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25. Dezember

House of Orbs [Ira]

 

25 - Es Weihnachtet sehr oder "Also dann... auf ins Gefecht"

Donnerstag, 24 Dezember 2015 - Christmas Eve - Nordpol

 

Fasziniert betrachtete Kris den Jüngeren. Nachdem sie sich gestern noch lang ausgesprochen und das Abendessen einfach ausgelassen hatten, waren sie schließlich in das Gästezimmer gegangen, um weiter zu reden. Und auch der eine oder andere Kuss war nicht zu kurz gekommen. Jetzt, wo er es durfte und auch konnte, da er keine Angst haben musste, dass Rudy dann nicht mehr mit ihm befreundet sein wollte. Sie hatten wohl wirklich beide die Hilfe von Santa gebraucht. Blind und taub, da hatte der Ältere Recht gehabt. Aber man sah ja meistens nicht, was direkt vor einem lag.

 

Er war schon eine Weile wach und genoss es Rudy zu betrachten. Bald mussten sie eh aufstehen, denn es war der 24. Dezember und die Geschenke mussten heute ausgeteilt werden. Santa hatte beschlossen, dass er mit sollte, damit er sah, wie das so vor sich ging. Und Rudy musste ja eh mit, denn der zog schließlich den Schlitten. Gerade murmelte Rudy etwas und Kris musste sich wirklich das Lachen verkneifen. Das war so süß. Und Rudy sah wirklich nicht nach über 300 Jahren aus. Vielleicht hatte das etwas mit der ganzen Magie zu tun, die hier herrschte und die hier an Allem beteiligt war. Nur so war es zumindest zu erklären.

 

Sanft begann Kris mit einer Hand über die weiche Wange zu streichen. Rudy musste langsam mal aufwachen, damit sie sich fertig machen und Essen konnten. Der Schlitten musste beladen und die Flugroute nochmal besprochen werden. Immerhin musste Kris ja auch wissen, wie seine zukünftige Arbeit funktionierte und ob man etwas verbessern konnte. Wie zum Beispiel das Arbeiten von San Francisco aus. Zumindest das, was halt aus der Entfernung möglich war. Man würde sehen.

 

"Will schlafen", murrte Rudy noch halb am Schlafen, doch er konnte die Hand in seinem Gesicht einfach nicht ignorieren. Sie war so sanft und eigentlich das, was er schon so lange gewollt hatte. Immerhin konnte er jetzt Kris als seinen festen Freund bezeichnen, wenn sein Gedächtnis ihn nicht im Stich ließ. Aber anders ließen der starke Körper neben ihm und die streichelnde Hand sich nicht erklären. Er wusste selbst, dass er langsam aufstehen musste, die Arbeit rief und nur weil er jetzt einen Freund hatte, konnte er die Arbeit nicht einfach sausen lassen. "Kuss... dann steh ich auf", murmelte er und spitze seine Lippen. Sanft lächelte er, als er die weichen Lippen auf seinen spürte, so wachte man doch morgens wirklich gern auf.

 

Rudy verlängerte den Kuss so lange, wie er es eben ohne Luft aushielt. Dumm nur, dass man Atmen musste. Leise murrend trennte er sich von den süchtig-machenden Lippen. "Gemein", meuterte das Rentier und erntete ein Lachen seines Freundes. Seufzend öffnete er seine Augen und versank für einen kurzen Moment in den Grünen über sich. Noch kurz räuberte er sich einen Kuss und schlug dann die Decke zurück. "Also gut. Dann gehen wir nacheinander duschen und dann Essen."

 

 

"Sonst noch Fragen, Kris oder hast du den Ablauf heute verstanden?", wollte Santa wissen. Sie standen in seinem bald ehemaligen Büro und waren den Verlauf des Tages durchgegangen. Für ihn selbst war das nach über 100 Jahren Routine, doch Kris würde sich das alles in den nächsten 10 Jahren aneignen müssen, so wie er das auch gemusst hatte. Und wie es auch der Santa nach Kris tun würde. Ein Kreislauf.

 

Kris schüttelte den Kopf. "Nein, zum Ablauf ist alles klar. Ich muss ja heute nur helfen und nicht alles allein machen. Also kann ich dich fragen, wenn etwas ist. Ein paar Ideen für die Zukunft, aber die können wir auch noch besprechen, wenn wir die Geschenke geliefert haben. Meine Sorge ist eher, dass ich keine passenden Klamotten für die Nacht habe. Der Flug mit dem Schlitten dauert sicherlich länger, als der Flug mit Rudy. Und als Eiszapfen bin ich so gar keine Hilfe", grinste der Blonde schief. Er hatte kein wärmendes Fell wie Rudy und auch keinen dicken Mantel wie Santa. Irgendwann würde er mal einen eigenen haben, aber noch waren sie nicht so weit. Seine Ausbildung hatte noch nicht einmal richtig angefangen und bevor sie nicht zu Ende war, würde er sicherlich auch keinen Mantel bekommen. Es war vermutlich so etwas wie das Zertifikat wie bei jeder anderen Prüfung, denn es war äußert unwahrscheinlich, dass es eine Prüfung für den Weihnachtsmann gab.

 

Santa lachte. Das war allerdings wirklich ein gutes Argument. Jetzt, wo er ihn gefunden hatte, musste sein Nachfolger nicht gleich wieder sterben. Die Bahamas klangen verlockend für seinen und Mrs. Claus Lebensabend und das ging nur, wenn er einen Nachfolger hatte. "Da wird sich schon was finden. Svenja hat sicherlich noch irgendwo eine Kiste mit alter Kleidung. Wir fragen sie gleich mal. Und dann sollten die Elfen auch mit Beladen fertig sein. Wenn du es dir zutraust, dann kannst du den Schlitten fliegen. Ich erkläre dir natürlich, was du machen musst." Es gab so viel, an das er denken und das er dem Jüngeren beibringen musste. Vielleicht war eine Liste ganz gut, oder er band Jocelyn mit in die Aufgabe ein. Sie war hier schon so lange wie Rudy, sie würde ihm schon Bescheid sagen, wenn er etwas vergaß.

