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11. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

11 - Der Indoor-Jungle oder "Vorsichtig, deine Hände werden noch gebraucht."

Sonntag, 9. August 20105 - Ausflug – California Academy of Sciences

 

Die Routine hatte sie wieder. Kaum zu glauben, das Disney World schon einen Monat zurück lag. Das Jahr war schon wieder halb vorbei. "Bald ist schon wieder Weihnachten und ich hab Geburtstag", murmelte Rudy, als er aus dem Bus ausstieg. Waren die letzten Jahre auch schon immer so schnell gerannt? Es hieß wohl nicht um sonst, dass es ab 30 rapide Bergab ging. "So... wo lang?" Es war kaum zu glauben, aber in all der Zeit, seitdem Rudy in San Francisco lebte, war er noch nie im Golden Gate Park gewesen. Dabei war es gar nicht so weit von seinem Apartment. Ein Mensch wurde halt blind für seine Umwelt oder er brauchte nur einen Schubs in die richtige Richtung. In dem Fall einen Freund, der etwas vorschlug und zu dem man nicht nein sagen konnte.

 

Nach kurzem Suchen hatte er ein passendes Schild gefunden. Er musste links lang, um zur California Academy of Sciences zu kommen. Kris hatte ein bisschen recherchiert und war darauf gestoßen. In dem Gebäude waren ein künstlicher Regenwald und ein großes Aquarium untergebracht. Das hatte zumindest Wikipedia behauptet und Wiki wusste bekanntlich alles. Also würde es schon stimmen und sie würden das gleich selbst sehen.

 

Aber irgendwie beschränkten sich ihre Treffen nur auf Wochenenden und Feiertage. Kris war einfach von der netten Sorte, der nicht auch noch nach einem Arbeitstag auf der Matte stand und erwartete, dass mit ihm Party gemacht wurde. Aber für Rudy konnte das so nicht weiter gehen. Entweder er schloss den Laden vorher oder aber, er musste einen Verkäufer einstellen. Sicher... er mochte seine Arbeit nach wie vor, aber immer nur arbeiten war auch nicht gut für die Gesundheit. Zumal es zuhause ja meistens noch weiter ging, weil die Kugeln bemalt werden mussten. Das war auch nichts, was er sich wegnehmen lassen würde, das konnte er auch weiterhin machen. Er konnte ja mal mit Kris darüber reden, was der von dem Thema hielt. Seine Zahlen würden durchaus ein zweite Person verkraften oder eben einen früheren Feierabend. Bisher hatte das Rudy nie groß gestört, doch seit März war eben alles anders.

 

"Das ist alles Kris Schuld", murmelte Rudy während dem Laufen, doch er meinte es nicht wirklich so. Er war froh um die Freundschaft zu dem Blonden, auch wenn das von ihm aus langsam mehr zu werden schien. Aber das konnte er Kris nicht so einfach sagen. Ob er mal vorsichtig bei Granny nachforschen sollte? Mit Sicherheit wusste sie was über vergangene Beziehungen. Ob ihr Enkel eher mit Mädchen oder mit Jungs nachhause gekommen war, doch die Gedanken rutschten erst einmal in den Hintergrund, denn er konnte den Älteren schon vor dem Eingang stehen sehen. Wie lange Kris wohl schon wieder wartete? Denn er selbst war 15 Minuten zu früh.

 

"Hey, wartest du schon lange?", wollte Rudy mit einem schlechten Gewissen wissen, als er bei seinem Freund ankam.

"Noch nicht lange, keine Sorge. Ich hab nur schon zwei Eintrittskarten gekauft. Ich dachte mir, bevor wir lange anstehen." Hier stehen tat er erst seit 10 Minuten, da gewesen war er schon vor 40 Minuten. Es hatte auch gedauert bis, er endlich die Karten gehabt hatte. Es war halt mal wieder Sonntag, da waren viele Familien unterwegs. Aber durch Rudys Arbeitszeiten ließ sich das eben nicht ändern. Außerdem hatte das Planetarium einen guten Ruf, da wollten vor allem die Eltern hin, damit die Sprösslinge etwas lernten. Sie selbst wollten andere Dinge anschauen. Laut Granny sollte beides gut sein.

 

Kris wandte sich dem Eingang zu und vertraute darauf, dass Rudy ihm folgte. "Wohin zuerst? In den Regenwald oder ins Aquarium? Es könnte beides voll sein." Im selbst war das egal, sie hatten noch sechs Stunden, um durchzukommen. Inklusive Essen. Das Café, das er im Sinn hatte, war im Erdgeschoss. Für das Aquarium ging es in den Keller und im Regenwald mussten sie vier Stockwerke hochlaufen.

