Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Katzenaugen 7 > Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 10-12

Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 10-12

10 

Sie schwiegen eine ganze Weile und Cai hatte immer noch daran zu knabbern dass er mit Jason als Mensch einfach nicht normal umgehen konnte. Mehr noch setzte es ihm zu, dass er nicht genau wusste, woran das eigentlich lag. Der Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass bald wieder die Sonne aufgehen würde und so sah er neben sich. „Du kannst gern hier schlafen oder zurückgehen. Was dir lieber ist. Aber ich werde wohl versuchen noch ein paar Stunden zu schlafen.“ Er lächelte unverbindlich.

Jason sah ihn überrascht an, denn bisher hatte er immer nur über Nacht bleiben dürfen, wenn er in seiner Katzenform war. „Ich würde gerne hier bleiben.“ Jason drehte sich so, dass er Cai ansehen konnte. „Was hat sich verändert?“, fragte er neugierig.

„Das hast du heute schon einmal gefragt und ich konnte es dir nicht sagen. Ich kann es auch jetzt noch nicht“, musste der Vampir gestehen, blickte Jason aber offen an. „Auch wenn wir uns gerade ein bisschen auf rohen Eiern um einander herum bewegen, so hab ich dich doch eigentlich ganz gern um mich. Der Tag war sehr kurzweilig“, musste er zugeben. „Und warum bleibst du?“

Jason hob eine Augenbraue und grinste. „Für dich ist also übereinander herfallen und wilden, sehr befriedigenden Sex zu haben, kurzweilig?“, fragte er ein wenig irritiert. Es brachte nichts, das, was heute zwischen ihnen passiert war, tot zu schweigen, denn das machte das Rumgeeiere nur noch schlimmer. „Ich bleibe heute Nacht hier, weil mir unserer gemeinsamer Tag und auch die letzten Wochen mit dir, gut gefallen haben.“ Er grinste. „Und weil sie kurzweilig waren.“ Das konnte er sich jetzt nicht verkneifen.

Cai lachte leise. „Ja, befriedigenden Sex empfinde ich allerdings als eine kurzweilige Angelegenheit, die einen Tag interessant gestaltet“, stimmte er zu und räumte das Tablett von der Bettmitte auf den Beistelltisch. „Aber auch die Rauferei bei Tisch fand ich sehr kurzweilig. Ich mag das.“ Was redete er hier? Seit wann machte er solche Geständnisse? Cai lachte erneut. Er war nicht mehr er selbst und er hatte den Verdacht, dass Jason daran nicht unschuldig war.

„Du hast schon seltsame Hobbys.“ Jason meinte das nicht böse, darum grinste er dabei. Er stand auf und begann sich auszuziehen. Sich jetzt noch schamhaft zu verstecken, war unnütz und Jason hatte nicht vor, jetzt damit aufzuhören, nackt zu schlafen. „Hast du eine Zahnbürste für mich?“, fragte er, denn wenn nicht, musste er noch einmal in sein Zimmer.

„Sicher. Schau mal im Schrank gleich neben der Tür. Den füllt Ho immer auf, sobald ich etwas heraus genommen habe. Da solltest du alles finden, was du im Bad gebrauchen kannst“, sagte Cai und erhob sich ebenfalls, um sich auszuziehen. „Ich hoffe allerdings für dich, dass du kein Deckendieb bist, sonst werde ich dich nämlich mit Bedauern aus meinem Bett werfen müssen.“

„Das mit dem Bedauern glaub ich dir irgendwie nicht.“ Lachend ging Jason zum Bad und um Cai zu ärgern, versuchte er sich wieder in sein Ambigua zu wandeln. Als es klappte, wackelte er frech mit dem Schwanz und sah über die Schulter zu Cai. Er lachte leise, als er die Badtür hinter sich schloss.

„Der Kerl macht mich wahnsinnig“, murmelte Cai leise und strich sich den langen Pony aus den Augen. Und das meinte er noch nicht einmal nur negativ. Allein die Zwischenform zu sehen, sich daran zu erinnern, wie der Flaum sich anfühlte, wie die Streifen aussahen, wie die Fänge sich anfühlten. Konnte es sein, dass ihm diese Form der Katze noch mehr gefiel als das Tier? Das war doch unmöglich. Bis heute war die animalische Form immer die reinste, die perfekteste für ihn gewesen und kaum hatte er einen einzigen Tag mit Jason verbracht, da warf er sein Weltbild über den Haufen?

Cai erkannte sich selbst nicht wieder.

„Du kannst“, rief Jason, als er aus dem Bad kam. Er war wieder ein Mensch, denn seinen Ambigua hatte er nur benutzt, um Cai zu ärgern. Er schlüpfte unter die Decke und grinste Cai an, der ihn etwas verstimmt ansah. „Noch habe ich ja Decke und brauche kein Fell um mich zu wärmen.“

„Warts ab, mal sehen wie lange“, murmelte Cai. Jason schien schon wieder etwas gefunden zu haben, womit er den Vampir ärgern konnte. Das wurde zu einer unschönen Angewohnheit. Es gab keinen zweiten, dem das in den letzten Jahrzehnten gelungen wäre. Was vielleicht auch daran lag, dass Cai niemanden so dicht an sich herangelassen hatte. Doch jetzt verschwand er erst einmal im Bad und machte sich für die Nacht zurecht. Als er zurück kam, hatte sich der Kater allen Ernstes komplett in die Decke gewickelt und grinste ihn frech an. „Rück raus und teile, wenn du nicht willst, dass ich dich wie die Füllung aus einem Crêpes auswickle!“

„Versuch es doch“, war die freche Antwort und Jason zog die Decke um sich fester. Warum er Cai so offen aufforderte, konnte er nicht sagen, aber das raufen und das, was danach gekommen war, hatte ihm gefallen und er hoffte, dass sie vielleicht noch ein wenig um die Decke raufen konnten. Er wurde auch nicht enttäuscht, denn er musste gar nicht lange darauf warten. Cai, der mit in die Seiten gestemmten Händen auf das Bett gesehen hatte, fühlte sich nun angestachelt. Es wäre ein leichtes für ihn, aus dem Schrank ein zweites Laken zu holen, doch das wäre nur halb so spaßig und nur halb so anregend. Er trat also neben das Bett und zog an einer Seite der Decke.

Ihm antwortete ein Knurren und Jason zog die Decke fester um sich, um es dem Vampir schwerer zu machen. Er hoffte, dass Cai ungeduldig wurde und sie wieder raufen konnten. Er wollte wieder versuchen, an das köstliche Blut zu kommen, das ihn berauscht und aufgeputscht hatte. Er hatte schon davon gehört, aber es eigentlich nie geglaubt. Doch nun hatte er es am eigenen Leib erfahren und die Erfahrung war unglaublich gewesen.

„Ist das der Dank dafür, dass ich dir Nachtisch, Fernsehen und Befriedigung verschafft habe?“, wollte Cai wissen und zog stärker an der Decke, so dass er Jason in seinem Kokon dichter zu sich zog.

„Du wolltest mich aus dem Bett werfen. Ist das der Dank dafür, dass ich dir Kurzweil und meinen Ambigua dargeboten habe?“, kam es aus der Decke, die kurz zur Seite geschoben wurde, damit Jason Cai anfunkeln konnte. Aber nur kurz, dann verschanzte er sich wieder.

„Du hinterhältige Katze“, knurrte Cai gut gelaunt und warf sich nun ebenfalls auf das Bett. Er belauerte den Kokon ein paar Minuten, doch da drinnen tat sich nichts. Der hinterhältige Kater hatte also nicht vor, sich zu zeigen. Der Vampir musste also zu härteren Maßnahmen greifen. Und da sich Jason im Kopfbereich gut abgesichert hatte, widmete sich Cai also dem anderen Ende, hatte mit ein paar Handgriffen einen Fuß freigelegt und biss zu.

Der spitze Schrei, der folgte, war Musik in seinen Ohren und er lachte leise. Jason versuchte seinen Fuß zu befreien, aber das gelang ihm nicht. So kämpfte er sich aus seinem Kokon und stürzte sich mit einem Knurren auf den Vampir, der noch immer seinen Fuß festhielt.

„Na geht doch“, erklärte Cai zufrieden und raffte die Decke an sich, um sich nun seinerseits mit einer geschickten Drehung darin einzuwickeln. Dass er dabei Jason überrollte und fast aus dem Bett geschoben hätte – das war leider Absicht gewesen. „Gute Nacht, Katerchen. Du hast ja Fell“, grinste er und raffte nun seinerseits alles rings um sich herum fest.

Er konnte es nicht lange genießen, denn Jason war niemand, der so eine Schmach auf sich sitzen ließ. Er sprang auf, wandelte sich dabei in seinen Ambigua und hob Cai mitsamt der Decke einfach hoch und ließ ihn wieder fallen, wobei er ein Ende der Decke fest hielt. Leider ging sein Plan nicht ganz auf, denn Cai wurde nicht ausgewickelt, sondern das Laken riss und er stand ziemlich verdattert mit seinem Stück des Lakens in der Hand da.

