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Katzenaugen 8 - Fantasma Negro - Teil 12-14

12 

„Ich dachte, ich kann nur das Blut von einer Person trinken. Muss ich wohl falsch verstanden haben“, lenkte er ab, denn er wollte nicht, dass die anderen wussten, dass Alvarez ihn beschwindelt hatte. Was ihn aber nicht daran hinderte, die hinterhältige Katze, von den anderen ungesehen, fest in die Seite zu kneifen. Der Kater versuchte nicht zu zucken, doch das war nicht so leicht, denn Connor legte Kraft in seine Finger. Aber Leticia schaltete schneller und sah ihren Bruder nun von der anderen Seite strafend an. „Wie bist du denn auf den Blödsinn gekommen? Du weißt doch selber, dass das nicht stimmt.“

„War mir entfallen“, knurrte der Kater und vermied es sich über die malträtierte Stelle zu streichen.

„Wie kannst du das vergessen, du hast doch selber, schon eine … aua!“ Leticia sah unter den Tisch, denn etwas hatte schmerzlich ihr Schienbein getroffen.

„Ich sagte doch eben“, presste Alvarez zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „dass mir das wohl entfallen war. Ist ja schon etwas länger her.“

„Ja aber so lange jetzt auch … aua!“

Connor und die anderen hatten grinsend dem Disput der Geschwister gelauscht und Alvarez tat ihm richtig leid. Leticia gehörte wohl zu der Sorte Frau, die jede Schwäche erkannte und dann mit dem Finger in der Wunde wühlte. Er strich dem Kater sanft über das Bein und lenkte Leticias Aufmerksamkeit auf sich. „War mein Fehler. Ich habe da was in Alvarez' Worte hinein interpretiert, was er so nicht gemeint hat.“

„Oh, du weißer Ritter in deiner schimmernden Rüstung. Eile dem Kater in Nöten nur zur Rettung“, kicherte sie und hob dann abwehrend die Hände, als ihr Bruder schnaubte und Anstalten machte, sich wieder zu erheben.

„Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass wir vom Thema abgekommen sind. Du kannst von jedem trinken, von dem du willst. Egal ob Mensch, Wertier oder anderer Vampir. Nur wird dir das Vampirblut nicht viel nutzen, da es mehr Parasiten mitbringt und so mehr Blut gebraucht wird.“ Ryan musste sich immer noch das Grinsen verkneifen – wenn sich da mal nichts anbahnte.

„Ah, das ist gut zu wissen.“ Connor sah zu Ryan und griff sich unter dem Tisch Alvarez' Hand, damit der jetzt nicht einfach aufstand und ging. „Wie ist das mit der Selbstheilung?“, fragte er darum gleich weiter, um von dem Panther abzulenken. „Ich habe gesehen, wie schnell Wunden bei Alvarez heilen. Bei mir funktioniert das nicht. Kommt das erst mit der Zeit, oder erst wenn ich anfange Blut zu trinken?“

„Das kommt erst mit dem Alter. Das kannst du weder durch Trinken noch durch etwas anderes beschleunigen. Außer du bekommst altes Blut, so wie Caleb von seinem Mann.“ Ryan überlegte, was er noch darüber wusste, aber das war nicht viel. Er hatte vieles von seiner Existenz einfach so hingenommen und nie hinterfragt. „Also geh Waffen noch eine Weile aus dem Weg.“

„Hatte ich vor.“ Connor lächelte und strich sanft mit dem Daumen über Alvarez' Handrücken. „Wie alt ist denn Calebs Mann? Was muss ich mir unter altem Blut vorstellen?“ Es hatte ihn neugierig gemacht, weil das immer wieder erwähnt worden war.

„Aset?“, sagte nun Cathleen, „der ist etwas über viertausend Jahre alt und der Anführer eines der verruchtesten Clans, die es in der Vampirwelt gibt. Caleb wurde damals als Unterpfand an ihn gegeben, weswegen er vom ersten Tage an in Gefahr war. Also hat Aset ihn regelmäßig von seinem Blut trinken lassen, um ihn stärker und widerstandsfähiger zu machen.“

„Viertausend Jahre? Das heißt, ich könnte auch so alt werden?“ Connor machte große Augen, denn allein die Vorstellung war unglaublich. Bisher war er davon ausgegangen, dass sein Leben in einigen Jahrzehnten vorbei sein würde. „Unfassbar und dieser Aset...“, Connor stoppte. „Aset und Caleb“, murmelte er und riss die Augen auf. „Ihr meint doch nicht etwa Aset Khonshu und seinen Mann Caleb, oder?“, fragte er völlig perplex. Jeder in New York, kannte den Namen des Großindustriellen und Connor hatte die beiden sogar schon einmal auf einer Veranstaltung getroffen und war ihnen vorgestellt worden.

„Wie die Namen schon sagen – Aset und Caleb.“ Irritiert nickte Ryan.

„Allerdings wird es für dich als Clanlosen schwer werden, so alt zu werden. Die Clans haben ein Gefüge errichtet, das dafür sorgt, dass in unregelmäßigen Abständen die Identitäten getauscht werden. Wenn auffällt, dass man nicht mehr altert, könnte das unnötige Fragen aufwerfen.“ Cathleen sah Connor mitleidig an. Er war noch ganz neu im Geschäft und ganz allein. Aber zu Aset konnte er unmöglich – dort war er nicht eine Woche sicher.

Connor nickte. Das klang logisch. „Du meinst also, ohne Clan wird es für mich schwer, oder? Könnte ich mich denn einem Clan anschließen? Würde man mich aufnehmen und welcher Clan wäre der richtige?“ Die Fragen sprudelten nur so aus Connor raus. „Was bedeutet es, Mitglied eines Clans zu sein? Da gibt es doch bestimmt Regeln und Vorschriften.“

„Das kommt auf den Clan an“, sagte Ryan und berichtet von seinen Erfahrungen in Asets Clan und welche Auswirkungen das auf seine Beziehung zu Cathleen und vor allem auf ihre Kinder gehabt hatte. „Deswegen haben Aset und Assai beschlossen, dass ich in Assais Clan wechsle. Dort ist das Leben um einiges einfacher. Es gibt Regeln wie in jedem Familienunternehmen. Aber die sind von Clan zu Clan verschieden.“

Connor nickte, um anzuzeigen, dass er verstanden hatte. So ganz konnte er sich mit dem Gedanken noch nicht anfreunden, sich einer Organisation, oder wie Ryan es nannte, einem Clan anzuschließen, aber wenn er überleben wollte, musste er das wohl in Angriff nehmen. Er brauchte mehr Informationen. „Wäre es möglich, mit jemandem aus deinem und aus dem Clan des Aset Khonshu zu reden? Ich sollte das wohl besser nicht übereilen und mich vorher gut informieren. Es kann ja auch sein, dass sie mich gar nicht wollen.“

„Du lässt dir aber auch gar keine Zeit zum Atmen, oder?“, fragte Ryan offen heraus, der die Wissbegierde zwar verstehen, aber auch nicht gut heißen konnte. Connor überfrachtete sich selbst mit dermaßen vielen neuen Eindrücken, dass er wohl, sobald er die Zeit dazu hatte darüber nachzudenken, sich selbst Angst bereitete. „Du kannst Termine mit Assais Büro als auch mit dem von Aset machen, wenn du das möchtest. Aber ich rate dir ab, das heute zu machen.“

„Heute will er zum Revier wegen der Anzeige und nachher zu meinem Vortrag“, murmelte Alvarez, der auf seinen Kaffee starrte und leise gähnte.

Connor sah zu Alvarez rüber und musste lächeln. „Ja, das stimmt“, sagte er und drückte leicht die Hand in seiner. „Vorher sollte ich aber wohl besser ein wenig schlafen.“ Erst jetzt merkte Connor, dass ihm selber bald die Augen zu fielen. Er rieb sich über die Augen und sah wieder Ryan an. „Du hast Recht, ich will mal wieder viel zu viel auf einmal. Ich sollte nach Hause gehen. Danke dass ihr so früh hier her gekommen seid. Kann ich mich wieder bei dir melden, wenn ich noch Fragen habe?“

„Sicher, meld dich, wenn du etwas wissen willst. Wir können telefonieren, wir können uns treffen, ganz wie es dir passt.“ Ryan kramte eine seiner Visitenkarten heraus und schob sie zu Connor über den Tisch, während Cathleen grinste.

