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Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 19-20

19

„Cai, bist du da?“, rief Jason in Cais Zimmer und sah sich um, aber von dem Vampir war nichts zu sehen. „Wo steckt der nur wieder?“, brummte der Puma. Er hatte Hunger und wollte oben am Strand zusammen mit seinem Vampir grillen. Er hatte schon alles vorbereitet, was sie brauchten, es fehlte nur noch Cai. Er stellte die Panoramascheibe zu Luans Gehege so ein, dass er hineinsehen konnte. Vielleicht war Cai ja bei dem Parder.

„Wer bist du denn?“, murmelte er leise, als eine Katze durch das Gehege huschte, die da nicht hingehörte. Eindeutig ebenfalls ein Parder, aber nicht weiß. Und Luan konnte das nicht sein, der lag da drüben auf dem Bett und beobachtete den neuen. Interessiert sah Jason zu, wie der Neue immer wieder hin und her lief, immer den gleich Weg, wendete und zurück lief. Das war eine ganz gewöhnliche Katze. Warum hatte Cai diese also holen lassen?

„Na, willst du mit ihnen spielen? Aber Vorsicht, sie sind klein aber biestig. Liegt wohl in der Familie.“ Cai, der ebenfalls auf der Suche nach seinem Kater gewesen war, war dessen Spur durch den Flur gefolgt und fand ihn nun vor der Panorama-Scheibe. Er stellte sich hinter ihn und küsste ihn in den Nacken. Er hatte sich an die Nähe zu Jason gewöhnt, er vermisste sie, wenn der Kater stromern ging und Cai ihm nicht folgen konnte.

„Hallo.“ Jason drehte sich zu Cai um und lächelte. „Wie meinst du das, das liegt in der Familie? Wer ist diese Katze? Was hat sie, dass du sie haben wolltest.“ Jason gefiel es noch immer nicht, dass Cai Katzen sammelte, aber er sagte nichts mehr dazu, denn das hatte zu Missstimmungen geführt.

„Er scheint mit Luan verwandt zu sein. Mehr weiß ich auch nicht. Ich wollte ihn nicht haben. Er ist zusammen mit meinem alten Erzfeind und einem weiteren Vampir bei mir eingedrungen. Die Vampire habe ich ruhig gestellt und den Kater dort zu Luan gesperrt. Vielleicht freut sich das Katerchen ja darüber.“ Cai betrachtete den nervösen Nebelparder und wandte sich dann ab. „Auf der Terrasse ist der Grill angefeuert. Warst du das?“

„Ja, das war ich. Ich wollte mit dir essen.“ Aber Jason war nicht ganz bei der Sache, denn er sah auf den neuen Parder. „Wie meinst du das? Welcher Erzfeind? Was macht er hier?“ Jason sah wieder zu Cai und man sah ihm deutlich an, dass er nicht verstand, was los war.

„Nichts was dich in Sorge bringen muss, Katerchen. Der Kerl ist ruhig gestellt. Er wird dir nichts tun können. Ich zieh mich schnell um, dann können wir essen gehen. Ich habe Hunger.“ Cai zog sich das Hemd über den Kopf und warf es aufs Bett, hoffend, dass Jason sich ablenken ließ. Er wollte den Kater nicht in die Sache mit Aset hinein ziehen.

Aber sein Ablenkungsmanöver klappte nicht, denn Jason sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. „Lenk nicht ab, du weißt, dass ich das nicht leiden kann. Also wer ist dieser Feind und der andere Vampir und warum sind sie hier? Sie müssen doch einen Grund gehabt haben hier einzudringen.“

„Luan“, sagte Cai und war im Wandschrank verschwunden, um sich ein legeres Hemd zu suchen, was zu seiner Leinenhose passte. „Aset war der Bastard, der mir damals in Ägypten durch ein paar Intrigen den Clan abspenstig gemacht hat. Es war ein glücklicher Zufall, dass ausgerechnet er auf der Suche nach Luan war. Jetzt hat der liebe Aset ein bisschen Zeit, mal darüber nachzudenken. Der Beifang war nicht geplant, aber nicht zu vermeiden – wie seh ich aus?“ Er drehte sich in seinem Hemd und wirkte zufrieden. Aber Jason hatte gar keinen Blick für den wirklich appetitlichen Anblick, den Cai bot.

„Du hast einen uralten Vampir hier? Wozu und warum sucht er nach Luan und wer ist der andere Vampir?“ Er schlitzte die Augen und knurrte leise, denn er kannte Cai mittlerweile recht gut und wusste, dass er nur mit Informationen rausrückte, die er nicht preisgeben wollte, wenn man etwas Druck ausübte.

„Jason, was soll denn das jetzt?“ Cai war es unangenehm, dass der Kater anfing so intensiv nachzubohren. Doch er hatte sich entschieden, sich mit Jason zu arrangieren – auch als Mensch, nun musste er auch damit leben. Doch es war nicht immer leicht und Cai war noch in der Lernphase. Doch er hatte zumindest schon so viel gelernt, dass Jason nicht so leicht aufgab. Doch Cai versuchte es trotzdem. „Komm, lass uns essen.“

„Cai!“, wurde er nur angeknurrt und Jason verschränkte mit grimmigem Gesicht die Arme vor der Brust. Er würde nirgendwo hingehen, bevor seine Fragen nicht beantwortet wurden. Er war wütend, denn dass Cai mit dem anderen Vampir nur spielen wollte und ihm eine Lektion erteilen, daran glaubte er nicht und das gefiel ihm gar nicht. Katzen entführen war eine Sache, damit hatte er sich schweren Herzens arrangiert, aber Folter und Mord tolerierte er nicht.

„Was“, knurrte Cai zurück. Jason war heute aber auch wieder eindringlich. „Was willst du denn jetzt hören? Ich weiß auch nicht, wer dieser andere Vampir ist. Wahrscheinlich ein Freund von Aset, irgendein Reeder. Und wie der Kater da drinnen hängt, weiß ich doch auch nicht genau. Was willst du denn wissen, ehe ich endlich, was zu essen bekomme?“ Doch er wusste, dass das länger dauern konnte und setze sich auf einen der Sessel am Fenster.

„Verkauf mich nicht für dumm.“ Jason wurde langsam richtig wütend, aber er versuchte sich zu beherrschen. „Du willst mir doch nicht wirklich weiß machen, dass du nicht weißt, wer der andere Vampir ist und was es mit dem anderen Parder auf sich hat und warum er hier ist. Der große Cai Meng Long soll ahnungslos sein?“

„Japp, völlig ahnungslos“, versuchte Cai zu scherzen, doch er merkte schnell, dass der Kater dafür nicht offen war. Also berichtete er knapp, was er wusste, über Assai und über Tian. „Deshalb habe ich ihn zu Luan gesteckt, vielleicht freut der sich ja. Hast du sonst noch Fragen?“ Cai strich sich durch die Haare und sah Jason erwartungsvoll an. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass der Kater noch immer nicht zufrieden war, so wie er da stand und die Arme verschränkte.

