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24. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

24 - Von Benehmen keine Spur oder "Wirklich? So alt bist du? Das sieht man dir wirklich nicht an"

Mittwoch, 23. Dezember 2015 - Der neue Nachwuchs - Nordpol

 

Leise klopfte Kris an die Tür, doch er erhielt keine Antwort. Schlief Rudy etwa schon? Er hatte ihn doch etwas wegen seinem neuen Job - zu dem er wie die Jungfrau Maria zu ihrem Kind gekommen war - fragen wollen. Noch mal klopfte der Blonde und öffnete schließlich die Tür. "Rudy?", fragte er und spähte ins Schlafzimmer. Doch es war leer und das Bett unberührt. Wo war der Jüngere? Er hatte ihn den ganzen Tag noch nicht gesehen, weil Santa ihn den ganzen Elfen vorgestellt hatte. Und das hatte etwa gedauert, denn sie hatten viele Fragen und Ängste gehabt. Vielleicht wusste Svenja ja was, die bereitete das Abendessen vor.

 

Wenig später stand er in der Küche. "Guten Abend, Svenja, hast du Rudy heute gesehen? Sein Zimmer ist leer und das Bett unberührt." Die Weißhaarige schüttelte den Kopf. "Nein. Nach gestern Abend habe ich ihn nicht mehr gesehen. Hast du schon in der Werkstatt oder im Büro nachgesehen? Im Stall bei den Rentieren? Die neuen Rentiere sind aufgetaucht und brauchen jetzt viel Nähe und Wärme. Du solltest auch so häufig wie möglich bei ihnen vorbei schauen, damit sie sich an dich gewöhnen können und sie auch auf dich hören."

 

Kris nickte. Das machte durchaus Sinn. Das war ja bei allen Jungtieren so, dass sie sich erst an die Eltern prägen mussten und dass sie von ihnen alles erlernten, was wichtig war. "In der Werkstatt war er nicht, da war ich bis eben mit Santa. Stall hört sich sehr plausibel an, denn Rentiere müssen ja auch erst mal alles lernen. So wie eben jedes Jungtier. Dann such ich zuerst dort. Sicherlich ist Rudy da. Es wäre nicht nett, ohne ihn zu Essen." Damit machte sich der 35-Jährige auf den Weg. Er zog sich seine Schuhe an und warf nur nachlässig die Jacke über, denn er musste über den Hof, um zum Stall zu kommen. Das einzige Gebäude, in dem er noch nicht gewesen war.

 

Ein Elf blickte ihm überrascht entgegen, als er eintrat. "Hallo. Ich suche Rudolph. Ist er hier?" "Guten Abend Santa", erwiderte der Elf und neigte den Kopf. Jeder Elf hatte Weisung bekommen, den jungen Menschen so zu behandeln wie den aktuellen Santa Claus. "Rudolph ist schon seit gestern Nacht hier. Irgendwann vor Mitternacht kam er rein und liegt seitdem bei den jungen Rentieren. Die dritte Box auf der linken Seite. Es ist allerdings ganz schön laut im Moment, die anderen Rentiere sind seit gestern Nacht keine Minute ruhig. Das hat angefangen, als Rudolph rein gekommen ist. Sie waren noch ruhig, als die Jungtiere aufgetaucht sind. Ich bringe gleich etwas zu Essen für die Kleinen."

 

Kris bedankte sich und verzog gleichzeitig sein Gesicht. Daran, dass man ihn Santa nannte, musste er sich erst gewöhnen. Das würde wohl auch nicht so leicht sein und wie er das Granny beibringen sollte, wusste er auch noch nicht. Vielleicht konnte man das Ganze auch optimieren und er konnte den Job von San Francisco machen. Mit Computern oder so und zumindest von Januar bis Ende Oktober. Er würde sich einfach mit Rudy absprechen, sobald er ihn gefunden hatte. Er folgte einfach den lauten Geräuschen und je näher er zu der Box kam, desto lauter wurde es. "Hey, seid nicht ganz so laut. Die Kleinen brauchen ihren erholsamen Schlaf", knurrte der Blonde angepisst, als er in Sichtweite der Rentiere trat. Nicht dass sich die Viecher daran hielten, aber sie würden ja durch die neuen Rentieren ausgetauscht werden und die waren einfach nur süß.

 

Es sah einfach nur richtig aus, wie Rudy da in seiner Rentierform lag und die acht kleinen Rentiere um ihn herum lagen. Er war überrascht, dass sie bei dem Lärm schlafen konnten. Vorsichtig ließ Kris sich ebenfalls in der Box nieder, denn er wollte den Nachwuchs nicht aufwecken. "Was machst du denn hier, Rudy? Laut dem Elf, der sich um das Futter kümmert, bist du schon seit kurz vor Mitternacht hier. Hab ich dich irgendwie beleidigt? Oder geht dir das mit meinem neuen Job zu schnell?" Das waren zumindest die Dinge, die er sich als Grund vorstellen konnte. Oder hatte der Jüngere einfach nur bei den Kleinen bleiben wollen?

 

"Mir geht das Ganze ja selbst zu schnell. Ich hab keine Ahnung, wie mein Leben jetzt genau weiter gehen sollen und wie ich das Granny beibringe, weiß ich auch nicht. Ich darf es sicherlich keinem sagen", sprach der Blonde einfach drauf los und lehnte sich an die Boxenwand, seine linke Hand machte sich selbstständig und streichelte über Rudys Fell. Wirklich mitbekommen tat der 35-Jährige das nicht. "Ich weiß nicht mal, ob ich den ganzen Anforderungen gerecht werden kann. Du wirst welche haben, die Elfen sowieso und die Kinder erst recht. So viel Verantwortung auf meinen Schultern, das bin ich einfach nicht gewohnt. Es ist einfacher, unter Zeitdruck in einen beliebigen Computer einzusteigen. Seid ihr jetzt mal endlich leise, ihr nervigen Rentiere. So benimmt man sich nicht als Erwachsener", wurde Kris zum Schluss hin wieder lauter, weil die Rentiere einfach nicht still sein wollten.

 

Erst ein resolutes: "Seid leise", von einer inzwischen bekannten Stimme ließ die Tiere verstummen. Diese Autorität musste er erst noch lernen. "Danke Santa, da muss ich noch etwas lernen, bis ich auch mal so gut bin. Du hast auch den Vorteil, dass du sie verstehen kannst. Das kommt vielleicht beim Nachwuchs und bei mir. Bestimmt auch so ein Santa-Ding, wie, dass neue Rentiere auf die Welt kommen."