"Ich gehe davon aus, dass es im Regenwald momentan angenehmer sein könnte. Noch ist es bewölkt, aber die sollen nach dem Mittagessen verschwinden und wenn dann die Sonne auf die Kuppel knallt, wird es noch wärmer. Sagt zumindest der Wetterbericht", wusste Rudy zu berichten. Er hatte noch einen Blick darauf geworfen, bevor er los war. Man wusste ja nie.

 

Damit konnte Kris leben und so stellten sie sich in die Schlange für den Einlass. Schon nach kurzer Zeit konnten sie in die Academy und nach einer kurzen Orientierung wussten sie wo lang. Nur wenige Menschen strömten in die Richtung. Vermutlich aus demselben Grund wie sie. Es war bewölkt und da konnte ja kein Sonnenlicht durch die Blätter brechen. Jedem das seine. Für sie beide konnte das nur von Vorteil sein.

 

Im ersten Moment wären sowohl Kris als auch Rudy am liebsten wieder rückwärts aus der Kuppel raus. Die fast 28°, die sie hatten, war nicht das Problem, doch die Luftfeuchtigkeit von 75% hatte es schon eher in sich. Man konnte sofort spüren, wie die Kleidung am Körper zu kleben begann. Aber sie wollten hier ja durch, also mussten sie das aushalten. Außerdem machten das die ganzen Geräusche und Gerüche sowie der grüne Urwald wieder wett. Sie konnten das Plätschern von Wasser hören und jede Menge Vögel, die riefen oder über ihren Köpfen flogen. Hier und da konnte man bunte Schmetterlinge sehen und die Frösche, die hier lebten, waren nicht zu überhören. Hier war es wohl nie still. Langsam machten sie sich an den Aufstieg, den gewundenen Weg, der sich am Rand der Kuppel entlang zog, hinauf.

 

Es gab jede Menge exotische Pflanzen und Tiere zu sehen, riechen und hören. Ein besonders mutiger Schmetterling ließ sich sogar für einen langen Moment auf Rudys Nase nieder. Nur blöd, dass er niesen musste, das verscheuchte das filigrane Tier nämlich. So arbeiteten sie sich die vier Stockwerke und Regenwaldregionen durch, blieben mal länger und mal weniger lang stehen. Kris musste etwas suchen, als Rudy ihm ein getarntes Chamäleon in einem Baum zeigen wollte. Das artete ja in Arbeit aus. Dafür sah Rudy nicht gleich das kleine Krokodile, das im Wasser unterwegs war. Ausgleichende Gerechtigkeit also.

 

Oben angekommen hatten sie eine tolle Sicht über den kleinen Regenwald. Das Licht aus den zahlreichen Oberlichtern zauberte tolle Reflexe auf die Blätter. Allein das war der Eintritt schon wert gewesen. Hier waren allerdings auch mehr Menschen unterwegs, denn sie warteten auf den Lift, der sie nach unten zum überfluteten Wald bringen sollte. Das war wohl scheinbar ein Glastunnel oder so etwas, mit Fischen auf 3 Seiten. Zumindest hörten sie das aus den Unterhaltungen der anderen Menschen heraus.

 

Der übernächste Lift war dann auch erst der ihre. Hoffentlich war es da unten nicht auch gleich so voll, wie in dem engen Lift. Da meinte doch tatsächlich noch ein Mann mit großem Rucksack – sicherlich Tourist – dass er sich in den bereits vollen Lift quetschen musste. Rudy strauchelte, weil ihn der Rucksack im Rücken erwischte, doch Kris fing ihn auf. "Vorsichtig, deine Hände werden noch gebraucht. Wer soll denn sonst die vorpubertäre Kundschaft mit Glitzerponys versorgen?“, flappste Kris.

 

Rudy wurde rot, als er so in den Armen des Älteren hing. Gerne wäre er zurückgewichen, doch das ging nicht. Hoffentlich dachte Kris jetzt nicht schlecht von ihm. "Kann nichts dafür", nuschelte er peinlich berührt mit roten Wangen. Er musste sich stark davon abhalten, genießend zu seufzen. Der Körper fühlte sich wirklich so gut an wie er aussah, nur laut sagen sollte er das wohl besser nicht. Die Fahrt kam dem 33-Jährigen unendlich lange vor, bevor die Tür mit einem überdeutlichen Pling auseinander glitt.