„Bist du eigentlich verrückt? Du hast zwei der ältesten Vampire hier. Beide mit mächtigen Clans. Was glaubst du, wird mit uns passieren, wenn die erfahren, wer ihre Anführer gefoltert und getötet hat“, denn davon ging Jason aus. „Ja, ich möchte, dass du sie alle vier frei lässt und von der Insel schaffst. Ich habe mich damit arrangiert, dass du Katzen entführst und sie ihren Familien wegnimmst, aber das, was du hier abziehst, ist falsch.“ Jason nahm kein Blatt vor den Mund und sagte, was er meinte, und da war es ihm egal, ob es Cai passte. Und augenscheinlich passte es diesem nicht, denn er verzog das Gesicht.

„Also erst mal: sie werden weder gefoltert, noch werden sie getötet.“ Das konnte Cai dann doch nicht auf sich sitzen lassen, schon allein weil der Vorwurf von Jason gekommen war. „Außerdem solltest du etwas über Vampirclans wissen, Katerchen. Sie funktionieren nicht wie Rudel, wo jeder jeden rettet. Wenn in einem Clan einer Schwäche zeigt, dann wird er abgesägt. Niemand wäre so blöd, den Chef zu retten, wenn der sich nicht selber retten kann, sondern bringt sich lieber selbst in dessen Position. Ihr seid hier also nicht in Gefahr und ich werde den Teufel tun und Aset jetzt schon wieder frei geben.“ Da wollte Cai auch nicht mit sich verhandeln lassen.

„Cai, hältst du mich für dumm? Mag sein, dass Asets Vampirclan nicht gerade fürsorglich gegenüber seinem Führer ist, aber Assais Clan ist anders. Ich weiß das, weil einer meiner Freunde in ihn eingeheiratet hat. Sein Clan besteht zu einem großen Teil aus Katzen und sie halten zu Assai und sie werden ihn suchen, da seine Leute hinter ihm stehen.“ Cai gab seine ablehnende Haltung nicht auf, denn er glaubte Cai nicht, dass er mit Aset und Assai nichts vor hatte. „Warum sind die beiden Vampire hier und kannst du schwören, dass du sie nicht tötest?“

„Hör zu, Jason, du hast einen Status, der weit über jeden anderen in meiner Nähe hinausgeht. Aber selbst von dir lasse ich mich nicht an die Wand spielen.“ Cai wurde wütend und erhob sich. „Ich habe bereits Vorkehrungen getroffen. Es muss dir genügen, wenn ich dir sage, dass du nicht in Gefahr bist. Über mehr bin ich nicht mehr bereit zu verhandeln. Assai ist mir egal, dem wird nichts passieren und ihn werde ich in ein paar Tagen wieder aussetzen. Aber Aset gehört mir – sterben wird er nicht, das kann ich beschwören. Und jetzt gehe ich essen. Wenn du mich begleiten willst, komm.“

„Du willst mich einfach nicht verstehen. Mir geht es nicht darum in Sicherheit zu sein. Das, was du da machst, ist falsch.“ Jason funkelte Cai an. Er hasste es, wenn Cai ihn damit von sich trieb, indem er ihn an seinen Status erinnerte und das er eigentlich immer noch ein Gefangener war, nur mit besonderen Rechten. „Lass es dir schmecken, nur wirst du dein Essen alleine genießen müssen. Nun, meinem Status entsprechend werde ich in mein Gehege gehen.“ Damit drehte er auf dem Absatz um und ging aus dem Raum, ohne sich noch einmal umzusehen. Er war wütend und bevor er noch etwas sagte, was er bereute, ging er lieber.

Cai sah ihm hinterher. Am liebsten hätte er irgendwo dagegen geschlagen, doch er beherrschte sich. „Du verstehst immer nur das, was dir gerade in den Kram passt, Jason. Aber so leicht ist das Leben nicht. Ich lass mir von dir meine Rache nicht verderben. Ich habe zu lange auf diesen Bastard gewartet.“ Er sah Jason hinterher. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, ihn zu rufen oder ihm nachzulaufen. Jason war stur und Cai war es auch. Also wandte er sich um und ging zur Terrasse. Er hatte Hunger, auch wenn ihm der Appetit eigentlich vergangen war.

Jason stapfte wütend in sein Gehege und schmiss die Tür hinter sich zu. Cai brachte ihn manchmal zur Weißglut. Der glaubte doch, weil er alt und mächtig war, stand er außerhalb von Moral und Gesetz. Er wandelte sich zum Puma und stürzte sich auf den Baumstamm, den er als Kratzbaum benutzte. Die Späne flogen zu allen Seiten, als er seine Krallen tief in das Holz schlug, um sich abzureagieren. Derweil saß Cai auf der Terrasse, die Kohlebecken spendeten Wärme und der Grill verströmte leckeren Duft. Doch Cai konnte das nicht genießen. Er war wütend auf Jason, weil dieser Kater es immer wieder schaffte, ihn auf die Palme zu bringen. „Dämliche Katze“, knurrte er leise, als Ho ihm Fleisch und Beilagen anreichte und sich dann wieder schweigend zurückzog. Stumm starrte Cai hinaus auf das schwarze Wasser. Jason schaffte es immer wieder, ihm jeden Triumph dermaßen zu vermasseln, dass er ihn einfach nicht mehr genießen konnte.

Er hatte sich den Abend so schön ausgemalt. Ein gutes Essen, eine anschmiegsame Katze und reichlich guten Sex. Und was hatte er bekommen. Nur etwas zu essen, das er trotz Hunger noch nicht angerührt hatte und miese Laune. „Dämliche Katze“, knurrte er wieder und schob den Teller von sich weg. Einmal mehr fragte er sich, ob es richtig gewesen war, den Mensch hinter der Katze so dicht an sich heran zu lassen, dass es Cai etwas ausmachte, was er von ihm dachte. Doch Jasons Worte stimmten ihn auch nachdenklich: würde Assais Clan wirklich kommen und ihn holen? Cai legte den Kopf auf die Seite und strich sich den langen Pony aus dem Gesicht, der ihm weit über die Augen fiel. Er zuckte, als sein Handy sich meldete. Ein Blick auf das Display ließ ihn etwas grinsen: Byron.