 

Zu dritt machten sie sich auf den Weg zu Svenja und sie wusste gleich, wo sie suchen musste. Sie hatte die Kisten auf den Dachboden gebracht, weil sie da nicht im Weg waren. Das war schon vor einigen Jahren gewesen, da war ein neuer Santa noch nicht in Sicht gewesen. Und ihr Mann hatte damals gemeint, sie solle die Sachen doch wegschmeißen. Männer waren wohl in der Hinsicht alle gleich. Was in ihren Augen nicht mehr von Nutzen war, wurde einfach weggeschmissen. Nur gut, das ihr Mann die Kisten vergessen hatte, denn nach kurzem Suchen hatte sie warme Kleidung für Kris, die ihm passte. Dann stand dem Ausflug ja nichts mehr im Weg. Sie selbst würde hier bleiben und ein leckeres Essen zubereiten. Die Gans dazu lag schon im Kühlschrank und musste nur vorbereitet werden und dann in den Ofen. Es würde fertig sein, wenn ihre Männer wieder zurück waren.

 

So war das bisher immer gewesen und sowohl Santa wie auch Rudy waren viel zu aufgekratzt nach dem Flug. Auch die Rentiere bekamen dann immer eine Extraportion Heu und Karotten und die Elfen begannen schon zu feiern, kurz nachdem sie den Schlitten fertig gepackt hatten. Danach hatten sie erst einmal alle Urlaub, denn die neue Produktion startete nicht vor Mitte des Jahres. In Zukunft würde Kris alles managen und sicherlich auch anpassen. Soweit Svenja das wusste, war in den letzten zwei Jahrhunderten kaum etwas modernisiert worden. Heutzutage gab es sicherlich das eine oder andere, das einem das Arbeiten erleichterte. Doch das lag wirklich nicht in ihrer Hand.

 

Artig bedankte sich Kris und verschwand in sein Gästezimmer, um sich umzuziehen. Die Präsenz von Rudy ließ ihn grinsen und so machte er extra eine Show beim Umziehen für seinen Freund. Mehr als Kuscheln und Küssen würde hier auch nicht passieren, immerhin waren Rudys Pflegeeltern auch hier und die mussten nicht unbedingt alles wissen. Selbst Granny würde nie alle Details ihrer Beziehung erfahren, schließlich wollte er ja auch nicht wissen, was Granny mit Albert so anstellte. Etwas Privatsphäre musste man ja noch haben. In der heutigen Zeit wurde viel zu viel einfach so breit getreten, egal ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet. Und dass es Santa Claus wirklich gab, musste unbedingt geheim bleiben. Touristen konnten sie hier am Nordpol so gar nicht gebrauchen.

 

Ein paar sanfte Küsse wurden noch ausgetauscht, bevor Santa dann doch nach ihnen rief. Sie mussten wohl los. Immerhin gab es mehr als 1.8 Millionen Kinder auf der Welt und die wollten alle ein Geschenk. "Also dann... auf ins Gefecht", versuchte sich Kris Mut zu machen und erntete nur ein Kichern seines Freundes. Wenigstens musste er nicht gleich ins kalte Wasser springen, denn er hatte ja Hilfe. Kris griff sich die Hand seines Freundes und gemeinsam gingen sie nach unten. Dort stand der Schlitten bereits vor dem Haus und die Lampen vorne brannten. Die Rentiere waren schon angespannt und scharrten nervös mit ihren Hufen, der prall gefüllte Sack lag hinten auf der Rampe. "Und da passen jetzt alle Geschenke rein?", wollte Kris skeptisch wissen. Nie im Leben passten da so viele Geschenke rein.

"Das hat auch etwas mit Rudys Magie zu tun. Der Sack füllt sich automatisch mit den richtigen Geschenken auf, wenn wir bei den Kindern sind. Das hier sind die für Grönland", erklärte Santa, der herausgeputzt auf den Schlitten kletterte. Kris nickte nur, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Das war eben auch etwas, das er erst lernen musste.

 

Kris beobachtete, wie sich Rudy wieder in ein Rentier verwandelte und unter der Anleitung des aktuellen Weihnachtsmannes spannte er Rudy vor die anderen Rentiere. Selbst konnte Rudy das ja nicht machen und irgendwie musste Kris das ja auch lernen. Danach setzte er sich neben Santa auf den Schlitten und blickte verwundert auf die Decke, die Santa ihm reichte. "Nimm sie besser, du bist den Flugwind noch nicht gewöhnt und der kann wirklich kalt werden. Ich hatte schon genügend Zeit, mich abzuhärten. Außerdem ist mein Mantel schön warm und kuschelig, das wirst du bei deinem Mantel dann auch merken. Solange muss es eben die Decke tun."

Das sah Kris auch ein und kuschelte sich zusätzlich in die Decke. Er war schon so gespannt.

 

Santa schnalzte mit der Zunge und schlug gleichzeitig mit den Zügeln. Wie ein Rentier begannen die 9 Tiere gleichzeitig zu rennen und an Geschwindigkeit zuzulegen, irgendwie musste der Schlitten ja abheben. Zum Glück stand hier am Nordpol so wenig im Weg, das man rammen konnte. Die Fackeln, die im Moment nur einzeln brannten, würden nachher zu ihrer Landung alle brennen, um ihnen die Landung zu erleichtern. Sie mussten ja nicht unbedingt im Haupthaus landen, das würde Mrs. Claus ihnen übel nehmen, denn dann wäre ihr sagenhaftes Weihnachtsessen hinüber. Und sie gab sich doch immer so viel Mühe.

