Du befindest Dich hier: Geschichten > Weihnachten 2013 > Weihnachten 2013 - 18

Weihnachten 2013 - 18

18. Dezember

wenn auch nicht weihnachtlich, so doch ein kleines siebenteiliges Out-take zu Katzenaugen
(gehört thematisch gesehen hinter Zyklus 6, die Geschichte des Schneeleoparden Ian)

ein kleiner Gruß von Britta und Fich

Katzenaugen - Outtakes - 4 von 7

4 – Flügelchen-Massaker Teil 1


„Randy, du weißt wann ihr da sein sollt?“, fragte Bill wahrscheinlich zum zehnten Mal und der Freund seines Vaters verdrehte die Augen. Randy hatte sich bereit erklärt, ihn zu fahren und brachte ihn gerade zu Rina. Seine Tasche für die Übernachtung war gepackt, denn sein Vater hatte nichts dagegen gehabt. „Wir sollen nicht später als sechs Uhr da sein“, wiederholte der Vampir geduldig auch zum zehnten Mal. „Wir werden uns benehmen, nicht rumbrüllen und auch keine Büsche ausreißen, keine Bäume zerkratzen und auch nicht den Rasen betreten, was ich allerdings immer noch nicht verstanden habe.“ Randy grinste, denn jetzt verdrehte Bill die Augen.

„Ich habe es euch doch mehr als einmal erklärt und gezeigt. Da sind Tretminen und Luftballons vergraben und geht nicht unter die Bäume, da liegen Melonen.“ Auch Bill wurde nicht müde seine Familie immer wieder auf die möglichen Probleme hinzuweisen. Er würde, wenn er den Garten betreten hatte, sich das alles noch einmal genau angucken. Er war sich zwar sicher, dass man ihr Leben nicht in Gefahr brachte, aber nicht so sicher, dass er es ungeprüft lassen würde. Er hing an seiner Familie, vor allem wenn sie unverletzt war.

„Ja, ich habe es gesehen, und alle schienen sehr viel Spaß daran gehabt zu haben.“ Randy wuschelte Bill kurz durch die Haare und lachte. Es freute ihn, dass der Junge sich Sorgen um seine Familie machte. Der konnte ja nicht wissen, dass Caleb am Morgen angerufen und ihn und Ian in ihre Pläne eingeweiht hatte. Sein Schatz hatte sich vor Lachen bald gar nicht mehr eingekriegt und hundertprozentige Kooperation signalisiert. Für solch einen Spaß war der Schneeleopard immer zu haben. Schließlich wollte auch er nicht, dass seinem Jungen die Bäume in den Himmel wuchsen. Und das taten sie, seit er eine Freundin hatte.

„Spaß. Na ich weiß ja nicht. Versetzt lieber Dexter in Notbereitschaft. Irgendeiner muss Simon die Pfoten wieder annähen, wenn er auf eine der Minen getreten ist“, knurrte Bill. Irgendwie hatte er das Gefühl, keiner würde ihm glauben. Waren er und Rina die einzigen, die sich der Tragweite dessen bewusst waren, was passieren konnte?

„Ach Bill, das ist eine Grillparty. Ich glaube nicht, dass uns dort eine Gefahr droht.“ Dass Randy sich unwohl fühlte, in Asets Haus zu kommen, sagte er lieber nicht. Ihm war sein Leben lang eingeschärft worden, nie in den Fokus des Vampirfürsten zu geraten, weil er dann seines Lebens nicht mehr sicher sein konnte. Jeder kannte die Geschichten über Aset und jetzt musste er nicht nur auf sein eigenes Leben aufpassen, sondern auch auf das seiner drei Katzen. Doch er hatte die Versicherung von Caleb, dass ihnen nichts passieren würde – wenn er auch dem Vampirfürsten nicht über den Weg traute, so doch der Katze, seit er wusste, dass sie auch sanftmütige, liebenswerte Wesen sein konnten und nicht nur wahnsinnige Irre wie die Pumas um McManner.