„War wohl nichts“, lachte Cai leise. Jason hatte wohl damit gerechnet, dass er jetzt sauer wurde. Doch ihm war das egal. Er hatte noch ein paar Laken im Schrank. Hier hatte er gerade entschieden mehr Spaß, das war ein paar Stofffetzen allemal wert. Ho würde er das schon irgendwie erklären  - zur Not schob er es einfach auf den Kater. „Kannst dich ja damit zudecken, Miez.“

„Oh nein, du Mistfliege.“ Jason stürzte sich auf Cai und innerhalb von zwei Herzschlägen rauften sie über das Bett und Jason lachte ausgelassen, auch wenn das in seiner Zwischenform merkwürdig klang, weil es mit einem Knurren durchsetzt war. „Ich will dein Stück der Decke, das ist größer.“

„Du hättest es doch gerechter durchreißen können. Jetzt mach mich nicht für deine Fehler verantwortlich“, erklärte Cai lapidar. In seinem Kokon konnte er sich nicht richtig zur Wehr setzen und so zerfetzte er das restliche Laken ebenfalls und brachte den verblüfften Kater so unter sich. „Ich hätte ja mit dir geteilt, aber du wolltest die ganze Decke. Das hast du jetzt davon.“ Und Cai gab sich nicht einmal ansatzweise Mühe, sich nicht aufreizend gegen Jason zu drücken.

Und da sie beide nackt waren, war es nicht schwer für Jason, zu erraten, worauf sie gerade wieder hinarbeiteten. Sein Körper nahm die Herausforderung nämlich ohne Zögern an. Er knurrte und funkelte den Vampir an. Er fixierte die pochende Halsschlagader und leckte sich über die Lippen.

 

+++

 

Es ging bereits auf Mittag zu, als sich in Cais Schlafzimmer das erste Zeichen von Leben bemerkbar machte. Viel hatte der Vampir trotzdem nicht geschlafen, denn der Puma hatte ihn auf Trab gehalten. Cai streckte sich und dabei glitt seine Haut über die von Jason. Sie lagen beide auf der Seite und Cai hatte den Kater im Arm. Und so blieb er noch ein paar Minuten einfach liegen und versuchte sich zu fassen. Irgendwas lief hier gerade aus dem Ruder – warum tat er selbst nichts dagegen, wenn ihm das doch bewusst war?

Er blickte auf den dunklen Schopf, der auf seinem Arm lag und brachte es doch nicht fertig ihn weg zu ziehen. Stattdessen strich er vorsichtig durch die weiche Fülle und musste lächeln, als Jason leise grummelte. „Schon Zeit zum aufstehen?“, nuschelte der Puma und öffnete ein Auge. „Ich bin doch gerade erst eingeschlafen.“

„Schlaf weiter, wenn du willst. Aber ich muss noch ein bisschen was tun“, erklärte Cai. Ihm war es egal, ob Jason allein in seinen Räumen blieb. Es gab nichts, was er nicht sehen konnte, denn die wichtigen Dinge, die niemanden etwas angingen hatte er alle grundsätzlich in seinem Büro.

„Jetzt sofort?“, Jason drehte sich auf den Rücken und hielt sich die Hand vor den Mund, weil er gähnen musste. „Du bist aber auch nicht kaputt zu kriegen“, nuschelte er dabei. Wie konnte Cai schon wieder so munter sein? Er selber fühlte sich überhaupt nicht ausgeruht.

„Ich bin auch ein bisschen älter als du, mein Körper regeneriert ganz anders“, erklärte Cai und streckte sich als er seinen Blick kurz durch den Raum schweifen ließ. Dann blieben seine Augen aber wieder an Jason hängen. „Eigentlich müsste ich gar nicht schlafen, aber es ist eine nette Angewohnheit, um den Kopf wieder etwas frei zu bekommen. Außerdem hättest du mehr Schlaf bekommen wenn du mir gestern Abend nicht dreist meine Decke geklaut hättest. Selber schuld.“

„Die Decke muss dir ja verdammt wichtig gewesen sein, wenn du mich dafür mindestens vier Stunden in die Matratze gedrückt hast.“ Jasons Stimme tropfte nur so vor Sarkasmus und er sah Cai ziemlich zweifelnd an. Aber dann lachte er und küsste den Vampir kurz. „Ich würde sie jederzeit wieder klauen.“

„Natürlich war sie mir wichtig. Ich habe gefroren. Ich bin fast erfroren. Irgendwie musste ich mich doch wieder aufwärmen. Und da ist Bewegung nicht die schlechteste Idee“, erklärte der Vampir und grinste. Er fühlte sich sehr zufrieden. „Mir fiel viel zu spät ein, dass ich ja noch ein paar Decken im Schrank hatte. Das nächste Mal wird mir dieser Fauxpas nicht passieren. Versprochen.“ Dann grinste er dreckig.

„Das nächste Mal?“, fragte Jason und drehte sich so, dass er Cai ansehen konnte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Cai das hier nicht als eine einmalige Sache sehen würde. Bisher hatte der Vampir sich nur für die Katze in ihm  interessiert und jetzt auch als Mensch seine Aufmerksamkeit zu bekommen, fühlte sich gut an, das musste er zugeben.

„Ich werde dich zu nichts zwingen. Aber da ich das Gefühl hatte, es könnte dir in irgendeiner Form ebenfalls Freude bereitet haben, dachte ich, du hättest Interesse daran, noch mal meine Decke zu klauen und ich selber muss zugeben dass du sehr kurzweilig bist.“ Er grinste und streckte sich. Mochte der Kater aus seinen Worten nehmen, was er wollte. Er selbst wusste ja auch nicht, warum er das so offen anbot. Alles, was er wusste, war, dass er Jason ganz gern um sich hatte. Doch er überließ es dem Kater, ob er wieder zu ihm kommen wollte. Es reichte, dass er Jason hier her entführt hatte, da musste er ihn nicht noch körperlich zu etwas drängen.

„Hör auf mich immer kurzweilig zu nennen“, schnaubte Jason und piekste Cai in die Seite. „Ich komm mir dann immer so vor, als wenn ich ein unterhaltsamer Film wäre.“ Der Kater brummte und versuchte Cai zu kitzeln. Dabei fiel ihm auf, dass er sehr wenig über den Vampir wusste.

„Aber du bist nun einmal nicht langweilig. Da ist das Wort lang drinnen – was du übrigens ... . Aber das ist ein anderes Thema. Das Gegenteil von lang ist kurz – also bist du nun einmal kurzweilig, ob dir das nun gefällt oder nicht. Du nennst mich auch Mistfliege, obwohl ich eher ein Adler als eine Fliege bin. Also lebe auch du mit der Schmach“, erklärte Cai ungerührt und versuchte wie eine Raupe den Fingern auszuweichen, die ihn malträtieren wollten.

„So wie du das sagst, hört es sich fast wie ein Kompliment an, aber trotzdem ziehe ich es vor, nicht kurzweilig genannt zu werden.“ Jason robbte Cai hinterher und als es ihm zu bunt wurde, warf er sich auf den Vampir und hockte sich auf dessen Hüfte, damit er nicht weg konnte. immer wieder ließ er seine Finger über die Seiten tanzen und lachte. „Dir wäre also Mistadler lieber?“

„Ja, das wäre mir lieber. Das klingt majestätischer.“ Cai nickte zufrieden. „Dreckig und majestätisch – könnte aus meinem Lebenslauf stammen.“ Er wehrte sich nicht gegen den Kater, der nun auf seiner Körpermitte hockte und ihn fest pinnte. Es wäre ihm ein leichtes gewesen sich zu befreien – doch warum? Das Gefühl war angenehm. Er legte seine Hände auf Jasons Schenkel, als plötzlich sein Handy klingelte.

Jason ließ sich zur Seite kippen, damit Cai an sein Handy konnte. Er krabbelte wieder unter die Decke und legte sich so, dass er Cai beobachten konnte. Er wusste zwar, wie der starke Körper sich anfühlte, aber gestern war das sehen irgendwie zu kurz gekommen. Das holte er jetzt nach, als er zuguckte, wie der Vampir sich streckte, um an sein Handy zu kommen. Und so konnte er sehen dass Cai plötzlich sehr aufgeregt war. Woher sollte Jason auch wissen, dass diese Melodie einen Anruf des Mannes ankündigte, der Jason hier hin verkauft hatte. Und wenn Byron anrief und nicht nur eine Nachricht und ein Foto schickte, dann hatte er mehr als ein Angebot.

Cai hatte keine Idee, was Byron wollen könnte und meldete sich deswegen etwas zurückhaltend. „Hallo.“

„Was heißt denn hier hallo?“, kam es gleich zurück und man hörte direkt, wie der Mann am anderen Ende breit grinste. „Bist du beschäftigt und willst gar nicht wissen, was ich aufgetan habe? Dann leg ich wieder auf.“ Byron wusste ganz genau, dass es nicht so weit kommen würde, aber es machte ihm einfach Spaß.

„Byron“, rief Cai und schoss hoch, „leg nicht auf. Ich bin ganz Ohr, was hast du!“ der Vampir hatte seinen Gast völlig ausgeblendet, er spürte wie sein Puls hoch fuhr und sein Jagdtrieb war geweckt. Er wollte es wissen – jetzt. „Also rede!“, nervös knetete eine seiner Hände das Laken, die andere hielt das Handy so fest umklammert, dass die Knöchel weiß wurden und das Gehäuse leise knarrte.

„Ich habe da etwas entdeckt, was du vielleicht ganz gern in deiner Sammlung hättest.“ Byron hielt sich absichtlich vage, denn er wusste ganz genau, dass das Cai verrückt machte. „Ich meine mich zu erinnern, dass du vor einiger Zeit davon geredet hast.“

„Ich habe von etwas geredet, was ich haben wollen würde und noch nicht habe?“, überlegte Cai halblaut. Er konnte sich nicht erinnern. Alle Angebote, die Byron ihm gemacht hatte und die ihn wirklich interessiert hatten, hatte er auch bekommen. Er konnte sich nicht erinnern, dass eine Bestellung offen geblieben wäre. „Was ist es. Sag schon.“ Im Moment hatte Cai keine Nerven für diese Spielchen. Er war aufgeregt. Deswegen musste er sich auch erheben und hin und her laufen. Doch auch das half nicht wirklich.

