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Weihnachten 2013 - 05

5. Dezember

Ein Gruß von Doreen

Zu schön zum Sterben

Wieder knallte es.
Sein Schädel dröhnte, aber er nahm den Schmerz kaum war.
Konnte es nicht endlich vorbei sein? War er nicht hier um zu sterben?
Wieso hatte diese lächerliche Welt, die sich Midgard nannte, keinen Krieger, der ihn besiegen konnte?
Loki klammerte sich an seinen Speer. Sofort durchströmte ihn die Macht Asgards.
Knisterte Energie umhüllte ihn.
So einfach konnte er nicht gehen.
Er sah den Mann aus Stahl an, der vor ihm stand. Waffen waren auf ihn, den Gott der Lügen gerichtet.
Wie feige er doch gewesen war.
Da war er einfach, wie ein kleines Kind geflohen und hatte hier einen Krieg begonnen. Einen Krieg in einer Welt, die er
nicht einmal kannte.
Hier lebten Menschen, kleine sterbliche Wesen, die nicht stark genug waren um es zu beenden.
Dieser kleine Krieg, die Zerstörung hatte ihm Spaß gemacht.
Es hatte lange gedauert, bis sich jemand wehrte. Fast schon zu lange. Er hatte es eigentlich nur hinter sich bringen wollen.
Langsam holte Loki Luft und grinste.
Der Mann vor ihm war ein Witz. Der konnte ihn nicht aufhalten. Das grüne Monster dagegen war anders. Mit ihm hatte der
Gott der Lügen schon Bekanntschaft gemacht und es war nicht gut gewesen.
Der Hulk, wie ihn die anderen nannten, hatte Kraft. Er konnte ihm wirklich gefährlich werden. Aber war das nicht der Sinn?
Kugeln pfiffen an ihn vorbei. Als eine davon seinen Arm traf, schrie er auf.
Rasender Schmerz jagte durch seinen Leib, aber der Gott biss die Zähne zusammen.
Als der Mann aus Stahl auf ihn zu schoss, konnte er gerade noch aufweichen. Loki sprang zur Seite, nur um im nächsten
Moment einen Schlag von Hulk zu bekommen.
Die Wucht des Schlages ließ ihn zu Boden gehen und raubte ihm den Atem.
„Das Ende. Leb wohl mein Geliebter“, flüsterte Loki.
Das Speer war seinen Händen entglitten. Nun könnte er sich nicht mehr regenerieren.
Mit geschlossenen Augen wartete er auf das Ende, aber es kam nicht.
Eine heftige Druckwelle erschütterte den Boden, als ein blonder Krieger buchstäblich vom Himmel fiel.
Lokis Herz machte einen Satz, als er die Aura erkannte.
Für einen Augenblick schien es nur Wunschdenken. Als wäre es nicht real. Nur ein Traum. Ein letztes Mal wollte er ihn
sehen.
Er hörte Schreie und Flüche, aber er blieb einfach liegen.
Die Stimmen drangen nicht mehr zu ihm durch. War es doch auch belanglos.
„Ich werde jeden vernichten, der uns angreift“, brüllte Thor.
Der Donnergott funkelte die fremden Bewohner an. Er hatte schon einiges über Midgard gehört, aber er hatte noch nie einen
Menschen gesehen.
Er spürte die Anspannung. Die Wut die in der Luft lag.
Ungeachtet der Gefahr, wandte sich Thor um und schritt auf seinen Bruder zu.
Neben ihm fiel er auf die Knie.
„Loki? Hörst du mich? Bitte verlass mich nicht“, hauchte er.
Die Szene war so surreal.
Alles hatte sich innerhalb von zwei Tagen geändert. Einfach so.
Er hatte alles verloren.
Als er ohne Loki aufgewacht war, war seine Welt zerbrochen.
Loki war nie der Schwache gewesen. Er hatte immer gekämpft. Er war geschickt und seine Magie konnte sich sehen lassen.
