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Zyklus VII - Hangzhou Provinz - Teil 25-27

25 

Der Morgen war noch jung, aber Bahadur und Akuma waren schon auf dem Sprung.

„Hey, Colonel“, sagte Akuma, als auch er sich seinen Rucksack griff. Bahadur sah sich zu ihm um, die Tür schon in der Hand. Die Nacht war kurz gewesen, wie die meisten in der letzten Zeit und Akuma hatte über ein paar Dinge nachgedacht, die gestern zur Sprache gekommen waren. „Wenn alle Stricke reißen und das mit den Blutkonserven nicht klappt, dann kannst du auch von mir trinken. Wir sind ein Team. Du für mich – ich für dich. Ich wollte nur, dass du das weißt.“

Bahadur war so überrascht, dass er mitten in der Bewegung anhielt. Mit großen Augen sah er auf Akuma und wusste erst gar nicht, was er sagen sollte. „Du würdest mich bei dir trinken lassen?“, fragte er lieber noch mal nach, denn es konnte ja sein, dass er das falsch verstanden hatte. „Du weißt schon, dass...“, Bahadur brach ab und wirkte völlig von der Rolle. Allein die Vorstellung Akumas Blut zu trinken, löste unheimlich viele Gefühle in ihm aus. Es war nicht üblich in ihrer Gesellschaft von einem Menschen zu trinken und wenn doch, dann nur unter  Partnern oder sehr guten Freunden.

Schief grinsend stellte Akuma den Rucksack noch einmal ab. Er hatte den Colonel wohl gerade eiskalt erwischt. Schön, ihn einmal so zu sehen – das erlebte man bei dem beherrschten Mann nicht oft. Außer sie entspannten sich gerade. „Was weiß ich schon?“, fragte er nach. Zwar ahnte er, was Bahadur durch den Kopf ging, doch er wollte es nicht ahnen – er wollte es hören.

„Na, dass du..... Dass es nicht...“ Bahadur stammelte leise vor sich hin und es war ihm ziemlich peinlich. Um von sich abzulenken, griff er sich Akuma, drückte ihn gegen die nächste Wand und küsste ihn leidenschaftlich. Er wusste mittlerweile, was seinem Freund gefiel. „Danke, Aku“, murmelte er nach dem Kuss und lächelte. „Das bedeutet mir sehr viel.“

„Wir sind ein Team, ich bin dein Partner. Partner tun so was doch füreinander“, sagte der General, lächelte aber um seinen Worten die Sterilität der Pflicht zu nehmen, die ihnen anhaftete. Sie wussten beide, dass Akuma dies für keinen anderen tun würde, von seinem Fürsten und Tarek einmal abgesehen. Diese beiden hatten neben Bahadur einen Sonderstatus. „Und jetzt lass uns gehen. Ich habe gestern groß getönt, wir holen sie pünktlich ab und dann kommen wir zu spät. Ich verliere mein Gesicht – nicht akzeptabel.“ Seine Hand griff den Rucksack, sein Blick aber lag immer noch in Bahadurs Augen.

„Ja, lass uns gehen. Das will ich unbedingt vermeiden. Ich möchte nicht unsere neuen Verbündeten töten müssen, um dein Gesicht zu wahren.“ Bahadur lachte und nahm seinen Rucksack auf. Dabei sahen sie sich immer noch in die Augen. „Du bist wirklich unglaublich, weißt du das?“

„Japp, weiß ich. Mich liebt sogar der Bettvorleger, weißt du doch!“ Und damit war Akuma aus der Tür. Er musste den Kopf wieder frei bekommen, denn er verstand nicht, warum er den Colonel gerade so intensiv angestarrt hatte. Darüber musste er erst einmal nachdenken und dafür fehlte ihm im Augenblick die Zeit. Also musste er das nach hinten verschieben. Wie in den letzten Wochen nahm er auf dem Beifahrersitz Platz und hoffte, dass sich die Zeiten wieder ändern würden.

„Ja, das tut sie wirklich. Sie ist ganz vernarrt in dich.“ Bahadur setzte sich ans Steuer und fuhr gleich los. Er ließ sich nicht anmerken, dass er immer noch ziemlich durcheinander war. Akumas Angebot hatte ihn aufgewühlt und ließ ein Kribbeln durch ihn laufen. Er sah kurz zu Akuma und atmete tief durch. „Okay, auf ins Abenteuer. Neo New York wartet auf uns.“

„Das ist kein Abenteuer, Bahadur. Das ist eine Mission. Tu mir einen Gefallen und mutiere nicht zum Forscher, denn dann würde ich mich gezwungen sehen, dich in eine Kiste zu sperren und die Mission alleine zu Ende zu bringen, so leid es mir um dich täte“, entgegnete Akuma. Er rollte die Schultern. Sie schmerzten leicht, denn ihm fehlte die Bewegung. Er spürte von Tag zu Tag mehr, wie er einrostete. Noch eine Woche, dann durfte er langsam wieder anfangen zu trainieren – endlich!

„Sei nicht so streng. Kann ich nicht beides sein?“ Bahadur lenkte den Wagen durch die ruhige Stadt zum Palast. „Dies ist keine normale Mission, weil wir nichts planen konnten. Es ist ein Abenteuer, auch wenn dir das nicht gefällt.“

„Du sprichst weise, mein Freund“, sagte Akuma und blickte neben sich auf Bahadur. „Es gefällt mir wirklich nicht. Abenteuer haben für mich zu viele Lücken und Unvorhersehbarkeiten. Missionen sind mir lieber. Ich rede mir ein, es wäre eine Mission, dann fühle ich mich besser.“ Seine Worte wirkten scherzhaft, doch sie hatten einen wahren Kern. Unvorbereitet aufzubrechen war für Akuma ein Gräuel. Es nahm ihm die Sicherheit, die er brauchte, um agieren zu können.

„Okay, ich Abenteuer, du Mission. Damit kann ich leben.“ Bahadur war mit dem Kompromiss zufrieden. Aber es war auch nichts worüber er gestritten hätte. Dafür war es ihm nicht wichtig genug. Allerdings fand er die Vorstellung, nicht immer nur Soldat zu sein, ziemlich reizvoll. „Bist du gar nicht gespannt, was uns dort erwartet?“

„Nun“, sagte Akuma und dachte kurz nach. „Ich war noch nie ein neugieriger Mensch. Ich werde sehen, auf was ich mich einstellen muss. Ich werde Fragen stellen, Antworten bekommen und meine Schlüsse ziehen. Ich werde Hilfe anbieten und die Fremden studieren. Was sollte mich denn noch erwarten?“ Er konnte seine zielgerichtete Ausbildung nicht verleugnen. Er funktionierte wie ein Uhrwerk, aktuell allerdings ein angeschlagenes.

„Aku“, seufzte Bahadur. „Gibt es da gar nichts, worauf du dich in Neo New York freust? Has du nicht bei irgendwas gedacht, das will ich unbedingt sehen, als du davon gehört hast?“ Der Prinz konnte sich das gar nicht vorstellen. Natürlich war er auf einer Mission genauso, da war er nur auf das Missionsziel fixiert. Aber jetzt waren sie dabei etwas völlig Neues zu sehen. Er konnte sich in seiner kühnsten Fantasie nicht ausmalen, was sie alles erwarten könnte und Akuma blickte ihn nur fragend an.

„Vielleicht die Kugel im Observatorium und die Datenserver“, überlegte der General und an Bahadurs Gesicht konnte er ablesen, dass das irgendwie nicht das war, was der Colonel meinte. Doch er war erlöst, als Bahadur vor dem Palast parkte, wo ihre Gäste schon warteten. Eine Minute nach acht – peinlich!

„Das Aquarium! Ich möchte unbedingt ins Aquarium.“ Bahadur sagte das noch schnell, dann stieg er aus und begrüßte die anderen. „Gute Morgen. Rein mit euch, dann kann es losgehen.“ Er küsste seiner Mutter auf die Wange und nickte seinem Vater zu. „Ich werde regelmäßig Berichte schicken, damit ihr auf dem Laufenden seid.“

„Ich bitte darum“, hatte Sona entgegnet, noch ehe der Fürst hätte etwas sagen können. Ihr war nicht wohl dabei, auch wenn sie die Fremden sehr sympathisch fand. Ein ganzer Ozean und ein ganzer Kontinent würden zwischen ihnen liegen. Sie konnte nicht mal schnell nach ihrem Jungen sehen.

„Halt!“, rief plötzlich eine junge Frau. Lange schwarze Haare flatterte hinter ihr im Wind, so wie sie angeflitzt kam. „Bruder, du kannst doch nicht einfach verschwinden ohne Tschüss zu sagen, du treulose Tomate!“ Toja war in Eile. Sie hatten einen wichtigen Versuch im Labor laufen. Doch ein paar Minuten zur Verabschiedung ihres großen Bruders mussten einfach drinnen sein.

Bahadur fing sie auf und wirbelte sie lachend im Kreis herum. „Schön, dass du kommen konntest.“ Die beiden Geschwister hingen sehr aneinander, auch wenn sie sich nicht sehr oft sahen, weil beide mit ihren Berufen ziemlich eingespannt waren. „Du glaubst doch nicht, dass ich dich auf diese Reise lasse, ohne dir zu sagen, dass du mir unbedingt was Tolles mitbringen sollst?“, lachte sie und strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Frauen“, brummte Bahadur mit rollenden Augen, stellte sie aber ihren Gästen vor.

Toja begrüßte sie und musterte die Moles eindringlich. „Faszinierend“, murmelte sie und alle lachten. „Auch Wissenschaftler“, sagte Akuma leise und er grinste, als Adrian hellhörig wurde. Er hätte sich gern mit ihr ausgetauscht, doch die Zeit drängte. Leider. Vielleicht konnte er Bahadur ja für sie etwas zum erforschen mitgeben? Ob sie das freuen würde?

„Toja, wir müssen los. Ich schicke dir Kopien von meinen Berichten und du meldest dich einfach, wenn du etwas willst“, bot Bahadur an, denn er konnte ihren Gesichtsausdruck durchaus deuten. „Danke, Badu“, strahlte sie und küsste ihn auf die Wange. „Los, husch, damit du was schicken kannst.“ Toja schob ihren Bruder zum Wagen und wollte gerade bei Akuma weitermachen, als sie von einer kräftigen Hand zurück gehalten wurde. „Gib uns wenigsten die Gelegenheit, uns auch zu verabschieden“, tadelte ihr Vater sie gutmütig.

„Aber beeil dich, er will mir schließlich was schicken!“ Toja verschränkte gespielt schmollend die Arme vor der Brust, dass der schwere Stoff ihres Mantels knisterte, dann lachte sie ausgelassen. Einmal mehr nahm sie sich vor, wieder mehr Zeit in der Hauptkuppel zu verbringen, doch seit Monaten lebte sie nur noch im Labor. Sie hatten neue Tests mit dem Serum laufen, die Zellkulturen brauchten ständige Pflege. Zweimal hatte sie sich abgesetzt, um mal ins Kino zu gehen oder mit einer Freundin essen, doch sie hatte so ein schlechtes Timing, dass genau dann immer irgendetwas passierte. Mal war der Brutschrank ausgefallen, mal waren die Proben durch eine Verwechslung kontaminiert worden. Seit dem verließ sie ihre Versuche nicht mehr.

Die Verabschiedung war kurz aber herzlich, da allen klar war, dass Bahadur weg musste. Sona und Toja winkten dem Wagen hinterher. „Jetzt sind sie weg“, seufzte die Fürstin und hakte sich bei ihrem Gatten ein. Für sie war Bahadur immer noch ihr kleiner Liebling, auch wenn er inzwischen zwei Köpfe größer als sie war und ein Soldat. 

„Er kommt ja wieder, Mama“, sagte Toja. Auch sie verabschiedete sich wieder, denn ihr Piepser hatte sich gemeldet. So trat das Fürstenpaar wieder in den Palast, als der Wagen den Hof verlassen hatte.

