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08. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

8 - Weiß, Schwarz, Grau - so viele Hüte oder "When that day comes I shall futterwacken... vigorously."

Dienstag, 16. Juni 2015 - Jobauflösung - Rudys Apartment

 

Fluchend rappelte sich Rudy auf, nachdem er vor Schreck aus dem Bett gefallen war. Wer in Dreiteufelsnamen klingelte hier Sturm? Es war... 4:30 Uhr, wie ihm sein Wecker erklären wollte und er hatte eigentlich erst um 7 aufzustehen, damit er pünktlich zur Arbeit kam. Wehe es starb nicht mindestens jemand oder das Haus stand in Flammen! Knurrig tapste er nur in Shorts zur Apartmenttür und riss sie auf. Da stand Kris. Ein verdammt wacher Kris. Wie viel Kaffee der wohl schon intus hatte? Er sah aber nicht panisch aus, also lag niemand im Sterben und es schien auch nicht zu brennen. Rauch war zumindest keiner zu riechen. Also, was war los?

 

"Tut mir leid, dass ich dich wecke, Rudy. Ich muss meine Arbeit in zwei Stunde abgeben und mein Computer ist abgeschmiert. Kann ich deinen benutzen? Es ist wirklich wichtig und wenn ich eine Alternative hätte, würde ich dich nicht stören." Es war Kris anzusehen, dass es ihm peinlich war und das entschädigte ihn etwas. Sein Nachbar hatte Glück, das er wirklich einen Computer hatte, den der verwenden konnte.

 

Wortlos nickte Rudy mit seinem Kopf in Richtung Apartment und schlurfte davon. Er brauchte jetzt erst einen Kaffee, sonst wurde er nie wach. Denn jetzt noch mal schlafen, das würde eh nicht klappen. Schon gar nicht, wenn jemand Anders mit in seinem Apartment war. Noch reichlich verschlafen lehnte sich Rudy mit der Hüfte gegen die Theke und wartete darauf, dass seine Kaffeemaschine fertig wurde. Er bemerkte nicht einmal richtig, dass Kris noch nicht rein gekommen war, er war noch gar nicht richtig aufnahmefähig. Das würde sich hoffentlich nach der ersten Tasse gegeben haben.

 

Als er schließlich an seinem Milchkaffee schlürfend ins Wohnzimmer tapste, wo sein Computer stand, saß Kris schon davor und schien es sich gemütlich machen zu wollen. Das würde zumindest die Kisten mit allerhand Material erklären. Für was man das wohl brauchte? Sicher, Kris hatte gesagt dass er Informatiker war, doch musste er dazu nicht zu seinen Kunden? Oder zumindest im selben Netzwerk sein? Selbst wenn er Computer geliefert bekam, an denen er arbeiten musste, dann würde ihm seiner so nichts helfen. Zumindest war das alles, was er über Informatiker wusste. Scheinbar war Rudy nicht auf dem neusten Stand.

 

Interessiert beugte sich der Kleinere über die Schulter seines Nachbarn. Das sah alles ziemlich kryptisch für ihn aus. Schnell fließende Zahlenkolonnen, Befehle mit denen Rudy so gar nichts anfangen konnte und ein kleines Fenster unten rechts, in dem zwei grüne Zahlen fix standen während sich acht weitere abwechselten. So etwas hatte er auf seinem Computer noch nie gesehen. Und schon gar nicht, wie Finger in dieser Geschwindigkeit über eine Tastatur rasen konnten. Er selbst praktizierte das Adlersuchsystem. Kreisen und zustechen. Er war nicht sehr schnell, aber das musste Rudy normalerweise auch nicht sein.

 

"Dein Computer ist abgeschmiert", es war mehr eine Feststellung denn eine Frage. Immerhin hatte Kris gesagt, dass das passiert war. Aber was verstand man darunter? Ohne Fragen würde er wohl auch keine Antworten bekommen und darauf hatte er doch eigentlich ein Recht. Immerhin hatte ihn sein Nachbar – zugegeben sehr heißer Nachbar – zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett geschmissen.

 

"Ja. Durchgeschmort. Ich brauch einen neuen und um halb fünf morgens bekomme ich nirgendwo einen her. Ich mach es wieder gut, versprochen, Rudy. Aber das hier ist sehr wichtig. Wenn ich die Arbeit nicht rechtzeitig beende, dann spricht sich das rum und ich bekomme gar keine Arbeit mehr." Entschuldigend wandte er seinen Kopf und blickte Rudy an. Er hätte den Jüngeren wirklich nicht geweckt, wenn es nicht wichtig wäre. Allerdings war er ihm nach dem Überfall heute wohl eine Erklärung schuldig. Und eine Entschuldigung. Da musste er sich noch etwas für einfallen lassen. Aber erst musste ein Schritt nach dem anderen getan werden. Seine Zeit rann. Wenn er bis in zwei Stunden nicht telefoniert hatte, war das ganz, ganz schlecht.

 

Einen Moment betrachtete er den Braunhaarigen noch aus dem Profil, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. Die machte sich ja noch nicht von allein. Was auch gut so war, denn sonst wären Spezialisten, wie er selbst einer war, arbeitslos. "Wenn es nicht zu viele Umstände macht... könntest du... kann ich einen Kaffee haben? Damit ich nicht einschlafen. Das kann ich mir wirklich nicht leisten." Kris rieb sich über seine Augen. Das war das Problem, wenn man freischaffend war. Man musste Tag und Nacht ran.

 

"Verdient hast du ihn ja eigentlich nicht, aber ich will mal nicht so sein", murmelte Rudy und warf noch einen Blick auf den Computer, bevor er wieder in die Küche tapste. Ein schwarzer Kaffee, das wusste er noch von Grannys Geburtstag. Seinen eigenen Kaffee schlürfend wartete er darauf, dass die Maschine fertig wurde.

Warum gleich hatte er eine, die Bohnen erst noch mahlen musste? Weil der Kaffee besser schmeckte! Aber normalerweise musste er auch zu nachtschlafender Zeit keinen Kaffee kochen. Das hier blieb hoffentlich auch das einzige Mal. Rudy lief noch auf Sparflamme und so langsam wurde ihm kalt. Nur Shorts waren nicht gerade wärmend, aber das war, womit er schlafen ging. Zumindest im Sommer.

 

Endlich war der Kaffee fertig und mit beiden Tassen kehrte er ins Wohnzimmer zurück. Das Bild hatte sich noch nicht verändert, also dauerte das wohl noch länger. Leise stellte er die Tasse auf einen kleinen Flecken freie Fläche. So voll war der Tisch auch noch nie gewesen. "Ich bin mal Duschen und mich anziehen. Ich bin dir ja eh keine Hilfe", informierte er und klopfte kurz aufmunternd auf Kris Schulter. Mit Computern war er nicht so schnell wie der Ältere.

 

Schnell waren frische Klamotten im Schlafzimmer geholt und kurz darauf stand er unter der warmen Dusche. Das war doch viel angenehmer, wenn er schon nicht in seinem warmen Bett liegen konnte. Aber man konnte wohl nicht alles haben. Nur gut, dass er die Nachbarn mit seiner Dusche nicht wecken konnte, denn sie hörten ja nicht mehr so gut. Und den Einzigen, den er damit wecken könnte, der saß schon munter in seinem Wohnzimmer und arbeitet. "Bin ich froh, dass ich normale Arbeitszeiten habe", murmelte Rudy. Jederzeit springen zu müssen, wenn es jemand wollte, war bestimmt auch nicht so toll. Außerdem ging das mit der Dauer an die Substanz.

 

30 Minuten später betrat er, sich die Haare mit einem Handtuch trocknend, wieder sein Wohnzimmer. Er fühlte sich schon viel wacher. Den Tag würde er schon irgendwie überstehen. Mit jeder Menge Kaffee, so viel war sicher. Kris schien schon weiter zu sein, denn inzwischen leuchteten sechs Zahlen in grün. Also mussten wohl alle Zahlen grün sein. Nur was tat sich dann? Für Lotto waren es zu viele Zahlen und für eine Kontonummer zu wenige. Was konnte man sonst mit zehn Zahlen anstellen? Da musste er wohl Kris fragen. Falls der ihm eine Antwort geben würde. Wer wusste schon, ob er das durfte.

