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Weihnachten 2013 - 13

13. Dezember

wenn auch nicht weihnachtlich, so doch ein kleines siebenteiliges Out-take zu Katzenaugen
(gehört thematisch gesehen hinter Zyklus 6, die Geschichte des Schneeleoparden Ian)

ein kleiner Gruß von Britta und Fich

Katzenaugen - Outtakes - 2 von 7

2 – Am Pool

 

Rina tobte immer noch mit dem Schneeleoparden über die Wiese, doch irgendwann blieb Bill einfach nur liegen und hechelte. Ihm war heiß. Das dicke Fell war für New Yorker Sommer einfach zu dick.

Rina kam zu ihm und rieb ihren Kopf an dem ihres Freundes. Ihr war auch warm, aber nicht so sehr wie offensichtlich Bill. Sie stupste ihn an und deutete mit dem Kopf auf den Pool. Eine Abkühlung war jetzt genau das richtige und seit sie klein war, liebte sie es im Pool zu schwimmen. Ob als Katze, oder Mensch war ihr da vollkommen egal. Darum lief sie auch schon vor und stürzte sich in das kühle Nass. So kämpfte sich Bill noch einmal auf die Beine und folgte ihr, wenn auch langsamer. Erst beäugte er das kühle Nass. Sie selber hatten keinen Pool, aber er fand die Idee, etwas in der Art hinter dem Haus in den Garten zu vergraben, gar nicht übel. Vielleicht sollte er Randy morgen von den Vorteilen überzeugen - dann war sein Vater bestimmt nicht dagegen. Und wie er da so stand, eine Pfote in das Wasser tauchte und nachdachte, merkte er gar nicht, wie sich jemand anschlich.

Erst als er durch die Luft flog und mit einem lauten Platsch im Wasser landete. Prustend kam er wieder hoch und sah einen zweiten Leoparden am Poolrand stehen. Das musste Ranu sein. Er fauchte und schwamm zum Rand. Mit einem kräftigen Satz war er aus dem Wasser und stürzte sich auf den Bruder seiner Freundin. Wenn er schon Wasser schlucken musste, dann Ranu auch. Wie ein großes Knäuel rollten die beiden Leoparden über den Boden und landeten mit einem Platsch im Wasser.

Die Geräusche lockten noch anderen Katzen an, Katzen die in Büschen gedöst hatten, Katzen, die auf Bäumen gedöst hatten – und so schlichen noch zwei Parder und zwei kleine Katzen um das erfrischende Nass. Bill und Ranu aber ließen sich nicht stören. Fauchend und knurrend rauften sie über den Pool Rand, fielen immer mal wieder hinein, sprangen wieder hinaus. So lange bis sie einmal um den ganzen Pool herum waren.

Dann blieben sie mit raushängenden Zungen am Poolrand liegen und waren vollkommen erledigt. Bill schaffte es ja noch nicht einmal, sich zu erheben und das Wasser aus dem Fell zu schütteln. So kaputt war er das letzte Mal gewesen, als er mit seinem Vater im Schnee gerauft hatte. Randy hatte ihn ins Haus getragen, abgerubbelt und ins Bett gesteckt, aber das würde jetzt nicht passieren. Darum kämpfte er sich auf alle viere und schüttelte sich. Danach ließ er sich wieder fallen und blieb einfach liegen, wo er war.

„Arme Miez.“ Peter hatte sich mit einem Stapel Handtücher zum Pool begeben. Er verteilte sie auf den Liegen, als er sah wie nun auch die übrigen Katzen im Wasser verschwanden. Ihre anfängliche Wasserscheu hatten sie abgelegt, sogar Buster. „Na, komm her.“ Peter rubbelte die weiße Katze trocken und verstand das Dilemma. Der wollte sich nicht wandeln, weil er dann vor Rina nackt gewesen wäre. Das war der Nachteil an der Wandelung.

„Komm, ich trag dich ins Poolhaus, da findest du Badeshorts und Shirts, okay?“ Peter kraulte Bill hinter den Ohren und hob ihn hoch, als der Kater nickte. Bill hing in seinen Armen, wie ein nasser Sack und ließ den Wolf schmunzeln. Ihm war schon klar, wer gleich in seinem Liegestuhl liegen und schlafen würde.

