Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > ... und dann kam Fritzi > ... und dann kam Fritzi - Teil 13-15

... und dann kam Fritzi - Teil 13-15

13 

„Drüben habe ich nur ein Körbchen in dem sie schläft. Wir müssen noch eine Transportkiste suchen, damit sie nachts nicht an dich ran kommt.“ Er verschwieg lieber, dass die kleine Maus sonst eigentlich bei ihm schlief. Es würde eine Umstellung für sie werden, doch das musste sein. Entweder kam sie mit Chris aus oder es mussten Maßnahmen getroffen werden. Denn Niko war sein Schatz am liebsten, wenn er makellos war.

„Na dann los, lass uns eine passende Transportkiste suchen, damit sich die Kleine schon mal daran gewöhnen kann.“ Chris half Niko hoch und legte gleich wieder den Arm um ihn. Er wollte nicht riskieren, dass sein Schatz vielleicht der Kreislauf weg sackte Schließlich hatte er einiges an Blut verloren und Chris wollte vorbereitet sein.

Amy war ihnen zuvor gekommen. Sie stellte gerade eine Box vor Chris‘ Gästehaus und grinste. Sie wollte nicht in der Nähe sein, wenn Fritzi Kistentraining machte. „Viel Spaß“, wünschte sie noch süßlich grinsend und Niko ahnte, was sie dachte. Niko sah auf die Kiste und auf das Kätzchen auf seinem Arm. Wie sollte er das mit nur einer nutzbaren Hand anstellen? Denn Chris hatte ihm geraten, den Arm in eine Schlinge zu legen und ihn die nächsten Stunden zu schonen.

Chris nahm die Kiste hoch und folgte Niko in den Bungalow. „Meinst du, es hilft, wenn wir ihr die vertrauten Sachen aus ihrem Körbchen in die Box legen?“, fragte er und sah sich schon um. Das Körbchen hatte er schnell gefunden, darum legte er die Decke und das Stofftierchen daraus in die Box und stellte sie so präpariert auf dem Bett ab.

„Ich würde sie erst rein setzen, wenn wir losfahren“, sagte Niko. Wenn sie jetzt da noch stundenlang drinnen hocken musste, dann fühlte sie sich bestimmt furchtbar. „Ich stelle die Box und das Körbchen da rüber und wir lassen die Decke nicht vom Bett hängen. Allein kann sie nicht rauf springen und wenn deine Füße nicht raushängen, kann nichts passieren“, versuchte Niko um die Freiheit seiner kleinen Katze zu feilschen und grinste schief, als ihm das auffiel und Chris ihn ebenfalls durchschaut hatte.

„Okay, du bist der Katzenflüsterer“, lachte Chris darum auch und machte es sich auf dem Bett bequem, nachdem er die Box und das Körbchen neben dem Bett abgestellt hatte. „Du kannst das Raubtier jetzt loslassen“, gab er das Startsignal und Niko nickte. Doch anstatt Fritzi gleich abzusetzen, erklärte er kurz, was passiert war und ließ sie erst dann runter. Bewusst sah er sich nicht um, was sie tat, als er sich ebenfalls zu Chris aufs Bett sinken ließ und schnell die Füße hoch zog, damit sie ihn nicht austrickste. „Und jetzt lenk mich ab, Schatz, ich quäle gerade mein Haustierchen.“

„Gerne, Baby.“ Chris zog Niko in seine Arme und lächelte verliebt. „Endlich hab ich dich wieder. Alles, was ich dir die letzte Woche am Telefon versprochen habe, können wir zwar nicht machen, aber ich werde nachher in unserem Zimmer bestimmt etwas finden, was dir und mir Freude bereiten wird“, raunte er dunkel und fing Nikos Lippen zu einem Kuss ein. „Bis dahin werde ich dich küssen und dir zeigen, dass ich dich sehr vermisst habe.“

„Das klingt nach einem guten Plan“, lächelte Niko zufrieden und ließ sich von Chris hingebungsvoll küssen und streicheln. Er hatte ihn so vermisst, dass er alles nahm, was er bekommen konnte. Er versuchte, Fritzi aus seinem Kopf zu bekommen, und nach ein paar Minuten war das gar nicht mehr schwer. Denn das Rauschen des eigenen Blutes in den Ohren sperrte alles um ihn herum aus.

Er sah einfach herrlich aus, wie er da so mit vor Genuss geschlossenen Augen und vom Küssen geschwollenen Lippen neben ihm lag, fand Chris und musste ihn gleich noch einmal küssen. „Ich liebe dich“, flüsterte er leise, weil er die Stimmung nicht zerstören wollte. Sein Schatz lockte ihn unwahrscheinlich, aber er wollte nichts anfangen, was sie vielleicht nicht zu Ende bringen konnten, weil Aaron sie abholen kam.

„Ich dich auch und ich habe dich vermisst, Babe.“ Niko lächelte zufrieden und streckte sich entspannter auf seinem Bett aus. „Wie sieht morgen eigentlich dein Zeitplan aus?“, wollte Niko wissen. Außerdem musste er sich wenigstens noch eine kleine Tasche mit dem nötigsten zusammen packen, wenn er bei Chris übernachten wollte, und dass er das wollte, stand außer Frage.

„Vormittags wollte ich Paps mit den Patienten helfen, die vorbeikommen und mich so langsam wieder in die Arbeit hinein finden. Dich werde ich bei Gitte abliefern, die wird dich betüddeln und darauf achten, dass du dich ausruhst, so wie es dein Arzt verordnet hat.“ Chris grinste und küsste Niko auf die Nasenspitze. „Weiter hatten wir noch nicht geplant, weil es immer unterschiedlich ist, wie viele Patienten kommen.“

„Ich werde mich ganz bestimmt nicht betüddeln lassen. Das kannst du vergessen“, sagte Niko entschlossen, denn er war einfach nicht so gestrickt, irgendwo zu liegen und sich dann verwöhnen zu lassen. „Ich werde mich vielleicht etwas in der Umgebung umsehen. Deswegen muss ich auch schnell noch ein paar Sachen zusammen packen.“

„Ist schon okay, Schatz, aber übertreib es nicht. Ich habe das nicht nur einfach so gesagt, dass du dich schonen sollst.“ Chris konnte Niko verstehen, denn lange untätig herum sitzen war auch nicht sein Ding. „Ich würde dir ja gerne dabei helfen, die Sachen zusammen zu packen, aber dann hab ich deine Monsterkatze am Bein hängen und die Kurze hat echt spitze Krallen und Zähnchen."

Niko hob eine Braue und Grinste. „Die kleine Maus“, sagte er und beugte sich etwas zur Seite, um nach Fritzi zu sehen. Sie lag auf dem Bettvorleger und sah wieder zum bemitleiden aus. Es zuckte in ihm aufzuspringen und sie an sich zu nehmen, doch er beherrschte sich, denn die junge Karakal-Dame musste das auch lernen. Er konnte nicht immer springen, wenn sie das wollte. „Bleib auf dem Bett, da sehe ich dich sowieso am liebsten“, grinste er und rutschte zum Rand des Bettes.

„Hab ich es doch gewusst, dass ich nur ein reines Sexobjekt für dich bin“, seufzte Chris gespielt und legte sich darum, auch nett anzusehen auf das Bett. „Stell die Tasche hier auf dem Bett ab und bring alles her, was du mitnehmen willst, dann pack ich es ein. Dann kannst du dich um das kleine Monster kümmern.“ Es wurmte ihn ein wenig, dass er Niko mit Fritzi so gar nicht helfen konnte, aber er würde die Einsperraktion wohl noch schlimmer machen.

„Du, Sexobjekt, willst nur prüfen, ob ich auch nur die edelste Reizwäsche einpacke“, lachte Niko und erhob sich, um in seinem Koffer das letzte bisschen an sauberen Kleidern zusammenzusuchen. Kaum hatte er die Füße auf den Boden gesetzt, kam wieder Leben in das kleine Tier und Fritzi tänzelte maunzend um ihn herum, rieb sich an seinem Knöchel und um nicht zu stürzen, musste Niko sie aufheben und beschmusen. Dabei sah er Chris verschämt an – er wusste genau, dass es so nicht besser wurde.

„Die Kurze hat dich so was von bei den Eiern“, giggelte Chris und legte sich wieder hin, damit er besser sehen konnte. Denn es war wirklich lustig anzusehen, dass ein studierter Tierarzt, bei zwei blauen Kulleraugen, weich wie Butter wurde und nur so dahinschmolz. „Du solltest sie aber wieder runter setzen, denn du brauchst deinen Arm, um zu packen.“

„Du bist doch nur neidisch auf sie“, lachte Niko und setzte Fritzi wirklich wieder ab, die nun brav bei Fuß ging und ihrem Herrchen erst zum Koffer folgte und dann zurück zum Bett. Doch dann entdeckte sie ihre Kiste am Boden und das komische Ding daneben, in dem ihr Zeug lag.