 

Erleichtert atmete Rudy auf, als die Leute aus dem Lift strömten und er sich von Kris lösen konnte. "Tut mir leid" Wirklich entschuldigt hatte er sich schließlich nicht. Kris mochte solche Nähe zu einem anderen Mann sicherlich nicht. Der Kleine schwor, einen großen Bogen um den Rucksackträger zu machen. Nicht dass das schon wieder passierte. Auch wenn es sich gut angefühlt hatte. Energisch schüttelte Rudy seinen Kopf, um unangebrachte Gedanken los zu werden. Die Fische, die über und links und rechts von ihnen schwammen, waren viel aufregender. So viele verschiedene bunte Fische mit schillernden Schuppen zogen über ihre Köpfe. Beide machten es sich auf einer Bank bequem. Zum einen standen sie so nicht im Weg und zum anderen hatten sie vor, etwas zu bleiben, da konnte man auch sitzen.

 

Zwanzig Minuten brachten sie so zu. Es war richtig entspannend und lustig, den sich jagenden Fischen zuzusehen. Und wie sich die ganzen Kinder die Nasen an den Scheiben platt drückten und ihren Eltern Löcher in den Bauch fragten.

Wie die Fische wohl Futter bekamen und ob sie überhaupt genügend Luft bekamen, wenn sie doch eingeschlossen waren. Typische Kinderfragen eben, die Erwachsene so gar nicht stellen würden. Einfach, weil die meisten ihre kindliche Fantasy mit der Zeit verloren und nur noch an die Realität glaubten, was wirklich traurig, aber nicht zu ändern war. Niemand konnte das Alt werden aufhalten. Falls es doch mal einer schaffen sollte, würde derjenige wohl einen Haufen Geld machen.

 

Es trieb sie erst wieder an die Oberfläche, als sie Hunger hatten. Zurück in der Piazza hatten sie zwei Möglichkeiten. Entweder sie kehrten ins Academy Cafe ein oder in den Moss Room. Es kam eben darauf an, auf was sie Lust hatten. Kleine Dinge wie Paninis und Tacos oder doch etwas Großes wie ein Steak oder einen Burger. Da sie sich nicht einigen konnten, warfen sie eine Münze. Das Café gewann und so suchten sie sich dort einen kleinen Tisch. Die Bedienung kam auch schnell und so hatten sie kaum wirklich Zeit zu reden. Entweder man wollte hier die zahlende Kundschaft schnell wieder loswerden oder aber sie verstanden ihr Handwerk ausgezeichnet.

 

Letztes war wohl eher der Fall, denn auch die Bestellung kam prompt. Sie sah nicht nur gut aus, sondern sie schmeckte auch köstlich. So wollte Rudy auch mal kochen können. Aber dafür lernte er es ja auch. Meister fielen eben selten vom Himmel. Erst, als es wirklich laut im Café wurde, weil Familien hineinströmten gingen sie dann doch. Kindergeschrei musste nicht unbedingt sein, dazu war der Tag bisher zu friedlich verlaufen. Von dem einen Zwischenfall mal abgesehen.

 

Wie sich herausstellte, war der Name Steinhart Aquarium mehr ein Übername für die verschiedenen Gebiete. Da gab es einen Sumpf mit Claude, einem amerikanischen Albino Alligator und ein paar Schnappschildkröten. Den hatte es wohl in der alten Academy auch schon gegeben. Das Philippine Coral Reef war mit seinen 212.000 Gallonen Wasser und seiner Tiefe von 25 Fuß eines der tiefsten Ausstellungen mit lebenden Korralen weltweit. Haie zogen an ihnen vorbei und Rochen, umgeben von Schwärmen von bunten Fischen. Ein Fisch hatte wohl schon ein tolles Leben, wenn es nicht gerade von anderen Tieren bedroht war. Aber hier im Aquarium achteten die Mitarbeiter bestimmt darauf, dass so ein kleiner Clownfisch nicht von einem bösen Hai gefressen wurde, denn das würde die Kinder ja traurig machen. Die Tusher African Hall betraten sie nur wegen den Pinguinen, die dort wohnten. Lustige kleine Gesellen und sie kamen gerade richtig, denn es gab Futter. Es war schon lustig, wie zwei der Pinguine - eindeutig jünger als die Anderen - sich um einen Fisch stritten, während der andere unbeachtet neben ihnen lag. Da schien es ums Prinzip zu gehen. Ich hab ihn zuerst gesehen, also gehört er mir. Nur gut, dass Pinguine nicht reden konnten. Ihr Schreien war schon laut genug.

