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... und dann kam Fritzi - Epilog

Epilog 

„Henni, Eli, Hanni“, rief Chris von der Verbindungstür in die andere Wohnung. „Die Pizza ist geliefert worden und die Gäste kommen gleich.“ Er sah sich um, als er es hinter sich klappern hörte und musste lächeln, als er Niko dabei zusah, wie er noch einmal die Wodka-Feige Vorräte kontrollierte und dabei immer wieder zum Backofen schielte, weil es daraus herrlich nach seiner Lieblingspizza duftete. „Macht hinne, lange kann ich meinen Liebling nicht mehr im Zaum halten, dann ist die Pizza weg.“ Er musste lachen, als es in Hennis Wohnung hektisch wurde und lief zu seinem Schatz und zog ihn an sich. „Das ist so eine verfressene Bande“, kicherte er und küsste Niko, weil er ihn ja gerade verunglimpft und ebenfalls als verfressen dargestellt hatte. Da musste er schon mal anfangen Abbitte zu leisten.

„Ah, du bist lernfähig“, knurrte Niko gespielt, ließ sich aber gern besänftigen. Morgen begann ihr neuer Schritt ins Leben – morgen würde alles anders sein.

„Er hat komische Methoden, Niko vom essen abzuhalten“, lachte Hannelore und stellte die Flasche Rotwein auf die Theke, ehe sie sich einen Becher Wasser einschenkte. Sie war eben erst aus dem Krankenhaus gekommen und war noch nicht dazu gekommen, etwas zu trinken. Sie sah sich in der leeren Wohnung um. Es war ungewohnt und die Schritte hallten. Decken lagen auf dem Boden.

„Aber sie funktionieren. Er ist eben eher geil als hungrig“, lachte Elias, Azrael auf dem Arm, damit sie nicht gleich wieder Chris malträtierte. Sie würde ihn wohl auch vermissen.

„Seid lieber froh, dass ich mich so für euer leibliches Wohl einsetze.“ Chris lachte und ließ Niko los, damit er Hannelore ein Stück Pizza holen konnte. Schließlich kam sie gerade von der Arbeit und hatte bestimmt Hunger. „Hier, Lieblingsschwester, nur für dich.“ Er überreichte den Teller und deutete auf die Theke, auf der schon der gut gekühlte Feigling und Gläser standen. „Kommt genehmigen wir uns noch was, bevor die Heuschrecken einfallen.“

„Lieber Heuschrecken als die widerlichen Raupen von deiner letzten Party“, murmelte Niko und erinnerte sich nur mit Schaudern an die Party vor einem Jahr. Doch andererseits erinnerte er sich auch sehr gern daran, schließlich hatte er seit dem den geilsten Freund, den man sich nur wünschen konnte. Chris war einfach perfekt, in allem was er tat, in allem was er war.

Ein Jahr war vergangen, in dem so viel passiert war.

„Da kann ich dir nur zustimmen. Heute kommen nur die Menschen, die wir mögen und lieben.“ Auch Chris erinnerte sich gerade an die Party und hätte bald noch den guten Alkohol verschüttet, weil er verliebt zu Niko gesehen hatte. Henni griff helfend ein und Chris zog Niko an sich. „Ich liebe dich“, murmelte er leise. „Ich liebe dich so sehr. Ich ertrage gern noch einmal diese widerlichen Raupen, wenn du, wenn sie weg sind, wieder bei mir bleibst. Denn mit dir zusammen, schaffe ich alles.“

„Charmeur“, kicherte Niko. Er mochte es, wenn Chris so offen war und legte seine Stirn gegen die seines Freunds. Er ignorierte das alberne Kichern der Familie, sah aber aus dem Augenwinkel wie Hendrik die Katze auf den Boden setzte. „Fass, Azrael, wenn er uns erst mit Essen lockt und uns dann verhungern lässt, weil er lieber den frisch gebackenen Doktor sexuell belästigt.“

„Wah“, machte Chris und versteckte sich hinter Niko. Der war nämlich der einzige, der ihn retten konnte. „Schatz, besänftige die Katze, ich rück Pizza für die Verfressenen raus.“ Er nahm auch gleich einen der schon bereitstehenden Teller und verteilte das leckere Essen. Natürlich bekam sein Retter ein extra großes Stück seiner Lieblingspizza. „Auf uns und das neue, aufregende Leben, das auf uns wartet“, brachte Chris einen Toast aus, als alle versorgt waren.

