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Weihnachten 2013 - 24

24. Dezember

wenn auch nicht weihnachtlich, so doch ein kleines siebenteiliges Out-take zu Katzenaugen
(gehört thematisch gesehen hinter Zyklus 6, die Geschichte des Schneeleoparden Ian)

ein kleiner Gruß von Britta und Fich

Katzenaugen - Outtakes - 5 bis 7 von 7

5 - Fahndungserfolge

 

„Ah, essen!“ Buster kam gleich aus dem Wintergarten auf das Poolhaus zu und guckte nicht schlechte, als er mit einem Stock gepiekt wurde. „Verschwinde, so lange das Buffet noch nicht eröffnet wurde, du Raupe“, knurrte Caleb und blitzte seinen Ältesten an.

„Bitte?“ Buster sah seinen Vater perplex an. Das musste er erst einmal verdauen, dass er die Raupe sein sollte. „Raupe?“, fragte er darum noch einmal nach und Caleb nickte. „Ich kenne dich, mein Lieber, und Raupe ist noch geschmeichelt. Du bist eigentlich eins von den drei schwarzen Löchern, die in dieser Familie leben.“

„Genau, die anderen beiden heißen Aset und Caleb“, erklärte Rina damit keiner auf die Idee kam sie als verfressen zu titulieren.

„Meine Prinzessin hat mich gerufen?“, wollte Aset wissen, der gerade aus dem Wintergarten trat.

„Nein, deine Prinzessin hat dich als verfressen betitelt“, knurrte Buster, der mit der Raupe noch nicht durch war. Außerdem knurrte sein Magen und das sah alles so lecker aus.

Aset lachte nur, denn er hatte gehört, was gerade diskutiert wurde. Er umarmte Rina und küsste sie auf die Stirn. „Ich  glaube, die schwarzen Löcher heißen anders. Cathleen und Ryan.“ Grinsend zeigte der Vampir auf besagte beiden, die gerade am Büffet standen und wo Cathleen ihrem Mann einen Happen in den Mund steckte.

„Hey!“, rief Caleb auch gleich, denn während er die Bengalraupe in Schach gehalten hatte, hatte sich seine Schwester einfach vorbei geschummelt. „Das Buffet wird erst eröffnet, wenn die Gäste da sin. Leg das wieder hin!“

„Soll ich's ausspucken?“, fragte Ryan unschuldig und konnte sich gerade noch ducken, als Caleb allen Ernstes mit seinem Bengalraupenzüchtigungsstock auf ihn los wollte. War er denn mal wieder nur von Kollaborateuren umgeben?

Kichernd zog Cathleen ihren Mann aus der Gefahrenzone und steckte ihm noch eine Kleinigkeit in den Mund, bevor sie sich aus dem Staub machten. Caleb wollte sofort mit erhobenem Stock hinterher, wurde aber von Aset daran gehindert, der ihn an sich zog und küsste. „Lass sie leben. Ich werde später unauffällig verschwinden lassen“, flüsterte der Vampir ihm grinsend ins Ohr.

„Ja, tu das – alle, die das Buffet plündern, noch ehe es eröffnet worden ist. Da oben die Kamera nimmt alles auf. Es wird mir nichts entgehen“, knurrte Caleb. Was hatte er eigentlich erwartet. Das sie mal ein Fest feiern würden, das nicht in einer mittelschweren Katastrophe endete? Bei ihnen war ein gelungenes Fest ja schon eines, bei dem keine Rettungsringe in den Pool geworfen werden mussten, bei dem der Heimlich-Griff nicht angewendet werden musste und bei dem der Feuerlöscher im Schrank blieb. Er war bescheiden.

„Alles was du möchtest, Mytsereu.“ Aset drehte Caleb zu sich um und küsste ihn. Er freute sich auf ihre Ferien in Südafrika. Dort konnten die Katzen den ganzen Tag rumtollen wie sie wollten und die Kleinen wurden von allen betüddelt. Er hob kurz den Kopf, als er Assai und Tian vorfahren sah. Jetzt waren fast alle da, die schon um sechs kommen sollten. Fehlte nur noch Bills Familie.

„Töte sie blutig, quäle sie“, knurrte der Kater, doch sie wussten beide, dass er das nicht meinte, wie er es sagte. „Aber vorher müssen wir noch ein paar Tische und Stühle aufstellen.“

„Auch auf den verminten Rasen?“, wollte Rina mal so nebenbei wissen. Sie hoffte, dass ihre Väter so abgelenkt waren und durcheinander und sich deswegen verquatschten. Einen Versuch war es wert.

Allerdings hatte sie heute kein Glück, denn ihre Väter sprangen nicht darauf an. Sie zuckte mit den Achseln und ging zu Bill, der gerade die Neuankömmlinge begrüßte und Ranu davon abhielt es seinem Vater gleich zu tun und alle vom Buffet weg zu knurren. So bekam er gar nicht mit, dass der Wagen seines Vaters auf das Gelände fuhr und parkte.

„Nicht von schlechten Eltern“, murmelte Randy, als er aus dem Wagen stieg und Simon dabei half, ebenfalls den Wagen zu verlassen. Auch Ian sah sich auf dem Anwesen kurz um. Das war eine Preisklasse in die er mit seinem Architektengehalt nicht aufsteigen würde. Allerdings kam niemand, um sie zu empfangen, also wollten sie mit der Klingel auf sich aufmerksam machen. Nur Simon fühlte sich jetzt schon wie zu Hause – so viele Büsche! Und so große!

Er quietschte begeistert und wollte sich gleich wandeln, damit er sie begutachten und schon einmal eine Grabprobe machen konnte. Damit machte er Aset auf sich aufmerksam. „Bills Eltern sind da“, rief er laut und musste schmunzeln, weil Simon gerade mit seinem Vater darüber verhandelte, sich wandeln zu dürfen. Aset schüttelte amüsiert den Kopf und zog Caleb zu ihren Gästen. Simon sah aus wie eine kleinere Ausgabe von Bill und einfach nur niedlich. „Willkommen in unserem Haus“, begrüßte er die drei und hielt ihnen die Hand hin. Ian war der erste, der sie entgegen nahm und fixierte kurz den Vampirfürsten. Das war also der legendäre Aset Khonshu und hinter ihm kam ja auch Bill angelaufen. Die Begrüßung verlief noch etwas kühl aber höflich.

„Kommt rein, je schneller desto besser. Das Buffet ist gerade unbewacht und so wie ich meine Kinder kenne, ist es schon halb leer gefressen“, sagte Caleb und bekam einen Eiswürfel in den Nacken geworfen, der ihn zucken ließ. Als er sich umsah, knurrten ihn seine drei an. Denn sagen konnten sie nichts, weil sie mit vollen Backen kauten. „Aber sich aufregen, wenn ich sie als Raupen, Heuschrecken und schwarze Löcher bezeichne.“, knurrte Caleb und sah seine Kinder strafend an. „Simon, du solltest so schnell loslaufen, wie du kannst, damit du noch was abbekommst“, lachte Aset und der kleine Schneeleopard startete durch. Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Für Essen war er immer zu haben, vor allem wenn er sich das aussuchen durfte. Da war er auch nicht schämig und wollte gerade in den Topf mit den Flügelchen greifen, als er die kleinen Leoparden sah. „Och – süß!“, quietschte er begeistert und Randy zog die Stirn kraus. „Es gibt noch Dinge, die ihn vom Essen abhalten? Das muss ich sehen.“

„Na dann kommt mit und lernt die jüngsten Familienmitglieder kennen.“ Aset führte Ian und Randy über das Grundstück zu dem Laufgitter. Er würde sich heute um ihre Gäste kümmern, damit sie ihn kennen lernten und vielleicht die Ängste, die ganz bestimmt da waren, abbauten. „Das sind Kayla und Nicolas. Rina und Ranus kleine Geschwister.“

„Da kann ich aber verstehen, dass Simon begeistert ist“, lachte Randy leise. Sein Jüngster hatte sich schon gewandelt und lag nun vor dem Gitter, tatzte immer vorsichtig dagegen und Kayla machte mit. So lagen sie da Pfote an Pfote.

„Na Kleiner, wer bist du denn“, wollte Cathleen wissen, die gerade gekommen war, um die Kleinen zu füttern und ins Bett zu bringen. Sie waren heute viel an der frischen Luft gewesen und würden jetzt bestimmt schlafen wie die Steine.

„Das ist Simon, Bills kleiner Bruder und ich bin Ian, sein Vater und das ist mein Partner Randy“, stellte Ian sie vor und Cathleen lächelte. „Ja, die Familienähnlichkeit ist unverkennbar, ich bin Cathleen.“ Sie strich dem kleinen Schneeleoparden durch das weiche Fell und quietschte leise, weil es so weich und flauschig war. „Darf ich dich hochnehmen?“, fragte sie und erklärte gleich weiter. „Ich bin ihre Mutter und wollte sie füttern und ins Bett bringen. Möchtest du mir helfen?“ Der kleine Schneeleopard nickte begeistert.

„Ein herrliches Anwesen.“ Ian nahm das Glas entgegen und schüttete sich und Randy etwas Wasser ein. „Ja, ideal, wenn man eine Menge Katzen um sich hat, die Auslauf brauchen.“ Aset lächelte und zeigte auf die Bäume. „Auf alle Bäume darf geklettert werden, aber nur die mit den bunten Bändern sind die Kratzbäume. Ich musste Regeln einführen, damit mein Garten überlebt. Apropos Regeln...“ Aset stieß einen  gellenden Pfiff aus, der alle zusammenzucken ließ. „Alle ins Kino, jetzt gleich, ohne Ausnahme“, rief er laut. Und plötzlich umgab ihn eine Aura, die klar machte, dass das kein Scherz war.

„Was ist denn jetzt?“, wollte Randy wissen. Doch Ian schüttelte nur den Kopf, „weiß nicht mein Herz, aber das bekommen wir gleich raus.“ Er beobachtete die anderen Männer im Garten und auch Cathleen und die Kleinen folgten. Sie hatte noch immer Simon auf dem anderen Arm.

„Was wird das? Ich denke, jetzt gibt’s was zu essen?“, maulte Luan, der sich gerade einen Teller gegriffen hatte, den er nun leer mit sich herum schleppte. Was bitteschön konnte wichtiger sein als Essen?

Besonders, wenn es Hot Dogs gab. Die standen noch immer ganz oben auf seinem Speiseplan. Muffelig trottete er den anderen hinterher und erst als Peter ihm eins seiner Lieblingswürstchen vor die Nase hielt, besserte sich seine Laune. „Setzen“, kommandierte Aset, als sie im Kino waren und griff die Fernbedienung. „Ihr seid hier, weil es ab heute neue Katzenregeln geben wird“, fing er an und blickte finster. „Neue Katzenregeln und sie werden euch nicht gefallen.“

Es ging ein Raunen durch die Reihen und Randy nutzte die Chance sich einmal kurz umzusehen. Die hatten hier allen Ernstes ein Heimkino mit einer original-großen Leinwand und bestimmt fünfzig Plätzen. Doch als er Katzenregeln hörte, wurde er aufmerksam. Schließlich hatte er auch drei Stück davon, eine saß gerade auf seinem Schoß und ließ sich schnurrend streicheln. Simon war zu ihm gekommen und beschnüffelte nun die Sitze um ihn herum.

„Schatz, was soll der Mist“, versuchte Caleb in Erfahrung zu bringen. „da drüben steht Essen, das warm wird und Essen, das kalt wird. Ich finde das hier gerade nicht notwendig.“

„Ich schon, mein Schatz.“ Aset drückte auf die Fernbedienung und ein Bild erschien auf der großen Leinwand. „So habe ich meinen Zen-Garten gestern vorgefunden und wie ihr sehen werdet, sind neue Katzenregeln dringend notwendig.“ Er ließ eine kleine Diashow laufen, die den Garten aus verschiedenen Perspektiven zeigte.  „Das ist keine Katzentoilette.“

„Du hast einen Zen-Garten? Seit wann und warum?“, wollte Caleb wissen, dem das völlig neu war.

