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Katzenaugen 8 - Fantasma Negro - Teil 18-20

18 

„Na?“ Basil setzte sich Connor gegenüber, als sie in Assais Firmenjet gestiegen waren. Zusammen mit einem Team Ingenieuren wollten sie in einer ihrer Filialen in Sao Paulo ein paar Dinge klären. Er hatte nicht gefragt, warum sein Chef auch den Neuen auf die Liste gesetzt hatte. Basil wusste zwar, dass er Jurist war, er ging aber nicht davon aus, dass bei einem Meeting mit Kollegen, um den neuen Supertanker zu besprechen, wirklich juristischer Beistand gebraucht wurde.

„Connor, setzt dich hier rüber“, sagte Ferran, als er neben sich klopfte. Er war dem Neuen von Assai persönlich beigestellt worden, um ihm alles zu zeigen, ihm alles zu erklären und ihn ein bisschen in den Clan einzuführen. Er war gleichzeitig einer von Assais engsten Vertrauten und somit in alles eingeweiht, was Connor anging, auch in das, was nicht in den Büchern auftauchen durfte.

„Ja, sicher, warum nicht. Kommst du mit, Basil?“ Connor stand auf und setzte sich zu Ferran. Er hatte die letzten Tage viel Zeit mit dem Mann verbracht und ihn schätzen gelernt. Er hatte nicht nur unendliche Geduld bei der Beantwortung von Connors vielen Fragen bewiesen, sondern ihm auch beigebracht, wie er seine Flügel benutzen musste. Er konnte zwar noch nicht weit und ausdauernd fliegen, aber mit jedem Tag wurde sein Radius größer.

Er ließ sich in den Sessel fallen und grinste. „Nicht schlecht euer Firmenjet. Ziemlich luxuriös.“

„In erster Linie ist es nicht der Luxus, der uns den Jet nutzen lässt, sondern die Kosten. Der Jet geht, wenn wir es brauchen und es ist billiger ihn zu chartern als für ein ganzes Team Ingenieure bei einer Airline zu buchen. Wir können nebenher arbeiten und kommen entspannt an. Man kann schlafen, wenn man das möchte, kann sich entspannen. Die Firma profitiert davon“, erklärte Ferran und Basil, der sich ebenfalls in die kleine Sitzgruppe gewagt hatte, grinste. Ihm war es egal, warum sie mit dem Jet flogen, er war einfach froh, dass sie es taten. Denn Basil war ein sehr großer Mann, der in den engen Sitzreihen der Airlines schnell schmerzende Knie bekam.

„Ja, das kann ich nachvollziehen. In den Linienjets ist arbeiten und entspannen, so gut wie unmöglich.“ Connor nickte, aber dann fiel ihm wieder ein, warum er in diesem Jet saß und er seufzte.

„Was ist los?“, fragte Basil, der sich das Seufzen nicht erklären konnte.

„Tja, ich muss nicht entspannt ankommen und auch nicht in Ruhe arbeiten können. Da ich seit gestern arbeitslos bin. Ich habe meinen Job bei der Staatsanwaltschaft gekündigt.“

„Oh, das wusste ich noch gar nicht“, sagte Ferran und sah Connor forschend an. Also war doch etwas passiert, was den jungen Mann verändert hatte. „Du hast doch so überzeugt deinen Job gemacht. Du hast dein Leben dafür riskiert. Warum so plötzlich?“, wollte er also wissen. Auch Basil war jetzt doch etwas überrascht.

„Ich bin auch immer noch davon überzeugt, dass mein Job bei der Staatsanwaltschaft wichtig war. Ich habe was erreicht und bewegt, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie ich gedacht hatte.“ Nach ihrem misslungenen Start, hatte sich Connor noch einmal mit Aset unterhalten und musste leider einsehen, dass der Vampirfürst Recht hatte mit seiner Einschätzung, was Ortega betraf. „Aber deswegen habe ich nicht gekündigt. Mein ehemaliger Arbeitgeber hat Forderungen an mich gestellt, zu denen er kein Recht hatte. Sie haben von mir verlangt, mir eine Alibi-Verlobte zuzulegen, damit ich mit meiner, wie sie es nannten, abartigen sexuellen Vorliebe kein schlechtes Licht auf die Staatsanwaltschaft werfe.“ Allein bei dem Gedanken an dieses Gespräch, stieg schon wieder Wut in ihm hoch. „Ich habe keine abartigen, sexuellen Neigungen. Ich bin einfach nur schwul.“

„Hab ich mir fast gedacht, dass das irgendwann auf dich zukommen wird. So ticken sie leider. Du bist nicht der erste, dem das passiert ist“, sagte Ferran, strich Connor dabei aber über den Arm. Er lächelte. „Wenn sie glauben, dass es wichtiger ist, den Schein zu wahren anstatt gute Arbeit zu würdigen, dann haben sie jemanden wie dich nicht verdient. Es ist schmerzlich, so was an den Kopf geworfen zu bekommen, aber du musst dich nicht schuldig fühlen. Und außerdem hättest du weiß Gott an was Schlechteres geraten können als an diesen schwarzen Panther.“ Er grinste. Er wusste um das Verhältnis der beiden und ihm war auch klar, dass Alvarez Garcia der Anker für Connor war. Er sollte sich erden, sich sammeln, und dann würden sie schon sehen, ob es für einen fähigen Anwalt für Umweltrecht nicht in ihrem Konzern ein Platz zu finden war.

„Ja, das finde ich auch.“ Connor konnte gar nichts dagegen tun, er musste einfach lächeln, als er an Alvarez dachte. Kaum zu glauben, dass es nur eine Woche her war, dass sie sich voneinander hatten verabschieden müssen. Eigentlich war es nicht geplant gewesen, dass er den Panther jetzt schon besuchte, aber er war nicht böse darüber. Er freute sich darauf, seinen Freund wieder zu sehen. Er hatte ihn vermisst und mit jedem Tag, an dem die Sehnsucht nach dem anderen Mann gewachsen war, hatte er vor sich selber nicht mehr leugnen können, dass er sich verliebt hatte. „Ich hoffe mal, dass er sich freut, dass ich ihn besuchen komme.“

„Warum sollte er das denn nicht?“ Basil rückte sich in seinem Sessel zurück. Er selber war zwar nicht schwul, doch er hatte auch keine Probleme damit, wenn ein Mann nicht mit Mädchen spielen wollte. So lange man ihn nicht versuchte auf den Geschmack zu bringen, durfte jeder das tun, was ihn glücklich machte, so lange es legal war.

Auch Ferran zerstreute Connors Sorgen, schließlich wusste er, dass die beiden sich jeden Abend gesprochen hatten. Denn dann war Connor morgens immer besonders gut drauf gewesen und motiviert. Aber er war nicht mehr dazu gekommen, Alvarez vorzuwarnen oder zu fragen, denn die Ereignisse hatten sich überschlagen und man hatte Connor unauffällig aus der Schusslinie bringen müssen.

„Danke, Jungs.“ Connor grinste die beiden anderen Männer an. „Ich bin sehr gespannt darauf, wie Alvarez lebt. Sein Haus steht wohl mitten im Dschungel. Seine Familie wohnt dort mit ihm.“ Er hatte Alvarez noch regelrecht über sein Leben in Brasilien ausgequetscht, darum hatte er ein ganz gutes Bild im Kopf, wie es dort war. Es hatte ihn auch darin bestärkt, seinen Scherz in die Tat umzusetzen und es sich mit einem Schild in einem Baum gemütlich zu machen und darauf zu hoffen, dass er gefunden wurde.

„Ich weiß nur, dass man über ihn nicht viel erfährt, zumindest nichts Privates. Sein Projekt und sich innerhalb des Projektes vermarktet er sehr gläsern. Aber in ein paar Stunden wirst du es wissen. Ist das Beste, wenn du im Dschungel abtauchst und nicht so schnell wieder gesehen wirst“, sagte Ferran und stutzte, denn Connor sah ihn so komisch an. Wusste er am Ende gar nicht, warum er heute in diesem Jet saß?

„Okay, was hat man mir nicht erzählt?“, fragte Connor und bestätigte seinen Verdacht. Connor hatte sich schon gefragt, warum Assai ihm sofort angeboten hatte, ihn nach Brasilien zu Alvarez zu bringen, nachdem er ihm von seiner Kündigung erzählt hatte. „Also raus mit der Sprache, ihr wisst doch was.“

Ferran hob nur einen Finger und deutete an, dass Connor einen Augenblick Geduld haben sollte. Er zückte sein Handy und wählte die Nummer seines Chefs. Er spürte Connors bohrende Blicke, doch das konnte Ferran nicht schocken. Er hatte schon mit Aset zu tun gehabt und lebte noch.

>>Assai, ich bin's. Wie viel habt ihr Connor erzählt und was nicht?<<, wollte er wissen, hörte anschließend nur noch zu, nickte ab und an. Dann grüßte er und legte auf.

„Du wirst heute sterben“, eröffnete er also und sah Connor offen an.

„Bitte?“ Connor saß auf einmal kerzengerade in seinem Sitz und funkelte Ferran an. Er wusste nicht, was das bedeuten sollte, aber er hoffte, dass er sich in dem alten Vampir nicht getäuscht hatte. „Was soll das heißen?“

„Ganz ruhig, Connor. Dir wird nichts passieren, deswegen wirst du abtauchen. Und sobald du aus der Schusslinie bist, können sich Assai und Aset darum kümmern, dass Ortega anfängt zu bereuen, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, dich ausschalten zu wollen. An deiner statt wird also ein speziell ausgebildeter Naga den Mann auf seine Spur locken.“

„Assai und Aset...?“ Man sah Connor an, dass es in seinem Kopf drunter und drüber ging, denn er stammelte ein wenig. „Ein Naga? Einer dieser legendären Schlangenmenschen? Was haben die denn vor und wie soll das funktionieren, dass er Ortega auf seine Spur lockt?“ Die Angst, die er kurz verspürt hatte, war verflogen und er wurde neugierig und wie immer stellte er dann Fragen. Ferran hatte ihn ab und zu deswegen geneckt und auch jetzt musste der andere Vampir schmunzeln. „Nun mach schon, ich bin uninformiert“, brummte Connor darum, grinste aber.

