein forschender Blick lag weiter auf dem Prinzen. Akuma begriff nicht, warum er sich deswegen dermaßen unwohl zu fühlen schien. Entspannt war Bahadur auf jeden Fall nicht, das merkte sogar Panja, die im weiten Bogen um die Couch strich.

„Es hat mir gefallen und es hat sich gut angefühlt. Mir ging es nicht schlecht, bevor ich dich geküsst habe, aber hinterher ging es mir gut.“ Bahadur erwiderte Akumas Blick und ein kleines Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Er lebte noch und der General wirkte nicht wütend. „Und wie war es bei dir? Wie fühltest du dich danach? Hat es dir auch gefallen, wenn man weiß, dass es keine Nahkampftechnik war?“

„Gestern dachte ich, ob es richtig war, jemanden wie dich zu meinem Vertreter zu machen, der einen Gegner lieber in einen Zungenkampf zwingt, als ihn zu erstechen. Ich bin froh, dass ich zumindest nicht mehr an deinem Geisteszustand zweifeln muss“, erklärte Akuma trocken und aß weiter. „Heute denke ich, dass es wohl okay ist, wenn es dir hinterher besser geht. Wir sollen ein Team sein und da ist es auch meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es dir besser geht. Wenn du so was dazu brauchst, warum nicht. Es gibt schlimmeres mit unangenehmeren Leuten.“ Allerdings konnte er sich einen Tiefschlag dann doch nicht verkneifen. „Also sorge dafür, dass genügend Papiertüten im Haus sind.“

Bahadur konnte gar nicht anders, er lachte aus vollem Hals und es dauerte eine Weile bis er aufhören konnte und sich die Tränen aus den Augen wischte. Akuma hatte ihn vollkommen überrascht. „Es kommen mir ganz bestimmt keine Papiertüten ins Haus. Wenn wir uns wieder küssen, dann so wie gestern.“

„Hm“ Akuma bekundete Unmut, wenn auch nur gespielt. Erst einmal musste er seinen Teller in die Luft heben, denn Panja startete gerade einen Versuch, ihm auf den Schoß zu kriechen und da er dem Bettvorleger bei Essen grundsätzlich nicht über den Weg traute, brachte er es lieber in Sicherheit, ahnte aber zu spät, dass er der Katze damit genau in die Pfoten gespielt hatte. Nun lag sie zufrieden auf seinem Schoß und Akuma verzog das Gesicht – wieder ausgetrickst. Das wurde eine blöde Angewohnheit!

„Und was genau hat dir gefallen? Und warum?“, wollte er wissen, nahm das letzte Stück Steak in die Hand und stellte den Teller beiseite.

Bahadur hatte das Schauspiel lächelnd beobachtet und sich seinen Teller auch wieder ran gezogen. Auf einmal hatte er furchtbaren Hunger. „Gefallen hat mir deine Art zu küssen, dich zu küssen. Es fühlte sich richtig an und ich wollte, dass es dir gefällt, genauso wie mir.“

„Ich habe eine Art zu küssen – gucke an“, nuschelte Akuma. Es schien, als hätte er aus Versehen was richtig gemacht. Es wurmte ihn, dass er nicht gestern schon begriffen hatte, was der Colonel da tat, doch Akuma fehlten schlicht die Vergleichsmöglichkeiten. Er hatte sich nie für Zwischenmenschliches interessiert und somit hatte er auch keinen Schimmer, wie man mit anderen zusammen lebte. Er hätte nicht gedacht, dass das, was er einmal als eine seiner Stärken angesehen hatte, in seinen Augen plötzlich eine Schwäche war. Gedankenverloren strich er Panja durch das Fell.

„Ich wusste es“, triumphierte Bahadur auf einmal und deutete auf Akuma. „Du magst sie. Gib es zu. Du magst den Bettvorleger.“ Akuma sollte bloß nicht anfangen, es abzustreiten, dazu war sein Verhalten zu eindeutig. Grinsend schob er sich das letzte Stück Fleisch in den Mund und er legte den Kopf schief. Da war auf einmal etwas in seinem Kopf, was er wissen wollte. „Warum bist du nicht wütend auf mich? Ich hatte erwartet, dass du nicht begeistert davon sein würdest, dass ein Mann dich geküsst hat.“

„Gibt es da einen Unterschied?“, fragte Akuma, dankbar über das Thema, denn so musste er nicht erklären, dass er Panja sehr wohl ins Herz geschlossen hatte und sie letzte Nacht ja auch bei ihm nächtigen durfte. „Ist es besser, wenn es eine Frau macht? Ich dachte es wäre egal, so lange man sich hinterher besser fühlt.“ Akuma ärgerte sich über sich selbst, er fühlte sich wieder mit dem Rücken an der Wand, denn es gab zu viel, von dem er absolut keine Ahnung hatte und Bahadur nicht die Stirn bieten konnte.

„Hm?“ Bahadur krauste die Stirn. „Eigentlich ist es egal, finde ich zumindest. Obwohl ich zugeben muss, dass du der erste Mann warst, den ich küssen wollte.“ Das war natürlich mal wieder keine leichte Frage. Was hatte er auch erwartet. „Es ist wohl einfach nicht der Normalfall, dass sich Männer küssen, aber das ist mir egal.“

Wieder nickte Akuma und verzog das Gesicht, als Panja anfing, sich zufrieden um ihn zu wickeln. Er wurde das Gefühl nicht los, die junge Dame hatte gar nicht mehr vor zurück in ihre Tropenkuppel zu gehen. „Na ja, ich bin sowieso nicht normal. In sofern…“ er zuckte die Schultern. „Und wozu ist das nun gut? Spannungsabbau? Teambildende Maßnahme? Warum küsst du mich? Und sag mir nicht wieder, weil’s dir gefällt. So viel habe ich schon begriffen. Aber das kann ja nicht alles sein.“

Bahadur lachte leise, als er Panja beobachtete, wie sie Akuma beschmuste. „Ich habe dich geküsst, weil du mir gefällst“, sagte er ohne Akuma anzusehen, weil er gerade die Katze zwischen den Ohren kraulte. „Eine teambildendende Maßnahme ist es nur, wenn du uns beide als Team siehst oder darauf hin arbeiten willst. Als Spannungsabbau kann man es auf jeden Fall machen, obwohl es da noch viel besser geeignete Methoden gibt.“

„Ich gefalle dir also“, wiederholte Akuma nachdenklich. Er hatte das Gefühl, dass es ein Kompliment war, aber damit konnte er nicht richtig umgehen, also versuchte er abzulenken. „War das auch der Grund, warum es dir wichtig ist, dass ich dich schön finde?“ Dabei sah er dem Colonel ins Gesicht.

Bahadur ließ den Kopf hängen. Er hatte gehofft, dass Akuma das vergessen hatte, aber da hatte er sich getäuscht. „Mir ist wichtig, dass du mich magst. Schön finden musst du mich nicht unbedingt, aber es würde mir gefallen.“ Jetzt war eh alles egal, da konnte er das auch zugeben. Endlich hob er wieder den Kopf und grinste schief. 

„Na ja, hässlich bist du nicht, im Gegenteil. Hab nur noch nie über so was nachgedacht“, erklärte Akuma ehrlich. „Ich bewerte Menschen nicht nach ihrem Äußeren sondern nach ihren Fähigkeiten. Deinen Job machst du gut, aber du bist eine Qual für meine Nerven, stur und deine Katze haart.“ Panja knurrte leise, sie wusste, dass mit dem Wort Katze immer sie gemeint war.

Der General grinste breit. „Und da ich ja eh keine Papiertüten bekomme, werde ich dich eben pur ertragen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass durch Küssen Spannungen abgebaut werden.“ Einem erschöpfenden Lauftraining konnte so ein kleines Geplänkel doch nicht das Wasser reichen.

„Das glaubst du nicht?“ Bahadur grinste und beugte sich zu Akuma. „Warte erst einmal, bis du es richtig probiert hast. Nicht nur so ein klein wenig wie gestern“, raunte er ihm ins Ohr und wackelte mit den Augenbrauen.  „Man kann sich herrlich entspannt danach fühlen.“

„Hör zu, Prinz“, entgegnete Akuma und ärgerte Panja ein bisschen, der es gerade entschieden zu gut ging. „Ich bin ja bereit, dir einiges zu glauben. Aber das etwas“ – er wedelte mit einer Hand vor seinem Gesicht herum – „so was eben genauso entspannend sein soll wie ein guter Kampf, stelle ich in Zweifel.“ Er schüttelte den Kopf und sein Blick fiel wieder auf sein ruhig gestelltes Bein. Er war frustriert, sein Training fehlte ihm.

