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21. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

21 - Wenn Legenden Wirklichkeit werden oder "Tada... so kann man sich irren"

Sonntag, 20. Dezember 2015 - Muskelkater hoch 10 - Rudys Apartment

 

Stöhnend ließ sich Rudy wieder auf das Sofa fallen. Eigentlich hatte er sich nicht bewegen wollen, doch er hatte ganz dringend wohin gemusst. Schon seit gestern Abend fühlte er sich nicht so gut. Alles tat ihm weh und zog. Selbst die zwei Aspirin, die er gestern geschluckt hatte und die drei von heute hatten es nicht besser gemacht. Und dabei sollte er heute noch auf der Great Dickens Christmas Fair stehen. Er war nur froh, dass Edward so kurzfristig für heute eingesprungen war, zumal es auch noch der letzte Tag der Fair vor Weihnachten war.

 

Es war immerhin der 20. Dezember, in 5 Tagen war Bescherung. In der Nacht vom 24 auf den 25 würde Santa Claus den braven Kindern wieder Geschenke bringen und den Unartigen Kohle in die Strümpfe stecken. Bestimmt würde sein armer Mitarbeiter überrannt werden. Nach Weihnachten musste er sich unbedingt erkenntlich zeigen. Es war auch das erste Mal, dass es ihm so mies ging. Rudy konnte sich auch nicht erklären, woran das lag, denn es passierte ihm zum ersten Mal. Hoffentlich ging es ihm bis heute Abend besser, denn er wollte zu seinen Pflegeeltern. Bisher hatte er jedes Weihnachtsfest mit ihnen verbracht.

 

"Vielleicht ein entspanntes Bad mit Arnika. Das könnte helfen", murmelte Rudy in den leeren Raum, denn er hatte sein Apartment ja nach wie vor für sich allein. Er hatte sich immer noch nicht getraut, Kris direkt anzusprechen und seine Gefühle verfolgten ihn schon eine Weile. Aber Rudy war einfach zu feige. So würde das nie was werden und wenn er nicht bald die Initiative ergriff, dann könnte es womöglich zu spät sein. Er wollte es nicht riskieren, ein Nein zu hören, das zweifellos kommen würde, dann doch lieber so wie bisher.

 

Ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er den Schlüssel im Schloss hörte. Kris hatte mitbekommen, dass es ihm nicht gut ging und angeboten, eine Salbe aus Weidenrinde zu holen, mit der er ihn später eincremen würde. Und damit Rudy nicht extra aufstehen musste, hatte er seinem Nachbarn den Schlüssel mitgegeben.

 

"Bin auf dem Sofa", rief der Jüngere in Richtung Tür und versuchte sich bequemer hinzulegen. Bestimmt wusste seine Pflegemutter ein Mittel. Er würde sie fragen, wenn er wieder zuhause und es bis dahin nicht besser geworden war.

 

Schritte ließen ihn den Kopf drehen. Da kam sein Nachbar und der hatte eine Schachtel in der Hand. "Was bekommst du von mir?", wollte der Jüngere wissen und richtete sich mit schmerzverzogenem Gesicht auf. Er blieb nicht gerne jemandem etwas schuldig.

Kris jedoch winkte nur ab. "Erst einmal geht es dir wieder besser und dann schauen wir weiter. Ich lass dir ein Bad ein und dann kannst du entspannen. Eine Grippe oder einfach nur Muskelkater?"

 

Rudy zuckte mit den Schultern und bereute es im nächsten Moment. "Nein. Kein Fieber, kein Schnupfen, keine Kopfschmerzen. Nur mein ganzer Körper tut weh. Das hab ich auch zum ersten Mal, ich weiß also nicht, woher das kommt. Ich hab nichts Schweres getragen und keinen Sport gemacht." Hatte bestimmt etwas damit zu tun, das demnächst Weihnachten war. Es war erst das sechste seitdem er umgezogen war und das Klima war hier ganz anders. Sie hatten ja auch noch keinen Schnee und bei seinen Pflegeeltern würde alles voll davon sein. Meterhohe Schneehügel und verschneite Tannen. Hoffentlich gab es noch den zugefrorenen See in der Nähe, da konnte man schön Schlittschuhlaufen.

 

"Wir bekommen dich schon wieder auf die Beine. Krank Weihnachten feiern ist doof", versprach der Blonde und machte sich auf ins Bad, um die Wanne volllaufen zu lassen. Sein Nachbar gehörte ein bisschen verhätschelt. Wenn der Jüngere in der Wanne lag, würde er ihm Frühstück machen, denn das ging sicherlich auch nicht. Nur was ganz Einfaches, Schlichtes. Rührei und Toast oder so etwas, damit sich Rudy nicht noch schlechter fühlte.