Na wenigstens etwas Erfreuliches an diesem Abend, hoffte er zumindest. Er stellte die Verbindung her. „Wenn es keine guten Nachrichten sind, kannst du gleich wieder auflegen“, knurrte er in das Telefon, denn noch mehr Tiefschläge konnte er jetzt nicht mehr ertragen. >>Na, du hast ja schlechte Laune<<, lachte Byron und ließ sich davon nicht beeindrucken. >>Deine Ware ist auf dem Weg. Sie ist in ein paar Stunden bei dir<<

„Na, wenigstens etwas“, sagte Cai und nickte zufrieden. Sein Sekretär war dieses mal geflogen, um die Katze zu holen, denn Cai hatte vor Ort noch einiges zu tun gehabt durch Asets Präsenz. Der Vampir würde sich sicherlich freuen, dass er nach und nach seine Familie wieder um sich hatte – wenn auch durch ein paar Glaswände getrennt. Allmählich kletterte seine Laune. „Wie schwierig war es, den jungen Kater zu holen?“

>>Ich habe einen Alarm ausgelöst. Sie haben ihre Sicherheitsmaßnahmen aufgerüstet, aber ich hatte noch genug Zeit um den Jungen zu holen.<< Byron wollte sich ja nicht selber loben, aber da wieder raus zu kommen, war eine seiner Glanzleistungen. >>Dieser Junge hat übrigens noch eine Zwillingsschwester<<

„Und genau die will ich haben“, sagte Cai auch sofort. „Wenn irgendwie möglich, beschaffe mir diese Katze so schnell wie möglich.“ Nun zog sich Cai doch seinen Teller zu sich und begann -wenn auch langsam – zu essen. Die Kartoffeln waren hervorragend, besser noch war das Fleisch.

>>Warum nur hab ich das gewusst?<<, seufzte Byron, aber man konnte das Lachen in seiner Stimme hören. >>Das kostet extra, denn sie werden es mir nicht noch einmal so leicht machen und ich habe keine Lust darauf, das mich dieser Caleb erwischt. Das ist ein Leopard, wie aus einem Albtraum entsprungen. Wunderschön, riesengroß, wild und wahrscheinlich der stärkste Leopard überhaupt und mit einer Selbstheilung, die der seines Mannes in nichts nachsteht<<

„Dann bring mir die Schönheit gleich mit“, sagte Cai, grinste aber. Doch er hatte sich ebenfalls schon schlau gemacht und wusste, was es mit Asets Gatten auf sich hatte. Dieser Leopard war kein Leopard mehr, er war mehr ein Vampir als eine Katze, was seine Macht anging. Doch jetzt war er ein Tier, das seinen Partner und sein Junges suchte – mit dem Kerl war nicht zu spaßen. „Wenn irgend möglich bring mir das junge Weibchen – aber in erster Linie zählt deine Sicherheit.“

>>Ich sehe, was sich da machen lässt. Sie haben sich zusammengerottet, aber wenn ich es schaffe, sie auseinander zu treiben, dann bringe ich dir die Leopardin. Drück mir die Daumen.<< Byron trennte die Verbindung und Cai legte das Handy neben sich. In ein paar Stunden würde Asets Albtraum beginnen. Das ließ Cai grinsen und er vergaß für eine Weile den mürrischen Jason. Lieber ließ er sich das ausgezeichnete Fleisch schmecken und malte sich aus, wie es werden würde, wenn Aset ihren neuesten Gast erst einmal zu Gesicht bekam. Ob er sich freuen würde, der Bastard? „Besser du freust dich“, legte er fest und lehnte sich zurück. Er vermied den Gedanken, was Jason wohl gerade tat. Cai hatte schließlich auch seinen Stolz. Er würde sich von Jason nicht am Nasenring durch die Arena führen lassen.

„Ach verdammt“, knurrte Cai. Selbst wenn er nicht an ihn denken wollte, geisterte der dämliche Kater durch seine Gedanken. Je mehr er versuchte, nicht an Jason zu denken, umso mehr wurde er ihn nicht los. Immer wieder drehte er sein Handy in der Hand. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er es sich wieder gegriffen hatte und damit rumspielte. „Nein, das werde ich nicht machen“, knurrte er, als er sah, dass er das Programm für die Überwachungskameras aufgerufen hatte. Mit Schwung landete das Telefon wieder auf der Tischplatte. Er erkannte sich selbst nicht wieder. Normalerweise hatte er den Namen derer schon beim Umdrehen vergessen, die nichts mit ihm zu tun haben wollten – warum ging das bei dieser launischen Katze nicht auch? Es sollte ihn nicht interessieren, was der Kater trieb, es sollte ihn interessieren, wie Aset litt. Und noch ehe er wieder weich wurde, griff er sich noch ein Steak für den Weg und er war auf dem Weg zum Strand. Er würde noch etwas schwimmen, bis ihr neuer Gast eintraf.

Er stürzte sich in die Fluten und schwamm los. Gleichmäßig pflügten seine Arme durch das Wasser und wie schon vor ein paar Tagen zog er Runde um Runde um die Insel und genau wie damals, pustete das nicht sein Gehirn frei, sondern ließ sie weiter kreisen. Immer in der Runde, um einen Mittelpunkt, den er eigentlich hatte verbannen wollen.

Jason!

Und so kam er frustriert aus dem Wasser und ließ sich am Strand in den Sand fallen. Das fahle Mondlicht ließ seine blasse Haut leuchten – eigentlich hätte er sich hier jetzt lieber mit Jason durch den Sand gerollt. Aber der Kater hatte es ja vorgezogen, Cai … der Vampir knurrte. Und schon wieder hatte ihn der Kater gefangen.

Er hob den Kopf, als er den Helikopter hörte. Sein Gast war eingetroffen.

„Zum Teufel mit dir, dämliche Katze“, knurrte er und stand auf. Nachlässig klopfte er sich den Sand vom Körper und hob seine Kleider auf. Er teleportierte sich gleich in sein Badezimmer. Dann kam er nicht in die Versuchung, auf dem Weg durch die Anlage, in Jasons Gehege vorbeizuschauen. „Ausgetrickst“, grinste er und klopfte sich selbst auf die Schulter. Allerdings überging er den Umstand, dass es ziemlich erbärmlich war, sich selbst auszutricksen wie ein Junkie. Aber so kleinlich war er nicht. Schnell hatte er sich geduscht und abgetrocknet, ehe er sich in leichte Leinenkleider warf und zum Helikopterlandeplatz ging. Er gab sich gelassen, doch innerlich war er aufgeregt – er hatte vorher noch nie eine Katze mit Flügeln gesehen.

Er stand schon bereit, als der Helikopter landete und half mit, die Kiste mit der kleinen Flugkatze aus dem Frachtabteil zu holen. „Alles ist planmäßig verlaufen Sir. Das Exponat schläft und ist auf dem Flug nicht aufgewacht“, erstattete sein Sekretär gleich Bericht.

„Wunderbar. Es ist alles für ihn vorbereitet. Bringen wir ihn als erstes in sein Gehege, damit er dort langsam zu sich kommen kann.“ Cai wagte einen kurzen Blick, doch die Kiste war abgedunkelt, damit die Katze darin sich so wenig wie möglich aufregte, sollte sie wider Erwarten doch unterwegs erwachen.

„Danke“, schickte er den Piloten wieder aufs Festland zurück und trug den jungen Kater persönlich in sein Gehege, wo er ihn auf die Liege legte und betrachtete.

