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Weihnachten 2013 - 10

10. Dezember

wenn auch nicht weihnachtlich, so doch ein kleines siebenteiliges Out-take zu Katzenaugen
(gehört thematisch gesehen hinter Zyklus 6, die Geschichte des Schneeleoparden Ian)

ein kleiner Gruß von Britta und Fich

Katzenaugen - Outtakes - 1 von 7

1 – Schnupperstunde für Rina

 

„Das Leben kann so schön sein!“ Rina streckte sich in der Sonne und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Dann grinste sie zu Bill rüber, der neben ihr auf einem der anderen Liegestühle saß und in die Sonne blinzelte. Sie hatten Ferien, das Wetter war herrlich, ihre Beziehung lief harmonisch und sie hatten viel Spaß miteinander. Sie lachten viel, sie unternahmen viel und seit Ranu in Sina die Katze seiner Träume gefunden hatte, kamen auch die Zwillinge untereinander besser aus.

Sie unternahmen sogar ab und zu etwas zu viert. Ranu und Bill verstanden sich gut, was das Verhältnis zwischen den Geschwistern auch verbessert hatte. „Ja, Ferien sind was Herrliches. Nur schade, dass wir sie nicht die ganze Zeit zusammen genießen können.“ Bill guckte ein wenig traurig, denn in ein paar Tagen fuhr Rina mit ihrer Familie in die Ferien, zur Familieninsel vor Südafrika und Randy und sein Vater wollten ans andere Ende der Welt mit ihren Jungs, die Flüge nach Sidney waren schon gebucht. Und weil er sich darauf mindestens so sehr freute wie auf die Zeit mit Rina, war es okay. Außerdem stand ja morgen noch ein großes Fest hier in Asets Haus an, zu dem sogar Bills Familie eingeladen war, wenn Interesse bestand. Und Bill wusste, dass Ian und Randy sich das nicht nehmen lassen würden.

Ein wenig Bauchkneifen hatte Bill allerdings bei der Tatsache, dass seine und Rinas Eltern das erste Mal aufeinander trafen. Zwar wussten sein Vater und Randy, wer Rinas Väter waren, aber man hatte sich bisher noch nie persönlich getroffen. Sie wussten noch nicht sehr lange, zu welcher Familie Rina gehörte. Bill hatte erst damit rausgerückt, als sie Rina schon eine Weile kannten und sie in ihr Herz geschlossen hatten. Trotzdem war es ein ziemlicher Schock für Ian und Randy gewesen und man hatte ihnen angesehen, dass sie sich Sorgen machten. Asets Ruf ging um die Welt, so war es nur normal, dass in New York auch jeder Vampir und jedes Wertier wusste, wer Aset Khonshu war. Es hatte eine verbale Abreibung unter vier Augen gegeben, als Bill gestanden hatte, dass er schon mehrmals in diesem Haus gewesen war ohne Bescheid zu sagen – doch es hatte nichts daran geändert, dass er Rina weiter sehen durfte.

„Kommst du morgen zusammen mit deiner Familie oder kommst du schon eher?“, wollte Rina wissen, sie griff nach ihrem Glas, doch das war leer. So setzte sie sich auf und schob die Sonnenbrille in die Haare.

„Ich komme schon vorher. Dann haben wir noch ein wenig Zeit für uns, bevor das große Spektakel anfängt.“ Bill grinste Rina zu und setzte sich auch auf. Er nahm sich ihre Gläser und ging zu dem Tisch, auf dem die Karaffe Eistee stand und füllte ihre Gläser neu. „Ich habe mitgekriegt wie Caleb und euer Butler die Einkaufsliste für das Fleisch besprochen haben. Das wird eine ziemliche Schlemmerei werden.“

„Danke.“ Rina lächelte ihm entgegen, als sie das Glas entgegen nahm und rutschte ein bisschen auf der Liege, so dass Bill sich zu ihr setzen konnte. Sie mochte es gern, sich an ihn zu lehnen und seinen Arm um sich zu spüren. Doch sie zuckte schlagartig und von einem schlechten Gewissen getrieben hoch, als sie Caleb brüllen hörte. Er kam aus dem Wintergarten, neben ihm Cathleen. Jeder von beiden hatte einen der kleinen Babyleoparden auf dem Arm.

