Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Katzenaugen 7 > Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 22

Katzenaugen 7 - Katzen und Drachen - Teil 22

22 

„Was?“ Cai schoss herum und noch ehe er sich gewiss war, was eigentlich passierte, spürte er Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gespürt hatte. Sie sprengten seinen Schädel, lähmten seinen Körper. Er sank schreiend zusammen ohne zu wissen, was passiert war. Nichts um sich herum nahm er mehr war.

Was passierte hier? Er konnte nichts hören, nichts sehen, nichts riechen – nur überall dieser grenzenlose Schmerz. Cai presste die Hände auf die Schläfe, krümmte sich auf dem Boden zusammen. Sein Körper krampfte.

„Cai!“, rief Jason und rannte zu dem auf dem Boden liegenden Vampir und kniete sich neben ihn. „Cai, was hast du?“, fragte er panisch und versuchte ihn festzuhalten und an sich zu ziehen. Er sah sich um, als er Schritte hörte, die auf ihn zu kamen, aber er konnte nichts sehen, weil sich der Gang mit Rauch füllte. Zwar arbeitete die Lüftung auf Hochtouren, kam aber gegen die Rauchmassen nicht an. Was war denn nur passiert und warum schrie Cai vor Schmerzen? Er wandelte sich in seine Zwischenform, denn so konnte er Cai besser beschützen, wenn es nötig war. Er fixierte den Qualm in der Richtung, aus der die Explosion erfolgt war und wollte sehen, was sich dort tat. Doch das erste, was er sah, war ein riesiger Leopard, der sich durch die Gänge bewegte wie ein Taifun. Er hatte noch nicht einmal Augen für den schreienden Vampir. Er stieß absichtlich gegen den Kater, der vor dem schreienden Mann stand, um ihm klar zu machen, dass sie noch nicht fertig waren, doch sein erster Weg ging zu Ranu. Kaum dass er im Gehege war, rieb er seinen Kopf an dem seines Jungen und leckte ihm beruhigend das Fell, während er sanft schnurrte.

„Sein Vater“, murmelte Jason und sah zu, wie Vater und Sohn sich begrüßten. So sehr er sich auch für Ranu, den er wirklich ins Herz geschlossen hatte, freute, umso mehr fürchtete er sich vor dessen Vater. Der Leopard würde Cai töten, wenn er die Gelegenheit dazu bekam, denn der hatte sein Junges entführt. Es war ein aussichtsloses Unterfangen, sich ihm in den Weg stellen zu wollen, aber Jason musste es trotzdem tun. Er konnte nicht einfach zulassen, dass Cai getötet wurde.

Doch noch ehe der Leopard auf die Idee kommen konnte, sich den Entführer seines Kindes zu greifen, erschien etwas im nebligen Rauch, was Jason noch nicht gesehen hatte. Er kannte Werwesen, meistens Katzen, ein paar Wölfe und Bären. Doch etwas wie diesen Schlangenmenschen hatte er noch nie gesehen. Doch er wich nicht zurück, auch wenn ihn der Mann fixierte. Er schien nicht allein gekommen zu sein, denn er sprach ruhig Befehle ins Headset, während er auf Cai zukam.

„Geh, du bist frei, Katze. Cai Meng Long allerdings gehört mir. Sei so schlau und stell dich mir nicht in den Weg.“

„Nein!“ Jason schüttelte den Kopf und versuchte Cai vor dem Fremden abzuschirmen. Er spannte sich an und machte sich bereit, sich auf dieses Schlangenwesen zu stürzen, wenn es nötig sein sollte. „Ich lasse nicht zu, dass du ihm etwas tust. Bitte nehmt alle mit und geht wieder.“

Lazar blieb stehen und versuchte zu verstehen, was gerade passierte. Mit verschränkten Armen blickte er auf die Katze und den sich immer noch windenden Vampir. Er hatte Cai fest im Griff. Er hätte nicht damit gerechnet, dass es so einfach werden würde, doch sie hatten die Überraschung auf ihrer Seite gehabt. Deswegen was es ihm gelungen in Cais Geist zu tauchen, ehe der Vampir die Mauern hätte bauen können. Nun ließ Lazar die Griffe etwas lockerer, damit er mit Cai reden konnte. Denn er wollte einiges wissen. „Ich persönlich werde gar nichts mitnehmen. Caleb wird seine Familie mit sich nehmen, die Gefangenen werden heimkehren und ich werde dafür sorgen, dass dies hier niemals wieder passieren kann. Also geh, Katze. Ich sage es nicht noch einmal.

Jason schüttelte stur den Kopf. „Ich werde nicht gehen. Bringt alle anderen hier weg, ganz besonders Ranu. Er sollte nicht hier sein.“ Jason wollte noch etwas sagen, aber als er Cai stöhnen hörte, kniete er neben ihm und zog ihn in seine Arme. „Cai“, flüsterte er erstickt und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht. Was sollte er nur machen? Sie durften ihn nicht töten.

Nur langsam tauchte Cai aus dem Schwarz wieder auf, der ihn umgab. Noch immer hatten ihn unsägliche Schmerzen in ihrem Klammergriff, doch er begann langsam wieder aufzutauchen. Warum spürte er Schmerzen? Seit wann spürte er Schmerzen? Er sah neben sich und erblickte Jason. Der Kater hatte doch gehen wollen, was tat er noch hier? „Geh“, flüsterte er und musste sich über den dünnen Klang einer Stimme wundern. Er hatte keine Kraft. Was konnte ihn derart lähmen?

