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16. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

16 - Halloween, Halloween, heut Nacht ist Halloween oder "Also… da gibt es die Bienchen und die Blümchen…"

Samstag, 31. Oktober 2015 - Halloween Party - Carlisles Retirement Home

 

Summend föhnte sich Rudy die Haare. Er musste sich ein bisschen beeilen, denn im Moment hüpfte er nur in Shorts bekleidet in seinem Bad herum. Und Edward würde in ein paar Minuten da sein. Granny hatte zur Halloweenparty im Carlisles geladen. Rudy hatte einfach gefragt ob er noch jemanden mitbringen durfte und es war kein Problem gewesen.

 

Sie würden nach etwas zu trinken durch die Straßen ziehen und da Rudy kleine Kinder einfach nicht erschrecken wollte, hatte er sich für etwas Niedliches entschieden. Und Edward hatte sich im spontan angepasst und so würden sie als Paar gehen. Was Kris wohl tragen würde? Sie hatten sich nicht darüber unterhalten und schauen konnte er auch nicht, denn der Ältere war schon lange weg. Er hatte Granny versprochen beim Dekorieren zu helfen, das taten die Bewohner der Seniorenresidenz nämlich immer selbst.

 

Endlich war er mit seinen verstrubbelten Haaren zufrieden  trat ins Schlafzimmer und griff sich die Hose vom Bett. Bis vor drei Tagen war es eine einfache braune Stoffhose gewesen. Bis er in Handarbeit dunkelbraune Wollfäden durchgezogen hatte. Er mochte Pelz nicht, weder echten noch künstlichen, doch für sein Kostüm war ein Fell wichtig. Nur in diesen Ganzkörperkostümen, die man in jedem Laden kaufen konnte, hatte er nicht gehen wollen. Die sahen doch eh schrecklich aus und hingen wie ein Sack an einem. Lächerlich musste er sich nicht machen.

 

Kurz besah er sich den braun-weisen Stummelschwanz, bevor er die Hose anzog. Darauf folgte der langärmlige ebenfalls braune Pullover. Auch hier hatte er in jeden Zentimeter Wollfäden gezogen und sie auf Länge geschnitten. Seine Brust weiß und der Rest braun. Die Schuhe hatten ihm am meisten Sorgen bereitet. Wenn sie nur in der Residenz gewesen wären, hätte er seine Hufhausschuhe anziehen können, aber sie gingen raus und dreckig sollten sie ja nicht werden.

 

Rudy hatte sich schließlich im Internet schlau gelesen und ein paar alter Schuhe solange mit Pappmaschee bearbeitet, bis die Form wie Hufe aussah und er trotzdem gut mit ihnen laufen konnte. Farbe hatte dann den Rest erledigt. Noch schnell den gekauften Haarreif mit Ohren und Geweih aufgezogen und er war fertig. Ein prüfender Blick im Spiegel offenbarte ein wirklich gut gelungenes Rentier. So konnte er gehen.

 

Er drehte sich noch mal probeweise um die eigene Achse und dann klingelte es auch schon. Das musste Edward sein. Gut gelaunt hüpfte er in den Flur und öffnete die Tür. "Hallo Santa", grinste der Jüngere breit. Edward sah gut aus in seinem roten Kostüm und dem falschen Bauch. Der Rauschebart passte von der Farbe her genau zu den Haaren. "Gut siehst du aus", erklärte Rudy und wandte sich ab, um sein Handy, den Geldbeutel und die Schlüssel von der Ablage zu nehmen. Die Stoffhose hatte Hosentaschen, da passte alles rein.

 

"Ho, ho, ho... du auch Rudy. Aber dir fehlt noch die rote Nase. Außer du willst nicht als Rudolf sondern als einfaches Rentier gehen", erwiderte der Weißhaarige. Auch wenn Rudy als einfaches Rentier durchaus eine gute Figur machte. Einen Schlitten musste er ja nicht ziehen, denn er war mit seinem Chevy da. Außerdem würden sie sonst heuten nirgends hinkommen.

 

Der schlug sich gerade mit der flachen Hand vor die Stirn. "Ich wusste, ich hab was vergessen!", nuschelte er und verschwand in sein Bad. Na die rote Nase musste natürlich sein. Irgendein Rentier war ja auch langweilig. Wenige Minuten später hatte er eine rote Nase. Nun war er fertig! So konnte er sich sehen lassen. Erneut trat er zu Edward.

 

"Cool. Wie schaffst du es, dass deine Nase rot ist ohne eine Plastiknase aufzuziehen?", wollte der Ältere wissen. Da war nur eine Nase und die war rot. Keine Plastiknase wie bei einem Clown Es sah auch noch so natürlich aus. "Mein Geheimes", grinste Rudy breit. Er musste ja nicht jeden Trick verraten. Vielleicht brauchte man den noch mal.