„Wenn der erste von euch explodiert, will ich kein Gejammer hören“, maulte Bill, weil er sich und seine Sorgen nicht ernst genommen glaubte. Er würde allerdings erst einmal das gestern präparierte Areal untersuchen. Er hatte ja noch Zeit.

„Ich verspreche es und auch den Rasen nicht zu betreten.“ Randy fuhr zum Tor und als die Wache Bill erkannte, wurden sie durch gewunken. „Wir sehen uns nachher, Großer. Grüße Rina.“ Randy klopfte Bill auf die Schulter und lächelte. „Wird schon werden heute Abend.“

„Ich rette euch nicht, wenn ihr explodiert“, erklärte er noch einmal, grinste aber, als er aus dem Wagen stieg und zur Tür blickte, wo Rina gerade mit den Zwillingen auf dem Arm auf die Treppe trat. Sie wollte gerade mit den kleinen Katzen in den Wintergarten, damit sie herum tollen konnten. Sie lächelte Bill an und nickte Randy zu, als der wendete und wieder das Grundstück verließ.

„Bereit?“, fragte sie und strich Nicolas mit der Nase durch das Fell. Doch der kleine Kater wollte nicht schmusen, er wollte ein Entdecker sein.

„Hallo, Schatz.“ Bill küsste Rina sanft und streichelte dem Kleinen über das Köpfchen. „Gib mir den Rabauken.“ Er nahm Rina Nicolas ab, der heftig protestierte. „Du kannst ja gleich runter, Süßer. Im Wintergarten ist es sicherer für euch.“ Bill sah in den Garten, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen.

„Ich habe vorhin vom Fenster aus versucht mit den Bildern von gestern die Stellen wiederzufinden. Aber nichts zu machen. Der blöde Rollrasen verbirgt alles. Aset hat ihn gestern noch schön angegossen – da er fliegen kann, musste er die Fläche nicht betreten. Hinterhältiger Vampir“, murmelte Rina und ließ sich von Bill in den Arm nehmen, während sie in den Wintergarten gingen, wo auf einem ehemaligen Blumenbeet Rasen für die kleinen Katzen angesät worden war und nun herrlich gedieh.

Dort konnten sie ihre ersten kleinen Ausflüge machen. Immer noch ein wenig tollpatschig und gar nicht elegant, wie es bei Katzen normalerweise der Fall war. „So, dann wackel mal los.“ Bill setzte den kleinen Kater auf den Rasen und wackeln war genau das richtige Wort, denn laufen konnte man das wirklich noch nicht nennen. Der kleine Hintern schwenkte nach links, schwenkte nach rechts. Dann landete der Kater auf der Seite. Doch er rappelte sich wieder auf und wuselte weiter. Er kam nicht schnell voran, doch er kam voran. Kayla hingegen hockte auf dem Rasen und versuchte zu verstehen, warum das komische grüne Zeug sich so merkwürdig an den Pfoten anfühlte. Immer wieder hob sie eine Pfote, guckte drunter, wollte eine zweite heben und gucken und fiel um.

Es sah einfach putzig aus, wie sie da lag und völlig perplex guckte, weil ihr das zu schnell gegangen war. Bill und Rina kicherten leise und setzten sich zu den Kleinen auf den Rasen. „Kaum zu glauben, dass aus ihnen einmal große, starke Leoparden werden sollen“, lachte Bill und stupste Nicolas an, der auf ihn zu kam. Das brachte den kleinen Kerl aus dem Gleichgewicht und er landete neben seiner Schwester, halb auf ihr und fing sich so eine mit der kleinen Pfote ein.

„Ne Zicke – wie du!“, erklärte Ranu im Vorbeigehen, grüßte Bill und warf sich sein Handtuch über die Schulter. Er wollte noch eine Runde in den Pool, ehe er sich fein machte, weil Sina nach dem Mittag kommen wollte.

