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Katzenaugen 8 - Fantasma Negro - Teil 15-17

15 

Assai wandte sich dem jungen Vampir zu. „Aber nun wieder zu dir, Connor. Am besten kommst du in den nächsten Tagen in unser Büro auf der 5th Avenue. Dann sehen wir, was wir tun müssen, um dich auf Spur zu bringen. Bis dahin solltest du allerdings entweder was getrunken haben oder in einem der Krankenhäuser eine Transfusion bekommen haben. Sonst fangen die Sinne an nachzulassen. Das kannst du nicht gebrauchen, wenn man dir immer noch auf den Fersen ist.“

„Ja, sicher. Ich habe den Rest der Woche frei, ich kann also jederzeit vorbei kommen.“ Connor drehte sich wieder zu Assai. „Wie funktioniert das mit diesen Krankenhäusern? Muss man da einen Termin machen? Bekomme ich da menschliches Blut und wenn nicht, was hat das für Auswirkungen?“ Er merkte gar nicht, dass er schon wieder eine Frage nach der nächsten herausschoss. Doch man war nachsichtig mit ihm. „In unsere Krankenhäuser geht man wie in die menschlichen auch. Es gibt Notaufnahmen und es gibt Termine und es gibt Labor Bereiche. Hier sind ein paar Adressen. Beruf dich auf mich, wenn du dich in einem blicken lässt. Hier sind auch die Kontaktdaten von meinem Sekretariat.“ Assai schob ein paar Zettel über den Tisch.

„Danke.“ Connor steckte die Zettel ein. „Ich werde das gleich morgen machen, denn ich brauche bald wieder eine Transfusion.“ Er war ziemlich beeindruckt, wie reibungslos alles ablief. Assai und Aset hatten alles im Griff, darum sprach er auch das heikle Thema an. „Ich weiß nicht, ob Ortega noch einmal versuchen wird, mich zu töten. Er hat ein ziemlich übersteigertes Selbstbewusstsein und wenn etwas nicht so läuft, wie er will, nimmt er es persönlich. Nur konnten wir ihm bisher nichts nachweisen.“

Assai und Aset wechselten einen kurzen Blick, der alles und nichts bedeuten konnte. „Geh morgen erst einmal dafür sorgen, dass du Blut bekommst. In welcher Form auch immer. Wir werden uns etwas umhören.“ Und so wie Assai das betonte und Aset kaum merklich nickte, war allen im Raum klar, dass man eben schlafende Hunde geweckt hatte. Nur zwei waren völlig unbeeindruckt. Nicolas fauchte aufgebracht, weil Assai ihm immer noch das weiche Fell durcheinander brachte und Kayla war frustriert, weil sie niemanden mehr zum bekuscheln hatte.

Das konnte Connor natürlich nicht haben und hob sie hoch. Das war zwar nicht das, was sie wollte, aber gestreichelt werden, war auch schön. „Danke, dass ihr mir da helfen wollt. Ich muss zugeben, dass es mich schon etwas nervös macht, dass mich jemand umbringen will. Man hat mir zwar gesagt, dass es vorkommen kann, aber es hat mich doch ziemlich kalt erwischt.“

„Das kommt schon mal vor, wenn man reiche Leute davon abhalten will, noch reicher zu werden“, sagte Assai und besah sich den jungen Staatsanwalt. Er hatte von Flanagan schon gehört, aber nicht seine Wege gekreuzt. Das wurde jetzt anders. Der junge Mann würde zu seinem Clan gehören und wer sich mit einem seiner Clanmitglieder anlegte, der legte sich mit ihm an. „Erzähl mal ein bisschen. Wer ist der Kerl und warum will er dir ans Bein pissen.“ Er zuckte, als er aufgebrachtes fauchen von draußen hörte. Er schielte unauffällig durch die Verandafenster.

Nicht nur Assai versuchte etwas durch die Fenster zu erkennen, auch Connor verdrehte den Hals, um etwas sehen zu können. Aber das klappte nicht, denn die Katzen tobten außer Sichtweite durch den Garten. „Ortega ist ein großer Bauunternehmer. Er missachtet sämtliche Vorschriften, wenn ihm das mehr Gewinn verspricht. Da ist es ihm egal, ob es um Arbeitsschutz, Umweltschutz, oder andere wichtige Auflagen geht. Ich habe dem einen Riegel vorgesetzt, das hat ihm wohl nicht gefallen.“

„Einen Riegel vorgesetzt, wie süß“, lachte Aset, wurde aber von Cathleen böse angesehen, so dass er sich entschuldigte. „Connor, glaube mir, du hast ihm keinen Riegel vorgeschoben. Du hast ihm vielleicht den Vorgarten ramponiert und die Schuhe dreckig gemacht – aber mehr auch nicht. Ich kenne den Mann und ich weiß, wo er überall seine Finger drinnen hat. Der Mann ist nicht nur nicht deine Liga, der spielt ein komplett anderes Spiel als du.“ Doch in Asets Stimme lag weder Spott noch Hohn.

Im ersten Moment war Connor ein wenig irritiert, aber nach Asets Erklärung nickte er. „Das mag sein, dass ich ihm nicht wirklich schaden kann, aber anscheinend ärgern ihn dreckige Schuhe so sehr, dass er mich beseitigen lassen will.“ Es sollte nicht schnippisch klingen, aber einen kleinen, gereizten Unterton konnte er nicht vermeiden.

„Wenn's dir hilft, glaube das. Ich kann dir nur raten, den Kerl nicht weiter zu reizen, wenn du überleben willst. Aber das ist auch nur meine Einschätzung der Sachlage“, erklärte Aset und erhob sich. Cat hielt die Luft an, doch Aset ging nicht zu Connor sondern zur Veranda, um nach draußen zu gehen.

„Gut, lassen wir das Thema. Deswegen bist du nicht hier.“ Assai versuchte die Aufmerksamkeit von Connor wieder auf sich zu lenken, ehe das eventuell eskalierte. Denn, wenn Caleb nicht da war, war Aset bei Fremden manchmal unberechenbar.

„Aber es hat mich hier her gebracht.“ Connor drehte sich noch einmal zu Aset, aber dann wandte er sich Assai zu. „Ist es in Ordnung, wenn ich morgen bei dir vorbei komme? Sieh es bitte als Misstrauen an, aber ich lese mir Verträge immer durch, bevor ich sie unterschreibe.“

„Mach das, ist ja nur verständlich. Gesundes Misstrauen ist nicht verkehrt“, sagte auch Assai und nickte. „Ich kann dir nicht versprechen, wann ich im Büro sein werde. Ich habe Außentermine. Aber meine Sekretärin kann dir sicherlich weiter helfen … Nici, was soll denn das?“ Er sah den kleinen gefrusteten Leoparden an, der nun anfing an ihm herum zu kauen, weil er es leid war, dass er das Fell verstrubbelt bekam, während draußen gut hörbar gerauft wurde.

Connor musste einfach grinsen, denn Nicolas guckte niedlich und kaute weiter. „Die zwei sind wirklich süß.“ Er kraulte Kayla unter dem Kinn und ließ sie runter, weil sie rum zappelte. „Alvarez war bestimmt auch so süß als Kind. Ein schwarzer, kleiner Fellball.“

„Möglich. Wenn das jemand weiß, dann Leti. Frag sie mal, vielleicht hat sie Bilder. Zwar steckte die Fotografie noch in den Kinderschuhen, als Alvarez klein war, aber das muss ja noch nichts heißen. Vielleicht hat man ja trotzdem welche gemacht.“ Cathleen wusste das auch nicht, aber die Frage machte nun auch sie neugierig. Sie strich Nicolas über den Rücken, als er an ihr vorbei Richtung Garten wuselte.

„Aset, hab mal ein Auge drauf, dass der kleine Raufbruder nicht zwischen die Großen gerät.“

„Mach ich.“ Aset ließ Nicolas in den Garten laufen und folgte ihm dann. Er hatte nur auf so eine Gelegenheit gewartet, um sich die Rauferei näher ansehen zu können. Connor würde das auch gerne sehen, aber er blieb sitzen. Anscheinend gingen alle davon aus, dass sie ein Paar waren. „Mal sehen“, sagte er darum ausweichend.

„Ach, Leti teilt bestimmt gern“, kicherte Cathleen, denn sie hatte schon gemerkt, dass ihre Freundin mit ihrem Bruder nicht anders umging als Cat mit Caleb. Brüder waren eben einfach dafür da, dass man ihnen die Bäume nicht in den Himmel wachsen ließ.

„Wollen wir auch in den Garten gehen und gucken, ob Caleb sich an die Regeln hält oder Alvarez schon zerfleddert hat? Dann könnten wir ihn gleich einsammeln und zusammen flicken“, schlug sie vor, denn sie hatte gemerkt, dass Connor ebenfalls neugierig war. Sie griff also ihr Glas und ein belegtes Brötchen und ging vor. Kayla folgte ihr.