„Ich“, beantwortete ihm Lazar seine Frage. „Ich kann dich derart lähmen und ich werde es auch weiterhin tun.“

Cai drehte den Kopf, dabei fiel sein Blick auf einen seiner Finger. Eine winzige Wunde, doch sie blutete und schloss sich nicht. Er war verwirrt und der hämmernde Schmerz machte es nicht leichter zu verstehen. „Wer bist du?“

„Ich bin Lazar, Anführer der Naga, und ich bin hier, um dir Einhalt zu gebieten und dich zu bestrafen.“ Der Naga sah verächtlich auf den Vampir zu seinen Füßen.

„Bitte hör auf ihn zu quälen“, flehte Jason und umfing den immer noch zitternden Leib fester. Dieses Schlangenwesen musste sehr mächtig sein, wenn er Cai nur mit seinem Geist so dermaßen außer Gefecht setzen konnte. „Er hat Fehler gemacht, das stimmt, aber er ist nicht schlecht. Er hat alle hier gut behandelt.“

„Halte dich bitte hier raus, sonst sehe ich mich gezwungen, dich entfernen zu lassen“, sagte Lazar und blickte auf den Kater, der immer noch neben Cai kniete und ihn fest an sich drückte. Ein Bild, was ihm irgendwie bekannt vorkam. Kurz sah er sich zu Caleb um und lächelte. Der Leopard war damals auch nicht anders gewesen.

„Jason, tu was er sagt verdammt, geh!“, knurrte Cai, starrte aber immer noch auf die blutende Wunde. Er begriff nicht, was vor sich ging. Warum schloss sie sich nicht? Warum spürte er Schmerzen und warum war er so schwach?

„Weil du jetzt menschlich bist, Cai.“

„Was?“, rief Jason und sein Kopf ruckte hoch. Er hatte Cai eigentlich sagen wollen, dass er nicht vorhatte zu gehen, aber jetzt starrte er Lazar an, dann sah er auf Cai, der völlig erstarrt wirkte. „Was meinst du damit?“, fragte er und als er keine Antwort bekam noch einmal lauter. „Was meinst du damit? Was hat das zu bedeuten?“

„Das bedeutet, dass ich seinem Geist und seinem Körper die Unsterblichkeit genommen habe. Das ist die Strafe, wenn man sich über die Mitmenschen erhöht. Cai hat sich unserem Radar entzogen, was allein noch nicht strafbar war. Doch was er hier getan hat und was er den Wesen in den Gehegen angetan hat, ist nicht zu entschuldigen – in keinster Weise.“ Lazar ließ sich nicht beeindrucken, auch nicht von Cai, der ihn stumm und fassungslos anblickte.

„Menschlich?“ brachte er fast tonlos hervor. „Sterblich?“ Er sah auf die Wunde an seinem Finger – noch immer blutete sie. Nur allmählich und durch den Dunst der Schmerzen begriff er – sein Leben war endlich geworden. Regentropfen konnten ihn erschlagen, eine Mücke mit einem infizierten Stich töten. „Nein“, flüsterte er tonlos.

Jason sah den Naga fassungslos an und versuchte zu verstehen, was das bedeutete. Cai war sterblich und wurde all seiner Kräfte beraubt. „Das ist doch grausam“, murmelte er erschüttert und zog Cai etwas näher zu sich, denn der Vampir drohte ihm zu entgleiten. „So ist er doch völlig schutzlos. Das könnt ihr doch nicht machen. Ihr wisst doch, wie Vampire sind. Sie stürzen sich auf jeden, der Schwäche zeigt.“

Cai versuchte noch immer zu verstehen. Wie paralysiert blickte er auf seinen blutenden Finger. Die Wunde hatte zwar aufgehört zu bluten, doch sie war noch da. Er kam nicht dazu, sich weiter in seinem wirren Geist zu verirren, da würde er plötzlich Jason entrissen und mit einer kräftigen Hand um seine Kehle wurde er nach oben gerissen. Unwirsch blickte er in Calebs Augen, der ihn wütend anstarrte. Er hatte bemerkt, dass sein Junge sich nicht mehr wandeln konnte – und dem Leoparden war klar, dass er das diesem Bastard zu verdanken hatte. Mit all seiner Wut drückte er den Mann gegen die Wand, dass die Knochen fast brachen. Lazar konnte ihn gerade noch davon abhalten, Cai umzubringen. „Mach es rückgängig!“, knurrte der Leopard bedrohlich leise.

„Nein, lass ihn los“, schrie Jason voller Panik. Er riss an Calebs Arm, konnte aber nichts erreichen. Der Leopard kam noch nicht einmal ins Straucheln, auch als Jason mit aller Kraft zog. „In ungefähr zwei Wochen kann Ranu sich wieder wandeln, dann lässt das Serum nach“, rief er voller Panik. „Bitte lass ihn los.“ Cai hing in Calebs Griff und sein Gesicht färbte sich langsam blau, weil er nicht atmen konnte.

Caleb regte sich nicht, nur eine seiner Brauen hob sich langsam und seine Augen drehten sich so, dass er Jason gerade so sehen konnte. Er schien nachzudenken. „Und ich sollte dir aus genau welchem Grund glauben, so wie du dich gerade für diesen Bastard einsetzt?“, wollte Caleb wissen, während er über das Headset gerade die Information bekam, dass man Aset und Assai gefunden hatte. Der Leopard atmete erleichtert auf, doch von seinem Opfer ließ er nicht ab. Dieser Mistkerl hatte eine Menge Leid über seine Familie gebracht.

„Weil ich das Serum schon selber bekommen habe.“ Jason fröstelte unter dem kalten Blick mit dem ihn der Leopard bedachte. „Ich weiß, dass das nicht leicht zu verstehen ist, aber Cai sammelt seltene Katzen und er achtet auf sie. Wir waren zwar hier gefangen, aber er hat alle gut behandelt.“

Damit allerdings hatte Jason Calebs Interesse wieder verloren. Der Kerl war doch nicht objektiv! Wie konnte man behaupten gut behandelt worden zu sein, wenn man gegen seinen Willen entführt und festgehalten wurde, mit einem Serum vollgepumpt, das einen in die Tierform zwang.