Doch jetzt musste er sich erst einmal auf die Arbeit konzentrieren. Es würde fatale Folgen haben, wenn auch nur ein Kind leer ausging oder das falsche Geschenk bekam. Das wäre ein irreparabler Schaden an der Gestalt des Weihnachtsmannes und dessen Ruf.

 

Gleich darauf waren sie in der Luft und flogen eine Ehrenrunde über das Haus. Das hatte sich in all den Jahren so eingebürgert und es war eine schöne Tradition, denn Svenja stand am Küchenfenster und blickte ihnen nach. So wollte sie sicher gehen, dass er gut weg kam und sie würde auch wieder am Fenster stehen, wenn er zurückkam. Seine Frau hatte da ein untrügliches Gefühl für, aber es war auch ein schönes Gefühl, wenn jemand auf einen wartete.

"So... halt dich fest, Kris, wir fliegen jetzt eine Kurve und dann legen wir an Tempo zu. Rudy nimmt es mir übel, wenn ich dich im Flug verliere", lachte Santa und es wurde noch lauter, als er das zustimmende Nicken seines Leitrentieres sehen konnte. Aber es war auch schön zu sehen, dass sein angenommener Ziehsohn glücklich war. Erst als er das verbale Okay bekommen hatte, schlug er erneut mit den Zügeln und sofort reagierten die Tiere, legten an Tempo zu. Das würden sie auch die ganze Nacht beibehalten, nur unterbrochen von den Stopps, wenn Santa und Kris die Geschenke austeilen mussten.

 

 

Keine 20 Minuten später setzten sie schon zu ersten Landung an. Der Schlitten des Weihnachtsmannes war eben schneller als ein Flugzeug. Vorsichtig landete Santa auf dem Dach und brachte die Rentiere samt Schlitten zum Stillstand. Eine Punktlandung, wie man so schön sagte. Das war dann auch etwas, das er Kris beibringen musste. So lange, bis er bei jedem Wetter problemlos landen konnte. "Gut, dann wollen wir mal. Die ersten Häuser gehen wir zusammen und du schaust zu. Beim nächsten Stopp wirst du dann loslegen und ich greife ein, wenn es nötig ist. Ich werfe dich nicht ins kalte Wasser, keine Sorge. Bisher habe ich das ganze Weihnachtsgeschäft auch allein geschafft. Du wirst mich nicht behindern und wir habe Zeit, dass du es auch versuchen kannst", versuchte Santa den Anderen zu beruhigen.

 

Kris konnte gar nicht sagen, wie groß die Last war, die von seinen Schultern zu fallen schien. Für einen langen Moment hatte er wirklich Angst gehabt, dass er alles allein machen musste, aber so war es ganz gut. Gewissenhaft faltete der Blonde die Decke zusammen und legte sie neben sich auf den Sitz, bevor er aufstand und um den Schlitten ging. Sanft strich er Rudy noch über den Rücken und der schien das zu genießen, so wie er sich ihm entgegen streckte. Kris lachte und wandte sich dann zu Santa. Sie hatten noch viel Arbeit! Die musste zuerst gemacht werden und danach hatten sie Freizeit. Aufmerksam beobachtete er, wie Santa zwei kleinere Säcke hervorholte und sie kurz an den großen Sack hielt. Als er sie wieder weg zog, wurden sie plötzlich voll und schwer. Kris musste gar nichts sagen, denn sein Blick sprach wohl für sich. Santa erklärte schon gleich, dass die kleinen Säcke nun mit dem Großen gekoppelt waren und sie ohne Probleme die Kamine runter konnten, um die Geschenke unter den Baum zu legen.

 

Suchend irrte sein Blick umher, doch einen Kamin sah er nicht. Doch da nahm ihn Santa schon bei der Schulter und sprach leise: "Hinein". Nach nur wenigen Sekunden standen sie im warmen Wohnzimmer und der Blonde musste zweimal blinzeln, um das Ganze zu verstehen. Das war wirklich cool. Und er hatte sich Sorgen gemacht, weil er den Kamin runter musste. Aber auch ein Santa Claus ging ab und an wohl mit der Zeit. "So... und jetzt einfach die Geschenke unter den Baum oder in die Socken am Kamin. Je nachdem. Wenn du einen Teller mit Milch und Keksen findest, so wird davon gegessen und getrunken. Das macht die Kinder froh, die ihn hingestellt haben." Das war eine eiserne Regel. Vorsichtig und leise legte Santa die entsprechenden Geschenke unter den Weihnachtsbaum und nahm einen der Haferkekse. Damit war die Arbeit hier erledigt. Er griff wieder nach Kris Schulter und brachte sie mit einem: "Hinaus", aus dem Haus.

 

Wie ein braves Rentier wartete Rudy auf dem Dach und scharrte immer mal wieder ungeduldig mit den Hufen. Er wollte seinen Freund wieder um sich haben, aber daran musste er sich wohl gewöhnen. Kris würde in Zukunft immer viel zu tun haben und er konnte ihn nur unterstützen. Die nächsten Jahre würden sicherlich nicht einfach oder friedlich werden, doch Rudy konnte sie mit dem Menschen verbringen, den er über alles liebte.