 

Bevor der große Ansturm am Nachmittag dann begann waren Kris und Rudy schon wieder aus der California Academy of Sciences raus. Das war wohl auch gut, wenn sie sich die Schlangen am Eingang so besahen. Da war das heute Morgen noch wirklich wenig gewesen. "Wir hatten Glück, heute Morgen. Wenn ich mir die Schlangen so ansehe", grinste Rudy. Wenn er sich vorstellte, dass er sich jetzt mit den ganzen kleinen quengelnden Kindern durch das Museum quetschen musste, wurde ihm anders.

 

"Ja, hatten wir. Granny hatte mir geraten am Morgen zugehen. Sie war schon dort, bevor es umgebaut wurde und auch da war es am Wochenende voll gewesen. Und da Granny bisher immer Recht hatte, mache ich in der Regel was sie mir rät. Ab und an setzte ich auch meinen Kopf durch und lande auf der Schnauze. Aber nur so lerne ich ja etwas." Unbekümmert zuckte Kris mit den Schultern. So sah er das, denn Meister fielen nicht vom Himmel.

 

Gemütlich schlenderten sie durch den Golden Gate Park und genossen die Sonne. Neugierig besahen sie sich auch den Japanese Tea Garden, wenn sie schon mal hier waren. Schon gleich die Hecke, die nach dem Eingangstor kam und wie ein Berg geschnitten war, sah gut aus. Mt. Fuji verkündete ein kleines Schild. Wenn man es wusste, hatte die Hecke schon Ähnlichkeiten mit dem Berg, fand zumindest Kris und der hatte ihn schon mal im Fernsehen gesehen, was mehr war, als Rudy von sich behaupten konnte. Aber er war ja noch jung und hatte Zeit, um die Welt zu sehen.

 

Der Garten verbreitete wirklich Ruhe und Gemütlichkeit. Akkurat geschnittene Hecken und Rasen, kleine Steingärten, die wohl eben erst mit einem Rechen begradigt worden waren. Eine merkwürdig steile Brücke, die irgendwie fehl am Platz wirkte. Dafür passten die kleinen Pagoden und Statuen wieder sehr gut ins Bild. Im Tea House kehrten sie schließlich ein, um eine Tasse Tee zu trinken.

Der Geschmack war ungewohnt – vor allem da der Tee ungesüßt war – doch nach ein paar Schlucken hatten sie sich daran gewöhnt.

 

"Wie läuft’s mit der Arbeit? Hat sich der March Hare wieder gemeldet, damit du das System erneut überprüfst?", wollte Rudy neugierig wissen. Die Frage enthielt keinerlei Informationen, die Kris gefährlich werden könnten, deswegen hatte er auch in der Öffentlichkeit gefragt. Das ernste: "Welcher?", ließen seinen Mund aufklappen. "Es gibt mehr als einen?"

Kris grinste breit. "Jeder hat den Namen March Hare, wie ich für jeden der Mad Hatter bin. Sind Markenzeichen und keiner ändert die mal eben. Da muss schon was Gravierendes passieren." Das leuchtete dann doch ein. Sonst könnte ja jeder kommen und sich als ein bestimmter Hacker ausgeben. Bestimmt gab es auch unter Hacker einen Ehrenkodex. "SFPD", murmelte der Jüngere leise. Jeder in San Francisco wusste für was die vier Buchstaben standen. Da musste er sie nun wirklich nicht laut heraus schreien. Am Ende hielt man sie noch für Terroristen und sperrte sie ein, warf den Schlüssel weg.

"Nein, hat sich noch nicht gemeldet. Seine Techniker müssen wohl für die nächste Runde erst noch das Ego pflegen." Rudy grinste nur breit. Niemand verlor gern und schon gar nicht gegen einen Hacker.



Advent [Laila]

 

11. Dezember

 

Das es in Midgard ein so genanntes Weihnachtsfest gab hatte sich recht schnell im Palast herum gesprochen. Auch das Frigga Interesse daran zeigte.

Es gab Baumschmuck, so wie kleine Tannen und Kerzen.

Aber die Mutter aller wollte mehr.

Sie fand Gefallen an dem Brauch der Menschen, auch wenn sie ihn noch nicht ganz verstand.

Heute hatte sie Loki, Thor, Tyr, Sif, Ull, Hell und Brigg zum Basteln eingeladen.

Sie hatte vor, wie die Menschen Sterne aus Holz und Papier zu basteln. Diese kleinen Sachen hatten es ihr besonders angetan.

Odin hatte es mit einer Geste abgetan und war ausgeritten. So etwas wollte er sich nicht antun. Dennoch gönnte er seiner wunderschönen Frau den Spaß.

Auch die anderen Götter waren etwas skeptisch. Dies würden sie Frigga aber nie sagen.