„So kann das freilich nicht bleiben“, sagte Ferran und lehnte sich zurück. „Wir haben dich hier in das Flugzeug geschmuggelt und machen einen Ausflug nach Brasilien nicht nur, weil wir dort in der Filiale ein Meeting haben, sondern in erster Linie, weil du unauffällig und ohne Spuren zu hinterlassen aus den Staaten raus musstest. Dann wird einer der Nagas deinen Platz übernehmen und Ortega auf seine Spur ziehen, hoffend, dass er sehr schnell etwas sehr Dummes versuchen wird.“

Connor war schon ein wenig sprachlos, was da alles hinter seinem Rücken abgelaufen war, ohne dass er etwas davon geahnt hatte. Allerdings bereitete es ihm doch ein wenig Magenschmerzen, dass ein anderer sich für ihn in Lebensgefahr brachte. „Was haben Assai und Aset denn mit Ortega vor, wenn er wirklich versucht mich umzubringen?“

„Sie werden dabei sein und ihn filmen – natürlich so, dass man dich immer nur von hinten sieht. Denn Nagas können zwar den Geist anderer täuschen aber leider nicht die Kameras. Aber erst einmal muss er anbeißen. Und um Logan mach dir keine Sorgen – er macht das nicht zum ersten Mal. Er ist gut in seinem Job.“ Ferran grinste und lehnte sich etwas zurück. Connors Augen waren ziemlich groß.

„Ist das in eurem Clan normal? Ich will mich gar nicht beschweren, ich bin gerade nur ziemlich verwirrt.“ Connor grinste schief und holte tief Luft. „Ich hoffe wirklich, dass diesem Logan nichts passiert und ich bin dankbar, dass er für mich sein Leben riskiert, obwohl er mich gar nicht kennt und auch Assai und Aset, dass sie sich um Ortega kümmern. Könntet ihr mich informieren, wenn alles erledigt ist?“

„Natürlich nicht. Wir werden das vor dir geheim halten“, erklärte Ferran mit einem ernsten Gesichtsausdruck, doch dann grinste er frech. „Sicher bekommst du Bescheid und mach dir keine Sorgen. Es ist in den Clans nicht an der Tagesordnung, aber es kommt alle Jahre mal vor. Fang an in unseren Dimensionen von Zeit zu denken, nicht in Menschenleben. Das macht es einfacher.“

Connor nickte. „Ja, da muss ich wohl umdenken. Ich habe immer noch nicht verinnerlicht, dass mein Leben jetzt theoretisch unendlich ist.“ Unwillkürlich musste Connor bei seinen Worten an Alvarez denken. „Das wird aber schon noch. Ihr geht nach der Landung also zu eurem Meeting und ich setze mich in den Urwald ab? Dazu werde ich mir ein Auto mieten müssen.“

„Das wirst du lassen. Du bekommst einen Firmenwagen mit Chauffeur, damit du keinerlei Spuren hinterlässt. Der Mann wird dich absetzen, wo immer du willst, dann aber zurückkehren. Du bist also auf dich allein gestellt. Brauchst du noch etwas?“

„Oh.“ Damit hatte Connor nicht gerechnet, aber in seinem Kopf rotierte es schon. „Ich brauche auf jeden Fall ein Bettlaken, zwei Latten, ein paar Spraydosen und einen Tacker. Dann noch eine längere Kette und ein Schloss“, zählte er auf. Er hatte alles andere mit, was er brauchte, da er ja sowieso vorgehabt hatte Alvarez zu besuchen. Nur die Dinge für sein Schild und die Kette hatte er vor Ort besorgen wollen.

„Will ich wissen, was du damit vor hast oder bin ich dann ein Mitwisser und werde ebenfalls eliminiert, wenn du auffliegst?“, wollte Ferran wissen, während er seinen Kollegen nachsah, die sich alle an einem Tisch um einen Laptop versammelt hatten, um etwas zu besprechen.

Connor musste lachen, denn ganz konnte Ferran seine Neugierde nicht verbergen, Also erzählte er ihm, was es mit dem Schild auf sich hatte und wie es dazu gekommen war. „Du siehst also, dass dieses Schild enorm wichtig ist. Aber verrate es nicht Alvarez, er weiß nichts davon.“

„Ich werde mich hüten.“ Ferran grinste und versuchte sich das Gesicht des Katers auszumalen, wenn er einen Aktivisten auf einem seiner Bäume erblickte. Aber es war gut, wenn Connor sich ablenkte, so dachte er weniger daran, was hinter seinem Rücken ablaufen würde. Das machte es für alle einfacher. „Weiß er, dass du kommst?“

„Nein, weiß er nicht und ich hoffe, er ist nicht gerade irgendwo weit weg unterwegs, dann werde ich wohl auf meinem Baum verdursten und verhungern.“ Connor grinste, denn er war sich ziemlich sicher, dass dem nicht so war, denn Alvarez hatte gestern, als sie sich unterhalten hatten, nichts davon erzählt. „Ich bin schon ganz aufgeregt, denn so was habe ich schon seit Jahren nicht mehr gemacht.“

„Du hast dich also früher an Bäume gekettet. Wer hätte das gedacht“, lachte Ferran und machte jetzt doch etwas große Augen, als Connor tatsächlich nickte und grinste. „Echt jetzt?“ und so was war Staatsanwalt. Er kicherte in sich hinein, winkte aber ab, als Connor ihn fragend ansah. „Ruf einfach an, wenn wir dich retten kommen sollen. Schließlich soll dir nichts passieren.“

„Das hatte ich gehofft, wenn hier schon so ein Aufwand für meine Unversehrtheit getrieben wird.“ Connor wirkte ziemlich zufrieden, als er sich bequem zurück lehnte. „Meine Entscheidung, mich eurem Clan anzuschließen war genau richtig für mich. Ich hoffe, dass ich euch alles, was ihr für mich getan habt, einmal wiedergeben kann.“

„Wir nehmen nicht neue Mitglieder auf, um ihnen anschließend eine Rechnung zu schicken.“ Ferran sah Connor offen an, denn er wollte, dass der junge Vampir das begriff. Er hatte noch einen weiten Weg vor sich, er sollte also sein Pulver nicht schon auf den ersten Metern verschießen. „Und wenn es sich anbietet, übe noch ein bisschen das fliegen.“

„Das werde ich. Bisher kann ich ja nur ein wenig rumflattern und ich möchte richtig fliegen. Das ist so ein geiles Gefühl.“ Connors Augen leuchteten. Fliegen hatte ihn vollkommen in den Bann gezogen und er wollte es können und einmal zusammen mit Alvarez durch die Luft zu gleiten.

„Es ist wie mit jeder Bewegung. Du musst die Muskeln trainieren, die dafür benötigt werden. Deswegen kann es nicht schaden, wenn du ein bisschen trainierst. Aber wie gesagt: pass auf, dass dich die Menschen nicht dabei erwischen. Mach es nur, wenn du sicher sein kannst.“ Ferran wurde nicht müde das Connor einzuschärfen, er war noch neu und er musste es verinnerlichen.

„Ja, Chef.“ Connor nickte. „Im Dschungel wird sich bestimmt ein ungestörtes Plätzchen finden. Wie lange dauert es denn noch bis zur Landung?“ Je länger der Flug dauerte, desto hibbeliger wurde Connor. Er wollte loslegen und Alvarez hoffentlich bald in die Arme schließen.

„Wir landen in einer halben Stunde. Iss noch etwas, ruh dich aus. Du hast anschließend einiges vor dir.“ Ferran schenkte sich noch etwas Wasser nach und lehnte sich zurück. Auch Connor sollte vielleicht noch etwas seine Mitte finden. „Wo genau liegt eigentlich das Haus von Alvarez Garcia?“

„Mitten im Dschungel. Ich habe es mir im Internet angesehen, weil ich mir das gar nicht vorstellen konnte. Vom Flughafen aus, ist es mit dem Auto ungefähr zwei Stunden zu fahren.“ Connor holte seinen Laptop, damit er Ferran alles zeigen konnte. Es gab zwar keine Detailaufnahmen, aber man bekam einen guten Eindruck, von der Lage und der Größe des Anwesens.

Ferran nickte. „Okay. Und da das ein privates und geschütztes Areal ist, hat es auch einen Zaun und Tore oder geht man da ein und aus wie man lustig ist? Wenn ja, wo sind denn die Tore. Damit der Fahrer sich eine Route zusammenstellen kann.“ Ferran machte sich Notizen und schickte sie gleich an den Fahrer, damit der schon einmal wusste, was auf ihn zukam, sobald er Connor am Flughafen eingeladen hatte.

Connor zeigte Ferran alles, was auf dem Bild zu erkennen war. Viel war es leider nicht. „Ich wollte mich ungefähr hier positionieren.“ Er zeigte Ferran die Stelle, die er sich ausgesucht hatte. Sie war nicht zu weit vom Haus entfernt, aber von dort auch nicht einsehbar. „Ich werde versuchen ein paar Bilder zu machen und sie dir dann schicken.“

„Ich muss das nicht wissen und es geht mich auch nichts an. Es ging mir nur darum, dem Fahrer die Richtung zu geben, damit er dich nicht mit Umwegen aufhält. Der Rest ist dein Ding.“ Ferran hob abwehrend die Hände, Connor sollte nicht glauben, dass er jetzt Rechenschaft schuldig war, nur weil er zu einem Clan gehörte. Was der Clan wissen musste, erfuhr er schon – so oder so.