 

 

Gerade legte sich Rudy mit dem Bauch voran auf das Sofa. Er hatte gebadet und er hatte gut gegessen, auch wenn er sich schlecht deswegen fühlte, weil er Kris in seinen Augen ausnutze. Allerdings hatte Kris auch einfach so gekocht und er selbst hatte nicht darum gebeten. Und jetzt würde ihm Kris auch noch den Rücken eincremen. Das war das Einzige, an das er nicht selbst kam. Der Rest war dann kein Problem. Arme, Beine, Brust - das ging alles ohne sich verbiegen zu müssen.

 

Kurze Zeit später kniete Kris neben dem Sofa. "Nur den Rücken. Den Rest schaff ich allein", murmelte Rudy. Er konnte seinen Nachbarn auch nicht den ganzen Sonntag in Beschlag nehmen, der hatte sicherlich noch das eine oder andere zu tun.

Kris verkniff sich eine Erwiderung und nahm sich stattdessen die Tube, verteilte etwas davon auf seinen Händen. So vorsichtig wie er konnte, begann er den Rücken einzucremen. Er wollte Rudy ja nicht noch mehr Schmerzen bereiten als der schon hatte. "Ich helfe dir gern, also lass mich doch. Dafür sind Freunde doch da." Für ihn war das kein Ding. Wenn es ihm mal schlecht ging, würde Rudy sicherlich auch helfen, das machte eine Freundschaft schließlich aus.

 

Der Rücken war schnell eingecremt und da seine Finger eh dreckig waren, übernahm Kris auch noch die Beine. Gerade hatte er das linke fertig und wandte sich ab, um Salbe nachzunehmen. Als er sich wieder zu Rudy umdrehte stockte er und riss seine Augen auf. Das rechte Bein sah nicht mehr wie ein normales Bein aus, sondern wie ein recht behaartes Bein, das in einem Huf endete. "Was...", stammelte Kris total verwirrt. Das war definitiv nicht normal! "Dein Bein..."

 

Rudy, der beinahe eingeschlafen wäre, hmmte leise und wandte träge seinen Kopf. Zuerst sah er ein vollkommen geschocktes Gesicht, als er sich etwas aufrichtete und verbog sah er das Dilemma. DAS hätte auf keinen Fall passieren sollen! Nicht solange jemand dabei war, der nicht eingeweiht war. Das war eine absolute Katastrophe. Da half keine Ausrede, wie bei der roten Nase oder bei den Geweih-Ansätzen, die Kris für Beulen gehalten hatte. Nichts auf der Welt konnte das wirklich logisch erklären und gleich würde Kris auf Nimmerwiedersehen aus seinem Leben verschwinden.

 

Rudy rappelte sich auf und wollte sich nur noch ins Schlafzimmer einschließen und darauf hoffen, dass sich die Zeit zurück auf Mitternacht drehte, damit dass alles nicht passiert war. Doch eine starke Hand, die sich um sein Handgelenk legte, verhinderte seine Flucht effektiv. "Bitte... Kris. Lass mich los", flehte Rudy, doch alles was er erreichte, war, dass sich die Hand noch fester schloss.

 

"Bleib hier. Und erklär es mir. Ich mag dich immer noch Rudy und ich finde dich nicht abstoßend. Aber ich will es verstehen", bat Kris und versuchte so neutral wie möglich zu kucken. "Wie... kannst du einen Huf haben? Ich versteh es nicht." Nach einem kurzen Moment gab er sogar die Hand wieder frei. Hoffentlich wollte der Jüngere nicht schon wieder flüchten.

 

Der jedoch machte sich ganz klein auf dem Sofa und umschlang seine Beine mit den Armen. Im nächsten Moment konnte er spüren, wie sich auch sein linker Arm verwandelte. Dass war der Nachteil, wenn Weihnachten vor der Tür stand, er konnte seine Wandlung nicht mehr kontrollieren. "Ich... mein vollständiger Name lautet Rudolph", flüsterte der Braunhaarige, traute sich nicht einmal, dem Anderen ins Gesicht zu sehen. Er wollte ihn nicht Grinsen sehen.

 

Kris besah sich neugierig auch noch den verwandelten Arm und zusammen mit dem Namen machte das auch durchaus Sinn. Sanft legte er eine Hand unter Rudys Kinn und hob es an, so dass er in die braunen Augen schauen konnte. "Dein Name ist also Rudolph. Du hast eine leuchtende Nase, du hast Hufe und die Beulen waren dann wohl auch keine Beulen, sondern Geweih-Ansätze. Du bist ein Rentier, das sich in einen Menschen verwandeln kann. Richtig?"

 

Rudy konnte nur nicken. Er war überrascht, wie ruhig der Andere blieb. Das hätte er nicht erwartet. "Und deine Pflegeeltern sind Santa Claus und seine Frau?" Kris besaß wirklich eine unglaubliche Auffassungsgabe.

"Ja. Santa und seine Frau Svenja. Früher hab ich als Rentier bei ihnen gelebt und seit 7 Jahren kann ich mich verwandeln. Seitdem besuche ich sie nur zu Weihnachten und bin sonst in San Francisco. Normalerweise kann ich meine Wandlung auch steuern, aber je näher Weihnachten kommt, desto weniger klappt das. Dann passieren Dinge wie jetzt." Rudy hatte noch nie mit jemandem darüber gesprochen. Selbst Granny wusste nichts davon oder seine anderen Bekannten.