 

Santa lachte nur und ließ sich ebenfalls in der Box nieder, streichelte eines der kleinen Rentiere. Nur zu sehr durfte er sich nicht mit ihnen abgeben, denn sie sollten sich ja auf Kris prägen. Und vielleicht war es auch ganz gut, wenn sie sich auf Rudolph prägten. "Wir werden die Kleinen auf jeden Fall getrennt von den Anderen halten, sonst setzten die Andere ihnen Flausen in den Kopf. Und das muss wirklich nicht sein", erklärte Santa und erntete dafür gleich Proteste der erwachsenen Rentiere.

Lautstark beschwerten sie sich, was er denn Falsches über sie sagen würde und er hätte diesen Idioten mit der roten Nase lieber als sie. Keiner würde das dumme Rentier brauchen und es könnte bleiben wo der Pfeffer wuchs.

 

Kris verstand zwar kein Wort, doch durch die Hand auf dem weichen Fell konnte er nur zu deutlich spüren, wie Rudy immer wieder zusammenzuckte. Zu sehen war das auch und der Blonde mochte das ganz und gar nicht. Es war schon gut, dass Santa vorhatte, die Rentiere zu trennen. Nicht auszudenken, was passierte, wenn die Kleinen auch irgendwann gemein zu Rudy waren. "Hör nicht auf die. Die sind doch nur neidisch, weil sie sich nicht verwandeln können." Was anderes konnte sich der Blonde nicht vorstellen.

Das löste wieder Proteste aus, doch sofort unterband Santa sie. "RUHE", donnerte er los und weckte leider auch die Kleinen. Verschreckt wandten sie ihre Köpfe und begannen nach ihren Eltern zu rufen. Rudy knurrte sauer, bevor er sich ihnen zuwandte und beruhigend über ihr Fell leckte. Er wusste ja schon immer, dass die anderen Rentiere ihn nicht mochten, aber das mussten sie nicht am Nachwuchs auslassen.

 

"Ohne Rudolph gäbe es euch gar nicht. Ihr währt nie geboren worden, ihr könntet nicht fliegen, und wir würden es nicht schaffen, all die Geschenke in einer Nacht zu verteilen. Die Zeit würde einfach nicht reichen. Er war das erste Rentier der Santas!" Das war etwas, das wusste niemand. Nicht einmal seine Frau oder die Elfen. Alles hatte erst mit dem Rentier mit der roten Nase angefangen, das hatte zumindest der erste Santa überliefert. Und Santa vertraute den Aufzeichnungen, warum hätte der Erste sie fälschen sollen?

 

"Wirklich? So alt bist du? Das sieht man dir wirklich nicht an", grinste Kris und kraulte den Jüngeren hinter den Ohren. "Du hast dich gut gehalten. Und ich dachte immer, du bist jünger als ich. Magst du dich nicht zurückverwandeln, dann können wir reden." Er würde wirklich gern Rudy wieder gegenüber sitzen und in den schönen Augen versinken. Doch damit schien das Rentier nicht einverstanden zu sein. Kris seufzte tief auf.

 

"Nikodemus - der von 1700-1800 der erste Santa Claus war - hat Rudolph gefunden. Das war 1695. Er hat ihn mit zu sich genommen und aufgepäppelt. Das war noch in Grönland. Nikodemus hat Spielzeug aus Holz hergestellt und im Dorf verschenkt. Als es immer mehr Kinder wurden, kamen erst die Elfen und später dann die Rentiere. Es war allein Rudolphs Magie, die das hier alles bewerkstelligt hat. Auch wie das Haus jetzt aussieht oder dass der Schlitten und die Rentiere wirklich fliegen können, verdanken wir Rudolph. Es liegt auch an ihm, dass wir Santas so alt werden und dass, wenn ein neuer erwählt wurde, die neue Generation Rentiere geboren wird. Rudolph ist das Alpha und Omega und ich kann es absolut nicht gut heißen, wenn er einfach so geärgert und verletzt wird. Deswegen werden die Elfen einen neuen Stall bauen und die Jungtiere dort aufwachsen. Ich hab mir das jetzt lang genug mit angesehen und darauf gewartet, das Rudolph was sagt."

 

Der ungläubige Blick des Rentiers ließ ihn lächeln. "Ich bin nicht blind und auch nicht blöd. Und du bist wirklich so wichtig. Und dafür, dass du über 300 Jahre alt bist, bist du ab und an etwas dämlich. Anders kann man das nicht sagen."

Wenn Rudolph gekonnt hätte, er hätte die Backen aufgeblasen. Santa war echt nett! Aber er konnte nun mal nicht und wollte er sich wirklich zurück verwandeln? Dann musste er Kris Rede und Antwort stehen und wenn er die Wahrheit sagte, dann waren sie Freunde gewesen und die nächsten 100 Jahre würden wirklich die Hölle werden, denn er selbst konnte nicht ausgetauscht werden. Er war einzigartig, wie er ja eben von Santa gehört hatte.

 

"Gut, ich geh dann wieder. Svenja ein bisschen in der Küche helfen. Bleibt nicht so lange, sonst wird das Essen nachher kalt. Lange sollte es nicht mehr dauern. Und ihr solltet euch aussprechen, sonst werden die nächsten Jahre alles andere als leicht und Svenja macht sich sonst nur Sorgen. Redet endlich Klartext, sonst verletzt ihr euch noch irgendwann. Wenn ihr schon das ganze Jahr so umeinander rum geschlichen seit wie hier, dann müsst ihr wirklich blind sein. Das hab sogar ich bemerkt und meine bessere Hälfte sagt immer, dass selbst ein Blinder oder Tauber besser bei zwischenmenschlichen Dingen ist als ich." So viel zu sagen war wirklich ungewohnt und machte durstig. Dagegen gab es etwas zu trinken in der Küche. Santa strich Rudy über den Kopf und ließ die beiden allein. Sie mussten reden und wenigstens die anderen Rentiere konnten sich nicht dazwischen drängen, denn Kris verstand sie nicht.

