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Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 7-9

07 

„Ja, ich habe deine Mail bekommen, ich bin auf dem Weg.“ Wie jede Woche saß Cai neben seinem Piloten und war auf dem Weg zu seiner Insel. Die drei Wochen waren bald um und Jasons Rückverwandlung musste bevor stehen. Der Kater war die letzten Wochen relativ kooperativ gewesen, hatte sich bereitwillig – wenn auch nicht täglich – Blut abnehmen lassen. Die Werte hatten sich die ganze Zeit nicht mehr aus dem Normalbereich heraus bewegt.

Chao hatte sogar seine Gehirnscans bekommen, aber dafür hatte Cai wirklich bezahlen müssen. Sie hatten hart verhandelt und schließlich hatte Cai Jasons Forderungen zugestimmt. Der Puma durfte jederzeit über die Insel streifen und solange draußen bleiben, wie er wollte. Er musste nur nachts wieder rein. Dabei ließ er sich sogar vom Assistenten des Laborleiters durch die Gänge führen, ohne Hong noch einmal anzugreifen.

Um dabei sein zu können, hatte Cai versucht so viel Zeit wie nur möglich auf der Insel zu verbringen, doch Audits in mehreren seiner Firmen hatten es in den letzten Tagen notwendig gemacht, dass er auf mehreren Kontinenten gleichzeitig unterwegs gewesen war, um zu sehen, wie es lief. Er selbst hatte sich als Auditor angemeldet, denn die meisten seiner Angestellten kannten sein Gesicht nicht. Und so konnte er seine Leute testen, ohne sich zu verraten. Es hatte ein paar personelle Veränderungen zur Folge, um die sich Li gerade kümmerte.

„Wo ist er?“, fragte Cai noch. Er ging davon aus, dass sein Kater wieder durch die Gegend streifte. Seit Jason regelmäßig draußen war, hatte Cai einige seiner Leute auf der Insel verteilt, die versuchten den Puma im Auge zu behalten, ohne ihn zu stören. „Auf seinem Felsen“, kam prompt die Antwort, so dass Cai wusste, wo er sein Katerchen suchen musste. Es ging zwar keiner davon aus, dass jemand die Insel betreten konnte, um den Kater zu entführen oder Jason versuchte, schwimmend das Island zu verlassen, aber… (der Satzanfang erfordert eine weitere Erklärung).

„Gut, danke. Zieh die Leute ab, ich kümmere mich selber um den Puma.“ Cai blickte erwartungsvoll aus dem Fenster, doch dann hielt es ihn nicht mehr. „Bring mein Gepäck runter, ich steige hier aus.“ Und schon war er ausgestiegen und ließ seine Flügel erscheinen.

Es war herrlich, den Wind in den Federn zu spüren. Mit kräftigen Flügelschlägen brachte er sich näher an die Insel und hielt auf den Felsen zu, auf dem sich Jason bevorzugt aufhielt. Er konnte ihn verstehen. Es war die höchste Erhebung der Insel und man hatte einen fantastischen Rundumblick. Es war schwierig sich an ihn heran zu schleichen, wenn er dort saß. Außer man kam lautlos aus einer Richtung, die der Kater nicht ständig im Auge hatte und der Wind den eigenen Geruch aufs Meer hinaus trug anstatt dem Raubtier in die Nase. So sank Cai langsam tiefer, bis er neben Jason landen konnte.

Aber dort saß nicht sein Puma, sondern ein nackter Mann, mit im Wind wehenden kastanienbraunen, schulterlangen Haaren. Cai musste einmal blinzeln, als er landete, weil er damit nicht gerechnet hatte. Er ließ seine Flügel verschwinden, da drehte der Mann sich zu ihm um und sah ihn an. „Hallo Cai.“

„Jason“, sagte Cai und war froh, dass man ihm seine Überraschung nicht anmerkte. Er schob die Hände in die Hosentasche und versuchte Jason nur ins Gesicht zu sehen. Alles andere fand er irgendwie unanständig. Es war schließlich nicht Jasons Entscheidung gewesen, hier plötzlich nackt zu sitzen. „Magst du mein Hemd haben, aber das ist hinten zerrissen durch die Flügel.“

Jason lächelte leicht. „Nein danke. Mir ist nicht kalt.“ Noch schien die Sonne und es war warm. „Ich wollte gleich wieder zurück gehen. Chao wollte gerne eine Blutprobe von mir, kurz nachdem ich mich gewandelt habe.“ Jason stand auf und musste sich kurz am Felsen festhalten. „Ungewohnt wieder auf zwei Beinen zu laufen.“

„Hm“, machte Cai. Er wusste mit Jason plötzlich nicht mehr umzugehen. Er hatte sich auf den Puma gefreut, auf das weiche Fell, die spitzen Krallen, das dunkle Brummen. Und plötzlich war da dieser Mann. Auch Jason, aber irgendwie nicht sein Jason. „Dann komm, ich begleite dich. Kannst du laufen oder soll ich dich rüber fliegen?“ Er wollte trotzdem höflich sein, denn Jason konnte am wenigsten dafür.

„Es geht schon, danke. Ich verbinde einen Flug mit dir immer mit einem unfreiwilligen Bad im Meer. Obwohl ich das als Mensch eigentlich ganz gerne mag, möchte ich gerade nicht schwimmen.“ Jason grinste und lief zu Cai rüber. „Meinetwegen können wir gehen.“

Cai grinste kurz. Auch wenn er den Mann nicht kannte, er konnte nicht verleugnen, dass es Jason war. Aber sein Interesse an dem Kater sank, ohne dass Cai es vermeiden konnte. Jetzt hatte er die Chance all die Fragen zu stellen, die ihm in den letzten Wochen unter den Nägeln gebrannt hatten, doch jetzt war sein Kopf leer. Er hatte sich in der Nacht an den Kater schmiegen wollen, das weiche Fell. Doch heute würde er allein ins Bett gehen müssen.

„Einmal habe ich dich getaucht, du bist echt nachtragend.“

„Tja, was soll ich sagen. Ich bin eine Katze. Die haben nun mal eine ziemliche Abneigung gegen Wasser und wenn wir unfreiwillig hineingeworfen werden, dann merken wir uns so was.“ Jason lachte leise und störte sich überhaupt nicht daran, dass er vollkommen nackt neben dem Vampir herlief. Sein Schamgefühl hatte er schon vor langer Zeit abgelegt und er wollte den Wind auf seiner Haut spüren.

„Das ist auch kein Hobby von mir, aber mit dir war nicht zu reden – und schwimmen laugt aus“, murmelte Cai und hatte sich wieder gefasst. Er war zu spät gekommen, um noch einmal dem Puma durch das Fell zu streichen. Er schielte unauffällig neben sich, zog sein kaputtes Hemd um sich fester. „Lass uns erst ins Labor gehen – dann lass ich uns so lange was zu essen richten“, schlug er vor.

„Warum nicht. Allerdings brauche ich vor dem Essen dringend eine Dusche und etwas zum anziehen.“ In seinem Gehege, wie er es immer nannte, gab es für die Zeit, wenn er kein Serum bekam, zwei Zimmer und ein Bad, das er als Mensch benutzen konnte. Wenn er Katze war, ging er dort nicht hinein. Auch wenn Cai die Katzenform vorzog, so sorgte er auch dafür, dass Jason sich als Mensch wohl fühlte.

Cai sah neben sich. „Willst du wirklich so ins Labor?“, fragte er nun doch. Nicht dass es ihn störte, doch er wollte das nur noch einmal geklärt wissen. Doch als Jason nickte, zuckte der Vampir die Schultern. Ihm sollte es gleich sein. „Soll ich dich belgeiten?“, wollte er wissen, als sie gerade die Terrasse betraten. „Ins Labor, meine ich.“

„Wenn du das möchtest. Ich habe nichts dagegen.“ Jason war es egal, wer ihn alles nackt sah. Sicher konnte er erst duschen und sich was anziehen, aber Chao wollte seine Blutprobe ziemlich zeitnah nach der Wandlung haben, also musste er in Kauf nehmen, dass Jason nackt war.