„Du meinst also, dass ich dich anlüge?“, fragte Bahadur gefährlich leise und seine Augen blitzten herausfordernd. „Du weißt, dass ich das nicht einfach so im Raum stehen lassen kann. Ich werde dir zeigen, dass meine Methode mindestens so entspannend ist, wie deine.“

Akuma hob eine Braue und blickte Bahadur direkt in die Augen. „Ich würde dir niemals unterstellen, dass du lügst. Ich glaube nur nicht, dass man sich dabei ausreichend bewegt, um hinterher zufrieden umzufallen und sich wohl zu fühlen. Das ist alles.“ Er wusste selbst nicht, warum er das Thema nicht einfach auf sich beruhen ließ und sich der morgigen Mission widmete, sondern Bahadur reizte und herausforderte, dabei dessen Lippen nicht aus den Augen ließ. Er erinnerte sich sehr wohl an gestern, erinnerte sich an seine glühenden Synapsen, als er die fremde Zunge berührt hatte.

„Das wirst du, Aku. Das wirst du.“ Bahadur kam näher und bemerkte, dass Akuma seine Lippen fixiert hielt. „Nimmst du die Herausforderung an?“ Ganz sacht streifte er mit seinen Lippen die des Generals und schloss dabei genießend die Augen. 

„Ich bin noch nie vor einem Kampf geflüchtet“, sagte Akuma und folgte Bahadurs Lippen, als dieser sich nur wenige Millimeter zurückzog. „Und du wirst mich auch nicht dazu bringen. Entspann mich und wenn du mich belogen hast, werde ich dich leider niederstrecken müssen.“ Dann schwieg er und wartete.

„Okay, wechseln wir die Lokalität. Die Couch ist unbequem für uns beide. Mein Bett oder dein Bett?“ Bahadur war mit dem Ergebnis zufrieden. Der Abend entwickelte sich nicht so, wie er erwartet hatte. Aber er wollte sich ja nun wirklich nicht beschweren. Akuma war nicht böse auf ihn. Ganz im Gegenteil zeigte er sich sehr neugierig auf das, was sie teilen konnten.

„Warum Bett? Gestern ging es doch auch hier“, murmelte Akuma. Er hatte keine Lust sich zu erheben. Er saß hier sehr gut.

„Das waren nur ein paar Übungen. Glaub mir, im Bett ist es bequemer und du musst dich nachher nicht völlig fertig ins Bett schleppen.“ Bahadur wollte es auf jeden Fall bequem haben und die schmale Couch war das auf jeden Fall nicht.

„Dann mein Bett“, entschied Akuma. Wenn der Prinz wirklich Recht hatte und er war hinterher fertig wie gestern nach dem Treppensteigen, dann war er bestimmt nicht böse darüber, wenn er den Prinzen nur noch aus dem Bett kicken musste und sich dann zum Schlafen umdrehen konnte. Er grinste, als sich das Bild in seinem Kopf manifestierte. Langsam erhob er sich und blickte auf Panja, die sich freudig ebenfalls erhob und plante, Akuma wieder ins Bett zu folgen.

„Du nicht, süße Maus“, wurde sie von Bahadur gleich gebremst und sie sah ihn an. „Du kannst dich in meinem Bett breit machen. Heute Abend gehört er mir.“ Panja schien davon nicht begeistert, denn sie grollte leise und stellte sich neben Akuma. Der blickte zu ihr runter und zuckte die Schultern. „Nutz die Chance, wenn er nicht da ist. Dann kann er dich auch nicht aus dem Bett treten. Kannst ja kommen, wenn ich ihn rausgejagt habe“, schlug er vor, grinste dabei aber den Prinzen an. Er liebte ihre kleinen Plänkeleien. Er konnte sich gar nicht mehr vorstellen, den Abend allein in Stille zu verbringen. „Aber jetzt husch, er will mich entspannen.“

Sie brummte nicht begeistert und sah noch einmal von einem zum anderen. Es konnte ja sein, dass sie das falsch verstanden hatte, aber als Bahadur mit dem Arm in Richtung seines Bettes zeigte, schlurfte sie brummelnd los. „Na dann, los. Ausziehen, hinlegen, ich bin gleich wieder da.“ Bahadur grinste breit und lief noch einmal ins Badezimmer. Er wollte Massageöl holen. Schließlich musste er sich Mühe geben, damit Akuma hinterher auch wirklich entspannt war.

„Ausziehen?“, murmelte Akuma leise, als er vor seinem Bett stand. Was hatte der Kerl denn jetzt vor? Doch Akuma sollte es recht sein, er schlief sowieso nackt. Also streifte er sich umständlich die Hose ab und schälte sich aus seinem Shirt. Übermorgen sollte der Gips abgenommen  und durch stützende Verbände ersetzt werden. Es wurde wirklich Zeit! Eben ließ er den Slip zu Boden gleiten, als er hinter sich Schritte hörte.

Ebenfalls nackt, wie Gott ihn geschaffen hatte, kam Bahadur aus dem Badezimmer und betrachtete Akuma ungeniert. Er hatte ihn schon nackt gesehen, aber erst jetzt fiel ihm auf, wie perfekt proportioniert und definiert der Körper des Generals war. Auch wenn dieser das jetzt bestimmt abstreiten würde, weil Akuma ja der Meinung war, langsam fett zu werden, weil er nicht trainieren konnte. Er deutete aufs Bett und lachte. „Wie du schon sagtest. Husch ich will dich entspannen.“

„Zum entspannen muss man also nackt sein“, sagte Akuma mit einer gehobenen Braue, grinste dann, als er die Arme umständlich vor der Brust verschränkte. Es wurde wirklich Zeit, dass er den steifen Gips los wurde! „Ich verstehe, du willst mit deinem Leib davon ablenken, dass ich dir keine Papiertüte übers Gesicht ziehen darf. Na ja, ein bisschen abgelenkt bin ich“, entgegnete er und ließ sich auf sein Bett sinken.

„Nur ein bisschen?“, fragte Bahadur, ging aber nicht weiter darauf ein. Er wusste, dass Akuma ihn ärgern wollte. Sollte er nur Witzchen machen, solange er noch Luft dafür hatte. Bald hatte er das bestimmt nicht mehr, wenn der General vor Lust auf dem Laken hin und her rutschen würde. 

„Ich seh dich ja nicht das erste Mal ohne deinen modischen Tarnanzug. Der Überraschungseffekt hält sich also in Grenzen. Bauch? Rücken? Seite? Wie hätten wir’s gern?“, hatte Akuma gefragt, noch ehe er sich hätte auf die Zunge beißen können. Wo war denn der blöde Spruch her gekommen? Er schüttelte über sich selbst den Kopf und rollte sich auf die Seite. Skeptisch beäugte er Bahadur. „Willst du etwa auch mit aufs Bett?“

„Rücken ist erst mal okay. Wir müssen gleich sowieso erst einmal herausfinden, wie es für uns am bequemsten ist und ja, ich will wirklich mit ins Bett.“ Bahadur setzte sich erst einmal auf den Bettrand, damit Akuma sich neu sortieren konnte. Dabei strich er vorsichtig über den Rippenverband. „Tun sie noch sehr weh?“

„Es geht“, entgegnete Akuma und warf wieder einmal einen bösen Blick auf den Verband. Schließlich hinderten ihn diese Verbände daran, endlich wieder zu trainieren und seinen gewohnten Tagesablauf zu haben. Im Moment hatte er immer das Gefühl, an einer Grenze zu taumeln. „Wenn ich nein sage, würde ich lügen und wenn ich ja sage, steckst du mich morgen früh wieder mit Bettvorlegerbewachung ins Bett und die Bahn fährt ohne mich. Also: es geht.“ Dabei rutschte er weiter an die Wand, damit der Prinz ausreichend Platz hatte, für was auch immer er vor hatte. Noch fühlte sich Akuma allerdings nicht sehr entspannt.

„Du kennst mich schon sehr gut, muss ich sagen.“ Bahadur lachte leise und strich vorsichtig über den Verband und ließ dann seine Finger über Akumas Brust gleiten. Für ihn war das auch neu. Einen Mann so zu berühren, hatte er bisher nie gewollt, und er war neugierig. Akuma ging es ähnlich. Für ihn war es völlig neu, berührt zu werden, wenn es nicht gerade in einem Kampf oder bei einer Untersuchung war. Es war nicht leicht für ihn, liegen zu bleiben, denn die fremden Finger auf seiner Haut waren ungewohnt. Sie strichen und streichelten und machten keine Anstalten, sich zurückzuziehen. Akuma beobachtete die Finger mit Argusaugen.

„Unangenehm?“, fragte Bahadur und streckte sich neben Akuma aus. So war es bequemer und er brauchte sich nur vorzubeugen, um ihn zu küssen. Die Haut unter seinen Fingerspitzen fühlte sich weich und samtig an und darunter konnte man  die festen Muskeln spüren und das war ein wunderbarer Kontrast.

