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... und dann kam Fritzi - Teil 1-3

… und dann kam Fritzi 

01 

„Chris!“ Lena drehte sich am Rahmen der Tür ungeduldig hin und her. „Du kannst das auch nachher fertig machen, jetzt kommen endlich!“ Ihre Stimme wurde eindringlicher und Christopher sah auf.

„Dann geh doch schon mal alleine in die Mensa. Ich mach das hier jetzt noch fertig“, entgegnete er gereizt und blickte noch nicht einmal von seinem Laptop auf. Er hatte das Büro an der Fakultät nicht bekommen, um warm und trocken zu sitzen. Er war hier, weil er zu seinem Studium zum Allgemeinmediziner, das er vor einem Jahr erfolgreich beendet hatte, noch eine Ausbildung als Unfallchirurg angeschlossen hatte und nebenbei als HiWi Studenten der unteren Jahrgänge betreute.

„Chris, jetzt komm endlich. Wenn wir noch mehr trödeln, dann ist Niko weg und ich kann ihn heute wieder nicht sehen.“

Genervt blickte Christopher auf.

„Geh schon mal ohne mich. Ich komme nach, wenn ich das hier fertig habe. Dauert nicht mehr lange und noch kürzer, wenn du mich nicht aufhältst.“ Er hatte die Augenbrauen zusammen gezogen, aber er guckte nicht so knurrig, wie er sich gerade anhörte. „Du wirst es doch wohl schaffen, Niko so lange zu beschäftigen, bis ich da bin.“ Manchmal verstand er Lena nicht. Sie hechelte dem Typen hinterher, dass es schon peinlich war, machte aber jedes Mal ein Riesending daraus, wenn sie sich mit ihm allein treffen sollte. Sollte das nicht umgekehrt sein?

„Was?“ Lena zuckte zusammen und stand stocksteif in der Tür. „Das kannst du nicht machen. Ich werde da ganz alleine sitzen und er hat wieder die beiden Trullas von der Kleintierabteilung dabei.“ Sie hörte sich ungeduldig an und kam in den Raum hinein. Das kleine Büro würdigte sie keines Blickes, das hatte sie noch nie getan. Oft schon hatte sich Christopher gefragt, warum seine Schwester eigentlich Medizin studierte.

Nun, studieren konnte man das, was sie tat, ja eigentlich auch gar nicht nennen. Sie genoss das Studentenleben, so lange ihr Stiefvater es bezahlte. Einmal mehr wurde Christopher klar, dass er mit dieser Person nicht genetisch verwandt war und das war auch gut so.

„Chris komm, bitte. Sonst …“ Sie holte tief Luft.

„Was sonst...?“, fragte er herausfordernd, wusste aber, dass sie wieder gewonnen hatte, denn seine Finger hatten schon begonnen, alles zu speichern und den PC runter zu fahren. Seufzend ließ er den Kopf hängen und verfluchte sich mal wieder innerlich, dass er sich doch immer wieder von ihr breitschlagen ließ. „Ich komm ja schon“, erklärte er lahm.

Zwar war es nett, mit Niko zu essen, aber Lena wollte er eigentlich nicht dabei haben, denn die versuchte alles, um Niko an sich zu reißen und wenn auch nur, dass sie ihn im Gespräch völlig in Beschlag nahm. Lena hatte sich den Doktoraten in den Kopf gesetzt, seit er das erste Mal zusammen mit den beiden Frauen aus der Kleintierabteilung in der gemeinsamen Mensa aufgetaucht war. Sie hatte ihren Stiefbruder vorgeschoben, sich zu ihnen an den Tisch zu setzen, nur um eine Brücke zu schlagen und seit dem musste sich Christopher ständig anhören, was für ein toller Mann der Tierarzt wäre, wie attraktiv und dass es nur eine Frage der Zeit wäre … bla, bla, bla. Er konnte es schon nicht mehr hören. Lena war wie eine Ente, die ständig laut quakte und davon flatterte, wenn es ernst wurde.

„… hatte ich mir so überlegt. Du hast doch nichts dagegen, oder?“

Christopher blickte auf und stutzte kurz. Wie war er ins Treppenhaus gekommen und warum sah Lena ihn schon wieder so wütend an?

„Äh...? Was...? Hab das nicht ganz mitbekommen“, nuschelte er schnell, denn Lena boxte einen schon mal gern auf den Arm, wenn sie sich nicht beachtet fühlte. Niko nicht, sondern nur ihren Stiefbruder. Da war es egal, ob der kaputt ging und seine Karriere an den Nagel hängen musste, weil man ihm den Oberarmknochen zertrümmert hatte. Er brachte sich also unauffällig aus ihrer Reichweite und schnappte sich ein Tablett, als sie die Mensa erreicht hatten.

Doch da war es schon zu spät.

Christopher bekam keine Antwort mehr denn Lena drehte ihren langen Schwanenhals in alle Richtungen, bis sie an einem der Tische das Objekt ihrer Begierde erblickte – tief im Gespräch mit Angelika.

„Stell dich nicht an der Schlange für die Currywurst an. Die ist viel zu lang. Dann sind sie weg, ehe wir am Tisch sind. Nimm das Tofu-Geschnetzelte, da stehen nur zwei!“ Und schob drückte sie Christopher ihr Tablett in den Rücken und trieb ihn in die Schlange für das vegetarische Tagesgericht.

„Das ist eklig“, begehrte Christopher gleich auf. Er hatte ja nichts gegen vegetarisches Essen, aber diese Tofu-Geschnetzelte, war einfach nicht sein Ding. Da konnte er auch gleich auf Gummi herumkauen. Allerdings schien Lena jetzt endgültig genug von seinem Wiederstand zu haben und hieb ihm einmal kräftig auf den Arm, so dass er bald sein Tablett fallen ließ.

„Geht`s noch?“, zischte er mit schmerzverzerrtem Gesicht und rieb sich über die malträtierte Stelle. Das gab doch bestimmt einen blauen Fleck.

„Jetzt stell dich nicht so an, verdammt noch mal. Ich habe dir eben gesagt, dass du Niko zu unserer Feier zum Semesterende einladen sollst. Wie willst du das denn machen, wenn er dann schon weg ist?“ Lena blickte immer wieder zu den dreien am Tisch, deren Teller sich langsam leerten. Sie konnte es gerade wirklich nicht gebrauchen, dass sich alle drei zu ihr umdrehten und dann die Köpfe zusammen steckten.

Was redeten die?

Redeten die über sie?

„Zweimal das Geschnetzelte für mich und meinen Bruder“, erklärte sie der jungen Frau an der Ausgabe, noch ehe Chris sich hätte sehnsuchtsvoll nach der Currywurst umwenden können. Sie mussten die Party planen, die Lena unbedingt geben wollte, um endlich an Niko ran zu kommen. In zwei Wochen waren Semesterferien und dann?

„Lad ihn doch selber ein. Ist doch deine Party. Ich hab eh nicht vor zu kommen“, muffelte Christopher, der seinen Teller entgegennahm und gleich noch zwei Puddingschälchen auf sein Tablett stellte. Er musste was essen und er würde von dieser Pampe ganz bestimmt nicht viel runter kriegen.

„Du willst zu einer Party in deiner eigenen Wohnung nicht kommen? Du bist ja ein Witzbold.“ Lean schüttelte den Kopf und griff sich noch ein Wasser, ehe sie zahlte und dafür sorgte, dass ihr trödelnder Bruder ihr auf dem Fuße folgte. Sie fühlte sich nicht wohl, so wie die beiden Begleitungen von Niko sie ansahen.

Christopher stöhnte lautlos.

Das hatte er ja gar nicht bedacht, dass Lena ja wie immer davon ausging, dass die Party bei ihm stattfand. War ja auch praktisch, weil man dann am nächsten Tag nicht selber aufräumen musste. War ja schließlich nicht ihre Wohnung und sie für das Putzen nicht zuständig. Leise, unverständliches vor sich hin brummelnd, ließ er sich neben Angelika auf den Stuhl fallen und nickte den dreien zur Begrüßung nur zu. Für ihn hatte der Tag sich gerade erledigt. Und der Blick auf seinen Teller machte es nicht einfacher. Also zog er lustlos eine der Puddingschalen zu sich heran.

„Hätte nicht gedacht, dass du der Veggie-Typ bist“, sagte Angelika und nickte ihm zu, als er gequält grinsend aufblickte. Neidisch fiel sein Blick auf den Rest Pommes und Currywurst, den Mila noch auf ihrem Teller hatte und lustlos hin und her schob.

„Isst du das noch?“, fragte er hoffnungsvoll und es war ihm wirklich völlig egal, dass er sich gerade ziemlich zum Affen machte. Aber selbst eine angegessene Currywurst war besser als Tofu-Geschnetzeltes.

„Häh ...?“ Mila sah ihn fragend an. „Du willst meine Reste?“, fragte sie und Christopher nickte.

„Ja bitte. Ich will dieses Tofuzeug nicht und ich habe es auch nicht freiwillig genommen. Bitte!!“ Er klimperte mit den Wimpern und bot Mila auch noch einen Pudding an.

„Hier, ich bin noch nicht weit gekommen, weil ich die ganze Zeit reden musste. Von Milas Resten wirst du ja nicht satt.“ Nikolai schob seinen Teller zu Christopher rüber und angelte sich dessen Tofu-Geschnetzeltes, noch ehe Mila aus ihrem Suppenkoma wieder erwacht war und reagieren konnte.

Womit er nicht gerechnet hatte, war Lena, die den Tierarzt quer über den Tisch anlächelte, ehe sie sich dessen Teller griff, welcher vor Christopher stand und der nicht schnell genug reagiert hatte. Und schon hatte ihr Bruder wieder leckeres Tofu-Geschnetzeltes vor sich stehen, während Angelika einen wissenden Blick mit Niko tauschte, der sehr viel Mitleid enthielt.

