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19. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

19 - Wir machen eine Zeitreise und nehmen mit… oder "Was ist denn dieses Gluhwein? Das ist aber schon etwas zu trinken. Oder?"

Samstag, 5. Dezember 2015 - Great Dickens Christmas Fair - Cow Palace Exhibition Halls

 

"Eine sehr gute Wahl, My Lady“, erklärte Rudy und wickelte eine grüne Schleife um das schwarze Paket. Es war immer eine tolle Zeit auf der Great Dickens Christmas Fair. Seit 3 Jahren machte er jetzt schon mit und es war ein einziger großer Spaß. Sie schlüpften in die Zeit von Charles Dickens, das beinhaltete das ganze Gebäude mit den Buden, die Shows, die Kleidung und vor allem die Sprache. Letztes zumindest solange, bis die Buden geschlossen waren und das würde Rudy gleich machen. Etwas früher als üblich, aber Kris würde kommen und da wollten sie zusammen über die Fair.

 

Und morgen würde auch Edward kommen. Der war heute im House of Orbs gewesen und hatte dort die Stellen gehalten. Die 5 Samstage und Sonntage vor Weihnachten verbrachte Rudy immer hier und normalerweise war dann sein Laden immer geschlossen. Aber seit diesem Jahr war ja eh alles anders. Leicht schüttelte er seinen Kopf, um sich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Er hatte noch eine Kundin! "Das macht dann bitte 30 $, My Lady." Mit einem Lächeln nahm er das Geld entgegen und wünschte noch einen schönen Abend. Jede Minute musste Kris kommen.

 

Rudy nahm die altertümliche Mütze ab und fuhr sich durch seine Haare. Er mochte die Kleidung. Die dunkle Cordhose, das einfache Hemd und die schon leicht verwitterte Weste. Es sollte ja alles so echt wie möglich aussehen. Er setzte seine Mütze wieder auf und streckte sich. Das stundenlange Stehen war nicht gerade bequem, aber es ging nicht anders und es waren ja nur die Wochenenden. Bald war sowieso Weihnachten und er hatte frei. Immerhin war ja schon der 5. Dezember. Nicht mehr lange, und er war wieder zuhause.

 

"Ah... hier bist du. Es ist gar nicht so einfach, sich hier zu Recht zu finden", erklang die lachende Stimme von Kris. Die Worte ließen auch Rudy grinsen. Als er das erste Mal als Besucher hier gewesen war, war es ihm auch so ergangen. "Das ist normal. So geht es jedem beim ersten Besuch. Ich hab eine Karte. Die kannst du ja kurz anschauen. Ich hab noch ein paar Minuten."

 

Damit wandte sich der Jüngere um und kramte nach der Karte. Bis um 4 Uhr würde er heute auf haben, dann hatten sie noch gut drei Stunden, bis die Fair schloss. Sie konnten etwas Warmes trinken gehen, die Buden und Gaukler anschauen und auch etwas essen. So war zumindest der Plan. Sie würden sehen, ob er sich so umsetzten lassen würde. Es kam ja auch darauf an, ob sein Nachbar wirklich so lange bleiben wollte. Vielleicht hatte der auch noch andere Pläne für den Abend.

 

"Gefunden", triumphierte Rudy und wandte sich grinsend wieder um. Hier ging doch nichts verloren. Jedes Jahr bekam er die Karte neu, weil er immer wo anders stand. Auf die Weise wurde es nicht langweilig. Er reichte die Karte weiter und dann beanspruchte auch schon ein Mann seine Aufmerksamkeit. Er wollte ein typisches Weihnachtsmotiv. Auch dafür hatte Rudy vorgesorgt. Die fanden um Weihnachten rum immer reißenden Absatz, auch im Laden. Deswegen hatte er ganz viele gemacht, er hatte aber auch die normalen Motive dabei, denn nicht jeder mochte Weihnächstbäume, Mistelzweige und Co.

 

Entschuldigend blickte er zu dem Blonden, denn sein Kunde konnte sich nicht entscheiden. Doch Kris wank nur ab und so entspannte sich Rudy. Er konnte den Kunden auch nicht einfach so weg schicken, das ging gegen seine Berufsehre. Nach langem Ringen und Vorzeigen entschied sich der Mann endlich für eine Kugel mit Mistelzweig. Geschickt verpackte er den Wunsch noch in eine hübsche Schachtel und kassierte das Geld. "Fertig. Passt du schnell auf, dass Keiner mehr etwas will? Dann mach ich schnell die Kasse und dann kann ich den Stand abschließen." Er würde erst Morgen alles mitnehmen, denn eine Woche ließ er seine Waren sicherlich nicht hier, auch wenn die Halle abgeschlossen und bewacht war. Es konnte immer etwas passieren und das musste nicht sein.

 

Auf das Nicken seines Nachbarn hin wandte sich Rudy ab und begann das Geld in der Kasse zu zählen. Das würde er mit nach Hause nehmen und morgen wieder mitbringen, schließlich brauchte er Wechselgeld. Der Geldsack wanderte in seine Umhängetasche, da war er gut aufgehoben. Danach trat Rudy aus seiner Bude und verschloss die Tür, zog die Lade vorne bei der Theke nach unten und sicherte hier mit einem Vorhängeschloss. So konnte schon nichts passieren. "Gut. Ich bin zu jeder Schandtat bereit!" Aufgeregt grinste Rudy. Er war selbst lange nicht mehr über die Fair gegangen und mit Kris konnte man Spaß haben, das hatte er schon häufiger erlebt.

 

Kris lachte. So aufgeregt hatte er seinen Nachbarn nur selten gesehen und es machte ihn wirklich niedlich. Jedes Mal. Er war immer noch keinen Schritt weiter und er hatte keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. Vielleicht ergab sich ja heute eine Gelegenheit. "Gut. Wo fangen wir an? Der Plan ist zwar echt gut gemalt, aber vielleicht kannst du ja schon etwas empfehlen. Wenn es sich nicht so sehr zum letzten Mal geändert hat." Er gab die Karte zurück, als Rudy danach verlangte.

 

Sicherlich hatte Rudy nur auf die Karte geschaut, um seine Bude zu finden und nicht, um zu sehen, was sonst noch da war, er hätte es zumindest so gemacht. Aber er war schon sehr neugierig auf die Fair. Granny hatte ihm gesagt, wie es vor 36 Jahren gewesen war, denn da war sie hier gewesen und es war das erste Jahr gewesen. Laut ihr war es früher klein und heimelig gewesen, nur ein paar Buden und vielleicht zweihundert Besucher. Irgendwann hatte die Fair zur Berühmtheit gefunden und war explosionsartig gewachsen. Granny wollte mit Albert über die Fair, sehen, was sich so verändert hatte.