Aset stoppte die Präsentation und sah in die Runde, wo Tian gleich mal erklärte, dass er sich nicht wundern müsste, wenn jemand diesen Sandhaufen nicht als Zen-Garten erkenn würde. „An deiner Stelle würde ich das entweder dran schreiben oder dafür sorgen, dass das auch wie ein Zen-Garten aussieht. Dann passiert so was nicht, wie wohl passiert sein muss.“

„An deiner Stelle wäre ich mal ganz leise“, knurrte der Vampir und ließ die Präsentation weiter laufen. Nach der Begutachtung des Zen-Gartens und der Tatbestandsaufnahme kündigte die nächste Folie den wahrscheinlichsten Tathergang an.

Aset wechselte zu einem Laserpointer, damit er besser erklären konnte. „Die Täterkatze kam von hier“, führte er aus. „Es war eine Katze, eine Werkatze um genau zu sein, wie die DNA-Analyse ergeben hat“, erstickte er gleich Tians Einwand im Keim. „Also noch einmal. Die Täterkatze kam von hier, schlich in einer Schlangenlinie über den Sand, bis hier zu den Steinen. Dort ist dann das passiert, weswegen wir jetzt hier sind und neue Katzenregeln brauchen.“

Mit geschlitzten Augen blickte er in das Plenum und musste mit ansehen wie sein Mann mit hochrotem Kopf auf seinem Stuhl saß und zu vermeiden versuchte laut los zu prusten. Das meinte Aset doch nicht ernst, oder? Der hatte nicht allen Ernstes eine Probe untersuchen lassen und eine Simulation zum Tathergang machen lassen? Hatte sein Liebling zu viel Zeit und war nicht mehr ausgelastet?

„Die Katze da in dem kleinen Film sieht aus wie Tian“, sagte Ranu plötzlich und der Nebelparder schoss hoch. „Genau, der sieht aus wie ich. Was soll der Mist. Ist das hier eine Vorverurteilung? Ich will einen Anwalt und einen Anruf!“

Bill blickte Rina neben sich an.

Die schüttelte den Kopf und seufzte ergeben. „Einfach machen lassen. Wenn er so drauf ist, ist es besser ihn machen zu lassen.“ Sie beugte sich zu Ian und Randy rüber. Weil die etwas verstört aussahen. „Alles ganz harmlos. Aset wird knurren und bellen, die Katzen werden sich irgendwann auf dem Boden kringeln und lachen. Aset wird toben. Die Katzen tun so, als wenn sie gehorchen und machen dann doch wieder, was sie wollen, und Aset beruhigt sich schnell wieder, wenn er einen Hinweis auf Sexentzug bekommt“, erklärte sie, wie das hier wohl die nächsten Minuten ablaufen würde.

„O-Okay“, stammelte Randy leise und versuchte zu verstehen.

„Soll das heißen, der macht jedes Mal allen Ernstes eine Präsentation für solche Sachen?“ Bill war stillschweigend begeistert. Rina sah ihn nur an, nickte und zuckte als sie von der Bühne her angeknurrt wurde, dass hier im Moment nur einer das Wort hätte.

„Kommen wir also zu dem Täter zurück, der meinen liebevoll gepflegten Zen-Garten entweiht und missbraucht hat.“

„Zen-Garten. Ich höre immer Zen-Garten. Wo soll das Ding denn sein?“, wollte jetzt Luan wissen, immer noch verstimmt darüber, dass er wegen solchem Blödsinn gerade um seine Schlacht am Buffet gebracht wurde.

„Er meint den Sandkasten der Kinder, den sie nicht mehr nutzen“, erklärte Buster, der das Gelände auf den Fotos wieder erkannt hatte.

„Das soll ein Zen-Garten sein? Wenn etwas aussieht wie ein Sandkasten muss man sich doch nicht wundern, wenn’s auch so benutzt wird.“

„Man benutzt Kindersandkästen auch nicht als Katzenklo“, schoss jetzt Caleb dazwischen.

„Außerdem sind die Kleinen blad so groß, dass sie einen Buddelkasten brauchen. Dann ist der Zen-Garten sowieso hinfällig“, erklärte Cathleen, die gerade zusammen mit Ryan die Kleinen fütterte.

„Das ist doch völlig unerheblich. Jetzt ist es ein Zen-Garten und hat alle Elemente, die ihn als solchen kennzeichnen.“ Aset sprang ein paar Bilder zurück und huschte mit dem Laserpointer über das Bild. „Er ist klar abgegrenzt, er besitzt die für einen Zen-Garten typischen Steine, die ich übrigens aus Japan importiert habe, die typische Bepflanzung und auch den liebevoll von mir geharkten Sand. Er ist also genau zu erkennen. Wenn so ein paar Ignoranten-Katzen das nicht sehen, kann ich da auch nichts für.“ Wieder blickte der Vampir in die Runde. „Jetzt kommen wir zur Täterermittlung. Das hier ist ein Pfotenabdruck der Täterkatze.“ Auf der Leinwand erschien ein riesiger Abdruck. „Um ihn vergleichen zu können, habe ich eine App schreiben lassen, die ich auf meinem I-Pad habe. Also los, alle Katzen wandeln und in einer Reihe aufstellen. Es gibt keine Ausnahme, außer Ian und Simon. Die können es nicht gewesen sein.“

„Meint der das ernst?“, fragte jetzt Bill und konnte es nicht fassen. Rina verdrehte nur die Augen. „Wenn du ihn länger kennst, stellst du die Fragen nicht mehr, Schatz“, sagte sie nur und wandelte sich. Wie die anderen Katzen auch trabte sie nach vorn.

„Die App muss ich sehen“, murmelte Randy, der jetzt auch neugierig wurde und erhob sich ebenfalls, um näher heran zu gehen. Und weil Simon all die Katzen plötzlich sah, war er ganz aufgeregt und mischte sich einfach unter sie. Das sah lustig aus, da wollte er dabei sein.

„Schatz, was machst du eigentlich, wenn du behauptest, du würdest arbeiten“, knurrte Caleb und schüttelte den Kopf. Sein Liebling hatte ihn heute Abend einiges zu erklären und er sollte nie wieder mit der Ausrede um die Ecke kommen, er hätte zu viel zu tun. Die nahm ihm spätestens heute keiner mehr ab.

„Schatz, wandeln, los. Ich will anfangen, denn ich habe auch Hunger.“ Aset wedelte ungeduldig mit der Hand und zeigte auf die Reihe, die sich hinter ihm gebildet hatte. Den Anfang machte Cathleen, die ihn fragend ansah. „Geht sofort los.“ Aset tippte auf seinem I-Pad rum und hielt es so, dass Randy, der neben ihm stand, was sehen konnte. „Auf dem Pad ist eine originalgetreue Abbildung des Pfotenabdrucks. Sobald eine der Katzen ihre Pfote darauf legt, wird sie automatisch verglichen und so der Täter ermittelt.“ Um das zu verdeutlichen legte  Aset das Gerät auf den Boden und forderte Cathleen auf, ihre Pfote darauf zu legen. Die guckte etwas skeptisch auf das rote Quadrat, in das sie die Pfote legen sollte. Also hob sie eine Pfote und …“Ä-ä. bitte die linke“, verbesserte Aset und Cathleen seufzte, blickte zu ihrem Gatten und den Kleinen. Doch dann machte sie weiter, schließlich hatten sie heute alle noch was vor. Sie legte also die Pfote auf, sah wie sie abgetastet wurde und zuckte zurück, als eine Stimme sagte: >>Negativ<<. Das Licht unter ihrer Pfote wurde grün und sie war entlassen.

„Und das soll funktionieren?“, wollte Randy wissen, der begeistert auf das kleine Gerät starrte. Auf Ideen kam dieser Mann!

„Wir werden sehen, aber ich bin zuversichtlich.“ Aset winkte den nächsten und natürlich wuselte Simon gleich los. Er wollte das auch machen. Das sah lustig aus. Aset stutzte erst, aber dann musste er lächeln und hockte sich neben den kleinen Kater. „Linke Pfote in das rote Quadrat legen und nicht bewegen“, sagte er sanft und strich Simon über den Kopf und kraulte ihn hinter den Ohren. Es war so süß, wie der Junge nickte und alle Anweisungen befolgte. Er hielt ganz still und als die Stimme „negativ“, sagte zuckte er noch nicht einmal zusammen. „Das hast du prima gemacht“, lobte Aset ihn und hob ihn hoch. „Komm nachher zu mir, dann mach ich dir zur Belohnung einen großen Eisbecher fertig und du kannst dir aussuchen, was alles darauf soll.“

Und so dauerte es keine Sekunde, da standen Rina und Ranu vor dem Gerät, schubsten sich gegenseitig um erster zu sein. Schließlich wollten sie auch Eis! Und wie das schon früher gewesen war, wenn die Zwillinge gerauft hatten, nutzte Buster die Gunst der Stunde. Er patschte seine viel zu kleine Pfote in das Quadrat und wartete. >>Bitte Markierung ausfüllen<< erklärte das Gerät und Buster schnaubte, schlug etwas heftiger auf das Ipad.

„Kleintierunterdrückung?“, fragte Randy und blickte auf den Bengalkater. Ein sehr hübsches Tier, aber zickig, wie es aussah.

„Ja, aber ich glaube das war ein Fehler.“ Aset seufzte und hob Buster hoch, um sein I-Pad zu retten, denn sein Sohn hatte schon die Krallen ausgefahren. „Du bist rehabilitiert“, versuchte er Buster zu beruhigen, der aber nur ungnädig meckerte. „Du kriegst auch ein großes Eis“, versuchte er es nochmal, wurde aber nur mit geschlitzten Augen angesehen.

„Ich glaube, es wäre besser, wenn du die Programmierer noch mal rann lässt, damit die Technik ihn auch rehabilitiert“, schlug Randy vor und guckte Buster hinterher, der von Aset auf den Boden gesetzt wurde und meckernd von dannen zog, um sich zu wandeln und umzuziehen. Und dann würde er ohne ein weiteres Wort am Buffet verschwinden, ihm war's egal wer in den Sand gepinkelt hatte.

„Das werde ich auf jeden Fall machen.“ Ganz nebenbei griff sich Aset Rina, die gerade gegen ihn stieß, damit es weitergehen konnte. „Ranu, Pfote drauf“, forderte er seinen Sohn auf und kraulte Rina, die gar nicht erbaut darüber war, dass sie erst als zweite dran war. Wieder war das „negativ“, zu hören und Ranu poste wie ein Sieger, was als Katze ziemlich witzig aussah. Bis er einen Schubs bekam und er das Gleichgewicht verlor. Er versuchte zwar noch seine Flügel erscheinen zu lassen und sich abzufangen, doch er landete doch etwas unsanft auf der Nase. Doch da war Rina schon an dem Gerät, holte sich ihren Freispruch und huschte in die hinteren Reihen zurück, um sich zu wandeln und anzuziehen.

Als nächstes war Caleb dran, der auch rehabilitiert wurde. Er hielt sich auch nicht lange auf, sondern hetzte in den Garten, um nach dem Buffet zu sehen. Als dort noch alles in Ordnung war, außer dass Buster sich den größten Teil der Flügelchen gegriffen hatte, lief er wieder zurück, weil er das Ergebnis nicht verpassen wollte. Er konnte beobachten wie Tian, der als nächstes an der Reihe gewesen wäre, den Minitiger vor schob. Warum das denn? Doch er dachte sich nichts weiter dabei und beobachtete einfach, wie auch die nächsten beiden Delinquenten freigesprochen wurden. Und dann war es an Tian, seine Pfote auf das Ipad zu legen.

„Na, wird’s bald? Oder willst du wieder erst mal deinen Anwalt wegen Vorverurteilung sprechen?“, knurrte Aset der das, was er hier sah schon geahnt hatte. Schon an der Größe der Pfote und der DNA-Probe hatte er die Rasse bestimmen können und da Luan nicht der Übeltäter war, blieb nur noch einer.