Das missfiel ihr, weswegen alles einmal eindringlich begutachtet werden musste, um sich anschließend gebührend echauffieren zu können. Sie schnüffelte ausgiebig, sah hinein, zerrte kurz mit der gesunden Pfote an ihrer Decke, bekam sie so aber nicht raus, lief dann einmal drum herum und setzte sich schließlich daneben und meckerte. Das war doch blöd. Ihre Sachen gehörten in das Körbchen und das Körbchen gehörte auf Nikos Bett.

„Süße, meckre nicht. Ich werde verreisen und wenn du mich begleiten möchtest, dann musst du dich leider an das neue zu Hause gewöhnen. Sonst bleibst du hier“, versuchte Niko entschlossen zu klingen und nicht bittend und fragend. Und dass Chris auf dem Bett sich in Pose warf und wissend grinste, machte es nicht besser. „Wenn du noch eine Weile mein Sexobjekt sein willst, hör auf mich zu demoralisieren.“

„Ich? Ich mach doch gar nichts.“ Chris versuchte sich auch an großen Kulleraugen, nur schien das nicht zu funktionieren, denn Niko nahm seine Worte nicht zurück, sondern guckte streng. Lag bestimmt daran, dass seine Augen grün und nicht blau waren. „Du machst das toll“, beeilte er sich darum schnell zu versichern, denn eigentlich hatte er vor, noch ziemlich lange Lustobjekt zu sein. Und das durchschaute auch Niko ziemlich schnell und grinste dreckig.

„Lustmolch. Pack lieber das Zeug in die Tasche und lass den Fachmann das kleine Terrortier bändigen“, behauptete Niko, aber eigentlich nur um sich selber Mut zu machen und Fritzi davon zu überzeugen, dass er die Hose an hatte und alle kleinen Katzen zu machen hatten, was er sagte. „Und jetzt zu uns beiden Hübschen, Süße.“

Chris beeilte sich die Tasche zu packen. Da es nicht sehr viel war, was Niko mitnehmen wollte, hatte er Zeit, seinen Schatz bei der Katzenerziehung zu beobachten. Und da bekam er einiges zu sehen. Eine niedlich guckende Fritzi, einen Niko, der sich auf die Lippen biss und versuchte streng zu sein, was aber nur bedingt gelang. Ein leises Schnurren, dass seinen Schatz dahinschmelzen ließ, so dass Fritzi ausgiebig beschmust wurde. Erst ein dezentes Räuspern von der Tür, ließ Niko aufsehen.

„Warum ist das Terrortier noch nicht in der Kiste?“, wurde er streng von Aaron gefragt.

„Sie war schon mal gucken!“, versicherte Niko und sah zu Chris, um ihm stumm klar zu machen, dass er jetzt nichts Falsches sagen sollte. „Ich kann sie ja nicht einfach da rein stopfen“, nuschelte er leise und sah wieder auf Fritzi, die ihm laut schnurrend um die Beine strich.

„Maus, jetzt blamier mich nicht. Husch in die Kiste. Zeig mal Aaron, was du für eine schlaue Fritzi bist, los.“ Er versuchte sie dezent mit einer Hand in die richtige Richtung zu schieben.

Nur wollte Fritzi gerade nicht schlau sein, denn sie ließ sich zwar kurz schieben, aber dann drehte sie einfach ab und lief zu Niko zurück. So einfach würde das also nicht werden. „Also, wenn ich da mal meine laienhafte Meinung zum Ausdruck bringen dürfte“, meldete sich Chris zu Wort. „Versuche es doch mal sie hochzuheben und so in der Kiste abzusetzen. Bevor sie begriffen hat, was los ist, ist die Tür zu.“

Niko wandte sich um und sah seinen Schatz an. „Genau das wollte ich vermeiden, dass sie mich mit dem Einsperren in Verbindung bringt“, murmelte er, weil er diese Idee ganz am Anfang gehabt hatte, aber ahnte, wie nachtragend seine kleine Motte sein würde.

Doch da war Aaron schneller. Er griff die scharwenzelnde Fritzi, setzte sie in die Kiste, machte die Tür zu und schob ein Tuch vor das Gitter. „Mir ist es egal, ob sie mich mag“, erklärte er trocken und sah wieder auf. „Wir können, wenn ihr so weit seid.“

„Super gemacht“, lachte Chris und sprang vom Bett. Weil Niko aber schon zur Kiste laufen wollte, um nachzusehen, wie es Fritzi ging, griff er sich seinen Schatz und küsste ihn. Dabei gab er Aaron unauffällig Zeichen, dass er sich die Kiste greifen und gehen sollte. „Alles zusammen gesucht, was du brauchst?“, fragte er in den Kuss. Er wollte Aaron einen Vorsprung sichern.

„Verräter“, nuschelte Niko halbherzig, der wohl merkte, was Chris da getan hatte. Doch er ließ sich noch einmal küssen. „Zahnbürste und so was muss ich noch greifen und mein Handy. Dann sollte ich soweit sein.“ Er suchte sich noch ein großes Tuch, was er als Trageschlinge für seinen Arm nehmen konnte, um ihn wirklich ruhig zu halten. Die Betäubung ließ nach, er bekam wieder Gefühl und der Schmerz setzte ein.

„Lass mich das machen, Schatz.“ Chris bastelte Niko eine Schlinge, die für ihn bequem war. Sie war eh nur für die Fahrt. „Nachher in der Klinik gebe ich dir eine richtige Schlinge, die verrutscht dann auch nicht mehr.“ Und weil Niko noch immer etwas bedrückt wirkte, bekam er noch einen Kuss. „Komm, Aaron wartet.“

„Und Fritzi wird mich hassen. Sie wird wissen, dass ich an ihrer Inhaftierung beteiligt war und mich mit Missachtung strafen. Ich weiß nicht, ob ich das überstehen werde, wenn meine kleine Motte mich hasst“, nuschelte er vor sich hin, als er abschloss und sich dann von seinem Liebling zum Wagen schieben ließ. Aaron hatte den Käfig im Fußraum des Beifahrers untergebracht und delegierte die beiden Passagiere auf die hintere Sitzbank.

„Sie wird dich nicht hassen. Sie weiß, dass du sie liebst und wenn sie wieder frei ist und du sie hochnimmst und beschmust, dann ist wieder alles okay.“ Chris schnallte Niko an und gab Aaron ein Zeichen, dass er losfahren konnte. „Und wenn sie auf dich sauer ist, dann versuche ich sie anzufassen, dann weiß sie ganz schnell wieder wer Freund und wer Feind ist.“

„Du bist so ein lieber Schatz.“ Niko wusste selber, wie albern er sich gerade aufführte. Aber Fritzi war das erste Haustier, was er jemals gehabt hatte. Er musste sich um sie kümmern und dafür sorgen, dass es ihr gut ging und in der Kiste zu hocken, tat ihr bestimmt nicht gut. Er redete sich damit vor sich selbst heraus, dass es sein musste, denn im Auto und mit seinem kaputten Arm konnte er sie nicht halten und bändigen, sollte sie doch den Wagen unsicher machen wollen. Und wenn sie erst einmal unter die Pedale geraten würde, war kaum abzusehen, welche Gefahr das in sich barg.

„Ach, Schatz“, Chris zog Niko an sich und küsste ihn auf die Schläfe. „Fritzi geht es gut. In der Natur ist sie doch auch von ihrer Mutter getrennt, wenn die jagen gehen muss. Da liegt sie dann auch alleine in einer Höhle, nehme ich mal an. Das ist also ganz was Natürliches.“

„Hey, ich bin hier der Veterinär“, grummelte Niko gutmütig und grinste schief. Jetzt war es also schon so weit, dass ihm ein Unfallchirurg die Verhaltensweisen von Kleinkatzen erklären musste. Das kratzte an seinem Ego, denn seine enge Bindung zu Fritzi machte ihn blind.

„Nein, im Moment bist du ein besorgter Erst-Katzen-Besitzer“, sagte Aaron und hatte sichtlich Spaß daran. Dass sah man deutlich im Rückspiegel.

„Genau, ein toller, besorgter Erst-Katzen-Besitzer.“ Chris strubbelte seinem Schatz durch die Haare und lachte. „Das kleine Vieh, hat uns alle echt gut im Griff. Wie macht die das bloß? Es kann doch nicht nur an dem niedlichen Aussehen und den tollen, blauen Augen liegen?“

„Also für mich ist das Argument genug“, fand Niko, der immer mal zwischen den Vordersitzen hindurch spitzte, um einen Blick auf den Käfig zu erlangen. Doch Aaron hatte das Tuch darüber gelassen, damit Fritzi sich nicht aufregte. Allerdings hörte man sie leise meckern und Niko konnte es nicht ganz ignorieren. Aber zum Glück war es nicht mehr weit, sie passierten gerade das Tor, das Chris schnell öffnete und hinter dem Wagen wieder schloss, ehe er wieder in den Wagen stieg und sie weiter fuhren.