Er war der beste Magier, den Thor kannte.
Er selber konnte nur wenige Dinge.
Angst frass sich erneut in sein Herz, machte ihn blind.
Zaghaft berührte er Lokis Wange. Er spürte die Kälte seines Liebsten.
Als Loki die Augen öffnete und ihn ansah, war es als würde die Zeit still stehen. Das Leben hörte auf zu existieren. Es gab
nur sie beide.
Grüne Augen funkelten die blauen leicht spöttisch an.
Thor holte tief Luft und zog dann die Nase hoch.
„Ich hatte solche Angst.“
Loki schnappte zitternd Luft und verzog vor Schmerz das Gesicht.
„Lass mich sterben. Wir müssen es beenden“, stotterte er.
„Niemals. Ich werde nicht...“
Weiter kam Thor nicht. Hände packten ihn an den Schultern und wollte ihn wegzerren. Aber der blonde Donnergott wirbelte
herum und hob kampfbereit Mjölnir.
Hass blitze in den sonst so sanften Augen, als er den Mann vor sich musterte.
„Rühr mich nicht an“, fauchte er.
Captain America ging in Kampfstellung und wollte wollte angreifen.
„Niemand rührt mich und Loki an. Ich werde jeden töten der es versucht.“
Er hatte schon oft Krieg geführt und er kannte seine Wirkung nur zu gut.
Der Captain zuckte kurz zurück und hob eine Braue.
Als Tony Stark, der Mann aus Stahl neben ihn trat, sah er ihn nur fragend an.
Seinen Hammer umklammert kniete er sich wieder neben Loki.
„Wach auf. Es endet nicht heute und nicht hier. Ich bin ein Idiot gewesen. Ich habe dich gehen lassen. Verdammt noch mal
Loki.“
Thor ließ seine Faust auf den Beton nieder krachen. Es kam fast einem Erdbeben gleich.
Als Loki die Augen öffnete lag immer noch Spott daran.
„Mutter würde dich rügen so zu sprechen.“
Aber Thor schnaubte nur.
„Dann steh endlich auf und komm mit nach Hause“, brummte der Donnergott.
„Hier geht niemand irgendwohin. Wer seid ihr beiden Spaßvögel? Was soll der ganze Mist“, fragte Tony Stark.
Er hatte das Visier seines Helms herunter geklappt und besah sich die beiden Männer.
Thor knurrte ungehalten, sagte aber nichts dazu.
Seine ganze Aufmerksamkeit galt seinem Liebsten.
„Ich kann nicht nach Hause. Du musst dein Schicksal erfüllen und darin habe ich keinen Platz. Bitte lass mich sterben.
Wenn ich nicht bei dir sein kann, möchte ich nicht mehr leben.“
Worte, geprägt von Schmerz und tiefer Verzweiflung.
Hastig schüttelte Thor seine blonde Mähne.
„Das will ich nicht hören. Wie soll ich denn ohne dich leben? Ich liebe dich. Du bist mein Leben. Dann will ich den Thron
eben nicht. Ich will dich Loki“, hielt er dagegen.
Auch er hatte sich Gedanken gemacht.
Die Angst Loki zu verlieren saß einfach viel zu tief.
Grüne Augen starrte ihn fassungslos an.
Er wollte sich aufrichten, aber er sackte kraftlos wieder zusammen.
Thor reagierte augenblicklich. Er schnappte sich den Speer und legte ihn in Lokis rechte Hand. Mjölnir stellte er auf die
andere Seite.
Die beiden Objekte würden ihm Kraft schenken. Sie würden ihn heilen, wenn auch nicht ganz. Mit wachsender Angst
registrierte Thor die Schusswunde und das ganze Blut.
Die flachen Hände legte er auf Lokis Bauch und ließ die Kraft Asgards fließen.