Aber da hatte Lena sich verrechnet, denn bei Currywurst kannte Christopher keine Verwandten und schon gar nicht eine nervende Stiefschwester. „Vielen Dank Niko“, schickte er schnell mit einem dankbaren Lächeln zu Niko, knurrte dann Lena an, die gerade anfangen wollte zu essen und griff sich schnell Lenas Teller und tauschte ihn gegen Nikos. „Das war für mich. Du wolltest diese eklige Zeug essen, also gib mir meine Currywurst.“

„Chis, lass das“, zischte sie und sah Christopher wütend an. Das hier war Nikos Teller – das musste er doch verstehen. Das war doch nicht zu viel verlangt, oder?

„Komm mach, Niko, iss deinen Schlabber. Der Berger wartet nicht gern auf uns.“ Angelika griff sich einen der jetzt unbeachteten Puddings, die noch bei Christopher standen und ließ ihn sich schmecken, während sie mit Genugtuung dabei zu sah, wie ihr Kollege – ein bekennender und leidenschaftlicher Fleischfresser – sich das erste Mal in seinem Leben Tofu runter quälte, weil er mal wieder verschlafen hatte und das Frühstück ausgefallen war und er jetzt Hunger hatte.

Das Geschnetzelte war das erste, was er heute in den Magen bekam und so legte sie ihm zwei Eurostücken auf den Tisch. Er wusste was das hieß: geh am Automaten Schokoriegel kaufen. Denn das war immer ihr stummes Zeichen dafür, dass er Zucker essen sollte, wenn er wieder ein Minenfeld für seine Umwelt war.

„Nun hetz ihn nich‘“, nuschelte Christopher zu Nikos Verteidigung denn der war heute sein Held. Schließlich hatte er ihn vor dem Verhungern gerettet. Lena ignorierte er einfach. Bei Currywurst war sich jeder selbst der Nächste. Das ging aber nur so lange gut, bis ihn ein fester Tritt am Schienbein traf und Lena ihm „Party“ zu zischte. Ergeben sah er die drei anderen am Tisch an. „Wir wollen eine Semesterende Party schmeißen. Habt ihr Lust zu kommen?“, fragte er also, konnte sich aber ums Verrecken nicht an das geplante Datum erinnern.

„Grundsätzlich ja. Wann habt ihr die denn geplant und wer wird noch alles kommen?“, fragte Mila, die nun ebenfalls den Fleischfresser bei seinen ersten vegetarischen Erfahrungen beobachtete und ihm mitleidig ihren Teller mit den Resten rüber schob. Doch Niko schüttelte nur den Kopf und aß tapfer weiter.

„Puh, da fragst du was“, sagte Christopher nur und Lena überspielte das gleich mit einem gekünstelten Lachen. Der Kerl war doch wirklich für gar nichts gut.

„Nächsten Freitag, es kommen noch welche aus meinen Seminaren“, erklärte sie gleich und sah, wie Angelika die Brauen hob und Blickkontakt mit Niko und Mila suchte. Das war augenscheinlich nicht die Antwort, die die Veterinärin hatte hören wollen. Ängstlich sah Lena Niko an, der würde doch nicht etwa einen Rückzieher machen? Doch der stocherte nur in seinem Essen herum, hatte aber die beiden Euromünzen schon in der Hand.

„Wahrscheinlich noch ein paar Jungs und Mädels von meinen Leuten“, warf Chris noch ein, der die Blicke der beiden Mädels gut deuten konnte. Lenas Leute waren alle um einiges jünger als Mila und Angelika und nicht so ihr Fall. Aber bei den Doktoranden waren durchaus ein paar interessantere Typen für die beiden Veterinärinnen dabei. Schließlich wollte Christopher auch was von der Party haben, wenn er sie schon ausrichten musste.

Lena verbiss sich eine bissige Bemerkung, als ihr auffiel, wie rege plötzlich das Interesse der Frauen wurde. Die Kröte musste sie schlucken, wenn sie einen ganzen Abend Niko in ihrer Wohnung haben wollte. Also lächelte sie und suchte immer wieder den Blickkontakt. Doch es war wie es immer war – Niko beachtete sie kaum und die beiden Damen in seiner Begleitung machten klar, dass sie glaubten, in einer anderen Liga zu spielen.

Doch Lenas Tag kam – und er kam nächsten Freitag. Dann würde sie den beiden Hühnern zeigen, wieviel Vamp in ihr steckte. Die Augen würden ihnen rausfallen und Niko gleich mit.

„Schmeckt’s dir?“, hatte sie Niko gefragt, ehe sie der Mut verließ. Wenigstens einmal am Tag wollte sie in die braunen Augen blicken. Das leise Brummen konnte man jetzt deuten wie man wollte. Niko tat Lena allerdings nicht den Gefallen sie anzusehen, denn sein Blick wanderte zu Christopher.

„Ich werde da sein“, sagte er lächelnd und schob den Teller von sich. Viel war nicht mehr drauf, aber das kriegte er nicht mehr runter.

„Ey, klasse“, freute sich Christopher und schlug Niko freundschaftlich auf die Schulter, denn der junge Veterinär war immer eine angenehme Gesellschaft, mit dem man sich prima unterhalten konnte.

„Aber bis dahin sehen wir uns sicherlich noch mal ab und an hier in der Mensa“, sagte Mila und hatte sich schon erhoben. Sie sah auf die Uhr und mahnte zum Aufbruch. So erhoben sich auch Angelika und Niko, rafften ihre Tabletts und verabschiedeten sich. „Man sieht sich“, sagte Niko noch unverfänglich, dann waren sie verschwunden und Christopher mit seiner Schwester allein am Tisch.

 

+++

 

„Mein Gott! Niko“, lachte Mila, als sie ihr Tablett in den Wagen geschoben hatte und zum Ausgang lief.

„Sag jetzt nichts, Mila, ich warne dich“, knurrte Niko, der ahnte, was jetzt kam. Doch er wollte es nicht hören. Er wusste, dass er gerade ziemlich dick aufgetragen hatte und es ihn wunderte, dass Chris immer noch nichts geschnallt hatte.

„Was soll ich nicht sagen?“, flötete Mila und grinste breit. „Dass du dir ganz umsonst, heroisch wie du nun mal bist, dieses eklige Zeug reingezwängt hast? Außer einem, wie ich zugeben muss, wirklich hinreißenden Lächeln hat es dir nichts gebracht. Wenn du den Typen wirklich willst, dann musst du es schon mit der Holzhammermethode versuchen und ihn bewusstlos in deine Höhle schleppen. Dort bindest du ihn am Bett fest und küsst ihn so lange, bis das kleine, süße Träumerle geschnallt hat, dass du was von ihm willst.“

Niko sah sie wütend an, grinste aber schief dabei, was seinem Gesicht nicht gerade den intelligentesten Ausdruck verlieh, den er machen konnte. „Das war mein Plan 219, den habe ich schon vor drei Wochen verworfen. Komm mit neuen Ideen oder hör auf, dich an meinem Elend zu weiden“, knurrte er und steckte die zwei Euro in den ersten Automaten, der ihm über den Weg lief. „Außerdem habe ich nichts davon, wenn ich ihm erst den Schädel zertrümmere.“

„Warum?“, fragte Angelika und war schneller als Niko, der sich einmal mehr nicht entscheiden konnte, was er wollte. So wählte sie für ihn – Gummibärchen. Da war die Chance groß, etwas abzubekommen. Schokoriegel inhalierte Niko so schnell, dass man sich nicht sicher war, ob der Riegel jemals existiert hatte. „Für das, was du mit ihm machen willst, braucht er seinen Kopf nicht.“

„Den Mund und die Zunge schon“, entgegnete Mila überlegend und Niko ließ ergeben den Kopf gegen die Scheibe des Automaten sinken, während Angelika die Tüte mit den Gummitierchen auffetzte.

„Stimmt“, nuschelte Angelika mit vollem Mund und hielt Mila die Tüte hin. „Da müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Zur Not füllst du ihn auf seiner Party ab und schnappst ihn dir dann.“ Sie tätschelte Nikos Schulter, denn der machte so merkwürdig stöhnende Geräusche. „Geht es dir nicht gut, Süßer?“, fragte sie und hielt ihm auch die Tüte unter die Nase. Der Mann war bestimmt unterzuckert und da halfen Gummibärchen am besten.

„Schoko!“, knurrte Niko und versuchte nun den zweiten Euro gegen etwas einzutauschen, was mehr Glückhormone ausschüttete als labberige Gummitiere. „Außerdem wird auf der Party auch seine Schwester sein und die Frau ist gemeingefährlich. Ich werde den ganzen Abend damit beschäftigt sein, ihr aus dem Weg zu gehen. Ich werde gar nicht dazu kommen mich an ihn ran zu machen. Hab eh das Gefühl, dass der Kerl mit Männern nichts an … verdammte Scheiße, warum sind keine Snickers mehr im Automaten? Welcher Arsch hat die ganzen Snickers gefressen? Ich will jetzt Snickers! Ich will verdammt noch mal einen verdammten scheiß Snickers!“

Und während Niko langsam die Fassung verlor, verloren Angelika und Mila beim Lachen fast das Gleichgewicht.

„Nimm doch ein Mars“, prustete Mila und ging gleich hinter Angelika in Deckung, denn es gab nur eins, was Niko nicht aß, obwohl es aus Schokolade war und das war Mars. Er hatte ihr schon mehr als einmal ausführlich erklärt, warum das so war, aber verstanden hatte sie es nicht. Aber es hatte auf jeden Fall ein Trauma verursacht, das er schon seit früher Kindheit hatte und ihn daran hinderte, Mars zu essen. Sie lachte laut, als ihr Freund unkoordiniert nach ihr greifen wollte und hatte dann Mitleid mit ihm. Sie drückte auf die Taste für die Twix und reichte sie Niko. „Ich bring morgen Snickers mit“, versprach sie dabei.