Es störte ihn gar nicht, dass er angeknurrt wurde. „Los, Pfote drauf und dann werden wir sehen, ob nicht mal wieder der, der am lautesten protestiert auch der Täter ist.“ Aset sah den besten Freund seines Mannes auffordernd an, der jetzt doch die Pfote auf das Gerät legte, weil er im Fokus der Aufmerksamkeit stand. Er zuckte leicht zusammen, als die Stimme „positiv“ verkündete und eine Sirene anging. „Hah, hab ich es doch gewusst. Von wegen Vorverurteilung.“

Ohne Rücksicht auf die Umstehenden wandelte sich nun Tian, der das auch nicht einfach so über sich ergehen lassen konnte. „Na und!“, knurrte er, „ist halt so passiert. Es war dunkel, ich war etwas angetrunken und als ich Sand unter den Pfoten hatte, dachte ich mir, dass ich da richtig war. Konnte ja keiner ahnen, dass du plötzlich so ein merkwürdiges Hobby hast!“

„Alles nur Ausreden. Zur Strafe wirst du den Garten wieder auf Vordermann bringen. Dann sehe ich vielleicht von weiteren Repressalien ab. Aber nur, wenn dabei nicht gemurrt und gemeckert wird und du es ganz alleine machst.“ Aset verschränkte die Arme vor der Brust und wirkte sehr zufrieden. Endlich hatte er einmal das sagen und nicht die Katzen. Das war schon lange fällig gewesen, denn keiner hatte mehr Angst vor ihm und nahm ihn ernst.

„Schatz, willst du das wirklich?“, kam Caleb Tian zuvor. „Er hat davon keine Ahnung. Es wird hinterher nicht annähernd so aussehen, wie du das haben willst und ein Zen-Garten bringt die Entspannung nicht allein durch das angucken, sondern auch durch das pflegen und perfektionieren. Ich an deiner Stelle würde darüber noch einmal nachdenken.“ Der Leopard legte den Kopf schief und beobachtete wie Tian sich die Kleider anzog, die Assai ihm reichte. „und über eine Sandkiste für die Kleinen müssen wir auch nachdenken.“

Aset knurrte leise und sehr unzufrieden. „Du hast zwar Recht, wenn er damit fertig ist, würde ich es eh wieder so machen, wie ich es haben will, aber ich bin entschieden dagegen, dass er ohne Strafe davon kommt.“ Jetzt hatte er sich schon so eine Mühe bei der Überführung der Täterkatze gegeben und nun sollte er selber aufräumen. Das schmeckte ihm gar nicht, denn die Katzen hatten wieder nichts gelernt.

„Lass ihn doch einen Sandkasten für die Kleinen anlegen. Ohne Bagger, ohne Auto. Solide Handarbeit beim Graben und Schubkarrenweises einbringen des Sandes“, schlug Caleb vor und Tian riss die Augen auf. „Denk bitte darüber nach, wer deine Gehaltschecks unterschreibt, Kater“, knurrte er und fühlte sich gerade von seinem Freund hintergangen, der ihn zur Arbeitskatze degradieren wollte.

„Du kannst auch gerne so lange den Zen-Garten neu machen, bis Aset zufrieden ist, glaube nicht, dass das weniger Arbeit wird.“

„Gute Idee, Schatz. So machen wir das. Hatten wir da nicht noch einen Entwurf, der aber nie umgesetzt wurde, weil die Kinder nicht mehr so wild aufs buddeln waren?“ Aset strahlte und Caleb bekam für seine Idee einen dicken Kuss.

Bill und seine Familie sahen sich die Szene an und Bill stupste Rina an. „Das war‘s?“, fragte er, denn er hatte jetzt mit mehr gerechnet. Genau wie seine Eltern, die das eben erlebte nicht mit ihrem Wissen über Aset überein bekamen.

„Hier hat die Katze die Hosen an. Zumindest in allen Dingen, die die Familie betreffen“, erklärte Rina. „Der große Vampirfürst ist Wachs in den sanften Pfoten seines Gatten und seiner Kinder.“

„Wer hätte das gedacht“, sagte Ian nachdenklich und er hatte plötzlich ein bisschen weniger ein schlechtes Gefühl, wenn Bill hier war.

„Ich mach das doch nicht selber“, muffelte derweil Tian, der sich schon mit einem kaputten Rücken und Blasen an den Händen knietief im Sand stehen sah und ahnte, dass es eine Million peinlicher Bilder von seiner Buddelaktion geben würde. Somit war er über Jahrzehnte hinweg erpressbar. Das musste er in irgendeiner Form unterbinden. Vielleicht ließ er das von einer Firma machen, wenn die Familie in Afrika war. Deswegen hielt er jetzt auch den Mund, um es nicht noch schlimmer zu machen. „Jetzt will ich erst mal was zu essen“, sagte Tian stattdessen.

 

6 - Flügelchen-Massaker Teil 2

 

„Ja, nachdem Aset seinen Spaß hatte, wird das Buffet geplündert.“ Caleb hakte sich bei seinem Gatten ein, der sich zu Ian und Randy umdrehte. „Möchtest du die App haben? Sie ist vielseitig einsetzbar“, bot er dem anderen Vampir an, denn der hatte ja reges Interesse gezeigt.

Randy blickte neben sich und auf die drei Katzen, die ihn umgaben. „Bisher bin ich den Übeltätern immer noch so auf die Spur gekommen, aber wenn sie mich irgendwann anfangen zu überlisten würde ich draufzurückkommen. Allerdings wird sie meine weißen Handtücher auch nicht davor bewahren, dass Dreckskatzen sie… autsch“ Randy lachte leise, weil Ian ihm in die Seite kniff. Der sollte jetzt hier nichts über Dreckskatzen erzählen. Das würde sonst noch viel zu peinlich!

„Ah, da war doch was mit Katzen ins Haus scheuchen und ins Badezimmer fegen“, lachte Aset, der mitbekommen hatte, wie Bill diese Geschichte erzählt hatte. „Wenn Simon Lust verspürt ein paar Büsche zu versetzen, kann er sich austoben, solange er die Bäume lässt, wo sie sind.“ Aset hatte sich köstlich amüsiert über die Streiche des jungen Leoparden. „Ich muss nachher noch mein Eisversprechen einlösen.“

„Ja, das wäre ratsam. Bei Eis ist er leider sehr nachtragend“, erklärte Randy und grinste, weil Ian beschämt den Kopf senkte. Er musste noch einmal ein intensives Wort mit seinem ältesten wechseln, wo der überall peinliche Sachen erzählte.

„Ja, das kenne ich. Wir haben immer mindestens zwanzig Liter Eis im Haus und drei Liter Magentropfen. Ich habe einen Mann und zwei Söhne, die bei Eis kein Ende kennen und sich bewusstlos fressen. Die Nebelparder sind auch nicht besser und Rick hat sich auch schon anstecken lassen. Guck nicht so Aset, das ist die Wahrheit. Steh dazu, dass du verfressen bist.“

Nun ließ Aset beschämt den Kopf sinken und ließ die anderen lachen. „Aber das Eis ist doch so lecker. Da kann man doch nicht aufhören, wenn man noch nicht alles durchprobiert hat“, nuschelte er leise und ließ alle lachen. „Ich denke jeder hat seine peinlichen Geschichten und so wie ich meine Tochter kenne, werden die auch bald bei euch ankommen.“ Aset grinste schief, aber damit konnte er leben. „Bill ist ein sehr netter junger Mann und er ist immer hier willkommen.“

„Danke, wir taten unser Bestes“, sagte Ian und grinste seinen Jungen an, der nun seinerseits etwas beschämt den Pony ins Gesicht fallen ließ.

„Hallo? Ehe wir hier jeden mal peinlich berühren, würde ich sagen, wir suchen essen. Die Khonshu-Kröten haben das bestimmt schon abgegrast und für uns sind nur noch Knochen und trockne Brötchen übrig.“ Tian hakte sich bei Assai unter und führte den zurück in den Garten.

„Ja, die Chance, dass nichts mehr da ist, ist durchaus gegeben.“ Aset zwinkerte Rina zu, die sich gleich Bill schnappte und hinter sich herzog. „Ihr machte eure Ferien in Australien“, fragte Aset Ian, der nickte. „Wir werden die Ferien auf unserer Insel vor Südafrika verbringen. Rina würde sich bestimmt freuen, wenn Bill vielleicht nach eurem Urlaub zu uns nach Südafrika kommt. Ihr natürlich auch, wenn ihr mögt. Ich habe noch nichts Rina und Bill gesagt, ich wollte erst abwarten was ihr dazu sagt.“

„Das Angebot ist verlockend“, sagte Ian und bedankte sich dafür. „Aber ich bin selbstständiger Architekt, es steht mir zwar theoretisch frei, so oft Urlaub zu machen, wie ich möchte. Aber ich kann das Büro nicht so lange allein lassen. Aber ich werde mit den Jungs reden, die haben bestimmt Lust und, Schatz, wenn du möchtest, hast du auch länger Urlaub.“ Er sah Randy an, doch der schüttelte den Kopf. Er wollte keine Extrawurst gebraten bekommen, nur weil er der Lebensgefährte des Chefs war. Er wollte ein Angestellter sein wie alle anderen auch. Man verließ sich auf ihn.

„Redet mit ihnen, wir würden uns freuen. Sie wären bei uns absolut sicher. Vielleicht könnt ihr ja ein paar Tage bleiben. Ich lasse euch abholen und nach Hause fliegen.“ Sie betraten wieder den Garten und Aset hielt sich beschämt die Augen zu, als er seine Kinder in Katzenform auf dem Boden liegen sah, die leere Flügelchenschüssel zwischen ihnen und alle eingesaut mit Fett und einen Berg Knochen vor sich liegen. Allerdings ging es ihm gleich besser, als er die beiden anderen Katzen sah, die sich die Essensweise der Khonshu-Kinder ebenfalls angeeignet hatten und ebenfalls von oben bis unten eingesaut waren. Und selbst Sina, die ebenfalls auf den Geschmack gekommen war, sah nicht besser aus als die anderen gefleckten Katzen. Rasse verpflichtet.

„Simon, Bill!“, rief Randy schockiert, doch er wurde völlig überhört. Simon versuchte gerade Rina zu bestehlen, da hatte er nun wirklich keine Zeit, auf schockierte Randys zu hören! Er musste nämlich gleichzeitig erobern und verteidigen, das war nicht so leicht wie er gedacht hatte. Vor allem, wenn man auf dem Gebiet noch Neuling war und nun hinter dem eigenen Rücken von Buster und Ranu beklaut wurde.

„Willkommen in unserer Welt“, seufzten Aset und Caleb gleichzeitig. „So endet jedes Flügelchen- Essen bei uns, seit die Kinder auf den Geschmack gekommen sind. Wir warten am besten ab, bis alle Flügel alle, alle Knochen geknackt und die Kinder zufrieden sind. Dann werden sie gegriffen und in die Badewanne verfrachtet. Allerdings kann das noch etwas dauern, denn da kommt Nachschub.“ Aset zeigte auf Karl, der sich todesmutig zwischen die gierigen Katzen wagte. Er schüttete seine Beute nur in die Schüssel und sah zu, dass er wegkam, bevor er noch von einer gierigen Miez umgerissen wurde. Und das wäre nicht das erste Mal. Nur das beherzte Eingreifen von Caleb hatte damals verhindern können, dass die futterneidischen Katzen den armen Karl hätten verletzen können, der ungünstig direkt auf den Berg Flügelchen gefallen war. Auch heute war Caleb angespannt, vor allem wenn Ranu und Buster nicht bald aufhörten, Simon zu beklauen, hatte er mit seinen Söhnen ein Tänzchen, das sich gewaschen hatte. Simon war noch klein und er war noch neu. Ihn als Opfer auszusuchen war nicht fair. „Das geht jedes Mal so ab? Davon hat Bill noch nichts erzählt“, brummte Randy, jetzt begriff er allerdings auch warum und er hatte Sorge, dass seine Jungs das beim nächsten Grillfest auch bei ihnen etablieren wollten.

„Wir haben das bisher auch immer vermieden, aber ein Grillfest ohne Flügelchen hätten uns unsere Kinder nicht verziehen.“  Aset nickte zu Caleb, als Buster und Ranu sich schon wieder an Simon ran schlichen, der sich einen kleinen Berg erobert hatte. Schon wandelte sich der Leopard und landete hinter Simon und knurrte seine Söhne an. Er deutete mit dem Kopf zu Rina und Bill, die ihre Beute gemeinsam verteidigten und dabei bisher recht erfolgreich waren.