14 

Man hatte sie wohl schon angekündigt, denn Gitte und Walter standen vor der Eingangstür ihres Hauses und winkten ihnen entgegen. „Chris, da bist du ja endlich“, rief die ältere Frau und lief gleich zum Wagen, als er anhielt. Sie wartete ungeduldig bis Chris ausstieg und schmiss sich dann in die Arme ihres Jüngsten und drückte ihn fest an sich. „Endlich bist du wieder da.“ Chris konnte sich kaum befreien und er wollte es auch nicht. Schließlich plagte ihn schon ein wenig das Gewissen, weil er vorhin nur kurz über dem Haus gekreist war und gleich weiter hatte durchstarten müssen zu einem Notfall.

Na eben – der Notfall.

Unauffällig blickte Chris sich um, immer noch von seiner Mutter gehalten. Aber Niko kniete gerade auf dem Beifahrersitz und redete auf Fritzi ein. Er hatte das Tuch abgenommen und die Finger durch das Gitter gestreckt.

„Guck mal, wen ich dir mitgebracht habe“, lachte er. „Eine Mama mit ihrem Kind.“ Er zeigte auf Niko und Gitte kicherte leise.

„Du bist echt unmöglich, Schatz“, lachte sie und versetzte Chris einen spielerischen Schlag vor die Brust. „Hallo Niko, schön, dass du mitgekommen bist.“

„Die Umstände hätten besser sein können, aber schön, dass ich mit her kommen durfte“, erklärte Niko, der sich wieder aus dem Wagen gequält hatte. Er merkte immer mehr, wie beschwerlich es war, nur einen Arm nutzen zu können. Er musste sich Fritzis Käfig von Aaron aus dem Wagen geben lassen, während er sich gleich Fritzi heraus nahm und sie an sich drückte. Dabei sah er Chris warnend an, denn er hatte dessen Spruch durchaus mitbekommen.

„Du bist jederzeit hier willkommen. Egal ob mit oder ohne Chris. Komm her, wann immer du möchtest.“ Gitte lächelte Niko an und strich Fritzi über das Köpfchen. Walter bekräftigte die Worte seiner Frau mit einem Nicken.

„Und du junger Mann, sei nicht so frech zu Gästen, sonst muss ich dir den Hosenboden stramm ziehen“, brummte er Chris an, der sich gleich beeilte seinen Schatz milde zu stimmen. Allerdings traute er sich nicht an Niko ran, der ja immer noch Fritzi auf dem Arm hatte.

„Habt vielen Dank“, sagte Niko zu Walter und Gitte und auch zu Aaron, der sie hergebracht hatte, und fasste seinen Schatz ins Auge. „Ja, hab ruhig Angst, wenn du dich schon über uns lustig machst. Sie ist eben meine erste Katze und ich ihr erster Nikolai. Da kann es schon mal passieren, dass man etwas über reagiert“, knurrte er und streichelte weiter Fritzi, die sich nun neugierig umsah und Niko am liebsten ins Shirt gekrochen wäre, als Leonard um die Ecke geschossen kam, um die Gäste ebenfalls zu begrüßen.

„Ja aber, du bist doch auch mein erster Nikolai, da habe ich auch noch nicht so den richtigen Dreh raus“, versuchte Chris noch was zu retten und um nicht ganz so unsensibel dazustehen. Er lockte Leonard zu sich, damit der sich nicht gleich auf Niko und Fritzi stürzte, vor lauter Freude, dass jemand zu Besuch kam und knuddelte den großen Hund kräftig durch. Er fuhr ihm durch das Fell und die vor Wonne wild um sich schlagende Rute des Hundes ließ eine Staubwolke nach der anderen auffliegen, wenn sie auf den Boden klopfte.

„Ihr müsst keine Angst vor ihm haben. Leonard ist an kleine kranke Katzen gewöhnt und er betreut sie liebevoll“, sagte Gitte, die deutlich sah, wie verschreckt Fritzi war und wie aufgebracht der kleine Schwanz wedelte. „Ich habe ab und an kleine Pfleglinge von Amy hier, alle haben Leonard überlebt.“ Niko nickte und blickte auf den großen Hund. Ihn als kleine Katze würde das Tier wohl auch nervös machen.

„Magst du mal an ihm schnuppern?“, fragte er Fritzi, die von der Idee überhaupt nicht überzeugt schien. Das Vieh war riesig! Das konnte sie fressen. Am besten bot man da keine Gelegenheit. Ohne dass Niko es verhindern konnte, verschwand sie mit ihren drei gesunden Pfoten blitzschnell in Nikos Shirt.

„Wohl eher nicht“, lachte Chris. „Das wird sich schon noch einpendeln, wenn sie sich öfter sehen. Wir hatten es schon mehr als einmal, dass die kleinen Katzen mit Leonard zusammen in seinem Körbchen lagen und sich von ihm haben abschlecken lassen, nachdem sie festgestellt hatten, dass er ein ganz Lieber ist.“ Gitte war davon überzeugt, dass sich Fritzi und Leonard anfreunden würden, wenn sie sich erst einmal besser kannten. „Aber halte ihn besser erst einmal fest, nicht dass Niko von seinem kleinen Liebling ganz zerkratzt wird, weil sie Panik bekommt.“

„Zu spät“, murmelte Niko, der sich mit nur einem gesunden Arm nicht richtig wehren konnte, denn Fritzi fand unter dem Shirt keinen richtigen Halt. So versuchte er sie von außen zu stützen, hatte aber schon ein paar blutige Striemen auf Brust und Bauch. Er grinste schief.

„Lasst uns erst mal rein gehen. Die Patienten brauchen etwas Ruhe und, Niko, ich würde deinen Arm gern noch röntgen, um sicher zu sein, dass nichts gebrochen ist.“ Walter kam zu den beiden und geleitete sie ins Haus.

„Mum, dann musst du Fritzi nehmen. Ich bring Leonard weg und helfe dann Niko, das Shirt auszuziehen. Ich kann ihn dann auch gleich röntgen und die Kratzer versorgen.“ Chris öffnete die Küchentür und ließ den Hund hineinlaufen.

„Sag mal, Schatz, wann hattest du eigentlich deine letzte Tetanusimpfung?“

„Vor zwei Jahren. Dadurch, dass ich so viel mit Tieren zu tun hab, ist mein Impfpass immer auf Stand“, sagte Niko und versuchte durch das Shirt hinweg Fritzi zu beruhigen, die mittlerweile oben aus dem Kragen guckte und das ziemlich klasse zu finden schien, so wie sie guckte. „Gewöhn dich da gar nicht erst dran, kleine Motte. Katzen gehören auf den Boden, nicht in T-Shirts“, stellte er klar, während er von Gitte und Chris belagert wurde. Während Gitte das Kätzchen aus dem Stoff befreite, versuchte Chris mit seinem Liebling dasselbe.

So wurde das aber nichts, weil es Niko offensichtlich Schmerzen bereitete, darum wartete Chris bis Fritzi sicher auf Gittes Arm saß und zog seinem Schatz erst dann das Shirt aus. „Ach du Schande“, murmelte er leise, als er die vielen blutenden Striemen sah, die Fritzi in ihrer Panik gerissen hatte. „Da kümmre ich mich gleich drum. Erst einmal röntgen.“

„Ja, Maus, guck dir an, was du angerichtet hast. Das war nicht nötig gewesen. Der Hund wird dich schon nicht fressen“, erklärte er Fritzi, die ihn nicht aus den Augen ließ und ihn aus strahlend blauen Kulleraugen unschuldig anguckte. „Guck nicht so, guck schuldbewusster“, knurrte er leise, musste aber grinsen. Ein letzter Blick auf seinen Bauch, dann folgte er Chris in das Zimmer, wo der mobile Röntgenapparat aufgestellt war.

Er musste schon grinsen, als er nicht gleich auf den Röntgentisch gelegt wurde, sondern vorsichtig von Chris in einen Kuss gezogen wurde. Er hatte ja insgeheim darauf gehofft, dass er ein wenig Trost von seinem Freund für die erlittenen Schmerzen bekam.

„Wolltest du ihn nicht röntgen“, holte Walter sie wieder in die Realität zurück und Chris und Niko mussten sich schon viel eher wieder trennen, als ihnen lieb war.

„Mach ja schon“, rief Chris zurück und küsste nur aus Trotz Niko noch einmal, bevor er ihm half sich richtig hinzulegen.