 

"Magst du noch einen Kaffee?", das war sicheres Gebiet, da konnte Rudy nicht viel falsch machen. Die nonverbale Antwort in Form eines Nickens war Antwort genug und so nahm er sich die leere Tasse, um sie wieder aufzufüllen. So fühlte sich der Braunhaarige wenigstens etwas nützlich. Wenig später saß er neben dem Blonden und schlürfte seinen zweiten Kaffee. Wach werden war eine gute Idee, nicht dass er nachher noch eine der Kugeln fallen ließ. "Musst du häufiger mitten in der Nacht arbeiten? Normal ist das doch nicht." Irgendwie musste er ja Antworten bekommen. Und da half nur Fragen, wie er heute schon einmal festgestellt hatte.

 

"Nein, normal ist das wirklich nicht. Aber ich bin auch kein normaler Informatiker. Man nennt mich wohl White-Hat Hacker. Ich mach aber nichts Böses, sondern ich bin einer der Guten", beeilte sich Kris zu versichern. Nicht dass Rudy noch das Falsche von ihm dachte. Kris ließ seine Arbeit einen Moment ruhen und drehte sich Rudy zu, sah ihn ernst an. Der Jüngere musste ihm einfach glauben. "Du musst dir das vorstellen wie in den alten Westernfilmen. Anhand der verschiedenen Cowboyhüte konnte man die Menschen zuordnen. Weiße Hüte gehörten zu den Guten, graue wurden von den Neutralen getragen und die Bösen waren immer mit schwarzen Hüten unterwegs. Daher kommt das White-Hat Hacker."

 

Im ersten Moment war Rudy doch etwas geschockt. Er hatte einen Kriminellen in seiner Wohnung sitzen. Womöglich einer, der ihn nun umbringen würde, nachdem er sein Geheimnis kannte. Doch bevor er noch irgendwie in Panik verfallen konnte, schaltete sich der rationale Teil seines Gehirns wieder ein. //Kris hat mir bisher nichts getan, da wird er jetzt nicht damit anfangen. Außerdem hätte er mir gar nichts sagen müssen.// Und was viel wichtiger war, die Erklärung zu dem Namen war schon mal einfach. Zumal man solche Begriffe sicherlich auch irgendwo nachlesen konnte. Es stand viel im Internet.

 

So nickte der Braunhaarige nur und schielte wieder zu seinem Computer. Es leuchteten keine Bombenpläne auf seinem Monitor und es wurden auch keine Millionen von einem Konto auf ein anderes verschoben. "Und was macht ein White-Hat Hacker ganz genau?", wollte Rudy wissen. Bestimmt würde Kris auch diese Frage beantworten, wo er doch schon einmal damit angefangen hatte.

 

Erleichtert seufzte der jedoch auf und sackte etwas in sich zusammen. Rudy schien ihm zu glauben und er hatte ihn noch nicht aus der Wohnung oder gar dessen Leben geworfen. Das war doch schon mal gut. Darauf konnte man aufbauen. So wandte er sich wieder seiner Arbeit zu und antwortete trotzdem brav auf die ihm gestellte Frage. "Ich werden von Firmen arrangiert, um ihre Sicherheit zu überprüfen und Schwachstellen aufzudecken. Ich werde also dafür bezahlt, dass ich bei ihnen in die Computer eindringe. Eben auch mal mitten in der Nacht. Böse Hacker halten sich schließlich auch nicht an Bürozeiten." Im Moment musste er seine Tarnung so lange aufrechterhalten, bis sein kleines Programm den 10-stelligen Sicherheitscode geknackt hatte. Das Problem war nur, das der sich alle zwei Stunden änderte.

 

"Entweder Fragen die Firmen bei mir nach oder ich frage bei ihnen an, ob ich ihr System testen darf. Im Augenblick bin ich dabei, beim Police Department von San Francisco einzudringen. Wir sind alte Bekannte. Sie haben vor kurzem ihr Sicherheitssystem verbessert und ich soll jetzt testen, wie gut es ist. Ein 0815 Krimineller kommt da eh nicht so leicht rein. Aber es gibt auch Black-Hat Hacker und wenn die das System überlisten, kann das Übel enden. Informationen zu laufenden Ermittlungen, Aufenthaltsorte von Zeugen, Akten können verfälscht werden. Nichts, worauf die Polizei wert legt."

 

Kris nahm noch einen Schluck Kaffee. Im Moment konnte er nichts anderes machen als warten. Die Zahlen mussten alle Grün werden und er selbst nur in die Tasten hauen, wenn jemand versuchte in seinen Computer... vielmehr Rudys Computer, einzudringen, um ihn zu stoppen. Da konnte er seinem Nachbarn auch die Fragen beantworten, die der hatte. Immerhin wollte er diese Freundschaft nicht verlieren und das könnte passieren, wenn er nicht ehrlich zu ihm war. Kris hatte schon viel zu lange geschwiegen, immerhin kannten sie sich seit März und jetzt hatten sie schon Juni.

 

"Also das gute alte Spiel zwischen Gut und Böse. Darum geht es doch immer. Hat man dich schon jemals erwischt? Ich meine... man kann noch so gut sein, man hinterlässt doch immer irgendwo Spuren. Und wenn es nur für einen kurzen Moment ist", wollte Rudy wissen. Er machte sich Sorgen um Kris. Nicht dass sich mal jemand in seiner Ehre gekränkt fühlte und bei Kris auf der Matte stand. Das konnte übel enden.

 

Es verursachte ein warmes Gefühl in Kris Brust, als er die Sorge von Rudy hörte. Das hatte er in letzte Zeit viel zu selten gehört. "Nein, hat man noch nicht. Ich bin immer sehr vorsichtig und verschleiere alles. Sie können mich nicht aufspüren. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass irgendwann mal bezahlte Schläger vor der Tür stehen. Ich mach den Job nicht erst seit gestern, ich weiß, wie ich unsichtbar bleiben kann. Das Geld wird auch nicht direkt auf mein Konto überwiesen. Aber ich glaube, das ist zu kompliziert und du willst es auch gar nicht wissen. Wichtig ist nur, dass mein Umfeld und ich geschützt und sicher sind. So sicher wie es geht."

 

 

Die nächste halbe Stunde verbrachten sie mit Smalltalk. Nur davon unterbrochen, wenn Rudy neuen Kaffee kochte. Einschlafen war für niemanden eine Option. Auch wenn Kris schlafen konnte, wenn er hier fertig war, konnte Rudy es nicht. Er musste seinen Laden nachher um 8 öffnen.

 

Rudy schreckte auf, als es plötzlich piepste. Was piepste hier? Das hörte er zum ersten Mal. Das Lachen von Kris ließ ihn schmollen. Der Ältere war gemein. Das Piepen hatte ihn eben überrascht. "Fertig?", wollte er überflüssigerweise wissen. Das war eigentlich die einzige Lösung, sonst würde es nicht piepen.

 

"Ja, ist fertig", murmelte Kris, mit den Gedanken schon viel weiter. Er kramte einen USB-Stick aus einer der Kisten und steckte ihn in den Computer. Er brauchte da noch eine Datei davon. Seine Visitenkarte. Die hatte jeder Hacker, egal welche Farbe der symbolische Hut hatte. Mit wenigen Klicks prangte seine Visitenkarte auf dem Monitor und anschließend auf sämtlichen Computern der Polizei. Ein Altmodischer hoher Zylinder mit einer Karte, die hinter das Hutband geklemmt war.

 

"When that day comes I shall futterwacken... vigorously. The Mad Hatter", murmelte Rudy. Was war das denn für ein seltsamer Satz? Was war Futterwacken? "Was ist das denn für ein dämlicher Satz?“

Auf die Frage: "Kennst du kennst Alice in Wonderland nicht?", konnte er nur den Kopf schütteln. Nie gesehen.

 

"Den müssen wir bei Gelegenheit mal anschauen. Der neue von Tim Burton mit Johnny Depp ist wirklich gut", konnte Kris noch sagen, bevor sein Handy klingelte. Breit grinsend stellte er auf Lautsprecher. "Sie sprechen mit dem Mad Hatter. Wenn Sie etwas nach mir werfen wollen, dann legen Sie jetzt auf."