„Ach mach dir mal keine Sorgen. Die Zwillinge halten uns auf Trab. Sie finden, dass nur ein früh begonnener Tag ein wirklich erfolgreicher Tag werden kann. Langsam verstehe ich, warum Caleb immer so durch den Wind war, als Rina und Ranu noch klein waren.“

Connor nahm Ryans Visitenkarte und gab ihm im Gegenzug eine von seinen. Dazu musste er kurz Alvarez` Hand los lassen, aber nicht lange. Er mochte das Gefühl, über die schlanken, kräftigen Finger zu streicheln. „Danke für das Angebot. Dann will ich euch mal wieder zu euren Kindern lassen.“ Connor lächelte Cathleen zu. „Wie alt sind eure Kinder denn?“

„Sie sind jetzt etwas über ein Jahr, sie können sich auch schon wandeln. Aber als Katze ist vieles noch viel einfacher. Vor allem wenn man jetzt springen und klettern und schnell laufen kann, aus allen Ställchen und Kisten ausbüchsen kann.“

„Lebhafte Kinder, hm?“, lachte Leticia, die die beiden ebenfalls schon kennen gelernt hatte.

„Oh ja.“ Cathleen kicherte. „Sie haben nur Blödsinn im Kopf und deshalb werden wir jetzt auch ihre Patenonkel retten. Ruf an, oder komm vorbei, wenn du Fragen hast. Die Kleinen werden begeistert sein. Neue Waden, an denen sie noch nicht geknabbert haben.“

Connor lachte und nickte. „Okay, dann werde ich mich darauf vorbereiten, beknabbert zu werden. Hilft Bestechung?“

„Bestechung hilft bei kleinen Katzen leider immer, bei großen noch viel besser, nicht wahr Brüderchen?“, fragte Leticia und Alvarez knurrte nur. Er war müde und angreifbar, da war er ein viel zu gutes Opfer, besser er hielt den Mund und so ließ er den Kopf auf seine Arme auf dem Tisch sinken, brubbelte leise in sich hinein.

„Gut, ich werde mir das merken.“ Connor ließ Alvarez‘ Hand los und erhob sich, um Ryan und Cathleen zu verabschieden. Er reichte beiden die Hand und bedankte sich noch einmal. Er bemerkte gar nicht, dass er mit der linken, durch die dunklen Haare des Panthers strich und ihn sanft hinter dem Ohr kraulte. Es gefiel ihm, den anderen Mann zu berühren und ihn nah bei sich zu haben. Schon lange hatte kein Mann mehr sein Interesse geweckt. Alvarez reizte ihn und machte ihn ganz kribbelig.

Und so entging ihm sogar der Blick der anderen. Alvarez hingegen schnurrte leise, aber nur so lange, bis Leticia ihn anstieß, damit auch er sich anständig verabschiedete. Das gehörte sich so für einen Clanchef. Der Kater erhob sich und Connors Hand glitt aus seinem Haar, über den Nacken und den Rücken und verschwand. Genauso wie Ryan und Cathleen.

„Waren sie jetzt nur wegen uns hier? Hättest du sie nicht noch zum Frühstück einladen können?“, wollte Alvarez von seiner Schwester wissen.

„Ich habe es ihnen angeboten, aber anscheinend wollten sie lieber zu ihren Kindern. Habt ihr Hunger? Dann mach ich euch was?“ Connor sah zu Alvarez und schüttelte den Kopf. „Für mich nicht, danke. Ich sollte langsam wohl wirklich ins Bett.“ Er sah Alvarez an und überlegte, wie er diesen dazu bringen konnte, ihn zu begleiten. Seit er hier war, war er dem Panther näher gekommen und das wollte er noch vertiefen. Am liebsten bei sich Zuhause, in seinem Bett.

„Für mich auch nicht“, erklärte Alvarez und streckte sich. „Hatte schon Gurkensandwichs. Das reicht erst mal. Ich werde was essen, wenn ich wieder wach bin und es genießen kann. Wäre ja schade drum“, erklärte er und dehnte sich ein wenig, gähnte verhalten. „Gut, geht am besten ins Bett, ich werd den Tisch für meine Familie decken.“ Schließlich war Samstag und sie würden bald aus den Höhlen gekrochen kommen und nach Nahrung verlangen.

„Danke für alles, Leticia.“ Connor nickte Alvarez' Schwester zu und lief langsam aus der Küche. Er versuchte zu hören, ob Alvarez ihm folgte, konnte aber nichts hören. Er drehte sich um, als er an der Haustür ankam und musste lächeln, weil der Kater hinter ihm stand. „Kommst du mit zu mir?“, fragte er leise und versuchte sein plötzlich heftig schlagendes Herz zu beruhigen.

„Jemand sollte auf dich aufpassen, du hast die unschöne Angewohnheit, dich in Schwierigkeiten zu bringen“, murmelte Alvarez und griff sich seine Jacke. Nicht dass er sie wirklich gebraucht hätte, aber da war noch der Autoschlüssel drinnen. „Leti, Andrews Wagen steht noch in der Stadt, ich bringe ihn irgendwann mit.“ Dann schloss er die Tür hinter ihnen beiden. Er wusste, dass in der Garage unter dem Haus noch ein zweiter Wagen stand. Die Familie seiner Schwester gönnte sich diesen Luxus, auch wenn es eigentlich gar keinen Sinn machte, einen Wagen zu besitzen, wenn man in Manhattan wohnte.

„Ja, das stimmt wohl.“ Connor konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, versuchte es aber zu verbergen, indem er den Kopf senkte. Er folgte Alvarez zur Straße. Er atmete tief durch und es juckte ihm in den Fingern, wieder Alvarez‘ Hand zu nehmen, aber er ließ es sein. So langsam erwachte die Stadt und sie waren nicht allein auf den Straßen.

„Soll ich bleiben oder soll ich dich nur rüber bringen, damit du nicht wieder irgendwo runter flatterst oder in Mülltonnen landest?“, wollte der Kater wissen, der zur Sicherheit, um nicht doch noch zuzugreifen, seine Hände in die Hosentaschen geschoben hatte. Er fühlte sich erschlagen, er brauchte Schlaf. Er konnte nur hoffen, dass es Connor ähnlich ging und er nicht noch sportliche Höchstleistungen von ihm erwartete.

„Bitte bleib.“ Connor strich kurz über Alvarez‘ Arm und sah ihn bittend an. Er wollte endlich mehr von diesem Mann. Allerdings wusste er immer noch nicht, ob Alvarez das gleiche wollte, wie er. Er hatte die Küsse, die er von Connor bekommen hatte, ohne Kommentar hingenommen. Bei ihm Zuhause konnten sie diese Frage ohne Zuhörer klären.

„Okay“, sagte Alvarez und straffte sich ein wenig. „Aber erwarte nicht zu viel von mir. Mich hat heute einer erst in die Mülltonne geworfen und anschließend gegen die Wand gedonnert. Ich bin also noch etwas neben der Spur.“ Er grinste zu Connor hinüber, als sie nebeneinander die Straße entlang gingen.

„Arme, kleine Katze“, lachte Connor und stieß den anderen Mann mit seiner Schulter an. „Ich pack dich in mein Bett, decke dich gut zu. Und damit dich auch niemand stört, lege ich mich ganz nah zu dir. Auf Wunsch wirst du auch bekuschelt, gekrault und geküsst, das kannst du bestimmen. Danach kannst du schlafen und alles weitere, kommt dann, wenn wir beide wieder wach und ausgeschlafen sind, wenn du möchtest. Ich bin nämlich nicht weniger neben der Spur als du.“

„Das klingt nach einem Plan und zwar genau in der Reihenfolge“, erklärte Alvarez und grinste in sich hinein. Wer hatte gedacht, dass sie ein paar Stunden später gemeinsamen Sex planten, als Connor gestern Abend empört über Alvarez‘ gefaktes Verlobungsangebot aufgesprungen und verschwunden war. Ihm war immer noch nicht ganz bewusst, dass das gerade einmal zehn Stunden her war.

„Gute Entscheidung!“ Connor nickte zufrieden. Sie waren nicht mehr weit von seinem Haus entfernt und den Rest der Strecke legten sie schweigend zurück, denn alles, was geklärt werden musste, war gesagt. Immer wieder sah Connor zu Alvarez rüber und lächelte. Die letzten 24 Stunden, waren wohl die ungewöhnlichsten seines Lebens.

Hektisch suchte er in der Hosentasche seinen Schlüssel, als sie vor seinem Haus standen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, er fühlte sich nicht müde, doch er spürte, dass sein Körper Schlaf brauchte. Komisch, er hatte Ryan gar nicht gefragt, ob Vampire noch schliefen oder ob sich das mit dem Alter auch verringerte.

Alvarez sah zu ihm, als er keine Anstalten machte, die Tür zu öffnen. „Sorgen, dass jemand auf dich wartet?“, fragte er deswegen.

„Nein, mir sind nur gerade noch ein paar Fragen eingefallen, die ich irgendwann Ryan stellen möchte.“ Connor öffnete die Tür und zog Alvarez mit sich hinein. „Endlich“, seufzte er, schlug die Tür zu und schon legten sich seine Arme um den anderen Mann und zogen ihn näher. „Schon mal einen Kuss, damit du den weiten Weg ins Schlafzimmer schaffst?“

„Warum nicht, ich fühle mich so schwach, dass ich alles nehme, was mir Stärkung verspricht. Und da du jetzt ein starker Vampir bist, teile deine Kraft mit mir“, forderte er rau und näherte sich langsam Connor, vermied es aber zu grinsen, weil er sich gerade fragte, ob es allen Ernstes noch Dinge gab, die Connor noch nicht erfragt hatte.