„Ich versuche das noch zu ergründen“, war Akuma ehrlich. Er konnte nicht sagen, dass die Berührung an sich unangenehm gewesen wäre. Ganz im Gegenteil, es war ziemlich interessant. Doch Akuma konnte es noch nicht genießen, weil er nicht wusste, was das Ziel war. Was wollte Bahadur damit erreichen? So blickte er den Colonel offen an.

„Sag einfach, wenn dir etwas nicht gefällt.“ Bahadur wollte, dass Akuma sich gut fühlte und ihm gefiel, was sie machten. Küssen mochte der General auf jeden Fall, das hatten sie gestern ja schon gesehen. Darum beugte Bahadur sich vor und nippte an Akumas Lippen. „Mach dich darauf gefasst etwas völlig Neues, Fantastisches kennen zu lernen. Ich werde dir etwas zeigen, das dich süchtig nach mehr machen wird.“

„Du versprichst sehr viel, Colonel“, sagte Akuma heiser. Er war es leid hier nur herum zu liegen. Also griff er mit seinem gesunden Arm Bahadur am Hinterkopf und drückte dessen Lippen langsam auf seine. So konnte Akuma auch etwas tun und seine Lippen rieben über Bahadurs. Das war besser als nur herum liegen. Viel besser!

Bahadur ließ sich eine Weile dominieren, aber dann löste er den Kuss und sah auf Akuma hinab. „Stimmt, ich verspreche viel, weil ich weiß, wovon ich rede. Lass dich von mir führen und vertraue mir. Ich werde dich nicht enttäuschen.“ Und damit er nicht der Lüge bezichtigt werden konnte, küsste er Akuma wieder und die Mission Entspannung konnte beginnen.


20 

„Hm“ Akuma knurrte, als er spürte, dass etwas versuchte ihn zu wecken. War etwa der Bettvorleger wieder zu ihm gekrochen, weil der Prinz sie rausgekickt hatte? Doch er war zu träge die Augen zu öffnen. Er fühlte ich merkwürdig, aber nicht unangenehm. „Katze!“, knurrte er, weil ihm immer noch was an der Nase kitzelte und als er danach griff, um es beiseite zu schieben brummte es merkwürdig. Das war nicht die Katze.

So öffnete der General die Augen und erblickte – Bahadur. Der Colonel lag dicht neben ihm, eine Hand auf Akumas Brust. Sein Blick folgte den Fingern, diesen geschickten Fingern, diesen unglaublich geschickten Fingern! Akuma grinste, als er sich daran erinnerte, was der Colonel damit zu leisten im Stande war.

Bahadur rutschte näher und seufzte zufrieden. Er war gerade an dem Übergang vom Schlaf zum wach werden und fühlte sich gerade richtig wohl. „Bleib liegen Panja“, nuschelte er leise. Es war gerade so gemütlich, das wollte er noch ein paar Minuten ausnutzen, bevor er aufstehen musste.

„Was, der Bettvorleger ist auch hier?“ Akuma sah sich um und wirklich: jemand schlich über die Decke, die Ohren angelegt und dicht an den Stoff gedrückt. So ließ der General den Kopf wieder sinken, schloss die Augen und verwarf den Gedanken aufzustehen. Er war belagert von allen Seiten. Seine Gedanken wanderten zwangsläufig zurück als er sich vor Augen führte, was man mit seinem Köper alles anstellen konnte und verdammt hatte der Colonel Recht gehabt. Akuma hatte sich nach seinem Höhepunkt tatsächlich unglaublich entspannt gefühlt. Er grinste.

„Sie liebt dich. Klar ist sie hier.“ Bahadur öffnete vorsichtig ein Auge und gähnte. Er versuchte sich zu strecken, aber das klappte nicht, weil Panja auch zum Teil auf ihm lag. Er hatte in der Nacht ein Bein über Akuma geschlungen und darauf lag nun die Katze. „Morgen“, nuschelte er und hob den Kopf, damit er Akuma ansehen konnte.

„Mein Schicksal, nicht wahr, Katze?“ Panja hob den Kopf. Sie war enttarnt, nun musste man sich auch nicht mehr verbergen. Zufrieden rollte sie von Bahadurs Bein und blieb auf Akumas Brust liegen, schnurrte laut und hingebungsvoll. Der General seufzte. „Wie soll das eigentlich werden, wenn ich wieder fit bin? Dann wird sich einiges ändern müssen.“ Doch er strich der Katze durch das Fell und sah den Colonel dabei an. „Und? Sehe ich entspannt aus? Die Decke klebt jedenfalls.“

„Sehr entspannt“, grinste Bahadur und strich Akuma mit einem Finger über die Stirn. „Die Falten hier sind nicht mehr da.“ Das war gelogen, aber das musste sein Freund ja nicht wissen. „Gestern Abend musst du sehr entspannt gewesen sein, denn du bist ganz schnell eingeschlafen.“

„ich war fertig, als hätte ich im Kampfraum mit Tarek trainiert. Meine Güte, das war …“ Akuma atmete tief durch und so hob sich Panja auf seiner Brust ein paar Zentimeter. Er bemerkte, dass die Schmerzen allmählich weniger wurden und nickte zufrieden. „Ich fühle mich bereit für eine Mission. Keinen Schimmer wie du das gemacht hast, obwohl ich platt war wie eine Flunder, fühle ich mich heute voller Tatenrang. Ich könnte mich dran gewöhnen“, musst er zugeben.

Bahadur lachte leise und küsste Akuma sanft. „Ich stelle dir mich und meine Fähigkeiten gerne für weitere Entspannungsübungen zur Verfügung.“ Er freute sich, dass sein Plan so wunderbar funktioniert hatte. „Mit den Missionen warten wir noch ein wenig, auch wenn du dich gerade toll fühlst. Heute fahren wir erst einmal Bahn und wenn das ohne Störungen klappt, planen wir unsere Reise nach Neo New York.“

„Du klingst wie mein Arzt. Ich brauch nicht zwei von der Sorte. Ich muss wieder auf die Beine kommen, so schnell wie möglich. Zwar sind deine Methoden zum Auspowern auch nicht gerade übel, aber ich habe allmählich das Gefühl zu versteifen – und zwar nicht so wie gestern Abend sondern in den Gelenken. Ich schätze, du wirst noch ein paar Monate die Missionen leiten müssen, ehe ich wieder richtig zu gebrauchen bin“, sagte er und drehte sich etwas. Es war eng und wurde noch enger, als Panja sich zwischen sie rutschen ließ und auf dem Rücken liegen blieb.

„Ich werde die Missionen leiten, so lange wie es notwendig ist. Sobald dein Arzt dir grünes Licht für die Aufnahme des Trainings gibt, werden wir zusammen trainieren. Das wird wieder und so wie ich dich kenne, schneller als du jetzt glauben willst.“ Bahadur kraulte Panja und seufzte. Er wurde gerade ziemlich an den Bettrand gedrängt und das war nicht gerade bequem. Er sollte wohl besser aufstehen. „Was meinst du eigentlich damit, dass sich einiges ändern muss, wenn du wieder gesund bist?“, fragte er noch, als ihm wieder einfiel was Akuma vorhin gesagt hatte.

„Es ist draußen schon hell und ich liege noch im Bett. Anstatt in meiner Meditation versinke ich allabendlich in der Couch. Meine Disziplin ist am Boden, meine Fitness nicht mehr vorhanden. So kann ich kein Heer führen, Bahadur. Da wirst du mir doch sicherlich Recht geben.“ Akuma wirkte nachdenklich, beobachtete aber, wie der Colonel auf dem Bettrand balancierte, um nicht von Panja verdrängt zu werden.

Panja, das war auch so etwas, was Akuma nicht für möglich gehalten hätte. Er hatte sich mehr verändert als er anfangs bemerkt hatte.

„Du wirst deinen Rhythmus schon wieder finden. Du bist verletzt, also gib dir Zeit. Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber es gibt Dinge, die kannst auch du nicht ändern und musst es einfach hinnehmen.“ Bahadur wusste selber ganz genau, wie Akuma sich fühlte. Wenn er selber nicht trainieren konnte, war er nicht weniger unleidlich als Akuma. 

„Hm“, war deswegen auch nur die Antwort und Akuma schloss wieder die Augen, rollte sich noch etwas weiter ohne zu ahnen, dass er eine Kettenreaktion auslöste. Um nicht überrollt zu werden, rutschte Panja ab und so war der schwebende Vampir auf der Bettkante leider im Weg. Der Aufschlag ließ Akuma hochfahren. Verwirrt guckte er über die Kante. „Ist das auch 'ne Entspannungsübung?“

„Nein“, kam es gedämpft vom Boden. Das war ihm auch schon Jahre nicht mehr passiert. „Das war ein hinterhältiger Anschlag eines frustrierten Generals auf den Thronfolger.“ Bahadur drehte sich auf den Rücken und sah genau in Akumas Gesicht. „Das war fies und hat weh getan.“

„Ich war das nicht“, sagte Akuma, streckte aber die Hand aus, um dem Colonel hoch zu helfen. Neben ihm guckte Panja nach unten und gähnte. Die langen spitzen Fänge blitzten weiß auf. „Zum einen war das dein Bettvorleger und zum anderen darf ein General mit seinem Colonel machen, was er für richtig hält.“ Er grinste und schien Spaß zu haben.

