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10. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

10 - Der Tag an dem die Grinsekatze verschwand oder "Aus den Federn, Schlafmütze. Aus den Federn, Schlafmütze"

Sonntag, 5. Juli 2015 - Independence Day - Disney World Orlando

 

"Aus den Federn, Schlafmütze. Aus den Federn, Schlafmütze", erklang es immer wieder. Murrend zog sich Rudy das Kissen über den Kopf. Dummer Wecker! Nur ganz langsam drang in seinen von Schlaf vernebelten Geist vor, dass sein Wecker nicht sprechen konnte und ihm die Stimme doch sehr bekannt vorkam. Das Lachen, das direkt darauf folgte, das kannte er auch. "Seit wann hasu nen Schüssel zu meinem Apartment", kam es dumpf unter dem Kissen genuschelt hervor. Rudy konnte sich gar nicht daran erinnern, einen Schlüssel nachgemacht zu haben. Geschweige denn, ihn Kris gegeben zu haben.

 

Kris fand das richtig süß, so verschlafen wie der andere vor sich hin brummte. Ein Morgenmuffel. Ob er ihn mit kaltem Wasser wecken sollte? Nicht dass sich Rudy dann rächte. Außerdem war es verständlich, dass er müde war, denn sie waren gestern nach der Parade erst spät ins Bett gekommen und es war noch dunkel. Aber sie hatten einen Plan für heute und dazu musste Rudy endlich aufstehen.

 

"Komm schon. Das Frühstück steht schon auf dem Balkon und die Sonne geht jeden Moment auf. Wir wollten uns den Sonnenaufgang zusammen anschauen. Gestern konntest du es jedenfalls kaum noch erwarten", lockte er erneut. Gut, es war erst kurz nach 6, aber der Sonnenaufgang richtete sich leider nicht nach ihnen. Sie konnten den Sonnenaufgang genießen, ausgiebig Frühstücken, duschen und dann los zum Animal Kingdom.

 

Rudy sprang hoch. Stimmt, der verrückte Kerl hatte ihn ja als Dank für seinen Computer nach Disney World eingeladen. Orlando, Florida. Nur ganz langsam fing sein müder Verstand an zu arbeiten und erinnerte ihn daran, dass sie ja nicht in San Francisco waren. Der Ältere war einfach verrückt. Das konnte er doch nie zurückzahlen. Darüber mussten sie nochmal reden, wenn sie wieder zuhause waren, gestern hatte sich das nicht ergeben. Den heutigen Tag wollte er ihnen nicht unbedingt verderben. Schon gar nicht wegen irgendwelcher Streitereien. Und Frühstück war immer gut.

 

"Ich bin wach... ich bin wach...", murmelte Rudy verschlafen. Er hatte eindeutig zu wenig Schlaf gehabt. Dazu kam, dass er das zweite Mal nicht allein in einem Zimmer geschlafen hatte. Und bei dem Gedanken an den Kuss wurde er kurz rot. Nur gut, dass Kris das nicht mitbekommen hatte. Wer wusste schon, ob er ihn nicht einfach hier stehen ließ und alleine zurück flog.

 

"Was gibt es denn zu essen? Was Leckeres?“, wollte Rudy wissen und streckte sich. Die Müdigkeit wollte nicht so wirklich verschwinden, hoffentlich hatten sie auch Kaffee auf den Tisch gestellt. Rudy wollte nur ungern einschlafen, wo sich Kris die Mühe mit dem tollen Wochenende gemacht hatte. Nur in Boxershorts tapste er raus auf den Balkon, hörte wie Kris ihm folgte. Es war wirklich noch dunkel, nur drei Teelichter standen mit auf dem Tisch, wo auch das Essen stand. Sicherlich wollten die Angestellten den Sonnenaufgang nicht mit zu viel Licht ruinieren.

 

Auf einmal begann seine Nase so sehr zu jucken, dass Rudy sie kratzen musste. Hier waren Tiere. Er konnte sie in der Dunkelheit nicht sehen, aber sie riechen. Es waren jedoch keine Hunde oder Katzen, die roch man in San Francisco häufiger. Aber da sie ja in der Animal Kingdom Lodge waren und sie dazu ein Zimmer mit Blick auf die Arusha Savanna hatten, musste es sich um Wildtiere handeln. Nur welche? Der 33-Jährige hatte sich noch nie mit dem Disney World beschäftigt, also wusste er auch nicht, was hier frei herum laufen konnte. Ob Kris gefragt hatte?