„Lügt er?“, wollte er also von Lazar wissen, der dafür sorgte, dass Caleb Cai nicht tötete. Er sollte bestraft werden – aber nicht mit dem Tode.

„Nein“, war die prompte Antwort des Naga und Lazar grinste kurz. Caleb schien gar nicht zu bemerken, wie sehr Jason ihm selber ähnelte, als Aset vor vielen Jahren menschlich war. Der Leopard hatte für ihn gekämpft und ihn beschützt, genau wie Jason es jetzt für Cai tat. „Es stimmt, Cai hat die Katzen gesammelt, um sich an ihnen zu erfreuen und hat sie mit allem versorgt, was sie benötigen.“

„Mir egal“, knurrte der Leopard und entwickelte eine Art makabre Freude daran, wie das Gesicht des Vampirs sich in den verschiedenen Schattierungen von Rot färbte. Er ließ erst von seinem Opfer ab, als ihm etwas wütend knurrend gegen das Bein schlug. Verwirrt blickte der Leopard an sich hinab, da saß Ranu. Er mochte seinen Vater so nicht sehen – egal, was der fremde Mann gemacht hatte, so wie jetzt wollte der junge Leopard seinen Vater nicht sehen. Und Caleb verstand. Er löste den Griff und ließ Cai somit zu Boden gehen, während er sich selbst zu seinem Jungen runter beugte.

Bevor Cai auf den Boden fiel, fing Jason ihn auf und setzte sich vorsichtig mit ihm auf den Boden. Cai jappste nach Luft und der Puma sah ihn besorgt an. „Langsam und gleichmäßig atmen, Schatz. Gleich wird es besser“, murmelte er leise. Er ließ Cai nur kurz aus den Augen, um Ranu anzulächeln. „Danke“, formten seine Lippen, auch wenn er wusste, dass der junge Leopard es nicht für ihn und Cai gemacht hatte. Das merkte man als er sich gleich wieder an seinen Vater schmiegte und sich kraulen ließ. Der junge Leopard wirkte aufgeregt und während Lazar Caleb ein Hemd reichte, damit er sich notdürftig bedecken konnte, suchte er den Kontakt zu seinen Leuten. Dann fiel sein Blick auf Cai. „Steh auf, Cai Meng Long und folge mir. Versuch nicht zu fliehen.“ Lazar wollte sich mit seinen Männern in Asets Quartier treffen. Luan und Tian hatte man ebenfalls befreit. Um die übrigen Gefangenen würde man sich kümmern, sobald Aset mit seiner Familie die Insel verlassen hatte und etwas Ruhe eingekehrt war.

Cai versuchte sich von Jason zu lösen und an der Wand Halt zu finden, als er sich schwer atmend und unter Schmerzen aufrichtete. Er fühlte sich kraftlos, erschreckend kraftlos.

Jason war versucht, Cai gleich wieder zu helfen, aber er wusste, dass das im Moment keine gute Idee war. Darum gab er nur kleine Hilfestellungen, als Cai sich aufrichtete. Der ehemalige Vampir war in seinen Grundfesten erschüttert und das letzte, was er jetzt brauchte, war eine übereifrige Katze. Eine Katze, die er nicht bei sich haben wollte, aber trotzdem konnte er ihn nicht einfach mit dem Naga gehen lassen. „Ich komme mit.“

„Das glaube ich nicht“, sagte Lazar und auch Cai nickte zustimmend, wenn auch unmerklich. „Pack… deine Sachen, Jason. Geh“, keuchte Cai. Er hatte mit sich selbst genug zu tun. Er könnte Jason nicht mehr beschützen und je weiter weg der Kater vom Ort des Geschehens war, umso besser. Caleb und Ranu waren schon den Gang entlang gelaufen, doch da blieb der junge Leopard stehen. Er sah wie enttäuscht Jason war und da er der einzige war, der sich liebevoll um ihn gekümmert hatte, kam er zurück zu Lazar und setzte sich mit großen bittenden Augen vor den Naga, während Caleb leise knurrte. Was wurde das denn jetzt?

Lazar hob beide Augenbrauen, als Ranu jetzt auch noch Jason mit einer Pfote näher zu dem Naga schob. „Du bist der Meinung, dass er mitkommen sollte, Ranu?“, fragte Lazar und der Leopard nickte. „Warum“, war die neugierige Frage und Ranu tippte sich mit der Pfote an den Kopf. Wozu konnte der Naga Gedanken lesen? Ging doch viel besser. >>Er macht sich Sorgen um ihn und er hat ihn sehr gern<<, sandte er der großen Schlange. Lazar nickte, dass er verstanden hatte, doch eigentlich war das für ihn noch kein Argument.

>>Er war nett zu mir, jetzt möchte ich gern nett zu ihm sein. Er ist allein und hat Angst. Nehmen wir ihn mit. Er ist doch nicht gefährlich<<, erklärte der kleine Leopard also eindringlicher und Caleb beobachtete, dass etwas zwischen den beiden vor ging, doch er wusste nicht was.