„Okay.“ Selbst Cai merkte, dass ihr Gespräch nur schleppend vonstattenging. Auch wenn der Puma nicht hatte menschlich mit ihm sprechen können, waren ihre Gespräche doch lebendiger gewesen. Und irgendwie hatte er nicht das Gefühl, dass sie beide Interesse an einem tieferen Gespräch hätten. Eigentlich war es Cai auch egal, doch bei Jason wurde er plötzlich unsicher, ohne dass er sagen konnte warum. „Na komm, Chao wartet bestimmt schon.“ Sie gingen auf den Fahrstuhl zu und die Türen schlossen sich hinter ihnen.

Der Laborleiter guckte ein wenig überrascht, als ein nackter Jason bei ihm auftauchte. „Das nenn ich prompte Lieferung“, lachte er und nickte Cai grüßend zu.

„Wo du mich doch so nett darum gebeten hattest.“ Er setzte sich auf eine der Liegen und hielt Chao seinen Arm hin. „Mach hin, ich bin zum Essen verabredet.“

Chao blickte fragend auf Cai und der grinste nur vielsagend. „Ich bin eben bestellen, bin gleich wieder da“, erklärte der Vampir und begab sich zur Gegensprechanlage. Doch das bekam Chao schon gar nicht mehr mit, weil er die Elektroden für den Hirnscan anschloss und dann die Blutabnahme vorbereitete. „Leg dich hin, dann bist du entspannter. Ich hole eine Decke. Durch die Klimaanlage kann es kühl werden, wenn man nur liegt.“

Jason nickte und zog die Decke über sich, als er lag. Jetzt merkte er, dass ihm doch langsam kühl wurde, so ohne Pelz. „Hast du eine Ahnung, warum ich diesmal so total ausgerastet bin?“, fragte er den Genetiker. Das beschäftigte den Puma seit dem er in seiner Katzenform festgesteckt hatte. Es beunruhigte ihn, was er aber nicht unbedingt zugeben wollte.

„Nein, leider noch nicht. Deswegen bin ich dabei Testreihen mit deinem Blut anzulegen und zu sehen welche Werte wie variieren“, erklärte Chao. „Ich würde dich gern noch zu ein paar Dingen befragen, aber nicht jetzt. Jetzt komm erst mal wieder an und genieß den Abend. Wenn du morgen Zeit hast, kannst du ja vorbei kommen. Ich kann dich nicht zwingen, aber ich hätte da ein paar Dinge, die ich gern abklären oder ausschließen würde.“ Chao beobachtete den Monitor und zeichnete die Hirnströme auf, ebenfalls die Herzfrequenz.

„Was soll ich morgen denn schon groß zu tun haben. Es ist ja nicht gerade so, dass ich hier eine andere Aufgabe hätte, als eine Katze zu sein.“ Jason konnte nicht vermeiden, dass er etwas frustriert klang. Es wundere ihn, dass Cai sich nicht gleich wieder auf den Weg zurück aufs Festland gemacht hatte, als er gesehen hatte, dass er sich schon gewandelt hatte. Denn bisher hatte sich der Vampir nie blicken lassen, wenn er Mensch war. Darum fühlte er sich auch ziemlich unsicher, dass er heute sogar mit ihm essen wollte.

„Ich weiß, Jason“, sagte Chao leise, versuchte aber sich nicht zu sehr mit seinen Versuchsobjekten zu verbünden. Das machte die Versuche nicht leichter. „Sprich mal mit Cai. Ein paar der anderen machen Fernstudien und bilden sich weiter. Sie haben ihn gefragt und er hat dafür gesorgt“, schlug er vor und machte sich ein paar Notizen.

Jason sah Chao mit hochgezogener Augenbraue an. „Er riskiert wirklich, dass jemand von seiner kleinen Menagerie hier erfährt? Bei einem Fernstudium hat man zwangsläufig Kontakt nach draußen.“ Irgendwie konnte Jason sich das nicht vorstellen, aber wahrscheinlich hatte der Vampir schon dafür Sorge getragen, dass  nichts nach draußen weitergegeben wurde, was nicht für Außenstehende bestimmt war.

„Du kennst Cai nicht wirklich, aber das ist nur verständlich. Ihm gehören die Universitäten, an denen er die Kurse zugelassen hat. Aber immer noch besser als gar nichts.“ Chao beobachtete das Blut, wie es langsam aus Jasons Arm floss. „Aber wenn das nichts für dich ist, dann findet ihr vielleicht was anderes. Wir haben auch ein paar Künstler hier. In der großen Galerie drüben im Westflügel hängen Werke von ihnen.“

„Tja, ich weiß ja nicht, ob Cai mir eine Kettensäge erlaubt. In den Rockys habe ich angefangen Baumstämme zu Skulpturen zu verarbeiten und eine Kettensäge ist dafür ideal. Außerdem ist er ein Vampir mit einem Baumfetisch. Da glaube ich eher nicht, dass das was wird.“ Wie Cai auf die Zerstörung einer seiner Palmen reagiert hatte, hatte er ja am eigenen Leib erfahren.

Chao blickte auf. Er legte den Kopf schief und versuchte zu ergründen, was davon Jason ernst meinte und was nicht. „Bereits gefällte Stämme kann man anliefern lassen. Das ist was anderes als seine Palmen. Rede mit ihm, mehr als nein sagen kann er nicht. Soll ich ein gutes Wort für dich einlegen, dafür dass du hier so gut mit machst?“ Er blickte Jason in die Augen – bernsteinfarben.

Jason zuckte mit den Schultern. „Mal sehen. Ich glaube nicht, dass es mir hier genauso viel Spaß macht, wie in den Bergen. Aber danke.“ Jason hatte sich wenn auch nicht freiwillig an die Routine in der Anlage gewöhnt. Seit seiner letzten Wandlung war die auf einmal durcheinander gebracht und er wusste noch nicht, wie er damit umgehen sollte.

„Wie du meinst.“ Chao widmete sich wieder seiner Arbeit, während Cai zurückkam. Er hatte sich schnell ein neues Hemd geholt, der Fetzen, der an seinem Körper gehangen hatte, war ihm auf die Nerven gegangen. „Na? Wie weit seit ihr?“ Er sah zufrieden, dass der Kater nun doch zugedeckt war. Nicht dass er sich noch erkältete oder sonst etwas, was die Versuche mit dem Serum beeinträchtigen konnte.

„Fünf Minuten“, war die knappe Antwort von Chao, der gar nicht zu seinem Boss sah, weil er sich gerade Jasons Gehirnscans ansah. „Es gibt Abweichungen zu den Scans die wir die letzten Wochen gemacht haben, aber das ist normal, weil das Gehirn in der Katzenform ein wenig anders funktioniert. Für einen Menschen sind sie vollkommen normal. Keine Auffälligkeiten.“

Cai nickte nur. Er hatte gehofft, dass etwas auffällig wäre, damit man erkunden konnte, woran Jasons Zustand vor ein paar Wochen gelegen haben könnte. Doch im Moment sah es so aus als konnte man der Anomalie nicht näher kommen. Was aber auch bedeutete, dass Cai sich nicht sicher war, ob er Jason wieder dieser Gefahr aussetzen sollte. Schließlich wussten sie nicht, ob dieses Verhalten nicht sogar noch schlimmer werden konnte. „Okay“, sagte er aber zeitverzögert, um überhaupt etwas zu sagen.