Ranu wich sofort zurück. Er wusste, dass man sich mit Caleb besser nicht anlegte. Nicht einmal der Fressrausch war eine Entschuldigung dafür und der große Leopard würde nicht zimperlich sein. Er verschanzte sich also gemeinsam mit Sina und wollte nun die Strategie von Rina und Bill verfolgen und nebenbei denen vielleicht was abluchsen. Nur Buster zeigte sich nicht beeindruckt. Er glaubte, wenn er mit Rina fertig wurde, dann auch mit Caleb. Doch da hatte er sich getäuscht. Als er gerade versuchte, zwischen den Beinen des Leoparden hindurch zu flitzen und Simon noch mal zu bestehlen, griff ihn sein Vater im Genick und schleppte ihn Richtung Pool.

„Er hatte seine Chance, wenn er sie nicht nutzt, ist er selber schuld“, erklärte Rick, der sich aus dem Tumult heute mal rausgehalten hatte und sich lieber zusammen mit Peter aufs Bilder machen verlegt hatte.

So wurde auch abgelichtet, als Caleb seinen Ältesten in den Pool fallen ließ. Buster meckerte und strampelte, weil er nicht nur nass wurde, sondern weil auch sein Vorrat blitzschnell aufgeteilt wurde, so dass nichts mehr davon übrig blieb.

„Das ist wie Krieg, nur dass es meist ohne Verletzte abgeht, aber dafür regelmäßig mit Bauchschmerzen und Gejammer, wenn sie dann auch noch die Eisvorräte plündern. Ihr solltet sowas von vornherein bei euch unterbinden. Wir haben unsere Chance vertan.“

„Ich glaube auch, dass ich solchen Exzessen einen Riegel vorschieben sollte und Ian guck nicht so. ich sehe doch genau, dass du gerade Lust hast, da mit zu machen“, knurrte Randy leise der Schreckliches ahnte. Sofort blickte der Schneeleopard ertappt auf. „Was? Ich? Niemals!“, wiegelte er ab und riss sich los, lachte leise als er den tropfnassen Buster auf dem Poolrand erblickte. Er sah noch nicht so aus, als hätte er was gelernt.

„Wie Caleb. Er behauptet auch immer, dass sowas unter seiner Würde wäre, aber manchmal sieht man ihm seinen tropfenden Zahn richtig an. Bisher konnte er sich zusammenreißen, aber ich werde meine Chance noch bekommen und ihn dabei ablichten können. Man weiß ja nie, wozu man solche Bilder mal gebrauchen kann.“ Ihr Erpresserspiel war allen schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er gar nicht daran dachte, dass Ian und Randy das noch nicht kannten. „Die kann ich für einen hohen Preis verkaufen.“

„Wie bitte?“, fragte Randy deswegen und blickte etwas schockiert in die Runde. Von Aset zu dem großen Leoparden, der den zielstrebigen Buster gerade wieder im Pool versenkte hatte und zurück zu Aset. „Warum musst du deinen Mann erpressen?“

Aset stutzte und lachte dann los. „Entschuldigt, das wisst ihr ja gar nicht. Das ist unsere Familieninterne Währung.“ Aset erklärte Ian und Randy, was es mit den Bildern auf sich hatte. „Unser größter Dealer ist Peter, der Werwolf, aber jeder von uns hat ein paar Bilder, die er gewinnbringend verkaufen oder einsetzen kann. So kann man sich Aufpasser für die Kinder besorgen, wenn man mal ein wenig allein sein möchte, oder wenn die Kinder etwas möchten und Verbündete brauchen.“

„Ihr erpresst euch allen Ernstes gegenseitig“, wollte Randy noch einmal nachgefragt haben und lachte leise, als der japsende Buster wieder über den Poolrand hing.

„Sicher“, sagte Aset wie selbstverständlich und zuckte zusammen, als er zufällig sah, wie Sina sich auf Bill warf und sich die beiden über den Rasen rollten, während Ranu und Rina sich anfauchten.

„Bin gleich wieder da.“ So schnell, dass man ihn nur als Schemen wahrnehmen konnte, rannte Aset los, trennte die beiden Kampfkatzen und sammelte die Beute aller vier in der Schüssel zusammen und stand kurze Zeit später, wieder bei Ian und Randy, als die Kinder noch verwirrt zu verstehen versuchten, was gerade passiert war und sich suchend umsahen. „Es gibt Regeln und keine Kämpfe gehört dazu“, rief er laut und seine Kinder schossen zu ihm herum und knurrten. „Mir ist egal, dass ihr das nicht wart, Es ist eure Aufgabe Neulingen die Regeln zu erklären.“

Da hockten sie nun und leckten sich die Soße aus dem Fell, ließen Aset aber nicht aus den Augen. Es dauerte gar nicht lange, da steckten sie die Köpfe zusammen, knurrten leise, fauchten, brummten. Und dann schoben sie Simon in Richtung Aset.

Da saß er nun, der kleine Kater, und guckte niedlich. Er wusste nämlich ganz genau, was von ihm verlangt wurde. Er musste auch keine Angst haben, dass sich jemand an seinem Essen vergriff, denn darauf passte Caleb auf. Wer Aset kannte, konnte sehen, dass es ihm in den Fingern juckte Simon hoch zu nehmen und zu beschmusen. Er blieb standhaft, bis Simon den Kopf schief legte und leise maunzend, vorsichtig mit der Pfote gegen Asets Bein tatzte. Da griff Aset zu, setzte die Schüssel auf den Rasen und vergrub seine Nase in dem weichen Fell. Dass er dabei auch jede Menge Fettflecken abbekam, war ihm egal. Allerdings hatte er nicht lange was davon, denn der kleine Kater leckte ihm einmal dankend über das Gesicht, doch dann entwand er sich wie ein Aal und sah zu, dass er ebenfalls noch etwas abgreifen konnte. Ebenso wie der nasse Buster, der sich nun seinerseits wieder ins Getümmel warf.

Ian und Randy starrten Aset an. „Die haben dich ganz schön im Griff, würde ich sagen.“

„Wer kann ihnen schon widerstehen, wenn sie es darauf anlegen.“ Aset seufzte leise und lachte dann. „Seit ich Caleb geheiratet habe, hat sich meine Einstellung Katzen gegenüber grundlegend geändert. Offiziell bin ich noch immer der Katzen hassende Bastard, aber Caleb und ich arbeiten an der Verbesserung der Beziehungen, wenn auch nur im Verborgenen. Meine Katzen haben mich nicht nur im Griff, sondern genau bei den Eiern und das wissen sie auch.“

„Image ist alles“, murmelte Ian, der zugeben musste, dass sich an Asets Image in den letzten Jahren nichts geändert hatte. Die Gerüchte und Berichte waren immer noch die gleichen. Er bekam die Bilder in seinem Kopf nur schwer übereinander, vor allem wie er mit den jungen Katzen umging, egal ob es nun seine Kinder waren oder fremde.

Da keiner mehr Anstalten machte, Simon zu beklauen, wandelte sich Caleb wieder und zog sich an. Er wollte auch endlich etwas essen und ihre Gäste hatten auch noch nicht zugegriffen. Alles starrte auf die Kinder.

„So und jetzt überlassen wir die Kinder ihrem Schicksal. Ich will jetzt auch etwas essen.“ Caleb sah Aset an und entschied, dass es sich nicht lohnte, ihn sich umziehen zu lassen, denn er musste sowieso später die Kinder baden. An ihrer Arbeitsteilung hatte sich bisher noch nichts geändert. „Was möchtet ihr trinken? Und greift endlich zu. Wir haben zwar keine Flügelchen mehr, aber vom Rest ist noch reichlich da.“

So verbrachten sie die nächsten Minuten damit, sich durch das Buffet zu suchen, sich Häppchen zu greifen und auf Tellern zu drapieren, ehe sie am Tisch bei den Nebelpardern und Assai Platz nahmen, die dort saßen und sich unterhielten. Assai und Tian planten wohl den Garteneinsatz, denn sie verstummten schlagartig, als Aset und Caleb näher kamen.

Ian und Randy prosteten allen zu und sahen noch einmal kurz zu den Kindern. Dort war aber alles ruhig, so dass sie sich ihrem Essen widmen konnten. „Ich denke mal, dieses Chaos hier hattet ihr nicht erwartet, oder“, eröffnete Aset ein Gespräch und sah Ian an. „Du bist Architekt, richtig? Hast du dich auf bestimmte Gebäude spezialisiert?“

„Nein, ich gebe zu ich habe etwas anderes erwartet. Ich weiß zwar nicht genau was, aber bestimmt nicht, dass dir kleine Katzen auf der Nase herum tanzen. Aber lieber so als anders“, beantwortete Ian die erste Frage und trank noch einen Schluck, die Wärme machte ihm auch ohne sein dickes Fell zu schaffen. „Und beruflich habe ich mich auf Niedrig-Energie-Häuser und Öko-Häuser spezialisiert. Für Leute die ihren ökologischen Fußabdruck niedrig halten wollen.“

Aset nickte. „Machst du mehr Einfamilienhäuser, oder auch größere Projekte?“ Es interessierte ihn wirklich, denn einen guten Architekten konnte man immer gebrauchen und es schadete einer Firma nie, wenn sie sich in dieser Richtung engagierte. Musste ja nicht gerade ein großer Hochhauskomplex sein.

Ian blickte von seinem Teller wieder auf, wunderte sich innerlich darüber, dass Aset Interesse zu haben schien und lehnte sich etwas zurück, während er sein Glas an sich nahm. „Hauptsächlich treten Privatpersonen an mich heran, aber ich habe auch schon zwei größere Objekte projektiert“, erklärte er wahrheitsgemäß.

„Wenn wir Glück haben und den Zuschlag bekommen, dann entwickeln wir demnächst für eine Firma ein Null-Emissionen-Haus. Es ist ein Forschungsprojekt der Uni und dem Lehrstuhl innehabenden Konzern. Mal sehen“, ergänzte Randy, denn er fieberte der Entscheidung entgegen. Er hätte großen Spaß daran, sich zu beteiligen und ihren Namen in andere Bereiche zu tragen.

„Hättest du Lust, sowas eventuell auch für Assai und mich zu machen? Unsere Reedereien haben fusioniert, aber wir haben bis jetzt noch keine gemeinsame Zentrale. Wir denken schon lange daran, aber bisher haben wir nichts Passendes gefunden. Da wäre es vielleicht einfacher sich etwas zu bauen.“ Aset sah zu Assai rüber und der nickte nur. Eigentlich wussten sie, was Ian machte, denn als guter Vater und Patenonkel hatten sie natürlich Bills Hintergrund überprüft. Mehr noch, sie hatten geprüft und für gut befunden. Ian war bodenständig und nicht vorbestraft. Randy war clanlos und somit keine Bedrohung für Asets Familie.

„Ich glaube schon“, sagte Ian stockend, er war etwas überfahren und strich sich nervös durch die Haare. Das war ein Angebot, was man nicht ausschlug, das wusste er nur zu gut. Doch konnte er mit seinem kleinen Büro ein solches Projekt stemmen? Und was, wenn die Zusage von der Uni kam?

„Habt ihr denn schon näheres im Kopf? Standort? Aussehen? Umfang? Grobe Form? Material?“, fragte er trotzdem, er wollte gern mehr wissen.

„Äh...“ Es passierte nicht oft, dass Aset keine Antwort wusste, aber Ian hatte es geschafft. „Also jetzt so spontan...“ Weiter kam der Vampir nicht, denn alle am Tisch, außer Ian und Randy prusteten los. „Er will sagen, er hat keinen Plan, was er will“, half Assai aus. „Wir hatten vor einiger Zeit drüber nachgedacht, aber es dann nicht weiterverfolgt.“

„Es gibt Dinge, die Aset nicht weiter verfolgt?“, fragte Tian mit spitzer Zunge. Da er nicht mehr als Täterkatze bezeichnet wurde, hatte er schon wieder Oberwasser. „Wenn du wüsstest“, entgegnete ihm Caleb, hielt aber die Klappe, als er seinen Gatten leise knurren hörte. Man musste wissen, wann man besser aufhörte, Aset zu reizen und seine Toleranzschwelle vor Fremden wie Ian und Randy war da nicht sehr hoch. So begnügte man sich mit Kichern und spöttischen Blicken. „Jetzt so spontan“, lachte Tian leise.