„Mist, das hab ich total vergessen“, murmelte sie und sprang hoch. Sie hatte die Aufgabe bekommen, sich um ihre kleinen Geschwister zu kümmern, während Caleb und ihre Mutter einkaufen gingen und dann nicht mehr daran gedacht. „Wollt ihr los?“, fragte sie im laufen. Die beiden waren einfach nur niedlich, erst ein paar Wochen alt und noch ziemlich hilflos. Man wollte sie einfach nur die ganze Zeit knuddeln und beschmusen. Denn noch konnten sie sich nicht richtig wehren. In ein paar Wochen sah das anders aus, dann würde jeder Knuddelversuch wohl in einem wilden Kampf enden und mit lautem Fauchen abgewehrt. Aber noch waren sie zu klein.

„Pass auf deine Geschwister auf, Süße. Wir müssen noch eine Menge für morgen besorgen, das schafft Karl nicht alles allein. Er wirbelt schon in der Küche.“

„Pssst, nicht so laut“, zischte Rina ihren Vater an. „Bill könnte dich hören.“ Bisher hatte sie es immer geschafft vor Bill geheim zu halten, was sie und ihre Familie waren. Sie hatte zu viel Angst, dass er sich dann von ihr abwenden würde.

„Er hat doch keine Ahnung, was wir sind.“

„Was?“, fragte Cathleen, jetzt doch etwas verwirrt und blickte zu dem Jungen, der auf der Liege saß und sie beobachtete. Sie nickte ihm lächelnd zu und strich Kayla weiter durch das Fell. „Was soll das heißen, er weiß nicht, was wir sind?“

„Er ist ein Mensch – ein ganz normaler Mensch. Und ich will nicht, dass er …“

„Rina, Kätzchen!“, sagte Caleb und strich seiner Tochter über die Haare. „Ganz ruhig. Er ist eine Menge, aber ganz bestimmt kein Mensch. Das musst du doch gerochen haben.“

„Häh?“ Rina sah ihren Vater an und man sah ihr an, dass sie gerade nicht wusste, was ihr Vater meinte. „Wie meinst du das? Sicher ist Bill ein Mensch. Das hätte ich doch gemerkt...“, fing sie an, wurde aber von Calebs und Cathleens Lachen unterbrochen.

„Sicher, Mäuschen. Ich glaube, wir müssen da etwas anschaulicher werden. Halt mal deinen Bruder, ich organisiere das.“ Er gab die kleine Katze an Rina weiter und legte seine Hände wie einen Trichter an seinen Mund. „Aset, Assai,Ryan, Buster, Rick, Luan, Peter, alle zu mir! Sofort!“, brüllte er in die Gegend. Er brauchte unterschiedliches Anschauungsmaterial, um Rina auf die richtige Spur zu bringen.

„Wie zu Hause“, lachte Bill leise, der sich gerade lebhaft an seine eigenen Familie erinnert fühlte, in der es Randy bereits aufgegeben hatte, die Katzen vom Brüllen abbringen zu wollen. Seit neuestem nutzte er selbst diese Form der Kommunikation. Es ging meistens schneller als erst im Haus herum zu suchen. Amüsiert beobachtete Bill also, wie nach und nach die Gerufenen aus dem Wintergarten traten. Erst stolperten zwei kleine Katzen heran, die wohl gerade in den Büschen gerauft hatten, so wie Rick und Buster aussahen. Ihnen folgte Peter. Die Parder fielen von einem Baum und die Vampire sahen ebenfalls fragend drein. „Was ist passiert, wer kam zu Schaden, was wird es kosten und wo kann ich Ersatz bestellen?“, stellte Aset auf Verdacht die Fragen, die in neunzig Prozent ähnlich gearteter Situationen das abdeckten, was er wissen musste, um handeln zu können.