 

"Das... WOW... Santa Claus gibt es also wirklich. Das hätte ich nie erwartet. Aber ich hab auch nicht gedacht, dass es fliegende Rentiere wirklich gibt und nun sitzt du vor mir. Rudolph the rednosed Reindeer. Das ist, als würde ein Kindheitstraum wahr werden", grinste der Blonde wie ein kleines Kind. Er hätte nie im Traum daran gedacht, dass die Geschichten wahr sein könnten. Immer war er davon ausgegangen, dass Granny ihm all die tollen Geschenke unter den Baum gelegt hatte, auch wenn er einige der Sachen ihr gegenüber nie erwähnt hatte. Aber das... ließ die Dinge in einem ganz anderen Licht erscheinen.

 

"Tada... so kann man sich irren", grinste Rudy schief. Aber da Kris ihn nicht schlug, nicht schrie oder einfach ging, war alles in Ordnung. Langsam entwirrte sich Rudy und betrachtete seine verwandelten Körperteile. So konnte er nicht raus. Vielleicht sollte er jetzt schon nach Hause fliegen, da würde keiner etwas sagen, wenn er halb verwandelt rum lief. Und vielleicht regulierte es sich wieder, wenn er an einem hoch magischen Ort war.

 

Das unsichere: "Darf ich", ließ ihn den Kopf drehen. Kris hatte eine Hand erhoben, traute sich aber nicht, ihn zu berühren. Also nickte Rudy und hielt ihm den verwandelten Arm hin.

Zaghaft strich die fremde Hand über seinen Arm und Rudy schüttelte sich. Das fühlte sich eindeutig komisch an. Ganz anders, wie wenn Svenja ihm den Hals tätschelte oder Santa ihm dankend aber ruppig über den Rücken strich, wenn sie von einer Tour wieder kamen. Aber es war ein Gefühl, an das man sich gewöhnen könnte.

 

"So kann ich jedenfalls nicht raus", erklärte Rudy und wedelte bezeichnend mit seinem Arm. "Vielleicht sollte ich jetzt schon nach Hause fliegen, da falle ich nicht so auf. Außerdem wird sich Svenja freuen, wenn ich etwas länger bleibe als gewöhnlich. Sie ist immer so traurig, wenn ich wieder gehe. Die anderen Rentiere können sich nicht verwandeln." Was auch gut so war, denn sonst würden sie ihn noch mehr ärgern, als sie es ohnehin schon taten. Und darauf konnte er getrost verzichten.

 

"Fliegen?", mit großen Augen blickte Kris zu dem Jüngeren. "Natürlich fliegen. Du bist Rudolph. Du KANNST fliegen", beantwortet er sich selbst die Frage. Das war wirklich das Abgefahrenste, was er in letzter Zeit gehört und gesehen hatte. Das war wirklich cool. Nur zu gerne würde er mitkommen und Santa Claus persönlich kennen lernen, aber das war wohl nicht machbar, schließlich durfte er gar nichts von der Sache wissen. Denn wenn das Wissen an die Falschen geriet, würde der Nordpol überrannt werden. Santa Claus wohnte doch am Nordpol oder?

 

"Zum Nordpol oder? Zumindest heißt es für die Kinder immer, Santa Claus würde am Nordpol leben." Da war es kalt und ziemlich abgelegen. Massentourismus gab es dort nicht, was ganz gut war, um ein Geheimnis zu bewahren.

Rudy lachte. "Nordpol stimmt schon. Es ist richtig schön dort und mein Fell hält mich auch warm. Ansonsten braucht man halt dicke Klamotten. Da oben ist noch keiner erfroren. Weder die Rentiere, noch Santa und seine Frau oder einer der Elfen. Und man gewöhnt sich mit der Zeit an die Kälte. Für mich war es vor 6 Jahren eine enorme Umstellung, als ich hier her kam. Es war so viel wärmer als gewöhnlich."

 

Im nächsten Moment konnte Rudy beobachten, wie das Strahlen aus Kris' Gesicht wich und sich Enttäuschung breit machte. Auch ohne Gedanken lesen zu können wusste Rudy, was los war. "Gibst du mir mal mein Telefon? Es liegt drüben auf dem Schreibtisch. Ich muss mal eben telefonieren." Svenja sollte beim Kochen sein und er musste fragen. Es war noch keine 13 Uhr mittags, auch wenn das mit der Zeitzone auf dem Nordpol problematisch war. Es gab alle und doch keine. Santa hatte sich an die Ortszeit von Grönland angepasst. Das lag am Nächsten. Und das waren eben 5 Stunden Zeitverschiebung zu San Francisco.