Er ließ sich durch den grimmigen Blick nicht stören. Assai würde schon dafür sorgen, dass er heile blieb. Aset wandte sich wieder Ian zu. „Also wir brauchten Platz für zweihundert bis zweihundertfünfzig Mitarbeiter. Ich habe da ein Grundstück beim Hafen in Aussicht oder eins in den Hamptons, wobei ich das dort eher privat nutzen würde.“

„Die Hamptons“, sagte Randy und grinste. Es sollte schön dort sein, hatte er mal gehört. Er selbst war aber noch nie dort gewesen. Er konnte sich gut vorstellen dass das noch nichts für die Kinder war, die lieber toben wollten und weniger ein Auge für die Landschaft hatten.

„Direkt am Hafen wäre sicherlich als Stammsitz einer Reederei prestigeträchtig“, murmelte Ian und legte den Kopf schief. Randy stöhnte gespielt, lachte dann leise. „Jetzt sag endlich ja, lass dir das Grundstück zeigen und kram deinen Laptop raus. Der liegt sowieso immer im Auto, Workaholic.“

„Ich habe die Pläne oben, bin gleich wieder da.“ Aset sprang auf und Ian musste grinsen. „Bin gleich wieder da“, lachte er leise und küsste Randy kurz. Er hatte wirklich Glück, dass sein Schatz mit seinen Macken so gut zurecht kam. Er lief zu seinem Wagen, schnappte sich den Laptop und war zeitgleich mit Aset wieder an dem Tisch, der eine Rolle unter dem Arm trug.

„So viel zum Thema: ach das trifft mich jetzt aber unvorbereitet“, murmelte Tian und ließ Assai leise kichern, der seinen mürrischen Kater aber an sich zog. Doch dann konnte er gerade noch „Achtung“, rufen, da hatte Randy schon einen wimmernden Schneeleoparden auf dem Schoss, der sich an ihn schmiegte. Neben ihm bremste Bill, wütend knurrend zeigte er seinen Schwanz. Da hatte einer reingebissen, weil er ein bisschen mit Spicy Soße beschmiert gewesen war.

Es fiel allen am Tisch schwer nicht zu lachen. Allein die Vorstellung, dass der kleine Simon im Fressrausch in den Schwanz seines Bruders gebissen hatte, war einfach zu komisch. „Zeig mal her Bill“, sagte Ian und griff sich den lädierten Schwanz. „Ist nicht so schlimm, tut aber bestimmt weh. Dein Bruder hat es nicht böse gemeint. Sieh ihn dir doch an.“ Besagter Bruder hockte zitternd, wie ein Häufchen Elend auf Randys Schoß und maunzte leise. Doch Bill wollte sich noch nicht geschlagen geben – er war kein Futter! Er sah weder so aus noch roch er so – meistens zumindest. Er schnaubte also nur und knurrte, zeigte immer noch anklagend seinen Schwanz. Simon hatte beileibe genug gefressen, da musste man nicht noch den einzigen Bruder beißen, den man hatte.

Ian zog seinen großen Jungen an sich und kraulte ihn zwischen den Ohren. „Lass ihn leben. Simon wird sich was einfallen lassen, um das wieder gut zu machen. Oder?“ Ian sah seinen Jüngsten streng an und der beeilte sich, zu nicken. Es half auch ein wenig, dass sich eine Leopardin an ihn schmiegte und ihn sanft anstupste. Simon beobachtete erwartungsvoll, wie Bill reagierte und der ließ sich von Rina beschmusen, hatte den bissigen Bruder schon fast vergessen. Caleb sah hinüber auf das Schlachtfeld, doch da war nichts mehr. Ranu lag auf dem Rücken und stöhnte, Buster sah ähnlich aus. Vielleicht trieb er die Dreckskatzen ins Bad, während Aset sich mit Ian kurz schloss. Auch wenn Dreckskatzen waschen ja eigentlich Vampirarbeit war.

„Ich glaube, du hast noch einmal Glück gehabt“, flüsterte Aset Simon ins Ohr. „Gut, dass du den Schwanz nicht mehr gegessen hast. Dann hättest du bestimmt kein Platz mehr für Eis.“ Aset zwinkerte Simon zu und hatte zwei Herzschläge später ein kleines Wollknäuel auf dem Schoß. „Aber vorher sauber machen und die anderen Dreckskatzen nehmen wir mit unter die Dusche.“

Das hätte er nicht sagen sollen! Woher hätte er wissen sollen, dass Simons Wasserscheu noch größer war, als die seiner Kinder, wenn es ums duschen ging. Und so krallte sich die Katze an ihn, nicht bereit auch nur noch ein einziges Mal in seinem Leben loszulassen. Er schüttelte heftig den Kopf, knurrte, winselte, alles gleichzeitig. Ian hielt sich die Augen zu und Randy murmelte: „Das kann jetzt länger dauern. Am besten immer greifen und ins Bad – nicht ankündigen.“

„Ah, einer von dieser Sorte.“ Aset grinste und hielt Simon fest, so dass dieser nicht abhauen konnte. „Wir haben drei von der Sorte und eine Methode hat sich immer bewährt“, erklärte er Ian und Randy und war auch schon mitsamt seinem kleinen Besetzer verschwunden. „Direkt unter die Dusche. Keine Chance wegzulaufen.“

Caleb griff sich seine beiden Söhne und pfiff nach Rina und Sina. „Bill komm mit, oder musst du auch teleportiert werden? Wir hätten da noch einen alten Vampir über.“

Sofort zog Bill den Kopf ein und blickte Assai an, der sich offen anbot. Der Schneeleopard schüttelte lieber den Kopf und trottete hinterher. Hier war er sich sicher, dass noch nicht einmal weglaufen etwas brachte, Assai würde ihn schneller kriegen als Randy oder sein Vater. Er blieb stehen, als er Simon jämmerlich schreien hörte, doch das kannte er. Und im Gegensatz zu Caleb oder Assai hatte er kein Mitleid mit dem kleinen Schwanzbeißer.

Ian und Randy kannten das zwar, aber zu wissen, dass ihr kleiner Liebling jetzt mit Aset alleine war, machte doch ein komisches Gefühl. Aber es dauerte nicht lange und sie bekamen von einem pitschnassen, noch angezogenen Vampir ein fauchendes, in ein Handtuch gewickeltes Bündel in den Arm gedrückt und schon war Aset wieder verschwunden, um Caleb zu helfen. Seine Kinder liebten es im Pool zu schwimmen, aber sobald es hieß, sie sollten nach einer Orgie duschen, wurden sie wieder wasserscheu. Und das war chronisch. Sie gaben sich dann auch nicht mit schreien zufrieden, sie fuhren auch schärfere Waffen aus, wenn es nicht anders ging und sie Leib und Leben bedroht fühlten. Doch bisher hatten sie immer verloren und waren hinterher duftig und sauber gewesen – sehr zum Leidwesen der Kinder.

„Ach Mäuschen, so schlimm war’s doch gar nicht. Alles noch dran am kleinen Leoparden“, sagte Randy und rubbelte Simon das Fell trocken, der nicht begeistert aus seinem Handtuch guckte und leise knurrte. Das sah nach verdammt viel Eis aus und das bedeutete die halbe Nacht Bauchweh.

Sie zuckten alle zusammen, als sie es laut fauchen und brüllen hörten. „Das ist Ranu, Buster hört man nicht so laut“, kommentierte Assai die Geräusche und machte sich bereit, das nächste eingewickelte Paket in den Arm gedrückt zu bekommen. Es dauerte auch nicht lange und ein mies gelaunter Ranu hockte in einem Handtuch auf dem Rasen, wie alle anderen frisch Geduschten, die nach und nach abgeladen wurden. „Aset und Caleb haben Übung, sie praktizieren das schon seit Jahren so.“

„Und ich dachte, dreckige Wühlkatzen ins Bad fegen wäre seltsam“, murmelte Randy und lachte leise, als Simon knurrte. Er war zwar schon wieder ein bisschen trocken und kam aus seinem Handtuch gekrochen, doch er war über die Schmach noch nicht versöhnt mit der Welt.

 

7 – Zucker zum Trost

 

Der weil rollte sich Ranu zusammen mit seinem Handtuch über die Wiese und blieb dann in der Sonne liegen um zu trocknen, während er aus dem Augenwinkel sah, wie Karl den Eiswagen brachte, eine Anschaffung von Caleb, der die Ausreden seiner Kinder leid war, sie müssten schnell essen, weil sonst das Eis schmelzen würde. So blieb es kühl, die Sorten waren übersichtlich in der mobilen Eistruhe sortiert und konnten trotzdem neben dem Tisch stehen.

Sofort war er auf den Beinen und strich um Karl und den Wagen herum und lockte so auch Simon an. Der konnte das Eis riechen und es lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Er sprang von Randys Schoß und umwuselte nun mit Ranu zusammen den Butler, der enorme Schwierigkeiten hatte, nicht zu straucheln.

„Jungs!“, versuchte es Caleb streng, doch er kam zu seinem Jungen nicht mehr durch und Simon fand sowieso, dass er für die erlittene Schmach jetzt entschädigt werden sollte und zwar schleunigst. Ging gar nicht, dass der Kerl weiter den Wagen schob ohne auch nur eine einzige Kostprobe fallen lassen zu wollen. Er wollte gerade Karl mit einem gezielten Schlag gegen die Wade auf seinen Fehler hinweisen, da wurde er abrupt gestoppt, kam nicht weiter, hing sozusagen fest. Da stand doch was auf seinem Schwanz!

Er schoss rum und blickte genau in die strengen Augen seines Vaters, der genau mitbekommen hatte, was sein Sohn vorhatte. „So nicht, Simon. Hier wird niemand mit der Pfote gehauen. Wenn du Eis möchtest, solltest du dich bei Karl entschuldigen.“ Simon ließ den Kopf hängen. Wenn sein Vater so guckte, hatte er etwas verkehrt gemacht und er ließ sich auch nicht durch niedlich gucken umstimmen. Darum trottete er langsam zu Karl, der mittlerweile stehen geblieben war und rieb seinen Kopf an dessen Bein.

„Schon gut, ist ja nichts passiert“, lachte Karl und strich Simon über den Kopf. Der fühlte sich gleich wieder besser und setzte sich nun brav neben die Eistruhe. Ihm war warm in seinem Fell und er konnte eine Abkühlung gut gebrauchen. Und weil Karl zumindest die Kinder des Hauses kannte, die – wenn sie erst einmal Fell trugen – sich nicht so schnell wieder wandelten und anzogen, hatte er eine Menge Näpfe mitgebracht – für jeden einen. Als erstes hob er Simon hoch und ließ ihn von oben auf das Sortiment gucken. „Was willst du haben?“

Die Augen der kleinen Katze leuchteten und er leckte sich über die Schnauze. Karl hatte schon einen Napf bereitgestellt und den Eislöffel in der Hand. Er wartete nur noch darauf, dass Simon ihm zeigte, was er haben wollte. Der hatte aber gerade, das Problem, dass er sich nicht entscheiden konnte. Seine Pfote zuckte hin und her, weil er immer etwas neues Leckeres entdeckte. Das hier war das reinste Schlaraffenland. Karl lachte leise, denn das kannte er schon. „Von allem etwas?“, fragte er darum und Simon nickte. Das war ein guter Plan.

Er wollte sich gerade dafür loben, dass er solch einen guten Plan gehabt hatte, da merkte er, wie etwas vorsichtig an seinem Schwanz knabberte. Als Simon sich um sah, sah er seinen Bruder, der – genau wie die anderen Katzen, die im Pulk hinter ihm standen – darauf drängen wollte, dass er sich gefälligst mal beeilte, schließlich wollten die anderen auch was haben.

Karl beeilte sich den Napf zu füllen und stellte ihn vor Simon ab, der ihn sich griff und verschwand, ehe noch einer auf die Idee kam, schneller an Eis zu kommen als Simon lieb war.