„Nichts passiert, Schatz“, grinste Caleb und küsste seinen Schatz kurz. „Ich brauche euch zu Demonstrationszwecken. Deine Tochter hat da ein kleines Defizit, das wir beheben müssen. Alle in einer Reihe aufstellen und Bill, du kommst bitte auch hierher.“ Er dirigierte alle Anwesenden in eine Reihe und winkte den Jungen zu sich, der ihn fragend ansah. „So Rina, jetzt schnupper mal an Bill“, forderte er seine Tochter auf, als sie alle versammelt waren. Und es war nicht hilfreich, dass sich eine kleine Bengalkatze lachend über den Boden rollte. Caleb, der schnell merkte, wie peinlich das seiner Tochter war, trat dem vorlauten Buster einfach auf den Schwanz, dann war der erst mal beschäftigt mit fauchen und fluchen, während Rina rot anlief und Bill anguckte.

„Was soll denn der Mist jetzt“, fragte sie also, um abzulenken und verschränkte die Arme. „Ich schnupper doch hier nicht an euch herum. Wer bin ich denn?“

„Der Troll!“, kam es vom Wintergarten und Rina seufzte. Super – der Idiotenbruder hatte ihr gerade noch gefehlt in ihrer Raupensammlung.

„Oh fein, noch mehr Anschauungsmaterial. Komm her.“ Caleb ließ sich durch den Einwand seiner Tochter nicht aus dem Gleichgewicht bringen. „Doch, Süße, du wirst schnuppern, damit wir das hier abschließen können.“ Er nahm Bills Arm und hielt ihn Rina vor die Nase. „Tief einatmen und merken, was du gerochen hast. Dann gehst du an uns anderen vorbei, tust das gleiche und sortierst uns zu ähnlich riechenden Gruppen.“

„Bist du irre?“ Rina wurde hysterisch. Sollte sie gerade hier vor der ganzen Familie an einem Jungen schnuppern, den sie mochte? Das war doch so peinlich? Doch als sie Bill ansah, sah der nur belustigt drein. „Du wirst dich wundern, was dabei raus kommt“, flüsterte er und plötzlich hatte Rina wirklich das Gefühl, dass er mehr als nur ein Mensch war.

„Los, schnüffel. Du hängst deinen Rüssel doch sonst auch überall … aua!“ Ranu würde es nie lernen, sich seiner Schwester gegenüber zu benehmen. Doch Aset und Ryan sorgten schon dafür, dass dem jungen Leoparden die Bäume nicht in den Himmel wuchsen.

„Wenn du's besser kannst, mach doch du! Sag mir doch, was Bill ist!“, ätzte Rina, die sich nicht vorstellen konnte, dass Ranu Fähigkeiten hatte, die sie nicht hatte.

„Würde ich ja, aber das würde uns doch allen den Spaß verderben.“ Ranu rieb sich den Kopf und sah Aset und Ryan böse an. „Nu mach schon.“ Er wedelte mit der Hand in Bills Richtung und konnte schon wieder grinsen.

„Ihr seid doch alle bekloppt“, muffelte Rina, um nicht ihr Gesicht zu verlieren, aber jetzt war sie auch neugierig, was dabei rauskam. Was sie aber vor Ranu nie zugeben würde. Sie griff sich Bills Arm, sah ihm in die Augen und atmete tief ein. Er roch so gut wie immer. Das hatte ihr gleich an Bill gefallen. „Und jetzt?“

„Jetzt musst du dich auf deinen Instinkt verlassen. Unter dem Duft von Deo und Duschbad. Präg dir das ein und riech dann mal an dem hier“, erklärte Caleb und hielt seiner Tochter den strampelnden Buster unter die Nase, der den Tritt auf den Schwanz noch immer nicht ganz verdaut hatte.