„Och Mensch, du bist furchtbar. Schon mal was von Vorfreude gehört? Immer willst du alles sofort haben.“ Byron lachte leise und machte den Vampir rasend damit. „Was fehlt denn noch in deiner Sammlung? Was ist nicht da, wo es sein sollte?“ Byron ließ seine Worte kurz wirken und ließ dann die Bombe platzen. „Ich habe Luan gefunden.“

Stille.

Cai stand wie angewurzelt da. Die kurzzeitig herrschende Leere in seinem Kopf füllte sich plötzlich. Gestern hatten sie noch davon gesprochen – und heute?

„Treib keine bösen Scherze mit mir, Byron. Du weißt, dass ich das nicht schätze“, knurrte er und als ihm klar wurde, dass der Naga das niemals tun würde, flüsterte er fast tonlos: „Du hast ihn gefunden? Wo ist er – wann kannst du ihn her bringen?“

„Er ist in New York. Ganz genau in Manhattan.“ Byron hörte sich zufrieden an, denn Cai sprachlos hatte er bisher selten erlebt. „Er ist ziemlich gut abgeschottet und daher nicht leicht zu erwischen, aber es ist machbar. Wenn du ihn willst, werde ich ihn dir wohl innerhalb der nächsten Tage liefern können.“

„Tu das – koste es, was es wolle. Du weißt, dass der Preis keine Rolle spielt und wenn du etwas anderes brauchst als Geld, lass es mich wissen und es gehört dir aber schaff mir Luan her.“ Cai konnte gar nicht mehr richtig denken – Luan. Er würde ihn bald wieder bei sich haben – seinen Kater Nummer eins. Den Albino-Nebelparder. Was machte der Kater in New York – am anderen Ende der Welt? Hatte er sich dort vor Cai versucht zu verstecken?

Cai bemerkte nicht, wie Jason sich abrupt versteifte, als er den Namen hörte, der an der Tür neben Cais Räumen stand. Unwillkürlich ging sein Blick zu der Wand, hinter der das Gehege lag. Ihm wurde kalt und er hatte das Gefühl, dass ein kalter Klumpen in seiner Brust lag. Er musste nur Cai ansehen und er wusste, dass dieser vollkommen aus dem Häuschen war. Es tat weh, nur zweite Wahl zu sein, denn das hatte er gerade begriffen. Er war kurzweilig, aber das war es auch schon. Darum erhob er sich vom Bett und ging zur Tür, ohne sich noch einmal umzusehen. Das letzte, was er hörte, bevor er die Tür schloss, war die Stimme des Anrufers, der Cai sagte, dass er in drei Tagen liefern würde.

„Okay – aber bleib im Plan“, sagte Cai und legte auf. Er hatte gerade noch mit bekommen, wie Jason das Zimmer verlassen hatte und wusste nicht genau warum. Hatte der Kater nicht gesagt, er würde noch etwas liegen bleiben und ausruhen wollen? So ging er zur Tür und blickte auf den Gang, wenn auch nur physisch. Sein Kopf kreiselte nur noch um einen Namen – Luan.

„Jason?“, rief er dem Puma fragend den Gang hinterher.

 

11

Fluchend versuchte Byron sich zu strecken, aber wie das nun einmal in einem engen Auto war, klappte das natürlich nicht besonders gut. Besonders dann nicht, wenn man ein großer und kräftiger Naga war. Das hob seine Laune nicht besonders. Er hatte die letzten Tage praktisch im Auto verbracht, was sein Rücken ihm langsam übel nahm. Aber man wurde kein guter Jäger, wenn man wehleidig und zimperlich war. Und gerade war er wieder auf der Jagd. Er hatte einen Auftrag und genau darum war er hier und saß in dieser kleinen Blechkiste fest. Einmal mehr hätte er mit seinem Schicksal hadern können, einmal mehr hätte er sich darüber beschweren können, was das Schicksal mit ihm gemacht hatte, doch was brachte es?

Sein Clan hatte ihn vor fast tausend Jahren verstoßen. Mehr noch – sie hatten ihn hingerichtet und nur wegen einer Fügung des Schicksals war er dem Tod von der Schippe gesprungen, ohne dass sein Clan es bemerkt hatte. Seit dem wandelte er auf einem schmalen Grat – er verbarg sich vor den seinen und jagte die Seltenen.

Es machte ihm Spaß, all diese seltenen Tiere und Werwesen zu suchen, zu finden und zu fangen. Es war jedes Mal eine Herausforderung, denn es durfte kein Verdacht auf ihn fallen, denn nur so konnte er weiterhin jagen. Wenn erst einmal bekannt wurde, was er machte und in wessen Auftrag er handelte, konnte er sich einen neuen Beruf suchen. Und das war noch das kleinste Übel. Wenn sein Clan irgendwann erfahren würde, dass er noch am Leben war, dann war es vorbei mit seinem schönen Leben. Byron knurrte leise und versuchte sich in dem kleinen Toyota wieder etwas bequemer zu setzen. Zur Tarnung hatte er sich ein Hot Dog geholt, was er nun im Wagen sitzend aß. Sonst erregte ein Kerl in einem Wagen vor einer Schule einfach zu viel Aufsehen.

Er stopfte sich den letzten Bissen in den Mund und angelte nach der Thermoskanne mit Tee. Für Kaffee hatte er sich noch nie erwärmen können. Für ihn war es nur ein ekliges, bitteres schwarzes Gebräu, das ungenießbar war. „Na, komm schon, ich will raus aus dieser Kiste“, brummte er und nahm einen Schluck. Earl Grey war für ihn immer noch das größte und so lehnte er sich in seinem Sitz etwas zurück und blickte auf die Uhr, während er einen zweiten Schluck genoss. Die Schule müsste aus sein – die ersten Schüler verließen das Gebäude. Jetzt musste er anfangen die Augen offen zu halten. Gestern war ihm seine Beute bereits durch die Lappen gegangen, weil er nicht allein gewesen war und Byron Kollateralschäden grundsätzlich nicht duldete. Er war ein Jäger, kein Mörder oder Schläger. Er hatte eine Ehre!

Es dauerte noch fünf Minuten, bis er seine Zielperson durch das Tor kommen sah. „Na, geht doch“, murmelte Byron und leerte den Becher. Es tat ihm zwar in der Seele weh, dass er das edle Getränk so hinunterstürzen musste, aber jetzt ging es nicht anders, denn Luan war alleine und auf dem Weg nach Hause. Eine bessere Gelegenheit würde er nicht kriegen. Er hatte den Kater studiert. Er wusste, dass er gern nach Hause lief, auch wenn das etwas dauerte, er wusste, dass der Kater gern durch den Central Park ging und dass er dort die perfekte Gelegenheit finden würde, sich seiner Beute unbemerkt zu nähern. So stieg er aus seinem Wagen und verriegelte ihn, während er dafür sorgte, dass seine Umgebung ihn als einen unauffälligen jungen Mann wahr nahm, der sich gerade eine Sonnenbrille auf die Nase schob und dann den Weg zum Central Park einschlug.

Wie bei einem kleinen Spaziergang schlenderte Byron durch den Park. Aber das war reine Täuschung. Er war auf der Jagd und alle seine Sinne angespannt. Unaufhörlich scannte er seine Umgebung. Er konnte jetzt nichts Unvorhergesehenes gebrauchen, während er seine Beute abfing. In seiner Hand verborgen hielt er die kleine Pistole mit den Betäubungspfeilen.

„Luan“, hörte es Byron plötzlich hinter sich und zuckte kurz zusammen. Der Kater drehte sich um und auch Byron gönnte sich einen Blick. Er hatte den Jungen schon öfter gesehen, der da angerannt kam und Byron fluchte leise. Der Kerl würde Luan sicherlich bis nach Hause begleiten, es schien als wäre es einer der Schützlinge des Katers und wohnte gleich in seiner Nähe. „Luan, du musst mit zu uns kommen. Caleb lädt zum Würstchen essen ein, das willst du dir doch nicht entgehen lassen, oder?“ Und schon hatte sich der Junge bei Luan eingehakt.

„Würstchen? Gibt es auch Brötchen, Sauerkraut, Gurken, Röstzwiebeln, Senf und Ketchup?“, fragte Luan lachend und leckte sich gleich über die Lippen, als Ranu heftig nickte. „Wenn dein Vater schon so ein großzügiges Angebot macht, dann sollte ich das wohl nicht ausschlagen“, lachte Luan und strubbelte durch die schwarzen Haare seines Schützlings.

„Nein, das solltest du unter keinen Umständen“, nickte der Junge und Byron ließ sich etwas zurück fallen. Er musste seinen Plan ändern! Heute Nacht erwartete Cais Privatjet die Lieferung auf dem New Yorker Flughafen – bis dahin musste er den Kater in seine Gewalt gebracht haben. Er würde wohl zu einer List greifen müssen.