„Ein Tollpatsch, wie du“, rief Rina ihm hinterher, wollte sich aber nicht ärgern lassen. Das hatte doch sowieso keinen Sinn. Sie wollte sich die Stunden mit Bill nicht dadurch verderben lassen, indem sie mit ihrem Bruder stritt. „Sollen wir auch noch schwimmen gehen, wenn die Kleinen schlafen?“, fragte sie und setzte Nicolas wieder in die richtige Richtung, damit er weiterlaufen konnte.

„Klar, warum nicht. Ich gehe mal davon aus, dass wir dort nicht explodieren werden.“ Ganz hatte Bill mit der Aktion von gestern noch nicht abgeschlossen. „Willst du rein gucken?“, fragte er Nicolas, der zielstrebig auf Bills Tasche zu wackelte. Die roch interessant, aber der Weg dorthin war weit.

„Streng dich an. Wenn du bis dahin kommst, bekommst du auch als erster deine Flasche“, spornte er das kleine Kätzchen an. Tapfer wackelte Nicolas weiter, musste aber eine Pause machen, weil die kleinen Beinchen ihn nicht mehr trugen und er wieder umfiel. Da saß er nun und maunzte, damit einer kam und ihm half. Und weil er ihn so sehr an seinen kleinen Bruder erinnerte, nahm Bill ihn hoch und zog ihn an sich. „Du musst viel trainieren, wenn du gegen die hier alle bestehen willst“, flüsterte er der kleinen Katze ins Ohr, doch das war Nicolas herzlich egal. Er hatte Hunger und das machte schlechte Laune, also machte er seinem Unmut Luft.

„Komm, geben wir ihnen Futter und legen sie zum schlafen in ihr Körbchen“, schlug Bill vor, der es gar nicht haben konnte, wenn die Kätzchen Hunger hatten. „Wir nehmen das Babyfon mit an den Pool, dann wissen wir sofort, wenn sie wach werden.“

Rina grinste. „Du warst schon mal großer Bruder, hm?“, stichelte sie und erhob sich, griff sich im laufen Kayla die plötzlich den Boden unter den Pfoten verloren hatte und leise meckerte. Jetzt hatte sie sich endlich an das komische grüne Zeug gewöhnt und wollte es erforschen.

„Lach nur. Wo sind eigentlich alle?“, lenkte Bill ab. Er hatte Nicolas in einer Hand und griff sich mit der anderen seine Tasche.

„Caleb und Mom sind noch irgendetwas besorgen, Aset noch auf der Arbeit, genauso wie der Rest der Bekloppten. Man sollte es nicht glauben, aber die haben wirklich alle Jobs.“ Rina kicherte und ging mit Bill durch den Wintergarten zur Küche. Dort hatte Karl die Fläschchen schon vorbereitet und Rina rief dafür eine lautes „Danke, Karl“, durch den Raum, weil sie nicht wusste, wo der Butler sich gerade aufhielt. Dann konnte es gleich losgehen und die Kätzchen mussten nicht mehr warten.

Aber Karl würde sie nur schwer hören, denn er war in der großen neuen Küche im Südflügel, die speziell für Großveranstaltungen ausgelegt war. Alle wichtigen Einbauten gab es mindestens zweifach, Kühlschränke, und Herde sogar dreifach. Dort wirbelte der Butler mit den Köchinnen und sobald Cathleen wieder da war, würde sie sich dazu gesellen. Caleb hatte nur von seinem Chef frei bekommen, weil Tian darauf hoffte, dass Tonnen von Flügelchen serviert werden würden und die musste ja irgendjemand zubereiten.

„Ganz ehrlich? Ich hätte nicht gedacht dass die reguläre Jobs haben“, musste Bill gestehen und grinste. Seit er sie nackt kannte, fiel es ihm schwer, sie sich im Anzug vorzustellen.

„Ja, kaum vorstellbar, wenn man sie hier erlebt hat.“ Rina kicherte und setzte sich mit Kayla auf einen der bequemen Stühle. Es hatte sich so eingebürgert, dass Bill sich immer um Nicolas kümmerte. „Wie du sicher weißt, hat Aset ein eigenes Imperium aus jeder Menge Firmen. Buster arbeitet mit ihm zusammen. Tian hat einen Begleitservice, der sehr erfolgreich ist, und Caleb arbeitet mit ihm zusammen. Assai hat eine Reederei und Luan ist Lehrer. Peter macht irgendwas mit Grafik, glaub ich und Rick ist der Sänger der Demons“, zählte sie auf, was ihre Familie so im wirklichen Leben machte.