„Bist du sicher, dass der mich nicht kratzt?“, fragte Rina, um etwas Zeit zu schinden, beugte sich dann aber doch vor und vergrub ihre Nase in dem weichen Fell und atmete ein. Sie wollte sich schon wieder zurückziehen, als sie stutzte. War da nicht...? Sie atmete noch einmal und auf einmal konnte sie es klar erkennen. Da gab es eine Komponente in Bills und Busters Geruch, der sich ähnelte.

„Ah, da glänzt Erkennen“, sagte Caleb zufrieden und ließ Buster wieder runter, der sich meckernd zu Rick trollte und sich von dem Mini-Tiger beschmusen ließ, um die eben erlittenen Schmach zu ertragen. „Jetzt Ryan“, forderte er und lockte den Vampir zu sich. Ryan grinste seine Tochter an, drehte sich. „Wo möchtest du am liebsten schnuppern?“

Rina verdrehte die Augen und griff sich den Arm ihres Vaters. „Der Arm reicht völlig.“ Wie schon bei Bill und Buster atmete sie tief ein und schloss dabei die Augen. Sie wusste jetzt, worauf sie achten musste, aber in Ryans Geruch konnte sie das, was sie suchte nicht finden. Sie sah zu Caleb. „Er riecht anders.“

„Aset!“, forderte Caleb nur und entließ Ryan, während der Hausherr sich nun ebenfalls am Schnupperkurs seiner Tochter beteiligte. Sie hatten alle Spaß daran und so stellte Rina sehr schnell fest, was einen Vampir von einem Wertier unterschied.

Der nächste, der beschnüffelt wurde war Peter, der als Wolf zwar den Katzen ähnlich roch aber auch wieder nicht. Das verwirrte Rina, sie glaubte den Geruch, um den es eigentlich ging, verloren zu haben und so schnuppertesie noch einmal unauffällig an Bill, der immer noch neugierig neben ihr stand.

„Du riechst komisch“, fasste sie ihr Ergebnis zusammen und Peter blies grinsend die Wangen auf.

„Also sowas hat Luan noch nie behauptet, er findet mich ausnehmend gutriechend“, lachte der Wolf und Rina bekam leicht rote Schatten auf den Wangen.

„Du bist doof“, muffelte sie. „Ich meinte damit, dass ich dich nicht richtig einordnen kann. Ein bisschen wie die da“, sie zeigte auf die Katzengruppe, die sie zusammengestellt hatte, „aber eben doch anders.“

„Weil er keine Katze ist – was schlussfolgern wir also für Bill?“, wollte Caleb wissen, der noch lange nicht am Ziel war. Wenn Rina es richtig anstellte, dann konnte sie, wenn sie sich durch schnüffelte sogar noch die Art bestimmen. Genügend Vergleichsmöglichkeiten hatte sie hier.

„Er ist schon mal kein Vampir und kein Wolf“, murmelte Rina, schnupperte wieder an Bill, dem das sichtlich gefiel und sah wieder auf die Gruppe Katzen.

Jetzt hatte sie der Ehrgeiz gepackt. Von ihrer Vorstellung, dass Bill ein Mensch war, hatte sie sich mittlerweile verabschiedet. Nun wollte sie wissen, was er war. Eine Katze auf jeden Fall, so viel war klar. Nur welche Rasse. „Komm mit.“ Sie griff Bill am Arm und zog ihn zu den Katzen. „Arme her, ich muss Vergleichsmaterial haben“, forderte sie und grinsend wurden ihr zwei Arme und vier Pfoten entgegengestreckt.

Als erstes nahm sie Rick hoch und schnupperte an ihm, dann wieder an Bill. Das war nur entfernt ähnlich. Gedankenverloren strich sie durch das getigerte Fell, biss ihr etwas gegen die Wade schlug. Buster hätte seinen Liebling gern wieder und er schätzte es gar nicht, wenn Rina ihn beschmuste.