 

Sichtlich verwirrt blickte Kris dem Älteren nach. Was meinte der bloß? Verletzen? Und was bedeutet, sie würden umeinander rum schleichen? "Weißt du, was dein Pflegevater meint, Rudy? Ich kann damit im Moment nichts anfangen." Es war einfach unmöglich, dass jemand gemerkt haben konnte, wie er für anderen fühlte. Er war wirklich vorsichtig gewesen und auch keiner seiner Freunde hegte einen Verdacht. Na ja... Granny konnte es sich sicherlich denken, doch sie hatte nie etwas gesagt. War auch ganz gut, denn sonst hätte ihn Rudy bestimmt schon längst fallen gelassen.

 

Im ersten Moment versteifte sich Rudy. //Sie wissen es//, ging es ihm durch den Kopf. Und gleichzeitig war Rudy dankbar, das Santa es nicht schonungslos ausgesprochen hatte. Sonst würde Kris nicht mehr neben ihm sitzen. Aber sein Pflegevater hatte Recht, sie mussten reden, sonst wurden die nächsten 100 Jahre verdammt lang. Besser, er wusste jetzt was Sache war und konnte über das Ganze hinweg kommen. Aber zum Reden musste er sich verwandeln. Rudy atmete noch einmal tief durch und leitete die Verwandlung ein. Kurz darauf saßen zwei Menschen in dem Stroh und um sie herum 8 Rentierbabys, die protestierten, denn sie hatten ihre Wärmequelle verloren, das war gar nicht fair!

Beruhigend und auch um noch etwas Zeit zu schinden, strich er über die Rücken der Tiere.

 

"Ich weiß, was er meint. Ich weiß es nur zu gut", erklärte Rudy und traute sich doch nicht, seinen Nachbarn anzuschauen. Rudy war sich sicher, nur Ablehnung in dessen Gesicht zu sehen. "Sie haben beide in der kurzen Zeit erkannte, dass ich in dich verliebt bin. Und jetzt willst du sicherlich nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich kann es verstehen. Ich werde dich in Ruhe lassen und dir nur noch als das entgegentreten, was ich bin. Das Rentier mit der roten Nase."

 

Wie das jetzt die nächsten 110 Jahre werden sollte, wusste er auch noch nicht, denn wirklich konnte er Kris nicht aus dem Weg gehen. Warum hatte Santa das nur ansprechen müssen? Es hätte ruhig so weiter gehen können, wie bisher. Auch wenn Rudy nicht wusste, ob seine Gefühle erwidert wurden, so konnte er doch wenigstens hoffen und träumen. Das war immer noch besser als zu wissen, dass man keine Chance hatte. Und jetzt würde er gehen und sich in seinem Zimmer einschließen, bis Weihnachten vorbei war. Oder zumindest so lange, bis er den Weihnachtsschlitten morgen ziehen musste, denn das stand leider auch noch auf dem Plan.

 

Kris saß wie versteinert da. Das war es also gewesen. Seine Beteuerung, dass er mit seiner zukünftigen Freundin hierher ziehen würde, hatte Rudy verletzt. Er konnte es wirklich nicht glauben. Der Jüngere... nein, eigentlich war er ja älter, liebte ihn. Und das wohl nicht erst seit gestern. Sie hätten es so einfach haben können. Der Blonde konnte sich nicht mehr zurückhalten. Sanft legte er seine Hände auf Rudys Wangen und zog den Anderen zu sich, presste seine Lippen sanft auf das andere Paar und es fühlte sich so gut und richtig an!

 

Die Ohrfeige, die er gleich darauf kassierte, allerdings nicht. Kris hielt sich die schmerzende Wange und blickte nicht verstehend zu Rudy auf, denn der war aufgesprungen und er sah verdammt wütend aus.

 

"Spiel nicht mit mir. Ich bin kein Lückenfüller und ich bin niemand, den man verarschen kann, bin man eine geeignete Frau an der Hand hat. Ich will dich nie wieder sehen", schrie der Braunhaarige und wollte davonrennen, doch eine Hand an seiner hielt ihn zurück. Was sollte das jetzt? Wollte Kris nochmal nachtreten, wo es eh schon weh tat? Rudy wollte sich losreißen, doch die Worte hielten ihn auf.

 

"Das ist kein Spiel, das musst du mir glauben. Santa hat recht, wie sind wirklich Blind und Taub. Wir hätten es schon längst merken müssen, aber ich hatte Angst, dass du nicht mehr mein Freund sein willst. Ich liebe dich, Rudy Deer und ich werde es immer tun!"



---- schaut morgen noch mal rein - es kommt noch was :o) ----





Advent [Laila]

 

24. Dezember

 

Heiligabend wie es die Menschen nannten.

Frigga hatte sich von dem Brauch anstecken lassen. Die Wächter hatten die Tannen gefällt und aufgestellt.

Wieder hatte sie ihre Kinder eingeladen, den Baum zu schmücken. Auch Sif war anwesend.

Die Stimmung etwas angespannt, da auch Hell, Tyr und Baldur von dem Vorfall wussten. Dennoch sprach niemand darüber. Sif fühlte sich sichtlich unwohl. Aber ihr Stolz ließ sie nicht den Rückzug antreten.

„Im Grunde habe ich keinen Grund mich zu entschuldigen, aber ich tue es für den Frieden dennoch. Solange dir klar ist, dass Thor mir gehört“, sagte Loki.

Sein Blick war kalt, als er neben Sif trat.

Die schöne Göttin sah ihn kurz an und legte dann den Kopf schief.

„Es war wohl nicht richtig. Es tut mir ebenfalls leid. Ich weiß, dass Thor dir gehört und ich werde mich nicht wieder zwischen euch drängen“, erwiderte sie ruhig.

Ihre Wangen brannten und sie fühlte sich wie ein kleines Mädchen. Aber sie freute sich über Lokis Worte.

„Damit ist es besiegelt“, mischte sich Tyr an.

Er zwang beide, sich die Hand zu geben. Dann konnten das Schmücken der riesigen Tannen beginnen.

Auch wenn keiner von ihnen verstehen konnte, warum die Menschheit die Geburt des Christengottes feierte. Sie waren auch Götter und man könnte auch Odins Geburtstag feiern. Aber davon wussten die Menschen nichts.

Tyr zuckte ob dieser Gedanken mit den Schultern und kümmerte sich wieder um den Weihnachtsschmuck.

Frigga hatte wunderschöne Sachen ausgesucht.

Thor schnappte sich die Christbaumspitze und erhob sich in die Luft. Er schwebte ein paar Meter über dem Boden und brachte die Spitze an.

Dann nahm er sich einige der Kugeln und der Engel und hängte auch diese an.