Wenn man sie jetzt angriff, waren sie verletzlich. Dennoch konnte Thor nicht anders. Er musste ihn retten.
Reine, gelbe Energie umzüngelte sie.
Sie reinigte Lokis Körper und half ihm bei der Regeneration. Er musste leben, dass war das wichtigste. Alles andere konnte
warten.
Captain America und Tony warfen sich einen fragenden Blick zu. Hier stimmte etwas ganz und gar nicht.
Wer war dieser Mann und warum tat er das? Was ging hier vor?
Natasha Romanoff trat neben die beiden Männer, zwei Waffen in der Hand.
Misstrauisch beäugte sie die Fremden. Auch ihr war nicht klar, was hier vor sich ging.
Erst wollte dieser Fremde, der scheinbar über sehr viel Kraft verfügte, ihre Welt zerstören und nun lag er gebrochen am
Boden.
Dazu noch dieser Hüne, der sich um sorgte. Ihn retten wollte.
Am liebsten hätten sie die beiden erschossen, damit dieser Albtraum endlich endete.
Die Glock wog schwer in ihrer Hand, als sie sie hob und auf Thor zielte.
Gerade als sie abdrücken wollte, erschien ein greller Lichtblitz und ein Beben erfüllte erneut die Schlucht.
Die Russin konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten.
Neben ihr fluchte Tony und auch der Captain wirkte mehr als unglücklich.
Alle hoben sie ihre Waffen und warteten.
Aus dem Licht traten sechs Personen.
Allen voran Frigga, Frau des Odin und Mutter des Thor und Loki.
Sie war eine stolze Frau unbestimmbaren Alters, aber von wahrer Schönheit. Sie war in ein grünes Kleid gehüllt, welches
sich perfekt an ihren Körper schmiegte.
Hinter ihr erschienen zwei jungen Frauen. Die eine mit langen, schwarzen Haare und in schwarz gekleidet. Die zweite war
blond und sah aus wie eine wahre Kriegerin.
Dahinter reihten sich drei Männer.
Tyr hatte in jeder Hand ein Schwert und blickte wie ein wahrer Gott drein, der er nun einmal auch war.
Vidar und Bragi dagegen wirkten bescheidener, aber nicht minder beeindruckend.
Vidar hob eine Braue und musterte die fremde Gegend. Aufmerksam sah er sich um, bevor sein Blick auf Thor und Loki
fiel.
Sif stieß einen kleinen Schrei aus und kniete sich sofort neben Thor. Frigga tat es ihr gleich.
Sie befühlte Lokis Stirn und atmete erleichtert aus.
Die Kraft Asgards durchfloss ihren Sohn.
Nur träge öffnete Thor seine Augen. Zuerst nahm er das Bild nicht wirklich wahr.
Seine Mutter? Sif und Hel?
Der Donnergott sackte nach vorn.
„Meine armen Kinder. Was ist nur geschehen?“
Frigga strich Thor über die Wange, bevor sie sich abwandte.
„Was habt ihr mit meinen Kindern gemacht? Was ist geschehen?“ donnerte sie.
Kalt und fordernd halte ihre Stimme durch die Schlucht.
Reflexartig wich der Captain einen Schritt zurück. Auch die anderen wirkten mehr als verwirrt.
Schließlich war es Tony, der das Wort ergriff.
„Ich weiß nicht, wer ihr seid Mam, aber Loki hat versucht unsere Welt zu zerstören. Er wollte uns alle töten. Wir haben uns
nur gewehrt.“
Bargi knurrte wütend und stellte sich neben Frigga.
Die Göttin lächelte schmal.
„Ich bin Frigga, die Frau Odins und das sind meine Kinder Thor und Loki. Ihr habt meinen Loki fast umgebracht. Das dulde
ich nicht.“
Tony zuckte nur die Schultern. Er wusste immer noch nicht, wenn er da vor sich hatte.