„Dir glaub ich kein Wort mehr.“ Er riss ihr das Twix aus der Hand und fetzte die Verpackung auf. Dass er beim Abbeißen nicht die Folie mit aß, war schon ein Wunder, so hastig schlang er den Zucker in sich hinein. Kauend nuschelte er: „Wie kannst du Veterinär sein? Du hast ja nicht mal ein Herz für gequälte Tiere. Du trittst nach ihnen und lässt sie leiden.“

„Was für ein kleines Tier bist du denn?“, wollte Angelika wissen, deren Tüte bereits leer war und die reumütig Niko noch einen Euro zusteckte, damit er sich noch einen zweiten Riegel kaufen konnte. „Maulwurf?“

„Leguan“, überlege Mila.

„Nein, ich weiß. Gerade erinnert er mich an das schielende Opossum – er ist ein Opossum!“, war sich Angelika sicher und Niko wusste nicht, was er sagen sollte. „Tierquäler“

„Tierschänder wär mir lieber, Süßer. Opossum-Schänder, um genau zu sein. Aber du verschmähst mich ja.“

„Ich bin in meinen Büro“, knurrte Niko und zog sich noch einen Twix, ehe er den Flur entlang hastete.

„Oh Mann, den hat es aber echt erwischt“, seufzte Angelika und lief mit Mila Niko langsamer hinterher. „So geht das nicht weiter. Wir müssen da wohl lenkend eingreifen, denn dass Chris nichts von ihm will, glaub ich nie und nimmer. Dafür starrt er ihm viel zu oft und intensiv auf die leckere Kehrseite, wenn er sich unbeobachtet fühlt.“ Es war ja schon irgendwie süß, wie die beiden seit sie sich kannten, umeinander herumschlichen, aber so langsam wurde es echt nervenaufreibend, denn es ging Niko an die Substanz. „Lass uns einen Plan ausarbeiten, wie wir die zwei auf der Party zusammenkriegen.“

„Und was hätten sie davon?“, entgegnete Mila nachdenklich. Während sie zusah, wie Niko in seinem Büro verschwand, blieb sie mit Angelika auf dem Flur an einem Fenster stehen. „In einer Woche ist er weg. Er fliegt doch nach Südafrika wegen seiner Doktorarbeit zur Ausbildung als Katzenspezialist. Selbst wenn er Erfolg hat, würde ihm das das Herz brechen.“ Sie war sich nicht sicher, ob sie das wirklich noch beschleunigen sollten.

„Ach verdammt, das hatte ich total verdrängt.“ Angelika ließ sich gegen die Wand sinken und sah ihre Freundin traurig an. Sie, Mila und Niko waren seit dem ersten Tag an der Uni befreundet und sie wollte es nicht wahrhaben, dass Niko bald tausende von Kilometern weg war und sie nicht einfach mal bei ihm vorbeischauen und mit ihm reden konnte, wenn ihr danach war. „Ich will nicht, dass er geht.“

„Ich auch nicht, aber er war schon immer ein Zugvogel, das weißt du. Er war schon immer für Monate irgendwo unterwegs gewesen und das jetzt ist seine große Chance. Du weißt doch, wie vernarrt er in Katzen ist und die Stelle als Tierarzt in einer Auffangstation ist ein Schritt in die Richtung, in die er will. Er wird viel lernen und … ach verdammt, er wird mir auch fehlen.“ Mila drückte den Rücken durch.

„Versöhnungsmilchkaffee für die, die wollen!“ Niko steckte den Kopf aus der Tür, denn es war ungewöhnlich, dass die beiden Doktoranten für Kleintiermedizin nicht in sein Büro geschlichen kamen, wenn sie mal an der Uni und nicht in der Praxis waren, in der sie arbeiteten.

„Du bist der Beste“, riefen Angelika und Mila wie aus einem Mund und rannten lachend auf Niko zu. Sie schmissen ihn fast um, als sie sich in seine Arme warfen und ihn fest umarmten.

„Ich werte das jetzt mal als ja“, lachte Niko und zog die beiden jungen Frauen in sein Büro, wo es schon auf drei Tassen dampfte. „Was hat euch aufgehalten?“

„Die Tatsache, dass nächste Woche dieses Zimmer hier leer sein wird und wir haben versucht uns langsam von dir zu entwöhnen“, sagte Mila gleich. Sie wollte ihm nicht verraten, dass sie eigentlich darüber nachgedacht hatten, bei Chris und ihm Amor zu spielen.

„Also ehrlich.“ Niko sah seine Freundinnen pikiert an. „Entwöhnen! Ich fass es nicht.“ Er würde es ja nie zugeben, aber die zwei Verrückten nicht mehr ständig um sich zu haben, würde ihm auch zu schaffen machen. Aber die Chance, die sich ihm bot, konnte er sich einfach nicht entgehen lassen. Es war schon immer sein Traum gewesen, mit Großkatzen zu arbeiten; diesen herrlichen, eleganten, starken und faszinierenden Tieren, die ihn schon seit seiner Kindheit in den Bann gezogen hatten. „Schafft euch Streifen oder Flecken an und ich nehm euch mit.“

„Ich habe am Wochenende einen Tattoo-Termin“, schoss Mila gleich zurück und Angelika wusste zu ergänzen: „und rasiert hat sie sich auch schon seit Wochen nicht – alles nur für dich und du gehst trotzdem, treulose Tomate.“ Sie nahm den Kaffee entgehen und schlürfte einen Schluck. Bei wem bekamen sie ab nächste Woche ihren Milchkaffee, wenn Niko weg war?

„Kommt mich doch einfach dort besuchen. Für euch wäre das bestimmt auch interessant. Löwen, Leoparden, Geparden und Hyänen. Wo habt ihr hier denn schon die Chance, solche Tiere aus der Nähe zu sehen, außer ihr strebt eine Karriere als Zootierarzt an?“

Niko hockte sich auf seine Schreibtischkante und wackelte mit den Augenbrauen. Er arbeitete schon seit einiger Zeit daran, seine Freundinnen dazu zu überreden, ihn besuchen zu kommen. Doch bisher hatten sie sich immer erfolgreich gedrückt.

Sie hatten ihn weder in den Rockys besucht, wo er Pumas studiert hatte, noch in Sibirien, wo er auf den Spuren der letzten Schneeleoparden gewandelt war. Nicht einmal im Schwarzwald hatten sie ihn besucht, als er ein Luchsprojekt beraten und begleitet hatte. Er liebte diese Tiere einfach und wenn er nicht regelmäßig für viele Wochen oder gar Monate nicht zu Hause wäre, hätte er sich schon längst ein solches Tier zugelegt.

„Ich weiß nicht. Ich habe die Befürchtung, dass du so völlig in deinem Katzenwahn, Mila und mir eine Wurmkur, ein paar Ohrkerben und ein Funkhalsband verpasst und uns in der Savanne aussetzt, um uns studieren zu können.“ Angelika konnte sich das richtig bildlich vorstellen, wie Niko in seinem Jeep hockte und ihre Bewegungen über das Radar verfolgte. „Nee, nee, mein Lieber, das ist mir zu riskant.“

„Aber ihr würdet euch in der afrikanischen Savanne gut machen. Hochbeinig und flink würde ich euch nicht aus den Augen lassen, vielleicht sogar ein bisschen zu füttern, wenn ihr nicht in der Lage seid, schmackhafte Antilopen zu jagen und euch vielleicht sogar ein bisschen den Bauch kraulen, wenn Interesse besteht. Wie wäre es?“ Frech wackelte er mit den Augenbrauen und blickte Mila und Angelika über den Rand seiner Tasse hinweg an.

„Reden wir über das Bauchkraulen. Was heißt hier ‚vielleicht‘ und ‚ein bisschen‘?“ Mila setzte sich neben Niko und sah ihn grinsend an. Sie liebte ihre Blödeleien. „Dir ist schon klar, dass du mit ‚vielleicht‘ und ‚ein bisschen‘ nicht die richtigen Lockrufe ausgestoßen hast, um zwei so scheue Tierchen wie Angelika und mich in dein Revier zu locken? Also solltest du schon mehr anbieten.“

„Ich habe gar nicht vor, euch zu locken. Ich kann euch auch einfach einfangen und in einem noch nicht besiedelten Revier auswildern, um es erneut zu besiedeln.“ Niko war noch nicht bereit, mehr zu bieten als ‚vielleicht‘ ‚ein bisschen‘ Bauchkraulen. „Also entweder seid ihr liebe Tierchen und macht was ich sage, weil ich weiß, was gut für euch ist. Oder ihr benehmt euch so, dass der Verdacht auf Tollwut besteht und was dann passiert, ist euch als Kleintiermedizinern ja nur allzu gut bekannt. Und? Immer noch den Drang zu verhandeln?“

Mila zog die Augenbrauen hoch und sah Niko mit blitzenden Augen an. „Und da fragst du dich allen Ernstes noch, warum wir dich nie auf deinen Studienreisen besuchen kommen? Ich weiß ja, dass du mit der holden Weiblichkeit nicht viel anfangen kannst, aber uns gleich als tollwütig zu bezeichnen ist eine Frechheit.“ Sie knuffte ihren Freund gegen den Arm und gab sich keinerlei Mühe dabei vorsichtig zu sein. „Mein lieber, angehender Herr Katzenspezialist, das war es dann wohl mit deinen hochbeinigen und flinken Schönheiten.“

„Ja, schweren Herzens werde ich mich davon verabschieden“, sagte Niko und trank einen Schluck, ehe der Kaffee noch ganz kalt wurde.