„Dein Fell ist wirklich schön, aber ein bisschen dick für die Jahreszeit“, lachte Peter leise und ließ den Kater im Poolhaus allein. „Ich geh zurück und besorge etwas zu trinken und einen Happen zum Stärken. Komm dann einfach rüber, aber gewöhn dich lieber dran, dass später eine Menge nackter Jungs herum flitzen werden.“

„Kenn ich – bin ja nicht die einzige Katze in meinem Haus“, sagte Bill und bedankte sich für die Hilfe, als er sich grob abtrocknete und etwas anzog.

„Keine Ursache“, rief Peter noch, dann war er weg und Bill versuchte seine Haare wieder ein wenig in Form zu bringen, was aber nicht gelang. „Was soll‘s“, murmelte er leise zu seinem Spiegelbild und streckte sich die Zunge raus. Zumindest war ihm jetzt nicht mehr so warm wie vorhin.

Ranu lag schon in einem der Liegestühle und schlürfte Eistee. „Du bist ganz schön hinterhältig“, lachte Bill und ließ sich neben Rinas Bruder nieder. „Können wir ruhig wiederholen.“

„Ich bin mit Rina aufgewachsen, entweder ist man hinterhältig oder tot“, sagte Ranu lapidar. „Lass dir mal von Buster erzählen, was sie so alles mit ihm gemacht hat. Klebestreifen um den Schwanz, angemalt und noch viele andere schöne Nettigkeiten. Da lernt man zu überleben.“ Ranu konnte gar nicht so schnell gucken, wie ein Leopard neben ihm stand und sich so sehr schüttelte, dass er in seinem Liegestuhl wieder patschnass war. Bill ebenfalls.

Aber im Gegenteil zu Ranu, der zeterte wie ein Rohrspatz, lachte Bill nur und griff sich den Leopard bevor Ranu sie zu fassen kriegte. „Komm, bleib bei mir liegen, da bist du sicher“, flüsterte er und küsste sie auf die Stirn. Er hatte noch gar keine Zeit gehabt sich seine Freundin als Katze anzusehen, das holte er jetzt nach. „Du bist eine sehr hübsche Katze“, flüsterte er ihr ins Ohr. Und so blieb Rina auch neben Bill auf dem Liegestuhl liegen und ließ sich streicheln. Sie schnurrte zufrieden und ignorierte den tobenden Ranu völlig. Weniger Luan und Tian, die – immer noch im Fell – auf einem Liegestuhl in der Sonne dösen wollten und denen das Gezeter auf die Nerven ging. Sie sprangen kurzerhand auf und gaben Ranu einen Schubs, warteten zufrieden auf das folgende Platsch und legten sich zufrieden zurück in die Sonne.

„Ziemlich chaotischer Haufen“, lachte Bill und fühlte sich hier ganz wie Zuhause. „Aber ich glaube, wir sollten hier verschwinden, gleich wird es hier nass werden.“ Er nahm sein Glas und machte, dass er weg kam, denn gerade schoss Ranu aus dem Wasser und stürzte sich auf die beiden Parder. Da wollte er nicht zwischengeraten, denn er war gerade wieder halbwegs trocken. Rina stimmte ihm zu und machte, dass sie aus der Reichweite kam, sprang aufs Gras und beobachtete von dort, wie Ranu wutentbrannt beide Nebelparder im Nacken griff und in den Pool warf. Ohne auf Bill zu achten, hastete sie ins Poolhaus um sich anzuziehen.

Bill stand mit offenem Mund da, denn soviel Kraft hatte er bei Ranu nicht erwartet. Er war jünger als er selbst und selbst wenn der Leopard wütend war, war das bemerkenswert. „Wow.“ Es sah wirklich mühelos aus, wie Ranu mit den beiden Katzen fertig wurde.