Aber so war der Job nun mal, nichts lief wie geplant. Immer musste man umdisponieren und improvisieren. Wenn man das nicht konnte, sollte man es besser gleich lassen. „Dann eben Plan B, auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie er aussehen wird.“ Er erzeugte eine Illusion, dass er an einer Weggabelung abbog, während er sich gleichzeitig vor allen anderen tarnte und weiter Luan und seinem jungen Freund folgte. Was er vor hatte, war heikel und erforderte höchste Konzentration. Derart aufwendige Illusionen über längere Zeit aufrecht zu erhalten, kostete viel Kraft. Ob er wollte oder nicht. Er würde sich nach diesem Job eine Auszeit nehmen müssen. Doch noch war er nicht so weit. Noch folgte er dem weißen Kater durch den Park. Sie gingen in die gleiche Richtung, als würde Luan nach Hause gehen – sein Schützling wohnte also in seiner Nähe. Warum war ihm der Junge vorher noch nie bewusst ins Auge gesprungen? Wer war er?

Byron holte sein Handy raus und rief die Bilder auf, die er gemacht hatte, seit er Luan beschattete. Aber keines der Bilder zeigte den Jungen und das machte ihn neugierig. Die beiden schienen sehr vertraut, wie sie zusammen durch den Park gingen, immer wieder die Köpfe zusammensteckten und kicherten. Es war schwer das Alter zu bestimmen, aber Byron schätze den Jungen auf ungefähr sechzehn Jahre.

„Siebzehn Würstchen werde ich essen, das habe ich mir ganz fest vorgenommen“, erklärte der Junge gerade, als die beiden den Park verließen und die Straße zu den Villen überquerten. Byron stutzte, als er sie auf das Khonshu-Anwesen zu gehen sah. War das ein junger Khonshu? Er versuchte den Jungen genauer zu beobachten. Nun, er konnte Ähnlichkeit mit dem Vampirfürsten haben. Doch was hatte ein Kater wie Luan mit einem Khonshu zu tun? Die Clans waren Todfeinde!

Er bewegte sich etwas schneller, um näher an die beiden heranzukommen. Er hatte spontan beschlossen, mit Luan und seinem Begleiter auf das Anwesen zu gehen. Seine Tarnung würde ihn schützen, so dass er weitere Informationen sammeln konnte, ohne entdeckt zu werden. Und vielleicht bot sich ihm dort auch eine Möglichkeit, den Kater an sich zu bringen, ohne dass es gleich auffiel. Zwar war es ihm möglich den Kater ebenfalls mit einer Illusion zu umgeben, doch wenn es zu schnell auffiel, dass Luan nicht auffindbar war, dann hatte Byron nicht genügend Zeit zu verschwinden. Doch jetzt musste er aufschließen, sonst war das Tor zu, noch ehe der Naga auf das Gelände gekommen war.

Er schaffte es gerade noch hineinzuschlüpfen und scheinbar hatte die Aktion seine Konzentration gestört, denn Luan sah sich zu ihm um. Zum Glück konnte er ihn nicht sehen und Byron verbarg sich noch tiefer, denn die Katzen hatten scharfe Sinne, besonders, wenn sie sich auf etwas konzentrierten. Er schien Erfolg zu haben, denn der Kater schüttelte den Kopf und lief weiter.

„War was?“, wollte Ranu wissen, doch dann war er auch schon wieder mit der Nase im Wind und rief: „Wir sind da, Paps, rück Essen raus!“ lachend ließ er seinen Rucksack fallen und hatte sich noch gewandelt, ehe Byron nur einmal geblinzelt hatte. Im Khonshu-Anwesen lebten junge Katzen? Der Naga wusste zwar, dass der Vampirfürst einen Leoparden geehelicht hatte, aber von jungen Katzen hatte er nichts gewusst.

Er wollte gerade losgehen, als eine kleine Katze auf Luan zulief und an ihm hochkletterte. Der Fellzeichnung nach war es eine Bengalkatze, oder besser ein Bengalkater, wie er gerade sehen konnte. „Hallo Buster“, begrüßte Luan seinen Freund und kraulte ihn. „Möchtest du mir mit den Krallen in meiner Schulter sagen, dass ich mich beeilen soll, weil du Hunger hast?“

Alles was Luan antwortete war ein Fauchen. Doch als Buster merkte, dass Luan begriffen hatte, sprang er wieder ins Gras und lief zurück ins Haus, sah sich aber noch einmal warnend um, damit Luan auch ja nicht trödelte. Byron schmunzelte. Eine merkwürdige Katze, doch nichts was Cai interessieren könnte. Er suchte sich im Garten ein Eckchen und beobachtete von hier aus das Geschehen. Denn gerade kam der kleine getüpfelte Kater wieder aus dem Haus und lief nun schnurstracks auf den sich über das Gras rollenden Leoparden zu. Und Ranu ahnte noch nicht, was ihn erwartete.

Er war ganz in den Genuss versunken, sich am Boden den juckenden Rücken zu kratzen, als auf einmal etwas mit Krallen, die sich sofort in seinen Bauch schlugen, auf ihm landete. Ranu klappte wie ein Messer zusammen und fauchte laut. Doch bevor er sich gedreht und auf die Füße gekommen war, war Buster schon weg und eine wilde Hatz begann. Der kleine Kater hastete über den Rasen. Er wusste, dass er auf offenem Gelände nicht lange vor Ranu flüchten konnte. Byron beobachtete interessiert, wie der kleine getüpfelte Kater einen Baum erklomm und der Leopard ihm nachsetzte. Buster versuchte sich auf einen dünnen Ast zu retten und hätte nicht damit gerechnet, dass sein Bruder ihm im Blutrausch folgte.

 Was Byron dann sah, konnte er kaum glauben und es war ein Reflex sein Handy zu zücken und ein Bild zu machen. Als der Ast brach, auf dem die Katzen hockten und rauften, wuchsen dem Leoparden plötzlich Flügel. Richtige Flügel! Schwarze Schwingen – nicht sehr groß, nicht in der Lage den Körper zu tragen, doch sie waren da.

Er knipste immer weiter, wie die kleinen Flügelchen flatterten, als die beiden Katzen nach unten fielen. Die Flügel waren nicht groß, aber ihr Flattern reichte aus, um den Fall zu verlangsamen und beide sicher landen zu lassen. Dort allerdings, hatte der Bengale verloren, denn der Leopard stand mit beiden Vorderpfoten auf ihm und fauchte böse.

„Ranu – komm essen und bring deinen Bruder mit. Wir warten nicht ewig!“

Byron schoss herum, als er die fremde Stimme hörte, doch es gelang ihm seine Tarnung aufrecht zu erhalten. Er musste wirklich aufpassen, dass er nicht abgelenkt wurde und seine Konzentration fallen ließ. Er erblickte einen Mann in der Tür, blickte aber wieder auf die beiden Katzen, wo gerade ein Leopard den kleinen Bengalen im Genick griff und zum Haus schleppte, während der kleine Kater strampelte und meckerte. Das sollten Brüder sein?

Das musste er herausfinden, darum folgte er den Katzen durch den Garten. Als er um eine Ecke kam, blieb er abrupt stehen. Vor ihm saßen jede Menge Leute und zu seiner Verwunderung verwandelte sich der Bengalkater in einen jungen Mann. Noch eine Werkatze im Haus des Vampirfürsten? Er sah sich um und da war er. Am Kopf des Tisches saß Aset Khonshu, der Vampirfürst und unterhielt sich. Die Stimmung war gelöst. Byron war fast versucht sie als heiter zu bezeichnen. Was er hier sah, deckte sich ganz bestimmt nicht mit dem, was man über den Clanführer gehört hatte. Seine Einstellung den Katzen gegenüber sei skrupellos. Doch wie passten dann die jungen Katzen in das Bild.

„Ranu, du auch – sonst gibt’s nichts zu essen“, knurrte der Mann neben Aset gerade, den ein junges Mädchen neben ihm als Paps bezeichnete.

Aset lachte und küsste den Mann, der grimmig guckte und dem Vampirfürsten gegen den Arm boxte. „Mann, untergrab doch nicht immer meine Erziehung“, brummte er und da wusste Byron auch wer der Mann war. Das war der Leopard, der mit Aset verheiratet war, aber wenn das Mädchen ihn Paps nannte, dann musste sie auch zu Aset gehören. Die Konstellationen in der Familie erschlossen sich ihm nicht. Und so versuchte es Byron auch nicht weiter. Er musste zusehen dass er sich konzentrierte und seine Illusion aufrechterhielt. Denn wenn der Vampirfürst ihn erwischte, dann könnte das unschön enden – das musste ja nicht sein. Er hing an seinem Schlangenschwanz, der schimmerte so schön himmelblau in der Sonne. Besser er besann sich auf den Grund, warum er hier war – Luan, der neben einem Mann saß, den Byron schon gesehen hatte. Er wohnte im gleichen Haus wie Luan.

Sie schienen ein Paar zu sein, denn ab und zu tauschten sie Küsse und kleine Zärtlichkeiten aus. Wenn seine Zielobjekte Partner hatten, war es auf jeden Fall notwendiger keinerlei Spuren zu hinterlassen. Eigentlich sollte es ihm leid tun, dass er sie trennen musste, aber das tat es nicht, denn es war sein Geschäft und es brachte gutes Geld. Es war nicht an ihm zu urteilen – er war ein Händler. Jemand bestellte – er lieferte. So war das Spiel. Allerdings musste sich Byron darauf einrichten, dass es noch eine ganze Weile dauern würde, bis er den Nebelparder einmal allein erwischen würde, denn gerade hatte man es sich am Tisch bequem gemacht, man aß, redete, lachte und scherzte. Byron nutzte die Zeit, um die anderen zu beobachten. Waren sie Katzen? Waren sie Vampire?