 

Dankend nahm er das Telefon entgegen und suchte sich die gespeicherte Nummer heraus. Normalerweise rief er nur an, wenn Santa oder Svenja Geburtstag hatten. Hoffentlich machte sie sich keine Sorgen, wenn er jetzt anrief. Rudy drückte auf Lautsprecher, denn das tat er immer, wenn er mit Zuhause telefonierte. Es klingelte eine Weile, bis sich eine freundliche Stimme meldete. "Svenja Claus."

"Hallo Svenja, hier ist Rudolph", erwiderte er und schon ging es los.

"Kind... ist dir was passiert? Du wolltest doch heute kommen. Klappt das nicht mehr? Kommst du später?" So waren Mütter eben. Auch wenn sie nur seine Pflegemutter war.

 

"Nein, ich komme wie geplant. Ich werde allerdings schon jetzt fliegen. Ich hab seit gestern Abend Schmerzen und ich hoffe, dass sie wieder aufhören, wenn ich an einem hochmagischen Ort bin. Arnikabad und Weidenrindensalbe haben nicht geholfen", versuchte er seine aufgebrachte Pflegemutter zu beruhigen. Sie machte sich immer so viel Sorgen und prompt kam ein: "Flieg vorsichtig, Rudolph".

Rudy schüttelte nur grinsend seinen Kopf. "Mach ich, Svenja. Aber warum ich eigentlich anrufe... es gibt da Jemanden, der weiß über mich Bescheid. Hat sich dummerweise so ergeben und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Zaubern können wir trotz der ganzen Magie ja nicht." Er hörte Svenja lachen und auch Kris grinste neben ihm.

 

Eine Weile war es still in der Leitung. Doch dann erklang die Stimme seine Pflegemutter wieder. "Das ist... unerwartet. Das ist in den letzten 6 Jahren nicht passiert. Bring die Person doch mit zu uns, ich werde das mit Santa regeln. Der hat im Moment eh andere Probleme." Rudy seufzte nur. Er wusste ob der Probleme, es war schließlich nicht sein erster Santa Claus, für den er den Schlitten zog. "Santa hat also immer noch keinen würdigen Nachfolger gefunden." Mehr eine Feststellung denn einer Frage. Es klappte mal mehr und mal weniger schnell mit einem Nachfolger.

"Leider ja, aber er gibt die Hoffnung nicht auf. Aber ich bereite Santa darauf vor und wir erwarten euch zum Frühstück. Macht euch keinen Stress und fliegt vorsichtig. Bis dann Rudolph", und dann war das Gespräch auch schon beendet.

 

Rudy legte auf und blickte zu Kris. "Du hast es gehört. Pack die wichtigsten Sachen zusammen, die du bis nach Weihnachten brauchst und dann machen wir uns auf den Weg zum Nordpol. Santa Claus besuchen."




Advent [Laila]

 

21. Dezember

 

Das Erlebnis mit Sif ging Thor nicht aus dem Kopf. Auch Lokis Vorwurf nicht. Sein Liebster hatte sich den ganzen Abend distanziert verhalten. Irgendwie konnte es Thor ja verstehen, aber er wollte nichts von Sif. Wieso konnte Loki das nicht glauben? Konnte es nicht wieder wie vorher werden?

Den ganzen Abend hatte der Donnergott Loki seine Liebe erklärt. Immer und immer wieder. Er war sich sicher, dass Loki ihm glaubte. Dass er es wusste, dennoch nagte es Thor.

 

Sie hatten sich nur Nachmittags kurz gesehen, da es wichtige Geschäfte zu erledigen gab. Die Ruhe tat gut, dennoch hatte Thor einen Plan geschmiedet.

Er würde es Loki beweisen.

Am Abend brachte er Met und Essen in sein Schlafzimmer. Auch einige Kerzen hatte er angezündet. Leise Musik lief.

Eine perfekte Atmosphäre. Nun fehlte nur noch Loki.

Es dauerte eine Weile, aber dann betrat Loki das Schlafzimmer. Überrascht hielt der Gott inne und schmunzelte, als er seinen Liebsten da.

Unsicher stand Thor vor dem Bett.

„Hallo mein Geliebter. Komm, bitte setz dich“, bat er.

Langsam kam Loki dieser Aufforderung nach. Den Blick dabei nicht von Thor abgewendet.

Sein Gott wirkte nervös. Das gefiel Loki. Er war schon lange nicht mehr sauer, aber es machte Spaß, Thor zappeln zu lassen. Manchmal hatte dieser es einfach verdient und in dem Punkt war Loki fies.

„Was wird das?“ fragte er sachlich.

Das Grinsen konnte er aber nicht ganz unterdrücken.

Aber Thor antwortete nicht. Er drehte die Musik etwas lauter und begann sich zu bewegen.

Erst sehr langsam im Takt der Musik.

Viel mehr als eine Hose und ein Hemd trug er nicht. Thor war noch nie ein guter Tänzer gewesen, aber nun bewegte er sich langsam. Ließ die Hüften kreisen.