 

"Wir sind hier. Es gibt nur einen Ein- und Ausgang, hier. Wir Arbeiten uns von hier bis zum Eingang durch, dann haben wir alles gesehen. Wenn dich etwas interessiert, dann können wir länger stehen bleiben und wenn du etwas nicht magst, gehen wir weiter." Das hörte sich zumindest ziemlich vernünftig an, außerdem kannte er das meiste schon. Großartig veränderten sich die Buden normalerweise nicht. Einige gingen, andere kamen dazu, aber der Großteil blieb schon seit Jahren gleich.

 

Kris musste sich da ganz auf Rudy verlassen, der kannte sich schließlich aus. "Gut, das hörte sich perfekt an. Dann nach dir", erklärte Kris und besah sich erst jetzt Rudy ganz genau. Die alte Kleidung stand ihm ausgesprochen gut, es passte einfach. "Ist das eigentlich Pflicht? Die Kleidung, meine ich. Muss ich mich auch umziehen?" Unsicher blickte er sich um und sah eigentlich nur Menschen in solcher Kleidung. Allerdings hätten sie ihn am Eingang doch bestimmt erst gar nicht rein gelassen, wenn er falsch angezogen war.

Das Lachen ließ ihn erleichtert seufzen. "Nein, nur Verkäufer und das Showpersonal müssen so angezogen sein. Die Gäste können, müssen aber nicht."

 

Rudy begann ihre Führung. Sie legten einen längeren Stopp im Mad Sal's Dookside Alehouse ein, denn dort tanzten gerade die Damen auf der Bühne. Auch bei der Fidel Bude blieben sie länger stehen. Der Verkäufer, der Rudy vom Sehen her kannte, spielte ihnen sogar etwas vor. Nur konnten beide von sich sagen, dass sie absolut unmusikalisch waren, deswegen lehnten sie das Angebot, es mal selbst zu versuchen, auch freundlich ab. Blamieren mussten sie sich ja nicht unbedingt. Rudy wollte sich auch in Zukunft noch hier blicken lassen können.

 

Bei der Hats Bude blieben sie ebenfalls länger stehen. Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es Rudy, Kris zum Probieren zu überreden. Unter viel Lachen und Probieren kristallisierte sich heraus, dass der Ältere ein Zylinder-typ war, passend zu seinem Markenzeichen. Der charmanten älteren Verkäuferin war es dann auch zu verdanken, das Kris den Hut kaufte und ihn auch gleich aufbehielt. Den konnte man ja auch einfach mal so ausführen, da sprach ja nichts dagegen und die Anderen konnten ruhig so viel schauen wie sie wollten.

 

Sie schlenderten weiter, besahen sich die Auslagen und hier und da hielten ihn die langjährigen Teilnehmer für einen kurzen Schwatz auf. Es war eher verwunderlich, dass sie sich noch an ihn erinnerten, immerhin sahen sie sich immer nur auf der Fair.

 

Bei einem Pub blieben sie schließlich stehen. "Ein Ale für dich?", wollte Rudy wissen und blickte fragend zu seinem Nachbarn auf. Durfte er überhaupt etwas alkoholisches Trinken oder war Kris mit dem Wagen da? Da Rudy immer mit dem Bus kam, kannte er sich nicht mit den Parkplatzgegebenheiten aus.

 

Kris studierte die Karte und blieb an etwas hängen, das er so gar nicht kannte. "Was ist denn dieses Gluhwein? Davon hab ich noch nie gehört. Das ist aber schon etwas zu trinken. Oder?" Skeptisch blickte er an der Bude hoch, doch es hieß <<Ale House>>, also musste es etwas zu trinken sein.

 

Rudy kam aus dem Kichern nicht mehr heraus. Es war einfach zu niedlich, wie Kris den Namen ausgesprochen hatte. "Das heißt Glühwein und kommt aus Deutschland. Das ist Rotwein oder Weißwein, der mit Gewürzen erhitzt wird. Hat 7% Alkohol und schmeckt echt lecker", erklärte Rudy, als er sich wieder beruhigt hatte. Er hatte ihn schon bei seinen Pflegeeltern trinken dürfen, als er alt genug dafür gewesen war. Mehr als eine Tasse vertrug Rudy allerdings nicht, sonst wurde es peinlich und unter so vielen Menschen war das keine Option. Ganz und gar nicht!

 

"Ich nehme sonst einen und du kannst bei mir Probieren. Wenn dir der Glühwein schmeckt, kannst du eine eigene Tasse kaufen. Wir klingt das?" Es war zumindest vernünftiger, als wenn Kris sich einen eigenen kaufte und dann wurde es weggekippt, weil es ihm nicht schmeckte. Und es sparte Geld, auch wenn Kris wohl nicht schlecht verdiente. Nur kurz blitze der Besuch in Disney World wieder in seinem Kopf auf, denn das war nicht günstig gewesen. Doch dann konzentrierte er sich wieder auf den Blonden.

 

Auf dessen Nicken hin bestellte Rudy eine Tasse und zahlte, während Kris schon probierte. Der Ältere war zu gierig und verbrannte sich natürlich die Zunge, fluchte blumig vor sich hin und ließ Rudy schon wieder kichern. Gut, es war nicht nett, über jemand anderen zu lachen, aber Kris benahm sich so ungeduldig wie ein kleines Kind. Richtig liebenswert.

 

Beim zweiten Versuch ließ es Kris langsamer angehen. Er wusste ja jetzt, dass das Getränk heiß war. Vorsichtig schlürfte er am Tassenrand und wenn Granny dabei gewesen wäre, hätte sie ihm eines hinter die Ohren gegeben. Das gehörte sich schließlich nicht, aber nochmal wollte er sich nicht die Zunge verbrennen.

 

Das war fruchtig, stellte er nach dem ersten Schluck fest. Und Gewürze, bei denen er nicht ganz sicher war. Vorsorglich nahm Kris noch einen Schluck. "Zimt", murmelte er zu sich selbst, dass schmeckte er raus und dieser Glühwein war wirklich lecker. "Ich nehme auch einen", erklärte der Blonde und reichte die Tasse an Rudy weiter und wandte sich dem Verkäufer zu. Das Rezept konnte er sicherlich im Internet finden und dann konnte er ihn machen, wenn er Plätzchen backte. Das sollte er langsam auch mal in Angriff nehmen, denn sie hatten schließlich schon Dezember.

Ob Rudy auch immer welche backte? Dann könnten sie das dieses Jahr vielleicht  zusammen machen. Aber erst einmal war die dampfende Tasse wichtig, die ihm der Verkäufer gerade reichte. Diesmal war er aber schlauer und würde länger warten.