„Mal sehen, was Jack alles gesammelt hat. Nicht dass wir Übergewicht haben und das Schiff nicht mehr auslaufen kann“, überlegte Ewan, der das völlig ernst meinte. Er hatte beim Graben der Brunnen gesehen, wie viel Erde aus den verschiedenen Bodenhorizonten sie für Jack hatten beiseite legen müssen, damit er sie untersuchen und bestimmen konnte. Damals hatte man ihn gebremst, weil der Brunnen Vorrang hatte. Gestern war keiner da gewesen, um ihn zu bremsen. Nicht dass er den halben Park, ein Drittel der Bäume und die komplette Grotte abgetragen und in beschriftete Tüten verfrachtet hatte.

„Dann lassen wir ihn einfach hier“, lachte Leander, konnte aber nicht ganz verdecken, dass er sich auf das Schlimmste gefasst machte. Trotzdem verschlug es ihm die Sprache, als er die sechs großen Kisten sah, die vor dem Eingang der Bahn standen und darauf warteten eingeladen zu werden. „Himmel“, flüsterte er entsetzt. Wenn die voll mit Steinen waren, waren das Tonnen, die sich darin befanden. „Jetzt weiß ich, was ihr wirklich hier wolltet. Ihr wollt uns nicht erobern, sondern ihr demontiert einfach unsere Heimat. Genialer Schachzug“, lachte Bahadur.

„Und dazu entführen wir noch den Thronfolger und seinen Heerführer, werden sie in kleine Laborkäfige sperren, mit Zuckerlösung füttern und studieren“, schlug Adrian vor, der gerade eine der Kisten öffnen wollte. „Krallen weg!“, brüllte da Jack, der gerade bis zur Hüfte in der Bahn gesteckt hatte, um zu sehen, was Laster da eigentlich trieb. „Das sind alles wichtige Proben, bring die mir nicht durcheinander, Adrian!“

„Was gibt es da groß durcheinander zu bringen“, brummte der Mole, der es gar nicht schätzte, verscheucht zu werden wie ein lästiges Insekt. Und so wie er guckte war der Hälfte der Belegschaft klar, dass Jack einen langsamen und qualvollen Tod sterben würde. Adrian war sehr nachtragend.

„Kommt, lasst uns die wichtigen Proben in die Bahn bringen. Wenn ich mir seinen Gesichtsausdruck ansehe, wird  er sie nicht hier lassen.“ Wie selbstverständlich nahm Bahadur eine der Kisten hoch, um sie reinzubringen und er drehte sich um, als er aufgeregtes Gemurmel hinter sich hörte. „Was ist? Hab ich was falsch gemacht?“, fragte er, weil Leander und die anderen ihn mit großen Augen ansahen.

„Nope“ Leander schüttelte ganz langsam den Kopf und starrte auf die Kiste, die Bahadur allein vor sich her trug. Er kam noch nicht einmal ins Schwitzen oder außer Atem. „Hab nur noch nie gesehen, wie ein einzelner Mann die Probencontainer allein schleppt, vor allem wenn unser Geologe sie liebevoll mit Steinen voll geräumt hat.“ Er beobachtete wie Ewan sich ebenfalls eine der Kisten griff, um nicht hinten an zu stehen, doch er konnte sie nur mit Mühen heben. Adrian sprang gleich dazu, damit sein Freund sich nicht verletzte. „Kindskopf“, knurrte er leise.

„Du wolltest gegen ihn kämpfen“, bemerkte er noch grinsend und ein wenig Schadenfreude schwang in seiner Stimme mit. Bahadurs Kraft hatte ihn selbst schockiert und die Tatsache, dass es winzige Parasiten waren, die das bewerkstelligten. Er musste das unbedingt erforschen. Nicht auszudenken, was man alles damit bewerkstelligen konnte, wenn sie ihre Kraft ebenfalls vergrößern konnten.

„Adrian, wenn du weißt, was gut für dich ist, dann hältst du jetzt …“

„Das weiß er doch nie, deswegen kann er doch so schnell laufen!“, knurrte Jack und griff sich zusammen mit einem der Soldaten, die zu seinem Schutz abgestellt worden waren, ebenfalls eine Kiste. Als Akuma auch zugreifen wollte, knurrte Bahadur leise und unauffällig, aber laut genug, um dem General klarzumachen, dass er sich an ein paar Regeln der Ärzte halten sollte. Akuma nickte, wenn auch nicht begeistert, doch er griff sich stattdessen ein paar Taschen, um nicht ganz leer herum zu laufen.

Sie verluden die Kisten und es dauerte keine fünf Minuten, dann waren sie startklar. Schon ganz selbstverständlich schnallten die Männer sich an und starteten den Zug. Jetzt noch ein Stunde und dann konnte sein Abenteuer losgehen. Weil Bahadur nicht wollte, dass Akuma ihn wieder mit seiner Ungeduld aufzog, versuchte er sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Äußerlich völlig ruhig saß er neben dem General, nur seine sich ab und zu ballende Faust, zeigte seine Nervosität. Kurz legte Akuma seine Hand auf die Faust und versuchte Bahadur davon abzuhalten. „Entspann dich, Prinz“, sagte er leise und zog seine Hand wieder zu sich. Er versuchte die Anspannung zu verstehen, sie nachzuvollziehen oder sich davon anstecken zu lassen, um zu verstehen, was Bahadur auf seinem Abenteuer gerade durchlebte, doch es gelang ihm nicht. Also lehnte er sich zurück und genoss die Fahrt. Er fand das Gefühl, in den Sitz gepresst zu werden, gar nicht so übel.

„Ich hatte gehofft, dass du es nicht merkst.“ Bahadur grinste schief und lehnte sich auch an die Lehne. Ihm schräg gegenüber saß Jack und war eingeschlafen. Sie hatten wohl richtig angenommen, dass der Geologe die Nacht nicht geschlafen hatte. „Sollte ich vielleicht auch machen“, flüsterte er und deutete auf den Schlafenden.

„Ja, etwas Schlaf könntest du auch nachholen“, grinste Akuma und erinnerte sich gern an die Nacht zurück. Er hatte Spaß an dem, was sie teilten und so hielt er Bahadur nie davon ab, wenn er ein paar Übungen machen wollte. Er selbst wollte sich noch in ein paar Berichte einlesen, die Erdogan gestern noch geschickt hatte. Sie enthielten allgemeine Fakten über die Kuppel, in der Erdogans Team lebte und arbeitete, über die Hauptkuppel und über Bonder.

Bahadur hob eine Augenbraue an und grinste. „Angst, dass ich heute Abend zu müde für Entspannungsübungen bin?“, flüsterte er. „Keine Sorge, dazu bin ich nie zu müde.“ Er lachte leise und lehnte sich wieder zurück. Das war noch nicht einmal gelogen. Er freute sich jeden Abend auf das, was sie miteinander teilten. Das wollte er nicht mehr missen.

"Ich kenne dich noch nicht lange, aber ich glaube, ich kenne dich allmählich gut genug um zu wissen, dass alles passieren wird, aber nicht das", entgegnete Akuma ungerührt und grinste, doch er las sich weiter in die Berichte ein. Er wollte wissen, wo er hin kam und mit wem er es dort zu tun hatte. Er stockte kurz, als er an eine Stelle über die verzweifelten Wege bei der Vermehrung kam und dort den Namen Meodin las. Er wusste, wer Meodin war – doch ihm war nicht klar gewesen, was Meodin war.

Er war also gezüchtet worden, um das Aussterben der Neo New Yorker zu verhindern. Das erinnerte ihn sehr an die Gottgleichen. „Was ist los?“, fragte Bahadur, der das Stirnrunzeln gesehen hatte. Der Prinz beugte sich vor, um lesen zu können, womit Akuma sich beschäftigte. So musste Akuma es nicht erklären. Sein Blick lag auf Leander, dann auf Bahadur. „Ich würde gern mit ihnen darüber reden wollen“, sagte Akuma. „Aber nicht jetzt. Ich will, dass der Prinz sich dazu äußert.“ Für Momente war er ich nicht sicher, ob er die Fremden aus Neo New York noch mit den gleichen Augen sehen konnte wie eben noch. Sie mussten sich erklären, wenn sie auf einer Basis arbeite wollten.

„Ja, das sollten wir machen.“ Bahadur sah das genauso wie Akuma. Das was die Neo New Yorker gemacht hatten, war grenzwertig und in seinen Augen ethisch sehr fragwürdig. Allerdings sah er auch wie verzweifelt ihre neuen Verbündeten sein mussten, um so weit zu gehen.

„Was ist?“, fragte Leander, denn er spürte die fragenden Blicke und merkte auch, wie die beiden Männer ihm gegenüber die Köpfe zusammen steckten. Er konnte nicht sagen warum, aber er hatte gerade ein komisches Gefühl in der Magengegend. So senkten sich seine Brauen ein wenig.

„Meodin“, sagte Bahadur. „In den Berichten, die ihr uns geschickt habt, ist auch einer dabei über seine Züchtung. Wir sollten darüber reden, wenn wir bei euch sind.“ Der Prinz hielt seine Stimme neutral. Er wollte niemanden verurteilen, bevor er alle Fakten hatte, auch wenn ihm das, was er gelesen hatte, ziemliches Unbehagen bereitete.

Leander nickte. Er wusste zwar, dass Erdogan auch diese Berichte nicht hinter Verschluss gehalten hatte, um klar zu stellen, dass es keine Barrieren oder Geheimnisse gab, doch aktuell hielt Leander das für keine gute Idee. Vielleicht hätte er den Bericht so lange bei sich behalten sollen, wie sie noch nicht alle zusammen saßen und sich rechtfertigen konnten.

„Das stimmt. Und wenn ihr wünscht, könnt ihr Bill – unseren Genetiker – gern kennen lernen“, begann er und versuchte sich wieder zu entspannen. „Er hat es sich nicht leicht gemacht und die Diskussionen darüber gingen über viele Jahrzehnte. Aber reden wir darüber, wenn die am Tisch sitzen, die die meiste Ahnung haben.“

„Ja, es wäre gut, wenn wir auch euren Genetiker dabei habe würden. Es wäre gut, wenn wir mit allen Verantwortlichen darüber reden könnten.“ Bahadur sah kurz zu Akuma. Der nickte leicht und zeigte an, dass er damit einverstanden war. „Wir brauchen alle Informationen, um uns ein Bild zu machen. Die Experimente, die die Gottgleichen mit Menschen gemacht haben, waren einer der Hauptgründe, um unseren Kampf gegen sie zu beginnen. Darum ist es für uns auch sehr wichtig, eure Beweggründe zu erfahren und auch zu verstehen.“

Doch überraschenderweise war es nicht Leander, der sich äußerte sondern Jack, der zwar nur mit halbem Ohr zugehört hatte, doch als sich das Thema verdichtet, konnte auch er nicht anders. Er war einer von ihnen, er hatte die Jahrzehnte mitgemacht, in denen keine Kinder mehr auf die Welt kamen, in denen die Alten starben und ganze Straßenzüge entvölkerten. Er wusste noch wie es war, als trotz moderner Technik immer mehr Versorgungskuppeln stillgelegt werden mussten, weil keiner da war, um sie zu beaufsichtigen. Und dann kamen diese selbstherrlichen Kerle und meinten, sie wären wie die Gottgleichen?

„Was war das?“, fragte er also mit lauerndem Unterton.

„Ihr schafft Lebewesen nach euren Wünschen – wie die Gottgleichen es tun.“ Akuma kam nicht vom Thema ab. Er spürte zwar, dass er wohl einen Nerv getroffen hatte, doch das hinderte ihn nicht daran, den Nerv bis zur Wurzel auszugraben und zu sehen, was dran war.

„Pass mal auf, Junge“, knurrte Jack.