Auch die anderen halfen fleißig mit und brachten alles an den Baum. Es dauert nicht lange und die Tannen erstrahlten in wunderschönem Glanz.

 

„Wow, dass sieht schön aus“, meinte Loki.

Er trat neben seinen Liebsten und schlang seine Arme um ihn. Thor schloss die Augen und genoss dieses schöne Gefühl.

„Das habt ihr wirklich gut gemacht, Kinder. Das machen wir uns jetzt einen schönen Nachmittag und Kaffee und Kuchen“, lobte Frigga.

Die Diener brachten Kaffee und Kuchen und zündeten die Kerzen an.

Die Götter setzten sich und machte es sich gemütlich. Die Bäume leuchteten im Hintergrund. Selbst Odin nickte freundlich. Es gefiel auch ihm.

Später als Loki und Thor alleine waren, tauchten sie ihre Geschenken. Im Grunde hatten sie es beide nicht gewollt, aber sie schenkten sich auch eine Kleinigkeit.

Die Götter an sich, tauschten keine Geschenke. Frigga fand diese Idee nett, aber sie wollte sie nicht in die Tat umsetzen. Wenn man ein Gott war und alles hatte, was sollte man dann schenken?

 

„Ich habe hier noch eine Kleinigkeit für dich“, sagte Thor.

Zaghaft zog er das kleine Päckchen hervor und reichte es Loki. Überrascht sah dieser auf und grinste dann.

„Ich will keine Geschenke. Du bist doch verrückt. Danke Schatz.“

Er nahm das Geschenk und zog die Schleife auf.

In dem Kästchen lag ein Schreiben und ein Rosenquarz so wie ein kleiner Zauberstein. Etwas seltenes, aber wunderschön und mächtig.

„Nein oder? Thor“, hauchte der Gott.

Langsam zog er das Schreiben heraus.

Es war ein Gutschein. Ein Versprechen für eine Reise in die Berge. Ein paar Tage Urlaub. Nur mit Thor allein.

Da waren selbst die Steine uninteressant.

Grinsend sprang er Thor in die Arme und küsste ihn stürmisch. Sein Kuss war lang und leidenschaftlich.

Thor konnte nichts tun, als ihn einfach nur festzuhalten.

Es fühlte sich gut und richtig an.

„Danke, danke, danke. Du bist der Beste. Ich liebe dich“, murmelte Loki.

Er brauchte keine großen Geschenke. Das hier alleine reichte schon aus.

 

„Für dich immer, mein Geliebter. Ich mache dir gerne eine Freude“, erklärte Thor.

Er wollte Loki ins Bett ziehen, als dieser ihn festhielt und ein kleines Kästchen gab. Auch er hatte ein Geschenk.

„Ich habe auch etwas für dich.“

Überrascht starrte Thor ihn an.

Neugierig öffnet er das Kästchen und schluckte trocken. Darin lag ein Brief, der 24. und ein neues Armband aus Leder.

Es war kunstvoll gearbeitet und mit Runen verziert.

 

24. Dezember

 

Mein Geliebter Thor,

das ist heute der letzte Brief. Schade. Es ist bereits zur Gewohnheit geworden. Es macht Spaß, diese Zeilen zu schreiben und zu sehen wie du dich freust.

Was brauchen wir beide mehr als uns selbst? Wir müssen beide den Thron nicht bekommen. Es reicht wenn wir zusammen sind. Einfach nur wir beide.

Es war ein schöner Tag mit der Familie. Weihnachten, wie es in Midgard bezeichnet wird.

 

Grund 24:

Dein Mund

Das habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben.

Du weist, wie sehr ich deine Lippen liebe. Dein Lächeln. Einfach alles an dir. Aber dein Mund ist nun einmal perfekt. So schön geformt zum küssen. Oder auch andere Dinge.

Ich denke, dass werden wir einfach testen. Ich werde dir zeigen, was ich damit meine.

Ich liebe dich mehr als ich sagen kann. Wahrscheinlich auch mehr, als diese Briefe es ausdrücken können. Die Liebe zu dir ist alles was ich im Leben brauchen.

 

In ewiger Liebe

Loki

 

Diese Worte, so simpel sie vielleicht sein mochten, entlockten Thor einige Tränen. Er war gerührt. Etwas, dass sonst nie geschah. Aber seine Liebe zu Loki war alles was er brauchte.