„Wir sind ihm doch völlig egal. Er spekuliert doch auf den verstrubbelten Kater mit den grünen Augen“, konnte sich Angelika dann doch nicht verkneifen. Niko war ihr schon wieder viel zu zufrieden, der brauchte einen Dämpfer und der schien zu wirken, als Niko qualvoll hustete, weil er zwar ein ziemlich intelligenter Mann war, aber immer noch nicht begriffen hatte, das gleichzeitiges Schlucken und Atmen nie gut gehen kann.

„Ich weiß echt nicht, was du von dem Vieh willst“, erklärte sie nebenbei, während sie Niko auf den Rücken klopfte. „Zerzaust, ziemlich verpeilt, viel zu dünn, in seinem Stammbaum gibt es mindestens eine merkwürdige, missratene Verwandte. Den kannst du doch für keine Studie gebrauchen.“ Ernst meinte sie ihr Worte, bis auf die missratene Verwandte, nicht, denn Chris war schon ein wirkliches Leckerchen, das auch gut in ihr Beuteschema passte. „Den kannste auswildern.“

Knurrend sah Niko Angelika an. „Was ich von dem will, geht dich nichts an und auswildern würde ich ihn schon gar nicht. Sein Stammbaum interessiert mich nicht und wenn er zu dünn ist, was er in meinen Augen nicht ist“, fügte er eindringlich hinzu, „kann ich ihn ja auch erst einmal eine Weile hegen, pflegen, füttern und ihm den Bauch kraulen.“

Nur gegen das Verpeiltsein konnte Niko nichts sagen, denn das sah er genauso. Immer wieder versuchte er dezent darauf aufmerksam zu machen, dass sein Interesse an Christopher nicht nur das einer Mittagsbekanntschaft war. Doch der Kerl begriff es nicht. Und Niko war sich noch nicht sicher, ob Christopher zu naiv war oder ob das seine höfliche Art war, „nein danke“ zu sagen.

„Ja klar, der kriegt nicht nur vielleicht den Bauch gekrault, sondern ganz bestimmt. Verloren gegen einen zerzausten Kater.“ Theatralisch seufzend ließ sich Angelika auf einen Stuhl sinken und mimte den sterbenden Schwan, was ihre Freunde laut losprusten ließ.

„Du bist so eine Spinnerin“, lachte Niko und schüttelte den Kopf. Angelika und Mila schafften es immer wieder, ihn zum Lachen zu bringen, wenn er glaubte in tiefen Depressionen versinken zu müssen. „Kommt mich doch wirklich einmal besuchen. Ich würde mich sehr freuen.“

„Du hoffst doch nur, dass wir dir ein Gastgeschenk mitbringen, was strubbiges mit verkorkstem Stammbaum.“ Mila stellte ihre leere Tasse auf den Tisch und sah auf die Uhr. In einer viertel Stunde hatten sie unten in den Schaupraxen ein Seminar über Knochenkrankheiten bei überzüchteten Hunderassen und deren Behandlung.

„Böse wäre ich nicht, wenn ihr ihn bewusstlos schlagen und zu mir in die Wüste schleppen würdet. Ich gehe mal davon aus, dass ein europäischer Wildkater sich in der Wüste nicht zurecht findet und deswegen nicht von meiner Seite weicht und Schutz bei mir sucht. Wenn ich es mir recht überlege …“

„Ja klar, du Spinner und die Hochbeinigen, Flinken werden an ihn verfüttert, weil ja nur das Beste gut genug für ihn ist.“ Mila verpasste Niko eine leichte Kopfnuss und küsste ihn dann auf die Wange. „Wir müssen los, du Katzenflüsterer und Bauchkrauler. Du musst dir deinen Streuner also selbst einfangen.“

„Na ich kann ja Freunde haben“, murmelte Niko leise und ließ die beiden ziehen – doch sie hatten in einem Punkt nicht ganz unrecht. Wenn er Chris wirklich noch haben wollte, ehe er für längere Zeit das Land verließ, dann musste er jetzt aktiv werden oder er schlug sich den Mann aus dem Kopf. Aber so wie jetzt konnte das nicht weiter gehen. Schließlich lag ihm der Tofu immer noch schwer im Magen.


02 

„Chris“, schallte es durchdringend und schrill durch die Wohnung und der Gerufene zuckte zusammen.

„Was?“, bellte er zurück, denn langsam lagen seine Nerven blank. In einer halben Stunde kamen die ersten Gäste und Lena war noch unerträglicher als sonst schon. Nichts hatte er richtig gemacht. An allem hatte sie etwas auszusetzen.

Das falsche Essen bestellt.

Die falschen Getränke gekauft.

Schließlich brauchten ihre Kommilitonen unbedingt dieses angesagte Kribbelwasser, um in Partylaune zu kommen. Hätte sie sich eben selbst darum kümmern müssen, aber dazu war sich die junge Dame zu fein gewesen. Wie hätte sie das auch schaffen sollen bei all dem Stress beim Shoppen, bei der Kosmetik und dem Friseur. Da konnte sie doch wohl erwarten, dass Christopher sich um das Ganze kümmerte und auch bezahlte.

So wie er sich immer um alles kümmerte.

So wie er immer alles bezahlte.

Denn Lena schaffte es zwar mühelos, zusammen mit ihren uneingeladenen Freunden Christopher den Kühlschrank leer zu fressen, sodass er – wenn er mitten in der Nacht von seiner Schicht im Krankhaus kam - noch einen Lieferservice bemühen musste. Aber sie schaffte es nie, mal Geld dazulassen für die aufgebrauchten Lebensmittel oder selbst einkaufen zu gehen.

Sie hatte sich an den Service im Hotel Christopher ziemlich schnell gewöhnt. Es war sein gutes Herz gewesen zuzustimmen, dass Lena ab und an in seinem Loft übernachten durfte, wenn es in der Uni spät geworden war und kein Bus mehr zum Stadtrand fuhr, wo sie mit ihren Eltern lebte. Doch nach der Uni war es schon lange nicht mehr spät geworden, aber nach Partys, nach Shopping-Marathons oder Mädelsabenden.

Anfangs hatte Lena ihre Freunde noch in der Stadt in einem Café getroffen, doch mittlerweile schleppte sie Hinz und Kunz ungefragt in Christophers Wohnung, auch wenn er nicht zu Hause war.

„Diese Play list für heute Abend ist ja wohl mal nicht dein Ernst, oder?“, herrschte sie, als sie einen Blick auf die Anlage warf. Das war doch keine coole Musik, das war peinlich!

„Doch ist es und wenn es dir nicht passt, feiere deine blöde Party wo anders.“ Es kam selten vor, dass Christopher so ruppig wurde, aber wenn er schon das hier alles ertragen musste, dann wollte er wenigstens seine Lieblingsmusik hören. „Wenn ich dich daran erinnern darf, ist das hier meine Wohnung und nicht deine. Müssen deine Jünger eben für ein paar Stunden diese peinliche Musik ertragen.“

„Du bist und bleibst ein Arsch, aber echt“, knurrte sie und rauschte an ihrem Bruder vorbei. Dann knallte die Badezimmertür und irgendwie war Christopher klar, dass er so schnell nicht mehr in dieses Badezimmer kam. Schlimmer noch – anschließend durfte man in diesem Raum den Umgang mit offenem Feuer für drei Stunden nicht gestatten, weil die Konzentration an Deo, Parfum und Haarspray das sich selbst entzündende Limit weit überschritten haben dürfte.

Aber das war er bereit zu opfern, wenn er jetzt noch ein paar Minuten seine Ruhe hatte. So gönnte er sich noch einen Kaffee und hoffte, dass die ersten Gäste, die kamen, Leute waren, mit denen er sich unterhalten konnte und nicht Lenas Idiotenliga. Gackernde, dumme Hühner, die glaubten, nur weil Daddy es zu ein wenig Wohlstand gebracht hatte, könnten sie sich alles erlauben. Die Jungs waren auch nicht besser. Kleine Möchtegern-Aufreißer mit einer großen Klappe und sonst nichts als heißer Luft. Die würde er nicht mal mit der Kneifzange anfassen.

Da war Niko schon eine ganz andere Liga. Der Kerl war aber auch zu lecker mit seinen Schokoladenaugen und dem Dreitagebart, der ihn irgendwie verwegen aussehen ließ. Aber besser er kam nicht zu sehr ins Schwärmen, denn Lena veranstaltete diesen ganzen Zirkus doch nur für Niko, weil sie sich den Mann in den Kopf gesetzt hatte. Wenn die mitbekam, dass Christopher auch durchaus nicht abgeneigt gegenüber dem jungen Tierarzt war, gab das doch nur unheimlichen Stress, den er nicht gebrauchen konnte.

Also besser jeden näheren Kontakt vermeiden.

Aber ein bisschen Mitleid durfte er mit Niko ja noch haben. Denn wenn er wirklich in die Venusfalle tappen sollte und Lena zu schnappte, dann blieb von Niko am Ende nicht viel übrig, was eigentlich schade war. Denn Lena hatte die unschöne Angewohnheit, Menschen regelrecht zu verschleißen. Und so war Christopher hin und her gerissen. Einerseits hätte er seine Ruhe, wenn Niko klein bei geben und sich in sein Schicksal fügen würde, andererseits war es schade um den Mann, um den hübschen, netten, anziehenden …

Christopher schüttelte den Kopf.

Irgendwie hatte er gerade den Faden verloren.

Er arbeitete wahrscheinlich zu viel. Ja, daran musste es liegen. Er brauchte bestimmt nur ein paar Tage Ruhe, dann war alles wieder im Lot. Wieder mit sich zufrieden, wollte er gerade wieder einen Schluck nehmen, als es klingelte.