Es sah schon ein wenig lustig aus, als sich hinter die Katzen auch zwei Vampire in die Reihe stellten und sich die Köpfe verrenkten, um genauer sehen zu können, was es alles für Sorten gab und Caleb seufzte. Warum konnte es nicht einmal anders laufen. „Ich hole schon mal die Magentropfen. Die werden wir nachher brauchen.“ 

Ian und Randy blickten ihm hinterher, ehe sie wieder neugierig, aber unauffällig die beiden uralten Vampire beobachteten, wie sie brav hinter den Katzen standen, wie sie geschickt den wuselnden Tieren auswichen, um nicht über sie zu stolpern und wie sie dabei immer den Blick auf die Sorten geheftet hatten.

„Hätten sie den Einkaufszettel gelesen, wüssten sie welche Sorten es gibt“, erklärte Cathleen, die gerade Kayla auf dem Schoß hatte und mit ihr spielte, während Ryan mit seinem Jüngsten über den Rasen rollte und kicherte. „Eis und Flügelchen lassen in diesem Haus die Anarchie ausbrechen – ich beneide Caleb nicht darum, auch nicht um die Apothekenrechnung.“

„Ich merke schon“, lachte Randy, der sich zu Kayla beugte um sie zu streicheln. „Darf ich sie mal haben?“, fragte er Cathleen. Die beiden Kätzchen waren einfach zu niedlich.

„Sicher darfst du“, schmunzelte Cathleen. Sie kam eigentlich selten dazu, sich um ihre Kinder zu kümmern, wenn sie hier war, weil alle sich gerne um die Kleinen kümmerten. Sie gab ihre Tochter an Randy weiter, die erst etwas verwirrt guckte, sich aber wieder schnell beruhigte, als sie gekrault wurde. Kraulen war nach essen und schlafen die dritt liebste Beschäftigung, die sie sich nur vorstellen konnte. Nicolas hingegen raufte lieber.

„Die sind aber auch süß und noch so klein. Kaum zu glauben, dass die mal so groß werden sollen wie Caleb“, sagte er leise und Cathleen schüttelte den Kopf.

„Ganz so groß werden sie nicht werden. Calebs Ausnahmekörper beruht auf dem Blut seines Gatten. Als Mann von einem wie Aset steht man auf der Abschussliste von vielen Vampiren. Deswegen haben sie schon früh damit begonnen, Caleb zu stärken so gut es geht. Er wurde trainiert und mit Asets Blut geimpft. Er hat eine Heilung die jenseits der Heilung liegt, die Wertiere üblicherweise haben. Es würde mich nicht wundern, wenn ihm eines Tages auch noch Flügel wachsen würden.“ Doch dann verstummte sie, weil Caleb allen Ernstes mit einer Literflasche Magentropfen wiederkam.

„Ist das sein Ernst?“, fragte Ian ungläubig und Cathleen lachte.

„Ich fürchte ja. Nach Flügelchen und Eis liegen Katzen und Vampire jammernd und sich den Bauch haltend auf dem Boden. Ausnahmslos alle außer Caleb und Rina. Die versorgen dann alle mit Magentropfen. Da geht schon einiges drauf.“ Ihr war klar, wie bizarr das auf Neulinge wirken musste, dass sah sie an dem Gesicht, dass Ian und Randy machten. „Wie ich schon sagte Eis und Flügelchen lassen die Anarchie ausbrechen.“

„So, ich bin vorbereitet – lasset die Spiele beginnen!“ Caleb stellte die Flasche neben sich auf den Tisch, Aset dabei fest im Blick. Doch der hatte gerade ganz andere Sorgen, denn er konnte sich nicht zwischen Caramellcreme und Haselnuss entscheiden und war kurz davor die Simon-Taktik anzuwenden und sich auch von allem etwas geben zu lassen, sofern er noch was abbekam, denn Ranu und Buster konnten in ihre Näpfe gar nicht genug bekommen. Bis es Aset reichte und er seine Söhne im Nacken packte und beiseite schob.

„Aufessen und wiederkommen, ihr seid nicht alleine hier.“

„Oha“, kicherte Caleb. „Da mag aber jemand nicht mehr warten.“ Aset und Assai standen über den Eiswagen gebeugt und beschwerten sich gerade, warum die Schüsseln, die Karl für die Vampire mitgebracht hatte, eigentlich kleiner als die Näpfe der Katzen waren. Das war nicht gerecht. „Ihnen geht nie auf, dass sie sich noch mehr holen können, wenn ihre Schüsseln leer sind. Die Gefriertruhe ist randvoll. Der Wagen kann noch dreimal wieder aufgefüllt werden.“

„Ja, es gibt Situationen, da setzt das Hirn aus und das hier ist eine davon“, erklärte Cathleen ungerührt davon, dass ihr Schwager leise knurrte und Assai ihm Recht gab. Außerdem warteten auch noch zwei Nebelparder darauf, ebenfalls mit Leckerchen versorgt zu werden. Auch ihnen ging das alles nicht schnell genug und Assai konnte gerade noch verhindern, dass Tian mit einem gezielten Sprung in der Auslage landete.

Er hielt seinen Schatz fest, der mit der Pfote auf die Sorten zeigte, die er wollte und nachdem er gefüllt war, mit seinem Napf dann in eine ruhige Ecke lief. Es war besser alle anderen Katzen vor sich zu haben und nicht hinter sich, denn Eisraub war an der Regel. Da musste man vorsorgen. „Die ersten Näpfe sind leer. Gleich wird es interessant. Mal sehen, wer diesmal den Anfang macht.“ Caleb setzte sich bequem hin und sah in die Runde. Noch belauerten sich alle. Simon hatte Blickkontakt mit Ranu, der wurde ebenfalls von Buster taxiert. Luan und Tian waren noch damit beschäftigt, hastig und ohne viel zu schmecken ihre Näpfe zu leeren und Aset und Assai machten sich gerade noch mit einem beherzten Sprung beiseite aus der Bahn, als Simon und Ranu um die Wette auf den Wagen zu liefen.

„Das geht nicht gut aus“, murmelte Caleb „Karl weg da!“, brüllte er noch.

Der Butler drehte sich um, denn er hatte mit dem Rücken zu den Katzen gestanden und wollte weglaufen, als die Katzen auch schon sprangen und auf den Butler zuflogen. Er wurde in letzter Minute von Aset gerettet, der ihn aus der Flugbahn riss.

„Noch mal gut gegangen“, murmelte Cathleen, die gleich die Augen zusammenkniff, als der Eiswagen unter der Wucht des Aufpralls umkippte und seinen Inhalt auf dem Rasen verteilte, was blitzartig alle Katzen anlockte. Wie Hyänen auf Aas warfen sich die Katzen auf die halb leeren Eisboxen.

„Ich fasse es nicht!“ Caleb war aufgesprungen und traute seinen Augen nicht. „Aset!“, knurrte er seinen Mann an. „Wie kannst du da sitzen und dein Eis essen, während da schon wieder Bürgerkrieg herrscht?“ Doch er schien zu seinem Gatten im Augenblick nicht durchdringen zu können – dann schlief der eben heute Nacht auf dem Flur, konnte er gleich Rina und Bill im Auge behalten, die aber wie alle anderen Katzen auch auf dem Rasen hockten.

„Hab alles auf Stick – das wird herrliches Material“, murmelte Peter und schoss weiter Bilder.

Ian lachte leise. „Ach ja, die familieninterne Währung. Was würde mich das Material mit meinen Kindern kosten?“, fragte er und Randy sah ihn fragend an. „So wie ich das mitbekommen habe, funktioniert das System hervorragend und man kann nie wissen, wann man das braucht.“ Ian zuckte grinsend mit den Schultern. „Alle Ressourcen nutzen ist bei Teenagern notwendig.“ 

„Und das funktioniert?“, fragte Randy skeptisch, blickte dabei auf Bill, der gerade Simon Schokoschückchen aus dem Fell leckte. Er selbst hatte grüne Minzeisflecken im Fell und Rina, die von Eis nicht so viel hielt, war gerade dabei, ihn mit Obst zu drapieren.

„Wenn ich meine Teenager erpressen will, muss ich nur damit drohen peinliche Bilder an die Partner zu geben oder Beweismittel an die Eltern“, erklärte Caleb und hatte aufgegeben. Die bekam er nie anständig, nicht mal Aset unterstützte ihn. Eis fror wirklich das Hirn ein, denn sonst gab es keinen Grund warum der Vampir seinen allabendlichen Sex so leichtfertig aufs Spiel setzte.

„Drei Packungen Schokoriegel und ein halbes Jahr lang, jede Woche eine Pizza meiner Wahl“, warf Peter in den Raum, knipste aber fleißig weiter.

„Alles klar, das ist fair. Sag mir nur wann und wo die Übergabe stattfinden soll.“ Ian war zufrieden, der Wechselkurs war wirklich bezahlbar. „Ich werde dich kontaktieren.“ 

„Ich werde deinen Kontakt erwarten, wenn der Reiher schreit, dort wo das Eichhörnchen den Asphalt küsst“, murmelte Peter, während Randys Blick noch eine Nuance unverständlicher wurde. „Versuch‘s nicht zu verstehen“, riet ihm Cathleen. „Infos bekommen nur die Klienten persönlich – keine Mittelsmänner, dann ist der Deal gestorben.“ Am Tisch wurde gelacht, während Caleb klar war, dass sie die Katzen gleich noch mal waschen mussten. Sie betraten gerade einen Teufelskreis, denn sicherlich wollten sie nach der feuchten Demütigung eine Belohnung.

Das waren dann entweder Flügelchen oder Eis und beides zog hinterher wieder eine Säuberungsaktion nach sich. Sie mussten also etwas finden, was sie entschädigte, aber nicht dreckig machte. Das war nicht einfach und Caleb ging im Kopf die Speisekammer durch. „Kuchen“, murmelte er plötzlich und setzte sich auf. Karl hatte Kuchen gebacken für den Flug und den liebten seine Kinder genauso wie Eis. Das war eine Belohnung, die keine Waschaktion auslöste. Zumindest hoffte er das. Aber dann hatten sie nichts für den Flug. „Master Caleb, ich kann noch einen backen, ich weiß wie das geht“, grinste Karl, der ebenfalls dabei zusah, wie die Katzen die Eisboxen leerten. Sie spielten mit den ausgeschütteten Eiswürfeln aus dem Kühlwagen, den Karl schon beiseitegeschoben hatte.

„Ich würde mir mehr Sorgen um die Mägen machen – die müssen doch platzen!“ Randy guckte auf seine Jungs, ebenso wie Ian. Das Projekt am Hafen war erst einmal vergessen.

„Dafür habe ich ja hier von eine Familienpackung“, lachte Caleb und tätschelte die Magentropfenflasche. „Sie hat bisher immer sehr zuverlässig funktioniert und noch rollen sie nicht jammernd über den Rasen. Da passt also noch was rein. Keine Sorge.“ Randy sah auf die Katzen, die ausgelassen durch die Eiswürfel rollten und sehr zufrieden wirkten.

„Du bist der Experte. Ich helf dir dann mit den Tropfen.“

„Aber noch sind wir nicht so weit. Erst mal muss die Bande noch mal gewaschen werden, sonst sauen sie nachher die Bettwäsche ein. Ich glaube nicht, dass die Hausmädchen morgen früh anhand der Bettwäsche wissen wollen, welche Eissorten die Plagen verdrückt haben. Und dieses Mal sagen wir es ihnen vorher nicht, sondern lassen es die beiden Vampire erledigen. Die haben sich das verdient, denn sie haben das Chaos nicht verhindert“, legte Caleb fest und staunte nicht schlecht, als sein Gatte plötzlich doch reagierte - das Eis war wohl leer.

„Warum das denn?“, fragte Aset empört und Caleb zeigte nur auf den Rasen, der ziemlich mitgenommen aussah und so die Katzen noch zusätzlich einsaute, weil das ganze Eis den Boden aufgeweicht hatte. „Couch“, war das einzige Wort, das der Leopard sagte und sein Mann verstand ganz genau, was das bedeutete. Darum ließ er auch die Schultern sinken und knurrte nur noch ganz leise vor sich hin. „Los, machen wir es gleich, solange sie abgelenkt sind“, brummte er zu Assai, der genauso wenig begeistert war, wie er selbst. Zumal er jetzt auch noch seinem Liebling in den Rücken fallen und ihn unter die Dusche stecken musste – es war also wahrscheinlicher, dass er derjenige war, der auf der Couch schlief.