„Das macht euch echt zu schaffen, oder?“ Jason meinte das jetzt nicht schadenfroh, denn ihm war selber daran gelegen zu erfahren, was diese Aussetzer verursachte. Wenn er an die Stunden nach der Gabe des Serums dachte, bekam er immer noch eine Gänsehaut. Er hatte kaum Einfluss auf sein Verhalten gehabt. Er war fast ausschließlich triebgesteuert gewesen, mit einer Wut und Aggression in sich, die er von sich nicht kannte.

„Ja, das tut es. Ich habe Sorge, dass die Möglichkeit besteht, dass diese Erscheinung mit jedem Zyklus schlimmer wird. Ich weiß nicht, ob du das möchtest.“ Chao sah noch einmal auf den Puma und grinste dann schief. „Für heute bist du erst einmal entlassen. Danke.“ Er löste die Kontakte und die Kanüle. Dann war der Kater endlich entlassen und konnte damit beginnen seinen Abend zu genießen – so gut ihm das hier eben möglich war.

Jason schob die Decke weg und streckte sich kurz, bevor er aufstand und zu Cai ging. „Hab ich noch Zeit zu duschen, bevor wir essen?“, fragte er und angelte wieder nach der Decke. Jetzt fing er an zu frieren und so konnte er durch die Gänge laufen, ohne dass er eine zufällig vorbeikommende Assistentin mit seinem nackten Hintern schockierte.

„Natürlich, das hatte ich dir doch angeboten“, erklärte Cai und versuchte nicht verstimmt zu sein. Hatte Jason ihm nicht zugehört oder hatte er ihm nicht geglaubt? Beides heiterte Cai nicht gerade auf. Sie gingen über den Flur zu Jasons Gehege und er öffnete die Tür. „Lass dir Zeit. Ich warte.“ Er selbst hatte das Duschen und Umziehen schnell erledigt, als Chao sich mit Jason beschäftigt hatte.

Jason sah Cai mit schief gelegtem Kopf an. Seit sie sich heute getroffen hatten, eierten sie umeinander herum. Manchmal war es ihm die letzten Wochen auf die Nerven gegangen, dass er nicht reden konnte, aber ihre Unterhaltungen waren wesentlich entspannter gewesen als heute. Das konnte ja noch was werden. „Ich beeil mich. Hab Hunger.“ Und schon war er verschwunden. Derweil trat Cai tiefer in das Gehege. Er ließ den großen Raum mit dem Rollrasen hinter sich, den Jason meistens bevorzugte, wenn er Katze war und betrat den Raum, der ein Wohnzimmer sein könnte. Er vermied es das private Schlafzimmer zu betreten. Lieber ließ er sich auf die Couch sinken, die Augen geschlossen und die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Er war angespannt und konnte sich einfach nicht entspannen. Er hasste diesen Zustand.

Er bekam nicht mit, wie Jason wieder ins Zimmer kam. „Schwerer Tag?“, fragte der Kater und rubbelte sich die Haare trocken. Sie waren in dem letzten Jahr richtig lang geworden und sie hingen ihm ständig ins Gesicht. „Ich brauch einen Haarschnitt“, murmelte er und strich sich die feuchten Strähnen nach hinten.

„Frag doch mal Hong, eine seiner Assistentinnen ist gelernte Friseurin und versorgt das Personal mit Haarschnitten nach Wahl“, sagte Cai und öffnete die Augen wieder, während er sich erhob. „Der Tag war nicht so berauschend gewesen. Verhandlungen mit dummen Menschen sind ermüdend“, musste er gestehen und rieb sich über die Augen. „Aber ich will dich nicht langweilen. Lass uns lieber essen, ich komme fast um vor Hunger.“ Auch wenn er lieber an Jasons Hals genascht hätte. Ob er als Mensch so verlockend war wie als Katze?

„Bitte langweile mich. Ich bin begierig auf alles, was nicht auf dieser Insel stattfindet.“ Er hielt Cai die Hand hin, um ihn vom Sofa zu ziehen. Jason hatte so einen Hunger nach Informationen, dass er sich kaum noch zurückhalten konnte, Cai nicht zu sehr zu  bedrängen. „Erzähl mir, was in der Welt vorgeht.“

„Wo soll ich da anfangen“, sagte Cai leise und geleitete Jason wieder auf den Gang. Die Tür vom Gehege war jetzt offen und blieb es auch bis zum nächsten Serumzyklus. Schließlich konnte sich Jason hier bewegen, wie es auch andere seiner Artgenossen taten. Nicht alle. Ein paar zogen es vor ihre Gehege nicht zu verlassen. „Im Moment habe ich von der Welt genug – und dir geht es doch ganz anders.“ Gerade ging ihm wieder auf, warum er den Kontakt mit seinen menschlichen Exponaten mied – sie machten ihm klar, dass er Unrecht geschehen ließ für seine Sammelleidenschaft.

„Okay, lass mich überlegen, was ich unbedingt wissen möchte.“ Jason tippte sich an die Unterlippe und grinste dann. „Wer hat den Oscar für den besten Schauspieler gewonnen?“, fragte er und lachte laut, als Cais Gesichtszüge entgleisten. „War ein Scherz. Erzähl mir einfach, was dir so in den Kopf kommt. Ich möchte einfach die Gelegenheit haben, etwas zu reden.“

„Tja, was kommt mir gerade in den Kopf?“ Cai führte den fragend guckenden Jason auf die Terrasse, wo in Kohlebecken rings um einen Tisch Feuer brannten. In der Mitte des Tisches waren warme und kalte Speisen angerichtet, an den Kopfseiten waren die Plätze gerichtet. „Blick aufs Meer?“, hatte Cai angeboten noch ehe er wusste warum. Normalerweise war das sein Platz.

Jason sah ihn kurz mit schief gelegtem Kopf an. Er wusste, dass Cai immer auf diesem Platz saß und konnte es nicht einordnen, warum er ihm angeboten wurde. Aber dann schüttelte er innerlich den Kopf und lächelte. „Gerne.“ Er beugte sich zur Seite und wollte Cai mit der Wange über das Gesicht streichen, wie er es als Katze oft gemacht hatte, um sich zu entschuldigen, oder zu bedanken. Jetzt würde das wahrscheinlich nur lächerlich wirken. Verlegen zog er sich wieder zurück. „Danke“,  murmelte er. Er war noch nicht wirklich in seiner menschlichen Form angekommen.

„Schon okay“, sagte Cai dem die kurze Bewegung in seine Richtung ebenfalls aufgefallen war. „Ich habe ein bisschen Fleisch auf den Grill werfen lassen und ein paar Kartoffelecken dazu. Nichts Besonderes - aber ich esse das ganz gern. Wenn du was anderes willst, sag es ruhig.“ Cai ließ sich auf einen der Stühle sinken und genoss die Wärme. Nachts wurde es merklich kühler. „Ich habe vor in den nächsten Wochen zu sterben“, eröffnete er ein Gespräch und grinste.


08 

Jason, der gerade etwas zum Menü sagen und sich setzen wollte, schoss wieder hoch und sah den Vampir aus weit aufgerissenen Augen an. „W...Was?“, stotterte er und plumpste dann auf die Sitzfläche, als wenn jemand die Luft aus ihm gelassen hätte. Hatte er das wirklich gerade gehört?