„Können wir, ich will zu Aset – jetzt!“

Der Leopard wirkte knurrig, darum nickte der Naga und sah Jason an. „Du kommst mit und stützt ihn, wenn nötig.“ Der Puma nickte nur und vermied es Cai anzusehen. Er wollte die Missbilligung nicht sehen. „Können wir dann jetzt?“, knurrte Caleb und lief schon mal los. Er war es leid zu warten. Er lief instinktiv einen Gang hinunter und wurde immer schneller, als er sich sicher war, dass er Aset gerochen hatte. Zum Schluss rannte Caleb den Flur zum letzten Zimmer hin und es war ihm egal, ob der Mistkerl Cai hinterher kam oder nicht. Ihm war es sowieso lieber, wenn er den Mann so wenig wie nur möglich in seiner Nähe hatte, sonst würde er ihn wohl endgültig töten.

Cai hatte Mühe sich auf den Beinen zu halten. Noch immer fiel ihm das Atmen schwer und er fühlte sich so erniedrigt, da er sich auf Jason stützen musste, dass er es vorzog mit zusammengebissenen Zähnen vor sich hin zu starren.

Jason sah immer wieder zu Cai und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber er schloss ihn immer wieder, ohne dass Worte seinen Mund verließen. Was sollte er auch sagen? Dass alles wieder gut würde? Dass Jason ihn beschützen würde? All das wollte Cai bestimmt nicht hören. Jason konnte nur erahnen, wie Cai sich fühlte und so schwieg er, gab dem Mann Halt, wenn er ihn brauchte. Jason zuckte zusammen, als er Calebs laute Stimme hörte: „Schatz, was ist mit dir?“

Der Leopard lief auf das Bett zu, in dem Aset immer noch lag. Neben ihm stand ein Infusionsständer. Doch mit einem schnellen Blick bemerkte der Kater, dass sein Gatte damit nicht verbunden war. Hastig kam er auf das Bett zu. Die beiden Nagas machten ihm eilig Platz.

„Caleb!“ Aset setzte sich auf und fing seinen Mann auf, der sich in seine Arme stürzte. „Mytsereu“, murmelte er leise und küsste dem Leoparden über das Gesicht. „Was ist mit Ranu und den anderen? Geht es ihnen gut?“ fragte er zwischen den Küssen. Er war noch schwach, aber seit die Infusion entfernt worden war, baute sein Körper das Serum ab.

„Ranu!“, rief Caleb, doch er ließ von seinem Mann nicht ab. Er kletterte zu ihm aufs Bett, um Aset besser umfangen und halten zu können, lachte leise, als Ranu sich plötzlich ebenfalls aufs Bett wagte und sich zwischen sie drängte. „Lazars Männer haben die anderen gefunden. Luan und Tian sind bei Assai. Was ist das für eine Infusion und warum umarmst du mich nicht fester?“

Aset versuchte seinen Mann und seinen Sohn gleichzeitig zu umfangen und vergrub kurz sein Gesicht in dem weichen Fell. „Mein Kleiner“, murmelte er leise und erst jetzt wusste er, dass der Alptraum vorbei war. „Ich versuche es, mein Herz. Ich kann dich noch nicht so fest umarmen, wie sonst. In der Infusion war ein Mittel, dass meine Kräfte lahm gelegt hat, aber das ist hoffentlich bald vorbei.“ 

„Noch so ein Serum, was hat dieser Wahnsinnige hier eigentlich getrieben“, knurrte Caleb und wandte sich zur Tür um, als er Cai und Jason eintreten hörte.

„Setz ihn dort drüben hin“, sagte Lazar zu Jason, der nickte und Cai auf einen der Stühle dirigierte. Cai blickte nicht auf, alles, was er wollte, war seine Ruhe, den Schmerz abklingen lassen und hoffen, dass der Alptraum vorbei war, wenn er endlich wieder zu sich kam. So fühlten sich Menschen? So kraftlos und voller Schmerz? Wie hielten die das ihr Leben lang aus?

Jason ließ Caleb nicht aus den Augen. Der Leopard war wütend und die Blicke, mit denen er Cai bedachte, ließen ihn nichts Gutes ahnen. Er konnte ihn sogar verstehen, denn wenn jemand seiner Familie das angetan hätte, würde er nicht anders reagieren. Er sah Cai an und hob die Hand, um ihn den Pony aus dem Gesicht zu schieben, aber er ließ die Hand wieder sinken, denn Cai wäre das bestimmt nicht recht. Der saß nur auf seinem Stuhl und starrte vor sich auf den Boden. Er versuchte immer noch, zu verstehen wie es möglich war, dass allein ein einziger Naga seinen Körper sterblich machen konnte ohne ihn anzugreifen, zu berühren oder ihm etwas einzuflößen. Wie mächtig waren diese Bastarde? Das erste Mal seit langem verspürte Cai wieder Angst, unbändige Angst darüber nicht zu wissen, ob sein Leben enden würde.

„Und jetzt?“, bellte Caleb, dem das hier alles zu langsam ging. Er wollte den Bastard bestraft wissen und anschließend seine Familie greifen und verschwinden – am besten alles in den nächsten drei Minuten.

Lazar zuckte ein wenig zusammen und sah Caleb an. „Wir werden diese Insel verlassen und alle die hier gefangen gehalten wurden, werden ihren Familien zurück gegeben. Die Hubschrauber warten draußen, um uns nach Hongkong zu fliegen.“

„Und der da?“ Angewidert nickte Caleb in Richtung Cais, der abwesend und zusammengesunken auf seinem Stuhl saß. „Ich will wissen, was er den Katzen gegeben hat, ich will wissen, was da in dem Tropf war und ich will wissen, was mit ihm geschehen wird.“ Caleb wollte es endlich wissen. Er wollte wissen, warum sein Junge in seiner Tierform fest steckte und warum sein Mann – einer der stärksten Vampire – ihn kaum festhalten konnte. Was war das für ein kranker Kerl und was hatte der noch auf Lager?