„Wenn der Colonel nachts mit dem General machen darf, was er für richtig hält“, grinste Bahadur und ließ sich soweit ziehen, dass er sitzen konnte. Er kraulte Panja. „Gibt er einfach dir die Schuld, dabei hab ich ganz genau gesehen, wie er dich geschubst hat. Du solltest ihn wirklich nicht mehr mögen.“

Die Katze legte den kopf schief und dann auf die Pfoten. Sie gähnte noch einmal, während Akuma sich wieder auf den Rücken rollte, sich dann aber ein Kissen unter den Kopf stopfte, damit er Bahadur besser ansehen konnte. „So lange der Colonel weisungsbefugt ist, so lange kann er mit dem General Entspannungsübungen machen. Nach dem Machtwechsel wird neu verhandelt.“

„Okay, das klingt fair.“ Bahadur stand auf und streckte sich endlich, wie er es schon die ganze Zeit vorgehabt hatte. „Wir sollten aufstehen, in zwei Stunden fährt die Bahn und es wäre peinlich, wenn ausgerechnet wir sie verpassen würden.“

„Das gilt es um jeden Preis zu vermeiden. Geh ins Bad, ich brauch erst mal was zu trinken.“ Auch Akuma erhob sich und weil es allein im Bett grottenlangweilig war, tamperte Panja ebenfalls in die Küche, streckte sich nach jedem Schritt in alle nur erdenklichen Richtungen und so war Akuma schon in Hose und Shirt geschlüpft und hatte die Technik gestartet, ehe sie ebenfalls endlich an ihrem Wassernapf ankam.

Sie waren schon ein eingespieltes Team. Nach Bahadur ging Akuma ins Bad und der Prinz gab Panja etwas zu essen und machte Frühstück. So war seit Akumas Unfall eigentlich jeder Morgen abgelaufen. Der Tee dampfte in zwei Tassen und verbreitete einen köstlichen Duft. Akuma kam aus dem Bad, rubbelte sich die Haare trocken und ging noch einmal alle Daten über die Bahn und den Tunnel durch, die ihnen zur Verfügung standen. Er konnte nicht leugnen, dass er aufgeregt war. Sie gaben sich in die Hand einer Technik, die nicht die ihre war. Das Risiko war nicht zu unterschätzen. „Was sagt Naran eigentlich dazu, dass du heute den Test machst? Oder weiß er es nicht, dass der Thronfolger sich in Gefahr begibt?“

„Er weiß es.“ Bahadur verdrehte die Augen und schnaubte. „Ich habe ewig gebraucht, um ihm auszureden auch mit zu kommen.“ Allerdings war der Prinz sich nicht sicher, ob sein Vater nicht gleich neben der Bahn stand und beschlossen hatte doch mit zu kommen. „Er kann mindestens genauso stur sein wie du.“

„Was glaubst du, warum wir uns mit wenigen Worten verstehen?“, grinste Akuma und griff sich dankend den Tee. „Ich glaube nicht, dass Naran dabei sein wird. Ihm wird bewusst sein, dass Fürst und Thronfolger nicht gleichzeitig entbehrlich sind, wenn die Kuppel nicht ohne Regenten dastehen soll. Also werde ich wohl auf dich aufpassen müssen.“ Gespielt hob er eine Braue und nahm dankend den Teller mit seinem Frühstück entgegen – reichlich Proteine.

„Na, da fühl ich mich gleich sicherer.“ Bahadur streckte Akuma die Zunge raus und lachte. Auch wenn Akuma sich in der letzten Zeit sehr verändert hatte, so locker und gut gelaunt hatte er ihn noch nie gesehen und es gefiel ihm ausgesprochen gut. Wenn das an ihren Entspannungsübungen lag, dann war der General heute Abend wieder fällig. Er wusste es nur noch nicht.

„Das kannst du auch“, entgegnete Akuma und aß im stehen an der Theke, setzte sich aber unter Bahadurs strafendem Blick auf einen der Barhocker, um sich noch ein wenig zu schonen. Sie hatten einen langen Tag vor sich, an dem er einen Zusammenbruch wirklich nicht gebrauchen konnte. Panja nutzte die Chance, ihm auf den Schoß zu springen und Akuma verdrehte die Augen. „Hat sie kein Zuhause?“

„Doch. Dich, dein Bett und alles andere, wo du dich aufhältst“, erklärte Bahadur trocken. „Aber nur noch so lange bis wir nach Neo New York fahren. Da bringe ich sie vorher zurück in die Urwaldkuppel und lass ihren Chip deaktivieren, damit sie nicht ausbüchsen kann. Hast du Lust mit zu kommen?“

Akuma blickte auf, als Bahadur erklärte, was er mit Panja vor hatte. Logisch gedacht war es das einzig Richtige. Sie konnte nicht her kommen, wenn keiner da war. Doch sie wegzubringen würde ihm schwer fallen. Er blickte auf Panja und aß weiter. „Weiß nicht“, gab er zu, es würde ihm sicherlich nicht leicht fallen. Er hatte sich an das pelzige Ding irgendwie gewöhnt.

„Die Alternative wäre, sie mit auf unsere Reise zu nehmen, aber das möchte ich ihr nicht zumuten.“ Bahadur verzog das Gesicht. Panja war eigentlich eine wilde Katze, auch wenn sie meist wie ein Schmusetier wirkte. „Überleg es dir. Es gibt in den äußeren Kuppeln, die nicht so sensibel sind, einen kleinen See mit einem Wasserfall. Dort kann man schwimmen und relaxen. Ich mache das gerne, wenn ich in den Kuppeln bin.“ 

„Mal sehen – wird sie irgendwann noch einmal zurück kommen?“, wollte er wissen und blickte auf Panja. Ob sie ihn vermissen würde? Oder hatte sie ihn nach ein paar Tagen schon vergessen? So lange waren ihre Wege ja auch nicht parallel gelaufen. Sie hatte mehr Zeit ohne als mit ihm verbracht. Bahadur hatte Recht – er mochte den Bettvorleger wirklich.

„Sicher, wenn wir wieder zurück sind, holen wir sie ab und aktivieren ihren Chip wieder. Ich finde es schön, wenn sie hier ist, auch wenn ich hier nur noch auf der Beliebtheitsskala die zweite Geige spiele.“ Ein wenig wurmte es den Prinzen schon, dass seine Katze ihn einfach ersetzt hatte. Er hatte sie groß gezogen. Sie gefüttert, mit ihr gespielt, sich die Nächte um die Ohren geschlagen und nun war Akuma der Nabel ihrer Welt.

„Das glaube ich nicht. Ich bin einfach ein neues Spielzeug, was sie vorher noch nicht kannte und dass sie vorletzte Nacht bei mir geschlafen hat, lag daran, dass du sie aus dem Bett gekickt hast. Wenn ich erst mal ein genauso abgekautes Spielzeug bin wie du, dann bin ich auch nicht mehr spannend.“ Akuma aß auf, wirkte aber schon um einiges zufriedener als eben noch, jetzt wo er wusste, dass sie Panja wieder holen würden, wenn sie zurück waren. Sein Blick fiel auf die Uhr. Es wurde langsam Zeit aufzubrechen.

„Nein, du bist kein Spielzeug. Sie liebt dich und wenn sie sich aussuchen kann, in welchem Bett sie schlafen darf, dann wird sie zu dir kriechen, da bin ich mir sicher. Auch noch in ein paar Jahren.“ Bahadur lockte Panja zu sich und knuddelte sie kräftig. „Wir müssen los, Süße. Du kannst in den Garten, aber ansonsten läufst du nicht durch die Gegend.“ Sie gähnte und streckte sich noch einmal, dann sprang sie auf die Couch und rollte sich zusammen. „Hm, fast der Garten“, lachte Akuma leise und zog sich seine Jacke über. Schnell war die Ausrüstung angelegt, das Headset und die Videoeinheit, ebenso packte er Palm und Laptop ein. Die Batterien waren alle geladen. Er wollte den kompletten Tag aufzeichnen, damit ihnen auch keine Einzelheit entging.