„Hey, Jack, rede nicht so mit unseren Gästen“, mischte sich nun Leander ein, der das Gefühl hatte, dass gerade alles entglitt.

„Lass ihn, Leander, ich möchte dieses Gespräch auf Augenhöhe führen. Auch wir können euch nur bis vor den Kopf sehen und nicht hinein. Und ich frage mich, warum ihr Wesen wie Meodin erschaffen habt, um eure eigenen Existenz tu retten.“

„Weil alles andere nicht geholfen hat und es ein Urtrieb des Menschen ist, sich selbst zu retten – nennt man Selbsterhaltungstrieb“, knurrte Jack.

„Dann war das Züchten von Wesen wie Meodin für euch also die letzte Möglichkeit eventuell wieder Kinder zu bekommen?“, fragte Bahadur Jack. Er hatte die Diskussion eigentlich nicht jetzt führen wollen, aber jetzt waren sie mittendrin.
„Ja, wir konnten doch nicht einfach hinnehmen, dass wir aussterben und erzählt mir nicht, dass ihr nicht auch alles Mögliche unternommen hättet, um euer Volk zu retten.“ Jack hatte das Kinn vorgereckt und sah die Jiang Shi kampflustig an. „Wir hatten keine Ahnung, woran es liegt und mit den Jahren wuchs unsere Verzweiflung. Erst vor kurzem haben wir herausgefunden, dass es diese verdammten Gottgleichen waren. Sie haben etwas in unser Trinkwasser gemischt, das unsere Frauen unfruchtbar gemacht hat. Wir waren nichts weiter für sie als ein weiteres Experiment."

Akuma nickte, doch er kam nicht zu Wort, denn Jack kam erst richtig in Fahrt. „Wir machen keine Experimente nur aus Spaß. Glaube nicht, dass wir es uns einfach gemacht haben, diesen Weg zu gehen. Aber wir waren mit unserem Latein am Ende. Egal welche chemischen und biologischen Wege wir versucht haben. Nichts machte unsere Frauen fruchtbar. Wir hatten keine Chance mit anderen Kuppeln in Kontakt zu treten. Denn es bestand kein Kontakt mehr, wie wir heute wissen, auch eine Experimentform der Gottgleichen, damit die Laborratten nicht ausbüchsten.“ Jacks Kopf war knallrot, so sehr regte er sich auf.

„Jack.“ Bahadur hob die Hände, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Wir wollten mit euch reden, eben weil wir verstehen wollten, warum ihr diese Experimente durchgeführt habt. Das was in dem Bericht stand, den wir bekommen haben, hat unsere Fragen nicht beantwortet. Wir rechnen es euch hoch an, dass ihr ihn überhaupt an uns weitergeleitet habt und jetzt verstehen wir es auch besser, dank deiner Erklärungen. Lass uns diese Diskussion weiterführen, wenn wir in eurer Kuppel sind, denn es ist uns wichtig, was euer Prinz Erdogan dazu zu sagen hat.“

„Hm“, Jack nickte, doch man sah seinem Gesicht an, was er davon hielt. Aber er schwieg. Mal sehen, was Erdogan und Bill zu dem Thema zu sagen hatten, und ob man die Jiang Shi schlussendlich wirklich von der damaligen Notwendigkeit überzeugen konnte. Sonst trennten sich ihre Wege wohl, noch ehe sie sich überhaupt richtig gekreuzt hatten. „Wenn wir im Dock sind, schick Bill und Erdogan eine Nachricht“, sagte er zu Leander. Die beiden sollten sich darauf einstellen, was kommen konnte.

„Ja, das solltet ihr machen und ich denke, dass euer Prinz verstehen wird, warum wir das klären müssen, wenn wir Verbündete sein wollen.“ Bahadur sah Jack und Leander an. „Ihr habt uns bisher keinen Anlass gegeben, an eurer Aufrichtigkeit zu zweifeln und Ihr habt offen alle unsere Fragen beantwortet und genau aus diesem Grund werden wir diese Reise nicht abbrechen. Wir möchten ein Bündnis mit euch, weil es Vorteile für alle hätte, aber dazu muss diese Sache geklärt werden.“

„Nur damit ich das richtig verstehe“, fragte Jack bedrohlich leise. Sein Bild von den Fremden wechselte vor seinen Augen schlagartig. „Ihr habt also mit dem Gedanken gespielt, die Reise abzubrechen.“ Leander wurde blass. Das lief nicht gut. „Jack, lass.“

„Nein, das habe ich nicht.“ Bahadur überlegte, wie er Jack erklären sollte, wie er seine Worte gemeint hatte. „Wenn ihr durch eure Ehrlichkeit und Offenheit nicht schon einen Vertrauensvorschuss gehabt hättet, dann hätten wir die Reise vielleicht abgebrochen. Wir tun es aber nicht, eben aus den Gründen, die ich dir eben genannt habe.“

Leander blickte seinen Geologen an. Er wirkte verletzt und Leander war der einzige, der wusste warum. In seiner Verzweiflung, zu überleben, mit den skrupellosen Gottgleichen verglichen und auf eine Stufe gestellt zu werden, hatten den Mann hart getroffen. Leander selbst musste diesen Vorwurf auch erst einmal verkraften. Um den Schaden zu begrenzen sagte er: „Ich danke euch“, auch wenn er nicht genau wusste warum, er hatte das Gefühl, es sagen zu müssen.

„Leander, du musst uns nicht danken. Wie es scheint, haben wir mit unseren Worten und Ansichten Wunden aufgerissen und das tut mir leid, denn das war nicht meine Absicht. Ich sollte mich wohl eher bei Jack entschuldigen, denn meine Worte haben ihn wohl persönlich getroffen und das habe ich nicht beabsichtigt.“ Bahadur seufzte und sah Jack an. „Es tut mir leid, wenn ich dir das Gefühl gegeben habe, das ich euch verurteile. Ich möchte euch nur verstehen.“

Jetzt machte der Geologe doch große Augen und wirkte verwirrt, was Leander fast ein Grinsen abrang. „Äh“, machte Jack und nickte. „Danke, aber nicht der Rede wert“, versuchte er abzuwiegeln. „Es ist nun einmal ein dunkler Fleck auf unserer weißen Weste. Aber wir sind nicht wie sie. Für uns war es der letzte Schritt vor dem Abgrund, für sie ist es Spaß am Spiel. Wir sind keine Heiligen, aber wir sind nicht wie sie.“

Bahadur nickte und lächelte leicht. „Wir sind auch keine Heiligen. Jeder hat Dinge in seiner Geschichte, auf die er nicht stolz ist. Das ist doch vollkommen normal. Wir sind gerade dabei, uns kennen zu lernen und wenn wir ehrlich zueinander sind, wird es leichter.“

„Das hoffe ich auch“, sagte Leander und auch Jack schien sich allmählich wieder versöhnen zu lassen. Doch die Wunden und die Erinnerungen saßen tief. Er wusste, was alles versucht worden war, ehe man zum letzten Mittel gegriffen hatte.

Akuma las sich weiter in die Berichte ein, doch er packte alles beiseite, als sie das Schott erreichten. Sie waren gleich da.

26 

Wie selbstverständlich half Bahadur wieder Jacks Kisten zum Boot zu tragen. Es war eine weitere Entschuldigung an den Geologen. Aber nicht nur das, es lenkte ihn ab und so hatte er seine Nervosität besser im Griff. Er war noch nie in einem Boot gefahren und er war gespannt, was sie alles zu sehen bekamen. 

„Jungs, wie sieht’s aus?“ Leanders erster Weg führte nicht in ihr Boot, das startbereit angedockt lag, sondern zu seinen Mechanikern. Ewan und Adrian folgen ihm, denn auch Moles beteiligten sich am Check der Maschinen. Sie hatten einen Vorteil, das Schmieröl war auf dem Fell nicht zu sehen – im Gegensatz zu Jeremy, der ebenfalls fast aussah wie ein Mole und zur Hälfte in einer Luke klemmte, fluchte, von Alec Werkzeug verlangte und dann noch tiefer verschwand.

„Jerry will auch so ein kleines Boot zum spielen“, erklärte Thom, der mit Laster gerade an einem PC stand, den er mit dem Schiff gekoppelt hatte, um die Speicher und elektronischen Baueinheiten zu prüfen.

„Ist das so?“, grinste Leander. „Wenn Jerry hinkriegt, dass wir das Boot unbedenklich nutzen können, dann darf er spielen so viel er will.“ Leander hatte Vertrauen in seine Leute und ging davon aus, dass sie die Boote klar bekamen. „Wie weit seid ihr denn nun?“

„So wie es aussieht, scheinen sie nicht sabotiert worden zu sein.“ Thom wirkte erleichtert. „Keine Schadprogramme, keine Bomben. Allerdings standen sie wohl so lange herum, dass sie eingerostet sind. Wir müssen die Mechanik wieder in Gang bringen, ein paar Teile frisch machen und dann mal sehen. Archiaon wühlt gerade in seinem Kopf, ob es einen Code für Probefahrt gibt. Dass wir das Dock verlassen können und dann nach einer kleinen Testrunde wieder hier anlanden. An sich logisch aber mit der Eingabe der Zielcodierung klappt das in diesem Fall nicht. Auch das Wechseln des Kurses auf See lässt das System nicht zu. Mal sehen wie wir sie prüfen können!“

„Das sind doch mal gute Nachrichten.“ Bahadur und Akuma waren ebenfalls zu ihnen gekommen und hatten alles mitbekommen. „Ihr könnt so lange hier bleiben, wie ihr braucht. Wenn ihr etwas benötigt, wendet euch an Tarek. Er wird alles besorgen, was notwendig ist.“ Das war alles schon in die Wege geleitet worden.

„Ein paar Ersatzteile haben wir dabei, allerdings werden sie nicht passen. Wir haben aber ein bisschen geschnüffelt“ – Thom grinste frech und wippte rhythmisch mit den Augenbrauen – „und siehe da: hinter einer der gut getarnten Türen liegen auch hier ein paar Ersatzteile, die in eure Boote sicherlich besser passen als unsere.“ Er deutete mit einem Daumen auf die offenen Türen, die geschlossen von der Wand fast nicht zu unterscheiden waren und mit einem Finger auf das Zeug, um das die Moles standen und es Alec reichten, wenn Jerry danach brüllte.

„Das ist doch ein guter Anfang.“ Bahadur fand es spannend, den Technikern zuzusehen, aber sie mussten langsam los. „Vielleicht sollten wir versuchen selber Ersatzteile herzustellen. Wenn wir die Boote demnächst benutzen wollen, dann wäre das sinnvoll.“ Darum sollte sich Tarek kümmern, während sie weg waren.

„Ich glaube Jerry und Alec kriegen das schon in den Griff“, sagte Leander und wünschte seinen Jungs noch viel Spaß und viel Erfolg. „Wenn was ist, kontaktiert Erdogan.“ Auch die Moles verabschiedeten sich und traten zum startklar gemachten Boot. „Alles verstaut, wir können starten, wenn ihr so weit seid, Prinz“, sagte Leander, doch er wollte sowohl Bahadur als auch Akuma die Zeit geben, die sie brauchten. Sie waren nicht an das Auslaufen mit der Flut gebunden, sie lagen tief genug um vom Tidenhub unabhängig zu sein.

Bahadur sah kurz zu Akuma und nickte. „Wir können los.“ Ihre Sachen waren verstaut und es gab nichts mehr, was noch erledigt werden musste. „Na dann“, Leander deutete auf das offene Schott und ließ seinen Gästen den Vortritt. Sich neugierig umsehend, betrat Bahadur nach Akuma das Boot und war erstaunt. Die Bahn war schnörkellos und funktionell eingerichtet gewesen. In dem Boot war es anders. Es war sehr luxuriös eingerichtet, mit weichen Teppichen und Holzvertäfelungen.