„Nun gut, dann wollen wir uns mal versuchen. So recht weiß ich auch nicht wie das funktioniert“, gestand sie und lächelte dabei.

Sif zuckte die Schultern und griff nach der Schere.

„Versuchen wir es einfach mal. Mir ist eh so langweilig.“

Lachend verteilte Frigga die Aufgaben und dann konnte es los gehen. So einfach war es wirklich nicht.

Ull, Thor, Tyr und Brigg bekamen die Holzarbeiten. Während Loki, Sif und Hell nach der Schere und dem Papier griffen. Zusammen wurde gemalt, die Konturen eines Sternes auf das Papier gezeichnet und dann geschnitten.

Frigga versuchte sich einem kleinen Elch und war erstaunt, wie gut es aussah.

Die Götter mit den Holzarbeiten taten ihr bestes. Aber so recht wollte es nicht klappen.  Thor und Brigg schafften es schließlich eine Stern zu bauen. Er sah noch etwas wackelig aus, aber es war ein Stern.

Loki ließ sich neben Thor nieder und küsste ihn auf die Wange.

„Das hast du gut gemacht“, lobte er.

Der Donnergott zuckte die Schultern und stahl sich einen Kuss von den süßen Lippen.

„Hat auch Spaß gemacht.“

 

11. Dezember

 

Mein liebster Thor,

wenn du das nächste Mal baden möchtest, muss ich mir wohl überlegen ob ich ja sage. Manchmal frage ich mich, ob wir je genug voneinander bekommen werden. Aber ich hoffe es nicht.

Ich liebe es mit, dir zusammen zu sein.

Danke nochmals für den Lapislazuli. Diese Edelsteine sind auf Asgard so selten. Wenn du weiter machst habe ich meine Sammlung bald fertig. Danke.

Grund 11:

Das Lachen in deinem Gesicht, die Art wie du mich zum Lachen bringst.

Ich sehe es jeden Tag. Immer wenn wir zusammen sind. Ob nun alleine oder mit den anderen. Es ist immer etwas Besonderes. Du schaffst es immer, mich aufzuheitern. Egal wie.

Wenn ich traurig bin, oder es mir schlecht geht, bringst du mich zum Lachen.

Wenn ich damals nicht gut genug war und Odin mit mir geschimpft hast, hast du mich aufgemuntert. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist eine ganz spezielle Art.

 

In ewiger Liebe

Loki




Wiedersehen auf Covendale [chaotizitaet]

09

Wie recht er mit seiner Annahme gehabt hatte, dass seine Tante in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort verloren hatte, musste Edward ein paar Tage später feststellen. Denn zunächst einmal, gelang es ihm kaum noch mit Josh allein zu sein. Nicht, dass er es bewusst darauf anlegte, aber von allen Anwesenden auf Covendale – und derer waren es, trotzdem es noch mehrere Wochen bis Weihnachten und den damit verbundenen freien Tagen waren, sehr viele – verbrachte er seine Zeit mit am liebsten mit Josh. Auch nach zehn Jahren stimmte die Chemie zwischen ihnen noch und die Gespräche mit diesem waren nie langweilig. Leider aber waren diese Gespräche nunmehr selten ungestört. Zunächst hatte es Edward für Zufall gehalten, dass wo immer sie sich aufhielten, kurz darauf jemand anderes sie aufspürte, doch das Verhalten der jeweiligen Personen sprach auf ihre eigene Art Bände und erlaubte ihm bald die Intrigen seiner Tante zu erkennen.

Wanderten Josh und er etwa durch den Park, konnte er sich fast sicher sein, dass sie Coleen Barnes begegneten, die angeblich nach einiger intensiver Stunden, in denen sie ihrem Vater bei juristischen Schriftsätzen geholfen hatte, nun ein wenig Bewegung an der frischen Luft brauchte. Dabei hängte sie sich dann wie selbstverständlich bei Edward ein, ignorierte Josh und früher oder später lotste sie die Gruppe auf einen Pfad, der gerade breit genug für zwei Personen, nicht aber für drei war. Josh lachte meist und zwinkerte Edward zu, ehe er sich alleine auf den Rückweg machte. Nicht, dass Coleen viel von ihrem Manöver gehabt hätte, fand Edward doch meist bereits wenige Minuten später, dass es wahlweise zu kalt oder zu dunkel wurde, und sie ebenfalls besser zum Haus zurückkehren sollten.