Bahadur tat es ihm gleich und nahm den Rucksack. Vor der Tür hielt er Akuma noch einmal auf und küsste ihn. Sie würden den ganzen Tag dazu wohl keine Gelegenheit haben. Es war schon verrückt, wie sehr er sich schon daran gewöhnt hatte. „So, jetzt kann der Tag losgehen.“

Akuma lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nutz es nicht aus, dass du noch die Weisungsbefugnis hast, Prinz.“ Doch er wehrte sich nicht. Er mochte es ganz gern, auch wenn ihm die harschen leidenschaftlichen Küsse lieber waren.

Sie bestiegen den Wagen und schlugen den Weg zur Grotte ein. Sie waren nicht die ersten. Tarek und Laster unterhielten sich gerade mit Alec. Die Techniker waren völlig von der Rolle, das sah man schon von weitem. „Na das kann ja lustig werden“, knurrte Akuma leise.

„Du wolltest ja unbedingt mitkommen.“ Bahadur grinste böse und grüßte ihre Männer. „Wir gehen runter. Einer bleibt oben und wartet auf die anderen.“ Dass er wissen wollte, wenn jemand zu spät kam, sagte sein Blick. „Wie das letzte mal?“, fragte er Akuma leise. Sie mussten nämlich wieder die Treppe runter.

„Schauen wir mal. Ich fühle mich eigentlich um einiges besser und runter sollte es ganz gut gehen.“ Er folgte dem Colonel und erst nach einer Weile bemerkte er, dass Tarek ihn eindringlich musterte. Doch der wiegelte ab, als Akumas fragender Blick ihn traf. Er versuchte zu ergründen, was zwischen den beiden gelaufen war oder ob etwas lief. Doch wenn es so war, ließen sie sich nichts anmerken und fragen konnte Tarek auch nicht.

Bahadur bemerkte die Blicke durchaus, aber Tarek musste auf seine Antwort erst einmal warten. Ohne sich beirren zu lassen lief er neben Akuma die Treppe runter. Es war erstaunlich, wie sehr dieser Bahnhof sich verändert hatte. Er war gesäubert worden, genauso wie der Zug. An einer der Wände war ein großer Bildschirm angebracht worden, um Informationen zu listen und zu sammeln oder um Videokonferenzen mit dem Fürsten oder den Neo New Yorkern abzuhalten. Akuma nickte anerkennend. Er hob die Brauen, als sich das Bild des Atlanters abzeichnete. Archiaon begrüßte sie, er wollte sicher gehen, dass mit dem Start der Bahn alles klar ging.

„Hallo Archiaon. Wir wollen gleich los“, begrüßte Bahadur den Senator und auch Akuma neigte leicht den Kopf zur Begrüßung. Der Prinz gab den Rucksack an einen seiner Männer weiter und widmete sich Archiaon. „Wir haben alles so vorbereitet, wie ihr es uns übermittelt hat. Gibt es sonst noch etwas, was wir beachten sollten?“

Der Atlanter schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht. Ich wollte trotzdem gern dabei sein“, gestand er und hinter ihm flitzten schon wieder ein paar Leute herum, darunter auch der Blonde mit den einmaligen Augen.

„Wir zeichnen alles auf, wenn ihr wollt, schicken wir die Daten, sobald wir wieder zurück sind“, sagte Akuma, denn auch sie wollten den anderen etwas zurück geben.

„Danke, das Angebot nehme ich gerne an. Meodin wird sich freuen, dass er wieder etwas von euch bekommt. Ich soll euch sagen, dass er sich für die Liste bedankt.“ Bahadur musste grinsen, als auf einmal ein blonder Schopf vor der Kamera auftauchte und laut danke rief. „Gern geschehen. Sagt bescheid, wenn ihr noch etwas haben möchtet.“

 „Wenn wir an den Daten teilhaben können, die ihr über die Bahnen sammelt, wäre uns auch geholfen. Wir wissen zwar, dass es hier auch derartige Tunnel geben muss, aber sie sind nicht so klar abgezeichnet wie bei euch. Als wäre ein Störsignal in der Datenbank. Wenn wir also wissen, wie die Bahnen laufen, dann können wir uns hier vielleicht herleiten, wo die Einstiege sind.“ Erdogan hatte nach dem Austausch mit den Jiang Shi auch nach Vakuumbahnen von Neo New York aus gesucht. Aber die Daten waren unvollständig. Die Bahnhöfe in der Hauptkuppel waren nicht verzeichnet – wohl aus Sicherheitsgründen. Erdogan war frustriert.

„Okay, wir schicken alles rüber. Können wir euch auf der Fahrt kontaktieren, wenn wir Fragen haben?“ Bahadur sah kurz zu Akuma rüber, ob es ihm auch gut ging, aber so wie es aussah, schien es dem General wirklich besser zu gehen als gestern.

„Nein, das wird aufgrund der Technologie nicht möglich sein. Zumindest wäre mir das nicht bekannt. Sobald ihr die Röhre befahrt und die Bahn auf Reisegeschwindigkeit ist, ist das nicht möglich. In den Bahnhöfen wie hier wohl schon. Meldet euch am besten, wenn ihr auf der anderen Seite seid. Ich hoffe ihr erlebt dort keine böse Überraschung.“ Archiaon war immer noch in Sorge, dass in der Zielkuppel vielleicht doch noch jemand lauerte, der dort eigentlich nichts mehr verloren hatte. Er wusste, dass die Gottgleichen wie Kakerlaken waren – genauso zäh und genauso penetrant.

„Danke für eure Sorge. Wir sind vorbereitet.“ Bahadur hatte sich schon gedacht, das sie auf der Fahrt keinen Kontakt aufnehmen konnten. Es ließ sich nicht ändern und Archiaon hatte sie gut vorbereitet und sie hatten ihre Männer mit, auf die konnten sie sich verlassen, wenn wirklich etwas Unvorhergesehenes passieren sollte.


21 

„Also dann!“ Akuma stieg als erstes ein. Ihm folgten die Techniker. Auch in der Bahn bestand noch der Kontakt zu Archiaon und so unterhielten sie sich noch ein wenig, während alle einstiegen und ihre Plätze einnahmen. Archiaon mahnte noch einmal, sich anzuschnallen, sich nicht zu erheben während der Fahrt, weil die Bewegungen die Bahn aus dem Gleichgewicht bringen könnten und das unvorhergesehene Folgen haben konnte. Er sprach auch nur aus zweiter Hand, selbst war auch er noch nie in einer Vakuumbahn gefahren. Sie führten nur über lange Distanzen, kurze Strecken lohnten sich nicht.

Bahadur setzte sich neben Akuma und half ihm sich anzuschnallen. „Wenn es ruckelig wird, werde ich dich festhalten“, flüsterte er ihm dabei zu und grinste zu ihm hoch. Ihm war klar, dass das gleich wieder Protest hervorrufen würde und genau darum hatte er das auch gesagt. 

„Das wirst du lassen“, knurrte Akuma, als hätte Bahadur genau auf den richtigen Knopf gedrückt. „Wenn du mit deinen Fingern noch mal irgendwas anpacken willst, behalte sie bei dir.“ Akuma merkte zu spät, dass er dem Pyromanen wieder in die Falle gelaufen war und der diese Reaktion nur provoziert hatte, als der Colonel zufrieden grinste. Akuma knurrte und wandte sich ab, dabei streifte sein Blick Tareks fragendes Gesicht.

Er fragte sich, warum sein Freund heute ständig zu ihnen rüber sah, während Bahadur neben ihm leise lachte. Das ging gar nicht. Darum griff er schnell neben sich und zufrieden hörte er den leisen, überraschten Schmerzenslaut, als er dem bekloppten Pyromanen kurz aber fest in die Seite kniff. Bahadur neben ihm sah ihn überrascht an und lachte dann wieder. „Touché“, murmelte er leise und vertiefte sich noch einmal in Archiaons Berichte.

„Ich komme langsam wieder auf die Beine, also überlege dir, wann es gut für dich ist, mich zu ärgern und wann nicht.“ Doch dann wandte er sich dem Techniker zu. „Laster, gib den Code ein, und dann setz dich“, forderte er und auch Archiaon beruhigte den Techniker, dass er nach der Eingabe genügend Zeit hätte, sich seinen Platz zu suchen. Das System würde starten, wenn bei allen Sitzen, auf denen der Wagen ein menschliches Gewicht verzeichnete, die Sicherheitsgurte geschlossen waren. Das ließ Laster erleichtert aufatmen und so drückte er die Kombination, dann den Eingabeknopf und dann gab es kein Zurück mehr.

Die Bahn fuhr langsam los und das Tor auf den Schienen öffnete sich. Dahinter war in einiger Entfernung ein weiteres Tor zu sehen. Sie befanden sich in einer Schleuse aus der die Luft abgesaugt wurde, nachdem sich das Tor hinter ihnen wieder geschlossen hatte. Gebannt schaute Bahadur nach vorne, als das Tor sich öffnete.