„Hier lang“, lotste Leander gleich weiter auf die Brücke. „Ich gehe mal davon aus, dass ihr beim Auslaufen was sehen wollt.“ Er zog sich die Jacke aus und startete die Maschinen. Über Lautsprecher erklärte er, dass das Schiff in fünf Minuten verriegelt würde. Wer noch mit wolle, sollte sich beeilen.

Akuma trat an das riesige Fenster und blickte hinaus in die Dockanlagen zu ihren Männern. „Erstaunlich“, murmelte er und tippte gegen das Glas. Es war wirklich Glas. „Und das hält dem Wasserdruck stand?“

„Bisher schon – mal sehen wie lange“, lachte Adrian und machte sich kichernd davon, als er den Soldaten knurren hörte. Schließlich war der auch ohne Waffen tödlich, lieber nichts riskieren!

Bahadur schmunzelte von Akuma ungesehen. Bisher hatte außer ihm noch niemand gewagt, so mit dem General zu reden, aber er fand das tat seinem Freund ganz gut. „Und das läuft jetzt alles ganz automatisch, wenn du den Code eingegeben hast?“, fragte er neugierig und stellte sich neben Leanders Sitz.

„Ja, ich habe das anfangs auch nicht geglaubt. Dabei mussten wir zwangsläufig die Boote nutzen, als wir Meodin retten wollten“, erklärte er und ließ das Boot verriegeln, alle auf den Start vorbereiten und gab dann den Code nach Neo New York ein. „Bis dahin wussten wir nicht, dass es die Boote gab. Jemand von Atlantis rief uns an, wir müssten Meo holen, er würde die Atmosphäre nicht vertragen. Das war Archiaon und er wusste auch um die Boote. Er hat uns von Atlantis aus gezeigt, wo sie stehen und wie wir sie nutzen können. Wohl war mir bei der ersten Fahrt nicht, aber die Angst um Meo überwiegte alles.“ Leander sprach leise bei der Erinnerung an die Zeit. Sie hatte sie alle ein wenig verändert, am meisten aber Meodin.

„Dieser Meodin scheint sehr wichtig für euch zu sein. Du lächelst, wenn du von ihm redest. Ich bin wirklich gespannt auf ihn.“ Bahadur sah das Licht im Becken angehen und hielt sich an dem Sitz fest, als ein Ruck durch das Schiff ging, als die Klammern sich endgültig lösten. Langsam löste das Boot sich aus seiner Position und mit jedem Meter, den es zurück legte, sank es tiefer.

„Ja, Meo ist etwas besonderes. Nicht nur weil er einmalig ist, sondern weil er ist wie er ist. Es ist erstaunlich, wie schnell er lernt, wie viel er aufnimmt. Und Erdogan … na ja …“ Leander grinste schief. „Euer Interesse an Meo sollte nur rein wissenschaftlich sein, wenn du verstehst, was ich meine.“ Er lachte leise.

Akuma stand noch immer vor dem großen Panoramafenster und beobachtete, wie das Schott angestrahlt wurde, wie es sich langsam öffnete und dahinter die unendlichen Weiten des Ozeans vor ihnen lagen.

„Oh, danke für die Warnung“, lachte Bahadur und grinste. „Dann sind er und Erdogan also ein Paar?“ Er wurde richtig neugierig auf Meodin. „Sag mir, wenn ich zu neugierig bin. Ist das bei euch normal, dass sich gleichgeschlechtliche Paare bilden? Bei uns gibt es das auch und wird akzeptiert, aber es ist recht selten.“

Leander blickte neben sich und lachte leise, ehe er nickte. „Wir haben kaum Frauen, Bahadur. Deswegen ist es bei uns normal, dass auch Männer sich finden. Bis auf Daniel, unseren Arzt, leben alle in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Er ist einer der wenigen, der nicht nur eine Frau sondern auch einen Sohn hat. Aber ich kann nicht sagen, dass ich mit meinem Partner deswegen weniger glücklich wäre.“ Und den anderen ging eben ebenso.

„Da hätte ich auch selber drauf kommen können.“ Bahadur grinste. Er wollte noch etwas sagen, aber gerade fuhr das Boot in den Tunnel und er sah sich neugierig alles an. Er stellte sich neben Akuma. „Aufregend nicht?“, murmelte er und lehnte sich näher an die Scheibe, um besser sehen zu können. Seine Augen wurden groß, als sie den Tunnel verließen und er zum ersten Mal die Unterwasserwelt sehen konnte. Fische schossen durch das Wasser und zogen gleich seinen Blick auf sich.

„Faszinierend“, sagte Akuma leise und beobachtete weiter alles, was er mit den Augen erfassen konnte. „Ich frage mich, wie das ist, auf dem Meeresgrund zu leben – unter einer Kuppel über der ständig Wasser lastet, immer in der Angst, die bricht irgendwann zusammen, aber immer diesen Ausblick vor Augen. Das wäre genau das Gegenteil unserer Urwaldkuppeln“, überlegte er, „wir haben die Natur eingeschlossen und dort wäre die Natur ausgeschlossen.“ Allmählich wurde ihm die Unwichtigkeit seiner eigenen kleinen Existenz bewusst, in dieser Weite, die von ihm noch nicht einmal Notiz nahm.

„Ja, das ist wirklich faszinierend. So viel Leben um uns herum, von dem wir gar nichts wussten.“ Bahadur konnte sich nicht von der Scheibe lösen, weil immer wieder etwas Neues in sein Blickfeld kam. Bisher waren die Ozeane für sie vollkommen unerreichbar gewesen und er begriff langsam, was für Möglichkeiten sich ihnen öffneten, weil die Neo New Yorker zu ihnen Kontakt aufgenommen hatten. 

„Aber wir werden es kennen lernen und wir werden das Wissen nutzen können zum Wohle unseres Volkes“, sagte Akuma, wandte sich aber um, als er hinter sich Schritte hörte. Leander hatte sich erhoben.

„So, das Baby macht jetzt, was es will, lässt sich von uns eh nicht lenken. Ich bin dafür die Kabinen zu beziehen und dann treffen wie uns in der Offiziersmesse. Connor ist für die nächsten drei Tage unser Smutje und er stellt die Regeln auf. Es wäre besser, sie zu kennen und zu beherrschen. Wir hatten schon Prinzen, die hungern mussten, weil sie sich nicht dran gehalten haben.“

„Das ist keine Option. Akuma ist nicht zu ertragen, wenn er hungrig ist“, lachte Bahadur, machte aber, dass er schnell aus Akumas Reichweite kam. Er fühlte sich vollkommen aufgedreht und er musste etwas tun, da war ihm eine kleine Besichtigungstour durch das Schiff gerade recht und etwas zu essen, konnte er auch gebrauchen. 

„Also gut, alles mir nach. Ich mach die Führung“, entgegnete Leander und blickte sich um. Er war mit den Gästen allein. Alle anderen hatten sich entweder in ihre Kabinen verzogen, oder etwas zu tun. Er griff sich eine der Taschen. „Am besten gehen wir als erstes in den Kabinentrakt. Dort könnt ihr die Taschen abwerfen, euch Zimmer aussuchen und dann starten wir die Tour. Oder ist der Hunger zu groß, dann überfallen wir erst Connor.“

„Lass uns erst die Taschen los werden, oder Aku?“ Bahadur wollte seinen Freund nicht übergehen, der war sowieso schon wieder so still, seit ihrer Diskussion in der Bahn. Darum sah er sich zu dem General um und lächelte. 

„Ist mir auch recht“, erklärte er und nahm seine Tasche an sich, die immer noch an der Tür stand. Der Rucksack war schnell aufgesetzt und so folgte er Leander und Bahadur. Sie gingen durch einen Flur, Leander erklärte die abzweigenden Türen, öffnete einige davon, um etwas zu verdeutlichen und trat dann in einen Aufzug, der sie zwei Etagen tiefer brachte. Dort waren die Kabinen untergebracht. „Schallisoliert, damit die Geräusche aus dem Maschinenraum nicht die notwendige Nachtruhe stören“, erklärte er und öffnete zwei sich gegenüberliegende Türen. „Eure Kabinen.“

„Eine reicht. Akuma und ich können uns eine Kabine teilen“, sagte Bahadur schnell und nahm Akuma und Leander die Rucksäcke ab. Er stellte sie in der Kabine ab und sah sich kurz um. Das war mehr als ausreichend Platz für sie beide befand er.  „So und jetzt zur Kombüse, ich habe Hunger“, wechselte er das Thema und kam wieder zu den anderen.

Akuma hob eine Braue und schmunzelte in sich hinein. Er hätte nicht erwartet, dass Bahadur so offensichtlich darauf bestand, dass sie das Einzelbett – wenn auch ein breites – teilten. Nun, ihm sollte es recht sein, er hatte Bahadur ganz gern bei sich, nicht nur wegen ihrer Entspannungsübungen, auch die Gespräche halfen ihm vieles besser zu verstehen.

„Sollte er trinken müssen, ist es besser, wir sind im gleichen Raum“, flunkerte er also ein bisschen, weil er merkte, dass es Bahadur unangenehm gewesen war, die eine Kabine abzulehnen. Und Leander, der eben noch dreckig hatte grinsen wollen, nickte verstehend. „Ach so. Die Konserven sind im Kühllager, können wir gleich auch noch hin gehen.“

„Ja, das wäre gut“, sagte Bahadur schnell und drückte kurz Akumas Hand, als Leander wieder vor ihnen ging. „Danke“, formte er lautlos mit den Lippen und lächelte. Das Akuma für ihn in die Bresche gesprungen war, hatte ihn überrascht und verbreitete ein warmes Gefühl in seinem Inneren. Vor noch gar nicht so langer Zeit, wäre das undenkbar gewesen. „Akuma ist gerne auf alles vorbereitet.“

„Ich habe von einem General nichts anderes erwartet. Du kannst dir gern auch den Bauplan auf deinen Palm ziehen, wenn du willst.“ Sie durchwanderten das Schiff, besuchten die Kühleinheiten, den Maschinenraum, den Lagerraum für Großtransporte und die Ausstiegsluken. Dann aber verschlug es sie endlich nach oben an die Futterquelle, wo Adrian und Ewan schon saßen und sich gegenseitig bestahlen. Hinter der Theke knurrte Connor, dass jeder, der den Boden dreckig machen würde, ihn sauber lecken müsste.

Bahadur zog sofort den Kopf zwischen die Schultern. „Prinzen eingeschlossen?“, fragte er grinsend und musste laut lachen, als es wie aus der Pistole von Connor geschossen kam, dass das ganz besonders für Prinzen galt und für Mole-Anführer und Mole-Wissenschaftler. „Gut, was sollte ich noch vermeiden, damit ich nicht von der Essensausgabe ausgeschlossen werde?“, frage Bahadur noch schnell. Leander schien nicht übertrieben zu haben.

Erst als er die fremde Stimme wahrnahm, sah Connor von den samtschwarzen Delinquenten am Tisch auf und blickte die Neuankömmlinge an. „Es gibt Öffnungszeiten, an die man sich halten sollte, wenn man was haben will, und wenn ich auch nur einen einzigen unautorisiert in meiner Küche erwische, gibt’s Feuer unterm Arsch und warte, ich bin noch nicht fertig“, bremste er Bahadur, der schon etwas entgegnen wollte. „Und wenn ich rausbekomme, dass einer im Lager klaut oder auf der eigenen Bude kocht, dann gibt’s nicht nur Feuer unterm Arsch, dem röste ich die Nüsse!“

Bahadur verzog das Gesicht. „Okay, das werde ich also nicht tun, versprochen.“ Er hob eine Hand, um sein Versprechen zu bekräftigen. Connor war ein Riese und er konnte verstehen, dass die Menschen sich nicht mit ihm anlegen wollten. „Wie sind denn die Öffnungszeiten, damit ich nicht vor verschlossenen Türen stehe.“

„Steht draußen dran, aber für Staatsgäste rezitiere ich die gern auch frei“, sagte Connor, zufrieden, dass der Prinz zumindest versuchte, sich an die Spielregeln zu halte. Und da er kein Seepferdchen hatte, das ständig Unsinn oder Blödsinn machte, war die Gefahr hoffentlich gering, dass es mit Bahadur ähnlich turbulent wie mit Erdogan wurde.