„Er ist sterblich und menschlich.“ Es war Lazars Stimme anzuhören, dass das für ihn als Strafe angemessen war. „Die Formel für die beiden Seren sind in seiner Datenbank und wir werden es analysieren. Jason hat die Wahrheit gesagt. Das Serum baut sich mit der Zeit ab, genauso wie bei Aset. Bei deinem Mann geht es nur schneller, durch seine bessere Selbstheilung.“

„Das war’s? Menschlich und gut? Er darf all seinen Besitz behalten? Seine Firmen? Sein Geld? Damit er in ein paar Jahren wieder auf die Idee kommt, da ….“

„Caleb, glaube mir, es ist eine ausreichende Strafe als Vampir sterblich zu sein“, sagte nun Aset, der seinen Jungen fest im Arm hatte und Ranu beruhigend kraulte. Caleb sah sich langsam und fragend zu ihm um. „Bitte?“

„Glaube mir. Es ist eine Strafe wie sie nicht schlimmer für ihn sein könnte. Er lebt seit fast fünftausend Jahren, immer in dem Bewusstsein, dass ihm so gut wie nichts etwas anhaben kann.“ Aset streckte seine Hand nach Caleb aus und zog ihn neben sich. „Er kann jede Sekunde spüren wie sein Körper verfällt, wie er altert. Ich weiß, wie er sich fühlt, denn ich bin daran selber fast zerbrochen.“ Er küsste Caleb und lächelte. „Und er hat keinen Ehemann, der das nicht zulässt.“

„Aber er hat mich“, murmelte Jason leise, wagte aber nicht Cai oder einen der anderen anzusehen. Doch auch wenn der Puma nicht damit gerechnet hätte, Cai hatte ihn sehr wohl verstanden. „Geh, Jason. In meiner Gegenwart wirst du nicht sicher sein. Lass dich mit den anderen evakuieren“, erklärte er mit so fester Stimme, wie es ihm im Augenblick möglich war. Asets Beschreibung dessen, was passieren würde, machte ihm Angst. Er würde nicht die Kraft haben, auch noch auf Jason aufzupassen.

Jason schüttelte den Kopf. „Nein, Cai, ich werde nicht gehen und ich lass dich ganz bestimmt nicht allein.“ Er wirkte empört und sehr entschlossen. Niemand hier scherte sich darum, ob Cai diese Bestrafung überlebte. „Es ist mir egal, ob es bei dir sicher ist. Niemand wird dir etwas antun, denn ich werde das verhindern.“

Cai senkte den Kopf noch tiefer. Er hatte nicht die Kraft mit einem entschlossenen Jason zu diskutieren. Er war ihm als Vampir schon nicht gleich gekommen, jetzt wo er menschlich war, schien es ihm unmöglich. Also ignorierte er den Kater absichtlich und hoffte, dass er wütend wurde und sich doch noch um entschloss. „Lazar, sorge dafür, dass er zusammen mit den anderen in Sicherheit gebracht wird.“

„Das wirst du nicht.“ Jason funkelte den Naga unerschrocken an und schüttelte den Kopf. „Ich werde hier bleiben.“ Er griff Cais Hand und funkelte Lazar an. „Erinnert er dich an jemanden?“, gluckste Aset und stupste seinen Mann mit der Schulter an. „Ich glaub, ich hab ein Déjà-vu.“

„Ich weiß nicht, wovon du redest“, knurrte Caleb, während Cai hilfesuchend zu Lazar blickte. Er war doch schon gestraft genug. Musste man ihn dann auch noch allein mit Jason lassen – in seinem aktuellen Zustand? Vielleicht in ein paar Wochen, wenn er sich mit seinem Schicksal abgefunden hatte, aber doch nicht jetzt. Er hatte genug mit sich selbst zu tun.

Lazar blickte auf die Katze und den ehemaligen Vampir. „Nimm ihn mit“, flüsterte Cai, beließ seine Hand aber in Jasons, es fühlte sich gut an, ein bisschen weniger einsam.

Jason schüttelte nur den Kopf und schob angriffslustig das Kinn vor. „Nein“, sagte er nur und strich mit seinem Daumen über Cais Hand. „Ich bleibe bei ihm und werde ihn von hier weg bringen, dort wo er erst einmal in Sicherheit ist. Nehmt alle anderen mit. Wir kommen zurecht.“

„Katze“, zischte Cai, doch da mischte sich Aset ein, der die Beine aus dem Bett schwang und sich langsam erhob. Er stand noch etwas wacklig, doch er stand. So konnte er auf Cai hinab sehen. „Werde erwachsen, Mutu. Es ist viel Wasser den Nil hinab gelaufen. Mach deinen Frieden und lass die Katze dir dabei helfen. Es hat keinen Sinn sich gegen sie zu wehren, sie sind stur und machen sowieso, was sie wollen.“ Dabei sah er seinen Gatten an, der empört Luft holte.

„Habe ich was Falsches gesagt?“, fragte er unschuldig und küsste seinen Gatten. Dabei hakte er sich bei Caleb ein. Er wollte hier weg und er wollte sich nicht die Blöße geben, durch die Gegend zu torkeln.