 

Rudy nahm seine Tasse wieder entgegen und drehte sie so unauffällig wie er konnte, bis er die Stelle erreicht hatte, von der Kris getrunken hatte. Ein indirekter Kuss war immer noch besser als gar keiner. Wenn er nur nicht so feige wäre! Doch die Freundschaft wollte er wegen seiner Gefühle auch nicht zerstören, sie würden schon irgendwann wieder verschwinden. Sobald sein Herz eingesehen hatte, dass da nichts zu machen war. Vom Kopf her wusste er das ja schon. Rudy nippte von derselben Stelle, an der schon Kris getrunken hatte und beobachtete den Älteren. Wie gerne würde er jetzt seine eigenen Lippen auf die sicherlich warmen und weichen seines Nachbarn drücken und sie liebkosen. Aber er war wohl doch eher eine Maus als ein Mann. So widmete er sich seiner Tasse und dem Glühwein, um nichts Dämliches zu machen.

 

Mit den Tassen schlugen sie sich durch die Menge an Besucher. Sie würden die Tassen nachher einfach irgendwo stehen lassen können, denn jeder Stand, der etwas zu trinken anbot, hatte eine andere Tassenfarbe und so kamen sie schon wieder zu ihren Besitzern zurück.

 

Rudy zuckte zusammen, als plötzlich ein Kind vor ihm stehen blieb, auf ihn deutete und laut rief: "Mum, der Mann hat eine rote Nase." Es war ein Reflex, dass seine freie Hand zu eben diesem Körperteil schoss und es verdeckte. Es tat weh, als die Mutter ihr Kind weiter zog und nicht gerade leise erklärte, dass das bestimmt nur ein Säufer sei und er deswegen eine rote Nase habe. Nur gut, dass es hier nicht dunkel war, denn sonst würde man auch sehen, dass seine Nase leuchtete. Warum bei den neun Kreisen der Hölle musste seine Nase leuchten? Etwas Unauffälligeres hätte es auch getan. Etwas, dass man unter der Kleidung verstecken konnte. War doch schließlich bisher jedes Jahr gut gegangen. Warum nur konnte er das in dieser Jahreszeit nicht steuern? Immerhin konnte er das restliche Jahr darüber bestimmen. Verdammter Dezember. Kris würde sicherlich nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.

 

Kris reagierte schnell und griff sich Rudy, zog ihn etwas aus der Menge, die stehen geblieben war und gaffte. Verdammte Neugier. "Zeig mal. Es wird schon nicht so schlimm sein. Du hast ja mal erwähnt, dass du keinen Alkohol verträgst. Und Kinder sind nun mal ziemlich direkt", versuchte er den Jüngeren zu beruhigen. Eine vom Alkohol etwas rote Nase war doch nichts Schlimmes. Und sie beide wussten schließlich, dass Rudy kein Säufer war.

 

Unsicher nahm der Braunhaarige nach eine Weile seine Hand weg und es stimmte, die Nase war rot. Spontan musste er an Halloween denken, doch das ging ja nicht, immerhin hatte Rudy seine Sachen dafür nicht dabei. "Sie ist schon rot, aber das hört bestimmt wieder auf, wenn der Alkohol abgebaut ist. Lass dir davon nicht den schönen Tag und den Glühwein miss machen. Sollen die Anderen doch schauen wie sie wollen. Du bist trotzdem ein lieber Kerl." Mit Aufmuntern war er nicht so vertraut. Hoffentlich machte er es nicht schlimmer.

 

Rudy konnte sich zu einem kleinen Lächeln durchringen. Es war lieb, wie sich Kris Mühe gab. Und bestimmt würde er die Leute auch nie wieder sehen. Auf dem Nachhauseweg musste er seine Nase eben tief im Schal vergraben. Dann ging das schon irgendwie.




Advent [Laila]

 

19. Dezember

 

Sie waren erst spät am Abend wieder im Palast angekommen. Nachdem sie Odin Bericht erstattet hatten, durften sie etwas essen und wegtreten.

Thor hatte Loki ins Bad gezogen und das Wasser laufen lassen. Auch wenn seinem Liebsten nicht kalt war, er fror und nur Loki konnte das ändern.

 

„Hallo Jungs, packt eure Sachen wir gehen Schlittschuh laufen“, verkündete Sif.

Die schöne Göttin streckte sich und sah Loki und Thor auffordernd an. Ihrem Knöchel ging es besser und sie brachte Bewegung.

Im Schlepptau hatte sie bereits Tyr und Baldur. Auch Hell hatte sich angeschlossen.

Zuerst wollte Thor ablehnen, da er den Tag nur mit Loki verbringen wollte, aber dann stimmte er doch zu. So ein Ausflug konnte nicht schaden.

Zumal Loki bereits eine Sachen zusammen suchte.

Ergeben nickte Thor und zog seinen dicken Mantel aus dem Schrank. Dann gingen sie eben Schlittschuh laufen. Das hatten sie ewig nicht mehr gemacht.

Dick eingepackt und mit Schlittschuhen und Proviant gewaffnet machten sie sich auf den Weg zu einem kleinen See in der Nähe.

Hell und Sif ritten an der Spitze und trieben die kleine Gruppe an. Die Damen hatten Spaß daran, die anderen herum zu scheuchen und ihnen Beine zu machen.

Loki tätschelte beruhigend Drengurs Hals und reckte sich etwas.

Seine schwarzen Haare glänzten in der Sonne und ließen ihn noch schöner erscheinen.

Thor griff nach seinen Fingern und zog ihn ein Stück zu sich.

„Du bist wunderschön“, hauchte er.

Sein Blick bohrte sich dabei in Lokis.

Dieser grinste verschmitzt und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

 

An dem See angekommen, zogen sie ihre Schlittschuhe an und los ging.

Zuerst zogen die Göttinnen ein paar Runden und hatten sichtlich ihre Freude dabei.

Tyr trat vorsichtig auf das Eis. Er war der schwerste von ihnen und wollte lieber vorsichtig sein. Aber es hielt alles.

Baldur folgte und zusammen machten sie ein paar Schritte in die Mitte.

Auch die restlichen zwei folgten.

Da Loki die dünnsten Kleidung trug, bewegte er sich schneller und sogar noch agiler als Sif.

Thor bewegte sich langsam. Er war ewig nicht gefahren und er wollte es lieber erst testen. Nach und nach gewöhnte er sich aber daran und er wurde sicherer.

Sif und Hell versuchten sich an kleinen Pirouetten, was die Männer zum lachte. Aber das ließ die beide Frauen kalt. Ihnen machte es einfach nur Spaß.

Tyr zog Baldur an und küsste ihn sanft. Der schöne Gott erwiderte den Kuss und achtete auf nichts mehr. Vor allem nicht auf Thor, der näher kam und den beiden einen Schubs gab.

Mit einem Schrei landeten die beiden Götter auf dem gefrorenen Wasser. Das Eis knackte beleidigt und riss an einigen Stellen.

Fluchend ruderte Tyr mit den Armen und hatte Mühe wieder auf die Beine zu kommen.

„Danke Thor. Echt richtig super“, murrte er.

Aber der Donnergott lachte nur und streckte ihm die Zunge raus.

Das war nun mal der Spaß dabei.