Loki machte es sich auf dem Bett bequem und nahm einen Becher Met. So langsam ahnte er, was ihn erwartete und es gefiel ihm.

Der Donnergott folgte der Musik. Ging langsam in die Knie, nur um dich dann wieder aufzurichten. Ohne den Blick von Loki zu nehmen öffnet er sein Hemd und streifte es langsam über die Schultern.

Sein Körper wiegte sich dabei hin und her. Der Stoff glitt zu Boden und Thor spielt dem dem Reißverschluss der Hose.

Auch diesen öffnete er langsam. Er war sich der Spannung im Raum bewusst. Er spürte Lokis begehrliche Blicke und sie machten ihn an.

Als er den Stoff über die Hüften schob, stöhnte er leise.

Nackt stand er vor seinem Liebsten. Den Blick immer noch in den grünen Welten.

Loki leckte sich über die Lippen, als er Thor musterte. Sein Liebster war mehr als erregt. Ihm selber ging es dabei nicht besser. Das Spiel der Muskeln hatte ihn hart werden lassen.

„Komm her mein Schöner“, hauchte er.

Das ließ sich Thor nicht zweimal sagen.



Wiedersehen auf Covendale [chaotizitaet]

17

Ob es an den funkelnden Lichtern, mit denen die Innenstadt von Birmingham geschmückt gewesen war, lag, oder an Leannes beruhigender Wirkung, wusste keiner von beiden zu sagen, jedenfalls kehrten sowohl Erin als auch Josh wesentlich entspannter nach Covendale zurück als sie abgefahren waren. Und auf ihre Art gaben sie diese Wirkung an diejenigen weiter, die ihnen näherstanden, so dass vielleicht zum ersten Mal seit dem Diebstahl so etwas wie Weihnachtsstimmung in Covendale auftrat. Dazu mochte wohl auch der erste Schneefall beitragen. Zwar waren sich alle bewusst, dass das Weiß nicht lange bleiben würde, aber es verbreitete doch zumindest für den Augenblick ein Gefühl des Friedens. Selbst Tante Catherine konnte sich diesem Gefühl nicht entziehen, wenngleich sie sich von dem Wetter trotz allem nicht dazu verführen ließ, einen Spaziergang durch den Park zu unternehmen.

Josh hingegen verspürte zum ersten Mal, seit er auf Covendale war, wieder das Bedürfnis, Tai-chi zu machen. Doch leider, so verführerisch die weiße Pracht auch war, war sie wenig dazu geeignet, diesem Sport im Freien nachzugehen. Dafür aber war der Ballsaal derzeit ungenutzt und die Erlaubnis von David, den Raum für Tai-chi nutzen zu dürfen, war rasch eingeholt. Zu Joshs Überraschung gesellte sich Edward zu ihm, als er mit dem Schwert in der Hand den Raum betrat.

Dieser grinste nur. „Nachdem ich dich damals im Sommer in der Ruine gesehen habe, war ich so fasziniert, dass ich beschlossen habe, es auch auszuprobieren. Und bin dabei geblieben.“

Josh konnte nicht anders, als sich bei diesen Worten geschmeichelt zu fühlen, und es spiegelte sich auch in seinem Lächeln wieder. In diesem Moment erkannte er, dass, was auch immer die Zukunft brachte, er seine Vergangenheit nicht deswegen verlor. Er hatte schon Tai-chi gemacht, ehe er Tom kennengelernt hatte. Ja, sogar ehe er Edward kennengelernt hatte. Und keiner der beiden Männer hatte daran etwas geändert. Weshalb also sollte eine mögliche Zukunft mit Edward etwas an seiner Vergangenheit mit Tom ändern? Josh konnte sich nicht vorstellen, dass Edward von ihm erwarten würde, diese Jahre zu leugnen oder totzuschweigen. Eher im Gegenteil, hatte Edward sich doch eigentlich immer für sein Leben mit der Rockband interessiert. Und in diesem Moment konnte er nicht anders. Spontan umarmte er Edward. „Danke.“

„Ich weiß zwar nicht wofür, aber, gern geschehen.“

„Dafür, dass du du bist!“

In diesem Moment flammte ein Blitz auf und man hörte, wie eine Gestalt davon lief.

Josh und Edward sahen einander an. „Beatrix?“

„Alicia?“

Beide schüttelten gleichzeitig den Kopf. „Nein, A-Hörnchen und B-Hörnchen wären offen hereingekommen und hätten so etwas wie ‚Endlich!‘ gesagt“, meinte Edward.

„Mist!“, entfuhr es Josh. Wenn er im Geiste durchging, wer von den Gästen auf Covendale sie belauschen und ein Foto machen würde, waren außer bei den Zwillingen die Motive meist eher zweifelhaft. Und in der Mehrzahl der Fälle würde es dazu führen, dass die gerade erst wieder etwas aufgetaute Atmosphäre im Haus sofort wieder unterkühlte Züge annahm. Besser also, sie fanden augenblicklich heraus, wer der Fotograf war, und was dieser mit dem Foto vorhatte.