„Jetzt geht’s los“, murmelte Akuma und presste sich in seinen Sitz. Er spürte, dass der Innendruck der Kabine angepasst wurde und dann tauchten sie in die Schwärze vor ihnen. Sie spürten nur am Beschleunigungsdruck, dass sie sich bewegten, sehen konnten sie nichts. Der Tunnel war nicht beleuchtet.

„Mich würde interessieren, wie schnell wir sind.“ Doch es gab keine Anzeigen. Nur die grünen Lämpchen am Kontrollpult suggerierten, dass alles lief, wie es laufen sollte.

„Mich auch.“ Bahadur behagte es gar nicht, dass sie gar nichts sehen konnten. Das hieß nämlich auch, dass sie nicht sehen konnten, wenn etwas mit den Schienen nicht in Ordnung war. „Das gefällt mir nicht“, knurrte Bahadur und wäre am liebsten aufgestanden, um nach vorne zu gehen.

„Bleib hocken“, knurrte Akuma leise. „Die Schienen haben wir doch geprüft. Archiaon hat die Kommandos übermittelt und Alec hat die Programme durchlaufen lasen. Da gab es keine Hinweise auf Probleme. Außerdem hat das Ding hier drei Notabschaltungen, falls Unregelmäßigkeiten auftreten.“ Akuma ging es ähnlich wie Bahadur, doch in Unruhe zu verfallen nutzte ihnen auch nichts. Sie mussten jetzt vertrauen – so war das eben, wenn man Verbündete hatte. Man musste lernen zu vertrauen.

„Das weiß ich auch alles“, brummte Bahadur. Er wusste selber, was zu tun war, das änderte aber nichts daran, dass er sich unruhig fühlte. Er hatte da zwar so eine Idee, was ihn ablenken könnte, aber dann würde Akuma ihn bestimmt umbringen, wenn er ihn jetzt küssen würde. Der Prinz seufzte frustriert und schloss die Augen. Vielleicht half es ja, wenn er Akuma nicht sehen konnte.

„Bisher alles normal“, sagte Laster, der immer das Pult im Auge hatte. Sie schienen sich alle extrem unwohl zu fühlen, doch da mussten sie jetzt durch. Archiaon hatte gesagt, dass die Fahrt circa eine Stunde dauern würde. Wenn sie überlegten, dass sie für den Landweg fast ein Woche brauchten, von Kuppel zu Kuppel zu Kuppel, wie viel Energie sie dafür bräuchten und Verpflegung. Diese Bahn war ein Segen, wenn sie lernten, sie zu beherrschen und zu warten.

Bahadur versuchte sich abzulenken, damit er nicht ständig auf die Kontrollleuchten starrte und dabei bemerkte er wieder, wie Tarek ihn und Akuma wieder neugierig und fragend musterte. >Ich habe mit ihm geredet<, schickte er darum an Tarek. Grinsend sah er, wie der Soldat zuckte, als die Nachricht einging und er hastig nach seinem kleinen Kommunikationsgerät kramte. Er las, blickte wieder zu Bahadur und tippte dann ebenfalls: >und?<, wollte er wissen.

>Ich lebe noch, wie du sehen kannst<, schickte Bahadur zurück und grinste. >Du hattest Recht, es war gut, mit ihm darüber zu reden. Danke<. Bahadur war Tarek wirklich dankbar, das gab er gerne zu und er rechnete es Akumas Freund hoch an, dass er ihn darauf angesprochen hatte. Es wagten nicht viele, einen Vorgesetzten auf einen Fehler aufmerksam zu machen.

>Was hat er gesagt?<, wollte Tarek wissen. Er war sich sicher, dass er aus Bahadur mehr heraus bekommen würde als aus Akuma, der ja gar nicht wusste, um was es eigentlich gegangen war. Vielleicht würde er ihn irgendwann mal fragen, wie er zu seinem Colonel stand, aber nicht in der nächsten Zeit.

„Was gibt es denn hier zu tippen wie ein Wahnsinniger?“, wollte Akuma wissen, dem Bahadurs reges Schreiben ebenfalls aufgefallen war.

„Ich unterhalte mich mit Tarek und wollte nicht durch den ganzen Wagen rufen“, erklärte Bahadur und lächelte Akuma kurz an. Das war nicht gelogen, war nur zu hoffen, dass Akuma nicht wissen wollte, worüber er sich mit Tarek unterhielt. Und er hatte Glück, denn Akuma fragte nicht weiter nach. Er ging wohl davon aus, dass sich die beiden noch ein paar Missionsdaten hin und her schickten. Etwas anderes kam ihm nicht in den Sinn.

„Wir sind jetzt schon eine halbe Stunde unterwegs. Ich werd bald kirre“, murmelte Alec. Das Blinken der grünen Lampen hatte sich schon in seine Netzhaut gebrannt. Die Stille machte ihn wahnsinnig.

„Wem sagst du das“, brummte Kublai. Er hatte seine Waffe schon zweimal zum überprüfen auseinander und wieder zusammen gebaut. Von allen Seiten kam zustimmendes Gemurmel. Die Untätigkeit und die Ungewissheit zerrten an aller Nerven und sie hatten erst die Hälfte der Strecke hinter sich.

„Haltet euch immer vor Augen, was es bedeutet hätte, die Strecke über Land zu gehen“, sagte Akuma. Er konnte mit seinen Männern fühlen, denn auch er war es nicht gewohnt, Fremden zu vertrauen und sein Leben in deren Hände zu geben. Es war schwerer als erwartet.

>>Scheitelpunkt überschritten<<, erklärte eine blecherne Stimme und die Soldaten erschraken sich fast zu Tode. Sie sahen sich hastig um, bis ihnen aufging, dass sich das System gemeldet hatte, um zu berichten, dass die Hälfte der Strecke absolviert worden war.

Bahadur hatte der Unterhaltung zugehört und kam erst jetzt dazu auf Tareks Frage zu antworten. >Das solltest du ihn besser selber fragen. Ich denke nämlich nicht, dass es ihm gefallen würde, wenn ich mit dir darüber rede.< Außerdem wollte Bahadur auch gar nicht, dass jemand davon wusste. 

Tarek las und blickte unzufrieden auf, nickte aber. Nun gut, sollten die beiden ihre Geheimnisse haben. Er konnte sich schon denken, auf was das hinaus lief und so lange Akuma zufrieden war, mischte er sich auch nicht weiter ein. Er packte den Palm beiseite und widmete sich noch einmal den Daten der Anlage, in der sie landen sollten.

Jetzt hatte Bahadur wieder nichts zu tun und langweilte sich. „Wäre schön, wenn Panja hier wäre, dann wäre es wenigstens nicht langweilig“, flüsterte er und stieß Akuma mit der Schulter an. Der blickte Bahadur an, grinste schief. Dann zog er aus seiner Hosentasche am Schenkel einen kleinen Palm. „Kannst dir ja noch mal den Weg vom Bahnhof zu den Docks angucken, umso schneller kommen wir dort hin, sobald wir angekommen sind“, versuchte er den Colonel zu beschäftigen. Dieses Nichtstun war für ihn und seine Männer pures Gift.

„Hm“, brummte Bahadur, nahm aber seinen Laptop aus dem Rucksack und rief sich die Daten auf. Das Dock befand sich laut Lageplan im gleichen Komplex wie der Bahnhof, nur einige Ebenen tiefer. Er war ziemlich schockiert gewesen, als sie das anhand der Daten herausgefunden hatten, die Archiaon ihnen geschickt hatte. Seit dem fragte er sich, was sich sonst noch alles unter ihren Kuppeln befand, von dem sie nichts wussten. Sie mussten sich unbedingt schlau machen, ihre Kuppeln intensiver untersuchen und vor allem durfte auch die Befreiung anderer Kuppeln nicht ins Hintertreffen geraten. Sie hatten mehr vor der Brust, als ihnen vor einer Woche noch bewusst gewesen war. Umso unerträglicher war es, hier zu sitzen und einfach nur zu warten.

„Laster, du kontaktierst als erstes Neo New York, sobald wir im Bahnhof sind.“ Akuma wollte den Atlanter hinter sich wissen, wenn sie sich auf den Weg machten. Normalerweise würden sie nicht derart unvorbereitet in fremdes Terrain stürmen. Doch sie hatten keine Zeit, also würden sie Hilfe brauchen.