„Endlich mal einer, der es begriffen hat“, lachte Jason leise, aber nur kurz, dann sah er ernst zu Cai. „Bitte, lass mich dir helfen.“

„Das hat keinen Sinn. Du wirst jetzt kein ja von ihm bekommen. Einfach bleiben, was will er schon groß machen?“ Caleb stützte seinen Gatten und nickte Ranu zu ihnen zu folgen. Er wollte das Zimmer verlassen und nach Assai und den Nebelpardern sehen. Cai hingegen blickte Jason an, zuckte die Schultern. „Du hast noch nie meine Erlaubnis gebraucht und hast gemacht was du willst. Warum ist es dir jetzt so wichtig?“

„Na ja“, Jason senkte den Blick und sah auf ihre verbundenen Hände. Er wirkte verlegen, als er nach den richtigen Worten suchte. „Du bist nicht mehr unkaputtbar“, sagte er schließlich und sah Cai gleich entschuldigend an. „Ich will damit sagen, dass ich dich nicht mehr überrollen kann, wie ein Bulldozer, um meinen Kopf durchzusetzen. Dass ich stur bin, hast du ja wohl schon gemerkt, aber ich wollte schon seit einer Weile nicht mehr hier weg, weil du hier warst. Du hast mich manchmal zur Weißglut getrieben, aber trotzdem wollte ich bei dir bleiben.“

Cai sah den Kater nur fassungslos an. Er ignorierte auch Calebs sarkastisches „Na wie rührend, kommt – wir gehen“ Er sah Jason an und versuchte zu verstehen. „Ja, du bist stur und ich bin dir im Augenblick nicht gewachsen. Als ich dir sagte, du sollst gehen, da hast du mich auch ignoriert, Jason. Und jetzt habe ich noch nicht einmal die Kraft auf mich selbst aufzupassen. Ich kann dich nicht beschützen. Also geh lieber, das macht mir weniger Sorgen.“ Er senkte wieder den Kopf. Es irritierte ihn, dass er Aset und seine Leute nicht hören konnte, dabei waren sie doch nur ein Zimmer weiter. Er fühlte sich taub und blind.

„Du musst mich nicht beschützen, Cai.“ Jason hob ihre verbundenen Hände an und küsste Cais Knöchel. „Ich weiß, dass du mich nicht bei dir haben willst, aber wie du schon sagtest, du kannst im Moment nicht einmal auf dich selbst aufpassen. Lass mich das übernehmen. Ich verspreche auch, dass ich dich nur ein wenig nerven werden.“

„Du kannst nicht nur ein wenig nerven, das liegt nicht in deiner Natur“, erklärte Cai, grinste dann aber für ein paar Augenblicke, denn er hatte das nicht so hart gemeint, wie es geklungen hatte. Er begriff, dass es keinen Sinn haben würde, sich weiter gegen Jason zu wehren. Der wich ihm nicht von der Seite, und so schwieg Cai.

Lazar dirigierte derweil über sein Headset seine Leute. Sie hatten die Listen von Chao bekommen, wo welches Werwesen her geholt worden war. Die Rückführung wurde vorbereitet, doch erst einmal brachte man sie von der Insel fort. Hubschrauber landeten und starteten. Ebenso wurden die Tiere ausgeflogen. Cai suchte mit den Augen eine Uhr. Er hatte das Zeitgefühl völlig verloren.

Jason lachte leise und bedrängte Cai nicht weiter. Sie hatten im Moment einen Waffenstillstand und das reichte ihm. Das war mehr, als sie die letzten Wochen hatten. Er konnte sich vorstellen, wie schwer es für ihn sein musste, mitzubekommen, wie alle seine Schätze von der Insel gebracht wurden. Er hing an ihnen, an jedem einzelnen.

 

+++

 

„Ich bin so froh!“ Caleb saß derweil auf Assais Bett und strich Tian und Luan durch das Fell. „Der eine Puma hat gesagt, dass das nicht mehr sehr lange andauern wird. Die Wirkung ist meist zwei bis drei Wochen, je nach Physiologie der Katze.“ Ranu ließ sich von Aset beschmusen und Assai kam auch langsam wieder auf die Beine. Er fühlte sich noch etwas erschlagen, so wie Aset auch, doch sie waren sich sicher, dass sich das mit der Zeit geben würde.

„Was passiert eigentlich mit dem Mistkerl?“, wollte Assai wissen, als er Tian fest an sich zog und Luan zwischen den Ohren kraulte.

„Darum kümmert sich Lazar“, sagte Aset schnell, bevor Caleb sich wieder aufregen konnte. „Er hat ihn menschlich gemacht.“ Er hatte einen Arm um seinen Kater geschlungen und küsste ihn in den Nacken. „Lasst uns von hier verschwinden. Ich will dieses Loch hinter mir lassen.“ Seine Familie war erst in Sicherheit, wenn sie von der Insel runter waren.

>>Lazar<<, suchte Caleb mental Zugang zu dem Naga und spürte sogleich die Präsenz in seinem Geist. >>Kann uns eine Maschine aufs Festland bringen? Von dort aus kommen wir selber klar<< Und der Naga nickte. >>Die Evakuierungen sind bereits abgeschlossen – alle Gehege sind leer. Die Helikopter werden euch und mich an Land bringen<<

Caleb wunderte sich zwar, dass kein Wort über Cai Meng Long gefallen war, doch eigentlich war es ihm auch egal.

>>Danke<< „So, die Helis warten. Lasst uns einen Weg nach oben suchen und verschwinden. Ich muss daheim anrufen und Entwarnung geben.“ Caleb entspannte sich langsam, als er Aset an sich zog und Ranu ihnen voraus lief.

„Ja, das sollten wir unbedingt machen. Sie müssen wissen, dass es allen gut geht.“ Einer der Nagasoldaten schloss sich ihnen an und zeigte ihnen den Weg zu den Hubschraubern. Sie konnten die Kisten sehen, in denen die Tiere von der Insel gebracht werden sollten und in großen Transporthubschraubern verladen wurden. „Die sind echt gut organisiert“, sagte Aset anerkennend, als er sich in seinen Sitz setzte. Er nahm Ranu auf den Schoß und sah aus dem Fenster, während sie abhoben. Mit ihnen zusammen starteten auch alle anderen Helicopter und machten sich auf den Weg zum Festland. Alles verlief reibungslos, bis eine gewaltige Explosion zu hören war und eine heftige Druckwelle die Gefährte traf. „Was...?“, rief Aset und drehte sich nach hinten, dort sah er einen riesigen Feuerball über der Insel, der erahnen ließ, dass die unterirdische Anlage nicht mehr existierte.