„So ein Freak“, schimpfte Rina, als sie in einem Strandkleid wieder neben Bill stand. „Er weiß doch ganz genau, dass er jetzt von zwei nackten Asiaten getaucht wird, bis er röchelt.“ Doch ihr sollte es recht sein. „Setzen wir uns wieder da rüber, ich habe keine Lust ihm schon wieder beim sterben zuzusehen. Der ist wie ein Regenwurm, der lernt einfach nicht. Stark aber blöd. Und so was ist mit mir verwandt.“

„Sina scheint das ja zu gefallen.“ Bill legte einen Arm um Rina und führte sie zu einer Sitzgruppe etwas vom Pool entfernt, aber immer wieder sah er zurück, wo sich drei Nackte ineinander verkeilt hatten. „Er ist wirklich stark. Er kann sich recht gut behaupten.“

„Ach Sina“, sagte Rina und grinste. „Der ist nicht mehr zu helfen. Aber stimmt schon, Ranu hat einiges an Kraft. Liegt daran, dass er regelmäßig mit Caleb oder den Pardern oder Buster trainiert. Und sich gegen einen wie Caleb durchsetzen zu müssen ist kein Pappenstiel.“ Sie goss sich etwas von dem Eistee ein, der dort noch von vorhin stand und setzte sich in die Polster der Rattancouch unter dem Sonnensegel.

„Das habe ich auch schon gehört. Man sollte ihm nicht seinen Central Park streitig machen.“

„Nein, das sollte man lassen, wenn man an seinem Leben hängt. Durch Asets Blut ist er sehr stark geworden.“ Rina rückte ein wenig, damit Bill sich neben sie setzten konnte. „Er ist wirklich beeindruckend in seiner Katzenform.“

„Das will ich gern glauben. Die ganze Stadt spricht von diesem Leoparden nur hinter vorgehaltener Hand. Er muss auch ein paar Pumas aufgemischt hatten, die sich Randy greifen wollten und dummerweise geglaubt haben, der Central Park wäre ihrer.“ Bill lachte leise, als er sah, wie ein kleiner Tiger, der sich auf der Liege der Nebelparder ausstrecken wollte, zwischen die Fronten geriet und jämmerlich schreiend im Wasser landete.

„Die wollten was von Randy?“ Rina sah Bill aus großen Augen an. „Richtig so, dass er sie vermöbelt hat.“ Sie mochte Randy, mit ihm konnte man sich prima unterhalten und Spaß haben. „Was für eine Katze ist er denn?“

Bill sah sie etwas irritiert an, doch dann nickte er sich selber zu. „Randy ist gar keine Katze. Randy ist ein Vampir und wurde von Katzen verfolgt, als er zufällig auf meinen Vater getroffen ist und ihm vor den Füßen ohnmächtig wurde.“ Kurz umriss Bill die ersten Tage mit Randy und auch wie Dexter und Ian den Vampir im Park gesucht und gefunden hatten.

Rina hörte ihm zu und man sah ihrem Gesicht an, wie sehr sie das Verhalten der Pumas verabscheute. „Die haben echt nichts anderes verdient.“ Allerdings ging ihr jetzt auch langsam auf, wie blind sie die letzten Monate durch die Gegend gelaufen war. „Oh man, bin ich blöd“, stöhnte Rina und versteckte ihr Gesicht in den Händen. „Warum hab ich das nicht früher mitgekriegt? Dann hätten wir schon viel eher toben und raufen können.“

Bill lachte leise und zog sie gegen sich, legte einen Arm um sie und lehnte sich zurück. „Ich dachte mir, du wirst schon was sagen, wenn du willst, dass ich weiß, was du bist. Ich dachte ja wirklich, du hättest gemerkt, was ich bin und nur nichts gesagt. Ich wusste ja nicht, dass …“ Er ließ den Satz offen, denn er wollte sich über sie nicht lustig machen.

„Sag ruhig, dass ich ziemlich nasenblind war“, lachte Rina und legte ihren Kopf auf Bills Schulter. Sie mochte ihn gleich noch mehr, weil er ihr nicht wie ihr Bruder ihre Fehler unter die Nase rieb. Sie hatte Spaß mit ihm und der Rest der Familie mochte ihn. Das war ihr ziemlich wichtig.