 

Edward zuckte mit seinen Schultern und nickte Richtung Lift. Sie mussten langsam los, wenn sie rechtzeitig ankommen wollten. Rudy schloss sein Apartment ab und zusammen machten sie sich auf den Weg. Zu spät zu kommen war wirklich nicht gut. Das machte keinen guten Eindruck. Er musste seinen Haarreif dann doch abnehmen, denn mit passte er nicht in den Chevy. So war das Leben eben.

 

 

Die Fahrt ging mit Smalltalk ziemlich schnell vorbei. Das Carlisles war hell erleuchtet, als sie parkten und wirklich schaurig geschmückt. Da hatten sie sich wirklich Gedanken gemacht. Und es musste viel Arbeit gewesen sein. Da hatten die Bewohner und Angestellten sicherlich nicht erst heute mit angefangen. Aber wenn man noch eine Aufgabe hatte, hielt das ja bekanntlich jung.

 

Geschnitzte und erleuchtete Kürbisse standen überall herum, wie sie die dicken Spinnweben überall an die Fenster und die Balkone bekommen hatten, wusste Rudy auch nicht. Aber es sah richtig schaurig aus. Besonders da große falsche Spinnen in ihnen saßen. Es kam der ganzen Atmosphäre doch sehr zugute, dass es Ende Oktober schon so früh dunkel wurde. Das ließ die schiefen teilweise zerstörten Grabsteine wirklich echt aussehen. Das Kettenklirren, Scharren von Nägeln auf Holz und das Krächzen der Raben kamen sicherlich vom Band. Wie lange sie das vorher wohl schon geplant hatten? Die eingeschlagenen Fenster im Erdgeschoss waren hoffentlich nur Folien die man wieder abziehen konnte und auch die vernagelten Fenster auf verschiedenen Etagen ließen sich bestimmt wieder rückstandslos entfernen. Weil sonst wurde das teuer, wenn sie das jedes Jahr veranstalteten.

 

"Normalerweise sieht das hier aber nicht so schaurig aus?", wollte Edward besorgt wissen. Denn wenn ja, kam ein Altersruhestand hier nicht in Frage. Hell und freundlich, das mochte der Grauhaarige. Vielleicht sollte er auch mal bei Tageslicht hier vorbeikommen. Aber sicherlich gab es auch eine lange Liste auf der man landete, wenn man hier her wollte.

Rudy lachte. "Nein. Tagsüber ist es hier echt schön. Wenn nicht gerade Halloween ist. Vielleicht zeigt uns Granny ihr Apartment. Es ist richtig toll. Noah ist sicherlich auch heute hier. Er ist Pfleger und kennt sich sicherlich gut aus. Granny ist erst seit März Dauergast", erklärte Rudy und wies den richtigen Weg.

 

Da musste Edward dem Jüngeren wohl glauben. Etwas anders blieb ihm auch nicht übrig. Aber sicherlich gab es Flyer oder eine Homepage. Nur von Mundpropaganda lief ja kein Laden heutzutage mehr. Traurig aber wahr. Früher hatte sich gute Qualität und Arbeit herum gesprochen und war der Grund gewesen, warum die Kunden kamen und die Arbeit nie ausging. Aber im Grunde machte das <<House of Orbs>> nichts anderes. Edward hatte bis auf die Anzeige für eine Aushilfe keinerlei Werbung gesehen oder einen Internetauftritt. Selbst die Visitenkarten die sie austeilten waren schlicht. Mundpropaganda schien auch noch in der heutigen medialen Zeit zu funktionieren.

 

Gleich im Eingangsbereich liefen sie einem Roger Rabbit und seiner Frau über den Weg. Rudy musste zweimal schauen, um Noah und Cora zu erkennen. Sie sahen gut aus. "Hallo Noah. Hallo Cora. Gut seht ihr aus", begrüßte er die beiden. Sie wandten sich ihm zu und es war beiden anzusehen, was sie dachten. Das Lachen konnten sie jedenfalls nicht aufhalten. "Hallo Rudy. Oder soll ich dich Rudolf nennen?", prustete der Pfleger. Rudy verschränkte seine Arme vor der Brust. "Ha... ha... ich lach gleich", brummte er mürrisch. Das war wirklich gemein. Aber da musste er diesen Abend wohl durch. Schließlich hatte er sich für dieses Kostüm entschieden und er hätte damit rechnen müssen, dass Witze auf Kosten seines Nachnamens gemacht wurden.

 

"Komm… lass dich drücken, Rudy", bat Cora und trat ohne lang zu warten auf den Anderen zu, umarmte ihn. Rudy sollte seine gute Laune nicht verlieren, immerhin war das eine Feier. "Wow, bist du weich." Sie konnte nicht anders und musste einfach über die Brust des Gleichaltrigen streichen. Fell war das keines. Nur mit einem Ohr hörte sie zu, wie er erklärte, dass er von Hand Wollfäden eingezogen hatte. Sie war viel zu sehr abgelenkt mit Streicheln.