Ein angenehmes Lachen klang aus dem Handy. "Hier ist der March Hare. Ich habe Ihre Einladung zur Tea Party erhalten."

Kris lachte ebenfalls. "Ihr habt’s mir diesmal schwer gemacht, Donald. Euer neues System ist echt gut."

"Das muss es auch, Mad Hatter. Sie haben unsere Techniker ganz schön auf Trab gehalten. Wir überweisen das Geld wie üblich und melden uns, wenn es wieder etwas zu testen gibt. Die Techniker müssen erst wieder ihr Ego pflegen." Danach war die Verbindung unterbrochen.

 

Kris beendete Kopfschüttelnd die Verbindung. So hatte er Donald kennen gelernt. Immer schnell und präzise. Seine Arbeit war für heute erledigt, da konnte er nachher in Ruhe einkaufen. "Der March Hare?", wollte Rudy verwirrt wissen. "Wir müssen Alice in Wonderland anschauen! Soviel ist sicher. Bildungslücken müssen ausgemerzt werden."




Advent [Laila]

 

Midgard, die Welt der Menschen, sie war so anders wie Asgard, die Welt der Götter. Der Asen um genau zu sein.

Die kleinen Leute wie sie Odin gerne nannte, waren nicht weit entwickelt, aber sie hatten Kampfgeist. Dass wussten die Götter nur zu gut.

Nach eine Zweimonaten Aufenthalt auf der Erde war so vieles anders geworden. Thor und Loki hatten die Menschen besucht um von ihnen zu lernen.

Viel hatte sich verändert. Aber in einem Punkt waren sich die beiden jungen Männer einig, die Menschen waren schlimmer, als andere Wesen. Sie waren habgierig und machtbesessen. Sie kämpften und töteten aus Neid.

Eine Eigenart, die viele Völker hatten, so leider auch die Menschen.

Es gab aber auch schöne Seite.

Es gab Menschen, die anderen halfen und sich um sie kümmerten. Hinzu kamen Feste wie Weihnachten und die Zeit bis dahin, die man Advent nannte.

 

Als Thor an diesem Morgen erwachten, war er allein in dem Zimmer, welches er sich mit Loki teilte. Schon seit fast 4 Jahren waren die beiden Götter ein Liebespaar. Für ihre Liebe zueinander hatten sie sogar auf den Thron verzichtet.

Auch wenn Loki kein Ase, sondern ein Frostriese war, so gehörte er in diese Familie und Thor liebt ihn somit noch mehr.

Verwundert sah er sich um und runzelte die Stirn. Sie waren zusammen eingeschlafen. Dass wusste er genau. Sie hatten sich letzte Nacht auch geliebt.

Ein breites Grinsen huschte über seine Züge, als er daran dachte. Der schöne Lügengott mit den grünen Augen gehörte nur ihm. Ihm ganz alleine.

Als er sich zur Seite drehte, entdeckte er einen Briefumschlag auf dem Kopfkissen.

Fragend richtete er sich auf und griff danach.

Auf dem Bogen stand eine 1.

Langsam öffnete er das Pergament. Das war eindeutig Lokis Handschrift.

 

Guten Morgen mein Liebster,

dies wird das, was die Menschen einen Adventskalender nennen. Ich muss dir nichts süßes schenken. Ich möchte dir jeden Tag nur sagen, wie sehr ich dich liebe und dafür gibt es mehr als 24 Gründe.

Das ich nicht bei dir bin, hat den Grund, dass ich mit Drangur zu Hell unterwegs bin. Ich wollte dich aber nicht wecken. In ein paar Stunden bin ich wieder bei dir.

Grund 1:

Deine Hände. Sie sind weich, obwohl du ein Krieger bist. Ich liebe es, von dir berührt zu werden. Wenn deine Finger über meine Haut wandern.

Sie kosen mich. Bringen mein Blut in Wallung. Es ist, als wenn du mich verbrennst und ich genieße es. Ich liebe dieses Gefühl. Wie so viele andere Dinge an dir.

Auch jetzt, als ich diese Zeilen schreiben, spürte ich die Hitze deiner Hände. Ich spüre, die Liebe und die Macht die darin liegen.

Du bist das Beste und schönste, dass mir je begegnet ist.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

Thor schnappt nach Luft und musste sich zusammen reise. Diese Zeilen, diese paar Worte bewegten ihn tief.

Seine Liebe zu Loki war alles was er hatte. Nichts anderes kam dem gleich und dann bekam er diese Zeilen geschenkt.

Wohin hatte er das nur verdient?

Hastig sprang er aus dem Bett und unter die Dusche. Er hätte zu ihm fliegen können, aber das tat er nicht. Loki war mit seinem geliebten Wallach Drangur unterwegs und das Vergnügen wollte er ihm lassen.

Die Stunden zogen sich träge dahin bis er Loki endlich in die Arme schließen konnte. Aber als er es dann tun können, tat er dies mit der Liebe die er empfand.

Mit all den Gefühlen, die sein Gott mit dem Schreiben geweckt hatte.

Insgeheim war Thor neugierig auf den nächsten Brief, aber im Moment zählte nur Lokis Nähe.

 

 

2. Dezember

 

An diesem Morgen war Loki bei ihm.

Sein Liebster lag mit geschlossenen Augen neben ihm. Seine Atmung war ruhig.

Ein Lächeln huschte über Thors Züge. Er kuschelte sich wieder in die Decke. Eigentlich wollte er die Augen schließen und noch etwas schlafen, aber Lokis Gesicht hielt ihn gefangen. Der Schwung der Augenbrauen, die sich im Spott immer hoben.

Die geschlossenen Lieder, die unglaublich weich wirkten.

Thor wusste, was sein Bruder, oder wohl eher sein Ziehbruder konnte. In dem schönen jungen Mann steckte Kraft und Macht.

Ein Lächeln huschte über seine Züge, als er daran dachte, wie Loki die Temperatur ändern konnte. Dank dem Erbe der Frostriese konnte er alles innerhalb Sekunden gefrieren lassen.

„Du starrst mich an“, hauchte Loki.

Die Augen immer noch geschlossen, lag er da.

Überrascht schnappte Thor nach Luft.

„Du bist einfach nur wunderschön. Ich liebe es dich anzusehen“, gestand der blonde Donnergott.

Ein spöttisches Lachen ertönte, welches Thor ebenfalls liebte, auch wenn andere es für böse hielten.

Der Lügengott öffnete die Augen und sah ihn an.

Für einen Augenblick stockte Thor der Atem. Die schönen, grünen Augen funkelten regelrecht.

Weiche Hände wanderten über seinen Leib, als sich Loki näher schob.

Er presste sich an den schönen Gott und küsste ihn sanft.

Ihre Lippen trafen sich und Thor bat um Einlass. Dieser wurde ihm sofort gewährt.

Ein heißes Zungenspiel entstand, in dem Loki gewann. Er mochte in einigen Dingen unterlegen sein, aber der Verführer war er und das zeigte er Thor auch.

Forsch schlang er seine Beine um den Donnergott und presste sich an ihn. Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich. Nackte Haut rieb aufeinander und Thor stöhnte in ihren Kuss hinein.

Finger krochen über seinen Rücken, zogen immer wieder kleine Kreise, während ihre Zungen einen wilden Kampf fochten.

Der Lügengott bog den Rücken durch und streckte sich damit noch weiter seinem Liebsten entgegen.

Thor verlagerte sein Gewicht auf den rechten Arm und ließ die andere Hand zwischen ihre Körper wandern.

Unwillkürlich stöhnte Loki auf, als Finger über seine Hüften strichen.

Ihr Kuss wurde immer forscher, drängender.

Die Lust steigerte sich noch etwas, als Loki nach Thors Po griff. Nur mit den Fingerspitzen konnte er die heiße Haut berühren.

So konnte ruhig jeder Morgen beginnen.

 

Später fand Thor wieder einen kleinen Zettel.

Grinsend öffnete er ihn.

 

2. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

 

heute teile ich dir wieder einen Grund mit, warum ich dich so sehr liebe.

Ich möchte dir sagen, wie sehr es mich freut, dass du diese Zettel magst. Deine leuchtenden Augen als ich wiederkam sagten mir alles.

Dann nenn mich eben romantisch. Für dich bin ich es gerne.

