Du befindest Dich hier: Geschichten > Weihnachten 2013 > Weihnachten 2013 - 03

Weihnachten 2013 - 03

3. Dezember

zwar nicht weihnachtlich, aber vielleicht ein kleiner Spaß für alle, die das Trio Infernale genau so gern haben wie wir... (spielt nach Terra3.0 - Zyklus 7)
ein Gruß von Britta und Fich

Outtakes 01 – Innere Ruhe


„Das habt ihr euch so gedacht“, knurrte Akuma als er auf dem Bett saß und die Schuhe über die Füße streifte. Er selbst hatte von Daniel noch die Auflage, keinen Kontaktsport betreiben zu dürfen, aber Bahadur war mit Ewan im Trainingsraum neben dem Lager verschwunden. Man hatte ihm angeboten mitzukommen und dort auf dem Hindernisparcours seine Runden zu absolvieren, doch darauf hatte er keine gesteigerte Lust. Er wollte jetzt seine Ruhe und suchte seine innere Mitte, die er seit seinem Unfall noch immer nicht wieder gefunden hatte. Doch wenn er um das kleine Wäldchen lief, dass sich ein paar hundert Meter weg vom Lager befand, dann war er immer auf einem guten Weg. Wenn er nach seinem Waldlauf versuchte zu meditieren war das um einiges einfacher und er fand auch seinen Balancepunkt wieder. Also wollte er auch heute wieder dort laufen gehen. Es war noch früh am Morgen und so hoffte er auf etwas Ruhe.

Er verließ sein Quartier und fing an zu laufen, als er aus dem Haus trat. In einiger Entfernung, konnte er zwei Stimmen hören, die sich unterhielten. Das mussten die Wachen sein, die durch die Kuppel patrouillierten. Akuma störte sich nicht an ihnen, sondern lief auf das Wäldchen zu. Die Bewegung tat ihm gut und er atmete tief durch. Ja, das tat gut! Er schloss immer wieder kurz die Augen, korrigierte nur, wenn er wusste dass eine Biegung folgen würde. So lief er immer am Waldesrand entlang. Das Waldstück war nicht groß, vielleicht dreihundert Meter im Durchmesser, doch es war dicht bewachsen, viel Unterholz. Man hatte den Wald nie kultiviert, sondern immer sich selbst überlassen und ohne den notwendigen Verbiss durch Wild wuchs der Wald sehr dicht. Akuma konnte es egal sein, er wollte nicht durchlaufen sondern drum herum.

Mit gleichmäßigen Schritten, lief er durch die Stille. Was er aber nicht ahnte, waren die drei Augenpaare, die ihn aufmerksam aus dem Dickicht beobachteten. Eines schwarz, wie die dunkelste Nacht und zwei dunkelbraun. Neugierig, folgten sie seinen Bewegungen und man hörte leises Flüstern.

„Ganz schön kräftig“, murmelte eine Stimme leise, dann ein Knacken, ein Knurren, dann leise unflätige Beleidigungen an jemanden, der vielleicht auf den Namen Blödmole hörte. Der Blödmole hingegen wollte sich gerade ereifern, da wurde auch er zischend zum Schweigen gebracht. Akuma hatte die Stimmen wahrgenommen, sich immer wieder umgesehen, doch er hatte nichts gefunden. Kurz war er stehen geblieben, hatte sich um sich selbst gedreht - doch nichts. Wahrscheinlich waren ein paar Tiere im Wald und sein ausgemergeltes Hirn spielte ihm Streiche.

So schüttelte er über sich selbst den Kopf und lief weiter. Er hatte noch ein paar Runden vor sich, ehe ihn Bahadur erwischte und bei Adrian oder Daniel verpetzte, weil er zu viel trainierte. Also musste er sich beeilen, damit er noch ein paar Runden schaffte, bevor er gezwungen war aufzuhören. Nur war das Laufen heute nicht so entspannend wie sonst, denn er fühlte sich beobachtet. Immer wieder drehte er sich um, konnte aber nichts sehen, außer ein paar sich bewegenden Blättern.