„Ich würde mich wirklich gerne davon überzeugen, dass Alvarez noch intakt ist. Schließlich fliegt er Übermorgen nach Hause.“ Connor nahm sich auch ein Brötchen und stand auf und grinste zu Assai. „Kommst du mit? Schließlich sieht man so einen Kampf nicht jeden Tag, oder kommt das bei euch öfter vor?“

„Wir hatten noch keine schwarzen Fellbüschel auf dem Rasen. Ansonsten sind raufende Katzen in allen Größen, Formen und Farben hier leider an der Tagesordnung“, seufzte Cathleen gespielt und hakte sich bei Connor unter. „Sie können es einfach nicht lassen.“

„Anwesende durchaus eingeschlossen“, erklärte Ryan, widmete sich aber ganz seiner Tochter, als Cathleen sich warnend knurrend zu ihm umwandte.

„Ist wohl so ein Katzending. Wobei mir was einfällt. Gibt es jemanden, der mir bei meinem Flügelproblem hilft/helfen kann? Ich möchte nicht riskieren, dass sie wieder einfach so auftauchen und ich es dann nicht schaffe, sie wieder verschwinden zu lassen. Das letzte Mal hat es nur geklappt, weil Alvarez mir Todesangst gemacht hat.“ Connor drehte sich zu Assai um. „Ich möchte fliegen lernen.“

Der alte Vampir lächelte und nickte. „Sicher. Aber da du etwas lernen musst, was Vampire eigentlich sozusagen mit der Muttermilch einsaugen, werden wir etwas Platz brauchen. Wenn du morgen in meinem Büro bist, dann sehen wir mal, was mein Terminplan sagt. Wenn ich nicht dazu komme, kann ich dir einen meiner Assistenten an die Hand geben. Ferran ist wirklich gut und geduldig. Da musst du dir keine Sorgen machen. In einer unserer Lagerhallen am Hafen sollte ausreichend Platz sein und niemand würde euch beobachten können.“

„Gerne. Ihr solltet geduldig sein. Ich wurde mit der Flasche groß gezogen, es wird also nicht einfach werden.“ Connor ließ Cat den Vortritt auf die Terrasse und kniff gleich die Augen zu, als ein fauchendes Knäuel an ihnen vorbeischoss. „Das ist schubsen bei Katzen?“, lachte er leise. „Ich hab das anders in Erinnerung.“

„Ja, ja. Katzenschubsen“, murmelte Cathleen und starrte auf das Knäuel, dass ihren Rasen ramponierte. Sie kannte keinen Kater, der Caleb so das Leben schwer machen konnte. Sicher, er hatte lange nicht so viel Kraft wie der Leopard und auch nicht die Größe, aber er wusste, wo er hin schubsen musste, um Caleb aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Luft war elektrisiert. „Normalerweise halten sie nicht so lange gegen Caleb durch.“

„Das ist nur, weil du gesagt hast, er darf nur schubsen. Sonst wäre der Schwarze wohl schon nackt“, kicherte Assai, genoss aber das Bild genauso.

„Da bin ich aber nicht mit einverstanden. Als Mensch, würde ich es begrüßen, aber als Katze sollte er sein Fell schon behalten. Es ist so schön weich.“ Connor war stolz auf Alvarez, der sich wirklich gut behauptete. „Caleb ist riesig. Eine wirklich außergewöhnliche Erscheinung.“

„Oh ja, das ist er. Wenn man bedenkt, was das mal für ein mickriges räudiges Kätzchen war.“ Cathleen kicherte, weil sie wusste, dass ihr Bruder trotz der Rauferei hören konnte, was sie auf der Terrasse sprachen. Seine Sinne waren unglaublich und so war es nicht verwunderlich, dass eine der Hinterpfoten – natürlich ganz aus Versehen – einen Grasbatzen löste und in Cathleens Richtung schleuderte.

Lachend wich sie den Erdbrocken aus und Connor musste grinsen. In dieser Familie ging es eindeutig chaotisch zu. „Hören die irgendwann von alleine auf, oder muss ich mich heldenhaft dazwischenwerfen, damit ich meinen Kater zurück bekomme?“ Schließlich hatte er keine Ahnung, wie das bei solchen Kämpfen zuging. Er hoffte ja, dass er das nicht machen musste, denn sich zwischen zwei solche Brocken zu stellen, ging bestimmt nicht ohne Blessuren ab.

„Du bist erst seit einer Woche ein Vampir, das würdest du nicht überleben, Connor. Katzenschubsen ist nicht gerade harmlos und das macht Caleb auch nicht mit jedem. Nur mit denen, von denen er glaubt, dass die das aushalten können. Sich zwischen die beiden zu werfen, wäre lebensgefährlich und du würdest schneller fremdes Blut eingeflößt bekommen müssen, als dir lieb ist“, erklärte Cathleen, auch wenn sie sich sicher war, dass beide Kater durchaus in der Lage waren zu merken, wenn etwas zwischen ihnen herum stürzte, was da nicht hingehörte. Schließlich gerieten manchmal auch die Kleinen zwischen die Fronten und waren noch nie zu Schaden gekommen, weswegen sich Nicolas aber für unbesiegbar hielt. „Wenn sie genug haben, hören sie auf.“

„Okay, dann übe ich mich in Geduld und werde mir das Schauspiel einfach ansehen. Ist das erste Mal, dass ich so was sehe.“ Dass er noch Neuling war, sah man daran, dass er ab und zu die Luft an hielt, oder die Hand über die Augen legte, wenn die beiden Katzen fauchten und ihre Kräfte maßen.

„Komm öfter vorbei, dann kannst du dich an so was gewöhnen. Wir haben im Familien- und Freundeskreis schließlich noch mehr Verrückte.“ Sie setzte sich auf einen der Gartenstühle und versuchte Nicolas zu sich zu locken. Doch der war damit beschäftigt Aset zu überlisten, um mit raufen zu können. Doch der Vampir hatte ein wachsames Auge darauf.

„Danke, ich würde gerne ab und zu vorbei kommen. Allein schon wegen deiner süßen Kinder. Wo hat man schon die Gelegenheit kleine Leoparden zu streicheln. Ich habe wohl wirklich Glück gehabt, dass ich Alvarez kennen gelernt habe. Ohne ihn wäre ich wohl nicht mehr am Leben.“ Connor sah zu Nicolas und musste blinzeln, als der kleine Kater auf einmal nicht mehr da war, wo er noch vor zwei Sekunden gewesen war. Aset hatte ihn aus der Gefahrenzone geholt. „Wow, das ist ja unglaublich, wie schnell Aset ist. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass er sich bewegt hat.“

„Ja, Aset ist auch schon ein paar Jahre älter. Alte Vampire haben ein paar Tricks auf Lager, an die auch ich mich erst gewöhnen musste.“ Cathleen hatte im nächsten Augenblick ihren Jungen auf dem Schoß, der wütend in Asets Richtung wetterte und schimpfte, während man Aset ansah, dass er dafür keinen Nerv hatte. Ihm juckte es in den Fingern mit zu raufen, doch er wagte es nicht. Caleb schätzte es nicht, wenn man sich in seine Kämpfe mischte und er hatte einschneidende Maßnahmen, um einem liebenden Ehemann das noch einmal eindringlich klar zu machen.

„Also, wenn ich einmal so alt werde wie er, kann ich all diese Dinge auch?“ Das war jetzt noch ziemlich unglaublich für Connor. Solche Kräfte und Fähigkeiten waren für ihn bisher reine Märchen gewesen. Er konnte es nicht lassen, Nicolas zu ärgern, indem er ihm leicht in die Seite pikste. Er erschreckte sich ziemlich, als der kleine Kater, sauer wie er war, nach ihm schlug und ihm einen blutigen Striemen verpasste. Cathleen wollte sich sofort für ihren Sohn entschuldigen, aber Connor wehrte lächelnd ab. „Ich habe ihn geärgert und es ist doch gar nichts passiert.“

Cathleen sah aber neugierig auf die Wunde, die Nicolas jetzt auch beschnüffelte. Doch Cathleen hinderte ihn daran, drüber zu lecken. Sie wartete darauf, dass sich die Wunde schloss. Es war ungewohnt einen Vampir zu kennen, bei dem sich das nicht einstellte. „Du brauchst dringend Blut, das kann so nicht bleiben.“

Der Kratzer war nicht lang, oder tief und Connor drückte ein Taschentuch darauf. „Für mich ist es normal, dass meine Wunden einige Zeit brauchen, bis sie verheilt sind. Aber ich habe begriffen, dass ich mich darum kümmern muss, dass sich mein Körper anpasst und stärker wird.“

„Ich habe mich ein bisschen umgehört“, sagte Ryan, der immer noch etwas abseits stand und Kayla beschmuste, die schnurrend döste. „Jemand wie du ist extrem selten. Die meisten haben gar nicht überlebt, weil sie nicht wussten, was sie machen sollten und den Falschen in die Hände geraten sind. Es kann dir also keiner sagen, wie lange es dauern wird, bis dein Körper sich richtig umgestellt hat. Lass dich morgen mal im Krankenhaus checken, vielleicht weißt du dann schon mehr.“

„Ja, das wird wohl das beste sein.“ Connor nahm sich vor, gleich am nächsten Morgen zu einer der Kliniken zu fahren und es hinter sich zu bringen. „Na, da werden sich die Ärzte bestimmt freuen, mich in die Finger zu bekommen. Wenn ich so eine Rarität bin.“ Er grinste schief, denn er machte sich schon ein paar Gedanken, was werden würde.