 

Noah besah sich das nur milde lächelnd und übernahm dann selbst seine Vorstellung. Seine Frau würde wohl noch eine Weile brauchen. Also trat er zu dem Santa Claus, denn der war offensichtlich mit Rudy da. Und im Partnerlook. Also mussten sie sich kennen. "Ich bin Noah und das Kuschelmonster ist meine Frau Cora. Sie gehören zu Rudy?" Edward ergriff die ausgestreckte Hand und nickte. "Edward Frye ist mein Name. Ich arbeite seit etwas mehr als einem Monat bei Rudy. Sie sind dann sicherlich der Pfleger, den er erwähnt hat. Ich interessiere mich für das Leben im Carlisles."

 

"Ich ruf am Montag bei euch im Laden an, dann können wir einen Termin machen. Meine bessere Hälfte bringt mich um, wenn ich heute über die Arbeit rede", grinste der Schwarzhaarige schief und zur Untermauerung kam ein resolutes: "Genau", von der Seite. Ah… seine Frau hatte von Rudy abgelassen. Also wurde die Vorstellung gleich noch etwas erweitert. "Granny und Kris sind im Bistro. Albert ist noch nicht da." Zusammen machten sich die vier auf den Weg ins Bistro.

 

Granny gab eine fabelhafte gereifte Cleopatra. Und wie Rudy Al einschätzte, kam der ebenfalls im Partnerlook. Die beiden waren richtig verliebt und genossen das auch. Es war ihnen gegönnt.

Als er jedoch Kris sah, war es um Rudy geschehen. Lachend hielt er sich den Bauch und war doch froh, dass Edward ihn stützte indem er ihm eine Hand in den Rücken legte. Sie bedienten beide ein Klischee. Nur das es bei ihm selbst offensichtlich war und bei Kris es nur die eingeweihten wussten. Zu denen Rudy ja gehörte. "Mad Hatter", brachte er lachend über die Lippen. Das war zu gut! Das geknurrte "Klappe Rudolf", ließ ihn nur noch mehr lachen. "Ich hab dich auch lieb Kris", brachte er irgendwie raus, denn eigentlich fehlte ihm die Luft zum Reden.

 

Die geweiteten Augen entgingen ihm total, denn in dem Moment erklang eine bekannte Stimme von hinten. "Was für eine lustige Gesellschaft." Rudy wandte seinen Kopf und erkannte verschwommen Albert und Robin. Nur langsam beruhigte er sich und wischte die Tränen weg, die doch gelaufen waren. "Albert, schön dich zu sehen. Robin. Bei dir bin ich überrascht dich zu sehen", sprach Rudy und richtete sich wieder auf. Der Lachflash schien überwunden zu sein.

 

"Edward schön sie zu sehen. Rudolf, tolle leuchtende Nase", grinste Robin und schnell stellte er sich vor. "Dad liegt mir schon seit einer Weile in den Ohren, das ich seine Freundin doch kennen lernen soll. Deswegen bin ich da und mir scheint, ich bin nicht der Einzige der passend zu seinem Namen angezogen ist." Grinsend zupfte er etwas an dem roten Oberteil, das er trug. Rudy lachte schon wieder. Robin war als Robin verkleidet. Schade dass kein Batman dabei war. Denn Albert der als Cesar verkleidet war stellte sich gerade neben Granny.

 

Und schon ging die Vorstellungsrunde erneut los. "Will mich noch jemand aufklären?", frage Kris. Er mochte es gar nicht, nicht um Bilde zu sein und woher kannte Rudy diesen Robin schon wieder? Sein Nachbar hatte nicht mit anderen Männern zu reden! Hoppla. Wo kam das schon wieder her? Es war immer noch nicht sicher ob Rudy Männer überhaupt mochte und dann auch noch ihn.

 

Fragend legte Rudy seinen Kopf schräg. "Also…. da gibt es die Bienchen und die Blümchen…", begann er ernst und wurde von einem mürrischen: "Rudy", unterbrochen.

"Sorry. Robin ist Statiker und er hat mir geholfen, meinen Laden zu erweitern. Dass er zu Albert gehört, wusste ich nicht. Ihr habt verschiedene Nachnamen", wandte er sich an den Ergrauten. "Ja. Ich hab den Namen meiner Frau angenommen. Apropos Laden… alles in Ordnung? Alles eingerichtet? Zufrieden mit den Handwerkern?" Er konnte doch nicht ohne Arbeit. Das bemängelte seine Frau auch immer an ihm.

 

"Laden?", wollte Kris schon beinahe panisch wissen. Was hatte der Jüngere jetzt schon wieder angestellt? Konnte man ihn überhaupt alleine lassen? Und was machte überhaupt Edward hier? Was ging hier ab, was er nicht mitbekommen hatte? Gut, sie hatten in letzter Zeit beide viel zu tun gehabt und hatten sich höchstens auf dem Flur mal kurz getroffen und ein paar Worte miteinander gesprochen. Er fand es selbst schade, dass er in letzte Zeit nicht mehr mit Rudy machen konnte, aber der hatte einen Laden zu führen und er selbst hatte auch für Geld zu sorgen.