„Wenn du es doch selber weißt, muss ich dir das nicht noch sagen“, erklärte Bill und blickte auf, als er die kleinen Katzen meckern hörte. Aset kam auf sie zu, Kayla und Nicolas auf dem Arm. „Rina, ich muss dir die Süßen da lassen. Wir müssen noch mal runter zum Hafen.“

„Klar, gib her, die kleinen Scheißer.“ Entgegen ihrer Worte lächelte sie sanft und nahm Kayla vorsichtig entgegen. Sie war schrecklich verliebt in ihre kleinen Geschwister und konnte sich jetzt gut vorstellen, wie sie und Ranu Asets Herz erobert hatten. Nicolas landete bei Bill, der ihn gleich kraulte und leise schnurren ließ. „Geht ruhig, wir machen das schon.“

„Wir versuchen zum Abendessen wieder da zu sein, aber wir wollen noch einen Geschäftspartner treffen, der sich eines der Schiffe ansehen will, das im Hafen liegt. Das läuft aber heute Nacht wieder aus. Also müssen wir jetzt los. Macht's euch noch nett.“ Er küsste Rina auf die Stirn, wuschelte Bill durch die Haare und strich den kleinen Katzen über die Ohren. Dann teleportierte er sich in die Garage, wo Assai und Ryan schon auf ihn warteten.

„Wow, das ist cool. Das kann Randy nicht.“ Bill war sichtlich beeindruckt, dass der Vampir auf einmal einfach verschwunden war. „Randy ist gegen Aset ja auch noch sehr jung. Dad ist mehr als viertausend Jahre alt. Da hat er einige Tricks auf Lager.“ Rina lachte und ärgerte Kayla, die versuchte ihr in die Finger zu beißen. „Je älter Vampire sind, umso mehr unglaubliche Dinge können sie.“

„Na dann bin ich ja mal gespannt, was Randy mit den Jahren noch so alles …wow!“ Bill kraulte zwar noch Nicolas, der sich gerade auf den Rücken drehte und mit den Pfoten versuchte die ihn berührende Hand zu fangen, doch das merkte Bill gar nicht. „Hat dein Bruder wirklich Flügel? Ich dachte, er wäre eine Katze!“

„Ist er auch. Zumindest zur Hälfte. Ryan ist ein Vampir und er ist unser Dad. Wird sind also halb Katze, halb Vampir“, erklärte Rina und grinste, als sie auf ihrem Rücken auch kleine Flügel erscheinen ließ und mit ihnen wedelte. Sie konnte das nämlich mittlerweile auch. „Ich hab auch welche.“

„Wow!“, konnte Bill nur sagen und starrte auf die seidig glänzenden schwarzen Federn. „Das ist mal … wow!“ Er hatte heute Morgen schon irgendwie das Gefühl gehabt, dass das ein ganz besonderer Tag sein würde und das war er irgendwie auch. „Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt. Katzen mit Flügeln. Und ihr Kleinen seid auch von der Sorte?“ Er sah zu Nicolas, der nun gerade an seinem Finger herum kaute, aber die Zähnchen waren noch nicht sehr scharf.

„Ja, sind sie.“ Rina hob Kayla hoch und küsste sie auf die Nase. „Jetzt sind Ranu und ich nicht mehr einmalig.“ Sie lachte, denn das war gar nicht schlimm. „Keiner wusste, wie wir uns entwickeln würden. Als wir klein waren, waren wir wie jede andere Katze. Die Flügel kamen vor ein paar Monaten.“

„Du bist echt unglaublich“, sagte Bill offen und das meinte er so, wie er das sagte. Rina war bisher schon etwas Besonderes für ihn gewesen, aber ihre Einmaligkeit hob sie noch einmal etwas höher. „Ihr seid wirklich alle ein echt schräger Haufen, vor allem die fünf Nackten da drüben.“ Hier hätte Simon auch seine helle Freude.

„Die haben echt Glück, dass ich sie alle liebe, denn sie sind sooo peinlich.“ Rina hielt sich gespielt die Augen zu, aber das war nur Show. Sie war es von klein auf gewohnt, von nackten Männern umgeben zu sein. Darum konnte sie das nicht schocken. „Mich wundert es nur, dass Peter noch nicht mitmischt.“ Sie sah sich um und lachte. „Ah klar, ich hab die Beweisfotos vergessen.“ Peter saß nämlich gemütlich in einer der Liegestühle und knipste fleißig, was sich ihm bot. Man wusste nie, wann man mal wieder das eine oder andere Erpressungsfoto brauchte und wer sich dann bei ihm zum Wechselkurs von drei Hotdogs oder zwei Liter Pfefferminzeis das eine oder andere unter der Hand besorgte. Der Wolf war für peinliche Fotos aller Art immer der Dealer der Wahl.