„Nein, so meinte ich das nicht“, lachte Connor und schlug Ferran spielerisch gegen die Schulter. „Ich habe das nicht gesagt, weil ich denke, dir etwas schuldig zu sein. Ich habe es gesagt, weil ich in dir einen Freund sehe, den ich an meiner kleinen Überraschung Teil haben lassen möchte.“

„Okay. Wenn das so ist, überfrachte mich mit Informationen“, lachte Ferran und nickte. Es tat gut zu wissen, dass er etwas richtig gemacht hatte und Connor sich bei ihm so wohl gefühlt hatte, dass er bereit war, ihn als einen Freund anzusehen. Er sah automatisch zu den Anschnallzeichen, als diese aufleuchteten und der Kapitän erklärte, dass sie mit dem Landeanflug auf Sao Paulo begonnen hätten.

„Es geht los.“ Connor schnallte sich an und wurde ganz aufgeregt. Es fiel ihm schwer, still sitzen zu bleiben, aber er nahm sich zusammen, denn Ferran grinste schon wieder. „Landungsangst“, versuchte er darum grinsend abzulenken.

„Dann wird das eine Qual für dich werden, Connor. Diese Landung wird sich mindestens zehn Minuten hinziehen. Also brauchst du jetzt einen langen Atem.“

Aber der Pilot machte seinen Job gut und brachte sie sanft auf den Boden zurück.

Nahe bei dem Landeplatz wartete schon ein Geländewagen auf Connor. Er brachte sein Gepäck zum Wagen und begrüßte den Fahrer, der schon die Heckklappe geöffnet hatte. Connor musste grinsen, als er alles, was er geordert hatte, bereit liegen sah. Jetzt musste seine Überraschung nur noch gelingen. Er verabschiedete sich von den anderen und stieg in den Wagen, machte sich schnell mit dem Fahrer bekannt und dann waren sie auch schon auf dem Weg zum Alvarez‘ Reservat.


19 

„Carlos, ich muss noch mal raus. Kannst du die Ergebnisse zusammenstellen? Ich will sie heute Abend noch durchsehen.“ Alvarez streckte sich an seinem Schreibtisch. Doch dann erhob er sich. Er wusste, dass sein Schwager ihn nicht enttäuschen würde, weil er ihn nie enttäuschte. Und der Kater selbst wollte sich jetzt eine Stunde im Dschungel gönnen. Er brauchte Auslauf.

„Klar, tob dich ruhig aus. Ich schicke dir alles auf deinen Laptop.“ Carlos grinste, denn das kannte er schon. Schreibtischarbeit war nicht so wirklich Alvarez' Ding. Sie musste sein, darum wurde sie erledigt, aber so bald es ging, war der schwarze Panther wieder in seinem geliebten Dschungel. Er sah seinem Schwager hinterher, der schon im Pelz aus dem Büro flitzte. Doch der blieb abrupt stehen, als er noch einmal seinen Namen hörte. Der Kater sah sich um, wo kam die Stimme her? Javier kam gerade aus einem der Jeeps und grinste. „Wollte dir nur sagen: wenn du deinen Flattermann an einem Stück behalten willst, solltest du dich zu einer Rettungsmission aufmachen. Die Teufelsbande hat ihn gewittert, umstellt und zerfleddert ihn gerade. Kein schöner Anblick.“

Es dauerte nur einen Lidschlag, da stand Alvarez in seiner menschlichen Gestalt vor seinem Mitarbeiter. „Was...? Wie...? Connor ist hier?“, fragte er etwas konfus und Javier nickte. „Ich nehme es mal an. Vampir, rothaarig und mit einer Kette an einen Baum gekettet. Dazu wohl noch mit einem Banner, aber das wird gerade zur Abwehr von einem kleinen schwarzen Panther benutzt. Darum solltest du dich auch beeilen, ist schon zerfleddert.“

„Wie kannst du es zulassen, dass der kleine schwarze Teufel…. Ah!“ Alvarez wandte sich ab und wandelte sich, dann sah man nur noch eine kleine Staubwolke, in der er verschwunden war. Er hetzte los, ohne zu wissen, wo er suchen musste, doch er hatte Jorgez‘ Spur in der Nase und da, wo er den kleinen schwarzen Teufel fand, da würde er bestimmt auch Connor finden. Und dann würde er diesen kleinen schwarzen Bastard … und wie er ihn würde …

„Ich hoffe, dass er meinen Sohn am Leben lässt“, lachte Carlos, der da aber eigentlich keine Angst hatte. Alvarez war der einzige in der Familie, der dem kleinen Panther Grenzen setzte, was dem natürlich überhaupt nicht passte. Schließlich waren er und seine beiden Schwestern etwas Besonderes, weil nur sehr selten Drillingsgeburten vorkamen und dementsprechend wurden sie verwöhnt und ihnen alles verziehen, was sie anstellten.

Nur Alvarez war der Meinung, dass es keinen Sinn machte, sie zu verhätscheln. Was man davon hatte, sah man ja gerade wieder. Carlos war sich sicher, dass es sein Sohn sich wieder nicht nehmen lassen würde, dem Clanchef ans Bein zu pissen – so wie eigentlich immer. Sie waren sich einfach zu ähnlich. Und keiner von beiden wollte das einsehen oder gar akzeptieren.

Der Panther rannte, was die Pfoten hergaben, und plötzlich mischte sich unter den Geruch der Kinder auch der geliebte und bekannte Geruch von Connor. Aber nicht der seines Blutes – das war gut. Das rettete Jorgez zwar nicht das Fell, aber vielleicht sein kleines schwarzes Leben.

Er kam zu der kleinen Lichtung und blieb erst mal noch im Unterholz, um sich einen Überblick zu verschaffen. Es war genauso, wie Javier es gesagt hatte. Connor hockte in einer Astgabel und Jorgez hatte sich in einem der Holzgriffe des Banners verbissen und knurrte aufgebracht, weil er nicht zum Ziel kam. Der Vampir stellte sich ziemlich geschickt dabei an, den kleinen Rabauken in Schach zu halten. Er grinste sogar.

Jorgez‘ Schwestern hatten es sich auf Ästen in der Nähe bequem gemacht und beobachteten die Szene, versuchten aber wieder, sich ungesehen von Connor an ihn heran zu schmusen. Man sah dem Vampir an, dass er versucht war, die kleinen Jaguare zu streicheln. Doch da sie so wild waren und immer wieder angriffen, war er sich nicht sicher, ob das so eine gute Idee war. Vielleicht hätte er etwas zur Bestechung mitbringen müssen – doch daran hatte er nicht gedacht.

Alvarez knurrte, dann lief er los und fing an den Stamm hinauf zu klettern.

Connor war so auf seinen Kampf konzentriert, dass er sich etwas erschreckte, als der große Kater auf einmal zwischen ihn und dem anderen Panther sprang. Ihm war aber sofort klar, wer das nur sein konnte. „Alvarez“, rief er darum. „Ich könnte gerade deine Hilfe gebrauchen, wenn du mich behalten möchtest.“

Der große Panther knurrte, doch der Kleine war nicht minder übel gelaunt.

Was bildete sein Onkel sich ein?

Also sträubte Jorgez das Fell und versuchte nun, immer wieder zwischen Alvarez und seine Beute zu kommen. Bis es ihm reichte und er sich wandelte. Ein Junge von vielleicht sechs Jahren hockte nun im Baum, blitzte den schwarzen Kater wütend an und knurrte. „Mach dich weg. Das ist mein Vampir. Ich habe ihn entdeckt und gestellt und eingekreist. Er ist meine Beute!“

Als er die fremde Stimme hörte, linste Connor um Alvarez herum, da dieser ihm die Sicht versperrte und musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut zu lachen. Auf dem Ast saß eine Miniversion von Alvarez. Die gleichen schwarzen Haare, die gleichen grün-gelben Augen, die zusammengezogen sein Gegenüber anblitzten.

Er hatte sich ja schon gedacht, dass die drei kleinen Jaguare zu Alvarez' Clan gehörten. Nun wusste er es ganz genau. Hier konnte keiner von beiden die Familie leugnen. Das mussten sie gar nicht erst versuchen. Und während die beiden Kater sich taxierten und mit Blicken maßen, während Alvarez drohend knurrte und Jorgez sich davon nicht beeindrucken ließ, rutschten die beiden Katzen ganz unauffällig etwas dichter zu Connor.

Sie wollten den Fremden auch einmal beschnüffeln, jetzt wo ihr Bruder mit ihrem Onkel beschäftigt war. So schoben sich zwei kleine Jaguardamen unter Connors Armen durch und hockten schnurrend auf seinem Schoß. Der hatte sich erst ziemlich erschrocken, aber jetzt legte er die Arme um die Kätzchen und lächelte. „Hallo, ihr Süßen“, flüsterte er leise. „Ihr seid aber niedlich.“

Nicht dass sie das nicht schon gewusst hätten, doch man hörte das auch zum hundertsten Mal wieder gern. Und so schnurrten sie laut und hingebungsvoll, bis Jorgez es bemerkte und knurrte. „Ey, das gleiche gilt auch für euch. Sucht euch gefälligst eure eigene Beute. Diese ist meine – ganz klare Ansage.“

Connor sah, wie Alvarez die Ohren drehte, sonst regte sich der Panther nicht. Jorgez schien schon zufrieden mit sich und der Welt, weil er über den Clanchef triumphierte, doch da sprang Alvarez auf den Jungen zu, griff ihn im Genick und erwischte genau die beiden Akupressurpunkte mit seinen Fängen, die junge Werkatzen dazu zwangen sich zu wandeln, ob sie das wollten oder nicht. Und nun hing er in Alvarez' Maul, fauchte, strampelte und brachte mit seinem Gewicht den schwarzen Kater ein bisschen aus dem Gleichgewicht.