„Frühstück für den Wachwechsel von fünf bis sechs. Reguläres Frühstück von acht bis neun.“ Das hatte sich so eingebürgert, weil die meisten nach dem Aufstehen sowieso erst trainierten, ehe sie frühstücken gingen. „Warmes Essen gibt es von zwölf bis drei, damit der Wachwechsel auch noch was von hat. Abendessen von fünf bis elf. Für alles was dazwischen Hunger hat, gibt’s neben der Tür den Snackautomaten.“ Er deutete mit einer Kralle nach draußen. Das war eine Neuerung, seit er ständig Leute an Bord hatte, die die Uhr nicht lesen konnten oder die lieber erst mal andere Dinge machten, ehe sie ans Essen dachten.

„Danke, Connor.“ Bahadur sah auf seine Uhr. Es war kurz vor eins, also lagen sie noch in der Zeit. „Können wir noch etwas haben?“, fragte er trotzdem nach, denn die Ansprache hatte ihn doch etwas verunsichert und es sich gleich mit dem Koch zu verscherzen, war keine gute Idee, wie er aus eigener, leidlicher Erfahrung wusste.

„Sicher – kommt mit und guckt in die Töpfe und Pfannen, was ihr haben wollt. Getränke sind im Kühlschrank da drüben oder Kaffee im Automaten daneben.“ Connor warf sich – wie er es in alten Filmen gesehen hatte - sein kariertes Handtuch über die Schulter und ging zurück in seine Küche, während Adrian und Ewan leise kicherten. Leander setzte sich zu ihnen. Er hatte noch keinen Hunger, liebäugelte aber mit einer kalten Cola.

Bahadur und Akuma setzten sich nach einer Weile zu ihm und den Moles. Sie hatten sich ihre Teller gefüllt. Alles hatte sehr lecker ausgesehen, so dass er sich schlecht hatte entscheiden können. Es sah auch nicht nur lecker aus, sondern war es auch, wie er nach den ersten Bissen feststellte. „Habt ihr hier auch einen Trainingsraum?“ fragte er. „Ich befürchte, bei dem leckeren Essen, werde ich dringend Bewegung brauchen.“

„Hat Leander euch den nicht gezeigt? Nur weil er selber da nicht hin geht, unterschlägt er den immer“, neckte Adrian und der Soldat knurrte. „Dich werden wir noch mal aus deinem Labor frei eisen“, entgegnete er und deutete auf Ewan. „Er nimmt euch gern mit. Ist auf der Ebene vom Lagerraum“, entgegnete Leander einsilbig. Er trainierte dort wirklich nicht gern, er lief lieber seine Runden durch das Schiff. Da kam er besser zum nachdenken.

„Gerne, aber Akuma darf noch nicht trainieren. Ihr müsst mit mir Vorlieb nehmen.“ Bahadur wusste, dass das an Akuma zerrte. Er war es gewohnt sich jeden Tag auszupowern und so langsam fiel ihm die Decke auf den Kopf, das konnte er deutlich spüren. Da konnten auch ihre täglichen Entspannungsübungen nicht viel helfen. „Er könnte mit mir etwas durchs Schiff laufen. Noch nicht rennen, nur ein bisschen laufen“, schlug Leander vor, der deutlich gesehen hatte, wie sich Akumas Gesicht bei dem Thema versteinerte. Er war ein Soldat durch und durch und litt mittlerweile unter Lagerkoller. Das war offensichtlich.

„Gerne. Normales laufen ohne Belastung macht keine Probleme, aber ich kann mich wenigstens etwas bewegen“, sagte Akuma. Auf dem Schiff würde er nicht viel zu tun haben außer lesen. Da kam ihm der Vorschlag von Leander sehr entgegen. „Ich kann dir nach dem Essen den Rundparcours zeigen, den ich mir zusammen gestellt habe, du kannst aber auch jeden anderen Weg laufen, der dir in den Sinn kommt.“

„Wenn er will, kann er ja auch aufs Laufband vor dem Panoramafenster im Trainingsraum“, schlug Adrian vor. Das nutzte er gern, ein bisschen laufen und gucken, was der Ozean so zu bieten hatte. Wenn das Licht der Außenscheinwerfer angeschaltet war, sahen sie oft Fische.

„Ja, das ist bestimmt eine gute Idee. Ich werde es auf jeden Fall nutzen.“ Bahadur freute sich schon darauf sich körperlich zu betätigen. Er hatte schon befürchtet, dass er die nächsten drei Tage keine Gelegenheit zum Training gehabt hätte. „Wenn du Zeit hast, mir den Weg zu zeigen, sag Bescheid.“

„Ja, sicher. Bin sowieso fertig.“ Ewan schob seinen leeren Teller von sich, was Connor sah und auffällig unauffällig auf die Geschirrrückgabe deutete.

„Ja doch, Sklaventreiber!“, knurrte der große Mole, doch Connor, der seine Gewichtsklasse war, ließ sich davon nicht beirren. Er erzog seine schwarzen Schäflein mittels Erpressung und Nahrungsentzug und fand, dass das sehr gut funktionierte. Sie hatten schon viel gelernt, er musste kaum noch was sagen.

„Aber iss erst mal, der Raum rennt nicht weg.“

„Außer Leander sprengt ihn weg“, sagte Adrian mit erhobenem Zeigefinger und Leander hustete ertappt.

„Was soll das denn? Meine Güte, das war damals nicht meine Schuld. Jemand hatte das Ding nicht richtig gewartet und als ich drauf stieg und losradelte ist der Motor explodiert. Ich war das nicht!“

„Da Leander ja eben gesagt hat, dass er mit Akuma durch die Gegend laufen will, sind wir wohl sicher.“  Bahadur aß auf und stellte seinen Teller in die Geschirrrückgabe, was Connor mit einem wohlwollenden Knurren quittierte. Bahadur lächelte und drehte sich zu Ewan. „Wegen mir können wir los.“

„Geht – und schlaft ab heute mit offenen Augen mit dem Rücken an der Wand lehnend“, knurrte Leander. Er war auf die Aktion nicht stolz gewesen und er hatte geglaubt, sie wären alle darüber hinweg, doch dem war wohl nicht so. „Sorry, ich konnte nicht widerstehen“, erklärte Adrian reumütig, grinste aber und die Augen funkelten. Er sah den beiden nach, die sich aus dem Staub machten.

Bahadur und Ewan waren schon in ein Gespräch vertieft, so dass sie nicht mehr zurück sahen. Bahadur wollte mehr über die Moles und ihre Geschichte erfahren und da er jetzt einen ganz für sich allein hatte, nutzte er das gleich aus. „Ihr kommt sehr gut miteinander aus, wenn man euren Umgangston hört und wie ihr euch gegenseitig aufzieht. Ihr vertraut euch.“

„Das müssen wir“, sagte Ewan und blickte neben sich, als sie die Treppen nach unten stiegen. „Wir haben schon gegen die Gottgleichen aufgemuckt, als wir Erdogan und seine Truppe noch nicht kannten. Ein Abtrünniger namens Odin hat uns ausgebildet, uns unterrichtet und uns alles gelehrt, was wir brauchen. Bei einem Raubzug sind wir auf Erdogan und seine Leute gestoßen und irgendwie kam es dazu, dass wir festgestellt haben, dass wir das gleiche Ziel haben. Das verbindet“, begann der Mole und deutete nach links, damit Bahadur abbog und nicht von Ewan über den Haufen gerannt wurde.

Bahadur folgte der Aufforderung und bog ab. „Dann war euer Zusammentreffen also vollkommen zufällig und nicht geplant. Genauso, wie sie durch Zufall von uns gehört haben und neugierig wurden.“ Er ließ sich  in einen großen Raum dirigieren, der mit Sportgeräten bestückt war. Nicht so gut ausgestattet wie Akumas Trainingsraum Zuhause aber durchaus ausreichend. „Hier lässt es sich aushalten.“ 

„Japp, für kurze Aufenthalte durchaus zu gebrauchen“, sagte Ewan und schloss die Tür hinter ihnen. Er machte das Licht an, aktivierte die Lüftung und die Bildschirme, um die Idylle eines Waldes zu erzeugen und blickte dann wieder auf den Prinzen. „Sie behandeln uns gleichwertig und nicht wie Tiere, sie vertrauen uns ihr eigenes Leben an und sie tun alles, um das Serum für mein Volk zu entgiften. Sie sind nicht nur Verbündete, sie sind Freunde.“

„Das merkt man.“ Bahadur ging die einzelnen Geräte ab und beschloss sie gleich einmal zu versuchen. „Ich würde gerne gleich trainieren. Hast du Lust? Ich zieh mich nur schnell um.“ 

„Klar, warum nicht. Erzähl es nur nicht Adrian“, murmelte Ewan und blickte den Prinzen offen an. Sein Freund sah es nicht gern, wenn Ewan gleich nach dem Essen trainierte, weil er dann immer gleich übertrieb und das für die Verdauung bestimmt nicht gut sein konnte. So verließen sie den Raum wieder und gingen zu den Kabinen.

Fünf Minuten später war Bahadur wieder im Trainingsraum und ging zum Laufband. Schließlich hatte Adrian ja gesagt, dass er dort Fische sehen konnte, wenn die Scheinwerfer an waren. Im Moment sah er nur Schwärze, sie fuhren wohl so tief durch das Wasser, dass kein Licht mehr bis hierhin reichte. Er machte sich kurz mit der Bedienung vertraut und lief los. Erst einmal langsam zum aufwärmen.

An einem anderen Gerät machte der Mole Ruderbewegungen, um sich aufzuwärmen. Sie schwiegen, doch das war hier normal. Wer hier her kam, der wollte für sich sein, seinen Gedanken nachhängen und der wollte trainieren. Wenn sie quatschen wollten, trafen sie sich in Connors Eck, wie sie die Kombüse scherzhaft nannten.

Nach einer halben Stunde wechselten sie die Geräte, während Bahadur an die Hanteln ging, setzte sich Ewan an den Butterfly. Nach vier Stunden allerdings schritt über alle Monitore im Raum der Arzt ein. Ewan und Bahadur erschraken sich ganz gehörig.


27 

„Adrian“, japste Ewan und deutete auf Bahadur, der in Angriffsposition mitten im Raum stand und wohl erwartete, angegriffen zu werden.

„Ups“, machte Adrian und kicherte. „Tut mir leid, aber ihr macht jetzt trotzdem Schluss“, bestimmte er und Bahadur entspannte sich wieder.

„Warum das denn? Ich bin gerade erst warm geworden.“

„Weil ich als leitender Schiffsarzt das sage. Vier Stunden habt ihr jetzt wie die Wahnsinnigen gepowert. Ich würde sagen, ihr gönnt den Muskeln jetzt ein bisschen Ruhe.“ Und schon war das Bild wieder erloschen.

„Mediziner, was wissen die schon“, knurrte Ewan, wusste aber, dass es immer besser war, Adrian nicht zu widersprechen. Er hatte fiese Spritzen und scheute sich nicht, diese auch gegen renitente Moles anzuwenden.

„Das wird lustig, wenn er auf Akuma trifft, wenn der wieder trainieren darf. Bei dem sind acht Stunden keine Seltenheit.“ Bahadur streckte sich und trank einen Schluck Wasser. „Dann lass uns aufhören. Ich möchte nicht, dass unser Bündnis damit beginnt, dass ich euren Arzt verärgere.“

„Ach, wir haben noch ein paar“, wehrte Ewan ab und zuckte, als es aus dem Mikrofon knisterte, das man das gehört hätte. Ewan zuckte die Schultern, er würde das schon ausbügeln. Doch dann sah er Bahadur wieder an. „Euer General lebt nur für seinen Job, oder?“, fragte er und das mit Neugier. Er hatte sich bei Akuma schon etwas in der Art gedacht. Er machte nicht gerade den Eindruck eines geselligen Typen. Dabei griff Ewan sich ein Handtuch und wischte sich trocken.