Und schon war Josh aus dem Ballsaal gehastet, Edward ihm dicht auf den Fersen. Sie waren gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie Colleen Barnes um die Ecke verschwand. Und da sonst weit und breit niemand zu sehen war, konnte es nur sie gewesen sein. Ohne zu zögern nahmen sie die Verfolgung von ihr auf.

Edward hatte Josh bald überholt, war er doch in einer besseren körperlichen Verfassung als die meisten Bewohner Covendales. Und so dauerte es auch nicht lange, bis er die junge Frau direkt vor der Tür zum großen Salon einholte. Ahnend, dass seine Tante sich in dem Salon aufhielt, verstellte er ihr den Weg.

„Lass mich durch“, verlangte Colleen.

„Nur, wenn du mir dein Handy gibst, damit ich sehen kann, was für ein Foto du eben von uns gemacht hast“, erwiderte Edward gebieterisch.

„Das hättest du wohl gerne. Aber du hast mir nichts zu befehlen“, erwiderte sie hitzig.

Inzwischen hatte Josh zu ihnen aufgeschlossen. Er hatte den Wortwechsel gehört. „Colleen, willst du wirklich die Stimmung hier wieder zu Grunde richten?“, fragte er jetzt.

„Mir doch egal! Ist doch sowieso alles scheiße hier“, brach es aus Colleen heraus.

Edward sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Wenn hier alles scheiße ist, wieso bleibst du dann hier und reist nicht ab? Du bist schließlich keine Gefangene hier.“

„Ach ja? Hallo? Ich arbeite für meinen Vater. Wo er ist, ist die Kanzlei. Da kann ich nicht mal eben sagen, ich fahre nach Hause und arbeite von dort. Außerdem… Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, wenn man immer nur das hässliche Entlein der Familie ist und immer von den Erfolgen der anderen hört? Leanne ist ja so wunderschön, bestimmt wird sie einmal Model. Oder sie macht eine glänzende Partie. Leanne, Princess of Wales“, machte Colleen eindeutig die Stimme ihrer Tante Doris nach. „Na, aus dem Prinzen wurde nichts und von einer Model-Karriere wollte Leanne auch nichts wissen. Aber“, und ihre Stimme wechselte wieder in den Imitationsmodus, „ihr Bistro ist ein solcher Erfolg. Um die Mittagszeit ist es unmöglich einen Tisch zu bekommen, selbst wenn man zur Familie gehört, so beliebt ist es. Und Erin, so lebendig. Und jetzt schaut euch an, was für einen prächtigen Gatten sie sich geangelt hat.“

Es war gut, dass Edward von David wusste, wie Doris Barnes reagiert hatte, als sie erfuhr, mit wem sich ihre Tochter verlobt hatte, sonst hätte er Colleen wohl kaum ein Wort geglaubt. Zum Glück war Mutter Barnes inzwischen etwas ruhiger geworden.

„Nicht, dass ich mich nicht für Erin freute“, fuhr Colleen fort. „Aber dieses Haus… und David ist wirklich toll. Und dann kann auch noch jeder sehen, dass sie sich aufrichtig lieben. Das ist der Traum eines jeden Mädchens. Tante Madeline ist nicht viel besser, wenn es darum geht, ihre Tochter über den grünen Klee zu leben. Sie ist ja so talentiert. Ihre Lehrer haben ihr schon als kleines Kind eine große Karriere vorausgesagt und nun werden diese Weissagungen endlich wahr.“ Colleen rollte mit den Augen. „Ehrlich, ich glaube, Tante Maddy hat Ricas Handgelenksbruch stärker getroffen als die Pianistin selbst.“

Inzwischen war es Josh und Edward gelungen, die junge Frau in das Herrenzimmer zu lotsen, das zum Glück leer gewesen war. Sie hatten sich durch Blicke verständigt, dass es wohl besser war, wenn Colleen sich alles von der Seele redete, aber auch, dass es besser war, wenn dies nicht im Korridor vor dem großen Salon passierte, wo jeder über sie stolpern und die falschen Schlüsse ziehen konnte.

„Und dann tritt nach dem Ball Mrs. Dempsey an mich heran und sagt, ihr Neffe habe ihr anvertraut, dass ich von allen ledigen Barnes-Mädchen den meisten Eindruck auf ihn gemacht hätte. Die Art wie sie es sagte, und wie sie mich anlächelte… Sie gab mir eindeutig zu verstehen, dass sie mich gerne als Schwiegernichte in der Familie willkommen heißen würde. Und dass du offenbar wohl nicht abgeneigt wärst.“ Colleen schüttelte den Kopf. „Inzwischen vermute ich, dass sie etwas Ähnliches auch zu Rica und Megan gesagt hat, wobei ich mir bei Megan nicht ganz sicher bin, denn die braucht keine Extraeinladung, um mit allen und jedem zu flirten. Aber dennoch… Du warst meine Chance, auch einmal in der Familie zu strahlen. Aber dann kamst du“, jetzt wandte sie sich Josh zu, „und musstest alles kaputt machen.“

Sowohl Josh als auch Edward schwiegen einen Moment. Sie konnten nicht leugnen, dass Colleen durchaus Grund hatte, verbittert zu sein, aber das hieß nicht, dass sie es akzeptieren würden, wenn diese Bitterkeit in Boshaftigkeit umschlug. Und wäre Colleen mit dem Foto von Josh und Edward zu Tante Catherine gelaufen, wäre das eindeutig aus Boshaftigkeit geschehen.