„Ach“, machte Bill und blickte Rina ungläubig an. „Dieser kleine Minitiger ist dieser coole Typ mit der geilen Stimme? Wer hätte das gedacht.“ Jetzt war er doch mittelschwer beeindruckt. Dass die alten Vampire erfolgreich waren, hatte er sich fast gedacht – gemessen an ihren Anwesen und dem Luxus.

„Ja, nicht. Als Minitiger ist er knuddelig, aber sein Ambigua ist ziemlich beeindruckend. Er ist riesig und sehr stark.“ Rina lachte, weil Bill sie ein wenig komisch anguckte. „War ein Zufall, dass ich ihn so gesehen habe. Luan spielt auch in der Band. Er ist der Bassist.“

„Das ist nicht die Erklärung dafür, dass du weißt wie der Minitiger in seiner Zwischenform aussieht“, murmelte Bill und grinste schief, dabei zog er wohl aus Versehen das Fläschchen ein bisschen weit mit sich. Nun kam Nicolas nicht mehr dran und war langsam etwas genervt. Unregelmäßigkeiten beim Essen schätzte er gar nicht, noch weniger, wenn er hungrig war. Also schlug er mit einer kleinen Pfote nach der Hand.

Die kleinen Krallen waren spitz und so zuckte Bill erschrocken zusammen und sah auf den kleinen Frechdachs. „Das hat wehgetan“, schimpfte er leise, sah aber zu, dass der Milchfluss wieder in Gang kam, denn die kleine Pfote wurde schon wieder gehoben. „So langsam wird er richtig frech.“

„Tja, was hast du erwartet? Er wird von diversen Vampiren verhätschelt und weil er noch so süß und klein ist, kann er sogar noch Caleb um den Finger wickeln. Es wird Zeit, dass er seine Grenzen gezeigt bekommt. Sonst wird der mal wie Ranu“, konnte sich Rina nicht verkneifen und zuckte, als man sich hinter ihr räusperte. „Du sollst nicht immer über meinen Ältesten lästern“, lachte Cathleen und begrüßte Bill, ehe sie zu ihren Kindern kam. „So verfressen wie Ranu ist er allerdings schon“, murmelte Cathleen ganz leise.

„Siehst du, Mom, es fängt schon an. Wir müssen da gegen steuern. Noch können wir es verhindern“, rief Rina auch gleich und Bill musste grinsen. „Hallo Cathleen. Also ich finde ja, dass Nicolas genau richtig ist. Er muss lernen, dass man sich durchsetzen muss.“

„Fall mir ruhig in den Rücken“, murmelte Rina und grinste schief, lachte aber als sie beobachten konnte, wie sich ein nasser Ranu in die Küche zu schleichen versuchte und entgeistert stehen blieb, als er sah, dass er dort schon wieder nicht unbemerkt Beute schlagen konnte. „Guck dir das an, Mom. In ein paar Jahren wird Nicolas genauso sein, wenn er so weiter frisst.“

„Schnauze Troll, hi Bill, hast du mir was mitgebracht, Mom?“

„Ja, Schätzchen. Ist alles noch im Auto. Holst du bitte die Tüten rein?“ Ein strenger Blick genügte, als Ranu murmelte, wofür sie denn Personal hätten, und er trabte zum Wagen, um die Einkäufe zu holen. „Warte Ranu, ich helfe dir.“ Bill gab Nicolas an seine Mutter weiter und folgte dem jungen Leoparden. Er selbst konnte auch was vertragen und wollte sehen, was so im Angebot war. Schließlich war es bis zur Feier noch eine ganze Weile.