„Wir müssen die beiden nach Hause bringen“, sagte Hel.
Die Tötengöttin wirkte besorgt.
„Thor hat ihm seinen Kraft gegeben. Die Wunder hat sich zum Glück geschlossen, aber Loki scheint immer noch sehr
schwach zu sein“, wandte Sif ein.
Die Kriegerin strich Loki eine schwarze Strähne aus der Stirn und lächelte traurig.
Seit ihrer Kindheit war sie mit Loki, Thor, Vidar und Tyr befreundet. Die Götter waren für sie wie eine kleine Familie und
sie liebte sie über alles.
Langsam regte sich Thor. Sein Schädel brummte und ihm war kalt. Etwas, dass er nicht kannte.
Als er die Augen öffnete und ihm der Duft nach Blut in die Nase stieg, wusste er sofort was geschehen war.
„Loki?“
Nur dieses eine Wort, so voller Schmerz.
Er wandte den Kopf und da öffnete er die Augen. Die grünen Augen hatten ihre Wildheit verloren, aber sie waren noch am
Leben.
Vergessen war alles um sie herum. Die Gefahr und die anderen Götter.
Mühsam kämpfte sich Thor zurück auf die Knie, nur um sich dann schräg auf Loki nieder zu lassen.
Sein Liebster brummte leise. Er fühlte sich etwas besser und das lag Größtenteils an Thors Nähe.
Die Schusswunde hatte aufgehört zu hämmern, dafür kam ein anderer Schmerz zurück.
Das hier war falsch. Er durfte es nicht zu lassen. Dennoch konnte er nicht anders.
Eisblaue Augen sahen ihn an und brachten sein Herz zum rasen.
Als Thor näher kam und ihn küsste, wusste er, dass er im Paradies war. Sein ganz persönliches Paradies.
„Ich liebe dich“, hauchte Thor schließlich.
Der Gott der Lügen grinste leicht. Wie sehr er diese Worte doch liebte.
„Ich dich auch“, krächzte er.
Nun war es der Donnergott der grinste. Sanft hauchte er Loki einen Kuss auf dem Hals und schloss dann die Augen. Er war
so erschöpft.
„Wow. Damit hatte ich nun nicht gerechnet“, meinte Bragi.
Irritiert sah er die anderen Götter an. Auch diese schienen etwas verwirrt, bis auf Frigga. Ein leichtes Lächeln lag auf ihren
vollen Lippen.
Odins Frau wandte sich wieder an die Menschen und sah sie fest an.
„Ich weiß, mein Sohn hat wohl einen Fehler gemacht. Kinder können so unberechenbar sein. Dennoch werden wir euch nun
verlassen. Lebt wohl.“
Mit diesen Worten deutete sie Tyr, Vidar und Bragi, ihren Kindern aufzuhelfen.
Thor zuckte zusammen und wollte sich wehren, als starke Arme ihn packten, aber Tyr hielt ihn fest.
„Das geht nicht Lady. Ihr könnt nicht gehen. Zumindest nicht mit Loki. Er muss bestraft werden für das was er getan hat“,
brauste der Captain auf.
Sif und Hel funkelten den Mann in der bunten Tracht hasserfüllt an.
„Wage es nicht, so mit Frigga, der Mutter aller zu sprechen. Du kleiner, mieser Wurm“, fauchte Hel.
Die schöne Göttin zog eines ihrer Schwerter.
„Ist schon gut Hel. Loki wird seine Strafe bekommen, aber nicht von euch“, erklärte Frigga.
Ohne die Menschen noch eines Blickes zu würdigen wandte sie sich ab und dann erfasste sie der gleißende Lichtblitz.
Sekunden später waren die Götter verschwunden.
Zurück blieben Tony Stark, Natasha Romanoff, Steve Rogers und Clint Barton, die nicht mehr wusste was passiert war.