Sie standen um die gemauerte Theke und ließen es sich schmecken, während Azrael sich schnell langweilte und wieder nach nebenan verschwand. „Ja, auf das aufregende Leben“, sagte auch Niko und kaute weiter. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in einem viertel Jahr meine Doktorarbeit fertig schreiben könnte. Aber mit dem richtigen Anreiz hat es gut geklappt.“

„Auch wenn du dich gern von deinen Schützlingen hast ablenken lassen. Gib es zu“, entgegnete Hendrik und leckte sich die fettigen Finger sauber, um das Glas nicht zu beschmieren.

„Hat er gar nicht“, sprang Chris gleich für ihn in die Bresche. „Das war reine Recherche für die Doktorarbeit. Rein wissenschaftlich“, gab er ernst und wichtig von sich. „Abgelenkt hab ich ihn“, kicherte er dann aber und küsste seinen Liebling. „Daran könnt ihr aber sehen, wie toll mein Babe ist, denn ich bin wirklich ein Meister der Ablenkung und er hat trotzdem nur so wenig Zeit für seine Doktorarbeit gebraucht.“

„Klar, man muss nur die Katze auf die Ablenkung hetzen – dann kann man gleichzeitig dich im Zaum halten und die Katze studieren“, erklärte Elias lapidar, lachte aber, als Chris die Lippen verzog. „Aber komm, Chris hat doch wenigstens zugegeben, dass er dran schuld ist, dass Niko so elend lange gebraucht hat, um die Arbeit fertig zu schreiben.“ Hendrik grinste frech, denn er hatte seinem Schützling schon erklärt, wie stolz er auf ihn war.

„Boah, diese Familie kann man echt nur mit Alkohol ertragen“, muffelte Chris und füllte die Gläser noch einmal neu. „War vielleicht ganz gut, dass er so lange gebraucht hat, da hatten wir wenigstens genug Zeit, um seine neue Praxis einzurichten. Wenn wir zurück in der Klinik sind, ist alles komplett und der Herr Doktor kann loslegen. So wie Paps mir erzählt hat, heute Morgen, haben schon einige der Farmer angefragt, ob Niko bei unseren Runden dann auch weiter mit von der Partie ist.“

„Ja, er hat eine Marktlücke gefunden. Einen guten Tierarzt kann die Gegend wirklich gebrauchen. Viele Katzen wird er auf den Runden nicht sehen, aber dafür sorgen dann ja Amy und Aaron.“ Auch Hendrik fand es mehr als gut, dass Niko den Schritt doch gewagt hatte, mit Chris zusammen nach Südafrika zu gehen und zu bleiben. Sie waren jetzt nur vierzehn Tage in Deutschland gewesen, um alles Wichtige zu regeln, Kisten in Container zu packen und auf die Reise zu schicken.

„Ach, Schatz, du weißt doch, dass ich mich von keinem so gern ablenken lasse, wie von dir. Du bist der tollste Ablenker den man sich nur vorstellen kann“, kicherte Niko, doch auch da kreuzte Hendrik dazwischen.

„Lüg nicht, Fritzi kann das besser.“

Alle lachten, weil Niko wohl gerade in einer Zwickmühle steckte. Aber Chris kicherte nur. „Hör bloß auf mit dieser Schauspielkatze. Sie versucht doch ständig, mich nachts aus dem Bett zu schieben. Dieses kleine Biest hört sofort auf, wenn Niko sich regt und kuschelt sich schnurrend an mich. Aber das glaubt mir ja keiner. Sobald der wieder schläft, wird wieder geschoben.“

„Ach komm, hör doch auf mit den alten Kamellen. Du willst doch nur, dass du deinen Schatz noch öfter bespringen kannst. Er soll die wehrlose kleine Katze aus dem Bett jagen, damit du freie Bahn hast“, lachte Hendrik.

„Ich find’s ja schmeichelhaft, dass er das will, aber deswegen meine süße Kleine zu verunglimpfen ist nicht nett. Sie ist doch nicht kräftig genug, um dich aus dem Bett zu schieben.“ Niko ließ sich nicht davon überzeugen, dass Fritzi Chris ständig boykottierte. Sie war über jeden Zweifel erhaben.