„Josh hat nichts kaputt gemacht“, stellte Edward schließlich richtig. „Man kann nur etwas, das bereits existiert oder im Entstehen ist, kaputt machen. Und was auch immer meine Tante dir erzählt haben mag, ich hab ihr gegenüber immer deutlich gemacht, dass ich keine Frau heiraten werde. Wenn überhaupt solltest du Tante Catherine also die Schuld für den zerstörten Traum geben, denn sie hatte nicht das Recht überhaupt erst derartige Hoffnungen in dir zu wecken.“

„Aber… du bist doch der Prinz!“ Colleen spielte offenkundig auf das Weihnachtsstück an, das sie einstudierten.

„Das ist doch nur ein Theaterstück!“, warf Josh ein.

„Dessen Autorin ich bin!“ Und wieder klang der verzweifelte Wunsch, vor der Familie zu glänzen aus Colleens Worten. Edward konnte nicht umhin, die Unterschiede zwischen ihr und den Zwillingen zu sehen. Alle drei hatten sie früh die Mutter verloren und hatten einzig Tanten als weibliche Bezugspersonen gekannt. Aber anders als es wohl Doris und Madeline Barnes getan hatten, hatte seine Mutter die Leistungen ihrer Tochter Stephanie nie über die Errungenschaften der Zwillinge gestellt. Gut, Tante Catherine hätte er es zugetraut, aber glücklicherweise war diese kinderlos geblieben.

„Und du hast ein tolles Stück geschrieben“, sagte er jetzt. „Aber du hast schon bei der Rollenverteilung gemerkt, dass nicht alles so funktioniert, wie du es dir vorgestellt hast. So haben deine Cousinen dir nicht allein die Rolle des Aschenputtels überlassen.“

„Aber du wirst dich am Ende schon für das richtige Aschenputtel entscheiden“, sagte Colleen voll Gewissheit.

„Colleen, ich werde mich für keines der Aschenputtel entscheiden.“ Edward wusste, dass er ihr die Wahrheit sagen musste, sonst würde sie nur noch verbitterter werden, wenn sie erst bei der Aufführung erfuhr, wie die Schauspieler das Stück zu ändern gedachten. „Ich werde auch auf der Bühne keine Beziehung zu einer Frau eingehen. Das würde meiner Tante nur wieder neue Flausen in den Kopf setzen und dich am Ende noch mehr verletzen. Der Prinz wird mit der guten Fee durchbrennen. Genauso wie die böse Stiefmutter am Ende den König kriegt“, erzählte er ihr die ganzen Ad Libitum-Pläne.

Wie erwartet brachten diese Eröffnungen ihr Tränen in die Augen.

„Das hat nichts mit dir zu tun“, versuchte Edward sie zu beschwichtigen.

„Aber…“, schniefte Colleen leise.

„Sieh es so“, versuchte es nun Josh. „Es bedeutet doch aber auch, dass Edward keine deiner Cousinen dir vorzieht. Egal wie toll sie in den Augen ihrer jeweiligen Mutter sind.“

„Und wäre es da nicht viel spannender“, verfolgte Edward die gleiche Richtung weiter, „wenn du von all den Plänen wüsstest und hinterher sagen könntest, dass du eingeweiht warst, während Frederica und Megan dann fassungslos dastehen?“

Das brachte immerhin die Tränen zum Versiegen.

„Dass die Änderungen quasi mit deinem Segen geschehen sind?“, setzte Josh noch hinzu. „Du wärst dann immer noch die Autorin eines tollen Stücks. Und vor allem, es wär etwas, das du selbst geschafft hast, für das du Bewunderung erntest, im Gegensatz für eine Second-Hand-Bewunderung, die du bekämst, wenn du nur einen tollen Freund mit nach Hause brächtest. Glaub mir, mit Second-Hand-Bewunderung kenne ich mich aus. All die Fangirlies, die sich genau das erhofft haben, wenn sie vom Graben aus die Band auf der Bühne angeschmachtet haben…“

„Aber… ich möchte doch nur einmal, dass die anderen erkennen, dass ich wer bin“, brachte Colleen hervor.

„Und weil gerade so ziemlich alle anwesend sind, muss es dann auch hier sein. Zumal du dann auch Erins neuer Familie beweisen könntest, dass du wer bist?“, fragte Edward.