„Gerne.“ Connor zog Alvarez so weit zu sich, dass sie sich berührten und seufzte leise. Das war perfekt. Alvarez war ein paar Zentimeter größer als er selbst und so brauchte er nur sein Gesicht ein wenig heben, damit er das andere Lippenpaar mit seinen berühren konnte. „Nimm dir, was immer du brauchst.“

Alvarez lächelte, als er den anderen Mund eroberte. Erst rieb er sanft über die anderen Lippen auf seinen, doch schnell war das nicht mehr genug. Er wollte mehr und so griff er Connor und drehte ihn langsam gegen die Wand, um intensiveren Druck ausüben zu können.

Connor bekam das kaum mit, denn er war zu sehr in ihrem Kuss gefangen. Es war einfach fantastisch wie ihn der Panther einem Hurrikan gleich eroberte. Connor gefiel es ausnehmend gut, wie Alvarez seine Dominanz zeigte. So konnte er auch seiner freien Lauf lassen und den Kuss immer intensiver werden zu lassen.

„Schlafzimmer“, knurrte Alvarez, als er den Kuss nur für Augenblicke löste. Seine Katzenaugen glühten kurz auf, doch dann hatte er Connor wieder erobert. Er hatte sich in diesem Mann verbissen – bildlich gesprochen. Doch nun ließ er seinen Gedanken Taten folgen. Seine Fänge griffen immer wieder sanft Connors Lippe, ehe er den heißen Mund wieder eroberte.

Immer wieder, wenn sich die spitzen Fänge in seine Lippe bohrten, liefen Schauer über seinen Rücken. Das war völlig neu für Connor und es machte ihn ganz kribbelig. Er lauerte förmlich darauf, ob der Panther Blut forderte. Aber trotzdem schob er Alvarez ein wenig von sich und leckte sich über die Lippen. „Komm“, sagte er nur und zog seinen Freund einfach hinter sich her zum Schlafzimmer.

Der Kater ließ es geschehen. Er hielt die Hand in seiner fest umschlossen und folgte dem Weg, den er schon kannte. Bei Tageslicht sah das Haus trotzdem noch anders aus, und so sah er sich nachlässig ein wenig um, ehe ihm auffiel, dass er auf der Treppe eine perfekte Aussicht auf den vor ihm laufenden Hintern hatte. Für einen etwas zu dünnen Juristen saß die Hose aber ziemlich gut.

Connor drehte sich zu ihm um und lächelte. „Du gibst nicht gerne die Führung aus der Hand? Hab ich Recht?“ Er hatte gar nichts dagegen, aber er ließ sich nicht ständig dominieren, das würde Alvarez noch merken. „Dann nutze es heute aus, denn ich werde sie dir nicht immer überlassen.“

„Das werden wir noch sehen“, knurrte Alvarez und ließ sich auf die letzte Stufe des Absatzes ziehen. Er grinste zufrieden. Connor war eine lohnende Beute, doch die wollte er mit allen Sinnen genießen – im Moment merkte er nur, dass ihn langsam die Müdigkeit übermannte, denn das Adrenalin in seinem Körper baute sich allmählich ab.

„Ja, werden wir.“ Connor zog Alvarez zu sich und küsste ihn sanft. „Aber erst bekommst du das, was ich dir versprochen habe. Ruhe, Zärtlichkeiten und Schlaf.“ Er strich ihm über die Wange und zog ihn ins Schlafzimmer. „Ich glaube, das ist genau das, was wir beide jetzt brauchen.“

„Ja, Herr Staatsanwalt“, murmelte Alvarez und ließ sich das Hemd über den Kopf ziehen, während er die Schuhe von den Füßen streifte. Das Bett war schon immer verlockend gewesen, seit er es das erste Mal gesehen hatte, aber im Moment wurde es geradezu magnetisch – es zog ihn an und zog und zog.

Connor befreite Alvarez nach und nach von den Kleidungsstücken und genoss den Anblick des freigelegten Körpers. Der Jaguar war heiß und ließ Connor sich über die Lippen lecken bei der Vorstellung ihn mit Händen und Lippen erforschen zu dürfen. „Los, husch unter die Decke, ich komme gleich nach“, grinste er, als Alvarez nackt vor ihm stand.

„Ah ja, hast ja schließlich schon ausreichend betrachtet, was ich zu bieten habe, da kann das jetzt auch ruhig bedeckt werden. Ich verstehe schon“, sagte Alvarez gespielt enttäuscht und krabbelte tatsächlich unter die Decke. Er wusste noch nicht einmal, warum er dieses Spiel von neuem begann, schließlich war er kurz vor dem Einschlafen. Er würde nicht ernten können, was er hier säte.

„Ganz falsch, mein Lieber. Ich will dir nur die Möglichkeit geben, bequem zu liegen, damit du es richtig genießen kannst, wenn ich mich ausziehe, oder interessiert dich das gar nicht? Dann mach ich schnell.“ Connor hob sein Shirt an und sah zu Alvarez. „Schnell oder doch lieber langsam?“

„Mach lieber schnell, wenn du willst, dass ich noch etwas davon habe. Ich fürchte, dass du es trotz meiner Müdigkeit als Beleidigung auffassen könntest, wenn ich während deiner heißen Show einschlafe.“ Doch entgegen seiner Worte stopfte er sich das Kissen unter seinem Kopf zu recht, damit er besser sehen konnte, ohne den Kopf in Schwebe halten zu müssen.

„Ok.“ Connor wählte den Mittelweg. Er bummelte nicht, aber riss sich auch nicht in Sekundenschnelle die Kleider vom Leib. Alvarez sollte ja was davon haben. Immer mehr Kleidungsstücke landeten auf dem Boden, bis er schließlich völlig nackt vor dem Bett stand. Er widerstand der Versuchung, sich einmal zu drehen, damit Alvarez ihn von allen Seiten begutachten konnte, sondern krabbelte unter die Decke. Dort schlossen sich Arme fest um ihn, eine Nase schmiegte sich sanft in seine Halsbeuge. „Schlaf ein bisschen, kleiner Vampir. Sonst zerfällst du in der Sonne noch zu Staub.“ Dann kicherte er leise.

„Das will ich auf keinen Fall, Kätzchen.“ Connor kuschelte sich an Alvarez und löste dann seine Versprechen ein. Sanft kraulten seine Finger hinter den Ohren und er verteilte Küsse, dort, wo er Haut erreichen konnte. „Wir sollten beide schlafen, denn ich will nachher genießen, was ich von der Kleidung befreit habe und damit meine ich bestimmt nicht mich.“

„Schade, hätte dir gern dabei zugesehen“, nuschelte Alvarez noch, doch dann war er auch schon fast weg gedämmert. Träge strichen seine Finger über Connor, doch dann war er eingeschlafen. Seine Hände blieben liegen und sein Atem ging gleichmäßig.

„Schlaf gut und wenn du ein ganz liebes Kätzchen bist, lasse ich dich sogar zusehen“, murmelte Connor noch, dann schloss er auch die Augen.


13 

Zufrieden blickte Alvarez in das Plenum. Er hatte in einer Vorlesungsreihe der Universität thematisch Anschluss gefunden, weswegen auch viele Studenten im Plenum saßen und ihm zuhörten. Schon im Vorfeld seines Vortrages war er mit einigen ins Gespräch gekommen, die er bei seinem gestrigen Auftritt kennen gelernt hatte. Während er gestern über die Möglichkeiten der sanften Nutzung von Naturreservaten gesprochen hatte, so ging es heute darum, herauszustellen, warum es auch für Finanzanleger Sinn machte, Naturreservate wie das seine zu unterstützen. Denn auch wenn man keinen Raubbau an der Natur betrieb, war es durchaus möglich, mit Schutzgebieten Geld zu verdienen.

Immer mal wieder streifte sein Blick auch Connor, der ebenfalls da war und ihm aufmerksam zuhörte. Er hatte sogar einen Block auf den Knien und machte sich Notizen. Es schien den jungen Staatsanwalt wirklich zu interessieren, was Alvarez vortrug. Sein Blick verweilte aber nicht lange bei Connor, denn er wollte sich nicht ablenken lassen, dazu war ihm sein Projekt zu wichtig. Er schloss gerade mit der letzten Folie ab und gab den Zuhörern nun Zeit, ihre Fragen an ihn zu stellen, als er irritiert an einer Frau hängen blieb, die gerade in den Saal kam. Er blieb nicht an ihr hängen, weil sie so auffällig war, ganz im Gegenteil versuchte sie alles, um nicht aufzufallen. Sein Blick klebte an ihr, weil er sie kannte. Was tat Leticia hier?

Doch dann sah er wieder ins Auditorium.