„Keine Sorge. Sie werden dir helfen, dich nicht in ein Labor stecken“, sagte Ryan, der ahnte, was Connor befürchtete. „Aber sie können ein Blutbild machen und dir anschließend sagen, was auf dich zukommen wird.“ Er lockte auch den kleinen Kater zu sich, der ihn aber nur skeptisch ansah. Er ahnte, dass es ins Bett gehen sollte und da war er nicht mit einverstanden. Hier war noch viel zu viel los, das konnte man doch unmöglich verschlafen.

„Das wäre nicht schlecht, wenn sie mir etwas mehr sagen könnten. Ich mag es nicht, so vollkommen im Dunkeln zu stehen.“ Connor strich Nicolas über das Köpfchen und nahm ihn dann hoch, da dieser keine Anstalten machte, zu seinem Vater zu laufen. „Soll ich dir bei der Raubtierbändigung helfen? Du musst mir nur sagen, was ich machen soll.“

„Du könntest jetzt zwei Stunden auf dir herum kauen lassen, bis er müde wird“, schlug Ryan vor, denn er ahnte, dass er kaum die Tür zugemacht haben dürfte, als dass der junge Mann dann auch schon wieder auf der Klinke saß und die Tür öffnete, um stolz anschließend die Treppe wieder herunter zu springen. Jetzt verstand er auch Caleb, der immer berichtet hatte, wie schwer es war die kleinen Plagen ins Bett zu bekommen. Vielleicht bräuchten sie auch einen kleinen Buster, der sie ablenkte und bespaßte bis sie eingeschlafen waren.

„Ihr seid also kleine Rabauken.“ Connor drückte Nicolas an sich und küsste ihn auf das Köpfchen. „Da unterscheiden sie sich nicht von menschlichen Kindern. Ich war wohl genau so. Ich habe mich auch geweigert zu schlafen, solange noch Besuch da war.“

„Besuch ist hier nur Ausrede. Sie machen auch Stimmung, wenn keiner da ist. Deswegen lassen wir sie sehr gern über Nacht bei Caleb und Aset“, kicherte Cathleen und grinste, als sie den Leoparden aufgebracht fauchen hörte, als er gerade mit Alvarez an der Terrasse vorbei kugelte. Doch der schwarze Jaguar war langsamer geworden. Langsam verließ ihn die Kraft.

„Das ist praktisch.“ Connor sah zu Aset, der auch grinsen musste. Ihm war egal, warum die Kleinen zu ihnen gebracht wurden. Er hatte sie gerne im Haus. Wie bei seinen eigenen Kindern, hatte er auch bei seiner Nichte und seinem Neffen die Aufgabe, sie Abends zu baden oder zu duschen. Er machte es gerne, denn hinterher konnte er sie beschmusen, um sie wieder milde zu stimmen. „Sollen wir sie mitnehmen?“, fragte er darum und Cathleen lachte.

„Du bist aber auch völlig schmerzbefreit.“ Sie erhob sich und pfiff kurz. Sie fand, dass der Leopard jetzt lange genug den Jaguar zerfleddert hatte. Der schwarze Kater wurde heute noch gebraucht. Caleb sah auf und ließ von dem Panther ab, der nun platt auf dem Rasen lag – wohl froh darüber, dass es endlich vorbei war. „Lass die schwarze Miez in Ruhe, dein Mann reißt sich gerade wieder meine Kinder unter den Nagel.“

Calebs Kopf zuckte zu Aset, der nur grinsend mit den Schultern zuckte. „Ich bin für Kindertausch. Sie bekommen die pubertierenden Jungleoparden und wir bekommen, die kleinen süßen Flauschbälle.“ Der große Katzenkopf schwenkte zwischen Aset und den Kleinen hin und her und dann nickte er. Damit konnte er leben. „Es scheint entschieden.“ Connor gab Nicolas an Aset weiter und ging zu Alvarez. „Na, Süßer. Hattest du Spaß?“ Er ließ sich neben dem Kater nieder und strich ihm über den Kopf. „Komm her, ich trage dich zu einem Sessel.“

Alvarez lag schwer atmend auf dem Rasen und hatte die Augen geschlossen, zuckte aber hoch, als er eine Stimme hörte, die er kannte.

„Was soll das denn? Werden wir hier einfach verschachert? Was haben wir denn für Eltern?“


16 

Ranu kam gerade durch das Haus auf die Terrasse und hatte gehört, was Aset gesagt hatte. Er wusste zwar, dass sein Vater das nicht ernst meinte, doch das hinderte den jungen Leoparden nicht daran strafend zu gucken.

„Wer ist das? Kennst du ihn?“, fragte Connor leise an Alvarez' Ohr. Der Junge schien zur Familie zu gehören, so wie er von Cat umarmt wurde. „Ist er einer von den pubertierenden Jungleoparden?“ Er hatte die Arme um den Kater gelegt und beobachtete nun Aset.

„Ranu, gut, dass du schon hier bist, dann muss ich dich nicht mehr hier her schaffen. Du hast nicht zufällig deine Schwester mitgebracht.“

„Paps!“ Ranu war völlig entrüstet. Meinte es ihr Vater dieses Mal wirklich ernst? „Ihr habt uns doch selber verzogen, jetzt badet das gefälligst auch aus. Mom…“ Ranu wandte sich um und legte den Kopf schief. Ständig bei seiner Mutter zu sein, war auch nicht übel. Er war gern hier und er liebte seine leiblichen Eltern genauso wie seine beiden Väter. Man sah ihm an, dass er anfing nachzudenken und abzuwägen. „Mom kann ich mit Nicci hier bleiben und Aset kriegt die zwei Zicken?“

Alvarez nickte nur und schnurrte leise. Ranu war immer für eine Überraschung gut, wie es schien.

„Ey, hier werden jetzt nicht einfach die Regeln geändert.“ Aset lachte und wuschelte seinem Sohn durch die Haare. Es hatte sich nichts daran geändert, dass Ranu Rina loswerden wollte. Das war mittlerweile ein Sport zwischen den Zwillingen. „Frag deine Mutter, ob sie damit einverstanden ist. Ich nehme, was ich kriegen kann.“

Doch da bekam er unmissverständlich einen Schlag gegen die Wade, als Caleb sich ebenfalls dazu gesellt hatte. Er legte seinem Mann warnend die Zähne um die Wade, um in seiner charmant dezenten Art darauf hinzuweisen, dass hier nichts geändert wurde. Er war froh, dass er zwei groß bekommen hatte und sie nicht ganz missraten waren, das wollte er nicht noch einmal – zumindest nicht jetzt und unvorbereitet. Vielleicht morgen.

„Mo-hom! Gib ihm Kayla, dann bleibe ich mit Nicci hier, das wird so cool.“

„Kätzchen, du kannst immer hier bleiben, wenn du möchtest, das weißt du doch, aber ich glaube hier hat wie immer die große, gefleckte Katze das letzte Wort.“ Sie deutete auf Aset, der ein wenig ratlos wirkte.

„Schatz?“ Aset sah auf Caleb runter und kraulte ihn hinter den Ohren. Er wusste gerade nicht, was sein Gatte wollte. „Keine Geschlechtertrennung, oder keine Flauschbälle“, wollte er wissen.

Caleb knurrte, schon allein dafür, dass sein Mann überhaupt in Betracht zog, das zu verschachern, was er mühevoll groß gezogen hatte, war dreist. Dann aber so zu tun, als wüsste er nicht, was er tun sollte, war grenzwertig. Caleb biss also etwas fester zu, es lief noch kein Blut, aber seine Augen sagten, dass hier nichts getauscht wurde. Er konnte entweder die Kleinen jede Nacht hüten oder Sex haben – aber bestimmt nicht beides.