Colleen nickte.

Edward und Josh tauschten wieder Blicke, die so viel besagten, dass wenn sie schon Praktikumsplätze für Alicia besorgen und einen Streit zwischen Erin und David verhindern konnten, sie auch etwas für Colleens Selbstbewusstsein tun konnten.

„Also gut“, meinte Josh. „Es gibt doch bestimmt eine ganze Menge Dinge, in denen du gut bist, aber deine Cousinen nicht.“

Nun schüttelte Colleen den Kopf. „Ich bin weder so hübsch, noch so talentiert wie sie…“

Edward fiel ihr ins Wort. „Uns interessiert nicht, worin die anderen gut sind. Uns interessiert jetzt und hier, worin du, Colleen Barnes, gut bist. Denn zum Beispiel das mit dem Theaterstück, auf die Idee bist nur du gekommen.“

„Aber Erin schreibt viel besser als ich“, murmelte Colleen. Offenkundig war sie es gewohnt, dass selbst das kleinste Talent in ihr sofort von einer Cousine übertroffen wurde.

„Und doch ist sie nicht auf die Idee gekommen. Aber weiter. Es gibt doch noch mehr, das dich ausmacht.“

Sie zögerte. „Nun ja, es gibt da etwas… aber meine Tanten haben immer gesagt, dass so etwas nicht zu einer Frau passe…“

Hier lachte Edward. „Meine Tante Catherine meint auch, dass ein Ingenieursberuf zu einer Frau nicht passe. Und trotzdem ist Beatrix genau das geworden.“

„Schach“, platzte es aus Colleen heraus. „Es war das einzige Spiel, das mein Vater beherrschte. Und da er sich geweigert hat, mit mir Barbie oder andere typische Mädchenspiele zu spielen, hat er mir kurz nach dem Tod meiner Mutter Schach beigebracht. Denn er wollte ja Zeit mit mir verbringen.“

„Also, meines Wissens nach haben Frauen Schach gespielt, seit es das Spiel gab“, meinte jetzt Josh. „Ich kann daran also absolut nichts Unweibliches erkennen.“

Edward nickte.

„Aber es ist nichts, was man vorführen kann. Und ich bin nicht so gut, dass ich auf internationale Schachturniere könnte“, wandte Colleen ein.

„Das wollen wir doch mal sehen“, meinte Josh. „Denn seien wir ehrlich, hier auf Covendale passiert derzeit nicht wirklich viel. Sprich, alles, was jemand macht, ist tendenziell für die anderen interessant. Und wenn du und ich uns im Wohnzimmer vor das Schachbrett setzen und uns die Partie der Saison liefern, kannst du sicher sein, dass das die Aufmerksamkeit der anderen wecken wird.“

Edward nickte zustimmend. Er hatte sofort verstanden, wieso es Josh sein würde, der mit Colleen Schach spielte. Wäre er ihr Gegner, würde das Catherine Dempseys Phantasien nur wieder neue Nahrung geben.

Colleen schien recht angetan von der Idee.

„Ich muss dich aber warnen“, sagte Josh jetzt. „Ich weiß zwar, wie die Figuren gezogen werden, und habe früher auf dem Computer mal ein wenig gespielt, aber ich bin definitiv kein guter Spieler.“

„Ich könnte dir ja Tipps geben“, meinte Edward grinsend. Dann weiteten sich seine Augen, als ihm eine Idee kam. „Ich werde auch noch David darauf ansprechen. Er wird Josh auch Tipps geben. Und trotzdem wirst du immer noch besser sein, Colleen. So gut sind wir alle drei nicht. Du gegen drei Männer und du gewinnst… Wenn das keine Anerkennung wert ist!“

„Und der Sieger darf das Foto, das du gemacht hast, behalten, beziehungsweise entscheiden, was damit geschieht“, merkte Josh jetzt noch an, denn er hatte keineswegs vergessen, was sie ursprünglich hier her gebracht hatte.

Colleen bot zwar an, das Foto stattdessen sofort zu löschen, erschien ihr ihre ursprüngliche Idee nun eher kindisch und gemein, aber nachdem Edward und Josh einen Blick darauf geworfen hatten, waren sie unabhängig voneinander der Ansicht, dass es ein schönes Bild war. Eines, das jeder von ihnen gerne für sich gehabt hätte. „Du kannst es ja löschen, wenn du gewinnst“, meinte Edward daher.

„Dann aber darf David euch keine Tipps geben“, meinte Colleen. „Denn was hätte er von dem Bild?“ Und sie zwinkerte den beiden zu. Eindeutig fühlte sie sich nach dem Gespräch und dem unverhofften Verständnis, das sie bei Josh und Edward gefunden hatte, wesentlich wohler in der Haut.

Die Idee des Schachspiels fand unter ihnen so viel Anklang, dass sie beschlossen, nicht lange zu warten, sondern gleich an diesem Abend den übrigen Gästen Covendales die Partie der Saison zu bieten.