ENDE




Wiedersehen auf Covendale [chaotizitaet]

20

Es war Weihnachtsmorgen, doch rechte Weihnachtsstimmung mochte nicht aufkommen. Zu tief saß noch der Schock der Ereignisse vom Vortag. Entsprechend gedrückt war die Atmosphäre im Esszimmer, wo gegenwärtig nur die jüngeren Richards und Josh beim Frühstück saßen. Die Barnes-Damen waren noch am Vortag abgereist. Was die ältere Richards-Generation betraf, so zogen sie es vor, das Frühstück in ihren Zimmern einzunehmen – ein Service der nun dank der reduzierten Gästezahl wieder verfügbar war. Das war aber vielleicht auch ganz gut so, denn aktuell spielte David gedankenverloren mit dem Verlobungsring, den Erin ihm vor ihrer Abreise unter Tränen zurückgegeben hatte. Nach dem Verrat ihres Vaters ließ ihr Ehrgefühl kein anderes Verhalten zu, als ihn von seinem Heiratsversprechen zu entbinden. Es sprach Bände, dass David in jenem Moment zu keiner Antwort fähig gewesen war, und für alle am Esstisch war offenkundig, dass dies an ihm nagte. Und während sie voll Mitgefühl für sein Dilemma waren, hätte Catherine Dempsey sich unter Garantie den ein oder anderen bissigen Kommentar hinsichtlich des Verhaltens ihres Neffen nicht verkneifen können. Weshalb sie alle also gerade deren Abwesenheit zu schätzen wussten. Was Rachel Hall betraf, so nutzte diese die ungewohnte Ruhe, um ausgiebig mit ihrer Schwester Marie in Malaysia zu sprechen.

„Das ist doch nicht zum Aushalten“, sagte Alicia schließlich und legte klirrend ihr Besteck auf ihren Teller.

Wie erwartet brachte ihr das die Aufmerksamkeit der anderen ein.

„David, ich weiß, dass die Sache mit dem Julklapp geplatzt ist, aber da ich Erin gezogen habe, werde ich ihr dennoch ihr Weihnachtsgeschenk überbringen: Dich! Du hast zehn Minuten, um dich ausgehfein zu machen“, verkündete sie resolut.

„Ich denke nicht, dass das angebracht wäre“, erwiderte ihr Bruder ein wenig steif.

„Und ob das angebracht wäre“, mischte sich nun auch Beatrix ein. „Wenn man bedenkt, wie lange du gebraucht hast, nicht nur eine Frau zu finden, bei der du erwogen hast, ihr einen Heiratsantrag zu machen, sondern ihr auch soweit zu vertrauen, dass du diesen Schritt gewagt hast, dann solltest du das nicht so einfach wegschmeißen. Hab einfach ein wenig mehr Vertrauen in deine Menschenkenntnis.“

„Das sagst du so einfach. Wo war diese Menschenkenntnis damals bei Greg?“, entgegnete David und man hörte seiner Stimme noch heute die Selbstvorwürfe an.

„David, du solltest nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.“ Auch Edward konnte sich nicht länger zurückhalten. „Greg Fletcher ist nicht Erin Barnes. Wenn dann müsstest du Greg mit Erins Vater vergleichen und ihn wolltest du schließlich nicht heiraten. Da ist es doch verständlich, dass du ihn nicht so genau kanntest, um hinter seine Fassade zu blicken. Wieso auch, du hattest schließlich keine Veranlassung ihn so gut kennenlernen zu wollen, wie es bei Erin der Fall war. Und wäre Erin auch nur im Entferntesten wie Greg oder wohl auch ihr Vater, dann hätte sie dir kaum den Ring zurückgegeben.“ Er nickte in Richtung des Kleinods, mit dem David nach wie vor spielte. „Selbst wenn von Heirat keine Rede mehr gewesen wäre, so hätte sie zumindest den Ring behalten – sei es als Trophäe oder um ihn zu Geld zu machen.“

„Das würde sie nie tun!“, widersprach David augenblicklich.

Das entlockte den anderen ein Lächeln. „Natürlich nicht“, antwortete ihm Alicia. „Und genau deshalb werden wir beide jetzt nach Wiltshire fahren, damit du dich mit ihr aussprechen kannst. Ich sage ja nicht, dass ihr euch sofort aussöhnen sollt und dann alles so ist wie vorher. Aber wenn ihr nicht miteinander redet, dann wird es dich innerlich auffressen. Nicht nur, weil du dir Vorwürfe machen würdest, Mr. Barnes nicht eher durchschaut zu haben, sondern auch, weil du dich insgeheim immer fragen würdest, was Erin dadurch nicht alles durchmachen muss. Presse, neugierige Nachbarn, Freunde, die sich plötzlich von ihnen abwenden… Und wir wissen genau, dass die Nachricht über die Festnahme es in die Medien schaffen wird. Zwar vielleicht nur auf Seite Zwei oder Drei der Zeitungen, aber es wird bekannt werden.“

„Ich glaube Erin, wenn sie sagt, dass sie nicht wusste, was ihr Vater und ihre Onkel gemacht haben“, meinte nun Beatrix. „Und ich weiß, dass du ihr insgeheim auch glaubst. Von daher hat Alicia Recht, du solltest nach Wiltshire fahren.“