„Das läuft auf Couch im Salon hinaus, würde ich sagen“, mutmaßte mal Ranu, der erst jetzt den Panther auf der Wiese entdeckte. Was machte  Sinas Clanchef denn hier?

„Okay, okay“, sagte Aset auch gleich. Den Blick kannte er und er wollte nichts riskieren. „Looser, Looser“, kicherte Cat leise. Es war so klar gewesen, dass Aset wieder einknickte. „Tut mir leid, Schätzchen, dein Dad hat entschieden, dass keine Kinder getauscht werden.“ Aber Ranu hörte schon gar nicht mehr richtig zu und war schon auf dem Weg zu dem schwarzen Panther. Es war ja so klar gewesen, dass Caleb wieder seinen Kopf durchsetzte. „Hallo Mr Garcia. Was machen Sie denn hier?“

Connor blickte irritiert auf. Alvarez und Calebs Sohn kannten sich? Er sah den schwarzen Panther an, der nur den Kopf schief legte. Er zuckte herum, als Cathleen eine Decke über ihn fallen ließ. Sie ahnte, dass es dem Kater vielleicht peinlich war, vor Fremden nackt herum zu laufen. Alvarez verstand und wandelte sich, bedeckte sich dabei dürftig. „Ranu, schön dich wieder zu sehen. Connor hatte etwas mit deinen Eltern zu besprechen und ich habe ihn begleitet.“

Auch Aset wurde hellhörig. Schließlich hatte er jetzt wieder das Sorgerecht für Ranu, der ja nicht eingetauscht werden durfte, da wollte er auch wissen, woher der den Panther kannte.

„Er ist Sinas Freund. Wir haben uns vor ein paar Tagen bei Leticia kennen gelernt“, erklärte Alvarez und Connor nickte.

„Haben sie mit Paps gerauft?“, fragte er und fischte einen Grashalm aus Alvarez Haaren. „Wie lange haben sie durchgehalten?“

„Keine Ahnung, hab kein Zeitgefühl gehabt. Ich stand völlig unter Adrenalin, das hat alles andere blockiert“, erklärte Alvarez und arrangierte die Decke um sich, damit er sich erheben konnte. Er band sie wie ein Handtuch um die Hüften und streckte sich vorsichtig. Der Kerl war wirklich ein Leopard aus der Hölle, auch wenn er nur mit angezogener Handbremse unterwegs gewesen war.

„Fast 'ne Stunde beißen und Katzenschubsen“, erklärte Cat, während Ryan die beiden Kurzen gegriffen hatte, die aber nun wieder putzmunter waren. Es würde keinen Sinn haben sie jetzt hinzulegen – sie waren schneller die Treppe wieder runter als er.

Ranu riss die Augen auf und hielt Alvarez den hochgereckten Daumen hin. „Respekt, das schaffen nicht viele und können hinterher noch auf eigenen Beinen gehen. Eigentlich bisher noch niemand, außer Paps wehrt sich nicht.“ Das konnte er sich aber nicht vorstellen, so wie beide aussahen. Connor grinste von den anderen ungesehen. So wie es aussah, hatte Alvarez einen neuen Fan.

„Ach, er durfte nur ein bisschen beißen und Katzenschubsen – mehr hat Cathleen ihm nicht gestattet“, versuchte Alvarez ein bisschen tief zu stapeln, doch er konnte nicht vermeiden, dass er schon ein bisschen stolz war. Er fühlte sich zwar wie durch den Wolf gedreht, doch er hatte keine Blessuren oder gar Wunden.

„Paps‘ Katzenschubsen hat schon einige Pumas auf Bäume befördert“, murmelte Ranu und sah seinen Vater an, der sich gerade gewandelt und etwas übergezogen hatte.

„Nicht schlecht, Panther“, sagte der und streckte sich zufrieden.

Alvarez nickte ihm grinsend zu. Das hatte Spaß gemacht. „Können wir gerne wiederholen, wenn ich mal wieder in New York bin.“ Er nahm seine Klamotten, die Connor ihm hinhielt und zog sich an. „Hast du alles klären können?“, fragte er Connor und der nickte. „Ich werde mich Assais Clan anschließen. Morgen früh, machen wir das klar.“

„Das hört sich nach einem richtigen Schritt an. Soll ich mitkommen?“, wollte der Kater wissen, als er sich das Hemd zuknöpfte und grinste, weil er sah wie Cat ihn dabei kichernd beobachtete. Es wurde langsam dunkel und so ging auf der Terrasse die Beleuchtung an. Und siehe da – von wegen im Bett. Die beiden jungen Leoparden stolperten nun über die Wiese. Nicht anders als in seinem Clan auch.

„Wenn du mit kommen möchtest, gerne.“ Connor zog Alvarez an sich und küsste ihn sanft. Danach grinste er frech zu Cat, die kichernd den Kopf schüttelte. „Assai will mir auch dabei helfen, fliegen zu lernen, oder zumindest erst einmal die Flügel erscheinen und verschwinden zu lassen, wie ich es will.“ Das konnte er sich noch gar nicht richtig vorstellen. „Sollen wir gleich zu mir fahren, oder möchtest du noch ein wenig hier bleiben. Die Kinder müde raufen, oder so?“

„Ist das hier so? Werden hier Kinder müde gerauft? Werden dafür schwarze Katzen benötigt?“, fragte Alvarez, als er den Arm um Connor legte und sein Kinn auf dessen Schulter ruhte. Er sah Cathleen grinsend an und die hob eine Braue, als ihr bewusst wurde, dass Ryan die beiden Kleinen nicht ins Bett gesteckt hatte, sondern die jungen Leoparden vergnügt über den Rasen flitzten und sich jagten. Und dann kam Ryan wieder auf die Terrasse. „Sie werden immer schneller.“

„Aha“, machte Cathleen nur und ließ sich von ihrem Mann umarmen. „Vampire sind ja auch gar nicht schnell, da ist es ja klar, dass zwei kleine, wuselige Kätzchen ihnen entkommen.“ Sie sah zu Aset und Assai. „Darum bin ich dafür, dass die Vampire sie auch müde raufen.“ Sie lachte laut, als von drei Seiten gebrummt wurde.

„Hinterhältige Katze“, knurrte Aset, „die weiß ganz genau, dass wir denen nicht widerstehen können und ihnen alles durchgehen lassen, wenn sie uns mit diesem Blick ansehen. Was soll das bringen.“ Assai stimmte ihm da zu und auch Ryan fand, dass sie deutlich gezeigt hätten, dass Vampire für das zu Bett bringen kleiner Katzen nicht kompatibel wären – es war die Aufgabe der Katzen im Haus. Caleb hob eine Braue.

„Ich bin raus aus der Sache, da ich ja ein Vampir bin. Vier Katzen für zwei Kätzchen ist doch ideal.“ Connor grinste Alvarez an und zog ihn für einen Kuss zu sich. „Macht sie schnell müde, ich habe noch einiges mit dir vor“, raunte er dem Kater danach ins Ohr und schob ihn dann grinsend zu den Kindern.

„Ich hatte mich eben erst angezogen“, knurrte er und spürte schon Calebs Hand auf seiner Schulter. „Stell dich nicht an, wir haben andere Sorgen.“ Dann fielen die Hüllen und der Leopard sauste über den Rasen, dicht gefolgt von Cathleen und Ranu, die ihre Schweinchen am Tritt erkannten und genau wussten, dass es jetzt in die Bäume ging. Sie mussten sie erreichen, ehe die Kleinen auf den dünnen Ästen verschwanden und nicht runter kamen. Dann mussten doch die fliegenden Vampire eingesetzt werden.

„Na los, Süßer.“ Connor fing an Alvarez‘ Hemd aufzuknöpfen und strich dabei wie zufällig immer wieder über die glatte Haut. So als kleine Erinnerung, das schnell hinter sich zu bringen. „Anscheinend werden hier schwarze Katzen dazu gebraucht, um Kinder ins Bett zu bringen.“

„Aber sie sollen sich nicht daran gewöhnen – ich bin bald weg“, erklärte er, doch dann schoss er auch schon auf allen Vieren fauchend auf die kleinen Leoparden zu, die sich plötzlich erschreckten. Dass ihre Familie sie jagte, das war nichts Neues. Doch dieser schwarze Kater verwirrte sie. Kayla fauchte aufgebracht und konnte sich gerade noch beiseite rollen, als der schwarze Kater sie im Genick schnappen wollte. Sie kam hastig auf die Füße und rannte zum Rosenbeet ihrer Mutter.