„Ganz ruhig, Jason, mir wird nichts passieren. Aber da wir Vampire nun einmal nicht altern, muss ich alle zehn bis fünfzehn Jahre die Umgebung wechseln, um neugierigen Zeitgenossen aus dem Weg zu gehen. In den nächsten Wochen wird es wieder einmal so weit sein. Ich habe vor, mein Ableben zu inszenieren. Allerdings weiß ich noch nicht genau, wo es mich hin verschlagen wird.“ Cai schlug einen Plauderton an und lächelte, auch wenn ihn Jasons Reaktion doch überrascht hatte. „Was möchtest du trinken?“

„Cola“, war die immer noch abgelenkte Antwort. Jason wusste nicht, wie er werten sollte, dass sein Herz auf einmal so heftig schlug. „Dann hast du das also schon einige Male gemacht“, sagte er um überhaupt etwas zu sagen und kein peinliches Schweigen aufkommen zu lassen. „Das muss bestimmt gut geplant werden.“

„Ja, das muss es. Als ich noch ein Anfänger war und meine Nachlässe nicht geregelt hatte, habe ich einiges an Geld und Ländereien verloren. Jetzt habe ich einen Notar, der sich nur darum kümmert, dass meine Besitztümer von einem Leben in das andere hinüber gerettet werden. Das war früher leichter als heute.“ Cai erhob sich und fischte aus einem fast unsichtbar in die Mauer der Terrasse eingelassenen Kühlschrank eine Dose Cola. Für sich angelte er nach der gekühlten Flasche Weißwein.

Jason nahm die Dose dankend entgegen und goss sich gleich etwas in sein Glas. Es dauerte nur Sekunden, bis er es geleert hatte und sich über die Lippen leckte. Er liebte Cola, aber als Katze vermied er es, sie zu trinken, weil sie ihm dann einfach nicht bekam. „Das war gut“, lachte er leise und goss sich das Glas noch einmal voll. „Was macht das Fleisch? Ich bin am Verhungern.“

Cai deutete auf die Terrassentür, wo gerade Hong mit einem großen Teller in der einen und einer Schüssel Kartoffelecken in der anderen Hand aus dem Haus kam. „Schon da“, erklärte der Vampir und goss sich selbst auch endlich einen Schluck ein. „Danke, Hong“, entließ er seinen Bediensteten und kramte aus dem Kühlschrank selbst noch ein paar Soßen und Dips, damit die Kartoffelecken nicht so trocken waren. „Greif zu.“

Jasons Augen leuchteten, als der köstliche Duft seine Nase traf und auch er dankte Hong, als dieser die Platte auf den Tisch stellte. Der Puma hatte schon die Gabel in der Hand, um sich etwas zu nehmen, wartete aber bis Cai wieder zu ihm sah. „Du kennst mich sehr gut, wie ich sehe. Steaks und Kartoffelecken. Das perfekte Essen.“

„Ich hatte es gehofft, weil ich es selber gern mag“, erklärte er. „Ich habe nicht umsonst mit dir um mein Steak gerauft.“ Cai packte sich den Teller voll, achtete aber darauf, dass Jason nicht zu kurz kam. Schließlich war er sein Gast, wenn auch ein unfreiwilliger.

Jason lachte, als er sich daran erinnerte. „Ein geklautes Steak schmeckt doch noch mal so gut.“ An diesem Tag hatte sich das Verhältnis zwischen ihm und Cai verändert. „Warum?“, fragte er. „Warum hast du angefangen mit mir zu reden?“ Das hatte er schon lange fragen wollen und jetzt endlich hatte er die Gelegenheit dazu. “Was hat sich verändert?“

Cai legte die Gabel mit der Kartoffelecke auf den Zinken zurück auf den Teller und blickte langsam zu Jason auf. Das war einer der Gründe warum er seine Exponate eigentlich mied, sobald sie sprechen konnten. Sie stellten Fragen, die Cai nicht behagten und die die Möglichkeit hatten, ihn in einem ganz schlechten Licht dastehen zu lassen, denn: „ich weiß es nicht genau“, musste er zugeben. „Vielleicht war es die Katze, die sich frustriert durch siebenundachtzig Kanäle gezappt hat und schlussendlich bei Baseball hängen geblieben ist.“ Das war das erste Mal, dass er mehr Informationen von jemand gehabt hatte, als er erwartet hatte. Und das hatte ihn neugierig auf mehr gemacht.

„Hm“, machte Jason erst einmal nur. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber irgendwie hatte er wohl auf etwas anderes gehofft. Er schnitt etwas von seinem Steak ab und kaute gründlich. Das Fleisch war köstlich, genauso wie er es erwartet hatte. „Ich war so frustriert an diesem Abend und auch schockiert darüber, wie ich mich die Nacht davor gefühlt und auch benommen hatte. Es hat mir gut getan, dass du mit mir geredet hast.“

„Ich habe mich auch erschrocken, wie es dir nach der Gabe des Serums ergangen ist. Ich wusste ja, dass du dann immer etwas wild bist. Aber dieses Mal hast du ohne Rücksicht auf dich selber deinen Körper geschunden. Ich gebe es nicht gern zu, aber ich hatte Angst, dass dir etwas passiert und ich wusste nicht, wie ich dich daran hindern sollte.“ Cai war sich sicher, dass der Kater mit seinem Verhalten ihn aus etwas gerissen hatte, was wie eine blindmachende Blase um den Vampir gelegen hatte. Er hatte Dinge sehen müssen, die er nicht hatte sehen wollen.

„Danke, dass du das verhindert hast.“ Jason erklärte Cai nicht, dass er ohne seine Entführung und das Serum gar nicht in diese Situation gekommen wäre. Es hatte keinen Sinn, denn Cai würde ihn nicht gehen lassen, da war sich der Puma sicher. „Ich hoffe, ihr findet eine Lösung für das Problem. Ich habe keine Lust jedes Mal so aus zu ticken.“

„Ja, das hoffe ich auch“, entgegnete Cai, auch wenn ihm noch einiges mehr auf der Zunge lag, was er mit einem Schluck Wein aber wieder hinab spülte. Sie hatten den Punkt des Gespräches erreicht, der ihm klar machte, dass er die Nähe nicht so intensiv suchen sollte. Er kam so mit dem Rücken an die Wand. „Chao tut sein Bestes, deswegen auch die ganzen Tests und die Blutabnahmen. Er sucht nach jeder Anomalie.“

„Gut.“ Jason atmete tief ein und entschloss sich das Thema zu wechseln. Es brachte nichts, sich mit diesem Thema den Abend zu verderben. „Was gibt es denn nun so Neues auf der Welt?“, knüpfte er daran an, wo sie auf dem Weg hierher aufgehört hatten. „Wie lange wirst du hier bleiben?“

„Über das Wochenende“, nahm Cai den Themenwechsel gleich dankbar an. „Am Montag habe ich ein paar Gespräche zu führen, bei denen ich den Menschen in die Augen sehen will, wenn sie versuchen mich über den Tisch zu ziehen.“ Jetzt befand er sich wieder auf sicherem Terrain. Da konnte er sich bewegen ohne gleich von einer Tretmine auf die nächste zu hüpfen. Und so nahm er auch das Essen wieder auf, ehe es noch ganz kalt wurde.

„Sie können einem fast leidtun.“ Jason aß auch wieder, denn das Essen war einfach zu lecker, um es verkommen zu lassen. „Baseball?“, fragte er grinsend. Er wollte einfach wissen, wie es  als Mensch war mit Cai zusammen Sport zu gucken.

„Klar warum nicht“, lachte Cai und nickte zufrieden. Er hatte gegen einen faulen Abend nichts einzuwenden. Seine Arbeiten waren erledigt und was er sich noch vorgenommen hatte, war nichts, was nicht ein paar Stunden Aufschub ertragen konnte. Er lehnte sich etwas zurück und angelte mit seiner Gabel und einem langen Arm nach ein paar Kartoffelecken aus der Schüssel. „Die Sox werden sowieso verlieren. Aber wenn du dir das angucken willst, warum nicht.“ Dann grinste er dreckig.