„Walter, jeder Arzt hat da seine eigenen Methoden und ich halte Chris‘ Methode für ziemlich effektiv. Vor allem was die Bewältigung von Ängsten vor Röntgenapparaten angeht. Ich habe plötzlich gar keine Angst mehr“, versicherte Niko grinsend, ehe die beiden Ärzte ihre Bleischürzen anlegten und Niko richtig positionierten, um einen Schnappschuss von seinem Inneren zu machen. „Aber ich glaube, ich bekomme wieder Angst“, murmelte er leise, kicherte aber, denn das meinte er nicht ernst.

„Bin schon da, mein Liebling“, lachte Chris und küsste Niko noch einmal kurz, bevor sie die Aufnahme machten. Walter zog die Schürze aus und nahm die Platte an sich. „Ich geh sie mal entwickeln. Mach du noch eine aus einem anderen Winkel, das dürfte dann reichen.“ Sprach‘s und ließ die beiden jungen Männer allein. „Jawohl, Chef.“ Und diesmal wurde die Aufnahme nicht wieder durch kleine Schmuseeinheiten hinausgezögert, denn die jetzige Position, die sie brauchten war für Niko nicht so angenehm. Er half Niko wieder hoch, als alles erledigt war, und erst dann bekam sein Freund seinen Belohnungskuss, während sich Walter fast lautlos die Platte holte, um sie zu entwickeln.

„Ich hasse es, krank zu sein“, murmelte Niko, als er endlich wieder sitzen konnte und sah auf den Verband an seinem Arm. Er war immer wieder versucht ihn zu nutzen und spürte dann den Schmerz. Es war vielleicht besser ihn wirklich wieder ruhig zu stellen mit einer festen Schlinge. „Küss mich noch mal, so lange wir alleine sind. Ich musste eine ganze Woche auf dich verzichten und jetzt kommen wir auch nicht zu dem, wovon ich seit einer Woche feucht geträumt habe, weil ich wieder meine Pfoten in Dinge stecken musste, wo sie nicht hin gehören.“

Chris erfüllte ihm gern den Wunsch und küsste Niko ausgiebig und vor allen Dingen mit dem Versprechen auf noch viel mehr später. „Keine Sorge, Liebling, ich werde dich für die eine Woche, die wir uns nicht gesehen haben, voll und ganz entschädigen, wenn wir erst einmal alleine sind. Nichts und niemand wird mich davon abhalten, dich zu lieben und dir zu zeigen, wie sehr ich dich vermisst habe. Lass mich nur machen, du wirst es nicht bereuen.“

„Du machst große Versprechen, mein Lieber“, grinste Niko und löste sich wieder, als die Tür zum Behandlungszimmer erneut aufging. „Ich hab die Bilder entwickelt. Kommt mal rüber an die Lichtwand“, sagte Walter und ließ sich von den beiden innig umschlungenen Männern nicht aus der Fassung bringen. Er war ein Arzt mit einem Patienten und erst in zweiter Linie liebender Vater und Schwiegervater in spe.

„Ja, klar.“ Chris zog sich die Bleischürze aus und ging mit Niko zusammen zu der Lichtwand. Er sah sich die Bilder an und nickte. „Das sieht doch gut aus. Der Knochen hat nichts abbekommen. Da hast du noch einmal Glück im Unglück gehabt. Bald kannst du dich wieder um deine kleinen Lieblinge kümmern.“ Er war über das Ergebnis ziemlich erleichtert, denn ein verletzter Knochen war das letzte, was Niko jetzt gebrauchen konnte. Schließlich hatte er hier eine Aufgabe übernommen, die viel von ihm verlangte. Amy und Aaron und ihre Mitarbeiter zählten auf ihn und waren auch mit seiner Arbeit und seiner Art sehr zufrieden. Und Niko war ein Arbeitstier, er konnte nicht lange still sitzen.

„Wunderbar“ auch Walter war zufrieden und schaltete die Lichtwand wieder aus. „Ich mach den Grill fertig und ihr könnt ja mal drüben einziehen. Gitte kümmert sich um Fritzi.“

„Perfekt“, Christ strahlte und sah seinen Vater dankbar an. „Ich kümmere mich nur noch schnell um die Kratzer und verpasse Niko eine feste Schlinge für seinen Arm.“ Das war schnell erledigt und so hatten sie nachher noch Zeit für ein paar ungestörte Minuten in ihrem Bungalow, welche Chris auch ausgiebig zu nutzen gedachte.

„Ich muss dann auch mal nach Fritzi gucken“, sagte Niko und ließ Chris schon wieder schmunzeln. „Ja, ich glaube ja auch, dass Gitte eine gute Katzenmama ist, aber Fritzi ist mein Kind“, erklärte er in Anlehnung an Chris‘ Spruch von vorhin. „Also muss ich da auch ein Auge drauf haben und sehen, dass sie nicht euren Hund erlegt.“ Dann lachte er und ließ sich die Kratzer desinfizieren und verkleben, ehe er sein Shirt wieder überstreifte.

„Den braucht sie nur genauso aus unschuldigen blauen Augen anzusehen, wie sie das bei dir macht und sie hat Leonard erlegt. Er wird ihr ergebener Sklave sein und sie in sein liebendes Hundeherz schließen und mit seinem Leben verteidigen, wenn es sein muss.“ Chris war sich da ziemlich sicher, denn bisher war der Rodesian Ridgeback schon für fast alle Kätzchen der Ersatzpapa gewesen. „Aber gucke ruhig nach ihr, damit ich dich gleich verschleppen kann, ohne dass du dir Sorgen um sie machst.“

„Lustmolch“, lachte Niko, machte aber mit einem Blick klar, dass er auch gar nichts anderes erwartet hatte. Er ließ sich noch die Schlinge anpassen, ehe er entlassen wurde und Chris ihm als erstes einmal das Haus zeigte, damit Niko sich auskannte. Die Praxis war zwar mit dem Wohnhaus unter einem großen Dach, aber sie hatte einen separaten Eingang. Durch ein kleines Hinterzimmer kam man aber direkt ins Haus und in die große Eingangshalle.

„So, jetzt weißt du, wo ich die letzten Jahre meine Semesterferien verbracht habe.“ Sie hatten die Führung beendet und waren auf dem Weg in die Küche, wo Chris Gitte mit Fritzi vermutete. Der große Raum war ähnlich eingerichtet, wie die Küche auf der Station. Es gab auch eine große Feuerstelle, auf der man kochen konnte, falls einmal der Strom ausfiel und selbst gebaute Küchenschränke, die sehr rustikal waren und schon gut sichtbar mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hatten, aber dadurch auch den Raum gemütlich machten.

„Alles in Ordnung bei euch?“, wollte Gitte wissen, als sie plötzlich hinter der Kochinsel auftauchte, wo sie gerade Fritzi auf den Boden gesetzt hatte. Sie hatte einen Schluck Wasser bekommen, nun konnte sie auf eigenen Pfoten die Umgebung erkunden. Sie war eine Katze und sie sollte auch alles aus der Katzenperspektive kennen lernen. Doch sie hatte Niko wahrgenommen und kam nun um die Ecke gehuscht.

„Lass sie ruhig am Boden, Niko“, sagte Gitte, noch ehe der junge Mann seinen Liebling wieder an sich nehmen konnte und der Tierarzt nickte. Wenn auch schweren Herzens, denn sie trippelte um ihn herum und saß auf den Hinterpfoten, um ihm gegen die Wade zu stupsen.

Chris sah sich das an und war mächtig stolz auf seinen Schatz, dass er sich nicht runter beugte um seine Katze hochzuheben. „Ich soll euch von Aaron Tschüss sagen, er ist wieder los.“ Gitte hatte sich um Nikos Arbeitskollegen gekümmert und sich von ihm erklären lassen, was Fritzi so täglich an Milch brauchte. Sie hatte das Fläschchen auch schon fertig, das zum Abkühlen in einem Topf voll kaltem Wasser lag.

„Maus, guck mich doch nicht so an. Du bist eine Katze und musst Katzensachen machen und ich bin ein Niko und muss Niko-Sachen machen“, erklärte er und kam sich noch nicht einmal albern dabei vor. Er sah nur auf die kleine Katze mit dem Verband, wie sie da so saß und ihn elendig anguckte. Fritzi war verwirrt, dass Niko plötzlich nicht mehr so funktionierte wie erwartet und man schien sehen zu können, wie es in dem kleinen Kopf arbeitete.

„Sie fährt schwerere Geschütze auf“, murmelte Gitte, als sie sich zurück zog, in eine Ecke kroch und dort jämmerlich zusammensank. Niko wurde ganz blass um die Nase.