„Dass sie nicht kräftig genug ist, heißt aber nicht, dass sie es nicht ständig wieder versucht. Irgendwann färbe ich ihr die Pfoten ein, damit du die Abdrücke auf meinem Rücken sehen kannst, oder ich stelle eine Videokamera auf, die das kleine Mistvieh entlarvt. Sie ist nämlich überhaupt nicht süß und unschuldig.“ Chris wollte noch nicht aufgeben, denn er hatte so seinen Spaß, sich mit Niko darüber zu kabbeln.

„Dann wirst du sehen, dass mein kleiner, niedlicher Nelson das süßere Haustier ist.“ Chris verschränkte die Arme vor der Brust und machte sich bereit sein Haustier zu verteidigen. Irgendwie war er an das kleine Kudu genauso unverhofft gekommen wie Niko an Fritzi. Er wurde mit seiner verletzten Mutter auf die Station gebracht und da Niko Hilfe brauchte, hatte Chris sich um ihn gekümmert und seit dem waren die beiden unzertrennlich. Er war sogar geblieben, als man die Mutter wieder ausgewildert hatte. Man wusste nicht wie, aber Nelson hatte den Weg zurück zur Station allein gefunden. Zwei Tage später war er wieder da gewesen. Und er ließ sich auch nur von Chris füttern. Jeder andere, der mit der großen Flasche Milch kam, wurde schnöde ignoriert.

„Aber bei dem glaube ich zumindest, dass er Niko aus dem Bett schieben kann, wenn er groß ist“, lachte Elias und trank sein Glas leer, während Niko noch leise über die Diffamierung seiner süßen Kleinen mopperte.

„Ja, das könnte er, weil mein Nelson nämlich ein stattlicher, starker Kudu werden wird. Allerdings wird er dazu keine Gelegenheit kriegen, weil ich ihn nicht so verwöhne, wie andere Leute ihre Haustiere. Er darf nämlich nicht ins Haus und schon gar nicht ins Bett.“ Chris lachte und zog Niko an sich, damit er ihn küssen konnte. „Ich liebe deine Süße doch auch“, flüsterte er gegen die Lippen seines Schatzes. „Sie kann gerne mit in unsere gemeinsame Wohnung ziehen und auch im Bett schlafen.“

Walter und Gitte hatten für Niko und Chris eines der Gästehäuser umbauen lassen. Es hatte noch einen Anbau bekommen, so dass genug Platz vorhanden war. Wenn sie nach Südafrika zurück kamen, sollte alles fertig sein, so dass sie einziehen konnten.

„Schleimer“, konnte sich Hendrik nicht verkneifen. Er versuchte zu überspielen, dass sein kleiner Bruder, der jahrelang nebenan gewohnt hatte, nur durch eine Tür getrennt, ihm fehlen würde, sobald er im Flieger saß. „Wird schon seine Gründe haben, warum Niko lieber Fritzi mit ins Bett nimmt als dich. Aber wer so sexsüchtig ist wie du, der sollte lieber wieder schön Wetter machen, sonst verlierst du gegen die Katze.“ Das ließ sogar Niko grinsen, was aber nicht hieß, dass er den Kuss löste. Auch nicht als die Türglocke schellte.

„Ich mach mal die Tür auf“, lachte Hannelore, als Chris und Niko gar nicht reagierten. Sie öffnete die Tür und wollte aus der Tür gucken, um zu sehen, wer Einlass begehrte. „Wah“, rief sie erschrocken, als der Besuch schon vor der Tür stand und griff sich ans Herz. „Müsst ihr mich so erschrecken?“, jappste sie und funkelte Gero und die drei Frauen an. „Mein Traummann, den ich bisher noch nicht gefunden habe, fände es bestimmt traurig, wenn er mich nicht mehr kennen lernen würde, weil ich von einem Herzinfarkt dahingerafft wurde.“ Entgegen ihrer Worte, zog sie die vier Besucher in eine kurze Umarmung. „Schön, dass ihr da seid.“

„Wir wissen doch, was von uns erwartet wird. Und seit wir unser Sorgenkind an Chris losgeworden sind und der sein Interessengebiet von Katzen auf Chrisse ausgeweitet hat, haben wir freie Kapazitäten. Und Leute erschrecken ist echt erfüllend“, erklärte Mila, die als erste zu dem immer noch knutschenden Pärchen kam. Doch sie war keine Feine. Die beiden hatten ab morgen alle Zeit der Welt, weiter zu knutschen, wo hingegen ihre Freunde dann nicht mehr greifbar waren. Jetzt mussten Prioritäten gesetzt werden.