Grund 2:

Du stehst zu mir. Ich bin nicht dein Bruder, was unsere Lieben bedeutend einfacher macht. Als du erfahren hast, dass ich ein Frostriese bin, hast du mich nicht verstoßen. Sondern du bist immer noch hier bei mir.

Wenn man es so betrachtet, bin ich deiner nicht würdig. Dennoch hast du nicht aufgegeben.

Ich kann dir gar nicht sagen, was das genau für mich bedeutet. Ich bin kein Ase, kein Gott und dennoch behandelst du mich so und das macht mich glücklich.

Du bist MEIN.

 

In Liebe

Loki

 

 

3. Dezember

 

Für die kleinen Liebeserklärungen hatte Loki mehr als nur einen Kuss verdient.

Thor wollte sich dafür bedanken, auch wenn er nicht wusste wie. In diesem Punkten war er nicht so kreativ wie sein Freund.  Zwar konnte er mit dem Schwert umgehen und auch seinen Hammer handhabte er hervorragend, aber er konnte sich nicht ausdrücken.

Unruhig tigerte er nach dem Aufstehen im Palast hin und her.

Loki war wieder bei Hell um einige Dinge zu klären. Die schöne, schwarzhaarige Göttin der Unterwelt war für ihn wie eine Schwester. Dennoch spürte er den Stich der Eifersucht, wenn Loki bei ihr war. Im Grunde wusste er, dass er sich keine Gedanken darüber machen sollte, aber er tat es dennoch. Und dafür hasste er sich.

Murrend zog er Lokis Zettel aus der Tasche und las ihn erneut.

 

3. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

 

auch heute werde ich wieder nicht den ganzen Tag bei dir sein, auch wenn ich es mir wünsche. Aber ich habe Hell versprochen ihr zu helfen. Die Zauberformel kann sie nicht alleine. Sei mir nicht böse.

Dafür werden wir dann einen schönen Abend zusammen verbringen.

Grund 4:

Dein Lächeln.

Im Grunde brauche ich nichts dazu zu sagen. Dein Lächeln ist umwerfend. Ich habe es schon immer geliebt. Als Kind fand ich es beruhigt. Es sagte immer, dass alles gut werden würde. Uns zusammen konnte nichts passieren.

Heute ist es dieses Lächeln, wenn wir zum Beispiel unter unseren Freunden sind. Dann weiß ich, dass dieses Lächeln alleine nur mir gehört und niemanden sonst.

Es ist, auch wenn es wirklich kitschig klingt, mein Licht in der Dunkelheit.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

Thor blieb stehen und presste den Zettel an seine Brust.

Dann würde er Loki nachher mit diesem Lächeln empfangen und hoffen, dass diese lächerliche Eifersucht verschwand. Wer solche schönen Briefe schrieb, konnte nicht untreu sein.

Das sagte ihm sein Herz.

 

 

4. Dezember

 

Loki war am späten Nachmittag wieder gekommen. Thor hatte bereits auf ihn gewartet.

Der Donnergott hatte seine Ungeduld und Sehnsucht kaum verbergen können.

Ihr Zimmer war dunkel gewesen, als Loki es betrat. Nur zwei kleine Kerzen brannten.

In der Mitte des Raumes hatte Thor mit zwei Gläsern Sekt gestanden. Er wusste, dass sein Liebster dieses Getränk mochte.

Es war nichts im Vergleich zu dem Adventskalender, aber er hatte ihm eine Freude machen wollen. Auch wenn es nur eine kleine Geste war, so kam sie aus tiefstem Herzen.

Loki war sprachlos gewesen. Er hatte es kaum fassen können. Nach all der Arbeit mit Hell, bekam er zu Hause so eine wunderbare Überraschung.

Glücklich war es in Thors Arme gesunken und sie hatten sich einen schönen Abend gemacht.

Heute kam der Brief erst gegen Mittag.

Thor hatte schon auf ihn gewartet.

 

4. Dezember

 

Mein Geliebter,

 

du schläfst noch neben mir. Es ist ein so schöner Anblick. Deine blonden Strähnen umrahmen dein schönes Gesicht. Ich kann mich daran ebenfalls nicht satt sehen.

Deine Überraschung gestern war toll. Vielen Dank dafür. Aber du musst mir diese Briefe nicht vergelten. Das mochte ich gar nicht. Es ist nur meine Art, die zu sagen, wie sehr ich dich liebe.

 

Grund 4:

Diese kleinen Geräusche die du beim Sex machst.

Es mag blöd klingen, aber ich liebe das. Letzte Nacht war es auch so. Es ist schwer das zu beschreiben. Du stöhnst meinen Namen und dann ist da noch dieses kleine Geräusch. Es klingt wie ein Schnaufen.

Ich liebe das. Es jagt mir jedes mal zusätzlich einen Schauer über den Rücken. Halt es für verrückt, aber ich musste wieder daran denken. Es sind nur Kleinigkeiten, aber die machen uns aus.

 

Für immer

Dein Loki

 

Erstaunt runzelte Thor die Stirn, musste deswegen aber grinsen. An solche Geräusche konnte er sich nun beim besten Willen nicht erinnern. Er hatte in solchen Momenten nur Augen für Loki. Wie der schöne Leib unter ihm glühte.

Vielleicht sollte er ihm das auch mal sagen?

 

 

5. Dezember

 

Der nächste Morgen begann hektisch.

Sif hatte einen Unfall gehabt und wurde in den Palast gebracht. Die junge Göttin war vom Pferd gestürzt und hatte sich den Knöchel gebrochen. Sonst schien ihr es aber gut zu gehen. Sie hatte noch ein paar Prellen davon getragen, aber das konnte die Kriegerin nicht aufhalten.

Schon von Kindesbeinen an, waren sie, Thor, Loki, Brigg, Tyr und Sigyn befreundet.

Früher hatte Sif immer davon geträumt ein Mann zu sein und zu kämpfen. Heute genoss sie auch ihr Leben als Frau.

„Wie geht es dir Thor? Du strahlst ja so“, neckte sie.

Ein Lachen perlte von ihren Lippen. Die erste Zeit war es schwer für sie gewesen, dass Loki und Thor ein Paar waren. Mochte sie Thor doch auch sehr gern.

„Oh ja, mir geht’s gut. Alles bestens bei uns.“

Er zwinkerte kurz und setzte sich dann zu ihr.

„Also läuft es gut mit Loki?“

Dazu konnte Thor nur nicken.

„Es läuft richtig gut. Ich liebe ihn und wir sind glücklich. Ich bekomme jeden Tag kleine Botschaften von ihm. So kleine Liebeserklärungen“, gestand er leise.

Eigentlich hatte er das gar nicht sagen wollen, aber es war doch raus gerutscht.

Sif lachte und strich sich durch die schwarzen Haare.

„Loki konnte sich schon immer gut ausdrücken. Das ist schon süß.“

Thor sah sie genau an.

„Wie kann ich ihm das danken?“ fragte er.

Die Göttin neigte den Kopf und zuckte kurz die Schultern.

„Ich überlege mir etwas“, versprach sie.

Ganz spontan fiel ihr nichts ein. Aber da sie sich nicht bewegen durfte, hatte sie genug Zeit zum nachdenken.

 

5. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

 

es macht Spaß, diese kleine Botschaften für dich zu schreiben. Es macht mich immer wieder glücklich, dass du dich darüber freust. Manche werden es für lächerlich halten. Mutter hat auch schon gelacht. Aber ich denke, ihr gefiel die Idee.

Sie meinte ja schon immer, so etwas würde mir liegen.

 

Grund 5:

Dein Mut

Du hast noch nie zurück geschreckt, wenn es um einen Kampf ging. Du hast dich viel lieber hinein gestürzt. Angst war in diesem Punkte ein Fremdwort für dich.

Als die Frostriesen kamen hast du sie mit erhobenem Hammer begrüßt. Ohne daran zu denken, dass du fallen könntest.

Aber nicht nur im Kampf hast du Mut besessen, sondern auch, als es darum ging unserer Familie von uns zu erzählen. Du hast dich Odin gestellt, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Zuerst habe ich es für verrückt gehalten, aber es ist der Mut in dir.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

6. Dezember

 

Nikolaus.

 

Heute war der Tag, denn die Menschen Nikolaus nannten. Bezeichnet nach einem Schutzheiligen.