„Und wenn du uns nicht glaubst, kann ich dir für die Fahrt als Lektüre den Untersuchungsbericht der Polizei mitgeben“, fügte Edward hinzu. „Mein Bekannter von der Metropolitan Police hat ihn mir heute in den frühen Morgenstunden zugemailt.“ Es war keine einfache Lektüre, zeigte aber deutlich auf, dass außer den unmittelbar Beteiligten keines der übrigen Familienmitglieder etwas von den kriminellen Unternehmungen gewusst hatte. Selbst Megan hatte erst in diesem Jahr davon erfahren - ironischerweise nachdem David interveniert hatte, als Greg Fletcher sie für sein Netzwerk von Drogendealern hatte anwerben wollen. Damals hatten alle noch erleichtert aufgeatmet, als nach dieser Beinahe-Katastrophe ihr Vater beschlossen hatte, sie unter seine Fittiche zu nehmen. Nun aber, da sie wussten, wie diese Fittiche aussah… Auch war Diebstahl nicht der übliche Modus Operandi der Barnes-Brüder. Gewöhnlich agierten sie auf eine Einladung hin, ein bestimmtes Stück für eine Schätzung zu begutachten. Dabei war es nicht ungewöhnlich, dass sie detaillierte Bilder davon machten, Skizzen anfertigten und sonstige Auffälligkeiten notierten. Ungewöhnlich aber war mit Sicherheit, diese Informationen dann an Stephen Barnes‘ Sohn in Singapur weiterzuleiten, der daraufhin einen dort ansässigen Fälscher damit beauftragte ein Duplikat anzufertigen. Traf dieses Duplikat dann in England ein, erschienen die Barnes mit dem Gutachten bei ihrem jeweiligen Auftraggeber und tauschten in einem unbeobachteten Moment das Original gegen die Replik aus. Weshalb sie sich dieses Mal zu einem plumpen Diebstahl hatten hinreißen lassen, war niemandem bekannt. Vielleicht hatten sie mit angehört, wie Rachel und David über die geplante Reinigung sprachen und gehofft, dass jeder vom anderen annahm, diese entsprechend in die Wege geleitet zu haben, um dann später eine Replik einzuschmuggeln. Oder vielleicht hatten sie Catherine Dempseys Einfluss überschätzt, wenn es darum ging, den Diebstahl einem anderen – Josh – in die Schuhe zu schieben. Letztlich war es aber wohl auch nicht weiter wichtig. Wichtig war nur, dass die Schuldigen nun gefasst waren.

Am Ende war David dem Druck seiner nächsten Angehörigen nicht gewachsen und da er ehrlich genug war, sich einzugestehen, dass sie ihn letztlich nur in eine Richtung drängten, in die er selbst auch tendierte, saß er wenig später mit Alicia im Wagen gen Wiltshire. Er wusste nicht, was ihn dort erwarten würde und ob es noch eine Chance für ihn und Erin gab, aber nichts zu tun würde daran auf gar keinen Fall etwas ändern.

„So, und nun zu euch beiden“, sagte Beatrix, als sie die Eingangstür wieder geschlossen hatten. „Ihr zwei habt lange genug um einander herum getanzt. Ich habe dich zwar nicht beim Julklapp gezogen, Edward, habe aber dennoch etwas für dich. Ich hoffe doch, ich muss euch nicht erst erklären, was man damit macht.“ Und mit diesen Worten zog sie einen Mistelzweig hervor. Das war eine Weihnachtsdekoration, auf die sie in diesem Jahr bewusst verzichtet hatten, hatte Edward doch den Barnes-Mädchen keine Einladung bieten wollen, ihn zu einem Kuss zu nötigen, bloß weil die Tradition es so verlangte.

Edward und Josh sahen einander an und konnten nicht verhindern, dass eine leichte Röte ihrer beider Wangen überzog.

„So, ich geh euch dann mal vor Tante Catherine beschützen“, erklärte Beatrix und war schon halb die Treppe hinaufgestiegen, ehe sie sich noch einmal zu den beiden umdrehte. „Natürlich werde ich ihr erzählen, dass ich sie vor euch beschützen will. Schließlich sinnt Josh nach gar fürchterlicher Rache für all ihre Anschuldigungen.“ Ein Augenzwinkern und sie ließ Josh und Edward allein zurück, um sich mit einem Buch bewaffnet tatsächlich vor die Tür zum Zimmer ihrer Tante zu setzen. Die Zwillinge hatten sich schließlich geschworen, dass sie alles tun würden, um das Happy End herbeizuführen, das ihrer Meinung nach sowohl ihr Bruder als auch ihr Cousin verdienten.

Edward wandte sich mit einem Kopfschütteln wieder Josh zu, doch auf seinen Lippen lag ein deutliches Lächeln. „Diese Mädchen…“

Auch Josh lächelte, konnte aber den Blick nicht von dem Mistelzweig in Edwards Händen wenden. Und irgendwie wollte er in diesem Moment auch nicht mehr warten, bis Edward einen geeigneten Türstock oder Kronleuchter für den Zweig gefunden hatte. Er sah Edward in die Augen und näherte sich diesem. Und als Edward keine Anstalten machte, zurückzuweichen, zögerte er nicht länger.

Nur, um kurz von dem ersehnten Ziel durch das Gepfeife seines Handys zurückgerissen zu werden.

„Vielleicht solltest du nachsehen, wer uns da stört“, meinte Edward neckend. „Ich warte auch so lange auf dich…“

Josh lachte leise, zog aber dennoch das Mobiltelefon hervor. Als er die Nachricht las, weiteten sich seine Augen. „Das glaubst du nie…“ Und er drehte Edward das Display zu, auf dem die Weihnachtsgrüße der Band zu lesen waren – und die Schlagzeile der Online-Ausgabe des People-Magazins samt Bild: „Fest der Liebe? Fest der Diebe! Manager der Rockband 2-4 wegen Diebstahls festgenommen.“

Auch Edwards Augen weiteten sich bei dem Anblick. „Wow!“, entfuhr es ihm.

Josh konnte nur nicken. „Aber ehrlich gesagt gibt es da noch ein anderes ‚Wow‘ auf das ich gerade hoffe…“

Und dieses Mal wurden sie nicht gestört.

 

ENDE

Nachbemerkung des Autors: Wie bei solchen Geschichten üblich, sind alle Figuren frei erfunden. Namensähnlichkeiten mit realen Personen und dergleichen sind pure Zufälle. Das betrifft insbesondere meine Familie Richards, die in keinerlei Beziehung zu dem ehemaligen britischen General und ISAF-Kommandeur David J. Richards steht. Ebenso wenig handelt es sich bei dem Angehörigen der Britischen Streitkräfte Ian Hall, welcher im Falklandkrieg gefallen ist, um einen Verwandten von Rachel Hall. Vielmehr hatten meine Figuren ihre Namen, ehe ich mit der entsprechenden Militär-Recherche begonnen habe.