 

Kris ließ sich auf dem zweiten Stuhl nieder und schenkte ihnen erst einmal einen Kaffee ein. Das ging gerade noch so bei dem wenigen Licht. Mit dem Frühstück konnten sie dann anfangen, wenn die Sonne aufgegangen war, da sahen sie dann wenigstens etwas und kleckerten nicht. Auch wenn das egal war, da sie ja noch Duschen wollten. Vorsichtig schob er die Tasse zu Rudy und griff sich seine eigene, nippte daran. Leise seufzend leckte sich der Ältere die Lippen. Das war ein verdammt guter Kaffee. Sicherlich kein amerikanischer. Ob das ein afrikanischer war? Da musste er wohl den Zimmerservice fragen.

 

Blind griff Rudy nach der Milch und gab sich etwas in den Kaffee, rührte um bevor auch er einen Schluck nahm. Er wollte den Sonnenaufgang nicht verpassen. Das konnte jeden Moment soweit sein. Es war einfach jedes Mal wieder ein schönes Naturschauspiel. Das Dumme in San Francisco war nur, dass dort überall Hochhäuser standen und man so keine gute Sicht auf den Horizont hatte. Aber irgendwo mussten die Menschen ja wohnen, immerhin wurden es täglich mehr in San Francisco.

 

Denn Sonnenaufgang genossen Beide schweigend und mit ihrem Kaffee beschäftigt. Es war einfach toll. Allein dafür hatte sich der Flug nach Orlando schon gelohnt. Jetzt waren auch die Tiere zu erkennen. Zebras und Giraffen. Eine war sogar ziemlich neugierig und streckte ihren Hals in ihren Balkon. Da es bei ihnen aber nichts zu holen gab – und die Tiere auch nicht gefüttert werden durften – zog das Tier wieder von dannen. Rudy und Kris lachten nur, bevor sie sich dem Essen zuwandten.

 

Da waren Karaffen mit verschiedenen Säften, der eine sah verdächtig nach Orangensaft und der andere nach Tomatensaft aus. Doch was waren die anderen drei? Da mussten sie sich durchprobieren. Außerdem war da ein Korb mit Brötchen, ein Teller Pancakes unter einer Warmhalteglocke. Dasselbe galt für einen Teller mit Omeletts und einen mit geschnittenem Fleisch. Zwei Sorten, so wie das aussah. Ein üppiges Büffet, mehr als Rudy sonst morgens aß. Bei ihm war das meistens ein Coffee to Go und ein Beagle auf dem Weg zum Laden. Vielleicht sollte er sich morgens doch mehr Zeit zum Frühstück lassen. Auf Dauer konnte das nicht gesund sein. Kris brachte ihn auf immer neue Gedanken. War das normal?

 

Unschlüssig zuckte er mit den Schultern, das hatte noch Zeit bis sie wieder zuhause waren. "Lass es dir schmecken, Kris. Wäre schade, wenn es kalt wird." Rudy lud sich von allem auf den Teller. Wenn er schon die Wahl hatte, dann wollte er auch alles probieren. Sonst kam er ja nicht dazu. Kochen war immer noch mau bei ihm.

Aber er hatte sich angemeldet. Immer Mittwochabends würde er die hohe Kunst des Kochens erlernen. Immerhin konnte er sich damit dann bei Kris für das Essen revanchieren. Und Rudy konnte sich selbst auch mal so ein leckeres Frühstück machen. Hoffentlich wurden die Pancakes dann auch so luftig. Also kochen konnten die hier wirklich. Glücklicherweise würden sie morgen nochmal ein solches Frühstück haben, denn es war wirklich lecker. Sogar noch besser als gestern unten im Restaurant. An den Zimmerservice könnte er sich durchaus gewöhnen.

 

 

Gesättigt und bereit für den Tag machten die beiden sich dann auf den Weg. In dem Bus, der zwischen der Kingdom Animal Lodge und dem Animal Kingdom hin und her fuhr, bekamen sie noch zwei getrennte Plätze. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn sie würden den Tag zusammen verbringen und auch morgen auf dem Rückflug nebeneinander sitzen, da kam es auf die eine Busfahrt nicht an. Sie waren schließlich keine kleinen Kinder mehr, die man immer an der Hand nehmen musste. Aus dem Alter waren sie beileibe raus.