Teil 2:
Zurück in Asgard sorgte Frigga dafür, dass ihre Kinder in ihre Zimmer gebracht wurden. Loki und Thor brauchten Ruhe.
Die Begegnung mit Odin stand noch bevor.
Mühsam kämpfte Thor sich zurück ins Leben. Als er die Augen aufschlug brummte sein Schädel wie ein Bienenschwarm.
„Loki“, rief er.
Er spürte die Nähe seines Liebsten. Irritiert stellte er fest, dass sie in Asgard waren.
Was war passiert?
Umständlich kletterte er aus dem Bett und wanderte in Lokis Zimmer. Dort traf er auf seine Mutter.
Die Göttin hob den Kopf, als er den Raum betrat.
„Wie geht es dir?“
Überrascht hielt Thor inne.
„Mutter? Es geht mir gut. Aber was ist mit Loki?“
Nur langsam kam er näher und setzte sich auf das breite Bett, in welchem er schon so oft gelegen und Loki geliebt hatte.
„Er braucht noch Ruhe, aber es geht ihm gut. Möchtest du mir erzählen was geschehen ist?“
Auch wenn es wie eine Frage klang, es war keine.
Der Donnergott senkte scheu den Kopf.
Beruhigend legte Frigga ihm die Hand auf den Arm.
„Ich liebe Loki. Ich möchte mit ihm zusammen sein. Als Vater davon sprach, dass ich den Thron übernehmen soll, ist Loki
verschwunden. Er wollte sterben, wenn wir nicht...“, Thor brach ab und sah seine Mutter flehend an.
Die schöne Göttin nickte leicht, verstehend.
„Ich verstehe. Ach Thor. Du kennst deine Pflichten und du weist, dass ihr nicht zusammen sein dürft. Aber ich weiß auch,
wie sehr ihr euch liebt. Ich habe es schon lange gespürt. Bleib bei Loki. Wenn es euch besser geht, müssen wir mit Odin
sprechen.“
Langsam erhob sie sich und küsste ihre Kinder auf die Stirn.
„Danke Mutter. Aber was ist eigentlich in Midgard geschehen? Ich kann mich nicht daran erinnern“, wollte er wissen.
Aber Frigga schüttelte lächelnd den Kopf.
„Später.“
Damit war sie verschwunden und er mit Loki alleine.
So recht wusste Thor nicht was er tun sollte. Das alles erschloss sich ihm nicht. Da waren einfach so viele Fragen. Aber im
Moment war er froh, dass es seinem Liebsten gut ging.
Er kroch zu ihm unter die warme Decke und schloss dankbar die Augen. Sein Kopf ruhte dabei auf Lokis Brust.
Schmerz, Angst und das Gefühl versagt zu haben.
Nur langsam wurde Loki wach.
Es war dunkel im Zimmer und er holte zitternd Luft. Gleichmäßige Atemzüge ließen ihn kurz erstarren.
„Thor“, murmelte er.
Sein Liebsten lag neben ihm und hatte ihn fest umklammert.
War das alles nur ein Traum gewesen? Wieso war er wieder in Asgard und warum lebte er noch?
Sein Kopf schmerzte.
„Du bist wach. Ein Glück“, flüsterte Thor in der Dunkelheit.
Loki wandte ihm den Kopf zu und grinste auch wenn der Andere es nicht sehen konnte.
„Ja, nur kann ich mich an nichts erinnern. Ich fühle mich so erschlagen.“
Der Lügengott seufzte leise, konnte aber nicht umhin die Nähe seines Liebsten zu genießen. Es tat so gut. Er lag wieder in
seinen Armen. Genau da gehört er hin. Ohne Thor war er ein nichts.
Statt einer Antwort, küsste Thor ihn. Nur ganz sanft. Mit all seiner Liebe, die er empfand.
Loki öffnete den Mund und hieß die Zunge seines Freundes in seinem Reich willkommen. Zaghaft berührten sich ihre
Zungen, als hätten sie Angst sich weh zu tun.