„Schatz, ihr geht es gut. Sie will dich nur mit allen Mitteln rum kriegen, nach ihrer Pfeife zu tanzen“, erklärte Chris Niko, aber damit hatte er keinen Erfolg, also griff er sich seinen Liebling und küsste ihn. Dabei bugsierte er ihn langsam aus der Küche und erst als eine Tür zwischen ihnen und Fritzi lag, ließ er wieder etwas von Niko ab. „Weißt du noch, was ich dir vorhin versprochen habe“, raunte er dunkel und knabberte an Nikos Unterlippe.

„Ja, das weiß ich noch und ich bin mir sicher, dass das ziemlich dick aufgetragen war, mein Lieber. Denn ich glaube, um mich jetzt nach dieser Tour in der Küche in Stimmung zu bringen, wirst du dir echt Mühe geben müssen“, flüsterte Niko entschuldigend, doch Chris hatte es drauf ihn abzulenken. Er hatte eine Art ihn zu küssen, ihn zu berühren, ihm die Sinne zu rauben, dass Fritzi in seinem Kopf immer kleiner wurde.

„Das ist genau der Ansporn, den ich brauche, um zu Höchstform aufzulaufen.“ Chris küsste Niko noch einmal verlangend, dann löste er sich von ihm und nahm ihn an die Hand. „Komm, ich werde dir den Ort zeigen, an dem ich dich in die höchsten Höhen der Lust katapultieren werde und du erkennen musst, dass ich nie dick auftrage, sondern nur die reine Wahrheit sage.“

Niko lachte leise und leckte sich über die Lippen. „Du bist ein Spinner, aber ein besonders lieber, ein besonders begehrenswerter, ein besonders schöner und alles in allem ziemlich besonders. Nur aus dem Augenwinkel sah er Leonard, der um die Ecke fegte, doch dann war alles um ihn herum vergessen. Kaum dass Chris die Tür hinter ihnen beiden geschlossen hatte, war Niko eingetaucht.

 

+++

 

„Na, will da jetzt noch jemand behaupten, dass ich dick auftrage?“, jappste Chris etwa eine halbe Stunde später schwer atmend und ließ sich neben seinem Liebling auf die Matratze fallen. Er war vollkommen fertig, denn er hatte alle seine Versprechen wahr gemacht und Niko hoch in den Himmel katapultiert. Aber das war es so was von wert gewesen, sich vollkommen auszupowern und er selber hatte ihr intensives Liebesspiel selber in vollen Zügen genossen.

Niko lachte, auch wenn er nur langsam wieder zu Atem kam. Er strich mit einer Hand über seinen verklebten Bauch. „Ich würde mal sagen, das hier hast du extrem dick aufgetragen“, konnte er sich ein albernes Wortspiel dann doch nicht verkneifen. Er konnte nur hoffen dass man sie durch die geschlossenen Fenster nicht allzu laut drüben auf der Terrasse des Haupthauses gehört hatte. Zwar lagen ein kleiner Garten und viele Bäume dazwischen, doch es gab nur wenige Geräuschquellen, die sie hätten überdecken können.

„Wenn es nach mir geht, noch nicht dick genug.“ Chris drehte sich zu Niko und strich mit ihm zusammen, durch die Spuren, die ihr Liebesspiel auf seinem Freund hinterlassen hatte. „Ich bin zwar mehr tot als lebendig, aber am liebsten würde ich sofort weitermachen, weil ich immer noch extrem geil auf dich bin. Ich will sehen, wie du kommst und vor allen Dingen, will ich, dass du wieder in meinem Mund kommst, wie vorhin.“ Chris küsste sich über Nikos Bauch, bis zu dem Objekt seiner Begierde. „Du hast den schönsten Schwanz, den ich bisher gesehen habe.“

Niko lachte laut und strich seinem Liebling durch die Haare, auch wenn er ihm dabei weiße Spuren über den Haaren verteilte. Duschen mussten sie so oder so, das sollte sich dann auch lohnen. „Man möchte meinen, wir hätten uns sieben Monate nicht gesehen – man darf gar keinem sagen, dass es nur sieben Tage waren“, nuschelte er, musste aber zugeben, dass es ihm ähnlich ging wie Chris auch. Sie waren beide doch nicht mehr zu retten. Aber genau das machte die Zeit mit Chris einmalig.

Niko spitzte die Ohren, als er das Zimmertelefon klingeln hörte. Fragend sah er seinen Schatz an. „Sind das deine Eltern?“, fragte er irritiert und grinste. Sie trauten sich also nicht zu ihnen an die Tür?

„Ich nehme es an. Essen wird bald soweit sein.“ Er reckte sich und hob den Hörer ab. „Alles klar, wir sind gleich da“, sagte er und legte gleich wieder auf. Und weil er schon einmal Nikos Lippen in seiner Nähe hatte, küsste er ihn auch gleich. „Wir müssen mein Lippenbekenntnis wohl etwas verschieben. Die Steaks verbrutzeln sonst und das wäre sehr schade, denn sie sind lecker.“

„Dann lass uns dafür sorgen, dass wir wieder vorzeigbar werden und nicht riechen wie rollige Pumas“, schlug Niko vor, tat aber nichts dergleichen, sondern schlang noch einmal eines seiner Beine über Chris und küsste ihn. Allerdings ging das nicht lange, denn er lag ungünstig auf seinem genähten Arm und so ließ er sich zischend wieder auf den Rücken fallen.

Chris sah ihn besorgt an, aber es schien wohl alles in Ordnung zu sein. „Komm, ich werde dich duschen, denn du musst deinen Verband aus dem Wasser halten.“ Chris zog Niko vom Bett hoch und schob ihn ins Bad. Zwar war das hier bescheidener als in Chris Wohnung, aber trotzdem luxuriöser, als man mitten in der Wüste erwartet hätte. Die Dusche war groß genug für zwei Leute und war aber diesmal in einer Ecke des Zimmers angebracht. Es gab aber auch hier keine begrenzenden Wände und da der Boden schräg zur Duschecke hin ablief, lief man nicht Gefahr das Bad zu fluten, wenn man duschte. Mit der Handdusche war die Schweinerei auf Niko schnell beseitigt und während der schon versuchte, sich mit einer Hand abzutrocknen und gerade siedend heiß bemerkte, dass sein Rucksack wohl noch im Haupthaus war, beseitigte auch Chris schweren Herzens die Spuren ihrer Lust.

„Schatz, ich muss dich mal um Klamotten anpumpen. Meine Tasche ist noch drüben und in die verschwitzten Klamotten mag ich nicht, so sauber wie ich jetzt bin.“

„Guck in der Kommode und im Schrank, da wirst du alles finden, nehme ich an. Wenn Gitte uns hier einquartiert hat, wird sie auch meine Sachen aus meinem Zimmer hierher gebracht haben“, rief Chris aus der Dusche und folgte seinem Schatz kurz darauf in ihr Zimmer. „Such dir was schickes raus, ohne Unterhose bitte. Ich möchte gleich neben dir sitzen und wissen, dass nur eine dünne Lage Stoff über deinem schönen Schwanz liegt.“ Chris wusste, dass er gerade ziemlich sexbesessen klang, aber Niko lockte ihn einfach viel zu sehr. „Wenn du willst, mache ich das auch.“

„Wenn’s nach mir ginge, hättest du gar nichts an. Aber so dicht am Feuer ist mir das einfach zu gefährlich. Schließlich habe ich mit deinem Schwanz noch einiges vor. Pass gut drauf auf“, grinste Niko. Sie waren pervers, definitiv. Aber er mochte das – er war zufrieden so wie es war. Nun, zwei funktionierende Arme wären noch perfekter gewesen doch er war bescheiden und vorerst zufrieden mit dem, was er hatte. Aber vorerst griff er sich eine Leinenhose und ein luftiges Hemd für den Anfang und schob seinem Schatz eine ähnliche Kombination hin.

Sie waren schnell angezogen und Chris half Niko bei der Armschlinge. Chris steuerte auch noch zwei Paar Flip Flops zu ihrem Outfit bei und sie konnten los.

Auf dem Weg konnte er sich nicht zurückhalten einmal über Nikos Hintern zu streichen. „Perfekt“, raunte er ihm ins Ohr und legte ihm eine Hand um die Hüfte.

„Ich tat mein bestes, damit ich neben dir nicht unscheinbar wirke“, lachte Niko und ließ sich gegen seinen Freund sinken, als der Terrasse hinter dem Haus ansteuerte. Dort war Walter der Herr über die Flammen, doch Gitte war nirgendwo zu sehen.

„Wo ist Gitte denn?“, fragte Niko und Walter sah sich zu ihm um.

„Sie versucht immer noch Fritzi, was zu trinken einzuflößen“, sagte er und ahnte, was kam. Und wie erwartet löste sich Niko gleich und ging eiligen Schrittes in die Küche, wo Fritzi immer noch in der Ecke lag, sich zusammengerollt hatte und Gitte mit der Flasche daneben kniete. Doch die kleine Katze regte sich nicht.