Cathleen lachte leise, als sie die Jungs wieder rein kommen sah. Jeder hatte den Kopf zur Hälfte in einer Tüte und inspizierte die Knabbereien. Das frische Obst und das Gemüse wollten sie großzügig den Damen überlassen. Sie waren eher für die Chips zu begeistert. Frische Bagels gab es auch. Herrlich. Man hörte aus den Tüten nur Genuschel, doch die beiden Jungs schienen sich trotzdem zu verstehen, denn sie antworteten einander. Rina schüttelte nur den Kopf.

„Tja, da ist wohl nichts zu machen. Das sind bestimmt diese Y-Chromosomen. Da haben wir gar keinen Einfluss drauf.“ Cathleen lachte und ließ die großen Jungs machen. Nicolas hatte seine Milch ausgetrunken und hing jetzt über ihrer Schulter zum Bäuerchen machen, genauso wie Kayla bei Rina.

„Hoffentlich verlaufen sie sich nicht in den Tüten“, murmelte Rina nur, als sie zusammen mit ihrer Mutter die kleinen Leoparden wieder nach oben brachte. So verging der Vormittag wie im Fluge und auch der Mittag. Cathleen wirbelte mit Karl in der Küche, Ranu bereitete sich darauf vor, dass Sina gleich zu Besuch kam und Bill und Rina spielten mit den kleinen Leoparden. Sie hatten zwischenzeitlich, als die Kleinen geschlafen hatten, ein paar Steine auf die Rasenstellen geworfen, von denen sie glaubten, dass da noch die Minen drunter waren. Doch die Steine waren nicht schwer genug und sie hatten auch gerade keinen handelsüblichen Buster zum Werfen.

Sie waren also noch keinen Schritt weiter gekommen und in nicht einmal zwei Stunden kamen die ersten Gäste und somit auch Bills Familie. „Rina, was glaubst du, haben die da außer den Luftballons vergraben? Ich glaube einfach nicht, dass es Tretminen sind, schließlich leben auch ihre Kinder hier und denen soll bestimmt nichts passieren.“

„Ich kann’s dir noch nicht sagen“, murmelte sie. Sie hatte ebenfalls schon darüber nachgedacht, war aber zu keinem Ergebnis bekommen. Wie Bill auch glaubte sie nicht, dass Aset die Gesundheit seiner Gäste oder seiner Familie aufs Spiel setzen würde. Aber vergraben hatten sie etwas. Sie war ja heute Morgen sogar durch Keller und Lager geschlichen, ob sie irgendwo noch eine verräterische Verpackung finden konnte – doch nichts. Gar nichts. Aset hatte hinter sich aufgeräumt. Keine Spuren, keine Hinweise – wie immer.

„Okay, da wir nichts wissen, werden wir uns aufteilen müssen, um meine Leute im Auge zu behalten. Ich übernehme Simon, denn der ist schlimmer als ein Sack Flöhe. Den kann man keine Sekunde aus den Augen lassen. Du übernimmst dann meine Eltern. Die kann man meist mit etwas zu essen und zu trinken bei jemandem parken, mit dem sie sich unterhalten können. Du musst also immer für Nachschub und Unterhaltung sorgen, dann sind sie recht ortstreu. Wenn du nicht gerade jemanden erwischst, der ihnen das Haus und das Gelände zeigen will.“

„Haus zeigen, wäre okay. Ich glaube nicht, dass drinnen auch Fallen sind. Die wollen sie erst aktivieren, wenn du und ich unsere Zimmer bezogen haben. Die Kameras können übrigens aus Asets und Calebs Schlafzimmer abgefragt werden“, murmelte sie und setzte sich vor dem Poolhaus in den Schatten, um Kayla wieder ins Gras zu lassen. „Hast du deinen Leuten eingeschärft, dass sie weder den Rasen betreten, noch sonst irgendwie die Steinwege verlassen sollen und glaubst du, dass sie sich dran halten werden?“

„Glaub mir, ich habe alles gegeben, um ihnen zu sagen, was sie dürfen und was nicht, aber irgendwie haben sie meine Warnungen nicht ernst genommen. Ich würde also nicht darauf wetten, dass sie sich an meine Anweisungen halten. Darum ja die ständige Überwachung.“ Bill war gar nicht zufrieden damit, aber er konnte es nicht ändern.