Finger wanderten in Thors blonde Mähne, während dieser Loki näher zu sich zog.
Nach Atem ringend trennten sie sich schließlich voneinander.
„Mach das nie wieder. Ich hatte solche Angst um dich. Bitte verlass mich nie wieder“, brach Thor nach einer Weile das
Schweigen.
„Ich kann mich nicht erinnern. Was ist passiert? Ich bin gegangen, weil ich es nicht ertragen kann zu sehen wie du König
wirst und eine Frau heiraten und mit ihr Kinder zeugen sollst. Ich wollte sterben.“
Die letzten Worte klangen nüchtern.
Thor zuckte wie unter einem Schlag zusammen. Hastig richtete er sich auf und zündete mit Hilfe seiner Kräfte einige
Kerzen an.
Das Licht brannte in ihren Augen, aber das war dem Donnergott egal.
„Red nicht so einen Schwachsinn. Ich werde kein König, nicht ohne dich. Ich habe mir auch Gedanken gemacht. Dann
gehen wir eben fort. Ich will nicht ohne dich leben“, sagte er eindringlich.
Aber Loki schüttelte traurig den Kopf.
„Das wird Vater nie zu lassen. Obwohl er, ist ja nur dein Vater. Du weist, dass es nicht geht. Du hättest mich sterben lassen
sollen.“
Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen ihnen.
„Niemals. Ich lasse dich nicht sterben. Ich werde für diese Liebe kämpfen, auch wenn du es nicht möchtest. Ich hätte dich
schon fast verloren. Übrigens weiß Mutter von uns“, erklärte der Gott.
Überrascht hob Loki eine Braue. Seine grünen Augen glühten regelrecht.
„Was? Mutter weiß davon? Wieso?“
Das konnte Thor auch nicht beantworten.
Schweigend, aneinander geschmiegt blieben sie eine Weile liegen. Immer wieder streichelten sie einander.
Die Finger in der blonden Mähne, sagte Loki nach einer Weile.
„Meinst du, wir können nochmal nach Midgard? Einfach weg hier?“
Thor hob den Kopf und sah ihn an.
„Wir werden es einfach versuchen. Es muss eine Möglichkeit geben. Ich liebe dich und will dich bei mir haben.“
Loki nickte leicht und raubte sich dann noch einen Kuss. Er war süchtig nach diesen Lippen.
Teil 3:
Der nächste Morgen kam viel zu schnell.
Beide Götter hatten in dieser Nacht keinen Schlaf mehr gefunden.
Als Frigga sie wecken kam, lag ein warmes Lächeln auf ihren Zügen. Alles an ihr strahlte Liebe und Wärme aus.
„Guten Morgen ihr beide. Wie geht es euch?“
Sie setzte sich auf das weiche Bett und musterte ihre Kinder.
„Danke Mutter. Es geht uns gut. Obwohl wie viele Fragen haben“, erwiderte Loki.
Die schöne Göttin nickte und erzählten ihren Söhnen was in Midgard geschehen war. Wie sie zurück nach Asgard
gekommen waren.
Erstaunt und auch mit Furcht lauschten sie diesen Worten. Damit hatten sie nun nicht gerechnet.
Jeder hatte gesehen, dass sie sich geküsst hatten. Das sie ein Paar waren.
Lächelnd winkte Frigga ab.
„Ihr seid so oder so meine Kinder. Wenn ihr euch liebt. Nun dann sei es eben so. Ich werde euch daraus keinen Vorwurf
machen. Allerdings möchte euer Vater mit euch sprechen. Er ist sehr erbost über deinen Ausflug nach Midgard. Du hättest
nicht einfach gehen dürfen“, meinte sie.
Loki schluckte trocken, dann senkte er den Kopf.
„Es tut mir Leid. Ich weiß, es war nicht richtig, aber ich hatte meine Gründe. Dabei ist Odin nicht mal mein Vater“, sagte
der junge Gott bitter.