Ein Geschenk.

~~~~~OWARI~~~~~




Was ist Weihnachten? [Britta & Fich] - Ein Terra3.0-Zyklus

05

Noch einmal zählte Janis durch, ob er auch für jeden ein Geschenk hatte und niemand vergessen wurde. Er zählte ab, wer alles heute Abend im Gemeindehaus sein würde und nickte zufrieden. Er hatte keinen vergessen. Doch dann fiel sein Blick auf seinen Strickkorb und er seufzte. Trotz der Hilfe von Tjark und Karti war Eljas Jacke nicht fertig geworden. Janis hatte die ganze Nacht und auch den Tag durch gestrickt, aber es fehlte immer noch mehr als ein Vorderteil. Doch jetzt hatte er auch keine Zeit mehr. Er wurde höchste Zeit, dass er zur Feier ging. Er hatte auf Eljas warten wollen, doch sein Schatz kam leider später. Die Arbeiten in der Kuppel hatten länger gedauert als erwartet. „Ach, Schatz“, murmelte er leise und schrieb hastig einen altmodischen Zettel, den er an die Tür von Eljas‘ Haus heften wollte, damit er wusste, wo alle waren.

Er packte die Geschenke in eine Tasche und machte sich auf den Weg. Der Zettel war schnell angebracht und Janis lief zum Gemeindehaus. Die Fenster waren hell erleuchtet und man konnte sehen, dass der Raum, in dem sie feiern wollten, prachtvoll und bunt geschmückt war. Erstaunlich wie viele Farben sie doch haben konnten, wenn sie nur wollten. Woher kamen die bunten Kerzen? Janis blickte durch die Tür und wurde mit großem Hallo begrüßt. Sofort bekam er eine Tasse mit einem heißen Getränk in die Hand gedrückt und wurde tiefer in den Raum gezogen. Die Stimmung war ansteckend.

„Der Raum sieht toll aus.“ Janis schnupperte an seinem Getränk und hob eine Augenbraue. Es roch nach Alkohol „Was ist das?“, fragte er und probierte vorsichtig. „Es nennt sich Eggnög und wird mit Eiern gemacht“ erklärte ihm Katri. „Wir haben das Rezept bei den Unterlagen gefunden, die Sisko durchgesehen hat.“

„Ein Getränk aus Eiern“, sagte er skeptisch und schnupperte noch einmal.

„Jetzt stell dich nicht so an. So schlimm wie Malventee wird es schon nicht sein“, lachte Katri und war schon wieder verschwunden. In einer Ecke wurde zu traditioneller Musik getanzt. Da wollte sie unbedingt dabei sein, denn sie tanzte sehr gern. Dafür war Sisko gleich an Janis’ Seite und sah neugierig auf den Beutel.

Sie hakte sich bei ihm ein und stieß ihre Tasse gegen seine. „Eggnög wurde wohl traditionell in dieser Gegend zu Weihnachten getrunken. Er wurde auf jeden Fall in vielen Schriften erwähnt. Ich find ihn ziemlich lecker.“ Janis musste grinsen, weil Sisko so unauffällig auf seine Tasche blickte. „Ja, ist nicht übel. Was hast du denn noch alles raus gefunden?“, fragte er, um sie abzulenken. Doch das funktionierte nicht. Sie hatte sich an seiner Tasche festgebissen und starrte sie nun unübersehbar an. „Ich finde das nicht nett, dass du mich wortlos dazu zwingst, dich zu fragen, was du in der Tasche hast. Aber gut. Es ist Weihnachten und ich bin großzügig. Lieber Janis, was ist in der Tasche?“

„Liebe Sisko, dann bin ich auch mal nicht so, weil ja Weihnachten sind. Da sind Geschenke für euch drin, aber die gibt es erst später.“ Er musste lachen, als die junge Frau einen Flunsch zog und stieß sie mit der Schulter an. „Du hast doch selber erzählt, dass es die Geschenke erst bei der Bescherung gibt.“

„Hey“, sagte Sisko gespielt empört. „Nutzt hier nicht mein eigenes Wissen gegen mich. So war das nicht geplant. Wenn ich gewusst hätte, dass du so gemein bist, hätte ich dir das nicht erzählt.“ Sisko hakte sich bei ihm ein und zusammen gingen sie zum Tisch, wo ihr Strickclub immer saß. Doch heute blieben die Nadeln in den Knäulen. Heute wurde getanzt und gelacht. Er setzte sich zu Tjark, der im Gegensatz zu seiner Frau kein Interesse an Tanz hatte.

„Janis, was hast du denn da an dir hängen?“, lachte er und Sisko knurrte leise. Sie war es aber gewohnt von Tjark aufgezogen zu werden, darum nahm sie ihm das nicht übel. Sie zeigte ihm nur einen Vogel und ging dann zu den Tanzenden. Sie sahen ihr hinterher. „Was ist mit der Jacke?“ wollte Tjark wissen, aber Janis schüttelte den Kopf. „Hab es nicht geschafft. Obwohl ich jede Minute gestrickt habe, fehlt immer noch einiges.“

„Macht doch nichts. Ist doch wichtiger, dass Eljas wieder da ist und dann kannst du sie ihm auch noch etwas später geben.“ Tjark war immer noch der Meinung, dass man sich von einem Kalender nicht vorschreiben lassen sollte, wann man seinen Lieben etwas schenkte und wann nicht. Das sollte immer noch spontan passieren, immer dann, wenn man das Gefühl hatte, dass es passend war. Doch im Moment und im Wirbel dieses Weihnachtshypes stand er mit seiner Meinung ziemlich auf verlorenem Posten.

„Ja, ich bin so froh, dass er endlich wieder da ist. Ich habe ihn schrecklich vermisst.“ Janis musste lächeln als er an seinen Freund dachte. „ Zum Glück dauert seine Dienstreise nicht mehr lange, dann haben wir wieder mehr Zeit füreinander.“ Janis hatte sich da schon viel ausgemalt, was er alles mit Eljas unternehmen wollte. Er wollte ihn auf jeden Fall mit zu den Schafen nehmen. Bestimmt gefiel das seinem Freund auch. Und dann wollte er sich bei Ragnar die kleinen Katzen angucken und vielleicht eine zu sich nehmen, wenn Eljas das gefiel.

„Wann ist er denn eigentlich wieder zurück?“, wollte Tjark wissen und sah dabei zu, wie ein paar Jugendliche unter einem grünen Zweig standen und kichernd knutschten, ein paar andere tauschten kleine Geschenke.

„Er kommt leider ziemlich spät.“ Janis ließ die Schultern hängen und Tjark musste lachen. „Dich hat es ja echt ziemlich erwischt.“ Janis zuckte grinsend die Schultern. „Was soll ich machen. Er ist einfach wunderbar.“

„Na komm, lass uns ein bisschen feiern. Dann vergeht die Zeit schneller“, schlug Tjark vor und er erhob sich wieder. Er holte ihnen ein paar Gläser Punsch und dann konnte es losgehen. Sie sangen, sie lachten und irgendwann schlug jemand vor, endlich die Bescherung zu feiern – man wolle nicht mehr warten.