„Gut, behalten wir sie im Auge und greifen lenkend ein. Aber wenn wir genug auf dem Buffet haben, können wir ihren Aktionsradius klein halten.“ So schmiedeten sie noch ein paar Pläne, warfen noch den einen oder anderen Stein, bis Sina sich zu ihnen setzte um die kleinen Leoparden ein bisschen zu ärgern. „Niedlicher als Ranu, oder?“, lachte Rina und knuffte ihre Freundin.

„Nein“, rief Sina sofort und sah sich um. Als Ranu nicht zu sehen war, kicherte sie los. „Ja, doch schon“, giggelte sie leise und nahm Kayla hoch, damit sie geknuddelt werden konnte. „Die zwei sind so niedlich.“ “Du musst aber schon noch ein paar Jahre warten, bis du mit Nicolas durchbrennen kannst“, lachte Rina zufrieden, während sich Bill zu Ranu setzte, der unweit am Pool auf einer Liege in der Sonne döste. Er wollte schon einmal etwas vorbräunen für Südafrika. „Was du an der findest, weiß ich echt nicht“, knurrte er, als er Bill neben sich erblickte.

„Und sie weiß nicht, was Sina an dir findet“, lachte Bill nicht im Mindesten beleidigt. „Ich finde sie toll, genauso wie du Sina.“ Bill ließ sich neben Ranu auf eine Liege fallen und schloss die Augen. Hier am Pool ließ es sich aushalten. Er musste seinen Vater unbedingt dazu bringen, auch einen zu bauen. Er musste nicht so groß sein wie hier, aber man sollte schon drin schwimmen können und nicht gleich mit dem Hintern auf dem Boden aufschlagen, wenn man mal eine Arschbombe machen wollte.

„Kinder, räumt das Poolhaus, wir bauen dort jetzt das Buffet auf!“, rief Cathleen aus der Küche und war schon wieder verschwunden. Ranu zuckte gleich hoch, weswegen Rina laut anfing zu lachen. Ranu knurrte leise: „Die ist so dermaßen doof.“

Das Lachen blieb ihr allerdings im Halse stecken, als neben Ranu auch Bill gleich hochzuckte und schnupperte. „Tja, Rina, ich glaube, die Jungs tun sich beide nichts“, lachte Sina, als Bill und Ranu wie an Schnüren gezogen Richtung Küche liefen. Wenn das Büffet aufgebaut werden sollte, hieß das nämlich, dass das Essen fertig war und man was abgreifen konnte. Denn noch nie hatte in diesem Haus ein Kind hungrig die Küche verlassen. „Boa hey, die sind so peinlich. Die hatten vor drei Stunden erst was zum Mittag, die können nicht schon wieder Hunger haben.“ Doch Rina erhob sich ebenfalls. Neben dem Poolhaus im Schatten eines Baums hatten sie für die kleinen Katzen ein Laufgitter aufgestellt, wo sie herum stromern konnten aber nicht ausbüchsen. Da hinein setzte Rina die Leoparden.

Schließlich gab es Flügelchen und es ging gar nicht, dass nur die Jungs welche abbekamen. „Komm schon, Sina, sonst fressen die uns alles weg.“ Sie griff ihre Freundin am Arm und zog sie mit. Schließlich hatte sie nachher, wenn der Besuch da war, nicht unbedingt Zeit was zu essen. Es stand ja immer noch die Aufgabe im Raum, Bills Familie vor dem zu bewahren, was Aset und seine Handlanger da ausgeheckt hatten. Allerdings griff sich Rina nur schnell den bereitgestellten Teller und ging zurück, damit immer jemand ein Auge auf die kleinen Leoparden hatte. „Das wird was, wenn ihr auch alt genug dafür seid. Dann wird Karl es nicht mehr schaffen alle zufrieden zu stellen mit ausreichend Flügelchen. Am besten gewöhnt ihr euch den Geschmack gar nicht erst an.“