Er machte es sich in einer Ecke bequem und wartete einfach ab. Jede Katze würde sich früher oder später wandeln. Nach dem Essen wollten die meisten sich bewegen und toben. Er hatte schon zu viele Katzen beobachtet und wieder einmal bestätigte sich seine Einschätzung, denn Luan wandelte sich, genauso wie der Junge mit den Flügeln und noch ein weiterer Nebelparder mit normaler Zeichnung. Sie tollten über den Rasen und Byron konnte verstehen, warum Cai den Albinoparder unbedingt haben wollte. Es war eine herrliche Katze. Und das lag nicht nur daran, dass sein Fell außergewöhnlich war, es lag auch an der Art wie der Kater sich bewegte. Ohne die Katzen ganz aus dem Auge zu lassen behielt Byron auch den Rest am Tisch im Blick. Er konnte es sich nicht leisten auf fremdem Terrain plötzlich überrascht zu werden. Doch die übrigen saßen noch immer am Tisch, hatten die drei tobenden Katzen gut im Blick. Byron wurde allmählich ungeduldig, auch wenn das eigentlich nicht seine Art war und ihn vielleicht unaufmerksam werden ließ.

Ihm lief aber die Zeit davon und jetzt noch den Privatjet abzusagen, ging nicht, denn der war schon in der Luft. Er musste also heute den Nebelparder in seine Gewalt und zum Flughafen bringen. Er musste die Katze also die ganze Zeit im Auge behalten. Was gar nicht so einfach war, denn zu den drei Katzen, gesellten sich noch zwei Leoparden. Einer von ihnen war riesig und musste wohl Caleb sein, der Ehemann von Aset. Byron hatte die Gerüchte über den riesigen Leoparden gehört. Niemand hatte den Leoparden je zu Gesicht bekommen in seiner Katzengestalt – zumindest nicht seit der Hochzeit mit dem Vampirfürsten. Und wie Byron fand waren die Gerüchte nicht übertrieben – dieser Leopard hatte die Ausmaße eines Tigers. Der musste Unmengen Vampirblut bekommen haben. Ob Cai an dieser Katze auch Interesse finden würde?

Er machte auf jeden Fall Fotos, die er Cai schicken wollte. Sollte der entscheiden, ob er ihn wollte, oder nicht. Die fünf Katzen tobten über den Rasen und die ersten zogen sich aus dem Getümmel zurück, um zu verschnaufen. Mit raushängenden Zungen lagen sie im Gras und hechelten. Auch der weiße Parder war dabei, der sich gerade schwerfällig auf seine Pfoten erhob und zu einem Baum in den Schatten trottete. Byron hielt den Atem an. Das konnte seine Chance werden. Er beobachtete genau wie der Kater unter den Busch kroch und hatte dann die anderen im Blick. Niemand bemerkte wo Luan hin gelaufen war. Keiner beobachtete ihn – jetzt oder nie!

Er ließ ihn mit einer Illusion verschwinden – jetzt musste es schnell gehen.

Aus seiner Tasche holte er das kleine Blasrohr. Die Pfeile waren winzig, so dass seine Opfer glaubten, eine Mücke oder ein anderes Insekt hätte sie gestochen. Aber bevor sie richtig wussten, was los war, wirkte das Betäubungsmittel und ließ sie einschlafen. Genau wie Luan, der bei dem kleinen Pieks zusammengezuckt war und noch bevor er nachsehen konnte, was ihn da gestochen hatte, umkippte und das Bewusstsein verloren hatte. Byron eilte zu ihm. Er musste vermeiden, dass der Kater sich unbewusst wandelte. Diese Katze zu transportieren war um einiges einfacher als den groß gewachsenen Kerl mit sich herum zu schleppen. Er injizierte also das Mittel, vertiefte die Bewusstlosigkeit und bettete den Kater in einem Rucksack, damit er die Hände frei hatte.

Jetzt musste er hier raus – und zwar so schnell wie nur möglich. So lange ihn keiner wahrnahm, konnte er über die Mauer. Sicherlich war diese gesichert, doch wie sollten sie ihn finden, wenn sie ihn nicht sehen konnten?

Er schulterte den Rucksack, rückte die Katze darin bequem zurecht und machte sich auf zur Mauer. Sie war ziemlich hoch, aber das war für Byron kein Problem. Mit seinem Schlangenkörper hatte er schon höhere Hindernisse überwunden. Mit seiner kostbaren Fracht auf dem Rücken, machte sich der Naga an das Erklimmen der Mauer. Wie erwartet löste er die Sender aus, ein leises Piepen ertönte und er sah sich kurz um. Er erkannte Aset, wie er sich nach dem Geräusch umblickte. Kurz zögerte Byron, weil er abschätzen wollte, ob der Vampirfürst ihn vielleicht doch wahrnehmen konnte.

Aset sah in seine Richtung, aber auf seinem Gesicht lag ein fragender Ausdruck, keine Wut, also war er wohl unentdeckt. Die Katzen kamen auf die Mauer zugelaufen, also machte Byron sich an den Abstieg. Er musste zum Auto, damit er nicht doch noch entdeckt wurde. Er hörte wie die Wachen die Mauer abliefen, ein paar kamen direkt auf ihn zu und Byron stockte kurz der Atem. Aber der Vampir lief an ihm vorbei, er hatte ihn wohl nicht bemerkt, sondern lief nur an der Mauer entlang, um zu sehen, ob er etwas Ungewöhnliches sehen konnte.

Glück gehabt!, murmelte Byron in sich hinein und machte, dass er endlich zu seinem Wagen kam. Er musste hier weg.

Am Wagen angekommen, legte er den Parder so auf den Rücksitz, dass er gut atmen konnte und deckte ihn mit einer Decke ab, damit er nicht gleich gesehen wurde. Der Flieger müsste mittlerweile gelandet sein, darum schickte er Cai eine Nachricht, dass man ihn auf das Flughafengelände lassen sollte. Dann startete er und machte, dass er weg kam. Und er freute sich schon auf das Gesicht, wenn er Cai die Bilder der beiden anderen erlesenen Leoparden zeigte.

„Mach dich aus dem Weg, du willst jetzt da drüben parken“, murmelte der Naga und sorgte dafür, dass der Trottel, der mit Tempo 20 die Straße blockierte, einen schnellen Stopp an einer Tankstelle machte. Eigentlich war das nicht seine Art. Er manipulierte nur ungern andere – doch wenn sie einem seiner Jobs und somit einer Menge Geld im Weg standen, dann sprang Byron gern mal über seine Prinzipien.

Zum Glück für alle anderen Autofahrer, stellte sich keiner von ihnen mehr in seinen Weg. Trotzdem brauchte er über eine halbe Stunde zum Flughafen. Als die Wache am Tor zum Terminal, wo Cais Flugzeug stand, ihn durchwinkte, atmete er unwillkürlich auf. Jetzt hatte er es geschafft und konnte seine kostbare Fracht übergeben. Er konnte mit dem Wagen bis aufs Rollfeld fahren. Das war der Vorteil von Privatmaschinen. Man hatte ein paar kleine Vergünstigungen die normalen Reisenden verwehrt blieben. Er grinste, als er Cai in der Tür seines Flugzeuges erblickte. Es war das erste Mal, dass der Mann sich selbst auf den Weg machte, um eines der Exponate zu besorgen.

Byron hielt neben der Gangway und nickte Cai zu, der sich gleich auf den Weg zu ihm machte. Der Naga zog die Decke von Luan und strich noch einmal durch das unglaublich weiche Fell, dann hob er den Kater hoch und drehte sich zu Cai um, der gerade die Treppe verließ und auf ihn zu kam.

„Luan“, flüsterte der Vampir fast tonlos und hielt inne. Er wagte kaum dem Kater näher zu kommen.

„Er ist sediert und hat das Serum, er wird sich die nächsten Wochen nicht wandeln und sicherlich noch ein paar Stunden schlafen“, erklärte Byron und Cai nickte nur. Nun kam er doch näher und streckte die Arme aus.

Byron legte ihm den bewusstlosen Kater in die Arme. Sein Part war nun erledigt. Mit der Übergabe des Exponates endete seine Zuständigkeit und auch seine Verantwortung für das Leben Luans. Cai konnte es kaum fassen, dass er endlich den Albinoparder in seinen Armen hielt. Er starrte fasziniert auf den schlafenden Kater, erinnerte sich aber dann daran, dass er nicht allein war. „Komm, bringen wir ihn ins Flugzeug, dann spendiere ich dir einen Drink.“

„Das nächste Mal vielleicht, ich habe noch etwas vor“, sagte Byron. Das stimmte zwar nicht, aber er wollte sich noch nicht verraten. Er wusste, wenn sie nett plauderten, dann verriet er gleich die Existenz der besonderen Katzen. Und das wollte er doch etwas später machen, wenn Cai Luan ausgiebig genossen hatte und wieder aufnahmebereit war. In seinem aktuellen Rausch würden die Infos nicht die Würdigung bekommen, die sie sollten und da Byron wusste, wo er die Katzen fand, musste er keine Sorge haben, dass sie in ein paar Tagen nicht mehr da wären.

„Schade, aber ich will dich nicht aufhalten.“ Cai nickte. Er war nicht enttäuscht. „Alles andere regeln wir wie immer.“ Das Geld war in dem Moment angewiesen worden, als Cai Luan übergeben bekommen hatte. „Davon gehe ich aus.“ Byron nickte leicht als Dank. Ihr Geschäft basierte auf Vertrauen und bisher war er bei Cai damit gut gefahren. Meist waren die Summen auf seinem Konto sogar noch etwas höher als der ausgemachte Preis – als Unkostenpauschale, wie Cai es nannte. Doch der sah ihm noch nicht einmal nach, als Byron in seinen Wagen stieg und vom Rollfeld fuhr. Er hatte nur Augen für Luan – endlich hatte er ihn wieder. Noch einmal würde ihm dieser Kater nicht entkommen.