 

"Nichts Schlimmes. Das Restaurant neben mir war frei. Ich hab einen Durchbruch durch die Wand gemacht und den Laden erweitert. Robin ist der Statiker, der mir geholfen hat wegen der tragenden Wand. Und Edward hat sich auf die Anzeige hin bei mir gemeldet. Kommt mich doch mal alle zusammen im Laden besuchen. Dann zeig ich euch, was wir gemacht haben. Gerne auch nach Feierabend, ich kann in der Küche für uns alle was kochen", bot er an. Er hatte inzwischen schon Übung darin. Es schmeckte, nichts brannte an und es kochte auch nichts über. Ab und an wich er vom Rezept ab, aber bisher hatte er es noch nicht bereut.

 

"Du hast was?", wollte Kris ungläubig wissen. Da hing er einmal nicht mit Rudy rum, aus Angst, dass er etwas unüberlegtes Tat oder sagte und dann verpasste er das Beste! Er konnte allerdings auch nicht den ganzen Tag bei dem Jüngeren sein. Das fiel sonst noch irgendwann auf und am Ende wollte Rudy gar nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das musste wirklich nicht sein. Dann doch lieber Freundschaft als gar nichts.

  

"Streitet euch darum wenn ihr allein seid. Jetzt wollen wir feiern. Es ist Halloween, da muss gefeiert werden", erklärte Granny resolut. Sie wollte sich die gute Stimmung nicht mit einem Streit verderben lassen. Das junge Gemüse konnte sich auch morgen noch Vorhaltungen machen. Noah sah das als Stichwort, etwas der Himbeerbowle für alle zu organisieren. Sie hatte ordentlich Schuss, mit dem Alkohol war also nicht gespart worden, aber sie waren ja alle Erwachsen. Danach wurde ein bisschen getanzt und jeder klatschte mal bei jedem ab. Sie hatten viel Spaß und erst zwei Stunden später zogen sie los in die Dunkelheit, die Straßen rauf und runter. Nur anstatt dass sie selbst nach Süßigkeiten fragten, beschenkten sie die Kinder, die ihnen begegneten. Die Beschenkten freuten sich und besonders Rudys leuchtende Nase fand großen Anklang bei den Kindern. Jeder fragte, ob er sie anfassen dürfte, doch er musste immer mit einem Lächeln verneinen.

 

Sie zogen so lange durch die Straßen bis ihren Taschen leer und keine Kinder mehr unterwegs waren. Sie hatten Spaß gehabt zusammen. Im nächsten Jahr würde man sich sicherlich wieder zu Halloween treffen. Sofern sie alle Zeit hatten und hier waren. Robin und Edward fügten sich gut in die Gruppe ein. So als wären sie alle schon seit Jahren befreundet.



Advent [Laila]

 

16. Dezember

 

Nach dem Frühstück hatte Frigga Sif, Hell, Tyr, Baldur, sowie Loki und Thor in die Küche eingeladen.

Die Göttin grinste frech, als sie die verblüfften Gesichter ihrer Liebsten sah.

„Wir backen heute Plätzchen. Die Menschen machen das ja auch. Also versuchen wir uns daran.“

Sie hatte den Küchen eine Liste mit Zutaten gegeben und diese standen nun bereit.

Ratlos und völlig überrascht starrten die anderen sie an.

„Backen? Wir?“ fragte Sif.

Mittlerweile konnte sie wieder laufen, auch wenn sie sich noch schonen sollte.

Frigga nickte.

„Ja genau. Ich teile euch ein und dann geht’s los.“

Nun gab es kein Zurück mehr. Widersprechen konnten sie nicht. Also ergaben sich die Götter in ihr Schicksal.

Die drei Damen bildeten eine Gruppe, sowie Tyr und Baldur und auch Thor und Loki.

Jeder bekam ein Rezept und sie konnten beginnen.

Die Palastküche war riesig und alle Diener waren gegangen, so dass es genug Platz gab.

Sif schluckte ihren Ärger herunter und lass sich den Zettel durch. Glücklich war sie nicht. Auch wenn sie eine Frau war, so hatte sie noch nie in der Küche gestanden.

Frigga hatte für Zimtplätzchen gewählt. Für Tyr und Baldur gab es Engelsaugen und Loki und Thor sollten sich an Vanillekipferl versuchen.

Keine leichte Aufgabe, aber sie würden es schaffen.

Im Hintergrund lief Weihnachtsmusik.

Misstrauisch beäugte Loki die Zutaten. So recht wusste er nicht was er tun sollte.

Thor stellte die Schüssel in die Mitte und griff nach dem Zucker. Wie er es bei Frigga sah, wiegte er alles ab, was er brauchte und bat dann Loki, darum es zu verkneten.

Der Gott gehorchter und schon bald hatten sie einen geschmeidigen Teig.

Grinsend kam Loki näher, die Finger voller Teig.