Die ersten Fragen wurden gestellt und Alvarez musste sich konzentrieren. So bekam er nicht mit, dass sich seine Schwester zu Connor setzte und leise mit ihm redete. Er bemerkte es erst, als er in einer kleinen Pause, wieder zu Connor sah und ihn in ein Gespräch mit Leticia vertieft vorfand. Er wirkte aufgeregt und schien immer wieder etwas nachzufragen, was Leticia wohl zum Schmunzeln brachte.

Alvarez wurde neugierig, doch auch wenn er seine Sinne hoch schrauben würde, im Gemurmel, das im Saal herrschte, würde er die beiden nicht herausfiltern können. So widmete er sich wieder seinen Zuhörern, bis auch die letzte Frage beantwortet war.

Es dauerte noch gut eine Stunde, bis sich niemand mehr zu Wort meldete und Alvarez seine Unterlagen zusammenlegen konnte. Leticia war nicht mehr da, aber Connor saß noch immer auf seinem Platz und lächelte ihn an. Er hatte seinen Notizblock zugeklappt und stand auf. Langsam schlenderte er zum Podium. „Sehr guter Vortrag“, sagte er und hängte für menschliche Ohren unhörbar leise noch ein: „schöner Mann“, dran.

„Ein Lob von ihnen ehrt mich unsagbar, Mister Flanagan“, erklärte Alvarez mit einem unverbindlichen Lächeln, ehe er frech grinste. Er nahm seine Unterlagen und vor allem die neuen Visitenkarten an sich und verstaute alles in einer Aktentasche, die er sich von seiner Schwester geborgt hatte, weil sie ihn nicht erneut mit dem verschlissenen Rucksack zum Vortrag gehen lassen wollte. „Sollen wir den Abend bei einer Pizza und einem Bier ausklingen lassen?“

Es machte ihn schon stutzig, dass Connor den Kopf ein wenig zwischen die Schultern zog und schuldbewusst drein sah. „An sich sehr gerne, aber...“, fing Connor an und das ließ Alvarez fragend eine Augenbraue heben. „Ja also, deine Schwester war hier und hat mir erzählt, dass sie ein Treffen mit Aset Khonshu und Assai de la Cruz de Sanchez heute Abend bei Cat für mich organisiert hat. Ich würde da gerne mit dir zusammen hin gehen.“

„Oh“, machte Alvarez erst einmal, denn damit hatte er nicht gerechnet. Schnell überschlug er im Kopf die Informationen, die er eben bekommen hatte und bewertete sie für sich. Doch dann nickte er, als er sah, dass Connor – ohne es selber zu merken – ziemlich flehend drein blickte. „Sicher, warum nicht. Ich muss nur unterwegs schnell was essen. Ich sterbe vor Hunger.“

„Ich lade dich ein und ich weiß auch, wo wir die beste vegetarische Pizza für dich kriegen.“ Connor strahlte und boxte Alvarez leicht gegen die Schulter, weil er ihn unbedingt berühren wollte. „Nachher wird auch Caleb Khonshu da sein, den wolltest du doch gerne mal beschnuppern.“ Connor grinste breit und zog seinen Freund am Ärmel mit sich zum Ausgang.

„Du weißt, wie man einen Jaguar anlockt, hm?“, lachte Alvarez und grinste. So, so, er würde also auf den Leoparden aus der Hölle treffen. Er war neugierig auf den Mann, denn er war bisher noch nicht dazu gekommen, in die Sprechstunde des Katers in den Park zu gehen. „Also los, füttere die Miez, damit ich dich nachher nicht blamiere und an den Hausherren herum knabbere.“

„Und damit noch einen Krieg zwischen den Clans heraufbeschwören?“ Connor guckte streng und schüttelte den Kopf. „Da solltest du lieber wieder an dem noch Clanlosen knabbern.“ Er leckte sich über die Lippen und wenn man ihn gut kannte, wusste man ganz genau, welchen Clanlosen er meinte und dass er ganz bestimmt darauf bestehen würde, dass das heute Nacht auf jeden Fall passierte.

„Du willst mich also wieder zum hemmungslosen Fleischkonsum animieren, du hinterhältiger Vampir“, flüsterte Alvarez leise, als sie den Flur entlang und zum Parkplatz gingen. Er hatte sich wieder Andrews Wagen borgen dürfen. „Aber warum willst du dich eigentlich mit den Vampiren treffen? Noch mehr Fragen, die Antworten bedürfen?“, wollte Alvarez wissen und strich Connor kurz über den Hintern, als sie um eine Ecke bogen.

„Unbedingt.“ Connor lachte ausgelassen und nach einem schnellen Blick in die Runde pinnte er Alvarez gegen die Wand und räuberte sich einen schnellen Kuss. Genauso schnell war er auch schon wieder weg und guckte unschuldig. „Ich werde mich wohl einem Clan anschließen müssen, wenn ich auf die Dauer überleben will und ich habe zwei zur Auswahl. Ich möchte raus finden, welcher für mich der richtige ist.“

„Nimm einen hinterhältigen, du passt da rein“, knurrte Alvarez grinsend und im Scherz, denn Connor hatte ihn wirklich überrascht. Doch genau das gefiel Alvarez. Er konnte nie genau sagen, wie der junge Mann im nächsten Augenblick reagieren würde, er konnte ihn zwar lesen, aber das hieß noch lange nicht, dass er ihn auch verstand. Und so fand er sich immer einmal wieder an eine Wand gepinnt mit einem leckeren heißen fremden Muskel zwischen seinen Lippen. Aber nie lange genug, um satt zu werden – nur gerade lange genug, um Appetit zu machen.

„Ich bin ein Vampir, was soll ich machen?“, lachte Connor leise und rannte zu Alvarez‘ Wagen. Ihm ging es gut, sehr gut sogar und das lag an dem dunkelhaarigen Mann, der gerade elegant, kraftvoll und sehr animalisch auf ihn zu lief. „Du kannst mich ja bestrafen, wenn wir bei mir Zuhause sind“, raunte er dunkel, als der Panther bei ihm ankam.

„Ich werde das Gefühl nicht los, dass dir meine Art der Bestrafung eine Menge Lust und Freude bereitet. Ich finde also, dass ich dich nicht noch belohnen sollte“, stellte Alvarez klar und öffnete den Wagen. „Wo fahren wir hin?“, wollte er wissen, denn er kannte weder die Pizzeria noch die Adresse von Cat und Ryan.

„Ich lotse dich dort hin.“ Connor setzte sich auf den Beifahrersitz und lachte, als er sich zu Alvarez drehte, der neben ihm saß. „Bitte bestraf mich, ich war frech zu dir und das kannst du doch nicht durchgehen lassen. Ich muss dir wohl das Versteck für meine Handschellen verraten.“ Wieder bekam Alvarez einen schnellen Kuss, dann saß Connor wieder, als wenn nichts gewesen wäre, auf seinem Sitz. „Wenn du vom Parkplatz kommst, musst du rechts abbiegen.“

„Heute Abend sind deine Füße fällig, Vampirjunge“, knurrte der Kater, denn langsam wurde ihm Connor eindeutig zu aufmüpfig. „Ich werde dich ganz bestimmt nicht auf meine übliche Art bestrafen. Das ist ja für dich keine Bestrafung. Aber du könntest mir die Handschellen trotzdem zeigen – so habe ich dich unter Kontrolle, wenn ich mich deinen Zehen widme mit meiner rauen Zunge.“

„Meine Füße?“ Connor wirkte wirklich beunruhigt, denn er traute Alvarez durchaus zu, seine Worte wahr zu machen. „Können wir da noch mal drüber verhandeln?“, fragte er und zeigte Alvarez gleichzeitig, wo er lang musste. „Ich lege noch was Süßes für dich drauf. Die haben leckeres Tiramisu.“

„Vergiss es, kleiner Vampir. So wie du dich heute mir gegenüber benommen hast, das war völlig ungebührlich. Das kann man mit ein bisschen Kuchen nicht wieder richten.“ Alvarez lenkte den Wagen immer dort entlang, wo Connor es angab, sah dabei aber kurz neben sich. „Da muss schon Fleisch her. Und wenn ich dich dabei gleichzeitig noch um den Verstand bringen kann, umso besser.“ Und dieses Mal war er auf der Hut. Noch mal flog er nicht gegen die Wand.

„Ich denke, du bist Vegetarier“, lachte Connor. Er war zwar sehr kitzelig an den Füßen, aber er war sich sicher, dass Alvarez ihn nicht quälen würde. Die Stunden, die sie gemeinsam verbracht hatten, hatten ihm gezeigt, dass Alvarez ein feuriger, aber auch aufmerksamer und zärtlicher Liebhaber war.

„Glaubst du wirklich, ich werde dir nach deinen Schikanen mir gegenüber noch meinen Luxuskörper zum Geschenk machen? Du bekommst die Katze mit der rauen Zunge, die quirlige Katze mit der nassen rauen Zunge. Mehr hast du dir heute leider nicht verdient. Damit hast du genügend Zeit heute Nacht mal darüber nachzudenken, was du da angestellt hast.“ Alvarez parkte, als Connor es ihm sagte und sah sich um. Hier war er noch nicht gewesen.