„Endlich“, flüsterte er und stieg langsam die Treppe nach oben.

„Mach die Maschine fertig, ich will heim“, wies er an.

 

12 

Er trug Luan die Gangway rauf und legte ihn vorsichtig in den vorbereiteten Käfig. Er war von innen gepolstert, so dass Luan sich nicht verletzen konnte, falls er bereits im Käfig wach wurde und zu entkommen versuchte. Denn das würde er sicher, wenn er mit bekam, dass Cai ihn entführt hatte. Sicherlich freute sich sein Katerchen nicht halb so sehr auf ihr Wiedersehen, wie Cai es tat. Endlich hatte er ihn wieder – sein erster seltener Kater, der Grund, warum er das Sammeln begonnen hatte. „Es wird der Tag kommen, Luan, an dem es dir nichts mehr ausmacht, dass du bei mir bist. Glaube mir.“ Er setzte sich neben den gesicherten Käfig und schnallte sich an. Sie rollten bereits an. Seine Hand aber langte durch das Gitter, um das weiche Fell zu streicheln.

Es war nicht rein weiß, wie man es bei einem Albino erwarten würde. Ganz schwach, fast nicht wahrnehmbar, konnte man die typische Zeichnung der Nebelparder erkennen. Das machte ihn für Cai noch einzigartiger. Liebevoll kraulten seine Finger durch die Haarfülle und ließ ihn lächeln. Endlich konnte er das leere Gehege neben seinem Schlafzimmer füllen. Es hatte lange gedauert, hatte an manchen Tagen schon gar nicht mehr daran geglaubt, doch das Schicksal hatte es gut mit ihm gemeint. „Schlaf, bis wir zu Hause sind. Das ist besser für dich“, erklärte Cai leise, strich aber weiter durch das Fell, während er mit der anderen Hand nach einem Glas griff. Er würde selbst auch etwas dösen, damit er hellwach war, wenn Luan es auch war.

Es zeigte sich einmal wieder, dass Byron ein Meister seines Faches war. Er hatte Luan genug Betäubungsmittel verabreicht, dass er während des Fluges nicht aufwachte. Er wusste, wie gefährlich das für die Besatzung wurde, wenn der Parder sich befreien konnte, wenn sie noch in der Luft waren. Luan begann sich erst zu regen, als Cai ihn in seinem neuen Gehege ablegte. „Hallo mein Schöner“, murmelte der Vampir und hockte sich neben den Kater. Er hatte die Türen und Fenster verschlossen, das Licht gedimmt und den Kater auf das Bett gelegt. Es stand Wasser und Futter bereits, falls der Kater nach der langen Reise Hunger oder Durst spüren sollte. Doch Cai ahnte schon, dass das Luans geringste Sorge sein dürfte.

Er würde voller Panik um sich schlagen und beißen, wenn er mitbekam, wo und bei wem er war und dass er sich nicht wandeln konnte. Er hatte das schon so oft erlebt und es war unterschiedlich, wie lange es andauern würde. Manche fügten sich schnell in ihr Schicksal, andere waren auch nach Monaten nicht bereit ihr Schicksal zu akzeptieren. So wie Jason. Kurz blickte Cai auf. Er hatte den Puma nicht mehr gesehen, seit er ohne ein Wort aus seinem Schlafzimmer verschwunden war. Doch dann waren seine Gedanken auch schon wieder bei Luan, denn der Kater regte sich. Die Pfoten zuckten und der Kopf rollte leicht. „Wach auf, mein Schöner, du bist zu Hause“, flüsterte er und strich noch einmal durch das weiche Fell. Er konnte gar nicht genug davon bekommen.

Es war wohl mehr ein Reflex, als der Kater knurrte und versuchte nach der Hand zu schnappen, die ihn streichelte. „Tss“, machte Cai, zog die Hand aber weg. Er wollte Luan nicht schon aufregen, bevor er wach war. Er zog sich ein wenig zurück und lehnte an der Wand, als der Kater immer munterer wurde und versuchte die Augen zu öffnen.

„Du hast lange geschlafen, mein Schöner, komm mach die Augen auf und sieh dich um“, sagte Cai. Er hatte ein Bein ausgestreckt, eines angezogen und lehnte mit dem Rücken an der Glaswand zu seinem Schlafzimmer, die aber im Moment noch verdunkelt war. Er lächelte zufrieden, als Luan endlich die Augen aufschlug und regungslos erst einmal die Lage sondierte.

So wie er lag, konnte er Cai nicht sehen und das war auch gut so, denn Luan sollte erst einmal richtig wach werden und nicht gleich in Panik geraten und sich vielleicht verletzen, wenn er versuchte vor Cai zu fliehen. Der Vampir verhielt sich ganz still. Seine Augen lagen auf dem Kater, der den Kopf schüttelte, um ihn wieder klar zu bekommen. Dabei versuchte er, auf die Pfoten zu kommen und sah sich weiter um. Cai spürte, dass der Kater versuchte sich zu wandeln, doch das würde ihm nicht gelingen. Mal sehen, wie oft er es versuchte, bis er es einsah und aufgab. Der Vampir legte den Kopf schief, der Pony fiel ihm weit ins Gesicht und er lächelte, als Luan auf allen vieren stand und sich zu ihm umblickte.

Er konnte genau sagen, wann Luan aufging, wer da vor ihm stand, denn die blauen Augen weiteten sich kurz und das Nackenfell stellte sich auf, als er Cai böse anfauchte. Dabei ging er langsam rückwärts, ohne den Vampir aus den Augen zu lassen. Noch etwas wackelig, aber kampfbereit.

„Beruhige dich, mein Schöner, ich tu dir nichts. Du bist jetzt zu Hause. Komm erst mal zu dir. Iss was, trink was“, versuchte es Cai, bewegte sich aber nicht, um Luan nicht noch mehr zu reizen. „Und versuch nicht weiter dich zu wandeln. Das wird die nächsten Wochen nicht gehen. Das Serum, was wir dir gespritzt haben verhindert das.“ Cai strich sich kurz die Haare aus dem Gesicht, dann lächelte er wieder. Dieser Kater war einfach schön – er wurde nicht satt ihn anzusehen. Ein Kunstwerk der Natur.

Immer wieder kniff Luan die Augen zusammen, so als wenn er hoffte, nur ein Trugbild zu sehen. Er konnte nicht weiter zurückweichen, denn er war an der Wand angekommen und kauerte sich nun in die Ecke, damit ihn niemand von hinten angreifen konnte. Er versuchte zu verstehen, was dieser Mistkerl gerade zu ihm gesagt hatte. Panik stieg in ihm auf und er begann zu zittern.

„Beruhige dich doch“, versuchte Cai es immer wieder leise. Er hatte damit gerechnet, dass der Nebelparder toben würde und wüten, so wie es Jason getan hatte. Doch Luan schien ganz anders. Er war verängstigt, er zitterte, er versuchte sich zu verstecken. Cai hätte fast Mitleid mit ihm bekommen. Er wusste, was den Kater wieder normalisieren würde, doch er würde den Teufel tun und Luan noch einmal gehen lassen. Jetzt wo er ihn endlich hier hatte. Sie würden das schon gemeinsam durchstehen - ganz bestimmt. Er musste nur Geduld haben.

Luans Verhalten änderte sich erst, als Cai sich von der Wand abstieß und einen Schritt auf Luan zuging. Der Parder brüllte laut und sein Körper spannte sich an. Er war kampfbreit, bereit sich auf Cai zu stürzen, falls er noch näher kommen würde. Er hatte also die unsichtbare Grenze überschritten, die der Parder um sich gezogen hat. Cai nickte verstehend und blieb erst einmal stehen. Er deutete auf den Napf mit Wasser. „Ich wollte dir nur etwas zu trinken rüber schicken“, sagte er offen und ging wieder an die Wand zurück. Er wollte nicht, dass das Tier sich aufregte und vielleicht noch verletzte. Blut auf diesem reinen Fell war ein Sakrileg!

„Ich weiß, du willst nicht hier sein. Aber du bist jetzt hier. Je schneller du das begreifst, umso einfacher wird es für uns beide.“

Aber Luan schien ihm nicht glauben zu wollen, denn er blieb angespannt und kampfbereit, auch als Cai wieder an der Wand lehnte. Erst jetzt bemerkte Luan das Wasser und das Futter. Kurz überlegte er, ob er es ignorieren sollte, aber er war durstig und hungrig und er brauchte seine Kraft, um sich gegen Cai zu behaupten. Darum schlich er näher, immer den Vampir im Blick. Selbst als er seine Schnauze zum Wasser bewegte, hatte er seine Augen immer auf Cai gerichtet, bereit zu springen, sollte das nötig sein. Doch Cai hatte nicht vor, sich den Kater zu greifen. Er wollte das Luan erst einmal ankam und seine Situation akzeptierte. Er wusste von Jason, wie lange das dauern konnte. Er musste Geduld haben, auch wenn es schwer fiel. Also rutschte er an der Wand wieder zu Boden.