Im Grunde war Thor dies egal. Für ihn gab es diesen Mann nicht und das Fest kannte er ebenfalls nicht. Dennoch liebte er Lokis kleine Zettel.

Sie waren eine helle Freude.

 

Mit schnellen Schritten durchquerte Thor den Palast. Er war auf dem Weg zu Sif.  Er wollte von ihr endlich eine Antwort haben, wie er Loki danken konnte.

Den heutigen Zettel hielt er fest an sich gedrückt.

 

„Guten morgen Sif. Wie geht’s dir heute?“ fragte er.

Die Göttin setze sich etwas auf und sah ihn an.

„Guten Morgen Thor. Danke, es geht schon. Aber aufstehen darf ich immer noch nicht. Das rumliegen nervt mich“, schmollte sie.

Dabei war es erst einen Tag her.

Thor lachte und setzte sich zu ihr.

„Du nun wieder. Das klingt, als würdest du schon seit zwei Wochen im Bett liegen. Das wird schon wieder.“

Aber Sif zuckte nur die Schultern.

„Gibt es wieder einen Brief?“

Neugierig sah sie ihn an.

Vielleicht lag auch etwas Neid in ihrem Blick. Welcher Mann schrieb schon solche Briefe? Sie hätte es auch gerne. Aber es gab leider keinen Mann.

„Ja, gibt es.“

Thor war nicht bereit, ihr diesen Brief zu zeigen.

Er drückte ihn fester an sich und dachte an Loki.

 

6. Dezember

 

Guten Morgen mein Liebster,

 

heute ist der 6. Dezember. Das was die Menschen Nikolaus nennen. Bei uns gibt es so etwas ja nicht. Dennoch fand ich die Idee sehr schön.

Es wird nachher auch noch eine kleine Überraschung geben. Also sei gespannt.

 

Grund 6:

Deine Augen.

Von mir aus, kannst du lachen. Aber ich liebe deine Augen. Dein Blau.

Immer sagst du, dass meine Augen so grün wie das Moos sind. Selbst wenn sie im Spott funkeln. Eine Eigenart die ich einfach nicht abstellen kann. Aber das muss ich dir nicht sagen.

Auch wenn ich mich wiederhole, ich liebe das Funkeln deiner blauen Augen. Sie erinnern mich immer an den kleinen zugefrorenen Seen, an dem wir als Kinder waren.

Wenn sie mich anstrahlen geht die Sonne auf.

Ich freue mich auf nachher.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

Auch wenn Thor noch nicht wusste, was sein Liebster geplant hatte, so war er neugierig.

„Ach komm schon. Zeig ihn mir. Ich möchte ihn auch gerne sehen“, bettelte Sif.

Aber Thor schüttelte den Kopf.

„Nein, denn gibt’s heute nicht zu sehen. Hast du eine Idee?“

Sif funkelte ihn an und zuckte dann die Schultern.

„Du zeigst ihn mir nicht und ich soll dir dennoch eine Antwort geben? Ach Thor. Ich bin wirklich zu lieb für diese Welt.“

Sie schwieg einen Moment, dann sagte sie.

„Loki ist Magier. Er liebt Edelsteine und diese kleinen Kristalle. Viele davon stehen für eine bestimmte Sache. Wie Liebe oder Freundschaft. Schenk ihm doch so etwas.“

Die Worten standen einen Moment im Raum und Thor runzelte die Stirn.

Die Idee hatte etwas. Zumal Loki diese Sachen wirklich liebte.

„Danke Sif.“
Damit erhob er sich und küsste sie auf die Wange.

Nun wusste er, was er noch erledigen musste.

 

 

7. Dezember

 

Am später Nachmittag des 6. Dezembers war Thor in den Palast zurück gekehrt. Er hatte einige der Steine besorgt. So einfach war es nicht gewesen. Aber für Loki würde er alles tun. Auch mit den Elfen feilschen.

Sein Liebster hatte ihn bereits in ihrem Zimmer erwartet.

„Da bist du ja endlich. Wo warst du denn so lange?“ fragte Loki.

Sein Blick fuhr über seinen Freund und er zog eine Braue hoch.

„Hey Schatz. Ich musste etwas erledigen. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat.“

Sanft hauchte er Loki einen Kuss auf die Lippen und wollte ihn an sich ziehen. Aber der andere Gott wehrte ihn ab.

„Wo warst du?“

Seine Stimme klang eine Spur zu tief. Er war sauer.

Überrascht sah Thor ihn an. War sein Freund wütend auf ihn?
„Was ist denn los? Ich war bei den Elfen. Ich hatte etwas zu erledigen.“

Er griff nach Lokis Hand und hielt sie an seine Brust.

„Aha. Nun gut. Bei Sif warst du ja nicht.“

Loki machte eine Pause und setzte sich auf eines der Sofas im Raum. Dank des großes Zimmers, gab es mehr als ein Bett und Schränke.

Götter brauchten eben Platz.

„Ich hatte eine Überraschung, aber dafür ist es nun zu spät“, murrte er.

Sein Blick blieb unbewegt, als er Thor musterte. Der schluckte trocken und kniete sich vor ihm nieder.

„Schatz. Es tut mir Leid. Ich hätte eher da sein sollen. Bitte vergib mir. Aber ich wollte dir auch eine Freude machen. Leider hat dies länger gedauert. Vergebung.“

Langsam hob er Lokis Hand an seinen Mund und küsste die Fingerkuppen. Er wusste, dass Lokis dies mochte.

Der Lügengott blinzelte erstaunt.

„Du bist doch verrückt“, murmelte er langsam.

Seine Finger kitzelten von der sanften Berührung.

„Für dich immer“, hauchte Thor.

Bedächtig erhob sich Thor und drückte seinen Freund nieder. Zu gern ließ sich Lokis dies gefallen.

Ihr Kuss war sanft, voller Zuneigung. Vergessen war jeder Art der Wut.

 

Am nächsten Morgen kuschelte sich Loki an ihn. Die Augen geschlossen, spürte er den Herzschlag seines Gottes nach.

Der Brief lag bereits auf dem Nachttisch.

 

7. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

ich war gestern Abend wirklich sauer auf dich, auch wenn der Grund unberechtigt war. Ich habe auch Pflichten und bin oft nicht im Palast. Ich sollte dir dies auch zugestehen. Bitte verzeih mir mein Verhalten.

Wenn es um dich geht, bin ich eben etwas seltsam, wie Brigg zu sagen pflegt.

 

Grund 7:

Deine Zärtlichkeit

Man kann es kaum glauben, dass ein Mann wie du so zärtlich sein kann. Ich aber weiß das. Ich weiß, dass du sanft und zärtlich sein kannst. Gestern Abend war der beste Beweis dazu.

Ich benehme mich wie ein Idiot und du küsst mich einfach.

Du bist das beste was mir je passiert ist. Ich will diese Liebe zu dir nicht missen. Ich brauche sie wie du Luft zum atmen.

Wie sanft du sein kannst, kann ich nicht beschreiben. Ich spüre es.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

Loki war wieder eingeschlafen und als er erwachte, war Thor nicht mehr bei ihm.

Blinzelnd sah er sich um und rieb sich über die Augen.

„Thor?“

Aber er war alleine im Zimmer.

Grummelnd drehte er sich zur Seite und spürte etwas kaltes an seinem Arm.

Erstaunt sah er den kleinen Stein an. Er nahm ihn in die Finger und hielt ihn ins Licht.

„Ein Zauberkristall?“

Sein Herz machte einen Satz.

Thor war wirklich verrückt. Deswegen war er bei den Elfen gewesen.

Als er aufstand, hielt er den Kristall in der Hand. Das war das schönste Geschenk.

 

Advent [Laila]

 

8. Dezember

 

Heute war einer dieser Adventstage. Der zweite Advent um genau zu sein.

Für die Asen gab es so etwas nicht. Aber Frigga, die Mutter aller hatte sich interessiert gezeigt. Im großen Thronsaal gab es einen Adventskranz. Frigga hatte ihn mit Kerzen und Kugeln schmücken lassen.

Dank der Elfen gab es soetwas bei ihnen auch. Sie sahen anders aus, als die in der Menschenwelt, aber sie waren wunderschön. Größtenteils bestanden sie aus Glas und waren mit Ornamenten geschmückt.