„Willst du kosten?“ hauchte er.

Seine Stimme waren nicht weiter als ein Flüstern. Weich und dunkel.

Zu gern kam Thor dieser Aufforderung nach. Er öffnete die Lippen und leckte über den schlanken Finger.

Die Zeit schien still zu stehen. Alles um sie herum war vergessen.

 

Tyr grinste und küsste Baldur. Auch ihr Teig war fertig und musste gehen.

Nun hieß es warten.

Mit Küssen konnte man sich die Zeit am besten vertreiben.

Nachdem die Plätzchen auf Bleche verteilt waren und im Ofen backten, servierte Frigga noch Kakao.

Auch wenn sie nicht alle perfekt waren, so waren sie doch selbst gemacht und schmeckten hervorragend. Außerdem hatte es  Spaß gemacht.

 

16. Dezember

 

Hallo mein Liebster,

das war ein Tag in der Küche. Aber war wirklich lustig. Es hat Spaß gemacht.

Soetwas haben wir noch nie getan.

Nun hatten auch Tyr und Baldur die Möglichkeit sich näher zu kommen und sich in der Öffentlichkeit zu küssen.

Ich verbringe gerne Zeit mit dir und der Familie. Es war wirklich schön.

Ich muss wohl aber aufpassen, dass du nicht so viele Plätzchen isst.

 

Grund 16:

Deine Entschlossenheit

Ich habe es heute wieder in der Küche gesehen.

Du hast einfach begonnen. Wenn du etwas tun möchtest oder musst, dann machst du es auch ohne zu Zögern.

Vielleicht kann man es auch mit Mut gleich setzen, aber ich denke, es ist etwas anderes.

Während ich noch darüber nachdenke, wie man es am besten macht, fängst du an. Du zögerst nicht, sondern ziehst es durch. Ich bin stolz auf dich.

 

In ewiger Liebe

Loki



Wiedersehen auf Covendale [chaotizitaet]

13

Der Tag hatte eigentlich ganz normal begonnen. Macht der Gewohnheit hatte Rachel Hall, trotzdem das Haus für Besuchergruppen geschlossen war, ihre Runde durch die Räumlichkeiten gedreht, um zu sehen, ob dort alles in Ordnung war. Natürlich machten viele der Räume, die nun regelmäßig von den Bewohnern genutzt wurden, einen ganz anderen Eindruck als zu Zeiten, da Haus und Park zahlenden Besuchern offenstanden, dennoch entging ihr nicht die kleinste Kleinigkeit. Das lag vielleicht auch daran, dass sie nach all den Jahren, die sie nun schon für die Stiftung arbeitete, den Katalog des Hauses nahezu auswendig kannte.

Und so war sie es auch, der als erster auffiel, dass in einer der Vitrinen im braunen Salon – auch gemeinhin als Herrenzimmer bezeichnet – eines der ausgestellten Schmuckstücke fehlte. Die Vitrinen in diesem Salon beherbergten die obligatorischen Schnupftabaksdosen, aber auch, aufgrund ähnlicher Form oder Größe, das gute Dutzend Spieluhren in ihren aufwendig verzierten Schmuckdosen, welche zu der Sammlung der Familie gehörten.

Nach der Entdeckung, ging sie sofort zu ihrem Chef. „David, haben Sie vielleicht angeordnet, dass die Rafflesia-Spieldose zum Reinigen gebracht wird?“

Dieser sah sie überrascht an. Die Spieldose, um die es ging, war eine Arbeit aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, die einer von Davids Vorfahren nach einem Aufenthalt in Malaysia hatte anfertigen lassen. Die Schatulle, in welche die Spieluhr eingebaut war, bestand aus einer Goldlegierung mit einer Emaille-Arbeit im Deckel, die eine Rafflesia abbildete. Aufgrund des Silberanteils in der Goldlegierung war dieser Spieluhr das Alter leicht anzusehen und so waren Rachel und er erst kürzlich übereingekommen, sie bei nächster Gelegenheit zum Reinigen zu geben. „Nein, wieso?“

„Weil sie aus der Vitrine fehlt“, erwiderte Rachel knapp und auf ihrer Miene spiegelte sich aufrichtige Sorge.

„Vielleicht hat ja eines der Mädchen sich die Spieldose ausgeborgt? Rica vielleicht, um zu sehen, wie sie die Melodie weiterführen kann?“, schlug David, auf der Suche nach einer naheliegenden Erklärung für das Verschwinden, vor. Im Gegensatz zu den übrigen Spieluhren in der Sammlung enthielt diese nämlich kein spezifisches Lied, sondern war mehr eine Aneinanderreihung von Tönen, von denen der Hersteller der Spieluhr damals glaubte, sie klängen hübsch asiatisch und würden zu dem malaysischen Thema der Dekoration passen.