Was ist Weihnachten? [Britta & Fich] - Ein Terra3.0-Zyklus

06

Unruhig lief Janis durch sein Haus und sah immer wieder auf die Uhr. Allerdings nicht so wie letztes Wochenende, voller Vorfreude, sondern ziemlich aufgewühlt und auch ein wenig ängstlich. Würde Eljas ihm verzeihen? Und waren sie immer noch ein Paar? In Janis zog sich alles schmerzhaft zusammen, wenn er nur daran dachte, dass alles vorbei sein konnte. Wieder ging sein Blick zur Tür. Hoffentlich erlöste ihn die Türglocke bald. Er hatte sogar extra für seinen Schatz Malventee gekocht und hoffentlich war das nicht umsonst gewesen. Nur kurz erinnerte er sich an sein Experiment mit dem Färben. Hoffentlich konnte er seinem Schatz bald davon erzählen. Aber dafür mussten sie erst einmal eine Hürde nehmen.

Janis zuckte, als es plötzlich klingelte. Er sah auf die Uhr – elf Uhr, auf die Sekunde genau.

Er hastete zur Tür und holte noch einmal tief Luft, bevor er öffnete. „Eljas“, begrüßte er den jungen Mann vor seiner Tür und lächelte, wenn auch unsicher. Er wusste nicht, was er tun sollte. Er wollte Eljas in seine Arme reißen und ihn küssen, aber das war bestimmt genau das falsche. Darum zog er die Tür nur weiter auf und deutete nach innen. „Schön, dass du da bist, komm doch rein.“

„Danke“, entgegnete Eljas verhalten. Er wusste nicht genau, was er erwartet hatte, doch solch eine unterkühlte Begrüßung sicherlich nicht. Aber wenn er darüber nachdachte, nach seiner Show gestern, musste er sich wirklich nicht wundern, wenn er so empfangen wurde. „Hallo“, sagte er und trat ein, sah zu wie die Tür hinter ihm geschlossen wurde. Er lächelte, als er den Geruch nach Tee wahrnahm.

Sie standen sich unsicher gegenüber und Janis hielt das nicht mehr aus. Er wollte nicht, dass sie sich wie Fremde gegenüberstanden. „Eljas, ich...“, fing er an, musste aber abbrechen, weil er nicht wusste, was genau er sagen wollte. Er machte einen Schritt auf seinen Freund zu und griff sich seine Hand. „Ich bin so froh, dass du wirklich gekommen bist.“

„Warum hätte ich nicht kommen sollen, Janis. Ich war gestern müde und es ist alles etwas unglücklich gelaufen. Ich habe wohl mehr gesehen als da war, aber …“ begann er und wusste doch nicht, wie er den Satz zu Ende bringen konnte, ohne Janis dabei vor den Kopf zu schlagen. Also schwieg er.

Janis wollte das alles nicht im Flur klären, darum zog er Eljas ins Wohnzimmer. Dort war es warm und der Tee dampfte in einer Kanne. „Eljas, ich hatte nie etwas mit Tjark, Er liebt Katri und die zwei sind glücklich verheiratet.“ Janis zog Eljas etwas näher. „Er steht auch gar nicht auf Männer und ich nicht auf ihn.“ Vorsichtig strich er Eljas mit einem Finger über die Wange. „Ich stehe auf dich, weil ich dich liebe.“

„Das habe ich gehofft, aber in der letzten Woche hast du dich so rar gemacht, dass wir kaum sprechen konnten. Und dann komme ich wieder und finde nur einen Zettel. Ich soll irgendwo feiern kommen, anstatt mit dir allein zu sein. Und dann tauche ich da auf und du hast gerade Tjark im Arm. Da habe ich mich nicht gerade geliebt gefühlt, Janis. Wirklich nicht.“

„Es tut mir leid, Eljas, wirklich. das habe ich nicht gewollt.“ Durch Eljas Worte bestärkt, dass dieser gehofft hatte, das er ihn noch liebte, zog Janis ihn an sich und umarmte ihn. „Ich liebe dich, Eljas, das musst du mir glauben. Es tut mir leid, dass ich mich die letzte Woche so selten gemeldet habe. Darf ich es wieder gut machen, dass ich die letzte Woche so unaufmerksam war?“

Eljas war etwas überfahren und ließ sich auf den Sitzbank drücken, griff sich seinen Tee und schloss die Hände darum, so wie er es immer tat. „Sicher darfst du, aber mich würde viel mehr interessieren, warum du keine Zeit gehabt hast. Oder .. ist das … geht mich das nichts an?“ Er wurde unsicher.

„Eljas, natürlich darfst du das wissen. Ich weiß nur leider nicht so genau, wie und wo ich anfangen soll.“ Janis lächelte schief und dass er ziemlich durch den Wind war, sah man daran, das er sich Tee eingoss und gleich einen Schluck nahm. „Iärks“, machte er angewidert, als er den Geschmack in seinem Mund spürte. „Wie kann man das nur trinken?“

„Das geht ganz einfach. Einen Schluck in den Mund laufen lassen, schlucken und genießen. Es ist gar nicht so schwer“, sagte Eljas und lachte, als er das angewiderte Gesicht seines Freunds sah. Aber er machte es ihm vor, damit Janis es lernte. Doch er machte sich da nicht viele Hoffnungen.

„Nee, danke, das muss ich nicht können.“ Bestärkt durch das Lachen, griff sich Janis Eljas im Nacken und küsste ihn. „Allerdings so ist der Geschmack doch erträglich.“ Er lächelte, weil diese kleine Episode seine Anspannung verringert hatte. „Ich habe mich die Woche über so rar gemacht, weil ich Tag und Nacht damit beschäftigt war, dir ein Geschenk zu machen, aber ich habe es nicht geschafft, ich bin nicht fertig geworden.“

„Ein Geschenk? Für mich?“, fragte Eljas irritiert und versuchte das einzuordnen. „Ich brauche kein Geschenk, ich will meinen Freund – nicht mehr und nicht weniger. Aber wenn du dir schon die Mühe gemacht hast“, setzte er an, weil er Janis nicht vor den Kopf stoßen wollte, wenn er sich schon so viel Arbeit gemacht hatte, „Was ist es denn?“ Nun war er doch neugierig.