„Ja, das kann man so sagen. Akuma ist ein Vollblutsoldat. Er kennt nichts anderes seit seiner Kindheit. Es ist hart für ihn, jetzt zum Nichtstun verdammt zu sein. Das macht ihn verrückt.“ Bahadur setzte sich auf eine Bank und lockerte seine Muskeln. „Nächste Woche kann er wieder anfangen leicht zu trainieren. Das wird ihm gut tun.“

„Und wie der Zufall so will, kenne ich genau den richtigen Arzt, der dafür sorgen wird, dass er auch wirklich nur leicht trainiert“, sagte Ewan, wartete noch auf einen blöden Kommentar von Adrian, doch der schien das Interesse an ihnen verloren zu haben. Umso besser. „Ich muss gleich zur Wache, kommst du alleine zurück oder soll ich dich zu den Kabinen begleiten?“ Ewan hängte sich das Handtuch um den Hals und ging zur Tür.

„Geh ruhig, ich finde zurück.“ Bahadur winkte Ewan zu und überlegte, ob er noch ein wenig hierbleiben und wieder auf das Laufband gehen sollte, aber dann verwarf er das wieder. Langsam lief er zu seiner Kabine. Akuma war schon da und lag lesend auf dem Bett. Er hob noch nicht einmal den Kopf, als Bahadur das Zimmer betrat. Er war unzufrieden. Zwar hatte Leander sich die beste Mühe gegeben, aber Akuma war nun einmal kein großer Redner und kein sonderlich ausschweifender Gast. So war er ein paar Runden gegangen, doch das war nicht zufrieden stellend gewesen. Also hatte er sich zurückgezogen, um weiter zu lesen, was Erdogan ihm alles geschickt hatte.

„Was hast du gemacht?“, fragte Bahadur, während er sich auszog. Er musste unter die Dusche. Er drehte sich zu Akuma um, als er keine Antwort erhielt und runzelte die Stirn. „Was ist los?“, fragte er und kam näher ans Bett.

„Was. Werde. Ich. Wohl. Gemacht. Haben“, betonte Akuma jedes Wort und blickte Bahadur an. „Während du mal wieder Power losgeworden bist, habe ich weiter wie ein Bücherwurm hier herum gelungert und gelesen. Also entweder darf ich mich bald wieder richtig bewegen oder ich lasse mir Medikamente verschreiben.“ Und wer ihn kannte, der wusste, dass Akuma das ernst meinte. Es konnte sich nur noch um wenige Tage handeln, bis er richtig austickte.

„Okay.“ Bahadur wusste, dass Akuma am Abgrund entlang lief und das musste er unbedingt verhindern. „Ich dusche schnell und dann werden wir etwas dagegen tun, dass du durchdrehst.“ Was er da im Sinn hatte, konnte Akuma sich denken, als Bahadur sich zu ihm runterbeugte und feurig küsste. Doch er entzog sich, als Akuma ihn im Nacken packte und den Kuss noch vertiefen wollte. „Zwei Minuten“, knurrte der General ungeduldig, als Bahadur im Bad verschwand. Es war nicht groß und die Tür ließ er offen.

Er schaffte es nicht ganz in der vorgegebenen Zeit, aber er brauchte nur eine Minute länger. Dafür war er aber noch nicht richtig abgetrocknet und sein Haar tropfte vor Nässe. Er schmiss sich neben Akuma auf das Bett und zupfte an dessen Shirt. „Du hättest auch schon mal vorarbeiten können, wenn ich mich schon so beeile.“

„Du tropfst mein Kissen nass, Prinz“, knurrte Akuma gespielt aufgebracht und grinste hinterlistig. „Ich glaube nicht, dass man dich dafür noch belohnen sollte.“ Entgegen seiner Worte zog er sich das Shirt aber trotzdem über den Kopf und rubbelte damit Bahadurs Haare etwas trockner. „So, besser!“, erklärte er zufrieden, als er das Shirt vors Bett warf. Jetzt musste er keine Sorge haben, dass ihm Wasser in die Augen lief, wenn Bahadur ihn küsste und dass er das tat, dafür sorgte Akuma schon, als er ihn fest auf sich zog.

Bahadur lachte leise, bis sich Akumas Lippen auf seine pressten und ihn fast verschlangen. Eine Weile ließ der Prinz sich dominieren, aber dann machte er sich los. „Du hast zu viel an“, knurrte er und setzte sich auf, um Akuma ganz auszuziehen.

„Du hast mich leider nicht wissen lassen, was du vor hast. Hätten wir noch einmal vor die Tür gemusst, hätte meine makellose Nacktheit bei den Wachen eventuell Fragen aufgeworfen“, erklärte Akuma, war aber mit Biegungen und Verrenkungen dem Prinzen behilflich, den störenden Stoff weiträumig zu entfernen. „Du musst mehr mit mir reden über deine Pläne, du weißt schon – Teambildung und so.“

Für diese kleine Frechheit wurde er in den Hintern gezwickt und Bahadur grinste fies. „Du weißt ganz genau, dass wir, egal was wir jetzt tun werden, ganz bestimmt nicht dieses Zimmer verlassen werden“, knurrte er dunkel und schob sich auf allen vieren über Akuma und leckte ihm dabei genüsslich über die Haut. „Was dachtest du denn, was wir jetzt tun werden?“

Akuma schloss kurz die Augen und drückte den Rücken durch, eine unwillkürliche Bewegung, um mehr von diesen heißen Berührungen zu bekommen. „Ich dachte, du willst mich auf einen Kaffee in die Offiziersmesse einladen, wo wir dann über den letzten Missionsbericht sprechen. Was glaubst … ha!“ Akuma öffnete die Augen, als er kurz Zähne spürte, ehe die heiße Zunge wieder über seinen Brustmuskel strich.

„Kaffee, so, so“, knurrte Bahadur, In seinen hellen Augen loderte ein Feuer, das der General sich wünschte und er grinste. So lange, bis sich wieder Zähne in sein Fleisch gruben und ein dunkles Knurren zu hören war. „Sag mir, was du willst“, wurde er gefragt und die heiße Zunge beruhigte seine malträtierte Brustwarze.

„Sorg dafür, dass ich nicht den Drang habe, vor Wahnsinn aus der Schleuse im Bauch den Schiffes zu springen“, flüsterte er leise und seine Finger gruben sich in Bahadurs Haar. Er dirigierte die wissende Zunge wieder zu seinen Lippen. Er musste mehr haben, drehte sich mit dem Colonel und brachte den Mann unter sich, ehe er sich nahm, was er brauchte und seine Finger wandern ließ. Unter Bahadurs Körper entlang.

Der Prinz versuchte es Akuma zu erleichtern, indem er seinen Rücken durchbog, während sie sich wild küssten. Er wusste, dass Akuma verrückt nach diesen leidenschaftlichen Küssen war und er teilte sie gerne mit ihm. Sanfte, verspielte Küsse mochte Bahadur genauso, aber dazu war Akuma meist nur bereit, wenn sie ausgepowert und schwer atmend nebeneinander lagen. In erster Linie war das, was sie teilten für den General ein Ventil, er durfte nicht kämpfen, durfte nicht laufen, nicht trainieren – es war seine Form, der überschüssigen Energie einen Kanal zu geben. Und so bot Bahadur ihm diesen, wissend dass er anschließend auch auf seine Kosten kam.

Akumas Hände wanderten über Bahadurs Hüften, strichen hart über die Haut am Bauch, an den Leisten und ab und an rutschten sie tiefer, streiften die krausen Haare und zupften daran.

Er wusste ganz genau, dass sich Bahadurs Hände dann fester in seine Haare gruben und er in ihrem Kuss fast verschlungen wurde. „Hör auf zu spielen“, knurrte der Prinz und wand sich unter Akuma. Der wusste nämlich genau, wo er dessen Hand spüren wollte. 

„Ich spiele doch gar nicht“, hauchte Akuma gegen Bahadurs feuchte Lippen. Wie aus versehen strichen seine Finger einmal über dessen ganze Länge, spürte die angehende Erregung und genoss den heißen Atem, den der Prinz vor Überraschung ausstieß. Akuma stöhnte leise, er wollte das wieder und so griff er fester zu, umschloss die ganze Länge und drückte vorsichtig.

„Ja“, stöhnte Bahadur und küsste ihn wieder wild. Mittlerweile wusste Akuma ganz genau, was er tun musste, um den Prinzen soweit zu bringen, alle Hemmungen zu vergessen und sich zu holen, was er brauchte. Seine Hand legte sich auf den Hintern des Generals und drückte ihn fester an sich. „Mach schon.“

Akuma grinste zufrieden und drückte sich mit seinem Schoss gegen Bahadurs Schenkel, ließ sein Becken intensiv reiben, während seine Finger anfingen, über die erhärtende Länge zu streichen. „Willst du es so?“, flüsterte er gegen Bahadurs Lippen, strich auf und ab, drückte immer wieder vorsichtig zu. „Oder so?“, wollte er wissen und holte sich seine nächste Belohnung.

Bahadur stöhnte leise und brachte sich Akuma entgegen. Akuma hatte in den letzten Wochen viel gelernt und mittlerweile stand er Bahadur fast in nichts mehr nach und er bereitete dem Prinzen genauso gerne Lust, wie dieser ihm. „Du weißt ganz genau, was ich will“, knurrte er und er knurrte leise. Dass sich dabei seine Eckzähne aus dem Kiefer schoben, merkte er noch nicht einmal.

„Ja, ich weiß es“, flüsterte Akuma rau und langsam glitt er an dem vibrierenden Leib tiefer. Seine Hand verwöhnte den Prinzen schnell, seine Lippen und seine Zunge aber suchten sich knabbernd und leckend ihren Weg über Kinn und Hals des Prinzen bis hin zur Schulter. Sein Atem ging ebenfalls schneller und so blies er immer wieder heiße Luft über die feucht glänzende Haut.

Er konnte die Schauer spüren, die durch den starken Leib gingen, als Bahadur sich  ihm entgegen brachte. „Küss mich“, verlangte der Prinz und zog Akuma hoch, so dass er seine Lippen in einem harschen Kuss einnehmen konnte. Akuma grinste zufrieden. Er musste zugeben, dass er es mochte, den Mann so willenlos unter sich zu haben. Doch er genoss die harschen Küsse, die pure Energie, die durch sie strömte. Noch nie hatte er die Kraft eines anderen so intensiv gespürt, wie bei Bahadur, wenn dieser sich unter ihm bog. Seine Hand aber liebkoste unablässig Bahadurs Schoß und er rieb sich an dessen Schenkel – er wollte Hitze, immer mehr Hitze!

Ohne den Kuss zu lösen, drehte sich Bahadur mit Akuma so weit auf die Seite, so dass er nicht mehr zur Untätigkeit verdammt war. Seine Hand strich über Akumas Seite und schloss sich fest um das heiße Geschlecht des Generals.

„Gut!“, stöhnte Akuma dunkel und gedehnt und legte den Kopf weit in den Nacken, um tief Luft zu holen. Sein Daumen aber spielte mit der Spitze von Bahadurs Penis. Er kannte dieses Körperteil mittlerweile besser als jedes andere an dem Colonel. Seine Augen blitzten, dann eroberte er wieder Bahadurs Lippen. Sein Leib brannte, er pulsierte – er brauchte mehr.