„Möglich wäre es“, gab Rachel zu, die bereits auf ähnliche Gedanken gekommen war. „Allerdings fand ich es besser, Sie erst davon zu informieren, ehe ich irgendwelche Anschuldigungen ausstreue.“

David nickte anerkennend. Ihre besonnene Art war mit einer der Gründe, weshalb er so gerne mit Rachel Hall zusammen arbeitete.

Doch leider brachten auch die diskreten Nachforschungen und Fragen die Spieldose nicht zum Vorschein. Alicia, die mit Frederica Barnes im Musikzimmer gewesen war, als ihr Bruder kam, um Rica nach der Spieldose zu fragen, schlug vor, auf Edward zu warten. Sie kicherte leise und meinte dann: „Vielleicht hat er ja dich beim Julklapp gezogen und da du seit deiner Verlobung mit Erin bekanntlich wunschlos glücklich bist, hat er dann einfach beschlossen dir als Geschenk ein wenig Arbeit abzunehmen und hat die Spieldose zum Reinigen gebracht.“

Da dies immerhin eine Möglichkeit darstellte, beschloss David diesem Vorschlag zu folgen. Dementsprechend stand er schon auf den Eingangsstufen, als Edwards Wagen bei dessen Rückkehr zum Stehen kam. Leider aber war die Antwort nicht die, die er erhofft hatte.

Edward sah sofort, vor welch großem Problem sie hier standen. „Es gibt keine Einbruchsspuren, das Haus ist derzeit nicht für Besucher geöffnet, und die Spieldose ist verschwunden. Das sieht verdammt nach Diebstahl aus. Aber Diebstahl in der Familie?“, fasste er zusammen.

David nickte niedergeschmettert. „Genau danach sieht es aus und genau das will ich nicht glauben. Natürlich besteht noch die leise Hoffnung, dass jemand sagt, er habe die Spieldose einfach nur an einen anderen Ort gestellt und es ist Rachel bloß nicht aufgefallen…“

„Aber so ganz glaubst du nicht mehr daran.“ Beides wussten sie wie gewissenhaft Rachel bei ihren Rundgängen war.

„Es ist auch nicht so, dass irgendjemand besonderes Interesse an dieser Spieldose gezeigt hätte, was darauf hindeuten würde, dass derjenige dazu geneigt wäre, das Stück etwa aus dem dunklen Herrenzimmer in einen helleren Raum zu bringen.“ David schüttelte den Kopf.

„Und wie willst du jetzt vorgehen?“, fragte Edward.

„So sehr ich es wünschte, ich denke nicht, dass ich die Sache diskret behandeln kann. Früher oder später würde es auffallen, wenn ich nach und nach jeden einzelnen befrage. Ich kann ja so schon froh sein, dass die Mädchen keinen Verdacht geschöpft haben, beziehungsweise mir meine Fragen nicht übel genommen haben. Ich kann die Sache aber auch nicht ignorieren. Noch mag es sich zwar nur um eine Spieldose handeln, die im Verhältnis nicht einmal sonderlich viel wert ist und der Geldwert von der Versicherung ersetzt werden kann. Aber ich will dem Dieb nicht das Gefühl vermitteln, dass es in Ordnung sei, aus meinem Anwesen Dinge zu entwenden. Denn dann würde er es das nächste Mal nicht bei einer einfachen Spieldose belassen. Und es würde mit Sicherheit ein nächstes Mal geben.“

Edward konnte nur zustimmend nicken.

„Allerdings scheue ich mich noch die Polizei auf den Plan zu rufen. Lieber würde ich das intern klären.“

„Also alle zusammentrommeln, befragen und gegebenenfalls die Schlafzimmer durchsuchen?“, wollte Edward wissen.

„Darauf läuft es wohl hinaus. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass das den wenigsten gefallen wird und die Atmosphäre ganz schön vergiften kann.“

„Egal wie du vorgehen würdest, der Diebstahl würde dir keine Ruhe lassen und so auch die Atmosphäre vergiften.“ Edward überlegte kurz. „Wie wäre es, wenn du Erin noch rufst und wir vier, also du, Rachel, Erin und ich gegenseitig unsere Schlafzimmer durchsuchten? In Anwesenheit der anderen? Dann würde es zeigen, dass du mit gutem Beispiel vorangehst, du auch keine Familienfraktion ausgrenzt und es mit dir dann vier wären, die die anderen Zimmer durchsuchten? Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Doris Barnes sonderlich begeistert wäre, wenn du oder ich in ihren Sachen herumwühlten.“

„Dein Plan hat einiges für sich. Auch wenn Tante Catherine sowohl bei Rachel als auch Erin protestieren würden, wenn sie ihr Zimmer durchsuchten“, gab David zu.

„Dann lass uns von der großen Runde als erstes die Zimmer der Zwillinge durchsuchen. Tante Catherine kann wohl kaum etwas dagegen haben, wenn es ihre Nichten sind, die die Durchsuchung vornehmen“, schlug Edward vor.