Neben ihm brummte Thor etwas und zog ihn dann an sich.
„Dann bist du eben ein Kind der Frostriesen. Das ist völlig egal. Du bist mein Liebster. Mein Leben. Nur das alleine zählt.“
„Dein Bruder hat Recht. Du gehörst nach Asgard und du bist unser Sohn. Jetzt wascht euch und esst etwas. Danach will
Odin mit euch sprechen.“
Mit diesen Worten, küsste Frigga sie beide auf die Stirn und verließ das Zimmer.
Schweigend gingen Thor und Loki duschen. Angst lag in ihren Bewegungen. Auch wenn beide mächtig waren, Odin war
ihr Vater und der Herrscher aller.
Nach einem kargen Mahl, zogen sie sich formell an und machten sich auf den Weg in den Thronsaal.
Die Wachen grüßten sie freundlich. Es lag kein Hass in ihren Blicken. Nur Respekt.
„Ich kann das nicht. Thor warte,“ bat Loki.
Seine Stimme zitterte. Nichts erinnerte mehr an den starken und stolzen Gott, der er eigentlich war.
Thor blieb stehen und strich sich eine blonde Strähne nach hinten.
„Ach mein Liebster, mach dir keine Sorgen. Wir schaffen das, gemein. Denk bitte daran, ich liebe dich.“
Harsch zog er Loki in seine Arme und küsste ihn. Plünderte schonungslos dessen Mundhöhle und machten sich damit selbst
Mut.
Loki ließ es sich nur zu gern gefallen. Er brauchte, sehnte sich nach diesem Halt.
Egal wer oder was er war, er liebte Thor. Diesen wunderschönen, verrückten Donnergott.
„Gemeinsam“, hauchte Loki.
Hand in Hand betraten sie den Thronsaal, wo Odin bereits auf sie wartete.
Der Blick des Allvaters wandert missbilligend auf ihre Hände und er verzog das Gesicht.
„Da ihr ja endlich. Kniet nieder“, befahl Odin.
Sofort gehorchten die beiden jungen Männer.
Bis auf die beiden Leibwachen und Frigga war die Halle leer. Ihre Mutter stand an der Seite und musterte sie besorgt.
Für einen Moment herrschte Schweigen, dann donnerte Odin.
„Wie konntest du es wagen ohne meine Erlaubnis nach Midgard zu reisen und dort einen Krieg zu beginnen, Loki? Hast du
alles vergessen was ich dir beigebracht habe? Wir möchten keinen Krieg mit den Menschen.“
Loki senkte den Kopf noch tiefer und drückte Thors Hand fester.
Konnte er ihm die Wahrheit sagen?
„Bitte Vater. Es war meine Schuld, nicht Lokis. Du darfst ihn nicht bestrafen“, antwortete der blonde Gott.
Erstaunt starrten ihn die alten Augen an. Augen, die schon so viel gesehen hatten.
„Du wagst es? Zu dir komme ich noch später. Loki hat die Regeln gebrochen.“
Innerlich konnte Odin nur schmunzeln. Das waren seine Kinder. Sie standen zusammen, gehörten zusammen. Sie hatten
sich schon als Kinder immer gegenseitig beschützt.
„Nun Loki. Erkläre mir, was das sollte?“
Zaghaft hob der schwarzhaarige Lügengott den Kopf. Seine grünen Augen glitzerten schwach.
„Ich habe einen Fehler gemacht. Ich weiß. Ich hätte nie nach Midgard gesehen sollen. Es waren niedere, selbstsüchtige
Beweggründe. Ich liebe Thor und wenn ich nicht mit ihm zusammen sein kann, dann möchte ich sterben.“
Ehrliche Worte, auch wenn sie Loki schwer fielen.
Der Allvater starrte ihn an und ließ sich dann auf seinem Thron nieder.