Es gab auch einige Tannenzweige die an den Wänden angebracht waren.

Dieser Schmuck hüllte Asgard in einen neuen Glanz.

Frigga hatte die kleine Briefe bemerkt, die Loki für Thor schrieb. Sie hatte sie nicht gelesen, aber sie fand sie sehr schön. Die Idee dahinter, passte zu ihrem Sohn.

Auch wenn Loki kein Ase war, so liebte sie ihn wie ihr einiges Kind.

 

„Hallo Kinder, wie geht es euch?“ begrüßte Frigga ihre beiden Kinder als sie in den Thronsaal traten.

Erstaunt sahen sich Loki und Thor um. Es sah anders aus, aber sehr schön.

„Hallo Mutter. Danke, uns geht es gut. Das hast du toll gemacht“, lobte Loki und küsste Frigga auf die Wange.

Die schöne Göttin lachte, als auch Thor sie sanft küsste.

Da war es auch egal, wie alt ihre Jungs waren.

„Danke. Das ist sehr lieb von euch. Sogar euer Vater findet es nett. Kommt, wir trinken einen Tee.“

Damit setze sie sich und winkte einen Diener Tee und Gebäck zu bringen.

„Ich habe von dem Zauberkristall gehört denn du Loki geschenkt hast. Das war eine sehr nette Geste.“

Ein Zwinkern lag dabei in ihren Augen, dass ihr alterloses Gesicht noch schöner machte.

Beschämt sah Thor zu Boden.

Er musste an letzte Nacht denken. Oder schon eher an den Tag.

Loki hatte ihn auf einer der Wiesen beim Training gefunden. Ohne auf etwas zu achten, war sein Liebster in seine Arme geflogen und hatte ihn geküsst.

Das Folgende trieb ihm die Röte ins Gesicht.

Wieder lachte Frigga.

„Wie ich sehe, seid ihr beide damit glücklich.“

Der Diener brachte das Gewünschte und das Gespräch verlief in einer andere Richtung.

 

Den Nachmittag verbrachten sie zusammen mit Frigga, Odin, Tyr, Sif, Hell und Brigg in der großen Halle. Dort brannten die Kerzen und zauberten eine gemütliche Atmosphäre.

 

8. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

ich möchte mich nochmals für den Kristall bedanken. Das hättest du nicht tun müssen. Ich danke dir. Es war das schönste Geschenk überhaupt.

Das ich dich auf der Wiese so überfallen habe, nun, dass war einfach Wahnsinn. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Grund 8:

Deine Direktheit

Du hast noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Immer sagst du offen was du denkst. Dabei ist es egal, ob es ein Hauptmann oder Odin direkt ist.

Ich weiß, wie sehr du Vater liebst. Ich weiß aber auch, dass diese Offenheit nicht immer gut in seinen Augen ist.

Ich dagegen mag sie. Sie hat etwas erfrischendes.

Ohne sie, wäre wir wohl nie zusammen gekommen.

 

In ewiger Liebe

Loki


 

Was ist Weihnachten? [Britta & Fich] - Ein Terra3.0-Zyklus

 

02

 

Aufgeregt huschte Janis durch sein Haus und guckte, ob alles ordentlich war. Schließlich kam endlich Eljas nach Hause. Janis hatte sich angeboten etwas für sie zu kochen. Das Essen war im Ofen und wurde dort warm gehalten. Jetzt fehlte nur noch sein Schatz und der fehlte wirklich. Es hatte Eljas unwahrscheinlich vermisst und konnte es gar nicht erwarten, dass er endlich zu ihm kam.

„Jetzt mach schon, sonst fange ich vor lauter Ungeduld an, wieder alles unordentlich zu machen und das wäre gar nicht gut“, murmelte er leise und fing eine neue Runde an. Er tigerte durch die ebenerdige Etage, die Treppe nach oben ins Schafzimmer, zum Fenster von dem aus er rüber zu Eljas‘ Haus sehen konnte und er stockte.

Da – endlich!

In Eljas‘ Haus brannte endlich Licht. Sein Schatz war also endlich zu hause. Erst wollte er stehen bleiben und warten, bis Eljas das Haus verließ und zu ihm kam, doch dann ging er wieder nach unten, nur um anschließend wieder die Treppe nach oben zu laufen.

Er war so nervös.

Wieder stand er am Fenster und sah zu Eljas‘ Haus. Das Licht war aus, was nur heißen konnte, das sein Schatz auf dem Weg zu ihm war.

„Er kommt“, rief Janis aufgeregt und polterte die Treppe wieder nach unten, weil er vor lauter Aufregung fast über seine eigenen Füße gestolpert wäre. Unten konnte er sich gerade noch fangen. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern. Er tigerte also immer vor der Tür hin und her und schielte immer wieder auf das paar dicker Socken, das er extra für seinen Schatz gestrickt hatte. Hoffentlich gefiel Eljas das Muster.

Janis hatte sich kurz derart in seinen Gedanken verloren, dass er zuckte, als es klingelte und er die Tür aufriss. Eljas erschrak sich, weil er nicht so schnell mit einer Reaktion gerechnet hatte und hielt sich das Herz, lächelte aber.

„Eljas“, rief Janis und griff die Hand seines Freundes. Er zog ihn mit einem Ruck ins Haus und lachte ausgelassen.

Endlich war er da.

Darauf hatte Janis die letzten Tage sehnsüchtig gewartet.

Er gab der Tür einen Schubs, damit sie zufiel und schon lagen seine Arme um Eljas‘ Hals. „Endlich bist du da, Schatz.“

„Ja, endlich bin ich wieder da“, sagte auch Eljas, ehe er sich nur zu gern dichter an Janis ziehen ließ. Er hatte diesen Kuss ersehnt, sich eine Woche lang vorgestellt, wie es werden würde und jetzt war es noch besser als er erhofft hatte. Die Lippen waren weich und heiß, sanft und doch fordernd. Sie machten Versprechungen und Hunger auf mehr. Er ließ sich gegen die Tür in seinem Rücken sinken und legte seine Arme um Janis. Das war es wert zu wesen, heute keine Pausen zu machen und nach Hause zu hetzen, nur um schnell zu duschen, anstatt wie früher entspannt zu baden.

Es war es wert!

Janis war es wert.

Janis war ein wenig außer Atem, als er endlich von Eljas abließ. „Das war gut“, lachte er ausgelassen und küsste Eljas gleich noch einmal. Er hatte so lange darauf warten müssen. „Das habe ich jetzt gebraucht“, grinste er und lehnte sich ein wenig in die ihn haltenden Armen, damit er Eljas ansehen konnte. „Hast du Hunger?“

„Ich hatte leckere Zunge, aber ein Häppchen könnte ich noch vertragen“, lachte Eljas und lehnte sich immer noch gegen die Tür.

Seine Knie zitterten.

Was war das denn?

War das der Hunger oder war das Janis?

Für ihn war vieles neu, denn er hatte sich viele Jahre nur um seinen Job und sich selbst gekümmert. Er war in seinem Sport aufgegangen und erst seit er das nicht mehr machen durfte, hatte er angefangen, neben sich zu sehen. Und zufällig hatte da dieser nette junge Mann gesessen, der um einiges besser stricken konnte als er selbst. Der vieles besser konnte als Eljas. Aber er konnte von ihm lernen und er würde von ihm lernen. Zusammen.

„Dann komm. Ich habe schon den Tisch gedeckt und das Essen ist fertig.“ Janis nahm Eljas an die Hand und zog ihn in die Küche, wo ein köstlicher Duft sie empfing. „Setz dich, Schatz, ich hole das Essen. Du kannst uns ja schon etwas zu trinken einschenken.“ Man sah Janis an, dass er seinen Liebling ungern los ließ, darum zog er Eljas noch einmal für einen schnellen Kuss zu sich. Und der ließ es geschehen – sie hatten sich beide vermisst und alles was sie verband. Das Prickeln, das Kribbeln, die leichte Nervosität und vor allem das Glücksgefühl, jemanden gefunden zu haben, mit dem man alles teilen wollte.