„Auf in den Kampf“, murmelte er leise und drückte den Türsummer. Er spähte in den Flur und sein Gesicht hellte sich auf. Das waren Gero und Rita. Zwei seine Mitdoktoranden, mit denen er sich gut verstand. Deswegen riss er gleich die Tür auf, noch ehe die beiden den Absatz der Treppe erreicht hatten. „Schön euch zu sehen“, begrüßte er sie und wandte sich wirsch zur Badezimmertür um, als Lena sie aufriss und wissen wollte, ob der Besuch für sie wäre.

Chris knurrte nur und erklärte ihr, sie könne in die Höhle zurück kriechen, das wären nur Leute, die auf schlechtes Essen und peinliche Musik stünden. Wütend knallte Lena die Tür wieder zu, während Rita ihren Freund nur fragend anblickte und die Wohnungstür hinter sich schloss.

„Frag besser nicht, sonst reg ich mich auf. So langsam geht Lena wirklich zu weit mit ihrer Zickerei.“ Christopher grinste schief und drückte Rita kurz an sich zur Begrüßung. Sie kannte Lena auch schon eine Weile und wusste also, was die letzten Stunden los gewesen sein musste, wenn ihr Freund sie so anknurrte. Gero schlug Christopher freundschaftlich auf die Schulter. Das waren ja wohl die besten Voraussetzungen für eine interessante Party.

Der Gastgeber genervt und Lena unerträglich wie immer.

„Dann kannst du das hier ja bestimmt gebrauchen“, sagte er und holte aus seiner Tasche, ohne die Gero nirgendwo hin ging und in der er grundsätzlich alles hatte, was man gerade brauchte, zwei Flaschen Wodka mit Feige und stellte sie auf die Theke, die die Küche vom Wohnbereich abtrennte. Hier saß er am liebsten, wenn er mal da war, denn so hatte man das Loft gut im Blick.

Christopher grinste, als er die Mitbringsel sah. So war das bei ihnen immer. Egal wo sie sich trafen, für Getränke war gesorgt.

„Perfekt, den sollten wir gleich probieren. Du auch, Rita?“ Christopher holte drei Gläser, nachdem seine Freundin ihm zugenickt hatte und schenkte ihnen etwas ein. „Ich fürchte, das wird heute nicht mein letzter werden, wenn der Abend weitergeht, wie er angefangen hat“, lachte er und kippte den Alkohol runter.

„Sehr gute Wahl“, lobte er Gero und wollte gerade noch einmal nachgießen, als es wieder an der Tür klingelte. Christopher horchte, ob Lena aus Ihrer Höhle kam, aber die schien noch zu schmollen. Musste er wohl die Tür öffnen. „Versteckt den Alkohol, denn wenn das Lenas Raupenfreunde sind, ist das Leckerchen schneller leer, als wir gucken können. Ich habe aber beschlossen, dass die davon nichts abbekommen.“

Rita lachte, war aber gleich Feuer und Flamme für die Idee. Sie griff sich die beiden Flaschen und flitzte zum Herd, um sie dort zu verstecken, fand aber nur die bereits gelieferten Bleche Pizza aus ihrer Lieblingspizzaria unweit des Campus.

„Boah, lecker!“, murmelte sie und wollte schnell ein Stück mopsen, doch dafür war keine Zeit.

„Rita!“, zischte Christopher, als er schon zur Tür ging und es bereits ungeduldig ein weiteres Mal läutete. Das konnten also nur die Raupenfreunde sein. Christopher stöhnte innerlich, während Rita ihre Beute im Schrank hinter dem Putzeimer verstaute. Dort schauten bestimmt weder Lena noch ihre Freunde nach, denn putzen war gar nichts für sie. Damit versaute man sich doch die gerade manikürten Fingernägel, wie Lena einem völlig entgeisterten Chris erklärt hatte, als er doch allen Ernstes von ihr verlangt hatte, die Spuren der letzten Party zu beseitigen.

„Warum dauerte das denn so lange?“, wurde Christopher gerade zur Begrüßung angemault und er war versucht, die Tür gleich wieder zuzuschmeißen. Lenas Busenfreundinnen waren da, eine aufgebrezelter als die andere und genauso unerträglich wie seine Stiefschwester. „Lena, der Hexenzirkel ist jetzt komplett“, brüllte er zur Badezimmertür. Sollte die sich um die beiden kümmern.

„Idiot“, knurrte Anika und strich sich die Haare zurück, während sie mit den High Heels über das Parkett stöckelte, so dass Christopher einmal mehr Sorgen hatte, dass er morgen jede Menge Krater im Holz haben dürfte.

„Husch, hinterher“, sagte Rita zu Jessica, die noch etwas unentschlossen an der Tür stand und Gero beobachtete. Als Jessica merkte, dass sie beobachtet worden war, hastete sie Anika hinterher, die bei Lena im Bad verschwunden war.

„Ob die auch schmelzen, wenn man sie mit Wasser überschüttet? Ich würde das gern probieren“, sagte Rita etwas zerknirscht. Sie war noch nicht lange mit Gero zusammen und dem entsprechend noch sehr unsicher und eifersüchtig.

„Bin sofort dabei, auch wenn ich damit mein Parkett ruinieren sollte, das wäre es mir wert.“ Christopher fand die Vorstellung, dass die drei patschnass, wie begossene Pudel vor ihm standen, durchaus reizvoll.

„Du kannst ja ein richtiges Biest sein. Das macht mich total scharf“, raunte Gero seinem Schatz ins Ohr und zog Rita an sich.

„Das Gästezimmer könnt ihr abschließen“, lachte Christopher und zwinkerte seinen Freunden zu. Er kam aber nicht weiter dazu etwas zu sagen, denn es klingelte schon wieder.

„Man, das ist ja wie im Taubenschlag hier. Als würdest du eine Party feiern, wo es Freigetränke und kostenloses Essen gibt“, lachte Rita und küsste ihren Liebling mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, während Christopher gerade wieder die Tür öffnete.

„Bitte, bitte noch ein paar Normale“, murmelte er leise und öffnete die Tür weiter.

„Sorry, keine Normalen – nur die Kleintierfraktion“, lachte Mila und winkte frech, als sie neben Angelika in der Tür stand.

Huch?

Hatten sie nicht was verloren?

Sie sah sich irritiert um. „Angi, bespaß mal den Gastgeber, ich suche mal unseren … ach guck, im Dunkel des Flures schleicht er die Treppen hinauf“, lachte Mila und zerrte den nervösen Niko hinter sich her. Dreimal hatten sie ihn auf der Treppe wieder einfangen müssen, weil er die Flucht ergreifen wollte. Jetzt mussten sie ihn nur noch durch die Tür kriegen, dann hatten sie sich einen Drink aber wirklich verdient!

„Jeder ist normal gegen Lenas Hexenzirkel. Ihr seid also mehr als willkommen.“ Christopher überspielte seinen Schreck, als er geglaubt hatte, die beiden Frauen wären ohne Niko gekommen, mit einem Lachen. Er zog beide Frauen in eine kurze Umarmung. „Rita verrät euch, wo wir den leckeren Alkohol vor den Raupen versteckt haben“, flüsterte er beiden zu und stand dann Niko gegenüber.

„Schön, dass du da bist“, sagte er leise und zog den Gast, den er am meisten erwartet hatte, an sich. So konnte er dem jungen Tierarzt endlich einmal nahe sein, ohne dass es zu sehr auffiel.

„Niko, was haben wir dir bei gebracht? Der Gastgeber wird grundsätzlich geknuddelt. Los“, sagte Mila und setzte sich gleich zu dem Pärchen an den Tresen. „Das hat man davon, wenn man einen Katzenmenschen im Schlepptau hat. Hunde kann man erziehen aber Katzen – nichts zu machen“, klagte sie ihr leid, während Rita und Angelika verschwörerisch durch die Küche schlichen und Angelika in das Geheimnis des Putzeimers eingeweiht wurde.

„Danke dass ich eingeladen war“, entgegnete Niko, um seine Nervosität zu überspielen und setzte gerade an, das zu tun, was von ihm verlangt worden war. Er breitete die Arme aus, um Chris an sich zu ziehen, da flog die Badezimmertür auf.

„Oh mein Gott“, hatte Niko gesagt, noch ehe er es hätte verhindern können und erstarrte.

Es war ein reiner Reflex von Christopher, Niko hinter sich zu schieben und sich schützend vor ihn zu stellen, als Lena auf sie zu gestapft kam, ihren Zirkel im Schlepptau. Finster sah er seine Stiefschwester an und machte sich bereit, sie daran zu hindern, sich auf Niko zu stürzen.

„Ich versuche sie aufzuhalten. Wenn ich falle, rennst du sofort in das Zimmer dort drüben und schließt dich ein, okay? Die Wände sind verstärkt und schallisoliert.“ Christopher drehte sich grinsend zu Niko um und zeigte auf seine Schlafzimmertür. „Ich klopfe zweimal kurz, damit du weißt, dass du öffnen kannst.“

„Alles klar, ich bin bereit. Ich bin Marathonläufer, das sollte für mich zu schaffen sein“, erklärte Niko und kam Chris ein bisschen näher als notwendig gewesen wäre. Aber der Kerl benutzte ein Parfum, was Niko nicht kalt ließ.

„Chris, steh da nicht so rum. Ich will doch unsere Gäste auch begrüßen“, erklärte Lena mit einem diabolischen Lächeln, was Niko unter die Haut ging, aber nicht so wie das von Chris letztens am Tisch, sondern eher wie ein Messer, als würde man ihn häuten.

„Da drüben sind schon mal vier Gäste, mit denen du anfangen kannst“, sagte Niko, „ich war gerade dabei, mich bei deinem Bruder für die Einladung zu bedanken.“ Und über sein Schlafzimmer zu verhandeln, schob er im Geiste hinterher.

„Das kannst du bei mir machen – die Party war schließlich meine Idee“, überging sie den Hinweis auf die anderen Gäste. Das war nicht ihr Niveau.