Sie hob zwar das Köpfchen, als Niko in die Küche kam, aber sie rührte sich nicht, so dass Niko sie hochnahm. „Sie wollte einfach nicht trinken, und hochheben lassen wollte sie sich auch nicht.“ Gitte hörte sich ein wenig deprimiert an, als sie sah, wie Fritzi auf Nikos Arm hing. „Sie ist es wohl nicht gewohnt, dass du nicht in der Nähe bist.“

„Das kann gut sein“, murmelte Niko. „Sie war eigentlich ständig bei mir, außer ich war draußen bei den großen Außengehegen. Da war sie bei Amy. Aber sonst war sie immer bei mir.“ Und Niko hatte das Gefühl, dass das vielleicht doch kontraproduktiv gewesen sein könnte. Doch er hätte nicht gedacht, dass Fritzi so stur sein würde. Er strich ihr durch das Fell und wie auf Knopfdruck kam Leben in die kleine Katze und sie freute sich, weil Niko wieder da war. So ließ er sich von Gitte die Flasche geben.

 
 

15 

„Geh mit ihr zu den anderen. Ich komm gleich nach und helf dir beim Füttern. Ich will nur eben die Salate aus dem Kühlschrank holen, damit wir essen können.“ Sie sah Niko hinterher und seufzte. Das konnte ja noch was geben, wenn sie weiterhin so auf ihn fixiert war, aber gleichzeitig Chris nicht leiden konnte. Aber das Problem mussten sie später lösen, denn erst einmal brauchte ihre Familie etwas zu essen. Darum holte sie die Salate und ging auf die Terrasse.

Dort saß Niko schon und fütterte Fritzi, während Chris mit seinem Vater am großen Grill stand und sichtete, was alles im Angebot war. Leonard saß neben einer der Bänke und sah immer wieder mal zu der kleinen Katze, blieb ihr aber fern, weil Walter ihm das so gesagt hatte.

„Maus, mach doch nicht solchen Mist“, murmelte Niko, der von Fritzis Fixierung auf seine Person ebenfalls ein bisschen entsetzt war. Daran mussten sie arbeiten, auch zu Fritzis Besten.

Gitte setzte sich zu ihm und putzte ein paar Milchtropfen von dem kleinen Schnäuzchen, damit sie nicht auf Nikos Hose tropften. „Wir sollten sie nach und nach daran gewöhnen, dass du nicht immer da sein kannst. Das werden wir gleich morgen in Angriff nehmen. Du lässt sie immer mal wieder für ein paar Minuten bei mir und holst sie dann wieder ab. Die kleine Maus ist doch schlau, das müsste sie doch schnell lernen.“

„Sie ist viel zu schlau“, murmelte Niko, war aber damit einverstanden, dass Gitte ihm helfen wollte. Sie hatte ein bisschen Zeit und Fritzi schien sie zu mögen. „Ich will ja auch ein bisschen Zeit mit Chris verbringen und das kann ich nur genießen, wenn ich weiß, dass sie nicht leidet. Nur gut, dass ich bis eben nicht gewusst habe, wie elend sie in der Ecke hockt.“ Und das meinte er ganz ehrlich, denn er war sich sicher, dass er Chris‘ Bemühungen nicht so hätte genießen können, wie er sie genossen hatte. Doch dann sah er auf und löste die Flasche aus Fritzis Schnäuzchen, die prompt anfing zu meckern über so viel Unachtsamkeit. Doch dann drückte er beides Gitte in die Hand.

Die sah ihn erst ein wenig perplex an, aber dann grinste sie. „Vorverlegung des Unterrichtes“, schmunzelte sie und hielt Fritzi die Flasche hin. Die war über die Aktion wohl noch so verwirrt, dass sie wieder anfing zu trinken. „Siehst du, ist gar nicht schlimm, wenn Niko dich nicht füttert“, flüsterte sie dem kleinen Tier zu und strich ihm liebevoll über den Rücken. Fritzi trank weiter, fixierte aber immer wieder Niko, der es vorerst vermied, sich zu erheben und wegzugehen.

„Siehst du, Gitte kann das genau so toll. Schmeckt doch auch nicht anders, oder?“, fragte er Fritzi und die schien über alles nachzudenken. Man sah es ihr an den Augen an. Doch dann fing sie an zu ziehen, wie sie es mit Amy machte, wenn das Kätzchen wollte, dass nicht sie sondern Niko sie fütterte. „Lass es, Maus, ich füttere dich heute nicht.“

Sehr einsichtig war Fritzi nicht, aber Gitte gab auch nicht nach, sie behielt Fritzi bei sich und streichelte sie beruhigend. Es war schon mal ein gutes Zeichen, dass sie weiter trank und nicht damit aufhörte. Chris kam zu Niko und legte ihm einen Arm um die Schulter. „Du machst das richtig, Schatz.“ Allerdings fand Fritzi, dass der Typ schon wieder zu dicht war. Sie fauchte also und Niko grinste.

„Reg dich nicht auf, Maus, das gibt nur Magengeschwüre. Futtere lieber, damit du schnell gesund wirst.“ Auch er strich ihr über das Fell und kraulte sie hinter den Ohren. Doch sie meckerte noch eine Weile, bis Gitte ihr wieder die Flasche in das Schnäuzchen steckte, damit sie trank. Schließlich wollten sie auch gleich essen.

„Ich weiß echt nicht, warum die Katzen mich nicht leiden können. Ich habe ihnen nie etwas getan und habe es auch nicht vor. Ich mag sie sogar.“ Chris hatte schon oft darüber nachgedacht, woran es liegen konnte, dass Azrael und jetzt auch Fritzi ihn so sehr ablehnten, war aber bisher zu keinem Ergebnis gekommen.

„Vielleicht ist das einfach deine Aura“, sagte Niko. „Das wird schon noch werden. Ich glaube nicht, dass sie dich nicht leiden können. Vielleicht strahlst du nur etwas aus, was sie völlig kratzbürstig macht. Keine Ahnung.“ Niko nahm dankend das Wasser an, das Chris ihm vom Tisch reichte und trank einen tiefen Schluck. Er merkte, dass er heute entschieden zu wenig getrunken hatte, denn ein merkwürdiges Pulsieren im Kopf machte sich breit.

„Mal sehen, ich hoffe, dass hat sich gegeben, bis Fritzi erwachsen ist, denn so einen Brocken von Katze mit langen, spitzen Zähnen und Krallen möchte ich nicht am Bein hängen haben.“ Chris ließ sich neben Niko auf den Stuhl nieder und goss Niko nach. Er selber hatte auch Durst. Schließlich hatten sie sich ziemlich verausgabt, was ihn ziemlich dümmlich grinsen ließ.

Allerdings brachte Niko Chris‘ Gesichtsausdruck und seine Sorge vor einer erwachsenen Fritzi nicht überein. Warum grinste der Mann, wenn er Karakal-Beute werden sollte? Versteh einer die Männer!

Niko konnte nur grinsend den Kopf schütteln, während Fritzi ihr Mahl beendet hatte und nun zwischen ihm und Gitte auf der Rattan-Couch saß. Zumindest startete sie noch keine Attacke gegen Chris, das wertete Niko mal positiv. Dass es nur daran lag, dass sie jetzt voll und träge war, wollte er nicht gelten lassen.

„Essen ist fertig“, rief Walter und stellte eine große Platte mit Fleisch auf dem Tisch ab. „Greift zu, ist noch genug da. Es gibt Springbock, Kudu und Elenantilope und ich habe letztens ein wenig von einer Oryx bekommen. Das ist besonders lecker, find ich.“ Walter geriet richtig ins Schwärmen und ließ alle am Tisch schmunzeln. Er liebte nun mal Fleisch. Besonders das aus Afrika.

„Greifen wir zu, ehe Walter uns den Teller leer räumt und wir qualvoll verhungern müssen“, schlug Gitte vor und verteilte das Fleisch nach Wahl auf den Tellern, während sie Fritzi auf den Boden setzte, damit sie ihnen nicht auf den Tisch kletterte. Begeistert war sie nicht und blieb erst mal unter der Bank sitzen, um sich zu orientieren, während die Menschen am Tisch es sich schmecken ließen.

„Das ist großartig“, nuschelte Chris mit vollem Mund und schielte auf die Platte, obwohl er sein Stück Fleisch noch gar nicht aufgegessen hatte. „Die Barbecues hier, vermisse ich mit am meisten, wenn ich in Deutschland bin. Es geht doch nichts über leckeres Fleisch. Tofu ist doch so was von eklig.“ Er schüttelte sich, als er an das Tofu-Geschnetzelte dachte, dass Lena ihm hatte aufzwingen wollen. Aber er hatte es ja gar nicht gegessen, weil Niko ihm seine Curry-Wurst gegeben hatte. Darum bekam der auch ganz spontan einen Kuss für seine Heldentat. Hätte er damals schon machen sollen.