„Wird erledigt, General.“ Laster sah sich zu Akuma um und nickte noch einmal. „Was glaubst du, wie lange werden wir vom Bahnhof zum Dock brauchen?“ Bahadur wollte sich etwas unterhalten, damit die Zeit schneller verging. Er versuchte die kürzeste Strecke herauszufinden und zeigte sie Akuma. „Schaffst du das?“

„Wenn alle Stricke reißen, habe ich immer noch eine Ampulle Schmerzmittel dabei. Ich werde es also schaffen, so oder so“, sagte Akuma leise und blickte ebenfalls auf den Plan, den sie von Erdogan bekommen hatten. Das Dock lag vier Ebenen unterhalb des Bahnhofs. Was in den Zwischenebenen war, wusste niemand. Der Weg zu den Docks sollte durch eine Tür möglich sein. Es sah nicht aus wie ein Fluchttunnel sondern wie ein normaler Verbindungsgang.

„Es sieht fast so aus, als wäre die Bahn dazu gebaut worden, um zu den Docks zu kommen. Da ist es zu hoffen, dass wir auf keine großen Hindernisse stoßen.“ Bahadur rief sich das Dock auf und war wie jedes Mal darüber erstaunt, wie groß die Halle war. „Was meinst du, haben sie Schiffe hier zurück gelassen?“

„Ich würde es befürworten, aber wir müssen uns überraschen lassen.“ Akuma wirkte nachdenklich. Sie hatten die Gottgleichen aus Maru-Yane GX14-41 vertrieben, diese hatten nicht die Chance zum geordneten Rückzug gehabt. Was dafür sprechen würde, dass die Boote noch da waren. Allerdings lagen die Anlagen sehr tief. Sollte ein Teil der Gottgleichen über diese Anlagenteile geflüchtet sein, hatten sie die Schiffe mitgenommen. Nachdenklich ließ Akuma Bahadur an seinen Gedanken teilhaben.

„Ich denke, sie werden Schiffe für die Flucht benutzt haben, weil sie mit den Bahnen nur wieder in unser Gebiet gekommen wären. Ich hoffe aber, dass sie in ihrer Hast nicht alle mitgenommen haben. Dann hätten wir jederzeit die Möglichkeit nach Neo New York zu kommen, ohne dass wir ständig abgeholt werden müssten.“ Das wäre die beste aller Optionen, aber das war spekulativ. Sie mussten sich einfach überraschen lassen, was sie dort vorfinden würden.

>>Achtung! In fünf Minuten haben wir das Ziel erreicht<< meldet sich wieder die blecherne Stimme, um die Passagiere darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Fahrt so gut wie beendet war. Man hörte das Aufatmen der Männer und auch Bahadur und Akuma wirkten erleichtert. Bald würden sie sehen, ob Schiffe in den Docks lagen. Dann hatte das Spekulieren ein Ende.

„Okay, Männer, überprüft noch mal die Ausrüstung. Wir gehen vor wie besprochen.“, rief Bahadur den Männern zu, die auch gleich dem Befehl Folge leisteten. Er selber überprüfte die Kamera, die er tragen würde, um Aufzeichnungen von der Anlage zu machen. Akuma sollte den Kontakt zu Archiaon halten, dazu musste er nichts Schweres tragen.

Sie spürten wie der Bremsvorgang eingeleitet wurde. Es war nicht angenehm, wie die Gurte sie in die Sitze pressten. Doch sie waren Soldaten und Schmerzen gewohnt. Nur die beiden Techniker stöhnten leise, doch sie hielten sich wacker.

>>Eine Minute bis zum ersten Schott<<, erklärte die Stimme aus dem Off und die Anspannung wuchs wieder. Keiner wusste, was sie erwarten würde – oder wer.

Bahadur gab den Soldaten ein Zeichen und die Waffen wurden in den Anschlag gebracht. Sie hatten nicht viel Deckung, weil sie immer noch angeschnallt waren. Aber sie mussten warten, bis sie im Bahnhof waren, um sich abzuschnallen. 

>>Schott eins passiert – Dekompressionsvorgang eingeleitet<<

Akuma sah sich um. Vor den Fenstern war wieder Licht und die Kammer sah nicht anders aus als die, aus der sie gekommen waren. Würde der Bahnhof genauso aussehen? Langsam fraß diese Ungewissheit an seinen Nerven, seine Knie zuckten nervös und seine Finger verkrampften sich.

Ungesehen von den anderen drückte Bahadur kurz Akumas Hand und lächelte. Er wusste, dass Akuma es hasste, jetzt nicht an vorderster Front dabei zu sein und im Hintergrund zu bleiben. „Wird schon“, flüsterte er leise und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgabe. Er startete die Kamera und ließ seinen Blick einmal durch die Schleuse wandern. 

„Laster, kannst du Archiaon erreichen?“, wollte Akuma wissen. Die Gurte hatten sich gelöst und es war wieder möglich, sich zu bewegen. Die Bahn setzte sich wieder in Bewegung und passierten das zweite Schott. >>Sie haben ihr Ziel erreicht<<

Erleichterung machte sich breit und alle erhoben sich. Akuma blickte weiter zum Fenster hinaus und musterte die Halle. Sie war der ihren sehr ähnlich, die Farben waren etwas anders.

Überall lag Staub, genauso wie in ihrem Bahnhof. Das war gut, denn wenn hier jemand herumgeschlichen war, konnten sie das sehen, denn es mussten sich Spuren im Staub zeigen. „Scheint sauber zu sein.“ Die Staubschicht auf dem Boden war unversehrt. Die Türen öffneten sich zischend und die Vorhut stürmte sich Deckung suchend aus dem Zug.

„Prinz Bahadur, General Akuma“, körten sie Archiaon, der erleichtert war, als die beiden sich meldeten. „Es tut gut, von euch zu hören“, sagte der Atlanter leise. Er hatte zwar nicht gezweifelt, dass die Reise gut ging, doch er war sich auch nicht ganz sicher gewesen. Nur kurz fragte sich Tarek, wie es möglich war, dass sie das Signal hier unten empfangen konnten, doch dann ging ihm auf, dass Laster wohl das System der Bahnhofshalle angezapft hatte, die eine Verbindung nach oben hatte. Cleverer, kleiner Freak. Er grinste.

„Bis jetzt alles ohne Probleme und ruhig“, gab Akuma an Archiaon durch. „Sieht verlassen aus, wir rücken weiter vor zum Ausgang.“ Bahadur und ihre Männer waren schon auf dem Weg zur Tür, hinter der sich der Tunnel zum Dock befinden musste. „Laster“, war alles, was der Colonel sagen musste und schon begann der Techniker, die Schalttafel abzumontieren.

„Er darf Spielzeug benutzen, ich glaube schon allein deswegen hat sich die Reise für ihn gelohnt“, lachte Tarek leise, der neben Akuma getreten war. Sie beobachteten den Techniker, wie er einen kleinen Apparat an den Stromkreis klemmte.

„Cool, so was will ich auch!“, hörten sie es aus dem Lautsprecher und sahen sich verwirrt um. Neben Archiaon stand ein weiterer Mann und hatte glänzende Augen. „Darf ich vorstellen, Thom, unser Cheftechniker – immer auf der Suche nach Spielzeug“, sagte Archiaon kleinlaut und Thom zog den Kopf ein. Aber so ein kleines blinkendes Ding hatte er noch nicht in seiner Sammlung.

„Äh, ich werde Laster fragen, ob er eins seiner Spielzeuge entbehren kann“, sagte Bahadur und musste sich ein Schmunzeln verkneifen, als Laster ihn empört ansah. „Und dann macht der das kaputt“, brummte der Techniker, aber so leise, dass ihn niemand hören konnte, dann konzentrierte er sich wieder auf seine Aufgabe. Vor dem anderen Techniker wollte er unbedingt gut dastehen.

„Kann der Prinz mal dichter ran gehen?“, flüsterte Thom und Archiaon sagte lauter: „Du kannst ihn das auch selber fragen“, denn er würde nicht den Kommunikator spielen. Aber da hatte Akuma den Prinz schon dichter geschoben, damit Thom mehr sah. Denn was war besser als ein Techniker? Zwei Techniker. Ganz klar. Und vielleicht hatte Archiaons Mann ja Erfahrung mit dem System, was sie hier vor sich hatten.

„Klasse, das Schloss ist das gleiche wie bei uns. Wartet, ich schicke euch den Schaltplan mit den Änderungen, die ihr vornehmen müsst. Dann könnt ich das Schloss so umprogrammieren, wie ihr es braucht.“ Thoms Stimme klang zufrieden. Man hörte ihn tippen und kurz darauf erschien auf dem großen Bildschirm ein Schaltplan. „Ist ganz einfach.“

Laster knurrte leise. Das hätte er auch heraus gefunden, da war er sich ziemlich sicher. Doch er sagte nichts, weil er wusste, dass sein Ego gerade nicht gestreichelt werden konnte, sie hatten andere Sorgen. „Danke“, sagte er stattdessen und zog sich die Daten, drückte hier, verknüpfte dort. „Wenn ich jetzt auf meinem Spielzeug den blauen Knopf drücke, geht die Tür auf“, erklärte er und trat beiseite, damit die Soldaten die Tür sichern konnten, ehe sie sie öffneten.