„Ja, Bescherung“, rief Sisko mit leuchtenden Augen und alle mussten lachen. Es war allgemein bekannt, dass die junge Frau es liebte, Geschenke zu bekommen. Sie mussten nicht groß oder teuer sein. Eine selbstgepflückte Blume, oder eine hübsche Feder erfreuten sie genauso wie etwas Teures.

Sie hatten – wie es laut der alten Bücher Brauch war – alles unter einen Baum gelegt. Er war selbst gebastelt aus Resten und Stoff, weil man es nicht eingesehen hatte, dafür einen wertvollen Baum zu schlagen. Doch der Effekt war der gleiche und die Freude groß. Nach und nach wurden die Geschenke verteilt und jeder lag jedem in den Armen, um sich zu bedanken. Das war der Augenblick, als die Tür aufging und ein abgespannter Eljas den Raum betrat.

Niemand bemerkte ihn, nicht einmal Janis. Er umarmte gerade Tjark, weil er sich sehr über dessen und Katris Geschenk freute. Es war ein Bild von Yrjö, das Katri gemalt hatte. „Das, das Bild ist toll, danke.“ Überschwänglich küsste er Tjark auf die Wange und zog dann Katri für eine Umarmung zu sich.

Eljas wusste das alles nicht einzuordnen und so spürte er nur zu deutlich, wie sich in seinem Magen etwas zusammen zog. Es machte sich Nervosität bei ihm breit und so vermied er es, zu Janis zu stürzen und ihn an sich zu reißen, so wie er es eigentlich geplant hatte, weil er seinen Freund schmerzlich vermisst hatte, doch nun ging er unbemerkt etwas tiefer in den Raum und mischte sich unter die Feiernden. Doch sein Blick lag unsicher auf Janis.

Der strahlte Tjark an, der sich verlegen über die Wange wischte. „Naja, du magst das faule Vieh und er mag dich“, murmelte der große Mann und zog Janis noch einmal in eine Umarmung. „Es hat Spaß gemacht mit dir zu werkeln. Ich würde das gerne wieder machen und dann probieren wir andere Farben aus.“

„Find ich gut“, nickte Janis heftig und sah wieder auf das Bild. Yrjö war aber auch niedlich. Er schreckte herum, als jemand ihm auf die Schulter tippte. „Haben Eljas und du euch gestritten oder warum sitzt er da drüben und kommt nicht zu dir?“, wollte Marja wissen, die sich ein bisschen Sorgen machte.

„Wie?“, fragte Janis, der nicht gleich verstand, was Marja ihm gesagt hatte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis die Worte bei ihm angekommen waren. und seine Augen wurden groß. „Eljas ist hier?“, fragte er noch einmal nach, ob er das richtig verstanden hatte. Er sah sich um und wirklich, Eljas saß auf einer Bank an der Wand und sah zu ihm rüber. Er lächelte nicht und er kam auch nicht zu ihm rüber. Unsicherheit machte sich in ihm breit und ließ ihn dort stehen bleiben, wo er war. Freute Eljas sich gar nicht, ihn wieder zu sehen? Marja stand noch immer neben ihm, doch weil Janis sich nicht regte und auch nichts weiter sagte, setzte sie sich in Bewegung, doch Tjark, der die kleine Episode mitbekommen hatte, hielt sie zurück. „Geh mal rüber zu ihm, vielleicht geht es ihm einfach nicht gut. Er hat eine harte Woche hinter sich“, schlug Tjark vor, denn vom Anstarren wurde es nicht besser.

Janis sah Tjark an und man sah ihm seine Unsicherheit deutlich an. „Meinst du?“ Es drängte ihn unwahrscheinlich zu Eljas zu laufen und ihn zu umarmen und zu küssen. Er sah zu seinem Freund und dessen Gesichtsausdruck hatte sich noch verdüstert. Was war denn nur los?

„Janis, frag nicht noch, geh“, sagte Tjark eindringlich. Die ganze Woche hatte Janis von nichts anderem geredet und jetzt stand er hier wie eine Primel im Topf und regte sich nicht. Das hatte auch Eljas bemerkt, der Janis genau beobachtet hatte. Sein Freund hatte ihn gesehen, doch er kam nicht zu ihm, er blieb bei Tjark. Mehr musste er wirklich nicht mehr sehen. Er war müde und enttäuscht. Er wollte nur noch nach Hause und ins Bett. So erhob er sich und ging wortlos.

 

„Eljas“, flüsterte Janis, der fassungslos mit ansah, wie sein Freund einfach ging, ohne ihn noch einmal anzusehen. Er sah wie Eljas aus der Tür ging und er verstand es nicht. Verständnislos sah er Tjark an. „Janis, was machst du noch hier?“, brummte der und schob seinen Freund Richtung Tür. „Der einzige, der dir das erklären kann, ist gerade raus. Du musst das mit Eljas klären.“ Erst schien Janis nicht zu verstehen, aber dann kam Bewegung in ihn und er lief Eljas hinterher. Der war allerdings schon auf den Weg zur Hauptstraße abgebogen und war nicht mehr vor dem Gemeindehaus zu sehen. Er hatte den Kopf gesenkt und die Hände tief in die Taschen geschoben. Er fühlte sich müde und abgespannt und wollte nur noch ins Bett. Vielleicht hatte er von Janis etwas zu viel erwartet, vielleicht hatte er selbst mit seiner abgespannten Stimmung den Draht zur Feier nicht gefunden. aber vielleicht war er auch einfach nur wütend auf seinen Freund, der da einfach mit Tjark herum schäkerte.

Janis rutschte das Herz in die Hose, als er Eljas nicht mehr sehen konnte, als er aus dem Gemeindehaus kam. Kurz blieb er stehen, aber dann lief er los, so schnell er konnte. Er hoffte, dass Eljas nach Hause gehen würde und lief auf die Hauptstraße. Er stoppte und sah sich um. Erleichtert sah er seinen Freund in einiger Entfernung laufen. „Eljas warte“, rief er und lief wieder los. Doch Eljas wartete nicht. Im Moment wollte er nur allein sein und zu sich finden. Er hatte Sorge, dass er in seinem übermüdeten, ausgelaugten Zustand etwas sagte, was er hinterher vielleicht bereute. Also schlug er den Mantelkragen etwas höher und versuchte Janis‘ Rufen zu ignorieren.

Das kam immer näher und man hörte Janis an, dass er langsam ärgerlich wurde, weil sein Freund ihn nicht beachtete. „Eljas, was soll das?“, fragte er darum, als er Eljas eingeholt hatte und sich vor ihn stellte, damit er stehen bleiben musste. Also stoppte Eljas seinen Lauf und sah Janis kurz an, ehe er sich umsah. „Was soll was?“, fragte er also, denn noch wusste er nicht, was Janis von ihm wollte.