 

19. Dezember

 

Mein Geliebter,

die Idee mit dem Schlittschuh fahren war wirklich toll. Es hat Spaß gemacht. Es war gut, dass wir mal wieder raus kamen nach dem Ausflug zu den Elfen.

Dennoch hätte es nicht sei müssen, dass du Tyr und Baldur zu Boden schickst. Da riss gleich das Eis.

 

Grund 19:

Dein Temperament

Ruhig und besonnen bist du nicht. In machen Dingen immer so süß schüchtern. Aber dein Temperament wiegt über allem. Das habe ich heute nun wieder gesehen.

Aber ich weiß ja auch wie stürmisch und stur du sein kannst wenn es um mich geht.

Wenn du mich willst. Dann kannst du sehr temperamentvoll sein und ich liebe das. Es macht dich aus und lockt mich auch immer wieder. Dieses gewisse Feuer.

 

In ewiger Liebe

Loki


Was ist Weihnachten? [Britta & Fich] - Ein Terra3.0-Zyklus

04

Sie ließen die Schleuse hinter sich und fuhren weiter durch die großen Weiden, bis sie hinten die Schafweide von Tjark erreichten und die Hunde auf ihn zugestürmt kamen.

Es kostete Janis etwas Überwindung nicht zurückzuschrecken, als die Hundemeute auf sie zugelaufen kam und sie bellend umsprangen. Es waren große, starke Tiere aber Tjark musste nur einmal pfeifen und sie legten sich brav ins Gras. „Wow, die sind aber sehr gehorsam“, sagte Janis anerkennend.

„Das müssen sie auch, sonst kann ich sie hier nicht gebrauchen. Sie sind meine verlängerten Arme und Augen. Sie dürfen die Schafe nur behutsam treiben, nicht jagen oder in Panik versetzen. Dazu ist es notwendig, dass ihr Gehorsam mir gegenüber stärker ist als ihr Beutetrieb“, erklärte Tjark und stieg aus dem Wagen, ging als erstes zu seinen Tieren um sie zu begrüßen und zu loben.

Janis blieb noch im Wagen sitzen, bis Tjark alle Hunde begrüßt hatte, erst dann stieg er aus. Die Hunde kamen gleich neugierig zu ihm und er ließ sich beschnüffeln. Erst als Tjark ihm zunickte kraulte er sie hinter den Ohren, was ihnen ziemlich gut zu gefallen schien, denn sie drängten sich dicht um ihn.

„So, genug geschmust“, sagte Tjark schließlich und pfiff wieder. Sofort kamen die Hunde zu ihm und sahen zu ihm auf. „Ab zu den Schafen“, sagte er nur und die Meute stob los, um den Befehl auszuführen. Mit Pfiffen und Rufen dirigierte er die Tiere so, dass sie anfingen die versprengte Herde zusammen zu treiben, damit Tjark nachsehen konnte, ob alle da waren und vielleicht eines krank war, was er mit zurück in den Stall nehmen und pflegen musste.

Nach und nach kamen die Tiere zusammen. Sie kamen aus Büschen und aus dem Wäldchen, sie kamen hinter Hügeln hervor und aus kleinen Erdlöchern, in denen sich das Wasser am längsten hielt und wo sie trinken konnten, wenn sie keine Lust hatten bis zur Tränke am Zaun zu laufen.

„So viele Schafe hast du?“ Janis hatte gar nicht gewusst, dass die Herde so groß war. „Du hast ja richtig was zu tun. Ich dachte immer, du liegt den lieben langen Tag im Gras rum und musst gar nichts tun.“ Das war nicht ernst gemeint, dass sah man auch an seinem Grinsen. „Wenn ich dir ab und zu mal helfen komme, kriege ich dafür eine Kiste Wolle?“

„Die Kiste Wolle für die Jacke kannst du so haben. Ich konnte sie sowieso nicht verkaufen. Aber ein bisschen Hilfe kann ich immer gebrauchen, wenn dein Job es zulässt und dafür kannst du gern Wolle haben.“ Sie würden sich schon irgendwie arrangieren. „Schau mal, das da ist kein Schaf, das ist einer der Schutzhunde“, sagte er und wies auf ein Tier unter den anderen, das etwas weniger schafig aussah. Tjark liebte die großen weißen Hunde und mittlerweile züchtete er, weil auch andere Bauern gern welche haben wollten.

„Echt?“ Janis sah etwas genauer hin und wirklich, jetzt konnte er den Unterschied auch sehen. „Das sind ja krasse Hunde.“ Er schnalzte mit der Zunge, um den Hund auf sich aufmerksam zu machen und lockte ihn zu sich. „Kann man die auch scheren?“, fragte er lachend, denn das Fell glich schon sehr dem Schaffell.

„Das muss ich sogar, denn wenn es hier in den Kuppeln zu warm wird, dann leiden sie ganz schön. Sie können ja nicht schwitzen – nur hecheln. Aber das Fell kann man nicht verstricken. Also es geht schon, aber es ist aufwendig zu spinnen und nicht besonders schön zu tragen.“ Schließlich hatte Tjark das schon ausprobiert, konnte das aber nicht weiter empfehlen.

„Schade eigentlich, so viel Fell ungenutzt lassen zu müssen.“ Janis strich durch das helle Fell und der Hund genoss es sichtlich so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Darum war Janis auch nicht lange mit ihm allein, noch drei andere falsche Schafe kamen zu ihm, um auch etwas abzugreifen.

„Ihr Schmusebiester“, lachte Tjark, aber ihm sollte es egal sein. Er hatte jetzt Zeit nach den Schafen zu sehen. Er hatte sie schon beim Zusammentreiben beobachtet und gesehen, dass zwei junge Tiere humpelten. Da wollte er sehen, ob sie sich nur was eingetreten hatten oder ernsthaft krank waren.

So verging der Vormittag.

Janis hatte mitgeholfen, so gut er konnte und war ganz schön ins Schwitzen gekommen. Einmal hatte er aus Versehen die gerade zusammengetriebenen Schafe erschreckt, so dass sie wieder in alle Richtungen davon liefen. Die Hütehunde, die die Tiere wieder zusammentreiben mussten, wurden von Janis dafür mit jeder Menge Streicheleinheiten belohnt. Aber jetzt hatten Tjark und er sich auf der Wiese niedergelassen und ließen sich schmecken, was in ihrem Picknickkorb war. Katri hatte gut für ihr leibliches Wohl gesorgt.

„Wenn wir fertig sind mit Essen, gehen wir rüber zum kleinen Weiher. Am Rand des Wegs wächst diese Pflanze. Wir brauchen große starke Pflanzen weil die Wurzeln nur dann richtig färben, wenn sie schon ein paar Jahre alt sind“, erklärte Tjark und sah auf seine Herde, die sich langsam wiederverteilte. Die Hunde fraßen ebenfalls und dösten ein wenig unter einem Baum. Nur die Schutzhunde waren wieder in der Herde verschwunden.