Als er das Zeichen bekam, dass er loslegen konnte, drückte Laster den Knopf und die Tür öffnete sich zischend. Gleichzeitig sprang in dem Tunnel dahinter das Licht an. „Nach den Unterlagen ist der Tunnel 200 m lang und am Ende liegt der Aufzug, der uns vier Etagen tiefer zum Dock bringt.“ Bahadur blieb bei Akuma und sah zu, wie seine Leute in den Tunnel liefen. 

„Geh mit ihnen und sichert den Tunnel. Ich bleibe hier mit Tarek, bis Laster die Tür so abgesichert hat, dass nur wir sie öffnen können. Wartet am Aufzug auf uns.“ Akuma fühlte sich wieder in seinem Element, er blühte auf und spürte kaum noch, dass er verletzt war und eigentlich noch mindestens zwei Tage Bettruhe hatte. Er fühlte sich wie neu geboren.

„Alec soll sich die Schaltung für den Lift ansehen, vielleicht hat Thom dafür auch eine Lösung.“

Bahadur nickte Akuma zu, dass er ihn verstanden hatte und machte sich auf den Weg. „Alles klar“, hörte er Thom in seinem Headset und Bahadur beeilte sich zum Lift zu kommen, damit der Techniker aus Neo New York sich die Schalttafel am Lift ansehen konnte. Hoffentlich war das genauso problemlos wie das Tor.

„Akuma, lass eine der Kameras in der Halle zurück. Nur für den Fall es sollte sich unangemeldet Besuch blicken lassen“, schlug Archiaon vor und der General nickte. Er befestigte eine der kleinen Kameras und ließ das Signal auf seinen Palm leiten. Der schickte die Bilder augenblicklich weiter nach Neo New York.

Von Bahadur bekam er die Nachricht, dass er nachrücken konnte und dass Alec mit Thoms Hilfe den Aufzug in Betrieb nehmen konnte. Bisher lief die Mission problemloser, als er gehofft hatte und das machte den Prinzen kribbelig. Er wurde immer misstrauisch, wenn etwas zu glatt lief.

Die Tür zur Bahnhofshalle war gesichert. Sie ließ sich jetzt nur noch mit dem Code öffnen, den Laster programmiert hatte. Er musste ihn nicht weiter geben, es war ein Code den die Truppe immer verwendete, wenn solche Aktionen notwendig waren. Nur ihre Männer kannten ihn und so musste er nirgends schriftlich fixiert werden. Das minimierte das Risiko.

„Das läuft zu glatt“, knurrte Akuma, als sie beim Fahrstuhl angekommen waren. Er sah sich um, blickte auch immer wieder auf die Baupläne der Tunnel. Doch hier waren keine abgehenden Geheimgänge verzeichnet. Aber das musste ja noch nichts heißen.

„Wem sagst du das“, pflichtete Bahadur ihm bei und wurde noch aufmerksamer. „Aber vielleicht haben wir einfach Glück und wir haben die Mistkerle wirklich so gründlich vertrieben, wie wir bisher immer angenommen hatten.“ Akuma hatte das Zeichen, den Aufzug zu holen und als die Türen sich öffneten, gab es kein Zurück mehr.

„Ich glaube eher, sie halten uns für nicht clever genug, das hier allein zu finden und zu nutzen. Sie erwarten uns hier nicht“, nuschelte Akuma leise, sagte dann aber lauter. „Wir gehen in zwei Trupps. Sollte man uns im Fahrstuhl auflauern, haben wir noch eine Rückendeckung.“ Akuma straffte sich.

„Bahadur, du bist mit deinen Männern die Vorhut. Laster wird sich wieder um die Programmierung kümmern, Tarek und zwei Männer bleiben ebenfalls bei mir. Wir folgen. Während der kompletten Fahrt nach unten Sprechkontakt, okay?“

Bahadur nickte und betrat mit seinen Männern den Aufzug. Sie waren alle angespannt und der Prinz wollte gerade den ersten Statusbericht durchgeben, als die Kabine anhielt. Die Anzeige zeigte an, dass sie angekommen waren. „Wir sind angekommen“, gab Bahadur darum durch und machte sich bereit, als die Türen sich öffneten. Sie stürmten raus, aber niemand hielt sie auf, so dass Bahadur stehen blieb, um Aufnahmen zu machen. „Heilige Scheiße“, murmelte er leise. „Das hier ist riesig.“

„Wir folgen“, entgegnete Akuma nur und rief sich die Bilder von Bahadurs Kamera auf den Palm, so lange wie sie im Aufzug nach unten fuhren.

„Sieht aus wie unser Dock, das macht es leichter“, sagte Archiaon, der die Bilder ebenfalls gerade empfing. Mittlerweile war er nicht mehr allein. Erdogan, Leander und Meodin umringten ihn,  weil sie auch etwas sehen wollten. Schließlich bekamen sie nicht alle Tage Bilder aus einer fremden Kuppel. Das war aufregend.

Nach ein paar Sekunden stieg auch Akumas Trupp aus dem Fahrstuhl und er weitete die Augen. Es auf dem Bild zu sehen war eines gewesen, in diese unendliche, geflieste Weite zu stehen war etwas völlig anderes.

„Dock gesichert.“ Bahadur kam zu Akuma. „Sie haben zwei Schiffe zurück gelassen. Zwei Buchten sind leer.“ Dass die Gottgleichen hier so eine riesige Anlage gebaut hatten, ließ vermuten, dass hier ein  reger Austausch stattgefunden hatte an Menschen und Waren. Es schien ein Verkehrsknotenpunkt zu sein, genau wie ihre eigene Kuppel.

„Unglaublich!“ Laster lief und lief, drehte sich dabei immer wieder um sich selbst. Alec ging es nicht besser. Die Soldaten hatten sich besser im Griff, doch auch ihnen sah man ihre Überraschung an. „Unglaublich. Da sind wirklich noch zwei Boote. Prinz Erdogan,  seht ihr das? Ihr müsst also keines eurer Schiffe schicken, sondern uns zeigen wie man diese Dinger startet und steuert.“ Akuma war neben Bahadur getreten. „Oder wäre es dir lieber wir bekommen ein Boot aus Neo New York, von dem wir wissen, dass es nicht sabotiert ist?“, fragte er den Colonel.

„Wir werden euch abholen und ich schicke ein paar unserer Spezialisten mit, die sich dann mit euren Männern, um die beiden verbliebenen Schiffe kümmern. So können wir sicherstellen, dass sie ohne Probleme genutzt werden können.“ Erdogan sah sich neugierig um. Die Halle war größer als ihre eigene und er wollte sie unbedingt einmal sehen.

„Pri-hinz“, knurrte Leander leise, der das Glitzern in Erdogans Augen sehr wohl deuten konnte.

„Wann wollt ihr los?“, wechselte Archiaon das Thema, „denn wir müssen das Boot klar machen und losschicken, je früher ihr euch dazu entschließt, aufbrechen zu wollen.“ Neugierig betrachtete auch er die Bilder, die Akuma aufnahm. Der ließ sich von den Neo New Yorkern leiten, die ihn auf Besonderheiten aufmerksam machten.

„Wann könnt ihr hier sein“, kam es sofort von Akuma, bevor Bahadur etwas sagen konnte. Der verdrehte die Augen und entlockte so den Neo New Yorkern ein Grinsen. „Frühestens in drei Tagen, wenn wir morgen losfahren.“ Erdogan sah die beiden Jiang Shi an, die zu ihnen reisen sollten und Bahadur nickte. „Das passt. Wir können dann alles vorbereiten.“

„Wir müssen noch knobeln, wer entbehrlich ist, Prinz!“, erklärte Leander, der Erdogan schon wieder mit den leuchtenden Augen am Bildschirm kleben sah. Auch Meodin hatte im Geiste schon die Tasche gepackt. Sicherlich wollten auch ein paar der Moles mit und Thom. Von Jack ganz zu schweigen! Sie mussten wirklich darüber reden, denn sonst war das Boot voll und sie konnten die Jiang Shi nicht mehr an Bord nehmen.

„Wir sichern die Anlage gegen fremden Zugriff“, sagte Akuma zu Laster. Anschließend würden sie sich noch etwas hier umsehen und so viele Daten und Bilder sammeln wie ihnen nur möglich war.

„Wir erwarten euch in drei Tagen bei uns.“ Bahadur stimmte der Vereinbarung zu. Das reichte um alles zu erledigen und er war selber neugierig auf Neo New York. 

Er sah noch, wie Leander vehement den Kopf schüttelte und Meodin und Erdogan auf ihn einredeten. Grinsend wandte sich Bahadur an Akuma. „Mal sehen, wer alles bei uns einläuft.“

Akuma grinste.