„Nur die Katze?“ Connor machte große Augen. Das war nicht die Nacht, die er sich erhofft hatte. „Ich mein, ich finde die Katze toll“, sagte er schnell, als eine Augenbraue gehoben wurde. „Aber kann ich nicht auch den Menschen Alvarez haben. Er darf mir auch zusehen, wenn er möchte.“

Alvarez löste den Gurt, stieg aber noch nicht aus. Er grinste zufrieden und lehnte sich etwas weiter in den Sitz, während er Connor undeutbar ansah. „Ich stehe darauf, wenn du darum bettelst, mich haben zu dürfen.“ Dann kicherte er wie eine alte Hexe und hüpfte eilig aus dem Wagen. Connor hatte spitze Finger und scheute sich nicht, den renitenten Kater damit in seine Schranken zu weisen.

Ihm folgte auch ein aufgebrachtes: „Du...“, dann war Connor auch schon aus dem Wagen und lief zu ihm. Er konnte dem Kater aber nicht böse sein, denn er hatte ja Recht. Connor wollte ihn haben und er war bereit einiges dafür zu tun, oder zu ertragen. „Du bist so ein Macho“, raunte er ihm zu und kniff Alvarez in den Hintern.

„Das wusstest du vorher. Das ist kein Mangel, du wirst mich also nicht einfach so zurückgeben können, um dein Geld wieder zu kriegen.“ Da er aber nicht wusste, wer sie beobachtete und wer von denen Connor kannte, vermied er es, den Staatsanwalt auf offener Straße zu küssen, sondern betrat lieber die Pizzeria vor der sie standen. Er ging einfach mal davon aus, dass diese ihr Ziel gewesen war.

„Ja, das wusste ich und ich möchte dich auch nicht zurückgeben.“ Connor folgte Alvarez und grüßte den Mann hinter der Theke freundlich. Sie kannten sich schon, denn Connor kam ziemlich oft hier her. „Hallo Sam, kannst du uns zwei vegetarische Pizzen machen“, bestellte er gleich und leckte sich schon unbewusst über die Lippen, wenn er nur an die Köstlichkeit dachte, in die er gleich beißen konnte.

Sam nickte und brummte irgendetwas. Alvarez sah ihn noch einmal an und grinste. Zwar wirkte der dunkelhäutige Mann mittleren Alters, als würde er gleich einschlafen, war unter seinem Hut kaum zu erkennen, doch seine Finger flogen nur so über den Teig und die Zutaten. Alvarez setzte sich zu Connor, der sich zwei Cola aus dem Eisschrank genommen hatte und ihm eine hinstellte. „Übermorgen wirst du mich aber wieder hergeben müssen, kleiner Vampir. Ich muss heim.“ Und es war das erste Mal, dass er wirklich versucht war, ein paar Tage Urlaub dranzuhängen.

„Übermorgen schon?“ Connor versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass Alvarez schon so bald wieder zurück musste. Er hatte zwar gewusst, dass der Jaguar nur für seine Vorträge hier her gekommen war, aber er hatte gehofft, dass er etwas länger bleiben würde. „Dann sollten wir die verbleibende Zeit so gut nutzen, wie es geht.“

„Dann heute also doch keine Bestrafung?“, fragte Alvarez und versuchte ein Grinsen, doch auch ihm schmeckte es gar nicht, sich von Connor trennen zu müssen. Doch es nutzte nichts. Er hatte zu Hause jede Menge zu tun und vorzubereiten. Und sicherlich hatte auch der Staatsanwalt zu tun. „Deswegen ist es vielleicht ganz gut, wenn du in einen Clan wechseln kannst. Dann weiß ich, dass du in sicheren Händen bist und nicht wieder unter die Räder kommst“, sagte er zusammenhanglos.

„Ja, das ist wahrscheinlich das beste.“ Connor legte den Kopf schief und atmete tief durch. „Ich hätte dich lieber noch länger hier in New York, aber ich weiß, dass du nach Hause musst. Wir können ja in Kontakt bleiben, wozu gibt es all die neuen Medien. Da kannst du dich jederzeit davon überzeugen, dass ich nicht unter die Räder gekommen bin.“

„Ja, das wäre toll. Mein jüngerer Bruder skyped mit seiner Frau, wenn sie zu Ausgrabungen unterwegs ist. Vielleicht kann er es mir beibringen – oder du machst das. Kannst du so was?“ Alvarez war nicht der Mann der technisch mit der Zeit ging. Er sah auf, als Sam mit zwei großen duftenden Tellern an ihren Tisch kam. Bei dem Duft lief dem Kater das Wasser im Munde zusammen.

Darum antwortete Connor ihm auch nicht gleich, denn er bedankte sich für das Essen und hatte auch gleich ein Stück Pizza in der Hand und biss ab. „Heiß, heiß“, jammerte er auch gleich und wedelte sich kalte Luft in den Mund. Das passierte ihm immer wieder und er lernte einfach nicht dazu. Darum bekam Alvarez auch erst ziemlich zeitverzögert seine Antwort. „Ich kann es dir auf deinem PC installieren, wenn du ihn mit hast.“

„Im Auto. Aber ich habe nur den einen PC. Wenn du ihn mir zerschießt, ist alles weg“, erklärte der Kater, auch wenn er eigentlich noch Sicherungen von allem hatte. So war er eben. Lieber besah er sich noch etwas seine Pizza, schnupperte und drehte sie. Es reichte, dass sich einer von beiden die Zunge verbrannt hatte. Eine sollte noch funktionieren, wenn sie heute noch Spaß haben wollten.

„Keine Sorge, ich werde ihn nicht kaputt machen.“ Connor war jetzt etwas vorsichtiger und pustete bevor er noch einmal abbiss. „Das ist ganz leicht, wirst du sehen. Zur Not schenke ich dir einen neuen, wenn ich ihn doch schrotten sollte.“

„Um den PC ist es mir nicht schade, meine Sorge gilt den Daten. Sie sind Teil meines Kapitals“, sagte Alvarez und da sich Connor nicht mehr den Mund verbrannte, begann auch er zu essen. Die Pizza roch nicht nur gut, sie schmeckte auch einmalig. Den Laden musste er sich merken.

„Ach so, dann zieh ich dir vorher Kopien von allem, was unter keinen Umständen verloren gehen darf.“ Jetzt, wo die erste Gier gestillt war, aß er langsamer und beobachtete Alvarez dabei, wie er seine Pizza genoss. „Skypen ist super einfach, wenn auch nicht so toll, wie dir gegenüber zu sitzen.“

„Du weißt, wo du mich findest, und ich hatte dich schon an unserem ersten Abend auf der Veranstaltung eingeladen, kurz bevor du meine Verlobung abgelehnt hast.“ Alvarez wackelte frech mit den Augenbrauen – damit zog er Connor immer noch gern auf. „Echt lecker das Zeug, Lob an die Küche“, musste er zugeben. „Wann erwarten dich die anderen eigentlich?“

„Ich habe Cat eine Nachricht geschickt, dass wir noch etwas essen und dann gleich zu ihr fahren. So schnell, wie wir die Pizza verschlingen, können wir bald los.“ Connor kicherte, denn ihre Teller hatten sich schon ziemlich geleert. Und das obwohl sie ziemlich groß waren.

Alvarez nickte und ließ die Information auf sich wirken. Er würde also auf Aset Khonshu treffen, er würde mit alten Vampiren in einem Raum sitzen. Er sah Connor an und plötzlich war es etwas weniger bedrückend, denn er wusste wieder, warum er das tat. „Und dann kannst du wieder jede Menge Fragen stellen. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass es noch etwas gibt, was du noch nicht erfragt hast.“ Er grinste frech.

„Och, ich finde bestimmt noch ein paar Fragen.“ Connor grinste breit und klaute Alvarez ein wenig Brokkoli von der Pizza, bot im Ausgleich aber sofort einen Pilz an. „Ich werde dich besuchen, denn da war ja noch mein Angebot, mich für deine Sache mit einem Schild an einen Baum zu ketten. Du darfst dir aussuchen, ob ich was anhaben werde, oder nicht.“

„Wir haben Kinder im Camp, ich wäre dafür, dass du etwas an hast, wenn du an einem Baum hängst. Was du anhaben wirst, wenn du ans Bett gekettet bist, darüber können wir anschließend neu verhandeln. Das hängt vielleicht davon ab, was du auf dein Schild schreibst.“ Alvarez kramte sein Portemonnaie heraus und zahlte für sie beide, dabei legte er noch ein ordentliches Trinkgeld drauf.