Janis blinzelte einmal, denn er wusste nicht, was gerade passierte. Er verstand nicht, was mit Eljas los war und seine ablehnende Haltung machte ihn wütend. Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Warum bist du einfach gegangen und warum ignorierst du mich?“, fragte er.

„Janis, nicht jetzt. Ich bin müde und ich möchte ins Bett. Geh feiern, das war dir doch sowieso wichtiger, als auf mich zu warten. Schmus noch ein bisschen mit Tjark und freu dich über all die tollen Geschenke, die ihr euch gemacht habt. Tja, für mich war wohl keines mehr übrig, aber das ist auch egal. Ich brauch so was nicht …“ Eljas war immer leiser geworden und hatte eigentlich keine Lust noch weiter zu reden. Also wandte er sich um und versuchte um Janis herum zu laufen.

„Geh jetzt nicht einfach weg, Eljas“, rief Janis und lief Eljas hinterher, bis er wieder vor ihm stand. „Was meinst du damit, ich soll mit Tjark schmusen. Willst du etwa andeuten, dass ich nicht treu bin?“ Das tat weh. Die ganze Woche über hatte er nur an Eljas gedacht und sich nach ihm gesehnt, alles versucht, um ein Geschenk für den Mann, den er liebte zu stricken. Er hatte zwei Nächte deswegen fast nicht geschlafen und nun wurden ihm Vorwürfe gemacht.

Eljas seufzte. Er hatte das schon geahnt und eigentlich hatte er nicht die Kraft Janis etwas entgegen zu bringen. Doch er kam wohl nicht drum herum. „Janis, ich will gar nichts andeuten. Die ganze Woche habe ich kaum was von dir gehört. Keine Anrufe, nur ab und an mal eine Nachricht. Wenn ich versucht habe, dich zu erreichen, war das Gerät aus. Und jetzt komme ich hier her, sehe wie alle von dir beschenkt werden außer ich, du dich beschenken lässt und dann Tjark in den Armen liegst, ihn küsst., Janis – sag du mir bitte, was ich nach all dem denken soll. Sag es mir!“

„Doch du willst etwas andeuten und es gefällt mir nicht.“ Janis wurde langsam wütend. „Du glaubst wirklich, dass ich dich mit Tjark betrüge?“ Das tat wirklich weh. „Ich habe nicht mit ihm geschmust, sondern mich nur für ein Geschenk bedankt, über das ich mich sehr gefreut habe. Und wie sollte ich dir ein Geschenk machen, wenn du mich noch nicht einmal begrüßt hast und es offensichtlich auch nicht vorhattest?“

„Janis, lass mich eine Nacht schlafen, okay?“, murmelte er, weil sich dieses Gespräch in eine Richtung entwickelte, die Eljas gar nicht gefiel. „Es war dir wichtiger, dieses komische Geschenke-Fest zu feiern als auf mich zu warten, wie wir es eigentlich ausgemacht hatten. Aber sei es drum. Ist egal. Janis, ich bin müde und will ins Bett.“

Janis wollte schon einwenden, dass er Weihnachten mit Eljas zusammen feiern wollte, aber er ließ es sein, weil es jetzt nichts brachte. „Gut, dann geh schlafen, du willst ja nicht mit mir reden, aber du kannst sicher sein, dass ich morgen Antworten will. Also, wenn dir noch irgendetwas an mir und unserer Beziehung liegt, dann komm bitte morgen bei mir vorbei.“

„Du hast mich missverstanden, Janis“, sagte Eljas leise, doch dann nickte er nur. „Ich werde da sein“, versicherte er, denn ihm lag sehr wohl noch etwas an ihrer Verbindung. Janis war alles, was er wollte, aber im Moment stand etwas zwischen ihnen, was sie klären mussten. Aber nicht jetzt. „Geh feiern“, murmelte er nur und ging wieder los.

„Morgen um 11 Uhr bei mir“, rief Janis nur noch leise und sah Eljas hinterher, wie er mit gesenkten Schultern und ohne sich umzudrehen weg ging. Er wirkte verloren und das schnitt Janis ins Herz. Ohne weiter darüber nachzudenken setzte er seinem Freund hinterher und als er wieder vor ihm stand griff er sich Eljas Gesicht und küsste ihn sanft. „Schlaf gut“, murmelte er, küsste Eljas noch einmal und lief dann den Weg zurück zum Gemeindehaus. Sie würden morgen reden.

 

+++

 

„Du?“, fragte Sisko etwas verwirrt, als Janis das Gemeindehaus wieder betrat. Sie sah ihn verwirrt an. „Wo ist Eljas?“ Sie kam auf ihren Freund zu und drückte ihm eine Tasse in die Hand, während um sie herum alles sang, tanzte und die Geschenke ausprobierte, die man bekommen hatte.

„Er ist nach Hause gegangen.“ Janis ließ sich auf eine der Bänke plumpsen und starrte trübsinnig in seine Tasse. „Er denkt, ich habe was mit Tjark und er wollte nicht mit mir reden“, erklärte er leise, so dass Sisko ihn kaum verstehen konnte.

„Was? Du hast was mit Tjark? Wie kommt er denn auf die Idee?“ Sisko schüttelte den Kopf und setzte sich neben Janis. Das klang aber gar nicht gut. Noch vor einer Woche waren die beiden unzertrennbar und jetzt war Eljas zu Hause und Janis betrübt. Hier lief aber etwas völlig schief.

„Er hat gesehen, wie ich mich für mein Geschenk bedankt habe und darum kommt er drauf. Er denkt auch, dass ich lieber mit euch feiere und Geschenke austausche, als mit ihm zusammen zu sein.“ Janis konnte es immer noch nicht fassen, was passiert war. Er war wie betäubt.

„Da ist etwas aber grundsätzlich falsch gelaufen“, murmelte Sisko und schüttelte den Kopf. Eljas war einer der wenigen, der nicht in der Kuppel gewesen war und all die Vorbereitungen und die Vorfreude auf dieses neue Fest nicht mitgemacht hatte. So war es nur verständlich, dass er damit nicht viel anfangen konnte. „Das war’s jetzt aber nicht, oder?“, fragte sie ängstlich.

„Ich hoffe nicht. Es darf einfach nicht vorbei sein. Ich liebe ihn.“ Janis sah seine Freundin an und man konnte sehen, wie sehr er litt. „Ich wollte ihm doch nur eine Freude machen, weil ihm die roten Jacken doch so sehr gefallen hatten und man macht sich doch Geschenke zu Weihnachten.“