„Einen Versuch ist es wert.“

„Also dann, auf ins Gefecht.“

„Du weißt schon, dass du der einzige bist, der in diesem Haus mit solchen Sprüchen wirklich durchkommt?“

Edward grinste. „Ja, ich weiß. Das ist wie mit Übergewichtigen. Sie sind auch die einzigen Menschen die ohne Risiko Witze über Dicke machen dürfen.“

 

Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, war die Atmosphäre im Wohnzimmer reichlich angespannt, als David berichtete, was vorgefallen war. Augenblicklich plapperten alle wild durcheinander, einer versuchte den anderen zu übertönen und am lautesten seine Unschuld zu beteuern.

David und Edward ließen sie für den Moment gewähren, wussten sie doch, dass alle sich ihren Protest erst einmal von der Seele reden mussten, ehe sie daran denken konnten, fortzufahren. Doch schließlich wurde es ihnen zu bunt.

„Ruhe!“, donnerte Edward in seiner besten Offiziersbefehlsstimme. „Offenbar hat niemand von euch richtig zugehört. Wir haben die hier Anwesenden keineswegs beschuldigt, die Spieldose gestohlen zu haben. Wir haben lediglich gefragt, ob jemand hier weiß, wo sie vielleicht hingekommen sein könnte.“

David übernahm. „Es war ja nicht so als wäre die Vitrine abgeschlossen gewesen. Und weshalb sollte nicht jemand, dem das Stück gefällt, sie herausnehmen, um sie näher zu bewundern. Schließlich sind wir eine Familie, oder zumindest werden wir es in naher Zukunft sein.“

„Nicht ganz“, ließ sich da Catherine Dempsey spitz vernehmen. „Du vergisst, lieber Neffe, dass zwei der hier Anwesenden in keiner familiären Beziehung zu uns stehen.“ Und sie ließ ihren Blick demonstrativ erst zu Rachel und dann zu Josh hinüber wandern, wobei sie bei letzterem länger verweilte.

„Es war Rachel, die das Verschwinden bemerkte und mir gemeldet hat. Auch arbeitet sie bereits seit meiner frühsten Kindheit für die Stiftung und wohnt hier auf Covendale, sodass ich sie mit Fug und Recht zur Familie zähle. Und da Josh ihr Neffe ist, schließt das dann auch ihn mit ein“, konterte David.

„Und was, wenn das alles nur ein gut geplantes Ablenkungsmanöver ist? Die fürsorgliche Tante, die um von sich und damit ihrem diebischen Neffen abzulenken, als erste das Verschwinden meldet?“, schoss seine Tante zurück. „Denn schließlich wird niemand sie als Familienfaktotum verdächtigen. Und wenn sie sich dann für die Unschuld ihres Neffen verbürgt? Auch wenn jeder weiß, dass dieser pleite ist. Vermutlich hat er die Spieluhr gestohlen, weil er nicht einmal mehr die paar Pfund hat, um das Julklapp-Geschenk zu kaufen“, ätzte sie weiter.

Josh war bei diesen Worten erst kreidebleich geworden, jetzt aber nahm sein Gesicht eine wütend rote Farbe an. „Ich habe mir viel von Ihnen bieten lassen, Sie giftiges Biest, aber als Dieb lasse ich mich nicht beschuldigen!“

„Sie und sich was von mir haben bieten lassen? Vom ersten Moment Ihres Auftauchens hier waren Sie mir gegenüber bei jeder sich bietenden Gelegenheit respektlos!“, keifte Catherine Dempsey.

„Falls ich respektlos war, dann nur, weil ich es Ihnen gleich getan und Ihnen Ihren mangelnden Respekt mit gleicher Münze vergolten habe.“ Die Zeit, da Josh um des Friedens willen sich zurücknahm und versuchte den Spitzen mit Humor zu begegnen, war vorbei. „Sie haben mir seit meiner Ankunft allerlei niedere Motive unterstellt, ohne sich je die Mühe zu machen, den Wahrheitsgehalt Ihrer Theorien zu überprüfen. Ja, ich habe meinen Lebensgefährten verloren, meinen Job und mein Heim. Bin ich deswegen mittellos? Sie kennen meinen Kontostand nicht, behaupten dies aber rundheraus. Und unterstellen mir jetzt auch noch, ich sei ein Dieb. Ich dachte, Sie seien schon auf dem untersten Niveau dessen, wozu Sie fähig sind, angelangt, als Sie vergangenes Wochenende noch nicht einmal davor zurückschreckten einen Toten durch den Dreck zu ziehen. Grundlos, wohlgemerkt. Aber vermutlich sollte mich bei Ihnen nichts mehr überraschen!“ Er wandte sich zu David. „Ich weiß, dass angesichts der Tatsache, dass niemand sich gemeldet und gesagt hat, er habe die Spieldose im Geschirrschrank oder ähnliches gesehen, wir alle gleichsam unter dem Verdacht des Diebstahls stehen. Wir alle hatten die Gelegenheit dazu.“ Er blickte bewusst nicht in Catherine Dempseys Richtung, doch alle wussten, dass er sie mit seinen Worten einschloss. „Der nächste logische Schritt ist also eine Durchsuchung. Da ich nichts zu verbergen habe, lade ich alle Anwesenden ein, bei der Durchsuchung dabei zu sein. Ich denke, dass David interessiert genug daran ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen, dass ihm niemand mangelnde Sorgfalt vorwerfen wird. Außerdem mache ich darauf aufmerksam, dass ich heute im Dorf war, aber wie jeder weiß, entgeht dort nichts den wachsamen Augen der Witwe Dibble. Ich schlage also vor, dass sollte mein Wort nicht genügen, David auch im Dorf Erkundigungen einholt, ob ich mit einem verdächtigen Päckchen bei der Post aufgetaucht bin, um das Diebesgut an einen Hehler zu schicken oder dergleichen Unsinn ähnliches.“