„Wozu?“, fragte Bill etwas irritiert. „So was klebt man doch bestimmt nicht ins Familienalbum – oder ihr schon?“

„Oh nein. Viel schlimmer.“ Rina beugte sich verschwörerisch zu Bill rüber und kicherte dann. „Man weiß nie, wann man mal ein peinliches Foto von jemandem benötigt und Peter ist unser bester Dealer für so was. Schließlich muss man ab und zu zu solchen Mitteln greifen, wenn man etwas Bestimmtes will. Er ist auch nicht übermäßig teuer. Hot Dogs, Eiscreme, Hamburger oder Schokolade und man kommt mit ihm ins Geschäft.“

„Ihr habt ‘n‘ komischen Wechselkurs – aber echt“, sagte Bill, sah aber noch einmal zu dem Wolf rüber. Besser er merkte sich das Gesicht ganz genau und versuchte ihm immer auszuweichen, wenn er in dessen Hand eine Kamera sah. „Und was will man so haben, wenn man seinen Bruder mit einem peinlichen Foto erpresst? Und vor allem, wem wollt ihr die Fotos denn zeigen, wenn eure erpressten Opfer nicht zahlen??“ Er wurde neugierig, vielleicht ließ sich das bei ihnen auch adaptieren.

„Ich habe mir mal von Buster und Rick peinliche Fotos besorgt, damit sie meine Väter überreden mich auf ein Demon Konzert gehen zu lassen. Wenn sie nicht mitgespielt hätten, hätten alle anderen aus der Familie die Bilder rein zufällig zu sehen bekommen.“ Rina lachte und stupste Bill mit der Schulter an. „Also peinliche Fotos wurden schon von allen gemacht, bevor Peter zu uns gestoßen ist, aber der Handel kam erst mit ihm in Gang.“

„Ich werde mich also immer schön weit weg von ihm aufhalten und versuchen nicht peinlich zu sein. Was spätestens morgen vorbei ist, wenn Simon hier sein wird. Wenn er sich wohl fühlt, dann kann's auch peinlich für mich werden. Er versucht, mich immer noch irgendwo unter zu bringen, damit er mehr Zimmer im Haus hat und beim Pudding die größte Portion bekommt.“ Am besten briefte er seinen kleinen Bruder noch einmal und auch Ian und Randy. Wer wusste schon, was man sich sonst von ihnen alles erpressen konnte. Bill lachte leise.

„Ich freu mich schon auf den kleinen Kerl. Du solltest ihm aber einschärfen, dass Büsche hier nicht ausgegraben werden und die Bäume mit den bunten Bändern sind die Kratzbäume. Alle anderen sind tabu.“ Das wusste Bill ja auch noch nicht. „Aset kriegt einen Anfall, wenn sich jemand an seinem Grünzeugs vergreift. Er jagt uns dann, also den, der schuldig ist, über das Anwesen, bis wir nicht mehr können.“

Unauffällig sah sich Bill um und wirklich, jetzt fielen auch ihm die bunten Ringe an einigen Bäumen auf. „Ihr habt wirklich eigene Bäume?“, fragte er lieber noch einmal nach, ob er das auch richtig verstanden hatte und Rina nickte, während Kayla nun wieder putzmunter war und ein bisschen raufen wollte. So gut das mit ihren wenigen Wochen eben ging. „Ich werde Simon das einschärfen. Besser noch ich werde ihm verbieten sich zu wandeln. Ohne Krallen und Fell gräbt er nur ganz selten in fremden Gärten.“

„Nein, mach das nicht. Alle werden sich wandeln, da wäre es doch fies, wenn er es nicht dürfte. Außerdem hat er bei Aset noch einen Niedlichkeitsbonus. Er ist Wachs in den Pfoten von kleinen Kätzchen, aber das sollte besser niemand wissen.“ Rina legte einen Finger an ihre Lippen und grinste. „Das wirst du kleine Maus auch noch merken und genießen. Aset ist ein elender, skrupelloser Bastard, wie er selber von sich sagt, aber für seine Familie würde er sterben.“