Unternahmen sie einen Ausflug ins Dorf, war es Frederica Barnes, die sich selbst einlud, sie zu begleiten. Sie verbrachte jeden Tag mehrere Stunden im Musikzimmer, um nach einem Handgelenksbruch langsam wieder zu ihrer Form zurückzufinden, um nächstes Jahr dann wieder ihr Leben als Profipianistin aufnehmen zu können, aber abseits der Musik bot Covendale natürlich längst nicht so viel Abwechslung wie etwa London. Daher war schon ein Ausflug ins Dorf eine willkommene Unterbrechung und somit ihr Wunsch eigentlich durchaus nachvollziehbar. Allerdings setzte sich Frederica im Auto, als sei es selbstverständlich, vorne neben Edward und hielt sich auch sonst stets in seiner Nähe auf, zeigte interessiert auf dieses oder jenes in einem der Schaufenster und ließ auch sonst kaum die Möglichkeit für ein Gespräch zwischen Josh und Edward. Gepaart mit eindeutigen Augenaufschlägen konnte selbst ein Blinder mit Krückstock ihre Flirtversuche erkennen.

Aber auch im Haus gab es kaum eine Möglichkeit für ein ungestörtes Gespräch. Immerhin hatten seine Eltern und auch seine Tante akzeptiert, dass er, trotzdem er bis zum Jahresende frei hatte, gelegentlich seine E-Mails abrufen musste, um sicher zu gehen, dass er keine wichtigen Mitteilungen seines Vorgesetzten verpasste. Und solange er zu diesem Zwecke alleine im Morgenzimmer saß, ließen sie ihn ungestört. Saß aber Josh ebenfalls in dem Zimmer, selbst wenn er nur still las und Edward mit dem Laptop und E-Mails alleine ließ, war das für sie Einladung genug, sich ebenfalls in diesem Zimmer aufzuhalten. Und ruhig waren sie dabei gewiss nicht. Bei seiner Tante konnte man schon Wetten darauf abschließen, dass sie ihm von dieser oder jener jungen Frau erzählen würde, die ja ach so reizend war, während seine Eltern angeblich vor Mutter Barnes auf der Flucht waren, gleichzeitig aber nicht umhin konnten, Edward gegenüber Coleen und Frederica als überaus nette Mädchen anzupreisen. Dicht gefolgt von der Frage, ob Edward denn nicht mal einen Ausflug mit ihnen zu einem der als örtliche Sehenswürdigkeiten geltenden Hügel machen wollte. Wobei sie natürlich die ganze Zeit Josh ignorierten, oder mehr oder weniger subtile Spitzen gegen ihnen fallen ließen.

Am liebsten war Edward da noch, wenn sich nach dem Abendessen Erin und David zu ihnen gesellten. Denn diese beiden versuchten nie das Gespräch auf sich zu lenken, auch ignorierten sie Josh nicht, sondern versuchten im Gegensatz zu den anderen ihn kennenzulernen.

Unter diesen Umständen war Edward regelrecht dankbar, dass Erins Schwestern in der Riege dieser Störenfriede fehlten. Schlicht, weil die jüngste, Megan, noch studierte und das Semester noch nicht vorüber war, und die älteste, Leanne, mit einer Freundin ein eigenes Bistro in Birmingham betrieb und dort präsent sein musste.

Als ihn aber eines Abends Philipp Barnes im Billard-Zimmer beiseite nahm – angesichts von Doris Barnes im Hochzeitswahn waren die Männer wieder zu der jahrhundertealten Tradition der Geschlechtertrennung nach dem Abendessen übergegangen – um seine Tochter in den höchsten Tönen zu preisen, schwante Edward nichts Gutes. Eine ähnliche Szene spielte sich obendrein am nächsten Morgen mit Madeline Barnes, Fredericas Mutter, im Morgenzimmer ab. „Sie ist so ein liebes Mädchen. Und so begabt. Mit ihrer Musik bringt sie immer so viel Freude in unser Leben. Gleichzeitig ist es auch ihre Musik und damit ihre Karriere, die sie davon abhalten würden, sich allzu alleine zu fühlen, wenn ihr Partner beruflich gerade anderweitig gebunden ist. Ich weiß nur zu gut, wie einsam ich mich stets fühle, wenn Stephen geschäftlich in der arabischen Welt unterwegs ist. Sonst begleite ich ihn ja auf viele seiner Reisen, was dazu geführt hat, dass Frederica als Kind viel Zeit bei ihrer Cousine Erin verbracht hat, aber gerade Saudi-Arabien ist mir dann doch ein wenig zur restriktiv in der Bewegungsfreiheit für Frauen, als dass ich Stephen dorthin würde begleiten wollen.“

Man braucht wirklich kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, dass Madeline Barnes ihre Tochter als die ideale Gefährtin für einen Berufsoffizier sah, den es in noch restriktivere und gefährlichere Länder wie Afghanistan oder den Irak verschlagen konnte. Edward konnte nur den Kopf schütteln. „Madame, Sie wissen, dass mein Interesse nicht den Frauen gilt?“, vergewisserte er sich.