 

Disney World schien ganz in der Hand der Kinder zu sein, denn auch bei diesem Eingang spielte sich dasselbe ab wie beim Magic Kingdom. Die Kinder quengelten und drängten sich am Eingang und hielten die Mitarbeiter auf Trab. Und da ihre Strategie schon gestern gut funktioniert hatte, bestand kein Grund, daran etwas zu ändern.

 

So hatten sie keine Viertelstunde später den Eingang unfallfrei hinter sich gebracht und einen Plan. Er beinhaltete nicht so viele Attraktionen wie gestern, aber sie hatten schließlich einen Tisch heute Abend und ihr Flug ging morgen früh. Da mussten sie es nicht übertreiben. Und ihr erstes Ziel hieß Kilimanjaro Safari. Kris hatte sie für den Wild Africa Trek angemeldet. Damit war der Morgen dann schon voll, aber so sahen sie wenigstens alle Tiere. Das war ausgedehnter als die normale Tour mit nur 15 Minuten. Die Kamera würde heute bestimmt nicht ausgeschaltet sein. Oder kaum.

 

An der Attraktion wurden sie auch schon von ihrem Privatführer erwartet. Außer ihnen waren noch 4 weitere Personen für die Tour angemeldet. Ein älteres Ehepaar – irgendwo aus Übersee der Sprache nach – und zwei jüngere Frauen, wohl Asiaten. Es gab für jeden ein Headset und eine Sicherheitsweste sowie eine Belehrung über die Regeln. Dinge, die sie an der Weste nicht festmachen konnten, durften nicht einmal mit und wurden eingeschlossen. Leider gehörte dazu auch die Kamera, doch der Früher erklärte, dass sie nach Ende der Führung einen Code bekommen würden, mit dem sie die Bilder herunterladen konnten. Das war immerhin besser als nichts.

 

Nur gut, dass sie beide schwindelfrei waren, denn ihr erster Weg führte sie über eine Hängebrücke. Über eine 3 Meter hohe Brücke, unter der sich Nilpferde und Krokodile tummelten. Gut, dass sie gesichert waren, da wollte keiner runter fallen. Danach ging es im umgebauten Bus quer durch die Savanne. Schade war es schon, dass sie die ganzen Tiere nicht fotografieren konnten, aber der Fotograf schien sich wenigstens die Finger wund zu knipsen. Vielleicht war auch mal eine Safari in Afrika eine Idee. Dann musste er halt doch mal den Laden für zwei Wochen schließen. Vielleicht nächstes Jahr.

 

Und dann waren die 3 Stunden rasend schnell vorbei. Sie hatten fast alle Tiere gesehen, leckere afrikanische Snacks gegessen und ganz viel Interessantes von dem Privatführer gelernt. Den Code für die Bilder hatten sie auch bekommen und Kris hatte versprochen, sie gleich herunterzuladen, sobald sie wieder zuhause waren. Immerhin stand bei ihm noch kein neuer Job an, da hatte er schließlich Zeit. Außerdem war Kris geschickter mit dem Computer.

 

Zum Mittag kehrten sie im Tusker House Restaurant ein. Dort gab es typische afrikanische Spezialitäten. An diese Art von Essen könnte sich Kris gewöhnen. Da musste er in San Francisco wohl in den nächsten Buchladen und sich mit Rezeptbüchern eindecken. Rudy brachte ihn auf neue Gedanken. War das gut oder schlecht? So genau wusste Kris das noch nicht einzuordnen. Das musste er in Ruhe überdenken. Jedenfalls war sein Leben interessanter, seit er Rudy kannte. So viel stand fest.

 

Die nächste Station war der Baum des Lebens und der Weg dahin. Insgesamt waren um die 300 Tiere eingeritzt, in dem dicken Stamm selbst, den Wurzeln und den Ästen. Pelikane, Löwen, Lemuren und noch viel mehr. Weder Rudy noch Kris wollten wissen, wie lange die Mitarbeiter dafür gebraucht hatten. Aber schön sah es trotzdem aus. Und da sie ihre Kamera wieder hatten, wurden viele Fotos gemacht. Auch die obligatorischen Ferien Schnappschüsse. Einer allein vor dem Baum. Und als dann Pocahontas vorbei kam und ihnen anbot ein Bild von ihnen beiden zu machen, sagten sie nicht nein.