Schon fast so groß wie ein ausgewachsener Leopard. Ein hübsches Exemplar, wenn auch nichts Besonderes, wenn da nicht diese zwei kleinen Flügel auf dem Rücken wären. Cai konnte nicht widerstehen und strich durch die weichen Federn. Es war einfach unglaublich, wie die Flügel von jungen Vampiren. „Ich hätte nicht gedacht, dass Hybride überleben können. Du und deine Schwester, ihr seid der Beweis“, murmelte Cai und erhob sich. Es wurde Zeit, Aset einen kleinen Besuch abzustatten. Und so ging er über den Gang und in das Zimmer des Vampirfürsten. „Na? Wie fühlen wir uns? Gut erholt? Ausgeschlafen?“, wollte er wissen, als er die Tür hinter sich schloss und Aset interessiert betrachtete.

Der öffnete die Augen und sah Cai einfach nur wütend an, sagte aber kein Wort und verhielt sich ruhig. Er musste mit seinen Kräften haushalten und je weniger er sich bewegte, umso mehr Kraft hatte er, wenn es darauf an kommen sollte. „Was willst du?“, sagte er schließlich, denn der Besuch musste einen Grund haben.

„Eigentlich wollte ich nur einmal sehen, ob es meinem Gast auch an nichts fehlt“, entgegnete Cai gleichhin und ging hinüber zum Monitor, um ihn wieder einzuschalten. „Und dir ein bisschen Unterhaltung zu bieten. Du wirst nicht erraten, wer uns besucht.“ Er aktivierte die Kamera in Ranus Gehege, wo der junge Leopard noch immer betäubt auf der Liege lag. „Süß, oder?“ Er blickte ebenfalls auf das Bild, die Arme vor der Brust verschränkt und lässig an die Wand gelehnt.

Er konnte spüren, wie der Körper neben ihm im Bett sich anspannte und dass Aset die Hände zu Fäusten ballte. „Du Bastard“, zischte Aset und sein Herz hämmerte in seiner Brust. Wie war dieser Mistkerl an seinen Jungen herangekommen? Ging es ihm gut? Es war für ihn kaum zu ertragen, seinen kleinen Liebling dort so leblos zu sehen. „Tu ihm was und du wirst dir wünschen, nie geboren zu sein.“

„Aset, du bist wie ein Regenwurm. Du lernst es einfach nicht“ Cai klang enttäuscht und lehnte sich nun mit dem Rücken an die Wand, damit er Asets entsetztes Gesicht und seine angespannte Haltung ein wenig genießen konnte, ohne dass ihm ein dämlicher Kater gleich wieder ein schlechtes Gewissen machte. „Wann lernst du es endlich, dass du gerade nicht in der Verfassung bist, mir irgendetwas anzutun. Also hör auf mir zu drohen. Das wirkt gerade ziemlich lächerlich.“

Völlig unbeeindruckt von dem beißenden Spott fixierte Aset seinen Gegner. „Fass ihn an und du bist tot. Egal wie lange es auch dauern wird, ich werde dich jagen und zur Strecke bringen. Niemand vergreift sich an meiner Familie und überlebt es. Und wenn ich dich nicht mehr selbst töten kann, dann wird Caleb dich jagen und Assais Clan. Das du dich mit uns angelegt hast, war ein Fehler.“

„Das werden wir sehen, Aset. Aber deinen Gatten hier zu haben, würde ich auch befürworten. Mal sehen, was sich da machen lässt. Er ist schon eine außergewöhnliche Katze“, sagte er nachdenklich. Schließlich hatte auch Byron ihn als außergewöhnlich beschrieben – er könnte ein Juwel in seiner Sammlung werden. Aber Assais Clan könnte sich tatsächlich als ein Problem darstellen. Vielleicht sollte er diesen Vampir hier weg bringen.

„Caleb hier, nicht freiwillig und mordlüstern? Das solltest du dir lieber nicht wünschen. Bring ihn her und er zerlegt deinen ganzen Laden,“ Aset lachte gemein auf und fixierte den anderen Vampir. „Vielleicht solltest du noch wissen, dass zwei Drittel des Rudels oder des Clans desjenigen sterben werden, der einen von uns tötet. Die Nagas kennen da keinen Spaß. Verabschiede dich also schon mal von zwei Dritteln deiner Leute und natürlich von dir selber, denn der Anführer wird immer daran glauben müssen.“ Mutu musste ja nicht wissen, dass der Vertrag sich nur auf seinen Clan oder die Leoparden bezog.

„Am besten besorge ich mir also erst einmal einen Clan und dann mach ich ein Gehege für den Leoparden klar. Ich hatte hier schon ein paar unwillige Exponate – glaube mir, niemand zerlegt mir diesen Laden. Auch nicht dein dich liebender Kater.“ Cai streckte sich und sah noch einmal auf den Monitor. „Ich lass dir mal das Nachtprogramm an, vielleicht bekommt er bald Gesellschaft von seiner Schwester.“ Er ging zum Bett und stellte die Infusion neu ein, nur um sicher zu gehen.

Aset biss fest die Zähne zusammen, weil er sich nicht anmerken lassen wollte, dass ihn gerade panische Angst beschlich. Seine Familie war in Gefahr und er konnte nichts tun. Das war für ihn unerträglich. Er war dazu verdammt, abzuwarten und zu hoffen, dass Caleb einen Weg fand Luan und Ranu zu befreien.

„Na, keine Lust mehr mich zu beschimpfen?“ Cai streckte sich und sah noch einmal auf den Monitor. „Gut, wenn du mir nichts mehr zu sagen hast, mach ich mich mal wieder aus dem Staub. Mal sehen, wie es der kleinen Katze so geht. So schnell wird er sich ja nicht wieder zurück verwandeln. Ich liebe dieses Serum, das holte das Beste aus den Werkatzen heraus, findest du nicht?“

Asets Augen glühten, aber er sagte nichts, denn den Triumpf wollte er Mutu nicht gönnen. Sollte er ruhig glauben, dass er Aset bezwungen hatte, das hatten schon viele. Allerdings waren die alle tot und Aset noch am Leben. Rache war etwas, mit dem Aset sich auskannte.

„Gut, gut. Dann schlaf schön.“ Cai sah sich noch einmal zu Aset um, dann verließ er das Zimmer, um noch einmal schnell bei Assai vorbei zu sehen. Doch der Vampir war ebenfalls ruhig gestellt wie Aset. Erst dann machte sich Cai wieder auf den Weg. Er schlenderte über den Flur und wollte noch einmal bei Ranu vorbei sehen, in die Kamera winken und sich dann ein bisschen um die Parder kümmern. Er nickte zu seinem Plan.

Allerdings bekam sein Elan einen ziemlichen Dämpfer, als er Jason vor Ranus Gehege stehen sah und dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war der Kater stinkwütend. Das bestätigte sich, als der Puma ihn ansah. „Was hat das zu bedeuten?“, verlangte er zu wissen und seine Augen waren zu Schlitzen zusammen gezogen. „Was hat ein Kind hier zu suchen?“

„Jason, geh in deine Räume“, sagte Cai nur. Er hatte jetzt wirklich keinen weiteren Nerv auf den Puma. „Misch dich hier bitte nicht ein. Dem Jungen wird nichts passieren, also reg dich wieder ab.“ Cai hatte keine Lust sich wieder von dem Puma an die Wand spielen zu lassen.