„Ja, wenn Kinder in der Nähe leben, dann sollte ich wohl angezogen sein.“ Connor stand auf und ging mit Alvarez zum Auto. „Das mit dem Anketten, können wir ja nachher bei mir schon einmal ausprobieren.“ Er winkte Sam zu und schon saßen sie wieder im Wagen. „So jetzt zu den hohen Tieren.“

„Leite mich“, sagte Alvarez, doch er nickte. „Ich bin mal gespannt, ob dieser Aset seinen Mann dabei haben wird. Ich bin gespannt auf diesen Leoparden aus der Hölle, wie meine Schwester und meine Nichte ihn nannten. Ich bin schon ganz aufgeregt“, kicherte er plötzlich, aber hauptsächlich um sich selber abzulenken. Ihm war nicht wohl bei dem, was sie vorhatten, doch er spürte, dass es wichtig für Connor war.

„Ich habe die beiden ja einmal getroffen. Aset war sehr kühl, aber nicht unfreundlich, aber mit seinem Mann hab ich mich kurz unterhalten. Er schien recht nett zu sein.“ Connor beugte sich noch einmal zu Alvarez und verband ihre Lippen zu einem schnellen, aber intensiven Kuss, dann erklärte er ihm, wie er fahren musste. „Da bist du nicht der einzige, der aufgeregt ist. Ich finde es noch immer unvorstellbar, wie viele unterschiedliche Spezies in New York leben und zwei der mächtigsten Vampire werde ich nachher treffen.“

„Ja, mächtige Vampire. Aber ich habe von einer Rasse gehört, die noch mächtiger sein soll als alte Vampire. Ich habe aber noch niemals einen gesehen“, murmelte Alvarez vor sich hin, als er sich an die Geschichten über Nagas erinnerte. Seine Eltern hatten davon gesprochen, wenn sie von den alten Clan-Kriegen sprachen. „Woher kennst du Aset denn? Beruflich?“

„Noch mächtiger? Was für eine Rasse ist das denn?“ Connor war sofort neugierig. Seit er von der Welt erfahren hatte, von der die Menschen nichts wussten, konnte er gar nicht genug erfahren. „Ich habe Aset und Caleb auf einer der vielen Wohltätigkeitsveranstaltungen getroffen, die ich über das Jahr besuche. Manche sind reine Pflicht und manche besuche ich wirklich gerne. Leider muss man als Staatsanwalt nicht nur viele Prozesse gewinnen, sondern auch Werbung betreiben.“

„Ach, verstehe schon. Aber es hat auch den Vorteil, dass man eine Menge Kontakte knüpfen kann, oder nicht?“ Alvarez ließ sich durch die verstopften Straßen leiten und ärgerte sich einmal mehr darüber, sich für das Auto entschieden zu haben. „Und was die mächtige Rasse angeht. Meine Eltern haben sie Nagas genannt, das sind Schlangenmenschen die unglaubliche mentale Fähigkeiten haben sollen. Gesehen habe ich noch keinen und ich kenne auch niemanden, der einem begegnet ist.“ Wobei sich Alvarez fragte, ob er wirklich noch nie einem begegnet war oder sie nur nicht erkannt hatte.

„Unglaublich, was es alles für unterschiedliche Rassen gibt. Ich weiß noch so wenig.“ Connor lachte, als Alvarez ihn kurz mit hochgezogener Braue ansah. „Ich weiß, ich stelle zu viele Fragen.“ Er fühlte sich wohl in der Nähe des Katers, sehr wohl und sicher. Das hatte er am Nachmittag bemerkt, als er ohne Alvarez unterwegs gewesen war. Er hatte sich unbehaglich gefühlt. Es hatte ihn unglaublich viel Anstrengung gekostet, sich nicht ständig panisch umzusehen. Er wollte sich nicht lächerlich machen. Doch er merkte auch, dass er sein sensibles Gehör noch nicht so weit trainiert hatte, dass er sich auf spezielle Geräusche im Trubel der Masse konzentrieren könnte.

„Genaugenommen war das ja jetzt keine Frage sondern eine Feststellung“, sagte Alvarez nur und umklammerte das Steuer etwas fester, um nicht zu schreien. Er hasste Städte.

„Sehr diplomatisch“, kicherte Connor und strich Alvarez kurz über den Oberschenkel. „Ich werde versuchen, dass es nicht so spät wird. Ich will ja noch was von dir haben, solange du noch hier bist.“ Connor lotste Alvarez zu dem Haus von Cat und Ryan. „Da vorne ist es.“ Er zeigte auf die Einfahrt und lehnte sich wieder zurück. Von dem Haus, konnte man wegen der hohen Mauern nichts sehen, aber Connor wusste, dass sie gleich auf ein großes Anwesen mit einer schönen, alten Villa fahren würden.

Sie klingelten also und ließen sich anmelden und dann öffnete sich das Tor.

 
 

14 

Alvarez fuhr die Auffahrt hinauf und sah sich dabei unauffällig um. „Ich hoffe auch, dass wir nachher noch ein bisschen Zeit für uns haben.“ Er grinste dreckig und sah zu Connor, doch dann blickte er wieder nach vorn, denn vor der Tür standen ein paar Leute. Zwei kannte er: Ryan und Cat.

Connor hatte sich etwas vorgebeugt, um besser sehen zu können. „Rechts, der mit den langen schwarzen Haaren, ist Aset und der Blonde daneben ist sein Mann Caleb“, erklärte er leise. Der Mann, den er nicht kannte, musste dann wohl Assai de la Cruz de Sanchez sein. „Man erwartet uns wohl schon.“

„Das ist also der Leopard“, sagte Alvarez und fixierte sich nur auf den Kater an der Seite des Vampirfürsten. Erst in zweiter Reihe interessierte er sich anschließend für Aset. Das war er also – Aset Khonshu. Das waren Ranus Eltern. Erst als der Wagen stand, sah er auch den zweiten alten Vampir, wobei es sich komisch anfühlte von alten Vampiren zu denken, wenn man die Männer sah. Kaum älter als vierzig.

„Wehe ihr rollt euch gleich im Pelz über den Rasen“, lachte Connor und stieg aus. Er war nervös, versuchte sich das aber nicht anmerken zu lassen, obwohl er wusste, dass ihm das nicht gelang. Mittlerweile wusste er, dass alle Anwesenden es riechen konnten. Denn sie waren schon länger in der Branche als der junge Vampir. Doch er hatte gelernt damit zu leben.

„Hallo Connor, hallo Alvarez. Schön, dass ihr es so schnell einrichten konntet. Leti war sich nicht sicher, ob ihr Zeit finden würdet. Schön, dass es wirklich geklappt hatte.“ Cat kam gleich auf die beiden zu, kaum dass die Autotüren zugeschlagen waren. Doch die erste, die die neuen erreichte war Kayla, die in einem ungeschützten Augenblick im Pelz durch die offene Tür schoss und als erste schnurrend Alvarez umkreiste. Sie spürte den Kater ganz deutlich.

Connor blieb stehen und besah sich lächelnd die kleine Katze. „Eins eurer Kinder, nehme ich an“, fragte er Cat und ließ sich von ihr kurz umarmen.

„Ja, das ist Kayla, unsere Tochter. Sie beschnuppert gern als erste neue Kater.“ Sie verdrehte die Augen und alle mussten schmunzeln, denn nun rieb sie ihren Kopf an Alvarez‘ Bein. Sie schnurrte immer lauter bis Alvarez sich grinsend zu ihr beugte und sie hinter den Ohren kraulte und unter dem Kinn, bis sie den Kopf so weit in den Nacken gelegt hatte, dass sie ihre Familie auf der Treppe sehen konnte. Doch sie schloss genießend die Augen.

„Stiehlt sie dir die Show“, flüsterte Cat leise zu Connor, als sie ihn zu den anderen führte, während Kayla nicht zuließ, dass Alvarez sich bewegte.

„Er wird mit mir nach Hause fahren“, flüsterte Connor grinsend zurück und begrüßte dann Ryan und die anderen. „Danke, dass sie sich bereit erklärt haben, meine Fragen zu beantworten, auch wenn Alvarez nicht glaubt, dass es noch Fragen gibt, die ich nicht gestellt habe.“ Er riskierte einen schnellen Blick zu dem Jaguar, aber der war gerade intensiv mit Kayla beschäftigt und beschmuste sie. Doch weil es unhöflich war, Gastgeber warten zu lassen, hob er sie kurzerhand auf den Arm und kraulte sie weiter, als sie erste Unmutsbekundungen laut werden ließ. Das lockte Nicolas ebenfalls vor die Tür, der sich gerade die Schnauze leckte und nun jemanden zum Raufen suchte. Auch Alvarez begrüßte Aset und Assai sowie die Clanmitglieder, wenn auch etwas umständlich. Caleb grinste nur, als er sah wie Kayla sich fest klammerte.

So schnell wurde der Jaguar die Kurze nicht wieder los. Sie hatte eben ein einnehmendes Wesen. Deswegen fauchte sie auch böse, als ihr Bruder einfach Alvarez ansprang. Er wollte raufen und da musste der Neue herhalten. Schließlich musste dessen Rauftauglichkeit getestet werden.