„Ach, Janis“, sagte Sisko und drehte ihre eigene Tasse in die Hand. Sie hatte die letzte Woche viel in den alten Büchern gelesen, denn als Historikerin hatten sie die Aufzeichnungen von damals mehr gefesselt als die anderen Funde. „Das ist der Grund, warum Weihnachten irgendwann von vielen nur noch als Stress und Pflicht gesehen wurde. Das Schenken war nicht der Sinn dieses Festes. Ganz früher ging es nicht darum, das größte, das schönste, das teuerste Geschenk zu bekommen oder zu verteilen. Diese ganzen Geschenke-Orgien haben blind für das Wesentliche gemacht. So wie es dich auch blind für das Wesentliche gemacht hat, Süßer.“

„Wie meinst du das?“ Janis sah Sisko erstaunt an. „Was ist denn dann der Sinn von Weihnachten? Überall hat man doch gesehen, dass Geschenke ein wichtiger Teil davon waren.“ Hatte er das falsch verstanden, was er gelesen hatte. Aber das konnte er nicht glauben, da alle anderen es auch so verstanden hatten.

Sisko lächelte über das erstaunte Gesicht und trank einen Schluck. „Die Geschenke wurden erst wichtig, als der eigentliche Sinn verloren gegangen war, als die Menschen das, was sie eigentlich einmal wert geschätzt hatten, nicht mehr zu schätzen wussten, denn das konnte man mit Geld nicht kaufen. Was könnte ich wohl meinen, Janis? Was kann man mit Geld nicht kaufen?“, lächelnd sah sie ihn an.

Janis legte den Kopf schief und man sah ihm an, dass er erst nicht wusste, was sie meinte, aber dann erhellte sich sein Gesicht. „Liebe und Freundschaft, das kann man nicht kaufen.“ Janis lächelte kurz, weil er dabei an Eljas denken musste., aber das währte nur kurz, denn im Moment war sein Liebster weiter von ihm entfernt, als die ganze letzte Woche.

„Eben, Liebe und Freundschaft. Genauso wie die Familie und Zeit mit denen zu verbringen, die wir lieben. Es ist scheiß egal, wann du etwas verschenkst, wenn du es von Herzen tust. Das muss nicht heute sein. Aber dafür die ganze Woche keine Zeit für Eljas zu haben und nicht mal anzurufen, obwohl das euer Ritual war, das war nicht Weihnachten.“ Sie legte ihrem Freund eine Hand aufs Knie und grinste. „Du musst echt noch viel üben Weihnachten richtig zu feiern.“

„Wie soll ich das auch wissen, ist doch mein erstes Mal.“ Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass es seine Schuld war, dass Eljas an ihnen und ganz speziell an Janis zweifelte. „Ich habe alles falsch gemacht“, seufzte er leise. „Wie soll ich das denn wieder gut machen? Ich habe den Mann, den ich liebe vernachlässigt und ihn unglücklich gemacht.“

„Weihnachten ist nicht nur heute. Morgen kannst du alles richtig machen und ich weiß, dass du es kannst. Erklär es ihm und zeig ihm, was wirklich wichtig ist. Er liebt dich, das hat sein Abgang gezeigt. Es war ihm nicht egal.“ Sisko erhob sich und sah Janis noch einmal an. Dann lächelte sie. „Das wird schon.“

„Du meinst, ich soll morgen mit ihm feiern?“ Janis sah Sisko an und in seinem Kopf formte sich eine Idee. „Keine Geschenke. Eine Feier so wie Weihnachten ursprünglich gedacht war. Mit den Menschen, die man liebt.“

„Du bist der schlauste Janis, den ich kenne. Genau das meine ich“, lachte Sisko und strubbelte ihm durch die Haare. „Und jetzt trink noch was.“ Sie zog ihn auf die Beine und an die Bar.

„Eljas kommt morgen um elf Uhr. Meinst du, wir schaffen es bis dahin, eine richtige Weihnachtsfeier zu organisieren?“ Er sah sich um, als sie bei der Bar angekommen waren. „Meinst du, ich kann ein wenig von der Deko mit nach Hause nehmen? Es soll doch so richtig weihnachtlich werden.“

„Das lässt sich bestimmt regeln. Kannst es sicherlich morgen früh hier abholen. Aber so viel musst du doch gar nicht vorbereiten, Janis. Nimm dir einfach Zeit für das, was dir wichtig ist und verlier dich nicht schon wieder in Vorbereitungen.“ Sisko kicherte, weil Janis schon wieder den Anschein eines Planungsrausches erweckte.

Janis grinste schief. Er war wohl schon wieder über das Ziel hinausgeschossen. Er wollte alles richtig machen und Eljas zeigen, dass er niemanden außer ihm haben wollte. „Ihr kommt doch bestimmt auch, denn ihr seid doch auch Eljas Freunde. nicht gleich um elf. Etwas später. Ich muss erst alleine mit meinem Schatz reden und ihm einiges erklären, damit ich ihn auch weiter noch so nennen kann.“

„Sicher, gern.“ Sisko nickte und sah zu Katri, die gerade Tjark im Schlepptau hatte und ebenfalls auf sie zukam. Sie schien das Bild – Janis ohne Eljas – ebenfalls zu verwirren, denn sie sah sich unauffällig suchend um. „Fehlt hier nicht einer? Ist Eljas schon nach Hause? Ich hatte ihn doch vorhin gesehen, oder?“

„Ja, Eljas war hier.“ Janis erzählte kurz, was geschehen war und Katri sah ihn betroffen an. „Können wir dir irgendwie helfen, das wieder in Ordnung zu bringen?“ Sie fühlte sich mit dafür verantwortlich, dass Janis und Eljas sich gestritten hatten. „Kommt morgen Nachmittag zu mir und bringt auch die anderen mit. Sisko hat mir erklärt, worum es bei Weihnachten eigentlich geht und dazu brauche ich euch, damit ich mit Eljas feiern kann.“

„Alles was du willst, wenn es dir hilft“, versicherte Katri und Tjark wirkte gequält. Glaubte Eljas wirklich, dass Janis ihn mit ihm betrügen würde. Das war doch völlig verquer. Er musste morgen noch einmal mit Eljas reden – so ging das ja nicht. Er fühlte sich wirklich nicht gut dabei, ein Grund für den Streit zwischen Janis und Eljas zu sein.

„Danke, ihr seid wirklich die besten Freunde, die man haben kann.“ Janis umarmte Katri, unterließ es aber auch Tjark zu umarmen, sondern klopfte ihm nur auf die Schulter. „Trommelt morgen alle zusammen und kommt vorbei. Ich mache Glögg. Den wollte ich sowieso probieren.“ Janis überlegte, was er noch machen konnte, da lachte Sisko neben ihm auf. „Janis hör auf zu planen. Kümmer du dich um Eljas, den Rest erledigen wir.“

„Geh zeitig ins Bett, schlaf dich aus, grüble nicht so viel und vor allem, versuch nichts zu planen“, riet Sisko, als sie sich langsam verabschiedeten. Ein paar der Leute feierten noch, doch sie hatten für heute genug. Und sie waren gespannt auf morgen.



Fröhliche Weihnachten - Genießt die Feiertage