Darum fing sie an zu pieksen und zu nörgeln. Angelika machte natürlich gleich mit, denn so einen Spaß ließ sie sich doch nicht entgehen. „Hört auf, euer Besuch ist da“, maulte sie und quietschte erschrocken, als ein Arm hervorschoss und sie gegen Niko und Chris zog, ohne dass diese ihren Kuss lösten. Stattdessen wurde ihnen durch die Haare gewuschelt, was gerade für Angelika einer Nahtoderfahrung nahe kam, denn sie hatte noch heute Morgen fast hundert Euro für den Friseur ausgegeben – und wofür? Niko hatte es sich noch nicht einmal angesehen und Chris zerstörte schon ihre Frisur. Und Rita machte reichlich Bilder, während sie die übrigen begrüßte und sich mit Futter versorgen ließ.

„Die zwei sind immer für eine Überraschung gut“, lachte Gero und kippte seinen ersten Wodka mit Feige runter. „Allerdings fände ich es schöner, wenn sie damit hier fortfahren würden und nicht in Südafrika.“ Gero seufzte und hielt sein Glas noch einmal hin, damit es neu gefüllt wurde. Alkohol war jetzt eine gute Option. Das Knäuel mitten im Raum löste sich gerade wieder und Angelika versuchte ihre Frisur zu retten, was ihr aber nur bedingt gelang. Das Haarspray war verklebt und so sah sie jetzt aus wie ein feuerroter Wischmopp und so gequält, wie sie gerade in Ritas Kamera guckte, musste man ihr einfach auch ein Glas voll reichen.

Hannelore blickte auf. „Henni, Lias“. Mehr sagte sie nicht, doch die beiden sprangen auf und wussten, was zu tun war. Elias griff sich Niko, der war nicht so ruppig. Chris überließ er dessen großen Bruder. Und so wurden die beiden in verschiedene Richtungen gezerrt. Nur gut, dass das auf dem Parkett so leicht ging. Besonders wenn man keine Schuhe sondern dicke Wollsocken trug.

So hatten Niko und Chris keine Chance. Sie maulten und drohten, aber davon ließ sich keiner beeindrucken. Sie bekamen jeder einen Schnaps und wurden damit ruhig gestellt. „Dann sind wir ja jetzt vollzählig“, erklärte Chris nach einem schnellen Blick in die Runde. „Dann können wir ja zum gemütlichen Teil übergehen. Wie ihr seht, haben wir einige gemütliche Decken und Kissen vorbereitet, so dass wir nicht die ganze Zeit stehen müssen.“

„Kann es sein, dass ihr beiden schon zum gemütlichen Teil übergegangen wart, noch ehe die Gäste da waren?“, lachte Mila und Hannelore knurrte, das sie auch Gäste wären und man sich an ihrer Anwesenheit noch nicht einmal gestört hätte. Schamlos hätte man sich – weiter kam sie nicht, Chris knuffte ihr in die Seite. Das musste ja nun wirklich nicht sein.

„Wenn ich überlege, wie lange die Nasen gebraucht haben, um endlich so weit zu kommen“, seufzte Mila und kaute schon zufrieden.

„Na und“, schoss Chris gleich zurück. „Wir haben uns doch gefunden. Niko und ich sind sehr glücklich.“ Er grinste breit. „Allerdings ist es schon schade, dass wir so viel Zeit vertrödelt haben, denn dann hätte ich diesen wunderbaren Mann, schon viel eher mein eigen nennen können.“ Niko bekam einen schnellen Kuss, den Chris auch nicht ausdehnte, denn ein kollektives Stöhnen war zu hören.

„Ab morgen, Schatz, ab morgen“, lachte Niko und nun konnte der Abend richtig beginnen. So schnell sahen sie sich wohl alle nicht wieder. Hendrik und Elias kamen nur einmal im Jahr, Hannelore noch seltener. Von ihren Freunden ganz zu schweigen, auch wenn Niko noch nicht aufgegeben hatte, die beiden Damen aus der Kleintierabteilung zu sich zu locken. Jetzt mussten sie kommen, denn er kam nicht wieder zurück – nicht wenn es nach ihm ging.

 

ENDE




Danke fürs Lesen ....