Aber nur kurz, dann machte sich Alvarez daran, mit seinem Neffen im Maul am Baum hinab zu steigen. „Wir sollten auch runter gehen“, erklärte Connor seinen Besetzerinnen. Er löste das Kettenschloss und ließ es mit der Kette zusammen vom Baum fallen. „Na dann los.“ Er griff sich die beiden Katzen und breitete die Flügel aus. Das konnte er jetzt ohne Probleme. Er stieß sich ab und flatterte zu Boden, wo ein schlecht gelaunter Jorgez erst ihn und dann Alvarez anfunkelte. Dann wandelte sich der Junge wieder und schnaubte.

„Klasse, Alvarez. Echt! Ich werd von dir durch die Gegend geschleppt wie ein kleines Kätzchen und die beiden durften Vampirlift fahren.“ Doch nun hatte auch Alvarez die Nase voll und wandelte sich. Er ignorierte die Kinder – und zwar alle drei – und griff sich wortlos Connor, küsste ihn ausgehungert und heftig und sah dann Jorgez an.

Gut, dass Connor die beiden Katzen schon auf den Boden gesetzt hatte, darum konnte er sich fest an Alvarez schmiegen, denn der Kuss hatte ihn ein wenig schwindelig gemacht. „Wow“, murmelte er leise und grinste breit. Auf so eine leidenschaftliche Begrüßung hatte er gehofft.

„Das sag ich Papa“, erklärte Jorgez und verschränkte die Arme vor der Brust. Es war ihm völlig egal, dass der Vampir ihn in all seiner Nacktheit sehen konnte. Er war schließlich was Besonderes, nur schien das sein Onkel einfach nicht zu begreifen. „Du kannst nicht einfach kommen und meine…“ Alvarez hatte genug. Er hielt Jorgez den Mund zu und sah ihn an.

„Der Vampir hier gehört mir. Mach dass du heim kommst und lern endlich lesen. Noch so eine Aktion und du gehst umgehend ins Internat.“ Der Panther verlor langsam die Geduld mit dem aufmüpfigen kleinen Kater und so zog er Connor noch dichter zu sich und wandelte sich in sein Ambigua. Das konnte Jorgez noch lange nicht. „Husch!“

Aber so schnell gab der kleine Panther nicht auf, er maulte und schimpfte und sein Onkel musste noch einmal drohend knurren, bis er sich mit seinen Schwestern aus dem Staub machte. Von dem Jungen ungesehen grinste Connor an Alvarez' Schulter und wenn er schon mal da war, knabberte er ein wenig über die warme Haut. Alvarez roch schon wieder so verlockend, darum atmete er tief ein. „Ich gehöre also dir? Schöne Vorstellung.“

„Gut, dass ich deine Zustimmung habe, ich habe hoch gepokert“, grinste Alvarez zufrieden und schob seinen Vampir langsam rückwärts gegen den Baum. „Wenn du allerdings lieber den kleinen nervigen Kater haben willst, dann werde ich dich schweren Herzens freigeben müssen. Aber du sollst ja zufrieden sein.“ Seine Lippen strichen über Connors und der konnte das Grinsen spüren.

„Nein, nein, muss nicht sein. Die Besitzverhältnisse gefallen mir ausgesprochen gut.“ Connor legte seine Hände auf den straffen Hintern, strich einmal darüber und griff sich dann den weichen Schwanz. „Dieser Jorgez ist ja niedlich, aber ich steh mehr auf die ausgewachsene Version.“

„Ach, so hast du dir das gedacht. Du wirst mich noch ein bisschen ausnutzen für deine Befriedigung und deine Blutversorgung und wenn der Nervzwerg erwachsen ist, dann wird der alte Kater ausgetauscht“, knurrte er und sah Connor herausfordernd an. „Ein hinterhältiger Vampir.“

Connor versuchte unschuldig drein zu blicken, aber dann musste er grinsen. „Aber nur, wenn er so ein herrlicher Mann wie du wird und das glaube ich nicht, denn du bist einmalig. Du wirst mich also nicht in ein paar Jahren los werden.“ Er küsste Alvarez und ließ den Schwanz durch seine Finger gleiten.

„Ach, das sagst du doch jetzt nur so“, sagte er gespielt verlegen und grinste dann. „Aber du hast Recht. Sag mir lieber, warum du hier bist und nicht in New York und warum hast du mir nicht gesagt, dass du kommst? Wie lange kannst du bleiben?“ Alvarez stellte Frage um Frage, doch er gab Connor nicht die Möglichkeit zu antworten, sondern küsste ihn wieder.

Connor fand es gar nicht schlimm, dass er nicht antworten konnte. Von Alvarez geküsst zu werden, war um so vieles besser. „Das habe ich vermisst“, seufzte er zufrieden, als sich ihre Lippen trennten. „Ich bin hier, weil Assai und Aset mich aus der Schusslinie haben wollten, während sie sich um Ortega kümmern und es sollte eine Überraschung für dich werden. Leider ging mein Banner in Fetzen, bevor du es sehen konntest.“

„Was hätte ich denn darauf gelesen, wenn der Nervzwerg es nicht zerstört hätte“, wollte Alvarez wissen. Die übrigen Informationen hatte er aufgenommen und er kannte Asets Ruf gut genug, um zu wissen, dass er erledigte, was er anfasste. Es sollte also in Ordnung gehen, wenn sich die Vampire um den Mistkerl kümmerten. Er würde sich lieber um dessen erklärtes Opfer kümmern.

„Erst sollte darauf stehen: „Rettet den Regenwald“, aber dann habe ich mich umentschieden. Und ich habe „Arbeitsloser Vampir sucht ein Zuhause“, drauf geschrieben und gehofft, dass du mich behalten willst.“ Etwas traurig sah Connor auf die Überreste seines Banners. Da war nichts mehr zu erkennen.

Alvarez löste sich jetzt doch ein Stück von seinem Freund und sah Connor forschend an. „Arbeitslos? Was soll das heißen, arbeitslos? Weil du für ein paar Tage aus der Schusslinie bist, bis die Vampire den Mistkerl in seine Schranken gewiesen haben. Das ist doch nicht arbeitslos, das ist nur beurlaubt.“ Er grinste.

„Ich habe gekündigt.“ Connor schob seine Finger in Alvarez' Haare und zupfte leicht an den weichen Ohren. „Man hat uns wohl zusammen gesehen, als du in New York warst und sagen wir mal so, mein Boss hat von mir verlangt, mir eine Verlobte zuzulegen, wenn auch nur als Alibi, damit ich den Ruf der Staatsanwaltschaft nicht beschädige.“

„Idioten“, knurrte Alvarez und senkte kurz den Blick. Dabei waren sie eigentlich sehr vorsichtig gewesen. Doch es reichte ein Verdacht um jedem zu schaden. Doch dann sah er wieder auf. „Bleib bei mir. Einen guten Juristen in deinem Fach können wir immer gebrauchen und wenn ich dich jeden Tag bei mir habe und nicht nur deine Stimme, bin ich auch nicht gerade böse drüber. Vergiss die Idioten.“

„Schon geschehen.“ Connor lächelte, weil Alvarez das gesagt hatte, was er gehofft hatte und küsste ihn ausgelassen. „Erst einmal mache ich Urlaub und werde mir dein kleines Reich ansehen, aber die Vorstellung, hier bei dir zu bleiben und mit dir zu arbeiten, ist verlockend. Vielleicht habe ich dann ja die Gelegenheit mal wieder ein Banner zu basteln.“

„Ja, aber häng es bitte erst wieder in einen Baum, wenn ich den Nervzwerg endlich in ein Internat geschickt habe. Es wird Zeit, dass der Teufelsbande endlich mal die Krallen gestutzt werden. Lass dir von denen nicht auf der Nase herum tanzen, hörst du? Es reicht, dass der Clan ihnen völlig verfallen ist, weil sie etwas ganz Besonderes wären.“ Alvarez redete eindringlich, grinste aber.

„Ich werde es versuchen, aber die drei sind so niedlich.“ Connor kicherte und legte Alvarez die Arme um den Hals. „Ich kann ihnen nicht verfallen, weil ich schon dir vollkommen verfallen bin. Die letzte Woche ohne dich war furchtbar. Ich habe dich unwahrscheinlich vermisst.“

„Das möchte sein – ich bin nun einmal der beste“, sagte Alvarez lapidar, lachte dann aber und zog Connor noch etwas dichter zu sich. „Ich habe dich auch vermisst", flüsterte er leise gegen dessen Hals, das war mehr als je jemand zuvor von ihm bekommen hatte.

Connor schmiegte sich an Alvarez und musste lächeln. „Das hatte ich gehofft, als ich hier her gekommen bin.“ Er zupfte noch einmal sanft an den weichen Ohren. „Und weil ich gerne mehr von dir hätte, sollten wir hier verschwinden und uns einen Platz suchen, wo wir uns gegenseitig zeigen können, wie sehr wir uns vermisst haben.“

Alvarez lachte. „Hunger, kleiner Vampir?“, fragte er und wandelte sich, um neben Connor herzulaufen und sich dabei den Kopf kraulen zu lassen. Dabei lotste er ihn durch den Dschungel, einen oft genutzten Pfad entlang, der vom Anwesen zum ersten Labor führte.