 

Danach wurde es nass, im Kali River Rapids. Wirklich nass. Nur gut, dass sie diesmal Wechselklamotten dabei hatten. Die waren in dem verschlossenen Behälter in der Mitte des Wagens auch trocken geblieben. Allerdings wäre es auch keine anständige Wasserbahn, wenn man nicht nass wurde. Und an einem heißen Julitag war die Abkühlung sehr willkommen. Nach der Bahn verschwanden beide erst einmal auf die Toiletten, um sich umzuziehen. So nass mussten sie nicht weiter. Vor allem würde das nachher bei der Show unangenehm werden, wenn sie fast eine Stunde lang in einem temperierten Raum saßen.

 

Die Expedition Everest war die letzte Station. Schon der Wartebereich, wenn zu viele Leute gleichzeitig mit der Bahn fahren wollten, war liebevoll gestaltet. Überall standen Einrichtungsgegenstände, die man sicherlich für eine Everest Expedition brauchte. Verteilt waren auch Exponate und entsprechende Erklärungen dazu. Sie hatten Zeit, sich ein bisschen umzusehen, denn es waren noch einige Leute vor Ihnen, die mit der Bahn fahren wollten. Aber so war das nun mal in einem Freizeitpark. Es wäre seltsam, wenn an einem schönen Tag niemand mit den Attraktionen fahren würde.

 

Und endlich durften sie fahren, zusammen mit 32 anderen Menschen. Weil weder Kris noch Rudy genau wusste, was auf sie zukam, hatten sie sich in die Mitte gesetzt. Sein Glück musste man ja nicht unbedingt überstrapazieren und sie waren wieder trocken. Es ging einen kleinen Hügel hoch und gleich wieder runter. Eine Weile geradeaus, bevor sie den Berg hochgezogen wurden. Da mussten sie gleich wieder runter und es schien hoch zu sein, so wie die Lokomotive ganz hinten pfiff. Den Berg halb runter und dann ging es rückwärts durch den dunklen Berg immer verfolgt von einem Yeti. Rein und raus, dunkel und hell, die Attraktion war wirklich gelungen, so wie die Insassen schrien. Nur schade, dass die Fahrt so schnell vorbei war. Auf dem Weg nach draußen kaufte Rudy noch zwei Kopien des Fotos, das von ihrem Wagen gemacht worden war.

 

Es war ein toller Ausflug gewesen, nur leider war er zu schnell vorbei. Aber das hatten die guten Dinge wohl immer so an sich. Sie mussten beim Parkausgang ein bisschen auf einen Bus warten, denn es schienen so ziemlich alle gleichzeitig gehen zu wollen, aber sie hatten ja noch Zeit bis zum Essen. Sie konnten sich noch in Ruhe umziehen, wenn sie wieder im Hotel waren. Der nächste Bus war dann der ihre und diesmal konnten sie sogar nebeneinander sitzen.

 

 

Pünktlich zur vereinbarten Zeit saßen sie ihm Restaurant <<Jiko - The Cooking Place>> an ihrem reservierten Tisch. Beide hatten sich etwas in Schale geworfen und trugen eine schwarze Hose und ein einfarbiges T-Shirt. Immerhin war das hier der Abschluss eines tollen Wochenendes. Es standen schon die Suppen auf dem Tisch und für jeden ein Gas ausgezeichneter Whiskey. "Danke für das tolle Wochenende, Kris. Ich weiß gar nicht, wie ich dir das zurückzahlen soll." Das wusste Rudy wirklich nicht.

Kris lachte nur leise. Das kauten sie nun wirklich nicht zum ersten Mal durch und doch schien es Rudy wirklich wichtig zu sein. "Du musst es nicht zurückzahlen. Es war mir eine Freude, dich einzuladen. Und sieh es mal so, unser kleines Wochenende hat dein Freund und Helfer von San Francisco bezahlt." Verschmitzt grinste der Blonde. Wenn der March Hare das wüsste. Aber irgendwas musste er mit dem Geld ja anstellen. "Ohne dich und deinen Computer hätte ich den Job schließlich nicht erledigen können." Und damit war das Thema für den Älteren erledigt, denn er wechselte zu Smalltalk.