 

+++

 

„Hey!“ Cai knurrte missmutig. Er war noch müde und seit er menschlich war, hatte er sich zu einem regelrechten Morgenmuffel entwickelt. Nicht dass sich seine Mitbewohner daran stören würden, außer dass er Jason kichern hörte und Ai Long anstachelte weiter zu machen. Und der weiße Kater, eine sibirische Waldkatze von außergewöhnlicher Größe mit langem gepflegtem Fell, schwänzelte weiter über Cais Füße, der sehr kitzlig war. Er fand mit jedem Tag mehr Nachteile für seine Menschlichkeit doch er hatte sich langsam daran gewöhnt.

Doch auch heute, nach drei Monaten erinnerte er sich noch jeden Tag an den Tag zurück, als sein Leben Vergangenheit geworden war. An diesem Tag war Cai Meng Long gestorben – offiziell umgekommen bei der Explosion seines Labors auf einer seiner privaten Inseln. Es war Lazars Geschenk gewesen, um Cai davor zu schützen, von seinen Gegnern gejagt und getötet zu werden.

„Frühstück ist fertig, Schatz“, schnurrte Jason in Cais Ohr und schmiegte sich in seiner Zwischenform an Cais Rücken. Er knabberte sich über den Nacken vor ihm, während er Ai Long weiter Zeichen gab, sein weiches Fell an empfindlichen Stellen einzusetzen, denn Cai war nicht nur an den Füßen kitzelig.

„Ey!“ Cai fing an sich zu winden. Er hatte es doch gewusst – der Übermacht dieser Katzen war er nicht gewachsen und manchmal waren die beiden furchtbarer als seine Strafe menschlich zu sein. „Will nicht, bin müde – muss schlafen“, knurrte er und versuchte die Decke über sich zu ziehen, doch da lag Jason sehr geschickt drauf und verhinderte das mit seinem Gewicht.

Cai strampelte mit den Füßen, doch Ai Long war trotz seiner Größe sehr beweglich und wich den unkoordiniert rudernden Füßen geschickt aus. Der Kater war ein Überbleibsel von Cais Sammlung. Er war Cai nicht von der Seite gewichen, kaum dass man das Gehege geöffnet hatte. So hatte man ihn nicht evakuieren können und Jason kurzerhand beschlossen, das Tier bei sich aufzunehmen – sehr zu Cais Leidwesen.

„Komm schon, Süßer. Draußen scheint die Sonne. Wir sollten aufs Meer raus fahren und ein paar Fische fangen.“ Jason war voller Tatendrang und er bemühte sich unentwegt Cai aus seinem Schneckenhaus zu holen, in das er sich zurückgezogen hatte, seit sie in diesem Haus in Maine waren. Es lag auf einer Klippe und man hatte einen fantastischen Blick auf das Meer, das heute blau und ruhig lag. Ideal um rauszufahren. Sogar Ai Long liebte es auf dem Wasser zu sein und kam immer mit.

Er hatte sogar schon zweimal einen Fisch mit der Pfote gefangen, war viermal über Bord gegangen und einmal fast selbst Fischfutter geworden, doch das hielt ihn nicht davon ab. Schließlich durfte er nicht nur das fressen, was er fing, er bekam auch von Jason oft kleine Zuwendungen.

„Die Sonne kann mich mal am Arsch lecken. Soll wieder kommen, wenn ich wach bin“, knurrte Cai und versuchte nun unter sein Kissen zu kriechen. Was musste man denn tun, um endlich einmal ausschlafen zu können? Es war doch bestimmt noch nicht einmal elf Uhr!

„Wie wäre es, wenn ich den Part der Sonne übernehmen würde und du danach mit uns frühstückst?“ Jason lachte leise und glitt über Cai, so dass er ihm gegenüberlag und ebenfalls den Kopf unter das Kissen schob. „Ist das ein Angebot, Süßer? Ein kleines Verwöhnprogramm und ich sage Ai, dass er dich in Ruhe lassen soll.“

„Katze“, knurrte Cai und grinste schief. Der Sex mit Jason war immer noch berauschend, doch Cai war es nicht mehr möglich den Kater so auszulaugen, dass er für ein paar Stunden Ruhe gab. Er war Jason eindeutig unterlegen, wenn der nach ein paar Stunden schon wieder nur das eine im Kopf hatte. „Ich bin nur noch ein Mensch, meine Kraft ist endlich und meine Ausdauer beklagenswert. Schick Ai weg, bring Kaffee und dann verhandeln wir noch mal.“

„Ich liebe dich auch, Cai“, Jason sprang lachend auf und patschte seinem Schatz noch schnell auf den Hintern, bevor er die Decke wieder über ihn warf. „Komm Ai, lass ihn zufrieden, wir verhandeln gerade über mein Entspannungsprogramm. Ich habe auch was Leckeres für dich.“ Er nahm die große Katze hoch und schmuste mit der Wange über das weiche Fell. Für etwas zu essen, ließ der große Kater sogar sein Lieblingsspiel sein. Sehr zu Cais Glück.

„Wenn du mich lieben würdest, würdest du mich in Ruhe ausschlafen lassen“, knurrte Cai. Er wunderte sich selbst darüber, wie viel Schlaf sein Körper plötzlich haben wollte. Er musste sich an vieles erst gewöhnen. Auch daran, dass er jetzt mit einer Menge weniger Geld auskommen musste, doch es war immer noch mehr als er in einem Leben ausgeben konnte. Er wusste noch nicht, wann er zurück ins Arbeitsleben treten würde, doch noch war er nicht so weit. Noch versuchte er sein Leben in den Griff zu kriegen und immer, wenn er darüber nachdachte, sich die Klippe runter zu stürzen, war Jason da, der Cai zeigte warum es gut war, am Leben zu sein.