„Na, lassen wir uns mal überraschen“, sagte Bill und war schon gespannt, wie seine Familie morgen reagierte. Er blickte auf die Uhr und entschuldigte sich. „Auch wenn’s schade ist. Ich sollte meine Klamotten zusammen suchen. In einer halben Stunde wird mich Randy einsammeln. Wir müssen noch ein paar Besorgungen machen und ich bin heute dran mit Dreckskatzen fangen.“

„Und da sagst du, wir wären Freaks?“, lachte Rina. Sie nahm Nicolas auch noch, damit Bill aufstehen konnte. „Schade, dass du schon gehen musst, aber wir sehen uns ja morgen. Vielleicht kriegen wir es ja hin, dass du hier schlafen darfst. Ich muss nachher mal mit Peter reden, ob er da was für mich im Angebot hat.“ Sie grinste breit und nickte sich selbst zu. Ja, das war eine gute Idee.

„Manchmal machst du mir einfach Angst, Süße“, sagte Bill und lachte leise. Sie erhoben sich beide. Und während Bill seine Kleider zusammensuchte, damit er seinem Vater nicht erklären musste, warum er – wenn er aus dem Haus seiner Freundin kam – mit einer fremden Hose zu Hause auftauchte, bändigte Rina die beiden Leoparden auf ihrem Arm. Langsam kam wohl der Hunger, am besten ging sie mit ihnen gleich in die Küche, sobald sie Bill zur Tür gebracht hatte.

„Und es gibt selbst von deinen Vätern peinliche Bilder?“ Wollte er das wirklich wissen?

„Ja, die gibt es, aber werden nicht gehandelt, zumindest nicht mit uns Kindern. Das wären dann die peinlichen Bilder, bei denen wir rot werden. Wir kriegen nur die harmlos peinlichen Bilder. Sie sind allerdings teurer als die von allen anderen, weil Caleb schon mal Rache nimmt, wenn er das rausbekommt.“ Rina kicherte und lehnte sich noch einmal bei Bill an. „Aber ich weiß, dass es solche nicht handelbaren Bilder in reichlicher Anzahl gibt.“

Bill lachte. Er ahnte, was sie meinte. „Wenn du – egal was du zahlen musst – nicht ausreichend zusammen bekommst, ruf mich an. Ich lege zusammen, damit ich hier bleiben darf morgen Abend.“ Er lachte und strich den kleinen Katzen noch einmal über die Köpfe. Sie meckerten weil sie Hunger hatten, besser er hielt sie nicht mehr allzu lange vom Futter fern. „Ich geh dann mal.“

„Ja, du musst wohl.“ Rina stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte Bill einen schnellen Kuss auf die Lippen. „Lieb von dir, aber ich denke, dass ich mir die Bestechung leisten kann. Peter ist human und wenn er nicht mitspielt, ich habe da auch ein paar Bilder von ihm, von denen sein Liebling hellauf begeistert wäre.“ Rina konnte das Familienspiel auch spielen, schließlich war sie damit aufgewachsen. Und sie war Asets Tochter. Das konnten beide nicht leugnen.

„Wenn du magst, ruf doch heute Abend noch mal an. Wir können auch noch etwas chatten, wenn du ins Bett musst. Ach, wir finden schon einen Weg.“ Ein letzter sanfter Kuss, dann verschwand Bill durch die Tür, während er nur noch leise das Lachen von Peter hörte. Sicherlich hatte er gerade zu einem für Rina teuren Bild beigetragen. Er grinste, wandte sich aber lieber nicht um.

„Du Peter“, rief Rina und ging zu dem Wolf. „Hast du Lust mit mir die Kurzen zu füttern? Ich muss dann mal was mit dir besprechen.“ Sie wackelte mit den Augenbrauen und Peter nickte grinsend. „Aber immer doch gerne zu Diensten, junge Dame. Füttern wir die Kleinen und reden ein wenig.“ Er ahnte, was Rina wollte. Die meisten, die unverfänglich ein Gespräch mit ihm suchten, wollten das gleiche. Er ließ sich Kayla geben und beschmuste die junge Leopardendame, doch die war nicht dazu bereit, sondern meckerte und schimpfte, weil immer noch kein Fläschchen in ihrem Schnäuzchen steckte. Also beeilten sie sich die vorbereiteten Flaschen ins Wasserbad zu stellen, während die beiden kleinen Katzen ausnahmsweise auf der Theke in der Küche herumwuseln durften. Wenn Karl das sah, gab’s bestimmt wieder Ärger, denn der schätzte das gar nicht.