Luan trank hastig und fraß das Fleisch in zwei großen Happen, ohne viel zu kauen. Er hatte noch nicht einmal zuende geschluckt, da saß er schon wieder in der Ecke und fauchte Cai böse an. Wie gern hätte er sich gewandelt und den Vampir angeschrien. Aber das hatte der Mistkerl ja verhindert, indem er ihm dieses Serum gegeben hatte, wegen dem er vor Jahren vor Cai geflüchtet war. Wie hatte es der Vampir fertig bringen können? Warum konnte sich Luan an nichts erinnern? Das letzte, was er wusste, war, dass er mit seinen Freunden in Asets Garten getobt hatte und ein Schläfchen im Schatten machen wollte. Alles was dann passierte, fehlte ihm. Das konnte doch nicht normal sein.

„Entspann dich, mein Schöner“, sagte Cai leise. Er würde noch nicht aufgeben. Er wusste zwar, dass es besser für Luan wäre, wenn Cai den Raum verließe, doch er konnte sich an dem Tier einfach nicht satt sehen.

Er bemerkte nicht, dass Jason an der Scheibe zu Luans Gehege vorbeiging, um nach draußen zu kommen. Kurz blieb der Puma stehen und schnupperte. Er konnte als Mensch zwar nicht so gut riechen, wie als Katze, aber er konnte riechen, dass Cai wieder da war und da war ein neuer Geruch, der Geruch einer fremden Katze. Dieser Luan, war also geliefert worden.

Abrupt wandte er sich ab und sein Gesicht verschloss sich, als er seinen Weg zum Aufzug wieder aufnahm.

Cai wandte sich zur Scheibe um. Er hatte das Gefühl, dass jemand da gewesen war, doch der Flur lag leer. Er hatte sich wohl getäuscht, weil er so auf Luan fixiert war. Er wandte sich also wieder um, ehe der Parder noch seine Chance nutzte und ihm an die Kehle sprang, wenn er ihm den Rücken zu drehte.

„Hast du noch Hunger oder Durst? Soll ich noch was bringen lassen?“, wollte er wissen und legte den Kopf gegen die Wand, an der er lehnte.

Doch Luan fauchte ihn nur an und schlug die Krallen in die Matratze. So schnell würde der Kater sich also nicht beruhigen. Die herrlichen blauen Augen, blitzten ihn wütend an. Das konnte noch dauern, bis sich der Parder beruhigen würde.

„Ich weiß, was du willst, mein Schöner. Aber du weißt auch, dass ich das nicht tun werde. Das hier ist jetzt dein zu Hause, je schneller du das begreifst, umso schneller kannst du dich entspannen.“ Er zog ein Knie an und bettete sein Kinn darauf. „Ach Miez, mach's uns doch nicht so schwer.“

Aber Luan sah das überhaupt nicht ein. Langsam verwandelte sich seine Angst in unbändige Wut. Was fiel dem Mistkerl ein, ihn einfach hier her zu bringen und auch noch zu erwarten, dass er das einfach so hinnahm. Er wollte ihn anschreien und auf ihn einschlagen, aber das ging ja nicht, weil er in seiner Katzenform gefangen war. Das machte ihm eine Scheißangst. Was, wenn er sich nie mehr wandeln konnte?

„Vielleicht lass ich dich erst mal ein paar Stunden allein. Ich lass dir noch mal Wasser und Futter bringen.“ Cai erhob sich. Auch wenn es ihm schwer fiel, das hier hatte so keinen Sinn. „Beruhige dich ein bisschen, ich sehe später noch einmal nach dir.“ Er ging auf die Tür zu, drehte sich aber noch einmal um. Aber die schönen blauen Augen sahen ihn nur feindselig an und der Kater knurrte drohend.

Er schloss die Tür und lauschte in den Raum, aber Luan bewegte sich nicht. Das würde er wohl auch nicht, solange er nicht sicher war, das Cai gegangen war. Darum verließ der Vampir das Gehege und ging in seine Räume. Dort konnte er Luan weiter beobachten, ohne dass dieser das merkte. Und das tat Cai dann auch. Er wollte sehen, wie lange es dauerte, bis der Kater sich endlich etwas entspannte. So griff er sich eine Cola aus dem Kühlschrank und setzte sich auf das Bett. Die Tür zu seinem Zimmer war offen, wer sollte hier schon groß vorbei kommen? Cai drückte einen Knopf und die Polarisation der Scheibe änderte sich derart, dass sie von seiner Seite aus durchsichtig wurde.

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis Luan sich rührte. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen und erkundete den Raum. Er war immer noch angespannt, aber das legte sich nach und nach. Nach dem Schlafzimmer, sah er sich im Bad und im Wohnzimmer um. Er hatte keinen Blick für die Einrichtung. Sein Augenmerk lag darauf, eine Möglichkeit zur Flucht zu finden.

Cai beobachtete ihn rege dabei. „Ja, erkunde dein neues Reich“, murmelte er leise und rutschte sich selbst ebenfalls etwas bequemer. Er entspannte sich ein wenig. „Sieh dich um, aber eine Möglichkeit zur Flucht wirst du nicht finden. Ich habe von deinen Vorgängern gelernt“, sagte er leise und stopfte sich das Kissen bequemer. Seine Hand ging automatisch neben sich, wo in den letzten Wochen Jason gelegen hatte. Doch der Platz war leer. Erst jetzt ging ihm auf, dass er den Puma noch gar nicht gesehen hatte.

Er war sich sicher, dass Jason wusste, dass er wieder da war, denn das sprach sich immer schnell herum. In den letzten Wochen war Jason zu ihm gekommen, sobald er von Cais Ankunft erfahren hatte. Vielleicht war er draußen. Aber lange weilten seine Gedanken nicht bei dem Puma, denn Luan nahm ihn wieder gefangen. Der Parder durchstreifte nun das Wohnzimmer. Er schnüffelte an der Tür, am Fenster. Er untersuchte die Wände und Cai lächelte. „Du gibst nicht auf, hm? Mach ruhig weiter.“ Er trank einen Schluck und stopfte sich das Kissen im Rücken bequemer. Er brauchte keinen Fernseher, wenn er Luan hatte.

Er wusste nicht, wie lange er durch die Scheibe gesehen hatte. Zwischendurch hatte er sich etwas zu essen bringen lassen. Luan hatte auch noch etwas gegessen, nachdem er dem Wärter, der es ihm brachte, eine Heidenangst eingejagt hatte. Cai hatte sich darüber köstlich amüsiert. Und Luans Ego schien es auch ein bisschen genutzt zu haben. Nun schien sich der Parder mit seinem Schicksal abgefunden zu haben, denn er lag mit übergeschlagenen Pfoten auf dem Bett und starrte vor sich hin. So erhob sich Cai. Er wollte noch einmal in das Gehege, vielleicht war mit Luan jetzt mehr anzufangen.

Er ging aus seinem Zimmer und öffnete die Tür von Luans Gehege. Langsam ging er zu der Tür vom Schlafzimmer. Luan sollte sich darauf einstellen können, dass er wieder zu ihm kam. „Hallo Katerchen“, begrüßte er den Parder und lehnte sich in den Türstock. Sofort schoss Luan hoch und stand nun auf allen vieren fauchend auf dem Bett.

„Na, wer wird denn gleich, ich wollte durch nur nach dir sehen“, erklärte Cai, regte sich aber nicht. Er lehnte mit der Schulter am Holz, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und ein amüsiertes Lächeln auf seinen Lippen. „Ich hoffe, du hast dich schon ein bisschen eingelebt.“

Luan entspannte sich ein wenig, aber er blieb wachsam, als er Cai geringschätzig anschnaubte und ihn dann ignorierte. Er wusste, dass Cai es nicht mochte, wenn man ihn ignorierte. Das hatte ihn schon zu der Zeit gestört, als sie noch ein Paar gewesen waren.

„Luan, nun sei doch nicht so. Du wusstest so gut wie ich, dass unsere Trennung nur eine Trennung auf Zeit war.“ Cai versuchte sich nicht reizen zu lassen. Er kannte Luan noch gut genug, um zu wissen, dass er gern provozierte. Doch heute war es nicht mehr so wie früher – heute wollte er nicht mehr die Liebe des Mannes erringen, er wollte die Katze besitzen. Und das war ihm gelungen. „Du kannst also hier drinnen hocken und Tag für Tag schmollend die Wände anstarren oder dich mit mir arrangieren und ein relativ geregeltes Leben leben. Deine Entscheidung.“

Die einzige Reaktion war ein leises, gereiztes Fauchen. Luan wusste, dass Cai Recht hatte, aber diesen Triumph wollte und konnte er ihm nicht gönnen. Er würde sich nie damit arrangieren hier zu sein und immer einen Weg suchen zu entkommen. Er wollte zurück zu Peter, den er schrecklich vermisste.

„Okay. Also drinnen hocken. Ich akzeptiere deine Entscheidung“, erklärte Cai und stieß sich von der Tür ab. Er spürte, dass er bei Luan im Augenblick nicht weiter kam. Das war alles noch viel zu frisch. Er sollte ihm wohl ein paar Stunden Zeit geben und sich selbst auch ein bisschen die Beine vertreten. Vielleicht fand er draußen ja Jason und konnte sich ein wenig mit ihm austoben. Er brauchte jetzt Bewegung. Ob schwimmen oder laufen war ihm dabei völlig egal. „Viel Spaß noch, Katerchen. Bis später.“

Gut gelaunt ließ er Luan allein und ging zum Fahrstuhl, der ihn nach oben brachte. Kaum war er im Freien, breitete er die Flügel aus und flog los. Von oben würde er Jason schon finden, das hatte er bisher immer. Langsam zog er seine Kreise über die Insel, aber er konnte keine Spur von Jason entdecken. Sollte der Puma gar nicht draußen sein? Das war ungewöhnlich, denn Jason verbrachte normalerweise so viel Zeit draußen, wie er konnte.