„Du hast ja keine Ahnung wie eklig, ich musste es schließlich essen“, sagte Niko und erinnerte sich mit Grausen an diesen Tag zurück. Seine erste – und wenn es nach ihm ging auch letzte– Erfahrung mit Tofu. „Das hier ist um Welten leckerer. Lob an die Küche“, schob er noch hinterher und sah nur aus dem Augenwinkel, dass Fritzi jetzt doch anfing, zögerlich ihre Umgebung zu erkunden. Mal sehen, was passierte, wenn sie auf Leonard traf, der dort im Gras lag.

„Dafür bin ich dir auch immer noch dankbar“, lachte Chris und gab Niko noch ein Stück von dem Oryxfleisch. Er mochte es auch besonders gern, wie sein Onkel. „Das sind doch die besten Voraussetzungen, dass du dich überreden lässt, mich hier öfter besuchen zu kommen, oder gleich hier einzuziehen. Bis zur Station ist es nicht weit und ein Wagen lässt sich für dich bestimmt immer abzwacken.“

Niko guckte auf und sah Walter fragend an. „Das klingt einladend, danke.“ Es klang verlockend. So konnte er auch mehr Zeit mit Chris verbringen. Doch dann hatten Amy und Aaron wieder mehr Nachtschichten zu schieben. „Vielleicht ein paar Nächte in der Woche“, überlegte er laut, „ich muss mal mit Amy und Aaron drüber reden.“

„Wir können uns ja damit abwechseln. Mal schlafen wir hier und mal bei dir.“ Da Walter zu dem Vorschlag genickt hatte, ging das für ihn klar. „Allerdings wird das nur die nächsten sechs Wochen klappen, danach werde ich wohl nur an meinen freien Tagen hier sein und den Rest der Zeit in Johannesburg bleiben, außer ich bekomme das Flugzeug.“ Er lachte, als sein Onkel die Augenbrauen hoch zog.

„Da verhandeln wir noch drüber.“

„Jetzt kommt doch erst mal an, Jungs. Chris ist doch heute erst angekommen. Da reden wir nicht darüber, dass er gleich wieder verschwindet. Egal wo hin.“ Gitte sah ihre Männer auffordernd an und die nickten, aber ihnen war klar, dass die beiden jungen Männer sich schon arrangieren würden, ohne dass ihre Arbeit auf der Strecke blieb. „Uups“, machte Gitte als sie sah, wie Fritzi den schlafenden Leonard beschnüffelte.

Sofort sahen alle zu ihr hin und nicht nur Niko hielt die Luft an, als sie langsam Richtung Schnauze lief und der Hund die Augen aufschlug. Leonard blieb ruhig liegen und als Fritzi günstig stand, leckte er ihr einmal über das Köpfchen. Sie duckte sich zwar gleich, aber sie lief nicht weg, oder tatzte nach dem Hund, so dass Leonard sie gleich noch einmal abschleckte. Die kleine Katze wusste gar nicht, wie ihr geschah, sie war auf den Hintern geplumpst und sah den Hund verwirrt an. Dann schüttelte sie sich, denn ihr Fell war jetzt nass und verklebt. Doch da kam die Zunge schon wieder.

„Irks“, machte Chris, als Fritzi diesmal über den kompletten Rücken geleckt wurde. „Die Kurze ist hart im Nehmen“, sagte er anerkennend, denn sie flüchtete nicht. Sie sah Leonard nur immer noch verwirrt an und der große Hund legte seinen großen Kopf neben ihr ab. Man sah ihr an, dass sie abzuwägen schien, was jetzt für sie den geringsten Ärger bringen würde. Sie ahnte, dass das Tier vor ihr zu groß und zu schnell war. Beißen und weglaufen kam also nicht in Frage. Sie entschied sich dafür mit den Wölfen zu heulen und leckte nun ihrerseits über das braune Fell auf Leonards Schnauze. Wenn sie klebte, sollte der auch kleben.

„Wie süß“, quietschte Gitte. Leonard verhielt sich vorbildlich, wie sie gehofft hatte und ließ sich abschlecken. Er kannte das schon und für ihn war das okay. Er kümmerte sich gerne um die Katzen, die Gitte ab und zu mitbrachte. So konnte sie sicher sein, dass ihnen nichts passierte, wenn sie über das Gelände liefen.

„Jetzt wird sie mich hoffentlich nicht mehr zerkratzen, wenn er wieder auf sie zu kommt“, hoffte Niko und war ebenfalls erleichtert, dass Fritzi anfing Kontakte zu knüpfen. Das gab ihm Hoffnung, dass auch Chris eines Tages nicht mehr ihr erklärter Feind war. Doch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und Fritzi nicht an einem Tag erzogen. Er war schon froh, dass sie sich von ihm entfernte, ohne Angst zu haben. Er war für kleine Erfolge dankbar.

Chris drückte lächelnd Nikos Hand und küsste ihn kurz. Er war wirklich stolz auf seinen Schatz, dass er Fritzi nicht mehr alles durchgehen ließ. „Heute Abend kannst du sie wieder knuddeln und beschmusen, bevor sie ins Bett geht - in unserem Zimmer“, schob er noch hinterher. Er wollte die Kleine ja nicht loswerden und solange sie nicht im Bett war, wenn er da auch war, war das okay.

„Wird komisch sein, morgens nicht in ein Paar blaue Kulleraugen zu gucken und angeschnurrt zu werden, wenn ich die Augen aufmache“, sagte Niko und grinste, schüttelte sich aber, als er sah, wie nassgeschleckt Fritzi mittlerweile war. Vielleicht war es besser, wenn sie nicht bei ihm schlief, sonst musste er sie vorher noch waschen.

„Ich kann auch schnurren, wenn du wach wirst“, lachte Chris. „Ich kann es zumindest versuchen, aber die blauen Augen krieg ich nicht hin.“ Chris nahm sich noch ein Steak und leckte sich über die Lippen. „Fast so lecker wie du“, flüsterte er Niko noch schnell ins Ohr, bevor er sich den ersten Bissen in den Mund schob. Niko lachte, denn Walter und Gitte versuchten ihnen nicht zuzuhören, was aber wohl nicht ganz so leicht war. Also versuchte er sich etwas zurück zu halten, sah Chris aber wissend an.

„Kannst ja mal dein Glück als Ersatz-Fritzi versuchen. Mal sehen, wie du dich so machst“, überlegte er laut, „aber komm nicht so vollgesabbert ins Bett wie sie.“ Seine Augen aber sagten: das erledige ich für dich!

„Okay, vorher duschen, kein Problem“, lachte Chris und strich Niko unter dem Tisch über das Bein. „Musst du sie nachts eigentlich auch noch füttern? Dann sollten wir nämlich ein paar Fläschchen vorbereiten. In der Praxis haben wir bestimmt einen Flaschenwärmer, den wir uns ausleihen können und in unserem Bungalow ist ein Kühlschrank. Eigentlich eine kleine Pantry-Küche.“

„Ich habe zwar immer noch eine Flasche mitgenommen, aber sie hat durchgeschlafen. Ich weiß nur nicht, wie sie schlafen wird, wenn sie in der Kiste hockt und alles neu ist. Lass uns ne Flasche mit rüber nehmen. Wenn wir sie nicht brauchen – umso besser“, überlegte Niko laut und ließ sich ebenfalls noch einmal mit Fleisch versorgen. Zum Glück hatte niemand etwas dagegen, dass er mit den Fingern aß, denn mit seinem Handicap war es schwer Besteck richtig zu bedienen.

„Ich würde dir das Füttern ja gerne abnehmen, aber das würde wohl damit enden, dass ich beide Hände und Arme dick bandagiert hätte.“ Es gefiel ihm nicht aus ärztlicher Sicht, dass Niko nicht wirklich dazu kam, seinen Arm ruhig zu halten, weil Fritzi ihn nicht leiden konnte.

„Wenn wir Glück haben, schläft sie durch. Warten wir es doch erst einmal ab.“ Er war noch nicht bereit, sich Gedanken zu machen über etwas, das noch nicht passiert war. Fritzi taute langsam auf. Sie lernte heute viel Neues kennen. Vielleicht war sie dann so platt, dass sie gut schlief. „Du schlaf dich aus, du hast morgen deinen ersten Dienst.“ Er sah Walter an. „Wie läuft das hier eigentlich? Habt ihr Sprechstunden oder fahrt ihr auf die Farmen?“

„Das ist unterschiedlich. Wir haben feste Pläne für die Farmen etwas weiter weg, so dass wir wenigstens einmal im Monat bei jedem vorbeischauen. Meistens klappt das auch. Feste Sprechzeiten hier in der Klinik gibt es nicht, aber es hat sich eingebürgert, dass die, die nahe wohnen morgens zu uns kommen.“ Es hatte Jahre gedauert, bis sich das eingependelt hatte, aber jetzt funktionierte es gut. „Allerdings sind dann da immer noch die Notfälle, die man nicht planen kann. Alles, was wir nicht ausreichend mit unseren Mitteln behandeln können, schicken wir gleich in die Kliniken von Johannesburg.“

„Dafür ist das Flugzeug umgebaut worden. Zur Not kann ein Patient auch liegend im Bauch der kleinen Maschine transportiert werden“, ergänzte Gitte. „Aber wenn noch ausreichend Zeit ist, lassen wir einen Helikopter kommen.“

Niko nickte verstehend. Das klang alles gut durchorganisiert, typisch deutsch eben. Er musste grinsen. Aber sicher brauchte man hier auch ein paar preußische Tugenden, wenn man sich organisierte.