„Ja gerne. Ich habe extra eine Tasche mitgebracht, wo wir die Wurzeln rein tun können.“ Janis war schon auf diese Pflanze gespannt, die sein Problem lösen sollte. Er wusste nur, dass sie gelbe Blüten hatte. „Können wir die Schafe denn einfach alleine lassen?“

Tjark lachte herzhaft, sah Janis dann aber an. „Sie sind jede Nacht allein. Dafür habe ich ja die Hunde“ erklärte er. „Es gibt nicht mehr wie früher Raubtiere die in die Herde einfallen und dass jemand kommt und meine Tiere stiehlt, kann ich mir auch nicht vorstellen. Ich bin nur hier, um zu sehen ob es ihnen gut geht, ob sie genügend Wasser und Futter haben und um die Hunde zu füttern. Na komm.“ Er packte alles zurück in den Picknickkorb, dann erhob er sich.

Verlegen kratzte sich Janis durch die Haare. Daran hatte er gar nicht gedacht. Ihm hatte der Tag mit den Schafen Spaß gemacht und er hatte die Tiere ins Herz geschlossen. Für ihn war klar, dass er ab und zu, wenn er Zeit hatte, mit Tjark hier raus kam. Er stand ebenfalls auf und nickte seinem Freund zu.

Wegen ihm konnten sie los.

„Na los.“ Tjark lockte einen der Hunde zu sich. Ragnar war sein Liebling, denn er war der cleverste von allen. So streifte er zusammen mit ihnen den Weg zum Weiher entlang. „Das hier ist die Pflanze, aber die Exemplare sind zu klein. Lass uns weiter hinten gucken“, erklärte er Janis, damit der Schneider wusste, wonach er Ausschau halten musste.

Janis besah sich die Pflanze genau und ließ sie sich auch durch die Finger gleiten. Sie war ihm bisher noch nie aufgefallen. „Sie sieht so unscheinbar aus, man würde nie vermuten, dass sie so ein Geheimnis in sich tragen.“ Er riss sich einen kleinen Zweig ab, damit er etwas zum Vergleichen hatte. „Dann mal los, ich brauche ein Geschenk für meinen Schatz.“

Tjark lachte. „Dich hat es aber wirklich erwischt, mein lieber“, musste er einmal mehr feststellen und hatte die Stelle erreicht, die er suchte. Er griff sich sein kleines Taschenmesser, um die Erde zu lockern. Sie würden nur einen Teil ausgraben und den Rest stehen lassen, damit der Bestand sich erholen konnte und sie eventuell noch einmal färben konnten, wenn sie erfolgreichen waren und später wieder Lust dazu hatten.

„Ja, das hat es wirklich. Eljas ist ein wunderbarer Mann und ich bin glücklich, dass er mich liebt. Und da Weihnachten ja auch das Fest der Liebe genannt wird, möchte ich ihm gerne etwas schenken, worüber er sich wirklich freut.“ Janis nahm die Pflanzen entgegen, die Tjark ausgegraben hatte und entfernte das Grün. Das brauchten sie nicht. Sie nahmen vier Wurzeln mit, denn Tjark meinte, dass das für die Wolle reichen müsste.

„Dann wünsch ich euch beiden alles Glück der Welt.“ Tjark lächelte und strich seinem Hund durch das Fell, der sich gleich vor Freude fallen ließ und den Bauch präsentierte, damit er durch gekrault wurde. „Verwöhntes Vieh“, lachte er und sah sich noch einmal um. In ein paar Tagen mussten sie wohl die Weide wechseln. „Lass uns noch in der Kuppel nebenan vorbei sehen wie das Gras steht“, schlug er vor.

„Ja sicher.“ Janis half mit den Hund zu kraulen und sah sich noch einmal in der Kuppel um. Die weidenden Schafe, die dösenden Hunde, alles vermittelte den Eindruck von Ruhe und Frieden. Der richtige Ort um sich zu entspannen. „Ich werde dich wohl wirklich ab und zu begleiten. Es ist schön hier.“

„So oft wie du das jetzt betont hast, werde ich wohl damit rechnen müssen, dass du deine Drohung wirklich wahr machst“, lachte Tjark und gab seinen Hunden die Anweisung, zwei bestimmt Schafe von der Herde zu trennen und sie zum Auto zu treiben. Er wollte sie zwei Tage im Stall beobachten. Vielleicht konnte auch der Tierarzt mal drüber gucken.

Irgendwas stimmte mit den Hufen nicht.

Sie verfrachteten die Schafe in den Wagen und fuhren los, nachdem Tjark noch einmal seine Wachhunde gestreichelt und ihnen Anweisung gegeben hatte.

Das Gras in der Nachbarkuppel war üppig und grün. Tjark zupfte ein paar Halme ab. „Übermorgen werde ich die Schafe hier her bringen. Sie brauchen frisches Gras.“ Doch dann stieg er wieder ein. Er spürte, dass Janis immer nervöser wurde. Ihm rann die Zeit ungenutzt durch die Finger. Also gab Tjark Gas so gut er konnte und nach einer Stunde waren sie in seinem Keller. Sie hatten sich nur kurz bei Katri gemeldet, nicht dass sie den Kampfkater in den Keller schickte, um die Geister zu fangen.

Neugierig sah Janis sich um, was sein Freund alles in seinem Keller hatte und war wirklich beeindruckt. „Das ist ja eine richtige Alchimistenküche, die du hier hast.“ In einer Kiste lagen verschiedenfarbige Wollknäule. Es gab grün, gelb und Blautöne. Janis nahm ein paar hoch. „Anscheinend hast nicht nur mit rot experimentiert.“ Er legte die Wolle weg und kam zu Tjark. „Was soll ich tun?“

„Mach am besten die Wurzeln etwas sauber, damit wir nicht so viel Dreck im Sud haben“, schlug Tjark vor und verteilte Handschuhe und Schürzen, damit sie sich nicht die Kleider versauerte. „Dann schneide sie etwas klein, ich setze das Wasser an.“ Er fing an zu suchen und kramte ein paar Dinge aus einem alten Schrank. Eines davon roch wie Essig, das andere konnte Janis nicht einschätzen, doch es landete ebenfalls im Topf.

Gewissenhaft machte Janis sich ans Werk und befreite erst einmal alle Wurzeln von der Erde. „Soll ich alle Wurzeln kleinschneiden?“ Er war neugierig, was Tjark noch ins Wasser getan hatte und kam näher. „Was ist da noch drin?“

„Essig und Beize“, erklärte Tjark und sah auf den Haufen Wurzeln. „Behalte mal noch die Hälfte zurück. Schneid alles klein. Einen Teil will ich trocknen, einen Teil nutzen wir frisch, weil wir keine Zeit haben. Eigentlich geht es besser mit getrockneter Wurzel.“ Er hatte sich belesen und viel Zeit investiert.