„Wenn du ihn immer noch willst, dann habe ich nichts dagegen, ich will nämlich auch nichts anderes.“ Janis musste einfach lächeln, weil Eljas das gesagt hatte, was er erhofft hatte. „Am besten hole ich dein Geschenk, auch wenn es noch nicht fertig ist.“ Janis stand auf und holte seine Strickkiste. Er hatte gestern Abend noch ein paar Reihen gestrickt, aber er hatte sich nicht konzentrieren können. „Eigentlich wollte ich dir eine rote Jacke nähen, aber das hat nicht funktioniert, weil das Leinen die Farbe nicht angenommen hat und dann hat Tjark gemeint, ich sollte Wolle färben, das ginge besser, weil er das auch schon mal gemacht hat.“ Janis sprach hastig, weil er nervös war und drückte Eljas die Kiste in die Hand. „Schau selber nach.“

Da saß er nun und hatte die große Strickkiste auf dem Schoß. Weil es unbequem wurde, stellte er sie neben sich ab und öffnete dann den Deckel. Rote Wolle – Eljas sah auf. „Du hast mein Gerede über die roten Jacken von Martti zum Anlass genommen mir auch eine rote Jacke zu machen?“, fragte er ungläubig und machte große Augen, als er zu Janis sah. „Das ist … das ist …“, er wusste gar nicht, was er sagen sollte. „So süß.“

 

Janis wurde doch wirklich rot. „Deine Augen haben so geleuchtet, als du sie gesehen hast und ich hatte gar nicht dran gedacht, dass du vielleicht auch eine möchtest.“ Seine Finger strichen über die weiche Wolle. „Ich habe sie selber gefärbt mit Tjarks und Katris Hilfe. Sie haben auch beim Stricken geholfen, aber da die Wolle erst am Donnerstag trocken war, habe ich sie nicht fertig bekommen.  Es tut mir leid. Darum warst du der einzige, für den ich kein Geschenk hatte.“

„Oh“, machte Eljas und fühlte sich elend. Sein Schatz hatte die ganze Woche für ihn geschuftet und er selbst hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als ihm gestern auch noch Vorwürfe zu machen. „Es tut mir leid, das wusste ich nicht. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich gestern nicht so blöd reagiert. Das hattest du wirklich nicht verdient.“ Er zog seinen Liebling zu sich, um ihn zu küssen.

Janis seufzte zufrieden und rückte näher an Eljas. Er wollte seine Wärme spüren, die er so schmerzlich vermisst hatte. Immer wieder trafen sich ihre Lippen und sie waren beide etwas außer Atem, als sie den Kuss lösten. „Wunderbar“, murmelte Janis noch ein wenig benommen und lächelte. Nur langsam öffnete er seine Augen. „Doch ich habe es verdient. Ich habe dich vernachlässigt. Das macht man nicht mit dem Mann, den man liebt.“

„Aber du hast eine gute Entschuldigung, das wusste ich nur nicht.“ Eljas trank wieder einen Schluck, denn er hatte nicht frühstücken können vor lauter Aufregung. „Aber das passiert, wenn man Heimlichkeiten hat. Gewöhn dir das also lieber nicht an“, sagte Eljas, grinste aber, damit Janis wusste, wie er das meinte. Seine Finger aber umfingen die Wolle der Jacke. Sie war ganz weich und hatte eine tolle Farbe.

„Nein, ganz bestimmt nicht.“ Janis sah in seine Tasse und verzog das Gesicht. „Ich brauche einen Kaffee? Du auch?“ Er stand auf, beugte sich aber noch einmal vor, um Eljas zu küssen. „Ich werde die Jacke für dich fertig machen und dann werde ich sie dir schenken.“

„Aber lass dir Zeit und nutz die, die du hast, für mich“, sagte Eljas und machte damit klar, dass er zwar gern etwas geschenkt bekam, es aber noch lieber hatte, wenn Janis bei ihm war. Das hatte er wirklich vermisst. Nur sie beide und ein ganzer Tag voll Müßiggang. Sagte man nicht Müßiggang sei aller Laster Anfang? Und es gab da ein Laster, mit dem er gern anfangen würde.

„Das werde ich, Schatz.“ Janis machte den Kaffee und brachte auch gleich noch etwas Brot und Belag mit. Das Brot hatte Marja gebacken, Sie hatte ihm etwas von der Feier mitgegeben. „Greif zu, du hast doch bestimmt auch noch nichts gegessen, genauso wie ich.“

„Ja, ich habe heute Morgen nichts runter bekommen und gestern Abend hatte ich keinen Hunger mehr. Ich bin einfach ins Bett gefallen und eingeschlafen. Ich hatte noch nicht einmal mehr Gelegenheit über dich und das Geschehene nachzudenken.“ Eljas hatte die Jacke vorsichtig aus der Kiste genommen, damit er keine Maschen von den Nadeln fallen ließ und bewunderte immer noch die gleichmäßigen Maschen und die tolle Farbe. Er hatte schon einen verrückten Freund. Eljas grinste.