„Werden sie nicht“, schoss Jason gleich zurück und seine Augen funkelten angriffslustig. Er war Sox‘ Fan durch und durch und da ließ er nichts auf seinen Verein kommen. „Wir machen jeden Gegner fertig. Die Saison ist bisher grandios gelaufen.“

„Ach komm, sie haben Glück gehabt und ein Teil ihrer Gegner hatten Mitleid. Mehr war das nicht“, stichelte Cai weiter und war zufrieden, etwas gefunden zu haben, womit er Jason ärgern konnte. „Das wirst du schon sehen.“ Er zog sich den Teller mit dem Fleisch zu sich und suchte sich noch etwas Geflügel heraus, was er in Ketchup ertränkte.

„Glück und Mitleid?“, knurrte Jason und nahm sich noch ein Steak. Es war perfekt gebraten und jetzt, wo er angefangen hatte zu essen, merkte er, wie sehr er zubereitetes Essen vermisst hatte. „Die Sox sind die Besten. In den anderen Vereinen sind doch nur Luschen, die keine Ahnung von Baseball haben.“

„Sie haben zumindest so viel Ahnung, dass sie wissen, dass es besser ist, nicht zu den Sox zu gehen, weil die sowieso nicht spielen könnten. Die stolpern über ihre Füße, wälzen sich auf dem Rasen, lassen ständig die Bälle fallen. Und dabei sind die Bälle doch gar nicht so schwer. Also echt, ich weiß nicht.“ Dann lachte Cai ausgelassen und duckte sich instinktiv, sollte der Kater in seiner Rage mit spitzen Gegenständen werfen, die nur schlecht aus dem Auge wieder raus eiterten und Cai eine Weile beim Sehen beeinträchtigen würden.

Erst sah es auch so aus, als wenn Jason sich über den Tisch auf den Vampir stürzen wollte, aber dann verengte er die Augen und bekam mit, dass er nur geärgert wurde. Er schnaubte laut und dann lachte er mit. Es tat gut. „Du bist so eine Mistfliege“, schimpfte er dabei.

„Mistfliege?“, fragte Cai und war sichtlich pikiert. Wobei ihn der Titel Fliege mehr ärgerte als die Beleidigung. Er war doch keine Fliege! „Ich bin vielleicht ein majestätischer Mistadler oder ein erhabener Mistkondor, aber ich bin bestimmt keine Mistfliege. Du, du, du …“ Ihm fiel so schnell keine Beleidigung ein, die nicht ganz so gemein gewesen wäre. „Anstelle eines Sox‘-Spiels gehst du gleich baden.“

„Mistfliege“, rief Jason noch einmal und blitzte Cai an. Als Mensch machte es ihm nichts aus, ins Wasser geworfen zu werden. Es freute ihn, dass er etwas gefunden hatte, mit dem er Cai ärgern konnte. Bisher war es immer umgekehrt gewesen. Er schob sich noch schnell den letzten Happen in den Mund. Man wusste ja nie, wann er wieder etwas bekam.

„Socken-fetischist“, knurrte Cai, nicht erbaut darüber, dass Jason so schnell etwas gefunden hatte, was ihm gegen den Strich ging und was der Kater nun mit Leidenschaft und Hingabe ausschlachtete. „Es ist nicht ratsam, mich zu ärgern. Ich bin der, der das Essen hat und die Fernbedienung. Denk also noch mal drüber nach. Nachtisch ist für dich sowieso gestrichen.“ Er nahm sich vor den frisch gebackenen Apfelkuchen nicht mit dem Kater zu teilen. Das hatte der sich definitiv nicht verdient und warum ließ er sich eigentlich auf derartige Kindereien ein? Das war doch gar nicht seine Art.

Jasons Kopf zuckte hoch. „Nachtisch?“, fragte er und er bekam einen lauernden Gesichtsausdruck. Nachtisch war doch das Beste am Essen. Der geht immer, pflegte er zu sagen. „Was für ein Nachtisch?“

„Nachtisch den fiese Socken-Fetischisten nicht bekommen werden. Insofern spielt die Information, um welche Art Nachtisch es sich handeln wird, für dich keine Rolle. Du würdest dich nur unnötig quälen.“ Cai winkte gelangweilt ab und schenkte sich nach, zog aber die Schüssel mit den Kartoffelecken noch einmal zu sich. Diese Dinger waren aber auch wie ein Suchtmittel, furchtbar.

„Was-für-ein-Nachtisch?“, knurrte Jason, der gar nicht schätzte, dass man ihm diese Information und den Nachtisch vorenthalten wollte. Er konnte sich zwar nicht in seine Katzenform wandeln, aber anscheinend in sein Ambigua, zumindest teilweise. Seine Fänge verlängerten sich und seine Augen wurden wieder raubtierhaft. Ein dunkles Grollen bildete sich in seiner Kehle, als er sich weiter über den Tisch beugte. Cai war wie erstarrt. Im flackernden Schein der Kohlebecken wirkte Jason animalisch, wie ein bisschen der Puma. Er schlitzte die Augen. Waren das Streifen auf Jasons Oberarmen. Fasziniert blickte Cai darauf, vermied es jedoch sie zu berühren, weil er nicht wusste, wie Jason darauf reagieren würde. Aber dann riss er sich los, sah den Kater offen an. „Nachtisch, den du nicht bekommen wirst“, beharrte er aber weiter, darauf gierend, dass Jason sich die Information auf seine Art holte, ohne zu wissen, was diese Art sein würde.

Er erfuhr es ziemlich schnell, als sich Jasons zu Krallen verlängerten Fingernägel durch das Holz des Tisches gruben. „Was für einen Nachtisch gibt es und ich werde etwas davon bekommen.“ Seine Stimme grollte dunkel und er erhob sich langsam. Die Muskeln angespannt, so als ob er sich gleich auf Cai stürzen wollte. Der Vampir starrte ihn fasziniert an. Die Augen, die Streifen, die Fänge. Amüsiert blickte er auf den Tisch und das splitternde Holt. Er würde wohl einen Tischler kommen lassen müssen, um das zu reparieren, doch das war nichts, was man mit Geld nicht beseitigen konnte. Und wenn Jason den Tisch ganz zerlegte – auch egal. Wenn er nur noch eine Weile so blieb wie er war, ein bisschen mehr das Tier, was Cai so verehrte.

„Nein. Wirst du nicht“, flüsterte der Vampir und lehnte sich nun seinerseits über den Tisch.

Dass das die falsche Antwort war, merkte er sofort, als Jason leise fauchte. Anscheinend war Nachtisch etwas, worüber der Puma nicht verhandelte. Er war so auf Cai fixiert, dass er selber gar nicht merkte, dass immer mehr von seinem Ambigua zutage trat. Seine Arme und sein Oberkörper überzogen sich mit leichtem Flaum, der auch leichte Streifen aufwies. Auch sein Gesicht wurde kantiger. „Sag mir, was es zum Nachtisch gibt.“

„Um nichts auf der Welt“, flüsterte Cai und irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie schon lange nicht mehr um den Nachtisch verhandelten – hier ging es um mehr, und wenn es nur das Prinzip war. Keiner von beiden wollte klein bei geben und so lehnte sich nun auch Cai weiter über den Tisch vor. „Und wenn du so weiter machst, geht der kleine Kater nicht nur ohne Nachtisch sondern auch ohne Fernsehen ins Bett.“

„Mistfliege“, war die fauchende Antwort. Jason rückte noch etwas näher, so dass sich ihre Nasen fast berührten. „Ich werde beides bekommen und wenn ich mich dafür mit dir prügeln muss.“ Er konnte nicht gewinnen, das war ihm klar, aber jetzt nachgeben kam nicht in Frage. Er war zu sehr Kater, als dass er diesem Kampf aus dem Weg gehen würde.