„Und den halben Tag vertrödeln? Das haben wir doch schon gestern gemacht?“, rief Jason aus der Küche. Das ihm das vertrödeln gestern durchaus viel Spaß gemacht hatte, musste er nicht erwähnen, dass wusste Cai, denn der war ja schließlich dabei gewesen. Zusammen mit ihm im Bett, den halben Tag. Mit zwei dampfenden Tassen kam er zu Cai und pustete den köstlichen Duft in seine Richtung. „So, ich habe Ai beschäftigt, damit er dich in Ruhe lässt und ich habe köstlichen, heißen Kaffee. Lass uns mit den Verhandlungen beginnen.“

Cai kroch ein wenig unter seinem Kissen vor, kam aber nur gerade so weit hoch, dass er den Pott heißen Kaffees, den Jason ihm in die tastende Hand gedrückt hatte, zu den Lippen führen konnte. Doch er trank nicht – er hatte die Erfahrung einmal gemacht und bitterlich bereut. Menschen waren ja so empfindlich. „Okay, was willst du haben – aber du hast nur einen Wunsch frei. Vögeln oder Fischen.“ Dabei grinste er dreckig.

„Ey, das ist nicht fair“, brummte Jason und ließ sich auf dem Boden neben dem Bett nieder. Er pustete in seine Tasse und fuhr sich mit den Fingern durch seine kurz geschnittenen Haare. So waren sie viel pflegeleichter und schneller trocken, wenn er mehrmals am Tag duschen musste. Er grinste dreckig, denn Cai wusste ganz genau, wie er ihn ködern konnte. „Ich möchte aber beides. Ginge nicht vögeln auf dem Boot?“

Cai verengte die Augen, stellte die Tasse aber auf der Matratze ab, während er das Kissen weiter auf den Rücken rutschen ließ. „So haben wir nicht gewettet, Miez. Entweder bleiben wir im Haus und machen Indoor-Aktivitäten oder wir gehen raus und machen Outdoor-Aktivitäten. Aber es wird hier nichts vermischt. Wo sind wir denn hier?“

„Cai, du bist so, so...“ Jason wedelte mit den Händen und zog einen Schmollmund. „Seit wann muss man denn Indoor- und Outdooraktivitäten trennen? Wir haben das doch schon oft vermischt und du hattest, wenn ich mich erinnern kann, da immer sehr viel Spaß dabei.“ Der Puma verschränkte seine Arme auf dem Bett und legte seinen Kopf darauf. „Schahatz, ich möchte mit dir fischen und vögeln und das zweite am liebsten die ganze Nacht lang.“

Cai lachte und streckte eine Hand aus, strich Jason damit durch die Haare, ehe er seine Hand in dessen Nacken liegen ließ. „Wenn du willst, dass ich dich die ganze Nacht bespaße, dann lass mich jetzt noch ein paar Stunden schlafen“, lachte er frech, weil er Jason damit garantiert noch einmal auf die Palme brachte. Und daran hatte Cai wirklich Spaß. Jason war hartnäckig, er gab nicht auf und ließ sich immer wieder etwas Neues einfallen. Auch Cai hatte nicht schlecht Lust, seinen Liebling auf dem Boot zu lieben – doch er würde den Teufel tun und ihr kleines Spiel jetzt schon abkürzen.

Jason schnurrte begeistert und kroch vorsichtig auf das Bett. Er stellte die Tasse auf den Nachttisch und schmuste sich an Cai. „Wie wäre es, ich verschaffe dir eine Turboentspannung und dann gehen wir nach draußen und fahren mit dem Boot raus?“ Der Puma wackelte mit den Augenbrauen und küsste seinen Schatz. „Bitte“, nuschelte er dabei.

„Hm“, knurrte Cai. Er spürte, dass er schon wieder dabei war, Jason nichts abschlagen zu können, doch so war das eben. Dieser Kater war sein Schicksal. Wahrscheinlich hatte alles genau passieren müssen, um heute hier zu sein. Sicher, es war nicht perfekt, schon gar nicht mit seiner Unzulänglichkeit menschlich zu sein, doch auf eine Art war er auch zufrieden.

„Wenn ich nach deiner Turbo-Entspannung wieder einschlafe, Miez, dann hast du dir das selber zuzuschreiben“, lachte er leise und küsste Jason. Er konnte ihm nicht widerstehen – das hatte er noch nie gekonnt.

„Das macht nichts. Wir legen uns dann zu dir und schlafen auch noch eine Runde. Es ist ja erst sieben Uhr “ Jason ließ sich begeistert küssen und schlang seine Arme und Beine um Cai, damit der ihm nicht das Fell über die Ohren ziehen konnte, wenn er begriffen hatte, wie früh es war. „Du weißt doch, nur die frühe Katze bekommt alles, was sie will“, lachte er und sah Cai in die Augen, der ihn finster anfunkelte, denn er mochte es gar nicht, wenn ihn diese verdammte Katze wieder reingelegt hatte. Jason zog seinen Morgenmuffel an sich und küsste ihn noch einmal. Das Leben war herrlich. „Ich liebe dich“, sagte er schlicht und zog Ai Long zu ihnen, der auf das Bett gesprungen war. Genau hier wollte er sein und nirgendwo anders, denn hier, da wo Cai war, war auch sein Zuhause und er hatte nicht vor, dies je wieder zu verlassen. 


Ende

Danke fürs Lesen ...