„Idee schon, aber sonst hast du mit der Planung und Organisation wahrscheinlich nicht viel zu tun gehabt. Ich finde, es reicht, wenn Niko sich bei Chris dafür bedankt und ihn knuddelt“, warf Rita so ganz nebenbei in den Raum und schaute Lena mit einem zuckersüßen Lächeln an. Sie hoffte, dass Gero sich genauso heroisch vor sie warf, wenn Lena sich gleich auf sie stürzen würde, aber sie konnte diese Frau einfach nicht mehr ertragen und fand es furchtbar, dass Chris Niko auf Abstand hielt, nur damit die Zicke Ruhe gab. Wo er doch eigentlich den leckeren Kerl, wie sie wusste, lieber an sich ziehen würde.

„Was mischst du dich denn ein?“, wollte Lena wissen und funkelte wieder Christopher an, der immer noch im Weg stand. Irgendwie war ihr nicht ganz klar, warum Niko sich nicht endlich mal hinter dem Kerl hervor schob. Der Raum war ja nun beileibe groß genug, man musste nicht im Türbereich stehen bleiben.

„Lena, mäßige dich ein bisschen meinen Gästen gegenüber oder du verschwindest zusammen mit deiner Clique im nächsten Café“, knurrte Christopher und schob Niko an der Theke vorbei in die Küche und zu Angelika, damit die sich um ihn kümmern konnte, während er selbst den Tornado von Lenas Laune auf sich zog. Bisher hatte er ihre Launen und Unverschämtheiten mehr oder weniger klaglos hingenommen, aber sein Limit war wohl gerade erreicht. Darum lenkte er auch nicht ein, wie sonst immer, damit sie Ruhe gab.

„Du bist so ein Arsch, Chris. Das ist meine Party, das weißt du ganz genau“, knurrte sie und Anika musste natürlich auch ihren Senf dazu geben.

„Ja, die Party war ihre Idee und sie hat ziemlich viel Zeit in die Planung gesteckt, aber du hast das ja nicht auf die Kette gebracht und alles fast ruiniert“, erklärte sie überzeugt. Christopher konnte sie nur fassungslos ansehen. Aber bevor er dazu etwas sagen konnte, schellte es wieder und Gero sprang auf und drückte den Türöffner.

„Stell dich neben Niko und ignorier sie.“ Dabei schob er Christopher Richtung Theke. „Die sind es echt nicht wert, dass du dir den Abend von denen versauen lässt. Ich kümmre mich um die Gäste.“

Chris war immer noch fassungslos und starrte auf seine Schwester. Er wusste ganz genau, dass sie ein Biest war, egozentrisch und selbstverliebt. Aber das heute war wirklich die Krönung. Vielleicht sollte er endlich den Arsch in der Hose haben, das zu tun, was Henni ihm schon lange geraten hatte: sie rausschmeißen und den Kontakt endgültig abbrechen. Die Verbindung zu seiner Familie war sowieso nur noch ein seidener Faden, der seit zwanzig Jahren immer dünner geworden war und auf diesem Faden tanzte Lena jetzt. Sie würde ihn zum reißen bringen - ganz bestimmt.

„Hier, trink“, sagte Angelika, als sie Chris hinter sich her um die Theke zog und ihm ein Glas voll Leckerchen hinhielt.

Er stürzte den Schnaps runter und atmete einmal kräftig durch. Lena wurde gerade von einer Traube ihrer Freunde belagert, die gerade gekommen waren. Als sie aus seinem Blickfeld gerissen wurde, nahm er wahr, dass er neben Niko stand und lächelte schief. Lena hatte es zu weit getrieben, darum fällte er einen Entschluss. Er würde ihr Niko nicht kampflos überlassen. „Ich glaub wir sind gerade unterbrochen worden“, erklärte er darum lächelnd und breitete die Arme aus.

Niko, überrascht von der Situation und eindeutig nicht auf das vorbereitet, was von ihm erwartet wurde, wurde wieder nervös. Und Angelika machte es nicht besser, als sie sagte: „Du hast die Aufmerksamkeitsspanne eines Welpen. Was haben wir über Gastgeber gesagt? Immer knuddeln – im Zweifelsfall erst mal knuddeln.“

„Und du siehst zweifelnd aus – also“, Mila deutete auf den erwartungsvoll grinsenden Chris „los, knuddeln!“

„Boah, ihr seid so peinlich“, knurrte Niko, dem wirklich gerade die Schamesröte ins Gesicht stieg. Er hatte das Gefühl bis aufs Shirt durchgeschwitzt zu sein. Hoffentlich merkte Chris das nicht, wenn er jetzt die Arme um ihn legte. Also ließ er sich gegen den Mediziner sinken und holte tief Luft. Eine angenehme Wolke Parfum stieg ihm in die Nase.

„Das hast du gut gelernt“, kicherte Christopher ihm ins Ohr und zog Niko noch etwas fester in seine Arme. Das war perfekt. Chris war ja schon nicht klein mit seinen fast ein Meter neunzig, aber Niko überragte ihn noch um ein paar Zentimeter, so dass ihre Körper perfekt zueinander passten. Leider konnte er die Umarmung nicht so lange genießen, wie er es gerne gehabt hätte, denn das wäre aufgefallen.

„Falls du einen Auffrischungskurs benötigst, sprich mich ruhig an, ich helfe dir dann“, flüsterte er noch schnell, bevor er sich von Niko löste. Was ihm entging waren die beobachtenden Blicke aus vier wissenden Augenpaaren. Hier wurde alles analysiert: die Länge der Blicke, die Intensität der Umarmung – einfach alles.

„Mach mal Musik und rück Essen raus“, schlug Gero vor. Wer noch nicht da war, hatte Pech gehabt und musste sich dann mit dem zufrieden geben, was sie übrig ließen. Dankbar für die Ablenkung machte sich Christopher gleich daran, die Anlage zu starten und das erste Blech Pizza aus dem warmen Ofen zu holen.

 

03 

„Woher wusstest du das?“, fragte Mila jetzt doch etwas irritiert, als sie auf den Belag sah und dann Chris musterte. „Nikolais Lieblingspizza. Guck mal Süßer, Hähnchen und Currysoße.“ Und so kam Niko hastig näher, denn die liebte er wirklich. „Wenn die so lecker schmeckt wie sie riecht, heirate ich dich“, nuschelte er leise und hoffte, als ihm das bewusst geworden war, dass niemand ihn gehört hatte.

Heute war wirklich nicht sein Tag!

Am liebsten wäre er im Boden verschwunden. Das war so peinlich. Zum Glück war er morgen weg.

„Ein wenig romantischer hätte dein Heiratsantrag schon ausfallen können“, muffelte Chris gespielt und überspielte so die Schauer, die ihm über den Rücken gelaufen waren. Allein die Vorstellung ließ ihn ganz kribbelig werden. „Natürlich ist die lecker, die esse ich nämlich auch sehr gerne.“ Und Lena findet sie widerlich, setzte er in Gedanken hinzu und musste grinsen. Darum hatte er sie auch bestellt. Er nahm sich auch ein Stück und biss ab, damit er überprüfen konnte, ob sie wirklich so lecker wie immer war. „Köstlich! Wohin geht die Hochzeitsreise?“

„Südafrika – morgen Abend“, konterte Niko, doch in seinem Kopf lief alles durcheinander. Alles drehte sich - Worte, Bilder, Gedanken. Es war nicht zum Aushalten. Er sah Chris prüfend an, denn er wusste den jungen Mann nicht einzuschätzen. Stand er auf Männer oder alberte er mit seinen Freunden immer auf diesem Niveau herum?

Verdammt, das war schwieriger als erwartet. Mit einem Chris, der ihn ignorierte und ihn ab und an mit einem unverbindlichen Lächeln bei der Stange hielt, damit konnte Niko leben aber das hier ging über Unverbindliches hinaus, das wurde persönlich, das wurde privat.

Verdammt!

Seine Hände begannen zu zittern, als auch er nach der Pizza greifen wollte.

„Niko, iss das Zeug nicht. Das ist widerlich. Wir haben auch eine Diabolo – schön scharf, so wie ich.“

Niko konnte gar nicht so schnell gucken, wie er gegriffen und in den freien Raum auf die Tanzfläche geschleift wurde. Chris und seine Freunde sahen ihm hinterher und Chris verzog angewidert das Gesicht, als sich Lenas Hände ungeniert auf Nikos Hintern legten und ihn so an sich zog.

„Diese kleine...“, knurrte er, wurde aber von Gero unterbrochen.

„Wir brauchen einen Plan. Lena soll nicht noch einmal die Chance kriegen, sich Niko zu greifen. Vorschläge?“ Er sah in die Runde und war gar nicht erstaunt, als Chris sich als erster meldete.

„Ich bring sie um und ihr entsorgt die Leiche unauffällig“, war sein Vorschlag.

„Hat schon viel Schönes“, sagte Rita und blickte ebenfalls hinüber. Ihr tat der junge Mann leid. Man sah, dass er sich nicht wohl fühlte und nicht wusste, wie er aus der Nummer raus kam, weil er noch viel zu verwirrt war.

„Wir könnten auch anfangen uns richtig daneben zu benehmen und hoffen dass Lena und ihr Hofstaat sich angewidert aus dem Loft verzieht“, überlegte Mila.

„Nein, Niko muss mal seinen süßen Arsch in der engen Hose richtig zusammenkneifen und ihr ein paar Takte sagen. Er ist alt genug“, war Angelika der Meinung und wollte mal rüber gehen und abklatschen.

Natürlich nahm Lena das nicht einfach so hin und blitzte Angelika böse an. „Verzieh dich, ich tanze mit Niko“, zischte sie aufgebracht und sah sich nach Jessica und Anika um, damit sie ihr zu Hilfe kamen, aber die waren gerade damit beschäftigt, zwei Jungs aus ihrer Clique schöne Augen zu machen.