„Das ist doch bescheuert“, knurrte er sich selber leise an. Wer sollte ihn denn hier belauern? Und vor allen Dingen aus welchem Grund?

Wieder ein Knacken – ein Zischen – Ruhe.

Akuma holte tief Luft und lief weiter, es schien als wäre er angespannt und so versuchte er mit immer mehr Gewalt sich zu entspannen. Doch je mehr er es versuchte, umso weniger gelang es ihm.

„Rennt immer noch – ich wär schon tot“, murmelte eine Stimme.

„Kann ja nicht jeder so unsportlich sein wie du, du Fisch“, knurrte eine andere Stimme.

„Blöde Grabratte“, knurrte die erste Stimme.

Dann ein Schrei – sehr viel Knacken – lautes Rascheln.

Nun konnte Akuma es nicht mehr als Einbildung abtun. Da war jemand in dem Wäldchen. Mindestens zwei. Er blieb stehen und sah sich um. Dort etwa zehn Meter entfernt, bewegte sich das grüne Dickicht heftig und er konnte leise Worte hören.

„Blödmole, Seegurke“, waren ein paar von denen, die er verstand. Lautlos schlich er sich näher.

„Er kommt“, hörte er eine leise gezischte Warnung und schlagartig war es still im Wäldchen.

Geschickt wich Akuma den Ästen aus, teilte sie vor seinem Körper mit den Händen.

Da!

Dort hinten war doch was!

Da robbte was durchs Unterholz.

War das jetzt der Blödmole oder die Seegurke?

Er ahnte, was sich hier herum trieb – mehrfach war er gewarnt worden, doch bisher hatte er immer Glück gehabt. Heute schien es nicht auf seiner Seite.

„Los weg, der taucht durch die Äste wie durch Wasser – so eine verdammte …“

Der Satz wurde abgebrochen und die Gestalt vor ihm die bisher vorsichtig durch das Unterholz gekrochen war, sprang auf. „Verteilen! Verteilen!“, wurde zischend befohlen. „Er kann nicht uns allen folgen. Los bewegt eure faulen Ärsche.“ Akuma musste grinsen. Da hatte aber jemand verdammt viel Schiss vor ihm. Da machte die Jagd doch doppelt so viel Spaß.

„Rennt nur, ich krieg euch alle.“

„Wah - er bedroht uns!“

Knack!

„Aua. So eine verdammte Scheiße, warum hab ich mich von euch eigentlich zu diesem …“

„Halt dein Fischmaul und lauf. Heul, wenn wir entkommen sind!“

„Haltet die Klappe, er kann uns hören!“

Und wieder Rascheln und Knacken an allen Enden. Die Beute stob in drei Richtungen auseinander. Akuma musste die Taktik ändern. Er würde ihnen nicht durchs Laubwerk folgen sondern außen herum laufen und sie dort abfangen.

Sie würden schon sehen!

Sie sollten sich sicher fühlen und sich wieder zusammenrotten. Dann konnte er sie alle drei zusammen erledigen. Das würde ein Spaß werden. Die Einsätze hatten ihm gefehlt, wie sehr, merkte er jetzt, wo ihn das Jagdfieber gepackt hatte und Adrenalin durch seine Adern strömte. Er musste vorsichtig sein, denn im Gegensatz zu seinen früheren Zielen durfte er die drei nicht ausschalten, doch dass er sie nicht jagen durfte, wenn sie schon wie Wild durch den Wald huschten, davon war nicht die Rede gewesen. Seine Laune besserte sich zusehends, als er wieder auf dem Waldweg stand und er stehen blieb, um zu lauschen. Er ortete das Knacken und Rascheln. Die Seegurke fluchte am meisten, hatte er den Eindruck.

„Lass uns zum Wäldchen gehen, sagen sie. Lass uns ein bisschen im warmen Sand wälzen, sagen sie. Und jetzt renn ich hier wie ein blöder …“

„So lange du noch labern kannst, kann’s nicht so schlimm sein. Halt die Klappe, oder willst du vom Elitesoldaten gekillt werden!“

Dann war wieder Ruhe.