„Die Farbe ist toll, nicht?“ Janis klang ein wenig stolz. „Es gibt eine Pflanze, die in den Weidekuppeln wächst. Eigentlich ein Unkraut, das ich noch nicht einmal kannte. Mit einem Sud aus den Wurzeln wurde die Wolle gefärbt. Tjark hat das schon vor einiger Zeit raus gefunden.“

„Deswegen warst du also so mit Tjark beschäftigt und hast dich gestern so überschwänglich bei ihm bedankt. Verstehe“, folgerte Eljas und tat die Jacke wieder zurück in die Kiste, nicht dass er noch etwas daran schmierte, wenn er sich etwas zu essen machte. Dankend nahm er den Kaffee entgegen und trank. Er war heiß und so wie er ihn mochte: mit Milch und Zucker, Janis kannte ihn eben. Er lächelte.

„Ich habe mich wirklich nur bedankt, denn ihr Geschenk war wirklich toll.“ Janis sprang auf, holte das Bild von der Anrichte und brachte es zu Eljas. „Das ist ihr Kater Yrjö. Er ist so ein süßer, kleiner Kerl und Katri hat ihn für mich gemalt.“ Janis musste einfach lächeln, als er an Yrjö dachte. „Magst du Katzen?“

Auch Eljas betrachtete das Bild, es war wirklich schön und er grinste. „Ich weiß es nicht, ich hatte mitTieren noch nie zu tun gehabt und deswegen auch noch nie drüber nachgedacht. Warum fragst du?“, wollte er skeptisch wissen. Plante sein Schatz sich ebenfalls eine Katze zuzulegen? Vor einer Woche war davon noch nicht die Rede gewesen.

„Naja, die letzte Woche war ich viel bei Tjark und da habe ich gemerkt, dass ich Katzen sehr gerne mag. Ich mag ihre Energie, ihre Sanftheit und auch das Raubtier in ihnen. Es ist schön, wenn sie bei einem sind und schnurren.“ Janis kam richtig ins schwärmen und seine Augen leuchteten. „Ich habe darüber nachgedacht mir eine Katze anzuschaffen, aber nur, wenn du auch damit einverstanden bist, denn ich hoffe, dass du in Zukunft viel Zeit hier bei mir verbringen wirst.“

Jetzt war Eljas doch etwas irritiert, er legte seine Scheibe Brot wieder auf den Teller und sah Janis offen an. „Du willst das wirklich von mir abhängig machen?“, sagte er brüchig und man spürte, dass er ergriffen war. Janis hatte vor ihm sehr viel Platz in seinem Leben einzuräumen und er schämte sich noch mehr dass er auch nur eine Sekunde geglaubt hatte, sein Freund hätte sich einen anderen gesucht.

„Natürlich.“ Janis sah Eljas an uns legte den Kopf schief, weil sein Freund ziemlich durcheinander aussah. „Ich liebe dich. Wir sind ein Paar und entscheiden zusammen über solche Dinge. Eine Katze zu haben, wenn du das nicht möchtest, ist einfach nicht richtig.“

„Ich habe nichts dagegen, wenn du dir ein Tier zulegst. Ich glaube, ich kann mich damit arrangieren.“ Eljas wollte seinem Freund auch nicht im Wege stehen, denn er hatte an den leuchtenden Augen gesehen, wie sehr sich Janis eine Katze wünschte. „Du möchtest also, dass ich mehr Zeit hier verbringe?“

„Ja, sehr viel Zeit.“ Janis musste Eljas einfach küssen, weil er so ein wundervoller Mann war. „Oder ich bei dir. Ich möchte nur einfach so viel Zeit wie möglich mit dir verbringen. Da ist es mir egal wo. Allerdings wenn wir uns für eine kleine Samtpfote entscheiden, ist sie dann immer mit von der Partie.“

„Ich merke schon“, lachte Eljas leise, ich werde dein Herz in bälde teilen müssen. Ich weiß nicht, ob ich das einfach so kann, aber ich werde es wohl müssen.“ Theatralisch senkte er den Blick und seufzte schwer, ehe er grinsend wieder aufblickte. Janis sollte kein schlechtes Gewissen bekommen, er sollte wissen, dass das nur ein Scherz war.

„Du wirst immer den ersten Platz in meinem Herzen einnehmen.“ Janis wuschelte Eljas durch die Haare und lachte glücklich. Gestern noch hatte er befürchtet, dass Eljas nicht mehr mit ihm zusammen sein wollte und jetzt planten sie ihre gemeinsame Zukunft. „Lass uns morgen vielleicht zu Ragnar gehen. Er hat junge Kätzchen. Vielleicht ist ja was für uns dabei.“

„Ja, warum nicht. Brauchen wir dann irgendwas Spezielles? Kenn mich damit nicht aus, brauchen Katzen was Besonderes, außer Futter?“ Er kannte sich damit nicht aus, aber das würde wohl noch kommen und eigentlich wollte er darüber auch gar nicht mehr nachdenken. Er hatte immer noch vor, die Zeit, die sie hatten, sinnvoll und vor allen Dingen lustvoll zu nutzen, weswegen er wissen wollte: „Haben wir heute noch was vor, oder …“

Janis zog Eljas in die Arme und küsste ihn glücklich. Dabei schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen, als er an etwas dachte, dass Sisko ihm erzählt hatte. Die Leute früher glaubten fest daran, dass in der Weihnachtszeit Wunder geschahen. „Du bist mein ganz persönliches Weihnachtswunder“, nuschelte er leise und lachte ausgelassen, als Eljas sich von ihm löste und fragend ansah. Er würde seinem Liebling später erklären, was er gemeint hatte und auch, dass sie nachher noch Besuch bekamen. Bis dahin hatten sie noch Zeit und er wollte das Zusammensein mit Eljas genießen. „Gleich, mein Schatz“, sagte er weich und verband ihre Lippen wieder zu einem Kuss. Denn Weihnachten war das Fest der Liebe und das war das, was ihn mit Eljas verband. Heute und auch noch viele viele Jahre, wenn es nach ihm ging.

 

 

ENDE

 

 

Danke für Lesen ... genießt die Feiertage