So klemmte sich jeder drei Katzen unter den Arm, noch ehe die wussten, was los war. Buster wäre fast vergessen worden, doch Aset erblickte ihn noch in einer Matschpfütze. Sein Anzug dürfte hin sein, doch was tat man nicht alles für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt. Dafür duschte man auch die Kinder, mehr als einmal am Tag.

Wenigstens waren die Mädchen nicht so dreckig und die gingen auch freiwillig alleine duschen. Bevor die anderen Katzen wussten, was los war, teleportierten die beiden Vampire und kurze Zeit später, hörte man die Katzen jammern und fauchen und die Vampire fluchen, denn Asets Anzug ging jetzt auch noch in Fetzen, genau wie der von Assai. „Ich hole den Kuchen, Master Caleb“, bot Karl gleich an und machte sich auf den Weg in die Küche, damit keiner ihn grinsen sah. Heute war wirklich wieder einer der Tage, an dem alles passieren konnte.

„Wenn ihr sie so oft wascht, dann wird doch das Fell dünn“, lachte Randy leise, der leicht zuckte, als er Simon kläglich jammern hörte. Wasser und er wurden wohl niemals dicke Freunde. „Und dann friert er im Winter.“

„Der erste“, erschien plötzlich Aset und drückte Ian wieder den fauchenden Simon in die Hände, der sich in einem dicken Handtuch verheddert hatte.

„Wie siehst du denn aus?“, fragte Cathleen überrascht, weil der Vampir nur noch in Shorts und Hemd herum hüpfte.

„Frag ihn“, war die knappe Antwort und schon war Aset wieder weg, da waren noch drei Katzen, die er waschen musste und ob er danach noch etwas anhatte, konnte er noch nicht sagen. Ian lief leicht rot an, denn er konnte sich vorstellen, was passiert war. Das war so peinlich, dass sein Sohn ihrem Gastgeber die Klamotten vom Leib gefetzt hatte. Hoffentlich benahm sich Bill besser, der auch von Aset weggebracht worden war.

„Ach, mach dir nichts draus. Caleb sieht ihn ganz gern so und das erspart ihm die Arbeit“, erklärte Cathleen, die nun Nicolas auf dem Schoß hatte. Er war fertig, seinen Vater zu beißen und zu Boden zu ringen und wollte jetzt gern beschmust werden. Kayla war ja immer noch bei Randy und schlief mittlerweile.

„Cate, kannst du nicht einfach mal deine vorlaute Klappe halten“, knurrte nun Caleb, der sich erwischt fühlte.

„Ich bin deine Zwillingsschwester, ich bin wie du. Also kann ich das nicht“, erklärte sie lapidar.

„Was soll das denn heißen“, wollte Caleb wissen, musste sich aber erst einmal um einen aufgebrachten Ranu kümmern, der auf seinem Schoß abgeladen wurde.

„Jetzt hat er nur noch die Shorts an. Es wird immer besser“, flötete Cathleen und Caleb knurrte.

„Guck dir deinen eigenen Mann an. Dieser Vampir gehört mir.“

„Ich will den auch gar nicht haben, ich habe den besten Vampir, den man haben konnte. Aber dich aufzuziehen und verlegen zu machen, lass ich mir doch nicht entgehen“, erklärte Cathleen zufrieden, denn der fauchende Ranu, der nun trocken gerubbelt wurde, hinderte Caleb daran seiner vorlauten Schwester den Hals umzudrehen.

„Man kann die Familie einfach nicht verleugnen, auch wenn sie sich nicht so ähnlich sehen würden“, erklärte Ryan, der Caleb seinen Ältesten abnahm und beruhigte.

Derweil kam Tian aus dem Wintergarten, ein Handtuch um die Hüften rubbelte er sich die Haare trocken. „Die Kinder ziehen meinen Mann aus“, knurrte er und blickte in die Runde der Erziehungsberechtigten.

„Und?“, wollte nun Caleb wissen.„Hast du in irgendeiner Weise dazu beigetragen, dass die Kinder sich nicht dreckig machen?“, fragte Caleb ungerührt. „Wenn ich mich recht erinnere, nicht. Also wirst du damit leben müssen, dass die Plagen deinen Schatz nackig machen.“ Mit seinem Mann machten sie es ja auch. Da sollte sich Tian mal nicht so anstellen.

„Ich finde, dass es reichen sollte, wenn sie deinen Vampir entblößen. Die Vorzüge meines Mannes sind eigentlich nur für mich vorgesehen … Schatz zieh dir was an“, knurrte Tian, als gerade Assai erschien und Bill ablieferte.

„Später, Liebling“, dann war er auch schon wieder weg und Tian blickte ihm hinterher. Dass er selber auch nicht viel mehr trug als sein Liebling, vermied er zu analysieren.

Caleb konnte ein hämisches Grinsen nicht vermeiden. Tian hatte seine Eifersucht immer noch nicht abgelegt. „Du darfst dir ruhig auch etwas anziehen“, stichelte er leise.

„Mach ich auch, Katze“, knurrte Tian, „und dann hole ich mir den Central Park wieder.“ Dann grinste er und warf sich in einen der Liegestühle am Pool, um gänzlich zu trocknen.

„Arme kleine Miez“, lachte Caleb leise und verteilte den aufgeschnittenen Kuchen auf dem Tisch, den Karl eben brachte. Die bereits sauberen Katzen hoben schnuppernd die Nasen. „Wandeln, sonst gibt es keinen Kuchen“, bremste Caleb alle drei. „Außer ihr wollt noch einmal unter die Dusche.“ Alle drei schüttelten den Kopf und kurz darauf saßen drei in Handtücher gehüllte Jungs am Tisch und griffen zu. „Wie kann man nur so verfressen sein?“, fragte Ian entgeistert, als seine Söhne jeder ein großes Stück verdrückten.

„Vor allem, wo fressen die das hin.“ Randy betrachtete die beiden ebenfalls, doch auch ihn lockte der Kuchen und so gönnte er sich ein Stück, während nach und nach die Plätze am Tisch wieder gefüllt wurden. Allmählich kam wieder Ruhe in die Reihen und so entsponnen sich wieder ein paar Gespräche. Aset, der sich ebenfalls wieder bekleidet hatte, beratschlagte weiter mit dem ebenfalls frisch bekleideten Assai und Ian über das Grundstück am Hafen und Randy und Ryan tauschten sich über die Vorteile und Nachteile verschiedener Länder als Wohnorte aus. Die Kinder hatten keine Zeit für Gespräche, die Kuchenstücke mussten vernichtet werden.

„Kann ich das Rezept haben, Karl?“, fragte Randy, denn der Kuchen war einfach köstlich und er griff noch schnell zu, bevor alles weg war und gab das Stück an Ian weiter, der noch gar nicht probiert hatte. „Aber natürlich, gerne Sir.“ Karl strahlte stolz, dass nicht nur seine Familie den Kuchen mochte. „Warst du schon auf der Insel vor Südafrika?“, fragte Randy Ryan. Er überlegte wirklich mit den Kindern ein paar Tage dort zu verbringen.

„Ja“ Ryan nickte und bekam Nicolas wieder, der schon wieder rege wurde, denn er bekam Hunger. Cathleen war schon in der Küche, denn wenn Nicolas Rabatz machte, dann dürfte Kayla auch gleich wach werden und mit einstimmen. Schließlich waren junge Katzen immer vom Hungertod bedroht, das sah man ja bei den anderen hier am Tisch. „Es ist herrlich dort. Zwei schöne kleine Anwesen und sonst jede Menge Platz und niemand, der einen stört. Immer warm.“

„Das hört sich wirklich traumhaft an. Aset und Caleb haben uns angeboten, dort auch Urlaub zu machen. Die Kinder wären bestimmt begeistert, nicht gleich wieder mit uns nach Hause zu müssen.“ Ryan strich Nicolas durch das Fell, der langsam immer mehr meckerte. „Das wäre doch toll. Meine Familie und ich werden auch dort sein.“

„Es wird ein bisschen eng, aber ich glaube, wir haben noch ein paar Ecken, wo man ein Haus hin bauen könnte. Wir wollten sowieso noch etwas Platz schaffen, weil unsere Familie stetig wächst. Auf die Dauer wird das zu eng. Zwei Wochen sollten reichen, um es bewohnbar zu machen“, überlegte Aset der sich gerade angestachelt fühlte. „Ich glaube ich werde gleich mal telefonieren müssen.“ Ian und Randy hoben die Brauen. „Bloß keine Umstände“, wehrten sie hektisch ab.

„Lasst ihn ruhig. Er braucht etwas zu tun, während wir da sind und ein Haus bauen, kommt uns allen zugute.“ Caleb strich seinem Mann durch die Haare und küsste ihn. Es hatte sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Aset nach einer Weile der Ruhe beschäftigt werden musste. Als sie auf der Insel mit den kleinen Kindern gelebt hatten, hatte das immer gut geklappt, weil er sich zum großen Teil um die Bespaßung der Kinder gekümmert hatte. Aber nun waren sie groß, konnten sich ganz gut allein bespaßen und wollten dieses Mal auch ihre Partner mitnehmen. Da war es bestimmt uncool mit den Eltern abzuhängen. Und den ganzen Tag mit dem Boot herum zu dümpeln war nach zwei Tagen auch langweilig. Ein Haus war ideal.

„Ihr könntet mir beim planen helfen“, murmelte Aset.

„Sie sind 14 Tage in Australien, Schatz! Sie können das bestimmt nicht!“

„Sie müssen da nicht hin, wenn sie lieber nach Südafrika mitkommen wollen.“ Aset schacherte ein wenig, denn die Häuser in Südafrika von Ian und Randy umweltverträglicher machen zu lassen, hatte seinen Reiz und er konnte Bills Eltern in der Zeit besser kennen lernen. Denn es sah nicht so aus, als wenn Rina in der nächsten Zeit das Interesse an ihrem Freund verlieren würde.

„Das … also“, stammelte Ian, der jetzt doch etwas überfahren war. Das kam etwas zu überraschend. „Ich muss das mit den Kindern besprechen und Randy hatte sich auch schon …“

„Mir ist das egal. Warm ist es auf beiden Kontinenten“, entgegnete Randy. Ihn reizte die Vorstellung auf einer privaten Insel zu sein und die Leute hier waren nett, durchgeknallt, aber nett. Er grinste. „So lange Simon buddeln kann, ist es ihm egal, wo der Sand liegt, und Bill mit Rina zu ködern ist doch viel zu einfach.“

Aset grinste triumphierend. „Es gibt dort ein ganzes Gebiet voll mit Büschen, da kann der Kleine sich austoben und du auch.“ Aset sah zu Ian, der schon wieder rote Schatten unter den Augen bekam.

„Also es ist ja nicht so, als wenn das ein Hobby von mir wäre...“stammelte er leise und musste dann kichern. „Aber es macht riesigen Spaß.“

„Ihr könntet also gleich euren Bauplatz entbuschen“, lachte Aset und war zufrieden, sah so auch zu seinem Leoparden, der nur den Kopf schüttelte.

„Du hast nur keine Lust, dich mit deiner Familie befassen zu müssen. Sei doch wenigstens ehrlich, du Vampir.“

„Hey, benutz das nicht als Beleidigung“, warf Assai über den Tisch und auch Ryan, der gerade Nicolas fütterte, knurrte.

„Hey“, protestierte auch gleich Aset, der sich das nicht vorwerfen lassen wollte. „Ich liebe meine Familie und ich beschäftige mich auch gerne mit ihnen.“ Das kratzte jetzt doch ziemlich an seiner Ehre. Für seine Familie tat er alles. Okay, manchmal brauchte er eine Auszeit von ihnen, aber nicht von allen. Nur von den pubertierenden. Caleb wollte er am liebsten immer um sich haben. Das hatte sich in den vielen Jahren seiner Ehe nicht verändert.