„Du liebst Thor? Wegen ihm wolltest du sterben? Liegt es daran, dass ihr keine wahren Geschwister seid? Ihr seid meine
Söhne und einem von euch steht der Thron zu“, sagte er.
„Ohne Loki will ich den Thron aber nicht. Vater, wir wissen beide das es nicht richtig ist und wahr, was Loki getan hat.
Aber wir lieben uns und ich will nicht ohne ihn leben“, mischte sich Thor ein.
Fest sah er seinen Vater an.
Dieser schloss kurz die Augen. Das konnte nicht wahr sein.
„Das heißt, du willst den Thron nicht, wenn du nicht mehr mit Loki zusammen sein darfst? Es ist deine Bestimmung. Unser
Geschlecht braucht Kinder. Aber was ist mit dir Loki? Möchtest du den Thron?“
Der Lügengott sah überrascht aus, dann schüttelte er den Kopf.
„Nein, ich will den Thron ohne Thor auch nicht.“
Zum Erstaunen aller lachte Odin.
Langsam trat Frigga neben ihn und sah ihn an. Aber ihr Mann lächelte nur.
„Ich bin so alt und ich habe schon so viel gesehen. Dennoch lehnt ihr beide aus Liebe den Thron, die Macht über Asgard zu
herrschen ab. Wir brauchen einen Nachfolger. Aber darüber denke ich jetzt nicht nach. Ich kann eure Liebe, nach all dem
was geschehen ist nicht verbieten, aber dennoch wird es eine Strafe geben.“
Odin machte eine Pause und sah seine Frau an. In deren schönen Augen, dass warme Gefühl von Liebe ruhte.
„Ihr werdet in ein paar Tagen nach Midgard reisen und euch für den Fehler und die Zerstörung entschuldigen. Sagt deren
Herrschen, wir möchten keinen Krieg und helft die Schäden zu beseitigen.“
Für einen Moment herrschte Stille. Keiner der Anwesenden wagte zu atmen.
War das alles? War das ihre Strafe.
„Nun verschwindet“, befahl Odin.
Die jungen Götter nickten und verließen den Saal.
„Du hast es gewusst, nicht wahr mein Liebster“, flüsterte Frigga, als sie allein waren.
Ihr Mann zog sie in eine Umarmung.
„Ja. Vor einigen Wochen habe ich sie trainieren sehen. Thor hätte diesen Kampf gewinnen können, aber er hat Loki den
Triumph gelassen. Er hat sich besiegen lassen, nur um Loki zu küssen.“
Frigga lächelte sanft.
„Ich liebe dich, Odin. Du hast die Kinder glücklich gemacht. Ich möchte keinen von beiden verlieren.“
Sie schmiegt sich an ihren Mann und dieser küsste sie sanft.
Langsam schlenderten Loki und Thor durch den Palast.
Sei konnten immer noch nicht glauben, was eben geschehen war. Sie durften zusammen bleiben? Odin würde sie nicht
trennen?
Diese Strafe in Midgard würden sie auch schaffen. So lange sie zusammen waren.
Auf einem kleinen Balkon blieb Loki schließlich stehen.
Der Ausblick war wunderschön. Unter ihnen erstrecke sich Asgard. Sie sahen einen Fluss mit reinem, klaren Wasser.
Über ihnen waren die anderen acht Welten. Die Planeten waren deutlich zu sehen. Der Himmel, wenn man ihn so nennen
konnte, war mit Sternen übersät. Ein Anblick den Loki schon immer geliebt hatte.
Er spürte Thors Atem in seinem Nacken. Warme Händen umschlangen ihn und er wurde an eine breite, starke Brust
gepresst.
„Ich liebe dich“, hauchte Thor.
„Ich dich auch“, erwiderte Loki.
Er lehnte den Kopf nach hinten und ließ sich küssen.
Sie waren zusammen, für immer.

~~~~~OWARI~~~~~