„Dann wirst du dich wohl mit mir prügeln müssen, Kätzchen.“ Cai hatte Blut geleckt. Er wollte über den weichen Flaum streichen, die Streifen berühren. Und Jason annoncierte eine Gelegenheit auf die Cai nur gewartet hatte. „Denn einer kleinen Miez, die frech wird, werde ich weder Nachtisch noch Fernsehen erlauben. Dann wäre doch der Erziehungseffekt gleich Null.“ Auch Cai kam noch etwas näher. Er konnte Jasons Atem auf seinen Lippen spüren, er konnte ihn riechen, das Adrenalin, was durch den Kater pumpte. Und der Vampir wusste nur zu gut, wie berauschend der Geschmack des Blutes jetzt wäre.

„Ich werde beides bekommen, wenn ich mit dir fertig bin.“ Jason war kaum noch zu verstehen, denn er knurrte mehr, als dass er sprach. Er machte sich bereit, sich auf Cai zu stürzen. Seine Fingernägel gruben sich in das Holz des Tisches und seine Muskeln spannten sich an. Es war ihm egal, dass er keine Chance gegen den Vampir hatte. Sein Blut kochte und er wollte sich mit ihm zusammen über den Boden rollen und sich sein Blut holen. Und weil Cai das auch sehen konnte, er aber keine Lust hatte, dass ein Kampf auf der Terrasse die Kohlebecken umstürzen würde und anschließend die Terrasse brannte, griff er sich den vor Wut brodelnden Puma und ließ gleichzeitig seine Flügel erscheinen. Wieder ein Shirt hin – diese Katze war Gift für seinen Kleiderschrank. Doch dafür hatte er jetzt keinen Nerv. Schneller als der Wind strichen seine Finger die flaumbesetzten Arme des Katers hinauf und entlockten Cai ein genießendes Stöhnen, ehe er den Mann fest gegen sich presste und sich mit ihm in die Lüfte erhob, um am Strand mit ihm zu raufen.

Jason spürte die Berührung an seinen Armen und das war der Funken, der ihm noch gefehlt hatte. Er stürzte sich auf Cai und seine Fänge gruben sich in dessen Hals. Er stöhnte auf, als das köstliche Blut des Vampirs in seinen Mund strömte und seine Kehle hinunter rann. Er bekam noch nicht einmal mit, dass sie sich in die Luft erhoben und Cai sie zum Strand brachte.

„Ich habe gesagt, kein Nachtisch für dich“, knurrte Cai und schubste den Kater von sich, kaum dass sie den Sand unter den Füßen spüren konnten. Er brachte etwas Platz zwischen sich und Jason und knurrte leise, als er sah wie genießend der sich die Lippen leckte. „Böses Kätzchen.“

Jason fauchte, weil man ihn von diesem köstlichen Blut getrennt hatte und das schätzte er gar nicht. Er konnte direkt spüren, wie die Kraft durch seinen Körper strömte. Das war ein geradezu berauschendes Gefühl. „Ich hole mir meinen Nachtisch“, grollte er und fing an Cai zu umkreisen. Dabei zuckte sein Schwanz nervös hin und her und Cai genoss nicht nur den Anblick. Er war verstimmt darüber, dass der Kater sich einfach etwas genommen hatte, was ihm nicht zustand – er musste dafür bezahlen. Und so setzte er zum Sprung an und es gelang ihm sogar, den mit Adrenalin vollgepumpten Kater in den Sand zu drücken und seine Fänge in dessen Hals zu treiben, noch ehe ihn die scharfen Krallen erwischen konnten. Und er trank – gierig und ausgehungert. Das Adrenalin machte ihn süchtig. Er brauchte mehr, mehr!

Jason brüllte laut vor Wut und versuchte sich von Cai zu befreien. Dass sich der Vampir einfach sein Blut nahm, machte ihn rasend, besonders, weil er so gehalten wurde, dass er sich nicht wehren konnte. Immer wieder bäumte er sich auf, aber langsam mischte sich in seine Wut ein anderes Gefühl, ausgelöst durch den Biss und das Blut des Vampires. Jason hatte davon gehört, es aber noch nie selbst erlebt. Aber jetzt spürte er am eigenen Leib, wie seine Wut sich in Lust verwandelte. Seine Gegenwehr ebbte ab, was auch Cai bemerkte, der sich bremsen musste, um Jason nicht zu viel des wertvollen Nass zu nehmen. Er wollte ihn weder töten noch ohnmächtig werden lassen. Er wollte noch ein wenig mit dem Kater raufen und wunderte sich, dass der aufgehört hatte, sich zu wehren – und trotzdem rieb sich der kräftige Leib noch immer gegen den Vampir, intensiver als vorher.

Und dann bemerkte auch Cai die Veränderung. Er konnte es riechen – Pheromone, und das nicht zu knapp. Cai grinste.


09 

Jason grollte dunkel, als die Zähne sich aus seinem Fleisch zogen. Seine Augen  glühten geradezu, als er Cai ansah. „Mehr“, verlangte er ungeduldig und hob sein Becken, um näher an Cais Körper zu kommen. „Du steckst voller Überraschungen“, murmelte Cai und blickte in die bernsteinfarbenen Augen, die das Mondlicht zum Glühen brachte. Er spürte Jasons Becken fest gegen seines pressen und konnte nicht leugnen, dass es ihn selbst auch nicht ganz kalt ließ. Seine Hände legten sich auf die festen Oberarme, ein paar Finger strichen den gestreiften Flaum nach, während seine Zunge begierig über Jasons Kehlkopf leckte. Jetzt konnte er den Kater haben.

Der würde sich nicht mehr wehren. Jason schloss genießend die Augen und grollte dunkel, als er das Lecken spürte. Die Umklammerung seiner Arme ließ nach und so zog er Cais Kopf wieder an seine Halsschlagader. Er wollte wieder spüren, wie die spitzen Fänge durch seine Haut brachen. Und so brachte er den Vampir in Bedrängnis. Die Verlockung vor Augen – er müsste nur die Lippen öffnen. Doch er war noch so weit bei klarem Verstand, dass ihm bewusst war, dass er den Puma tötete, wenn er noch einmal trank. Der Körper musste das Blut erst nachbilden. Doch er knabberte sich mit seinen spitzen Fängen über die Haut, ließ mit jedem kleinen Nadelstich Blitze über Jasons Nervenbahnen jagen. Lieber ließ er eine seiner Hände über Jasons Brust gleiten. Der Mann schien in seiner Zwischenform nur aus angespannten Muskeln zu bestehen. Und Kraft hatte er im Becken, das war verlockend.

Jason ließ den Kopf nach hinten fallen und stöhnte leise. Das war herrlich. Sein Körper war ausgehungert nach Sex und diese Gelegenheit, die sich ihm bot, nutzte er. Er strich von Cais Nacken tiefer, zu dessen Hintern. Seine Finger gruben sich in das feste Fleisch und es war herrlich, als er den anderen Körper noch enger  an sich zog und Cai ließ ihn gewähren. Es war zwar kein Mitleid, denn das verbot er sich grundsätzlich. Doch er konnte dem sich windenden Leib auch nicht wiederstehen. Und wenn sich der Kater ihm doch schon so willig anbot wäre er verrückt, es nicht zu nutzen. Und so lenkte er den Kater mit seinen spitzen Fängen ab, während seine Hände ihm das Shirt von der Brust schoben und den weichen Flaum genossen. Es war wie ein Traum, er konnte den Mann genießen und die Katze spüren – Jason schenkte ihm die Verbindung in zwei Welten.