„Oh, oh. Keine gute Idee.“ Ryan griff sich Connor und zerrte ihn zum Rosenbeet, um seine Tochter davon abzuhalten, das Beet zu verwüsten, denn das war Cathleens ganzer Stolz. „Halt sie von den Rosen fern, egal wie.“ Connor sah Kayla auf sich zulaufen und machte sich bereit. Kayla kam so schnell gelaufen, wie sie konnte, denn der fremde Kater war hinter ihr. Und dann stand da auch noch einer im Weg. Was sollte denn das heute? Heute war nichts wie gewohnt und so musste sie spontan um planen. So breit wie der Kerl sich machte, konnte sie nicht um ihn herum laufen. Sie konnte ihm aber zwischen den gespreizten Beinen hindurch laufen, während Alvarez, der ihr dicht auf den kleinen Fersen war, nicht mehr bremsen konnte.

Vor sich Alvarez, der auf ihn zugeschliddert kam, und hinter ihm das Rosenbeet, das geschützt werden sollte, handelte Connor rein instinktiv. Als der Kater in ihn reinkrachte umfing er ihn mit den Armen, um ihn aufzuhalten. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen und er bereitete sich darauf vor, gleich im hohen Bogen auf den Boden zu krachen.

Das etwas anders war als sonst, ging ihm auf, als er nicht aufprallte, sondern über dem Boden schwebte. „Was?“, rief er verwirrt und sah sich um. Seine Flügel waren wieder da und er schwebte mit Alvarez in seinen Armen über dem Rasen. Instinktiv flatterte er. Er wusste nicht, welche Muskeln er dafür benötigte, aber sein Körper wusste es. Verwirrt hatte auch Alvarez die Luft angehalten und hielt jetzt ganz still, weil er Connor nicht aus dem Rhythmus bringen wollte und sie dann doch noch beide ins Rosenbeet purzelten.

Auch die beiden großen Leoparden sahen sich verwirrt um, als Connor mit seinen schwarzen Schwingen flatterte, während die beiden Kleinen ihre Chance nutzten, um auf den Baum zu klettern – jeder auf einen eigenen, so konnte Ranu nicht beiden folgen.

„Kümmert euch um die Kleinen, wir helfen Connor“, rief Ryan den Leoparden zu und winkte Aset und Assai zu sich. Jetzt wo Connor merkte, dass er flog, setzte das Denken wieder ein und das war nicht gut, denn seine Flügel flatterten zunehmend unkoordiniert und er drohte abzustürzen. Er schwebte zwar nur gut zwei Meter über dem Boden, aber ein Sturz wäre doch sehr schmerzhaft. Die drei Vampire positionierten sich und Ryan rief Connor zu: „Hör auf, mit den Flügeln zu schlagen. Wir fangen euch auf.“

Doch es war ein Instinkt der ihm sagte: wenn du nicht flatterst, stürzt du ab. Und so war es für ihn gar nicht so leicht, sich klar zu machen, dass er aufhören musste zu flattern. Erst einmal ließ er Alvarez los, den Assai auffing und kurz ungesehen ein ganz kleines bisschen knuddelte, ehe er den Kater beiseite setzte und sich wieder auf den Vampir konzentrierte, der wild hin und her flatterte und versuchte den Kopf und den Instinkt zu kontrollieren.

„Das wird so nichts“, flüsterte Aset ganz leise. „Ich werde ihn dazu bringen, aufzuhören zu flattern und ihr fangt ihn auf.“ Das war zwar nicht die eleganteste Lösung, aber Connor bekam langsam Panik und sie mussten was tun. Aset ließ eine Illusion um Connor entstehen, dass er auf festem Boden stand, damit er nicht mehr flatterte. „Jetzt“, rief er als Connor fiel und gemeinsam fingen sie ihn auf.

Connor blinzelte verwirrt und Ryan lachte. „Alte Vampire mit ihren Tricks sind echt praktisch.“

„Was war das?“, wollte Connor wissen, als er neben Ryan auf dem Boden stand. Hatte er nicht schon eher auf festem Boden gestanden? Er hatte es doch gesehen, es gespürt. Und dann war er doch ein Stück gefallen. Verwirrt sah er sich um, seine Federn raschelten leise und dann zuckte er, als sich etwas in den untersten Federn verbissen hatte und fauchte.

„Alte Vampire erschaffen Illusionen. Sie können den Geist manipulieren“, erklärte Assai und bückte sich, um Kayla zu pflücken. Nicht dass sie noch an Stellen zubiss, wo es weh tun konnte.

„Das war eine Illusion? Wow! Ich habe geglaubt, dass ich wirklich auf dem Boden war.“ Connor konnte es gar nicht fassen, was für unglaubliche Kräfte die alten Vampire hatten. „Habt ihr auch einen Trick auf Lager, wie meine Flügel wieder verschwinden? Ich habe keine Ahnung, wie das geht und auf Todesangst würde ich gerne verzichten.“

Alvarez wandte sich etwas beschämt ab. Er hatte das ja schließlich nicht absichtlich getan. Er hatte sich einfach damals nicht anders zu helfen gewusst. Lieber jagte er Kayla über die Wiese, die Assai einfach beiseite gesetzt hatte. Sie war gerade etwas im Weg.

„Das ist eine mentale Sache. Du musst mit dem Geist über deinen Körper siegen. Er muss dir gehorchen. Das heißt, du musst mit dir eins sein. Dann wird es besser gehen“, begann Assai zu erklären.

„Hmm.“ Das hörte sich logisch an, aber das machte es Connor nicht leichter. „Genau das ist mein Problem. Ich weiß nicht, wie ich das anstellen soll. Ich denke nicht darüber nach, meinen Arm zu heben, ich mache es einfach, aber das klappt mit meinen neuen Körperteilen leider nicht.“ Frustriert raschelte Connor mit den Flügeln.

„Das ist wie bei Kindern. Sie müssen sich auch erst klar machen, wie sie Körperteile so bewegen, dass sie vorwärts kommen. Das klappt auch nicht von Anfang an. Bei dir ist das ähnlich. Bei uns denkt keiner mehr darüber nach, ob Flügel jetzt gut wären oder nicht. Sie erscheinen, wenn es nötig ist, und verschwinden, wenn sie nicht gebraucht werden.“ Assai zeigte, was er meinte, ließ die Flügel erscheinen und wieder verschwinden, auch wenn das Hemd nun kaputt war. „Das kommt bei dir auch noch. Aber dafür muss dein Körper sich an das Gefühl beim Erscheinen und Verschwinden gewöhnen. Das braucht Übung und etwas Zeit.“

„Das fürchte ich auch.“ Connor grinste schief und seufzte. „Okay, sagt mir, was ich machen soll, damit sie verschwinden.“ Assai und Aset sahen sich kurz an und beide nickten. „Wenn du mich lässt, werde ich versuchen es dir zu zeigen. Durch eine Illusion, kann ich dir mitteilen, wie ich es mache. Dann hast du eine Vorstellung davon, wie es geht und kannst es selber probieren“, bot Aset an.

„Danke, nur zu. Mach was immer hilft.“ Connor holte tief Luft und versuchte sich zu entspannen. „Fang an.“

Aset nickte und stellte sich Connor gegenüber. Sicherlich ging es auch von weiter weg doch er wollte dem jungen Vampir dabei ins Gesicht sehen, um Veränderungen schneller wahrnehmen zu können. Er brauchte die Rückkopplung von Connor, wenn er ihm effektiv helfen wollte.

Aset ließ seine Flügel erscheinen und übermittelte alles an Connor, denn der hatte seine Flügel bisher noch nicht willentlich erscheinen lassen und wusste somit noch nicht, wie es wirklich funktionierte. Connor nickte leicht, um anzuzeigen, dass er es mitbekommen hatte. Das war das Zeichen für Aset weiter zu machen „Lassen wir sie gemeinsam wieder verschwinden. Folge einfach dem, was ich dir zeige.“

Ryan und Assai sahen gespannt dabei zu, was passierte. Die Flügel von Aset waren schon wieder verschwunden, aber Connors Federn wehten immer noch im Wind. Doch Aset gab nicht auf, er ließ seine noch einmal erscheinen und machte es Connor noch einmal vor. Er wusste, wie es mit Ranu und Rina gewesen war. Auch sie hatten lernen müssen.

Er musste es noch einmal wiederholen, bis auch Connor es schaffte. „Gut gemacht“, lobte ihn Aset. Er hatte damit gerechnet, dass es länger dauern würde. „Dein Kopf steht dir noch im Weg, aber das wird schon.“ Er klopfte Connor auf die Schulter, der gerade seinen Hals verdrehte, um nachzusehen, ob die Flügel wirklich weg waren. „Danke. Meine Prioritäten für die nächste Zeit sind jetzt wohl klar.“

„Ja, ich glaube auch. Du hast jetzt also ein paar Hausaufgaben“, sagte Aset und wirkte zufrieden. Er sah sich um, als gerade etwas fauchend an ihm vorbei schoss. Nicolas lief auf der Flucht vor seinem knurrenden Bruder durch die Masse der Vampire, in der Hoffnung, dass er klein genug war, Ranu hingegen von ihnen aufgehalten wurde. Doch auf der anderen Seite stand schon Caleb, der das kleine fauchende Bündel im Genick packte.