 

So ließ sich das vorzügliche Essen aushalten. Es gab ganz gebratenen Fisch mit Süßkartoffeln, Filet Mignon auf Eichenholz gegrillt mit Bohnen und Rotweinsauce inklusive probieren beim Anderen. Die Küche im Hotel war einsame Spitze, das erklärten sie auch dem Koch, als der bei den Tischen vorbei ging und nachfragte, ob alles in Ordnung sei. Ein rundum gelungenes Wochenende.


Advent [Laila]

 

10. Dezember

 

Das Wetter in Asgard änderte sich wie der Wind. Es gab hier keine geregelten Jahreszeiten. Es konnte an einem Tag war und am nächsten kalt sein.

Heute gab es Sturm und Regen. Unermüdlich klopfte es vor die Fenster und hüllte den Palast in Nebel. Niemand mochte dieses Wetter.

Früher hatte Thor es gehasst. Den ganzen Tag untätig rumsitzen und nichts tun. Heute konnte er die Zeit mit Loki verbringen.

Loki und er lagen schon den ganzen Tag faul im Bett. Es hatte sich so ergeben.

Nach einem gemütlichen Frühstück mit der Familie hatten sie sich wieder in das weiche, warme Bett verkrochen.

Zum einem auch, weil Loki einfach nicht genug von seinem Partner bekommen konnte.

Vielleicht lag es an den Steinen.

Auch heute hatte einen Edelstein bekommen.

Einen Rosenquarz. Dieser stand für Liebe.

Und diese Liebe empfand Loki, mehr denn je.

„So könnte es immer sein. Mit dir im Bett, ist meine Welt perfekt“, hauchte der Lügengott.

Sanft kuschelte er sich noch etwas näher und schloss die Augen. Es fühlte sich einfach  herrlich an.

Ein Lachen ertönte.

„Ja, ich weiß. Ich möchte dich auch nicht missen. So ist es perfekt.“

Loki küsste die breite Brust und drehte den Kopf dann so, dass er Thor ansehen konnte.

„Ich will heute nichts mehr tun, außer hier liegen bleiben.“

Träge strich der Donnergott durch die schwarze Mähne. Sein Herz machte einen Satz, als Moosgrüne Augen ihn ansahen. Es war selten, dass in ihnen kein Spott lag, sondern wie jetzt, Liebe. Thor war der Einzige, der diesen Blick geschenkt bekam.

„Wir könnten aber baden gehen. Nur wir zwei“, flüsterte er.

Der Kopf seines Liebster wanderte leicht zur Seite.

„Du Nimmersatt. Heute bekommst wohl gar nicht genug.“

Wieder ertönte ein dunkles Lachen.

„Von dir doch nie mein Schöner.“

Auch wenn Loki sich nicht erheben wollte, er tat es doch. Ein heißes Bad mit Thor würde die Krönung des Tages sein.

 

10. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

 

jeder Tag der beginnt und endet macht mich glücklich, da ich ihn mit dir verbringen kann.

Mag es kitschig sein oder das die anderen uns nicht verstehen, mir ist es egal. Ich liebe dich und ich bin glücklich mit dir. Ein Tag mit dir im Bett, ist wie ein Tag im Paradies.

Aber lach mich nicht aus.

Du hast mir wieder einen Stein geschenkt. Vielen Dank. Du weist, was mir diese kleinen Kostbarkeiten bedeuten.

Grund:

Deine Begriffsstutzig

Es mag lächerlich klingen, aber ich finde es immer wieder erfrischend. Es bringt mich zum lachen. Wenn ich daran denke, als wir uns das erste Mal geküsst haben und du nicht wusstest wie. Es war einfach nur süß.

Mag ja sein da ich das nicht sagen soll, aber so ist es nun einmal.

Es gibt sie in vielen Formen, also in vielen Dingen.

Du runzelst dann immer die Stirn und versuchst es zu verstehen und es klappt aber nicht.

Es ist eine wunderbare Eigenart.

 

In ewiger Liebe

Loki

 



Wiedersehen auf Covendale [chaotizitaet]

08

Edward war überrascht gewesen, den wegen seiner dunklen Möbel als Herrenzimmer bezeichneten Salon für sich allein zu haben. Angesichts der fast zwanzig Leute, die derzeit auf Covendale weilten, waren Ruhe und ein wenig Zeit für sich selbst außerhalb des eigenen Schlafzimmers eher selten und mit Mutter Barnes in Hochzeitplanungsmodus hätte er erwartet, dass mehr als eine Person in dem etwas abgelegenen Salon Zuflucht gesucht hätte.