Bahadur wusste, wonach es Akuma verlangte und er gab seinem Freund gerne, was dieser brauchte. Er küsste sich über Akumas Hals und strich mit der Zunge über die pulsierende Ader. Es war verlockend seine Zähne in die Haut zu graben, aber Bahadur zögerte. Ohne Zustimmung durfte er das nicht tun. „Akuma“, flüsterte er heiser und atemlos. „Darf ich dich beißen?“

Doch der General reagierte nicht gleich, öffnete erst die Augen, als er spürte, dass die wissende Zunge ihn nicht mehr liebkoste. Verschleiert blickte er Bahadur an, ehe in seinen Geist sickerte, was der Colonel gefragt hatte. „Ich habe es dir erlaubt, jederzeit“, flüsterte er und ließ den Kopf schwer wieder nach hinten sinken. Er spürte seine Existenz sowieso nur noch in der Körpermitte.

„Danke“, flüsterte Bahadur und leckte noch einmal über die pulsierende Ader, bevor er seine Zähne in die weiche Haut versenkte und zu saugen begann. Es war schon viele Jahre her, dass er von einem lebenden Menschen getrunken hatte, darum traf es ihn relativ unvorbereitet, als das warme Blut seine Kehle herunter rann. Er stöhnte lustvoll, denn schlagartig stieg seine Erregung, als die Parasiten auf das Blut reagierten und Hormone ausschütteten. Nicht nur er wurde von ihnen überschwemmt, auch Akuma bekam sie, als eine Art Belohnung dafür, dass er sein Blut gegeben hatte und damit das Opfer still hielt, so lange der Vampir trank.

Schlagartig versteifte sich Akuma und wurde im nächsten Augenblick butterweich in Bahadurs Armen. Sein Körper vibrierte und glühende Lava pulsierte durch seinen Leib. „Mehr!“, raunte er dunkel und festigte seinen Griff um Bahadurs Geschlecht noch mehr. Seine Finger flogen nur so über das heiße Fleisch. „Mehr!“

Eigentlich brauchte Bahadur gar nicht so viel Blut, aber bei Akumas Bitte, konnte er sich nicht lösen, sondern biss noch einmal zu, damit ein neuer Schwall Hormone sie beide überspülen konnte. Das und die geschickten Finger trieben ihn  schneller auf den Abgrund zu, als sonst und er spürte, wie sich die Energie in seinem Schoß sammelte, bereit sich in einem heftigen Ausbruch zu entladen. Akuma musste es ähnlich gehen, darum strich Bahadur fester über das heiße Fleisch, um auch seinem Freund die ersehnte Erlösung zu bringen. Er spürte, dass er auf dem richtigen Weg war, als sich Nägel von Akumas freier Hand in seine Schulter gruben.

„Gut – so gut!“ stöhnte er und spürte seine Energien über sich zusammen schlagen – endlich! Mit einem lauten Stöhnen erleichterte er sich und reizte Bahadur ebenfalls so intensiv, dass dieser ihm folgte. Hastig suchte Akuma die fremden und doch so vertrauten Lippen.

Bahadur ließ sich einfangen und genoss es Akuma zu küssen, während die Wellen durch seinen Körper rasten. Er hatte seine Arme um seinen Freund gelegt und drückte ihn fest an sich. „Wahnsinn“, murmelte er atemlos, als sie den Kuss lösen mussten.

„Hm“, entgegnete Akuma nur. Er fühlte sich um einiges besser und ausgeglichener. Er grinste schief und stemmte sich auf die Ellenbogen, um Bahadur nicht mit seinem Gewicht in die Laken zu drücken. „Wahnsinn trifft’s ganz gut“, grinste er auf seinen Colonel hinab.

Bahadur zog Akuma wieder zu sich runter, denn er mochte dessen Gewicht auf sich. Vorsichtig strich er ihm eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht und lächelte. „Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, von jemandem zu trinken.“

„Wie gesagt, jederzeit“, sagte Akuma und rutschte mit seinem klebrigen Schoß etwas über Bahadur, grinste weil der etwas das Gesicht verzog. „Warum du allerdings duschen warst und wertvolle Wasserressourcen verschwendet hast, verstehe ich nicht. Du wusstest doch, auf was deine Spielchen hinaus laufen.“ Er gönnte sich noch einen Kuss, aber diesmal sanfter als zuvor.

Bahadur ließ sich küssen und streichelte Akumas Nacken. Er mochte den sanften  Akuma in den Minuten nach dem Sex, dann war er anschmiegsam und Bahadur durfte zärtlich zu ihm sein, was der Prinz sehr genoss. „Ich war mir nicht sicher, ob du mich so verschwitzt, wie ich war, nicht doch aus dem Bett geschmissen hättest. Da war es sicherer zu duschen, auch wenn ich nicht lange sauber war.“

„Weiß nicht“, musste Akuma zugeben. Er schnupperte an dem verschwitzten Prinzen und grinste. „Aktuell riechst du lecker, weiß nicht ob das an dir oder dem Biss liegt.“ Er versuchte sich zu erinnern, doch außer an den himmlischen Rausch konnte er sich an nichts erinnern.

„Es hat dir also gefallen?“, wollte Bahadur wissen und leckte noch einmal über die zwei kleinen Rötungen, die nur noch zu sehen waren. In ein paar Stunden sah man von dem Biss gar nichts mehr. Das war vielleicht auch etwas, was die Neo New Yorker interessieren konnte. Sein Speichel heilte Wunden.

„Ja, war nicht übel“, musste Akuma gestehen und seine Hand glitt automatisch dort hin, wo er den Biss vorhin gespürt hatte und von wo eine Welle der Hitze und Energie in ihn geströmt war. „Ich hatte mal davon gehört, aber Worte können allerdings nicht annähernd das Gefühl wiedergeben“, gab Akuma zu und küsste Bahadur noch einmal. Er erkannte sich selbst kaum wieder, doch in Augenblicken wie diesen gefiel es ihm.

„Jederzeit wieder gerne. Allerdings sollten wir das nicht jeden Tag machen, sonst bist du bald blutleer.“ Bahadur schloss müde die Augen und zog die Decke über sie, denn es wurde kühl. „Aber es wäre schön, wenn ich auf die Blutkonserven verzichten könnte. Die schmecken nämlich gar nicht.“

„Was ist an denen anders?“, wollte Akuma wissen. Er selbst hatte schon Blut gekostet, wenn er sich geschnitten hatte und die Blutung an Finger oder Arm hatte stoppen wollen. Es war nicht nach seinem Geschmack, er musste das nicht haben. Deswegen konnte er sich auch nicht vorstellen, dass Blut unterschiedlich schmecken sollte.

„Das Blut in den Konserven ist schon einmal kalt. Das Blut das für die Konserven verwendet wird, kommt zwar bei der Abnahme nicht mit Sauerstoff in Berührung, so das es nicht oxidiert, aber der Geschmack verändert sich und nicht zum guten.“ Bahadur küsste Akuma auf die Bissstelle. „Dein Blut ist lecker.“

„Oh, ein Kompliment. Jetzt werde nicht romantisch“, grinste Akuma, ließ sich aber von Bahadur gleiten, weil er fürchtete, sie würden zusammen kleben, wenn die Sauerei zwischen ihnen anfing zu trocknen. „Aber wenn es dir schmeckt, trink von mir. Ich fühle mich zwar gerade etwas platt, aber wenn du das nicht gerade vor einer Mission machst, sollte das klar gehen. Ich habe keine Lust wieder unter irgendwas zu landen, was mich ins Krankenhaus befördert.“ Er versuchte sich zu strecken, ohne Bahadur dabei zu kicken.

„Du weißt, dass das etwas Besonderes für mich ist, dass du mich von dir trinken lässt?“ Bahadur machte etwas Platz, blieb aber so liegen, dass er Akuma ansehen konnte. „Ich werde nicht oft Blut brauchen und vor Missionen werde ich Konserven nehmen. Und es war kein Kompliment, sondern nur ein Feststellung, dass dein Blut lecker ist.“

Akuma lachte kehlig und ließ sich auf den Rücken fallen. Ihm gefiel das Bett, das für sie beide breit genug war, obwohl die Kabine nur für einen geplant war. Hier bestand nicht die Gefahr, dass Bahadur wieder über die Bettkante ging. „Wie auch immer“, murmelte er und streckte sich jetzt doch zufrieden. „Allerdings sollten wir duschen, sonst können wir nachher die Decke von uns schneiden, weil sie festgeklebt ist.“

„Japp.“ Bahadur stieg aus dem Bett und hielt Akuma die Hand hin. „Lass uns duschen, dann suchen wir noch was bei Connor zu essen und dann möchte ich mir das Schiff ansehen. Was hältst du davon?“

„Warum nicht. Was zwischen die Zähne könnte ich auch noch gebrauchen.“ Akuma ließ sich in die Senkrechte ziehen und rieb sich über den feuchten Bauch. Er hasste dieses Gefühl, aber alles vorher war extrem gut. Er grinste und nahm die Folgen eben in Kauf.

Im Bad verschwanden sie nach einander in der Dusche. Akuma war nicht der kuschelige Typ, auch wenn er manchmal das Gefühl hatte, Bahadur hätte nichts dagegen. Doch da konnte der General einfach nicht aus seiner Haut.

Sie kamen gerade noch rechtzeitig in die Kombüse um sich einen Snack zu holen, den sie verspeisten, während sie durch das Boot schlenderten.  Auf der Brücke trafen sie auf Leander, der in dem Sessel saß und nach draußen guckte. „Hallo“, sagte Bahadur leise, weil er den Soldaten nicht erschrecken wollte.

„Hallo ihr beiden“, Leander wandte sich um und hieß seine Gäste willkommen. „Seid ihr schon etwas heimisch geworden?“, wollte er wissen. Er hatte nicht viel Zeit gehabt, sich um die Gäste zu kümmern und das machte ihm ein schlechtes Gewissen. „Soll ich euch etwas zeigen oder erklären?“ Dabei bot er den beiden Sitze rechts und links von sich an.

„Wir haben gerade eine Runde gedreht. Das Boot ist riesig und sehr komfortabel.“ Bahadur ließ sich links neben Leander nieder. „Kannst du die Scheinwerfer anmachen? Die Wesen, die hier unten leben sind fantastisch.“

„Sicher“, sagte Leander und drückte ein paar Knöpfe. „Dann lasst uns ans Fenster gehen, da sehen wir mehr.“ Vor dem Schiff direkt vor dem Panoramafenster hatte sich ein Lichtkegel gebildet, der das schwarz um sie herum in fahlen Schein tauchte. Wie immer, wenn sie das Licht nutzten, lief eine Kamera für ihre Biologen mit. Akuma war der erste am Fenster, weil er sich nicht gesetzt hatte und klebte förmlich am Glas. Immer wieder huschte etwas durch das Licht. Mal schnell, mal langsam, mal groß, mal klein. Die bizarrsten Formen traten in den Kegel.

Bahadur beobachtete schmunzelnd Akuma, denn es war selten, dass der General so viel Interesse an etwas zeigte. „Mir ist heute etwas eingefallen, was wir nutzen und vielleicht euch von Nutzen sein könnte. Mit unserem Speichel können wir blutende Wunden schließen. Unsere Wissenschaftler haben auf der Grundlage ein Spray entwickelt, dass wir zur Wundversorgung nutzen.“

„Oh“, machte Leander völlig überraschend und blickte den Vampir an. „Meinst du mit schließen aufhören zu bluten oder richtig schließen“, wollte er wissen und Akuma schob seinen Kragen beiseite, wo die beiden Einstiche der Fangzähne nur noch leicht zu sehen waren. Er wechselte stumm einen Blick mit Bahadur, hoffend dass er nichts zu privates preisgab.

„Richtig schließen“, murmelte Leander ehrfürchtig und strich ohne nachzudenken über die roten Punkte.

Akuma stand stocksteif und Bahadur musste sich davon abhalten, Leanders Hand wegzuziehen, aber das wäre ein Fehler, denn Akuma würde wütend werden. „Wenn wir bei euch sind, kontaktiere ich meine Schwester, dass sie uns die Formel schicken soll“, lenkte er Leander ab, der sich auch gleich wieder ihm zuwandte.