„Großen Hunger. Ich musste eine Woche hungern.“ Connor lief neben Alvarez her und strich ihm immer wieder durch das Fell. Dabei sah er sich um. Diese üppige Vegetation war völlig neu für ihn. „Ich habe mir Regenwald nicht so überwältigend vorgestellt. Er ist einfach fantastisch, voller Leben. Du lebst auf einem wirklich herrlichen Stück Land.“

Der Panther nickte nur träge und dirigierte Connor den Weg entlang. Auch er liebte diesen Flecken Erde und das war einer der Gründe, warum er alles daran setzte, ihn und alles darin zu erhalten und zu schützen. Nach ein paar Minuten kamen sie auf eine Freifläche, um die herum Häuser angeordnet waren, vor einem saß Jorgez mit einer Frau mittleren Alters und zeterte und schimpfte, dass es für Alvarez‘ gute Ohren nur so eine Freude war, denn er und sein heimtückischer, nicht Regel konformer Diebstahl von Jorgez‘ Beute war wohl immer noch der Grund des Unmutes des kleinen Jaguars.

Auch Connor konnte ihn gut hören. In der letzten Woche hatte Ferran nicht nur seine Flügel trainiert und Fragen beantwortet. Er hatte dem jungen Vampir auch geholfen seine anderen Sinne zu schärfen. „Ich hoffe mal, dass er mit seinen Forderungen keinen Erfolg hat, wo er doch so etwas Besonderes ist“, lachte er und strich dem schnaubenden Panther über den Kopf. Er besah sich die Frau, die neben Jorgez saß. „Deine Mutter nehme ich an“, schlussfolgerte er, denn auch sie konnte die Familienähnlichkeit nicht verleugnen. „Wir sollten sie auf unsere Seite ziehen und ihr die wahren Besitzverhältnisse einer gewissen, strittigen Beute erläutern.“

Alvarez nickte nur, denn langsam fand er, dass Jorgez zu weit ging. Und wenn sich kein anderer dazu bemüßigt fühlte, den kleinen schwarzen Teufel in seine Schranken zu weisen, dann musste er das eben selber tun. Er hörte seine Mutter lachen, als sie dem kleinen Jaguar erklärte, dass er da vielleicht vorsichtig sein sollte. Schließlich machte Alvarez den Eindruck, als wäre das seine Beute, die er sich extra aus New York hatte kommen lassen. Doch Jorgez wiegelte das nur ab. New York war nicht der Urwald – hier zählten andere Gesetze. Sein Fang – seine Beute.

Connor musste sich das Grinsen verkneifen. Der Kleine ließ aber auch nicht locker. „Guten Tag, Mrs. Garcia“, grüßte er Alvarez' Mutter, die lächelnd zu ihm aufsah. „Mein Name ist Connor Flanagan. Ich freue mich, Sie kennen zu lernen.“ Er streichelte Alvarez über den Kopf, denn der knurrte schon wieder leise. „Ist es möglich, dass ich bestimmen darf, wessen Beute ich sein möchte? Ich fürchte, sonst wird das schwer mit einer Einigung.“

Conzuela lachte leise und nickte, als sie den Gruß erwiderte. „Sicherlich dürfen sie sich aussuchen, wem sie gehören wollen, wo sie doch die Beute sind. Ich fürchte nur, dass es die beiden schwarzen Jaguare nicht davon abhalten wird, weiter darum zu raufen, wem sie nun gehören.“

„Da gibt es nichts zu raufen, das ist meiner. Ich habe ihn aufgespürt und ich habe ihn gefangen. Und nur weil mein Onkel den angeleckt hat, heißt das noch lange nicht, dass er ihm gehört.“

Komisch nur, dass wenn Jorgez sein Steak anleckte, damit kein anderer es nahm, anlecken sehr wohl hieß, dass es ihm gehörte.

Connor merkte, dass Alvarez gleich der Geduldsfaden riss, denn der schwarze Panther spannte sich an. „Doch das heißt es. Dein Onkel Alvarez hat mich in New York aufgespürt, mich gejagt und gestellt und mir drei Mal das Leben gerettet. Ich gehöre ihm und werde ihm immer gehören, egal ob du hier im Dschungel schneller warst, oder nicht.“ Connor hatte zwar nicht viel Hoffnung, dass Jorgez das akzeptierte, aber es war einen Versuch wert und so verstand Alvarez' Mutter wohl eher, wie es um ihn stand.

Conzuela sah ihn an und blickte dann auf ihren Jungen. Das hatte er ihr freilich nicht erzählt. Aber er erzählte sowieso selten etwas über sich selbst. Er war zu sehr Clanchef und so war sie froh, dass er das eigene Leben wohl doch noch nicht ganz aufgegeben hatte. „Du hast es gehört, Jorgez, Connor gehört deinem Onkel und du wirst dich da nicht mehr einmischen. Wenn ich Klagen höre, junger Mann, dann … du weißt schon!“

„Boah was soll das denn jetzt?“, knurrte Jorgez und wandelte sich. Er hatte wohl nichts mehr zu sagen.

„Vielen Dank!“ Connor lächelte Alvarez' Mutter an und sah dann Jorgez hinterher, der denkbar schlecht gelaunt über den Hof lief und seinen Unmut an ein paar unvorsichtigen Hühnern ausließ, die das Pech hatten, seinen Weg zu kreuzen. Sie konnten ihm zum Glück entkommen, mussten aber ein paar Federn lassen. „Oh je“, seufzte Connor. „Ich glaub nicht, dass das schon ausgestanden ist.“

Alvarez wandelte sich und schlang die Arme von hinten um Connor, küsste ihn kurz auf den Hals, auch wenn seine Mutter ihn mit Argus-Augen beobachtete. „Mir egal. Der wird schon noch lernen, dass er nicht alles darf, nur weil jeder glaubt, er wäre etwas Besonderes. Es wird Zeit, dass er erzogen wird“, knurrte er und Conzuela lachte leise. Auch wenn Alvarez es abstritt – Jorgez war ihrem Jungen ähnlicher als den beiden lieb war.

Connor küsste Alvarez kurz auf die Wange und grinste zu dessen Mutter. „Alvarez in klein“, formten seine Lippen lautlos. Er lehnte sich in die Umarmung und streichelte über die Hände auf seinem Bauch. „Hier lebst du also?“ Er sah sich um, denn dazu hatte er noch gar nicht richtig Gelegenheit gehabt, bei all den Besitzstreitigkeiten. „Es ist wunderschön hier.“

„Ja, das ist es. Das Haus da drüben, etwas abseits, ist meins. Dort kannst du wohnen und bist hoffentlich von der Teufelsbrut unbehelligt“, erklärte Alvarez. Er störte sich nicht an der Spur der Verwüstung, die Jorgez hinterließ. Nicht an den Federn, nicht am aufgewirbelten Dreck, nicht an den abgeknickten Ästen – er würde dem jungen Mann schon bei Gelegenheit beibringen, dass er das nicht ungestraft machte.

„Dann solltest du auf mich aufpassen. Nicht das ich noch entführt werde.“ Connor lachte und sah sich das Haus, in dem er wohnen sollte, an. „Hübsch und meine Sachen stehen schon vor der Tür.“ In dem ganzen Durcheinander vorhin, hatte er ganz vergessen sie mit zu nehmen. „Wer auch immer so umsichtig war und sie hier her gebracht hat. Ich bedanke mich vielmals.“

„Gern“, kam es aus einem der Häuser und kurz guckte ein Kopf aus dem Fenster, grinste und verschwand wieder.

„Carlos, der Vater des Teufels“, erklärte Alvarez und nickte in die Richtung des Hauses. „Dort liegt das Büro. Dort arbeite ich, wenn ich nicht im Dschungel unterwegs oder auf Kongressen bin.“

Connor lachte und rief einen Dank in Richtung des Fensters. Der Mann war ihm gleich sympathisch. „Ihr seid ein richtiger Familienbetrieb. Das ist schön.“ Er zeigte auf die anderen Häuser, die noch um den Hof verteilt waren. „Und hier lebt ihr alle? Wer aus deiner Familie lebt und arbeitet denn noch hier?“

„Im Haupthaus leben meine Eltern. Mom kümmert sich um die Angestellten auf den Feldern, die alle versorgen. Dad ist Leiter einer der Labore tiefer im Dschungel. Dort drüben wohnt Carlos mit meiner kleineren Schwester und da drüben ihr Bruder. Da wohnen noch jüngere Geschwister von mir und Leti kennst du ja, sie wohnt nicht hier. Wenn sie mit ihrer Familie hier ist, lebt sie mit im Haupthaus“, fasste Alvarez zusammen und sah sich einmal in der Runde um.

„Eine große Familie hast du.“ Connor versuchte sich zu merken, was er gerade gehört hatte, aber wahrscheinlich wusste er nachher eh nicht mehr, wer wo wohnte. „Ich werde sie bestimmt alle noch kennen lernen. Ich hoffe, es stört niemanden, dass ich hier bin. Schließlich habe ich mich gar nicht angemeldet.“

„Ich habe dich eingeladen mich zu besuchen, wann immer es dir passt. Mehr braucht es nicht.“ Alvarez klang jetzt vielleicht so, als würde er über den Kopf des Clans hinweg entscheiden, doch so war es nicht. Er hatte seine Familie vorher informiert, dass irgendwann einmal jemand hier her kommen würde, um ihn zu besuchen – nun war es eben soweit. „Also mach dir keine Gedanken, es sind nicht alle wie Jorgez.“

„Das ist gut zu wissen. Aber es hätte mir auch nichts ausgemacht, jedem von ihnen zu erzählen, dass ich dir gehöre“, sagte Connor leise und verband ihre Lippen zu einem sanften Kuss. Aber da er es Alvarez' Mutter gegenüber unhöflich fand, löste er den Kuss schon nach kurzer Zeit wieder und wandte sich ihr zu. „Ich habe gehört, sie haben einen kleinen Tapir in Pflege. Darf ich ihn mir später mal ansehen? Ich kenne diese Tiere bisher nur aus dem Zoo.“

„Johnny?“ Conzuela sah ihren Jungen verwirrt an. Über was sprachen die beiden denn? Doch sie nickte. „Sicher. Er ist hinten im Garten und dezimiert dort meine Pflanzen. So klein ist er gar nicht mehr, er verliert jetzt langsam seine Streifen.“ Aber dann wandte sie sich ab, sie hatte noch etwas zu erledigen.