„Perfekt“, lachte Assai, denn gerade kam Alvarez mit Kayla zu ihnen, die ebenfalls bewegungslos in seinem Maul hing, was sie aber nicht daran hinderte zu fauchen und alle böse an zu funkeln. Das war eine unwürdige Behandlung für eine große Jägerin.

Der schwarze Panther übergab die wütende Katze an Aset, damit sie nicht wieder entwischte, dann wurde er schon von zwei Armen umschlungen. „Ich bin geflogen. Wir sind geflogen“, rief Connor strahlend und küsste Alvarez immer wieder auf die Schnauze. Der Panther wusste gar nicht, wie ihm geschah, und damit Connor endlich aufhörte, setzte er seine Zunge ein und wischte dem jungen Vampir damit über das Gesicht.

„Ich hoffe, ihr habt sie ausgiebig gescheucht, damit sie jetzt schlafen und nicht wieder die Treppe runter getapst kommen“, erklärte Ryan den Katzen und Caleb legte den Kopf schief. War ihm doch egal – er musste die Kleinen doch diese Nacht nicht bändigen. Er setzte Nicolas seinem Vater vor die Füße und es war als würde der Leopard grinsen.

„Anscheinend nicht.“ Ryan griff schnell zu, als sein Sohn gleich wieder weglaufen wollte. „Die sind aber auch gar nicht müde zu kriegen. Komm, Assai, versuchen wir mal, ob wir sie mit einer Geschichte in den Schlaf bekommen. Wir werden hier wohl gerade nicht gebraucht.“ Er deutete auf Connor, der auf dem Rücken lag mit einem schwarzen Panther auf sich drauf und versuchte einer feuchten Katzenzunge auszuweichen.

„Ja, bringen wir sie endlich ins Bett.“ Cathleen trabte hinter den beiden Vampiren her, die jeder einen kleinen aufs tödlichste beleidigten Leoparden auf dem Arm hatten. Caleb hatte sich wieder gewandelt und angezogen und besah sich nun Connor, der immer noch versuchte die feuchte Zunge loszuwerden, ohne den hinterhältigen Kater wieder irgendwo dagegen zu donnern.

„Nettes Pärchen“, gluckste er und lehnte sich bei Aset an. „Hilf ihm bei seinen Flügeln, damit er sie bald nutzen kann. Wenn er bis dahin noch lebt und nicht tot geschlabbert wurde.“ Es war schon ein ungleicher Kampf, wenn man noch nicht über Vampirkräfte verfügte und von der Katze auf dem Boden festgepinnt wurde.

„Es ist doch immer das Gleiche. Diese hinterhältigen Katzen bringen einen völlig um den Verstand. Ich sollte den armen Jungen befreien.“ Doch Aset tat nichts dergleichen. Er würde sich da nicht einmischen. Er würde nur dafür sorgen, dass der Vampir, der jetzt zu Assais Clan gehörte, nicht von einem dahergelaufenen korrupten Bauunternehmer umgebracht wurde. Er musste sich noch schlau machen, doch er ging davon aus, dass sich da etwas drehen ließ, ohne dass die Fäden zu Connor liefen. In seinem langen Leben hatte er viele Dinge auf diese Weise geregelt. Gleich morgen würde er sich darum kümmern.

„Komm, fangen wir unseren Sohn ein und fahren nach Hause. Hier werden wir jetzt wohl nicht mehr gebraucht.“ Aset küsste Caleb und pfiff dann laut. Das war das Zeichen für Ranu, dass sie aufbrechen wollten. Und so plumpste unweit der beiden Ranu aus einem Baum und kam zu ihnen gelaufen. Er hatte keine Lust sich zu wandeln und so umkreiste er die beiden immer wieder. Ab und an liefen sie von Cathleens Haus nach Hause und Aset hielt die Illusion aufrecht, der Leopard wäre ein Schäferhund, damit nicht noch einer panisch die Polizei rief, wenn sie Ranu neben ihnen laufen sahen. Sie griffen also die Kleider ihres Jungen und gingen ins Haus.

Als er merkte, dass sie allein waren, hatte auch Alvarez ein einsehen. Er ließ von Connor ab, der schwer atmend liegen blieb. „Du bist echt fies“, jappste er, aber er konnte schon wieder grinsen. „Sollen wir fahren? Ich möchte duschen und dann darfst du wieder über mich herfallen.“ Er drehte sich auf die Seite und strich dem Panther durch das Fell. „Wir sind wirklich geflogen. Unglaublich.“

„Ja, richtig geflogen, kleiner Vampir. Du machst dich“, sagte Alvarez, als er sich gewandelt hatte und bäuchlings auf dem Rasen lag. Er hatte die Arme unter dem Kinn verschränkt und sah Connor grinsend an. „Lass uns gehen, ich bekomme Hunger.“ Und das letzte Wort betonte er so, dass Connor klar war, dass sie nicht in einem Restaurant halten würden, sondern direkt zu ihm fuhren.

„Dann zieh dich an, ich geh schon mal zu den anderen und verabschiede mich.“ Connor sprang auf und man konnte ihm ansehen, dass er mit der Planung des restlichen Abends mehr als einverstanden war. „Du hast dir eine Belohnung verdient. Du hast dich gut gemacht beim Katzenschubsen und später beim müde Raufen.“

„Na, so müde waren sie wohl doch nicht. Die sind ja schlimmer als rosafarbene Duracell-Hasen, denen kann man wenigstens die Batterien heraus nehmen.“ Alvarez suchte seine Kleider zusammen und zog sich hastig an, ehe er Connor eilig folgte. Er fand den jungen Vampir mit Cathleen im Flur, alle anderen schienen wohl ausgeflogen oder beschäftigt. So verabschiedeten sie sich und fuhren vom Gelände Richtung Connors Haus, während Alvarez zumindest einmal daheim anrief, damit seine Schwester auch auf dem aktuellen Stand war, auch wenn er sich schon denken konnte, dass sie sich die Infos direkt von Cathleen holen würde.

 
 

17 

Connor saß neben Alvarez und sah ihn immer wieder an. Es war schade, dass der schon bald wieder zurück nach Brasilien fuhr. Connor hätte ihn gerne noch länger bei sich, denn der Panther bedeutete ihm mittlerweile sehr viel. Aber er würde das nicht ansprechen und einfach genießen, was er kriegen konnte. Er wusste, dass er Alvarez mit den Rücken an die Wand stellen würde, denn auch er war dem schwarzen Kater nicht egal. Aber der hatte seinen Lebensmittelpunkt in Brasilien. Doch es hinderte ihn ja keiner daran, ihn vielleicht einmal dort unten zu besuchen, wenn Alvarez dies noch einmal anbot. Erst einmal hatten sie noch zwei Tage und diese sollten sie nutzen.

„Was ist?“, fragte Alvarez, als er spürte, dass Connors Blick ihn immer wieder streifte.

„Ich sehe mir nur an, was ich gleich genießen werde.“ Connor strich Alvarez kurz über das Bein und lächelte. „Da gibt es nämlich jede Menge zu genießen.“ Er wedelte mit den Händen einmal vom Kopf bis zu den Füßen und lachte. „Beeil dich, ich habe auch schon großen Hunger und wenn wir nicht bald da sind, dann knabbere ich dich schon hier im Auto an.“

„Dann landen wir im Straßengraben, kleiner Vampir, und kommen in ein Krankenhaus. Sie werden sich über unsere Körperwerte wundern, uns eindringlich untersuchen und uns in ein Labor sperren – willst du das wirklich?“, fragte Alvarez und lenkte den Wagen in Richtung von Connors Haus. Auch er verspürte nicht wenig Lust, sich mit dem Mann in den Laken zu wälzen, doch er würde das niemals zugeben – nicht so einfach zumindest. Er grinste.

„Nee, das will ich nicht.“ Connor setzte sich wieder richtig hin und sah nach vorne und seine Hände landeten in seinem Schoß. Nicht dass noch etwas seine Planung für die nächsten Stunden durcheinander brachte. „Dann fahr er zügig, aber vorsichtig zu mir. Ich schätze keine Verzögerungen.“

„Hören ist gehorchen, oh großmächtiger Sultan“, erklärte Alvarez und deutete eine kurze Verbeugung in Richtung Lenkrad an, während er abbog und sich in den Verkehr einfädelte. Sie schwiegen noch ein paar Minuten und wurden erst wieder etwas reger, als sie endlich vor Connors Haus geparkt hatten. Glück muss der Kater haben – dann fand er auch einen Parkplatz direkt vor der Tür. Zufrieden ließ er also den Wagen verstummen und stieg aus. „Na komm.“

„Aber sicher doch.“ Connor sprang fast aus dem Wagen und lief zur Eingangstür. Er blickte über die Schulter zu Alvarez, als er die Tür aufschloss und ging schon mal ins Haus. Er lauerte im Flur bis Alvarez durch die Tür trat und zog ihn dann zu sich, damit er ihn endlich wieder küssen konnte.