„Oh, Frederica ist Musikerin, Künstlerin, da ist sie so etwas durchaus gegenüber offen aufgeschlossen“, kam die prompte Antwort.

Es lag Edward auf der Zunge mit „Aber ich nicht“ zu antworten, doch weil er Davids Gäste nicht so offen vor den Kopf stoßen wollte, schwieg er einfach und wandte sich ostentativ seinem Laptop zu.

Als dann auch noch sein Vater am Abend seinem Sohn gegenüber Frederica pries, die sich an diesem Tag hatte dazu überreden lassen, ein paar leichte Stücke nach dem Essen zu spielen, hatte Edward endgültig genug. Er nahm seinen Vater beim Arm und führte ihn in den angrenzenden Wintergarten und von dort nach draußen in den Garten, um auch ganz sicher zu gehen, dass niemand sie belauschte, wenn er seinem Vater die Leviten las. Denn darauf würde es wohl hinauslaufen, doch der Respekt, den er gegenüber seinem Vater nichtsdestotrotz empfand, diktierte, dass so etwas abseits lauschender Ohren und neugieriger Augen stattfand.

„Was bitte soll das?“, fragte sein Vater indigniert.

„Genau das gleiche wollte ich dich gerade fragen“, konterte Edward. „Was bitte soll das? Du weißt genau, dass ich schwul bin, dass ich nie etwas mit einer Frau anfangen werde, und dennoch scheinst du Himmel und Hölle in Bewegung setzen zu wollen, um mich mit einem der Barnes-Mädchen zu verloben.“

„Edward, du weißt, dass das nur so eine Phase von dir ist.“

„Eine Phase, die seit fast zwanzig Jahren Bestand hat. Klingt das noch nach einer Phase für dich? Ich dachte, ich hätte mich deutlich ausgedrückt, als ich der Familie die Wahrheit gesagt habe.“

Sein Vater verzog das Gesicht. „Jedem von uns war klar, dass du damit doch nur auf der Welle der Popularität reiten wolltest, um deine Karriere voranzutreiben. Schließlich war nach dem Urteil damals abzusehen, dass die Armee zukünftig ein paar homosexuelle Offiziere würde vorweisen müssen, um glaubhaft zu wirken, ohne dabei ihren Prinzipien von Dienstalter und Erfahrung untreu zu werden. Ich nehme es dir nicht übel, dass du angesichts dieser Tatsache deine Chancen auf eine Beförderung dadurch erhöhen wolltest, dass du dich öffentlich dazu bekannt hast, schwul zu sein.“

Edward starrte Arthur Richards ungläubig an. Glaubte sein Vater dies tatsächlich? „Nur zu deiner Information: Ich habe bis nach der Bestätigung meiner Beförderung zum Major gewartet, ehe ich meinen Vorgesetzten von meiner sexuellen Orientierung erzählt habe. Ich wollte mir nämlich meine Beförderung durch Leistung und nicht aufgrund irgendwelcher politischer Erwägungen verdienen.“

Man konnte Arthur Richards ansehen, dass er mit dieser Antwort nicht gerechnet hatte. „Aber Sohn, denke doch an den Familiennamen. Der Fortbestand der Familie muss doch gesichert werden“, versuchte es sein Vater nun mit einem anderen Argument.

„Wäre das nicht Davids Aufgabe?“, wollte Edward wissen. „Schließlich ist er das Familienoberhaupt. Zudem er nimmt diese Aufgabe immerhin so ernst, dass er sich jetzt verlobt habt.“

„Pah, das mag zwar sein, aber schau dir doch die Familie seiner Zukünftigen an: Alles nur Mädchen in dieser Generation. Wer garantiert dann, dass in der nächsten Generation Söhne auf die Welt kommen.“

Edward lachte. „Und doch willst du mich mit eben einem dieser Mädchen verkuppeln? Selbst wenn deine Pläne auch nur den Hauch eine Chance haben würden, würde ich dann nicht in die gleiche vermeintliche Falle wie David tappen?“

„Aber bei dir wäre es etwas anderes“, verteidigte sich sein Vater.

„Natürlich. Weil schwule Männer aufgrund ihrer männlichen Orientierung eher Jungen zeugen.“ Viel unlogischer konnte die Argumentation seines Vaters wohl kaum noch werden.