„Dem Jungen wird nichts passieren?“, fragte Jason ungläubig und stemmte die Hände in die Hüften. „Du meinst allen Ernstes, weil du ihm nicht weh tust, ist alles in Ordnung?“ Jason bekam sich ja gar nicht wieder ein. „Sag mal, bist du vollkommen bescheuert? Wenn der Junge wach wird, in einer Umgebung, die er nicht kennt, eingesperrt, ganz alleine, gefangen in seiner Katzenform. Das bedeutet für dich, dass ihm nicht passieren wird? Er wird sich zu Tode ängstigen und das nenne ich durchaus, dass ihm etwas passiert.“ Jason hatte sich in Rage geredet und pikste Cai immer wieder unsanft mit dem Finger gegen die Brust. „Du wirst mich jetzt sofort in dieses Gehege lassen, damit ich mich um ihn kümmern kann. Denn mir ist dieser Junge nicht egal und nur ein Spielball in einem deiner bescheuerten Machtspielchen.“

„Katze, treib es nicht zu weit. Du hast Privilegien, die kein anderer hat. Aber auch von dir lasse ich mir keine Befehle geben. Du wirst dich hier nicht einmischen und jetzt umgehend in dein Gehege verschwinden, wohin du ja sowieso wolltest. Also – ab marsch!“ Cai wies mit ausgestreckter Hand in die Richtung, in der Jasons Räume lagen und verschränkte dann die Arme vor der Brust. „Ich werde mit dir jetzt bestimmt nicht darüber diskutieren, Jason.“

Jason sah Cai fassungslos an. Dieses eiskalte Arschloch hatte nichts mehr mit dem Cai gemeinsam, den er die letzten Wochen kennen gelernt hatte. Hatte er sich so ihn ihm getäuscht. „Wie konnte das passieren, Cai?“, fragte er leise und sein Blick wurde traurig. „Wie konnte es passieren, dass du so weit sinkst und das Leben eines unschuldigen Kindes zerstörst, nur um Rache für etwas zu nehmen, das Jahrtausende her ist. Bitte lass mich in das Gehege, damit er nicht alleine ist, danach kannst du mir meinetwegen alle meine Privilegien streichen. Ich werde sie sowieso nicht mehr nutzen, wenn ich weiß, dass du Kinder quälst.“

„Leck mich! Wenn er weg ist, mach ich dich dafür verantwortlich!“ Hasserfüllt sah er Jason an, weil er der einzige war, der Cai dazu bringen konnte, das folgende überhaupt zu tun. Und der Mistkerl merkte es noch nicht einmal, sondern schoss immer nur gegen ihn. Er öffnete die Tür zum Gehege und ging, ohne sich noch einmal umzusehen. Doch er versetzte seine Wachen in Alarmbereitschaft, denn er traute Jason nicht mehr über den Weg. Er selbst musste sich jetzt abreagieren.

Jason sah Cai hinterher und senkte traurig den Kopf. Er hatte bekommen, was er verlangt hatte, aber zu welchem Preis? Cai war wütend auf ihn und wahrscheinlich konnte er dem kleinen Leoparden nicht mehr helfen. Er schloss die Tür und ging zu der Liege. Sanft strich er durch das weiche Fell und setzte sich auf den Boden. „Ich pass auf dich auf.


20 

„Danke dass du so schnell kommen konntest, Lazar. Ich werde noch verrückt. Ich weiß nicht was ich machen soll, ich….“

„Caleb, atmen!“, sagte Lazar, der sich allmählich wirklich Sorgen um den Kater machte. Wer auch immer der Familie so mitspielte, er durfte damit nicht durchkommen. Nicht wenn Kinder in dieses Possenspiel mit einbezogen wurden.

„Ja, ich…“

„Caleb, konzentrier dich erst mal auf die Straße. Wir reden, wenn wir bei dir sind, schlage ich vor.“ Zweimal schon hatte Lazar andere Verkehrsteilnehmer mental beeinflussen müssen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.

„Ja, ich weiß...“, setzte Caleb wieder an, wurde aber von einem „Straße, später“, unterbrochen. Aber Lazar nahm seinen Worten die Schärfe, in dem er Caleb eine Hand auf die Schulter legte und sie leicht drückte. „Alles zu seiner Zeit, Caleb.“

„Ich hoffe, wir haben die Zeit“, sagte der Leopard und versuchte sich auf die Straße zu konzentrieren. Doch er war mit seinen Gedanken im Anwesen, wo er alle in den Safe Room getrieben hatte, so lange er nicht da war. Er malte sich schon wieder aus, was alles passieren konnte, während er nicht da war. Und das machte es für ihn nicht leichter.

Lazar konnte Caleb gut verstehen und er ging davon aus, dass sie es mit einem mächtigen Gegner zu tun hatten. Darum hatte er seine Leute in Alarmbereitschaft versetzt, so dass sie schnell dort sein konnten, wo sie gebraucht wurden, falls es notwendig sein sollte. Einer Armee von Nagas, hielt so gut wie niemand stand. „Ich glaube nicht, dass ihnen zurzeit Gefahr droht, denn warum der Aufwand mit der Entführung, wenn man sie nur töten will.“

„Hm“, war alles, was Caleb von sich geben konnte. Auch Cathleen hatte ihm das schon gesagt, doch er konnte daran nicht richtig glauben. Aset hatte einer Menge Leute in den Arsch getreten - was, wenn jetzt jemand den Spieß umdrehte und ihn leiden ließ, ehe er ihn tötete? Und wie ließ man einen Vater mehr leiden, als wenn man das Kind quält. Caleb wurde bald wahnsinnig und so spürte er zum Glück nicht, dass Lazar in seinen Geist tauchte und ihn zu sortieren versuchte. Der Kater war völlig am Ende.

Behutsam, brachte Lazar Ordnung in das Chaos, entwirrte die Knoten und pflanzte leichte Zuversicht, wo es angebracht war. Er wollte Caleb nicht beeinflussen, nur etwas klarer sehen lassen und ihm die Möglichkeit zum durchatmen zu geben. Er war froh, als sie vor dem Anwesen ankamen und wollte gerade etwas sagen, als seine Sinne etwas wahrnahmen, was dort nicht sein sollte. Er ließ sich vom Sitz in den Fußraum gleiten, so dass man ihn nicht sehen konnte und schirmte auch sich selbst vor allem ab, damit niemand ihn wahrnehmen konnte. „Er ist hier“, flüsterte er Caleb zu, der ihn verwundert ansah. „Fahr einfach weiter, als wenn nichts wäre. Ich kümmer mich um den Kerl.“

„Was?“ Caleb glaubte, sich verhört zu haben. Da war er nicht da, da nutzte der Fremde die Chance? Der Kater konnte nicht vermeiden, dass er langsamer wurde und sich umsah. Doch Lazar zischte ihn an, dass er sich nichts anmerken lassen durfte, wenn sie den Kerl nicht zu früh darauf aufmerksam machen wollten, dass er eventuell aufgeflogen war. Also gab sich der Kater einen Ruck und fuhr den Weg nach oben zur Garage, doch sein Herz schlug hastig in seiner Brust. Der Adrenalinspiegel stieg und ohne es zu merken, wandelte er sich langsam in seine Zwischenform.