„Okay!“, sagte sie nur, setzte Rick ab und griff mit der anderen Hand gleichzeitig den knurrenden Bengalkater im Nacken.

„Nee, ihr beide nicht“, erklärte sie, als sie Buster wieder abgesetzt hatte. Als nächstes beugte sie sich runter zu Luan und Tian. „Schon ähnlicher, aber auch nicht perfekt.“ Sie arbeitete sich langsam in die richtige Richtung vor. Tiger, Bengalkatze und Parder schieden schon mal aus. Sie nahm sich wieder Bills Arm, zog ihn diesmal aber nur damit näher zu sich und schnupperte diesmal an seinem Hals. „Da kann ich noch viel mehr von dir riechen“, flüsterte sie leise und lächelte. Jetzt waren nur noch die Leoparden zum Vergleich da. Darum machte sie sich auch gleich daran. Sie griff sich Ranu und ihre Mutter und beschnüffelte nun sie. „Du riechst nach Sina, das verfälscht alles“, konnte sie sich dann doch nicht verkneifen, schließlich hatte sie noch eine Demütigung offen für seine Nerverei vorhin. Wie erwarte zog Ranu seinen Arm weg und knurrte, während er rot bis zu den Ohren war. „Ich rieche bestimmt nach Vampir“, lachte Cathleen und sah ihren Mann an, der mittlerweile die beiden Jungtiere im Arm hatte.

„Ja, aber das kann ich rausfiltern, muss ich bei Paps ja auch machen.“ Sie war stolz auf sich, dass sie das hinkriegte, darum nahm sie jetzt Calebs Arm und schnupperte an ihm, dann wieder an Bill. So ging das eine Weile hin und her, bis Caleb genug davon hatte. „Und zu welchem Ergebnis bist du gekommen?“, fragte er. „Er riecht fast wie ein Leopard, aber doch wieder nicht. Der Geruch ist aber ähnlich. Gibt es Leoparden-Unterarten?“

Doch es kam keiner mehr dazu, darauf zu antworten, weil Bill sich gewandelt hatte. Da saß er nun – der Schneeleopard und legte den langen buschigen Schwanz sorgfältig um seine Pfoten. Er versuchte den besten Eindruck zu machen, den er nur konnte.

„Hübsche Miez“, konnte sich Assai nicht verkneifen und der Rest fing leise an zu lachen.

„Wieder eine neue Katze in deiner Sammlung“, lachte Aset und schlug seinem Freund auf die Schulter. „Wow.“ Rina kniete sich neben Bill und strich ihm vorsichtig durch das Fell. „Ein Schneeleopard, ich fass es nicht. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Aber das ist toll.“ Sie lachte laut und umarmte Bill kurz, dann wandelte sie sich und warf sich auf ihren Freund. Sie wollte raufen und jetzt ging das, denn Bill war kein Mensch. Und der weiße Leopard ließ sich auch nicht lange bitten, während Caleb den Auflauf auflöste. „Hier gibt es nichts zu sehen – gehen sie weiter – es gibt nichts zu sehen“, lachte er und blickte von Aset zu Ryan und dann zu Cathleen. Ihre Kleine wurde erwachsen. „Wir müssen immer noch einkaufen“, erklärte die Katze und griff sich wieder ihren Bruder. „Ryan kann auf die kleinen aufpassen.“

„Wir drei werden das machen.“ Aset trat zu seinem Schwager und nahm im Nicolas ab. Das kleine Kätzchen protestierte gar nicht, denn es kannte Aset schon, da der sich oft um die Kleinen kümmerte, wenn sie sich sahen. Der Kleine schnurrte, als er gekrault wurde und Ryan wurde nun auch seine Tochter los, die zu Assai wechselte. „War ja klar, dass die beiden sich gleich die Jungen greifen“, lachte Caleb und schüttelte den Kopf. Mehr noch als es keine Sekunde dauerte, bis ein Parder an dem Vampir hoch kletterte, sich balancierend auf dessen Schulter stellte um den kleinen Leoparden zu lecken.