Jason war definitiv nicht mehr er selbst, denn er spannte seine Muskeln schlagartig an und bäumte sich auf. Er überraschte Cai damit, denn sonst hätte er es wohl nicht geschafft, ihn unter sich zu bringen. Er wollte diesen Mann unbedingt. „Meins“, knurrte er dunkel und küsste den Vampir und Cai ließ ihn gewähren. Warum auch nicht. Er mochte es, wie Jason mit ihm umging und er mochte es, wie Jason ihn küsste. Der Puma war geschickt. Cai lachte leise, als er Jason damit überraschte, dass er eines seiner Beine zwischen Jasons schob und so intensiv reizte, was eigentlich Freiraum begehrte. Doch weil sich der Puma ungefragt einfach etwas genommen hatte, sollte er noch ein bisschen schmoren. So drückte er Jasons Becken mit seinen Händen fest gegen das seine, reizte ihn intensiver und ließ seine Fingerspitzen dabei über die nackte Haut oberhalb des Hosenbundes streichen – herrlich weich.

Dabei streifte er auch immer wieder die Schwanzwurzel und er ließ das weiche, zuckende Körperteil durch seine Finger gleiten. Das schien Jason zu gefallen denn er schnurrte und rieb sich fest an dem Vampir. Er löste den Kuss und fletschte die Fänge, bevor er sie fest in Cais Hals grub.

„Na sage mal“, knurrte Cai. Er war doch keine Auslage in einem Selbstbedienungsladen. Er griff den Kater fest im Nacken und riss ihn so von sich. Doch noch ehe Jason sich beschweren konnte, küsste er den Kater harsch. Cai mochte das komischerweise. Eigentlich war er eher ein ruhiger Liebhaber doch dieser Kater lockte etwas aus ihm heraus, von dem er nicht gewusst hatte, dass dieses Feuer noch in ihm schlummerte. Und so ließ er seine scharfen Nägel über die Hose des Katers ziehen und dabei ging der Stoff leider in Fetzen zu Boden. Der weiche Flaum auf dem festen Hintern war himmlisch. Cai stöhnte als er sich vorstellte, was er damit anfangen konnte.

Jason quittierte den Verlust seiner Hose mit einem wilden Kuss und mit einem lauten Reißen, fetzte er Cais Shirt weg. Er war nicht begeistert, dass man ihn von dem Vampirblut getrennt hatte, darum zog er seine Krallen über Cais Brust und leckte das köstliche Nass sofort auf, bevor es versiegte und gab dann Cai sein eigenes Blut in einem wilden Kuss zu schmecken. Es dauerte keine Sekunde da spürte er, dass er die letzte Bremse, die den Vampir noch gehalten hatte, löste. Cais Sinne verschwammen und nur im Rausch der Lust bemerkte er, wie er sich den Puma untertan machte. Es war keine Liebe, die ihn trieb sondern körperliche Gier. Die Gier von Jasons Leib und auch die Gier seines eigenen. Er spürte schmerzlich wie lange er bereits allein war und wie lange er auf die Freuden der Lust verzichtet hatte. Aber dieser Kater ließ ihn aufleben. Er biss noch einmal in Jasons Schulter und berauschte sich, ehe er den Kater so auf sich zog, dass er ihn einnehmen konnte.

Jason quittierte den Biss mit einem lauten Brüllen und er sah auf Cai hinab. Sie waren beide in ihrer Lust gefangen und Jason mehr als bereit, den letzten Schritt zu gehen. Er fetzte sich das Shirt vom Körper und hockte nun vollkommen nackt auf Cais Schoß. Herausfordernd sah er den Mann unter sich an und strich sich mit einer Hand über die Brust. Mit der anderen zupfte er an Cais Hose. Er knurrte und grub seine Krallen hinein. Das Ding musste weg. „Zerr feste dran“, keuchte Cai und hob sein Becken ein wenig, damit die scharfen Krallen den Stoff beseitigen konnten. Dabei drückte er den Kater fester auf seinen Schoß und stöhnte ungehalten. Das war so gut – sein Körper erinnerte sich an alles! Und so überließ Cai seinem Körper die Regie, nur am Rande bemerkte er noch, wie seine Finger in Jasons Mund wanderten, wie er den Kater ein wenig vorbereitete und wie er den wilden heißen Körper endlich in Besitz nahm.

Jason ließ sich von Cai führen, als er endlich hatte, wonach sein Körper schon seit dem ersten Biss gierte. Sie waren beide in einem Rausch gefangen, der sie unaufhaltsam hierzu getrieben hatte. Es war wild und ungezügelt, sie schenkten sich gegenseitig nichts und das war genau das, was sie gerade brauchten. Der Höhepunkt kam schnell und heftig und so wunderte es Cai nicht, dass der Kater das Bewusstsein verlor. Er hatte seinem Körper viel zu viel zugemutet und er hatte heute reichlich Blut verloren. Daran war Cai auch nicht unschuldig gewesen. „Jason, Jason, Jason – war es das, was du wolltest?“, flüsterte er leise als er über den feuchten Rücken des Katers strich, der zusammengesunken auf seiner Brust lag.

Es war Bequemlichkeit, dass Cai sich und den Kater direkt in seine Räume teleportierte, um sich dort um ihn zu kümmern.

Er wollte Jason eigentlich auf das Bett legen, aber sie waren voller Sand, darum trug er sein Katerchen ins Badezimmer. Auf dem Weg dorthin wurde Jason langsam wach. Er war noch nicht ganz wieder im hier und jetzt.

Jason war etwas irritiert, dass er getragen wurde, als er die Augen öffnete. „Nachtisch und Fernsehen“, murmelte er leise.

„Ich finde du hattest reichlich Nachtisch“, lachte Cai leise, doch er würde seinem Kater diesen Wunsch gern erfüllen. Aber erst musste er ihn etwas entsanden und die Blutungen stoppen. Doch mit seinem eigenen Blut ging das schnell, auch an delikaten Stellen. Und so war er wieder hergestellt, als der Kater gerade begann richtig wach zu werden und wieder auf eignen Füßen zu stehen.

Er ließ sich noch halten, denn er war wackelig auf den Beinen. Es war ihm schon etwas peinlich, wie er sich benommen hatte, aber jetzt konnte er es nicht mehr ändern. Aber er konnte Cai nicht in die Augen sehen. Noch immer war er in seinem Ambigua, das merkte er daran, wie Cais Finger durch den weichen Flaum auf seinem Rücken strichen. „Gefällt dir wohl?“, murmelte er leise.

„Ja, ich gebe zu, dass ich fasziniert bin von dieser Zwischenform“, musste der Vampir gestehen und ließ den Schaum langsam von Jasons Körper waschen, ließ dabei den langen Katzenschwanz durch seine feuchten Finger gleiten. „Kannst du wieder stehen? Dann würde ich dir ein paar Kleider suchen und vielleicht noch etwas Nachtisch, falls da noch Interesse bestehen sollte.“ Und ein kokettes Grinsen um seine Mundwinkel war leider nicht zu vermeiden.

Jason nickte und grinste zurück. „Aber sicher doch.“ Er wartete bis Cai aus der Dusche war, bis er sich wieder in einen Menschen wandelte. So war das abtrocknen einfacher. Cai hatte es selber auch genossen sich mal wieder in seine Zwischenform wandeln zu können. Das war das erste Mal, seit er hier war. Bisher war ihm das in den Ruhephasen zwischen den Serumgaben nicht möglich gewesen. Warum also heute? Lag es an der Spannung zwischen ihm und Cai, die sich während des Essens aufgebaut hatte? Irgendetwas musste heute anders gewesen sein als sonst und da fiel ihm nur Cai ein.

„Auf dem Bett lieg eine leichte Hose, Unterwäsche und ein Shirt. Wenn’s dir nicht gefällt such selber im Schrank, ich besorge den Nachtisch“, rief Cai durch die Tür und verließ den Raum. Er hätte auch teleportieren können, doch er wollte Jason Zeit geben und sich selber auch. Er fühlte sich unglaublich erfrischt und voller Tatendrang. Jason war wie ein Jungbrunnen. Cai könnte sich an dieses Spielchen gewöhnen. Seine Finger strichen über seinen Hals, dort wo die kräftigen Zähne sich hinein gebohrt hatten. Das war absolut fantastisch gewesen und eins wusste er, gegen eine Wiederholung hatte er nichts einzuwenden.