„Los, ab ins Körbchen“, knurrte Angelika, die jetzt endgültig die Nase voll hatte und Lenas Hände von Nikos Hintern löste. Dabei sah sie Niko auffordernd an, sich das nicht gefallen zu lassen. Und der nickte fast unmerklich. Wenn seine Freunde ihm schon den Weg ebneten, dann musste er sich auch endlich befreien.

„Hör zu Lena, ich hatte gehofft, dass du zu der Sorte Menschen gehörst, die eine dezente Zurückweisung verstehen. Leider habe ich mich getäuscht. Ich habe keinerlei Interesse an dir und bin nur hier, weil dein Bruder meine Freunde und mich eingeladen hat und wir gern gesellig zusammen sitzen, trinken und essen. Tanzt ihr hier noch ein bisschen vor euch hin und ich werde da drüben bei den Erwachsenen ein bisschen eklige Pizza essen. So ist jeder von uns beiden beschäftigt.“

Sprach's und drehte sich um, atmete tief durch, denn er war beileibe nicht so entspannt, wie er gerade tat. Hoffentlich bekam er jetzt nicht ein Messer in den Rücken.

Ihn erwarteten vier grinsende Gesichter, drei erhobene Daumen und ein Glas mit leckerem Feigenwodka. Er konnte ja nicht sehen, was hinter ihm geschah. Lena stand mitten auf der Tanzfläche mit offenem Mund und offenbar zu geschockt, um sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Das hatte noch nie einer gewagt, ihr solch eine Abfuhr zu erteilen.

„Strike“, lachte Angelika und lief Niko hinterher. Sie wollte außer Reichweite sein, wenn Lena explodierte.

„Was bildest du dir eigentlich ein? Ich wollte nur nett zu dir sein, das war alles“, versuchte sie ihr Gesicht zu wahren. Ihr Blick ging wieder zu ihren Freundinnen, die nun ebenfalls etwas perplex da standen. Noch nie hatte es jemand gewagt, Lena abblitzen zu lassen. Gespannt warteten sie darauf, was jetzt passierte.

„Auf diesen Schwachsinn hier habe ich echt keinen Bock mehr. Lasst uns verschwinden und eine richtige Party feiern, nicht so einen lahmen Rentnerabend.“ Sie konnte nicht hier bleiben – nicht nach dieser Abfuhr. Das würde der Kerl noch bereuen, aber Rache war ein Gericht das kalt serviert wurde. Aber sie blickte Niko noch einmal hasserfüllt an. „Bastard!“

„Autsch“, sagte Rita und zeigte der Wohnungstür ganz undamenhaft den Stinkefinger, als der letzte aus Lenas Clique sie hinter sich zugeschlagen hatte.

„Was für ein Abgang, sehr theatralisch“, ätzte Mila und drückte Niko an sich. „Das hast du gut gemacht, Süßer. War wirklich mal nötig, dass sie einen Dämpfer kriegt.“ Chris sah das Ganze nicht so rosig, denn er kannte Lena und wusste, dass das noch ein unschönes Nachspiel haben würde. Darum ließ er den Kopf hängen und seufzte, aber es war nicht mehr zu ändern. Seine Freunde waren hier und sie wollten eine Party feiern. Darum holte er tief Luft und sah lächelnd wieder auf. Sie sollten nutzen, dass Lena und ihre Bande weg waren. „Nehmt euch Pizza und geht schon mal rüber ins Wohnzimmer. Ich bringe Gläser und Getränke."

Sie erhoben sich und griffen ihre Teller.

„Du nicht!“, zischte Angelika, als Niko ihr folgen wollte. Stumm deutete sie auf Chris, der gerade die Gläser auf ein Tablett räumte und ein paar Flaschen zusammen suchte. Sie machten hier doch nicht die Lena-Revolution, damit die beiden Herzchen sich dann wieder weit voneinander entfernten.

 „Okay“, piepste Niko, der schon wieder nervös wurde. Seine Freunde hatten aber auch gar kein Mitleid. Hatte er sich nicht eben erst blamiert, als er Chris einen Heiratsantrag gemacht hatte? Da sah man doch ganz deutlich, wohin das führte, wenn man Niko alleine machen ließ.

Chris sah auf, als jemand sich neben ihn stellte und lächelte. „Na, du Held“, sagte er mit einem Grinsen, das aber schnell wieder verflog. „Tut mir echt leid, was Lena da abgezogen hat. Ich war leider nicht schnell genug, um sie daran zu hindern.“

„Äh – schon okay“, erklärte Niko ziemlich intelligent und stellte seinen Teller lieber auf den großen Esstisch in der Küche. Er hatte das ungute Gefühl, dass er das gute Porzellan sonst noch auf dem edlen dunklen Parkett zerschmetterte. „Kann ja keiner was für seine Familie und ich hab das ja auch irgendwie erwartet.“ Verlegen strich sich Niko über den Arm und steckte dann die Hände in die Hosentaschen, so dass die Jeans noch etwas tiefer rutschte.

„Soll ich dir helfen? Dann musst du nicht zweimal laufen.“

Klasse, Niko, noch mehr tolle Sprüche?, schlug er sich mental vor die Stirn. Warum brachte ihn der Kerl nur so dermaßen aus der Fassung – das war doch schon nicht mehr schön.

„Äh... was?“, murmelte Chris abgelenkt, der gerade anfangen wollte zu sabbern. Durch das Rutschen der Hose, konnte er einen Streifen Haut zwischen Hosenbund und Pullover sehen und der ließ ihm das Wasser im Mund zusammen laufen. Eine feine Linie dunkler Haare, zog sich hoch bis zum Bauchnabel. Darauf stand er ja total, besonders wenn das Stückchen Bauch, das er sehen konnte, erahnen ließ, dass der Rest recht gut trainiert war. Chris musste sich losreißen, damit Niko nichts merkte und sah hoch. „Also ... äh ... ja. Nimm doch bitte die Wasserflaschen, die passen nicht mehr hier drauf“, sagte er schnell um abzulenken.

„Äh … sicher“ Niko griff hastig zu und drückte die vier Flaschen Wasser gegen seinen Bauch, rückte sich so den Pullover noch etwas höher, weil alles ins Rutschen kam und balancierte seine Beute rüber zur großen Couch, auf der sich die anderen vier verteilt und amüsiert das Schauspiel in der Küche beobachtet hatten.

„Was grinst du so komisch?“, wollte er irritiert von Mila wissen, die aussah wie ein poliertes Honigkuchenpferd.

„Ich freu mich nur, dich zu sehen“, lachte seine Freundin und klopfte neben sich. Sie hatten sich strategisch so günstig auf der großen Couch verteilt, dass Niko und Chris nur noch Platz neben Mila hatten und so recht nah beieinander sitzen mussten. Niko stellte die Flaschen ab und sah sich zu Chris um, der mit dem Tablett kam und sehr vorsichtig ging, damit nichts runter fiel. „Niko, nimm mal bitte den Teller runter. Du hast doch noch gar nichts von der leckeren Pizza abbekommen. Noch ist sie warm.“

Der zuckte herum und sprang sofort auf Chris zu, um sich den Teller zu greifen, den er eben auf dem Tisch abgestellt hatte.

Chris hatte ihn mitgebracht.

Wie aufmerksam.

Er lächelte bei dem Gedanken und verdrehte die Augen, als er Angelika grinsen sah.

Waren sie hier im Zoo?

Wurden gerade seltene Dschungeltiere bei der Balz beobachtet?

Doch er versuchte sich nicht wieder nervös machen zu lassen sondern griff zu. „Riecht immer noch lecker“, murmelte er, vermied es aber seinen Heiratsantrag zu wiederholen. Das war ihm immer noch unendlich peinlich.

„Ja, das tut sie. Darum sollten wir uns auch alle noch was holen. Ist ja genug da, da die Raupen uns verlassen haben. Ich habe genug Wodka und Magenbitter um schmerzende, überfressene Bäuche zu kurieren.“ Chris stellte die Getränke und Gläser auf dem Tisch ab und setzte sich neben Niko. „Und, ist sie so gut, dass wir die Einzelheiten der Hochzeit besprechen können, oder entlobst du dich wieder und ich muss tieftraurig in den Tod gehen?“, fragte er frech und grinste breit.

Kurz musste sich Niko fassen. Ihm ging allein der Gedanke, dass Chris nur ihm gehören könnte, schlagartig unter die Haut. Seine Finger krampften sich um den Teller, denn er wusste nicht, wie er antworten sollte. Mehr und mehr wurde Niko klar, dass Chris das so nicht meinen konnte, wie Niko das gern gehabt hätte, also beschloss er mitzuspielen.

Morgen war er sowieso weg, da konnte er sich heute auch noch mal richtig gehen lassen. Also kostete er und die Pizza war wirklich gut. Doch auch wenn sie es nicht gewesen wäre hätte seine Antwort nicht anders gelautet. „Ja ich will, nein du bekommst nicht die rechte Seite vom Bett und ja, ich schlafe immer nackt. Du solltest weiß tragen, ich glaube, das würde dir stehen.“

Dass ihm die Antwort gefallen hatte, sah man an dem amüsierten Funkeln in Chris‘ grünen Augen. „Das passt wunderbar, denn ich schlafe auch immer nackt. Die Seite vom Bett ist mir egal, da bin ich flexibel, genauso wie bei anderen Dingen, die man im Bett so machen kann.“ Chris wackelte grinsend mit den Augenbrauen, denn er hatte spontan beschlossen, heute mal nicht reserviert und zurückhaltend zu sein. Ein gnädiges Schicksal hatte ihm Lena aus dem Haus und Niko neben sich auf die Couch gebracht. Das hatte doch bestimmt etwas zu bedeuten, auch wenn er ziemlich nervös war, wie Niko darauf reagierte.