„Okay, das schreib ich mir nachher genau auf, damit ich das später auch noch mal hinkriege.“ Janis war richtig aufgeregt. Nichts an den Wurzeln deutete darauf hin, dass sie rot färbten. „Soll ich die Wurzeln schon rein werfen?“

„Ja, wirf sie rein, wir müssen das jetzt erhitzen - aber nicht kochen. Steck mal das Thermometer rein und behalte es im Auge. Ich bereite den anderen Teil der Wurzeln zum Trocknen vor.“ Er hatte einen winzigen Ofen, der nicht viel Strom verbrauchte, aber in den auch nur wenig hinein passte. Das war ideal für seine Zwecke. „In der Kiste da drüben sind alte Wollfäden, falls du immer mal was ins Wasser halten willst zum Testen.“

„Okay Boss.“ Janis warf die Wurzeln ins Wasser und rührte um, allerdings passierte erst einmal nicht viel. Es dauerte ein wenig, bis das Wasser sich verfärbte und Janis hielt gleich einen Wollfaden hinein, um zu sehen, ob er Farbe annahm. „Es funktioniert“, rief er begeistert, als der Faden eine leicht rote Färbung annahm.

„Ich hab euch was zu essen gemacht. Ich gehe mal davon aus, dass ihr eure Hexenküche bis morgen nicht verlassen wollt.“ Katri kam mit einem Tablett und einer großen Kanne Kaffee nach unten und wie gewöhnlich folgte ihr Yrjö, es könnte ja etwas zu essen abfallen. Doch Tjark jagte ihn wieder nach oben, nicht das er in eine Lache trat und dann Tapsen auf dem Teppich im Flur machte. Dann war er nämlich die längste Zeit ein Hauskater gewesen und würde auch in den Stall umziehen.

„Katri, du bist unser rettender Engel.“ Janis küsste die Frau seines Freundes auf die Wange und griff sich eins von den leckeren Broten. „Guck, es klappt wirklich. Ist noch nicht richtig rot, aber wir haben gerade erst angefangen.“ Er hielt Katri den Wollfaden hin, der zur Hälfte gefärbt war und sie lachte.

„Du bist genauso wie Tjark, als er das erste Mal gefärbt hat.“

Tjark lachte leise, stritt es aber nicht ab. Sie hatte ja Recht. „Nur dass Janis nicht deine Küche voll tropft“, grinste er und griff sich die Tasse mit Suppe. Es war eine ganz einfache mit Ei und Nudeln, doch er liebte sie und aß sie jeden Abend, wenn Katri sie kochte. „Drück die Daumen, dass es gut klappt, dann kommen wir früher ins Bett als morgen früh. Kannst du noch beim Tierarzt anrufen, damit er sich morgen früh mal die beiden Schafe anguckt? Gefüttert sind die Tiere im Stall alle.“

„Mach ich, Schatz.“ Katri gab Tjark einen Kuss und ging dann immer noch lachend die Treppe hoch. „Ich lass euch dann besser alleine werkeln.“ Sie warf Tjark noch einen Handkuss zu, dann schloss sich die Tür wieder hinter ihr. Janis sah ihr hinterher. „Erinnere mich daran, dass ich ihr etwas ganz außergewöhnliches nähe. Das hat sie wirklich verdient.“

„Das kannst du gern tun. Aber ich glaube, sie ist glücklicher, wenn ich etwas ordentliches trage und sie sich auf der Straße nicht mehr für mich schämen muss.“ Tjark lachte und schaltete den Ofen an, um ihre zweite Probe zu trocknen, während er das Thermometer in Auge hatte, damit die Farbe nicht zu heiß wurde und die Wirkstoffe kaputt gingen.

„Dann werde ich dafür sorgen, dass ihr beide euch auf der Straße sehen lassen könnt.“ Das war für Janis Ehrensache, dass er sich so bei seinen Freunden für die Hilfe bedankte. Immer wieder hielt er Fäden in den Sud und mit jedem Mal wurde die Farbe dunkler und intensiver.

„Wir sollten es jetzt mit einem Knäuel versuchen.“ Tjark hatte es bereits über eine Stuhllehne gewickelt, um eine lose Ansammlung zu erzeugen, damit die Farbe auch überall an das Material heran kam, damit ein gleichmäßiger Färbevorgang vonstattengehen konnte. Er reichte die Wolle an Janis weiter.

„Das ist so aufregend.“ Janis tauchte die Wolle ein und rührte mit einem großen Holzlöffel um. „Wie wissen wir, wann wir die Wolle wieder raus nehmen müssen?“ Jetzt durfte nichts schief gehen. Er brauchte spätestens morgen die gefärbte Wolle, damit er anfangen konnte zu stricken.

„Ein paar Stunden müssen wir Geduld haben“, sagte Tjark und aß weiter seine Suppe. „Vielleicht sollten wir auf volles Risiko gehen und gleich alles färben denn sonst wird es vielleicht zu spät. Nein, es wird auf jeden Fall zu spät werden. Ich habe meine Versuche damals bis zu zwei Tage im Wasser gelassen. So viel Zeit haben wir nicht. Wir müssen eine Kompromiss finden“, sprach er einfach aus, was ihm gerade durch den Kopf ging.

„Zwei Tage? Das geht nicht, dann kann ich ja erst am Donnerstag anfangen.“ Janis kaute auf seiner Unterlippe, denn er wusste nicht, was er tun sollte. „Färben wir alles. Wenn es schiefgeht, dann habe ich eben Pech gehabt, aber wenn wir jetzt kein Risiko eingehen, kann ich es gleich lassen.“

„Okay, dann lass uns die andere Wolle auch rein tun und ab und an umrühren.“ Tjark nickte sich selber zu und griff die übrigen Knäuel, die er ebenfalls schon aufgelockert hatte. Wenn dann sollten sie alle etwa gleich lange färben, damit die Farbe einigermaßen einheitlich wurde. Janis gab sie vorsichtig in den Topf und dann hieß es warten.

Immer wieder schauten sie nach, welchen Ton, die Wolle angenommen hatte und Janis wurde immer aufgeregter, je mehr Farbe die Wolle annahm. „Reicht das schon?“, fragte er immer wieder und Tjark schüttelte immer wieder den Kopf.

„Wenn die Farbe so werden soll wie bei meinen Socken, dann müssen sie noch etwas ziehen“, dämpfte er Janis‘ Enthusiasmus. Er konnte ihn ja verstehen, denn eine Jacke in nur zwei Tagen zu stricken wurde eine Mammutaufgabe. Aber dann wurde sie eben nicht zu Weihnachten fertig sondern zwei Tage später.

Sie waren Jahrhundertelang ohne dieses komische Weihnachten ausgekommen, ohne sich – nur weil der Kalender es so vorschrieb – etwas zu schenken. Da kam es doch auf ein Jahr auch nicht mehr an. War es nicht wichtiger, wenn die Jacke schon fertig wurde, dass sie hübsch war, als einen Termin zu halten, von dem keiner wusste warum es ihn gab?