„Rede doch keinen Unsinn. Das ist biologisch nicht nachweisbar.“

Hier konnte Edward ausnahmsweise seinem Vater nur zustimmen.

„Aber für dich würde eine Ehe mit einer Frau, selbst wenn es eines der Barnes-Mädchen wäre, schon exponentiell die Wahrscheinlichkeit auf einen Sohn gegenüber einer kinderlosen Beziehung zu einem Mann steigern.“

„Und dennoch wird es nicht geschehen! Weder mit einem Barnes-Mädchen noch mit sonst einer Frau“, erwiderte Edward entschieden. „Egal wie sehr du und Tante Catherine es euch wünschen.“

Der Gesichtsausdruck seines Vaters verriet Edward, dass er mit seiner Bemerkung über seine Tante ins Schwarze getroffen hatte. „Aber Edward, deine Tante macht sich doch nur um dich Sorgen. Und du musst zugeben, dass das Auftauchen dieses Joshuas mehr als verdächtig ist.“

„Ich verstehe Tante Catherines Fixierung auf Josh Evans nicht. Was hat sie nur gegen ihn? Und was hast du persönlich gegen Josh, dass du dich auf Tante Catherines Seite schlägst?“, verlangte Edward nun zu wissen.

„Ach Junge, er ist einfach nichts… Seine Familie… Was hat er denn für Beziehungen? Seine Tante ist die Angestellte deines Cousins…“

„Vater, muss ich dir genau wie Tante Catherine ins Gedächtnis rufen, dass wir das einundzwanzigste Jahrhundert schreiben und die Richards, so sehr du es dir auch wünschen magst, nicht mehr dem Landadel als gesellschaftlicher Klasse angehören, einfach weil es diese Klasse nicht mehr gibt? Rachel Hall ist auch nicht Davids Angestellte, sondern Angestellte der Stiftung, was also keineswegs einer Dienstbotenstellung von einst gleichkommt. Joshua Evans ist Logistikmanager mit Universitätsabschluss und seine Eltern besitzen ein Wellnesshotel in Malaysia. Klingt das nach einer Familie, die unter unserem Niveau ist?“

Er sah, wie diese Argumente langsam auf Arthur Richards Wirkung zu zeigen begannen. Dennoch war sein Vater nicht gewillt so leicht klein bei zu geben. „Aber dennoch ist sein Auftauchen hier reichlich verdächtig.“

„Ach ja? Stell dir einfach mal für einen Moment vor, Joshua hätte nicht gerade all das verloren, was über Jahre seine Welt ausgemacht hat, sondern er wäre einfach ungebunden und würde in seinem Urlaub seine Tante auf Covendale besuchen. Gleichzeitig hätte ich bei einem Auslandseinsatz meinen Geliebten – in diesem Szenario einen Offizierskollegen – in einem Gefecht verloren. Ein Gefecht obendrein, dass bei mir ein psychisches Trauma ausgelöst hat, dass mich dazu bewogen hat, den Dienst zu quittieren. In dieser Situation, um mich zu fangen und mein Leben zu ordnen, wäre ich an den Ort zurückgekehrt, wo ich in meiner Jugend zu Hause war – Covendale. Wo ich Joshua begegnete. Würdest du mir dann unterstellen, dass ich dann nur nach Covendale gekommen wäre, um mir mit Joshua einen Ersatz für meinen gefallenen Geliebten zu sichern?“

„Red doch keinen Unsinn. Natürlich nicht. Du wärest in Trauer und Covendale so etwas wie dein Zuhause.“

„Genau“, stimmte Edward ihm zu. „Aber es sind nicht Gebäude, die ein Zuhause ausmachen, es sind die Menschen. Für Joshua Evans ist seine Tante dieses Zuhause. Er ist also nach all den Verlusten zu seiner Tante gereist, die nun mal zufällig auf Covendale lebt. Das hatte also nicht das Mindeste mit meiner Anwesenheit zu tun, zumal er von dieser ja gar nichts wissen konnte.“

„Und warum seid ihr dann ständig beieinander?“

„Weil wir uns gut verstehen? Oder unterstellst du mir, dass ich Joshs derzeitige emotionale Verletzlichkeit ausnutzen würde?“ Denn tatsächlich hatte Edward sich bei allen ihren Begegnungen stets Mühe gegeben, Josh nicht zu bedrängen, auch wenn er sich selbst gegenüber eingestand, dass er sich sehr zu diesem hingezogen fühlte.

Zum Glück zog sein Vater es vor, hierauf zu schweigen.