Hinter ihnen fiel die Tür ins Schloss, das Licht blieb aus. Sie mussten nichts sehen – sie wussten, was sie wollten, und sie wussten, wo sie es fanden. Schnell hatte Connor Alvarez im Flur neben der Garderobe gegen die Wand geschoben und küsste ihn ausgehungert. Und Alvarez ließ sich auch nicht lange bitten. Seine Hände legten sich auf Connors Hintern, strichen ein paar Augenblicke sanft darüber, ehe er ihn fest griff und gegen sich drückte.

„Nach oben“, keuchte Connor zwischen zwei Küssen und löste sich von Alvarez, auch wenn er dann den Kontakt zu ihm verlor. Das würde er oben gleich wieder ändern. Darum griff er sich den Kater bei der Hand und zog ihn hinter sich her ins Schlafzimmer. Auf der Treppe verloren sie Jacken und Schuhe. Oben angekommen hatten auch die Hemden schon ihre umhüllende Aufgabe verloren. Alvarez hatte sich das Hemd aus der Hose gezogen und mit einer Hand aufgeknöpft. Und er hatte von hinten ebenfalls schon begonnen das störende Stück Stoff aus Connors Hose zu ziehen und hoch zu streifen, um seine Hand auf Connors Bauch zu legen und die Finger mit dem Hosenknopf spielen zu lassen.

Connor musste sich auf die Lippe beißen, um nicht zu verraten, wie sehr diese wenigen Berührungen ihn schon anmachten. Jede noch so kleine Berührung ließ ihn lichterloh brennen und Alvarez liebte es dann ihn hinzuhalten und ihn betteln zu lassen. Was auch jedes Mal passierte. Und doch wusste der Kater ganz genau, wann Schluss war – er ließ Connor niemals mehr ertragen, als er konnte.

Kaum in der oberen Etage angekommen, drehte Alvarez den Mann in seinen Armen, damit er ihn wieder küssen konnte. Harsch drückte er ihn dabei gegen die Wand neben der Schlafzimmertür und drängte sich fest gegen ihn. Sollte Connor ruhig spüren, dass es nicht viel bedurfte, um Alvarez nach ihm wild zu machen.

Connor bäumte sich auf, als er die Hitze spüren konnte und griff von oben in Alvarez Hose. „Meins“, knurrte er leise und umschloss die heiße Männlichkeit mit seiner Hand. „Ich will dich in mir! Jetzt!“ Wieder verschlossen seine Lippen die seines Freundes zu einem heißen Kuss. Dabei zog er Alvarez zum Bett, denn er wollte nicht mehr warten.

Hastig öffnete Alvarez sowohl seine als auch Connors Hose, um mehr Platz zu haben. Geschickt stieg er auf den Hosenbeinsaum und konnte sich so ohne seine Hände von Connors begehrlichen Leib nehmen zu müssen, seiner Hose entledigen. Ihr Kuss wurde immer harscher, ihr Atem ging schneller. Denn je intensiver Connor ihn so richtig berührte, umso gieriger wurde der Kater nach diesem Mann. Gierig zerrte er an Connors Hose, um auch ihn endlich liebkosen zu können.

Connor wand sich hin und her, um es Alvarez einfacher zu machen und er stöhnte auf, als ihm seine Hose über die Beine gezogen wurde. Er hatte gar keine Zeit erleichtert zu stöhnen, als Alvarez ihn schon genau richtig berührte. Jetzt stöhnte er doch, aber nicht vor Erleichterung sondern vor Lust.

Er hatte nicht gemerkt, wie er plötzlich auf das Bett gekommen war, doch Alvarez wollte vermeiden, dass Connor die Knie einknickten und er sich vielleicht noch verletzte. Doch jetzt hatte er den Mann genau da, wo er ihn wollte – auf einer weichen Unterlage, stöhnend vor Lust unter sich. „Lass dich gehen, mein Schöner – keiner wird uns stören.“ Seine Lippen strichen über Connors Gesicht, über das Kinn, den Hals. Seine Zähne knabberten, packten etwas fester zu, als er seine Fänge wachsen ließ.

Er konnte die Schauer spüren, die durch Connor liefen. Bisse waren für Connor beim Sex etwas vollkommen Neues. Etwas, was er bisher nicht gekannt, oder gewollt hatte, aber bei dem Kater lauerte er förmlich darauf, denn es gab ihm das Gefühl, dem Panther zu gehören, sich ganz in seine Hände zu begeben. Das war etwas, von dem er nie gedacht hätte, dass es ihm gefallen könnte. Aber das tat es, sehr sogar. Alvarez war vorsichtig, er forderte nie Blut, aber wenn es nach Connor gehen würde, konnte er das ruhig tun.

Immer dann, wenn er gerade glaubte, der Kater würde ansetzen und zubeißen, dann verschwanden die Zähne und die Zunge kam zurück. Rau schabte sie über die gerötete Haut und versuchte Abbitte zu leisten. Dafür kümmerte sich Alvarez‘ Hand intensiv um Connors Schoß. Er wollte ihn wild machen, willig, gierig nach mehr.

Noch einmal strichen seine Fänge kratzend über Connors Kinn, ehe er sie langsam tiefer kratzen ließ – tiefer und tiefer.

„Alvarez“, stöhnte Connor und bäumte sich auf. Der Kater machte ihn verrückt und da Alvarez sich an seinem Körper tiefer küsste, biss und leckte, konnte er selber nichts weiter tun, als seine Finger in die dicken, schwarzen Haare zu schlagen. „Nimm mich endlich. Ich will dich spüren“, forderte er kehlig.

„Nicht so ungeduldig, Connor. Lass mich dich genießen.“ Er leckte über Connors Bauch und blies heißen Atem darüber. Die Bauchdecke vibrierte leicht und Alvarez grinste kurz. Heute wollte er nicht nur Sex- heute wollte er mehr. Connor war ein Vampir und das sollte er endlich zeigen. So küsste er sich langsam wieder nach oben, aber nur bis zu den rosa Knospen, die so einsam wirkten. Seine Zähne kümmerten sich schnell darum.

„Nur, wenn ich dich gleich auch genießen darf.“ Connor war hin und her gerissen, zwischen seiner Ungeduld und der verlockenden Aussicht von Alvarez immer höher getrieben zu werden. Er kam gar nicht dazu weiter abzuwägen, als er wieder die spitzen Zähne spürte. Er konnte sich nur stöhnend aufbäumen und sich ergeben in die Hände des Panthers sinken lassen.

„Alles, was du willst“, flüsterte Alvarez gegen die feuchte Haut und schabte immer wieder mit den spitzen Fängen, bis er sich nicht mehr zurück halten konnte. Er kratzte tiefer und ließ wenige kleine Blutstropfen hervor quellen, betrachtete sie kurz und leckte sie dann auf, ehe er Connor wieder zu einem Kuss trieb.

Er konnte spüren, wie Connors Fangzähne wuchsen, als er mit ihm die wenigen Blutstropfen teilte. „Wahnsinn“, keuchte Connor nach dem Kuss und sah Alvarez mit leuchtenden Augen an. Es war zwar sein eigenes Blut, aber es heizte ihn trotzdem noch mehr an. Er schlang seine Beine fest um seinen Freund und leckte sich über die Lippen. „Mehr.“

Alvarez grinste zufrieden und so kümmerten sich seine Hände zwar noch um den heißen Schoß und machten den Vampir fast wahnsinnig, doch er war noch nicht zufrieden. Die Hitze in seiner Hand, der kräftige Leib unter ihm – das alles ließ ihn nach mehr gieren. Eilig verschloss er wieder Connors Lippen mit seinen und ließ seine Zunge über dessen Fänge gleiten, bis er sie anritzte und sein Blut langsam auf Connors Sinne wirken ließ.

Das war noch besser als vorhin. Connor wurde buchstäblich geflasht von dem Geschmack, der sich in seinem Mund ausbreitete. Das war das Köstlichste, was er bisher in seinem Leben geschmeckt hatte. Gierig ließ er seine Zunge umherwandern, um auch ja alles zu erhaschen. Der Geschmack füllte seinen Mund, das Aroma benebelte seine Sinne und Alvarez gab ihm, wonach er verlangte.

Doch nur wenig.