„O-okay“, sagte Niko gedehnt und sah ungläubig dabei zu, wie die vier anderen in der Küche verschwanden. „Mir würde da auch das eine oder andere einfallen. Vor allem wenn die störenden Klamotten schon weg sind. Allerdings frage ich mich gerade, warum die vier da drüben sich gerade Doggy bags packen und Getränke in ihre Taschen stopfen und warum du mich plötzlich bemerkst, obwohl ich seit über vier Monaten versuche, deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bin verwirrt und unsicher und das ist keine gute Kombination.“

Chris folgte Nikos Blick und verdrehte die Augen. Die vier waren doch wirklich unmöglich. Er stand auf, beugte sich aber noch einmal runter. „Bemerkt, habe ich dich schon vor mehr als vier Monaten. Bleib bitte sitzen, bin gleich wieder da und dann sollten wir uns unterhalten, okay?“ Chris sah Niko bittend an und ging dann in die Küche.

„Ihr müsst nicht gehen“, sagte er, aber alle vier schüttelten den Kopf. Chris seufzte und hatte das Gefühl, ein schlechter Gastgeber zu sein, der seine Gäste aus dem Haus trieb, aber die drei Mädels nahmen ihn in den Arm und knuddelten ihn gründlich, so dass er ergeben nickte.

„Dann nehmt wenigstens noch eine Schale von dem Tiramisu mit. Das habe ich selber gemacht und es wäre schade, wenn es schlecht wird.“

„Stimmt. Wir sollten das Leckerchen mitnehmen – du hast deins ja dort sitzen“, konnte sich Rita nicht verkneifen und grinste ungeniert zu Niko rüber, der mittlerweile so dermaßen nervös war, dass er keinen Bissen mehr runter bekam. Das entwickelte sich gerade in eine Richtung, die er heute nicht eingeplant hatte.

Warum heute?

Nur am Rande nahm er wahr, dass die vier gingen, winkte ihnen fahrig nach und starrte dann Chris an, der mit dem Rücken an der Theke lehnte und zu ihm rüber sah. So konnte Chris sehen, dass Niko vollkommen neben der Spur war und stieß sich in einer fließenden Bewegung von der Theke ab und kam zu ihm rüber.

„War irgendwie ziemlich turbulent heute“, murmelte er leise, als er neben dem Tierarzt auf der Couch saß. „Tut mir leid, das war alles nicht so geplant.“ Und da Niko immer noch nichts sagte und ihn nur ansah, nahm Chris all seinen Mut zusammen, beugte sich vor und hauchte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. Entweder, oder. Jetzt gab es eh kein Zurück mehr. Niko musste nach all dem, was er gesagt hatte, sowieso wissen, dass er ziemlich angetan von ihm war.

Zumindest glaubte er das.

Wie sollte er auch wissen dass es in Niko nicht so eindeutig aussah, was Chris‘ Absichten anging. Doch als er die Lippen spürte war es, als würde der Vorhang fallen und Licht in den Raum lassen. Er sah klarer, er sah es ganz deutlich. Und so legte er Chris eine Hand in den Nacken, damit er nicht auf die Idee kam, sich zurück zu ziehen und Niko wieder zu verwirren. „Ja, turbulent“, flüsterte er gegen Chris‘ Lippen und legte seine zweite Hand auf dessen Schenkel.

Chris musste lächeln und das konnte Niko bestimmt spüren, denn ihre Lippen berührten sich noch immer. „Aber das war es auf jeden Fall wert, wenn es so eine unerwartet schöne Entwicklung nimmt“, lachte er leise und erkundete das fremde Terrain. Sanft strichen seine Lippen über das andere Paar und er knabberte fragend an der weichen Unterlippe.

„Schöne Entwicklung, hm?“, murmelte Niko leise, dem diese verdrehte Position allerdings die Muskeln schmerzen ließ. Also schob er Chris weiter gegen die Rückenlehne, ehe er sich rittlings über ihn beugte, ohne seine Lippen von dem anderen Paar zu trennen. „Das hättest du einfacher haben können.“ Doch dann hatte er genug vom Spielen. Wenn er morgen verschwand, dann wollte er heute noch einmal diesen wunderbaren Mann genießen, so viel wie der bereit war zu geben. Niko intensivierte den Kuss und seine Hände begannen langsam, Chris das Shirt hoch zu raffen.

Er konnte die Schauer spüren, die über den großen Körper liefen. Chris ließ sich in den Kuss fallen und legte nun seinerseits, eine Hand in Nikos Nacken, damit der nicht weg konnte und die andere schmuggelte er unter den Pullover. Er wollte die warme Haut endlich unter seinen Fingern spüren, wie er es sich in mancher einsamen Nacht vorgestellt hatte. Aber er wollte mehr. Er wollte Niko ganz und gar. Dieser Kuss und die wenigen Berührungen hatten etwas in ihm entfacht, das sie hier auf der Couch nicht löschen konnten. Darum löste er sich aus dem Kuss und sah ihn mit schon lustverhangenen Augen an. „Lass uns ins Schlafzimmer gehen. Dort ist es bequemer und ich habe alles da, was wir brauchen.“

„Denk dran – ich liege rechts“, grinste Niko und plötzlich war die Nervosität von ihm gewichen. Jetzt wusste er, woran er war und war wieder in sicherem Fahrwasser. Er grinste, als er sich langsam auf die Knie aufrichtete und auf Chris hinab sah. Und da sein Pullover sowieso schon unter den Achseln hing, konnte er ihn sich auch über den Kopf streifen. Langsam, Chris‘ Blick in seinem fixiert. Er wollte es genießen, wie Chris ihn ansah. Lange hatte Niko darauf gewartet, dass Chris ihn überhaupt einmal länger als nur für ein unverbindliches Lächeln ansah – das hier war sein Lohn und er wollte ihn auskosten.

Und er bekam nicht nur, was er sich erhofft hatte, denn den glühenden Augen, folgten die Finger und strichen über die glatte Brust, zogen die einzelnen, schön definierten Muskeln nach und Chris leckte sich über die Lippen. „Mhh“, machte er leise und seine Daumen strichen über die dunklen Knospen, die sich unter seiner Berührung verhärteten. „Lieg, wo du willst. Hauptsache es ist über oder unter mir. Das kannst du dir aussuchen.“ Chris grinste Niko an und beugte sich schnell vor, um sanft mit den Zähnen eine der Brustwarzen zu zwicken. Sofort schlossen sich Nikos Arme um Chris‘ Kopf und er drückte seine Nase in das dunkelblonde, verstrubbelte Haar. Der Mann roch fantastisch. Ohne es zu merken zogen seine Finger Chris‘ Shirt immer weiter nach oben und seine Finger strichen hauchzart über die heiße Haut.

„Lass uns rüber gehen“, nuschelte er in das dichte Haar, denn ihn ließen die Berührungen nicht kalt. Er wollte die enge Hose loswerden und mit jedem Zentimeter seines glühendes Leibes spüren, dass er nicht träumte, dass er Chris in Händen hielt und dass der sich alle Mühe gab, Niko in kürzester Zeit in den Wahnsinn zu treiben.

Chris strich noch einmal mit der Zunge über die köstliche, kleine Erhebung und schob Niko dann etwas von sich, damit er aufstehen konnte. Als sie beide standen, musste er Niko gleich wieder an sich ziehen und ihn küssen. Dabei setzte er sich langsam, rückwärts in Bewegung, ohne den Kuss zu lösen. Zum Glück war sein Loft nicht so voll gestellt, so dass er nur heile den Tisch umrunden musste und dann freie Bahn bis zur Schlafzimmertür hatte und Niko folgte ihm sprichwörtlich wie an Fäden gezogen. Er hatte die Augen geschlossen, gönnte sich keinen Blick rechts oder links. Er konzentrierte sich nur auf Chris, er wollte so viel in sich aufnehmen wie er nur konnte. Seinen Geruch, seinen Geschmack, den heißen Atem, die glühende Haut. Wenn er morgen das Land verließ, dann wollte er hiervon so lange zehren, wie es nur möglich war.

Sie waren so in den Kuss vertieft, dass sie beide nichts mehr um sich herum mitbekamen. So dass es ziemlich rummste, als sie gegen die Schlafzimmertür liefen und Chris sich ordentlich den Hinterkopf anstieß. „Autsch“, jaulte er auf und rieb sich über die schmerzende Stelle und sah verwundert hinter sich und musste grinsen. „Das ist mir auch noch nie passiert, dass ich so heiß auf jemanden bin, dass ich vergesse, Türen zu öffnen“, giggelte er und suchte schon wieder Nikos Lippen. Er konnte einfach nicht von ihnen lassen und so spürte er das Grinsen an seinen.

„Danke für das atemberaubende Kompliment.“ Lippen. Langsam strich Niko Chris‘ Arm entlang bis zur Hand und hob sie soweit an, das sie auf der Klinke zu liegen kam, um Chris einen dezenten Hinweis zu geben dass sie eventuell die Tür öffnen sollten, wenn sie nicht gleich hier auf dem Parkett vor der Tür übereinander herfallen wollten. Als die Tür sich unter dem Druck ihrer glühenden Leiber nach innen öffnete, zog Niko sein Leckerchen dichter an sich, damit er nicht doch noch zu Boden ging.

„Einfach geradeaus und wenn es nicht weitergeht, einfach fallen lassen“, gab Chris noch schnell Anweisung, wie sie zum Bett kamen, dass praktischerweise genau gegenüber von der Tür stand. Nun, da er die Verantwortung an Niko weitergegeben hatte, konnte er sich auf viel angenehmere Dinge konzentrieren, wie zum Beispiel, seine Hände streichelnd über Nikos Oberkörper tiefer gleiten zu lassen und die wirklich störende Hose zu öffnen.