„Komm, wir suchen uns erst mal eine ruhige Ecke und du erzählst mir noch einmal im Detail, was eigentlich alles passiert ist.“ Alvarez griff Connor bei der Hand und führte ihn zu seinem Haus.

„Nichts lieber als das“, lachte Connor und zwinkerte Alvarez zu. Damit der schon mal wusste, dass er gleich erst einmal nicht reden wollte. Erst einmal wollte er es genießen, den Jaguar wieder bei sich zu haben und ihn küssen, ohne dass sie unterbrochen wurden. Lust hatte er auch noch auf ein paar andere Dinge, aber das würde sich schon ergeben. Da machte er sich wenig Sorgen.

„Na, das klingt aber gerade ziemlich gierig“, lachte Alvarez leise, der Connors Stimme sehr wohl zu deuten wusste. Und so waren sie schnell durch die Tür, hatten sich gerade noch die Sekunde genommen, die Reisetasche mit sich ins Haus zu nehmen, ehe die Tür zu schlug.

 
 

20 

„Du bist dir sicher, dass der mich auf sich reiten lässt?“ Connor guckte ein wenig skeptisch auf das relativ kleine Pferd neben sich. Das Reiten an sich machte ihm keine Sorgen. Er hatte zwar schon seit Jahren nicht mehr im Sattel gesessen, aber er ging davon aus, dass man so was nicht verlernte. Ihm machte eher Sorgen, ob das Pferd ihn tragen konnte. Er war zwar dünn, aber kein Fliegengewicht. Juan, so hieß der Wallach, schnaubte und Connor strich ihm über die Nüstern. „Bin ich nicht zu schwer?“

Alvarez neben ihm lachte und klappste seinem Vampir auf den Hintern. „Wird er und er ist stärker und zäher, als du glaubst. Er trägt dich ohne Probleme.“

Connor wirkte noch immer nicht überzeugt. „Wenn du meinst. Du musst es wissen.“

„Und außerdem: wer würde dich nicht gern auf sich reiten lassen“, konnte er sich dann doch nicht verkneifen, als er sich in den Sattel seines Pferdes schwang. Summer war schon seit Jahren sein treuer Begleiter und ließ sich mittlerweile ohne Zügel reiten, wenn es sein musste, weil Alvarez die Hände für etwas anderes brauchte. „Na los, schwing dich in den Sattel. Wir haben nicht ewig Tageslicht, kleiner Vampir.“ Er grinste, als ein kleiner schwarzer Jaguar knurrend hinter einem Baum hervor spitzte.

Connor sah ihn auch, ließ sich aber nichts anmerken. Er stieg auf und erst fühlte er sich etwas unsicher, aber das verging fast sofort wieder. Er lenkte Juan neben Summer und beugte sich für einen Kuss rüber zu Alvarez. „Das will ich doch hoffen, denn genau das habe ich später mit dir vor.“ Es war schon erschreckend, wie sehr er den Jaguar wollte. Er bekam einfach nicht genug von ihm. Darum hatten sie die letzte Nacht auch nicht sehr viel geschlafen.

„Dann nimm Juan nicht zu fest ran, ich will auch noch was von dir haben“, grinste Alvarez leise, und sagte lauter. „Jorgez, mach dass du zu deinen Schwestern kommst. Ihr sollt Oma bei der Gartenarbeit helfen, los!“ Dann gab er Summer die Sporen und ließ sie laufen, hatte aber immer mal ein Auge auf Connor, ob der folgen konnte. Sie wollten in das Lager der Forscher und anschließend in eines der Labore. Sie würden also eine Weile unterwegs sein.

Es dauerte ein paar Minuten, bis Connor in den Rhythmus gefunden hatte und sich wieder daran gewöhnt hatte, im Sattel zu sitzen. Er schloss zu Alvarez auf und strahlte über das ganze Gesicht. „Das ist herrlich. Erst jetzt weiß ich, was ich die letzten Jahre alles verpasst habe.“

„Dafür hast du dich auf anderes konzentriert, was in deinem Leben auch wichtig war. Jetzt kannst du einen Strich ziehen und etwas Neues anfangen. Wenn du Lust hast, bleib hier und wenn du lieber für Assai arbeiten willst in einer internationalen Reederei, dann ist das auch okay.“ Alvarez würde Connor die Wahl lassen und ihn nicht beeinflussen. Lieber ließ auch er das auf sich wirken, was sein Leben ausmachte – der Dschungel.

„Ja, es ist Zeit für etwas Neues.“ Connor war Alvarez dankbar, dass er ihm die Wahl ließ bei der Planung seiner Zukunft, aber ganz tief in sich wünschte er sich, dass Alvarez ihn bat, bei ihm zu bleiben, was aber wohl nicht passieren würde. Er musste sich auch nicht sofort entscheiden, erst einmal machte er Urlaub und den wollte er genießen. Darum ritt er schweigend neben Alvarez und ließ das üppige Grün um sich herum auf sich wirken. Er suchte nach Tieren, konnte bisher aber noch keins entdecken.

„Was suchst du so angestrengt?“, wollte Alvarez wissen, als er Connor eine Weile beobachtet hatte. Immer wieder sah er sich um, als würde er etwas suchen, es aber nicht finden. Vielleicht konnte man ihm ja helfen? „Der kleine Teufel wird uns schon nicht folgen, du bist hier sicher.“

„Da bin ich aber froh.“ Connor lachte, schüttelte aber den Kopf. „Ich habe nicht nach Jorgez Ausschau gehalten, sondern versuche Tiere zu entdecken. Bisher war ich allerdings nicht sehr erfolgreich. Dabei müsste der Dschungel doch nur so vor Tieren wimmeln.“

„Tut er doch auch“, sagte Alvarez und wirkte nun sichtlich verwirrt. Überall waren sie, turnten auf Blättern und an den Bäumen. Er ließ Summer anhalten, dicht neben einem Stamm, auf dem gerade ein paar kleine Eidechsen herum flitzten und Ameisen fraßen. „Schau – Tiere.“

„Tatsache!“ Connor hatte neben Alvarez angehalten und beugte sich etwas vor. Sofort flitzten die Eidechsen in alle Richtungen weg. „Nicht weglaufen“, rief er und sah dann lächelnd zu Alvarez. „Ich habe wohl noch nicht den richtigen Blick.“

„Nein, aber du wirst ihn bekommen, wenn du es zulässt. Du wirst dich öffnen und nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch mit den Ohren und dem Herzen. Mach dir keine Gedanken darüber“. Alvarez strich seinem Freund kurz durch die Haare und lächelte ihn an. „Schau da oben“, sagte er leise und deutete über sich. Ein paar kleine bunte Vögel sahen sie neugierig an.

Connor hob vorsichtig den Kopf und musste lächeln, denn die kleinen Vögel trippelten hin und her und verrenkten sich bald die Köpfe, um etwas sehen zu können. „Süß“, lachte er leise und als er sich umsah, waren auf einmal überall Tiere, die er vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Verschiedene Insekten, Vögel, Schmetterlinge waren in ihrer Nähe. Er sah sogar einen Affen, der sie aus einiger Entfernung beobachtete. „Wahnsinn“, murmelte er leise und strahlte Alvarez an.

„Du musst dir Zeit nehmen, ihm Aufmerksamkeit schenken, dann wird der Dschungel dir das gleiche entgegen bringen“, sagte Alvarez und strich Summer durch die Mähne. Sie langweilte sich. Für sie waren all diese Wege nicht neu und so wollte sie lieber laufen als herum stehen. „Komm mal mit, ich kenn da was.“ Langsam ließ er Summer antraben.

„Los hinterher.“ Connor ließ Juan los laufen und schloss zu Alvarez auf. „Was hast du vor?“, fragte er neugierig. Eigentlich wollte der Panther ihm die Labore zeigen, damit er sich ein Bild davon machen konnte, woran dort gearbeitet wurde. Aber nun schien sich ihr Plan etwas geändert zu haben. Alvarez sah Connor an und legte sich einen Finger an die Lippen, um ihm klar zu machen, dass er ganz leise sein musste, wenn er etwas sehen wollte. So suchten sich die Pferde leise ihren Weg und ihre Reiter versuchten kaum zu atmen. Alvarez sah sich suchend um, witterte und lenkte Summer dann in eine andere Richtung, bis er sah, was er suchte. Der junge Ozelot-Kater lag auf einem Ast in der Sonne und döste.

Connor sah mit leuchtenden Augen auf die gefleckte Katze und hielt unwillkürlich die Luft an, um sich ja nicht zu verraten. Den Blick fest auf die Katze gerichtet, tastete er mit der Hand nach der seines Freundes und drückte sie. Er wusste, dass Ozelots sehr selten waren, umso mehr freute er sich, dass er die Gelegenheit hatte, eins der Tiere zu sehen.

Alvarez grinste, denn er kannte den jungen Kater schon etwas länger. Er war ein kleiner Krawallbruder und hatte sich mit ihm schon einmal anlegen wollen, als er auf der Bank vor dem Labor ein kleines Nickerchen gehalten hatte. Er hatte wirklich geglaubt, einen Jaguar um etwas zu essen erleichtern zu können.