Peter lehnte an der Arbeitsfläche und achtete darauf, dass die Kurzen nicht abstürzten, während Rina sich um die Fläschchen kümmerte. Sie prüfte die Temperatur und endlich war die Milch warm genug, denn mittlerweile jammerten beide Kätzchen, weil sie Hunger hatten. „Komm, wir setzen uns an den Tisch.“ Mit Kayla auf dem Arm ging sie vor und wartete, bis beide Fläschchen in gierigen kleinen Katzenmäulchen steckten. „Du weißt ja, dass morgen das Grillfest ist, und Bill und seine Familie kommen auch“, eröffnete Rina die Verhandlungen und Peter nickte. „Also ich möchte, dass Bill die Nacht bei uns schlafen darf. Hast du was im Angebot, womit ich Luan, Tian und Buster auf meine Seite ziehen kann?“

Peter grinste, aber nicht sehr offensichtlich. „Hast du bei denen schon mal vorgefühlt und abgecheckt, ob sie tendenziell auf deiner Seite sein würden? Denn davon hängt es ja ab, welche Liga von Peinlichkeiten wir auffahren müssen.“ Der Wolf war ganz Geschäftsmann, doch er war kein Wucherer. Er wollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, wenn’s eine Steinschleuder auch tat.

„Nein, hab ich noch nicht.“ Rina zog das Fläschchen aus Kaylas Mäulchen, was die Kleine unwillig maunzen ließ, aber es musste wieder Luft hinein, sonst wurde das saugen schwer. „Ich wollte nur schon mal vorfühlen, ob du was hast. Wenn die Kleinen satt sind, werde ich schon mal Erkundigungen einziehen. Schade, dass Aset noch nicht wieder da ist.“ Bei ihm hatte sie eigentlich die größten Erfolgschancen, wenn sie sich nicht ungeschickt anstellte. Doch das musste die letzte Variante sein, denn meistens – wenn Caleb mitbekam, dass sein Gatte wieder nicht hatte nein sagen können, obwohl der Kater etwas anderes beschlossen hatte – musste Aset dann im Salon nächtigen. Das war es ihr dann auch nicht wert.

„Von Luan und Tian habe ich Bilder in drei unterschiedlichen Peinlichkeitsleveln. Buster ist schwerer zu kriegen, das wird teuer, meine Schöne.“

„War heute nichts dabei?“, kicherte sie. Das konnte sie sich kaum vorstellen, wo die fünf Nackten doch reichlich abgelichtet worden waren. „Sag mir deinen Preis und ich entscheide, ob ich es nur mit Luan und Tian versuche.“

„Sicherlich waren von Buster ein paar Schnappschüsse dabei. Aber Busters Peinlichkeitslevel ist verdammt hoch. Bevor er ein Bild frei kauft, weil es ihm wirklich peinlich ist, da muss schon einiges drauf zu sehen sein. Bei Tian und Luan ist das anders. Deren Peinlichkeitslevel ist niedriger, die bekommt man schneller mit harmloseren Bildern“, erklärte Peter das Problem mit dem Bengalkater. „Ich hätte gern eine Thunfischpizza von Sergio zum Abendessen, sofern wir ins Geschäft kommen.“

„Normal oder Maxi?“, war alles, was Rina fragte. Sie hatte sich entschlossen, die Bilder von Luan und Tian zu nehmen. Wenn sie nicht gebraucht wurden, konnte sie die auf Halde legen und bei Bedarf benutzen. „Maxi und Lieferung der Bilder wie immer.“ Peter machte gerne Geschäfte mit Rina. Sie verhandelte nicht lange, wenn sie etwas wollte und er nicht zu viel verlangte. Und da sie noch minderjährig war, hielt er die Preise niedrig.