Jason saß währenddessen auf dem Bett und zog sich an. Er war durcheinander, weil er das, was heute geschehen war, nicht einordnen konnte. Er hatte Sex mit dem Mann, der ihn entführt hatte und es hatte ihm gefallen. Was sagte das jetzt über ihn aus? Hatte er sich mit seiner Situation abgefunden? Jason ließ sich nach hinten fallen und rieb sich über die Augen. Nein, er wollte immer noch weg, wenn er gekonnt hätte, aber zwischen Cai und ihm hatte sich etwas ganz entscheidend verändert. Er konnte es noch nicht greifen, nicht benennen, aber etwas war anders.

„So“, hörte er es plötzlich und öffnete die Augen. Cai kam mit einem Tablett gerade durch die Tür und warf diese dann hinter sich mit einem gezielten Tritt wieder ins Schloss. „Nachtisch – und entscheide selber ob er den Kampf wert gewesen ist“, lachte der Vampir und stellte das Tablett mitten auf das Bett. „Der Fernseher ist ja noch aus.“ Er war überrascht und griff sich die Fernbedienung.

„Alleine hatte ich keine Lust.“ Jason hockte schon auf allen vieren auf dem Bett und hob das Tuch an, das verbarg, was Cai mitgebracht hatte. „Apfelkuchen“, rief er begeistert und sog den köstlichen Duft in seine Lungen. „Wenn er so lecker ist, wie er riecht, dann war er es auf jeden Fall wert. Besonders mit Eis und Sahne, die du auch mitgebracht hast. Hat Ho ihn gebacken?“ Das war der perfekte Nachtisch.

„Ja. Er hat seine Obstphase“, erklärte Cai und nahm wieder seine bequeme Sitzposition am Kopfende ein, nachdem er die Flipflops von den Füßen gestreift hatte. „Ho experimentiert gern in der Küche und sucht Rezepte aus dem Internet. Im Moment hat er wie gesagt die Obstphase. Mal wieder.“ Doch Cai würde sich nicht beschweren, denn die Experimente waren immer ganz lecker. Neuerdings half eine der Werkatzen zwischen den Zyklen aus. Funny war eine der seltenen Sumatra-Leoparden, ihr Fell hatte auf dem gelben Grund nur sehr wenige Flecken und sie schien in der Küche ihre Berufung gefunden zu haben.

„Von mir aus, kann er die noch länger haben. Ich mag Obstkuchen.“ Jason machte sich daran Kuchen, Eis und Sahne auf zwei Teller zu verteilen. Er setzte sich neben Cai und gab ihm einen Teller. Es war komisch, jetzt so nebeneinander zu sitzen, nachdem sie vorhin wie die Tiere übereinander hergefallen waren. Weil er nicht wusste, was er sagen sollte, fing er an zu essen, dann brauchte er nicht reden und Cai schien es ähnlich zu gehen, denn auch er räumte sich erst einmal den Mund voll, so dass er kaum noch kauen konnte. Er aktivierte den Bildschirm und fing an sich durch die Kanäle zu zappen.

„Mir ist seine Sandkuchenphase lieber, die mag ich besonders gern“, erklärte Cai zeitverzögert, als der Mund wieder leer war und er sich daran erinnerte, dass Jason etwas gesagt hatte.

„Sie könnten sich abwechseln. Sandkuchen ist auch lecker.“ Jason lachte und legte seine Hand auf Cais Arm, als auf dem Bildschirm ein Baseballspiel lief. „Kannst du das lassen?“, bat er. Guckte aber nicht auf den Fernseher, sondern auf seine Hand, die immer noch auf dem Arm des Vampirs lag und er konnte die Wärme spüren, die sie abstrahlte.

„Sicher“, sagte Cai, doch auch er schielte auf die große Hand, die seinen Arm berührte. Er fühlte sich seltsam. Er war nervös. Woher kam das? Kurz blickte er auf und sah Jason an, doch dann war der Zauber des Augenblicks verschwunden, als im Fernsehen Jubel über einen Home run ausbrach. Cai schüttelte sich kurz. Er versuchte wieder klar zu werden – war irgendwas im Essen gewesen oder warum schmiss ihn eine einfache Berührung so aus der Bahn? Er versuchte sich wieder zu fassen und aß weiter.

Jason versuchte sich auf das Spiel zu konzentrieren, aber immer wieder glitt sein Blick zu Cai rüber. Die Spannung zwischen ihnen beiden war deutlich zu spüren und sie war nicht angenehm, aber er wollte den Vampir auch nicht auf das ansprechen, was vorhin zwischen ihnen geschehen war, darum suchte er krampfhaft nach etwas, worüber sie reden konnten. „Was hat es eigentlich mit dem Gehege gleich nebenan auf sich, wo niemand drin ist, das aber ein Namensschild hat?“, fragt er darum, denn das interessierte ihn wirklich. „Wer oder was ist Luan?“

„Was?“, fragte Cai aus Reflex und spürte, wie ihm allein bei der Nennung des Namens die Gänsehaut über die Arme kroch.

Luan.

Cai stellte den Teller beiseite und schloss kurz die Augen.

Luan.

„Er war die erste seltene Katze, die ich jemals gesehen habe und unbedingt haben musste. Luan ist ein Albino-Nebelparder.“

„Und warum ist er dann nicht hier?“, fragte Jason, bevor er es verhindern konnte, denn das verstand er nicht. Cai holte sich, was er haben wollte und er fragte dabei nicht, ob das Objekt seiner Begierde damit einverstanden war. So war es bei ihm gewesen und bei all den anderen Wertieren auch.

„Er ist mir entkommen“, gab Cai unumwunden zu. So war es nun einmal. „Und das ist auch der Grund warum ich mir die Insel hier zugelegt habe. Damals hatte ich Luan noch bei mir in Hongkong. Daraus habe ich etwas gelernt.“ Cai schob seinen Teller von sich, auch wenn das Eis gerade vor sich hin schmolz. Ihm war der Appetit vergangen, denn Luan war zwar der Start für seine Sammelleidenschaft für seltene Werkatzen, aber auch der einzige schwarze Fleck in seiner Akte – der einzige der ihm je entkommen war.

„Aha“, mehr sagte Jason nicht, denn etwas schnürte ihm gerade die Luft ab und das war nicht angenehm. Wo kam dieses Gefühl auf einmal her. Lag es daran, dass Cais Augen aufgeleuchtet hatten, als er von Luan geredet hatte. „Ah dann steht alles für ihn bereit“, sagte er noch lahm, nur um etwas zu sagen und sah wieder auf den Fernseher. Er wollte nicht, das Cai merkte, was in ihm vorging.

„Ja, ich hoffe darauf, dass ich ihn eines Tages noch einmal finden kann und dann wird er mir nicht mehr so leicht durch die Finger schlüpfen“, sagte Cai und starrte ebenfalls auf den Bildschirm. Doch er zog seinen Teller wieder zu sich. Komisch, er hatte lange nicht an Luan gedacht und plötzlich waren die Bilder wieder da. Aber ihre Wirkung auf Cai war heute nicht so stark wie sonst. Warum nur?

Jason nickte nur und tat so, als wenn ihn das Spiel fesselte. Er bekam allerdings kaum etwas von dem mit, was sich auf dem Bildschirm abspielte. Seine Gedanken kreisten um Luan und was er für ihn bedeutete. Ihm war klar, dass er zur Zeit Cais Favorit war, dass er ihn in seiner Katzenform am liebsten um sich hatte. Aber jetzt war ihm klar, dass sich das ändern würde, wenn sein wirklicher Favorit hierher kommen würde. Auch wenn er nicht freiwillig hier war, so tat das doch verdammt weh.