Es dauerte noch eine Stunde, bis Tjark nickte und somit anzeigte, dass die Wolle den richtigen Ton hatte. „Drück uns die Daumen, dass es geklappt hat.“ Sie drückten die Wolle aus, zogen sie einmal durch klares Wasser und hängten sie, nachdem sie sie noch einmal ausgewrungen hatten, zum Trocknen auf. Janis strich einmal darüber und Tjark klopfte ihm auf die Schulter. „Leider müssen wir jetzt warten. Das Trocknen können wir nicht beschleunigen.“

Janis murmelte leise, wollte schon vorschlagen sie in den Ofen zu legen oder zu wedeln, doch er vertraute dem Fachmann mit den roten Socken, der wusste was er tat und wenn es dauerte, dann dauerte es eben. Er hätte ja auch früher schalten und eine Jacke für Eljas bei Martti kaufen können. Doch nun musste er mit dem arbeiten, was er hatte.

„Schlaf ein bisschen, Janis, du willst dann drei Tage am Stück stricken.“

„Ja, das sollte ich wohl, aber bevor ich ins Bett gehe, räumen wir noch auf. Nicht, dass du doch noch im Stall schlafen musst, wenn Katri das sieht.“ Janis lachte leise, weil Tjark brummte und fing schon einmal an, wieder Ordnung zu machen. Es dauerte nicht lange und sie waren fertig und gingen hoch in die Wohnung. Erst jetzt merkte Janis, wie müde er war. Er gähnte und nickte Tjark zu.

„Schlaf gut und noch mal danke für deine Hilfe.“

„Immer wieder gern“, erklärte Tjark und verschwand bei seiner Frau im Wohnzimmer, während Janis nur noch einen kurzen Abstecher ins Bad machte und dann im Gästezimmer verschwand, wo er allerdings nicht der erste im Bett war.

„Na Süßer“, begrüßte er den Kater, der es sich in seinem Bett gemütlich gemacht hatte und ihn verschlafen, aus grünen Augen ansah. „Lässt du mir auch noch Platz zum Schlafen?“, wollte Janis wissen, aber die einzige Antwort, die er bekam, war ein Gähnen und Yrjö schloss wieder die Augen. Da der Kater sich nicht bewegen wollte, übernahm Janis das und hob den kleinen Kerl einfach hoch und kraulte ihn, damit er weiterschlief. Vorsichtig schlüpfte Janis unter die Decke und machte es sich mit Yrjö bequem. Er blickte auf die Uhr neben dem Bett und gähnte herzhaft. Vielleicht schlief er jetzt fünf Stunden. Dann wollte er in den Keller schleichen und sehen, wie die Wolle aussieht und ob sie trocken war. Er hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gebracht, da war er eingeschlafen.

 

+++

 

Er hatte sich den Wecker gestellt und so riss ihn ein paar Stunden später das Piepsen des Weckers aus dem Schlaf. Aber nicht nur ihn, auch Yrjö wurde geweckt und der fand das gar nicht gut, denn er maunzte leise. „Schlaf weiter, ist noch dunkel draußen.“ Leise zog Janis sich an und schlich sich in den Keller, um nach der Wolle zu sehen. Hastig machte er Licht und lief durch den Raum zur Stange, die sie dicht am offenen Fenster aufgehängt hatten. Vorsichtig kam er näher und betrachtete die Wolle eindringlich. Er schnupperte neugierig daran, doch es roch nicht unangenehm. Hoffentlich war das farbecht. Es war nicht ganz so knallig geworden wie die Socken von Tjark, doch für seine Zwecke annehmbar.

Vorsichtig strich er über das Garn und etwas enttäuscht musste er feststellen, dass die Wolle noch lange nicht trocken war. Sie musste bestimmt noch ein paar Stunden trocknen. Er überlegte hin und her, wie man das beschleunigen konnte, aber alles, was ihm einfiel, kam nicht in Frage, weil es die Wolle beschädigte, oder verfilzte.

„Buh“, machte plötzlich jemand hinter ihm und Janis zuckte zusammen, weil er sich erschrocken hatte. Tjark lachte und kam näher. „Hab ich es doch gehört, dass jemand die Kellertür aufgemacht hat. Konntest es wohl nicht erwarten, hm?“, fragte er und kam näher. „Und wie ist es geworden?“

„Ich finde die Farbe gut. Knallig, aber es gefällt mir. In der Jacke kann man Eljas dann bestimmt nicht mehr übersehen.“ Janis lachte und stellte sich seinen Schatz mit der neuen Jacke vor. „Ich kann es kaum erwarten endlich anzufangen, aber das wird noch warten müssen, bis die Wolle trocken ist. Leider.“

„Ja, Schafwolle dauert lange mit dem Trocknen. Lass sie uns raus hängen, direkt vor das Küchenfenster, da haben wir sie im Auge, falls sich Tiere oder jemand anderes daran zu schaffen machen und dann suchen wir uns einen Kaffee und planen wie es weiter geht. Vielleicht kannst du ja schon die weißen Stellen von der Jacke stricken, ist vielleicht nicht viel aber es spart ein bisschen Zeit und du wirst nicht wahnsinnig.“

„Ich mache bei allem mit, das hilft.“ Janis nahm das eine Ende der Stange hoch, auf der ein Teil der Wolle aufgehängt war und trug sie mit Tjark raus. Sie legten sie über das Gestell, das im Garten stand und holten die zweite Stange. Jetzt war nur zu hoffen, dass die Sonne, die nach Sonnenaufgang durch das Kuppeldach schien, das Trocknen beschleunigte.

„Mach dich nicht fertig. Wenn es nicht fertig wird, wird dein Schatz dir auch nicht die Ohren abreißen. Entspann dich und sammle noch etwas Kraft. Im Moment konzentrierst du dich auf Dinge, die du nicht ändern kannst. Du bekommst das hier nicht beschleunigt.“ Er sah noch einmal auf die Wolle und hoffte, dass niemand hier im Garten sie sah. Er hatte keine Lust sich zu erklären.

„Ich weiß Tjark, aber was soll ich machen? Ich will alles richtig machen, denn es ist alles noch so neu und ich bin unsicher.“ Janis kratzte sich am Kopf. „Ich will keinen Fehler machen.“ Ihm war klar, wie sich das anhörte, aber er hatte nun einmal Angst, dass Eljas ihn nicht mehr wollte.

Tjark sah ihn fragend an, als er die Türklinke in der Hand hatte und sich noch einmal umwandte. „Was hättest du gemacht, wenn es dieses komische Weihnachten-Dingens nicht gegeben hätte? Dieser Hype macht doch alle bekloppt. Tu doch mal so, als würde es das nicht geben. Ihr habt euch getroffen, ehe Martti das Zeug gefunden hat. Eljas mochte dich auch ohne rote Jacke, denk mal drüber nach.“ Er öffnete die Tür und ging zurück ins Haus.