„Nici“, rief Cat und hielt sich eine Hand vor die Augen. Warum mussten ihre Kinder sie nur ständig blamieren? Aber Alvarez lachte nur. Weil er aber nicht mit Nicolas raufen konnte, lief er vor ihm weg, was der kleine Kater auch gleich als Aufforderung sah, Beute zu schlagen. Und so kam Alvarez schnell an seine Grenzen. Er war zwar ein guter Läufer, aber auf ihm turnte ein junger Leopard, der nun seinerseits nach Nicolas fauchte und schlug und Alvarez immer wieder drohte aus dem Gleichgewicht zu bringen.

„So, die Kinder sind versorgt. Jetzt können wir zum gemütlichen Teil übergehen“, schlug Aset lachend vor, doch auch er beobachtete noch ein paar Minuten, wie sich der Jaguar schlug. Er hatte sich bereits über Alvarez informiert und wusste, dass er der Anführer seines Clans war.

„War ja klar, dass der sich wieder gleich die jungen Katzen schnappt.“ Connor schüttelte grinsend den Kopf und sprintete dann auf einmal los, als Alvarez schwankte, weil die Geschwister auf und um ihn herumturnten. Der junge Vampir zog Alvarez an sich und küsste ihn kurz auf die Lippen. „Na, schon mit zwei kleinen Katzen überfordert?“, neckte er ihn.

„Mach du nur deine Witzchen, Vampirjunge. Aber das sind heimtückische Gegner. Sie benutzen die grausamste Waffe, die man nur benutzen kann – ihre Niedlichkeit. Hemmungslos und hinterhältig schlagen sie immer wieder zu. Da!“ Kurzerhand griff sich Alvarez als erstes Kayla, die gar nicht begeistert davon war, dass sie umgeschichtet werden sollte und anschließend hatte Connor Nicolas auf dem anderen Arm, während sich Alvarez imaginären Staub von den Händen klopfte und zum Haus ging.

„Ja, aber...“, Connor sah Alvarez verstört hinterher. Das war ihm jetzt zu schnell gegangen. Er hatte aber gar keine Zeit, sich davon zu erholen, denn nun war er in den Fokus der jungen Leoparden geraten. Sie tatzten nach ihm und sahen dabei so niedlich aus, dass der Vampir nur angetan seufzte und es sich einfach gefallen ließ. Das hatte Alvarez also gemeint. „Ihr seid ja gemeingefährlich“, lachte er und trug die beiden Kleinen zurück zu den anderen.

„Er hat‘s schnell gemerkt“, kicherte Cat, während sie ihren Bruder beobachtete, wie er versuchte auffällig unauffällig den Jaguar mit Blicken abzuchecken und einzuschätzen. Es würde sie nicht wundern, wenn die beiden in einer halben Stunde pelzig fauchend über den Rasen rollten.

„Kommt erst einmal rein. Cat hat Erfrischungen vorbereitet“, sagte Ryan und befreite den jungen Vampir von seinem Sohn, der nun seinen Spaß daran hatte, immer wieder Connor auf den Kopf zu tatzen und ihm die Augen zuzuhalten. Von wem sie das nur hatten?

„Süße Kinder.“ Connor kraulte Kayla und folgte Ryan und den anderen ins Haus. Er sah sich um und das Haus gefiel ihm. Es war gemütlich eingerichtet und überall gab es Anzeichen dafür, dass hier Kinder lebten, denn hier und da lag Spielzeug auf dem Boden. Aber es ließ sich nicht leugnen, dass es sich um kleine Katzen handelte, denn Türrahmen und ein paar der Möbel hatten Kratzspuren. Manchmal waren die Kinder einfach schneller.

„Nehmt Platz.“ Aset und Caleb hatten sich schon an den langen Tisch gesetzt, der mit Getränken und kleinen Häppchen dekoriert worden war. Auch Assai nahm Platz und Alvarez war klar, dass die Männer oft hier waren, sie bewegten sich, als wären sie hier zu Hause. Er lächelte. So war Familie eben – er vermisste es, wenn er hier war, und er vermisste seine Schwester und ihre Familie, wenn er in Brasilien war. Ein bisschen beneidete er die Leute hier.

Connor setzte sich neben Alvarez und ganz wie von selbst legte sich seine Hand auf das Bein seines Freundes. Er war ziemlich nervös. Was er bisher über Vampire erfahren hatte, war nicht gerade leichte Kost gewesen. „Also...“, fing er an und stockte gleich wieder, weil er nicht wusste, wie er anfangen sollte. Aset kam ihm zur Hilfe, nachdem er einen Ellenbogenstoß von Caleb erhalten hatte. Sich die Seite reibend, sah er Connor an. „Du überlegst also, dich einem Clan anzuschließen und möchtest herausfinden, welcher der richtige für dich ist.“

Connor nickte eifrig, während sich Alvarez die Zeit nahm, die am Tisch zu beobachten, die er noch nicht kannte.

„Also Ryan hatte erzählt, dass die Überlebenschancen für einen Clanlosen nicht so gut stehen und es deswegen besser wäre, sich einem Clan anzuschließen.“

Auch Assai nickte. „Ja, da hat Ryan Recht. Der Clan bietet gewisse Sicherheiten, bedeutet aber auch Regeln, an die man sich halten muss. Glaubst du, du willst so was?“

„Das kommt auf die Regeln an.“ Connor lächelte ein wenig schief. „Ich habe nichts gegen Regeln, sie müssen sein, wenn ein Zusammenleben funktionieren soll. Erzählt mir mehr von den Regeln. Gibt es welche, die in allen Clans gleich sind, oder macht jeder seine eigenen?“

„Es gibt grundsätzliche Regeln, die haben mit dem Clan an sich nichts zu tun“, antwortete Aset und Assai lehnte sich zurück. „Schweigen gegenüber den Menschen ist die oberste Regel. Es darf niemals jemand erfahren, dass es mehr gibt, als sie sich vorstellen können. Sie halten sich für die Krone der Schöpfung, das sollte man auch so lassen. Das macht sie überheblich und sie weigern sich, an das zu glauben, was sie mystisch nennen. Dafür ist es notwendig, menschliche Ärzte zu meiden. Ein paar von denen könnten neugierig werden. Das zieht Ärger nach sich.“

„Hmm.“ Connor nickte. Das konnte er verstehen. Er hatte lange genug selbst als Mensch gelebt, um sie zu kennen. „Ja, Menschen sollten besser nicht von uns erfahren, da bin ich ganz deiner Meinung. Auch, was du über die Ärzte gesagt hast. Da ich regelmäßig Bluttransfusionen bekomme, sollte ich also besser in eines der Krankenhäuser für Vampire und Wertiere gehen.“

„Du solltest trinken“, erklärte Aset und sah unverhohlen Alvarez an, der unter dem Tisch gerade ein bisschen mit dem wild fauchenden Nicolas raufte, während ihm Kayla schon wieder auf dem Schoß herum turnte. Als er den Blick spürte, sah er auf.

„Das hat Alvarez auch gesagt“, murmelte Connor, ein wenig verlegen. „Ich kann mich da aber noch nicht mit anfreunden. Für mich ist das alles noch ziemlich neu und ich habe Hemmungen jemanden zu..... na eben das zu machen, was Vampire eben machen.“ Er ruderte mit den Händen und senkte den Blick. Das war schon irgendwie peinlich, was für ein Angsthase er war.

Es war keine Absicht, doch Caleb musste kichern, entschuldigte sich aber gleich bei Connor, dass er sich nicht über ihn lustig machen wollte, sondern nur darüber erstaunt war, wie unverdorben der junge Vampir noch war. Aset sah mit gehobener Braue neben sich, während Assai leise in sich hinein grummelte. „Alvarez hat Recht, du solltest trinken. Das ist die beste Form der Blutzufuhr. Transfusionen werden auf Dauer nicht stillen, was du suchst.“

„Ich weiß.“ Connor sah wieder auf und grinste schief. „Da ich aber noch keine Ahnung davon habe, was ich suche, warte ich noch ab. Es ist ja nicht so, dass ich es nie probieren möchte, aber ich warte auf den richtigen Augenblick.“ Er sah kurz zu Alvarez und grinste. „Welches Blut ist denn das Leckerste?“

„Kurz vor dem Orgasmus“, sagte der ungerührt, grinste dann aber dreckig, ehe er sich wieder Kayla widmete, die mittlerweile von oben auf ihren Bruder hinab tatzte, der seinerseits unter dem Tisch nach oben tatzte und Alvarez aufpassen musste, dass er nicht dazwischen kam.