„Weiß Luan eigentlich, dass du ihn regelmäßig verschacherst? Soll ich zur Pizza vielleicht noch ein frisch bezogenes Bett in einem der Gästezimmer drauf legen?“, wollte die Leopardin wissen und lachte, als Nicolas anfing zu meutern. Seine Flasche war leer, was sollte der Mist denn? Satt war er jedenfalls noch nicht.

„Mäuschen, noch hungrig?“, fragte Rina, gab die noch nuckelnde Kayla an Peter und nahm den kleinen Kater hoch, damit er ein Bäuerchen machen konnte. Wenn er danach immer noch quengelte, konnte sie ihm ja noch ein wenig mehr Milch machen. „Das Bett wirst du für deinen Süßen brauchen. Luan wird schon ordentlich entschädigt, für die Schmach die er ständig erleiden muss.“ Peter grinste dreckig und Rina schüttelte den Kopf. „Irgendwie habt ihr alle einen Schaden.“

„Es muss doch einen Grund haben, warum wir alle so herrlich mit einander auskommen“, lachte Peter nur und strich Kayla ein bisschen über den Bauch, die zufrieden ihre Flasche leer nuckelte. „Außerdem hättest du es um einiges schwerer zu bekommen, was du willst, wenn wir anständig wären. Denk mal drüber nach“, lachte er und machte „pscht“ als er jemanden über die Fliesen zur Küche tapsen hörte. Ranu, der Kater der ständig im Wachstum war und deswegen grundlegend 24 Stunden am Tag Essen brauchte, hatte gehofft, ungesehen an den Kühlschrank zu kommen.

„Na du Raupe“, stichelte Rina und Ranu warf ihr einen giftigen Blick zu. „Bin im Wachstum“, knurrte er und schon war er im Kühlschrank verschwunden. Wie gut, dass immer etwas Leckeres darin war, nachdem Karl beinahe unfreiwilliger Zeuge eines vor Hunger sterbenden Jungleoparden geworden wäre. „So Mäuschen, du hast auch genug“, erklärte Rina ihrem jüngsten Bruder, nachdem er lautstark die Luft aus seinem Bauch gelassen hatte. Jetzt kam er noch mal aufs Klo und dann wurde geschlafen. Die Augen wurden ja schon ganz klein.

„Selber verfressen“, murmelte Ranu aus dem Kühlschrank, hatte sich aber schon etwas von der Pastete genommen und hatte schon ein Schnitzel im Mund. Dann machte er, dass er weg kam, ehe ihm noch jemand die Beute streitig machen konnte. Was er nicht ahnte, war der schändliche Überfall im Wintergarten, als sich ihm ein kleiner Tiger in den Weg stellte und ein Bengalkater ihn heimtückisch hinterrücks ansprang.

So konnte Ranu nur seinem Essen hinterher sehen, dass von zwei Katzen in verschiedene Richtungen verschleppt wurde, während er selber auf dem Bauch lag und versuchte zu begreifen, was passiert war. „Ihr Dreckskatzen“, brüllte er wütend und sprang auf, als endlich bei ihm angekommen war, was die zwei Mundräuber da gerade abgezogen hatten. Doch ihnen zu folgen hatte keinen Sinn. Die beiden Federgewichte verschanzten sich immer auf Ästen, die einen ausgewachsenen Leoparden niemals tragen würden. Er kam also weder an die Biester noch an sein Essen. Also machte er kehrt und deckte sich noch einmal ein.

„Wie viel frisst du eigentlich?“, wollte Rina wissen, die gerade mit den beiden kleinen Katzen aus dem Bad kam und sie nun oben in den Korb legen wollte.

„Klappe“, knurrte Ranu. Auf Rinas spitze Zunge hatte er jetzt keine Lust. Er hatte Hunger und bis jetzt noch nichts im Magen. Darum suchte er alles zusammen, was er tragen konnte und ging, nach allen Seiten sichernd aus der Küche. Rina schüttelte nur den Kopf und brachte die Kleinen hoch. Sie deckte sie in ihrem Körbchen gut zu und streichelte sie, bis sie eingeschlafen waren. Sie wollte gerade gehen, als Cathleen den Kopf leise zur Tür rein steckte.