Joshs direkte Rede sorgte dafür, dass einer nach dem anderen auch ausdrücklich der Durchsuchung des eigenen Schlafzimmers zustimmte – bis auf Catherine Dempsey. „Ich bin eine Richards, ich habe es nicht nötig zu stehlen. Ich gehe seit Jahren in diesem Haus ein und aus. Hätte ich etwas stehlen wollen, wieso sollte ich dann all die Jahre warten?“

„Cathy, das gleiche trifft auch auf Angela und mich zu“, erwiderte ihr Bruder. „Und doch verweigern wir uns in dieser Angelegenheit nicht. Die Ehre der Familie steht auf dem Spiel. Willst du wirklich wegen deines Stolzes riskieren, dass die Polizei dich verdächtigt, wenn wir bei einer erfolglosen Suche gezwungen sind, sie zu rufen?“

 

***

 

Die Polizei musste tatsächlich gerufen werden, denn die Durchsuchung des Hauses, der Nebengebäude und des Parks brachten die Spieldose nicht zu Vorschein.

Catherine versuchte einmal mehr den Verdacht auf Josh zu lenken, doch der Inspektor erklärte ihr freundlich aber bestimmt: „In diesem Land gilt jeder als unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Ich kann nicht, bloß weil Sie den jungen Mann offenbar nicht mögen, diesen festnehmen. Täte ich das, müsste ich auch Ihren Neffen, Major Richards, mit auf das Revier nehmen, denn genau wie Mr. Evans hat auch er heute Vormittag Covendale verlassen.“

Das sorgte dafür, dass Catherine Dempsey lieber schwieg. Denn natürlich war in ihren Augen Edward ebenso unschuldig wie Joshua Evans schuldig war, und dass die Polizei dies anders sah, kam für sie einem Untergang des Abendlandes gleich.

Die Polizei durchsuchte das Anwesen noch einmal, konnte aber auch nichts Neues feststellen. Nicht zuletzt, weil die Bewohner Covendales mit der eigenen Durchsuchung den möglichen Tatort gleich mit durchsucht und somit unbrauchbar gemacht hatten. Aber da eh anzunehmen war, dass der Dieb aus den eigenen Reihen stammte, hätten Fingerabdrücke von diesem an der Vitrine sie auch nicht wirklich ein Schritt vorwärts gebracht.

Stattdessen ließ sich die Polizei alle verfügbaren Informationen geben, die es ihnen ermöglichen würden, das fragliche Stück zu identifizieren, sollte es bei einem Händler oder auch auf einem Online-Auktionsportal auftauchen. „Bei der Suche in den verschiedenen Internet-Portalen können Sie uns auch gerne unterstützen, wir würden es sogar begrüßen, schließlich scheint es jeden Tag mehr solcher Portale und Plattformen zu geben“, sagte Inspektor Heskell, als das Protokoll abgeschlossen war. Er wusste, dass es für Betroffene immer gut war, wenn sie das Gefühl bekamen, aktiv an der Ermittlung mitwirken zu können. Zudem war die Online-Recherche so aufwendig, dass die Beamten gewöhnlich kaum die dafür notwendige Zeit hatten. Obendrein hielt diese Art der Beteiligung die Betroffenen davon ab, ständig bei der Polizei anzurufen, Fragen zu stellen, oder ihnen sonst wie bei den Ermittlungen im Weg zu stehen. „Desweiteren würde ich Ihnen allen empfehlen, vorerst keine Auslandsreisen zu unternehmen. Natürlich kann ich es Ihnen nicht verbieten, aber im Interesse der Ermittlungen wäre es für uns einfacher, wenn wir wüssten, dass wir Sie jederzeit erreichen können, wenn sich etwas Neues ergibt. Und es ist nun mal schwer, eine Aussage zu einem bestimmten Detail zu machen, wenn man am anderen Ende der Welt ist.“

Alle Anwesenden nickten, wusste doch ein jeder von ihnen, dass in dieser zerfahrenen Gruppe derjenige, welcher als erstes verreiste, ja, wer als erster von Covendale abreiste, sofort als der Schuldige gebrandmarkt würde.