Lazar konzentrierte sich auf den Eindringling und stutze. Da zwischen den Bäumen, links neben dem Eingang, hockte ein Naga. Ein Naga, der eigentlich nicht hier sein dürfte, weil er tot war. Er selber hatte das Todesurteil ausgesprochen, vor mehr als fünfhundert Jahren und der Vollzug war ihm gemeldet worden. Dass Byron jetzt hier in Asets Garten hockte, machte ihm klar, dass man ihn betrogen hatte, aber darum kümmerte er sich später. Jetzt musste er den Verräter festsetzen. Er ließ seinen Geist in Byrons eindringen, ohne dass dieser etwas mitbekam. Etwas, was nur die ältesten und stärksten seiner Rasse konnten. Er übernahm die Kontrolle und als der andere Naga merkte, dass etwas nicht stimmte, war es schon zu spät. Er konnte sich nicht mehr rühren und seine Tarnung fiel zusammen, so dass er wieder sichtbar war.

Kaum dass dies geschehen war, schoss Caleb aus dem Wagen. Er hatte sich endgültig gewandelt und stürzte auf den Naga zu, der nicht zu begreifen schien, was passiert war, warum er sich nicht regen konnte und warum der Leopard, der so zielstrebig auf ihn zu kam, ihn überhaupt sehen konnte. Er wusste, dass er fliehen sollte, doch er konnte es nicht. Kein Muskel seines Leibes gehorchte ihm mehr.

„Caleb, wir brauchen ihn lebend“, rief Lazar, als der Leopard sich auf sein Opfer stürzte und seine Krallen und Zähne durch Haut, Fleisch und Knochen pflügten. Der Naga beeilte sich Caleb zu folgen und machte sich bereit, ihn von Byron wegzuziehen, aber das war nicht nötig. Caleb hatte von ihm abgelassen, hatte aber seine Fänge um die Kehle des Nagas geschlossen, bereit zuzubeißen. Lazar legte ihm beruhigend eine Hand auf den Rücken und sah den Mann auf dem Boden an. „Hallo Byron. Du siehst mich erstaunt, dich hier zu treffen, besonders, da du tot sein solltest.“

Doch der Naga war noch viel zu perplex, als dass er reagieren konnte. Er starrte auf den Führer seines Volkes und sah einen der wenigen auf dieser Welt, die ihm nicht hätten begegnen dürfen. Wie hatte das passieren können? Byron stöhnte, als der Leopard fest zu biss. Er war mit dem Schweigen des Jägers wohl nicht zufrieden. „Ich lebe, wie du siehst“, keuchte er und versuchte sich gegen den Leoparden zu wehren. Doch das gelang ihm nicht, ohne sich selbst Schmerz zuzufügen, denn Lazar blockierte seine Fähigkeiten.

„Ja, das sehe ich und es gefällt mir nicht, wie du dir denken kannst. Caleb bitte lass ihn los, dann bringen wir ihn rein und er wird uns einige Fragen beantworten.“ Lazar hob Byron hoch, als Caleb ihn wiederstrebend frei ließ. „Habt ihr im Haus ein Plätzchen, wo wir unsere Befragung ungestört abhalten können?“

Caleb wandelte sich und sah hasserfüllt auf den fremden Naga. „Halt den Bastard fest. Ich lasse den Safe Room räumen, dann bringen wir den Mistkerl dort hin.“ Nackt ging Caleb über die Wiese zum Haus, während Byron ihm nach sah. Ja, es war besser, vor diesem Leoparden Angst zu haben. Ein Elterntier auf der Suche nach seinem Jungen. Ohne Lazar wäre er wohl jetzt schon tot. Er schluckte schwer.

„Ja, du solltest besser Angst haben. Caleb hat einiges von seinem Ehemann gelernt und glaube mir, diese Fähigkeiten würde er nur zu gerne an dir ausprobieren.“ Lazar folgte Caleb, blieb aber so lange außer Sichtweite, bis der Leopard seine Familie aus dem Safe Room gelassen hatte. Er wollte sie nicht mit Byrons Anblick schockieren. Erst als alle sich ins Wohnzimmer zurück gezogen hatten, betrat er das Haus und folgte Caleb. Der Kater hatte sich schnell etwas übergezogen, seiner Familie aber noch nicht gesagt, was los ist. Das würde er tun, wenn sie mit dem Bastard fertig waren und dann würde er sich seinen Jungen, seinen Mann und seinen Freund zurückholen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Er schloss die Tür, verriegelte sie und dann nahm er an einem der Tische Platz, sah auffordernd zu den Nagas. „It’s Playtime, Bastard.“, knurrte er beängstigend leise.

Lazar ließ Byron auf den Stuhl gegenüber von Caleb gleiten und kümmerte sich nicht darum, dass die sich langsam wieder schließenden Wunden, wieder aufrissen und den Verletzten vor Schmerzen stöhnen ließen. Er hielt sich nicht mit Geplänkel auf. „Wo hast du sie hingebracht und wer hat sie?“

„Ich habe sie zum Flughafen gebracht und dort wurden sie von einem Privatjet abgeholt“, erklärte Byron erst einmal wahrheitsgemäß und starrte auf die Tischplatte vor sich. Er konnte jetzt abwägen, ob er den Leoparden noch saurer machte oder sich Cais Zorn zuzog. Er wusste noch nicht, was schlimmer war, er wusste nur, was schneller ging, so wie der Leopard ihn anguckte.

„Wessen Jet und wo ist er hingeflogen und überleg dir gut, was du jetzt sagst. Ich kann mir die Informationen, die ich brauche, auch aus deinem Kopf holen, aber das wird ziemlich schmerzhaft für dich werden und hinterher wirst du eine, stumme, bewegungslose Hülle sein, in die dein Geist für alle Ewigkeit eingeschlossen sein wird, ohne jegliche Möglichkeit mit jemandem Kontakt aufzunehmen.“ Lazar hatte genug. Byron wollte wieder seine Spielchen spielen, so wie er es früher getan hatte. Doch im Gegensatz zu damals wusste er jetzt, dass Lazar niemand war, mit dem man verhandeln konnte, wenn das Urteil einmal fest stand. Er hatte Byron bereits zum Tode verurteilt, es war also nur noch eine Frage der Zeit. Also pokerte er. „Lazar, du wirst mich also sowieso töten. Was ist der Anreiz für mich euch zu helfen?“

„Du brauchst einen Anreiz?“ Ohne jede Vorwarnung, drang Lazar in seinen Geist ein und ließ ihn vor Schmerzen aufschreien. „Du hast die Wahl. Gib mir die Informationen, die ich haben will und dein Tod wird schnell und schmerzlos sein, ansonsten wirst du wie ein Stück totes Fleisch für die Ewigkeit dahinvegetieren.“

„Cai Meng Long aus Hongkong. Mehr weiß ich nicht. Wir kontaktieren uns nur über Handy und sehen uns maximal bei der Übergabe am Flughafen, wenn er mal selber kommt“, brachte Byron keuchend hervor. Vor seinen Augen explodierten Farbblitze wie kleine Sterne und es fiel ihm schwer, sich aufrecht zu halten. Seine Hände umklammerten die Tischkante.