„Unsere Wissenschaftler werden begeistert sein – allen voran Adrian!“ Leander konnte nicht fassen, was er eben gehört hatte. „Aber das hilft nur bei Haut, oder auch bei Fleisch? Knochen scheint es nicht heilen zu können, sonst wäre Akuma nicht so lange außer Gefecht gesetzt, oder?“, fragte Leander, schob aber gleich entschuldigend hinterher, dass man ihm sagen sollte, wenn er zu indiskret wurde.

„Nein, frag ruhig. Ich habe es angesprochen und es ist ganz klar, dass du mehr wissen möchtest.“ Bahadur konnte das verstehen, sie waren ja nicht anders gewesen. „Knochen heilt es nicht, wie du schon richtig gesagt hast. Kleinere Fleischwunden und Hautverletzungen sind kein Problem. Bei größeren Fleischwunden kann es auch eingesetzt werden, aber da muss dann in mehreren Schichten gearbeitet werden. Sehr effektiv ist das Spray bei Brandwunden.“

„Ah, verstehe“, sagte Leander und nickte. Sein Blick lag immer noch auf den roten Punkten an Akumas Hals. Für ihn war das alles noch nicht greifbar. Blut trinken zu müssen, um zu überleben. Das machte die Vampire doch angreifbar. „Habt ihr nie versucht, vom menschlichen Blut unabhängig zu werden? Es wäre für eure Feinde ein leichtes, euch auszuhungern, Bahadur“, sagte er leise, wissend dass er dem Prinzen da sicherlich nichts Neues sagte. Er zog seine Hände hinter den eigenen Rücken zurück und sah zwischen Bahadur und seinem General hin und her.

„Doch natürlich haben wir versucht, ob wir auch ohne Blut überleben können.“ Bahadur sah Leander an. „Allerdings sind bisher alle unsere Versuche gescheitert. Ohne das Blut sterben die Parasiten ab und wir können ohne sie nicht mehr überleben. Unser Organismus ist schon zu lange mit ihnen verbunden.“ Seit Jahrhunderten forschten ihre Wissenschaftler an diesem Problem. „Wir leben in einer Symbiose, die sich nicht mehr lösen lässt.“

Leander nickte verstehend. Umso wichtiger war es für die Jiang Shi stark und mächtig zu sein, damit sie gar nicht erst in die Defensive geraten konnten. So erklärte sich auch ihre Position und die Angst, die sie unter den Gottgleichen schürten. „Harter Weg“, murmelte er leise und blickte hinaus in den Lichtkegel des Schiffes, wo immer wieder glänzende Leiber vorbei schossen. Doch dann zuckte sein Kopf wieder hoch und er lächelte seine Gäste an. „Entschuldigt.“

„Du musst dich nicht entschuldigen, Leander. Wir verstehen, dass du auf uns genauso neugierig bist, wie wir auf euch. Jeder versucht den anderen einzuschätzen und je mehr man weiß, umso leichter ist es.“ Bahadur lächelte leicht. „Du hast Recht, es war ein harter Weg und oft haben wir unsere Symbiose verflucht, aber wir haben uns damit arrangiert, denn letztendlich sind wir durch sie so erfolgreich gegen unsere Feinde.“

„Stimmt, es macht euch zu dem was ihr seid“, sagte Leander und grinste dann. „Jetzt habe ich euch gelöchert. Ich gebe mich selbst jetzt auch zum Abschuss frei“, lachte er und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Glas, sah seine Gäste dabei fragend an. „Wollt ihr noch etwas wissen?“ Irgendwie hatte er gerade das Gefühl ein miserabler Gastgeber zu sein.

„Danke für das Angebot, aber im Moment habe ich keine Fragen. Die werden wohl erst kommen, wenn wir bei euch sind und wir dieses Observatorium sehen dürfen.  Mit der Eroberung dieser Einrichtung ist euch wirklich etwas Großes gelungen.“ Man hörte ehrliche Bewunderung aus seinen Worten heraus.

„Danke“, nuschelte Leander beschämt, „aber wie gesagt, es war ein Zufall, dass wir auf diese riesige, extrem gut ausgerüstete Anlage gestoßen sind. Wir hatten Hinweise und als wir eindrangen waren sie schon weg, hatten die Server gelöscht. Anfangs standen wir vor einem Berg Fragen. Erst durch unsere Freunde, die den Gottgleichen abgeschworen und die Anlage früher schon besucht hatten, haben wir all ihre versteckten Raffinessen entdeckt und können sie nach und nach nutzen. Die Boote zum Beispiel … ach das hatte ich schon erzählt. Und das unglaublich ausgerüstete Labor haben wir nur durch Odin entdeckt, der dort sein Leben lassen musste, weil…“ Leander brach ab. Es schmerzte immer noch, daran zurück zu denken.

„Vieles wäre ohne Zufälle nicht möglich gewesen. In unserer Geschichte gibt es viele davon. Mein Volk ist durch einen Zufall entstanden.“ Bahadur stellte sich zu Leander und sah nach draußen. Akuma schien völlig fasziniert von dem zu sein, was er dort sehen konnte. „In einer Höhle, die ein paar meiner Vorfahren durch Zufall fanden, wurden sie mit den Parasiten infiziert, die heute für uns so lebenswichtig sind.“

„Stimmt, auch Zufälle bringen uns weiter, aber ich fühle mich nicht so wohl dabei, wenn ihr voller Ehrfurcht davon redet“, lachte Leander. Er war eben nur Fußvolk und wusste sich nicht zu verkaufen. Er machte seinen Job und überzeugte damit. Für große Reden war sein Prinz zuständig, den er daheim angebunden hatte.

„Betrachtet die Tiefen, wenn ihr wollt, ich muss noch meinen Bericht fertig machen – sonst wirft mich mein Prinz seinem Seepferdchen vor die Füße, das ich daran gehindert habe, ein reisender Forscher zu sein. Ich möchte nicht sterben“, lachte er und ließ sich wieder in seinen Sitz fallen, klappte dabei das Pult aus.

„Du hast Angst vor ihm?“, fragte Bahadur amüsiert und lachte schließlich. „Er sah gar nicht furchterregend aus, sondern eher nett und ein wenig unkonventionell. Du als Soldat müsstest doch leicht mit ihm fertig werden.“

Leander schlitzte schlagartig die Augen und blickte den Prinzen an. „Du bekommst drei Stunden mit Meo an einem seiner schlechten Tage, an denen er mal wieder nicht machen durfte, was er wollte und dann mein Soldatenprinz, sprechen wir uns wieder!“ Dann lachte auch Leander und selbst Akuma blickte sich um, um einzuschätzen, ob die Worte des Neo New Yorkers ernst gemeint waren.

„Meodin etwas zu verbieten ist nicht ratsam und ich habe ihm verboten zu euch zu reisen, ihn in seinem Drang nach Erforschung, Eroberung und Neugierbefriedigung streng beschnitten – ich bin aktuell des Seepferdchens Staatsfeind Nummer eins.“ Und Leander hoffte, dass sich das gegeben hatte, wenn sie zurück waren und Meodin neue Leute erforschen konnte.

„Ups!“, kicherte Bahadur und lachte dann laut. „Kann es sein, dass dieser Meodin euch alle ziemlich gut im Griff hat? Wie hat er das geschafft? Du machst mich wirklich neugierig auf ihn.“ Dass das Seepferdchen in irgendeiner Weise zum Prinzen gehörte, hatte er verstanden, denn die beiden wurden fast immer zusammen erwähnt.

„Diese Behauptung kann ich so im Raum nicht stehen lassen, aber sie ist auch nicht falsch“, entgegnete Leander, war nach einem kräftigen lauten Start seiner Worte aber nach hinten hin immer leiser geworden. „Allerdings ist er extrem stur und mit seiner noch sehr naiven Art wächst er einem ganz schnell ans Herz. Deswegen lässt ihm vielleicht auch jeder fast alles durchgehen. Er ist erst ein paar Monate aus seinem Tank raus, muss noch viel lernen aber er ist wissbegierig.“ Er rief ein Foto auf, das das Trio Infernale zeigte, wie sie gerade im Aquarium aus dem Gras die Köpfe hoch streckten. „Hütet euch vor dieser Kombi da“, deutete Leander auf das Bild auf dem Monitor, „ihr werdet keine Chance haben gegen sie anzukommen.“

„Zwei Moles“, murmelte Bahadur und besah sich das Bild genau. „Du magst sie sehr, das merkt man an der Art, wie du von ihnen redest.“ Akuma war neben Bahadur getreten und der Prinz grinste. „Sag so etwas nicht, das mag mein General gar nicht, dass es etwas geben soll, gegen das er keine Chance hat.“

„Vielleicht hätte er körperlich eine Chance, keine Frage. Doch Meodin zu verletzen ruft den Prinzen auf den Plan und die kleinen Moles zu verletzen, ruft Ewan auf den Plan. Serum hin oder her das könnte unschön enden. Mit Worten allerdings ist den dreien nicht beizukommen, ab und an versuchen sie sich an Regeln zu halten. Manchmal klappt es, manchmal nicht.“ Leander seufzte, lachte dann aber. Es stimmte, er liebte die Racker, jeden einzelnen, sie machten die Tage sonniger auch wenn ihnen wieder ein Rückschlag nach dem anderen ins Genick gedonnert war. Diego aufwachsen zu sehen und zu sehen, wie Dylan zum verantwortungsvollen Mann reifte, wenn er nicht gerade mit den beiden Chaoten unterwegs war, oder auch Meodin zu erleben, wenn er seinen Job als Archivar machte, war herzerfrischend.

„Keine Sorge. Wir werden sie nicht verletzen.“ Bahadur sah noch einen Augenblick auf das Bild, dann wandte er sich wieder an Leander. „Sag mir, wenn ich zu neugierig bin und es mich nichts angeht. Sind euer Prinz und Meodin ein Paar? Sie werden fast immer zusammen erwähnt.“

Leander wiegte den Kopf, nickte dann aber. „Ja, schon. Meodin ist alles für unseren Prinzen und seit Meodin von seiner Entführung zurück war, hängt er noch mehr an Erdogan als vorher schon. Sie gehören also schon irgendwie zusammen. Nur ist Meodin noch sehr jung, muss noch vieles über Bindungen und Beziehungen lernen. Aber du kannst gern mit Erdogan darüber reden, wenn du möchtest.“

„Hm“, Bahadur dachte über die Worte nach und nickte. „Ich weiß nicht, ob das Prinz Erdogan recht wäre, wenn ich ihn auf so etwas Privates anspreche. Mal sehen, wenn sich die Situation irgendwann einmal ergibt und wir uns besser kennen, dann vielleicht. Es ist nicht wichtig, ich war nur neugierig.“

„Ihr habt immer das Recht zu fragen. Wenn euer Wissendrang zu weit geht, wird man euch das schon sagen. Aber …“ Leander stoppte, als er eine Nachricht von Thom bekam. Sie aßen oft zusammen, wenn es sich einrichten ließ und da Thom für die nächste Wache eingeteilt war, war er auf dem Weg zur Kantine. Das erklärte Leander und verabschiedete sich. Der Tag hatte sich dahin gezogen. Für die meisten war es Zeit sich ins Bett zu verziehen und den Tag ausklingen zu lassen.

Bahadur und Akuma blieben noch eine Weile auf der Brücke und sahen sich die Tiere der Tiefsee an. Die Artenvielfalt war faszinierend und so merkten sie erst, wie lange sie hier standen und wie spät es schon war, als Leander irgendwann zu ihnen kam und sie fragte, ob sie nicht langsam müde wurden. Darum zogen sie sich in ihre Kabine zurück und nachdem sie noch einmal in den Berichten gelesen und sich entspannt hatten, kehrte dort ebenfalls Ruhe ein.