„Ich weiß das alles, Tjark und ich kann dir nicht so genau erklären, wo meine Angst herkommt. Sie ist einfach da.“ Janis folgte seinem Freund ins Haus. „Ich habe seit Jahren vermeintlich zufrieden alleine gelebt, aber jetzt wo ich Eljas habe, merke ich, wie einsam ich war.“

Tjark lächelte und machte Wasser für Kaffee heiß. „Das kommt noch, Janis. Je mehr Zeit ihr verbringt und je normaler diese Beziehung für euch beide wird, umso sicherer werdet ihr werden. Niemand findet sich und weiß wie alles funktioniert. So sind Menschen nun mal. Mach den Kopf aus, lass dein Herz die Führung übernehmen und setz dich. Dein Bettgenosse sucht Zuwendung. Der hat ja einen Narren dir gefressen.“

Erst jetzt merkte Janis, dass der junge Kater neben ihm saß und ihn aufmerksam beobachtete. „Yrjö du kleine Schlafmütze“, lachte er und hob ihn hoch. Nicht nur der Kater hatte einen Narren an ihm gefressen, sondern umgekehrt auch. Janis mochte das leise Schnurren und das weiche Fell.

„Ein Haustier würde dir vielleicht auch nicht schaden, das würde dich ablenken und deine Wolle durcheinander bringen. Das ist bestimmt lustig“, lachte Tjark. „Frag mal Ragnar, den mit den Ziegen. Der hat auch einen Stall und auch ein paar Katzen. Er sucht für zwei noch ein Zuhause.“ So gern er Janis auch hatte und wie nutzlos Yrjö für den Stall war, er war im Haus die beste Katze der Welt, wen er nicht gerade fremdging, weil Besuch im Haus war.

„Das wäre wirklich etwas, worüber ich nachdenken sollte. So eine kleine Samtpfote in meiner Nähstube wäre bestimmt schön.“ Janis schnuffelte durch das weiche Fell und nahm sich vor, demnächst mal bei Ragnar vorbeizugehen und sich die beiden Kätzchen anzusehen. „Ablenken würde mich eine Katze auf jeden Fall.“

„Das klingt, als würde er sich Yrjö ausborgen wollen“, hörten sie es von der Tür. Katri stand dort im Morgenrock und strich sich durch die noch strubbeligen blonden Haare und sah auf den kleinen Kater. Sie war versucht zuzustimmen, doch sie wollte sich von dem kleinen Kerl einfach nicht trennen. So schwieg sie und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. So früh war sie lange nicht wach gewesen.

„Ich borge ihn mir nur aus, wenn ich hier bin.“ Janis lachte und kraulte Yrjö hinter den Ohren. Der Kater hatte sich auf seinem Arm zusammengerollt und hatte die Augen geschlossen. „Aber ich denke darüber nach, ob ich mal zu Ragnar gehe und mir die beiden Kätzchen anschaue. So eine kleine Schmusekatze würde mir ja schon gefallen. Vorher sollte ich das aber mit Eljas besprechen.“

„Ja, ja. Junge Liebe. Was machst du, wenn er keine Katze will? Wirst du dann allen erstes darauf verzichten, obwohl er sein eigenes Haus hat?“ Tjark sah Janis skeptisch an. Liebe hin oder her. Zum Glück hatte sich bei ihm und Katri die Frage nie gestellt.

„Lass ihn doch“, lenkte Katri ein und setzte sich zu den beiden Männern, die sich jeder an einer Tasse Kaffee fest hielten. „Was macht eigentlich die Wolle?“ wollte sie stattdessen wissen.

„Die hängt draußen zum Trocknen. Die Farbe scheint gut geworden zu sein.“ Es war Janis anzuhören, dass er stolz auf das war, was sie geschafft hatten. Sie hatten zwar Ressourcen verschwendet, aber es hielt sich noch in Grenzen. Das konnte Janis vor sich selbst vertreten. Wenigstens die Pflanze die sie zum Färben benutzt hatten, war praktisch ein Unkraut.

„Na das ist doch das wichtigste.“ Katri lächelte.

„Jetzt muss sie nur noch trocken werden, damit er endlich anfangen kann mit stricken. Ist zwar dicke Wolle, die sich recht schnell verstricken lässt. Aber auch damit ist eine komplette Jacke nicht über Nacht gemacht.“ Tjark sah sich suchend um. Er war wach, er hatte Kaffee, nun kam der kleine Hunger.

„Ja, ich hoffe, das Trocknen dauert nicht so lange, denn sonst brauch ich mit der Jacke gar nicht erst anzufangen.“ Janis wirkte ein wenig deprimiert, denn seine Überraschung für Eljas war ihm sehr wichtig. Sonst hätte er ja auch nicht so einen Aufwand treiben müssen. Er hatte praktisch alles andere vernachlässigt die letzte Woche. Das durfte einfach nicht umsonst gewesen sein.

„Iss erst einmal was und dann kann ich dir ja ein bisschen helfen und einen Ärmel stricken oder sowas. Tjark kann ja den anderen Ärmel stricken“, schlug Katri vor und räumte ein wenig Frühstück auf den Tisch für den ersten Hunger. Ein bisschen Brot und Butter.

„Danke.“ Janis lächelte. Es war schön zu wissen, gute Freunde zu haben, die einem halfen, wo sie nur konnten. „Ohne euch wüsste ich gar nicht, was ich machen sollte und würde immer noch mit Leinen und Tee experimentieren. Dann wäre ich jetzt wahrscheinlich ziemlich deprimiert.“

Katri setzte sich und griff sich eine Scheibe Brot, doch dann sah sie auf. „Sag mir nicht, du hast auch angefangen wie Tjark. Der ganze Flur und die Küche haben tagelang nach Malventee gerochen, so intensiv wie er das Zeug eingekocht hatte. Es war schon fast Sirup und die Küche sah aus.“ Sie lachte und Tjark knurrte leise.

„Katri“, nörgelte er.

„Ja, habe ich, aber Tjark hat mich schnell genug davon abgebracht, so dass meine Küche nicht gelitten hat.“ Janis kicherte. „Den Tee habe ich auch eingekocht, aber nicht ganz so viel wie Tjark.“ Er nahm sich ebenfalls eine Scheibe Brot und strich sich Butter drauf. „Ich bin froh, dass ich das nicht mehr machen muss. Das Zeug ist doch widerlich.“

„Als Getränk ist es eigentlich ganz nett, nur zum Färben ist es völlig ungeeignet“, sagte Katri und lockte Yrjö zu sich, der gerade etwas suchend durch die Küche streifte. Auch er fand, dass essen eine gute Idee wäre.

Langsam konnte der Tag beginnen.