Völlig fasziniert beobachtete Connor die Katze und war so konzentriert, dass er sich sogar ein wenig erschreckte, als der Kater mit den Ohren zuckte. Grinsend sah er zu Alvarez und zog ihn dann zu einem Kuss zu sich. „Der Kleine ist niedlich, aber ich steh mehr auf groß, stark und gefährlich“, raunte er dabei.

„Das will ich dir auch geraten haben. Komm, lass uns weiter reiten. Wir werden erwartet. Wenn wir zu spät kommen, dann wird man uns suchen und wir müssen uns erklären, warum wir zu spät kommen. Das möchte ich gern jedem erklären, aber nicht meinem Vater.“ Und so ließ er Summer antraben.

Lachend folgte Connor auf Juan. Er war ziemlich gespannt, auf den Vater seines Freundes, denn den hatte er bisher noch nicht kennen gelernt. „Wieso, wir haben doch gar nichts gemacht, aber ich bin natürlich gerne bereit, jederzeit etwas zu tun, was du deinem Vater nicht erklären möchtest.“

Alvarez sah neben sich und grinste. „Du bist aber auch wirklich ein verruchter Vampir, mein Lieber. Nichts würde ich lieber tun, als mit dir Dinge zu tun, die ich meinem Vater nicht erzählen kann – aber er ist ein alter erfahrener Kater. Er wird es riechen. Und irgendwie möchte ich ihm nicht erklären, was ich mit meinem kleinen Vampir angestellt habe.“ Er lachte leise, denn er befürchtete, dass eh bald jeder wusste, wer Connor war und wie sie zueinander standen.

„Na gut, aber nur wenn du mir versprichst, dass du später, wenn wir wieder bei dir sind, all die Dinge tun wirst, die du nicht erklären möchtest. Schließlich bin ich ja ein verruchter Vampir.“ Es amüsierte Connor köstlich, dass es jemanden auf der Welt gab, vor dem Alvarez Respekt hatte. „Dann sollten wir uns beeilen, damit wir pünktlich sind.“

„Ja, das sollten wir. Sonst lässt Paps mich nachsitzen und du musst all die verruchten Dinge ohne mich machen“, lachte Alvarez und gab Summer die Sporen. Sie kannte den Weg und so ließ er sie laufen. Es war nicht mehr weit. Keine fünf Minuten später konnte er schon die kleine Lichtung sehen, die in den Wald geschlagen worden war, damit das sonnenpanelgedeckte Dach der Laborgebäude Strom produzieren konnten.

Sie banden die Pferde vor dem Labor an und betraten das Gebäude. Connor sah sich neugierig um und er musste unwillkürlich frösteln, denn das Gebäude war klimatisiert und es war viel kühler, als draußen. „Beeindruckend, was ihr hier geschaffen habt“, sagte Connor und sah sich um. Das Labor war modern eingerichtet. Der Empfang war mit einer jungen Dame besetzt, die Alvarez und den Gast gleich begrüßte. Sie erklärte, dass der Laborleiter in einem der Sicherheitslabore wäre und sie nach ihm rufen lassen würde. Alvarez nickte und trug sich wie gewohnt in die Anwesenheitsliste ein, ebenso Connor. „Ich zeige Connor ein bisschen die Räumen, wir warten dann in seinem Büro“, erklärte er und ging einen der langen Gänge hinunter.

„Was genau macht ihr hier?“ Connor lief neben Alvarez her und sah sich neugierig um. Einige der Türen waren geöffnet und er konnte sehen, dass dort fleißig gearbeitet wurde. Es juckte ihm in den Fingern, den Wissenschaftlern über die Schulter zu sehen und ihnen tausende von Fragen zu stellen. Er musste kichern, denn man sah ihm das wohl an der Nasenspitze an, Alvarez knurrte nämlich leise und zog ihn näher zu sich.

„Sei vorsichtig, fass nichts an und geh am besten nicht in die Labore. In den Aufenthaltsräumen kannst du die Jungs und Mädels gern belagern, aber nicht in den Laboren. Wir forschen hier an den Pflanzen des Waldes. Sie werden auf ihre Inhaltsstoffe hin untersucht und auf die Verwendung in der Pharmazie. Wobei es nicht darum geht, die Pflanzen, die wichtige Wirkstoffe enthalten, zu ernten, sondern ihre Wirkstoffe synthetisch nachzubauen. Hier machen wir Grundlagenforschung.“

Connor nickte, dass er verstanden hatte, denn er sah sich immer noch um. „Verstanden“, sagte er dann aber doch noch. „Hattet ihr schon Erfolge und diese rechtlich schützen lassen?“ Connor war in seinem Element. Sich darum zu kümmern, würde ihm bestimmt viel Spaß machen.

„Aktuell haben wir zwei Patente laufen und arbeiten an vier weiteren Wirkstoffen. Im Moment möchte ich darüber aber noch nicht reden. Das können wir dann im Büro machen. Das ist der Bereich meines Vaters und da werde ich ihm auch nicht rein pfuschen.“

„Seit wann so rücksichtsvoll, Negro?“, hörten sie es hinter sich und Alvarez verdrehte die Augen, ehe er sich um wandte.

„Na, du struppiger Kater, nichts zu tun, dass du hier mit einem dampfenden Kaffee auf dem Flur herum rennen kannst.“ Er grinste seinen Vater an und der ihn – so waren sie eben.

Hatte Connor mit Jorgez eine jüngere Version von Alvarez kennen gelernt, so lernte er jetzt eine ältere kennen und er musste sagen, diese gefiel ihm wesentlich besser als die jüngere. Vereinzelte silberne Strähnen zogen sich durch das dunkle Haar des Mannes, der geschmeidig über den Gang lief. Er lächelte Alvarez‘ Vater entgegen und reichte ihm die Hand, als er bei ihnen angekommen war. „Guten Morgen, Mr. Garcia, ich bin Connor Flanagan. Ich freue mich, sie kennen zu lernen.“

„Willkommen, Connor. Ich habe schon gehört, dass du bereits von diversen schwarzen Katern als Beute beansprucht worden bist. Es tut mir leid, ich muss mich für meinen Sohn und meinen Enkel entschuldigen“, erklärte er und grinste, als Alvarez knurrte.

„Wirf mich nicht mit der kleinen Pest in einen Topf. Im Gegensatz zu dem hatte ich Anspruch auf Connor.“ Warum verglich ihn eigentlich jeder mit der kleinen Pest?

Connor lachte leise und strich Alvarez beruhigend über den Rücken. „Es ist keine Entschuldigung notwendig. Ich bin mit den aktuellen Besitzverhältnissen sehr zufrieden.“ Da sie ja nichts tun wollten, was sie Alvarez' Vater erklären mussten, unterließ er es Alvarez zu küssen. Rodrigo grinste wissend, sagte aber nichts zu der Nähe der beiden Männer. „Lasst uns in mein Büro gehen.“

„Kaffee wäre nicht schlecht, wenn du möchtest, darfst du uns gern welchen anbieten“, erklärte Alvarez und folgte neben Connor seinem Vater. „Ihn kannst du auch löchern, wenn du willst“, gab er somit seinen Vater noch zum Abschuss frei und er wusste bereits, was es bedeutete, wenn Connor Fragen stellen durfte. Er nutzte das gern inflationär aus.

„Wirklich?“, Connors Augen leuchteten, denn den Laborchef ausfragen zu können, war schon etwas Besonderes. Er ließ sich eine Tasse reichen, aus der es köstlich dampfte. „Sie versuchen also hier Inhaltsstoffe der Pflanzen, die eine medizinische Wirkung haben, zu synthetisieren?“

„Du weißt doch schon alles“, entgegnete Rodrigo und ließ sich in einen der Sessel fallen, die in der Nische neben dem Fenster standen und zu einem Gespräch einladen sollten. Alvarez setzte sich ebenfalls und lockte Connor zu sich. Er sollte sich wenigstens setzen, wenn er schon wieder Wissen aufsaugen wollte wie ein Schwamm.

„Nein nein, ich weiß noch lange nicht genug.“ Connor setzte sich zu Alvarez und lehnte sich bei ihm an. Er suchte die Nähe des Katers, wo er nur konnte, denn er hatte ihn gerne nah bei sich. „Ich finde alles, was ihr hier macht, spannend. Das ist alles ganz neu für mich und ich brauche mehr Informationen.“

Rodrigo lachte und stellte seine Tasse beiseite. Da hatte sich sein Junge aber einen wissbegierigen jungen Mann angelacht. „Also gut, du hast Recht. Wir forschen hier daran, was der Wald uns schenken kann, ohne dass wir ihn dafür ausbeuten müssen. Wir versuchen von ihm zu lernen und das zu nutzen, was er bereit ist uns zu geben.“

„Das ist großartig, das lässt mein Rebellenherz höher schlagen.“ Connor lachte und weil Rodrigo ihn fragend ansah, erzählte Connor ihm von seinen Eltern und seiner Kindheit und warum er sich auf Umweltrecht spezialisiert hatte. „Ich hatte mich hier ja auch an einen Baum gekettet und ein Banner gebastelt, aber das hat Mini-Alvarez ziemlich zerfleddert.“

„Wer?!“, fragte Alvarez mit leise lauernder Stimme und sah Connor neben sich strafend an. Er konnte nur hoffen, dass er sich gerade verhört hatte und sein Freund ihn nicht gerade mit der schwarzen Pest verglich. Er sah noch nicht einmal wie sein Vater schmunzelte.