Connor konnte nicht verhindern, dass er etwas rote Schatten auf den Wangen bekam, denn die Worte lösten ein angenehmes Prickeln in seinem Unterleib aus. „Gut zu wissen“, nuschelte er und räusperte sich. „Wieder zu den Clans. Ich habe immer noch keine Ahnung, welcher der richtige für mich ist.“

Doch Assai ignorierte diese Frage und sah den jungen Vampir durchdringend an. „Du kannst nicht ewig warten, Connor“, sagte nun auch Assai. „Wenn du sonst zweimal die Woche Transfusionen bekommen hast, darfst du jetzt nicht weniger pro Woche zu dir nehmen, sonst setzt der Hunger ein und irgendwann wirst du wahnsinnig oder ohnmächtig vor Schmerzen. Zögere nicht zu lange.“ Der Portugiese redete eindringlich, denn Connor sollte nicht durch seine Angst anfangen, sich immer weiter rein zu steigern. Trinken musste etwas Normales, Alltägliches für ihn werden, kein zelebriertes Ritual. Das musste er begreifen – je früher desto besser.

Connor nickte. Alvarez hatte ihm das auch schon gesagt, aber es auch von Assai zu hören, hatte ein ganz anderes Gewicht. „Das werde ich auch nicht und ich werde meine Transfusionen auch nicht verringern. Ich möchte niemanden gefährden.“ Er kam wohl nicht drum rum, sich mit dieser Seite seines Wesens zu beschäftigen.

„Aber daran seht ihr auch, dass er jemanden braucht. In Asets Clan würde er eingehen. Tut mir leid, Schwager, aber so ist das nun mal. In der Hierarchie deiner Organisation wird er zerrieben, die warten doch nur auf ein Opfer wie ihn. Ich glaube, dass Assais Clan besser geeignet ist. Er hat einfühlsame Mitarbeiter, die Connor an die Hand nehmen können und ihm zeigen, auf was es ankommt.“ Cathleen nahm da kein Blatt vor den Mund. Eigentlich war von Anfang an klar, dass Asets Clan nicht in Frage kam. Aber der Vampirfürst hatte es sich nicht nehmen lassen, den jungen Vampir einmal eindringlich zu beschnüffeln.

Was ihn nicht daran hinderte, pikiert drein zu sehen. „Immer werde ich hier verunglimpft“, grummelte er, wurde aber von Caleb unterbrochen, der laut los lachte. „Das sagt einer, der sich selbst als einen elenden Bastard bezeichnet, dem man besser nicht in die Quere kommt.“ Entgegen seiner Worte, strich Caleb seinem Gatten durch die Haare. „Dein Clan ist ein Rattenhaufen, das wissen wir alle und da gehört Connor wirklich nicht rein.“

„Nein, er wäre ein Stückchen leckerer Ceddar in dem Rattenhaufen und nach einem Tag weg.“ Cathleen grinste und auch Ryan konnte sich heute mit etwas Abstand zu seinem ehemaligen Clan ein Grinsen nicht verkneifen.

„Kannst du damit leben, dass wir dich Assai zuordnen würden. Wir können das ja schlecht über deinen und seinen Kopf hinweg entscheiden.“ Dass Assai sich wehrte, das konnte sich Caleb nicht vorstellen. Der junge Vampir brachte einen großen schwarzen Panther mit sich, eine neue Katze in Assais Sammlung. Das sah man ihm deutlich an, aber Caleb vermied es zu sticheln, er wollte nicht, dass der Jaguar das falsch verstand. Doch der war mittlerweile fast unter dem Tisch verschwunden.

„Äh... ich denke schon.“ Connor sah zu Assai. Der Mann war ihm auf Anhieb sympathisch gewesen. Er war auch ein mächtiger Mann, dass wusste er, aber er hatte nicht diese dunkle Aura, die einen ein wenig schaudern ließ. „Wenn Assai damit einverstanden ist.“

„Wir würden dir nicht das Angebot machen, wenn wir das nicht vorher besprochen hätten“, sagte Aset und Assai nickte dazu. „Ich würde dich gern in meinen Clan aufnehmen. Einen guten Anwalt – gerade in deinem Spezialgebiet – kann man immer gebrauchen.“ Er grinste, doch es war nicht ganz gelogen. Er würde es Connor überlassen, ob er weiter Staatsanwalt blieb oder in die Organisation wechselte. Das war keine Bedingung und das sagte er ihm auch deutlich, weil der junge Vampir doch etwas verstört guckte. Alle zuckten, als es einen lauten Schlag gab – Nicolas und Kayla hatten ihr Opfer vom Stuhl unter den Tisch gezerrt und kauten jetzt auf ihm herum.

„Ey, den brauch ich noch“, rief Connor und verschwand ebenfalls mit dem Kopf unter dem Tisch. „Da, da und da“, Connor zeigte auf Mund, Schoß und Hintern von Alvarez, „wird nicht geknabbert, den Rest könnt ihr bearbeiten, aber nicht kaputt machen.“ Er bedachte noch nicht einmal, wie komisch sich das wohl für alle anderen am Tisch anhören musste. „Er gehört definitiv in Assais Clan“, lachte Cat, als er wieder unter dem Tisch hervorkam. „Er ist auch Katzenverrückt.“

„Hä?“, machte Connor jetzt doch etwas unverständlich, entschuldigte sich aber für die plumpe Kommunikation. „Assai ist vernarrt in Katzen und hübsche ausgefallene Katzen sind in seinem Umfeld immer willkommen.“ Cathleen kicherte albern, als Assai die Backen aufblies, aber auch nicht widersprach. Er nuschelte nur leise vor sich hin, während er zur Ablenkung Nicolas unter dem Tisch hervor zerrte, um sich beim Streicheln abzulenken, auch wenn der kleine Kater Zeter und Mordio schimpfte.

Man sah das Verstehen, regelrecht in Connors Augen aufleuchten. „Ein Panther wäre also genau sein Ding. Ein herrliches, schwarzes Kraftpaket, elegant und tödlich.“ Als alle am Tisch nickten und Assai leuchtende Augen bekam, musste er lachen. „Nur ansehen.“

Alvarez hatte verstanden – er war die Eintrittskarte für Connor und damit hatte er kein Problem. Er zeigte sich gern und so dauerte es keine drei Sekunden, da schoss ein schwarzer Panther unter dem Tisch hervor und nahm auf seinem Stuhl wieder Platz. Neben ihm saß eine verwirrte Kayla und meckerte leise, bis sie begriff, dass man mit dem da noch viel mehr Spaß haben konnte. Assai hingegen machte große Augen und grinste dümmlich. Er war wie ein Reh im Scheinwerferlicht, er konnte das Blitzlicht der Kamera nicht früh genug bemerken.

Mindestens vier Handys schossen Fotos. Das war erstklassige Währung. Assai war nicht so leicht zu überrumpeln, das musste man ausnutzen. Connor strich Alvarez durch das Fell und hob Kayla hoch. „Kannst ihn gleich haben, aber ich glaube, der große Kater, würde jetzt gerne mit deinem Onkel raufen.“

Der Panther sah aus, als würde er eine Braue heben und sah den großen Leoparden auffordernd an. Er wollte diesem Leoparden aus der Hölle endlich gegenüber stehen. Als Mensch wirkte er sehr nett und bestimmend. Doch wie war er als Katze?

„Was? Ich?“, fragte Caleb etwas irritiert und besah sich weiter den Panther. Der hob eine Pfote, so als wollte er den Leoparden herausfordernd zu sich winken.

„Na ja, es kann sein, dass ich ihm da einen Floh ins Ohr gesetzt habe, mit dem Leoparden aus der Hölle“, kicherte Cat, stupste aber Caleb an, damit der sich endlich wandelte. „Nun mach schon und du brauchst gar nicht pikiert zu gucken. Es ist die reine Wahrheit.“

„Warum musst du eigentlich immer bei fremden Leuten dafür sorgen, dass keiner mich leiden kann. Was habe ich getan, um eine solche Schwester zu verdienen?“ Caleb knurrte leise, grinste aber. So war sie eben und so war er auch. Sie schenkten sich nichts, wenn sich die Gelegenheit ergab, den anderen ein bisschen zu triezen. Connor versuchte das noch einzuordnen, doch dann stand er auch schon da – ein Leopard von Ausmaßen, die selbst den schwarzen Jaguar kurz die Luft anhalten ließen.

„Spielt draußen – das Mobiliar hatte schon unter den Kindern zu leiden.“

„Wow“, entkam es Connor. So einen riesigen Leoparden hatte er noch nie gesehen. „Jetzt verstehe ich auch, was ihr mit dem Leopard aus der Hölle meintet. Caleb ist beeindruckend.“ Er stupste Alvarez an und küsste ihn auf die Schnauze. „Los raus in den Garten und wehe, du kommst vollkommen zerfleddert wieder.“

„Du hast es gehört, Brüderchen. Mach ihn ja nicht kaputt. Nur ein bisschen beißen und Katzenschubsen. Keine wichtige Teile abbeißen und wenn doch bring sie mit, ich kann sie wieder annähen.“ Cathleen lachte den beiden Katern hinterher und Assai war wieder ansprechbar. „Hübsche Miez“, sagte er, „passt zu unserem weißen Nebelparder.“