„Wenn du Lust und Zeit hast, kannst du ja mal mich oder Chris auf eine unserer Touren zu den Farmen begleiten. Die Farmer würden bestimmt gerne den neuen Tierarzt kennen lernen.“ Walter grinste. Sein Angebot hatte auch durchaus einen tieferen Sinn. Die Station lebte zum großen Teil von Spenden und wenn die Farmer wussten, dass dort gut gearbeitet wurde und auch eventuell mal eines ihrer kranken Tiere behandelt wurde, dann wirkte sich das bestimmt positiv auf die Bereitschaft zu spenden aus.

„Klar, warum nicht“, sagte Niko gleich begeistert und nickte heftig. Er hatte schon darüber nachgedacht, wie es einmal weiter gehen würde und wenn Chris‘ Welt einmal hier sein würde und Chris bis dahin immer noch Nikos Welt war, dann war auch seine Heimat irgendwann hier unten und wenn man sich als Tierarzt vielleicht schon einen Stand erarbeiten konnte, würde der Einstieg leichter werden. „Es würde mich wirklich interessieren, wie das hier unten so läuft. Dass hier auch mal in Naturalien gezahlt wird, habe ich schon gelernt.“

„Also abgemacht, du wirst uns auf ein paar Touren begleiten. Ich werde das gleich morgen mit Amy absprechen. Sie wird wohl nichts dagegen haben, denn es wird ihr und der Station auch zugutekommen.“ Walter schlug sich gerade mental auf die Schulter für seine gute Idee. „Lass uns morgen eine Liste mit Medikamenten machen, die du für die Tour brauchen wirst, dann kann ich die bestellen und übermorgen in Johannesburg abholen, wenn ich unsere Medikamente abhole.“

„Guter Plan.“ Niko war beeindruckt und er konnte sich nicht vorstellen, dass Amy etwas dagegen hatte, wenn er einen oder zwei Tage die Woche nicht in der Station war. Er würde seine freien Tage dafür nutzen, damit nicht zu viel Arbeit liegen blieb. Er war sich zwar sicher, dass er nicht viele Katzen zu behandeln haben würde, aber das hieß ja nicht, dass er anderen Tieren zu helfen nicht auch erfüllend und spannend fand. „Lass uns nachher mal mit Amy reden. Gegen acht sitzen sie meistens zu einem Tee zusammen. Da erwischt man sie noch am … Fritzi?“ Er guckte nicht schlecht, als die kleine Katze komplett unter dem Hund verschwunden war, weil Leonard seine Pfoten hatte auf sie plumpsen lassen.

Sofort tauchte ein kleiner Katzenkopf zwischen den Pfoten auf und Fritzi sah Niko fragend an. Sie machte aber keine Anstalten sich zu befreien, sondern drehte sich ein paar Mal um sich selbst, wie sie es abends in ihrem Körbchen, oder auf Nikos Kissen machte und als sie zufrieden war, legte sie sich bequem hin, mit dem Kopf auf einer von Leonards Pfoten und gähnte.

„Ich glaube, sie hat sich mit dem großen, bösen Hund arrangiert und erkennt langsam die Vorteile eines großen Beschützers“, lachte Chris und verzog ein wenig das Gesicht, als die große Zunge wieder über Fritzi schlabberte.

„Das hätten wir entschieden einfacher haben können, junge Dame“, murmelte Niko, der an seine Kratzer auf Brust und Bauch zurück dachte. Aber ihm war es so herum lieber, als wenn sie immer noch panisch vor dem großen Tier flüchten wollen würde. „Aber um ein Bad wird sie nicht drum herum kommen und den Verband muss ich auch mal checken. Die Wunde sah letztens schon ganz gut aus, vielleicht kann der Verband ab bleiben und es reicht ein Blauspray.“ Allmählich sah der Verband sowieso aus wie ein alter Lappen. Und dabei hatte er ihn vorgestern erst gewechselt.

„Mom, das wird dann wohl dein Part mit dem Bad.“ Chris deutete auf Nikos verbundenen Arm. „Und ich werde nicht in der Nähe sein, damit ihr eine kleine Chance habt, dass sie ruhig bleibt. Aber vielleicht mache ich aus sicherer Entfernung ein paar Bilder für Aaron und Amy.“

„Und ich glaube es ist von Vorteil, zwei gute Ärzte in der Nähe zu haben“, konnte sich Niko auch nicht verkneifen, rutschte aber lieber ein Stückchen aus Gittes Reichweite, weil sie große Augen machte und auf das klebrige kleine Tier guckte.

„Na prima, das hat man jetzt davon“, murmelte sie gespielt entnervt, schien sich aber irgendwie schon darauf zu freuen. Fritzi war nun einmal ein kleiner Herzensbrecher.

„Ich kann dir helfen. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid“, sagte Niko schnell, denn er wollte die Arbeit nicht einfach wegschieben, nur weil er sich verletzt hatte.

„Das wirst du auch müssen, wenn mein Mann bei mir eine Bluttransfusion machen und mich verbinden muss, weil ich aus vielen, tiefen Wunden blute“, lachte Gitte und wuschelte Niko durch das Haar. Es ließ sich allerdings nicht so schön verstrubbeln wie das von Chris, weil es einfach nicht lang genug war. „Wir kriegen das schon hin. Wäre schließlich nicht die erste Katze, die ich waschen muss, weil Leonard sie vollgesabbert hat.“

„Aber die erste Fritzi!“, grinste Niko und strahlte stolz, doch dann zog er wieder den Kopf ein. Er sollte nicht zu sehr stolz darauf sein, dass er seinen kleinen Liebling völlig verzogen hatte. „Ich hoffe nur, sie wird es uns danken. Denn so versabbert will ich sie nicht im Schlafzimmer haben. Wenn sie so klebrig über das Parkett huscht und eine Schleimspur hinter sich her zieht, dann besteht noch die Gefahr, dass jemand ausrutscht und sich verletzt. Nicht auszudenken!“

„Ja, das wäre echt blöd.“ Alle am Tisch fingen an zu prusten, weil sie sich vorstellten, wie eine übergroße Schnecke mit Fritzis Kopf durch das Zimmer huschte. „Ich glaube nicht, dass sie es euch danken wird, aber da muss sie durch. Was sie nicht umbringt, macht sie härter.“ Chris musste immer noch kichern.

„Also ganz ehrlich, Chris. An deiner Stelle würde ich nicht so laut lachen. Wenn sie Frust hat – glaubst du, den lässt sie an mir aus? Ich glaube, du wärst das bessere Opfer. Also wünsch dir bitte nicht, dass sie schlechte Laune hat.“ Niko strich seinem Schatz über das Bein, so gut er konnte, ohne sich zu sehr zu verdrehen. Doch dann musste er immer wieder zu der total verklebten Katze gucken – es war wie bei einem Unfall, man konnte einfach nicht weggucken.

„Öhm.“ Chris sah Niko an. Da hatte er ja noch gar nicht dran gedacht. „Ich hoffe doch, dass du den Arzt dann rettest, der dich verarztet hat, oder?“ Er war sich da eigentlich ziemlich sicher, aber er wollte doch lieber noch mal nachfragen. „Sag mal, was hast du eigentlich mit ihr vor, wenn sie ausgewachsen ist? Sie wird dann ein ganz schöner Brocken sein, mit scharfen Krallen und langen Zähnen.“

„Ich weiß es noch nicht“, seufzte Niko, denn darüber hatte er schon einmal nachgedacht. „Vielleicht interessiert sie sich in ein paar Wochen gar nicht mehr für mich und möchte lieber ein eigenes Gehege auf der Station. Keinen Schimmer. Ich würde sie zwar gern behalten – aber dann müsste ich hier bleiben. Kann sie ja schlecht mit in den Pott nehmen.“ Niko wirkte nachdenklich, denn das zog größere Kreise, als er im Moment bereit war zu planen. Sehnsuchtsvoll ging sein Blick wieder zu dem schleimigen Spuckeball.