„Das wird wohl nichts werden, Rina, wenn ich mir das so ansehe.“ Sina deutete auf das Laufgitter, wo die Kleinen schnuppernd die Nasen in die Luft hielten und leise maunzten. „Ich glaube, das liegt in eurer Familie in den Genen. Die werden genauso verrückt nach Flügelchen sein, wie du und deine Geschwister.“ Sina kicherte, denn sie hatte auch schon eine Flügelschlacht mitgemacht und hatte sich wunderbar amüsiert, denn auch Rick war schon angesteckt worden und hatte sich gegen die großen Leoparden behaupten müssen. Aber er hatte in Buster den besten Lehrmeister, den sich ein Minitiger nur wünschen konnte und so beherrschte auch der kleine Kater alle fiesen Tricks.

„Das war so nicht geplant, ihr Süßen. Ihr werdet eine Generation, die keine Flügelchen mag. Die sind bä und ihhh“, erklärte Rina gerade, als Caleb noch ein paar zum Probieren verteilen wollte.

„Gut zu wissen, dann wirst du ab heute von den Flügelchen ausgeschlossen, dass wird deine Brüder freuen.“

„Bist du verrückt?“, war Rina  schon entschlüpft, bevor sie es zensieren konnte und wirbelte zu Caleb rum. „Tschuldigung“, murmelte sie mit rot schattierten Wangen, was sie aber nicht davon abhielt ihren Teller hinzuhalten, damit noch ein paar der kleinen Köstlichkeiten darauf gelegt wurden. „Ich habe doch nicht von mir gesprochen.“

„Nein, du wolltest deine kleinen unschuldigen Geschwister von Anfang an vom Genuss fern halten. Schäm dich“, erklärte Caleb und es wurde nicht besser, als Ranu hinter dem großen Leoparden auftauchte und ebenfalls sehr enttäuscht drein blickte, hinter Calebs Rücken aber fies grinste. „Ganz genau, du Rabenschwester. Schäm dich.“

„Halt dich da raus, Ranu“, knurrte Rina, die es sich abgewöhnt hatte, ihren Bruder in Sinas Gegenwart mit Schimpfnamen zu belegen. Es war ihr am Anfang ziemlich schwer gefallen, aber sie merkte auch, dass sie wesentlich besser miteinander auskamen, wenn sie sich vor ihren Freunden etwas zurückhielten. „Ich wollte ihnen nur die Geißel ersparen, die unsere Familie immer wieder heimsucht. Die Flügelchen-Sucht.“

„Paps, glaub ihr kein Wort. Das ist doch gelogen. Guck sie dir doch an. Sie gönnt den kleinen süßen Lieblingen einfach nichts, weil sie selber mehr haben will. Zu ihrem eigenen Vorteil betrügt sie ihre kleinen Geschwister. Das ist ja so schändlich.“ Beschämt schüttelte Ranu den Kopf, grinste aber frech durch seinen Pony.

Wie erwartet holte Rina auch gleich empört Luft und funkelte ihren Bruder an. „War ja klar, dass du mir wieder so was unterstellst“, fauchte sie böse, denn es kratzte ganz schön an ihr, dass ihr unterstellt wurde, ihren kleinen Geschwistern was Böses zu wollen. Sie liebte die beiden Kleinen und achtete immer darauf, dass es ihnen gut ging. Schließlich war sie es, die sich um sie kümmerte und nicht Ranu.

„Wer wollte ihnen denn einreden, dass Flügelchen bä und ihhh wären. Das war nicht ich, Schwesterchen“, sagte Ranu nur. Doch weit kam er auch nicht mehr. „Jetzt ist aber mal wieder gut“, sagte Cathleen, die zusammen mit Karl eine große Kiste Eis brachte, auf die dann die gekühlten Speisen gestellt werden sollten, während Caleb und die Jungs die Warmhalteplatten auf den Tischen verteilen sollten. „Finden wir uns einfach damit ab, dass ich nur Kinder haben werde, die süchtig nach Flügelchen sind und ihr beiden solltet eure Chance nutzen sie zu inhalieren so lange die Kleinen nur Milch bekommen. Sobald sie feste Nahrung vertragen, werden sie mit im Spiel sein und weil sie ganz süß sind, wird man ihnen mehr geben als euch. Lebt damit.“ Dann lachte sie laut, denn die Gesichter ihrer Ältesten waren nicht mit Gold aufzuwiegen.