Gut, sie hatten Angst vor ihm und das musste er ausnutzen. Er orientierte sich kurz und lief los. Daniel würde wahrscheinlich einen Anfall kriegen, wenn er ihn jetzt sehen würde, wie er mit Höchstgeschwindigkeit um das Wäldchen lief, um die drei flüchtenden, scheuen Tierchen abzufangen. Er war nicht zu hören. Das Gras am Waldrand schluckte jeden seiner Schritte und so war er ziemlich zufrieden, als er die Stelle erreichte, an der er einen der Flüchtigen vermutete. Er verbarg sich hinter einem Baum, wartete. Selbst sein Atem war kaum noch wahrzunehmen – im Gegensatz zu dem, was da gerade durchs Unterholz keuchte. „… könnte noch im Bett liegen und dann im Pool…wah!“

Meodin schrie wie am Spieß, als die Hand hinter dem Baum hervor schoss. Er hatte nur noch das Licht am Ende des Waldes gesehen, hatte sich aus dem Unterholz ins Freie retten wollen und kurz vor dem Ziel schoss eine Hand hervor, griff ihn am Handgelenk und das Seepferdchen hatte sich fast zu Tode erschrocken. Es war ein Reflex gewesen, in die Hand zu beißen. So bekam er eine Sekunde, in der er sich losreißen und wenden konnte.

„Weg vom Waldrand – der lauert auf uns!“, brüllte er und kroch zurück ins Unterholz.

Er bekam genau zwei Sekunden Vorsprung, in denen Akuma entgeistert seine Hand mit den deutlich sichtbaren Zahnabdrücken ansah. Das hatte bisher noch niemand gewagt.

„Bissig“, murmelte er leise und seine Lippen teilte ein unheilvolles Grinsen. „Lauft ihr nur, das wird euch nichts nutzen.“ Und schon lief er los. Er hatte eine Mission. Er hatte Blut geleckt und allmählich fand er es alles andere als schlimm, dass das Trio Infernale hier aufgetaucht war. Das gab seinem Training endlich wieder ein Ziel, ein lohnendes Ziel.

Derweil hatte sich Diego durch das Unterholz geschlagen und verfolgte nun einen anderen Plan. Aus dem Wald raus rennen ging nicht. Der Kerl war schneller und lauerte ihnen auf. Wenn sie hier weg kommen wollten, dann mussten sie ihn ausschalten und er hatte schon einen Plan.

Auch er arbeitete sich zum Waldrand vor, doch ehe er aus dem Dickicht brach, erklomm er einen der großen Bäume. Er hangelte sich auf einem der dicken Äste so weit, dass er auf den nächsten Baum klettern konnte und als er Akuma zufällig unter sich entdeckte, stockte ihm fast der Atem.

Der Kerl war im Kampfmodus, der sah aus wie Ewan, wenn er sauer war.

Nicht gut.

Doch er war ein Mole und keine Maus, er musste sein Team retten. Und so zielte er noch mal, schloss die Augen und mit einem beherzten „Jeronimo!“ ließ er sich auf den Feind fallen, hoffend dass er ihn traf und nicht daneben fiel.

Nur seinen seit Jahren antrainierten Reflexen war es zu verdanken, dass Akuma nicht platt wie eine Flunder auf dem Waldboden landete. Er konnte sich gerade noch zur Seite werfen, als Diego neben ihm auf den Boden plumpste. „Guter Ansatz“, musste Akuma zugeben, was ihn aber nicht daran hinderte, sich auf den noch immer benommenen Mole zu werfen und ihn mit dem Gürtel seines Kampfanzuges zu fesseln.

„Einer erledigt, zwei im Sinn“, murmelte er dabei.