Also lief der Vampir langsam los. Er versuchte die Fährte des Pumas zu finden doch die salzige Seeluft und der Wind, der vom Meer zu ihm wehte, erschwerte das Unterfangen. Also musste er klassisch wie jeder Mensch mit Augen und Ohren suchen gehen. „Jason“, rief er, als er hinunter zum Strand ging. Vielleicht war der Mann schwimmen? Was er als Katze verabscheute, mochte Jason als Mensch sehr gern, das hatte Cai schon verstanden.

Aber im Wasser war Jason nicht und auch nicht am Strand. Cai flog wieder zur Insel und landete neben Jasons Lieblingsplatz. Auch hier war er nicht, aber Cai konnte dort eine schwache Witterung aufnehmen, der er folgte. „Jason“, rief er wieder. Jason hörte ihn deutlich, denn er war nicht weit weg, aber er ignorierte Cai, wie auch schon vorher. Er wollte nicht mit dem Vampir reden. Doch er wusste so gut wie Cai selbst, dass der Vampir nicht aufgab. Er war es gewohnt zu bekommen, was er wollte und wann er es wollte und gerade wollte er Jason.

„Miez, Miez, Miez“, rief Cai noch einmal und folgte der Fährte. Er wusste, dass er am Ende dieser Spur den Kater finden würde, doch wenn er nicht kam, wenn Cai rief, dann schien er ihn nicht sehen zu wollen. Er gab dem Kater also noch ein paar Minuten, indem er langsam ging.

Jason sah nicht zu ihm, als Cai bei ihm ankam. Er starrte einfach geradeaus auf das Meer und zeigte keinerlei Regung, auch nicht, als der Vampir neben ihm stand und auf ihn hinabsah. Erst jetzt sah der Puma zu ihm hoch. „Hallo Cai“, sagte er leise und drehte den Kopf wieder zum Meer.

„Ein ungewöhnlicher Platz für dich. Sonst sitzt du doch auf hohen Steinen, nicht im Gebüsch“, sagte Cai und blickte nun ebenfalls auf das Wasser. Er spürte, dass etwas nicht stimmte. „Ich habe dich gerufen. Hast du mich nicht gehört?“ Sie wussten beide, dass der Kater sehr gute Ohren hatte, das war es also nicht gewesen.

„Ich habe dich gehört und mir war heute nicht danach auf einem hohen Felsen zu sitzen.“ Jason schlang die Arme um seine angezogenen Beine und legte das Kinn auf die Knie. „Was machst du hier?“

„Nun, ich bin deiner Spur gefolgt und habe dich gerufen. Ich glaube, ich habe dich gesucht“, erklärte Cai und versuchte nicht wütend zu werden. Reichte es nicht, dass Luan unzugänglich war, musste Jason da auch noch solch abweisendes Verhalten an den Tag legen? Cai sah weiter auf das Wasser und verschränkte die Arme.

„Du hast mich gefunden und nun?“ Jason schloss die Augen. Es kostete ihn viel, Cai nicht anzuschreien, dass er verschwinden solle. Schließlich hatte er ja jetzt, was er die ganze Zeit gewollt hatte.

„Und nun möchte ich etwas Zeit mit dir verbringen“, knurrte Cai. „Und vor allem möchte ich wissen, was du heute im Essen hattest, dass du so dermaßen seltsam bist.“ Nun blickte Cai doch auf den Puma, der starr auf das Wasser sah. Langsam wurde er wütend.

„Ich aber nicht mit dir.“ Endlich zeigte sich eine Regung auf Jasons Gesicht, wenn es auch nicht die war, die Cai erwartet hatte, denn die Augen des Pumas blitzten ihn wütend an. „In meinem Essen war gar nichts und ich bin auch nicht seltsam, wie du das ausdrückst.“

„Doch das bist du, Jason. Sonst war es okay für dich, ein bisschen zu laufen, zu schwimmen und zu raufen. In den letzten Wochen kamst du zu mir, kaum dass ich wieder auf der Insel war. Was ist jetzt anders. Was ist los?“ Cai war kein geduldiger Vampir. Aber da Jason – aus einem ihm selbst nicht ganz klaren Grund – eine Sonderstellung hatte, ließ er ihm das Verhalten durchgehen.

„Was soll anders sein? Ich bin hier, gegen meinen Willen, wie die letzten Monate auch. Ich werde dieses verdammte Serum bekommen und in meiner Katzenform feststecken, bis es wieder nachlässt. Also sag mir, was sich geändert haben soll.“ Jason war aufgesprungen und offensichtlich sehr wütend, denn er hatte die Hände zu Fäusten geballt und er zischte mehr, als dass er redete. Aber das war nur die halbe Wahrheit. Er konnte ja schlecht sagen, dass es ihn wütend machte, dass er nur zweite Wahl war und Cai nur bei ihm war, weil sein neues Spielzeug wohl nicht mitspielte.

„Trotz der widrigen Umstände hatten wir uns arrangiert. Aber wenn du nicht reden willst – lass es. Allerdings siehst du aus, als würdest du mir gerade die Fresse polieren wollen. Ich habe nichts dagegen, wenn du mir sagst, was los ist. Angebot?!“ Cai konnte eine gute Auseinandersetzung jetzt gut gebrauchen, denn er verstand Jason nicht und das nagte an ihm. Es hatte Zeiten gegeben, da war ihm das egal gewesen und manchmal sehnte er sich dahin zurück. Es war leichter gewesen und weniger verwirrend.

„Leck mich“, war die einzige Antwort, die Cai bekam. Jason würde diesem dämlichen Vampir nicht den Gefallen tun und sich mit ihm prügeln, denn das würde ihm wahrscheinlich sogar gefallen. Darum stapfte er einfach davon, aber nicht ohne dem Mistkerl noch einmal den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen.

„Wegen mir auch das, wenn dir mehr nach Sex ist“, knurrte Cai, doch er hatte verstanden. Nur hieß das noch lange nicht, dass er Jason einfach so abziehen ließ. Der hatte nicht nur einen schlechten Tag – dem lag Cai quer und der Vampir wollte jetzt wissen warum. Also schwang er sich in die Lüfte, das Shirt war sowieso schon ruiniert und landete wieder vor Jason. „Interesse?“

„Geh mir aus dem Weg“, knurrte Jason und seine Fänge verlängerten sich. Er war so wütend, wie schon lange nicht mehr und er merkte noch nicht einmal wie er sich in seinen Ambigua wandelte. „Ich erzähle dir gar nichts, weil es da nichts zu erzählen gibt. Ich will dich nicht sehen, nicht mit dir reden und auch keine Zeit mit dir verbringen. Also verpiss dich endlich.“

Jetzt hatte Cai doch allmählich die Nase voll. Auch wenn Jason eigentlich Narrenfreiheit bei ihm hatte, durfte er doch nicht alles. Also schlug er ihn mit beiden Händen gegen die Schultern. „So, Katze. Jetzt reicht es. Ich lasse dir vieles durchgehen, aber doch beileibe nicht alles.“ Wieder schlug er gegen die Schultern des Katers und er musste zugeben, dass ihn die aktuelle Erscheinungsform ziemlich lockte.

„Fass mich nicht an.“ Jason kam leicht ins Straucheln, denn Cai war nicht gerade sanft gewesen. Bisher war er wütend gewesen, aber jetzt sah er rot, denn jetzt war der Mistkerl zu weit gegangen.

„Fass“, seine Hände landeten fest an Cais Schultern.

„mich“, wieder stieß er fest zu.

„nicht“, noch ein kräftiger Schubs, der den Vampir rückwärts gehen ließ.

„an!“.

Jetzt schubste Jason nicht mehr, sondern stürzte sich mich gefletschten Zähnen auf Cai. Was er nicht sehen konnte, war das winzige Lächeln, was die Mundwinkel des Vampirs umspielte, auch wenn er gerade über einen Felsen mit scharfen Kanten glitt, weil der Kater sich auf ihn geworfen hatte und ihn so zu Boden drückte. Ja, das war wieder Jason – und nicht so lethargisch. „Und was passiert, wenn ich dich anfasse?“, wollte er wissen, als er seine Kräfte mobilisierte und sich zusammen mit dem Kater über den Boden rollte, bis er Jason unter sich gebracht hatte. „Nur aus Neugier.“

Doch kaum, dass Jason unter Cai lag, erstarrte er. Er hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen, das erinnerte ihn einfach zu sehr daran, wie es noch vor ein paar Tagen zwischen ihnen gewesen war. Sie hatten Spaß zusammen gehabt, hatten gelacht und Unmengen Sex gehabt. Er hatte sich wohl gefühlt in Cais Nähe und es hatte ihm nichts mehr ausgemacht, hier gefangen zu sein. Aber dann war er wieder in der Realität gelandet. Seine Augen waren leer, als er Cai ansah. „Nichts wird passieren. Du kriegst alles, was du willst. Also nimm es dir.“

Resigniert knurrte der Vampir und kniete sich hin, kam auf die Fersen und blickte hinauf zum Himmel. Was war nur los mit seinem Puma. Irgendetwas war passiert, als er nicht da gewesen war und die sture Katze wollte nicht reden. „Lass gut sein“, murmelte er nur. Er wusste plötzlich wieder, warum er sich mit seinen Exponaten nur einließ, wenn sie in ihrer Katzenform gefangen waren. Das hier war ihm entschieden zu anstrengend. „Mach was du willst, Jason, ich habe nicht die Zeit für deine Eskapaden.“ Er erhob sich.