Lazar zog sich zurück und ließ Byron kurz zu Atem kommen. „Was weißt du über diesen Cai Meng Long? Wie ich dich kenne, hast du alles über ihn ausgegraben, was es zu wissen gibt. Du hast noch nie Geschäfte mit jemandem gemacht, den du nicht geprüft hast.“

„Vampir, uralt. Firmen auf allen Kontinenten und sammelt seltene einmalige Katzen. So wie Albino-Nebelparder oder Katzen mit Flügeln.“ Byron sah die Faust nicht kommen, die ihn mitten auf der rechten Wange traf. „Red nicht so über sie, als wären sie eine Ware, du Bastard“, knurrte Caleb. Er konnte das einfach nicht ertragen.

Byrons Stuhl kippte nach hinten, aber Lazar verhinderte, dass er auf den Boden fiel. Er setzte den anderen Naga wieder gerade hin und drehte ihn zu sich. „Wen wolltest du holen? Ranus Schwester?“ Lazar griff Byron am Kragen. „Wie viel hat er dir gezahlt?“

„Achtstellig“, keuchte Byron und verdrehte immer wieder die Augen, denn sein Geist schien ihm zu entgleiten. Er konnte sich nur noch schwer konzentrieren. Er fühlte sich nicht nur seiner mentalen Kräfte beraubt, sondern auch seiner physischen. „Er wollte sie unbedingt haben – ich weiß aber nicht warum.“ Seine Stimme war schleppend, die Intonation lallend. Die Zunge wurde ihm schwer.

Lazar sah angewidert auf das Mitglied seiner Rasse, das gegen alle Grundsätze ihrer Gemeinschaft verstoßen hatte. Gerade weil die Nagas über derart starke mentale Kräfte verfügten, war das notwendig gewesen, enge Grenzen zu setzen um Missbrauch zu verhindern. Er ließ Byron einschlafen und rieb sich die Augen. „Es tut mir leid, Caleb, dass ein Naga geholfen hat, deine Familie zu entführen. Es ist meine Schande, dass er die Gelegenheit dazu hatte.“

„Mach es gut, indem du mir hilfst, sie zu retten - dann will ich den Vorfall vergessen“, erklärte Caleb und erhob sich. Er ging davon aus, wenn der Jäger außer Gefecht war, konnte er das Haus verlassen, ohne dass seiner Familie etwas passierte. Doch Lazar brauchte er als Schutz gegen sich. Der, der seine Familie hatte, war ein Vampir, uralt. Und wenn er Aset außer Gefecht setzen konnte, war dem Kerl nicht beizukommen.

„Das werde ich, Caleb.“ Lazar legte die rechte Hand zur Faust geballt auf sein Herz. „Ich schwöre dir, bei meinem Leben, dass ich sie dir zurück bringen werde.“ Er würde an seinem Schwur festhalten, bis er ihn erfüllt hatte, egal, wie lange es auch dauern sollte.

„Gut. Was passiert mit dem da?“ Er deutete auf Byron, der nun auf dem Boden lag. „Ich werde als erstes den Jet startklar machen lassen und die Daten aus Assais und Asets Handy von Assais Servern anfordern. Zumindest wissen wir dann, wo sie verschwunden sind und wo wir anfangen können mit suchen.“ Der Kater war voller Drang, als hätte jemand die Batterien gewechselt.

Lazar sah auf Byron und hob ihn wieder hoch. „Habt ihr eine Zelle? Er wird zwar erst wieder aufwachen, wenn ich es erlaube, aber trotzdem hätte ich ihn lieber sicher verwahrt.“ Um Byron kümmerte er sich, wenn dieser Auftrag erledigt war. „Sammel die Daten zusammen, die uns weiterhelfen können. Ich brauche einen Computer, dann stelle ich Nachforschungen nach diesem Vampir an. Mal sehen, was ich in Asets Datenbank zu ihm finden kann.“

„Komm mit.“ Caleb hatte beschlossen Byron erst einmal im Safe Room zurück zu lassen. Er war belüftet. Er würde also nicht ersticken. „Du kannst im Arbeitszimmer an meinen Computer, ich muss ein paar Anrufe tätigen, aber erst einmal muss ich mit meinen Leuten reden.“ Und er wusste, dass das jetzt nicht leicht werden würde. Vor allem für Rina, die ohne es bisher zu wissen, nur knapp Ranus Schicksal entkommen war.

„Gut, wir treffen uns dann im Arbeitszimmer.“ Er musste selber noch ein paar Anrufe tätigen. Zum einen musste jemand Byron hier abholen und zum Clansitz bringen. Dort hatten sie die Möglichkeit ihn sicher zu verwahren, ohne dass er Schaden nahm, da sie ihn mit allem versorgen konnten, was er brauchte, und Lazar musste seine Soldaten hier her holen, denn sie zogen in den Krieg.

Derweil schlich Caleb ins Wohnzimmer, wo seine Familie zusammen saß. Es war totenstill, niemand sprach und alle sahen ihn erwartungsvoll an. Was sollte er sagen? Wo sollte er anfangen? Doch da war Rina schneller. „Warum hast du uns ins Wohnzimmer geschickt und was hast du im Safe Room gemacht?“, wollte sie wissen und Caleb holte tief Luft.

„Als Lazar und ich aufs Grundstück gefahren sind, hat Lazar den Jäger gespürt. Er ist ein Naga, wir haben ihn verhört. Er ist jetzt im Safe Room und wird später abgeholt.“ Er sah seine Leute an und setzte sich zu Rina, die ihn fassungslos anguckte.

Er zog seine Tochter an sich und strich ihr über die Haare. „Er wollte dich holen, Mäuschen. Er wollte dich mir wegnehmen“, sagte er mit erstickter Stimme, fing sich aber wieder. Er küsste Rina auf die Stirn und hielt sie fest, denn sie zitterte, denn ihr wurde wohl gerade bewusst, was das bedeutete. „Wir wissen, wer ihn geschickt hat und wir werden alle drei wiederholen. Ich werde mit Lazar und einigen seiner Soldaten nach Hongkong fliegen und sie rausholen.“

„Caleb“, begann Buster, doch sein Vater stoppte ihn, noch ehe er etwas sagen konnte. „Buster, ich kann nicht hier sitzen und warten. Ich muss sie holen. Die Gefahr ist gebannt. Euch wird nichts passieren und Lazar lässt ein paar seiner Leute zur Sicherheit in der Nähe.“ Er drückte Rina fester an sich und strich ihr mit der Nase durch die Haare. „Ich lass nicht zu, dass euch etwas passiert. Aber ich muss …“ Er brach ab und fühlte sich zerrissen.