Winzige Tropfen, als er sich mit Connor im Arm drehte und den Vampir auf sich gleiten ließ. Seine Hände liebkosten immer noch fast gierig Schoß und Hintern, bereiteten Connor blind auf das vor, was Alvarez begehrte, doch derweil lockte er den jungen Vampir mit einer kleinen Spur aus Blut.

Connor folgte ihm willig, stöhnte immer wieder auf, wenn Alvarez ihm sein Blut zu schmecken gab. Es trieb ihn höher und höher, so dass er sich schließlich aus dem Kuss lösen musste und sich aufbäumte. Gierig sah er auf Alvarez runter und ließ dabei seinen Hintern über den Schoß seines Freundes kreisen. „Wie war das? Blut ist am köstlichsten kurz vor dem Orgasmus?“ Er beugte sich runter und küsste den Kater feurig. „Nimm mich, ich kann es kaum noch erwarten.“

„Nichts lieber als das“, knurrte der Kater und wirkte sichtlich zufrieden, fast wie die sprichwörtliche Katze am Sahnetopf. Er leckte sich über die Lippen und brachte Connor wieder unter sich. Doch er küsste ihn dabei immer wieder, ließ ihn schmecken, was ihn noch erwarten konnte. Sein Kopf begann sich zu drehen, wie im Rausch spürte er, wie er sich in Connor drängte, ihn eroberte, ihm seinen Rhythmus auf zwängte.

Connor ließ sich mitreißen und kam Alvarez entgegen, so gut er konnte. Endlich konnte er seiner Lust freien Lauf lassen. Seine Finger krallten sich in Alvarez' Hintern und seine Beine legten sich um ihn. So konnte er sich seinem Geliebten immer wilder entgegen bringen. Immer wieder trafen sich ihre Lippen, mischte sich ihr Atem. Und immer wieder ließ der Kater Connor schmecken, was er haben konnte, wenn er sich nur traute. Tropfen für Tropfen legte er die Spur in den Himmel, während er Connor vor sich her trieb.

Immer höher trieb er den jungen Vampir und der ließ sich das nur zu gerne gefallen. Alvarez verstand es perfekt ihm die höchste Lust zu verschaffen. Connor gab sich ihm ganz hin, denn er wusste, dass er es nicht bereuen würde. „Mehr“, forderte er immer wieder und als er das Gefühl hatte, es nicht mehr auszuhalten, übernahmen seine Instinkte und er versenkte seine Fänge in der heftig pochenden Halsschlagader des Katers und begann zu saugen. Er bäumte sich stöhnend auf, als das köstliche Nass in seine Kehle rann. Seine Arme klammerten sich an Alvarez, nicht bereit noch einmal von dieser süßen Quelle abzulassen und mit seinem Biss trieb er auch den Kater in eine Sphäre, in der er lange nicht gewesen war. Der Hormoncocktail machte ihn wilder als er sowieso schon war. Er hatte das Gefühl diese Gefühle kaum noch aushalten zu können.

Höher.

Schneller.

Immer mehr.

Connor hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Er trieb auf einer Welle aus reiner Lust. Das köstliche Blut und das heiße Fleisch, dass immer wieder tief in ihn stieß, trieben ihn höher, so dass er sich von Alvarez' Hals losreißen musste, weil er sich stöhnend dem Gipfel seiner Lust hingab. Alvarez folgte ihm blind taumelnd über den Abgrund und sank langsam auf Connor. Sein heißer Atem floh und strich über Connors heiße Haut.

„Wow“, murmelte er leise und schloss die Augen. Doch das Grinsen bekam er nicht aus dem Gesicht, als er sich langsam aus Connor zurückzog.

„Ja, wow!“ Träge strich Connor über Alvarez' Wange, tiefer bis zu der Stelle, wo er seine Fänge in die Haut getrieben hatte. Die Wunden hatten sich schon wieder geschlossen. Nur zwei feine, rote Linien zeugten von den Verletzungen. „Habe ich dir weh getan? Wenn dann tut es mir leid. Ich habe ziemlich die Beherrschung verloren.“

„Es war gut – einfach nur gut. Mach dir also darüber keine Gedanken“, sagte Alvarez und rutschte etwas von Connor, um ihn nicht zu erdrücken. Doch eines seiner Beine legte er besitzergreifend über ihn. Er stützte sich etwas auf, damit er Connor ins Gesicht sehen konnte. „Und? Immer noch lieber Transfusionen?“ Dabei wippte er frech mit den Augenbrauen.

Connor knurrte leise und boxte Alvarez leicht gegen die Schulter. „Du weißt ganz genau, dass ich das jetzt ganz bestimmt nicht mehr will.“ Er drehte sich so, dass sie sich gegenüber lagen und küsste Alvarez. „Danke. Blut zu trinken - von dir zu trinken, ist fantastisch. Aber ich weiß noch nicht, was ich machen werde, wenn du wieder weg bist. Ich werde mich aber auf jeden Fall nicht irgendjemandem an den Hals hängen.“

„Ich kann dir nichts verbieten, aber ich würde es begrüßen, wenn nicht einfach irgendjemand das bekommt, was ich bekommen habe“, gestand Alvarez, auch wenn das eigentlich nicht seine Art war. Doch die Vorstellung, dass ein anderer Mann außer ihm selbst Connor haben durfte, zog ihm den Magen zusammen. „Ich kann versuchen, dir regelmäßig eine Kiste voll Alvarez zu schicken“, grinste er also schief und ließ sich auf den Rücken fallen, eine Hand dabei in Connors Haar geschoben.

Connor drehte sich zu Alvarez und schmiegte sich an ihn. „Du machst es mir schwer, dich gehen zu lassen.“ Sanft strichen seine Lippen über das Gesicht des Katers. „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, das, was wir gerade geteilt hatten, mit jemand anderem zu teilen und ich will es auch gar nicht.“ Connor wusste, dass er gerade sehr viele seiner Gefühle preis gab. Aber er konnte es nicht mehr ignorieren. Er war dabei sich zu verlieben.

„Auch wenn ich meine Schwester hier habe, war es immer okay für mich wieder zu fahren. Du machst es mir das erste Mal schwer, das Flugzeug zu besteigen. Aber mein Angebot steht. Komm mich besuchen, wann immer du willst und dein Job es zulässt.“ Auch Alvarez war nicht wohl bei dem Gedanken, dass übermorgen alles enden sollte – einfach so. Kurz schloss er die Augen und seine Finger spielten gedankenverloren mit einer Haarsträhne.

„Das werde ich.“ Connor legte seinen Kopf auf Alvarez' Schulter und legte einen Arm um ihn. Die Worte des Katers ließen Wärme in seinem Innern aufsteigen. Alvarez wollte nicht fliegen und das ließ Connor glücklich lächeln. „Aber da es wohl leider noch ein wenig dauern wird, bis ich dich besuchen kann, werde ich Skype auf deinem Laptop installieren, damit wir wenigstens miteinander reden können.“ Er küsste ihn auf die Nasenspitze und grinste. „Gegen eine regelmäßige Lieferung von deinem leckeren Blut, hätte ich auch nichts einzuwenden.“

„Ich kann versuchen, morgen im Krankenhaus ein bisschen was zu spenden. Du kannst es dann dort abholen, wenn du Appetit verspürst“, witzelte er und grinste schief. Sie waren doch beide verrückt – total verrückt. „Du wirst mir echt fehlen. Zu Hause habe ich keinen, der mich gegen die Wand donnert. Das wird mir fehlen.“

„Geht das? Das wäre toll, dann weiß ich wenigstens, dass ich tolles Blut bekomme.“ Connor lachte und küsste Alvarez kurz. „Also wenn du möchtest, kann ich dich noch ein paar mal gegen die Wand donnern.“ Er zwinkerte verschmitzt und kicherte dann. „Aber eigentlich wäre mir lieber, wenn dir etwas anderes fehlen würde. Interesse? Oder ist das Kätzchen zu müde für noch mehr Sex?“

„Du bist unverbesserlich, du kleiner hinterhältiger Vampir“, lachte Alvarez und drehte sich auf den Rücken, eine Hand locker über seine Stirn gelegt. „Eigentlich hast du es dir nicht verdient, auch nur noch ein einziges Mal mich, meinen Luxuskörper oder gar mein kostbares Blut dargeboten zu bekommen. Lass dir was einfallen, wenn du noch einmal etwas von mir haben willst.“ Er grinste dreckig.

„Ach, Süßer.“ Connor rollte sich auf Alvarez und strich ihm über die Wange. „War doch nur ein Scherz. Ich gelobe Besserung, denn ich möchte dich noch so oft genießen, wie es geht.“ Er küsste Alvarez auf die Lippen und dann ließ er seine Lippen tiefer streifen. Er war sich sicher, dass er seinen Kater schon dazu bringen würde, ihm seine Frechheiten zu verzeihen und sie beide noch einigen Spaß in der Nacht haben würden.