So aber konnte er es sich in einem der gemütlichen Sessel bequem machen und ein wenig die Wochenendausgaben der diversen Zeitungen, die David für seine Gäste für die Dauer ihres Aufenthalts abonniert hatte, blättern.

Leider wurde seine Ruhe bereits nach wenigen Seiten gestört. Seine Tante betrat den Raum, und als sie ihren Neffen sah, gab es für sie keine Veranlassung, ihn, trotzdem er beschäftigt war, nicht zu stören.

„Edward, hier steckst du also!“ Eine typische Begrüßung à la Tante Catherine.

„Dir auch einen guten Abend“, erwiderte Edward, unternahm aber dann den Versuch, seine Tante doch davon abzubringen, ihn weiter zu stören, indem er sich wieder in die Zeitung vertiefte. Nicht, dass der Versuch von Erfolg gekrönt gewesen wäre.

„Ich habe schon überall nach dir gesucht!“

„Du hast mich nun gefunden, obwohl ich dir versichern kann, dass ich mich nicht vor dir versteckt habe.“

„Kein Grund, gleich frech zu werden. Aber du wirst wohl kaum bestreiten können, dass du beim Mittagessen durch Abwesenheit geglänzt hast“, erwiderte sie spitz.

Tatsächlich hatte es an diesem Tag kein festes Mittagessen gegeben, waren die meisten nach der gestrigen Party doch erst so spät aufgestanden, dass eine typisch englische Teezeit mehr Sinn gemacht hatte, während Edward selbst zu der üblichen Mittagsessenszeit mit Josh im Park gewesen war.

Den Kommentar über seine vermeintlich freche Art ignorierend, sagte Edward: „Umso mehr wird dich also meine Anwesenheit beim Abendessen erfreuen.“

Zum Glück hasste Tante Catherine es, sich zu wiederholen, weshalb sie es sich verkniff, Edward einmal mehr ob seiner Antwort zurechtzuweisen. Stattdessen beschloss sie, ihn wissen zu lassen, weshalb sie ihn gesucht hatte. „Wir müssen reden.“

„Ich dachte, das würden wir bereits tun.“ Edward musste sich eingestehen, dass er in gewisser Weise es sogar bewusst darauf anlegte, seine Tante mit seinen Antworten zu provozieren. Aber er war mittlerweile vierunddreißig Jahre alt und die Zeiten, da sie ihn mit ihrem Gebaren einschüchtern oder ihm mit seinen Eltern drohen konnte, waren längst vorbei. Auch wenn seine Tante dies nicht wahrhaben wollte.

„Dann lass es mich anders formulieren: Ich muss dich warnen.“

Offenbar war es seiner Tante mehr als ernst, dass sie trotz aller verbalen ‚Lass mich in Ruhe‘-Warnungen, die Edward ausgestreut hatte, nicht locker ließ. Fragend zog er die Augenbrauen hoch, was Catherine Dempsey Einladung genug war.

„Joshua Evans!“, spie sie förmlich aus.

Edwards Augenbrauen wanderten noch höher. Was konnte seine Tante gegen Josh haben, dass sie seinen Namen aussprach als wäre er wahlweise der Leibhaftige oder unterster Abschaum?

„Wusstest du, dass er nach dem Tod seines Lovers aus seinem Job gefeuert wurde und aus seiner Wohnung geflogen ist?“

Woher zum Henker wusste Tante Catherine, was in Joshs Leben vorgefallen war?