„Jorgez. Das weißt du doch. Du hast doch selbst gesehen, wie er mein Banner zerfleddert hat.“ Connor tat unschuldig, auch wenn er innerlich breit grinste. „Habe ich doch gesagt, oder? Die kleine schwarze Pest, wie du ihn gerne nennst.“

Alvarez sah Connor undeutbar an, doch bei dem Thema verstand er keinen Spaß. „Beredet, was ihr bereden wolltet. Ich werd mal sehen, wie weit Mary ist.“ Er erhob sich, auf diese Diskussion hatte er keine Lust.

Erschrocken sah Connor ihn an. Mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet. „Bitte bleib, es war doch nur ein Scherz.“ Er legte seine Hand auf Alvarez' Arm. Der sah ihn immer noch undeutbar an. „Du weißt ganz genau, dass ich bei dem Thema sensibel reagiere.“ Er sah ja ein, dass man sich gern neckte, aber er verstand nicht, warum jeder ihn mit diesem kleinen Teufelsbraten vergleichen musste. Jeder hielt ihn also für verzogen und unfähig sich an Regeln zu halten.

„Entschuldige uns bitte kurz.“ Connor lächelte kurz zu Rodrigo, dann nahm er Alvarez an die Hand und zog ihn aus dem Büro. Er sah sich um und als er ein Schild mit der Aufschrift Pausenraum sah, zog er seinen Freund dort hin. Zum Glück war er leer, so dass sie ungestört waren. Connors Herz klopfte schnell, denn er war wohl über das Ziel hinausgeschossen. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verärgern.“ Er senkte den Blick und zog Alvarez zu sich. „Mir war nicht klar, dass das so ein Reizthema für dich ist. Er sieht dir nun mal unwahrscheinlich ähnlich, da vergleicht man ihn wohl immer mit dir.“

„Eben. Er sieht mir ähnlich und da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Er ist ungehorsam, vorlaut und nicht in der Lage sich auch nur an eine Regel zu halten. Ich bin es Leid immer wieder mit ihm verglichen zu werden, Connor. Er ist für mich ein Reizthema, eben weil er keine Grenzen hat und auch nicht akzeptiert. Zu sagen, er wäre wie ich, beleidigt meinen Status als Clanchef. Tu es bitte nicht noch einmal – nicht vor anderen.“ Alvarez strich seinem Freund über die Wange und legte die Hand in dessen rotblondes Haar. Connor sollte nicht so geknickt drein blicken. „Tut mir leid, dass ich reagiert habe, wie ich reagiert habe. Das ist mittlerweile ein Reflex.“

„Schon okay. Ich habe nicht nachgedacht.“ Connor hob den Kopf und ließ sich erleichtert gegen Alvarez sinken. „Ich wollte auf keinen Fall dich als Clanchef herabwürdigen. Du leistest wunderbare Arbeit.“ Er streifte Alvarez' Lippen mit seinen und küsste ihn dann richtig. Er musste seinen galoppierenden Herzschlag beruhigen und dass konnte nur einer bewerkstelligen. Er spürte das Lächeln an seinen Lippen und die Arme um seinen Leib. Alvarez zog ihn etwas fester gegen sich, damit Connor Halt hatte.

„Na komm, gehen wir zurück. Wie ich dich kenne, hast du noch eine Million Fragen und die Pause meines Vaters währt nicht ewig.“ Er griff Connor an der Hand und führte ihn langsam zurück in das Büro.

„Ja, lass mich deinen Vater löchern.“ Connor grinste frech und stibitzte sich noch einen schnellen Kuss, bevor sie das Büro betraten. Rodrigo sah ihnen entgegen, sagte aber nichts zu ihren verbundenen Händen. Er wollte Alvarez eine Ruhepause gönnen. Außerdem kannte er seinen Sohn gut genug, um zu wissen, dass Connor für ihn mehr als nur ein Freund war. Sie setzten sich wieder auf ihre Plätze und Connor holte auch gleich tief Luft.

„Ich habe da noch ein paar Fragen“, fing er an und Rodrigo grinste.

„Ich habe es befürchtet. Aber da ich mich nun einmal bereit erklärt habe, dich an unserem Wissen teilhaben zu lassen, werde ich mich also in mein Schicksal fügen“, erklärte er und stellte seine leere Tasse auf den kleinen Tisch neben seinem Sessel. „Also, was möchtest du wissen. Aber zu tief kann ich dich nicht in die technischen Details einführen, einige davon sind Bestandteil unserer Patente oder geplanter Patente und deswegen geheim.“

„Sag einfach, wenn ich zu neugierig bin. Wenn ich einmal anfange zu fragen, höre ich nicht so schnell auf. Frag Alvarez, der hat das auch schon durch. Ich habe ihn gelöchert bis er mit der weißen Fahne gewunken hat.“ Er grinste kurz zu Alvarez, der den Arm um ihn gelegt hatte. Mal sehen, ob er das bei dessen Vater auch schaffte. Darum fing er auch gleich an, denn die Forschung, die hier betrieben wurde, interessierte ihn ungemein.

Und so erfuhr er in der nächsten Stunde sehr viel über die Techniken und die Pflanzen, über die Fortschritte, aber auch die Rückschritte, vor allem aber über den Reichtum des Dschungels. „Wir haben auch versucht, ein paar der vielversprechenden Pflanzen zu züchten, um sie großflächig und industriell nutzen zu können. Doch da stecken wir noch in den Kinderschuhen. Hinter unserem Haupthaus im Dorf sind ein paar Felder, kannst sie dir gern von meiner Frau zeigen und erklären lassen.“

„Ja, das werde ich ganz bestimmt.“ Connor lehnte sich zufrieden zurück. Rodrigo liebte seine Arbeit und er liebte den Dschungel, genauso wie Alvarez, dass hatte er deutlich spüren können. Sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen, würde ihm bestimmt sehr viel Spaß machen. „Danke, dass du so geduldig warst und dir die Zeit genommen hast. Das, was ihr hier macht, ist einfach großartig.“

„Danke, aber ich habe es gern getan. Ein Freund meines Sohnes ist auch mein Freund und einem Freund erkläre ich gern alles, was er wissen möchte, sofern es in meinen Fähigkeiten liegt. Aber nun muss ich wieder zurück, ich habe noch ein paar Dinge, die ich fertig machen muss. Die Anträge schreiben sich nicht von allein.“ Er erhob sich und verabschiedete sich von den beiden, aber nur flüchtig, denn er ging davon aus, dass er Connor nicht das letzte Mal gesehen hatte.

Connor lehnte sich bei Alvarez an, als sie alleine im Büro waren. „Dieser ganze Patentkram würde wohl dann in meinen Aufgabenbereich fallen, wenn ich für euch arbeiten würde. Ein sehr interessantes Gebiet. Im Studium hatte ich kurz damit zu tun.“ Er würde sich erst darin einarbeiten müssen, aber das empfand er nicht als Problem. „Glaubst du, dein Vater wäre damit einverstanden, wenn ich für euch arbeite?“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass er etwas dagegen haben könnte. Du musst dir nur bewusst sein, dass er dich erst einmal testen wird und du auch erst nach und nach an die wirklich geheimen Sachen dran kommst. Das hat nichts mit dir zu tun, so ist er einfach und bisher ist er immer sehr gut damit gefahren“, erklärte Alvarez und grinste. Er konnte sich gut vorstellen, dass Connor bei ihnen blieb und für sie arbeitete. Sicherlich wäre auch der Anwalt immer wieder einmal unterwegs, um die Dinge zu klären, Verhandlungen zu führen oder Anzeigen nachzugehen. Doch das war nicht schlimm. Niemand ertrug sich 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche. Abstand machte das Leben reizvoller.

„Das ist okay. Ich hätte mich auch gewundert, wenn es nicht so wäre. Ihr habt viel Geld und Mühe in die Forschungen gesteckt, da ist es natürlich vorsichtig zu sein.“ Connor nickte und drehte sich dann so, dass er Alvarez bequem ansehen konnte. „Was machen wir als nächstes?“, wollte er wissen. „Reiten wir noch ein wenig durch den Dschungel, oder hast du etwas anderes geplant?“

„Wirklich geplant habe ich nichts. Aber so lange wir noch Tageslicht haben, sollten wir das nutzen und noch ein bisschen im Dschungel herum reiten. Dann kannst du noch ein bisschen was sehen, vielleicht auch ein paar von den Tieren, die man meiden sollte, weil sie entweder schmerzlich oder giftig sind.“ Alvarez zog seine Tasse Kaffee zu sich, auch wenn der allmählich kalt war. Doch das war egal. Er schüttete das bittere Gebräu runter und schüttelte sich leicht.

Connor war mit der Antwort sehr zufrieden und küsste Alvarez auf die Wange. „Durch den Dschungel reiten wäre toll. Das, was ich bisher gesehen habe, war spannend und süß, wie der Ozelot. Es gibt hier doch auch bestimmt wilde Jaguare, kann ich die auch sehen?“

„Was ist optisch an wilden Jaguaren denn anders als an uns?“, wollte Alvarez wissen, als er Connor am Empfang vorbei wieder nach draußen geleitete. „Allerdings haben die sich sehr tief in den Wald zurückgezogen, seit unser Rudel hier lebt. Sie scheuen den Konflikt mit uns. Wenn wir sie wirklich sehen wollen, müssen wir viel tiefer in den Wald und dafür sind wir nicht ausgerüstet.“

„Okay, dann vielleicht ein andermal.“ Connor machte Juan los und strich dem Pferd über die Nüstern. „Optisch wird es zu euch wohl keinen Unterschied geben, aber ich habe noch nie wilde Jaguare in freier Wildbahn gesehen und ich liebe Großkatzen.“ Er schwang sich in den Sattel und sah sich um. „Wo lang?“