„Riecht lecker, ich krieg richtig Hunger.“ Eljas teilte den Saft aus, den Janis in einer Karaffe auf den Tisch gestellt hatte und krabbelte auf die Eckbank in der Küche. „Erzähl mal, was habe ich alles verpasst, während ich Schafe gezählt habe?“

„Also zu allererst einmal hast du mich verpasst. Das heißt, ganz viele Küsse, ganz viele Umarmungen.“ Janis lachte und stellte den Auflauf auf den Tisch. Er setzte sich Eljas gegenüber und gab ihm etwas auf den Teller. „Dann war da noch Jonne, der am Anfang der Woche mit einer roten Jacke zum Strickkreis gekommen ist. Sein Bruder hat ein altes Lager in ihrem Haus gefunden und da waren ganz viele merkwürdige Sachen drin.“

Eljas drehte das Glas in seinen Händen und schnupperte unauffällig an seinem Teller, als Janis ihm etwas aufgetan hatte. Es roch herrlich. Doch es war sicher noch heiß, so griff er lieber auf, was Janis eben gesagt hatte. „Eine rote Jacke? Wie meinst du das?“ Eljas legte die Stirn in Falten. Ihr Volk hatte nur beschränkte Ressourcen. Sie verschwendeten schon lange keine mehr darauf, ihre Kleider zu färben. Sie trugen die Naturfasern so, wie sie waren.

„Jonnes Bruder wollte sich ein Zimmer im Keller ausbauen und hat einen bisher unbekannten Raum gefunden. Es muss wohl mal ein Lager gewesen sein und er war randvoll mit Kisten.“ Janis griff sich eine von Eljas‘ Händen und strich mit dem Daumen über den Handrücken. „Es muss schon vor dem Krieg dort eingelagert worden sein. Sisko hat auch Bücher gefunden. Es geht da um ein Fest, das sich Weihnachten nennt. Da hat mal wohl rote oder grüne Kleidung getragen.“

„Cool, ich hätte auch gern rote oder grüne Kleidung, mal was anderes als dieses ständige grau“, murmelte Eljas und spielte mit Janis’ Fingern. „Und dieses Weihnachten, das war ein Fest, sagst du? Was hat man da gefeiert und warum? Und wann?“ Mit der anderen Hand griff er sich die Gabel und fing langsam an zu essen, denn er hatte wirklich Hunger und der leckere Geruch ließ ihm den Zahn tropfen.

„Wirklich?“ Janis machte ein betroffenes Gesicht. Er hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass Eljas vielleicht auch etwas von der Kleidung haben wollte. „Tut mir leid, es ist alles weg. Martti hat alles verkauft.“ Er überlegte fieberhaft, was er machen konnte, damit Eljas noch so eine rote Jacke bekam.

„Ehrlich? Das ist schade“, sagte sein Freund ein bisschen nachdenklich. Doch dann lächelte er wieder. „Na ja, egal. Hat eben nicht sollen sein, vielleicht findet er ja noch mal was. Erzähl mir mehr von diesem Fest. Hat man das bei uns hier gefeiert oder ist das aus anderen Kuppeln früher mal zu uns geschwappt und warum wurde es vergessen? Denn mir sag das gar nichts. Wie war das noch. Weihn-trachten?“

„Weihnachten“, verbesserte Janis seinen Schatz lächelnd. „Weihnachten wurde überwiegend in der westlichen Welt gefeiert, also auch bei uns.“ Janis hatte sich mit Sisko unterhalten und die hatte ihm einiges erzählt, was sie in den Büchern gelesen hatte. „Es wurde am Ende des Jahres gefeiert am 24. und 25. Dezember.“

„Also war es ein Jahresausklangfest oder was?“, schlussfolgerte Eljas und aß endlich. „Das ist lecker“, nuschelte er mit vollem Mund, ließ aber Janis‘ Hand nicht los. Das Essen in der Pension, in der sie untergebracht waren, war beileibe nicht so gut gewesen. Es war nahrhaft gewesen, um sie bei Kräften zu halten – aber das war es auch schon gewesen. Nur die nötigsten Ressourcen.

„Danke.“ Janis senkte verlegen den Blick, musste aber lächeln. Er hatte gehofft, dass es seinem Freund schmecken würde. „Ja, sowas in der Art. Es hat mit der Geburt eines Mannes zu tun, der Jesus hieß. Er soll der Sohn Gottes gewesen sein. Mehr hatte Sisko noch nicht herausgefunden, als ich sie das letzte Mal gesehen habe.“

„Gottes?“, murmelte Eljas nachdenklich vor sich hin und aß weiter, ehe es ganz kalt wurde. „Der Sohn Gottes? Was soll das denn sein? Wer ist Gottes und warum feiert man die Geburt seines Sohnes als Jahresabschluss?“ Das machte für ihn alles kein Sinn und er legte die Stirn in Falten. „Und warum trägt man für das Fest rote Jacken?“ Er sah auf und grinste. „Sisko muss aber noch ein bisschen mehr lesen, wenn der ganze Kram mal Sinn machen soll.“

„Ja, das glaube ich auch.“ Janis kicherte. „Ich wollte eh wissen, was sie noch herausgefunden hat. Wir können ja nachfragen, ob sie am Wochenende Zeit hat, dann gehen wir sie besuchen. Dann kannst du auch mal diese roten Jacken sehen. Sie hat nämlich eine gekauft.“

„Ach, Sisko hat eine? Warum hast du keine?“ Eljas dachte kurz nach, nickte dann aber. „Warum nicht. Ich habe nichts weiter geplant. Lass uns sie besuchen und etwas über diese Weihnachten erfahren. Ist doch cool etwas zu wissen, was nicht alle wissen. Wie eine kleine Verschwörung.“ Er kicherte und grinste dann Janis an.

„Na ja, mir hat sie nicht so gut gefallen.“ Janis nickte aber, als Eljas zustimmte, Sisko zu besuchen. „Ja es ist schön etwas zu wissen, was andere nicht wissen. Ich habe schon überlegt, weil doch bald das Jahr zu Ende ist, könnten wir doch auch dieses Weihnachten feiern.“

“Ja, die Idee wäre nicht übel. Aber gerade dann sollten wir etwas mehr wissen über dieses Weihnachten, als nur dass man hässliche roten Jacken trägt. Aber dabei ist es egal ob sie hässlich sind oder nicht. Sie sind rot, mal was anderes. Schon deswegen sollte man eine haben. Aber egal, vielleicht findet Sisko ja heraus, dass man auch ohne eine solche Jacke feiern kann...“ Eljas redete nur noch vor sich hin, mehr zu sich selbst, als dass er einen Dialog mit Janis führte.

Er hatte Blut geleckt.

Janis beobachtete seinen Schatz schmunzelnd dabei. Eljas zog immer die Stirn in Falten, wenn er nachdachte und knabberte an seiner Unterlippe. „Nich‘ Schatz“, sagte er weich und strich mit dem Daumen über die malträtierte Unterlippe. „Da kann man doch viel schönere Dinge machen.“ Er lächelte und beugte sich zu einem Kuss vor, damit sein Freund wusste, was er meinte.

„Stimmt, das ist wirklich besser. Aber anschließend sind meine Lippen auch wund“, kicherte Eljas und ließ sich wieder küssen. Es war als müsste er eine ganze Woche nachholen, nein, nicht nur eine Woche. Sein Leben ohne Janis, was er bisher geführt hatte. Doch dann löste er sich doch wieder, denn das Essen wurde kalt. „Stammen die Sachen eigentlich von Marttis Familie oder sind sie noch älter?“

„Sie sind älter. Auf einigen Verpackungen stand ein Produktionsdatum und das lang ungefähr zu der Zeit, als die Kuppeln gebaut wurden. Marttis Familie wohnt erst seit einigen Generationen in dem Haus.“ Janis gab Eljas noch etwas auf den Teller und füllte sein Glas wieder auf. „Keiner weiß mehr, welcher Familie das Haus ursprünglich gehörte.“

„Schade, lässt sich das nicht heraus bekommen? Wozu haben wir den eine Historikerin, wenn sie das nicht heraus bekommt“, grinste Eljas, doch er ahnte schon, dass Sisko bereits Blut geleckt hatte und sich dahinter klemmte. Vielleicht wusste sie morgen schon mehr. Eljas war ganz hibbelig. Am liebsten hätte er gleich den Kontakt zu ihr gesucht. Doch kaum hatte er Janis wieder angesehen, trat das in den Hintergrund. Es war verrückt, wie dieser Mann nur mit seiner Anwesenheit alles in seinem Kopf zu Wattewolken werden ließ, die einfach so davon flogen.