„Ich weiß, dass du gehen musst.“ Buster lächelte Caleb an, und legte ihm einen Arm um die Schulter. Ihm würde es nicht anders gehen, wenn jemand Rick entführt hätte. Er könnte auch nicht still zuhause sitzen und darauf warten, dass jemand das für ihn machte. „Wer ist dafür verantwortlich? Wer hat sie entführt und warum?“, wollte er wissen.

„Ein Vampir“, erklärte Caleb und blickte zu Buster auf, „ein uralter Vampir.“

„Älter als Aset?“, fragte Rick ungläubig, der sich das nicht vorstellen konnte. Caleb nickte. „Wenn wir dem Bastard da im Safe Room glauben können - und das können wir, nachdem Lazar mit ihm fertig war - ist es ein uralter Vampir, der besondere Katzen sammelt. Er war besonders versessen auf Luan, also kann es ganz gut der Typ sein, dem Luan schon einmal entkommen war, ehe er hier her gekommen ist.“

„Besondere Katzen – so wie Katzen mit Flügeln?“, fragte Rina leise und ihre Stimme war brüchig. „So wie Albino-Nebelparder?“

Caleb nickte und blickte zu Rick. Auch er war der einzige seiner Art, genauso wie Catboy Buster. Nur allmählich ging ihm auf, dass es jeden von ihnen hätte treffen können.

„Ja, genau so welche, Mäuschen. Aber jetzt wissen wir, mit wem wir es zu tun haben und werden etwas gegen ihn unternehmen. Mit den Nagas haben wir eine gute Chance, den Mistkerl zu kriegen. Sie sind die einzigen, die es mit einem so alten Vampir aufnehmen können.“ Buster nickte, hatte aber noch daran zu knabbern, dass er wohl nur Glück gehabt hatte, dass dieser Spinner sich nicht Rick geholt hatte. Allein die Vorstellung, ließ ihn vor Wut zittern. „Gib mir, was du über ihn hast. Ich werde versuchen, was über ihn herauszufinden.“

„Viel ist es nicht“, sagte Caleb gleich und gab die Daten preis, die sie hatten. Doch abgesehen von einem Namen und ein paar Eckdaten, die Byron hatte nennen können, war das nicht viel. „Ich muss noch an Assais Firma ran. Ich brauche die GPS-Daten, wo ihr Signal zuletzt geortet worden ist. Damit wir wissen, wo genau wir anfangen“, nuschelte er nur noch vor sich hin, während er seiner Tochter über den Arm strich, während er sie weiter an sich drückte. Er blickte auf, als Lazar zu ihnen trat.

„Wir treffen uns mit meinen Leuten in Hongkong. Sie machen sich auf den Weg, wenn ich ihnen das Startsignal gebe.“ Lasar setzte sich in einen Sessel und nickte allen zur Begrüßung zu. „Ich werde gleich in der Vampirdatenbank nachsehen, ob ich einen Hinweis auf diesen Cai Meng Long finde. Wenn ich auch glaube, dass da nichts drinstehen wird, denn er wird seinen Namen über die Jahrtausende geändert haben. Aber vielleicht finde ich ja etwas anderes, was uns weiterhilft.“

„So viele alte kann es doch nicht mehr geben“, sagte Buster und drückte sich unweigerlich dichter an Rick. „Sie sind nicht so alt geworden, weil sie allem und jedem ihre Existenz auf die Nase gebunden haben“, sagte Lazar und Buster nickte verstehend. Da war was dran. „Glaubst du, dass Aset noch …“ Doch er sprach seinen Gedanken nicht aus, denn er sah, wie Caleb sich versteifte, und schalt sich einen Idioten. Konnte er nicht seine Klappe halten?

Aset musste einfach noch leben, denn er wollte sich gar nicht ausmalen, was mit Caleb passieren würde, wenn es nicht so wäre. Der Leopard würde daran zerbrechen und ihre Familie auch. Um die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, wandte sich Buster an Lazar. „Gut, du schaust in der Datenbank, was zu finden ist, ich recherchiere im Internet, was es über diesen Mistkerl zu finden gibt. Vielleicht können wir so Übereinstimmungen finden.“

Lazar nickte. „Tu das“, und an Caleb gewandt. „In einer Stunde ist einer meiner Einheit hier in New York vor Ort. Er wird sich um den Schutz deiner Familie kümmern und um den Abtransport von Byron. Dich möchte ich bitten zu packen, was du brauchst. Ich möchte so schnell wie nur möglich aufbrechen. Meine Maschine steht noch auf dem Rollfeld.“ Caleb nickte und blickte zu Ryan. „Kümmere dich bitte um alle, bis wir wieder da sind. Du hast die Gewalt über das Haus. Buster hat die Gewalt über einige unserer Konten, falls ihr größere Mengen Geld braucht.“ Dann erhob sich der Leopard.

„Sicher, mach ich. Buster und ich werden hier die Stellung halten“ Ryan nickte seinem Schwager zu und sah Caleb hinterher, der hoch in sein Schlafzimmer ging, um zu packen. Viel nahm er nicht mit, nur das Nötigste für ein paar Tage, was in einen Rucksack passte. Er wollte sich nicht mit schwerem Gepäck belasten. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu dem, was dieser Byron gesagt hatte und er fragte sich wohl schon zum tausendsten Mal, wer dieser Vampir war, der sich so erfolgreich vor allen verborgen hatte. „Das wird mir der Bastard selber sagen“, beschloss Caleb, als er die Tür seines Schlafzimmers nach einem letzten Blick auf ihr gemeinsames Bett schloss. Hier her würde er erst zurückkehren, wenn er Aset wieder hatte. Allein würde er dieses Zimmer nicht noch einmal betreten.

„Dad“, sagte Rina, die immer noch im Wohnzimmer saß. Sie hatte sich an Cathleen und die Jungen gedrückt, suchte instinktiv den Schutz der Familie. Caleb kam zu ihr.

„Was denn los, Mäuschen?“, fragte er, obwohl er sich denken konnte, was seiner Tochter Angst machte, so ängstlich wie sie guckte. Er strich ihr durch die Haare und lächelte. „Ich bringe sie alle wieder zurück. Gesund und munter. Das verspreche ich dir.“

„Lüg mich ja nicht an – du hast es versprochen, jetzt musst du es auch halten“, sagte Rina und auch wenn sie sich in jeder freien Minute mit Ranu zoffte, sie vermisste ihren Bruder schmerzlich, der Verlust war körperlich zu spüren. Caleb lächelte stumm. Er strich ihr noch einmal durch die Haare, küsste sie auf die Stirn, ehe er sich auch vom Rest verabschiedete. Dann ging er und sah sich nicht noch einmal um