„Sie sind in guten Hände“, lachte Cathleen leise und ging mit ihrem Bruder zusammen endlich zum Hauptausgang, um die Besorgungen zu machen. Für morgen war noch viel vorzubereiten. „Ein Schneeleopard, wie passend für unsere Familie – und dann auch noch so ein hübscher“, schwärmte sie, als sie zusammen in den Wagen stiegen.

„Ich fass es echt nicht, dass Rina dachte, er wäre menschlich.“ Caleb musste lachen, als er an ihr Gesicht dachte. „Ich hatte mich schon gewundert, warum er sich bei uns nie gewandelt hat, obwohl doch offensichtlich jede Menge Wertiere bei uns ein und aus gehen.“

„Er hat wohl akzeptiert und nichts gesagt, so lange sie nichts sagt“, vermutete Cathleen, das war das einzige, was Sinn machen würde. „und er ist sehr nett, intelligent, wissbegierig.“

„Er gefällt dir also als Schwiegersohn?“, lachte Caleb und konnte nicht ausweichen, als er am Steuer saß.

Cathleen knuffte ihren Bruder vorsichtig in die Seite und lachte. „Hey, sie sind noch jung, da weiß man nie, was noch wird, aber wenn sie zusammen bleiben sollten, bin ich mit ihrer Wahl einverstanden. Ich mag den Jungen und ich bin sehr gespannt auf seine Väter.“

„Ich auch. Zumal es wirklich noch mehr Vampire mit einer Vorliebe für Katzen zu geben scheint. Er ist ein Clanloser und dreihundert Jahre alt. Hab selten gehört, dass Clanlose so lange überleben. Aber er war wohl schlau genug, sich aus allen Querelen der Clans heraus zu halten.“ Caleb hatte sich einmal mit Bill darüber unterhalten, als er auf Rina gewartet hatte, die nach der Schule noch beim Sport gewesen war. Sie war neuerdings Cheerleader und hatte Spaß an der Bewegung.

„Ja, das habe ich auch gehört.“ Es gehörte schon einiges dazu, so lange alleine zu überleben. „Morgen lernen wir sie ja kennen.“ Caleb nickte und dann fiel ihm etwas ein, was er auch erst seit kurzem wusste. „Sie wissen noch nicht lange, dass wir Rinas Väter sind. Bill hat es ihnen erst vor einigen Tagen gesagt und auch nur, weil wir sie für morgen eingeladen haben.“

„Das heißt, jemand Fremdes wird auf Aset treffen und wir wissen noch nicht wie das werden wird?“, fragte Cathleen vorsichtig, doch sie wusste, dass genau das das Problem war, was jeder hatte. Aset und Assai arbeiteten auch daran, dass ihr Ruf in der Außenwelt der war, den sie brauchten, um an der Spitze zu bleiben und unangreifbar zu werden. Es war für jeden schwer zu begreifen, dass die Vampire auch anders sein konnten, wenn sie erst einmal die Möglichkeit bekamen hinter die Fassade zu blicken.

„Ja, aber dass sie Bill nicht gleich verboten haben, weiter zu uns zu kommen, macht mich etwas zuversichtlicher, dass es gut laufen wird.“ Es war keine Garantie, aber damit konnte man arbeiten. Auf jeden Fall bekam Aset die Auflage sich von seiner besten Seite zu zeigen. Und sie wussten, dass er das konnte, wenn er nur wirklich wollte. Und wenn es jemanden gab, für den er alles tun würde, dann waren das sein Mann und seine Kinder.

„Egal wie es laufen wird, warten wir es ab. Wir können es ja doch nicht beeinflussen.“ Caleb bog auf den Parkplatz des Supermarktes ein und bremste den Wagen. Sie hatten noch viel vor.

Fortsetzung folgt