„Es ist offensichtlich, dass er in einer ziemlich verzweifelten Lage ist. Und was ist da das Erste, was ihm einfällt? Seine Tante in England mit einem geregelten Job, die ihn sicherlich für eine Weile durchfüttert. Oder sollte ich eher sagen, seine Tante, die für einen reichen Mann arbeitet, mit dessen Cousin ihn offensichtlich eine gemeinsame Vergangenheit verbindet? Da gibt es wohl kaum einen besseren Vorwand für einen Verwandtenbesuch… Solange er hier weilt, muss er sich um seine finanzielle Situation keine Gedanken machen, während er gleichzeitig daran arbeiten kann, seine Zukunft zu sichern.“

Edward sah seine Tante irritiert an. Wenn er den verqueren Gedankengängen zu folgen versuchte, kam am Ende neben massiven Kopfschmerzen immer noch nur gequirlter Blödsinn heraus. Doch ein Blick in das Gesicht seiner Tante belehrte ihn, dass diese ihre wilden Theorien tatsächlich voll und ganz zu glauben schien. Und noch ehe er sich seiner Taten wirklich gewahr werden konnte, tat er das Erstbeste, was ihm einfiel. Er erhob sich aus seinem Sessel und beugte sich zu seiner Tante hinüber, um ihr besorgt die Stirn zu fühlen.

„Edward!“, rief diese empört. „Was soll denn dieser Unfug?“

„Entschuldige, aber nach dem Nonsens, den du da gerade von dir gegeben hast, habe ich ernsthaft befürchtet, du würdest im Fieberwahn reden.“

Dieses Mal schaffte es Catherine Dempsey ihrer Empörung nicht einmal Worte zu verleihen, vielmehr schnappte sie wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft. Es dauerte mehrere Sekunden, ehe sie sich wieder soweit gefangen hatte, dass sie ihrem Neffen sagen konnte, was sie von seinem Verhalten hielt. „Mach dich nicht lächerlich!“, brachte sie schließlich hervor. „Siehst du denn nicht, was sich hier abspielt? Oder bist du gar schon zu sehr in dem Netz dieses Joshua Evans gefangen, um die Wahrheit zu sehen?“

„Welche Wahrheit meinst du, Tante Catherine?“, fragte Edward, in dessen Stimme sich langsam eine gewisse Härte einschlich. Nicht, dass seine Tante dies bemerkt hätte.

„Joshua Evans gehört zu jenen Menschen, die sich stets von anderen aushalten lassen. Wie von seinem nun verstorbenen Lover. Das ist auch der Grund, weshalb er ohne Wohnung dasteht, gehörte die Wohnung doch dem Lover. Und da ist es wohl kaum verwunderlich, dass die rechtmäßigen Erben dieses Mannes Joshua vor die Tür gesetzt haben. Sicherlich hatte er seinen Job auch nur diesem Lover zu verdanken, und nun, da er ohne dessen Protektion dasteht, hat er natürlich auch den Job verloren. Doch während jeder normale Mensch sich in dieser Situation eine neue Arbeitsstelle suchen würde, sucht sich ein Mensch von Evans‘ Schlag einen neuen Lover, der ihn dann aushält. Das ist es nun mal, wie dieser Typ Mensch denkt und handelt. Und sein Auftauchen auf Covendale lässt nur einen Schluss zu: Er hat in all den Jahren deine Karriere genau verfolgt und nun, da du ein Major bist, und mit deinen familiären Beziehungen, erscheinst du ihm als ein geeigneter Kandidat für die Stelle dieses Lovers. Und natürlich bietet ihm seine Tante die perfekte Tarnung für einen vermeintlich harmlosen Besuch.“

Oh ja, Tante Catherines Theorien waren genau so verquer wie Edward befürchtet hatte. Und so amüsant sie im Grunde auch waren, konnte er nicht zulassen, dass sie diese Theorien auch anderen Mitgliedern der Familie gegenüber verlauten ließ. Die anderen kannten schließlich Josh nicht so gut wie er es tat und wären nicht in der Lage, die Wahrheit von Tante Catherines Fiktion zu trennen. Fiktion, die ihren Ursprung vermutlich in ein paar belauschten Fakten hatte. Edward kannte seine Tante gut genug, um zu wissen, dass sie nicht davor zurück schreckte, anderer Leute Gespräche zu belauschen, wenn es ihr in den Kram passte, auch wenn sie natürlich alle anderen sofort dafür schalt, wenn sie sie dabei ertappte. Denn hätte sie Josh direkt nach dessen Gründe für seinen Besuch gefragt, wäre der Fiktionsanteil in ihren Theorien deutlich geringer. Nicht, dass er glaubte, sie würde sich dann nicht dennoch irgendetwas anderes Negatives über Josh zusammenspinnen, dazu wirkte sie zu überzeugt in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber diesem. Besser also, er zerpflückte gleich hier und jetzt einige ihrer Argumente.