Janis musste lachen, weil Eljas so aufgeregt wirkte. „Ich rufe sie gleich nach dem Essen an“, versprach er und griff wieder die Hand seines Freundes. Er selber hatte kaum etwas gegessen, weil er so damit beschäftigt gewesen war, Eljas zu beobachten. Das holte er schnell nach und schob dann seinen leeren Teller beiseite. In seinem Kopf arbeitete es, weil er es schade fand, dass für Eljas keine rote Jacke mehr da war, wo er doch so begeistert davon war. Aber es war noch alles etwas wirr in seinem Kopf, darum sagte er noch nichts. Er lächelte nur tiefsinnig, was Eljas wieder eine Falte auf die Stirn zauberte. Doch dann war das Lächeln auch schon wieder dicht vor seinem Gesicht und Eljas nutzte die Chance auf einen weiteren Kuss. Das konnte er stundenlang machen und es wurde noch bequemer, als sich Janis neben ihn auf die Bank setzte. So konnte er sich dichter an ihn schmiegen.

„Wann musst du eigentlich wieder weg? Erst am Montag oder schon am Sonntag?“, wollte Janis wissen. Denn davon hing die Planung Ihres Wochenendes ab. Er lehnte sich an Eljas und seufzte. „Du, Schatz“, fragte er vorsichtig, denn er war unsicher, wie er das, was er wollte, möglichst unverfänglich formulieren sollte. „Möchtest du hier bei mir schlafen?“

Schlagartig verspannte sich Eljas, weil er ahnte, auf was das hinaus laufen sollte. Panik begann in ihm aufzusteigen, Hitze kroch das Rückgrat hinauf und er sah Janis undeutbar an. Er wusste nicht, was er antworten sollte. Sicher, er wollte gern hier bleiben, doch er wusste, was Janis von ihm erwartete und er selbst war sich sicher, dass er dazu noch nicht bereit war. Auch wenn es in seinem Alter vielleicht lächerlich klang. Da Janis aber auf eine Antwort wartete, zuckte er ein bisschen mit Schultern und Kopf und kratzte sich nervös durch die Haare. „Sonntagabend muss ich los, sonst muss ich Freitag zu lange machen“, erklärte er erst einmal das, wo er sich sicher.

Janis hatte die Anspannung deutlich gespürt und er konnte nicht leugnen, dass er eine andere Reaktion erwartet hatte. Er versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. „Okay“, sagte er nur und senkte den Blick, damit Eljas das nicht mitbekam. „Dann haben wir ja noch zwei Tage nur für uns.“

„Ja“, entgegnete Eljas lahm. Er spürte deutlich, dass er etwas kaputt gemacht hatte. Doch er konnte nun einmal nicht aus seiner Haut. So strich er sich immer noch nervös durch die Haare und griff nach seiner Tasse, auch wenn sie leer war. Er brauchte jetzt etwas, um sich festzuhalten. Dieses Wechselbad der Gefühle war unangenehm. Er wagte nicht aufzusehen, starrte nur in den kleinen Rest in seiner Tasse und schwenkte nachdenklich.

Janis neben ihm, ging es nicht besser. Er musste erst einmal verdauen, dass sein Freund anscheinend nicht das gleiche wollte, wie er selber. „Du musst nicht... du kannst...“, fing er an zu stammeln und seufzte wieder, weil er plötzlich ziemlich nervös war. Er war so glücklich gewesen, dass als er sich in Eljas verliebt hatte und dieser seine Gefühle zu erwidern schien.

Hatte er sich so getäuscht?

Das konnte doch nicht sein. Es fühlte sich richtig an, wenn sie zusammen waren und Eljas schien etwas für ihn zu empfinden. Er wollte nicht, dass es vorbei war, darum bot er einen Kompromiss an. „Du kannst im Gästezimmer schlafen, wenn dir das lieber ist. Ich hätte dich nur gerne hier bei mir.“

Janis‘ Worte waren wie ein Schlag ins Gesicht, doch Eljas blickte auf. Sie mussten das jetzt klären, wenn sie nicht das ganze Wochenende, auf das sie sich beide so gefreut hatten, um einander herum schlichen wie auf rohen Eiern. „Ich glaube, dass ich noch nicht soweit bin, dir das zu geben, was du willst“, sagte er und sah in Janis’ Blick, dass er sich nicht richtig ausgedrückt hatte. Er holte also tief Luft, senkte den Blick und murmelte leise. „Ich bin noch Jungfrau, ich weiß nicht, ob ich … ich liebe dich, Janis. Aber ich habe … Angst.“

Erst einmal passierte gar nichts, außer das Janis ihn einfach nur ansah, aber dann umarmte Janis ihn und vergrub sein Gesicht an Eljas‘ Schulter. „Das ist okay, Schatz. Das ist okay.“ Janis konnte gar nicht sagen, wie erleichtert er war. Eljas liebte ihn, das war alles, was zählte. „Ich liebe dich auch und wenn du noch Zeit brauchst, dann nimm sie dir. Ich kann warten, auch wenn es mir nicht so leicht fällt.“ Er legte seine Hände an Eljas‘ Wangen und lächelte ihn an. „Du bist ein wunderbarer Mann und ich bin glücklich, dass du bei mir bist.“

„Wenn dir das vorerst reicht“, murmelte Eljas und wirkte sichtlich erleichtert. Er war nicht stolz darauf, in seinem Alter noch keine Erfahrungen gesammelt zu haben, doch was sollte er machen? Es hatte sich einfach nicht ergeben und er hatte es nie provoziert oder erzwungen. „Ich würde gern bei dir schlafen, damit wir so viel Zeit zusammen haben wie nur möglich. Aber dann muss ich von zu Hause noch ein paar Dinge holen.“ Denn er war ohne Gepäck gekommen. Keine Zahnbürste, keine Kleider zum Wechseln, nichts.

„Es wird mir reichen müssen, denn du entscheidest.“ Janis küsste Eljas sanft und grinste spitzbübisch. „Schläfst du dann bei mir, wo du doch weißt, dass du vor mir sicher bist?“ Er wollte Eljas zu nichts zwingen. Er wollte ihn nur nah bei sich haben, auch nachts. „Wir holen deine Sachen nachher.“

Eljas nickte dazu und ließ sich noch einmal Tee nachschenken. „Ich möchte dich auch ständig bei mir haben und etwas Nähe tanken, ehe ich nächste Woche wieder raus in die Kuppeln muss.“ Sichtlich entspannt setzte sich Eljas wieder bequemer, lehnte sich an seinen Freund und trank seinen Tee, der ihn wohlig wärmte.

„Dann ist das ja geklärt.“ Janis wirkte sichtlich zufrieden, als er Eljas einen Kuss auf die Wange hauchte. „Das wird ein schönes Wochenende.“ Nicht so, wie er es ursprünglich geplant hatte, aber es war gut so. „Sag mir noch einmal, dass du mich liebst, dass wird es noch schöner.“

„Glaubst du nicht, dass ich dich gerade mit all diesen Worten verwöhne“, kicherte Eljas und sah seinem Freund tief in die Augen. Er wollte ihn noch ein paar Sekunden zappeln lassen, nur ein bisschen und es genießen, wie Janis auf seine Worte wartete. „liebe dich“, flüsterte er aber dann leise und lächelte, als er sich langsam erhob.

Janis grinste sichtlich zufrieden vor sich hin und sah Eljas zu, wie er die Teller zur Spüle brachte. „Ich werde gerne mal verwöhnt.“ Er stellte sich neben seinen Freund und lehnte sich an ihn. Er musste ihn einfach berühren. „Ich liebe dich“, sagte er leise, denn er wollte die Worte, die ihn so glücklich machten, nicht unerwidert lassen.

„Verwöhnter Kerl“, lachte Eljas und griff sich wie auch Janis die Jacke. Er schlüpfte in seine Schuhe und gemeinsam traten sie auf die Straße. Janis schloss hinter sich ab, ehe er seinen Freund bei der Hand nahm und mit ihm durch die dämmrigen Straßen ging. Sie liefen nicht zielstrebig zu Eljas‘ Haus sondern genossen noch etwas den lauen Abend.