Als Diego das realisierte, riss er die Augen auf. Er hatte versagt, sein Team verraten – er musste sie wenigstens warnen. „Er hat mich gefesselt – passt auf. Der hat keinen Gürtel mehr um, vielleicht kann man ihm die Hose runter ziehen, dann läuft er langsamer!“, brüllte der kleine Mole aus Leibeskräften und zerrte an dem Gürtel. Doch das Ding saß bombenfest und er hatte auch keine Chance, sich herauszuwinden. Der Kerl war verdammt gut. Kein Wunder, dass der Elitesoldat General war. Wütend sah Diego ihn an. „Ich verrate meine Männer nicht!“, stellte er gleich klar. „Kannst mich foltern, wie du willst. Ich sag nichts!“

„Das musst du auch nicht, das machen sie schon selber.“ Akuma grinste und wuschelte Diego durch die dunklen Haare auf dem Kopf. „Du kannst stolz auf dich sein, denn fast hättest du mich erwischt. So etwas zu tun, erfordert Mut.“ Er wollte nicht, dass der junge Mole sich schlecht fühlte. Er hatte verloren, aber für einen unerfahrenen Kämpfer sehr unerschrocken. „Jetzt sind deine Kumpel dran und leider rutscht meine Hose nicht ohne Gürtel.“

„Das werden wir noch sehen“, knurrte Diego. „Achtung Jungs, er rennt jetzt links lang – er ist auf Höhe der großen Erle mit dem Vogelnest. Jetzt rennt er rechts rum, hat gleich die alte Eiche erreicht. Oh, er bleibt ste-hen!“, informierte Diego nun seine Freunde und hoffte so den Elitesoldaten in den Wahnsinn zu treiben. Doch das einzige, was er erreichte, war ein Knurren von Meodin, der erklärte, dass er keinen Schimmer hätte, was eine Eiche wäre.

„Dämliche Seegurke“, knurrte Diego leise, machte aber mit seiner Positionsbeschreibung weiter wie ein Wald- und Wiesennavigationsgerät.

„Er läuft jetzt... Scheiße wo ist er denn?“ Hektisch sah Diego sich um, aber von Akuma war nichts mehr zu sehen. Wie hatte er das gemacht? „Jungs, ihr seid auf euch allein gestellt, ich hab ihn verloren und dämliche Seegurke, die Eiche ist der Baum mit den ekligen Nüssen, die du wieder ausgespuckt hast.“

Man hörte ein Knurren tief aus dem Wald. Man konnte glauben, ein Wolf hätte sich dort versteckt. Doch es war nur Meodin, der die Betitelung, die er immer erntete, wenn was schief ging, nicht gerade mochte.

„Wart’s nur ab, du stummelschwänzige Wühlmaus“, knurrte das Seepferdchen, drückte sich aber tiefer in die kleine Höhle, die er gefunden hatte. Er musste das ganze noch einmal überdenken. Wenn Diego den Kerl nicht mehr sehen konnte, hieß das nichts Gutes. Das konnte bedeuten, dass der sich wieder ins Unterholz geschlagen hatte. Also versuchte Meodin weiter sich umzusehen – vergeblich.

„Hat ihn einer von euch gesehen?“, rief Diego, brüllte dann aber hinterher, dass keiner antworten sollte, um die Position nicht zu verraten – er würde nur reden, weil er sich langweile. Eigentlich redete er, weil er versuchte mit seinen Krallen den Gürtel durchzuschneiden.

Er konnte ja nicht ahnen, dass Akuma sein nächstes Opfer schon ausgemacht hatte. Man sollte halt jede Art von Geräuschen vermeiden, wenn man gejagt wurde und so hatte sich Meodin in Akumas Fokus gebracht. Lautlos wie ein Geist schlich der General durch das Dickicht in die Nähe der kleinen Höhle und wartete auf seine Chance. Die kam schneller, als er gedacht hatte, denn Meodin war neugierig und steckte seine Nase witternd aus der Höhle. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah, als er gepackt und aus der Höhle gezerrt wurde.

„Hab dich“, wurde ihm ins Ohr geflüstert und während Meodin noch erschrocken quietschte, wurde er fachgerecht mit Akumas Oberteil verschnürt. Dann warf er sich das schreiende und strampelnde Bündel über die Schulter, um ihn zu seiner ersten Beute zu bringen.


Fortsetzung folgt