„Wusstest du, dass Joshua Evans seinen Job als Logistikmanager bei der Band 2-4 hatte, ehe er und Tom Stevens ein Paar wurden?“, fragte er also, mit der Idee chronologisch vorzugehen.

„Pah“, erwiderte Tante Catherine wegwerfend. „Das besagt noch gar nichts. Der Job bei der Band war vermutlich von seinem vorigen Lover arrangiert worden. Ein Abschiedsgeschenk, um diesen versorgt zu wissen. Und Joshua Evans wusste, was von ihm erwartet wurde und hat entsprechend gehandelt. Und war auf seine Weise schließlich auch erfolgreich.“

„Ah ja… Und die Tatsache, dass Joshua einen Abschluss in Logistik von der Greenwich University hat, hat nicht zufällig dazu beigetragen, dass er diesen Job bekam? Oder willst du mir erzählen, dass er den Abschluss auch nur dem horizontalen Wohlwollen eines oder mehrerer seiner Professoren verdankt?“, versuchte Edward ihr aufzuzeigen, wie unsinnig ihre gesamte Grundtheorie war.

„Nicht auszuschließen.“

„Und der Papst ist evangelisch.“

„Edward, verschließ doch nicht die Augen vor den Tatsachen. Es gibt solche Menschen und vielmehr solltest du mir dankbar sein, dass ich dich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt vor ihm warnen kann.“

„Nehmen wir einmal an, du  wärest tatsächlich der Wahrheit auf der Spur, dann hat Joshua auf einen Schlag alles verloren. Woher hatte er dann das Geld, um von Sacramento nach London zu fliegen? Willst du mir allen Ernstes erzählen, dass er sich für ein Flugticket prostituiert hat?“, fragte Edward kalt.

„Kein Grund gleich ausfallend zu werden. Natürlich nicht. Schließlich muss er wissen, dass du dich nicht mit einer gewöhnlichen Hure einlassen würdest“, versuchte Catherine ihn ein wenig zu beruhigen. „Er wird ein paar der wertvolleren Geschenke, die sein letzter Lover ihm gemacht hat, einfach im Pfandhaus verkauft haben. Leute wie er nehmen immer gerne Geschenke an, um so für schwere Zeiten vorzusorgen.“

„Tante Catherine!“ Edward hatte nun langsam wirklich genug von ihren Anschuldigungen. „Bist du dir darüber bewusst, dass das, was du da von dir gibst, als üble Verleumdung ausgelegt werden kann? Du hast nicht den geringsten Beweis für deine Theorien, stellst aber ohne Skrupel Joshua Evans als habgierige Kurtisane aus dem vorletzten Jahrhundert dar. Ich warne dich, solltest du auch nur irgendjemand anderem gegenüber diese Theorien erwähnen, werde ich dich höchstpersönlich bei der Polizei wegen Verleumdung anzeigen.“

„Das würdest du nicht wagen!“ Catherine Dempsey wurde regelrecht puterrot bei der Vorstellung, ihr Neffe würde diesen Worten Taten folgen lassen.

„Lass mich eines klarstellen, Tante Catherine: Trotzdem du Joshua Evans bereits vor zehn Jahren schon einmal begegnet bist, kennst du diesen Mann nicht im Geringsten. Statt ihn jedoch erst einmal kennenzulernen, ehe du dir ein Urteil bildest, reichen dir ein paar belauschte Gesprächsfetzen, um die wildesten Theorien zu bilden und du hast keinerlei Skrupel, diese auch noch mit anderen zu teilen. Ich muss dir wohl kaum sagen, wie gefährlich ein solches Verhalten ist?“ Da seine Tante nach wie vor uneinsichtig wirkte, fuhr er fort: „Falls es dir noch nicht aufgefallen ist: Covendale und diese Familie mögen zwar auf eine Jahrhunderte zurückreichende Geschichte zurückblicken können, aber heutzutage wird niemand deinen Worten ein größeres Gewicht beimessen, nur weil du eine geborene Richards von Covendale bist.“

Dies ließ Catherine Dempsey für den Moment verstummen, und auch wenn Edward sich fast sicher war, dass seine Tante deswegen nicht davon ablassen würde, Joshua bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlecht zu machen, wollte er ihr keine Gelegenheit geben, ihm noch zu widersprechen. Daher stand er auf und verließ ohne ein weiteres Wort den Salon.