„Mist, da hab ich gar nicht dran gedacht.“ Ranu stopfte sich gleich eins der Flügelchen in den Mund und erinnerte sich daran, dass Buster sich immer beschwert hatte, dass Rina und Ranu bei den Flügelchen immer bevorzugt wurden, als sie klein waren. „Wann fangen die denn an, feste Nahrung zu essen?“, wollte er mit vollem Mund wissen. Denn bis dahin würde er darauf bestehen, dass es sie jeden Tag gab.

Jetzt konnte sich auch Sina nicht mehr halten und prustete los. Was Ranu wiederum vor Augen führte, dass seine Freundin immer noch da war und nun hatte er ein Problem, denn er hatte einen Flügel im Mund, versuchte ungeschickt mit Zähnen und Zunge das Fleisch vom Knochen zu schaben und konnte sich nicht artikulieren. Bill stand etwas abseits und fragte sich einmal mehr, wie es möglich war, dass Rina noch lebte. Diese Familie war wirklich anders – komplett anders. Aber herrlich anders.

Seine Familie war ja schon ziemlich bekloppt, aber diese hier, war eine ganz andere Klasse. Allerdings, wenn sie nicht nur zu viert wären, sondern noch ein paar mehr, dann kämen sie wohl auch an diese Familie ran. Gar nicht auszudenken, wenn die Erwachsenen sich austauschten und die effektivsten Methoden zum quälen ihrer Kinder untereinander austauschten. Er musste Rina noch einmal briefen und versuchen, derartige Foren von vornherein zu unterbinden. Er sah das schon, dieser Abend war kein Fest, das war Stress für ihn und Rina.

„So, wir haben keine Zeit alle Ranu beim Ersticken zuzugucken. Wir müssen das Buffet aufbauen“, trieb Caleb zur Eile. Er gab seinen Teller mit den Flügeln an die Kinder und machte sich daran, im Poolhaus und davor im Schatten ein paar der Tische aufzubauen, auf denen dann die Getränke und Speisen drapiert werden sollten.

Er achtete extra nicht auf den kleinen Tumult, der hinter ihm entbrannte, als diesmal alle vier versuchten möglichst viele Flügelchen zu hamstern. Solange keiner schrie, kam auch keiner zu Schaden und er wusste, dass die Pärchen untereinander dann doch gerecht teilten. Was allerdings beschämender Weise nicht an seinen Kindern lag. Da war nichts mehr zu machen und er musste mit der Schande leben. Es blieb nur zu hoffen, dass er bei den beiden Kleinen frühzeitig das abbiegen konnte, was er bei Ranu und Rina versäumt hatte.

Doch als alles vertilgt und die Finger wieder sauber waren, halfen alle mit das Buffet herzurichten. Die Jungs und Caleb schleppten, Karl hatte die Speisen auf dem Herd im Auge, Cathleen dekorierte die Kuchen und Desserts und die Mädchen richteten das Buffet optisch her. Es war kurz vor sechs, als alle fertig waren.

„Das habt ihr prima gemacht“, lobte Caleb seine fleißigen Helfer. Alles war so geworden wie es sein sollte. Die Feier konnte also losgehen und wie bestellt, rollten die ersten Wagen auf das Gelände. „War klar, das Essen ist fertig und die ersten Heuschrecken fallen ein“, knurrte Ranu, als Buster und Rick aus dem ersten Wagen stiegen und Luan und Peter aus dem zweiten. Er sah sich wohl schon wieder verhungern. Deswegen küsste ihn Sina auf die Wange und lachte leise. „Ich glaube, es wird genügend Futter für meinen starken Leoparden da sein“ und legte den Arm um seine Hüfte.