„Ich weiß, Schatz“, lächelte Caleb und lehnte sich gegen ihn, „aber das ändert nichts daran, dass ich dich gern ärgere und du dich ärgern lässt. So und jetzt sollten wir darüber nachdenken, wo wir noch ein paar Zelte auftreiben, dann können die Kinder im Freien campen, so lange nur zwei Häuser zum Schlafen zur Verfügung stehen. Außerdem muss ich die Vorräte aufstocken lassen und…“

„Caleb“, bremste nun Cathleen ihren übereifrigen Bruder. „Wir sind alle keine Raupen. Die vier Tonnen Lebensmittel werden reichen.“

„Sind wir nicht?“, fragte Caleb und erinnerte nur kurz an die heutige Fressorgie. „Sie sind Raupen und zwar die der schlimmsten Sorte. Niedlich guckende Raupen. Wir brauchen definitiv mehr Lebensmittel.“ Da ließ sich Caleb nicht reinreden. Zwar konnten sie jederzeit Nachschub ordern, aber der Leopard wollte soviel von hier mitnehmen, wie nur ging. Vor allem solches, was er lagern konnte wie Nudeln oder Konserven.

„Wir wollten aber doch keine Umstände…“, setzte Randy an, wurde aber von Caleb überfahren. „Papperlapapp. Sind doch keine Umstände. Wir müssen nur mal sehen, wie wir das mit den Flugzeugen machen. Am besten nehmen wir zwei Maschinen. In Port Elisabeth müssen wir dann sowieso auf kleine Maschinen umsteigen. Am besten schicke ich heute Nacht schon mal unser Gepäck voraus. Dann haben wir mehr Platz für uns.“ Caleb war in seinem Element, er war für nichts mehr zugänglich und zählte sich gerade an den Fingern ab, was er alles einpacken musste. Zumal sie neuerdings auch größere Kühlmöglichkeiten hatten.

„Lasst ihn, da ist jetzt nichts zu machen. Er ist in seinem Element. Er liebt es zu organisieren und zu planen.“ Aset küsste seinen Schatz und widmete sich wieder Ian und Randy. „Schön, dass ihr uns in die Ferien begleitet.“ Er prostete seinen Gästen zu und Ian räusperte sich.

„Bis wann habe ich Zeit, die Zelte und das andere Equipment zu besorgen?“, fragte er, denn er wollte auch etwas dazu beisteuern und da Caleb sich schon um den Rest kümmerte, blieb nur noch das für ihn übrig.

„Wir haben Zelte, zwei Stück. Jedes circa 20 Quadratmeter Bodenflächen. Ich glaube das reicht für die Kids“, warf Caleb dazwischen und ließ alle lachen.

„Nicht wundern“, erklärte Tian, der sich gerade sein Glas nachfüllte, „er hat ein selektives Gehör. Alles was seinen Bereich betrifft nimmt er auf, der Rest geht ungehört in den Abfluss.“

„Aufblasbare Gästebetten dafür haben wir auch. Hatten mal richtige Betten reinstellen wollen, fanden die Kinder doof. Die lieben ihre Luftmatratzen“, schoss Caleb wieder dazwischen und sah sich suchend um.

„Wir fliegen in zwei Tagen. Ihr könnt mitkommen oder nachkommen. Bringt nur das mit, was ihr zum Auslegen eines Hauses braucht. Internet und Telefon haben wir vor Ort“, warf Aset noch dazwischen und beobachtete die Kinder, die ihnen gerade schockiert zuhörten.

„Reiseziel verschoben?“, fragte Bill mal vorsichtig, ob er sich nicht verhört hatte und zu früh freute.

Ian und Ryan sahen sich an und Ryan zuckte schief grinsend mit den Schultern und Ian küsste ihn kurz. „Also, wenn es geht, kommen wir gleich mit. Unsere Koffer sind gepackt, unseretwegen kann es losgehen. Wir sollten wohl nur noch die Kinder in die geänderten Reisepläne einweihen. Sie gehen ja immer noch davon aus, dass sie sich heute für eine lange Zeit trennen müssen.“

„Also Reiseziel wirklich verschoben“, wollte Bill jetzt noch einmal intensiver wissen und Rina wurde ebenfalls hellhörig.

„Was ist?“, fragte sie und Bill brachte sie kurz auf den Stand, den er selber auch gerade hatte. „Ach echt?“ Nun sah sie zu Aset und Caleb. „Stimmt das?“

„Wäre das denn in deinem Sinne?“, fragte Aset grinsend und dass ihm Rina jubelnd um den Hals fiel, war ihm Antwort genug. Simon kam neugierig näher und kletterte seinem Vater auf den Schoß.

„Mäuschen, wir haben unsere Reisepläne geändert. Wir fahren nicht nach Australien, sondern mit Rina und Ranu und ihren Eltern auf eine Insel vor Südafrika. Dort ist es auch warm, es gibt Wasser und Strand und wie man mir versichert hat, jede Menge Büsche, die ausgegraben werden dürfen“, erklärte er seinem Sohn.

„Müssen!“, warf Aset ein und sah wie Simons Augen leuchteten. Er schien wohl gerade den richtigen Vorschlag für den kleinen Leoparden gemacht zu haben. Allerdings wollte Rina da vorher noch eine Sache geklärt wissen, ehe sie sich zufrieden an Bill schmiegen und mit ihm Pläne für die nächsten Wochen schmieden konnte.

„Werdet ihr dort auch alles verminen wie die Geisteskranken oder benehmen wir uns dort alle zivilisiert?“ Sie verschränkte die Arme und blickte Aset fest in die Augen.

„Wusste ich doch, dass ich noch was besorgen muss.“ Ian schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und Randy nickte zustimmend. „Ihr wisst schon Hormone auf Beinen und so. Schlafen in Zelten ohne elterliche Aufsicht. Da müssen Vorkehrungen getroffen werden.“ Bill sah seinen Vater entgeistert an und Aset grinste breit. „Das oder regelmäßige Patrouillen und Kontrollen.“

„Man könnte sie auch anketten oder einsperren – ich bin ja für einsperren“, schlug Ranu vor, denn er musste ohne Sina reisen, die mit ihren Eltern die Großeltern in Brasilien besuchen wollte und das bestimmt auch nicht für ein paar Tage mehr mit Ranu aufgab. Sie flogen so selten dort hin, dass sie sich jedes Mal freute wie verrückt. Da hatte Ranu es nicht übers Herz gebracht, sie zu fragen und sich entscheiden zu müssen.

„Ich kann Gruben graben“, schlug Simon vor und Bill sah ihn entgeistert an. Jetzt machte die Zwecke auch noch mit.

„Willkommen in meinem Team“, lachte Aset und hob die Hand, damit Simon einschlagen konnte. Der Kleine war einfach zu süß, wie er ernsthaft überlegte, wie er helfen konnte. „Wir machen das gemeinsam, was hältst du davon?“ Bill holte tief Luft und wollte schon protestieren, als Rina ihren Vater anknurrte. „Wenn ihr das vorhabt, dann könnt ihr gerne ohne uns fahren.“

Caleb lachte. „Prinzessin, du glaubst doch nicht wirklich, dass wir dich hier alleine lassen? Du wirst gefesselt und geknebelt und kommst in einen Koffer. Ganz einfache Rechnung.“ Er nahm sich noch etwas zu trinken und sah sich um. Er hatte plötzlich Appetit auf einen Cocktail. Wo war Buster, wenn man den mal brauchte? Denn der Bengale hatte ein Talent beim Mixen.

„Wir werden uns wehren. Wir werden uns weder anbinden, noch einsperren noch in Fallgruben fangen lassen und Tretminen werden wir auch ausweichen“, erklärte Bill, ganz der strahlende Ritter in der weißen Rüstung – oder eher: im weißen Fell.

„Ich bin für Treibsand“, schlug Tian vor, der auch langsam Spaß daran fand.

„Guter Vorschlag.“ Caleb grinste seinen Freund an und Rina stapfte frustriert mit dem Fuß auf. Das war doch nicht zum aushalten mit den Bekloppten. „Hallo“, rief sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Erde an Wahnsinnige. Wenn ihr mir die Ferien versaut, dann werde ich nie wieder ein Wort mit euch reden.“

Aset lachte leise. Sie wussten, dass Rina das nicht konnte. Sie redete viel zu gern und deswegen viel. Doch sie beließen es dabei. Aset hatte seine Methoden, die Kinder doch noch ein bisschen zu überwachen und im Zaum zu halten, doch das würde er ihnen nicht verraten. „Wir lassen das Los entscheiden, wer den Zuschlag bekommt, würde ich sagen und jetzt lasst uns noch etwas feiern. Morgen Abend startet der Jet nach Port Elisabeth und vorher muss ich noch den Rasen explodieren lassen. Ich habe es dem Gärtner versprochen. Wer will drüber laufen? Rina?“

„Bist du verrückt?“, hatte Rina schon gefragt, bevor sie es hätte zensieren können, kam aber nicht weiter dazu etwas zu sagen, da wurde sie auch schon von Aset an der Hand gepackt und wurde mitgerissen, als er loslief. Ian machte es mit Bill genauso, der erschrocken aufjapste, als er seinem Vater hinterher stolperte. „Nein, lass mich los, ich will nicht sterben“, kreischte Rina und versuchte sich aus dem Griff ihres Vaters zu befreien.

Was sie gestern Abend nicht bemerkt hatte, waren zum Beispiel die Melonen in den Bäumen, die sie zwar gesehen aber nicht wahrgenommen hatte, dass diese hohl und geschnitzt waren. Als Caleb einen Knopf drückte begannen die LEDs darinnen zu leuchten. Rina sah sich erschrocken um. Es war mittlerweile ziemlich dunkel geworden, was ihr am Tisch, der gut beleuchtet wurde, wohl irgendwie entgangen war. Im Dunkel des Gartens stolperte sie also ihrem Vater hinterher und rechnete jede Sekunde mit einer Explosion.

„Jetzt wird es lustig“, rief Aset, der Rina näher zu sich zog und ihr einen Arm um die Schultern legte. Sie versuchte sich dagegen zu sperren, aber gegen die Kräfte ihres Vaters hatte sie keine Chance. So konnte sie nur die Augen schließen und beten, dass sie es überlebte. Sie spürte deutlich, wie etwas unter ihrem Fuß klickte und hielt die Luft an, als sie von Aset weitergezerrt wurde. Keine Sekunde zu früh, denn etwas schoss aus dem Boden – nicht sehr hoch, vielleicht sieben Meter. Dann wurde es hell und sie hörte Simon „oh“ und „ah“ und „ich auch!“ rufen. Da wurde Rina neugierig und öffnete die Augen wieder, die sie instinktiv zugekniffen hatte. „Feuerwerk“, murmelte sie und sah Aset fragend an.

„Ich liebe dich, Schätzchen, und ich werde immer über dich wachen, aber dich nie in Gefahr bringen.“ Er küsste sie auf die Stirn und blieb stehen. Ian hielt mit Bill neben ihnen an und lachte über den ungläubigen Ausdruck auf dem Gesicht seines Sohnes. „Geht zurück, bin gleich wider bei euch.“ Aset ließ Rina los und war verschwunden. Er lief so schnell, dass man ihn nicht mehr wahrnehmen konnte. Dabei löste er eine versteckte Ladung nach der anderen aus, die nach oben stieg und den Garten für Sekunden mit Farben und Formen erhellte. „Die haben mich reingelegt“, murmelte Rina, als sie lächelnd auf die Farben starrte und sich gegen Bill lehnte. Simon lief ganz aufgeregt immer hin und her. Das war toll!

„Ja, das haben wir.“ Aset tauchte hinter den beiden auf und lachte. „Glaubt aber nicht, dass ihr vom Haken seid. Auch wenn wir euch nicht ständig überwachen werden, so wird es für die Ferien Regeln geben.“

„Das ist mir schon klar“, sagte Rina und wandte sich wieder um, als das kleine Spektakel vorbei war. Schwefel lag in der Luft und kleine Rauchschwaden zogen sich über die Wiese. Sie blickte auf die, die dort am Tisch saßen und lehnte sich weiter an Bill. Auch wenn sie aus einer Familie verrückter Wahnsinniger kam, sie tat es gern.

Einmal mehr musste sie zugeben, dass sie es nicht besser hätte treffen können.



Euch allen ein Frohes Fest ....